Kategorie-Archiv: Stadtplanung

Die Stadt als Beute

Medianeras
Georg Seeßlen
Die Stadt als Beute
Von Gentrifizierung, Wutbürgern und der Hometown als Marke: Abschweifungen über Stadtplanung in Neoliberalismus und Postdemokratie. Erster Teil.
1 Stadtplanung, wen wundert es, zielt schon lange nicht mehr auf die »Lebensqualität« der Menschen, sondern auf die »Belebung der städtischen Wirtschaft«. Der der Stadtplanung innewohnende Widerspruch hat daher weniger mit den zornigen Bürgerinnen und Bürgern zu tun, die die Vernichtung ihrer Stadt mitansehen müssen – der Widerspruch steckt in den zwei Tendenzen des Neoliberalismus: der Ökonomisierung des öffentlichen Raums und der Privatisierung der einstigen commons. Das Konzept einer ökonomisch sinnvollen Gestaltung der Stadt bricht sich an den »anarchischen « Interessen der Immobilien- und Bauwirtschaft, die statt miteinander eher gegeneinander planen und bauen: Die Privatisierung, das andere Gesicht der Gentrification, nimmt die Verelendung der Stadt, ökonomisch wie kultu- rell, nicht nur in Kauf, sondern erzeugt sie. Hilflos wirken dagegen die Versuche einer menschlichen Re-Urbanisierung: mehr Radwege hier, mehr »verkehrsberuhigte« (Einkaufs-)Zonen dort. Ökonomisierung und Privatisierung machen die Stadt zur Beute. Zumal auf absehbare Zeit die Lebensweise des Mittelstands im »modernen « Kapitalismus, Suburbia und Einfamilien- Schlafdörfer im »Einzugsbereich«, veröden und verelenden wird, weil das Pendlersystem aufgrund der gestiegenen Energiekosten und der Verkehrsinfarkte absurd wird, aber auch, weil die kulturelle Verelendung in dieser Lebensweise kaum zwei, drei Generationenübergänge möglich macht. Zurück also in eine Stadt, die zur Falle wird.
Die Stadt will sich »attraktiv« machen für jene Unternehmungen, die Steuergeld einbringen, und jene Mitarbeiter, die geballte Kaufkraft auch im Luxussegment bieten (sie ökonomisieren damit »Urbanität«). Um diese Wunschbewohner anzuziehen, putzen sich die Städte gerne heraus, man verspricht ihnen günstige ökonomische Bedingungen sowie kulturelle Anreize, die zugleich Schlüssel für den wachsenden Städtetourismus sein sollen. So ist verständlich, warum wir inmitten einer Krise, die zum Vorwand dient, an Sozialleistungen und »gewöhnlichen« kulturellen Dienstleistungen (Bibliotheken, Archive, Museen, Theater etc.) zu sparen (und wenn es sein muß, was häufig der Fall ist: kaputtzusparen), einen Boom an monströsen Kulturbauten erleben. In Rom gehen die Bestände der nationalen Bibliothek kaputt, weil man weder vernünftige Klimaanlagen einbauen noch restauratorische Mindestleistungen bezahlen mag; gleichzeitig entsteht nur ein paar hundert Meter weiter ein Megagebäude, das eine »europäische Bibliothek« aufnehmen soll. Die Dialektik von Verfall und Neomonumentalismus, die man in den Quartieren der Städte beobachten kann, setzt sich in den Kulturbauten fort. Das kulturelle Gedächtnis von Regionen und Segmenten wird vernichtet, die Selbstdokumentation der Sieger dagegen nicht zuletzt mit den berühmten Steuergroschen bis zum Größenwahn forciert. Kultur und Architektur in der neoliberalen und postdemokratischen Stadt dienen den Siegern von Neoliberalismus und Postdemokratie.
Wenn man den neuen Bürgern, den Besserverdienenden und »Leistungsträgern« in Ökonomie und Technologie, und den Touristen mit dem offenen Portemonnaie, so entgegenkommt (günstige Kredite, Steuervorteile und Infrastruktur auf der einen Seite, Wochenendpässe, Package-Angebote und Hotelschnäppchen auf der anderen), muß ein Preis gezahlt werden, und den entrichten die »gewöhnlichen« Bürger, die »Alteingesessenen«. Schon beim unteren Mittelstand mag das beginnen: Bringt nichts ein, muß weg. Ab in die neuen Ghettos, wo er sich mit »Loser-Migranten«, Hartz-IV-Empfängern und neuen working poors mischen soll, zu einem Gemenge, das die postdemokratische Regierung zum »Abschaum« erklärt, sobald es sich rührt. Die repressive soziale Entmischung der Stadtbevölkerung ist eine ziemlich exakte Abbildung jener modellhaften Schere zwischen Arm und Reich, die sich immer weiter auftut, aber auch jener, die, weniger beachtet, sich dafür um so schneller zwischen dem auftut, was »uns allen« und dem, was einigen wenigen Privilegierten gehört. Die sich privatisierende Stadt vertreibt nicht nur die Armen und die Verlierer, sie vertreibt auch alles Gemeinsame und Öffentliche oder sperrt es in die Museumsquartiere.
2Diese neue Stadt interessiert sich nicht sonderlich für Großindustrie eher schmutziger und eintöniger Art, weil die viel weniger Mehreinnahmen bringt als kleine »elegante« Firmen und Dienstleister, weil sie das Gesamtbild stört und, in der Abwertung der Arbeit im Neoliberalismus absehbar, auf ein Reserveheer der Sozialhilfeempfänger, der Unterstützungsbedürftigen, der kaufkraftlosen Rentner und der Freigesetzten zurückgreift. Aber schon eine proletarisch-kleinstbürgerliche Kultur – zu schweigen von einer Ballung gewerkschaftlicher Aktivität – ist nicht sonderlich erwünscht. Attraktiver erscheint da eine neuere Kultur, die sich aus der Verschmelzung universitärer, politischer und privatwirtschaftlicher Institutionen ergeben hat: das »Forschungszentrum«, der »Innovationspark«, der »High Tech Cluster«. Der größte Anreiz für die Bildung solcher Konglomerate in den neuen Städten war ebendies: Die »geschmeidige Verbindung« von Politik, Ökonomie und Wissenschaft, stets begleitet von einer wundersam unverdächtigen Maskerade der Kultur, Kulinarik und Kommunikation, die einen neuen öffentlichen Raum simuliert. Die Stadt allein bietet die Bühne für diese Verbindung, in der Geld, Macht und Architektur »organisch« aus den drei Sektoren ineinanderfließen. Die vier Zentren der neuen Stadt, Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur, errichten ein neues Objekt- und Sozialnetz. Wer sich in diesen Beziehungen nicht verorten kann, hat in der Stadt nichts zu suchen.
