Kategorie-Archiv: 2016

Trump wird dämonisiert


Seit Trumps Wahl versinkt die Linke in selbstgerechter Entrüstung. Dabei hat sie jetzt die Chance, sich selber zu erneuern.

«Wenn ich mich nicht für die Unterprivilegierten einsetze, tut es ein anderer»: Orson Welles «Citizen Kane» formuliert die Logik, die auch Donald Trumps Handeln prägt. (Bild: Rue des Archives / Keystone )

«Wenn ich mich nicht für die Unterprivilegierten einsetze, tut es ein anderer»: Orson Welles «Citizen Kane» formuliert die Logik, die auch Donald Trumps Handeln prägt.
(Bild: Rue des Archives / Keystone )

Es ist unangemessen, Donald Trump als Faschisten zu bezeichnen. Aber seine ersten Amtshandlungen als Präsident zeigen, dass Walter Benjamins These, jeder Aufstieg des Faschismus zeuge von einer gescheiterten Revolution, nicht nur noch immer gültig ist, sondern vielleicht sogar relevanter denn je. Die Wahlniederlage war der Preis, den Hillary Clinton für die Ausschaltung von Bernie Sanders zahlen musste. Sie verlor die Wahl nicht, weil sie sich zu sehr nach links bewegte, sondern weil sie zu zentristisch agierte und die Revolte gegen das Establishment nicht auffangen konnte, von der Trump genauso profitierte wie Sanders.

Ein Demonstrant in Portland erklärte, zum ersten Mal in seinem Leben habe er Angst vor seinem Präsidenten. Das zeigt, dass er die wahre Gefahr verkannte. Denn was er eigentlich fürchten müsste, ist der Konsens des linksliberalen Mainstreams, in dem Trump entstehen konnte. Es liegt ein Stück Wahrheit in der Behauptung, Hillary Clinton habe ihre Niederlage der Political Correctness zuzuschreiben – nicht weil die PC im Widerspruch zur Haltung vieler Menschen steht, sondern weil mit der Political Correctness etwas falsch läuft.

Trumps Strategie lautete: verhindern, dass die Enteigneten sich selber für ihre Rechte wehren.

Obwohl die Befürworter der PC von Konservativen als Marxisten beschimpft werden, ist die PC nicht Sache der echten Linken. Sie stellt den Versuch dar, soziale Gegensätze einzuebnen, indem wir die Art und Weise regulieren, wie wir reden. Die Reaktion der Linken auf Trumps Wahl sollte sich deshalb nicht auf selbstgefällige moralische Entrüstung beschränken, sondern in harter Selbstkritik bestehen: Trumps Sieg gibt der Linken die einzigartige Chance, sich selbst zu erneuern.

Die Logik im Widerspruch

Vor wenigen Monaten waren Schwule, Lesben und Transgender Thema auf den Frontseiten der Medien – als ob das grösste Problem der Gesellschaft darin bestünde, wie wir die Geschlechtertrennung auf Toiletten überwinden oder ein Personalpronomen für all jene schaffen, die sich weder als «er» noch als «sie» bezeichnen. Nun sind wir mit dem Rückschlag der Unterdrückten konfrontiert – und mit dem Wahlsieg eines Menschen, der bewusst mit allen PC-Regeln brach, direkt und vulgär.

Trump ist der Paradefall eines «two-spirit capitalist», wie wir ihn im Film «Citizen Kane» kennenlernen. Kane wird dort von einem Vertreter des Grosskapitals angegriffen, weil er eine Zeitung finanziert, die für die Rechte der Unterprivilegierten eintritt. Kane räumt den Widerspruch ein und erklärt die Logik seines Handelns.

Er sei ein gefährlicher Schuft, sagt Kane von sich selber: Aber als Herausgeber des «Enquirer» sei es seine Pflicht, dafür zu sorgen, dass die anständigen Leute in dieser Stadt nicht von einer Gruppe geldgieriger Piraten ausgeraubt würden. Und er selber sei genau der Richtige, um das zu tun, denn er habe Geld und Besitz: «Wenn ich mich nicht für die Interessen der Zu-kurz-Gekommenen einsetze, tut es jemand anderer. Vielleicht jemand ohne Geld und Besitz – und das wäre tatsächlich schlecht.»

Dieser Satz formuliert prägnant, was falsch daran ist, dass sich der Milliardär Donald Trump zum Wortführer der Enteigneten aufwirft: Seine Strategie lautet: verhindern, dass die Enteigneten sich selber für ihre Rechte wehren. Trump ist also weit davon entfernt, einfach widersprüchlich zu sein. Was als Widerspruch erscheint, ist der Kern seines Projekts.

Ödipus-Politik

Der Philosoph Richard Rorty hat früh auf diesen Punkt hingewiesen. In seinem Buch «Achieving Our Country» (dt. «Stolz auf unser Land») sah er bereits vor zwei Jahrzehnten den Konflikt zwischen Identitätspolitik und dem Kampf der Entrechteten klar voraus. Und er sah auch, dass dieser Konflikt einem Populisten mit einer dezidierten Antiidentitätspolitik zur Macht verhelfen könnte.

Wenn die arme, weisse Wählerschaft merke, dass sich das linksliberale Establishment um ihre Notlage foutiere, obwohl es ständig von sozialer Gerechtigkeit rede, dann, schrieb Rorty: «Die ärmeren Wähler würden zu dem Schluss kommen, dass das System versagt habe, und einen starken Mann wählen wollen, der ihnen verspricht, dass unter ihm die feinen Bürokraten, raffinierten Anwälte, überbezahlten Anlageberater und postmodernistischen Professoren nicht mehr das Sagen haben.

