Kategorie-Archiv: Theaterkritik

Shakespeare hat die Flüchtlingskrise vorausgesagt: Christiane Linke über Macbeth im Schauspiel Frankfurt

Die Infantilisierung der deutschen Gesellschaft schreitet voran, sowohl politisch, als auch kulturell.

Die Kulturschaffenden, whatever it means, meinen daß es Kunst sei, wenn es komisch ist.

Das Frankfurter Schauspiel tut sich mit dieser Attitüde hervor, es wird geschrieen, gekackt, nackt herumgelaufen, gepisst, gefickt und geblutet.

Erzählt wird nicht mehr. Wer es erleben will, daß ihm jemand etwas einfach erzählt, der muß ins Ausland.

Die Deutschen feiern Kinderpartys, gegenwärtig haben sie eine Menge Meerschweinchen willkommen geheißen.

Nun streiten die Deutschen heftig, ob die Ankommenden Meerschweinchen oder Ratten sind. Tatsächlich sind es Wildkatzen. Und die Deutschen sind infantile, mehr oder weniger fleißige, ängstliche Mäuschen. Vor lauter Angst sehen sie manche Gefahr nicht, und manches sehen sie übertrieben als gefährlich. Gelassenheit ist nicht die Sache der Deutschen, weder im Theater, noch in der Politik, die nur noch theatralisch ist.

Dabei wäre gerade Macbeth geeignet, die tragische Wandlung der Angela Merkel zum Tyrannen darzustellen, der sowohl den Verstand als auch seine Menschlichkeit verliert.

Auch das Ende ihrer Herrschaft hat Shakespeare vorausgesehen, der Wald, der sich seinem Schloß schrittweise nähert, ist die gegenwärtige Flüchtlingswelle.

Die Situation im Kanzleramt beschreibt Shakespeare so:

ERSTE HEXE

Um den Kessel dreht euch rund!
Giftgekrös in seinen Schlund!
Kröt, die unterm kalten Stein
Tag‘ und Nächte, dreißig und ein,
Giftschleim schlafend ausgegoren,
Sollst zuerst im Kessel schmoren!

ALLE

Doppelt plagt euch, mengt und mischt!
Kessel brodelt, Feuer zischt.

ZWEITE HEXE

Sumpfger Schlange Schwanz und Kopf
Brat und koch im Zaubertopf:
Molchesaug und Unkenzehe,
Hundezung und Hirn der Krähe;
Zäher Saft des Bilsenkrauts,
Eidechsbein und Flaum vom Kauz:
Starken Zauber eingemischt!
Höllenbrei im Kessel zischt.

ALLE

Doppelt plagt euch, mengt und mischt!
Kessel brodelt, Feuer zischt.

DRITTE HEXE

Wolfeszahn und Kamm des Drachen,
Hexenmumie, Gaum und Rachen
Aus des Haifischs scharfem Schlund;
Schierlingswurz aus finsterm Grund;
Auch des Lästerjuden Lunge,
Türkennase, Tatarzunge;
Eibenreis, vom Stamm gerissen
In des Mondes Finsternissen;
Hand des gleich erwürgten Knaben,
Den die Metz gebar im Graben,
Dich soll nun der Kessel haben.
Tigereingeweid hinein,
Und der Brei wird fertig sein.

ALLE

Doppelt plagt euch, mengt und mischt!
Kessel brodelt, Feuer zischt.

ZWEITE HEXE

Kühlt es nun mit Paviansblut,
Zauber wird dann stark und gut!

Hekate kommt.

 

(…)

DIE ERSCHEINUNG
Sei löwenkühn und stolz; nichts darfst du scheuen,
Wer tobt, wer knirscht, und ob Verräter dräuen:
Macbeth wird nie besiegt, bis einst hinan
Der große Birnams-Wald zum Dunsinan
Feindlich emporsteigt.
Versinkt.

MACBETH
Das kann nimmer werden!
Wer wirbt den Wald, heißt Bäume von der Erden
Die Wurzel lösen? Wie der Spruch entzückt!
Aufruhr ist tot, bis Birnams Waldung rückt
Bergan, und Macbeth lebt in seiner Hoheit
Bis an das Ziel der Tage, zahlt Tribut
Nur der Natur und Zeit.
Doch klopft mein Herz, nur eins noch zu erfahren;
Sprecht, kann mir eure Kunst dies offenbaren:
Wird Banquos Same je dies Reich regieren
?