Das jedoch macht die neue Stadt anfällig, denn wenn eines der vier Zentren in die Krise gerät, droht das ganze System zu zerbrechen, und schon verödet wieder eine Gegend. Was nichts weiter macht, denn eine verödete Gegend ist das perfekte Angebot für die nächste Spekulationswelle. Eine neue Methode, diese wechselseitige Abhängigkeit der Segmente abzufedern, war die »Verclusterung« der achtziger Jahre: Eine scheinbar natürliche Tendenz, die Suche einander verwandter Unternehmungen nach räumlicher Nähe, haben die Städte politisch gefördert und erweitert. Damit entstanden zwar politisch und ökonomisch überidentifizierte Städte und Regionen, Monokulturen im sozialen Alltag und in den Verkehrsformen, Städte in den Städten, Welten in der Welt, wie Silicon Valley, von denen sich ein Boom-Gefühl auf andere Segmente ausbreitete, die aber zugleich auf zyklischen Zusammenbruch geradezu programmiert waren: »Die Gewinner-Cluster von heute können die Verlierer-Cluster von morgen sein«, schreibt der kanadische Ökonom Mario Polèse in seinem Essay »High-Tech Parks, Cluster und lokale Ökonomien. Vom Kommen und Gehen der Stadtentwicklungsideen« (»Merkur « 3/2012). »Eine ganze Entwicklungsstrategie auf ein einziges Cluster zu bauen, ist genauso riskant wie das Zusammenstellen eines Investment- Portfolios aus ein oder zwei Aktien. Die Geschichte zeigt deutlich, daß Politiker noch schlechter darin sind, die Gewinner herauszupicken, als Banken – und das will heutzutage etwas heißen.«
3Sowohl aus der vertikalen Ballung von politischen, ökonomischen, wissenschaftlichen und kulturellen Räumen als auch aus der horizontalen Ballung von »Clustern« entspringen neue Widersprüche zwischen dem Geplanten und dem »Gewachsenen«. So erleben wir in den neuen Städten die Errichtung von »peripheren Zentren«, Komplexen, Parks und Clustern, die schneller wieder verfallen, als sie entstanden sind. Doch wir dürfen sicher sein: Einige Leute haben prächtig an dieser urbanistischen Totgeburt verdient, und einige Leute haben dabei ihre Macht erweitert (und sei es die regionale Mafiazentrale). Ohnehin gehen die Cluster früher oder später am eigenen Erfolg zugrunde, denn dieser Erfolg treibt Ansprüche und Löhne nach oben, so daß eine Umsiedlung ebenso wahrscheinlich ist wie ein Übersprung zu einem anderen globalen Cluster oder zu einer anderen Ansammlung von politischen, ökonomischen, wissenschaftlichen und kulturellen Räumen.
4Wie in der Kulinarik eine (mythische) Vorliebe für »regionale Küche«, so entwickelte sich als Gegenmodell eine »lokale Ökonomie«, die im Gegensatz zum Cluster und zum politisch- ökonomischen Konglomerat versprach, »Wurzeln zu schlagen«, »nachhaltig« zu wirken. Prompt wurde in den feuilletonistischen Begleiterscheinungen das Wort Heimat reaktiviert. Für die neue Stadt war es nun nämlich nicht mehr erstes Ziel, die begehrten Einwohner anzuziehen, sondern sie zu behalten, um aus dem destruktiven Zirkus der wechselseitigen Abwerbung des begehrten Menschen- und Firmenmaterials auszusteigen. In dieser Strategie, die nichts anderes war als ein Versuch, das Scheitern der vorangegangenen Strategien mit etwas Positivem und irgendwie Heimeligen zu füllen, wurde Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen zu einer notwendigen performativen Ergänzung. Der Neomonumentalismus der Staats- und Museumsbauten suchte nun, im Gegensatz zu den frühen achtziger Jahren, eine Zustimmung bei den Bewohnern, ein Identifikationsangebot. Umgekehrt wurde nach und nach und mit zunehmender Heftigkeit ein neuer Widerspruch sichtbar: der zwischen den ökonomisch-privatisierenden Interessen, den »geschmeidigen« Verbindungen zwischen Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur, auf der einen Seite und den Bürgerinnen und Bürgern, die mit der »Gemeinwesenentwicklung«, der »Stadt als Heimat« und der »lokalen Ökonomie « eigentlich gemeint waren, ja, die (wenigstens imaginäre) Subjekte dieser Entwicklung waren. Während anhaltender Protest etwa gegen das Tunnelprojekt TAV in Italien vorwiegend aus Gründen des Umweltschutzes und einer universalen politischen Geste gegen den Politik/Mafia/Ökonomie-Fortgang entsteht, drückt der Konflikt um »Stuttgart 21« bereits den Widerspruch zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Bürgerideal der »lokalen Ökonomie « aus: Es offenbarte sich, daß es sich bei diesem dritten Modell genauso wie bei den beiden Vorgängern um einen gewaltigen Betrug handelt. Entsprechend gingen für das Stuttgart-21- Projekt vorwiegend jene BWL-Studentinnen und -Studenten auf die Straße, die sich »gut vorstellen können«, auf »attraktive Angebote« aus dem Ausland oder wenigstens anderer Städte zu reagieren. Lokale Ökonomie ist nur eine Maske, unter der sich erneut geschmeidige Vermischungen von Politik und Ökonomie vollziehen.
5Der Bürger und die Bürgerin, die sich gegen Entwicklungen in »ihrer« Stadt wenden (ein Segment der medial erfundenen »Wutbürger «), sind also nicht zuletzt das Ergebnis einer neoliberalen Stadtentwicklung, die Bürgerinnen und Bürger auf einer »unterhaltsamen« Ebene mit einbeziehen will (und brutal reagiert, wenn sie es auf einer politischen Ebene tun). Die Stadt in dieser dritten Phase ihrer neuen Entwicklung will nicht nur Spektakel für die begehrten Personen, Firmen und Institutionen und für kontrollierbare und kontrollsüchtige Touristenströme sein, sondern auch Spektakel für die Bewohner selbst, eine karnevalisierte Feier der Lokalbürgerlichkeit und Identitätshuberei, der Kiezmythologien und Stadtevents. Damit ist ein neuer Widerspruch entstanden: Zunächst sorgte der Widerspruch zwischen der geplanten Ökonomisierung und der »anarchischen « Privatisierung (nebst einer ins Absurde gestiegenen Verfügungsmacht der Konzerne über die Städte, denen, wenn sie eine Stadt oder ein Segment davon »haben wollen« keine Politik widerstehen kann oder will) für eine chaotische, von immer rascheren Zyklen von Zerfall und Gentrifizierung geprägte »wüste« Stadt; dann erzeugt der Widerspruch zwischen den Spektakeln einer populistischen Identitätspolitik und mythischer »lokaler Ökonomie« (sie drückt sich architektonisch am besten in Sportstätten aus) zu den wirklichen Interessen der Stadtbewohner für vorhersehbare Konflikte. Als wahre Katastrophe zeigte sich das bei der Love Parade in Düsseldorf, wo das Identitätsspektakel gleichsam quantitativ ins Größenwahnsinnige kippte und die Verantwortlichen ihre Schuld nie verstehen konnten; ein andermal erscheint der Widerspruch als soziale Katastrophe wie in Stuttgart, wo die mafiösen Interessen mit einer solchen Gewalt durchgesetzt werden, daß ein nicht unerheblicher Anteil der Bevölkerung für die magische Einheit von Stadt und Bewohnern verloren ist: Unsere Stadt ist eben nicht eure Stadt, und die Stadt als Wirtschaftsraum ist das Gegenteil der Stadt als Lebensort.