[. . .] Eines dürfte sehr wahrscheinlich geschehen: Die Fortschritte der schwarzen und braunen Amerikaner und der Homosexuellen in den letzten vierzig Jahren würden weggefegt. [. . .] Alle Ressentiments, die Amerikaner mit schlechter Schulbildung dagegen haben, dass ihnen die Akademiker gute Sitten vorschreiben wollen, würden ein Ventil finden.»

Rorty war nicht der Einzige, der das antizipiert hat. Aber wie es in der Politik so ist: Das Bewusstsein, dass sich die Dinge in eine gefährliche Richtung entwickeln, verhindert diese Entwicklung nicht nur nicht, es befördert sie manchmal sogar – die Politik ahmt das Schicksal des Ödipus nach. Die Linksliberalen warfen Sanders vor, er untergrabe die Identitätspolitik.

Tatsächlich tat er das Gegenteil: Er beharrte auf einer Verbindung zwischen Klasse, Ethnie und Geschlecht. Man muss Sanders zustimmen, wenn er betonte, Identität an sich sei kein Grund, jemanden zu wählen: «Es genügt nicht, wenn jemand sagt: ‹Ich bin eine Frau, wählt mich.› Was wir brauchen, ist eine Frau, die den Mut hat, gegen die Wall Street anzutreten, gegen die Versicherungsgesellschaften, die Pharmamultis und die Erdölindustrie.»

Die Regenbogenflagge ist weisser, als viele meinen.

Sanders sagte immer, es sei ein Schritt vorwärts, wenn ein Afroamerikaner CEO eines grossen Unternehmens sei. Er sagte zugleich: «Aber wenn er Jobs auslagert oder seine Angestellten ausbeutet, spielt es nicht die geringste Rolle, ob er weiss oder schwarz oder ein Latino ist.» Sanders rührte damit an einen wunden Punkt im offen praktizierten Rassismus innerhalb der schwulen, lesbischen und Transgender-Community (LGBT).

Wie kann ich ein religiöser Eiferer sein, wenn ich selber zu einer unterdrückten Minderheit gehöre? Diese Haltung ist unter weissen LGBT-Leuten verbreitet. Noch viel gefährlicher ist, dass sich die LGBT-Welt weitgehend um weisse schwule Männer dreht und andere ausschliesst. Die Regenbogenflagge ist weisser, als viele meinen.

Kein Wunder, dass Rechtsaussen-Bewegungen versuchen, die Kampagne für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender in ihre politische Agenda zu übernehmen – natürlich nur wenn es darum geht, gegen Muslime oder Migranten zu Felde zu ziehen. Auf den Websites weisser amerikanischer Nationalisten werden LGBT-Pride-Wimpel mittlerweile zusammen mit der Konföderiertenflagge verkauft. Doch leere Aufrufe zu allseitiger Solidarität und politischen Bündnissen genügen nicht. Man muss sich der Grenzen der Identitätspolitik bewusst werden, indem man ihr ihren privilegierten Status nimmt.

Nachdenken – die Zeit drängt

Es gibt zwei Antworten auf Trumps Wahlsieg, die keine Lösung bieten, weil sie selbstzerstörerisch sind. Die eine besteht darin, sich so fasziniert wie arrogant über die Dummheit der Wähler aufzuhalten, die nicht merken, dass sie gegen ihre eigenen Interessen votiert haben und auf Trumps Demagogie hereingefallen sind. Die andere besteht im Aufruf zur sofortigen Gegenoffensive, die ein Echo von Trumps antiintellektueller Haltung ist. Judith Butler hat klar festgehalten, dass Trump den Menschen die Gelegenheit gibt, nicht nachzudenken, nicht nachdenken zu müssen. (Sie weiss natürlich genau, dass Hillary Clintons Berufung auf Komplexität aber einen schalen Beiklang hatte: Sie berief sich meist nur darauf, um Forderungen des linken Parteiflügels abzuwehren.)

Die Dringlichkeit der Lage ist keine Ausrede. Gerade wenn die Zeit drängt, muss man nachdenken. Wir sollten keine Angst haben, uns auf Marx zu besinnen: Bisher wollten wir unsere Welt zu schnell verändern. Nun ist die Zeit gekommen, sie selbstkritisch neu zu interpretieren und das linke Selbstverständnis zu hinterfragen. Es gibt einen Witz über Lenin, der jungen Leuten immer sagte: «Lernt, lernt, lernt!» Marx, Engels und Lenin werden gefragt, ob sie lieber eine Ehefrau oder eine Geliebte hätten. Marx sagt: «Eine Frau!» Engels möchte eine Geliebte. Lenin sagt: «Beides. So kann ich meiner Frau sagen, dass ich zu meiner Geliebten gehe, und der Geliebten, ich müsse zu meiner Frau – und dann ziehe ich mich an einen stillen Ort zurück und lerne, lerne, lerne!»

Ist das nicht genau das, was Lenin nach der Katastrophe von 1914 getan hat? Er fuhr in die Schweiz, las Hegels «Logik» und lernte. Das sollten auch wir tun, jetzt, wo wir unter dem Bann von Trumps Wahlsieg stehen – schliesslich ist er nur eine von vielen bösen Überraschungen, die wir in letzter Zeit erlebt haben. Wir müssen uns gegen Defaitismus genauso wehren wie gegen blinden Aktivismus und müssen «lernen, lernen, lernen»: lernen, wie es zu diesem Fiasko der liberaldemokratischen Politik kam.

