Kategorie-Archiv: Medienlügen

In den Medien gibt es eine systematische semantische Herabstufung der verschiedenen Grade von Gewalt

Gibt es eine systematische semantische Herabstufung der verschiedenen Grade von Gewalt? Herr Bellut, Herr Frey, bitte klären Sie uns auf.

Beim ersten mal war ich nicht sicher – hatte ich mich verhört? Beim zweiten mal wusste ich, nein, Petra Gerster hat es in ZDFheute tatsächlich gesagt. Und dann Matthias Fornoff im gestrigen ZDFspezial auch. Beide nannten das, was als Grund für den US-Luftschlag gegen den syrischen Luftwaffenstützpunkt ausgegeben wird, einen „Giftgas-Anschlag“.

Wenn das ein „Anschlag“ sein soll, wie nennt dann das ZDF, was es bisher als „Terror-Anschlag“ bezeichnete wie zuletzt in Stockholm? Ein Leserkommentar auf Tichys Einblick klärte mich auf. Das heißt im ZDF nun „LKW-Vorfall“.

Giftgasangriff heißt nun entmilitarisiert Giftgas-Anschlag und Terror-Anschlag entkriminalisiert LKW-Vorfall. Was fällt hier vor im ZDF?

Gibt es eine systematische semantische Herabstufung der verschiedenen Grade von Gewalt? Damit wir nicht mehr beunruhigt werden als unvermeidbar, weil ja irgendwas doch irgendwie passiert ist? Herr Bellut, Herr Frey, bitte klären Sie uns auf.

 

Syria responsible for gas attacks? More knee jerk one sided reporting?

Execution of Homosexual by Islamists („Catfur“)

What possible motive would the Syrian Government have for launching a chemical weapons attack on the opposition forces now, when backed by Russia, they have virtually won and talks are in progress? It would only weaken their own position.

ISIS on the other hand has every reason to try and blacken the Syrian Government’s name so as put themselves in a stronger position at any talks. The terror group is not above killing a few of its own followers in the cause of the Caliphate.

The western press relies mainly on the Syrian Observatory for Human Rights (SOHR) for corroboration of the source of these attacks. Many think the organisation, run by one man, a Sunni Muslim, out of a small clothes shop in Coventry, may not be as reliable and authoritative as it is thought to be.Moreover the western left especially the BBC, conflates the word justice with anything anti Assad.  Among western liberals, any means of blaming blame Syria, however ludicrous, suffices. Here is European Union’s top diplomat Federica Mogherini on the attack: “Obviously there is a primary responsibility from the regime because it has the primary responsibility of protecting its people.”  If she were right that would make Britain responsible for the Nazi bombing of London!

Wikipedia with a neutral view the Syrian Observatory:-

‘The United Nations, newspapers, and nongovernmental organisations say that SOHR is an accurate source. “Generally, the information on the killings of civilians is very good, definitely one of the best, including the details on the conditions in which people were supposedly killed,” said Neil Sammonds, a researcher for Amnesty International.[10]

SOHR has been accused of selective reporting, with AsiaNews saying that they covered only violent acts of the government forces against the opposition for the first two years of its existence.[12] SOHR has also been accused of reporting militant anti-government fighters among dead civilians,[13] and has been described as being “pro-opposition”[14][15][16][17] and anti-Assad.[18][19] It has been criticised for refusing to share its raw data or methodology.[20] In October 2015, Russian Foreign Ministry spokesperson Maria Zakharova questioned the reliability of the organisation saying that it is based in London and has no ground access to Syria.[21] In March 2017, German Foreign Office spokesman Sebastian Fischer criticised the credibility of the organisation and called its findings “unsubstantial” after SOHR reported that a coalition airstrike carried out on intelligence from Germany caused civilian casualties. He went on to say that it is crucial to “take into account that those, who give specific information over to them [the SOHR], have their own interests consisting of this information being presented to the public in a particular way.”[22]

Mazel Tov, Donald Trump!

Gestern bin ich mit den Nachrichten schlafen gegangen, die auf allen Medien das gleiche behaupteten, daß Hillary Clinton die Wahlen so gut wie gewonnen habe. Ich habe dabei gedacht, daß wir das Dritte Reich und die Sowjetunion überlebt haben, dann wird meine Familie auch das Neue Vierte Reich[i] der angeblichen Linke, die keine Linken sondern neue Nazis sind, ebenfalls überstehen. Nationalsozialismus und Faschismus sind nicht verschwunden, sie haben nur Seiten gewechselt und die Brandstifter geben sich als Biedermänner aus.[ii] Die gleichgeschalteten Parteien von links bis rechts und ihre gleichgeschalteten Lügenmedien, ihre Klebers, Slomkas, Wills, Illners, Claudias Roths, Merkels, Altmeiers und wie sie alle heißen, mit ihrem als Israelkritik verkappten Antisemitismus, mit ihrem Verrat an ihrem Volk, mit ihrer Preisgabe der westlichen Welt an die Islamofaschisten, sind heute in ziemlich gedämpfter Stimmung aufgewacht. Der von ihnen ausgelachte, diffamierte, verteufelte Donald Trump, gewann die 45-ten Wahlen der USA. Und bekanntlich lacht am Besten derjenige, der zuletzt lacht.

Mir jedoch hat der morgendliche Kaffee seit Jahren nicht so gut geschmeckt, wie heute früh. Und das erste Mal seit Jahren habe ich wieder deutsche Nachrichtensender gehört, um die gequälten Stimmen der deutschen rot-rot-grünen Radiomoderatoren zu hören.

Ach, wie schön! Die Schadenfreude ist doch die schönste Freude!

Fuck you, Leftists! l’chaim!  Mazel Tov!

JSB

[i] https://psychosputnik.wordpress.com/2015/12/25/europe-the-third-greater-nazi-reich-edelweiss/

[ii] Germans European Union is their New Holy Roman Empire „Edelweiss“

line-wordpress-long

Ich habe heute morgen im Auto auf Deutschlandradio Kultur eine Sendung zum amerikanischen Wahlergebnis gehört. Über Donald Trump wurde dort gesagt, er sei ein „veritabler widerlicher Kotzbrocken“. Ich habe kurze Zeit später die erste Rede des kommenden Präsidenten gehört. Was er sagte, klang auffallend versöhnlich. Und so fällt zunächst einmal der unterschiedliche Sound auf, mit dem dieser Machtwechsel begleitet wird.

Bei Trump zumindest der rethorische Versuch, auch diejenigen, die ihn nicht gewählt haben, mit einzubeziehen. Hierzulande ein absolut schriller Alarmton, der verächtlicher nicht sein könnte. Diejenigen, die die höhere Weisheit für sich gepachtet zu haben glauben, klettern immer höher auf einen Baum, von dem sie nur schwer wieder herunter kommen werden. Eigentlich wäre es doch an der Zeit, sich mit dem kommenden US-Präsidenten zu arrangieren – egal wie man zu ihm steht. Und es wäre an der Zeit sich mit dem Gedanken zu arrangieren, dass das Phänomen Trump nicht auf Amerika beschränkt ist.

Die fundamentale Lehre lautet zunächst: So etwas passiert, wenn man die Menschen und ihre Ängste ignoriert oder gar desavouiert.

Es fallen ja sofort die Parallelen zum Brexit auf. Demoskopen und Medien haben das Ergebnis vollkommen falsch eingeschätzt, die Börsen ebenso. Die Sensoren für das, was in einer Mehrheit der Bevölkerung gedacht und empfunden wird, sind einem großen Teil der politisch-medialen Klasse abhanden gekommen.

Man kann über die Hälfte der Bevölkerung über eine gewisse Zeit ignorieren. Man kann sie für ungebildet halten, sogar für krank und von unbegründeten Ängsten getrieben. Aber man kann das eben nur für eine gewisse Zeit tun. Der Sieg von Trump ist auch für die im Bundestag vertretenen Parteien ein Zeichen an der Wand.

Es ist gewiss nicht die Zeit für Beschimpfungen über den Atlantik. Auf Dauer wird sich das bitter rächen. Die USA sind nicht Sachsen.

Aber was wird jetzt kommen? Die US Wahlen zeigen, dass die Demokratie der USA funktioniert. Die Bewährungsprobe für diese Demokratie kommt aber erst jetzt. Ein US-Präsident kann nicht – wie ein Diktator – machen, was er will. Senat, Repräsentantenhaus gilt es immer mit einzubinden. Was auch für die anderen rechtsstaatlichen Institutionen gilt.

Wer zum jetzigen Zeitpunkt darüber lästert, dass Trump viel verspricht, aber erst einmal liefern muss, der hat prinzipiell recht. Der Fairness halber aber muss man sagen: Auch Obama hat viel versprochen. Und leider nicht geliefert.

Die wichtigste Frage für Deutschland und Europa lautet: Lässt er Europa im Stich? Der Gedanke ist erschreckend, aber eher unwahrscheinlich. Die USA brauchen auch Verbündete, allein sind sie viel zu einsam auf dem Globus. Erst wenn Trump nicht die NATO-Außengrenzen garantiert, wird es eng. Hoffen wir, dass das nicht passiert. Es liegt aber auch an uns, mit dem neuen Präsidenten eine vernünftige gemeinsame Basis zu finden. Ich bin gespannt auf Angela Merkels Gratulation.

line-wordpress-long
Hillary Clinton beherrschte die Medien. Donald Trump sprach darüber, was die Menschen bewegt, was ihnen wichtig ist. Die Wählerverachtung hat Clinton geschadet, und die Wähler Trump zugetrieben.

Liebe Umfrage-Experten, Journalisten und Medienbosse, liebe Besserpolitiker und Moralapostel, kurz, darf ich das im Ergebnis sagen? Liebe Versager!

Nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich Sie »Versager« nenne. Ich meine es nicht persönlich. Sie haben bei der US-Wahl 2016 vollständig versagt – es ist also sachlich richtig.

Viele »kleine« Schreiber wie ich haben versucht, Sie darauf hinzuweisen, immer wieder: Wahlen werden an der Basis gewonnen, nicht in Redaktionen gemacht. Sie waren machttrunken und titelbesoffen und schon lange nicht mehr für externe Perspektiven ansprechbar.

Jetzt, mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA stehen Sie vor den Trümmern Ihrer Arbeit bis hierhin.

Ich könnte Sie auslachen und mich der Schadenfreude hingeben. Doch wozu?
Ich habe ein anderes Anliegen. Lassen Sie uns gemeinsam aus dem Sieg des Donald Trump lernen.

Donald Trump hat gegen – seien wir ehrlich – den praktisch gesamten medial-politischen Komplex der USA und manchen Kiebitz in Übersee gekämpft. Dieser Komplex hat selbst nicht sauber gestritten, oh nein. (Da Sie nun bald etwas Zeit haben werden, können Sie dann ja endlich mal aufhören, zu tun, als gäbe es WikiLeaks nicht.)

Donald Trump ist unglaublich weit gekommen, viel weiter, als viele dachten. Selbst wenn er so knapp verloren hätte – es war ein Erfolg. Mit einer einzigen Waffe. Donald Trumps stärkste Waffe sind seine Sprüche. Der Fachausdruck dafür sind »Talking Points«. Hillary Clinton gab ein Vielfaches an Geld aus, sie hatte »ground game« und eine sie recht skrupellos stützende Partei. Trump aber hatte nichts als Talking Points.

Liebe Journalisten, Sie haben viel von vergangenen Verfehlungen und angeblicher Erfahrung und politischen Programmen der Kandidaten gesprochen. Es ist Zeit, dass Sie einsehen, wie egal dies alles dem realen Wähler ist. Es interessiert zu wenige Menschen »da draußen«. (Und Sie selbst langweiligen sich doch auch schon, oder nicht?)

2015 habe ich ein Buch namens »Talking Points oder Die Sprache der Macht« vorgelegt. Der Deutschlandfunk sagte darüber, man würde nach der Lektüre die »öffentlichen Auftritte von Politikern […] mit anderen Augen sehen«. 2016 dann habe ich Vorträge zu Donald Trumps Sprache gehalten. Der Saal war immer voll. Wir haben Reden analysiert und danach jedes Mal das »Phänomen Trump« etwas besser verstanden. Es geht nicht um Meinungsforschungsinstitute, die haben sich ja auch getäuscht. Ein Talking Point ist ein politischer Satz, der dem Zuhörer das Gefühl gibt, diesem Menschen folgen zu wollen. Trumps Reden waren voller Unwahrheiten, Vulgaritäten und Wort-Trümmer. Sie, die Journalisten, haben nur diese Sprach-Brüche gesehen. Wir haben die Dichte der Talking Points gesehen.

Ich ging auch davon aus, dass Hillary Clinton knapp gewinnen würde. (Alle Talking Points nützen nichts, wenn der andere die Medien im Griff hat.) Trump hat gewonnen. Die Kraft seiner Talking Points war stärker als alles, was sich ihm in den Weg stellte.

Bitte schauen Sie sich an, wie Talking Points funktionieren. Die Grundmechanismen von Talking Points sind einfach: »Zeige, dass du stärkst, was dem Hörer wichtig ist, und dass der Gegner eben dieses schwächt.« Die Ausführung ist dann komplexer, klar.

Sie, liebe Edeldenker, produzierten »Anti-Talking-Points«. Sie verspotten, was »den Menschen« wichtig ist. Ich bestreite nicht, dass Sie gute Absichten haben. Und über die Absichten von Leuten wie Trump werde ich keine Spekulationen abgeben. Das Problem ist, dass all Ihre Absicht von Ihrer völligen (sprachlichen) Empathiefreiheit zunichte gemacht wird.

Trump sagt, dass er eine Mauer bauen wird. Sie sitzen in Ihren Büros und Kaffeehäusern und kalkulieren, ob das geht, und moralisieren, ob man das machen darf. Die Menschen aber hören, dass da einer ist, der sie beschützen wird. Seinen Stamm zu beschützen ist die erste Aufgabe eines Häuptlings. »Ich werde dich beschützen« ist ein hervorragender Talking Point.

Trump sagt, dass Frauen sich ihm gern hingeben. Sie sind empört wie Claudia Roth vor dem überfahrenen Eichhörnchen. Wissen Sie nicht, dass Häuptlinge seit jeher gewisse Sonderrechte hatten? Schauen Sie doch Ihre eigenen Helden an, ob Kennedy, Clinton oder Brecht – ganz zu schweigen von deutschen Leitwölfen!

Trump sagt, dass alles, was er macht, groß und »yuuge« ist. Sie belächeln es, schwätzen von seinen Händen – und erwarten, dass die Menschen jemanden wählen, der mit »stronger together« um die stützende Schulter zu betteln scheint.
Talking Points sind nicht »gut« und sie sind nicht »böse«. Talking Points sind, wie die menschliche Seele funktioniert. Das nachzuvollziehen könnte man »Empathie« nennen, und sei sie gelernt.

Ja, ich habe in der Vergangenheit gesagt, dass kleine Medien wie wir hier die großen, etablierten wie Sie ersetzen werden – und dazu stehe ich gern. Ja, wir hatten Recht und Sie hatten Unrecht. Doch lassen wir das für den Moment beiseite.

Ich bitte Sie um zwei Dinge: Sehen Sie ein, dass es einen Graben zwischen Ihren Prioritäten und den Prioritäten »der Menschen da draußen« gibt. Hören Sie auf, wie pubertierende Teenager alles zu verachten, was Sie nicht verstehen. Analysieren Sie, wieso die Sprache des Donald Trump wirkt. Ich verrate Ihnen etwas, was Ihnen im Moment weh tun wird: Sie werden von Donald Trump lernen. Und: Indem Sie Donald Trump verstehen, werden Sie »die Menschen da draußen« (besser) verstehen. Das wird Sie verändern, und nicht zum Schlechteren. So hat die Wahl des Donald Trump dann bereits etwas Gutes bewirkt.

line-wordpress-long

Was wurde hierzulande nicht alles geschrieben, gesprochen, gedruckt und gesendet, um allen Menschen zu erklären, welch ein unwahrscheinlicher Irrsinn es wäre, wenn die US-Amerikaner Donald Trump zu ihrem Präsidenten wählten, einen Mann, der doch so rassistisch, ausländerfeindlich und frauenfeindlich ist. Man wusste auch schon vorher, wer Trump denn wählen würde: Abgehängte, frustrierte ältere weiße Männer. Hätte diese Analyse gestimmt, dann wäre die Wahl allerdings anders ausgegangen. Oder ist der weiße Mann doch noch so stark?

Ein Sympathieträger ist der neue Präsident eigentlich nicht. Selbst unter seinen Wählern dürften ihn  nur die Wenigsten tatsächlich für vertrauenswürdig halten. Aber ein Votum für Trump war die einzige Möglichkeit der Wähler, deutlich zu sagen, dass sie gegen ein „weiter so“ sind. Das kennen Wähler hierzulande inzwischen auch: Sie haben die Wahl zwischen etablierten Parteien, die ausgerechten auf den in der Gesellschaft am stärksten umstrittenen Politikfeldern einen einheitlichen Block bilden, und einer „Alternative“, die zwar so manchem Irrlicht eine politische Heimat scheint, aber derzeit als einzige Möglichkeit zu einer Wahl-Gegenstimme wahrgenommen wird.

Gern wurde der „typische“ amerikanische Trump-Wähler mit dem „typischen“ deutschen AfD-Wähler verglichen. Es ist sicher ein Schock für die politische Klasse hierzulande, dass dieses Klientel zu einer Stimmenmehrheit anwachsen kann. Es wäre eine heilsame Lehre aus dem amerikanischen Wahlergebnis, dass politische Verantwortungsträger, die die Gesellschaft nur noch so behandeln, wie eine Gouvernante ein widerspenstiges Kind, so viel Frust produzieren, dass eine solche Mehrheit möglich wird. Aus der Sicht des wählenden Souveräns ist das irgendwann nur noch ein Akt der Notwehr. Die Verantwortung handelnder Politiker ist es, die Wähler nicht dahin zu treiben.

Doch zurück zu Trump. Die EU-Granden sind geschockt. Deutsche Politiker sind geschockt. Nicht nur, weil eingetreten ist, was sie nicht wahrhaben wollten. Ein US-Präsident Trump hat auch angekündigt, die USA würden sich weniger als Weltpolizist in der Welt engagieren. Die Europäer sollten sich beispielsweise selbst mehr um ihre Sicherheit kümmern. Eigenverantwortung? Das klingt gerade für Apparatschiks eher bedrohlich.

Wenn man nun die ersten Reaktionen der Geschockten sieht, dann stellt sich auch eine gewisse Schadenfreude ein. Die mildert den Schock des Autors dieser Zeilen ob des Trump-Sieges ein wenig. Manches hat durchaus Unterhaltungswert. Beispielsweise Grünen-Chef Cem Özdemir, der allen Ernstes erklärte, die Vereinigten Staaten würden sich unter Trump vom Rest der Welt verabschieden. Es mutet einigermaßen komisch an, wenn gerade diejenigen darüber wehklagen, dass sich die USA aus „dem Rest der Welt“ zurückziehen, die früher eher dem „Ami go home“ nahestanden.

Und vielleicht sollten wir zur Kenntnis nehmen, dass genau dieser Rückzug aus dem „Rest der Welt“ auch viele Wähler, die nicht zum Kreis der alten weißen Männer gehören, zur Stimmabgabe für Trump bewogen hat. Glaubwürdig waren beide Kandidaten nicht, aber Trump versprach weniger militärisches Engagement im Ausland, also weniger Krieg. Das mag weltpolitisch falsch sein, aber es hat viele Stimmbürger überzeugt. Das nämlich sollte der „Rest der Welt“ einfach anerkennen: Das ungeliebte Ergebnis ist zunächst einmal eine souveräne Entscheidung der Amerikaner. Sie werden sich des Präsidenten Trump nach einem politischem Versagen auch wieder zu entledigen wissen, ganz ohne unsere Hilfe.

line-wordpress-long

Es kam, wie Michael Moore in seinem Film „Trumpland“ es vorausgesagt hat: „Trump’s election is going to be the biggest f— you ever recorded in human history and it will feel good.“

Dem politischen Establishment, das sich immer mehr als eine nach Weltherrschaft strebende Kaste sah, wurde, um es mit Moore zu sagen, der Stinkefinger gezeigt. Zivilisierter ausgedrückt: Dem in-ternationalen Politiker-Netzwerk, das sich bis heute zu fest im Sattel sitzen sah, als dass es einen solchen Wahlausgang für möglich halten konnte, ist gezeigt worden, dass die Demokratie noch funktioniert. Wohl kein Präsidentschaftskandidat, nicht einmal Ronald Reagan, hat gegen eine solche Antipropaganda und falsche Umfragen die Schlacht gewonnen.

Die Überraschung des Politestablishments ist nur zu vergleichen mit der Überraschung der kommunistischen Nomenklatura, als sie 1989/90 hinweggefegt wurde.

Wie tief die Fassungslosigkeit ist, wurde am Beispiel des ARD-Korrespondenten in New York Markus Schmidt deutlich, der nach dem Wahlsieg von Trump noch erklärte, die Wahl wäre entlang der Gender- und Rassengrenzen gewonnen worden. Für Trump hätten die weißen Männer und die Arbeitslosen gestimmt, für Hillary Clinton die Schwarzen, die Hispanics, die Gebildeten und die Frauen. Das Hillary Clinton dann die Wahl mit Zweidrittelmehrheit hätte gewinnen müssen, fiel dem gestandenen Journalisten nicht auf. Solche Verheerungen können ideologische Vorurteile im Denken anrichten.

Schon in den ersten Minuten nach der Wahl hat Donald Trump gezeigt, das man nicht Teil des Poli-tikernetzwerkes sein muss, um als kluger Staatsmann aufzutreten. Er hat seine Anhänger warten lassen, bis der Anruf von Hillary Clinton kam, mit dem sie ihm zum Wahlsieg gratuliert hat.

Als er dann in der Öffentlichkeit erschien, war sein Auftritt fein, bescheiden, demütig, dankbar, fern von allem Triumphgeheul.

Er bedankte sich als erstes bei Hillary Clinton für alles, was sie in den vergangenen Jahrzehnten für das Land getan hat, und fügte hinzu, dass es sein Wunsch sei, das zerrissene Land wieder zu verei-nen. Er wolle der Präsident aller Amerikaner werden. Er bat alle, die ihn nicht gewählt haben, aus-drücklich um ihre Hilfe und Unterstützung. Sein Wahlkampf wäre kein klassischer Wahlkampf ge-wesen, sondern der Beginn einer Bewegung für eine bessere Zukunft.

Er wolle dafür sorgen, dass der Staat wieder dem Willen des Volkes dient und versichert: „serve the people it will“. Trump will den amerikanischen Traum erneuern, das „Potential der Menschen zum Erblühen“ bringen. Die vergessenen Menschen würden nicht länger vergessen sein. Amerika würde wieder aufgebaut, die marode Infrastruktur erneuert. Den Veteranen, von denen er viele in den Wahlkampfwochen persönlich kennengelernt hätte, solle endlich die Anerkennung zukommen, die sie verdient hätten.

Auch was die Außenpolitik betrifft, schlug Trump versöhnliche Töne an: „Wir wollen mit allen gut zurecht kommen, die bereit sind, mit uns zurecht zu kommen. Wir werden mit allen fair umgehen“, versprach Trump, „keine Konflikte, sondern Partnerschaft“.

Zum Schluss kam der besondere Dank für seine Unterstützer. Zuerst an seine Patchwork-Familie, denn außer seiner Frau hatten ihm alle Kinder aus seinen früheren Ehen geholfen. Politik sei häss-lich und hart, sie hätten aber zu ihm gestanden.

Dann dankte er neben Rudolph Giuliani, dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister, auch Ben Carson, dem schwarzen Neurochirurgen Ben Carson, der sich als erster Mitbewerber in den Prima-ries für Trump ausgesprochen hatte.

Außer bei seinen Unterstützern, zu denen auch 200 Generäle und Admiräle gehört haben, bedankte sich Trump bei den Polizisten, deren Arbeit zu wenig geschätzt würde.

Nun, beendete er seine kurze Ansprache, müsse „gute Arbeit geleistet werden. Ich werde euch nicht enttäuschen!“ Nach acht Jahren sollen alle sagen können, dass etwas geschehen ist, worauf sie stolz sein können.

„Der Wahlkampf ist zu Ende, die Arbeit für die Bewegung beginnt. Ich liebe dieses Land“

Nach dieser klugen Rede, war die Nörgelei der ARD-Wahlrunde, die nur aus Clinton-Anhängern bestand, einfach ätzend und peinlich. So führen sich nur die schlechtesten aller Verlierer auf.

Was bedeutet die Wahl Trumps für Deutschland, abgesehen von der „totalen Überraschung, Fas-sungslosigkeit, Ratlosigkeit“? Wenn Clinton gewählt worden wäre, hätte das automatisch die vierte Kanzlerschaft für Merkel bedeutet. Das ist jetzt keineswegs mehr sicher. Kanzlerin Merkel und ihr Lager täten gut daran, die Signale zu hören, die von der US-Wahl ausgingen. Nicht nur die Ameri-kaner haben von einem Politiker-Establishment die Nase voll, das sich wie die Feudalabsolutisten aufführt.

Ich war, nachdem ich ihn in den Primaries selbst erlebt hatte, anfangs sehr gegen Trump. Meine Meinung habe ich revidiert, als ich vor ein paar Wochen seine außenpolitische Rede hörte. Immer wenn Beifall aufbrandete und in Trump-Trump-Rufe überging, stoppte der Kandidat seine Anhän-ger und fuhr fort.

Ich dachte, dass mir ein Präsident, der sich nicht im Beifall sonnt, lieber ist, als eine Kanzlerin, die sich einen zehnminütigen Beifall bestellen und ausführen lässt.

Kanzlerin Merkel, es ist Zeit, zu gehen, wo der Pfeffer wächst (Der Pfeffer wächst in der Türkei.).

line-wordpress-long

clinton-gewinntDa sitzen sie, die guten, ein- und ausgebildeten Bürger und Bürgerinnen mit dem schalen Schampus in den feinen Händchen, die keine Schwielen von harter Arbeit haben und schauen fassungslos auf den Proll aus Amerika, der trotz aller Polls einen klaren Wahlsieg eingefahren hat. Gesiegt hat die Killary nur in der Mark Brandenburg (siehe Zeitung). Mit verstärktem Zustrom deutscher Qualitätspolitiker in diese Region ist jetzt zu rechnen. Schön die Arschkarte gezogen Herr Steinmeier! Dumm gelaufen, wenn man seinen zukünftigen Chef als Hassprediger bezeichnet! Der Trump macht jetzt die Witze. Am besten hat Michael Klonovsky die Ablehnung Trumps beschrieben:

Die gesammelte moralische Minderwertigkeit Amerikas, ja des Planeten hasst Trump: die Ganoven der Wall Street ebenso wie die globalistischen Spitzbuben vom Schlage eines Soros, die Nivellierungsbarbaren in ihren Bürotürmen und NGOs, die kriegsgeilen Neocons, die feministische und die Migrationslobby, die meisten Charaktersimulanten und Leinwandkasper aus Hollywood, die neidzerfressenen sogenannten Linksintellektuellen und natürlich die Pressstrolche, die smarten opportunistischen Faktenverdreher aus den klebrigen Medienkanälen. Egal indes, wer morgen triumphiert, die USA sind, wie nahezu sämtliche westlichen Länder, zutiefst gespalten, man sieht es bei der österreichischen Präsidentenwahl, man sieht es in Frankreich, wo der Front National zwar stärkste Partei ist, von den vereinten Konservativen und Sozialisten jedoch erfolgreich von der Regierungsverantwortung ausgeschlossen wird, man sieht es an der grotesken Blockbildung hierzulande gegen die AfD. Künftige demokratische Voten mit 51:49 Prozent-Resultaten werden den Riss nicht kitten können, vor allem wird sich die große Masse der Absteiger nicht länger manipulieren und sedieren lassen. In den Staaten der westlichen Welt tritt seit mehr als sechzig Jahren erstmals eine Generation ins Berufsleben ein, die genau weiß, dass es ihr schlechter gehen wird als ihren Eltern, und dass es ihren Kindern mit hoher Wahrscheinlichkeit schlechter gehen wird als ihnen selbst, dass es in zwei Generationen keinen Mittelstand mehr geben wird und wahrscheinlich auch ihre Völker nicht mehr existieren, dass sie verarmen und verelenden und sich in ihren ehemaligen Heimatländern, vor den Ruinen ihrer Nationalkulturen, mit dem Lumpenproletariat der dritten Welt und dessen halbbarbarischen Riten werden herumschlagen müssen, während sich in den Händen einiger weniger ungeheuere Kapitalmengen konzentrieren und genau diese jeglicher Bindung und Verantwortung enthobenen, mobilen Weltabmelker daran arbeiten, dass es den sogenannten einfachen Menschen noch schlecher geht… (weiterlesen unter dem 8.11.2016)

Ja, die haben mal wieder (nach Brexit) auf das falsche Pferd gesetzt, die ganze Hallöchen-Popöchen Gesellschaft, die ach so schlau und fein daherredet und die so entsetzt und empört tut, wenn den einfachen Leuten per Order di Mufti verschrieben wird, dass sie die Flüchtingspolitik gut zu finden und das auch noch zu schaffen (=bezahlen) haben, und zum Dank dann noch als Dreck und Pack beschimpft werden. Die ganzen Medien und Nachrichten-Kleber, die alle in der Atlantikbrücke sitzen und den Trump so bääh finden, werden jetzt schnell die Kurve kratzen und jetzt in ein neues – ungeliebtes – Arschloch kriechen, denn keiner will der letzte sein.