http://www.william-shakespeare.de/macbeth/macbeth_4akt.htm

line-wordpress

Macbeth im Schau(der)spiel Frankfurt

von Christiane Linke

Bereits am Eingang hängt ein großes Schild mit dem Hinweis, dass es zum Teil sehr laut und grell wird. Eine wichtige Info für Leute mit Herzschrittmacher und Epilepsie. Die hätten das bestimmt gerne vor dem Kauf ihrer Karten gewusst. Und man hat nicht zu viel versprochen. Es wird so ohrenbetäubend laut, dass man zeitweise das Gefühl hat, dass die inneren Organe wandern möchten. Diese kleine Übertreibung sei gestattet. Eine Lärmnotwendigkeit und der klare Bezug zum Original sind nicht zu erkennen. Die Akteure wälzen sich auf den nüchternen Tischrequisiten, beschmieren die und sich mit Farbe und lassen das Durcheinander von schwarzen Figuren, die sich merklich vom ebenfalls schwarzen Bühnenbild abheben, aufräumen. Wer die Geschichte nicht kennt, kann der Darbietung nicht folgen. Die wenigen Sprecheinlagen bieten keine Hilfestellung. Bei der kurzen Einführung hatte man auf die tollen tänzerischen Einlagen und die harten Proben hingewiesen. Ich sehe eine übermenschliche, teilweise plumpe Anstrengung der Schauspieler, den hohen Anforderungen gerecht zu werden. Sind eben keine Balletteusen. Auf mich wirkt es weder ästhetisch noch in sich schlüssig, sondern nervig. Man könnte auch sagen, wie ich es dann zum Schluss auch tue, „…war ganz schön experimentell.“ Aber das ist im Grunde feige, denn ich habe recht früh darauf gewartet, dass es vorbei ist. Es gibt keine Pause und das ist gut so. Gerade wieder bei Gehör und ohne zuckende Lider würde man nur schwer zurückkehren wollen. Aber es gibt Besucher, die schnell das Weite suchen. Sie arbeiten sich mühsam durch die Sitzreihe, gehen hastig auf die riesige Flügeltür zu, schmeißen sich dagegen und katapultieren die von außen zur Hilfe geeilte Theaterangestellte fast aus der Senkrechten. Dabei rudern sie wild und unbeholfen mit den Armen.

Chapeau für die, die ausgehalten haben. Mehr kann ich zu der Aufführung nicht sagen. Auch, weil ich zum Schutz über längere Zeit Ohren und Augen schließen musste.

2015 © Christiane Linke
christianelinke22@gmail.com

Siehe auch:

Theaterkritik: Die Frau, die gegen Türen rannte

Die Frau die gegen

Die Frau, die gegen Türen rannte

 

Die Bühne ist schlicht weiß. Man spielt mit Lichteffekten. Paula ist blondiert, trägt einen Plastikpullover, einen Jeansrock und bewegt sich kantig. „Egal was ich tat, ich war eine Schlampe. Ich weiß nicht, woran es lag. Ob an meinen Beinen, meinen Haaren oder meinen großen Brüsten. Ich sah, dass meine Lippe blutete. Ich war gestürzt. Ich war doch gestürzt? Der Alkohol betäubt. Noch ein Schlückchen und ich bin wieder jung. Vier Kinder und kein Job. Es fing alles so schön an.“ Er fragte: “Was ist mit Deinem Auge?“ Ich sagte: “Ich bin gegen eine Tür gelaufen, aber es ist ok, das passiert eben.“ „Ja, du musst besser aufpassen, mein Schatz.“ Dieses Schwein, denkt sie, jetzt ist es schon so weit, dass er unsere halbwüchsige Tochter anguckt. Er muss weg, endgültig. Paula nimmt die Bratpfanne und schlägt zu. In dem Schlag ist die Ohnmacht und Wut aller gelittenen Jahre. An die Achtziger kann sie sich nicht erinnern, zu viel Liquid. Er verlässt anstandslos das Haus. Es ist so einfach, warum hat sie es siebzehn Jahre lang ertragen. Die Tochter fragt: “Was wird nun?“ „Das weiß ich nicht“, sagt Paula.

Die Akteurin leuchtet bis fast in die tiefsten Abgründe. Eckig, einfühlsam und echt spielt Bettina Hoppe Milieu und Klischee der Paula Spencer. Die existentielle Angst wird mit Alkohol und Tanz betäubt. Und dann ein Grund, den sie nicht ertränken kann. Sie schlägt zurück. Ein einfühlsames, aber vor allem ehrliches Einfrauenstück über Identität, Krisen und Kraft. Man denkt unweigerlich an Film Noir.

 

2014 © by Christiane Linke