In den «Notes Towards a Definition of Culture» (dt. «Zum Begriff der Kultur») schrieb T. S. Eliot, es gebe Situationen, in denen man nur die Wahl zwischen Häresie und Unglaube habe. Die einzige Möglichkeit, eine Religion am Leben zu erhalten, bestehe dann in einer sektiererischen Abspaltung von ihrem abgestorbenen Körper. Genau das müssen wir Linken jetzt tun: Die amerikanischen Wahlen von 2016 waren der letzte Schlag gegen Francis Fukuyamas Traum – den endgültigen Sieg der liberalen Demokratie. Der einzige Weg, Trump zu besiegen und das zu retten, was an der liberalen Demokratie wert ist, gerettet zu werden, besteht in einer sektiererischen Abspaltung von ihrem Leichnam. Wir müssen die Gewichte von Clinton zu Sanders verschieben. 2020 sollten sich Trump und Sanders gegenüberstehen.

Merkels „Willkommenskultur“ als deutsches Konjunkturprogram für die Schlepper-Mafia

Der italienische Schriftsteller und Journalist Roberto Saviano hat mit euronews ein spannendes Interview geführt. Saviano ist berühmt für seine investigativen Recherchen zur Mafia. Er lebt seit Jahren unter Polizeischutz. In dem Interview weist er darauf hin, dass es die türkische, libysche und libanesische Mafia ist, die das blühende Schleppergeschäft steuert, das durch Merkels Grenzöffnung im Herbst 2015 ermöglicht wurde:

„All die Boote, die das Mittelmeer überqueren, werden von Kartellen betrieben. Aber nicht von italienischen Kartellen, wie man glaubt. Die Mafia hat dort nichts zu sagen. Das sind türkische, libysche und libanesische Gruppen, die schon immer in den Menschenschmuggel investiert haben, und Europa hat nicht die leiseste Idee von dieser Dynamik. Die Kartelle, die den Strom der Syrer nach Europa organisiert haben, gehören alle zur türkischen Mafia, und es ist dieselbe Mafia, die den Heroin-Schmuggel aus Afghanistan leitet.“

Die italienische Mafia hingegen kann immer unbeschwerter ihr Geld bei den europäischen Banken waschen. Diese „buhlen“ sogar um das Mafia-Geld, denn sie haben aufgrund der perpetuierten Eurokrise massive Liquiditätsprobleme.

An allem sind immer die anderen schuld.

An allem sind immer die anderen schuld.

„Scheitern, Versagen und psychische Erkrankung werden implizit allein dem Individuum zugeschrieben.“ Mitnichten! Es ist heute eher selbstverständlich, dass an allem immer andere schuld seien. Allen voran der Kapitalismus, die USA und Israel. Dann der Arbeitgeber und die Arbeit selbst. Der Partner. Die Mutter. Schweres Schicksal. Traumatisierung. Mobbing. Burn-Out. Von Selbstverantwortung keine Spur. Wer an Selbstverantwortung erinnern möchte, wird als ein Rechter, ein Nazi, ein Trump-Befürworter niedergeschrieen. Es lebe der Raubtiersozialismus!

Julian S. Bielicki, 60596 Frankfurt am Main

Scheitern, Versagen und psychische Erkrankung werden implizit allein dem Individuum zugeschrieben. Klagen über äußere Belastungen wie Mobbing, Armut, Ausbeutung werden infolgedessen selten als gesellschaftliche Ursachen ernst genommen.

Dr. phil. Michael Mehrgardt, Psychologischer Psychotherapeut

Dr. phil. Michael Mehrgardt, Psychologischer Psychotherapeut

Erschöpfung ist nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesellschaftspolitisch relevantes Phänomen, hat der Sozialpsychologe Heiner Keupp einmal gesagt. Daran möchte ich in der Hoffnung, dass nunmehr auch Psychotherapiekritik erlaubt und publikabel ist, anschließen. Meiner Ansicht nach wird das phänomenale Erleben des Patienten gehört und ernst genommen, soweit es Material für die Anwendung der eigenen Theorie liefert. Die Falsifikations-Immunisierung der psychotherapeutischen Methoden hat zur Konsequenz, dass Scheitern, Versagen und psychische Erkrankung implizit allein dem Individuum zugeschrieben werden (1). Klagen über äußere Belastungen wie Mobbing, Armut, Ausbeutung werden infolgedessen zwar als Auslöser psychischer Erkrankungen anerkannt, aber selten als solche, sprich als gesellschaftliche Ursachen ernst genommen. Keupp bemerkt, dass Lehrbücher der Psychotherapie nicht auf gesellschaftspolitische Krankheitsfaktoren eingehen. Klagen von Patienten werden eher als Beispiele fehlerhafter emotional-kognitiver Verarbeitung, dysfunktionaler Projektion oder ungelöster unbewusster Konflikte therapeutisch verwertet. Kann sich der Patient nicht so recht von diesen lösen, wird er auf sich selbst zurückgeworfen und der Ablenkung, Vermeidung oder Externalisierung bezichtigt: „Bleiben Sie bei sich! Was könnte das wohl mit Ihnen zu tun haben?“ Derartige therapeutische Interventionen transportieren Desinteresse an den Lebensbedingungen der Patientin. Nicht alle äußeren Belastungen lassen sich durch kognitive Korrekturen oder die Auflösung von Übertragungen einfach wegzaubern. Konstrukte wie Perfektionismus, Über-Engagement oder Bindungsproblematik lassen gesellschaftliche Faktoren verblassen und lasten Entstehung, Aufrechterhaltung und Beseitigung der Störung allein dem Patienten an. Die Patientin ist schuld, nicht Schichtdienst, Personalmangel und Gewinnmaximierung. Lässt der Patient sich darauf nicht ein, gibt es weitere „Mittel“, ihn in die Spur zu bringen, nämlich der dezente Hinweis auf das heimliche Wirken eines Widerstandes, auf mangelnde Behandlungsbereitschaft oder gar das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung.

