Kategorie-Archiv: Tugendterrorismus

Denunziation als Mittel zur sozialen Ausgrenzung


Am 19. Mai versucht die „identitäre Bewegung“ vor dem Bundesministerium für Justiz eine Demonstration gegen das Netzwerkdurchsetzungsgesetz von Heiko Maas. Alexander Wallasch hat auf TE schon auf die Hysterie schürenden Artikel in den Leitmedien verwiesen. Hatte man Die ZEIT (wo blieb die Wirkung der di-Lorenzo-Selbstkritik?) und las man die WELT oder andere Medien, musste man den Eindruck bekommen, gerade einem Staatsstreich von Neonazis entronnen zu sein.

Ein gutes Bild kann sich aber jeder selbst machen, wenn er das Video von der Aktion sieht. Waren, wie von vielen Medien nahegelegt, gewalttätige Horden kurz davor die Demokratie lahmzulegen? Zwar hatte der Fahrer des Transporters der Identitären bei der Anfahrt fast einen Verkehrsunfall verursacht und wird deshalb gesucht, das heißt aber nicht, wie von ZON und Welt-Online nahegelegt, dass eine Horde Schwerverbrecher im Anmarsch waren.

Die Protestler hatten ihre Aktion durch das Tragen von NVA-Uniformen und die deutlich erkennbaren „DDR“-Fahnen klar als Satire erkennbar gemacht. Es ging ihnen offensichtlich um den Protest gegen das Maas´sche Internet-Kontroll-Gesetz (NetzDG), die Autoren von Leitmedien wollten Anderes interpretieren.

In den 60er Jahren nannte man solche Aktionen Sit-ins. Die Protest-Akteure waren damals wie heute junge Leute. Damals wie heute wird von der Qualitätspresse in gleicher Weise darüber berichtet.

ZON (Zeit Online) geht nun einen wesentlichen Schritt weiter

Neben der Darstellung, als ob ein gewalttätiger Staatstreich von „rechts“ kurz bevorstehe, nennen die ZON-Autoren explizit die Namen aller Teilnehmer der Protestaktion, deren sie namhaft werden konnten. Statt einer Anzeige und dem dann folgenden rechtsstaatlichen Verfahren ist Denunziation angesagt. Ein medialer Pranger im Dienste des „Guten“.

Was sagen diese Zeit-Kollegen dazu – „Interpretieren Sie wohlwollend“? Wie verträgt sich das mit der Selbstkritik des Chefredakteurs von der nötigen „Deutungsdemut„? Wie mit dieser Zeit-Aktion?: „Wann haben Sie das letzte Mal ausführlich mit jemandem gesprochen, der ganz andere politische Ansichten hatte?“

Was folgt als nächstes? Die Veröffentlichung der Adresse? Des Arbeitsplatzes? Eine Aufforderung an die Antifa, das Recht in die eigene Hand zu nehmen? Ach, das ist gar nicht mehr nötig …?

Denunziation als Mittel zur sozialen Ausgrenzung

Denunziation ist immer auch eine indirekte Aufforderung zur sozialen Ausgrenzung. Unausgesprochen werden in dem Artikel Sanktionen gegen die Betroffenen erwartet. Insofern ist Denunziation ein Mittel der sozialen Kontrolle, um ungewollte Opposition zu unterdrücken.

Wenn das aber bei ZON inzwischen so üblich sein sollte, kann man dann schon auf Namenspräsentation der „Antifa“-Teilnehmer bei der nächsten 1. Mai-Demo gespannt sein. Da geht es dann wirklich um Gewalt gegen Polizisten und nicht um gewaltfreie Demonstrationen.

Der Unterschied zwischen „Identitären“ und „Antifa“ ist: Die „Identitären“ protestieren mit offenem Gesicht und bisher gewaltfrei, die „Antifa“ vermummt und sehr oft gewalttätig. Das Gewaltlose stört die „Störungsmelder“ auf ZON, das Gewalttätige weniger, sonst würde sie darüber berichten.

Was ist nun das Problem der Denunziation?

Der Denunziant meint, das Gute zu tun. In seiner Gesinnungsethik geht es ihm nur darum, dass sich seine Ideologie durchsetzt, dazu greift er auch zur Denunziation. Das ist das Problem der beiden ZON-Autoren. Aber die Werte der Demokratie und des Rechtsstaates gelten für alle, auch für Vertreter anderer Meinungen und Ideologien.

Und das Problem eines ehemals renommierten Nachrichtenportals von großer Reichweite ist, dass es inzwischen nicht mehr davor zurückschreckt, Denunziation zu veröffentlichen, um ihr nicht genehme oppositionelle Proteste anzuschwärzen. Sie praktiziert also genau das, was sie ihren Gegnern vorwirft.

Das erinnert an dunkle Zeiten.

Aufforderungen zum Denunziantentum am Arbeitsplatz von Verdi tun ein Übriges, um ein politisch verklemmtes Klima zu schaffen. Wer hätte gedacht, dass die Hoffmann von Fallersleben zugeschriebenen Worte nach den Niederungen des 19. und des 20. Jahrhunderts auch im 21. Jahrhundert noch eine Rolle spielen:

Der größte Lump im ganzen Land,
das ist und bleibt der Denunziant.

Ging es im 20. Jahrhundert darum, erst die Kommunisten und dann die Antikommunisten aufzuspüren, sollen nun die „Rassisten“ aufgespürt und ausgegrenzt werden. Natürlich sieht Verdi und Andere im Dienst einer „guten Sache“, aber das hat noch jede Ideologie getan. Der Feind steht immer da, wo sich die herrschende Leitkultur in Frage gestellt fühlt.

Beim Kampf gegen rechts erinnert einiges an die McCarthy-Ära in den USA. Viel Ähnliches passiert, nur eben mit umgekehrten Vorzeichen. Wurde damals in den USA auf alles Jagd gemacht, was „links“ war, ist heute der Kampf gegen „rechts“ das Motto der Zeit. Hysterische Ängste in der Bevölkerung werden geschürt, um Andersdenkende auszugrenzen und mundtot zu machen. („Wehret den Anfängen!“) Und wie damals, sind auch heute im Dienste „des Guten“ fast alle Mittel recht.

Was bewirkt das Mobbing durch die herrschenden Elite?

Wer sich als Normalo oder „rechts“ Denkender von p. c. Intellektuellen in die Ecke getrieben fühlt, der greift in der von ihm gefühlten Ohnmacht im Internet manchmal leider auch in die unterste Schublade („links“ nicht weniger häufig). Natürlich sind gepöbelte Morddrohungen jenseits der Meinungsfreiheit. Aber das ist eine Sache des Staatsanwalts und nicht der Selbstjustiz.

Bei vielen Menschen ist heute die Angst vor Denunziation und die Einschüchterung groß. Das schürt Hass. Der Anpassungsdruck geht so weit, dass sich viele selbst bei anonymen Umfragen mitunter nicht getrauen, sich zur FDP, CSU oder AfD zu bekennen. Von den Medien wird das achselzuckend akzeptiert, dient es doch der „richtigen“ Gesinnung. Man stelle sich einmal vor, das beträfe die Grünen.

Deutschland im Sog des rot-grünen Tugendterrors


Am Donnerstag hat der Teufel im Landtag von Baden-Württemberg die Gestalt von AfD-Mann Rainer Podeswa angenommen und die Verbrennung von Frauen für die Klimarettung gefordert. Fast alle Qualitätsmedien hielten es für so wahrscheinlich, dass dieser Fake wahr sein könnte, dass sie umgehend eine News daraus gemacht haben. Mit allen Zeichen rasender Empörung unterrichteten von Welt über Focus bis Stern ihre schwindende Leserschaft über die satanische Rede des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD.

Am nächsten Tag mussten alle den Schwanz einziehen und sich korrigieren, weil Podeswa natürlich nichts dergleichen gesagt hatte. Allein die Tatsache, dass unsere Qualitätsmedien glauben und ihren Lesern weismachen wollten, dass die dpa-Meldung über den angeblichen menschenverachtenden Skandal wahr ist, dass keiner auf den Gedanken kam, eine so haarsträubende Geschichte nachzuprüfen, wirft ein Schlaglicht auf die Verkommenheit der veröffentlichten Meinung. Übertroffen wird die Perfidie höchstens von „Richtigstellungen“, wie sie von T-Online veröffentlicht wurden:

Gestern betitelten wir einen Artikel: „AfD-Mann empfiehlt Frauenverbrennung gegen den Klimawandel“. Diese Schlagzeile und die damit verbundene Interpretation der Absichten des AfD- Abgeordneten Rainer Podeswa waren falsch. Wir haben uns bei der Arbeit ausschließlich auf eine Meldung der Deutschen Presse Agentur (dpa) verlassen und Inhalt und Richtigkeit nicht angemessen geprüft. Dabei haben wir unsere eigenen Ansprüche nicht erfüllt.“ Entschuldigung? Fehlanzeige! im Gegenteil: „Man kann Podeswa also vorwerfen, er habe einen unangemessenen und extrem provokanten Vergleich zwischen den Ansichten der Grünen zum Klimawandel und den Handlungsweisen im Mittelalter gezogen.“ Rechthaberei statt Reue über das eigene Fehlverhalten. Die nächste auf Fake-News beruhende Kampagne ist vorprogrammiert.

Podeswa wurde einen Tag lang wie die berühmte Sau durchs Mediendorf getrieben. Keinem der Qualitätsjournalisten kommt es offenbar in den Sinn, wie sehr ihr Verhalten dem ihrer Kollegen in totalitären Systemen gleicht, wenn sie auf angebliche Feinde gehetzt wurden. In beiden deutschen Diktaturen bekamen die Journalisten noch Anleitungen und Befehle, heute wird im eigenen politisch-korrekten Auftrag gehandelt, ungeachtet aller Folgen.