Die Saudis und Kataris haben mit ihrer massiven Wahlkampfhilfe für Clinton wenigsten diese Millionen nicht zur Unterstützung der Terroristen in Syrien (vom Imperium als „gemäßigte Rebellen“ genannt) verwendet.

Ich freue mich, wenn ich jetzt tiefenentspannt beobachten kann, wie unsere „politische Elite“ die Kehrtvolte meistert.

Deshalb mein Vorschlag: der 8. November wird als Internationaler Arschkriechertag ausgerufen.

P.S. Für meine amerikanischen Leser in den „Diensten“: Die Übersetzung „Wahl zwischen Pest und Cholera“ wird überetzt als „Choice between the devil and the deep blue sea“. Ihr habt die tiefe blaue See gewählt.

http://www.altermannblog.de/internationaler-arschkriechertag-ausgerufen/

line-wordpress-long

Der Gebührenzahler will in der Tagesschau nicht den Wunsch von Jörg Schönenborn & Redaktion hören und sehen, sondern Fakten. Besser wäre die ARD auf das Programm und die jeweiligen Folgen der Kandidaten eingegangen, statt Umfragen zu manipulieren.

Als vorgestern Abend zur besten Sendezeit um 20 Uhr Jörg Schönenborn in der öffentlich-rechtlichen Tagesschau die Umfragen zur amerikanischen Präsidentenwahl veröffentlichte, war eigentlich alles klar. Clinton habe 268 Stimmen bereits sicher und benötige lediglich die Wahlmännerstimmen eines Swing State, um die notwendigen 270 Wahlmännerstimmen zu erlangen und damit die Wahl zu gewinnen. Konkurrent Trump könne nur auf sichere 180 Wahlmännerstimmen vertrauen. Er relativierte zwar die Zahlen, es sei noch nichts sicher, dem Zuschauer wurde aber eine Graphik gezeigt, die den Eindruck eines klaren Vorsprungs darstellen sollte.

Wie unsauber die durch Zwangsgebühren finanzierte ARD hier arbeitete, wird erst klar, wenn man die Umfragen in Amerika vom Vortag anschaut.

Das Portal Realclearpolitics.com, das alle relevanten Umfragen in den USA veröffentlicht, hatte Clinton noch am Montag lediglich 203 und Trump 164 Wahlmänner sicher zugerechnet. Bei allen anderen Staaten, die insgesamt 171 Wahlmänner repräsentieren, betrug die Differenz zwischen Clinton und Trump weniger als 5 Prozent und fiel daher in den Bereich der Fehlerwahrscheinlichkeit. Es war unseriös und mindestens fahrlässig von Schönenborn und der ARD, diese statistische Fehlerwahrscheinlichkeit einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Vielleicht steckte in den pseudowissenschaftlichen Daten der Tagesschau mehr der Wunsch eines Wahlausgangs. Der Gebührenzahler will in der Tagesschau aber nicht den Wunsch von Jörg Schönenborn oder einer Redaktion hören und sehen, sondern Fakten. Besser wäre es gewesen, wenn die ARD auf das Programm und die jeweiligen Folgen der Kandidaten eingegangen wäre, anstatt Umfragen zu manipulieren. Denn das Programm des 45. Präsidenten der USA ist nicht ganz ohne und wird Auswirkungen auf Deutschland haben.

Trumps Agenda: Er will das Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko kündigen und neuverhandeln. Er will das Freihandelsabkommen TTIP mit der EU auf Eis legen und auch das Transpazifische Handelsabkommen TPP stoppen. Einiges davon hätte auch Hillary Clinton gemacht, auch sie folgte dem Druck von Links und Rechts, den Freihandel zurückzuschrauben, weil sie eine Gefahr für die Arbeitnehmer im eigenen Land befürchten.

Das führt uns zum Kern des Wirtschaftens. Wofür werden Waren und Dienstleistungen produziert und verkauft? Dienen sie in erster Linie dazu, Menschen eine Arbeit und damit Einkommen zu ermöglichen, damit sie anschließend diese Waren kaufen können? Dienen sie in erster Linie sogar dazu, dass die Regierung oder der Staat Einnahmen über Steuern generieren kann, damit anschließend Straßen und Kindergärten gebaut werden können? Nein, beides sind Folgen des Wirtschaftens. Die Produktion und der Verkauf von Waren dient in erster Linie dazu, dass der Einzelne als Konsument seine individuellen Wünsche erfüllen kann. Würde man die Arbeitsplätze oder die Einnahmen des Staates als wesentlichen Kern des Wirtschaftens betrachten, dann verließe man den Boden der Marktwirtschaft, auch unserer Sozialen Marktwirtschaft. Ludwig Erhard sagte über die Marktwirtschaft: “Je freier die Wirtschaft, umso sozialer ist sie auch.“ Die Marktwirtschaft ist deshalb sozial, weil sie Wünsche Einzelner bedient, die sonst nicht bedient würden. Erst dadurch entstehen Arbeitsplätze und mittelbar auch Einnahmen für den Staat. Keine Regierung, kein Interessenverband und auch keine Gewerkschaft kennen die Wünsche jedes Einzelnen, dieses Wissen haben sie nicht.

Zäumt man das Pferd von hinten auf, indem man erst an den Erhalt der Arbeitsplätze und die Einnahmen des Staates denkt, dann orientiert man sich nicht am Konsumenten und dessen Wünsche, sondern an den Wünschen von Lobbygruppen. Dies ist dann das Einfallstor für Protektionismus, Abschottung und eine gelenkte Wirtschaft, in der der Staat immer mehr zu sagen hat und dadurch die Bürokratie überhandnimmt.

Letztlich geht es im internationalen Handel ebenso um diese entscheidende Frage. Auch dabei geht es darum, ob der Einzelne seine Wünsche, Ideen und Vorstellungen auch grenzüberschreitend erfüllen kann, ohne die jeweilige Regierung demutsvoll fragen oder Wegzoll bezahlen zu müssen.

Das betrifft und schadet uns allen. Wie es die österreichische Nationalratsabgeordnete Claudia Gamon während einer Debatte im dortigen Parlament so treffend sagte: „Wer hier in diesem Saal ohne Freihandel ist, werfe das erste iPhone.“

line-wordpress-long

Mein erster klarer Gedanke war: Was wird Frank-Walter Steinmeier sagen, der vor Kurzem den republikanischen Kandidaten einen „Hassprediger“ genannt und ausdrücklich „vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gewarnt“ hatte.

Er sei der Meinung, so die Sprecherin des Ministers, es müsse „einem echt bange werden, was aus dieser Welt wird“, wenn Trump tatsächlich Präsident würde. „Darauf macht der Außenminister aufmerksam. Und das ist sein gutes Recht.“

Angela Merkel schickte einen Giftpfeil

Ich musste nicht lange auf eine Stellungnahme des Außenministers warten. Mit einem Gesicht, als habe man ihm gerade ein großes Glas Rizinusöl zum Frühstück serviert, sagte der Chef des Auswärtigen Amtes: „Selbstverständlich werden wir dieses Wahlergebnis akzeptieren. Wir akzeptieren es!“

Was wollte Steinmeier damit sagen? Dass er das Wahlergebnis nicht vor einem Gericht anfechten wird? Hier der ganze Text – ohne Bezahlschranke.

line-wordpress-long
Als was hatten unsere Politiker und Medien Donald Trump nicht alles tituliert, da kam das biodeutsche Volk noch gut davon im tituliert werden. Und wollte nicht die halbe Künstlerschaft der USA auswandern, „wenn Trump es würde“. Nun ist er es, so ein Mist. 24 Stunden haben sich die Etablierten die Wunden geleckt. Jetzt entdecken sie ihren Wendehals. Sonst entgeht ihnen beim Staatsempfang noch ein Gläschen „Veuve Clicquot“. Frei nach dem Motto: was kümmert mich mein Geschwätz von gestern wird jetzt eifrigst zurückgepaddelt. De Niro will Trump keine mehr reinhauen, Miley Cyrus will doch lieber nicht auswandern, Sängerin Cher, „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston, Comedian Amy Schumer, Schauspielerin Barbara Streisand und Rapper Snoop Dogg überlegen noch. Den Vogel aber schießt der Stammel-Edmund Stoiber ab: „Möglicherweise ist Trump am Ende besser für Europa als Clinton“. Jetzt können wir uns beruhigt zurücklehnen, ab morgen wird auch von der Groko wieder diplomatisch mit dem US-Präsidenten gebusselt.

Für Europa ist die Wahl von Donald Trump eine „echte Wende“ – und wird dem alten Kontinent viele Änderungen bescheren, glaubt Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber. Im Interview mit FOCUS Online erklärt der CSU-Politiker, warum sich daraus neuen Chancen ergeben könnten.

FOCUS Online: Donald Trump wird der nächste Präsident der USA. Was wird sich dadurch ändern?

Edmund Stoiber: Viel – vor allem für Europa.

FOCUS Online: Für Europa? Trump will doch erstmal die USA abschotten und dort ein Konjunkturprogramm starten.

Stoiber: Aber er wird auch neue Akzente in der Außenpolitik setzen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich jetzt das Verhältnis Amerikas zu Russland ändert. Das persönliche Klima zwischen Obama und Putin war ja sehr frostig.

FOCUS Online: Und Trump kann das besser?

Stoiber: Ich glaube ja. Für ihn ist sicher nicht wie bei Obama Russland „only a regional power“. Er wird versuchen, die Beziehungen auch auf eine persönliche Ebene zu ziehen. Das kann klappen – muss es aber nicht. Auf jeden Fall werden wir auch hier Veränderungen haben.

FOCUS Online: Eine Belebung der Russland-Beziehungen könnte auch für Europa Vorteile bringen. Ist Trump am Ende besser für Europa als es Clinton gewesen wäre?

„Amerika zieht sich als Weltpolizist weiter zurück – Europa muss seine Interessen durchsetzen“

Stoiber: Das lässt sich natürlich noch nicht mit Bestimmtheit sagen, aber es ist möglich. Für Europa ist diese Wahl eine echte Wende. Wir werden künftig viel mehr Verantwortung übernehmen müssen als bisher, weil Trump sich vor allem auf die USA konzentrieren wird. Amerika wird sich ein Stück weit aus der übergreifenden Weltpolitik zurückziehen und nur noch seine eigenen Interessen vertreten. Hillary Clinton wäre aber auch in diese Richtung gegangen, es hat schon unter Obama angefangen. Amerika wird sich als Weltpolizist und auch als Verfechter des freien Welthandels weiter zurückziehen. Da muss Europa jetzt selbst seine Interessen durchsetzen.

FOCUS Online: Was heißt das genau?

Stoiber: Die europäischen Staaten müssen selbst für eine größere Sicherheit sorgen – auch militärisch. Unsere Rüstungsausgaben werden steigen müssen, wenn der Schutzschirm der USA dünner wird. Und wir müssen das Problem der Migranten aus Afrika selber lösen. Da hilft uns keiner.

„Ich staune über die hochmütige Kritik Deutschlands“

FOCUS Online: Es klingt fast so, als hätten Sie den Wahlsieg Trumps erwartet.

Stoiber: Ich bin genauso überrascht wie alle anderen. Aber ich staune über die hochmütige Kritik in Deutschland und Europa an den Wählern der USA. Die Medienlandschaft war ja einhellig der Meinung, dass Clinton gewinnen wird und Trump unmöglich ist. Das ist eine Blamage für die Medien und Demoskopen in den USA und insbesondere für die Eliten in Washington.

FOCUS Online: Wie konnten die so falsch liegen?

Stoiber: Die USA sind eben nicht nur Ostküste und Westküste. Das große Amerika dazwischen war offenbar vom politischen Radar verschwunden. Ich finde es bemerkenswert, dass sich die Wahlkämpfe in den USA immer um echte Grundsatzfragen drehen. Bei Obama hieß es „Yes, we can!“. Diesmal war es quasi ein faktenfreier Wahlkampf geprägt von Pessimismus und Aggression. Das traf genau die Stimmung im Land. Denken Sie nur daran, wie scharf Trump die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel angegriffen hat. Er hat sie sogar bewusst falsch dargestellt und Hillary Clinton als Merkel der USA bezeichnet.

FOCUS Online: Wie wird Angela Merkel damit umgehen?

Stoiber: Professionell. Sie wird es nicht vergessen, aber davon wird sie ihre Entscheidungen letztlich nicht abhängig machen.

FOCUS Online: Was sind die Lehren für die deutsche Politik aus Trumps Wahlsieg?

Stoiber: Wir müssen als Politiker alles offen diskutieren. Das Volk hat Sorgen und benutzt dafür auch mal eine Sprache, die vielleicht nicht politisch korrekt ist. Aber das dürfen wir nicht abtun. Wenn wir den kleinen Leuten nicht das Signal geben, dass wir ihre Ängste und Probleme ernst nehmen und ihre Sprache verstehen, dann bleibt die Gefahr, dass wir viele nicht mehr an uns binden können.

FOCUS Online: Das Ende der großen Volksparteien?

Stoiber: Amerika zeigt, was passiert, wenn die Distanz zwischen dem Establishment und dem kleinen Mann so groß wird, dass jemand diesen Konflikt für sich ausnutzen kann. Wir können den einfachen Argumenten der Protestparteien nur begegnen, wenn auch wir die Ängste der Menschen aufnehmen und Antworten darauf finden. So wie es die CSU tut.

http://www.focus.de/politik/edmung-stoiber-im-interview-moeglicherweise-ist-trump-am-ende-besser-fuer-europa-als-clinton_id_6188793.html

line-wordpress-long

clintonEs fällt auf, dass unsere Medien noch in der Schockstarre harren. Viele haben noch gar nicht gemerkt, dass die Schlauen schon unterwegs sind, um rechtzeitig im Mastdarm zu verschwinden. Manche haben den Schuss nicht gehört und meinen, die finden bestimmt einen Trick, um nochmals zu wählen. Beim Brexit war es ja ähnlich. Da haben ja die Alten alles vergeigt und jetzt muss das Parlament … und dann passiert, was immer passiert, wenn das Volk falsch wählt, man probiert das noch einmal. Vielleicht denkt der Steinmeier, dass der Hassprediger und Schreihals durch ein Wunder es doch nicht wird? Dieser Minister, den die Deutschen so lieben (weil der sichtbar nichts falsch – aber auch nichts richtig macht?), verschusselt die Etikette, die eigentlich im Auswärtigen Amt ihre Heimstatt hat. Berufsdiplomaten muss es beim Auftritt dieses Trampels richtig schlecht geworden sein. Herr Steinmeier, feuern sie ihre Redenschreiber, (die wahrscheinlich aus der Parteizentrale kommen und vom Diplomatischen Dienst keinen Schimmer haben). Das Gleiche gespiegelt, gilt für Frau Bundeskanzlerin, die mit ihrer Werterede auch so richtig daneben gegriffen hat. Was erlauben Merkel? Der Ken Jebsen hat das mal auf die Realität abgeprüft. Die Zwerge schnappen nach ihrem Herrchen! Unfassbar. Stefan Paetow hat unsere Provinzler, die meinen die Welt deuten zu können, hier ziseliert auseinandergenommen.

Ich kann mir das gut vorstellen, wie es auf den vielen „Wahlparties“ zuging, wo man unter seinesgleichen, Hallöchen, Popöchen, den Cocktailsozialisten und Tschäritie-Fuzzies, keinen Zweifel hatte, das „unsere“ Hillary sich gegen den tumben Depp aus dem Flachland klar durchsetzt. Kräftig unterstützt von den Medien, die Journalismus durch Wunschdenken ersetzt haben. Wie eine Oscarverleihung, wo feierlich der Umschlag geöffnet wird und alle erstaunt gucken, wenn der „The Winner is …“, der ist, der vorher ausgekungelt wurde. Der Broder hat das live erlebt. Wo sind sie, die Experten? Sogar der Kleber-Claus, der sich auf Dienstreise noch in Washington befindet, beweint unter seinesgleichen die Wunden. Mal sehen, wie die Atlantikbrückenbauer die Volte schaffen? Die nächste Sicherheitskonferenz im Februar 2017 wird vielleicht interessant. Wen schickt der neue Mann, der dann gerade vierzehn Tage im Amt ist?

Diese Wahl ist für das Imperium richtig in die Hose gegangen. Um das in Zukunft auszuschließen, habe ich mir so meine Gedanken gemacht. Wer das Schaubild aus dem Politbarometer betrachtet, stellt fest, dass die Deutschen zu 91% als Wahlsiegerin Frau Clinton getippt hätten (nur Honi bekam mehr Stimmen) und nur 5% rechneten mit dem Trump_el. Die Medienmaschine hat gut gearbeitet. Die reale Situation in Amerika wurde durch die eigene Meinung ersetzt. Ein Versagen des Journalismus und der selbsternannten Experten auf ganzer Linie.

Damit das künftig nicht mehr aus dem Ruder läuft, wird den doofen Amis das Wahlrecht entzogen und an deren Stelle stimmen wir Deutsche ab. Da ja Wochen vorher pausenlos nur über Amerika berichtet wird, können wir uns ein gutes Bild – und das Kreuzchen an der richtigen Stelle -machen. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Europa haben wir schon platt gemacht, jetzt ist Amerika dran. So gesehen, haben Merkel und Frank Walter die Richtung vorgegeben. Trump, wir kommen! Wenn das der Führer noch erlebt hätte!

http://www.altermannblog.de/bei-der-naechsten-wahl-wird-alles-anders/

line-wordpress-long

Von Ben Krischke.

Eigentlich müsste die drängendste Frage in den deutschen Medien aktuell lauten, wie es nach der – aus vor allem deutscher Sicht – „völlig überraschenden“ Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten weitergeht. Welche Wahlversprechen er, objektiv betrachtet, einlösen kann, welche wohl nicht. Wie er seine Regierung voraussichtlich zusammensetzen wird und was das in allen Belangen für die Innenpolitik, die Außenpolitik, die Wirtschaft und anderes des immer noch mächtigsten Landes der Welt bedeuten könnte. Nachrichten einordnen, nüchterne Analysen publizieren.

Mit solch ehrenwerten Aufgaben, also des seriösen Informierens der Bürger, hat das, was wenige Tage nach dieser bedeutenden US-Wahl von vermeintlichen Qualitätsmedien publiziert wird, allerdings wenig zu tun. Die drängendsten Fragen in den Redaktionsstuben lauten aktuell: Wer hat Schuld an diesem Fiasko? Und wer wagt es, sich öffentlich über den Wahlausgang zu freuen oder dem irgendwas Positives abgewinnen zu können, und sich so ins Schussfeld der Linksmedien zu begeben? Kurzum: Who is to blame for that shit?

Mit breiter Brust (trotz schrumpfender Anzeigenverkäufe und erhöhter Medienskepsis unter den Lesern, Hörern und Zuschauern) waren nahezu alle großen deutschen Medienhäuser Wochen und Monate vor der Wahl angetreten, um ihre einfache Botschaft auch in die letzten Winkel der Bundesrepublik zu posaunen: Trump ist der Böse, und dieser Fremdenfeind, Schwulenfeind, Frauenfeind wird niemals Präsident. Niemals!

Wie wir wissen, kam dann doch alles anders. Im Volksmund bekanntlich die einzige Sicherheit.

Nun ist der Frust groß, was sich wunderbar an einer kleinen Presseschau ablesen lässt. So glauben unter anderem Handelsblatt, STERN und SPIEGEL, facebook habe Mitschuld am Wahlergebnis. Und die einstmals liberal-konservative FAZ ist sicher: „Selbst die Gründungsväter hätten das nicht kommen sehen“. Nikolaus Blome schreibt in „Bild“: „Es wäre leicht, die Amis jetzt für verrückt zu erklären, denn es ist ja wahr“. Währenddessen empört sich der Deutschlanfunk, dass die Börse – trotz Trump – partout nicht ins Chaos stürzen will.

Aber es geht noch weiter. DIE ZEIT stellt ungewohnt medienkritisch, aber dann doch erwartbar die Frage, ob die Medien Trump nicht „verharmlost“ hätten, was angesichts der aggressiven Anti-Trump-Berichterstattung vor der Wahl möglicherweise auf eine bipolare Störung des Redakteurs schließen lässt. Aber ganz besonders bezeichnend ist diese Headline von SPIEGEL ONLINE (SpOn): „Clinton landesweit mehr Stimmen als Trump“. Eine glatte Lüge, weil SpOn im Artikel selbst eingeräumt hat, dass Arizona noch nicht komplett ausgezählt ist und es dadurch wohl doch zu einer landesweiten Mehrheit für Trump gereicht hat. Freilich wird die kleine Selbstkorrektur im Text niemanden davon abhalten, die durch diese Headline indoktrinierte Botschaft von der Mehrheit für Clinton fleißig zu wiederholen, wenn es aktuell den eigenen Interessen dient.

Eine demokratische Wahl wird abgehandelt wie ein Skandal

Die sich selbst als Vox Populi aufspielenden linken und neo-linken Redaktionen berichten über den Wahlausang ausnahmslos in einem Duktus als handele es sich hier um einen lupenreinen Skandal. Man wartet nur darauf, dass irgendwer noch die jüdische Weltverschwörung ins Spiel bringt. Die Schreibe der Empörten erinnert an eine Berichterstattung über hunderte eingestürzte Wohnhäuser im Zuge eines Erdbebens, weil diese nicht erdbebensicher gebaut waren, irgendwer, irgendwann prächtig daran verdiente und aus reiner Raffgier ein falsches Etikett aufklebte.

Bemerkenswert ist der Widerspruch darin. Während man Trump als brutalen Populisten geißelt, macht man sich selbst zum Propagandisten des linken Lagers, in Deutschland und in Übersee, und schreckt nicht einmal vor völlig wirren Artikeln zurück, die keinem Logik-Test standhalten würden: So publizierte die (nicht gerade als Investigativeinheit bekannte) Redaktion des irgendwo zwischen Hipster und BWL-Studenten einzuordnenden „Business Punk“ gar eine Statistik, welche Wähler noch in 60 Jahren mit den Konsequenzen dieser Wahl leben müssten – und welche nicht. Wenig überraschend: vor allem jene, die für Clinton stimmten. In der Konsequenz spricht das Magazin damit allen US-Wählern, die heute über 20 Jahre alt sind, ihr demokratisch legitimiertes Wahlrecht ab. Von dem Umstand, dass zwischen heute und 2076 noch – grob überschlagen – 15 weitere US-Wahlen anstehen, mal ganz abgesehen.

Es ist das letzte Aufbäumen selbsternannter Meinungsführer, die sich in den deutschen Medienhäusern bekanntlich fühlen wie die Maden im Speck. Sie bekommen genug zu fressen und können tun und lassen, was sie wollen. Zahlreiche Leser, Hörer und Zuschauer haben das glücklicherweise durchschaut, doch viele andere plappern immer noch nach, was ihnen vorgebetet wird. Entweder aus Naivität oder weil sie, ähnlich der Vorplapperer, nicht wahrhaben wollen, was nicht wahr sein darf.

Nur, dass wir uns richtig verstehen: Dieser Beitrag ist kein Plädoyer für einen Präsidenten Trump, sondern einer für mehr Pflichtbewusstsein von Journalisten. Denn was wir vor der US-Wahl erlebten und nun erleben, ist eine weitere hausgemachte Peinlichkeit für eine Gruppe, die sich immer noch nimmermüde als Teil der Elite feiert, und für „die da unten“, die anders denken, nur Unverständnis, nicht selten kaum mehr als Verachtung übrig hat. Eine Elite, deren US-amerikanische Blaupausen gerade mit einem Donnerhall abgestraft wurden. Make Journalism Great Again. Please.

Ben Krischke, Jahrgang 1986, lebt und arbeitet als Journalist und freier Autor in seiner Wahlheimat München. Er schreibt über Politik, Medien und die Schattenseiten der Political Correctness.

line-wordpress-long
heute
Gastautor / 12.11.2016 / 06:25 / 0

Das letzte Aufbäumen der sogenannten Meinungsführer

Von Ben Krischke. Was wir erleben, ist eine hausgemachte Peinlichkeit für eine Gruppe, die sich immer noch als Teil der Elite feiert, und für „die da unten“, die anders denken, nur Unverständnis, nicht selten kaum mehr als Verachtung übrig hat. Und die mit einem weiteren Donnerhall abgestraft wurde. Dieser Beitrag ist kein Plädoyer für Trump, sondern einer für mehr Pflichtbewusstsein von Journalisten. Make Journalism Great Again. Please./ mehr

line-wordpress-long
Der Kinder-Stürmer aus Hamburg macht keine Gefangenen mehr. Sehen Sie sich dieses Titelbild an. SPIEGEL-ONLINE verkündet derweil: Die USA wird in eine schwere Depression stürzen, weil deutsche Touristen das Land ab jetzt meiden (wahrscheinlich, um in der Türkei zu urlauben). Exakt das Gleiche hatten sie schon für Sachsen vorhergesagt. Da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens, und auch die Amerikaner dürften die Spiegel-Prophezeihung verkraften. / Link zum Fundstück
line-wordpress-long

Wertlos

Ursula von der Leyen belehrt Trump und scheigt zu Erdogan

 

Zwei Begriffe werden zurzeit derart verschleudert, dass von ihnen nichts bleibt: „Populismus“ und „Werte“. Populismus ist die neumodische Diffamierung eines politischen Standpunkts, den man nicht teilt. Und Werte? Sind inzwischen wertlos, wie man am Beispiel von Ursula von der Leyen bei ihrem Auftritt in der Talkshow von Maybrit Illner im ZDF sehen konnte. Da las die Verteidigungsministerin dem künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump nämlich wertemäßig kräftig die Leviten. Das Verteidigungsbündnis Nato, sagte sie, sei „kein Geschäft“ und „kein Unternehmen“. „Das ist nicht so etwas, wo man sagt: Die Vergangenheit ist mir egal. Die Werte, die wir gemeinsam vertreten, sind mir egal, sondern ich gucke, wie viel Geld ich hinten rauskriege und ob ich einen guten Deal machen kann. So regiert man kein Land, und das ist auch nicht der Grundsatz der Nato.“ Ursula von der Leyen dürfte sich noch wundern, wie der von ihr befürchtete New Deal des amerikanischen Präsidenten auf sie zurückfallen könnte. Dafür müsste er nur einmal kritisch nach der militärischen Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik fragen. Und um zu erkennen, in welch kleiner Münze von der Leyen ihr Werteverständnis auszahlt, muss man nicht über den Atlantik, sondern nur zum Bosporus und zum Nato-Partner Türkei blicken. Dort schafft Präsident Erdogan gerade die Grundrechte ab und errichtet eine Diktatur, lässt ohne rechtsstaatliches Verfahren massenhaft Menschen ins Gefängnis werfen und führt einen Krieg gegen die Kurden im eigenen Land und jenseits der Landesgrenzen. Wo sind da die „Werte“, von denen Ursula von der Leyen spricht? Wäre es nicht Zeit für eine Wertberichtigung? Als Wertegemeinschaft ist die Nato nicht erst erledigt, sollte Donald Trump im Umgang mit Russland die Zügel schießen lassen, sie ist es schon jetzt. Was den Vorwurf der Geschäftemacherei angeht, sollten Bundesregierung und EU vorsichtig sein. Sie zahlen schließlich für den Flüchtlingsdeal mit Erdogan, der gestern noch den Herausgeber der Zeitung „Cumhuriyet“, Akin Atalay, festnehmen ließ, kaum dass dieser von einer Deutschlandreise zurückgekehrt war, bislang jeden Preis und scheren sich keinen Deut um die „Werte“, die dafür aufgegeben werden. Apropos Werte und wie man für sie einsteht: Zum Umgang mit vor Erdogan nach Deutschland fliehenden Oppositionellen und Journalisten aus der Türkei gibt „Reporter ohne Grenzen“ der Bundesregierung einen werthaltigen Tipp: Diese Flüchtlinge brauchen kein Asylverfahren, sondern eine befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, in der Hoffnung, dass sie eines nicht zu fernen Tages in die Türkei zurückkönnen, wenn dort wieder die „Werte“ gelten, über die Ursula von der Leyen den künftigen amerikanischen Präsidenten zu belehren müssen glaubt.

http://fazarchiv.faz.net/document?id=FAZT__FD2201611124992803#start

miha.

line-wordpress-long
Staatsnahe Sendeanstalten kleben in deutschen Städten große Plakate und preisen die »Haltung«. Die Schauspieler, die Haltung verkünden, werden reich, sie werden geehrt und erhoben. Bürger, du bist nichts ohne Haltung, ohne Haltung darf nichts sein.
Die Familie und sein Land zu schützen, das wollte angeblich nur der Pöbel, die Abgehängten, die Ungebildeten. Die »Elite« predigte Gehorsam, offene Grenzen und Schutzlosigkeit. (Während sie sich selbst hinter Mauern und Bodyguards verschanzte.)

Ob Christ oder Hindu, Jude oder Bahai, Scientologe oder Journalist – in einem sind sich alle einig: Diese Woche wird in die Geschichtsbücher eingehen.
Donald Trump hat den großen Stift in die Hand bekommen und die Bücher liegen vor ihm. Was er aber tatsächlich in die Geschichtsbücher schreiben wird, darüber herrscht Uneinigkeit zwischen Konservativen und Traumtänzern.

