Kategorie-Archiv: Europa ist Deutschland

Größer ist nicht immer besser. EU ist ein protektionistischer Verbands-Markt.

Lange Zeit hat das Projekt „Europäische Union“ sich auf eine recht eingängige Logik berufen. Man beschwor die Größe des Gebildes, das durch eine Zusammenführung der Nationen entstehen würde, und setzte sie gleich mit einer größeren Offenheit dieses Gebildes. Das Größere sollte das Offenere sein – und damit das Freiere. Das europäische Immer-Enger-Vereint wäre demnach ein Freiheits-Projekt, das die engherzigen, bornierten Nationen in etwas Großzügigeres und Weitherzigeres überführen sollte. Es sei, so wurde weiter assoziiert, auch das kühnere Projekt, während jede andere Ordnung in Europa demgegenüber nur gemütlich-protektionistisch-provinziell sein könne. Die Europäische Union sei die Lösung der Mutigen, während alles andere die Lösung der Feigen wäre. Nach diesem Muster sollte auch die Volksabstimmung in Großbritannien bewältigt werden, die zwischen dem EU-Austritt des Landes und seinem Verbleib zu entscheiden hat. Der „Brexit“ sollte als Lösung des Rückzugs auf die Insel  abqualifiziert werden. Demnach könnte ein echter Liberaler nie und nimmer für den Brexit sein.

Die reale Auseinandersetzung ist etwas anders gelaufen. Die Anhänger des „Remain“ waren nicht in der Lage, irgendeine attraktive Zukunftsidee im Rahmen des EU-Szenarios zu entwickeln. Auch die angeblich so guten Verhandlungsergebnisse, die Cameron in Brüssel erzielt hatte, spielten kaum eine Rolle – von einer „Reform der EU“, die durch die weitere Mitarbeit der Briten erreicht werden könnte, war nicht mehr die Rede. So wurde die Kampagne für die weitere EU-Mitgliedschaft zur Negativ-Kampagne. Man hat sich darauf verlegt, die Gefahren an die Wand zu malen, die bei einem Brexit angeblich drohen: drohende Mehrkosten für die britische Volkswirtschaft, Standortnachteile für den Finanzplatz London,  bedrohte Reisefreiheiten der Briten, drohender Verlust von Wohnrechten in Spanien. Und natürlich wurde auch wieder von einer Kriegsgefahr in Europa geraunt.

Mangels Idee: Eine Angskampagne fürs Drinbleiben

Bleiben wir zunächst einmal beim Wirtschaftlichen. Hier gibt es eine erhebliche Unschärfe in der Argumentation der Brexit-Gegner. Man tut so, als ob Großbritannien bei einem Austritt aus der Europäischen Union keinen Zugang zum EU-Markt mehr hätte. Da schreibt ein Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Hamburger Berenberg-Bank, in der FAZ (30.5.2016) folgende Sätze: „Die britische Wirtschaft könnte den freien Zugang zu ihrem größten Absatzmarkt verlieren. Würde sich London durch einen Brexit den europäischen Regeln und der Aufsicht durch europäische Institutionen entziehen, wäre es kaum vorstellbar, dass die City wie bisher das Finanz- und Dienstleistungszentrum für Europa bleiben könnte und dürfte.“ Hier wird nicht mit einer Abwägung von Nutzen und Kosten des EU-Verbundes für Großbritannien argumentiert, sondern mit dem Totalverlust der Handelsbeziehungen gedroht – also mit einem Handelskrieg der EU gegen ein „abtrünniges“ EU-Mitglied.

Dazu passt, dass Bundesfinanzminister Schäuble auf dem Frühjahrsgipfel des IWF in Washington die Position vertreten hat, Deutschland würde „nicht so ohne weiteres einem Freihandelsabkommen mit Großbritannien zustimmen, das das Land genauso stelle wie EU-Mitglieder“ (wie die FAZ vom 18.4.2016 formuliert). Das ist offenbar die Drohung, dass Großbritannien im Falle eines Austritts nicht einen Status wie Norwegen oder die Schweiz erwarten kann. Da wird ganz unverblümt eine Strafe angedroht, und das ausgerechnet von einem deutschen Minister.