Die Occupy-Bewegung entstand nicht zuletzt aus dieser Entwicklung der Stadtentwicklung; sie will die Stadt nicht durchstreifen, sondern besetzen. Sie macht mit einem frivolen Angebot der urbanen Identität als Spektakel einen politischen Ernst, der sich freilich auf eine traditionelle Linke kaum verlassen kann, war diese doch in großem Umfang auf das Versprechen einer »Gemeinwohl«- und »Lokal«-Entwicklung hereingefallen und hatte sich in den Institutionen dieser Selbstdarstellung der neoliberalen Stadt als »kreative Heimat« recht gut eingenistet.
6Aber auch diese dritte Phase der neoliberalen Stadtentwicklung gehorchte einem umfassenderen politisch-ökonomischen Strategem, nämlich der weiteren Abwälzung sozialer und kultureller Aufgaben durch den postdemokratischen Staat. Einer der absurden Slogans, unter denen dieser Prozeß verkauft wurde, war der von Berlin als »arm aber sexy«. Ganze Städte werden auf diese Weise dem weiteren Verlauf der Privatisierung geopfert; sie werden ihrem Schicksal so überlassen, wie der einzelne in der postsozialen Marktwirtschaft seinem Schicksal überlassen wird. Den Stadtregierungen bleibt in diesem Stadium meist gar nichts anderes übrig, als so viele Projekte wie möglich zu privatisieren, politisch-ökonomische Mischfinanzierungen zu erzeugen, der »Privatwirtschaft« immer weitere Bereiche der Stadtentwicklung kampflos, was sagt man: freudig zu überlassen.
All das kumuliert im vierten Status der neoliberalen Stadtentwicklung, den man unter dem Motiv »Stadt als Marke« zusammenfassen könnte. Nun bietet die Stadt der Wirtschaft und ihrer Entourage nicht mehr allein Gebrauchswert (gute Infrastruktur, Steuererleichterung, geschmeidige Vernetzung von Politik und Ökonomie etc.), Tauschwert (Lebensqualität, wie sie die Managerklasse und ihre Phantome eben so brauchen, Cluster und Verbindungsarchitekturen von Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur) und Symbolwert (»Attraktivität«, »Kultur«, »Lebensart«, die geeignete Bühne der Performance etc.), sondern auch etwas, was das alles zusammenfaßt und zugleich tiefer geht: ein Identitätsangebot für das entleerte und erkaltete Subjekt, die Stadt als »Sinn« und als »Seele«. Dabei ist es beinahe gleichgültig, wie groß der reale Rest einer solchen Fiktion noch ist und mit welchen Mitteln diese erzeugt wird.
In der vierten Phase der neoliberalen Stadtentwicklung wird die Stadt zu einer »Erzählung « oder zu einem »Bewegungsbild«. Daß also von den Bewohnern gefordert wird, sich nicht mehr mit ihrer Stadt, sondern mit dem Bild ihrer Stadt zu identifizieren, machen solch sonderbar wahrhaftige Ereignisse wie die Bewerbung einer Stadt für ein großes Sportereignis deutlich: Es macht vielen Bewohnern so wenig aus, Teil einer großen Lüge zu sein, wie es Fernsehzuschauern ausmacht, die Wirklichkeit in Form von Reality serviert zu bekommen. Der Bewohner der Markenstadt ist ein Komplize geworden in einem politisch-ökonomischen Komplott. Er wird vom Bürger zum Darsteller eines Bürgers (und wenig wundert der Feuereifer, mit dem er dies oft wird, weil er sonst nichts Sinnvolles mit seinem Leben anfangen kann).
Zu dieser Strategie gehört es, Städte in das Spiel um »Hitparaden«, »Ranglisten« und »Ratings « einzubeziehen. Das Leben in der Stadt wird zur immerwährenden Castingshow, und wer sich hier danebenbenimmt, darf mit Nachsicht nicht rechnen.
7Um zwei Pole stabilisiert sich diese Rekonstruktion der Stadt als Marke: Das (gentrifizierte) »Volkstümliche« (ein paradoxer, indes unaufhaltsamer Einbruch des Provinziellen, Reaktionären und Antiurbanen in die Großstadt) und die »popularisierte«, eventorientierte Kunst, der die regeste urbane Bautätigkeit in der neoliberalen Stadtentwicklung gilt, weil sie die geschmeidigste und »unschuldigste« Verbindung von Ökonomie und Politik ermöglicht. Neue Museen tragen, die nötige Mediendramaturgie vorausgesetzt, zur Markenbildung einer Stadt so entscheidend bei, wie sich der Pakt von Regionalpolitik und Privatwirtschaft das adäquate Denkmal setzt, während sich die gleiche Verbrüderung auf dem Volksfest, im Karneval und beim Großsport als Spektakel für die niederen Schichten wiederholt. Die Kunst im Markenerzeugnis einer neoliberalen Stadt besteht darin, die beiden Segmente Volkstümlichkeit und Kultur nicht einander ins Gehege kommen zu lassen. Man arbeitet an Dresscodes, die mit beiden Sphären kompatibel sind, und man arbeitet an Architekturen, die – in Nachfolge der allzusehr an der »industriellen Phase« der Städte haftenden Mehrzweckhallen – sich beiden Sphären öffnen, das eine dem anderen zumindest nicht mehr widersprüchlich erscheinen lassen: Das neue Museum soll wenigstens auch jene mit Stolz auf »ihre« Stadt erfüllen, die nicht vorhaben, es zu betreten. ? – 
Georg Seeßlen hat gerade, zusammen mit Markus Metz, die Bücher Wir Untote. Über Posthumane, Zombies, Botox-Monster und andere Über- und Unterlebensformen in Life Science & Pulp Fiction (Matthes & Seitz) und Erhebt Euch! Postdemokratie, Neoliberalismus und ziviler Ungehorsam (Laika) veröffentlicht
Konkret 04/12, S. 44
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Konkret 05/12, S. 56
Georg Seeßlen
Das Geisterhaus
Abschweifungen über Stadtplanung in Neoliberalismus und Postdemokratie. Zweiter und letzter Teil: Bauwut und Virtualisierung.
1 Die neoliberale Stadt will attraktiv für Personen, Firmen und Institutionen sein, die vom Neoliberalismus profitieren, und sie will nun dieses »Humankapital« binden. Jede Marke lebt nicht allein davon, daß sie ein Glücks- und Sinnversprechen ist, sondern auch davon, daß sie die anderen neidisch macht, daß der Markenträger sich mit einem, der die gleiche Marke trägt, versteht, und der Gebrauch der Marke generiert umgekehrt ein Ausschlußverfahren. Die Stadt als Marke zur Selbstidentifizierung hierarchisiert (etwa über die Immobilienpreise, die nicht mehr allein durch Angebot und Nachfrage, sondern durch ebendiesen Markenwert bestimmt werden).