Die größte aller (bisherigen) Leistungen des Donald Trump ist doch aber offensichtlich, klar wie das Wasser vor Bernie Sanders´ dritter Sommervilla: Trump hat die gläserne Decke durchbrochen. Er hat einen Riss hineingeschlagen, einen Riss, der vielen Menschen weltweit neue Hoffnung gibt.

Wer einfach nur seine Lebensart bewahren wollte, wer seine Familie zu schützen und die Probleme seines Landes realistisch anzugehen erstrebte, und wer darüber auch öffentlich sprechen wagte, der stieß bislang seit Jahren und Jahrzehnten an eine »gläserne Decke«.

Die Familie und sein Land zu schützen, das wollte angeblich nur der Pöbel, die Abgehängten, die Ungebildeten. Die »Elite« predigte Gehorsam, offene Grenzen und Schutzlosigkeit. (Während sie sich selbst hinter Mauern und Bodyguards verschanzte.) Wer einfach nur schützen wollte, was ihm lieb war, wurde »Konservativer«, »Protektionist« oder gleich »Nationalist« geschimpft.

Trump ist finanziell »Elite«. (Das sagt er zumindest. Böse, unwahre Stimmen behaupten, Hillary wollte Präsident werden, um vor ihren E-Mails wegzukommen, und Donald, um der Pleite zu entkommen. Trump wäre es demnach gelungen.) Doch das Wort »Elite« bedeutet in diesem Kontext etwas anderes.

Manche Akteure jener »Elite« sind bettelarme »Freie Mitarbeiter« bei sterbenden Zeitungen. Andere holen um ein Taschengeld für millionenschwere GEZ-Moderatoren den edlen Kaffee. Diese »Elite« dieser Geschichte lebt in ganz verschiedenen Städten. Was sie eint, ist die Überzeugung, sie und nur sie dürften die Welt erklären, hätten das »richtige« Werkzeug dazu. (Das war lange unproblematisch, eher niedlich, bis moderne Politiker wie Obama oder Merkel begannen, auf die weltfremden Forderungen zu hören.)

Die Qualifikation der Elite ist (neben der Tatsache, dass der Freund des Schwagers des Vaters irgendwo Kamerakabelhalter war) die »Haltung«.

Die Oligarchie der Haltung

Wer »Haltung« hat, ist Elite. Wer Haltung hat, der sieht die Dinge meist so, wie alle anderen Haltungshabenden sie sehen. Mit »Haltung« steht man für Grenzenlosigkeit und latente Geringschätzung des eigenen Volks. (Bei Anti-Trump-Demos wurde eine US-Flagge verbrannt. Es tut weh.) Wer Haltung hat, für den ist Familie wenig mehr als ein Mittel zur Haltungs-Erziehung der Kleinsten. (Besser aber, der Staat übernimmt das, »Hoheit über den Kinderbetten« nennen sie das.) Staatsnahe Sendeanstalten kleben in deutschen Städten große Plakate und preisen die »Haltung«. Die Schauspieler, die Haltung verkünden, werden reich, sie werden geehrt und erhoben. Bürger, du bist nichts ohne Haltung, ohne Haltung darf nichts sein.

Die Oligarchie der Haltung hat eine gläserne Decke eingezogen. Sicher, Sie dürfen kritisieren, dürfen die Haltung hinterfragen. Dann aber ist bald Ihre Arbeitsstelle bedroht und Sie ein Ausgestoßener. Und, vor allem, wenn Ihre haltungslose Meinung überhaupt mal über die gläserne Decke hinaus lugen darf, dann in Form eines Tribunals. Vier geübte Talkshow-Gäste brüllen vor der wurstessenden Fernsehnation auf Sie ein. Wehret den Anfängen, denken die (gelegentlich weiblichen) Herren der Glasdecke.

Donald J. Trump hat am 8. November 2016 einen Riss in diese verfluchte Glasdecke geschlagen. Egal, was noch kommen wird – und es ist eine nervös machende Wundertüte – dieser Riss ist sein Verdienst.

Die Wächter der Glasdecke sind panisch. Die Reaktion mancher deutscher Leitmedien scheint behandlungsbedürftig. Kai Diekmann formulierte: »Meine Güte! Wird das jetzt der mediale Überbietungswettbewerb: Wer schreit am lautesten “Weltuntergang”?!« Wie verrückt die Zeiten sind? Der BILD-Papa ist der besonnene Mahner.

Die gläserne Decke, welche Vernunft, Selbstschutz und unangenehme Wahrheit aus dem Meinungs-Mainstream heraushielt, sie hat endlich einen Riss. Man darf und kann (ein klein wenig lauter nun) von Selbstbewahrung reden.

Die Wächter der Haltung kreischen und laufen umher und wollen die Scherben ihrer Autorität aufsammeln, wie ein verzweifelter Betrunkener, dem man das Bier aus der Hand schlug, der nun die Scherben seiner Flasche neu zusammensetzen will. Was hofft er?

Trump wird kein »einfacher« Präsident werden. Er war impulsiv und er war bereit, Menschen auf dem Weg zur Macht vor den Kopf zu stoßen. (Aber er blieb weitgehend »sauber« dabei. Keine gelöschten E-Mails, von denen man weiß.) Es wäre mir lieber gewesen, wenn der neue US-Präsident ein erfahrener, tadelloser, abgerundeter und umsichtiger Mensch wäre, wie sonst nur ich es bin. Ist es aber nicht. Es ist Donald J. Trump.

Metaethics 14

Die Glasarbeiter stehen bereit, die Glasdecke zu kitten. (Wieso geht linke Meinungsarbeit eigentlich so häufig

mit zerstörten Autos einher?) Ich schrieb jüngst und ich sage es wieder, in neuem Bild: Ein ausgezeichneter Weg, immer weiter Risse in die Glasdecke der Haltungs-Oligarchie zu schlagen, sind neue, kleine Medien. Im eigenen Haus gibt es keine Glasdecken, sagt man. Die große, betäubende Glasdecke aber ist noch nicht zertrümmert, noch lange nicht.Es gilt nun, die neuen Risse offen zu halten und weitere Risse zu schlagen. Licht dringt hinein. Leonard Cohen sang: »There is a crack in everything, that’s how the light get’s in.« Haltung will das Licht wieder aussperren. »Haltung« ist pseudomoralisch begründetes Wegschauen. »Haltung« ist verordnetes Nichtdenken. So wenig, wie die Wahl Obamas den Rassismus überwunden hat, so wenig ist die Glasdecke der »Haltung« mit Trumps Sieg endgültig zertrümmert.

Sie werden bald wieder versuchen, uns einzuschüchtern, dieses oder jenes dürfe nicht angesprochen werden. Sie werden uns einreden wollen, dass Dinge, die wir mit eigenen Augen sehen, unwahr sind. 21-jährige Journalistinnen mit abgebrochenem Studium der Sozialwissenschaft werden 50-jährigen Doktoren verbal ins Gesicht spucken, sie seien doch nur frustrierte, weiße Männer, ungebildet und qua Hautfarbe und Geschlecht schon rassistisch.

Die Glasdecke »Haltung« hat nur einen Riss bekommen, sie ist noch immer da, kalt und dumm und mächtig. Es braucht mehr Risse, und wir müssen sie selbst hineinschlagen. Die Arbeit ist gute Arbeit. Jeder neue Riss in der Glasdecke ist wiedergewonnene Freiheit.

line-wordpress-long
Noch am Vorabend der US-Wahl zeigte FAZ-Online ein bis zur Unkenntlichkeit verzerrtes Trump-Bild. Der Hass der Medienmacher muss riesig sein. Nach der Wahl wurde das Bild durch ein lächelndes Trump-Konterfei ersetzt. Scheinheiligkeit pur.

Praktisch alle Wahlprognosen lagen falsch. Die Wähler standen nicht zu ihrer Meinung – wie in Großbritannien zum Brexit. Sie gaben den Meinungsforschern gegenüber nicht zu, dass sie das politisch unkorrekte Kreuz setzen wollen. Was sagt uns das über die Meinungsfreiheit in der westlichen Welt? Es sagt uns, dass hier ein Klima der Angst herrscht, eine vom Mainstream abweichende Meinung zu äußern. Ein Klima der Angst, wie es sonst nur von Diktaturen bekannt ist. Das ist schlimm, und noch schlimmer ist, dass dies für die Medien und Politik völlig in Ordnung zu sein scheint. Warum? Sie produzieren diese Angst, um ihre Ideologie der Idealisierung politisch korrekter Modeopfer-Gruppen durchzusetzen. Gleichzeitig blicken sie verächtlich auf diejenigen, die sich nicht repräsentiert fühlen.

Je extremer die Koalition von Politik und Medien gegen Trump vorging, je mehr Trump-Hassbilder in den Medien erschienen, desto mehr fühlte sich der normale Wähler mit ihm in die Enge getrieben und es juckte ihn, es dem Establishment heimzuzahlen. In Holland und Frankreich sind die gleichen Muster erkennbar und zuletzt wird es Deutschland treffen. Hier funktioniert die Gehirnwäsche der „verachteten“ Normalbürger wie immer am perfektesten.

Die scheinheilige Maske der Neutralität in den Medien

Typische Beispiele liefern die zwangsscheinheiligen Talkrunden im TV. Bei Maischberger am 9. November beklagen Nadja Atwal und Eric Hansen  hintereinander, dass Trump in den Medien sowohl in Deutschland, als auch in den USA ausschließlich in extrem negativem Licht dargestellt wurde. Hinter der scheinheiligen Maske der Neutralität fuhr das Medien-Establishment eine demagogische Hetzkampagne gegen Trump. Die von ihm veröffentlichten verzerrten Hass-Bilder erinnern an das unselige “Dritte Reich”.

Atwal: Die Amerikaner hatten die Schnauze voll von der Manipulation durch die Medien. Der Amerikaner erwartet von den Journalisten keine Meinungsmache. Davon hatten weite Teile der Bevölkerung genug. Die Menschen wendeten sich gegen ihre Bevormunder. Sie suchen jemand, der denkt wie sie.

Hansen: Weder die Politik noch die Medien in Deutschland und den USA interessieren sich für eine breite Schicht der Bevölkerung. Die AfD-Wähler und die Trump-Wähler werden schon in den Schlagzeilen als Verrückte und schlechte Menschen abgestempelt. Auch in Deutschland wird die AfD in der nächsten Bundestagswahl zwischen 20 und 30% der Stimmen bekommen, weil eine breite Schicht der Bevölkerung sich weder in Politik noch in den Medien vertreten fühlt.

Die Arroganz der Medien

Atwal: Was an Arroganz und Beleidigungen von Seiten der deutschen Medien gegenüber Trump aufgefahren wurde, ist unglaublich.

Diese klaren Analysen ignorierten die Talker. Warum? Sie müssten sich selbst und damit ihre autoritäre politisch korrekte Ideologie in Frage stellen. Das wollen sie nicht, so erhalten sie lieber alte Feindbilder aufrecht, als sich dieser Kritik zu stellen. Leider ist das menschlich. Nach dem “Dritten Reich” und nach der DDR war die Lernfähigkeit gering. Der Mensch hält lieber an seiner Ideologie fest, als sich in Frage zu stellen. Lieber wird er bigott und scheinheilig.

Der Rassismus der herrschenden Klasse

Und das trifft besonders auf das herrschende Medien-Establishment zu. Wer steht hinter Trump? Seine Wähler. Also richten sich diese Arroganz und diese Beleidigungen der Medien gegen die Menschen, die Trump gewählt haben. Und das ist das wirklich Unglaubliche. Im Gutmensch-Sprech würde dies als blanker Rassismus bezeichnet, der Rassismus der herrschenden Klasse gegenüber Andersdenkenden.

Wie weit der Hass des Medien-Establishments geht, kann man daran sehen, dass nach der Wahl in Zeit-Online alle Trump Artikel mit blutroten Bildern hinterlegt wurden. Der bekennende Merkelfan Bernd Ulrich von der ZEIT droht mit Kampf. Die liberalen Kräfte haben ihre Muskeln noch gar nicht wirklich angespannt, meint er. Womit droht der „Liberale“ Ulrich denn? Mit der Abschaffung der Meinungsvielfalt in der ZEIT? Die gibt es dort schon lange nicht mehr.

Bildschirmfoto 2016-11-12 um 11.19.40Wollen Bernd Ulrich & Co. die Wahlen abschaffen, damit seine „liberale“ Merkel-Ideologie alternativlos und autoritär gegen das Volk durchregieren kann? Dann gibt’s selbst im trägen Deutschland Unruhen. Der Aufstand der Mündel gegen ihre Vor-Münder ist im ganzen Westen im Gange. Die „Eliten“ haben die „schweigende Mehrheit“ stets aufgefordert, zur Wahl zu gehen. Jetzt wählen sie anders, als das von ihnen erwartet wird. Kommt jetzt der Aufruf, nicht mehr zu wählen? Oder wählen sich diese Medien einfach ein anderes Volk? Merkel ließ ja schon verlauten, wenn es nicht mehr nach ihrer Vorstellung ginge, dann wäre das nicht mehr ihr Land.

Die Guten – die waren immer der Anfang vom Ende

Innerhalb von 100 Jahren droht Deutschland zum dritten Mal in die Hände von Gutes-wollenden Ideologen zu geraten. Eigentlich habe ich erst in Asien und in Afrika aufgrund des mir entgegen gebrachten Respekts gelernt, stolz Deutscher zu sein. Diese Vorstellung gerät aufgrund der augenblicklichen Machtausübung der herrschenden Kaste ins Wanken. Diese war nie scheinheiliger als heute. In ihrer Arroganz und ihrem Rassismus gegenüber allem, was nicht ihrer Meinung ist, wirft sie Anderen Rassismus vor. Die Verächtlichmachung der Ostdeutschen sucht seinesgleichen. Es ist gar nicht vorstellbar, dass eine solche Meinung in den Medien gegenüber den Modeopfern, zum Beispiel gegenüber Muslimen akzeptiert würde.

Rassismus der „Anständigen“ gegen die “Bösen” im Sinne des Guten?

Also, spricht Nietzsche im Zarathustra: Die Guten – die waren immer der Anfang vom Ende.

BerndZeller_Buch

line-wordpress-long

achgut.com

Die internationale Sekte der Journalisten

Die Medien sind im Begriff, verbrannt zu werden

Von Markus Somm.

Wenn es einen Verlierer gibt dieser verrückten Wahlen in Amerika, der nicht in Amerika lebt, sondern in London, Paris, Zürich, Berlin oder München, der die einschlägigen Cafés bevölkert, wo immer der gleiche ­Vintage-Geruch zu schmecken ist, wo junge Männer mit Bärten sitzen und so geschäftig in ihren iPhones wühlen, obwohl sie doch nichts zu tun haben, wo keine Bücher zu sehen sind, sondern bloss Laptops, wo diese ­Menschen, von denen ich rede (oft sind es eher Männer), ebenfalls sitzen, aber meistens ohne Bart, sondern im Anzug, aber sicher ohne Krawatte – wenn es Verlierer gibt, dann sind das jene Leute, die den gleichen Beruf haben wie ich: die internationale Gemeinschaft der Journalisten. Selten haben sie, die Deuter und Meinungsmacher der Welt, die Medien, eine solche Niederlage erlitten wie die Wahl von Donald J. Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, dem Mann, der sich von Beginn weg weigerte, die Medien zu fürchten.

396.000 Dollar haben amerikanische Journalisten gemäss einer Studie des Center for Public Integrity, eines unabhängigen Thinktanks, in ­dieser Präsidentschaftswahl gespendet: Davon gingen 382 000 Dollar an Hillary Clinton, das ­entspricht 96 Prozent. Fast alle Zeitungen und News-Websites in Amerika haben sich für die demokratische Kandidatin ausgesprochen, fast alle Fernsehsender zogen nach, wenn auch nicht offiziell, selbst der konservative Sender Fox News war gespalten – und natürlich auch in Europa, wo die Medien noch mehr übereinstimmen bei fast jedem Thema, hätten alle Hillary bevorzugt.

Wenn es nur das wäre: Man hat sich geirrt, man darf sich irren. Härter und unangenehmer aber ist die Einsicht, der sich kein Journalist verschliessen kann: Wir haben keinen Einfluss – oder besser: Wir haben Einfluss, alle vernehmen uns, doch niemand glaubt, was er hört.

Denn ginge es nur um Meinungen, die nicht ankamen, könnte man sich in der internationalen Sekte der Journalisten ja damit beruhigen, dass Meinungen ohnehin schwächer wirken als Fakten und Berichte. Doch die Medien haben eben auch die Fakten verzerrt, übersehen, unterschlagen, erfunden oder falsch dargestellt: zum Beispiel die Umfragen, die die meisten Journalisten nicht bloss glaubten, sondern vor sich hertrugen wie eine Monstranz. Wer die Prognosen anzweifelte, galt als ein Mitglied der Flat Earth Society, jenes Clubs der Wahnsinnigen, die daran festhalten, dass die Erde eine Scheibe ist. Unvergessen ist jener Austausch von Brianna Keilar, einer CNN-Reporterin, mit Michael Cohen, dem Anwalt von Donald Trump.

Keilar fragte, fast etwas ­aufgeräumt: «You guys are down.» – «Eurer Kampagne läuft es schlecht.» «Says who?» – «Sagt wer?», fragte Cohen, und sein Gesicht blieb zugänglich wie eine Stahlplatte, in jener Art, wie das nur amerikanische Anwälte fertigbringen. «Polls. Most of them. All of them!» – ­«Umfragen. Die meisten. Alle!» Cohen schwieg lange und sagte: «Says who?» «Polls. I just told you. I answered your ­question.» – «Die Umfragen. Ich sagte es Ihnen doch gerade. Ich habe Ihre Frage beantwortet», sagte Keilar, nun klang sie verzweifelt. «Which polls?» – «Welche Umfragen?» «All of them.» – «Alle.»

Die internationale Sekte der Journalisten

Die Sequenz verbreitete sich blitzschnell im Internet, es tauchten zahllose Varianten auf, wo man sich über Cohen, den vermeintlichen Idioten, lustig machte. Doch jetzt, wer hatte recht? Wer lacht am besten? Das Gleiche gilt für die vielen Fakten-Checker, ein neuer Beruf in Amerika, wo Leute vorgeben, Fakten auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, wenn man aber genauer hinschaut, stellt sich oft heraus, dass eben auch diese Leute nicht neutral oder objektiv sind, sondern viele Urteile, die sie fällen mit der ernsten Miene des Physikers, unterliegen ebenfalls ihren Vorlieben – und auch diese lagen fast immer bei Hillary Clinton.

Wenn dieser Wahlkampf etwas klargemacht hat, dann die Unzuverlässigkeit der Medien. Auch mir erging es so. Oft, wenn irgendeine Aussage von Trump wieder sämtliche Redaktionen der Ostküste ins Vibrieren gebracht hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als das Interview im Original nachzuhören. Fast immer erwies sich, dass Trumps Worte ungenau wiedergegeben wurden, wenn nicht falsch, wenn nicht bösartig überzogen gedeutet. Wenn im Zweifel, wurde stets die ­maximal negative Interpretation gewählt. Kurz, man tat alles, um diesen Mann zu verhindern – und schreckte vor nichts zurück. Kommentare, Meinungen, Bilder, Zitate, Berichte, Reportagen, Fakten: Viel zu viel wurde gebogen, manipuliert, gedreht und gedrückt, bis die Realität so aussah, wie man von vornherein wusste, wie sie auszusehen hatte. Die normative Kraft des Faktischen? Es war die faktische Wirkung des Normativen: Nicht was ist, sondern was sein soll, war plötzlich zu dem geworden, was war.

Nachdem die amerikanischen Medien, besonders die Zeitungen, ohnehin vom Strukturwandel wie von einer Schlammlawine überrollt worden sind, die ihnen Tausende von Lesern entrissen hat, sind sie jetzt im Begriff, von Lava überströmt und verbrannt zu werden. Die Lava der totalen Irrelevanz. Was immer die Journalisten rieten, viele Wähler kümmerten sich nicht darum, was immer sie berichteten, viele Amerikaner hielten es für falsch.

Ohne Prophet beten sie zum gleichen Gott

Warum ist es so weit gekommen, nicht bloss in Amerika, sondern auch in Europa? Denn gerade wir in der Schweiz kennen das: Jahrzehntelang haben sämtliche Journalisten unserer Medien (mit wenigen Ausnahmen, lange auch ich) den EU-Beitritt herbeikommentiert und herbeiberichtet – dazu durchgerungen haben sich die Wähler nie. Niemand glaubte uns Journalisten am Ende, dass ein Beitritt zur Union besser sein sollte für unser Land. Seither gehen viele Journalisten wie an Krücken. Zur EU sagen sie nichts mehr.

Eine vorläufige Erklärung. Die 96 Prozent in Amerika für Hillary Clinton deuten es an: Wir Journalisten sind uns zu einig. Der Wettbewerb der Meinungen und das Ringen um das beste Argument, weltanschauliche Differenzen, und zwar echte, tiefe, die wehtun, wenn man sie anspricht, sowie parteipolitisch geprägte unterschiedliche Empfindlichkeiten – sie kommen fast nicht mehr vor in unserem Milieu. Auf die Schweiz bezogen: Es gibt kaum Journalisten, die SVP ­wählen, ein paar Unverdrossene entscheiden sich für die FDP, fast niemand für die CVP, doch die meisten sympathisieren mit der SP, oft wählen sie lieber die Grünen oder die Grünliberalen, weil das etwas origineller wirkt, aber kurz: Sie stehen fast alle Mitte-links, wenn nicht sogar am linken Rand. Ihre Ansichten gleichen sich wie in einer Sekte. Ohne Prophet beten sie zum gleichen Gott.

Die Folge davon – und das ist das Problem, nicht die inhaltlichen Vorlieben an sich –, man erkennt die Welt nicht mehr, wie sie ist. Wer sich in einer Sekte aufhält, sieht sich dauernd von Gleichgesinnten darin bestätigt, dass zwei plus zwei fünf ergibt. Es sind die Blinden, die andere Blinde danach fragen, ob die Sonne scheint.

Haben wir je erlebt, dass im Gericht 96 Ankläger auf vier Verteidiger treffen?

Gewiss, nun mag man einwenden: Donald Trump ist doch objektiv ein Desaster. Mag sein. Aber in jedem Prozess gibt es einen Ankläger und einen Verteidiger, weil schon die Römer davon ausgingen, dass die Wahrheit am besten zu erkennen sei, wenn man die Dinge aus zwei vollkommen entgegengesetzten Richtungen betrachtet. Haben wir je erlebt, dass im Gericht 96 Ankläger auf vier Verteidiger treffen? Würden wir es je für fair, aber auch erkenntnistheoretisch nützlich halten, wenn man dem Ankläger 96 Minuten Redezeit einräumte und dem Verteidiger bloss vier Minuten?

Weil wir Journalisten, ob in Amerika oder Europa, uns in allen Fragen einig sind, vor allem jenen, die weite Teile der Bevölkerung bewegen und die diese «vergessenen Leute» oft anders beantworten als wir, vermögen viele von uns nicht mehr zu sehen, was vor unseren Augen vor sich geht. Die Journalisten aus New York flogen zwar rasch nach Ohio, um die Eingeborenen zu untersuchen, aber sie fanden nichts. Sie fuhren mit jenen Vorurteilen zurück, mit denen sie losgezogen waren. Dass eine Mehrheit der Leute in Ohio Trump zuneigte: Die Reporter spürten es nicht, weil sie es nicht spüren wollten.

Ich wiederhole mich: Überall im Westen gibt es immer mehr Leute, denen zum Beispiel das Ausmass der Immigration inzwischen zu viel ist – fast alle Journalisten sind anderer Meinung und berichten mit Vorliebe davon, dass jene, die sich Sorgen machen, von falschen Zahlen ausgehen, falschen Gefühlen aufsitzen, von Hass getrieben, von Vorurteilen geprägt oder mit Dummheit geschlagen sind. Und überhaupt: Immigration ist gut. Wurde nicht die BBC von Ausländern gegründet? Und Nestlé, und Maggi?

Wie in einer Sekte hat das Milieu der Journalisten Wiedererkennungsmeinungen entwickelt, deren Funktion weniger ist, eine interessante Meinung zu sein, sondern eine soziale: Es sind Zeichen der Zugehörigkeit zum Milieu der Journalisten. Journalist ist nicht, wer schreibt und recherchiert, sondern wer daran glaubt, dass Immigration sehr gut ist.

Dass man mich nicht missversteht: Es geht nicht um Immigration an sich, auch nicht um Trump noch um den Brexit, die EU oder die Frage, inwiefern der Klimawandel uns zerstört, über all diese Gegenstände darf und kann man geteilter Meinung sein, sondern es geht um die Tatsache, dass ein Berufsstand, der in all diesen Fragen so einseitig Partei nimmt, sich selber abschafft, weil der Journalist nicht mehr darüber berichten kann, was die Welt bewegt und in ihr vorfällt, sondern nur mehr darüber schreibt, was ihn selber bewegt. Und das ist meistens eine kleine Welt.

Markus Somm ist Chefredakteur der Basler Zeitung. Dort erschien dieser Beitrag zuerst.

line-wordpress-long

Es ist schon ein Segen, dass man als ­Journalist auch nach gröbsten Fehlleistungen nicht entlassen wird.

Von Kurt W. Zimmermann

Von einem Moderator des Schweizer Fernsehens hatte man noch nie eine solche ­Serie von Schimpfwörtern gehört.

Rattenfänger, Protz, Angeber, Hochstapler, Prahlhans, Bluffer, Populist, Lügner. Moderator Stephan Klapproth sagte achtfach, was er von Donald Trump hält.

Selbst von einem Chefredaktor des Blicks hatte man noch nie eine solche Serie von Schimpfwörtern gelesen.

Rüpel, Widerling, Betrüger, Sexist, Grobian, Ehebrecher, Spekulant, Rassist. Chefredaktor Peter Röthlisberger schrieb achtfach, was er von Donald Trump hält.

Beide Beleidigungsorgien setzte es, bevor das Wahlergebnis feststand. Beide gingen davon aus, dass Trump die Wahl verliert. Gegenüber Verlierern sind Journalisten besonders mutig.

Der völlige Zerfall der Sprachkontrolle war für mich das auffallendste Element in den Schweizer Medien rund um die US-Wahl. ­Unsere Journalisten pöbelten und warfen mit Schmutz um sich, wie ich das zuvor noch nie erlebt hatte.

Ein paar hübsche Schmähungen zur Auswahl: Trump ist ein «halbstarker Narzisst» (Neue Zürcher Zeitung), ein «seifiger Entertainer» (Basler Zeitung), eine «Witzfigur» ­ (Tages-Anzeiger), ein «Sexist» (Radio SRF), 
ein «grinsender Clown» (Südostschweiz), ein «charakterloser Dummschwätzer» (Walliser Bote), ein «Prolet» (Berner Zeitung), ein «Windbeutel» (Sonntagszeitung), ein «irrer Rassist» (Blick), ein «Psychopath» (Das Magazin).

Unsere Medien begaben sich damit auf ein Niveau, das an Primitivität nicht zu unterbieten war. Die US-Journalisten waren zwar genau so dezidiert gegen Trump. Aber es wäre ­ihnen nie eingefallen, einen Kandidaten als geisteskranken Proleten zu diskreditieren.

Sprachliche Verluderung signalisiert im Journalismus immer intellektuelle Defizite. Die Schweizer Journalisten waren mit dem Phänomen Trump inhaltlich völlig überfordert.

Wir zeigen das am Beispiel des Tages-Anzeigers und seiner zwei US-Korrespondenten Sacha Batthyany und Martin Kilian. Das ist ­ihnen gegenüber zwar etwas unfair, weil andere auch nicht viel besser waren. Aber als Exempel taugen sie gut.

Batthyany eröffnete den Wahlkampf mit ­einer klaren Ansage: «Trump wird niemals Präsident, er hat nicht mal Aussenseiterchancen.» Diese Linie hielt er während der ganzen Kampagne durch. Kurz vor dem Wahltag verkündete er: «Je näher die Niederlage rückt, desto wilder schlägt Trump um sich.»

Kollege Kilian stufte Trump ebenso von ­Anfang an als «schlechten Verlierer» ein. Diese ­Linie hielt er ebenfalls während der ganzen Kampagne durch. Kurz vor dem Wahltag verkündete er: «Trump aber reitet weiter, hinein in die verheerende Niederlage.»

In jedem vergleichbaren Beruf würde derart unfähiges Fachpersonal wie Batthyany und ­Kilian entlassen. Jeder Finanzanalyst, der permanent falsche Einschätzungen abliefert, wird schonungslos gefeuert. Von einem Marketingmann oder Meteorologen mit dauernden Fehlprognosen wollen wir schon gar nicht reden.

Und bei jedem Juristen, Manager oder Kommunikationsberater, der wie Klapproth und Röthlisberger schwer persönlichkeitsverletzende Schimpftiraden absondert, wäre die ­sichere Entlassung ebenso unvermeidlich.

In den Medien aber darf jeder bleiben. Es gibt auch bei ärgstem Versagen keine Kündigung. Der Grund liegt darin, dass Medienunternehmen panische Angst vor Reputationsverlust haben und darum nie ein eigenes Versagen nach aussen eingestehen.