Funktionärstraum: Eine Kartellmacht auf „Augenhöhe“

Solche Interventionen verraten etwas von der Eigenart des „Gemeinsamen Marktes“ der EU. Es ist ein protektionistischer Verbands-Markt. Er privilegiert Mitglieder und er wird durch Diskriminierungsdrohungen zusammengehalten. Die eigentlichen Handelsvorteile spielen nicht die entscheidende Rolle. Das belegt auch die häufig gebrauchte Wendung, nur die EU könne „auf Augenhöhe mit USA, Russland, China“ agieren. Für diese Kartell-Macht der EU würde der Brexit einen Verlust darstellen, der um jeden Preis verhindert werden soll.

Der Brexit hingegen kann durchaus auf die Handelsvorteile bauen, die auch für einzelne Nationen gelten. Die komparativen Vorteile eines weltweiten Außenhandels sind größer als die Vorteile einer festen Zugehörigkeit zu einer geschützten, stark durchregulierten europäischen Großraum-Wirtschaft. Die Anhänger des Brexits sehen keine größeren Hindernisse, dass Großbritannien mit den verschiedenen Wirtschaftszonen der Welt (einschließlich der EU) Außenhandel treibt und darüber mit vertretbarem Aufwand schließt.

Warum sollten das, was weltweit viele Nationen können, nicht auch die Briten können? Wozu gibt es schließlich die Regeln der Welthandelsorganisation WTO? Tatsächlich vollzieht sich der überwiegende Teil des heutigen Welthandels (und der dynamischere Teil) nicht innerhalb der EU – man denke an den Austausch mit Nord- und Südamerika oder vor allem an den Austausch mit Asien. Diese historische Tendenz zur Pluralisierung des Welthandels ist Rückenwind für die Anhänger des Brexit. Sie müssen also nicht auf eine „Isolation“ oder gar auf eine nationale Autarkie setzen, sondern auf die neuen Möglichkeiten, die Nationen und lockere Allianzen haben, um auf dem Weltmarkt Zugang zu finden.

Für den Brexit ist keine Angstkampagne nötig. Er kann auf die positive, geschichtlich erprobte Kraft des eigenen Landes bauen. Er kann auf die Ressourcen der Freiheit setzen.

Der Brexit kann auf positive Kräfte bauen

Die Entscheidung zwischen Weiterführung der EU-Mitgliedschaft oder EU-Austritt ist keine absolute Entscheidung, sondern eine Abwägung zwischen Kosten und Nutzen. Betrachtet man einmal nur die wirtschaftlichen Kosten und Nutzen, so wäre folgendes in Anschlag zu bringen: Im Falle eines Austritts müssten die Briten, soweit sie den EU-Binnenmarkt beliefern, ihre Produkte den dortigen Regeln anpassen (wie es andere Nicht-EU-Lieferanten auch tun), und sie müssten eventuell Einfuhrzölle zahlen. Diese Kosten müssten sie gegenrechnen mit den Kosten der britischen EU-Mitgliedschaft: den Nettozahlungen an den Brüsseler Haushalt, den einschränkenden Quoten für bestimmte Branchen (Landwirtschaft, Fischfang), vor allem auch den Normen, denen nicht nur der Export sondern der gesamte britische Binnenmarkt unterliegt, wenn das Land EU-Mitglied bleibt. Nimmt man das alles zusammen, so ist tatsächlich ein Kipp-Punkt absehbar, an dem der anfängliche Nutzen einer Mitgliedschaft durch steigende Kosten der Mitgliedschaft eingeholt und überholt wird. Das gilt besonders dann, wenn die Regelungsverfahren immer aufwendiger und unübersichtlicher werden – wenn also der Mitgliedschaftsaufwand (pro Gütereinheit) immer weiter steigt. Größe wird dann zur Falle.