„Psychotherapie ist zum gesellschaftlichen Bewahrer geworden, zum Aufpasser und Anpasser. Statt auf Hippokrates und Sokrates müsste sie sich heute auf Prokrustes berufen, indem sie ihre Patienten auf den ihnen zugewiesenen Platz zurechtstutzt. Ist Psychotherapie nicht inzwischen tatsächlich jene Geständniswissenschaft geworden, die Michel Foucault … beschwört?! Muss ihr nicht jene ‚Gesellschaftsvergessenheit‘ angekreidet werden, die Keupp beklagt …?“.

Noch vor 30 Jahren schaute „die“ Psychotherapie aus ihrer marginalen Perspektive auf gesellschaftliche Prozesse. Heute ist sie integriert, und damit ist ihr der Zahn des bissigen Korrektivs gezogen worden. Oft genug ist sie Teil des Problems. Gibt es noch emanzipatorische, revolutionäre Ansätze? Werden „… Symptome noch als Protuberanzen an der Oberfläche … einer tief in der Gesellschaft stattfindenden Verwesung von Mitmenschlichkeit verstanden? Wo werden Klienten zur Verrückung erstarrter gesellschaftlicher Prinzipien ermutigt? Wo gibt es therapeutisch-politische Perspektiven auf das individuelle Symptom als Widerspiegelung gesellschaftlicher Aporien?“ Psychotherapie ist ein gezähmter und zahnloser Tiger geworden. Sie beseitigt Störungen, begutachtet, scheidet zwischen gesund und krank. Sie ist Hüterin des Status quo. Sie blendet aus, dass der Patient mitunter krank werden muss, um kulturellen Paradoxien zu entgehen. Friedrich S. Perls hat die typische Situation einer Patientin einmal so beschrieben: Es sei neurotisch, in einer neurotischen Gesellschaft nicht neurotisch zu sein. „Khalil Gibran ist da viel weiser als wir Psychotherapeuten, wenn er den König seines durch den Genuss vergifteten Wassers verrückt gewordenen Volkes nunmehr auch aus dem kontaminierten Brunnen trinken lässt …“.

Die Generation der Psychotherapeuten, die Psychotherapie noch als emanzipatorisch kennen gelernt hat, stirbt aus. An ihre Stelle treten empirieverliebte und störungsfokussierte Psychotechniker.

1. Mehrgardt M.: Die therapeutische Unschärfe-Relation in: Gegenfurtner, N., und Fresser-Kuby, R. (Hg.): Emotionen im Fokus. Bergisch Gladbach: EHP-Verlag; 2007.

1. Mehrgardt M.: Die therapeutische Unschärfe-Relation in: Gegenfurtner, N., und Fresser-Kuby, R. (Hg.): Emotionen im Fokus. Bergisch Gladbach: EHP-Verlag; 2007.

Keine Angst, daß der Faschismus wiederkommt, er ist bereits wieder da.

In ihrer Radio-Kolumne „Der WochenWahnsinn“ gehen Achse-Autor Matthias Heitmann und Antenne Frankfurt-Moderator Tim Lauth jede Woche auf Zeitgeisterjagd. Seit Kurzem ist der WochenWahnsinn nun auch auf der Achse zu hören und zu lesen.

Diese Woche widmen sich die beiden der selbst an Fasching allgegenwärtigen Hatz auf Andersdenkende und Andersaussehende. Zum Anhören geht es hier entlang

Jede Woche liefert genügend Stoff für unseren WochenWahnsinn. Kaum vorstellbar, dass das ausgerechnet zu Fasching anders sein soll. Matthias, was gibt es Neues in unserer Wahnsinnsrepublik?

Ich bin ja kein Karnevalist, aber ich habe mich gefragt, was eigentlich passiert, wenn man als Adolf Hitler verkleidet auf einen Faschingsparty geht. Und ich hatte gehofft, dass Du mir da mit Deiner Partyerfahrung weiterhelfen kannst.

Äh, nein! Ich habe es auch nicht so mit Fasching. Aber wäre es nicht auch ein wenig zu hart, die Leute so zu provozieren?

Ehrlich gesagt: Nein! Wenn man nicht mehr hart provozieren darf, dann braucht man auch keine Angst mehr vor dem Faschismus haben – denn dann ist er bereits da. Und witzigerweise fühlen sich genau diejenigen, die Provokateuren den Mund verbieten wollen, tatsächlich umzingelt von lauter Faschisten: Trump, Le Pen, Wilders, Erdogan, Putin, die Brexit-Briten ohnehin, und die AfD natürlich: alles Nazis außer Mutti. Sogar Fleischessen, Pelztragen und das Testen von Alzheimer- und Krebsmedikamenten gilt als heute als Tier-Holocaust.

Ok, Du findest das also alles übertrieben und hysterisch. Aber es heißt doch immer, man solle den Anfängen wehren. Was ist denn nun richtig?

Das Wahnsinnige ist ja, dass der Slogan „Wehret den Anfängen“ heute dazu genutzt wird, um die Abschaffung von Freiheitsrechten durchzusetzen. Das ist genau das Gegenteil von dem, was der Spruch eigentlich bedeutet, da ging es um das Verteidigen von Freiheiten.

Das stimmt. Aber warum sind Nazi- und Hitlervergleiche denn heute so in Mode?