Der verbalen Dämonisierung der AfD folgen auf der Straße die Kämpfer von der Antifa und ihre Gesinnungsgenossen mit Zaunlatten, Steinen, Flaschen, Blendgranaten. Wer sich offen zur AfD bekennt, riskiert beschimpft, bespuckt oder verhöhnt zu werden. Die Bilder, wie beispielsweise der Ex-Sozialdemokrat und AfD-Landtagskandidat Guido Reil auf der Demo zum 1. Mai von finster blickenden Gewerkschaftern bedrängt wird, sind auf YouTube zu sehen.

In Berlin wurde aktuell die Chefredakteurin der Lokalzeitung „Kiez und Kneipe“ bedroht mit „Pass auf, dass dir nicht mal was beim Radfahren passiert“, weil sie in einer Reihe zur Bundestagswahl eben auch den Kandidaten der AfD zu Wort kommen lassen wollte.

In ganz Schleswig-Holstein soll es nur noch zwei Wirte geben, die es wagen, der AfD einen Raum zu vermieten. Einer davon will demnächst aufgeben. Wie es Hotels ergeht, die einen AfD-Parteitag bei sich abhalten lassen, hat man unlängst in Köln erlebt. Die Hotelkette hat schon bekundet, dass sie ihre Räume nicht mehr zur Verfügung stellen will.

Charakteristisch für die Stimmungsmache ist die Aktion einiger Jusos in der Innenstadt von Neuss, die ein fröhliches Dosenwerfen auf „Nazis“ veranstaltet haben. Die Nazis waren neben Donald Trump, Marine Le Pen und Frauke Petry noch andere AfD-Politiker. Dem Jungvolk ist anscheinend nicht bewusst, dass es sich benimmt wie seine lieben Großeltern oder vielleicht Urgroßeltern, die sich seinerzeit auch einen Riesenspaß daraus gemacht haben, Menschen zu bewerfen.

In Deutschland 2017 findet täglich Menschenjagd statt, ausgeübt von Leuten, die beteuern, sie schämten sich in Grund und Boden für das, was in Deutschland mal möglich war. Sie wiederholen aber die Haltungen und Handlungen derer, die sie zu ächten vorgeben und können sich der klammheimlichen Freude ihrer Gesinnungsgenossen sicher sein. Unsere Qualitätsjournalisten gießen mit Kampagnen wie der gegen Podeswa noch Öl ins Feuer, statt Alarm zu schlagen, weil unser demokratisches Haus an allen vier Ecken brennt.

Zensur- und Prüderie-Rollback


Wann, frage ich mich manchmal, ist mir zum ersten Mal der orwelleske Begriff „politisch korrekt“ begegnet? Vielleicht war es 1993, in einem „Zeit“-Aufsatz von Dieter E. Zimmer. Der langjährige Redakteur der Wochenschrift, auch mal ihr Feuilletonchef, beschrieb darin als freier Autor eine „neue Tugenddiktatur“, die sich an amerikanischen Universitäten ausbreitete, wie ihm ein kalifornischer Literaturwissenschaftler berichtet hatte. Politically correct sei es, „überall Rassismus und Sexismus zu wittern und mit Beschwerden, Klagen, Demos, Redeverboten, Denkverboten dagegen einzuschreiten“. Das Gespräch, so Zimmer, sei ungefähr vier Jahre her; es muss demnach anno 1989 stattgefunden haben.

Sein Essay „PC oder: Da hört die Gemütlichkeit auf“ war vielleicht der erste ahnungsvolle Versuch einer Sondierung, ob und wie weit der „moralische Furor“ aus Amerika, „der Wind politischer Rechtschaffenheit“ (Zimmer), auch Deutschland erfasst habe. Sein Urteil fiel eindeutig aus: „Das ist so etwas wie ein starker, steter Wind aus politischen Grundsatzgefühlen, der ursprünglich von links kommt, aber längst die ganze Landschaft bestreicht. Daß eine bestimmte Brise bläst, merkt natürlich nie, wer sich mit ihr bewegt.“

Zimmers Stück war glänzend geschrieben und voller hübscher Seitenhiebe, ein echter Lesegenuss. Aber abkaufen mochte ich ihm seine Kernthese denn doch nicht so recht. Dass man in den USA (an manchen ihrer besonders abgehobenen Plätze jedenfalls) Dumme in „Andersfähige“ umgetauft hatte und Kleingewachsene „vertically challenged“ nannte, waren für mich nur die üblichen Sumpfblüten einer Campuskultur, welche sich an Amerikas Ost- und Westküste noch stickiger anfühlt als anderswo. Doch wohl ein Witz, das Ganze? So durchgeknallt konnten Europäer niemals sein, nicht mal ihre Studis – oder?

Ein früher Anflug von politischem Korrektheitsgetue war in Deutschland kläglich gescheitert. Der wohl in den 1970ern gestartete Versuch, Putzfrauen zu „Raumpflegerinnen“ zu adeln, hatte sich im Volksmund nie durchgesetzt, außer als wohlfeiler Joke. So, wie Knöllchenverteiler schlicht und einfach Knöllchenverteiler bleiben, auch wenn auf ihren Jacken neuerdings „Parkraummanagement“ steht. So, wie Hausmeister Krause mit dem Werkzeugkasten nicht zum „facility manager“ wird, bloß weil das nun in der Stellenausschreibung steht.

„The Times They Are A-Changin‘“ – es bewegte sich was

Okay, die etwas Älteren unter uns wussten natürlich aus Erfahrung: Vieles, ja fast alles, was in Amerika Furore macht, schwappt früher oder später über den Teich – Gutes ebenso wie Strunzblödes. Jazz und Soul; Elvis und Dylan und die Doors; Fastfood und Scientology; Hollywoodfilme, die für Dekaden Standards setzen und Sitcom-Infantilismus mit Lachern vom Band. Der Boom der Psychoklempner mit ihren Ratgeberschwarten und den herbeifabulierten Lebenszäsuren („Midlife crisis“) kam in den 1970ern aus Amerika zu uns – woher sonst? Ebenso die Esoterikwelle und der Mother-Nature-Schamanismus. Und wir? Sind den Schrott leider nie mehr losgeworden.

Eigentlich gibt es nur etwas Allamerikanisches, das es nicht nennenswert in hiesige Märkte geschafft hat: Autos made in USA. Was aber belanglos ist, angesichts der Dominanz von Apple, Google, Microsoft, Amazon & Co..

Warum ich vor 24 Jahren trotzdem nicht glauben wollte, dass Dieter E. Zimmers dystopischer Essay Realität werden könnte? Weil ich ein Siebenundsechziger bin. 1967 war ich 20 Jahre alt, gerade als Student eingeschrieben. Es war ein, nun ja, lehrreiches Jahr für mich. Wie jeder, der damals Augen und Ohren aufsperrte, konnte ich spüren, dass Dylans „The Times They Are A-Changin‘“ viel mehr war als nur ein schrammeliger Folksong. Es bewegte sich was. And keep your eyes wide, the chance won’t come again.

In Kalifornien feierten die Hippies den Summer of Love. Oswalt Kolle begann seinen lukrativen, von ihm aber auch mit echtem Sendungsbewusstsein geführten Aufklärungsfeldzug in der „Neuen Revue“, dem Sturmgeschütz des plebejischen Orgasmus (weithin unterschätzt in seiner Wirkung, der Mann!). In der Bonner „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ schoben sie Sonderschichten. Und Studenten der Hamburger Uni schritten ihren in vollem Wichs angetretenen Ordinarien mit einem Transparent voran, auf dem die bald geflügelte Parole stand: Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren.

Knut Nevermann, geboren 1944, Sohn eines Hamburger SPD-Bürgermeisters, AStA-Vorsitzender an der FU Berlin und für eine kleine Weile Mitstreiter von Rudi Dutschke (aber sozialdemokratisch grundiert und deutlich moderater als „der Rudi“), hat in einem Zeit-Interview begründet, warum seiner Meinung nach das Jahr 1967  – und schon das Jahr davor – viel wichtiger war als das berühmt-berüchtigte „68“.

Ein Putsch, ein Rollback, eine Restauration

Für ihn war 1968 „das Jahr des Scheiterns, nicht des Aufbruchs“. Der Aufstand Pariser Studenten war gefloppt, der Prager Frühling niedergewalzt, die deutsche Studentenbewegung zerstritten, die Apo zersplittert. Die Politisierung eines Teils der deutschen Studentenschaft, deren Nachwehen die Republik verändern sollten, sie hatte ihren Ursprung laut Nevermann bereits viel früher .

Eher kleine Konflikte, wie das Verbot des Rektors der FU, einen Uniraum für studentische Vietnam-Diskussionen zu nutzen, hätten die Verhältnisse peu à peu zum Tanzen gebracht. Als Nevermann 1966 auf der Immatrikulationsfeier im Namen des AStA Raumverbote und geplante Zwangsexmatrikulationen kritisierte, wurde seine Rede mit großem Beifall seitens der Studenten bedacht. Nevermann: „Das war neu; bis dahin galt der Beifall immer dem Rektor.“

Befragt, was für ihn das Vermächtnis der Studentenbewegung sei, gab der Kurzzeitrebell Nevermann vor Jahresfrist zu Protokoll: „Dass Autoritäten hinterfragt werden. Dass viele auch vor Fürstenthronen Mut zeigen.“

Das ist, mit Verlaub, genau derselbe Bullshit, an den auch ich lange geglaubt habe. Daran nämlich, dass die herrliche Aufmüpfigkeit jener Jahre, die permanente Dekonstruktion der herrschenden Verhältnisse, die Lust am Grillen aufgeblasener Polithäuptlinge, Oberbescheidwisser, Kulturkardinäle und Moralapostel sich gleichsam genetisch an folgende Generationen vererben würde. Nichts von all dem ist eingetreten, im Gegenteil.