Einer Stadt als »guter Marke« muß eine soziale Praxis also gar nicht mehr entsprechen. Die Marke Berlin, London oder Helsinki wird aus dem Inneren ebenso wie aus dem Äußeren erzeugt, so wie man Bilder, die die Marke einer Stadt generieren, nur sehr selten zu Gesicht bekommt, wenn man in ihr lebt. Kunst und Kultur, Toleranz in Sachen Genuß, Sex und Sitte ebenso wie die Pflege großer Traditionen, »Lebendigkeit « und Möglichkeiten der »gehobenen Freizeit« (das Vergnügen für den Nachwuchs nicht zu vergessen) gehören dazu und geben diesen Städten ein »Flair«, auf das selbst die kritischeren und dissidenten Zeitgenossen gelegentlich hereinfallen. Das Nebeneinander von verschiedenen Lebensstilen gilt als Ausweis von kosmopolitischer Ausstrahlung. Die Politik investiert in Kunst und Kultur wie in eine Wurst, mit der man nach einer Speckseite wirft. Man glaubt, eine kulturell attraktive Stadt führe automatisch zu einer ökonomisch erfolgreichen Stadt (und die Kunst, die man so fördert, hat schon das Begehren nach diesem ökonomischen Erfolg in sich).
2 Die vier Modelle der neoliberalen Stadtentwicklung – postindustrielle Ballung, Cluster, populistische Spektakel und Stadt als Marke – haben zwar nacheinander Konjunkturen, existieren aber mittlerweile mit- und gegeneinander, bilden Sphären aus, verdrängen, ja vernichten einander, nur um gleich wieder an anderer Stelle den Kampf oder die Komplizenschaft aufzunehmen. Eins der Symptome dieses Spannungsverhältnisses sind die zunehmenden Proteste der Bürger, die sich um die ihnen gemachten urbanen Versprechungen betrogen sehen, ein anderes die Exaltationen des Neomonumentalismus: Städte liefern sich in einem globalen Wettbewerb Schlachten um die größten, höchsten und schrägsten Gebäude. Diese Gebäude, wie der 310 Meter und 72 Stockwerke hohe Glasturm The Shard inmitten Londons, sind keine neuen Dominanten, die das Bild einer Stadt mählich verändern; ihr einziges Ziel scheint es zu sein, den Triumphalismus ihrer Erbauer zu einer Unterwerfung der »alten Stadt« zu mißbrauchen. Der Neoliberalismus, der keine Vergangenheit mag, wenn man sie nicht in ein Disneyland verwandeln kann, arbeitet hier paradoxerweise auf eine Zukunft hin, die für den Rest der Welt ohnehin nur apokalyptisch sein kann. Der »Immobilienentwickler« und »Investor« Irvine Sellar bekennt stolz, sein Hochhaus werde London »für Jahrhunderte verändern«. Hier baut sich die Macht, die keine Rücksicht auf das Vergangene und Gegenwärtige mehr nehmen muß (und will), ihr Denkmal. Doch der Neoliberalismus, der sich auf solch aggressive Weise zu erkennen gibt, ruiniert fachgerecht die anderen (illusionären) Eckpunkte der Stadtentwicklung, das Privatinteresse der ökonomischen Oligarchie obsiegt so sichtbar über das Gemeinwohl und den Konsens, daß das Bild der Stadt zerfallen muß. Es handelt sich um einen Krieg der Marken: Die Marke Sellar/Renzo Piano übermalt die Marke London. Aber auch dieser Glasturm erfüllt perfekt die beiden Aspekte des neoliberalen Bauens: Er ist einerseits Paradies für die Oligarchen selber (inklusive Swimmingpool mit Panoramablick im 52. Stock, »exklusiver« Restaurants und Bars, eines »Luxushotels«), und er soll andererseits eine Attraktion für die medialisierten (Touristen-)Massen sein. Distinktion und Konvergenz in einem.
Die Bauwut, die den politisch-ökonomischen Komplex in den Finanzmetropolen ergriffen hat, wird weithin als Zeichen des Triumphs nach der Krise gedeutet. Kritische Zeitgenossen erkennen in der »ordinären« Dominanz solchen rücksichtslosen Bauens allerdings eher ein spätes Symptom dieser Krise, noch vor den Erzählungen vom ökonomischen Scheitern dieser Bauwerke, von denen so viele von vorneherein zu einem erschütternden Gespensterdasein verurteilt scheinen. Die Allianz zwischen dem »ordinären « Investor und dem »kultivierten« Architekten verlängert diese Krise ins Unendliche, es ist eine öffentliche Unterwerfung der Ästhetik unter das Geld. Die Bauwut wurde schon immer in den großen Erzählungen als Vorzeichen der Katastrophe gewertet, vom Turmbau zu Babel über die Märchenschlösser des bayerischen Königs Ludwig II. bis zu den Twin Towers: Architektonische Hybris und Zerfall folgen einander, wie man so sagt, relativ zeitnah.
The Shard (Die Glasscherbe) zeigt ein Bauen des think big, das auf einen Zusammenhang mit dem Common Sense pfeift. Mag Renzo Piano immerhin ein architektonisches Werk eigener Art gelingen, eine Mehrzahl der Postkrisenarchitekturen des Neomonumentalismus erscheint weniger als großer Wurf denn als eine ins Überdimensionierte gesteigerte Kleinkariertheit.
3Eine Gesellschaft der Rücksichtslosen baut rücksichtslos, so what? War etwa früher alles besser? Wäre die moderne Stadt möglich geworden ohne rücksichtslose Eingriffe von Architektur, Politik, Ökonomie, wenn es sein muß, Polizei (und es mußte öfter sein, als unsere Stadtgeschichten es glauben machen wollen)? Auch das think big früherer Epochen war ökonomisch, nur eben nicht neoliberal. Das heißt, es ging um zusammenhängende Räume zum Leben, Arbeiten und Wirtschaften, das Konzept sah Grenzen und Beziehungen vor. Die neoliberale Stadt kann gar nicht mehr groß, nicht einmal mehr »urban« gedacht werden; ihre großen Projekte können nur entstehen, weil ihre Eigner/Entwickler einen Raum benutzen, den die geschmeidige Verbindung von Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur geschaffen hat, um in ihm zu wüten. Die Bewohnbarkeit ist gar kein Ziel dieser Stadt mehr, und das geheime Ziel vieler Gebäude scheint darin zu bestehen, den Raum zwischeneinander zu leeren, von Menschen, am Ende gar von Luft. Die neoliberale Bauweise in diesem Stadium richtet sich nach innen; daß das Gebäude, immer mehr autonom, überlebens- und entwicklungsfähig ist, wird bezahlt mit der Entlebendigung des Umfelds. Diese Türme bewachen nicht mehr die Stadt, sie bewachen vielmehr die Insassen gegen die Stadt.
Gehe durch die Stadt. Dort, wo sie neoliberal umgestaltet ist, gibt es nichts mehr zu sehen. Zu Hause bist du nur in dem Drinnen, das die Security bewacht; draußen findet das Abweisende sein Zeichen. Hineinsehen sollst du in die untersten Etagen, dort arbeiten Menschen wie du. Die von oben kannst du nicht mehr sehen. Denen in den obersten Stockwerken gehört die Stadt, sie schauen darauf wie auf ein Spielzeug herab. Eine oligarchische Gesellschaft braucht oligarchische Bauwerke, so what?