In jeder anderen Branche wären Klapproth, Röthlisberger, Batthyany und Kilian fällig. Ihr Glück, dass sie Journalisten sind.

line-wordpress-long

Plötzlich steht da einer im Salon herum, der gar nicht eingeladen war. Die Wahl Donald Trumps zeigt, dass die Meinungsführer und die politische Klasse in ­einer Blase leben, 
in der sie die Korrekturen durch die Wirklichkeit nicht zur Kenntnis nehmen wollen.

Von Matthias Matussek

Wie kann es sein, dass sie nichts lernen?Bild: Wieslaw Smetek für die Weltwoche

Tja, da sehen sie alle doch sehr trüb aus der ­Wäsche, die Meinungsführer, die Moderatoren, die politische Klasse, die vor allem. Der Typ mit der komischen Frisur und den lockeren Sprüchen ist US-Präsident.

Plötzlich steht da einer im Salon herum, der gar nicht eingeladen war, wie dieser Kalldewey in der gleichnamigen Botho-Strauss-Komödie, ein Typ, der bei allen nur Kichern und Kopfschütteln und Befremden auslöst, aber … hoppla, Moment, plötzlich ist es sein Salon.

Er hat gewonnen.

Diese Pointe ist schon aus rein sportlichen Gründen unwiderstehlich: Blätter wie die New York Times und die Washington Post, in Deutschland der Spiegel und ZDF-Moderator Kleber ­haben bei jeder sich bietenden Gelegenheit politikferne Themen wie Trumps Umkleidekabinen-Bemerkungen über Frauen skandalisiert, um ein Monster zu kreieren und zur Schlachtung freizugeben – und sich böse getäuscht und einen weiteren Beleg für ihre schwindende Glaubwürdigkeit geliefert. Die Konsumenten blieben unbeeindruckt. 53 Prozent aller weissen amerikanischen Frauen gaben Trump ihre Stimme, 62 Prozent derjenigen ohne College-Abschluss.

Selbst der Papst, der die katholische Kirche durchaus populistisch führt, hat den Populisten Trump «unchristlich» genannt. Trump wurde dennoch von 52 Prozent der davon wenig beeindruckten Katholiken gewählt. Kann der Papst etwa in seine Seele schauen?

Was Hegel sagte

Es war der «Fremdenhass», der dem Pontifex maximus missfiel. Nun, Trump will die Grenzen sichern, über die Millionen illegal kommen, schon in Clintons Wahlkampf 1992 wurde über eine Mauer an der Grenze zu Mexiko gesprochen, ist das Fremdenhass? Trump will, verlautet nun, drei Millionen Illegale abschieben. Was nie zur Sprache kam während des Wahlkampfes: Auch Präsident Obama schob drei Millionen ab.

Doch die Trump-Gegner lassen sich auch durch eine verlorene demokratische Wahl nicht aus dem Takt bringen. Wie sagte Hegel auf den Einwand hin, dass sich seine Weltgeist-Theorie nicht mit der Wirklichkeit vertrage? «Umso schlimmer für die Wirklichkeit.»

Der Spiegel sieht tatsächlich die Welt unter­gehen, Trump rast auf dem Titelbild als glühende Supernova auf die Erde zu. Linkspopulismus pur. Der Sieg des «vulgären Trump» für die «Abgehängten», so Spiegel-Chefredaktor Brinkbäumer, werde dafür sorgen, dass diese in ihrer Wut Brände legen, alle Regeln brechen und die Demokratie vernichten würden, «nicht nur in Amerika, sondern weltweit».

Also im Moment sind es eher die Trump-Gegner, die auf die Trump-Wähler einprügeln, TV-Bilder zeigen einen Mann, der aus seinem Auto gezerrt und getreten wird, andere, wie eine schwangere Frau auf dem Weg in die Klinik in ihrem Auto vom Mob eingekesselt wird. Baseballschläger krachen auf die Windschutzscheibe, während sie versucht, die Polizei zu rufen.

Ein Aufstand der Demokraten, der von allen herbeigeschrieben wird, sieht anders aus. ­Woher nehmen diese pöbelnden Linkspopulisten nur ihre Gewissheiten?

Ach ja, und dann dieser populistische Wahlkampfslogan «Make America Great Again». Der Chefredaktor des Spiegels ist noch zu jung, um sich daran zu erinnern, wie Ronald Reagan als Schmierenschauspieler mit geringem IQ verunglimpft wurde, als er mit genau dem gleichen Spruch 1980 eine gebeutelte Nation aufgerichtet hat. Heute gilt er als einer der grossen amerikanischen Präsidenten. Wie kann es sein, dass diese Klasse nichts lernt? Weil sie in ihren Zirkeln gross geworden ist und nicht ohne Spott auf die Unterklasse schaut, der sie alle Niederträchtigkeiten zutrauen, «wie vor achtzig Jahren in Deutschland» (Brinkbäumer). Der Faschismusverdacht fällt immer auf die da unten. Igitt!

Warum haben sich alle geirrt? Selbsthypnose? Haben sie ihre eigenen Prognosen inhaliert? ­Eine Art Eigenblut-Doping? In der Tour de France ist das streng verboten. Im Journalismus kann man damit sehr bequem sehr lange leben, denn man lebt in einer Blase, die Korrekturen durch die Wirklichkeit nur ungnädig zur Kenntnis nimmt.

Moralisch ganz weit oben

Sie hätten, so sagt es Thomas Frank im Guar­dian, in einem nie vorher gesehenen, ungewöhnlichen Pakt die andere Seite beleidigt, statt zu versuchen, sie zu verstehen. Sie hätten die journalistischen Regeln gebrochen. Sie hätten Meinungsartikel in Gebetsstunden verwandelt, in ein «vehicle for high moral boasting». Vielleicht sei es Zeit, fährt Frank fort, über diese schrille Selbstgerechtigkeit, die meist von Besserverdienenden stamme, nachzudenken.

Die deutsche Politik hat wie erwartet reagiert. Von oben herab, denn im Moment fühlt sich Deutschland moralisch ganz weit oben. Aussenminister Steinmeier hat Trump noch vor der Wahl als «Hassprediger» bezeichnet und nach der Wahl ausdrücklich nicht gratuliert. Er wurde gerade mit dem Amt des Bundespräsidenten dafür belohnt. Kanzlerin Merkel hat Trump zwar widerwillig gratuliert, aber die Zusammen­arbeit mit der Supermacht an die Bedingung geknüpft, dass sich Trump an Recht und Ordnung hält, an Respekt vor Menschenwürde und reli­giösen und sexuellen Orientierungen, ausgerechnet sie, die eine Schicksalsentscheidung für ihr Volk, jene ominöse Grenzöffnung, im Alleingang am Parlament vorbeibeschlossen hat.

Und die gerade intensiv Geschäfte mit dem skrupellosen Bosporus-Diktator Erdogan macht, weil der ihr die Flüchtlinge, meist ­Antisemiten und Frauenverächter, abnimmt, die sie sich eingeladen hat. Ob er Recht und Ordnung bricht, scheint ihr dabei zunächst ­einmal egal zu sein.

Merkels «Yes, we can»

Der SPD-Vorsitzende und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel drehte noch einmal seine Vor­urteile durch den Betonmischer. Nach Trumps Wahlsieg warnte er vor diesem Kerl, der «Vorreiter einer autoritären und chauvinistischen Internationale» sei.

Da Verzerrung und Abwertung des Gegners zum Repertoire der Populisten gehören, vermutet Gabriel mal eben linkspopulistisch so dahin, dass Trump zurück in die Zeiten wolle, da «Frauen an den Herd oder ins Bett gehörten, Schwule in den Knast und Gewerkschaften höchstens an den Katzentisch». Kritik lasse er nicht zu: «Und wer das Maul nicht hält, wird öffentlich niedergemacht.»

Nun ist nicht bekannt, ob Trump diesen merkwürdig aggressiven deutschen Parteivorsitzenden überhaupt kennt, eher nicht, ­wahrscheinlich hat er ihn deshalb noch nicht «öffentlich niedergemacht». Noch weniger wird er diese dubiosen Europa-Politiker kennen, Jean-Claude Juncker, einst Chef des Steuerparadieses Luxemburg, oder Martin Schulz, einst Bürgermeister in Würselen, die meinten: «Er wird uns kennenlernen.»

Wahrscheinlich wird er gerade das nicht tun. Denn das über Merkels Flüchtlingsprogramm wie ein Kartenhaus zusammenbrechende «Projekt Europa» ist ihm eher egal. America First. Es wird grosses diplomatisches Geschick und viel Geld erfordern, ihn für eine militärische Intervention zu gewinnen, sollte die Grenze etwa zu Litauen in Gefahr sein.

Selbstüberschätzung ist die Falle. Das ist die Lehre. Sie gilt für die deutsche Politik genauso wie für den deutschen Journalismus.

Während seine Gegner noch in Rage sind, spricht Trump davon, Gräben zuzuschütten. Er äussert sich wärmstens über die Clintons. Er ruft seinen Gegnern zu: «Habt keine Angst!» Er respektiere Homosexuelle. Er werde die Regelungen zur Homo-Ehe nicht ändern. «Für mich ist das okay.» Damit sollte doch auch der Papst zufrieden sein.

Dennoch bedeutet die Wahl Donald Trumps eine tektonische Verschiebung des gegenwärtigen politischen Meters, der lange als Urmeter gehandelt wurde. Nun sehen wir: Er war verrutscht. Er hat nur in dieser Blase gegolten, wo links immer gut und rechts immer böse ist, wo jeder Minderheit besonderer Schutz gewährt wird, ausser eben den Abgehängten, kurz: dem einfachen Mann, wenn er weiss und hetero­sexuell ist und sein Land liebt – also der Mehrheit.

Die Euphorie über den jungen Obama und sein verführerisches, linkspopulistisches «Yes, we can» hat in eine achtjährige Sackgasse ­geführt. Für Merkels «Wir schaffen das» («Yes, we can») wird das Gleiche gelten.

Rund eine Million islamischer Kostgänger, davon etwa die Hälfte nicht einmal registriert, und einige unter ihnen IS-Kader? Alle sehen: Wir schaffen es nicht, weder finanziell noch kulturell. Pegida und AfD sind die Reaktionen darauf. Doch die Kanzlerin mag sich nicht revidieren.

Die New York Times unterstützt sie in ihrer Sturheit, die Bild-Zeitung verkündete es gross. Mittlerweile aber wissen wir, was mit denen passiert, die die einst geachtete Meinungs­maschine aus New York unterstützt.

Am Schluss ein Bekenntnis: Auch ich habe vor einigen Wochen noch geschrieben, dass mir eine berechenbare Gaunerin lieber ist als ein unberechenbarer Verrückter. Zu schrill schienen mir die Auftritte des Moguls. Doch je näher der Wahltermin rückte und je geschlossener und verlogener der linkspopulistische Widerstand gegen den Unternehmer wuchs (den Frauenfeind!), desto mehr wuchs in mir das Gefühl: Es wäre doch ganz schön, wenn sich dieser Kerl gegen die gesamte etablierte Politik- und Meinungsmaschine durchsetzte. Eine Maschine der Grossbanken und Rüstungskonzerne und Ölscheichs, die 900 Millionen in Clintons Wahlkampfkasse spülte.

Dieser demokratische Wechsel tut gut, tut gut in jedem Staat der Welt.

Statt über Trumps Populismus sollten unsere TV-Anstalten über den eigenen nachdenken. Zum Beispiel darüber, dass die AfD nicht ohne das diffamierende Attribut «rechtspopulistisch» genannt werden darf. Wie wäre es mal mit der Formulierung «die linkspopulistische SPD» oder die unter Merkel «linkspopulistisch gewendete CDU»? In der Sendung «Berlin ­direkt» sprach Moderatorin Bettina Schausten von einer «Schockstarre», und gleich darauf wurden Bilder über, na was wohl, den deutschen Rechtspopulismus gezeigt.

Ob Luna, die Tochter des Schauspielers Til Schweiger, tatsächlich, wie im Fall eines Trump-Sieges angekündigt, ihre US-Staatsbürgerschaft aufgibt, wissen wir noch nicht. Ebenso wenig, ob Jennifer Aniston und ein ganzer Pulk ihrer Hollywoodkollegen tatsächlich nach Kanada ziehen, wie sie herausposaunten.

Ich würde mal vermuten: .

line-wordpress-long

Ob der kommende Präsident der Vereinigten Staaten und der deutsche Altpräsident Heinrich Lübke etwas gemeinsam haben, wird sich zeigen, wenn Donald Trump zu seinem Antrittsbesuch nach Berlin kommt. Lübke hatte 1966 bei der Ankunft auf dem Flughafen Lome seine rechte Hand von einem mitreisenden Arzt bandagieren lassen, damit er Togos Regierungschef, Gnassingbe Eyadema, nicht die Hand geben musste. Eyadema hatte angeblich Silvanys Olympia, den ersten Staatspräsidenten von Togo und einen Freund Lübkes, ermorden lassen.

Es ist nur eine düstere Vision. Aber ausgeschlossen ist es nicht, dass diesmal der designierte US-Präsident, Donald Trump, protokollresistent, wie er ist, dem neuen Bundespräsidenten, Frank-Walter Steinmeier, den Handschlag verweigert. Vielleicht kommt er auch gar nicht nach Berlin und fährt lieber auf eine Portion Saumagen nach Kallstadt in der Pfalz, von wo seine Vorfahren vor 130 Jahren in die Neue Welt auswanderten.

So schlecht, wie er sich von ihnen behandelt fühlt, könnte man Trump verstehen, wenn er eine Begegnung mit den Granden der Großen Koalition nicht auf dem Zettel hätte. Steinmeier, sonst ein salbadernder Anpasser, hatte Trump einen „Hassprediger“ genannt und ihm nach dessen Sieg den Glückwunsch verweigert. Kabinettskollege Sigmar Gabriel schimpfte den Wahlgewinner gar den „Vorreiter einer neuen reaktionären und chauvinistischen Internationale“. Dabei hat der deutsche Wirtschaftsminister viele gute Gründe, mit dem Weißen Haus im Gesprächsmodus zu verbleiben.

Die USA sind der weltweit wichtigste Abnehmer deutscher Waren. Die Ausfuhr nach Amerika bindet weit über eine Million direkte und vielleicht noch einmal so viele indirekte Arbeitsplätze. Wenn der Abschotter Trump die handelspolitischen Maximen, die er im Wahlkampf verkündete, konsequent umsetzt, dann brennt bei der deutschen Exportwirtschaft die Hütte.

Die gute Hillary und der böse Donald

Die Schmäh-Kritik der zwei SPD-Notabeln steht im Einklang mit dem verbalen Unflat, den die deutschen Medien monatelang über Trump ausschütteten. Vor allem für führende Qualitätsblätter wie die SZ und die ZEIT war Hillary die Gute und Donald der Böse. Sie sprachen ihm Anstand und Moral komplett ab. Dass er  ein Benehmen hat wie die Kohlekumpel aus den Appalachen, steht außer Frage. Aber an Anstand und Moral war ihm seine Konkurrentin, Hillary Clinton, nicht überlegen.

Für den SPIEGEL war Trump ein „schriller Motzke“ und ein „Trickbetrüger“, Und: „Er lügt und hetzt“, er „saut vor sich hin“, er „fuchtelt, brüllt und spuckt“. Man könne „diesen Kerl kaum aushalten“. Und bei Georg Diez von SPIEGEL Online krümmten sich beim Schreiben die Finger, wenn er daran dachte, dass der Typ gewinnen könnte.

Ja, Redneck Donald liefert reichlich Gründe, ihn in die Pfanne zu hauen. Die Zehn-Zitate-Sammlung freilich, mit der der SPIEGEL insinuierte, dass er einen Atomkrieg im Schilde führen könnte, war kein solcher Grund. Trumps vergewisserte standardmäßig sein Publikum: „I will be the last one to press that button.“ Und wer von den zwei Präsidentschaftsbewerbern der konfliktfreudigere war, ist noch nicht entschieden.

Außerdem, wenn er ständig darüber klagte, dass der amerikanische Wahlkampf so schmutzig war, durfte der SPIEGEL dann das Foto einer nackten Trump-Plastik (auf der unten was fehlte) verbreiten und darüber schreiben: „Der Kaiser hat keine Eier“?

Heribert Prantl, Chefkommentator der „Süddeutschen“, giftete in einem Essay über den „Trumpschen Populismus, der nun weltweit giftig strahlt“. The Donald als Naturkatastrophe also. Der Spiegel trieb die Verunglimpfung mit einem Titelbild auf die Spitze, auf dem ein feuerumwaberter Trump-Schädel auf die Erde zurast. Dazu die Zeile „Das Ende der Welt“ und darunter viel kleiner: „Wie wir sie kennen.“ Es war der Tiefpunkt des deutschen Nachrichtenmagazin-Journalismus. So machen die Nachfolger von Rudolf Augstein das „Sturmgeschütz der Demokratie“ zur Gulaschkanone.

Vier Prozent finden Trump sympathisch

Mit ihrer Anti-Trump-Kampagne hat die Journaille den deutschen Interessen keinen guten Dienst erwiesen. Doch die Nation nahm die Botschaft freudig an. 1981, auf dem Höhepunkt der Proteste gegen den Nato-Dopplbeschluß, stimmten noch 57 Prozent der befragten Bundesbürger in einer Umfrage des Allensbach-Instituts der Aussage zu, die USA seien ein starker Verfechter von Demokratie und Menschenrechten. Damals residierte im Weißen Haus Ronald Reagan, der in Deutschland fast ebenso unbeliebt war wie Donald Trump heute.

Anfang dieses Jahres wurde die gleiche Frage nochmal gestellt. Diesmal stimmten nur noch 19 Prozent derselben Frage zu. Und nur vier Prozent fanden Trump sympathisch. Ebenfalls vier Prozent glaubten, daß Deutschland von ihm nichts Gutes zu erwarten habe. Sie könnten Recht behalten.

Umgekehrt liebt offenbar auch Trump die Deutschen nicht. Das deutsch-amerikanische Verhältnis war noch nie so schlecht, nicht einmal unter sozialdemokratischen Kanzlern. Im Wahlkampf kündigte Trump sogar an, dass Deutsche und Franzosen künftig bei der Einreise „extremen Sicherheitsüberprüfungen“ unterworfen würden.

Der Wind des Wandels bläst vor allem durch die Wehretats. Trumps Forderung, dass Deutschland seine Rüstungsausgaben um über die Hälfte von 1,2 auf zwei Prozent (im Vergleich USA: je nach Quelle 3,3 bis 4,35 Prozent) des Bruttoinlandsprodukts anheben solle, steht; und davon wird er nicht abweichen. Das gleiche Postulat erging an die anderen Europäer. Wenn sie nicht parieren, will Trump seine Streitkräfte aus Europa abziehen und seinen Atomschirm zusammenklappen. Dreißig Milliarden Kostensteigerung sind für die Deutschen schmerzlich, aber erträglich. Es ist ungefähr soviel, wie sie dieses und letztes Jahr für die Finanzierung der Willkommenskultur ausgegeben haben.

Gibt es Alternativen? Der Appell von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen an die Europäische Union, sich wehrpolitisch von den Vereinigten Staaten zu emanzipieren, ist infantil. Die EU hat zwar über 1,85 Millionen Soldaten, fast doppelt so viel wie Russland. Aber mit 27 Oberkommandierenden. Russland und die USA verfügen im übrigen über jeweils 7000 atomare Sprengköpfe. Das ist rund 15mal so viel wie die zwei EU-Atommächte Frankreich und Großbritannien zusammen. Aber auch nur, bis der Brexit in Kraft tritt. Danach sind es jeweils 30mal so viele.

Mit mildernden Umständen ist nicht zu rechnen

Auch die deutsche Privatwirtschaft hat Grund zur Sorge. Zu den Firmen, die von Trumps Machtübernahme nichts Gutes zu erwarten haben, gehört der Automobilgigant Volkswagen. Er muss wegen des Abgasskandals mit 15 Milliarden Dollar Strafe rechnen. Es kann auch doppelt so viel werden. Das Problem soll, wie es heisst, auf höchster Ebene geklärt werden. Zwischen Trump und VW-Chef Matthias Müller. Mit mildernden Umständen ist dabei nicht zu rechnen.

Unklar ist die Sachlage für die Deutsche Bank. Das Justizministerium in Washington will von ihr 12,5 Milliarden Euro Strafe und Entschädigung für dubiose Hypothekengeschäfte in den USA. Die Summe ist verhandelbar. Die Bank hat seit langem gute Geschäftsbeziehungen zum Trump-Konzern. Er steht bei ihr zur Zeit mit mindestens 180 Millionen Dollar in der Kreide. Nach Berechnungen des „Wall Street Journal“ belief sich das gesamte Kreditvolumen seit 1998 auf zweieinhalb Milliarden Dollar.

Ob ein guter Draht zum Weißen Haus allerdings den Frankfurter Bankern zum Vorteil gerät, ist einstweilen offen. Konzernherr Trump wird sich hüten, ihnen zu weit entgegenzukommen, weil er nicht in den Verdacht geraten will, dass er staatliche und private Interessen miteinander vermischt. In Washington warten viele auf so einen Fehltritt. Deutschbanker John Cryan könnte die Verhandlungen bis über den Tag des Machtwechsels am 20. Januar in die Länge ziehen. Aber es ist nicht mehr sicher, dass dies zu seinem Vorteil wäre. Von der deutschen Politik hat die Deutsche Bank auch nichts Gutes zu erwarten, am wenigsten von dem Sozialdemokraten Gabriel.

Muss Deutschland nun mit dem Schlimmsten rechnen? Nein, sagt Rüdiger Lentz, Direktor des Aspen-Instituts und alter Fahrensmann der transatlantischen Beziehungspflege. „Die Prioritäten der USA haben sich nur verschoben.“ Die Amerikaner wollten nicht länger für die Europäer die Kastanien aus dem Feuer holen. „Aber sie werden nicht aus der Nato austreten.“ Das hat Barack Obama am Donnerstag in Berlin auch gesagt. Vielleicht aber auch nur, um seine Gastgeberin Angela Merkl und die Obamaphilen in Deutschland zu erfreuen.

Ein Freund aus der ersten Riege der Sozialdemokratie, berichtet Lentz, habe sich mit führenden Parteifreunden über deren Respektlosigkeiten ausgetauscht und den Genossen eine Mahnung verabreicht: „Benehmt euch. Donald Trump hat ein gutes Gedächtnis.“

line-wordpress-long

Dunkel-Amerika zeigt seine häßliche Fratze. Wenn jetzt die Welt nicht untergeht, dann ist ihr nicht zu helfen.

Es ist die Stunde der Hysteriker. Der Chefagitator der „Süddeutschen Zeitung“, Heribert Prantl, menetekelt auf Seite 1, dass „der Trumpsche Populismus nun weltweit giftig strahlt“. Die FAZ wirft dem Wahlsieger „virale Verbreitungsstrategien aus den Notebooks der perfidesten Online-Vermarkter“ und „digitales Aufpeitschen“ vor. Und die Kampfschreiber von „Spiegel online“ sehen gar die Demokratie in Gefahr, weil die Wahl anders ausgegangen ist, als sie es vorausgesagt haben. Kurzum: Die Deutschen sind weit mehrheitlich weiter gegen Trump. Auch die meisten AfD-Anhänger.

„Bild“ hat seinerzeit nicht einmal Dutschke und der „Spiegel“ hat nicht FJS so unflätig geschmäht, wie die deutschen Medien Donald Trump schmähen. Ja, das muß er sein,  der „große schamlose Brüller“, den der französische Seher Nostradamus vor 500 Jahren vorausgesagt hat.

Apocalypse now?

Man kann nur darauf hoffen, daß die Journaille mit ihren Prognosen zum Thema Trump wieder so schief liegt wie mit den Wahlprognosen und mit dem Brexit. Denn dann kommen herrliche  Zeiten.

Die Kritiker werfen Trump nun auch vor, daß er seine schlimmsten Drohungen aus Wahlkampftagen zurückgenommen hat. Hillary soll nicht mehr ins Gefängnis. Obama nennt er einen „guten Mann“. Obamacare soll nicht mehr abgeschafft, sondern nur noch aufgeweicht  werden. Er hält neuerdings sogar einen Einfluss des „human factors“ auf den Klimawandel nicht mehr für ausgeschlossen. Und das Bekenntnis zum Waterboarding hat er sich wieder ausreden lassen. Auf den Kerl ist eben kein Verlaß, wie die deutschen Medien bewiesen haben.

Was liegt konkret gegen den Mann vor? Ja, er ist ein Pöbelbruder. Sein Benehmen gegenüber Frauen ist – gelinde gesagt – arg uncharmant. Die Rassengleichheit gehört nicht zu seinen Herzensanliegen, zu der seiner Gegnerin allerdings auch nicht, die Afroamerikaner auch mal als „Superraubtiere“ zu verleumden beliebte. Doch die sogenannte Schlammschlacht, die er und Hillary Clinton gegeneinander ausgefochten haben, führte nicht zur Langzeitbelastung des öffentlichen Wohlbefindens. Die Hillaryphilie aus Europa hat der Kandidatin nicht geholfen. Eher im Gegenteil.

Frühere Wahlkämpfe waren ruppiger, einige sogar blutig. In Amerika sind Minimalinjurien, die in Deutschland nach Maßgabe des gesunden Volksempfindens schon als fremdenfeindlich und menschenverachtend gelten, von der Meinungsfreiheit gedeckt. Die Mehrheit fand Inhalte wohl wichtiger als Etikette.

Hillary Clinton hat ihren Wahlkampf ganz auf Identitätspolitik abgestellt, sie warb um die Stimmen der Afroamerikaner, der Latinos, der Schwulen-, Lesben- und Transgenderbewegung und der Frauen. Zum Schluss fühlten sich die heterosexuellen Weißen selbst fast als bedrohte Spezies. Clintons Verhätschelung von Minderheiten rief den Trotz der Mehrheit hervor, der dann in den Sieg ihres Rivalen mündete. Dass Clinton gegen Trump verloren hat, gilt in Deutschland auch als Zeichen niederer amerikanischer Moral. Grundsätzlich ist Frau in der Klischeewelt der deutschen Eliten positiv, Mann dagegen eher negativ besetzt. Wieso eigentlich?

Ja, aber ist der Mann nicht kriegslüstern?

Die meisten Deutschen glaubten, ihn als Zündler entlarvt zu haben, der bereit war, unter Umständen einen Atomkrieg anzuzetteln, um sein Mütchen zu kühlen. Doch die Quellen sagen etwas anderes. Seine Standarderklärung zu seiner Rolle als künftiger Oberbefehlshaber der Streitkräfte klang immer gleich: „The last person to press that button would be me.“ Er werde es aber niemals ausschließen. Das hätten alle zwölf Nachkriegspräsidenten genauso gesagt, wenn man sie danach gefragt hätte.

Dass Frauen die friedlicheren Elemente der Weltpolitik sind, ist sowieso ein Kinderglaube. Von den weiblichen Staats- und Regierungschefs haben prozentual mehr große Kriege angefangen als von den männlichen: Indira Gandhi, Golda Meir, Bandaranaike, Thatcher. Wenn man ihren Einlassungen im Wahlkampf folgt, hätte Hillary Clinton leicht die fünfte werden können.

Clinton sprach sich zum Beispiel für eine Flugverbotszone in Syrien aus. Das heißt, amerikanische Flugzeuge hätten gegebenenfalls russische Kampfmaschinen, die das Verbot mißachteten, abschießen müssen. Was das für den Weltfrieden bedeutet hätte, kann man sich leicht ausmalen.

Clinton sagte auch, daß sie als Präsidentin Cyber-Attacken auf Amerika genauso behandeln werde wie alle anderen Attacken. Und: „Wir werden bereit sein, politisch, wirtschaftlich und militärisch zu antworten.“ Ja, auch militärisch. Also Bomben auf russische Hackerstationen. Hillary Clinton war für den Weltfrieden die gefährlichste Präsidentschaftskandidatin seit dem Demokraten John F. Kennedy, unter dessen Ägide der Planet haarscharf an einem Weltkrieg vorbeischrammte.

Nun wird Trump vorgeworfen, er vermische seine Privatgeschäfte mit seinen Regierungsinteressen. Jeden Tag, schrieb der „Spiegel“, gebe es neue Fälle. Ja, wenn es die denn wirklich gäbe, dann würde sich John Cryan, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, vielleicht besser fühlen. Doch die guten Geschäftsbeziehungen zwischen dem Trump-Konzern und der Deutschen Bank (2,5 Milliarden Kreditvolumen seit 1998) haben dem Chef des Geldinstituts bislang nichts genützt. Von den 14 Milliarden, die die Deutsche Bank als Strafe für dubiose Anlagegeschäfte an das US-Finanzministerium zahlen soll, ist sie noch nicht runter. Nur mit viel Glück wird sie die Summe bestenfalls halbieren können.

Drei Dollar für einen Dollar

Für die europäische Exportwirtschaft ist Donald Trump alles andere als ein Joker. Für drei Dollar Warenwert, den die Amerikaner aus Deutschland einführen, exportieren sie nach Deutschland nur für einen Dollar. Das hält nicht nur Trump für einen unhaltbaren Zustand. Die zu erwartende Isolation Amerikas wird vor allem Chemie, Maschinenbau, IT-Branche und Automobilindustrie hart zusetzen. Clemens Fuest, der Chef des Münchner Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, sieht anderthalb Millionen deutsche Arbeitsplätze wackeln, wenn die USA sich wirklich abschotten. Merkwürdig nur: Die Deutschen sinnieren ständig über Moral, aber ganz selten übers Business.