Ein halbes Jahrhundert nach 1967 ist praktisch eine Konterrevolte passiert. Ein Putsch, ein Rollback, eine Restauration, wie keiner sie für möglich gehalten hätte, der die Jahre 1966/67/68 politisch erlebt hat. Es regiert die größtmögliche Koalition. Praktisch in allen Parlamenten herrscht eine Allparteienregierung, wenn man von der AfD absieht, die ganz überwiegend aus Gefühlen von Wut und Ohnmacht gewählt wird, nicht aus Überzeugung oder gar Sympathie. In keiner der wirklichen Zukunftsfragen – Migration, Integration, Euro, Energiewende – gibt es einen echten Dissens zwischen jenen Parteien, die schon länger hier sind.

Freie Rede, bei ungezählten Teach-ins, Sit-ins, Go-ins ausprobiert

Regt sich dagegen breiter Widerstand? Mitnichten. Vor 50 Jahren dagegen war es auch die bleierne Bräsigkeit der damaligen GroKo, welche ein folgenreiches Tänzchen provozierte.

In puncto Sex sind wir wieder im Prüderiemodus des Adolf Süsterhenn angekommen. Der Mitinitiator der „Aktion saubere Leinwand“ und CDU-Streiter für „die allgemeine sittliche Ordnung“ aus Adenauer-Tagen steht ideell Pate, wenn sich irgendwo eine Medientasse trübt und etwa die Werbung eines österreichischen Unterklamottenfabrikanten als „sexistisch“ geißelt. Die drallen, geilen, sexuell schwer emanzipierten Weibsbilder aus der Feder des unnachahmlichen Comiczeichners Robert Crumb („Fritz the cat„), sie würden heutzutage wohl kaum gedruckt. Irgendein Schneeflöckchen fände sich garantiert in seiner Frauenehre gekränkt und würde flugs ein Klagerecht ergattern. Kurz, wir waren schon mal weiter.

Am gravierendsten erscheint der Rückschritt auf einem Feld, das Studenten anno 67/68 gerade mühsam besetzt hatten. Es handelte sich um das Recht auf freie Rede, bei ungezählten Teach-ins, Sit-ins, Go-ins ausprobiert. Und zwar nicht selten bis zum Umfallen; in rauchgeschwängerten Foren, Plenen und Diskutierzirkeln gern auch bis in die späte Nacht. Noch die frühen Grünen, Miterben der Studentenbewegung, hielten kaum etwas so hoch wie freedom of speech. Muss man sich heute mal vorstellen!

Heute ist das intellektuelle Klima mutmaßlich regressiver und repressiver als in den verdrucksten Jahren der Republik, den Fünfzigern und Anfangssechzigern. Ludwig Erhards schaurige Vision einer formierten Gesellschaft , in der alle freudig an einem Strang ziehen, sie ist beinahe schon Wirklichkeit.

Ein generös gesponsertes Blockwart-, Anschwärzer- und Verpfeiferwesen

Heute heißt das: Alle Mann gegen rechts, und alle Frau erst recht. Angesichts des aus staatlichen Trögen, von regierungsaffinen Medienkonzernen und ausgewiesenen Menschenfreunden à la George Soros generös gesponserten Blockwart-, Anschwärzer- und Verpfeiferwesens muss man durchaus keine DDR-Dissidentenmacke aufweisen, um unwiderstehlich an Ulrich Mühe erinnert zu werden. In der Rolle seines Lebens, als Mann mit den großen Kopfhörern.

Überflüssig, hier das Ausmaß der Zensierwut und des Gesinnungsschnüffelwahns zu referieren. Auf der Achse des Guten, Tichys Einblick und anderen Portalen finden sich fast jeden Tag neue, stupende Beispiele. Nur ein frischer Zugang in der Kategorie „McCarthys Schoß“ sei kommentarlos aufgeführt. Also, das PEN-Zentrum sowie der „Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller“ wollen ihr Mitglied Olaf Kappelt ausschließen. Kappelt, der zu DDR-Zeiten wegen eines „Braunbuchs“ über Nazis im Arbeiter- und Bauerstaat von dem Staatssicherheitsminister Erich Mielke zum Staatsfeind erklärt wurde, ist bekennendes Mitglied der AfD. In einer Presseerklärung erklären die Verbände, die Abgrenzung zur AfD erfolge zwecks Schutz von „Pluralität und Meinungsfreiheit“.

Um auf den eingangs erwähnten Text von Dieter E. Zimmer zurückzukommen: Fast unheimlich, wie exakt seine Analyse von 1993 ins Jahr 2017 passt. Leseprobe:

Früher reichte es, der dissidenten Äußerung das Etikett ‚bürgerlich‘ anzuhängen, um sie von vorneherein vor aller Augen zu disqualifizieren. Es ist außer Gebrauch gekommen, wahrscheinlich weil kein Mensch mehr wußte, was ‚bürgerlich‘ eigentlich ist, und somit das abgrundtief Falsche und Böse daran auch nicht allgemein in die Augen sprang. Heute verwendet man zur Stigmatisierung statt dessen das Etikett ‚menschenverachtend‘. Der Komparativ von ‚menschenverachtend‘ aber heißt ‚rechts‘.

Ein solches Stück fände heute, aktualisiert um Tags wie „Amadeu Antonio-Stiftung“, „Ex-Stasi-IM Kahane“ „Heiko Maas“ und „Bundesfamilienministerium“, gewiss nicht mehr leicht den Weg in ein Mainstream-Medium. Heute hängt ja so vieles mit vielem zusammen! Schauen Sie sich nur mal die gegenwärtigen Zeit-Läufe an.

Realitätsverlust beginnt in den 30ern. Anything goes und unvorstellbare Dinge. Der deutsche Wahn.

Die sich heute für Nachfahren der 68er halten, sind gar keine. Wenn wir jetzt von Realitätsverlust verschiedener Teile der Bevölkerung sprechen, dann sollten wir die Gründe dafür weder in den 80er noch in den 60er, sondern in den 30er Jahren.

Die 68er sind nicht an allem schuld. Wenn wir jetzt von Realitätsverlust verschiedener Teile der Bevölkerung sprechen, dann sollten wir die Gründe dafür in den 30er-Jahren suchen und nicht in den 60ern. Damals, als Hitler Kanzler war und „Der Triumph des Willens“ lief, wurden Mentalitäten geschaffen und Prozesse angestoßen, die das Land heute prägen. In den 30ern begann die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Es begann der Prozess der Entbürgerlichung, wenn Bürgerlichkeit dafür steht, als Citoyen Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen und nicht nur das Eigene und die eigene Gruppe zu protegieren. In den 80ern dann setzte sich der Umbruch zur Entwicklung der narzisstischen Kultur und Mentalität der Gegenwart fort. Der neue Einzelne hatte Solidargemeinschaften scheinbar nicht mehr nötig, weil er sich in der Lage fühlte, wenn auch oft nur aus Selbstüberschätzung, seine Interessen selbst und allein zu vertreten. Die 68er hätten dies als „falsches Bewusstsein“ und „Rückzug ins Private“ geschmäht.

Die 68er hielten nichts von Einzelkämpfertum. Sie waren öffentlichkeits- und gesellschaftsorientiert und propagierten die Notwendigkeit der gemeinsamen Aktion und des Zusammenschlusses. Solidarität war heilig. „Selbstverwirklichung“ war dagegen kein Thema. Diese Idee war bereits eine Reaktion auf die Ordnung und Disziplin der 68er, von denen ein solches Ansinnen als unberechenbares „Chaotentum“ abgeschmettert worden wäre.

Die 68er-Bewegung war bestimmt von strengem Denken. Sie war „kopflastig“ schon aus der Perspektive der 70er, als sich Theorie- und Wissenschaftsfeindlichkeit an den bundesdeutschen Universitäten einnisteten. Zweifellos waren etliche 68er Dogmatiker, ebenso wie der Marxismus die Kriterien einer politischen Religion erfüllte. Die Unterscheidung zwischen „richtigem“ und „falschem Bewusstsein“ entsprach der Unterscheidung der monotheistischen Religionen zwischen Wahrheit und Unwahrheit; „Das Kapital“ war die Heilige Schrift; die Weltrevolution war die Apokalypse und das Jüngste Gericht; die vollendete kommunistische Gesellschaft das ewige Leben. Für diese Parallelen waren die 68er blind, auch wenn es Bestrebungen gab, Jesus zum Kommunisten zu erklären, weil man unterschwellig Entsprechungen spürte.