4Architekten wie Hans Kollhoff beklagen sich: »Wir leben in einer Gesellschaft, die es offenbar aufgegeben hat, schöne Städte zu bauen oder auch nur zu erhalten. Man hat es aufgegeben, weil man glaubt, es sich nicht leisten zu können«, schreibt Kollhoff in »Cicero« 2/12. »Man gibt das Geld offenbar für Wichtigeres aus und leistet sich eine Verwahrlosung, die jedem empfindsamen Menschen, der sich dem Blick zurück nicht verschließen will, die Schamröte ins Gesicht treiben muß. Um so lauter wird das Hohelied der Zukunft und des Fortschritts gesungen, und die Slums werden gepriesen als Ankunfts- und Aufstiegsquartiere. « Aber hörten wir je von einem Architekten, der einen lukrativen Auftrag oder einen, bei dem er »seine Visionen verwirklichen« konnte – scheiß auf den Rest – , abgelehnt hätte? Oder von einem Baureferenten, dem Ästhetik wichtiger war als Ökonomie? Und wie sollte es anders sein? Die neoliberale Stadtentwicklung ist nichts anderes als Klassenkampf in Beton, Glas und Stahl, und an die Stelle einer Stadt der Klassen (samt prekären Übergängen und gefährlichen Mischzonen, wagemutigen Übergriffen und abenteuerlichen Exkursionen) ist eine Stadt getreten, die die neuen Klassen erzeugt und der ökonomischen Oligarchie freien Raum für ihre einzige Passion bietet, einander zu überbieten und auszustechen. Ein neoliberales Bauwerk gibt nicht etwas zu sehen oder öffnet gar Blickachsen und Räume, ein neoliberales Bauwerk hat die Macht, den Blick zu verstellen. Radikal.
5Der Kulturbau indes wird zur letzten Rettung der untergehenden Industriestadt: Alle alten Industrieanlagen werden in Kulturstätten verwandelt, eine dekultivierte Gesellschaft wird mit Kultur überfüttert. Wer soll das alles ertragen? Die Metalegende dafür bietet das Guggenheim-Museum, mit dem Frank O. Gehry der öden Industriemonopole Bilbao »neues Leben« eingehaucht habe. Peter Eisenmans Ciudad de la Cultura in Santiago de Compostela folgte: Kulturarchitektur als Rettung vor dem Versinken in Bedeutungs- und Sinnverlust. Im Gegensatz zu den neuen »babylonischen« Türmen in den Städten entstanden hier übertheoretisierte und überteuerte Komplexe von täuschender organischer Sanftheit. So wie hier der Turm die Stadt überragen (und damit unbrauchbar machen) soll, so wird sie hier negiert. Dem Blickwachturm des Neoliberalismus steht der Einkehrtempel des Neoliberalismus gegenüber, der nicht weniger maßlos ausfallen darf. Offenbar ist in beiden Formen des neoliberalen Bauens innere und äußere Leere einkalkuliert; sie zu füllen, fehlt noch soziale und kulturelle Praxis. Daß die Stadt der Kultur ebenso wie etliche babylonische Türme schließlich irgendwo zwischen Bauruine und unvollendet rangiert, ist nicht nur wundersam treffende Metapher, es folgt der Logik des neoliberalen Wirtschaftens.
6Der Monumentalismus der neoliberalen Kulturbauten dient der ökonomischen wie der politischen Herrschaft. In aller Regel bietet das Gigamuseum, die Kulturstadt, die Megabibliothek einem postdemokratischen Politiker (oder warum nicht gleich einem Vertreter des frankistischen Faschismus wie Manuel Fraga Iribarne im Fall der Ciudad de la Cultura) als Denkmal und Mausoleum. Auch dies weist auf den Kulturbau als neue Form der »Herrschaftsarchitektur «. Diese Herrschaft »offenbart« sich in drei Formen der Architektur: im ökonomisch- babylonischen Superbau, im ästhetisch geadelten Kulturmonument und in der persönlichen Villa (die natürlich getoppt wird vom Schloß derer zu Guttenberg oder von Silvio Berlusconis Insel: beides zugleich Kurzschlüsse mit den Phantasien der populären Kultur und ihren Blödmaschinen). Daß der deutsche Bundespräsident im Jahr 2012 an der Finanzierung eines angemessenen »Eigenheimes« scheitern muß, ist die Farce zur Tragödie des neoliberalen Kaputtbauens unserer Welt. Er benötigte das Haus, das er mit freundschaftlich-ökonomisch transferiertem Geld baute, für seinen persönlichen wie für seinen politischen Status. Er mußte, wenigstens was dieses (im kleineren Maßstab: monumental-kleinkarierte) Gebäude anbelangt, das unmoralische Angebot annehmen, um sich architektonisch der oligarchischen Herrschaft anzunähern – so wie er auf den Ehrensold nicht verzichten kann, wenn er nicht dem Begehren nach Zugehörigkeit zu diesem Stand (mag sie auch Illusion und soziale Kasperei sein) entsagen wollte. Zur Herrschaftsarchitektur gehören ebenfalls die dräuenden Monumentalbauten der Banken, Versicherungen, Handelskammern, Verwaltungen – old school, aber nach wie vor wirksam: So klein wir sind im Zeichen der Deutschen Bank, bleibt uns diese Herrschaft fremd – und wir sehnen uns nach McDonald’s-Architektur.
7Beinahe jede Art zu wohnen ist im Neoliberalismus eine soziale Falle, ein gläsernes Einmauern, ein falsches Repräsentieren, die architektonische Errichtung der Leere. Daher erscheint der nächste Schritt schon wieder als mögliche Erlösung: die Virtualisierung der Stadt, die Rekonstruktion der verlorenen Einheit, der verlorenen Dialoge durch Projektion, Licht und Spektakel. War Downtown nicht immer schon ein »Lichtermeer«? Wozu dann noch bauen, was der Blick begehrt?
Die Stadt wird überdies definiert durch die Verkehrsströme, die durch sie fließen, durch die Fähigkeit, Menschenwolken zu bilden. Die moderne Stadt erzeugte den Massenmenschen; die postmoderne Stadt wird vom massenmedialen Menschen erzeugt. Stadt ist, wo viele Menschen sich bewegen. Sie machen, worin sie sich bewegen, gern unsichtbar. Sie folgen den immer gleichen Strömen der Werbeschilder von einer Kaufgelegenheit zur anderen. Die nicht mehr vorhandene Stadt wird durch Shopping neu erschaffen, das vorgezeichnet ist von der Macht der Konzentration, der Zerstreuung an den Enden. Endet die Stadt nicht schon jenseits der Einkaufsstraße? Sie zerfällt dort jedenfalls ins Geheimnisvolle und ins Banale, ins Museale und ins No Go. Die Knoten der Stadt bringt der Geruch von Fast Food hervor. Urban ist, wenn es viele davon gibt, mögen sie auch alle mehr oder weniger das gleiche anbieten. Fast Food ist die ideale Verbindung von Arbeit und Vergnügen; Fast Food erzeugt eine Stadt, die sich sowohl als effizient und fleißig, als auch als hedonistisch und unterhaltsam sehen lassen will.