Zunächst erscheint jede Vergrößerung eines Wirtschaftsverbundes als Vorteil. Die Bewegungskosten für Güter, Dienstleistungen und Informationen fallen heutzutage nicht so sehr ins Gewicht. Aber es gibt Kosten der Koordination, die mit der Zahl und Heterogenität der Länder, die an dem Verbund teilnehmen, wachsen. Es häufen sich Fehlleistungen und Ausfälle, deren Bereinigung neue Regelungen und neue Fehlerquellen hervorrufen. In der Entwicklung von der früheren EWG zur EG und insbesondere von der EG zur EU ist nicht nur eine Steigerung der Sozial- und Umweltstandards zu beobachten, die den EU-Markt zu einem teuren Markt machen, sondern auch ein ständig wachsender Koordinationsaufwand. Über die verschiedenen Ebenen (von der lokalen bis zur europäischen Ebene) müssen Projekte zwischen vielen Beteiligten abgestimmt werden. Das gibt einzelnen Akteuren die Macht, durch ein Veto das ganze System lahmzulegen und sich ihre Zustimmung dann durch Sonderzuwendungen „abkaufen“ zu lassen. Schon seit den 1990er Jahren gibt es den Begriff der „Politikverflechtungsfalle“ (Fritz Scharpf), der für Entwicklungen sowohl im deutschen Förderalismus als auch in der Europäischen Union geprägt wurde.

Hinzukommt eine wachsende Unübersichtlichkeit der verschiedenen Zuständigkeiten, Vorschriften und Subventionen. Regionen, Großstädte, Unternehmen und Universitäten unterhalten inzwischen eigene Abteilungen, deren Aufgabe es ist, die Bewegungen der EU-Förderkulissen zu beobachten, um sie nutzen zu können. Das europäische Gesamtsystem aber ist nicht einmal für solche Fachleute durchschaubar und selbst führende Politiker lassen durchblicken, dass sie nicht mehr genau wissen, was wo und wie weit gilt. So herrschen zunehmend Zufall und Willkür. Es ist ein Zustand eingetreten, bei dem „Größe“ nicht mehr Offenheit, sondern neue Abhängigkeiten schafft.

Der Imperativ der Größe ist von gestern

In dem bereits zitierten Artikel von Holger Schmieding findet sich folgender Satz: „Da die Briten 14 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung durch die Ausfuhr von Gütern und Dienstleistungen in der EU verdienen, während die große EU nur zu knapp vier Prozent vom britischen Markt abhängt, würde jede Störung dieses Austausches die Briten weit härter treffen als die EU.“ Der Autor versucht also, mit einem schlichten Größenargument die Unmöglichkeit des Brexit nachzuweisen. Er macht das mit einem Negativfaktor: Eine kleine Volkswirtschaft ist verletzlicher als eine große, deshalb ist Großbritannien gezwungen, bei der Stange zu bleiben – das ist Schmiedings 14:4-Rechnung. Es ist eine absolute Rechnung, die selbst dann gelten soll, wenn die Kosten des Wirtschaftsverbundes immens und für viele unbezahlbar sind. Mit anderen Worten: Wenn unser Hamburger Chefvolkswirt Recht hat, müsste jede kleinere Volkswirtschaft, die neben einer größeren volkswirtschaftlichen Einheit liegt, den Anschluss an diese Einheit suchen. Das wäre ein Beitritts-Zwang, dem sich auf Dauer auch die Schweiz und Norwegen beugen müssten.