Anything goes

Der heute herrschende linke Kulturrelativismus ist keine Folge von 68. Für die 68er gab es gar keine Kulturen, es ging nur um Politik und da nur um die eine, richtige Politik. Den Anstoß zum Siegeszug des Relativismus gab das Buch „Against Method“ (dt. „Wider den Methodenzwang“) des Philosophen Paul Feyerabend, das 1975 erschien. Angeblich wünschte er sich später, das Buch nie geschrieben zu haben, was man ihm aus verschiedenen Gründen nachfühlen könnte. Als Essenz des Werks blieb der Slogan „Anything goes“ übrig. Dies war ursprünglich der Titel eines Musicals von Cole Porter, nun bedeutete er aber die Proklamation von Methodenvielfalt in der Wissenschaft. An den sozialwissenschaftlichen Fachbereichen entstand in der Folgezeit eine Mischung aus einer auf Objektivität festgelegten Theorievermittlung, die jedoch als „zu verkopft“ vielerorts nicht mehr akzeptiert wurde, und einer neuen Subjektivität, die zuweilen intellektuelle Faulheit bewirkte und rechtfertigte. Die 68er hinterließen Berge von Büchern, die Spontis machten dann und wann mal ein Papier.

Zur Kultur der 70er gehörte die Wiederentdeckung der Spiritualität in Form von „Energy“, die bis heute wirkt, aber unmöglich auf die der Ratio verpflichteten 68er zurückgeführt werden kann. Das Erbe von 68 ging bereits in den 70ern sang- und klanglos unter und wurde später durch eine falsche Erinnerung ersetzt, in der die bunte Neo-Romantik von Flower Power, Hippies und Selbstfindungstrips in Aschrams die klassische politphilosophische Zeit überlagerte. Nachhaltige Zerrüttung der historischen Wahrnehmung bewirkte der Terror der Roten Armee Fraktion.

Das Ziel der Frankfurter Schule, die die 68er maßgeblich prägte, war die Vollendung der Moderne. Das Mittel war Kritik, das typische Merkmal der Moderne. Die Wertschätzung der Kritik ließ mehr und mehr nach und ist heute auf einem Tiefpunkt angekommen. Oft wird sie als „Geschimpfe“ bezeichnet, was Auskunft gibt über den erreichten Infantilisierungsgrad der Gesellschaft, oder mit Hetze gleichgesetzt, was um die Zukunft eines bisher hochentwickelten Wissens- und Bildungsstandortes fürchten lässt.

New Age

In den 80ern kam New Age. Die Vorstellung, Wissenschaft und Gesellschaft sei von Himmelskonstellationen beeinflusst („Wassermannzeitalter“), war komplett Nicht-68. Die wissenschaftstheoretischen Höhepunkte des Jahrzehnts waren das Buch „The Turning Point“ (dt. „Wendezeit“) von Fritjof Capra und die von dem Ethnologen Hans-Peter Duerr (nicht zu verwechseln mit dem Physiker Hans-Peter Dürr) herausgegebenen Bände „Der Wissenschaftler und das Irrationale“ im legendären Syndikat-Verlag. Anything goes und die Propagierung der Gleichwertigkeit von Ratio und Irratio waren Vorbereitung auf die Idee der Diversität und der Gleichwertigkeit aller Kulturen.

Die Suche nach dem Selbst schritt ebenfalls in den 80ern rasant voran durch den starken Einfluss der Psychologie in Form einer vulgarisierten Ich-Psychologie. Die Psychoanalyse dagegen, die von der 68ern breit rezipiert worden war, verschwand in der Versenkung, aus der sie bis heute nicht wieder aufgetaucht ist. Auch der Erfolg des Narzissmus hat die Psychoanalyse verdrängt. Wer ganz authentisch er oder sie selbst im Hier und Jetzt ist, lehnt das Unbewusste ab. Die Theorie des Unbewussten ist kränkend für das kränkungsanfällige narzisstische Individuum und wird deshalb abgewiesen. „Das brauche ich nicht,“ sagt der Narzisst, wenn er Unlustgefühle vermeiden will. Die Psychoanalyse „bedeutet“ ihm – wie so vieles – nichts. Der Narzisst fragt bei allem, was ihm auf dieser Welt begegnet: Was bedeutet das für mich? Er ordnet die Welt nach seinem Gusto. Überflüssig zu sagen, dass sie sich seinen Wünschen nicht fügt. Ereignisse und materielle Gegebenheiten, die der Narzisst ignoriert oder leugnet, weil er sich mit ihnen nicht wohlfühlen kann, sind trotzdem Teil der Realität.

Makro-Konzepte zur Gesellschaftserklärung wie die Sozialwissenschaften, die bei den 68ern Hochkonjunktur hatten, verloren in den 80ern an Einfluss. Theorie und Praxis hießen nun „Ich und Ich“. In dieser Zeit wuchs die Generation Teefläschchen heran, die heute nichts Bitteres mehr mag. Aber auch, wer schon erwachsen war, entkam dem „Individualisierungsschub“ nicht, dessen „Gartenlaube“ die „Psychologie heute“ war.

Narzisstische Neo-Spießigkeit

Die strapazierteste Phrase der 80er lautete: Der Einzelne muss sich abgrenzen. Dies bedeutet übersetzt:  Alles, was dem eigenen Ich fremd ist, muss weg. Der kategorische Imperativ der Ichbezogenheit lautet, nichts zu dulden, was mit dem eigenen idealisierten Ich nicht übereinstimmt. Ich-Zentrierung führt dazu, mögliche gesellschaftliche Entwicklungen als unvorstellbar auszublenden, was Schockzustände und Schuldzuweisungen an jeden, nur nicht an die eigene Person, zur Folge hat, wenn sie doch stattfinden. Der Narzisst glaubt, Probleme lösen zu können, indem die Begriffe dafür in den Köpfen gelöscht werden. Die politisch korrekte Sprache ist solch ein Mittel der Problemlös(ch)ung. Sicheres Denken in Safe-Space lässt das Instrumentarium der Erkenntnisfähigkeit zusätzlich schrumpfen.

Die narzisstische Neo-Spießigkeit lehnt jede Unbequemlichkeit ab, vor allem kritische Reflexion, die die 68er nachdrücklich gefordert hatten. Der Narzisst will in Ruhe gelassen werden. Indem er ruht, verliert er nach und nach die Rechte, die Generationen vor ihm erkämpft haben. Auf einige verzichtet er von selbst. Seine Privatsphäre und Datensouveränität verkauft er für ein App und ein Ei, weil er „nichts zu verbergen hat“ und dies oft tatsächlich glaubt. Wenn er es nicht so recht mehr glaubt, steht er auf verlorenem Posten. Dieses verlorene Terrain, geistig, rechtlich und lokal, weitet sich unter seinen Augen ungesehen aus.

Wenn der Narzisst nicht raucht, trinkt, Fleisch isst oder Pelz trägt, sollen Andere das auch nicht tun, denn dann ist es überflüssig und schädlich. Er braucht auch kein Schweinefleisch. Demonstrativer Verzicht hat demonstrativen Konsum abgelöst. Sehr empfindlich reagiert er auf Meinungen, die er nicht braucht, weil sie nicht wie seine sind. Verbote bestimmter Gesinnungen wären aus seiner Sicht angebracht. Die allgemeine Emotionalisierung auch der Politik hat dazu geführt, dass Meinungen und Einstellungen als natürliche persönliche Eigenschaften erlebt werden und Kritik daran den Kritisierten tief trifft. Solche Erschütterungen müssen dann wie Körperverletzung geahndet werden. „Betroffenheit“ braucht keinen Diskurs.

Als kollektive Entsprechung der Abgrenzung des Einzelnen entstand in den späten 80ern und in den 90ern ein Konzept der Identität, die jede kulturelle Gruppe für sich abstecken konnte. Dieses Recht auf Selbstdefinition wurde bis heute stark ausgebaut. Die Gruppe ist in ihrer Authentizität geschützt und von Verantwortung für andere weitgehend verschont. Sie verlangt von anderen allerdings Respekt. Die Gesellschaft ist in ein paar Dekaden vom „Hinterfragen“ zum „Respektieren“ gelangt. Glückwunsch! Die erforderliche Reife ist erreicht, jetzt kann ein autoritäres Regime ernten!

Die fragmentierte, diversifizierte Gesellschaft grenzt aus

Das Gefühl und die Gewissheit, über Lebensstilpräferenzen hinaus in einem tradierten zivilisatorischen Zusammenhang einander verpflichtet zu sein, geht mehr und mehr verloren. Verflochtenheit, Interdependenz, Gemeinsamkeiten können sich gegen Abschottung, Separatismus, Tribalismus nur noch schwer behaupten. Wir sprechen zu viel über Globalisierung und zu wenig über Fragmentierung. In eine fragmentierte, diversifizierte Gesellschaft kann man sich nicht mehr integrieren, man kann nur eine weitere Facette hinzufügen. Man kann die Diversität „bereichern“, aber nicht mehr die Gesellschaft als Ganzes.

Gruppeninterne Homogenität der Überzeugungen ist nun unerlässlich als Schutz vor den Zumutungen der Wirklichkeit. Man leugnet offensichtliche und sogar erfahrene Verachtung, weil man sich selbst nicht als verächtlich und verachtenswert erleben will. Lieber äußert man Verständnis und sucht die Ursachen auf anderen Feldern, z.B. in sozialer Ungleichheit. Es sind oft Ablenkungsmanöver, um der Wirklichkeit nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Ebenfalls häufig bei Menschen, denen nur das Eigene gilt, ist die Reaktion: „Das gibt es bei uns doch auch!“ Die Beschwichtigungsformel „Nicht alle sind so …“ ist nichtssagend. Einige sind es eben doch. Nicht alle Menschen werden Verbrecher, aber Gesellschaften treffen umfangreiche Vorkehrungen für die Minderheit, die es wird. Das Gerede von den Einzelfällen ist tückisch, weil es systematisches Denken untergräbt: Man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht. Man kann und darf eins und eins nicht mehr zusammenzählen. Die narzisstische Störung der Missachtung des Augenscheins tritt individuell und kollektiv auf. Individuelle Selbsttäuschung mag dem Überleben nützen, kollektive Selbsttäuschung ist der Anfang vom Ende.