Eine Stadt, die sich selbst als Marke etablieren will, bricht unter dem Wuchern der Marken in ihrem Inneren zusammen. Die immergleichen Markenzeichen haben – neben Verkehr, Shoppingrouten, Food-Gerüchen, Licht und Projektionen – die Herrschaft in der virtuellen Stadt. Eine Stadt ist eine Stadt, weil sie die Menschen aus dem Umland anzieht, so wie ein Zentrum ein Zentrum ist, weil es die Menschen aus der Peripherie anzieht. Wie sie das machen, die Stadt und das Zentrum (das »Metropole« mithin), ist zweitrangig, aber offenbar ist die Architektur nicht mehr das Leitmedium dafür. Die neoliberale Stadt entsteht trotz ihrer Architektur, nicht durch sie.
Die Kulturbauten des Neomonumentalismus, die Museumsquartiere und gentrifizierten Mausoleen, erhalten hierbei einen weiteren Stellenwert. Ihre Konzentration ist nur auf den ersten Blick eine beeindruckende Ballung von Angeboten und Differenzierungen, genauer besehen ist sie nichts anderes als ein Auslagern: Die Kultur muß in der neoliberalen Stadt auf solche spektakuläre Weise klumpen, weil sie aus der realen Stadt vertrieben und zum Clustern gezwungen wird, während das Zentrum fürs Shoppen die Durchsetzung mit Kultur aufhebt (abgesehen natürlich vom Luxussegment: In der Nähe von Museen, Theatern und Opern siedeln sich gern Hochpreisangebote an). Kulturelle Großbauten ermöglichen und maskieren das kulturelle Veröden der Innenstädte. Sie verschlingen die kulturellen Energien, und in ihrem Inneren ist die Stadt vollkommen verschwunden. Man könnte auf dem Mars sein. So wie die Kunst selbst im Eventzirkus der Superausstellungen unentwegt auf Reisen ist, so wie umgekehrt die Kunstszene um die Welt reist – von der Ausstellung zur Messe und von dort zur Galerie und dann ins Auktionshaus, wo man gerade die nächste Rekordsumme anpeilt – , so sind die großen Kulturbauten Raumschiffe auf Zwischenlandung. Noch wichtiger, als ihr Zeichen in der so »belebten« Stadt zu genießen, scheint einer Mehrheit der beruhigende Eindruck, daß man auf diese Weise Kunst und Kultur gebannt hat, daß man sie kontrolliert (man weiß doch um die subversiven Wirkungen!), daß man sie los wird.
Der neoliberale Neomonumentalismus ist ein Bauen des Abhebens. Die Stadt dazu soll sich gefälligst selber spielen. ?
Georg Seeßlen hat gerade das Buch Future Sex in Queertopia. Sex-Fantasien in der Hightech- Welt 3 (Bertz + Fischer) veröffentlicht konkret
Konkret 05/12, S. 56

Das Geisterhaus – Architektur und Stadtplanung heute

Georg Seeßlen
Das Geisterhaus
Abschweifungen über Stadtplanung in Neoliberalismus und Postdemokratie. Zweiter und letzter Teil: Bauwut und Virtualisierung.
1 Die neoliberale Stadt will attraktiv für Personen, Firmen und Institutionen sein, die vom Neoliberalismus profitieren, und sie will nun dieses »Humankapital« binden. Jede Marke lebt nicht allein davon, daß sie ein Glücks- und Sinnversprechen ist, sondern auch davon, daß sie die anderen neidisch macht, daß der Markenträger sich mit einem, der die gleiche Marke trägt, versteht, und der Gebrauch der Marke generiert umgekehrt ein Ausschlußverfahren. Die Stadt als Marke zur Selbstidentifizierung hierarchisiert (etwa über die Immobilienpreise, die nicht mehr allein durch Angebot und Nachfrage, sondern durch ebendiesen Markenwert bestimmt werden).
Einer Stadt als »guter Marke« muß eine soziale Praxis also gar nicht mehr entsprechen. Die Marke Berlin, London oder Helsinki wird aus dem Inneren ebenso wie aus dem Äußeren erzeugt, so wie man Bilder, die die Marke einer Stadt generieren, nur sehr selten zu Gesicht bekommt, wenn man in ihr lebt. Kunst und Kultur, Toleranz in Sachen Genuß, Sex und Sitte ebenso wie die Pflege großer Traditionen, »Lebendigkeit « und Möglichkeiten der »gehobenen Freizeit« (das Vergnügen für den Nachwuchs nicht zu vergessen) gehören dazu und geben diesen Städten ein »Flair«, auf das selbst die kritischeren und dissidenten Zeitgenossen gelegentlich hereinfallen. Das Nebeneinander von verschiedenen Lebensstilen gilt als Ausweis von kosmopolitischer Ausstrahlung. Die Politik investiert in Kunst und Kultur wie in eine Wurst, mit der man nach einer Speckseite wirft. Man glaubt, eine kulturell attraktive Stadt führe automatisch zu einer ökonomisch erfolgreichen Stadt (und die Kunst, die man so fördert, hat schon das Begehren nach diesem ökonomischen Erfolg in sich).
2 Die vier Modelle der neoliberalen Stadtentwicklung – postindustrielle Ballung, Cluster, populistische Spektakel und Stadt als Marke – haben zwar nacheinander Konjunkturen, existieren aber mittlerweile mit- und gegeneinander, bilden Sphären aus, verdrängen, ja vernichten einander, nur um gleich wieder an anderer Stelle den Kampf oder die Komplizenschaft aufzunehmen. Eins der Symptome dieses Spannungsverhältnisses sind die zunehmenden Proteste der Bürger, die sich um die ihnen gemachten urbanen Versprechungen betrogen sehen, ein anderes die Exaltationen des Neomonumentalismus: Städte liefern sich in einem globalen Wettbewerb Schlachten um die größten, höchsten und schrägsten Gebäude. Diese Gebäude, wie der 310 Meter und 72 Stockwerke hohe Glasturm The Shard inmitten Londons, sind keine neuen Dominanten, die das Bild einer Stadt mählich verändern; ihr einziges Ziel scheint es zu sein, den Triumphalismus ihrer Erbauer zu einer Unterwerfung der »alten Stadt« zu mißbrauchen. Der Neoliberalismus, der keine Vergangenheit mag, wenn man sie nicht in ein Disneyland verwandeln kann, arbeitet hier paradoxerweise auf eine Zukunft hin, die für den Rest der Welt ohnehin nur apokalyptisch sein kann. Der »Immobilienentwickler« und »Investor« Irvine Sellar bekennt stolz, sein Hochhaus werde London »für Jahrhunderte verändern«. Hier baut sich die Macht, die keine Rücksicht auf das Vergangene und Gegenwärtige mehr nehmen muß (und will), ihr Denkmal. Doch der Neoliberalismus, der sich auf solch aggressive Weise zu erkennen gibt, ruiniert fachgerecht die anderen (illusionären) Eckpunkte der Stadtentwicklung, das Privatinteresse der ökonomischen Oligarchie obsiegt so sichtbar über das Gemeinwohl und den Konsens, daß das Bild der Stadt zerfallen muß. Es handelt sich um einen Krieg der Marken: Die Marke Sellar/Renzo Piano übermalt die Marke London. Aber auch dieser Glasturm erfüllt perfekt die beiden Aspekte des neoliberalen Bauens: Er ist einerseits Paradies für die Oligarchen selber (inklusive Swimmingpool mit Panoramablick im 52. Stock, »exklusiver« Restaurants und Bars, eines »Luxushotels«), und er soll andererseits eine Attraktion für die medialisierten (Touristen-)Massen sein. Distinktion und Konvergenz in einem.