Wer so argumentiert, muss sich im Klaren sein, dass er recht alte und durchaus vorbelastete Argumente vertritt. Das Diktat der Größe gehörte zum imperialen Revision des europäischen Weltbildes am Ende des 19. Jahrhunderts. Es steht auch bei der Idee einer Neuaufteilung der Welt in „Großraumwirtschaften“ Pate, wie sie Carl Schmitt vertreten hat (vgl. C. Schmitt, Der Nomos der Erde). Und das Argumentieren mit den Zwängen der großen Serie gehört zum Geist der 60er und 70er Jahre. Dies Denken hat uns nicht nur Großgemeinden, Länderfusionen und städtebauliche Monströsitäten beschert, sondern auch die wirtschaftspolitische Globalsteuerung, die Vorstellung einer Konvergenz von Plan- und Marktwirtschaft – und, nicht zu vergessen, den famosen „staatsmonopolistischen Kapitalismus“ (Stamokap) als Durchgangstür zum Sozialismus. Überall wurde das Heil in einer durchorganisierten, „gebundenen“ Größe gesucht.

Es ist schon fast vergessen, wie befreiend es war, als dieser technokratische Ungeist in den 1980er Jahren auf einmal seine Bannkraft verlor. Auf einmal erschienen die Großstrukturen und Bauwerke wie Dinosaurier. Größe wurde wieder offener. Technologische Neuerungen ermöglichten schnellere Anpassungen der Betriebsabläufe. Nicht nur große, sondern auch kleinere Serien wurden rentabel. Das bedeutete, dass mittelgroße Unternehmen große, komplexe Märkte bedienen können. Diese neue Fähigkeit der Selbstbehauptung galt auch auf der Ebene ganzer Länder.

Für mittelgroße Volkswirtschaften war es nun durchaus möglich, sich auf die Regeln fremder Märkte einzustellen bzw. diese mitzugestalten. Auf einmal gab es mehr internationale Akteure als die beiden großen Blocks. Und auch der Aufstieg der Schwellenländer widerlegte das eherne Gesetz der angeblich fortschreitenden Monopolisierung der Welt. So sind die Zeiten, wo es nur das Gesetz des Größenzwangs gab, seit mehreren Jahrzehnten eigentlich vorbei. Der Imperativ der Großorganisation regiert die Weltmärkte weniger als zuvor. Er ist kein ehernes Gesetz mehr. Auf diesen Trend können auch die Briten bauen.

Neue Möglichkeiten der Selbstbehauptung

Die Kampagne gegen den Brexit ignoriert diese neuen Möglichkeiten der Selbstbehauptung. Sie ist im Grunde ein historischer Rückschritt. Überhaupt ist das ganze „Immer enger vereint“ der EU ein Anachronismus. Eine  immer stärker durchregulierte, protektionistische Großraumwirtschaft ist nicht etwas ganz Neues „für das 21. Jahrhundert“, sondern ein Wiedergänger von Paradigmen, die sich schon im 20. Jahrhundert erschöpft haben. Diejenigen, die jetzt vor einem „Sprung ins Dunkel“ warnen, führen uns zurück in die 60er und 70er Jahre.

In der Diskussion um einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU ist also ein historischer Einsatz enthalten. Es geht um die Macht der größeren Einheiten im Wirtschaftsleben und in der Staatenwelt. Wer weiterhin an ein historisches Zwangsgesetz glaubt, das zu immer größeren Organisationen führt, wird den Brexit für „die falsche Seite der Geschichte“ halten. Wer hingegen von einer Pluralisierung ausgeht, wird ihn für den Vorboten einer kommenden Ära halten, in der die Welt durch Formen lockerer Kopplung zusammenhält. Er wird in ihm eine Tür ins Freie sehen – nicht nur für Großbritannien, sondern auch für die anderen Länder Europas.

Hermann L. Gremliza: Heute gehört uns Europa. Und morgen?