Das Menetekel an der Wand will der Narzisst nicht sehen. Warnungen, sein Verhalten zu reflektieren und die Folgen für eine demokratische Gesellschaft und den Frieden in Europa zu bedenken, tut er als unerwünschte Kassandra-Rufe ab. Dabei wird immer übersehen: Kassandra hatte recht.

Barbara Köster hat Soziologie und Politikwissenschaften studiert.

 

Das Dritte Reich und die DDR waren Wertegemeinschaften – wir sollen uns tunlichst davon fernhalten

Von Giuseppe Gracia. Politiker reden im Moment gern von „Wertegemeinschaft“ oder „Leitkultur“. Als wolle man uns in bewegten Zeiten mit harmonisierenden Werten und Ansichten beglücken. Was bedeutet der Versuch, politische Programme mit Verweis auf höhere Werte verbindlich ans Gewissen der Bürger zu binden und Alternativen als ethisch minderwertig abzukanzeln?

 

Von Giuseppe Gracia.

Im Klassiker „L’etranger“ von Albert Camus (1942) wird der Fremde, eine Figur von verstörender Ehrlichkeit, hingerichtet: letztlich nicht deshalb, weil er auf jemanden schiesst, sondern weil er an der Beerdigung seiner Mutter nicht weint und sich auch sonst weigert, mehrheitsfähige Gefühle und Ansichten an den Tag zu legen. Er verstösst gegen die moralische Konformität, das wird ihm zum Verhängnis.

Wie sieht es heute aus mit dem Zwang zur moralischen Konformität? Kürzlich sprach die Publizistin Cora Stephan hier von „Denkverboten statt Debatte„. Sie beschreibt das Phänomen einer sich verengenden Meinungsäusserungsfreiheit in Europa, bei Reizthemen wie Islam, Migrationspolitik oder Gender. Tatsächlich scheinen nicht wenige Leute das Gefühl zu haben, irgendwo da draussen gäbe es eine fürsorgliche Aufklärungs-Gendarmerie, die zwar nicht über totalitäre Strukturen verfügt, doch aber über eine massenmediale Schwarmintelligenz.  Was bedeutet das für unser Selbstverständnis als säkulare Gesellschaft? Säkularismus meint ja nicht nur die Trennung von Staat und Religion, von Gesetzgebung und persönlicher Weltanschauung. Sondern die Erkenntnis, dass eine liberale Gesellschaft allen Mitgliedern eine gedanklich-moralische Sphäre der Freiheit garantieren muss. Das geht nicht ohne Trennung von Macht und Moral.

Und dennoch reden Politiker im Moment gern von „Wertegemeinschaft“ oder „Leitkultur“. Als wolle man uns in bewegten Zeiten mit harmonisierenden Werten und Ansichten beglücken. Der Mitte-Links-Block tut dies gewöhnlich mit einem merkwürdig missionarischen Relativismus, der zwar nichts wissen will von einer zivilisatorischen Überlegenheit des Westens, aber trotzdem danach strebt, möglichst viele in diesen Westen hinein zu erziehen. Im bürgerlichen Mitte-Block dominiert ein geglätteter Pragmatismus zwecks Machterhalt, verkauft als angebliche Vernunft der Mehrheit. Während man im rechten Block von der Wiedergeburt einer patriotischen Gesinnungsgemeinschaft träumt – von einer Gemeinschaft, die auch als gedanklicher Grenzzaun gegen fremdländische Identitätsverwirrungen taugt.

Das Dritte Reich war eine Wertegemeinschaft – wir sollten uns davon fernhalten

Was ist davon zu halten? Was bedeutet der Versuch, politische Programme mit Verweis auf höhere Werte verbindlich ans Gewissen der Bürger zu binden und Alternativen als ethisch minderwertig abzukanzeln? Dazu der Philosoph Robert Spaemann 2001: „Es ist gefährlich, vom Staat als ‚Wertegemeinschaft‘ zu sprechen, denn die Tendenz besteht, das säkulare Prinzip zu Gunsten einer Diktatur der politischen Überzeugungen zu untergraben. Das Dritte Reich war eine Wertegemeinschaft. Die Werte – Nation, Rasse, Gesundheit – hatten dem Gesetz gegenüber immer den Vorrang. Das Europa von heute sollte sich von diesem gefährlichen Weg fernhalten.“

Und wie sieht es mit unseren Medien aus? Gewiss ist die Rede von der „Lügenpresse“ übertrieben und führt in den Nebel der Verschwörungstheorien. Trotzdem darf man feststellen, dass einige Medienschaffende, sei es beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen oder in der Presse, . Statt für Meinungsfreiheit kämpfen sie lieber gegen die „Hetze“ politischer Gegner. Statt einen Pluralismus der Anschauungen zuzulassen schüchtern sie lieber mit der Diskriminierungs-Keule ein – Seite an Seite mit Politikern und ausgewählten Sozialingenieuren. Das Ziel ist offenbar nicht mehr die Vermittlung umstrittener Sachverhalte, sondern die Formung eines moralisch erwünschten Volkskörpers.

Nur folgerichtig, wenn es dann zur journalistisch verpackten Propaganda für gesinnungsverwandte Regierungsprogramme kommt, wie eine aktuelle Studie der Hamburg Media School zeigt. Die Auswertung von 34 000 Pressebeiträgen zwischen 2009 und 2015 zum Thema Flüchtlinge ergab: 82 Prozent der Beiträge waren positiv, nur 6 Prozent hinterfragten kritisch die Flüchtlingspolitik der Regierung. Leider gibt es keinen Grund zur Annahme, dass eine solche Regierungsnähe nur in deutschen Medien oder nur beim Thema Migration vorkommt. So wenig wie die Verfolgung des sogennaten „Hate speech“ nur bei Facebook stattfindet.

Die Kirchen dienen sich dem Staat als Moralinspender an

Dazu erklärt die Amerikanische Anwaltskammer sinngemäss: Äussert sich jemand heutzutage über eine Gruppe von Menschen, die sich deswegen beleidigt fühlt, ist das bereits „Hate Speech“. Mit anderen Worten: es werden Gefühle und Anschauungen kriminalisiert und aus der Öffentlichkeit verbannt, mit Regierungsbeteiligung. Ein Beispiel aus Deutschland ist Bundesjustizminister Heiko Maas: dieser arbeitet seit 2015 mit Facebook und anderen Organisationen an „Vorschlägen für den nachhaltigen und effektiven Umgang mit Hasskriminalität“. Das geht in Richtung einer Mind Police, die ihre Einsatzwagen bestimmt nicht nur durch die sozialen Medien fahren lassen wird.

Dass diese Probleme zur Zeit durch einen anti-säkularen Islam verschärft werden, ist bekannt. Aber wie verhalten sich eigentlich die christlichen Kirchen? Im Moment empfehlen sie sich der Gesellschaft weniger durch den Anspruch, den geoffenbarten Willen Gottes kundzutun und die Auferstehung von den Toten zu bezeugen, als durch das Angebot, die Gesellschaft durch Wertevermittlung zu stabilisieren. Also auch hier eine Liebschaft zwischen Macht und Moral? Es sieht leider danach aus, wenn man sich dem Staat als zivilreligiöser Moralinspender anbietet.

Und dann gibt es ja auch bei den Christen das Lager der Fundamentalisten, die den Säkularismus überhaupt ablehnen und die Moderne dämonisieren. Das ist eine tragische Entwicklung. Nicht nur deshalb, weil damit der freiheitliche Staat ohne genuin christliche Verteidigung bleibt. Sondern auch deshalb, weil Jesus selbst die Unterscheidung zwischen Gott und Kaiser gemacht hat, zwischen weltlicher Macht und persönlicher Weltanschauung.

Christen, die das ernst nehmen, könnten für die Verteidigung des Rechtsstaates heute sehr wertvoll sein. Sie müssen den Säkularismus nicht als Gegensatz zum Christentum oder als Feind des Glaubens sehen, sondern als Kind aus der gleichen Familie. Dazu erklärt der Oxford-Professor Larry Siedentop im Buch „Die Erfindung des Individuums„, wie das christliche Denken den Weg zum Liberalismus nicht nur geebnet, sondern überhaupt erst ermöglicht hat und warum der Säkularismus aufgrund seiner religiösen Wurzeln gerade von Christen verteidigt werden sollte.

Ein Stein, den wir im Einsatz für die Freiheit immer wieder hochrollen müssen

So scheint die Trennung zwischen Macht und Moral immer weniger Verbündete zu finden. Sei es aufgrund eines Staates, der sich als Wertegemeinschaft versteht, oder aufgrund der Volkstherapeutik einer humanistisch erleuchteten Elite. Aber vielleicht gehört es gerade zum Wesen der individuellen Freiheit, dass ihre Verteidgung so anspruchsvoll ist. Denn der Einsatz für diese Freiheit schliesst stets die Freiheit dessen mitein, der mir Widerstand leistet, der mich ärgert und abstösst. Das bedeutet laufende Toleranzzumutungen und eine Pflicht zur Selbstdisziplinierung.

Natürlich darf man sich in einer Demokratie wünschen, dass die Mehrheit der Menschen, die zum Gesetzesgehorsam verpflichtet sind, die Wertintuitionen teilen, die den Gesetzen zugrunde liegen. Sonst haben auf die Dauer die Gesetze selber keinen Bestand. Aber diese Intuitionen zu teilen, kann nicht selbst wiederum erzwungen oder zur Bürgerpflicht erhoben werden. Denn das wäre ein Verrat an der Freiheit, die es ja gerade zu verteidigen gilt. Eine Verteidigung, die ohne Generallösungen auskommen muss und nie aufhört.