Die Bauwut, die den politisch-ökonomischen Komplex in den Finanzmetropolen ergriffen hat, wird weithin als Zeichen des Triumphs nach der Krise gedeutet. Kritische Zeitgenossen erkennen in der »ordinären« Dominanz solchen rücksichtslosen Bauens allerdings eher ein spätes Symptom dieser Krise, noch vor den Erzählungen vom ökonomischen Scheitern dieser Bauwerke, von denen so viele von vorneherein zu einem erschütternden Gespensterdasein verurteilt scheinen. Die Allianz zwischen dem »ordinären « Investor und dem »kultivierten« Architekten verlängert diese Krise ins Unendliche, es ist eine öffentliche Unterwerfung der Ästhetik unter das Geld. Die Bauwut wurde schon immer in den großen Erzählungen als Vorzeichen der Katastrophe gewertet, vom Turmbau zu Babel über die Märchenschlösser des bayerischen Königs Ludwig II. bis zu den Twin Towers: Architektonische Hybris und Zerfall folgen einander, wie man so sagt, relativ zeitnah.
The Shard (Die Glasscherbe) zeigt ein Bauen des think big, das auf einen Zusammenhang mit dem Common Sense pfeift. Mag Renzo Piano immerhin ein architektonisches Werk eigener Art gelingen, eine Mehrzahl der Postkrisenarchitekturen des Neomonumentalismus erscheint weniger als großer Wurf denn als eine ins Überdimensionierte gesteigerte Kleinkariertheit.
3Eine Gesellschaft der Rücksichtslosen baut rücksichtslos, so what? War etwa früher alles besser? Wäre die moderne Stadt möglich geworden ohne rücksichtslose Eingriffe von Architektur, Politik, Ökonomie, wenn es sein muß, Polizei (und es mußte öfter sein, als unsere Stadtgeschichten es glauben machen wollen)? Auch das think big früherer Epochen war ökonomisch, nur eben nicht neoliberal. Das heißt, es ging um zusammenhängende Räume zum Leben, Arbeiten und Wirtschaften, das Konzept sah Grenzen und Beziehungen vor. Die neoliberale Stadt kann gar nicht mehr groß, nicht einmal mehr »urban« gedacht werden; ihre großen Projekte können nur entstehen, weil ihre Eigner/Entwickler einen Raum benutzen, den die geschmeidige Verbindung von Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur geschaffen hat, um in ihm zu wüten. Die Bewohnbarkeit ist gar kein Ziel dieser Stadt mehr, und das geheime Ziel vieler Gebäude scheint darin zu bestehen, den Raum zwischeneinander zu leeren, von Menschen, am Ende gar von Luft. Die neoliberale Bauweise in diesem Stadium richtet sich nach innen; daß das Gebäude, immer mehr autonom, überlebens- und entwicklungsfähig ist, wird bezahlt mit der Entlebendigung des Umfelds. Diese Türme bewachen nicht mehr die Stadt, sie bewachen vielmehr die Insassen gegen die Stadt.
Gehe durch die Stadt. Dort, wo sie neoliberal umgestaltet ist, gibt es nichts mehr zu sehen. Zu Hause bist du nur in dem Drinnen, das die Security bewacht; draußen findet das Abweisende sein Zeichen. Hineinsehen sollst du in die untersten Etagen, dort arbeiten Menschen wie du. Die von oben kannst du nicht mehr sehen. Denen in den obersten Stockwerken gehört die Stadt, sie schauen darauf wie auf ein Spielzeug herab. Eine oligarchische Gesellschaft braucht oligarchische Bauwerke, so what?
4Architekten wie Hans Kollhoff beklagen sich: »Wir leben in einer Gesellschaft, die es offenbar aufgegeben hat, schöne Städte zu bauen oder auch nur zu erhalten. Man hat es aufgegeben, weil man glaubt, es sich nicht leisten zu können«, schreibt Kollhoff in »Cicero« 2/12. »Man gibt das Geld offenbar für Wichtigeres aus und leistet sich eine Verwahrlosung, die jedem empfindsamen Menschen, der sich dem Blick zurück nicht verschließen will, die Schamröte ins Gesicht treiben muß. Um so lauter wird das Hohelied der Zukunft und des Fortschritts gesungen, und die Slums werden gepriesen als Ankunfts- und Aufstiegsquartiere. « Aber hörten wir je von einem Architekten, der einen lukrativen Auftrag oder einen, bei dem er »seine Visionen verwirklichen« konnte – scheiß auf den Rest – , abgelehnt hätte? Oder von einem Baureferenten, dem Ästhetik wichtiger war als Ökonomie? Und wie sollte es anders sein? Die neoliberale Stadtentwicklung ist nichts anderes als Klassenkampf in Beton, Glas und Stahl, und an die Stelle einer Stadt der Klassen (samt prekären Übergängen und gefährlichen Mischzonen, wagemutigen Übergriffen und abenteuerlichen Exkursionen) ist eine Stadt getreten, die die neuen Klassen erzeugt und der ökonomischen Oligarchie freien Raum für ihre einzige Passion bietet, einander zu überbieten und auszustechen. Ein neoliberales Bauwerk gibt nicht etwas zu sehen oder öffnet gar Blickachsen und Räume, ein neoliberales Bauwerk hat die Macht, den Blick zu verstellen. Radikal.
5Der Kulturbau indes wird zur letzten Rettung der untergehenden Industriestadt: Alle alten Industrieanlagen werden in Kulturstätten verwandelt, eine dekultivierte Gesellschaft wird mit Kultur überfüttert. Wer soll das alles ertragen? Die Metalegende dafür bietet das Guggenheim-Museum, mit dem Frank O. Gehry der öden Industriemonopole Bilbao »neues Leben« eingehaucht habe. Peter Eisenmans Ciudad de la Cultura in Santiago de Compostela folgte: Kulturarchitektur als Rettung vor dem Versinken in Bedeutungs- und Sinnverlust. Im Gegensatz zu den neuen »babylonischen« Türmen in den Städten entstanden hier übertheoretisierte und überteuerte Komplexe von täuschender organischer Sanftheit. So wie hier der Turm die Stadt überragen (und damit unbrauchbar machen) soll, so wird sie hier negiert. Dem Blickwachturm des Neoliberalismus steht der Einkehrtempel des Neoliberalismus gegenüber, der nicht weniger maßlos ausfallen darf. Offenbar ist in beiden Formen des neoliberalen Bauens innere und äußere Leere einkalkuliert; sie zu füllen, fehlt noch soziale und kulturelle Praxis. Daß die Stadt der Kultur ebenso wie etliche babylonische Türme schließlich irgendwo zwischen Bauruine und unvollendet rangiert, ist nicht nur wundersam treffende Metapher, es folgt der Logik des neoliberalen Wirtschaftens.