Aus amerikanischer Sicht dagegen laufen die Geschäfte nicht schlecht. Für 2017 wird eine Steigerung des Wirtschaftswachstums erwartet. Trump plant Steuersenkungen, Deregulierungen und eine Billionen schwere Infrastrukturoffensive. Die OECD feiert ihn schon als Retter. Soviel scheint ziemlich sicher: In Amerika findet die Apokalypse nicht statt. Skurriles Lob erntete der Präsident in spe im Deutschen Bundestag. Sarah Wagenknecht, die Linksaußen der Linken, rief vom Podium ins Plenum: „Der hat wirtschaftspolitisch mehr drauf als die Bundesregierung.“

Es wäre Zeit für Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, sich um einen Termin in Washington zu bemühen. Denn es gibt viel zu besprechen: den Fall VW, den Fall Deutsche Bank und ganz generell die Zukunft der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen. Aber ob Gabriel sich noch ins Weiße Haus traut, nachdem er den künftigen Hausherrn als „Vorreiter einer reaktionären, chauvinistischen Internationale“ verunglimpft hat? Der zuständige Ressortminister hält es – außer im Iran – offenbar nicht für seine Aufgabe, sich für die Interessen der deutschen Wirtschaft im Ausland zu verwenden.

Merkel eine Art Hillary of Germany

Auch Angela Merkel hat keinen Besuch im Oval Office auf dem Zettel. Und Trump hat sie auch noch nicht eingeladen. Für ihn ist sie eine Art Hillary of Germany, mithin als Gesprächspartnerin untauglich.

Nach einer aktuellen Umfrage haben mehr Deutsche Angst vor Trump als vor dem Flüchtlingsproblem. Die Angst ist zum Teil berechtigt, aber aber verfrüht. Langfristig wird Trump für Deutschland teuer. Er fordert von den Deutschen die Anhebung des Wehretats um weit mehr als die Hälfte von 1,2 auf  zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das wären, grob gerechnet, vierzig Milliarden Euro. Man kann das verstehen. Die USA geben (je nach Zählweise) 3,5 bis 4,5 Prozent vom BIP für die Rüstung aus. Alle europäischen Mitgliedstaaten zusammen tragen nicht mal halb so viel zum Militärbudget der Nato bei wie die USA.

Wenn die Amerikaner im Ernstfall für sie ins Gewehr treten sollen, müssen die Europäer tüchtig nachrüsten. Jedoch, Clinton wäre keine bessere Wahl gewesen. Sie wollte die transatlantischen Bündnispartner gleichfalls finanziell an die Kandare nehmen, sie stellte immerhin die Rolle der Nato nicht in Frage.

Barack Obama glaubt, daß sein Nachfolger es schon richten wird. Er hält einstweilen an seinem Credo aus der Wahlnacht fest: „No matter, what happens, the sun will rise in the morning.“ Dabei meint er aber nur Amerika.

Wer allein auf die deutsche Weltpresse und den Staatsfunk bei seiner Meinungsbildung über die Welt angewiesen ist, hat bisher folgendes Bild vom amerikanischen Präsidenten: Trump ist ein „Schreihals“, ein „Hetzer“, ein „Lügner“, ein „Spalter“, ein „Rassist“, dem schon wenige Wochen nach seinem Amtsantritt die Amtsenthebung droht, von dem sich enttäuschte Wähler abwenden und dem selbst republikanische Politiker die Pest an den Hals wünschen.

Um diese Einschätzungen zu belegen, werden alle möglichen Konfidenten zitiert, „Aktivisten“, Lobbygruppen, „Experten“ aller Art aber nur einer Couleur, oder einfachheitshalber direkt: Vertreter der unterlegenen Demokratischen Partei, hier besonders gerne Bernie Sanders, der betagte „Linkspopulist“.

Nun hat der 45. Präsident eine Rede vor dem Kongress der Vereinigten Staaten gehalten und die tagesschau online zitiert pflichtschuldig die Lobbygruppe CAP Action: „51 Lügen in 61 Minuten“. Das Staatsfernsehen stellt die bange Frage: „Hat Trump also wirklich alle knapp 72 Sekunden gelogen?“ „Ganz so einfach ist es nicht“, wird dann noch eingeschränkt, als pflege man hier journalistischen Ethos, aber getreu dem Motto: Vielleicht waren es ja nur 50 Lügen.

„Kannst Du die Rede von Trump kommentieren?“, fragte Team Tichy, und fügte ermahnend „sachlich“ hinzu. Sachlich? Hmm. Okay, das ist ja schließlich nicht die Blackbox. Lassen wir also hauptsächlich den Präsidenten selbst zu Wort kommen.

Dennoch bleibt eine Schwierigkeit. Wie beschreibt man Trumps Masterplan für die U.S. bei uns, wo fast das gesamte Parlament für höhere Steuern und gegen den Schutz der eigenen Grenzen ist? In dem das Parlament nie emotional eines toten Soldaten gedachte, den es vorher auf eine bescheuerte Mission irgendwo am Anus Mundi geschickt hatte? Dessen stellvertretende Parlamentschefin Deutschland irgendwie „sch****“ findet?

Fangen wir mit einer Beschreibung der Szenerie an. Die Mehrheit im Oval ist republikanisch. Die Damen der Opposition sind in weiß gekleidet, laut BBC eine Anspielung auf die Suffragetten-Bewegung, die sich einst für das Frauenwahlrecht  einsetzte. Bleiben wir sachlich, schreiben wir nichts dazu.

„Heute, mit dem Ende der Feierlichkeiten zum Black History Month, werden wir an den langen Weg erinnert, den unsere Nation auf dem Weg zu den Bürgerrechten zurückgelegt hat,“ so beginnt die Rede. (Wussten Sie, dass auch in Deutschland seit Anfang der 1990er Jahre ein Black History Month gefeiert wird?) „Und wenn wir auch eine Nation sind, die in politischen Fragen gespalten ist, so stehen wir doch zusammen in der Verurteilung von Hass und dem Bösen in all seinen Formen“, sagt Trump weiter. „Jede amerikanische Generation hat diese Fackel der Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit weitergegeben bis heute.“

„American Spirit“

Hier wollen wir einfügen, dass die Zuhörer häufiger aufstanden als bei einem katholischen Gottesdienst und im Stehen applaudierten. Also alle Republikaner, die Gäste auf den Rängen, und, ja, auch vereinzelt Demokraten. Weil die ganze Rede über eine Stunde dauerte und jederzeit im Internet zu sehen ist, picken wir uns die wichtigsten Stellen heraus.

Trump spricht zunächst von der Erneuerung des „American Spirit“, und dass „Amerika wieder einmal bereit ist zu führen“. In neun Jahren jährt sich der Unabhängigkeitstag zum 250. Mal. „Was für ein Land werden wir unseren Kindern hinterlassen?“ fragt Trump, um gleich hinzuzufügen: „Ich werde nicht zulassen, dass die Fehler der letzten Jahrzehnte den Weg in unsere Zukunft bestimmen.“ Er spricht vom Absturz der Mittelklasse, den Kindern in den gewalttätigen Metropolen (als erstes nennt er Chicago, wo Obama seine Karriere begann), und von den Grenzen anderer Länder, die die USA schützten, „während unsere Grenzen weit offen standen“. Billionen seien in Übersee ausgegeben worden, während die heimische Infrastruktur zerfiel.

All das habe zu der Rebellion geführt, die eine einfache Forderung stelle: „Amerika muss seine Bürger an die erste Stelle setzen, weil nur dann können wir Amerika wieder groß machen.“ (Wer immer die Rede geschrieben hat – hier wird der Wahlsieg, wie auch schon während des Wahlkampfs, als Sieg „einer Bewegung, einer Rebellion“ nicht etwa der Republikanischen Partei verkauft.)

Trump zählt seine ersten Erfolge auf. Er nennt Firmen, die jetzt neue Jobs in den USA schaffen wollen, seinen „Deal“, der das F-35-Kampfflugzeug hunderte Millionen günstiger gemacht habe. Er habe einen Einstellungsstopp für nicht-militärische und nicht notwendige Bundes-Beschäftigte verfügt. Einen Anti-Korruptions-Erlass unterzeichnet, der bestimmt, dass Abgeordnete erst nach fünf Jahren Lobbyjobs übernehmen dürfen, und für ausländische Regierungen überhaupt nicht. (An dieser Stelle guckten die Demokraten besonders verbittert.)

Zudem habe er bestimmt, dass für jede neue Bundes-Regulierung zwei alte gestrichen werden müssen. Er habe die Zukunft der Minenarbeiter im Kohlebergbau gesichert und den Weg für neue Pipelines freigemacht, die allerdings von jetzt an aus amerikanischem Stahl hergestellt werden müssten.

„Wir haben die USA aus der Arbeitsplätze vernichtenden TTP zurückgezogen“, dafür mit Kanadas Trudeau eine Einrichtung gegründet, die weibliche Unternehmer unterstützt. (Das ist wirklich gut: Er hat was mit dem Posterboy der Linken, dem feschen Trudeau zusammen gemacht, und dann auch noch für Frauen. Trump zieht alle Register, da kann er dann auch etwas strenger werden.)

Security

Zum Schutz „unserer Bürger habe ich das Justizministerium angewiesen, eine Task Force gegen Gewaltkriminalität zu schaffen. Und Justiz, Homeland Security und Nachrichtendienst aufgefordert, eine aggressive Strategie gegen Verbrecherkartelle, die sich in unserem Land ausgebreitet haben, zu entwickeln. Gleichzeitig hat meine Regierung auf die Forderung des amerikanischen Volkes nach Grenzsicherung geantwortet. Durch die Umsetzung der Immigrationsgesetze werden die Löhne steigen, den Arbeitslosen wird geholfen, Milliarden Dollars gespart und unsere Gemeinden für alle sicherer.“

„Wir wollen, dass alle Amerikaner erfolgreich sein können, aber das geht nicht in einem Umfeld rechtlosen Chaos’.“ Dann verspricht er wieder den Bau der Mauer als effektive „Waffe gegen Verbrechen und Drogen“. „Während wir hier sprechen, schaffen wir Gang-Mitglieder, Drogenhändler und andere Kriminelle außer Landes, wie ich es versprochen habe.“

„Unsere Pflicht ist es, den Bürgern der U.S. zu dienen, sie zu schützen und zu verteidigen. Wir unternehmen auch starke Anstrengungen, unsere Nation vor radikal-islamischem Terrorismus zu schützen. Die große Mehrheit der Attentäter kam von außerhalb unseres Landes. Wir haben die Attacken zuhause gesehen und in Frankreich, Belgien und Deutschland. Es ist nicht mitfühlend, sondern rücksichtslos, unkontrollierten Einlass aus Gegenden zu erlauben, wo eine vernünftige Überprüfung nicht gewährleistet ist.“ (Das dürfte jetzt für viele bei uns in Deutschland nicht so leicht zu verstehen sein, was Trump da sagte, noch schwerer dürfte folgender Satz für manchen zu verdauen sein: „Die, denen wir die große Ehre erweisen, bei uns einreisen zu dürfen, sollten dieses Land unterstützen und seine Menschen und Werte lieben.“)

Das Verteidigungsministerium soll Pläne zur Zerstörung von ISIS ausarbeiten, wobei „wir auch mit unseren Freunden in der muslimischen Welt kooperieren“, sagte er dann. Und er, Donald, habe Sanktionen gegen Gruppen und Individuen verhängt, die Irans Raketenprogramm unterstützen und habe die unzerbrechliche Allianz mit Israel befestigt. Zudem habe er Neil Gorsuch zum neuen Verfassungsrichter ernannt und erwarte hierfür die Zustimmung des Senats.

Jobs

Um die nächsten Schritte zu verstehen, fuhr Trump fort, müsse man zunächst die Bedingungen ehrlich benennen, unter denen er das Land übernommen habe:

„94 Millionen Amerikaner haben keinen Job. 43 Millionen leben in Armut, 43 Millionen leben von Lebensmittelmarken. Einer von Fünf in seinen besten Jahren arbeitet nicht. Wir haben die schlechteste Wirtschaftsentwicklung in 65 Jahren. In den letzten Jahren hat die (Obama-)Administration fast mehr Schulden gemacht als alle vorherigen Präsidenten zusammen. Wir haben 25% unserer Industriejobs verloren, seit NAFTA in Kraft getreten ist, und haben 60.000 Fabriken verloren, seit China 2001 in die WTO eintrat. Unser Handelsdefizit betrug im letzten Jahr 800 Milliarden Dollar.“

(Das sind wohl die Zahlen, die die tagesschau als „aus dem Zusammenhang gerissen“ empfindet, obwohl sie zugibt: „Für viele seiner Aussagen lassen sich durchaus Belege finden.“ Soll heißen: Man muss nur alles „richtig“ einordnen, dann passt’s auch wieder.)

Er habe ein außenpolitisches Desaster geerbt. Nur die Rückbesinnung auf den „American Spirit“, der noch alle Herausforderungen in der Geschichte gemeistert habe, und die Überwindung der Feindschaft zwischen den Parteien ließe all diese Probleme lösen. „Wir müssen den Motor der US-Wirtschaft neu starten, es für Firmen in den U.S. leichter machen, erfolgreich zu sein, aber schwerer, das Land zu verlassen.“ (An dieser Stelle klatschte sogar Bernie Sanders.)

Economy

Dann verspricht Trump massive Steuersenkungen für Firmen und die Mittelklasse. Er zitiert Lincoln und verspricht, andere Länder nicht von Amerikas Arbeitern profitieren zu lassen und will ein Einwanderungsgesetz wie in Kanada und Australien erlassen. „Es ist eine einfache Sache, dass die, die einwandern wollen, sich selbst versorgen können müssen. Stattdessen halten wir uns in Amerika nicht daran, belasten die öffentlichen Ressourcen, auf die sich eigentlich unsere Ärmsten verlassen. Unser aktuelles Immigrations-System kostet Milliarden pro Jahr. Die Abschaffung dieses Systems hin zur Einwanderung Qualifizierter wird viele Vorteile haben: Es wird unzählige Dollars einsparen, zur Erhöhung der Niedriglöhne für Amerikaner führen, unsere nationale Sicherheit verbessern und hart arbeitenden Familien, auch Migrantenfamilien, den Weg in den Mittelstand ebnen. (Das oben Gesagte dürfte das sein, was bei uns unter „voll rechts“ läuft.)

Schließlich bittet Trump den Kongress, Obamacare zu beenden. Das sei ineffizient und viel zu teuer, mit gigantischen Preissteigerungen, und viele Versprechungen seien gebrochen worden. Hier setzt er auf Republikaner und Demokraten: „Die wahre Liebe zu unserem Land verpflichtet uns zusammenzuarbeiten.“ („Wahre Liebe zu unserem Land“ – hier dürften Grüne kollabieren, wenn sie die Rede denn so lange ausgehalten hätten.)

Trump spricht über das Erziehungssystem, seine Aufrüstungspläne und, für uns nicht ohne Bedeutung, von der NATO: „Unsere Außenpolitik erfordert ein direktes, robustes und bedeutungsvolles Engagement in der Welt. Wir unterstützen nachhaltig die NATO, durch den Bund geschmiedet, der den Faschismus entthront und den Kommunismus besiegt hat. Aber unsere Partner müssen ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen. Und nach ernsthaften Gesprächen beginnen sie jetzt damit.“ („Ich zahl ja!“ hat unsere Ursula bereits versprochen.)

„Mein Job ist nicht, die Welt zu vertreten, mein Job ist es, die USA zu vertreten, aber wir wissen, Amerika geht es umso besser, je weniger Konflikte herrschen. Amerika ist heute Freund ehemaliger Feinde, einige unserer engsten Verbündete haben in Kriegen gegen uns gekämpft. Das sollte uns Hoffnung geben.“ (Damit meinte er nicht zuletzt uns …)

Am Ende kommt der Pathos, der Claudia Roth wohl von Schreikrämpfen geschüttelt zu Boden sinken ließe: „Wir sind ein Volk mit einem gemeinsamen Schicksal, wir bluten dasselbe Blut, wir salutieren derselben Flagge und wir wurden alle geschaffen vom selben Gott. Gott schütze Sie und Gott schütze die Vereinigten Staaten von Amerika.“ (Dass Trump da jeden Amerikaner gleich welcher Hautfarbe und Konfession anspricht, darauf kommen hierzulande Bestimmte nicht, wetten?)

Victims

Selbst dieser lange Text ist nur ein Auszug der Rede. Trump hatte Gäste geladen, Menschen die Opfer von Gewalt wurden, die Witwe des verstorbenen Bundesrichters Scalia und die weinende Witwe eines gerade im Jemen getöteten Navy Seals. An der Stelle erhob sich das gesamte Plenum, viele kämpften mit den Tränen.

Mehrmals arbeitete Trump mit dem Mittel, die Abgeordneten mit den Opfern gesetzlicher Unzulänglichkeiten zu konfrontieren, diesen ein Gesicht und einen Namen zu geben: einer Frau im Rollstuhl, der nur der außergewöhnliche Einsatz des Vaters das Leben rettete (Trumps Angriffsziel: Zu lange Genehmigungsverfahren für Medikamente). Vier Menschen, deren Angehörige von illegalen Migranten getötet wurden. Eine schwarze Schulversagerin, die erst nach einem Schulwechsel einen Abschluss schaffte und heute Sozialarbeit studiert.

Die ganze Rede und die Inszenierung dieses politischen Neulings ist ein Meisterwerk der Rhetorik, eine Rede von einer Qualität, die wir hierzulande die nächsten zwanzig Jahre wohl nicht hören werden. Selbst der Spiegel kam nicht umhin zu bemerken: „Insgesamt – das muss man sagen – ist diese erste Rede vor dem US-Kongress ein Auftritt, der Trump eher helfen dürfte.“ Nicht ohne hinzuzufügen „Trumps Auftritt ist äußerst geschickt, denn natürlich setzt er auch wieder ein paar finstere nationalistische Botschaften.“ „Finstere nationalistische Botschaften“ gehören in den USA zum guten Ton. Seit fast 250 Jahren.

Diesem Text lag eine englische Transkription der Rede zugrunde, sowie der Mitschnitt der Rede auf youtube. Vergessen Sie die auszugsweisen Wiedergaben mit deutschen Übersetzungen diverser Medien.

SYRIEN, von Bomben und Lügen heimgesucht

aleppox

Postkarte an meine Familie 1977 aus Aleppo

Der Titel des Beitrages ist ein Zitat von Jean-Clement Jeanbart, dem melkitischen griechisch- katholischen Erzbischof von Aleppo. Seine Bilanz ist nüchtern, real und widerspricht den täglichen Indoktrinationssprüchen, die uns Presse und Fernsehen angedeihen lassen. Ich habe keine Ahnung, ob das schon immer so war, oder ob die Fähigkeit, Lügen zu erkennen, erst mit Alter und Erfahrung kommt. Ich vermute Letzteres.

Speziell die „Nachrichten“sendungen haben ja ihren Namen deswegen, weil da immer etwas „nachgerichtet“ wird. Hier wir, die Gerechten und Edlen und dort die anderen, die Bösen und Empathielosen. Schnell noch bildlich unterlegt mit leidenden Kindern (notfalls auch getürkt, wie dieses) und Spendenkonto. Wir, das ist die sogenannte westliche Wertegemeinschaft, die sofort dann einschreitet, wenn es gilt, irgendwo Werte abzuschöpfen.

Obwohl ich ja seit Jahren über den Krieg in Syrien schreibe, der ausschließlich von den USA angezettelt wurde, steht die Gegenpropaganda von UN bis zum Nachrichtenkleber wie ein Fels. Voltairenet gehört nicht gerade zu den Websites, denen man vertrauen kann, aber hier dokumentiert Thierry die Geschichte des völkerrechtswidrigen Verhaltens unserer NATO-Verbündeten und auch der Bundeswehr, die Unterstützung ohne Mandat leistet. Statt dem Bischof Jeanbart, der vor Ort die Situation besser beurteilen kann, vertrauen unsere Medien gerne gekauften Nachrichten, die irgendeinem „Experten“, der am Studiofenster vor dem Abendhimmel in Kairo oder Istanbul steht, angedreht wurden oder – noch schlimmer – der ominösen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, allerdings mittlerweile immer mit dem Zusatz, dass diese Quelle nicht überprüft werden kann. Zu oft hatte man sich ja Kritik eingehandelt, weil der Abdulrahman wieder Räuberpistolen erzählt hat.

Der vom Westen heimlich unterstützte IS wäre schon längst platt, wenn nicht die USA als Waffenlieferant im Hintergrund tätig wären (ich berichtete hier über die von den USA unterstützten Rebellengruppen). Das das so ist, hat Todenhöfer in diesem Interview ebenfalls gut rausgearbeitet. Chapeau, dass wenigsten der Kölner Stadtanzeiger das groß gebracht hat. ACHTUNG: Im Internet gibt es mittlerweile Hinweise, dass Todenhöfer einem Fake aufgesessen ist! Mittlerweile hat Todenhöfer die Kritik zurückgewiesen.

Ob das der amerikanischen Marionette Ban Ki-moon passt oder nicht: nur die Russen sind völkerrechtlich befugt, dort zu agieren. Man mag das schön finden oder nicht, aber das ist nun mal so und ich persönlich freue mich, wenn es ihnen gelingt, trotz westlicher Störfeuer, die Banditen aus Aleppo – oder besser – aus Syrien zu vertreiben. Das gefällt den Amis nicht und sofort hat unsere Journaille den Schuldigen gefunden (sehr originell): Putin. Soll der denn das Spiel der USA betreiben, die ihn schon mehrfach reingelegt haben (z.B. in Libyen)? Wer die großen Falschspieler und Lügner sind, kann man im Todenhöfer-Interview nachlesen. Jeder der mit ner Knarre umgehen kann, führt dort seinen Privatkrieg. Seht Euch diese Liste mal an (Lesebefehl!)!

Aber jetzt fließen wieder literweise die Krokodilstränen. Sogar der Christoph Sieber blabbert den Mainstream-Quatsch – ohne nachzudenken – nach. Wie schon mal gesagt, Politisches Kabarett ist zur Zeit schwer zu ertragen.

Weil es in unseren Medien nicht gebracht wird: Hier ein Ausschnitt aus der Rede vom syrischen UN-Botschafter al-Jaafari vor der UN-Sicherheitskonferenz am 25. September (die ganze Rede kann hier nachgelesen werden):

“When there was a French terrorist called Mohammed Merah running amok in the French city of Toulouse, the French special forces killed him with 300 bullets, and it was a good thing that they did so, but we in Syria and in other states never described that French terrorist as ‘moderate armed opposition’ at all, and the same goes for other terrorists active in the United States and elsewhere,”

In Syrien wird ein Volk – mit deutscher Beteiligung – vernichtet und wir führen einen kindischen Rechtspopulismusstreit, mit Koniferen an der Spitze, die nicht mal wissen, wie man Sirien richtig schreibt!


P.S. Leider bin ich zu diesem Zeitpunkt schon verplant, aber wer an dieser Veranstaltung Brandherd Syrien in Bad Soden teilnehmen kann, sollte es unbedingt tun!

line-wordpress-long

Im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR schilderte der Kirchenführer am Wochenende den Alltag in der umkämpften Stadt. „Wir leben unter der ständigen Bedrohung durch Bomben und Raketen“, so Jeanbart. Die Menschen könnten keine Nacht ruhig schlafen. Es gebe wenig Wasser, vor allem fehle es an Strom. Man sei auf Generatoren angewiesen, aber die Menschen hätten kein Geld, um Diesel für deren Betrieb zu kaufen. Die Preise für Lebensmittel und Medikamente seien enorm gestiegen.

„USA und Russland zerstören unser Land“

Der Erzbischof ging mit den Großmächten, namentlich den USA und Russland, scharf ins Gericht: „Angesichts all dieser Zerstörung wissen wir nicht, was wir sagen oder denken sollen. Die Syrer wollen nur Dialog und Frieden. Aber das wollen die großen Staaten, vor allem die Amerikaner und die Russen, nicht, die hinter unserem Rücken unser Land und unsere Gesellschaft zerstören. Die sind nur interessiert an Erdöl, Erdgas, Wasser, Territorium, um ihre Macht und ihren Einfluss zu vermehren. Wir zahlen für den Egoismus der großen Staaten, die noch dazu behaupten, christlich zu sein.“ Seine schmerzliche Bilanz: „Das Einzige, was sicher ist: Unsere Leute werden zweimal getroffen von den Geschossen und von der Propaganda der Beteiligten. Alles Lügen, Lügen, Lügen.“

Luftangriffe eingestellt, dann wieder aufgenommen

Kampfjets hatten Sonntagfrüh den vierten Tag in Folge Rebellenbezirke in Aleppo bombardiert. Danach stellten das syrische Regime und seine Verbündeten die Luftangriffe auf die umkämpfte Stadt kurzfristig ein, um sie am Nachmittag wieder aufzunehmen. Die Armee hatte am Donnerstag vor der Wiederaufnahme der Angriffe eine Bodenoffensive angekündigt, um Aleppo vollständig zurückzuerobern. Die ehemalige Handelsmetropole ist die letzte verbliebene Großstadt in Syrien, in der Rebellen noch Gebiete kontrollieren. Mindestens 250.000 Menschen harren im belagerten Ostteil der Stadt unter widrigsten Lebensumständen aus.

Westen kritisiert Russland, UN- Sicherheitsrat tagte

Die USA, Großbritannien und Frankreich beantragten nach den erneuten Luftangriffen eine Dringlichkeitssitzung des UNO- Sicherheitsrats, der am Sonntagabend tagte. UN- Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Weltmächte dabei auf, „mehr zu unternehmen, um dem Albtraum ein Ende zu machen“. Westliche Außenminister forderten zudem von Russland ein Ende der eskalierenden Gewalt. Es liege an Moskau, die diplomatischen Bemühungen als mächtiger Verbündeter des syrischen Regimes zu retten.

In der Stellungnahme der Außenminister der USA, Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und der EU- Außenbeauftragten Federica Mogherini hieß es: „Die Geduld mit Russlands andauernder Unfähigkeit oder Unwilligkeit, sich an seine Verpflichtungen zu halten, ist nicht unbegrenzt.“ Die Ereignisse in Syrien stünden im eklatanten Widerspruch zur russischen Behauptung, eine diplomatische Lösung in Syrien zu unterstützen.

line-wordpress-long
 

ISIS has apparently been faking pictures of dead children

ISIS has apparently been faking pictures of dead children in order to gain support.

The terrorist group’s dishonesty in Iraq appears to have been exposed by journalist Haidar Sumeri.

He first tweeted a picture that apparently showed a child lying dead after being attacked.

MORE: M1 motorway closure after fuel spillageThe Middle East reporter then followed up the post with a second image where the youngster was smiling and squatting over a bloodied chicken.

‘Image widely spread of a young boy in Fallujah killed by Iraq’s forces turns out to be staged,’ he wrote. ‘How lovely.’

It appeared as if Daesh was using the blood of slaughtered chickens to stage the death of children.

ISIS has apparently been faking pictures of dead children

line-wordpress-long

JPEG - 48.7 kB
Donbass – Levante: zwei Kriege mit demselben Ziel. Mit dem Auftrag, die „neue Seidenstraße“ zu kappen, ehe sie durch Sibirien führt und über die Ukraine die Europäische Union erreicht, ist Präsident Petro Poroschenko am 21. September in den Sicherheitsrat gekommen und hat die angelsächsische Propaganda über den Krieg gegen Syrien und den Irak wiederholt, der darauf abzielt, den Verlauf der historischen „Seidenstraße“ zu unterbrechen.

Der Waffenstillstand in Syrien hat nur für die Woche des islamischen Opferfestes gehalten. Es war der x-te seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen den Vereinigten Staaten und Russland. Er hat nicht länger gehalten als dieser und als die Vorgänger.

Zur Erinnerung die Fakten: Am 12. Dezember 2003 unterzeichnete Präsident George W. Bush eine Kriegserklärung an Syrien, den Syrian Accountability Act. Nach einer Reihe von Versuchen, die Feindseligkeiten in Gang zu bringen (Gipfeltreffen der Arabischen Liga von 2004, Ermordung von Rafic Hariri 2005, Krieg gegen den Libanon 2006, Gründung der Heilsfront 2007 etc.), gingen die US-Spezialeinheiten Anfang 2011 zur Offensive über, indem sie eine Inszenierung lieferten, die darauf angelegt war, eine „Revolution“ im Inland vorzutäuschen. Nach zwei Vetos durch Russland und China im Sicherheitsrat akzeptierten die Vereinigten Staaten ein Friedensabkommen in Genf, das sie in Abwesenheit der syrischen Parteien am 30. Juni 2012 unterzeichneten.

Erste Anmerkung:
Wer behauptet, der aktuelle Konflikt sei keine Aggression von außen, sondern ein „Bügerkrieg“, kann weder die Folgen der Kriegserklärung an Syrien durch Präsident Bush im Jahr 2003 erklären noch warum der Friedensvertrag von 2012 in Abwesenheit Syriens durch die Großmächte unterzeichnet wurde.

Seit der Unterzeichnung des Friedens vor vier Jahren ist der Krieg trotz der zahlreichen Versuche von Außenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergei Lavrov, unter vier Augen zu Verhandlungslösungen zu kommen, neu aufgeflammt.