Das bringt uns zu Albert Camus zurück. Im „Mythos von Sysiphos“ (1942) beschreibt er, wie Sysiphos von den Göttern dazu verdammt wurde, auf dem Rücken eines unbesiegbaren Berges auf Ewig einen Stein hochzurollen, nur um ihn jedes Mal wieder hinabrollen zu sehen. Camus sieht darin ein Sinnbild der Existenz: den ebenso absurden wie grossen Kampf um die Freiheit. Camus schlägt vor, dass wir uns Sysiphos als glücklichen Menschen vorstellen, weil er trotz seiner Lage nicht aufgibt und dadurch grösser wird als sein Schicksal. Eine bis heute treffende Parabel. Zumindest dann, wenn wir uns vorstellen, dass unser aktuelles Ringen um die Trennung von Macht und Moral sich so anfühlt wie dieser Stein, den wir im Einsatz für die Freiheit immer wieder hochrollen müssen, auf den Berg menschlicher Schwächen und Bedrohungen.

Giuseppe Gracia ist freier Autor und Infobeauftrager des Bistums Chur

Siehe auch:

Dieses unser Land gehört wieder einmal selbsternannten Eliten, diesmal den neuen Moralisten.

https://psychosputnik.wordpress.com/2016/07/18/dieses-unser-land-gehoert-wieder-einmal-selbsternannten-eliten-diesmal-den-neuen-moralisten/

und

Psychokratie – eine neue Nomenklatura in Deutschland

https://psychosputnik.wordpress.com/2015/06/13/psychokratie-eine-neue-nomenklatura-in-deutschland/

Herrschaft der Moralischen Populistischen Rackets

Rackets – nach Adorno mafiaartige bürorkatische alienähnliche selbt machtakkumulierende Verwaltunsorgane, mächtiger als Kapitalismus.

 

Wie eine gesellschaftliche Elite in der Flüchtlingskrise dem moralischen Populismus verfällt und somit eine nachhaltige Immigrations- und Flüchtlingspolitik zum Wohle aller verhindert. Erklärt Sebastian Vogel.

 

In den letzten Jahren erfreute sich der ursprünglich aus den USA stammende Begriff des Mansplaining auch in Deutschland einer steigenden Beliebtheit. Die englische Definition des Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary lässt sich laut Wikipedia wie folgt übersetzen:

„Das, was geschieht, wenn ein Mann herablassend mit jemandem (vor allem einer Frau) über einen Themenbereich spricht, in dem er nur unvollständige Kenntnisse hat. Dabei nimmt er fälschlicherweise an, er wisse mehr über den Gegenstand als die Person, mit der er spricht.) Das Phänomen wird als Ausdruck der generellen und unreflektierten Annahme des Sprechers gesehen, sein Gegenüber wisse weniger als er“.

Wie sinnvoll es ist, eine unreflektierte, herablassende und auf unvollständiger Themenkenntnis beruhende Sprechweise auf genetisch bestimmte Geschlechtsmerkmale zurückzuführen, sei nun einmal dahingestellt. Dies vor allem Männern zuzuschreiben und nicht auch Alten, Jungen, Frauen, Kleinen, Großen, Weißen, Schwarzen, Klerikern, Politikern und Anderen sprich dem Menschen an sich, beziehungsweise von bestimmten Gesinnungen geprägten Menschen kann man zumindest als fragwürdig betrachten. Allerdings bietet der Begriff eine vorzügliche Steilvorlage, um ein anderes wie ich finde problematisches Phänomen unserer heutigen Gesellschaft zu definieren: Die Vorherrschaft vermeintlicher Moral, die auf unvollständigen Kenntnissen und unreflektierten Annahmen des sie selbst propagierenden Subjekts beruht – kurz Moralsplaining.

Mansplaining und Moralsplaining  

Gemäß der oben erläuterten, von Wikipedia übersetzten Wortschöpfung des Mansplaining, gelangt man zu folgender Definition von Moralsplaining:

„Das, was geschieht, wenn ein sich als moralisch (richtig) einstufendes Subjekt herablassend mit jemandem (vor allem einem vom eigenen Standpunkt abweichenden Subjekt) über einen Themenbereich spricht, in dem es nur unvollständige Kenntnisse hat. Dabei nimmt es fälschlicherweise an, es wisse mehr über ein Thema als die Person, mit der es spricht.“

Im Unterschied zum Mansplaining, ist das sich des Moralsplaining bedienende Subjekt nicht auf bestimmte genetische Geschlechtsmerkmale festgelegt, sondern alleine dadurch definiert, dass es sich als moralisch einstuft, fälschlicherweise annimmt, mehr als der Gegenüber zu wissen, dabei aber unvollständige Kenntnisse hat und sich herablassend äußert. Moralsplaining betreibende Subjekte zeichnen sich durch einen moralischen Populismus aus, in dem ein nicht zu Ende gedachtes Ideal in quasi-religiöser Weise zur Ideologie wird und den Menschen, unter Ausblendung jeglicher Folgen und Nebenwirkungen als einfache und richtige Lösung versucht wird nahezubringen. Anders als beim “rechten Populismus”, steht am Anfang ein naives und stark vereinfachtes, aber in seiner Natur hehres Ziel – wie zum Beispiel eine Welt ohne Grenzen – welches aufgrund der eindimensionalen Methodik der moralischen Populisten Gefahr läuft ins Gegenteil – hier die weltweite Destabilisierung – pervertiert zu werden.

Die Flüchtlingskrise           

Mich persönlich erinnert der Umgang mit der Flüchtlingskrise stark an das Phänomen des Moralsplaining. Ganze 82 Prozent der Zeitungsartikel in Deutschland bezüglich der Flüchtlingskrise sind laut FAZ nicht beschreibend, sondern positiv wertend. Man möchte der Bevölkerung ein bestimmtes Narrativ vermitteln, wonach Millionen von oft über Jahrzehnte islamistisch indoktrinierte und weitestgehend ungebildete Flüchtlinge ein Segen für sie seien. Bei ausbleibenden Argumenten versucht die moralische Elite anders Denkende zu gerne mit dem Vorwurf des “Rechtsradikalismus” zum Schweigen zu bringen. Nicht mehr Gesetz und Justiz, sondern die Regierung schreibt Facebook – der größten Medienplattform des Landes – vor, welche Inhalte zu dulden und welche zu zensieren sind.

Komiker, Wissenschaftler aber auch einfache Arbeiter werden nicht nur sozial isoliert, sondern müssen auch wirtschaftlichen Druck aushalten und oft gar um Ihre Jobs fürchten, sollten Ihre Ansichten oder Forschungsergebnisse konträr zu den von der moralischen Elite propagierten Ideen sein – und dazu muss nicht ein Gericht eine bestimmte Äußerung als rassistisch bewerten, nein es reicht, wenn Subjekte der moralischen Elite eine ihnen nicht genehme Meinung als fremdenfeindlich deklarieren.

Nun kann glücklicherweise wer sozialer Ächtung und wirtschaftlichem Druck standhält hierzulande immer noch anderer Meinung sein. Allerdings ist der wachsende Konformitätsdruck eher ein Merkmal totalitärer, denn freier Gesellschaften und der Mut von Personen, die sich dem widersetzen nicht zu unterschätzen. Seit der andauernden Flüchtlingskrise, werden zunehmend nicht mehr kluge Argumente ausgetauscht und versucht, gemeinsam zu pragmatischen Lösungen zu kommen, sondern es findet ein einseitiges Moralsplaining der Gesinnungsethiker einer vermeintlichen moralischen Elite gegenüber dem Rest der Gesellschaft statt – was in der Konsequenz zu allem Anderen als zu einem friedlichen Miteinander und einer nachhaltigen Integrations- und Einwanderungspolitik führt.

Moralsplaining in der Flüchtlingskrise

Gemäß der Definition erfüllen die Moralsplaining betreibenden Subjekte im Kontext der Flüchtlingskrise folgende Kriterien:

  1. Sich als moralisch einstufen

Auffällig sind die verkürzten Denkmuster, der sich als moralisch einstufenden Apostel der Neuzeit. Das eigene Weltbild wird ohne Hinterfragen in quasi-religiöser Manier als absolut richtig hingestellt und überhöht, während andere Ansätze von Beginn an diskreditiert werden. In der Flüchtlingskrise ist das die überhöhte Forderung einer bedingungslos offenen multikulturellen Gesellschaft ohne Grenzen, welche der diskreditierten und vom „gemeinen Volk“ und Anderen geforderte kontrollierte Einwanderung in Maßen unter Berücksichtigung aller Risiken und Nebenwirkungen gegenübersteht.

  1. Herablassendes Verhalten

Die herablassende Art wird dann deutlich, wenn die bedingungslose Grenzöffnung grundsätzlich als moralisch richtig, modern und kosmopolitisch, und die kontrollierte Einwanderung als verwerflich, nationalistisch und rückwärtsgewandt bezeichnet wird. Dies geschieht unabhängig davon, ob die bedingungslose Grenzöffnung vielleicht zu einer Fehlintegration und Destabilisierung der Gesellschaft und die kontrollierte Einwanderung langfristig zu einem besseren und friedlicheren pluralistischen Miteinander führen könnte. Wenn die moralische Selbsterhöhung nicht ausreicht und der Gegenüber partout nicht in die Grenzöffnungshymnen mit einstimmt, so gipfelt das herablassende Verhalten eines sich des Moralsplaining bedienenden Subjekts zu gerne auch im Vorwurf des Rassismus. Dieser inflationär verwendete, herablassende und häufig völlig haltlose Vorwurf führt nicht nur dazu, dass echter Rassismus verharmlost wird, sondern wirkt darüber hinaus für viele in Zeiten zunehmenden Konformitätsdrucks absurderweise wie ein Ritterschlag für freie Meinungsäußerung.