Das tagtägliche Verhindern eines neuen Holocausts ist heute zentraler Bestandteil des europäischen Glaubensbekenntnisses. Wenn Du heute öffentlich sagst, dass Du das für eine seltsame Besessenheit hältst, stehst Du schon mit einem Bein auf dem Pellet-Scheiterhaufen. Dabei ist das ständige Warnen vor der Wiederkehr der Vergangenheit aus drei Gründen höchst gefährlich: Erstens: Man macht einzigartige Verbrechen zu einer alltäglichen, gewöhnlichen Gefahr. Zweitens: Man tut so, als sei die Meinungsfreiheit dafür verantwortlich, dass die Menschen seltsame Parteien wählen. Und das führt drittens dazu, dass sich diese seltsamen Parteien als Verteidiger der Meinungsfreiheit darstellen können. So passiert es, dass eine Gesellschaft aus Angst vor den Feinden der Freiheit ihre eigenen Freiheiten abschafft.

Ok, Matthias, das sehe ich ein. Ist das in etwa so wie bei unserer Eintracht? Aus lauter Angst vor dem Erfolg verdattelt man Europa?

Die Eintracht hat ja weniger Angst vor dem Erfolg, sondern eher vor dem Misserfolg. Die Angst vor der Niederlage macht einen aber nicht zum Sieger. Die Mannschaft muss wieder den Mut entwickeln, weiterzumachen wie in der Hinrunde. Dann kann das klappen mit Europa.

Ältere WochenWahnsinn-Ausgaben finden sich hier.

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Über das Phänomen der Denunziation

Eine zentrale Säule der politischen Macht in den Scheindemokratien nach anglo-amerikanischem Vorbild ist die Partagierung der Massen und das über die Medien forcierte, unablässige gegeneinander Ausspielen, damit die machtlose Mehrheit gar nicht erst auf die Idee kommt, darüber nachzudenken, wer tatsächlich die Geschicke der Gesellschaft lenkt. Aktuell kann man dies exemplarisch in der Migrationskrise beobachten, […]

über Kontaktschuld – Paul Schreyer über das Phänomen der Denunziation — Die Propagandaschau

Literarischer Antisemitismus als ein fester Bestandteil einer ganzen Kultur

Zur Demontage des Antisemitismus in der Gegenwartsliteratur

In „Das Stereotyp als Metapher“ beleuchtet Paula Wojcik sechs Romane

Von Olaf Kistenmacher

Unter dem Stichwort „literarischer Antisemitismus“ wird seit rund 20 Jahren untersucht, inwieweit die Belletristik mit daran beteiligt war, dass die moderne Judenfeindschaft zu einem „kulturellen Code“ wurde. Die Historikerin Shulamit Volkov schrieb in ihrem berühmten Essay Antisemitismus als kultureller Code, dass zum Ende des 19. Jahrhunderts judenfeindliche Vorstellungen zu einem festen „Bestandteil einer ganzen Kultur“ geworden waren und so selbstverständlich schienen, dass „sogar Menschen jüdischer Herkunft“ sie übernahmen. Romane spielten bei dieser Entwicklung eine besondere Rolle, da sich die jeweiligen Erzählerinnen und Erzähler häufig aufgeklärt und vorurteilsfrei gaben und die zeitgenössische antisemitische Gewalt verurteilten. Die Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger hat in dem Sammelband Literarischer Antisemitismus nach Auschwitz diesen Mechanismus am Beispiel von Wilhelm Raabes 1864 erschienenem Roman Der Hungerpastor nachgezeichnet: Zunächst distanzierte sich der Erzähler von den Hepp-Hepp-Krawallen und, wie es bei Raabe heißt, von der „Mißachtung der Juden, die man so stark ausgeprägt glücklicherweise heute nicht mehr findet“. Im weiteren Verlauf stellt der Erzähler selbst die jüdische Familie Freudenstein in einer Weise dar, die, so Klüger, herablassend und verächtlich sei. Gerade indem sich der Erzähler zunächst „als toleranter Mensch legitimiert“ habe, diente laut Klüger die Kritik des gewalttätigen Antisemitismus dazu, die „negativen Eigenschaften von Raabes erfundenen jüdischen Figuren zu beglaubigen“.

Ähnliches lässt sich über Gustav Freytags Roman Soll und Haben sagen, der bis ins 20. Jahrhundert hinein ein Bestseller war und in dem, wie Christine Achinger in Gespaltene Moderne. Gustav Freytags Soll und Haben schreibt, die jüdischen Figuren zwar nicht rundweg als negativ dargestellt werden, aber die abzulehnenden Aspekte der modernen Gesellschaft verkörpern: Es mangele ihnen in Freytags Roman, so Achinger, „keineswegs an Fleiß und Disziplin, sondern spezifischer am Sinn für die Arbeit in der deutschen Weise, am Sinn für Arbeit als moralischer Imperativ statt als Mittel zum Erwerb“.

Danach ließe sich fragen, ob nicht die schöne Literatur zugleich ein geeigneter Austragungsort wäre, diese Vorstellungen des modernen Antisemitismus zu unterlaufen und zu analisieren. Immerhin war die moderne Judenfeindschaft in der Literatur schon lange Thema, etwa in Klassikern des 20. Jahrhunderts wie Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit oder James Joyce’ Ulysses. 1882 veröffentlichte Fritz Mauthner den Roman Der neue Ahasver. Roman aus Jung-Berlin, um, wie er im Vorwort schreibt, dem „Pöbel höherer und niederer Stände, der sein Gift gegen den jüdischen Stamm verschwendet“, etwas entgegenzusetzen.