Hermann L. Gremliza
Heute gehört uns Europa. Und morgen?
’nen Platz an der Sonne erlangen? / Nicht leicht. / Denn wenn er erreicht, / ist sie untergegangen. Karl Kraus
Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen.« Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, freute sich mächtig. Der hundertjährige Kampf der Deutschen um die Eroberung Europas schien siegreich zu enden.
Was war ihnen nicht alles schiefgegangen, seit das kaiserliche Deutschland das Ziel in seinem Ersten Weltkrieg (siebzehn Millionen Tote) verfehlt hatte? Erst waren die Deutschen von ihren Nachbarn in Quarantäne gesteckt worden. Aufs schrecklichste aus dieser befreit, war die Nazion in ihren nächsten, den Zweiten Weltkrieg (sechzig Millionen Tote) gezogen, dessen Ende sie sich reichlich verdient hatte.
Eingedenk des Mißerfolgs mit der Isolierung und weil für das letzte Gefecht gegen den Kommunismus auf derart einschlägig erfahrene Kombattanten nicht zu verzichten war, versuchte der geplagte Kontinent diesmal, die Deutschen durch Umarmung zu entwaffnen. Es dauerte, bis die ihre Chance be- und ergriffen: Europa zu umarmen, bis sie es im Schwitzkasten hätten.
Was folgte, war die Epoche der deutschen Mimikry als Musterknabe des »Westens«, der »freien Welt«, des »Abendlands«, der das Maul nicht allzu weit aufriß und andere für sich sprechen ließ. Wer sich einfand, den Feind von gestern zu entsühnen, wurde – man war ja doch das Land der Dichter und Denker geblieben, die kulturelle Instanz des Kontinents – von so hochgeschwollenen Einrichtungen belohnt wie dem »Aachener Karlspreis für Verdienste um die Europäische Einigung« für besonders anstellige Premiers, Präsidenten und Könige wie Juan Carlos I., François Mitterrand, Václav Havel oder Tony Blair.
Und doch hörten die weniger Dummen unter den Nachbarn nie auf, die deutsche Gefahr zu wittern. 1989, beim Fall der Mauer, brach die britische Premierministerin Thatcher in den spontanen Seufzer aus: »Zweimal haben wir die Deutschen geschlagen, jetzt sind sie wieder da.« Frankreichs Präsident Mitterrand bekniete den letzten Vorsitzenden der SED, einen gewissen Gregor Gysi, doch bitte die Wiedervereinigung der Deutschen zu hintertreiben. Zu spät.
Weitere zwölf Jahre später, als die »Frankfurter Allgemeine« anläßlich des deutschen Überfalls auf Jugoslawien klagen mußte, Frankreich und Großbritannien hätten diesen »großserbischen Staat« eingerichtet, um »Deutschland, Österreich und Ungarn zu bestrafen und am Boden zu halten«, und Springers »Welt am Sonntag« stöhnte, für Franzosen und Briten seien »die Serben vor allem die alten Alliierten gegen Deutschland, und ›Jugoslawien‹ vor allem ein antideutsches Bollwerk im Südosten Europas«, hatte Deutsch-Europa die seligen Sieger zweier Weltkriege längst in der Armbeuge.
Heute ist Europa eine deutsche Exportkolonie, regiert mit Hilfe eines Juniors, der sich, ein wenig selbstironisch wohl schon, noch immer die Grande Nation nennt. Was ein spanischer Arbeitsloser zu fressen bekommt, ein portugiesischer Lehrer verdient, wann ein Franzose in Rente geht und Irland der Dispo gestrichen wird, wessen öffentliches Eigentum an welchen – deutschen – Kapitalisten zu privatisieren ist, wie lange ein griechischer oder italienischer Ministerpräsident im Amt bleiben darf und von wem er ersetzt werden muß, wer sein Volk nach dessen Meinung fragen und wann er Wahlen abhalten darf, wird in Berlin entschieden und von Hiwis in Brüssel wie dem EURatspräsidenten van Rompuy verkündet: »Italien braucht Reformen und keine Wahlen.« Itaker, wegtreten!