  1. Unvollständige Kenntnisse

Dabei spielt es oft keine Rolle, dass der eigene, angeblich moralische Ansatz aufgrund von unvollständigen Kenntnissen unter Umständen gar nicht funktionieren kann oder sogar eine negative Wirkung auf die Gesellschaft und die Flüchtenden hat. Denn: zu Ende gedacht werden muss ein auf verkürzten Denkmustern beruhender moralischer Ansatz ja nicht er ist selbstredend richtig(er) als alles andere. Die häufig hochstudierten moralischen Meister der Einfachheit folgen dabei folgender Logik: 1.Es gibt Leid auf der Welt, 2.Wir lösen das Leid durch das Öffnen unserer Grenzen. Im eigenen, ursprünglich gut gemeinten Ideal einer helfenden Gesellschaft gefangen, bemerkt die moralische Elite nicht, beziehungsweise verdrängt bewusst, dass diese simplifizierte Logik einem verantwortungsbewussten Umgang mit Geschichte, Politik, Wirtschaft und vielfältigem Zusammenleben widerspricht.

Nein, auch der „unmoralische“ Rest der Gesellschaft hat kein Patentrezept zur Lösung der Flüchtlingskrise und kann sich natürlich auch nicht auf vollständige Kenntnisse berufen. Allerdings will die Masse der Bevölkerung nicht nur helfen, sondern das auch noch lösungsorientiert und somit verantwortungsbewusst. Die moralische Elite nimmt fälschlicher Weise an, nur sie exklusiv habe den Gedanken einer friedlichen multikulturellen Gesellschaft, die Menschen in Not helfen sollte, verinnerlicht. Zusätzlich zur Hilfsbereitschaft übersieht die Bevölkerung keine problematischen Gesichtspunkte und versucht auf Basis vieler Faktoren, komplexe Probleme zu benennen und ganzheitlich anzugehen. Die Gesellschaft weiß genau was an zusätzlichen ökonomischen Belastungen durch grenzenlose Aufnahme auf sie zukommt, welche mittelfristigen Auswirkungen dies auf das Wohlstandsniveau, Beitragshöhe und Leistungsfähigkeit des Sozialsystems und auf das Steuersystem beziehungsweise die Staatsverschuldung haben wird.

Und die Menschen wissen auch, welche gesellschaftlichen Folgen eine vornehmlich aus armen, ungebildeten und islamistisch indoktrinierten Gesellschaften erfolgende Einwanderung mit sich bringt nämlich wachsende Gegen-und Parallelgesellschaften zusätzlich zu den beispielsweise bereits 5.000 islamistischen Gülen-Anhängern alleine in Mannheim; mehr Gewalt, Raub und Sexualdelikte und weniger Sicherheit (auch Millionen von blonden und blauäugigen Flüchtlingen hätten beispielsweise diesen Effekt, wenn sie über Dekaden verarmt, ungebildet und religiös-extremistisch sozialisiert worden wären und alleine schon aufgrund ökonomischer Faktoren schwieriger eine Partnerin finden); mehr Anfeindungen gegen und weniger Sicherheit für Homosexuelle und Juden; sinkende Aufnahmefähigkeit für künftige Flüchtlinge; Verfolgung von arabischen Minderheiten durch Islamisten in Deutschland; Kinderheiraten; höheres Risiko an Terroranschlägen usw.

Zusätzlich ist bekannt, dass das aufnahmefähige Europa ohne postkommunistische und südeuropäische Krisenstaaten keine, wie häufig behauptet 600 Millionen, sondern in etwa nur 200 Millionen Einwohner hat, während alleine Afrika, ohne den Mittleren Osten, sich bis 2050 auf über 2,5 Milliarden Menschen verdoppelt. Allerdings wird von der moralischen Elite häufig schon alleine die Nennung solcher Tatsachen als rassistisch abgetan. Die Mehrheit der Menschen weiß auch, dass die Flüchtlinge nicht auf die Probleme, die mit dem Aufstieg des Islamischen Staates einhergehen, zu reduzieren sind, sondern, dass auch nach dem Sturz des IS in vielen anderen Teilen der Welt Islamisten und andere geopolitische Entwicklungen für Flüchtlinge sorgen werden. Die breite Masse an Menschen, die sich alle dieser komplexen Beweggründe und Folgen der Flüchtlingskrise bewusst ist, ist mit Sicherheit nicht weniger hilfsbereit als die Gesinnungsethiker und sie hat keine diffusen Fremdenängste, sondern sie erkennt und benennt Probleme und versucht sie dann pragmatisch zu lösen.

Da den Moralaposteln der Neuzeit alle diese Kenntnisse und Details fehlen oder sie diese bewusst ignorieren, muss man ihre simple Lösung 1.Leid in der Welt, 2. Lösung durch Grenzöffnung nicht nur als wohlwollenden Paternalismus, sondern auch als moralischen Populismus bewerten.

Wenn die moralischen Populisten nicht mehr weiterwissen, greifen sie auch häufig in die Trickkiste der verdrehten Fakten. Beispielsweise, unser System bedürfe aufgrund demographischer Herausforderungen dieser Flüchtlingswelle. Wirklich, brauchen wir Massen von ungebildeten, meist armen und indoktrinierten Menschen um unser Sozialsystem zu retten? Oder sollten wir nicht eher gebildete Fachkräfte, die ihre Bräuche mitbringen und unserer Gesellschaft bereichern anstatt Gegengesellschaften zu bilden, durch eine kluge Einwanderungspolitik zu uns holen?

Die Aufnahme von Flüchtlingen ist und bleibt eine Hilfeleistung, die nicht unser System rettet, sondern vom System in einem gewissen Maße ausgehalten werden kann und geleistet werden muss – alles andere ist Schönfärberei. Ganz absurd wird es, wenn Forscher angegriffen werden, weil sie zum Ergebnis kommen, dass uns das Ganze einen bestimmten Betrag kosten wird oder dass der Islamismus deutlich weiter verbreitet ist in den Köpfen vieler Flüchtlinge, als uns lieb ist. Da verdächtigt man den Wissenschaftler doch zu gerne des Rassismus oder zumindest der Unterstützung der AfD und legt sofort eine Gegenstudie vor, nach der so und so viele Arbeitsplätze durch Immigranten geschaffen wurden.

Ideologiebildung statt klassischer Schulbildung?

Dass Immigranten und Flüchtlinge nicht in einen Topf zu werfen sind, ist moralischen Populisten egal. Und ich frage mich dann auch, warum wir eigentlich seit Jahrzehnten darüber diskutieren, wie wir unser Schulsystem verbessern und warum wir es nicht einfach abschaffen oder durch ideologische Bildung ersetzen. Angeblich ist ja laut moralischer Elite eine Masse ungebildeter beziehungsweise hauptsächlich ideologisch gebildeter Menschen ein Erfolgsgarant für das Sozialsystem und die Wirtschaft.

Besonders schade ist es, dass die moralischen Populisten die politische Korrektheit eigentlich ein intelligenter Begriff, mit dem verantwortungsbewusstes politisches Handeln ausgezeichnet werden sollte für sich beanspruchen und darüber hinaus auch noch zugeschrieben bekommen. Der fromme Wunsch nach Grenzöffnung, der ins Chaos führt, sowie dessen quasi-religiöse Verteidigung ist nämlich nicht politisch korrekt, sondern zeugt von völlig falschem politischen Verständnis. Ich plädiere deshalb dafür, dass der Begriff der politischen Korrektheit wieder positiv besetzt wird und nicht mehr die moralischen Populisten, sondern diejenigen miteinbezieht, die Probleme ehrlich und sachlich benennen, um sie dann auch pragmatisch und zielstrebig anzugehen und zu lösen. Nicht Gesinnungsethiker und moralische Populisten, sondern verantwortungsbewusste Pragmatiker, die humanistisches Ideal und Realitätssinn  zu verbinden wissen und sich somit für eine nachhaltige Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik zum Wohle einer friedlichen pluralistischen Gesellschaft einsetzen, sind politisch korrekt!

Sebastian Vogel arbeitet mit zwei Freunden an einem Start-up. Neben seinem Interesse an Politik, Wirtschaft und Sport beschäftigt er sich mit den Themen Pluralismus, Liberalismus und Islamismus.

Der hart geschmiedete Landgraf muß wieder her

Der hart geschmiedete Landgraf

Zu Ruhla im Thüringerwald liegt eine uralte Schmiede, und sprichwörtlich pflegte man von langen Zeiten her einen strengen, unbiegsamen Mann zu bezeichnen: er ist in der Ruhla hart geschmiedet worden.