Paula Wojcik analysiert in ihrer anregenden Untersuchung Das Stereotyp als Metapher. Zur Demontage des Antisemitismus in der Gegenwartsliteratur sechs Romane, die im 21. Jahrhundert erschienen sind und die judenfeindliche Vorstellungen auf der Ebene der Metaphern unterlaufen. Zu den bekannten gehören Michael Chabons The Yiddish Policemen’s Union und Jonathan Safran Foers Everything is Illuminated, andere Titel – wie Mariusz Sieniewicz’ Żydòwek nie absługujemy (Jüdinnen werden nicht bedient) – liegen bislang nicht auf Deutsch vor. Zwar richtet Wojcik ihren Fokus auf die Post-Shoah-Literatur, doch es geht ihr explizit nicht um die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der deutschsprachigen Literatur, weswegen sie Romane aus den USA, aus Polen und der Schweiz hinzunimmt. Mit Chabons Die Vereinigung jüdischer Polizisten oder Thomas Hürlimanns Fräulein Stark hat sie sich allerdings eine schwere Bürde aufgeladen, denn beiden Texten wurde kurz nach dem Erscheinen vorgeworfen, selbst antisemitische Vorstellungen zu schüren. Dass gerade die Schriftsteller, die im Deutschunterricht wegen ihrer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus gelesen werden, selbst nicht frei sind von antisemitischen Vorstellungen, hat 2010 nicht nur der Fall Günter Grass gezeigt. Wojcik geht am Ende in ihrer Studie auf Bernhard Schlink ein, in dessen Erzählung Die Beschneidung der nichtjüdische Protagonist zum Opfer seiner jüdischen Freundin und ihrer Familie wird, indem er „für etwas angegriffen [wird], für das er nichts kann: für seine Herkunft“.

Wojciks anspruchsvolle Analysen versuchen, der Tiefenstruktur des modernen Antisemitismus, des „kulturellen Codes“, gerecht zu werden. So reiche es nicht, lediglich eine positive Darstellung von Jüdinnen und Juden zu geben, was sich als Motiv bereits im 18. Jahrhundert finde. Die antisemitischen Vorstellung müssten selbst demontiert werden. Als „eines der ersten Beispiele einer positiven Hauptfigur“ nennt Wojcik Lessings Stück Die Juden (1754), das sie dem bekannten „mustergültige[n] Toleranzstück“ Nathan der Weise dem Vorzug gibt, weil in Die Juden das stereotype Denken selbst im Fokus der Kritik stehe. Wojcik warnt vor zu großem Optimismus: Selbst eine literarische Dekonstruktion im Sinne einer Sichtbarmachung des Herstellungsprozesses sei allein nicht ausreichend, weil „auch das dekonstruierende Zitieren der Stereotype zu ihrem Fortbestehen“ beitragen könne.

Trotzdem böten Romane, Theaterstücke, Erzählungen ein Potential, denn so wie die Literatur seit mehr als zwei Jahrhunderten einerseits das Denken beeinflusse und mitgeholfen habe, Judenfeindschaft salonfähig zu machen, könnte die Belletristik andererseits das Spiel umkehren. Dabei seien Metaphern „aktiv an der Verarbeitung von Erfahrungen sowie an der Erkenntnisgewinnung“ beteiligt. Zu den grundlegenden Metaphern der Moderne gehört die Vorstellung, menschliche Gesellschaften seien wie ein menschlicher Körper und Menschen wie Pflanzen. Gesellschaftliche Probleme und Krisen erschienen demnach als Krankheiten, Personen, die die Störung tatsächlich verursachten oder nur für sie verantwortlich gemacht werden, werden als Krankheitserreger imaginiert. In Jan Koneffkes Roman Paul Schatz im Uhrenkasten gibt sich ein antisemitischer Arzt, der sich nicht als „Judenfeind“ versteht, zuversichtlich, dass er sich seine Finger „nicht an einem Juden schmutzig machen [müsse]. Das erledigt sich von alleine.“ Die Hauptfigur stellt diese Vorstellung infrage, indem sie sie wörtlich nimmt: „Was hieß das? Mußten alle Juden an einem bestimmten Tag sterben? Fielen sie einfach um wie Eintagsfliegen?“

Jonathan Safran Foers Alles ist erleuchtet, so Wojcik, führe „jegliche Vorstellungen von territorial gebundener Identität ad absurdum“. Zu Beginn des Romans heißt es über das Schtetl, aus dem die Familie der Hauptfigur stammt, dass nicht nur die „Grenzlinie“ ständig verschoben wurde, sondern im 18. Jahrhundert „Räder an die Gebäude [angebracht wurden], um beim ständigen Hin und Her des Schtetls zwischen jüdischem und menschlichem Leben weniger Kraft zu vergeuden“. Zugleich rekonstruiert der Protagonist, der wie sein Autor den Namen Jonathan Safran Foer trägt, den Stammbaum seiner Familie. Allerdings, schreibt Wojcik, ist es am Schluss von Alles ist erleuchtet kein Spezifikum von Jüdinnen und Juden, nicht mit einem Ort verwurzelt zu sein, sondern das Schicksal aller Menschen. Sein ukrainischer Reiseführer Alex schreibt Jonathan später, dass er er sei, „und du bist du, und dass ich du bin, und du bist ich“. „Wir sprechen jetzt zusammen, Jonathan, zusammen und nicht getrennt. Wir schreiben zusammen und schreiben an derselben Geschichte […]“.