Diese vier Jahre hindurch habe ich nach und nach die Konflikte im Apparat der Vereinigten Staaten aufgedeckt (die Manöver von Jeffrey Feltman und den Generälen David Petraeus und John Allen gegen Präsident Obama und auch die Probleme im CentCom). Heute liefern sich der US-Presse zufolge die Mitarbeiter der CIA und die des Pentagon eine erbitterte Schlacht um Syrien; während Verteidigungsminister Ashton Carter öffentlich gesagt hat, er glaube nicht, dass seine Mitarbeiter das von seinem Kollegen John Kerry unterschriebene Abkommen anwenden würden, und dieser Zweifel geäußert hat über seine eigene Fähigkeit, seiner Unterschrift für sein Land Achtung zu verschaffen.

Zweite Anmerkung:
Präsident Barack Obama ist nicht nur außerstande, in den verschiedenen Abteilungen seiner Verwaltung seinen Willen durchzusetzen, es gelingt ihm auch nicht, zwischen ihnen zu schlichten. Jede Abteilung verfolgt ihre eigene Politik, und zwar gleichzeitig gegen die anderen Abteilungen und gegen äußere Feinde.

Mehrere Male haben die Vereinigten Staaten ihr Kriegsziel geändert, was ihre Politik unübersichtlich macht.
- 2001 hat Washington versucht, alle weltweit verfügbaren Öl- und Gasvorkommen unter seine Kontrolle zu bekommen, in der Überzeugung, dass wir uns einer Zeit der Unterversorgung nähern. Auf dieser Grundlage hat es Bündnispartner gegen Syrien zusammengeführt. Doch am Ende der 2010er Jahre hat es die Theorie des „peak oil“ [globales Ölfördermaximum] aufgeben und sich ganz im Gegenteil auf die energiewirtschaftliche Unabhängigkeit ausgerichtet.
- 2011 hat Washington den Aufstand von Deraa organisiert in dem Glauben, damit eine Volkserhebung auszulösen und die syrische weltliche Regierung durch die Muslimbrüder auszutauschen. Dies war das Muster des „Arabischen Frühlings“. Doch 2013, nach dem Umsturz von Mohamed Morsi in Ägypten, zog es aus dem Scheitern dieses Versuchs die Konsequenzen und gab die Idee auf, in den arabischen Ländern die Macht an die islamistische Bruderschaft zu übertragen.
- Als sich 2014 der Krieg fortsetzt, beschließt Washington, ihn zu benutzen, um die Wiederherstellung der „Seidenstraße“, das Vorhaben von Präsident Xi Jinping, zu blockieren, wodurch es genötigt ist, das „Islamische Emirat im Irak“ in Daesch umzuwandeln.
- Nach der russischen Militärintervention 2015 hat Washington, ohne das antichinesische Ziel aufzugeben, das es sich gesetzt hat, ein zweites hinzugefügt: zu verhindern, dass Moskau seine Vorherrschaft und die unipolare Organisierung der internationalen Beziehungen in Frage stellt.

Dritte Anmerkung:
Die Wechsel der Zielsetzungen wurden von den Mächten, zu deren Lasten sie gingen, zwangsläufig abgelehnt: vom Katar in Bezug auf die energiepolitischen Fragen und von den Muslimbrüdern aufgrund des Regimesturzes. Nun werden diese Akteure von einer mächtigen Lobby in den USA unterstützt: Exxon-Mobil – der weltweit bedeutendste multinationale Konzern – und die Familie Rockfeller für den Katar, die CIA und das Pentagon für die Muslimbrüder.

Auf dem Schlachtfeld bezeugen die von Russland entsandten Hilfsmittel eindeutig die Überlegenheit seiner neuen Waffen über die der Nato.

Vierte Anmerkung:
Für die Stabschefs und die gemeinsamen Kommandierenden der Teilstreitkräfte der Vereinigten Staaten (CentCom, EuCom, PaCom etc.) darf das Ende ihrer Überlegenheit in konventioneller Rüstung nicht erlauben, ihnen den Status als weltweit erste Militärmacht streitig zu machen. Das bringt sie dazu, sich bezüglich des Gebrauchs der Muslimbrüder von der CIA zu distanzieren und gleichzeitig bei der Prävention einer chinesischen Stationierung und somit bei der Unterstützung von Daesch ihr Verbündeter zu bleiben.

Die russisch-US-amerikanische Vereinbarung vom 9. September sah unmissverständlich vor, einige Gruppierungen – deren Führer von beiden Parteien als annehmbar beurteilt worden waren – von anderen Dschihadisten zu trennen [1]. Weiterhin eine militärische Koordination einzurichten, um die Dschihadisten platt zu machen. Und schließlich eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden unter Einschluss der Anführer der Gruppierungen, die abgetrennt wurden, nach dem Muster der Kommunalverwaltungen, die im 19. Jahrhundert von den europäischen Kaiserreichen dem Osmanischen Reich aufgezwungen worden waren.

Das Pentagon hat dieses Abkommen unter zwei Bedingungen akzeptiert: zuerst die Seidenstraße abzuschneiden. Das hat sie dazu geführt, die Syrische Arabische Armee in Deir ez-Zor zu bombardieren, um zu verhindern, dass Daesch früher oder später durch das Euphrat-Tal umgangen werden könnte. Dann mit den Russen zusammenzuarbeiten, aber nicht auf gleicher Ebene.

Die erste Bedingung ist eine Kriegshandlung gegen Syrien, mitten in der Waffenruhe, wodurch die Gesamtheit der internationalen Gemeinschaft verletzt wird.. Die zweite ist offensichtlich nicht akzeptabel für Russland.

Um das Verbrechen des Pentagon und Großbritanniens in Deir ez-Zor zu vertuschen, hat der britische MI6 die Angelegenheit der „Bombardierung“ eines humanitären Konvois organisiert.

In Wahrheit war dieser Konvoi von der Syrischen Arabischen Armee durchsucht worden. Er enthielt keine Waffen (oder keine Waffen mehr) und hatte die Erlaubnis, nach dem Ende der Waffenruhe abzufahren. Er war vom Syrischen Roten Kreuz, einer mit der Regierung in Damaskus verbundenen NGO, gemietet worden und war bestimmt für die von den Dschihadisten besetzte syrische Bevölkerung. Entgegen den Erklärungen des Westens ist er nie bombardiert worden, wie es die vom MI6 unter dem Etikett der „Weißhelme“ verbreiteten Bilder zeigen. Nirgendwo sieht man Krater oder Dellen in den Aufbauten. Der Kovoi ist vom Boden aus angegriffen und verbrannt worden. Die Bilder einer Drohne der russischen Streitkräfte zeigen die Anwesenheit von Dschihadisten im Augenblick des Angriffs, obwohl die Zone angeblich entmilitarisiert sein sollte.

Egal wie die Fakten liegen, die Vereinigten Staaten haben Russland angeklagt, gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben, was dies Land nicht getant hat, und obwohl sie dies soeben selbst getan hatten mit der Bombardierung der Syrischen Arabischen Armee in Deir ez-Zor. Die angelsächsische Propaganda wurde am 21. September von den Ministern und Präsidenten des westlichen Lagers, John Kerry (USA), Petro Poroschenko (Ukraine), Jean-Marc Ayrault (Frankreich) und Boris Johnson (Großbritannien) dreist wiederholt.

Letzte Anmerkung:
Die Verhandlungen zwischen John Kerry und Sergei Lavrov wurden wieder aufgenommen. Sie haben nicht die Zielsetzung, ein weiteres Mal ein Friedensabkommen zu schreiben, über das schon alles gesagt ist. Sondern dem Außenministerium bei der Überwindung der Widerstände zu helfen, auf die es im eigenen Land trifft.

line-wordpress-long

Heute starten wir mal mit einem Quiz. Was haben die folgenden militärischen Einheiten gemeinsam?

13th Division (Forqat 13)
101st Division Infantry (Forqat 101 Masha’a)
Knights of Justice Brigade (Liwa’ Fursan al-Haqq)
Falcons of the Mountain Brigade (Liwa’ Suqour al-Jabal)
Army of Victory (Jaish al-Nasr)
1st Coastal Division (Forqat Awwal al-Sahli)
Army of Glory (Jaish al-Izza’)
Central Division (Al-Forqat al-Wasti)
46th Division (Forqat 46)
Sultan Murad Brigade (Liwa’ Sultan Murad)
16th Division Infantry (Liwa’ 16 Masha’a)
Nour al-Din al-Zenki Movement, (Harakat Nour al-Din al-Zenki)
Mujahideen Army/Army of Holy Warriors (Jaish al-Mujahideen)
Revolutionaries of al-Sham Brigades (Kata’eb Thuwar al-Sham)
1st Regiment (Al-Fauj al-Awwal)
Ahmed al-Abdo Martyrs’ Force (Quwwat al-Shaheed Ahmad al-Abdo)
Al-Rahman Legion (Faylaq al-Rahman)
Martyrs of Islam Brigade (Liwa’ Shuhadah al-Islam)
Yarmouk Army (Jaish al-Yarmouk)
Lions of Sunnah Division (Forqat Usood al-Sunnah)
the 18th March Division (Forqat 18 Adhar)
Southern Tawhid Brigade (Liwa’ Tawhid al-Junoub)
Hamza Division (Forqat al-Hamza)
1st Artillery Regiment (Al-Fauj al-Awwal Madfa’a)
Syria Revolutionaries Front – Southern Sector (Jabhat Thuwar Souriya)
The First Corps (Faylaq al-Awwal)
The Dawn of Unity Division (Forqat Fajr al-Tawhid)
Salah al-Din Division (Forqat Salah al-Din)
Omari Brigades (Tajammu Alwiyat al-Omari)
Unity Battalions of Horan Brigade (Liwa’ Tawhid Kata’eb Horan)
Youth of Sunnah Brigade (Liwa’ Shabbab al-Sunnah)
Moataz Billah Brigade (Liwa’ Moataz Billah)
Sword of al-Sham Brigades (Alwiyat Saif al-Sham)
Dawn of Islam Division (Forqat Fajr al-Islam)
Supporters of Sunnah Brigade (Liwa’ Ansar al-Sunnah)
Horan Column Division (Forqat Amoud Horan)
Emigrants and Supporters Brigade (Liwa’ Muhajireen wal Ansar)
Military Council in Quneitra and the Golan
United Sham Front (Jabhat al-Sham Muwahidda)
69th Special Forces Division (Forqat 69 Quwwat al-Khassa)
11th Special Forces Division (Forqat 11 Quwwat al-Khassa)
Partisans of Islam Front (Jabhat Ansar al-Islam)
Al-Furqan Brigades (Alwiyat al-Furqan)

Antwort: Das sind unsere Verbündeten! Nicht gewusst? Dann schreiben Sie doch mal an Ihren Bundestagsabgeordneten oder an die Zeitung Ihres Vertrauens, weshalb man davon nichts hört. Stopp. Ein bisschen hört man ja doch davon. Es sind die gemäßigten Rebellen, die es endlich verdient haben, in den Focus unserer Aufmerksamkeit gerückt zu werden. Allein der Begriff „Gemäßigte Rebellen“ hat den Purlitzer-Preis verdient. Ähnlich wäre: „Mörder mit Herz“ oder „Sentimentale Killer“ usw.

Wie ging das Ganze 2011 in Syrien los? Was erzählen uns die Nachrichtenkleber und -kleberinnen? Studentenproteste wurden damals von Assad niedergeknüppelt. Das hat denen nicht gefallen, deshalb sind sie in den Keller, haben ihre Waffen geholt und bekämpfen seit dieser Zeit den „Schlächter“ Assad. Die „Studenten“ zeigen jetzt dem Assad-Regime (wie es immer so schön heißt), dass man das Schlachten viel besser kann und stellt Kostproben der hohen Kunst des Kehledurchschneidens gerne in Youtube ein, wie dieses Beispiel (nichts für schwache Nerven) eindrucksvoll zeigt. Die gesamte Bevölkerung Syriens freut sich schon jetzt wie Bolle, wenn diese neuen Herren endlich das säkulare Arschloch namens Baschar al-Assad zum Teufel gejagt haben und dann ein ordentliches Kalifat gründen. Nach der Beseitigung von Sadam Hussein und Ghaddafi haben sich ja auch deren Länder in Horte der Demokratie und Gerechtigkeit verwandelt. Der persönliche Reichtum dieser Usurpatoren wurde unter dem Volk verteilt, die Ölgewinne zum Segen der Allgemeinheit genutzt – blühende Landschaften unter kapitalistischer Sonne. Wer kennt noch das Oil for Food-Programm? Die Vorstände der Multis lachen wahrscheinlich noch heute über diese Nummer (wem gehören denn jetzt die Ölfelder? Für sachdienliche Hinweise bin ich dankbar).

Die oben genannten Schergen haben noch etwas gemeinsam: Sie bekommen alle von unserem Hegemon nicht nur reichlich Munition, sondern auch die Panzerabwehrrakete BGM-71 TOW, die verhindern soll, dass der vom Volk gewählte Präsident in diesem Land endlich wieder für Frieden sorgen kann. Da ja die Amerikaner peinlich darauf achten, dass nur die gemäßigten Halsabschneider die Waffen bekommen, müssen die darüber auch sorgfältig Buch führen – wahrscheinlich machen das die gut Gebildeten, die auch bei uns intensiv von der Industrie nachgefragt werden, falls sie sich nicht als Ärzte oder Ingenieure schon selbständig gemacht haben. In Pentagon-Englisch liest sich das wie folgt: „In order to prove the rebel groups are not selling them or giving them away, each launch must be recorded“ (um zu beweisen, dass diese von den Rebellen nicht verkauft oder weggegeben werden, muss jeder Abschuss dokumentiert werden). So, jetzt können wir uns alle entspannt zurücklegen. Alles ist bestens. Wahrscheinlich kommt hin und wieder der Revisor von der CIA und sieht nach dem Rechten und macht dann ein Häkchen auf seinem Voucher. Notfalls ändern die Banditen auch ihren Namen, um am Geschäftsmodell „Syrische Opposition“ mitmachen zu können, sagt Antoine Audo, der chaldäische Bischof von Aleppo – so lange er noch was zu sagen hat.

Keine Ahnung, wie viele Halsabschneider-Videos im Internet zu sehen sind. Sie haben alle eines gemeinsam. Das Killen wird immer mit Allahu Akbar untermauert. Wahrscheinlich lauter bedauerliche Einzelfälle, die nichts mit dem Islam zu tun haben. Diese Banditen, gut gepampert von unseren Hauptverbündeten, sind der Garant für den baldigen Frieden in Nahost.

So, jetzt könnt Ihr Euch wieder hinlegen!

P.S. Macht Euch mal den Spass und zählt auf dieser Seite der gemäßigten Rebellen das Wort „democracy“ und dann „islam“ (Windowstaste + F3). Ihr werdet erstaunt sein. Es ist doch schon merkwürdig, dass von diesen verbündeten Gruppierungen keine einzige „Demokratie“ als Ziel hat.

Manchmal gibt es Zufälle, die zeigen, wie wir in Syrien verarscht werden. Man lese diese aufschlussreiche Mitteilung.

line-wordpress-long

Es war die siebte Reise meines Sohnes Frederic und mir in das Bürgerkriegsland Syrien. 13 Tage waren wir dort. Mit Worten lässt sich das Ausmaß der Zerstörungen und des Leids auf beiden Seiten kaum noch beschreiben.

Das Interview haben wir vor zehn Tagen geführt mit einem Kommandeur der Al Kaida-Filiale „Jabhat Al Nusra“. Abu Al Ezz berichtet sehr offen über seine Geldgeber Saudi-Arabien, Katar und Kuwait. Wir haben die Identität des Mannes genau recherchieren können und wissen praktisch alles über ihn.

Das Interview wurde über einen Rebellen aus Aleppo arrangiert. Ich habe seit Jahren Kontakte zu syrischen Rebellen. Es fand außerdem in einem Steinbruch in Aleppo in unmittelbarer Sicht-und Schussweite von Jabhat al Nusra statt, den nur ein Mitglied von Al Nusra gefahrlos erreichen konnte.

Seine Kämpfer waren teilweise nicht maskiert, d.h. leicht identifizierbar. Ein Teil seiner Aussagen wurde darüber hinaus kurz darauf vom Mufti von Aleppo fast wörtlich bestätigt, andere Voraussagen über das Desinteresse der Rebellen an einem Waffenstillstand und an internationalen Hilfskonvois haben sich ebenfalls bestätigt. Genauso wie seine Vorhersagen über geplante militärische Aktivitäten in mehreren Städten Syriens.

Abu Al Ezz, Kommandeur, sagte über Jabhat al Nusra (Al Kaida): „Wir sind ein Teil von Al Kaida. Unsere Prinzipien sind: Bekämpfung der Lasterhaftigkeit, Ehrlichkeit und Sicherheit. Unsere Angelegenheiten und unser Weg haben sich geändert. Zum Beispiel gewährt uns jetzt Israel Unterstützung, da Israel sich im Krieg mit Syrien und mit der Hisbollah befindet.

Auch Amerika hat seine Meinung über uns geändert. Eigentlich waren der „IS“ und wir eine Gruppe. Aber der „IS“ wurde entsprechend den Interessen der großen Staaten wie etwa Amerika für politische Zwecke benutzt. Und von unseren Prinzipien weg gelenkt. Die meisten seiner Führer arbeiten mit Geheimdiensten zusammen, das ist uns klar geworden. Wir, die „Al Nusra-Front“, haben unseren Weg. Sie waren früher mit uns, sie waren unsere Unterstützer.

Unser Ziel ist der Sturz des diktatorischen Regimes, des Tyrannen-Regimes, des Regimes der Abtrünnigen. Unser Ziel ist auch die Durchführung von Eroberungen, wie sie [der große arabische Feldherr] Khaled Ben Al Walid gemacht hat. Erst in der Arabischen Welt und dann in Europa.“

Das Interview von Jürgen Todenhöfer mit dem Rebellen-Kommandanten Abu Al Ezz

Jürgen Todenhöfer: Wie ist die Beziehung zwischen Ihnen und den USA? Unterstützen die USA die Rebellen?

Abu Al Ezz: Ja, die USA unterstützen die Opposition, aber nicht direkt. Sie unterstützen die Länder, die uns unterstützen. Aber wir sind mit dieser Unterstützung noch nicht zufrieden. Sie sollten uns mit hochentwickelten Waffen unterstützen. Wir gewannen die Kämpfe dank der „TOW“-Raketen. Wir haben durch diese Raketen ein Gleichgewicht mit dem Regime erreicht. Die Panzer haben wir aus Libyen über die Türkei bekommen. Auch die „BMs“ -Mehrfachraketenwerfer. Das Regime übertrifft uns nur mit seinen Kampfflugzeugen, Raketen und Raketenwerfern. Wir haben einen Teil ihrer Raketenwerfer erbeutet und einen großen Teil aus dem Ausland bekommen. Aber wir haben durch die amerikanischen „TOW“-Raketen die Lage in einigen Gebieten unter Kontrolle.

Wem haben die USA die Raketen gegeben, bevor sie zu Euch gebracht wurden? Haben die USA diese Raketen zunächst an die Freie Syrische Armee gegeben und wurden sie von dort an Euch weitergegeben?

Nein, die Raketen wurden uns direkt gegeben . Sie wurden an eine bestimmte Gruppe geliefert. Als die ‚Road‘ gesperrt war und wir belagert wurden, hatten wir Offiziere aus der Türkei, Katar, Saudi Arabien, Israel und Amerika hier.

Was machten diese Offiziere?

Experten! Experten für die Nutzung von Satelliten, Raketen, Aufklärungsarbeiten und thermischen Überwachungskameras . . .

Gab es auch amerikanische Experten?

Ja, Experten aus mehreren Ländern

Auch Amerikaner?

Ja. Die Amerikaner stehen auf unserer Seite, aber nicht so, wie es sein sollte. Zum Beispiel wurde uns folgendes gesagt: Wir müssen das „Bataillon 47“ erobern und einnehmen. Wir haben von Saudi-Arabien 500 Millionen syrische Pfund bekommen. Für die Übernahme der Infanterie-Schule in „Al Muslimiya“ vor Jahren bekamen wir aus Kuwait 1,5 Millionen kuwaitische Dinar und aus Saudi Arabien fünf Millionen Dollar.

Von den Regierungen oder von Privatpersonen?

Von den Regierungen.

Der Kampf ist schwierig, das Regime ist stark und bekommt Unterstützung aus Russland . . .?

Wir werden kämpfen bis zum Sturz des Regimes. Wir werden Russland und den Westen bekämpfen, da der Westen nicht auf unserer Seite steht. Der Westen schickt uns nur Mujahedin, er erleichtert diesen Kämpfern den Weg. Warum unterstützt der Westen uns nicht richtig? Wir haben viele Kämpfer aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Amerika, aus allen westlichen Ländern.

Sie haben Kämpfer aus Europa in Aleppo bei der „Al Nusra-Front“?

Viele, viele, viele!

Wieviel?

Viele.

Wie denken Sie über den Waffenstillstand?

Wir erkennen den Waffenstillstand nicht an. Wir werden unsere Gruppen umverteilen. Wir werden in den nächsten, in wenigen Tagen einen überwältigenden Angriff gegen das Regime durchführen. Wir haben unsere Streitkräfte in allen Provinzen in, Homs, Aleppo, Idlib und Hama umgruppiert.

Sie wollen nicht, dass die 40 LKW die Hilfslieferungen in den östlichen Teil von Aleppo bringen?

Wir haben Forderungen: Solange sich das Regime entlang der Castello Road, in Al Malah und in den nördlichen Gebieten befindet, werden wir diese LKW nicht hereinlassen. Das Regime muss sich aus allen Gebieten zurückziehen, damit wir die LKW reinlassen. Wenn ein LKW trotzdem rein fährt, werden wir den Fahrer verhaften.

Warum haben sich einige Ihrer Gruppen einen Kilometer oder 500 Meter von der Castello Road zurückgezogen?

Das Regime hat gegen uns hochentwickelte Waffen verwendet. Wir haben einen Rückschlag erlitten. Daher haben wir uns stillschweigend zurückgezogen, um uns zu erholen und das Regime erneut angreifen zu können. Aber dieser Angriff muss zum Sturz des Regimes führen.

War das als ein Trick, also eine militärische Taktik?

Ja, das war militärische Taktik.

War das Ziel der militärischen Taktik der Erhalt von Nahrungsmitteln oder die Umverteilung von Kämpfern?

Wir waren mit dem Waffenstillstand nicht einverstanden.

Gilt das nur für die „Al Nusra-Front“ oder für alle anderen Gruppen, also Ihre übrigen Verbündeten?

Das ist gültig für alle mit uns integrierten Gruppen, die unsere Verbündeten sind.

Islamische Front, Islamische Armee?

Die sind alle mit uns. Wir alle sind die „Al Nusra-Front“. Eine Gruppe wird gebildet und nennt sich „Islamische Armee“, oder „Fateh Al Scham“. Jede Gruppe hat einen eignen Namen, doch der Glaube ist einheitlich. Der generelle Name ist „Al Nusra-Front“. Eine Person hat z.B. 2000 Kämpfer. Dann bildet sie aus dieser eine neue Gruppe heraus und nennt diese „Ahrar Al Scham“. Brüder, deren Glaube, Gedanken und Ziele identisch mit der „Al Nusra-Front“ sind.

Ist das Ihre eigene Meinung oder auch Meinung der höheren Führungsebenen?

Das ist die allgemeine Meinung. Aber wenn ein Mensch zu Ihnen kommt und aus Dir einen ‚moderaten Kämpfer‘ macht und Dir Essen und Trinken anbietet, akzeptieren Sie das oder nicht?

In diesem Krieg wurden 450.000 Menschen getötet. Ich war in Aleppo und Homs. Viele Teile sind zerstört. Wenn der Krieg weiter geht, wird das ganze Land zerstört. Millionen werden sterben ……In Deutschland hatten wir einst den ’30-jährigen Krieg’…

Wir sind seit nur 5 Jahren im Krieg, das ist im Vergleich wenig!

Würden Sie jemanden aus dem Assad-Regime in einer Übergangsregierung akzeptieren?

Wir akzeptieren niemanden aus dem Assad-Regime oder von der Freien Syrischen Armee, der als moderat bezeichnet wird. Unser Ziel ist der Sturz des Regimes, und die Gründung eines islamischen Staates gemäß der Islamischen Scharia.

Die Leute von Aloush, die zur Verhandlung nach Genf gereist sind, haben eine Übergangsregierung akzeptiert.

Es gibt in Syrien Söldner. Aloush kämpft mit der „Al Nusra-Front“. Die Gruppen, die die Türkei aufgenommen hat und aus denen sie eine moderate Freie Syrische Armee gemacht hat, waren vorher mit der „Al Nusra-Front“. Diese Leute sind schwache Menschen, sie haben viel Geld bekommen, sie haben sich verkauft. Sie müssen die Befehle ihrer Unterstützer durchführen.

Die „Islamische Armee“ und die „Islamische Front“ verhandeln in Genf.

Weil ihre Führer im Westen produziert wurden. Sie werden von den westlichen Geheimdiensten und von Geheimdiensten der Golfstaaten betreut und bezahlt, damit sie die Ziele dieser Länder verwirklichen. Wir sind hier auf der vordersten Beobachtungsstation im Gebiet „Scheikh Said“. Dieses Gebiet ist unter unserer Kontrolle. Hinter den Häusern und in Al Majbal sind die Regime-Soldaten. Unsere Streitkräfte sind 200 Meter von hier entfernt.

line-wordpress-long
Journalist Jurgen Todenhofer fabricates Nusra Front's interview

Writing by Ethar Abdulhaq

(Zaman Al Wasl)- The German journalist Jurgen Todenhofer broadcasted a video recording which he described as the most difficult interview he has ever conducted in Syria. The interview took place 10 days ago with a commander from al-Nusra Front, as he called, who spoke honestly of Washington’s support for the Front subordinate to al-Qaeda.

In his introduction of the video, Todenhofer claimed that his meeting was just a participatory attempt to understand what is happening in Syria, and explain to Western politicians “who support al-Qaeda and its allies in Syria.”

 

 

Zaman al-Wasl followed this meeting and emerged with the impression that Abu al-Aaz whom Todenhofer situated as a commander in al-Nusra Front is nothing more than an agent of the al-Assad regime. From his looks and his manner of speaking he appears as an intelligence assistant which the description Syrians give to known regime agents regardless of their rank or job.

Slippers

Zaman al-Wasl scrutinized the details of the meeting and focused on Abu al-Ez’s movements, and his choice of words which was completely distinct to al-Qaeda’s speech and the speech of all Islamic organizations generally.

The first noticeable thing about Abu al-Ez is his manner of wearing his military gear and placing a hand grenade and wireless device on his chest which is the more common way of wearing it among regime soldiers and officers in contrast to the Jihadist organization commanders who do not appear in this manner.

A hanging belly, an over shirt that tapers at a white pair of trousers which have never seen the dust of battle! In addition to the slippers which we could not understand the photographer’s reason for emphasizing the slippers, and there is no meaning to this explanation other than it proving that he is a member of the regime forces known commonly by Syrians as “the slipper army.”

All these details which we extracted from the report wane before two other details. The first is Abu al-Ez placing a copy of the Quran above the ground at a level approximate to or a little lower than the level of Todenhofer’s and Abu al-Ez’s feet without any feeling of embarrassment. Secondly, Abu al-Aaz wore a gold ring on one of his fingers which he waved in front of the camera.

And from the cliché visual performances which Todenhofer, his guest Abu al-Ez and whomever arranged their meeting fell into, Zaman al-Wasl will move on to another level analyzing Abu al-Ez’s speech to clarify without an arguable doubt the extent of his contradiction, the stupidity of his claims, and naivety to the extent that only two main sections could believe him. The first believe the lie because they benefit from it and the section who are detached from reality and know nothing about Syria or the regime or Jihadist organizations where they believe any person speaking on the basis they are Islamic although his discourse lacked any Islamic terms.

Abu Al-Ez said at the start of the interview in a direct manner, “we are part of al-Qaeda, it is our principles which means it is right and truthful.” Then he naively and directly moves to say, “now (about) Israel…. Israel gives us assistance, because it has a part in wars with for example, with Syria with Hezbollah… with.”

Abu al-Ez moves on to confirm al-Nusra’s- al-Nusra and not Fatih al-Sham- relationship with Islamic State which he referred to as Daesh. He said, “we are, I told you, we are one chapter, but in al-Nusra, meaning Daesh was used for political issues, meaning they diverted it from our principles.”

Then Abu al-ez moves further and further out of context, like a freight train at high speed. He used terms outside the Islamic movements dictionaries (dictatorship, Arab world, strategy… for example). He spoke of Khalid Bin al-Walid, and does not precede his name with the title al-Sahabi, and does not follow it with the phrase (may Allah be pleased with him). He said, “our aim is to overthrow the dictator regimes, the tyrannical regimes, and apostate regimes, and perform conquests as Khalid Bin al-Walid did in the past, do (conquests) in the Arab world and move to Europe.”