Landgraf Ludwig zu Thüringen und Hessen war anfänglich ein gar milder und weicher Herr, demüthig gegen jedermann; da huben seine Junkern und Edelinge an stolz zu werden, verschmähten ihn und seine Gebote; aber die Unterthanen drückten und schatzten sie aller Enden. Es trug sich nun ein Mal zu, daß der Landgraf jagen ritt auf dem Walde, und traf ein Wild an; dem folgte er nach so lange, daß er sich verirrte, und ward benächtiger. Da gewahrte er eines Feuers durch die Bäume, richtete sich danach und kam in die Ruhla, zu einem Hammer oder Waldschmiede. Der Fürst war mit schlechten Kleidern angethan, hatte sein Jagdhorn umhängen. Der Schmied frug: wer er wäre? „Des Landgrafen Jäger.“ Da sprach der Schmied: „pfui des Landgrafen! wer ihn nennet, sollte alle Mal das Maul wischen, des barmherzigen Herrn!“ Ludwig schwieg, und der Schmied sagte zuletzt: „herbergen will ich dich heunt; in der Schuppen da findest du Heu, magst dich mit deinem Pferde behelfen; aber um deines Herrn willen, will ich dich nicht beherbergen.“ Der Landgraf ging beiseit, konnte nicht schlafen. Die ganze Nacht aber arbeitete der Schmied, und wenn er so mit dem großen Hammer das Eisen zusammen schlug, sprach er bei jedem Schlag: „Landgraf werde hart, Landgraf werde hart, wie dies Eisen!“ und schalt ihn, und sprach weiter: „du böser, unseliger Herr! was taugst du den armen Leuten zu leben? siehst du nicht wie deine Räthe das Volk plagen und mähren dir im Munde?“ Und erzählte also die liebelange Nacht, was die Beamten für Untugend mit den armen Unterthanen übeten. Klagten dann die Unterthanen, so wäre niemand, der ihnen Hülf thäte; denn der Herr nähme es nicht an, die Ritterschaft spottete seiner hinterrücks, nennten ihn Landgraf Metz, und hielten ihn gar unwerth. Unser Fürst und seine Jäger treiben die Wölfe ins Garn, und die Amtleute die rothen Füchse (die Goldmünzen ) in ihre Beutel. Mit solchen und andern Worten redete der Schmied die ganze lange Nacht zu dem Schmiedegesellen; und wenn die Hammerschläge kamen, schalt er den Herrn, und hieß ihn hart werden wie das Eisen. Das trieb er an bis zum Morgen; aber der Landgraf fassete alles zu Ohren und Herzen, und ward seit der Zeit scharf und ernsthaftig in seinem Gemüth, begundte die Widerspenstigen zwingen und zum Gehorsam bringen. Das wollten etliche nicht leiden, sondern bunden sich zusammen, und unterstunden sich gegen ihren Herrn zu wehren.

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Am 13. November las ich gerade Keine Toleranz den Intoleranten, als die Meldungen aus Paris eintrafen. Es war eine surreale Gleichzeitigkeit von geschriebener Warnung und tödlicher Wirklichkeit, denn in diesem Buch geht es um die Werte des Westens und die Gefahren, die ihnen durch den Islamismus drohen.

Im Jahr 2006 veröffentliche Henryk M. Broder seinen Bestseller „Hurra, wir kapitulieren“, eine mit viel Sarkasmus, Witz und Wut geschriebene Bestandsaufnahme westlichen Zurückweichens vor dem Islamismus. Der Cicero-Redakteur Alexander Kissler hat nun so etwas wie die bildungsbürgerliche Version davon nachgelegt und dabei einen Schwerpunkt darauf gesetzt, was eigentlich das ideengeschichtliche Fundament ist, auf dem „der Westen“ ruht. Herausgekommen ist nicht nur eine Warnung vor dem Islamismus, sondern mindestens so sehr auch eine Kampfansage an die Werterelativisten, die postmoderne Beliebigkeit mit Toleranz verwechseln und sich für gleichermaßen interessiert an allen Kulturen halten, weil sie von keiner eine Ahnung haben.

Kissler hält dem die abendländische Kulturgeschichte entgegen, die vom alten Griechenland, der römischen Antike und dem Judentum sowie dem daraus hervorgegangenen Christentum, entscheidend geprägt wurde und über „einen unüberbietbar faszinierenden, verheißungsvoll funkelnden Kern“ verfügt: „Der Mensch ist fähig zur Freiheit“. Im alten Griechenland erfuhr nicht nur die Philosophie eine erste Blüte, sondern auch demokratische Experimente, die Einfluss auf die Entstehung des römischen Rechts hatten, das den Wert des Einzelnen vor dem Kollektiv betonte. Im Christentum wiederum wurde die Idee der Gleichwertigkeit aller Menschen (lange Zeit nur theoretisch) angelegt, die letztlich die Menschenrechte erst möglich machte.

Alle dürfen sie in diesem Buch noch einmal über den roten Teppich laufen, die Denker, Philosophen, Kirchenmänner, Politiker, Ketzer, Kaufleute und Wissenschaftler, die dem Westen seine einzigartige Mischung aus Innovationskraft, Originalität, Analysefähigkeit, Selbstkritik und Selbsthass beibrachten und so eine Kultur der „Wahrheit auf Bewährung“ ermöglichten, in der sich jede Meinung hinterfragen lassen muss.

Dieses Wertesystem, so Kisslers These, ist gleich von zwei Seiten akut bedroht, vom politischen Islam sowie der westlichen Neigung zur Selbstaufgabe. Dabei haben sich die islamische und die westliche Welt in den letzten Jahrhunderten in zwei verschiedene Richtungen entwickelt. Der Westen lernte Pluralismus zunehmend als Gewinn schätzen, die islamische Welt sah in Veränderungen und Reformen hingegen eine Bedrohung. „Es war eine Selbstabschottung aus Überfremdungsangst, die einer islamischen Aufklärung das Licht ausblies.“ Problematisch sei auch, dass Allah laut islamischer Überzeugung alle Menschen als Teil der weltweiten Umma sehen möchte, was eine wahre Toleranz anderen (a-) religiösen Überzeugungen erschwere. Kissler verweist darauf, wie anders Jesus Machtanspruch begründet ist, der die Welt wissen ließ, „mein Reich ist nicht von dieser Welt“ und damit dem Entstehen von Rechtsstaaten in christlichen Ländern überhaupt erst die Luft zum Atmen ließ, weil dadurch die Etablierung weltlicher Autoritäten möglich wurde.

Dennoch gehört die Bewertung des Christentums zu den schwächeren Passagen in diesem Plädoyer für den freien Westen. Das Christentum erscheint dabei, trotz mehrere Andeutungen von Leichen im Glaubenskeller, vor allem als Motor des Fortschritts, als ob die Aufklärung und die Menschenrechte nicht auch gegen die Kirchen erkämpft werden mussten. Auch darf daran gezweifelt werden, dass der Vatikan ein Anwalt eben der Freiheit ist, die Kissler in seinem Buch verteidigt. Der Papst jedenfalls solidarisierte sich nicht mit den Künstlern, die das Zeichnen des Propheten Mohammed mit einem Leben unter Polizeischutz bezahlten, stattdessen wurde die Gelegenheit genutzt, mehr Respekt vor religiösen Gefühlen einzufordern. „Nicht am umstrittenen geht eine freie Gesellschaft zugrunde, sondern an denen, die keinen Streit ertragen“, heißt es bei Kissler, die katholische Kirche hat sich auf die Seite derer gestellt, die keinen Streit ertragen und sich damit gegen die Werte des freien Westens positioniert.

Sehr stark ist die Lektüre immer dann, wenn sie das Einknicken des Westens dokumentiert und gleichzeitig ohne Alarmismus die roten Linien aufzeigt, die eine tolerante Gesellschaft von einer beliebigen unterscheidet. Aktuell am meisten umkämpft ist dabei die Kunstfreiheit und an dieser hat der Westen in den letzten Jahren auf breiter Front nachgegeben, was die freiwillige Selbstzensur zeigt, die sich die meisten Künstler in Bezug auf den Islam auferlegt haben. Wer doch den Mut besitzt, sich mit dem Islam zu beschäftigen, kann ein Einknicken von Behörden oder Veranstaltern erleben, wenn Kinofilme aus Sicherheitsgründen abgesetzt, Bilder in Ausstellungen abgehängt oder Theaterstücke abgesagt werden. „Humoristen und Künstler spüren sofort, wenn sich die religiöse Großwetterlage ändert. Ihnen zuerst wird der Bode unter den Füßen entzogen. In den Abgrund, der dadurch entsteht, fallen die verbliebenen Freiheitsrechte wie von selbst.“

Ein wenig fehlt es dem Buch an eben dem Optimismus, der den Westen auch in Krisenzeiten auszeichnet und aus dem er die Kraft für Innovationen und Neuerungen schöpft. Außerdem wäre es interessant gewesen zu erfahren, wie der Verfasser denn die zunehmende Abkehr Europas vom Christentum einschätzt, das schließlich die dritte Säule der westlichen Kultur ist. Geht damit nur ein Kapitel Abendland zu Ende und ein neues beginnt oder ist mit dem „Vergessen“ des Christentums der freie Westen grundsätzlich in Gefahr? Leider verzichtet Kissler auf eine Einschätzung dieser neuen Entwicklung.

Keine Toleranz den Intoleranten ist ein Schnellkurs in Abendlandkunde. Es zeichnet eine Ideengeschichte nach, die Pluralismus, Toleranz und freien Willen erst möglich machte und der Welt das Versprechen gab, dass der Mensch zur Freiheit geboren ist. Aus eben diesem Grunde wäre die Aufgab der westlichen Werte auch gleichbedeutend mit der Aufgabe der universellen Menschenrechte. Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen, auch um zu wissen, was auf dem Spiel steht.

Alexander Kissler: Keine Toleranz den Intoleranten – Warum der Westen seine Werte verteidigen muss

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/einfuehrung_in_abendlandkunde_keine_toleranz_den_intoleranten

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