Michael Chabons Roman Die Vereinigung jüdischer Polizisten erzählt eine kontrafaktische Geschichte, nach der Alaska zum Zufluchtsort und die neue Heimat der von den Nazis verfolgten Jüdinnen und Juden geworden ist und in der auch die Frage aufgeworfen wird, was wäre, wenn „all die Gerüchte von einer jüdischen Verschwörung wahr wären“. Die bei Chabon dargestellten Jüdinnen und Juden sind alles andere als sympathische Figuren, sie erinnern vielmehr an Kriminalromane Raymond Chandlers. Die vermeintlich „jüdische“ Intrige entpuppt sich im Lauf des Romans allerdings „als eine Farce“, die „tatsächlichen Übeltäter“ stammen aus einer „christliche[n] Vereinigung“.

Wojciks Lektüren sind tiefsinnig und laden zu einer Relektüre der behandelten Romane ein. Über die tatsächliche Wirkung einer „Demontage des Antisemitismus in der Gegenwartsliteratur“ ist damit allerdings noch nichts gesagt. Es bleibt grundsätzlich offen, welche Breitenwirkung die besprochenen Romane entfalten, oder etwas konkreter, inwieweit die literarischen Strategien judenfeindliche Vorstellungen innerhalb der „gebildeten Schichten der Bevölkerung“ unterlaufen können. In diesem Zusammenhang ist es beispielsweise bemerkenswert, dass in der Verfilmung von Alles ist erleuchtet der Großvater des Reiseführers Alex am Schluss als jüdisch erkennbar wird – wohingegen der Roman in dieser Frage nicht eindeutig ist. Ob die „Demontage“ gelingt, kann ohnehin nicht allein werkimmanent, sondern müsste durch Rezeptionsanalysen überprüft werden. Die Gefahr der Belletristik könnte gerade in ihrem besonderen Reiz liegen, dass sie vieldeutig ist, sodass missverständliche Deutungen der Romane, auch eine „Fehlinterpretation“, wirkmächtiger sein könnten als die Interpretationen, die Wojcik favorisiert.

Der Untersuchung ist das berühmte Zitat von Shylock aus Shakespeares Der Kaufmann von Venedig vorangestellt: „Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften?“ Das Zitat wird bis heute als Anklage gegen jede Form von Rassismus gebraucht. Zugleich ist Shylock in Shakespeares Stück keine sympathische Figur, und so überrascht es nicht, dass auch Antisemiten sich durch die Darstellung bestätigt sahen. Dies könnte auch für die Gegenwartsliteratur gelten, und es ist möglich, dass der Reiz und die Gefahr von beispielsweise Chabons Roman Die Vereinigung jüdischer Polizisten darin bestehen, dass er beides zugleich macht – antisemitische Vorstellungen zu kritisieren und sie dennoch zu reproduzieren.

Titelbild

Paula Wojcik: Das Stereotyp als Metapher. Zur Demontage des Antisemitismus in der Gegenwartsliteratur.
Transcript Verlag, Bielefeld 2013.
306 Seiten, 33,80 EUR.
ISBN-13: 9783837622461

Weitere Rezensionen und Informationen zum Buch

Der neueste Kampfbegriff der Hegemonen lautet „elitenfeindlich“.

„Islamophobie“, „Homophobie“ und zunehmend „Islamfeindlichkeit“ und „Fremdenfeindlichkeit“ haben Hochkonjunktur, wenn man Menschen mit anderen Meinungen verunglimpfen will. Schon die griechische Philosophie kannte Misogynie als Angst-Äußerung.

ht, ohne die Religion zu bemühen. Kriege, um die Macht zu erweitern, gab es in der Menschheit schon immer.

Krieg im Namen der Religion

Eine Religion muss aber dafür geeignet sein, dass sie als Begründung für den Krieg angeführt werden kann. Monotheistische, also alleinseligmachende Religionen, insbesondere der Islam, geben das im Gegensatz zum Buddhismus her. Im vergangenheitsbewältigungsversessenen Deutschland würde es sich lohnen, sich das Leben Mohammeds etwas genauer anzuschauen. Von Sklaverei bis Völkermord an einem jüdischen Stamm ist dort alles zu finden, was nicht nur einem politisch Korrekten ein Gräuel sein dürfte. Die Frage ist, warum dies tabuisiert wird. Weil man nicht „islamophob“ sein will?

„Phobie“ als Kampfbegriff

Wenn jemand den Islam als eine totalitäre, unaufgeklärte mittelalterliche Religion betrachtet, wofür es schließlich gute Argumente gibt, welches Recht gibt es, denjenigen als „islamophob“, als „angstgestört“ zu diffamieren?

Viel eher wird umgekehrt ein Schuh daraus: Wer im Zeitalter der vor allem gegen „Glaubensbrüder“ fast ausschließlich von Muslimen begangenen Terrorattentate gegenüber dieser Religion keinen Argwohn entwickelt, der sollte vielleicht seinen Realitätssinn auf ihn beherrschende Ideologien überprüfen, anstatt den Anderen als angstkrank zu diffamieren.

Die sprachbeherrschende PC-Klasse, die sich über alles beklagt, was ihr entgegen gehalten wird, brachte nach der Jahrtausendwende den Begriff der „Phobie“ ein, um ihre politischen Gegner in die Nähe einer Geisteskrankheit zu rücken.

Wo war der „Aufschrei“, als Begriffe wie „Homophobie“ und „Islamophobie“ in die Diskussion eingebracht wurden und sie dann sogar bestimmten? Dabei kannte schon die griechische Philosophie Misogynie als die Äußerung einer Angst.

Wo war der Kampf gegen die Kampfbegriffe der Meinungsführer zur Abwertung abweichender Meinungen? Wo war der Widerstand dagegen, dass Menschen, die eine andere als die herrschende Meinung vertreten, einfach in die Nähe einer Geisteskrankheit gerückt werden?