Screaming Contradictions

To complete the circle of killer hiccups and mishaps, Todenhofer directed a question to his guest to the effect, “does the United States provide you with support?” Abu al-Ez responded simply clarifying that the United States, “supports the countries that support us,” claiming with all audacity that Washington presents them with direct support by exporting them, “more developed weapons than this.” He continued, “we gained the battle with the missiles they gave us, meaning we took a good strategy (!) with the regime, meaning we have equivalence, and the tanks which came to us (they provided us)… tanks come to us from Libya through Turkey.” He then repeated confirming the importance of the American Tao missile in controlling some battles, claiming that these missiles came directly to al-Nusra Front and were not confiscated from some of the Free Syrian Army factions.

He continues with the same naivety as if he is reading from a book disseminated by the political administrative in the regime army, “we have officers Turkish, Qatari, Saudi, Israeli, American… the Americans are standing with us, but not in the way it should (not as they should).”

Abu al-Ez proposed numbers for the financial sums al-Nusra leaders are receiving and of them 500 million received from Saudi Arabic to support the control of the 47 regiment, one million and a half support from Kuwait to take control of the infantry school, and an additional 5 million US Dollars from Saudi Arabia. It must be noted that the actors who liberated the infantry school is known to everyone.

Abu al-Ez contradicted himself and dropped the scenario he prepared into another whole when Todenhofer warned him of the difficulty of battle and the escalated difficulties and the Russian support for the regime. He responded, “we want to fight Russia, and we want to fight the West, because the west is not standing with us… the west is sending us Jihadists and… (stammers) facilitating them crossing over to us… why did not support us (he pronounces it in Fusha Arabic),” as if Abu al-Ez is depending on his audience having a memory shorter than a fish’s when he had just admitted western cooperation and support for them, including Israel!
Abu al-Ez continues, “we have many Jihadists, there some from Germany (he mentioned it first to honor his guest is appears), from Britain, from American, from all the countries…”

Abu al-Ez promised to launch a destructive attack on the regime, to not commit to the ceasefire also indicating that they do not allow the entrance of aid trucks continuing, “any truck which enters, the driver will be arrested.”

Abu al-Ez said that regime hit them with “strong” weapons, continuing, “we now have the trusteeship, we now have collapse,” promising to regroup their forces and attack once more to overthrow the regime.

With the answer of someone who memorized the answer, Abu al-Ez said that all the factions merged with al-Nusra including Jaish al-Islam, the Islamic Front… with the knowledge that the Islamic Front is a theoretical organization that does not exist in reality especially after the disbanding of the al-Tawhid Brigade.

Abu al-Ez did not forget to indicate that all the factions are cut from the same cloth and doctrine and the difference is in their names only.

Todenhofer then asked an objecting and demonstrative question about Mohammad Alloush one of the big negotiators in the Geneva negotiations, but it appeared as a meditative question from Bashar al-Jaffari more than a journalistic question.

Todenhofer inquired of his guest about Alloush, so he responded, “we are the extremes called mercenaries, we are Alloush and no Alloush. Did he fight with al-Nusra Front, we are the faction which Turkey took, and made the moderate Free Army, they were with us, they were with al-Nusra, but they are weak souls, they work for those who pay them more money, they work as those countries want to, meeting their demands.”

Abu al-Ez described the commanders of Jaish al-Islam and the Islamic Front as western productions, forgetting that he had said a few minutes before that they and others are merged with al-Nusra Front and only differ in terms of name.
From Todenhofer’s Record

Zaman al-Wasl previously published a report about the German journalist Jurgen Todenhofer, a former member of the German parliament as part of the German Christian Democratic Union Party who was described, based on facts and leaks, as “the favorite journalist with Bashar al-Baghdadi (Islamic State Head).”
Todenhofer is known as the first western journalist who Islamic State granted the right to enter is territories in Syria and Iraq based on a security deed which allowed him to move around the lands of Caliph without being subject to anyone in contrast to ISIS’s usually treatment of journalists.

Two years before Todenhofer obtained ISIS’s approval, he obtained the regime’s approval! In July 2012, he conducted an interview with Bashar al-Assad in Damascus. Emails leaked from the regime archive (published by Now newspaper in 2015) shows the series of hot emails exchanged between Todenhofer and Shahrazad al-Jaffari whom he called the Princess of the Middle East.

The German journalist repeatedly congratulated Shahrazad on her supposed success in improving the image of Bashar al-Assad and he encouraged the regime authorities and Bashar saying that he “is doing well,” and he “is the only leader” able to provide, “a stable, modern, and democratic future” for Syria.
In the following some of the excerpts listed in chronological order:
6 December 2011
From: Jurgen Todenhofer
To: Shahrazad al-Jaffari (she forwarded it to Bashar al-Assad)

Text:

Dear princess of the middle east!

What a grea idea, let us make Syria the democratic chief of the Arab world and I will spend the time available to me there- in the greatest country with the greatest princess.
What about our interview with the president? It is very important that we show his motivation and his reality. Do no give up!

Here I am under heavy fire because I wrote some articles and and exhibited with Julia a film with over two million Germans saw- trying to be objective. I said that he (Bashar) is the only person qualified to find a peaceful road towards democracy. In this historical hour. Also time is running out fast- also with respect to the interview. It will be a great opportunity to see you.
Yours truly
Jurgen

16 December 2011
From: Shahrazad al-Jaffari
To: Bashar al-Assad
Text

Hello!
I hope you know on the tennis court today! You should be professional by now. I met Qaftan yesterday and he was completely satisfied with Jurgen Todenhofer the German thinker. He said he has an influence on prevalent thought about Syria if it arrives in Germany. Many interviews are done with him and yesterday he wrote an article that was published by seven major newspapers. He expressed many positive comments about your person and about Syria as a country!! I am very happy about that!!

18 December 2011
From: Jurgen Todenhofer
To: Shahrazad al-Jaffari (forwarded to Bashar al-Assad)
Text:
My dear Shahrazad

How are you? I hope you are exhausted by all the German journalists coming today to Syria. But this is the correct strategy to open your country to international press. Here in Germany articles, even television reports are becoming more objective, and this is your success too. So continue what you are doing!
[…]

I have received many criticisms in Germany claiming that I am very friendly with the president (Bashar) and I do no criticism him enough. But this is life.
I have some great ideas for you and your country. But alas emails are not confidential enough, so I will wait until I met you in South Tyrol or in Damascus.
I hope you have a great week with all those great journalists.
Yours,
Jurgen

21 December 2011
From: Jurgen Todenhofer
To: Shahrazad al-Jaffari (forwarded to Bashar al-Assad)

Text:

There is a very important objective article from Avenarius! You must get it translated from the German embassy and disseminated it to your people! Even your president! Keep inviting new journalists even if they are at times critical. Yesterday I read some smart statements by your minister of foreign affairs about future Syria as a democratic example. Very good!
My greetings to you from snow covered Munich!
Jurgen
16 January 2012
From: Jurgen Todenhofer
To: Shahrazad al-Jaffari (forwarded to Bashar al-Assad)

Text:
My dear princess Shahrazad,
Congratulations on the general amnesty. This is the correct strategy!! Your president is doing very well-congratulations.
Yours,
Jurgen

29 January 2012
From: Jurgen Todenhofer

To Shahrazad al-Jaffari (she forwarded it to Bashar al-Assad)

Text:

Hello princess,

I am delighted in my correspondence with you. Freddy is also infatuated. We all miss you. Please give my warm regards to your president if you would. Some in Germany want to kill me because of the interviews I did regarding Syria. The claims are tangible. But they want the killers to wear your army’s military outfit so your government is accused of killing me. Beautiful no? but this time we must really do something amazing together, something that will destroy the satanic strategy western countries and Aljazeera are following. You know that is only possible with him. It will be the best interview he does in his life- and it will be distributed all over the world.

He is the only leader able to give your country a stable, democratic, and modern future without any control form outside. This must be clarified to the world and to your people.

Let us do it then. There is nothing stronger than an idea when its time has come. Time is on our side now. So please fight for him and for your country!
Yours
Jurgen from Cairo

A Jewish proposition and confidential details

Other than Jaber and Todenhofer, a group of electronic emails were leaked, some of them Shahrazad al-Jaffari wrote to Bashar al-Assad in August 2011 informing him of the discussion during her meeting that morning with doctor Alon Ben-Meir, an Israeli academic in New York University who writes fiercely in newspapers about political affairs in the middle east, and a previous participant in peace negotiations between Syria and Israel.

During the meeting the two discussed (al-Jaffari and Ben-Meir) what appeared to be a proposal to send a group of international students and research center analysts to Syria. The following is Shahrazad’s email to Bashar al-Assad about the issue:
12 August 2011
From: Shahrazad al-Jaffari
To: Bashar al-Assad

Text:
I hope you are well. This morning I studied the proposal with Professor Alon Ben-Meir. He is a well-known professor teaching politics in New York University. He found (it) very important and he will work on it during the end of the week. He underwent a surgical operation a few days ago and he promised to put a detailed proposal including all the details which he will present to Leen. He believes, and I agree with him, that we should include in the delegation: students (masters and doctoral level), some high ranking members of important research centers such as CFR (Council for Foreign Affairs), and The Century Foundation, and the total number will be 15 in total.

I propose we provide the suitable ground for such a visit versus American political policies towards Syria, and that we keep the situation calm in the country for a few days whereby the announcement of the visit will have positive influence. He believes that our opinion about the political events will guarantee the success of the visit.
There are some confidential details that I would like to explain to you over the phone.

He is Jewish which gives the issue a degree of importance
Thank you.

line-wordpress-long

Finian Cunningham
30. August 2012

Platziert neben Irans Führer Mahmoud Ahmedinejad am Tag, als Iran den Vorsitz der NAM von 120 Ländern übernahm, konnte die Anwesenheit von Ban als ein Schlag gegen die Machenschaften der USA und ihrer westlichen Alliierten, einschließlich Israel gesehen werden. Aber, anstatt eine deutliche Erklärung der Unterstützung für Iran abzugeben, zeigte der altgediente südkoreanische Diplomat sein wahres Gesicht als eine servile Marionette des amerikanischen Imperialismus.

In den Wochen vor dem 16. Gipfel der NAM hatte Washington den UN-Chef aufgefordert, die Einladung zur Konferenz in Teheran abzulehnen. Als Ban in der vergangenen Woche ankündigte, dass er gehen würde, war die US-Regierung offenbar verärgert und nannte seine Entscheidung „ein wenig seltsam“.

Der Premier Israels Benjamin Netanyahu war vorhersehbar schriller und verurteilte Bans Besuch im Iran als „einen großen Fehler“. Mit typisch vulgärer und provokativer Sprache griff Netanyahu später den NAM-Gipfel als „einen Schmutzfleck für die Menschheit“ an.

Was die USA und ihre westlichen Alliierten am meisten vom NAM-Gipfel fürchteten, war eine globale Darstellung von Goodwill und Solidarität mit dem Iran.

Seit nunmehr mehr als 30 Jahren hat die USA ein riesiges politisches Kapital in eine globale Kampagne zur Verteufelung Irans investiert, hat die Islamische Republik als „Schurkenstaat“ verurteilt, als Förderer des „internationalen Terrorismus“ und in den vergangenen 10 Jahren als „eine Bedrohung des Welt-Friedens“ durch angebliche Atombombenentwicklung.

Insbesondere die USA, England und Frankreich haben ständig den Mantel der „internationalen Gemeinschaft“ beansprucht, um Iran zu tyrannisieren und behaupteten, dass es „sein Verpflichtungen breche“.

Beim Versuch, Iran als „Paria-Staat“ darzustellen, ist es diesen Mächten mit Israel teilweise gelungen, die Wirklichkeit auf den Kopf zu stellen und sich das Recht zu nehmen, Iran mit einem Präventivschlag zu drohen und lähmende Wirtschaftssanktionen zu verhängen.

Doch ist die Anwesenheit von 120 Ländern in Teheran in dieser Woche – zwei Drittel der UN-Vollversammlung – ein klares Signal der internationalen Gemeinschaft, dass die westliche Verleumdungskampagne entschieden zurückgewiesen wird.

Die Mehrheit der Völker der Welt sieht ganz klar Iran nicht als einen Schurkenstaat oder als Bedrohung des Weltfriedens an. Tatsächlich ist die Billigung von Irans Vorsitz der NAM für die nächsten drei Jahre die Verteidigung des Rechtes des Landes, sich zu den eigenen Bedingungen zu entwickeln, also auch zur Entwicklung friedlicher Atomtechnologie.

Auf einen Schlag hat der NAM-Gipfel Washingtons politisches Kapital der Herabsetzung und Isolierung Irans als wertlos abgetan. Die bloße Anwesenheit des UN-Chefs ganz oben bei der Konferenz in Teheran und die Ernennung Irans als neuen Führer der Blockfreien Bewegung miterleben zu müssen, war teilweise ein symbolisches Vertrauensvotum.

Aber dann hat Ban in seiner Rede eine schändliche diplomatische Offensive ergriffen. Er hat bewusst jene angegriffen, die „den [Nazi] Holocaust leugnen“ und die die Zerstörung des zionistischen Staates fordern. Ban trat für „Israels Existenzrecht“ ein ohne ein Wort der Verurteilung von Israels jahrzehntelanger Verbrechen gegen die Menschlichkeit am Volk von Palästina und seiner Verletzung der zahlreichen UN-Resolutionen. Auf diese Weise bot der UN-Boss die fadenscheinige westliche Propaganda feil, die Irans prinzipielle Opposition gegen die Verbrechen des zionistischen Staates zu beschmutzen versucht.

Ban fuhr fort, bankrotte westliche Verleumdungen von Irans atomaren Rechten zu verbreiten. Er sagte, dass Iran den Vorsitz der NAM nutzen müsse, um seine friedlichen Absichten zu zeigen, die Ängste zu zerstreuen, dass es Atomwaffen entwickle und positiv mit der Atomenergiebehörde zusammenzuarbeiten und mit der vom Westen beherrschten P5+1-Gruppe – die Gruppe, die jeden Schritt nutzte, böswillig ein Verhandlungsergebnis mit dem Iran zu untergraben.

Die Frage ist: auf welchem Planet hat Ban gelebt? Tatsache ist, dass Iran alles getan hat, der IAEA zu entsprechen und seine Verpflichtungen des Nicht-Verbreitungs-Vertrags zu erfüllen. Iran hat ständig seine friedlichen atomaren Absichten und Verpflichtung gegenüber dem NPT demonstriert – im Gegensatz zu den Westmächten und ihrem zionistischen Atom- Verbrecherstaat. Just in dieser Woche hat Iran sogar die NAM-Mitglieder eingeladen, die Atomanlage in Natanz zu besuchen – eine niedagewesene Offenheit.

Dass Ban an dem Tag, wo Iran die Präsidentschaft der NAM übernimmt, solch unbegründete, skurrile Verdächtigungen gegen den Iran richtet, ist eher ein Zeichen seiner widerlichen Servilität vor den West-Mächten – und sie unterstreicht die Notwendigkeit für eine totale strukturelle Reform der UNO, um sie demokratisch verantwortlich zu machen.

Noch bezeichnender war, was Ban in seiner Rede nicht gesagt hat. Anders als in seinen deutlichen Sticheleien gegen den Iran, benutzte er vage Worte bei der Verurteilung der Gewalt in Syrien, obwohl die Beweise gegenwärtig überwältigend sind, dass die USA, England, Frankreich und ihre türkischen, israelischen und Golfstaaten-Alliierten offen internationales Recht brechen und einen verdeckten Aggressionskrieg im Land entfachen.

Gerade in dieser Woche enthüllte ein US-Kongress-Bericht, dass die USA verantwortlich ist für beinahe 80% aller globalen Waffenverkäufe 2011 – im Wert von 66 Mrd. $ – eine Zahl, die sich in den vergangenen Jahren verdreifachte.

Die Hälfte dieses Handels mit Waffen und Tod haben die USA mit den Golfmonarchien abgewickelt, die dann die Waffen nach Syrien einschleusen. Kein Wort der Verurteilung von Ban.

Auch hat sich der UN-Boss nicht zur Verurteilung der illegalen Wirtschaftssanktionen aufgerafft, die Washington und ihr Klüngel imperialistischer Alliierten Iran auferlegt haben – Sanktionen, die tatsächlich eine Kriegshandlung sind und boshaft dem iranischen Volk Entbehrungen auferlegen, auch Tausenden von Leuten, die wichtige Medizin benötigen.

Auch hat Ban nicht den geheimen Krieg der Sabotage und Ermordung von iranischen Wissenschaftlern verurteilt; einige leidtragende Mitglieder der Familien waren anwesend, als er sprach.

Eine weitere verwerfliche Unterlassung des UN-Chefs war das Lob der pro-Demokratie-Bewegung des Arabischen Frühlings. Er nannte mehrere Länder beim Namen, aber hat natürlich nicht Bahrain genannt, obwohl dort die Menschen täglich seit Beginn ihres Aufstandes im Februar 2011 täglich ermordet und eingesperrt werden. Die Westmächte und ihre Mainstreammedien erwähnen nicht die Vergehen ihres despotischen Alliierten Bahrain an Frauen und Kindern. Folglich tut es auch Ban Ki-moon nicht.

Er ergeht sich lieber in herabsetzenden und grundlosen Anspielungen gegen Iran und vertuscht schamlos die westlichen Verbrechen der Aggression gegen Palästina, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, Iran und den ständigen Morden Unschuldiger in Pakistan, Somalia und Jemen.

NAM steht für Solidarität gegen imperiale Aggression. In seiner Ansprache vor der NAM handelte Ban Ki-moon als Botschafter-Marionette seiner westlichen Herren. Zur Reformierung der UNO sollte die Blockfreien-Bewegung von nun an sicherstellen, dass in Zukunft jeder UN-Chef wirklich die Sorgen und Ängste der Weltmehrheit repräsentiert und nicht ein diplomatischer Verkäufer im Auftrag imperialistischer Mächte ist.

http://www.neopresse.com/politik/naherosten/nam-gipfel-ban-ki-moons-widerlicher-auftritt-als-us-marionette/

line-wordpress-long

Dienstag, 27.09.2016   16:00 Uhr

Es ist offenbar der schwerste Angriff seit Beginn der neuen Militäraktion gegen Rebellenstützpunkte in Aleppo. Die Armee des syrischen Diktators Baschar al-Assad hat am Dienstag eine großangelegte Bodenoffensive gestartet.

An vier Orten seien Stellungen der Rebellen gleichzeitig angegriffen worden, berichtete ein hochrangiger Vertreter der Aufständischen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Truppen bewegen sich nach Angaben eines regierungstreuen Milizenkommandeurs unter Führung einer Eliteeinheit in gepanzerten Fahrzeugen auf Rebellengebiete im Osten der Stadt zu. Auch aus dem Südwesten der Stadt wurden Gefechte gemeldet.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, Syriens Armee sei bei heftigen Kämpfen in Aleppos Altstadt vorgerückt und habe dort zwei oder drei Gebäude eingenommen. Es handele sich bisher nicht um einen strategisch wichtigen Erfolg. Aus syrischen Militärkreisen hieß es hingegen, die Armee habe das Viertel Al-Firafara nahe der Zitadelle Aleppos eingenommen.

Seit dem Scheitern einer Feuerpause gehen die Regierungstruppen mithilfe der russischen Luftwaffe und iranischer Kämpfer wieder verstärkt gegen die Aufständischen in Aleppo vor. Ziel ist es, die Rebellen in der früheren Handelsmetropole endgültig zu besiegen.

Die heftigen Bombenangriffe durch russische Kampfflugzeuge stoßen immer wieder auf internationale Kritik. Zum Einsatz kommen zum Beispiel auch Bomben, die auch Bunker zerstören können. Seit Donnerstag sollen in Aleppo Hunderte Menschen ums Leben gekommen sein, Dutzende davon Kinder.

Die Weltgesundheitsorganisation forderte einen Korridor, um verletzte und kranke Menschen aus den umkämpften Gebieten in Sicherheit zu bringen. Nur noch 35 Ärzte befänden sich in den belagerten Stadtvierteln, in denen mindestens 250.000 Menschen lebten.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, drängte angesichts der dramatischen Lage in Aleppo auf eine sofortige und mehrtägige Waffenruhe. Er sei „entsetzt“, dass sich vor den Augen der Weltöffentlichkeit „eine beispiellose humanitäre Katastrophe“ abspiele, sagte Seiters der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Eine längere Kampfpause sei dringend erforderlich, um die Zivilbevölkerung zu versorgen. Seiters nannte es „beschämend“, wie sich die politischen Akteure gegenseitig die Schuld an der militärischen Eskalation in Syrien zuschieben.

Merkel zweifelt an Flugverbotszone

Angesichts der eskalierenden Kämpfe um Aleppo zweifelt Kanzlerin Angela Merkel an einer Flugverbotszone. Wegen des brutalen Vorgehens gegen die Bevölkerung müsse man immer wieder versuchen, einen Waffenstillstand zu erreichen, sagte Merkel am Dienstag in Berlin. „Ich selbst bin skeptisch, dass man im Augenblick … sofort eine Flugverbotszone durchsetzen kann.“

Zugleich wies sie den Regierungen in Damaskus und Moskau die Verantwortung für die Kämpfe zu. „Es ist ganz eindeutig an dem Regime von Assad und auch von Russland, einen Schritt zu gehen, damit die Chancen für einen Waffenstillstand und eine humanitäre Versorgung wieder besser werden.“ Nur mit Gesprächen komme man voran. „Wir haben hier in den letzten Tagen einen tiefen, tiefen Rückschlag erlitten“, kritisierte die Kanzlerin.

line-wordpress-long

Seit einem Jahr bombardiert Russland Syrien, Präsident Putin inszeniert einen Anti-Terror-Kampf. Kritik aus dem Westen kontert der Kreml mit Gegenvorwürfen – eine Verwirrstrategie, die aus anderen Konflikten bekannt ist.

Dmitrij Kisseljow gab den Ton vor. „Alle zeigen mit dem Finger auf Russland“, sagte der Moderator im Staatssender Rossija 1, hinter sich das Bild eines zerstörten Uno-Lastwagens in Syrien eingeblendet. Doch wo bitte seien die Beweise der US-Amerikaner, fragte Kisseljow. Russland zu beschuldigen, ohne Belege vorzulegen – „das ist der Stil der Amerikaner“. „Moskau ist für totale Offenheit und Transparenz“, behauptete Kisseljow weiter und fabulierte über die „Desinformation“ und „Paranoia“ der USA, um schließlich die öffentliche Kontrolle über alle Aktionen der US-Armee in Syrien zu verlangen.

Eine absurde Forderung – man stelle sich die Reaktion Russlands vor, wenn der Westen dies von Moskau verlangen würde. Kisseljow ficht das nicht an, in seiner Nachrichtensendung „Westi Nedeli“ („Nachrichten der Woche“) heizt er allwöchentlich mit anti-westlichen Tiraden die Stimmung an. Mal wirft er Washington vor, die Revolutionen in Syrien und der Ukraine mithilfe von Terroristen und Faschisten angezettelt zu haben. Mal behauptet er, Russland sei das einzige Land, „das die USA in radioaktive Asche verwandeln könnte“.

Fakten? Für Kisseljow Nebensache. Er ist der Lautsprecher des Kreml, und dieser befindet sich im Kampf gegen die islamistischen Terroristen. Seit nun einem Jahr lässt Präsident Wladimir Putin Syrien bombardieren. Die Terroristen müssten getötet werden, bevor sie ins Land einsickern können, so die offizielle Begründung der russischen Führung; wohlwissend, dass mögliche Terroranschläge Umfragen zufolge der Mehrheit der Russen Angst macht. Und so lässt Kisseljow am Sonntagabend bärtige Männer einblenden, die aus Ruinen mit Maschinengewehren schießen. Wer die Kämpfer sind, für welche der Rebellengruppen sie aktiv sind, sagt er nicht.

Sich selbst widersprechen, Verwirrung stiften

Seit Tagen fliegen syrische und russische Verbände neue Luftangriffe auf Aleppo im Norden Syriens, der letzten verbliebenen Großstadt, in der Rebellen noch größere Gebiete kontrollieren. Dabei sind dort weder der „Islamische Staat“ (IS) noch Dschihadisten der Dschabhat Fatah al-Scham aktiv. Selbst der sonst so zurückhaltend auftretende Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilt deshalb diese Bombardements als „Barbarei“ und „Kriegsverbrechen“.

Aufnahmen von zivilen Opfern der Streu- und Fassbomben werden in den russischen Staatsmedien kaum gezeigt, es ist ein merkwürdig steriler Krieg, der dort präsentiert wird. Dafür rennen Reporter des Staatsfernsehens durch Ruinen und erzählen aufgeregt über den Kampf von Assads Soldaten gegen „die Terroristen“.

Zudem präsentieren der Kreml und die ihm treuen Medien immer neue Erklärungsversuche, so etwa bei der Attacke auf den Uno-Hilfstransport nahe Aleppo. Es ist das altbekannte Spiel: Moskau leugnet Fakten und veröffentlicht verschiedene Versionen für die Ursache, welche der zuvor vorgelegten widersprechen. Erst war es ein Brand, dann „die Terroristen“, dann eine amerikanische Drohne, die die Uno-Fahrzeuge zerstörten. „Hat die CIA den Hilfskonvoi in Syrien zerstört?“ fragt das dem Kreml nahestehende Millionenblatt „Komsomolskaja Prawda“ am Montag, wenn auch erst auf Seite 4.

Wie du mir, so ich dir

Diese Verwirrstrategie nutzte Russland bereits im Ukraine-Konflikt. Moskau versucht immer wieder Zweifel zu säen. Dabei veröffentlichte das Verteidigungsministerium sogar falsche Informationen, wie das russische Blog „Nooderemover“ berichtete, das Desinformationen untersucht. Im Februar hatte die Behörde behauptet, das Pentagon habe einen Tag zuvor Russland beschuldigt, ein Krankenhaus in Aleppo bombardiert zu haben. Das US-Verteidigungsministerium hatte sich aber gar nicht dazu geäußert, zudem wurden an dem Tag keine Angriffe in der Region gemeldet.

Gleichzeitig präsentiert die russische Führung immer neue Schuldzuweisungen – nach dem Motto: wie du mir, so ich dir. Eine, die diese Strategie zu nutzen weiß, ist Außenamtssprecherin Maria Sacharowa. Sie antwortete am Wochenende auf die Anschuldigungen des britischen Außenministers Boris Johnson, Russland ziehe den Krieg in Syrien absichtlich in die Länge und sei an Militärverbrechen schuldig: „Abgesehen von zwei Wörtern stimmt alles: Man ersetze Russland durch Großbritannien und Syrien – durch Irak.“

Es ist ein Pingpong der Vorwürfe: Die USA und der Westen kritisieren Russlands Vorgehen zunehmend schärfer, der Kreml pariert die Anschuldigungen und lässt mittlerweile sogar Drohungen anklingen. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow sprach am Montag von einem „inakzeptablen Ton“ gegenüber Moskau, der den Beziehungen Londons und Washingtons zu Russland schaden könne.

Drei Millionen Euro am Tag

Noch fühlt sich Putin angesichts dieser Wortgefechte in einer starken Position, er hat sein Land als maßgebliche Macht im Nahen Osten etabliert, die auf Augenhöhe mit den USA agiert. Zuletzt ließ der Kreml sogar den Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ vor Syriens Küsten verlegen. Jeden Tag soll die Luftwaffe bis zu 50 Einsätze fliegen. Allerdings hat Putin mit seiner Militärmission vor allem dem syrischen Diktator Baschar al-Assad genutzt, der nun wieder Erfolge vermelden kann.

Dennoch wird Putin den Krieg in Syrien nicht auf unbegrenzte Zeit führen wollen. Anders als in der Ukraine blickt ein größerer Teil der Russen mit Skepsis auf den Einsatz. Der Präsident braucht mittelfristig ein Ziel, wie auch die liberale und unabhängige Tageszeitung „Wedomosti“ anmerkte. Schließlich kostet Russlands Einsatz in Syrien Schätzungen zufolge drei Millionen Euro Tag für Tag.

Davon war bei Kisseljow kein Wort zu hören, trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise. Er machte sich lieber über den US-Präsidenten Barack Obama lustig. Der habe in seiner letzten Rede vor der Uno-Generalversammlung „eh nur Blödsinn“ geredet.

line-wordpress-long

List of armed groups in the Syrian Civil War

From Wikipedia, the free encyclopedia

Illustration of the main factions involved in the Syrian Civil War and affiliations

A number of armed groups have involved themselves in the ongoing Syrian Civil War.

Opposing forces

Syria Syrian Arab Republic
and allies
Syrian opposition Syrian opposition
Al-Qaeda affiliates and allies
Seal of MSD.png Syrian Democratic Council
Rojava Federation of Northern Syria – Rojava
Islamic State of Iraq and the Levant and allies
Syria Syrian government forces

Allied armed groups:

InfoboxHez.PNG Hezbollah[37]
 Iran[38][39][40]

 Russia[47]

Armament support:

Syrian opposition Free Syrian Army-affiliated rebel groups

Non-FSA-affiliated rebel groups

Allied armed groups:

Joint operations rooms:[135]

Military councils:

Armament support:


Inherent Resolve.jpg CJTF-OIR (against ISIL)

 Turkey (against ISIL and SDF)


Current and former al-Qaeda affiliates

Alleged support:

Syrian Democratic Forces

Rojava Police forces

Rojava Civilian defence units

Rojava Other military units

Allied armed groups:

Iraqi Kurdistan

Military councils:

Armament support:


Inherent Resolve.jpg CJTF-OIR (against ISIL)


 Russia[241][242][243][244][245][246]
(against ISIL and Syrian Opposition)

Islamic State of Iraq and the Levant

line-wordpress-long

 

Die Kämpfe um Aleppo werden von den Terroristen der Al-kaida und Al-Sharam geführt, überwiegend von Nicht-Syrern. Nicht von Aufständischen, nicht von Rebellen.