6Der Monumentalismus der neoliberalen Kulturbauten dient der ökonomischen wie der politischen Herrschaft. In aller Regel bietet das Gigamuseum, die Kulturstadt, die Megabibliothek einem postdemokratischen Politiker (oder warum nicht gleich einem Vertreter des frankistischen Faschismus wie Manuel Fraga Iribarne im Fall der Ciudad de la Cultura) als Denkmal und Mausoleum. Auch dies weist auf den Kulturbau als neue Form der »Herrschaftsarchitektur «. Diese Herrschaft »offenbart« sich in drei Formen der Architektur: im ökonomisch- babylonischen Superbau, im ästhetisch geadelten Kulturmonument und in der persönlichen Villa (die natürlich getoppt wird vom Schloß derer zu Guttenberg oder von Silvio Berlusconis Insel: beides zugleich Kurzschlüsse mit den Phantasien der populären Kultur und ihren Blödmaschinen). Daß der deutsche Bundespräsident im Jahr 2012 an der Finanzierung eines angemessenen »Eigenheimes« scheitern muß, ist die Farce zur Tragödie des neoliberalen Kaputtbauens unserer Welt. Er benötigte das Haus, das er mit freundschaftlich-ökonomisch transferiertem Geld baute, für seinen persönlichen wie für seinen politischen Status. Er mußte, wenigstens was dieses (im kleineren Maßstab: monumental-kleinkarierte) Gebäude anbelangt, das unmoralische Angebot annehmen, um sich architektonisch der oligarchischen Herrschaft anzunähern – so wie er auf den Ehrensold nicht verzichten kann, wenn er nicht dem Begehren nach Zugehörigkeit zu diesem Stand (mag sie auch Illusion und soziale Kasperei sein) entsagen wollte. Zur Herrschaftsarchitektur gehören ebenfalls die dräuenden Monumentalbauten der Banken, Versicherungen, Handelskammern, Verwaltungen – old school, aber nach wie vor wirksam: So klein wir sind im Zeichen der Deutschen Bank, bleibt uns diese Herrschaft fremd – und wir sehnen uns nach McDonald’s-Architektur.
7Beinahe jede Art zu wohnen ist im Neoliberalismus eine soziale Falle, ein gläsernes Einmauern, ein falsches Repräsentieren, die architektonische Errichtung der Leere. Daher erscheint der nächste Schritt schon wieder als mögliche Erlösung: die Virtualisierung der Stadt, die Rekonstruktion der verlorenen Einheit, der verlorenen Dialoge durch Projektion, Licht und Spektakel. War Downtown nicht immer schon ein »Lichtermeer«? Wozu dann noch bauen, was der Blick begehrt?
Die Stadt wird überdies definiert durch die Verkehrsströme, die durch sie fließen, durch die Fähigkeit, Menschenwolken zu bilden. Die moderne Stadt erzeugte den Massenmenschen; die postmoderne Stadt wird vom massenmedialen Menschen erzeugt. Stadt ist, wo viele Menschen sich bewegen. Sie machen, worin sie sich bewegen, gern unsichtbar. Sie folgen den immer gleichen Strömen der Werbeschilder von einer Kaufgelegenheit zur anderen. Die nicht mehr vorhandene Stadt wird durch Shopping neu erschaffen, das vorgezeichnet ist von der Macht der Konzentration, der Zerstreuung an den Enden. Endet die Stadt nicht schon jenseits der Einkaufsstraße? Sie zerfällt dort jedenfalls ins Geheimnisvolle und ins Banale, ins Museale und ins No Go. Die Knoten der Stadt bringt der Geruch von Fast Food hervor. Urban ist, wenn es viele davon gibt, mögen sie auch alle mehr oder weniger das gleiche anbieten. Fast Food ist die ideale Verbindung von Arbeit und Vergnügen; Fast Food erzeugt eine Stadt, die sich sowohl als effizient und fleißig, als auch als hedonistisch und unterhaltsam sehen lassen will.
Eine Stadt, die sich selbst als Marke etablieren will, bricht unter dem Wuchern der Marken in ihrem Inneren zusammen. Die immergleichen Markenzeichen haben – neben Verkehr, Shoppingrouten, Food-Gerüchen, Licht und Projektionen – die Herrschaft in der virtuellen Stadt. Eine Stadt ist eine Stadt, weil sie die Menschen aus dem Umland anzieht, so wie ein Zentrum ein Zentrum ist, weil es die Menschen aus der Peripherie anzieht. Wie sie das machen, die Stadt und das Zentrum (das »Metropole« mithin), ist zweitrangig, aber offenbar ist die Architektur nicht mehr das Leitmedium dafür. Die neoliberale Stadt entsteht trotz ihrer Architektur, nicht durch sie.
Die Kulturbauten des Neomonumentalismus, die Museumsquartiere und gentrifizierten Mausoleen, erhalten hierbei einen weiteren Stellenwert. Ihre Konzentration ist nur auf den ersten Blick eine beeindruckende Ballung von Angeboten und Differenzierungen, genauer besehen ist sie nichts anderes als ein Auslagern: Die Kultur muß in der neoliberalen Stadt auf solche spektakuläre Weise klumpen, weil sie aus der realen Stadt vertrieben und zum Clustern gezwungen wird, während das Zentrum fürs Shoppen die Durchsetzung mit Kultur aufhebt (abgesehen natürlich vom Luxussegment: In der Nähe von Museen, Theatern und Opern siedeln sich gern Hochpreisangebote an). Kulturelle Großbauten ermöglichen und maskieren das kulturelle Veröden der Innenstädte. Sie verschlingen die kulturellen Energien, und in ihrem Inneren ist die Stadt vollkommen verschwunden. Man könnte auf dem Mars sein. So wie die Kunst selbst im Eventzirkus der Superausstellungen unentwegt auf Reisen ist, so wie umgekehrt die Kunstszene um die Welt reist – von der Ausstellung zur Messe und von dort zur Galerie und dann ins Auktionshaus, wo man gerade die nächste Rekordsumme anpeilt – , so sind die großen Kulturbauten Raumschiffe auf Zwischenlandung. Noch wichtiger, als ihr Zeichen in der so »belebten« Stadt zu genießen, scheint einer Mehrheit der beruhigende Eindruck, daß man auf diese Weise Kunst und Kultur gebannt hat, daß man sie kontrolliert (man weiß doch um die subversiven Wirkungen!), daß man sie los wird.
Der neoliberale Neomonumentalismus ist ein Bauen des Abhebens. Die Stadt dazu soll sich gefälligst selber spielen. ?
Georg Seeßlen hat gerade das Buch Future Sex in Queertopia. Sex-Fantasien in der Hightech- Welt 3 (Bertz + Fischer) veröffentlicht konkret
Konkret 05/12, S. 56