Diffamierung durch den Begriff „Feindlichkeit“

Heute wird die Phobie oft durch den Begriff Feindlichkeit ersetzt. „Islamfeindlichkeit“, „Fremdenfeindlichkeit“, „Schwulenfeindlichkeit“ und „Frauenfeindlichkeit“ haben Konjunktur, wenn man Menschen mit anderen Meinungen verunglimpfen und ins Abseits stellen will.

Warum erinnert mich die „Phobie“ als Kampfbegriff an „Entartung“, die „entartete Kunst“ im 3.Reich? Vielleicht, weil beide bei von der herrschenden Ideologie Abweichendem als von Krankhaftem sprechen. Und hinter dem Begriff „Feindlichkeit“ steht die „Menschenfeindlichkeit“, wer also die Meinung der herrschenden Ideologie zu diesen Themen kritisiert ist … ein Menschenfeind!

Die politische Klasse

Der Aufschrei der Getroffenen ist stets groß, hätten sie doch nie gedacht, selbst einmal als Phobiker dargestellt zu werden. Die „Kranken“ sind die Anderen. Und wer dies von den Herrschenden behauptet, der wird das büßen.

Aber gibt es sie überhaupt, die politische Klasse? Dazu der „linke“ Chefredakteur Bernd Ulrich auf ZEIT-ONLINE: „Und sie regieren die Republik. Sie dominieren, sie lehren, kontrollieren und kommunizieren, sie sind, kein Zweifel, die kulturellen Hegemonen … Nach Ökologie- und Friedensbewegung kam die Partei. Die Grünen sind keineswegs der einzige, aber gewiss der originärste Ausdruck dieser Generation“, die heute die Gesellschaft beherrscht.

Also sind diejenigen die kulturellen Hegemonen, die bestimmen, was gesagt und gedacht, und insbesondere was nicht gesagt und gedacht werden darf.

Wenn sich da nun alle einig sind, gibt es auch einige, die sagen, mit Hegemonen oder autoritären Herrschern sei eben nicht zu diskutieren. Man merke das ja schon daran, dass sie abweichende Meinungen als Phobien, als krankhafte Ängste definierten und somit eine Diskussion verunmöglichten.

Die selbsternannte „Elite“ teilt aus

Der neueste Kampfbegriff der Hegemonen lautet „elitenfeindlich“. Gehörte es früher, als man noch in der Opposition war, zum Grundinventar der „Linken“, ideologiekritisch und elitenkritisch zu sein, hat sich dies nach der Machtübernahme durch die „Ökobourgeoisie“ geändert. Da man sich nun selbst als Elite wähnt, muss Elitenkritik als elitenfeindlich klassifiziert werden. Das ist in einer Weise durchsichtig, dass schon allein ein derartiges Vorgehen genügt, um die Elitenkritik zu bestätigen.

Noch ein paar Worte zu dem Vorwurf, dass Medien „neurechte Beiträge“ bringen. Darf ich den Vorwurf so verstehen, dass nur „altlinke“ Beiträge veröffentlicht werden dürfen? Und wer bestimmt, was „neurechts“ ist? Ist praktischer Weise alles „neurechts“, was nicht „alt-grün-links“ ist? Bestimmen das „Linke“ und sagen dann, alles was nicht ihrer Meinung entspricht, müsse boykottiert werden?

Die Leser von TE

Mehr Meinungsvielfalt tut der Meinungsbildung immer gut, auch bei Tichys Einblick und auch wenn dies nicht alle gleichermaßen schätzen. Aber ein großer Teil der Menschen ist eben darüber erbittert, dass sie ihre eigene Meinung in herkömmlichen Medien abgewertet oder als „angstgestört“ bezeichnet wiederfinden, so dass sie einfach die Nase gestrichen voll haben und ein Medium wünschen, mit dem sie sich voll identifizieren können und das seriös ist. Dafür nehmen viele Tichys Einblick an – die oft sehr persönlichen Leserkommentare dokumentieren dies nachdrücklich.

Wenn es also die kulturelle Hegemonie einer „grün-linken“ „Ökobourgeoisie“ gibt, sollte es dann in einer Demokratie keinen Minderheitenschutz für anderes Gedankengut geben? Minderheitenschutz ist doch ein originäres Thema der Hegemonen – oder? Nur für die Opfer, die sie selbst auserkoren haben?

Dumm läuft es, wenn sich die Opfergruppen der Political Correctness gegenseitig bekriegen und sich dann „Rassismus“ vorwerfen. Wenn also muslimisch-arabische Jugendliche Aggressionen gegen Homosexuelle, Frauen und Juden ausüben, dürfen diese dann sagen, die Gewalt geht von muslimischen Arabern aus? Nein, natürlich nicht, denn das wäre „islamophober Rassismus“. So beißt sich die Katze in den Schwanz.

Die neuen Totschlagsargumente

Ideologische Begriffe wie „Rassismus“, X-Phobie und Y-Feindlichkeit fungieren heute als Totschlagargumente, um das Aussprechen unerwünschter Wahrheiten zu unterdrücken, den Gegner auszugrenzen und abzuwerten. Also genau das, was die „Political Correctness“ unbedingt vermeiden will, betreibt sie selbst exzessiv. Es ist das bigott Pharisäerhafte, was viele Menschen auf die Palme treibt.

So geht das nicht, liebe Hegemonen. Eure ideologischen Kampfbegriffe werden euch früher oder später selbst auf die Füße fallen. Und dann: Aua!

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