Wie die TAGESSCHAU unsere Sprache  nach Freund und Feind regelt

Autor: U. Gellermann
Datum: 29. August 2016

Wetten, dass die TAGESSCHAU-Macher schon mal gesehen haben, wie einer aufsteht? Das muss ein Aufständischer gewesen sein. Tatsache! Aber wenn er sich dann wieder setzt, ist er dann widersetzlich oder aber sogar im Widerstand? Fragen über Fragen, die jüngst in der NDR-Sprachkommission diskutiert wurden. Sprachregelung muss sein, denn sonst würde man die syrischen Terroristen ja Terroristen nennen müssen. Dann doch lieber Aufständische.

Meldet sich Dr. Gniffke, der Herr von ARD-aktuell und auch des Tagesschau-Wordings: „Also ich will mal klar sagen, der Terror lauert in jeder Programmbeschwerde. Denn Terror ist ja nur lateinisch für `Schrecken´. Und mir fährt jedesmal der Schrecken in die Glieder, wenn mir so eine Beschwerde auf den Tisch kommt. Wir brauchen so ein Wort-Dings, so ein Wording, wo das ein für allemal festlegt ist: Wer sich beschwert, der ist ein Terrorist!“
Programmbeschwerde – Tagesschau-Ausgabe vom 9.8.16
Anmerkungen zum Thema  „Wie sage  ich es unserem Publikum“
 
Sehr geehrter Herr Marmor,
 
auch in der Tagesschau-Sendung vom 9.8.16 heisst es (wie leider üblich) zu Beginn:
„Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau“.
Diese Floskel ist verfehlt, und zwar nicht nur sprachlich. Nach dem Gongschlag 20 Uhr und während des Kamera-Aufzugs (erst das ARD-Logo, dann Blickrichtung ins hochgedimmte Studio) tönt es aus dem OFF: „Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.“ Zwei Sekunden danach sagt der Sprecher im ON noch einmal, was der Zuschauer doch gerade selbst sieht:
„ … ich begrüße Sie zur Tagesschau.“
Mit Verlaub, für wie deppert wird das Publikum gehalten?
Und nun: Wenn man „Guten Abend“ sagt, dann ist das bereits die Begrüßung. Die regelmäßig hier angefügte Erläuterung „Ich begrüße Sie“ ist eine peinliche Tautologie. Als ob dem Zuschauer nicht zuzutrauen wäre, dass er das „Guten Abend“ als Begrüßung kapiert. Nun denn, mit den nachfolgenden Nachrichten wird das Publikum ja ebenfalls allzu oft für dumm verkauft.…
Wir regen trotzdem gemäß § 13 NDR-Staatsvertrag an, zukünftig nur noch zu sagen: „Meine Damen und Herren, wir begrüßen Sie“ oder zum früher üblichen „Guten Abend, meine Damen und Herren“ zurückzukehren. Nicht jede Neuerung bewirkt eine Verbesserung, wie die Erfahrung lehrt, das gilt auch für manche sprachliche Allotria, die ARD-aktuell sonst noch so treibt.
Zum Beispiel:
Der Korrespondent Stefan Niemann: „Erst jetzt, 90 Tage vor den Wahlen, wächst der Widerstand gegen Trump“. Was soll „erst jetzt“ genau heißen? Hat es in der Vergangenheit keinen „wachsenden“ Widerstand gegeben, war er nur gleichbleibend lau-lau? Das wäre eine Falschmeldung, denn der bisherigen Tagesschau-Berichterstattung zufolge hat es gegen Trump schon von Anbeginn Widerstand in der eigenen Partei gegeben. Jetzt, nur noch drei Monate vor den Wahlen, hätte der Spruch allenfalls lauten dürfen: „… wächst der Widerstand gegen Trump weiter…“
Niemann fährt fort: „Der (gemeint ist Trump) posaunte seine populistischen Parolen heraus…“ Wieder ein sprachlicher Missgriff, denn das Sprachbild „ausposaunen“ ist nur üblich beim lautstarken Verkünden von bis dato noch nicht Gesagtem, aber Herausposaune Niemann will ja auch nur für die Tagesschau referieren, dass Trump die von ihm bereits bekannten Parolen wiederholte.
Die erbärmliche Wortwahl hat nichts mit „Qualitätsjournalismus“ zu tun, sie ist Gequatsche auf Stammtisch-Niveau. Wir regen an, Herrn Niemann professionellen Sprachunterricht angedeihen zu lassen.
Auf einer eingeblendeten Grafik war im gleichen Beitrag die Äußerung einer US-Senatorin über Trump zu lesen (in deutscher Übersetzung):
„Es ist eine Entscheidung die mir nicht leichtfällt…..Donald Trump spiegelt weder die historischen Werte der Republikaner wider noch die inklusive Herangehensweise, die entscheidend sind, um die Spaltung des Landes zu heilen…“
Ihre oft beklagte sprachliche Verlotterung, Ausdrucks- und Grammatikschwäche zeigt ARD-aktuell hier einmal mehr. Hinter das Substantiv „Entscheidung“ gehört ein Komma, wir lesen schließlich einen Relativsatz. Was unter „Inklusive Herangehensweise“ zu verstehen ist, wissen die Götter und ARD-aktuell-„Qualitätsjournalisten“, ein durchschnittlicher Fernsehkonsument hingegen eher nicht. So ist das eben, wenn eine Redaktion keine eigenen interpretatorischen Fähigkeiten mehr abzurufen imstande ist, sondern sogar amerikanisches Englisch nur wortwörtlich ins Deutsche übersetzt. Dabei kommt solcher Quatsch heraus. Aber bitte, wenn Dr. Gniffke meint, dass regelmäßig ein Kontrakpunkt nötig sei, um das Selbstlob zu unterstreichen, ARD-aktuell drücke sich klar und allgemeinverständlich aus…
 
Lassen wir die Lachnummern und kommen wir zum Verstoß gegen die Programmgrundsätze:
„…das Assad-Regime bekämpft in Aleppo mit russischer Luftunterstützung aufständische Gruppen“, heisst es in einer Syrien-Meldung. Die bewusst fälschliche Verwendung des Begriffes „aufständische Gruppen“ übertüncht, dass es sich bei den damit Gemeinten um Terroristen aus der gesamten Levante, der Golfregion, Saudi-Arabien und vielen anderen Ländern handelt, die von der Westlichen-Werte -Gemeinschaft (WWG) logistisch unterstützt werden (mit angeheuerten Milizionären, Geld, Waffen, Munition,Treibstoff und mit militärischem Knowhow sowie mit geheimdienstlichen Informationen über ihre Gegner); das Ziel ist nach wie vor, den syrischen Staat zu ruinieren und seine laizistische Regierung unter Assad zu beseitigen.
Deshalb, nochmal bitte mitschreiben: Aufständischer ist nur ein Mensch, der gegen seine eigene Obrigkeit bzw. einen ihm selbst aufgezwungenen Zustand kämpft, er kann auch als Rebell bezeichnet werden. Es mag solche in Syrien geben, doch bestimmen sie das Kriegsgeschehen in keiner Weise. Die Kämpfe um Aleppo werden von den (inzwischen umbenannten) Terroristen der Al-kaida und Al-Sharam geführt, überwiegend von Nicht-Syrern. Da Herr Schwenck und Herr Dr. Gniffke das sehr wohl wissen, muss davon ausgegangen werden, dass sie willentlich Terroristen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein werbewirksames und unentgeltliches Forum bieten.
Ein Verstoß gegen die Programmgrundsätze liegt damit vor, möglicherweise handelt es sich sogar um die Unterstützung ausländischer terroristischer Vereinigungen.
 
http://www.rationalgalerie.de/schmock/der-aufstand-als-tatsache.html

Srebrenica: Lügen und feiern

rolandtichy.de

 

 

 

 

 

 

Ich erinnere mich noch gut an den Beginn des Jugoslawienkriegs. Im Westen Europas hatten wir dem Zerfall des ehemaligen Tito-Staates zugesehen, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, was dort vor sich ging. Die Süddeutsche Zeitung hatte auf ihrer Seite 3 das Porträt eines gewissen Herrn Milosevic gebracht und ihn in beeindruckender Voraussicht als kalten Stalinisten und potentiellen Kriegstreiber beschrieben, dem auch der verkommenste machtpolitische Winkelzug zuzutrauen sei. Man hatte lesend den Kopf geschüttelt. – Nicht nur die Region, sondern auch die Denkweise erschien einem arg fern. Krieg? Bei uns in Europa? Davor bewahre uns die moralische Selbstgewissheit der 68er-Generation: Wir waren gegen Krieg, also war er damit ausgeschlossen.

Plötzlich war Krieg

Die ersten Bilder der Ereignisse zeigten erstaunlicherweise österreichische Gendarmen, die in Panik Schutz suchten und sich gegenseitig „Deckung!“ zubrüllten: Beim jugoslawischen Angriff auf das frisch geborene Slowenien hatten ein paar übereifrige Artilleriegeschosse die österreichisch-slowenische Grenze überschritten. Man geniert sich fast, es heute zu sagen, aber es hatte etwas Slapstickhaftes an sich. Bis plötzlich die ersten Leichen auf den Bildschirmen auftauchten. In einer Mischung aus Ungläubigkeit und Entsetzen starrten wir auf das wächserne Gesicht des bärtigen Maschinisten einer Adriafähre. Eine MG-Salve hatte ihn im Bauch seines fahrenden Schiffes bei der Arbeit umgemäht. Einfach so. Und nun lehnte er tot mit dem Rücken an der Schiffswand. Man begriff nicht ganz, was das sollte, doch in allen Gesprächen über diese seltsamen Vorfälle war man der Meinung, nun sei aber Schluss sei mit lustig. Europa sei nicht Afrika, wo der Mensch schon rein gewohnheitsmäßig durch Kugeln sterbe.

Damals saß ich mit einem Mitglied des deutschen Generalstabs beim Lunch. „Caesareo“ in Bad Honnef macht bis heute die besten Fischmenüs, denen ich jemals begegnet bin. Wir trafen uns gerne dort, und stets bestellten wir ein „Menu surprise“, dessen fünf Gänge wir uns auf der Zunge zergehen ließen. Das Leben kann ja so schön sein! Zu Fischsuppe in Champagner drückten wir unsere Empörung über die ersten bekannt gewordenen Metzeleien aus. Wir waren einer Meinung, hier sei keine reguläre Armee am Werk, sondern bewaffneter Pöbel. Die ersten Politiker aus Deutschland und Brüssel hatten ihren Unmut ausgedrückt: Es klang alles ein bisschen nach „Du-du-du-du-du!“

Die Deutschen, durch eigene Metzeleien mehr als geläutert, hatten öffentlich diskutiert, ob die Europäer militärisch intervenieren sollten, um dem Abschlachten von Zivilisten – die Jeans, Nikes und Sweatshirts trugen wie wir – ein Ende zu bereiten. Die internationale Politik hatte erklärt, so etwas gehe leider nicht, weil es nicht den Vorschriften entspreche. Um seine Verantwortung für den Frieden zu demonstrieren, hatte man in verquerer Logik den Angegriffenen Waffen verwehrt, damit nicht alles noch schlimmer würde. Der junge CDU-Abgeordnete Schwarz hatte von Kindern berichtet, die man bei lebendigem Leib in den Ofen geworfen habe und war daraufhin heftig angefeindet worden. Irgendwann galt seine Behauptung als widerlegt und der Krieg damit als halb so schlimm. Die Außenpolitiker der europäischen Staaten logen sich frei. Rufe nach Luftangriffen der NATO wurden laut. Gebetsmühlenartig wurde uns erklärt, der Krieg sei aus der Luft nicht zu gewinnen.

Tote “Eisverkäufer”

Die EU entsandte sogenannte „Beobachter“, die ganz in weiß gekleidet waren und für die Verwaltung alles aufschreiben sollten. Sie sahen aus wie Sporttherapeuten auf dem Schlachtfeld, und bald schon erhielten sie für ihren lebensgefährlichen Job den Spitznamen „Eisverkäufer“. Als einer ihrer Hubschrauber abgeschossen wurde, lagen fünf tote Eisverkäufer mit verrenkten Gliedern an der Absturzstelle. Die europäische Öffentlichkeit, der sie diese perverse Alibimission verdankten, war voller Trauer: Europäische Beamte, in treuer Pflichterfüllung hingemeuchelt. Empörung loderte auf: In einem Fußballspiel nagelt man ja auch nicht einfach den Schiedsrichter um! – – Die Abendnachrichten zeigten eine bosnische Oma mit zwei Enkelkindern, die das Grab ihrer von Heckenschützen ermordeten Tochter besuchte, als aus den umliegenden Bergen auf die betende kleine Gruppe gefeuert wurde. Oma lag verwundet und vor Schmerzen brüllend am Boden. Die Kinder lagen hinter Grabsteinen, schrien und weinten verzweifelt. Europäische Politiker sagten sinngemäß: „Herrschaften, so geht ́s aber nicht!“

Wir aßen Lachs-Carpaccio in Mohndressing, – deliziös! Ich meinte, die europäische Öffentlichkeit würde schamlos belogen. Die Charakterlosigkeit der europäischen Politik würde dazu führen, dass widerlichstes Mittelalter auf unserem Kontinent einkehre: Abgeschlachtete Kinder, zu Tausenden vergewaltigte Frauen. Konzentrationslager. Teenagercafés, die ein einzelner Artillerieeinschlag in eine Blutlache mit Dutzenden junger Leichen verwandelte. In einem TV-Interview sprach sich der deutsche General a.D. Schmückle gegen eine NATO-Luftintervention aus, da ein solcher Krieg nicht aus der Luft zu gewinnen sei.

„Ich will keiner Entwicklung vorgreifen“ sagte der hochrangige Militär an meinem Tisch, der dank seiner Position auf der Hardthöhe über gute Informationen verfügte. „Aber eines kannst du mir glauben: Wenn wir als NATO den Einsatzbefehl kriegen, dann haben wir die in zwei Wochen gestoppt, und nach drei Wochen sind sie fertig.“ – „Und warum tut ihr es nicht?“ Er zuckte die Schultern. Ich bekam zu hören, in den Kreisen des Militärs (!) herrsche erheblicher Zorn darüber, dass die europäischen Demokratien dem Massenmorden tatenlos zusähen. Die Militärs seien sich einig, dass eine Beendigung der Blutbäder fast mühelos zu bewältigen sei. Aus der Luft natürlich. – In den Abendnachrichten erklärte der britische Außenminister, der Krieg sei aus der Luft nicht zu beenden.

Sportplätze zu Friedhöfen

Der bosnische Präsident Izetbegovic war zu sehen, wie er die UNO- Vollversammlung um Waffen anflehte. In Sarajevo wurden Sportplätze zu Friedhöfen umfunktioniert. Die Fernsehbilder zeigten eine Hausfrau aus Sarajevo, Mitte der Fünfzig, die vom Einkauf kam und auf dem Rückweg über die gefürchtete „Sniper-Alley“ musste. Ein Schuss peitschte auf und warf die Frau zu Boden. Sie war im Bauch getroffen, ruderte mit den Armen und schrie aus Leibeskräften, es ging einem durch und durch. In Brüssel forderte ein Berufseuropäer die jugoslawische Regierung gestreng zur Rückkehr zu internationalen Normen auf.

„Du musst dir das mal vorstellen“ erzählte mir später ein deutscher General: „Die überfallen ein ganzes Dorf. Dann trennen sie Frauen und Männer. Die Frauen werden ausnahmslos vergewaltigt, auch kleine Mädchen, und die Männer müssen dabei zusehen. Nachdem sie damit fertig sind, schlachten sie alle Männer in einer stundenlangen Prozedur ab, und die frisch vergewaltigten Frauen müssen zusehen. – Pöbel mit niedrigsten Instinkten.“ Verlautbarungen der europäischen Politik beschränkten sich auf Ermahnungen und die bedauernde Einsicht, Luftinterventionen würden bei dieser Art von Konflikt leider ohne jede Wirkung bleiben. Man werde aber weiterhin sehr streng dreinschauen.

Parallelen zum Syrienkonflikt natürlich rein zufällig

Um wenigstens einen Existenznachweis zu liefern, erklärte die UNO mehrere Städte zu sogenannten „Save Havens“. Mit anderen Worten: Man stellte ein Schild vor der Stadt auf, das Massenmördern sagte: „Wir müssen leider draußen bleiben!“ Srebrenica war nur einer dieser Bürokratenspielplätze. Es wurde überrannt von Verzweifelnden aus dem Umland, die ihrer feierlichen Schlachtung entkommen wollten. „Schießt auf Menschenfleisch!“ hatte der jugoslawische General Mlatko Radic seinen Bluthunden jovial in die Funkgeräte gebellt. „Ich will frisches Menschenfleisch!“

Die niederländische Operettentruppe, der man zum Schutz der Bevölkerung blaue Helme aufgesetzt hatte, war machtlos. Der niederländische Oberst Karrelmans war so dämlich, sich mit Mladic beim gemeinsamen „Prost!“ auf die anstehende Ermordung von 8.000 Männern fotografieren zu lassen und gab damit einen wunderbaren Watschenaugust ab, an dem die europäische Politik bis heute ihr eigenes Versagen abreagiert.

Bald also feiern wir wieder Gedenken. Wir drücken Mitgefühl aus und betonen, so etwas dürfe aber nie wieder vorkommen. Die Luftangriffe der NATO dauerten von Ende März bis Ende Juni 1999. Schon nach zwei Wochen war absehbar, dass die Jugoslawisch-Serbische-Mördertruppe chancenlos war. Angeblich verloren die NATO-Truppen keinen einzigen Mann durch Feindeinwirkung. Parallelen zum Syrienkonflikt sind selbstverständlich rein zufällig.

Gastautor Bernd Späth war 20 Jahre lang Geschäftsführender Gesellschafter einer Bonner Werbeagentur, die die Brüsseler EU-Kommission und die damals noch in Bonn ansässige Bundesregierung betreute. Seine Agentur führte unter anderem für die EU-Kommission den Europäischen Binnenmarkt von 1992 in Deutschland ein und entwickelte das Design der heute noch gültigen Krankenversichertenkarte. Späth nahm an fünf Arktisexpeditionen auf Spitzbergen teil und erreichte 1983 als erster Deutscher die Nordspitze der norwegischen Eismeerinsel über das Inlandeis. Er veröffentlichte bisher neun Romane und Erzählbande sowie mehrere erfolgreiche Theaterstücke. Sein neues Stück „Greisendampf“ hat am 3. April 2017 Premiere im Münchener „Schlachthof“.

Heute betreibt Bernd Späth eine eigene Coachingpraxis in München. Dazu arbeitet er als Schriftsteller und Theaterproduzent.

Fotokitschjournalismus als Teil der Terrororlogistik und Inszenierung der Tränendrüsenempörung

Von Roger Letsch.

Wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal einem Foto nicht trauten? Ich meine nicht die üblichen Selfies oder Urlaubsbilder, auf denen man immer zu dick erscheint oder blöd guckt. Nicht das lustige Foto in Ihrem Führerschein – besonders, wenn es noch ein grauer oder roter ist. Auch nicht den wie üblich mit Photoshop aufgehübschten Bilder in Hochglanzmagazinen. Ein paar Krähenfüße weniger bei der Beauty-Prinzessin von Neunzehnhundertschwarzweiss, ein sanft zurück geschubstes Speckröllchen beim französischen (Ex)Präsidenten … das sind kaum noch Aufreger. Nein, ich spreche von den Bildern, die von der internationalen Empörungs- und Mitleidindustrie seit einiger Zeit wie am Fließband produziert werden.

Der Fotojournalismus ist ja ein Kind des 20. Jahrhunderts. Erst als die Kameratechnik hinreichend entwickelt war, lohnte es sich, Fotografen an die Brennpunkte der Berichterstattung zu schicken. Es hat schon früh den Versuch gegeben, durch extrem einseitige und selektive Berichterstattung bei Freund und Feind möglichst viel Wirkung zu erzielen – erinnert sei nur an Göbbels Propagandaministerium. Später, etwa im Vietnamkrieg, versuchte die amerikanische Armee das Ausmaß der Kriegsführung auch durch Bilder „Mainstream-kompatibel“ zu machen – was aber durch die parallele unabhängige Berichterstattung durch US- und anderen Medien ein wirksames Korrektiv hatte.

Sicher kennt jeder einige Bild-Ikonen des Fotojournalismus. Etwa das Bild der GI’s, die auf Iwojima die US-Flagge aufrichten, oder den Soldat der Roten Armee, der dies auf dem Reichstag mit der sowjetischen Flagge tat oder das nackte vietnamesische Mädchen, das schreiend und von Napalm verbrannt auf einer Straße vor den Flammen flieht. So unterschiedlich diese Bilder auch sind, sie haben eines gemein: Sie sind authentisch, zufällig und lassen nichts weg. Belichtung, Blickwinkel und Bildausschnitt beruhen auf technischen Gegebenheiten, sie Szene ist nicht gestellt. Zugegeben, der Rotarmist hatte für die gewünschte Wirkung zu viele Armbanduhren am Handgelenk, die wurden später wegretuschiert – Stalins Spezialisten waren Pioniere in Sachen Fotoretusche – aber sonst … die Kernaussagen sind echt.

Das Warzenschwein hätte keine Chance auf eine starke Lobby

Sieht man heute die Bilder verzweifelter Flüchtlinge, fällt aber zum Beispiel auf, dass überproportional viele Frauen und Kinder abgebildet werden. Nicht umsonst heißt es ja bei der Rettung Schiffbrüchiger „Frauen und Kinder zuerst“. Ich merke gerade, dass dies ein schlechter Vergleich ist. Bedeutete dies doch nach meinem Verständnis auch, dass es zunächst mal die Frauen und Kinder hätten sein müssten, denen man den Weg in die Freiheit bei Schleppern erkauft. Andere Länder, andere (Un)sitten. Wir kennen natürlich die wirklichen Zahlenverhältnisse. Aber unsere Kollegen hinter den Kameras, das wissen wir natürlich, wollen besonders viel Mitleid erzeugen – und das geht mit Frauen und Kindern natürlich besser als mit bärtigen Männern. Stellen Sie sich vor, liebe Leser, eines Tages wäre das Warzenschwein vom Aussterben bedroht – das arme Tier hätte total verschissen, weil es einfach keine starke Lobby zusammen bekäme. Auf Fotografen jedenfalls könnte es nicht hoffen!

Wenn ich nun Bilder aus dem griechischen Idomeni sehe, verdreckte Kinder, weinende Frauen vor Stacheldraht, Säuglinge, die über dem Schlamm aus Wasserflaschen gebadet werden…all das Elend, das uns die Bilder verkaufen, werde ich misstrauisch. Denn da ich weiß, dass niemand, absolut NIEMAND gezwungen ist, dort zu sein und in Dreck und Kälte hinter Stacheldraht zu leben, frage ich mich, wer von dieser geschmacklosen und menschenverachtenden Inszenierung profitiert. Wer nur ermuntert diese Menschen, den illegalen Grenzdurchbruch in Richtung Mazedonien und weiter nach Deutschland als ihr verbrieftes Recht zu betrachten? Und da fällt mir ein, dass ich solche oder doch zumindest ähnliche Bilder schon mal irgendwo gesehen habe. Und das verblüffende ist, das die Bilder auch dort in derselben manipulativen Art verwendet werden. Ich spreche von den palästinensischen Autonomiegebieten und dem Gazastreifen.

Seit Jahrzehnten tobt dort ein Krieg der Bilder, Behauptungen und Beschuldigungen, seit Jahrzehnten verkaufen Hamas und Fatah der Welt ihre perpetuierte Opferrolle, während sie ihre Kinder vorsätzlich in Perspektivlosigkeit halten. Unvergessen bleibt mir der Versuch der Hamas aus dem Jahr 2006, mit Hilfe von Fotojournalisten und gestellten Bildern der Welt die Mähr vom totalen Stromausfall in Gaza zu verkaufen. Gut, dass in solchen Momenten nicht nur Scheuklappenträger wie Todenhöfer vor Ort sind, sondern auch echte Journalisten wie Urich W. Sahm, der von diesem „merkwürdigen Stromausfall“ berichtet (hier einige Fotos zur Erinnerung).

Tausende Flüchtlinge, hunderte Fotografen

Nicht viel anders verhält es sich mittlerweile in Idomeni, wo sich neben tausenden Flüchtlingen auch hunderte Fotografen aufhalten, um im richtigen Augenblick das perfekte Bild zu machen. Auf dem vom „Kommando Norbert Blüm“ provozierten Treck und besonders am Fluss waren die Fotografen in der Mehrheit – und hatten auch noch für sich selbst die seichtesten Stellen im Fluss ausgesucht, wohl aus Angst um ihre teure Ausrüstung. Was dachten die lieben Kollegen Fotografen bei der Nachricht, dass auch Menschen bei der Aktion ums Leben kamen? Womöglich „verdammt, warum war ausgerechnet jetzt der Akku leer“? Brauchen wir mehr Bilder von toten Kindern am Strand? Gibt es einen Wettbewerb unter Fotografen, mit dem Hammer die Betroffenheit wie auf dem Jahrmarkt bis nach ganz oben zum Glöckchen zu treiben? Ein sehr unschönes Klingeling, denn nach einem solchen Ton ist nur noch Schweigen. Es gibt keine nach oben offen Betroffenheitsskala.

„Die Bilder lügen nicht!“ werden die Fotografen vielleicht einwenden. Aber wenn durch geschickt gewählten Bildausschnitt Teile der Wahrheit weggelassen werden, zeigt das eine große moralische Flexibilität. Andererseits wissen die Weglasser und Nur-in-eine-Richtung-Gucker sehr genau was moralisch sagen wir mal „ein G’schmäckle“ hat. Anders als 1988 in Gladbeck sorgten sie 2016 in Idomeni dafür, zumindest bei der Veröffentlichung nicht mit in Bild und Ton zu geraten, wenn das Unheil seinen Lauf nimmt. Ähnlich wie 1988 sind sie jedoch wieder Teil der Logistik und der Inszenierung. Genau wie 1988 konnte es ihnen gar nicht furchtbar genug zugehen am Tatort.

Teil der Logistik und der Inszenierung

Was dem Korrespondenten in Idomeni Stacheldraht, Schlamm und Grenzdurchbruchversuche sind, sind dem Korrespondenten in Palästina Grenzmauer, „militante Siedler“ und Intifada. Hier wie da blendet man im Dienst der Betroffenheitsindustrie alles aus, was hinter der perfekt inszenierten Kameraeinstellung liegt oder nicht ins Bild passt, das man im Kopf schon fertig hat. Hier wie da sorgt eine Armee von NGO’s und Stichwortgebern aus der Politik dafür, dass Fakten und Ursachen irrelevant werden. Kein Wort darüber, dass es in beiden Fällen die Kinder sind, die das unverantwortliche Verhalten ihrer Eltern ausbaden müssen. In Idomeni werden sie durch ihre Eltern dazu gezwungen, im Dreck zu leben und dann auch noch formatfüllend in die Kamera gehalten. In Palästina vergiften ihnen bereits die Eltern den Verstand mit antisemitischer Propaganda, lassen sie mit Messern auf wehrlose Passanten los oder in TV-Kindersendungen „tötet alle Juden“ singen.

Sowohl in Idomeni als auch in Palästina projizieren die Eltern ihr grandioses Versagen beim Schutz ihrer Kinder auf andere, um in ihrer Opferrolle zu verharren. Hier sind die mazedonischen und griechischen Behörden, dort sind wie immer die Israelis Schuld an allem Elend. An beiden Orten kam es schon nach kurzer Zeit zu einer unheilvollen Symbiose zwischen den Akteuren vor uns hinter den Kameras. An beiden Orten kehren die Kameraleute nach getaner Arbeit in ihre warmen und komfortablen Hotels zurück um sich in Bett und Bar auf die nächste Inszenierung vorzubereiten. Man braucht einander, man profitiert voneinander. Ohne verdreckte Kinder keine wirksamen Gruselbilder, ohne Gruselbilder keine Erfolgversprechende Erpressung weiter nördlich gelegener europäischer Staaten. Mitleid für Klicks, Klicks für Geld, Geld für Mitleid.

Und diese Es ist nun auf dem Weg nach hause, auf den Weg nach Europa – denn hier wurde es geboren. Aufgewachsen unter der Obhut zahlreicher NGO’s, genährt von als Toleranz getarnter Ignoranz und gebadet in multikulti-bunt getünchtem deutschem Sündenstolz.

Welcome home, Palästina-Syndrom!

Nachtrag: Ja, es stimmt noch einiges mehr nicht mit dem Bild des Rotarmisten auf dem Dach des Reichstages. Denn da die Szene eigentlich nachts stattfand und die Fahne nur improvisiert an einem Rohr befestigt wurde, stellte man die Szene kurzerhand nochmal nach (hier die Geschichte des Bildes ). Allerdings ist auch der Welt hier ein Fehler unterlaufen – es war die Fahne der Sowjetunion, nicht die Russlands.

Dieser Text erschien zuerst auf Roger Letschs Blog unbesorgt

« Ältere Einträge