Mitunter wird die ehemalige Sekretärin für Agitation und Propaganda der Freien Deutschen Jugend nun mit Bismarck verglichen, was außerhalb Deutschlands keine Schmeichelei ist, hinter ihrem Rücken aber auch gern mit einem andern: »Der Führer hat uns einbestellt«, soll, »Spiegel online« zufolge, »ein Diplomat aus einem Nachbarland Deutschlands« gesagt haben, als er und seine Kollegen beim Europa-Berater der Bundeskanzlerin antreten mußten. Selbst der intellektuell so bescheidene wie national unbedenkliche Helmut Schmidt meint, daß Merkels Berlin ein Zentrum »schädlicher deutschnationaler Kraftmeierei« geworden sei.
Des Volkes Mehrheit meint das ganz und gar nicht. Schmidts deutschnationaler Parteifreund Dohnanyi forderte den Kanzler a.D. ziemlich rüde auf, sich bei seiner Nachfolgerin zu entschuldigen. Gleichgesinnte Redner wie der Vorsitzende der CSU-Gruppe im Europaparlament verlangen, Großbritannien müsse »sich entscheiden, ob es weiterhin als 27. Mitgliedsstaat der Europäischen Union seine Zukunft selbst gestalten oder lieber als 51. Bundesstaat der USA Befehle aus Washington empfangen will« (statt aus Berlin). Auch Deutschlands gefürchteter Arbeiterführer Sommer ist nicht von schlechten Großeltern: Der britische Premier David Cameron, sagte er, »führt sich auf als Schutzpatron der Spekulanten«. Die Eurogegner in der FDP aber tragen T-Shirts mit dem Aufdruck »EUdSSR« – Europa, die Union sozialistischer Sowjetrepubliken.
Wo immer die Stimme des Volkes sich hören läßt, haben Europa und der Euro als Deutschlands Unglück die Rolle der Juden übernommen. So gern nämlich die Deutschen Europa ausbeuten und kommandieren, so wenig hat sie ihr Neid und ihr Haß auf die alten Feinde verlassen: auf die Südländer, die nichts im Sinn haben als Dolce Vita und Bunga Bunga, auf die leichtlebigen Franzosen, auf das perfide Albion, das uns mit gerafftem Kapital piesackt und im Zweifel an die Wall Street verrät. Kalt bis an ihre Mördergrube hinan haben sie den Versuch der Briten, Italiener und Franzosen verfolgt, mit ihrer libyschen Militäroperette, der gleichwohl echte Menschen zum Opfer gefallen sind, einen Saisonerfolg zu ertrotzen, während eine Transall der Bundeswehr in die rauchenden Trümmer von Bengasi ein Spezialkommando absetzte, bestehend aus dem Staatssekretär des Bundesministeriums der Wirtschaft, dem Geschäftsführer des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft und Vertretern von zwanzig deutschen Unternehmen, um abzuräumen, was die Verbündeten erst zu erobern hofften.
Als die deutsche Kanzlerin Anfang Dezember Europa antreten ließ, salutierten 26 Nationen. Allein die 27., das von Thatcher und Blair entindustrialisierte und zu einem Wettbüro herabgewirtschaftete Großbritannien, versagte sich – eine Dummheit, die sich wohltuend von der servilen Schlaumeierei der 26 abhob. Die Frage der Macht wäre also vorerst geklärt. Nicht so die ökonomische: Was will Berlin mit einem Europa, dessen Bewohner sich den herrlichen Exportpofel nicht mehr leisten können, mit dem Deutschland seinen Reichtum erwirtschaftet? Oder denkt das nationale Kapital schon weiter, an ein Europa als Union der Dumpinglöhne, das mit billigen Qualitätsprodukten die Märkte Asiens, Afrikas und Lateinamerikas plattmacht? War es das, was Angela Merkel im Kopf hatte, als sie posaunte: »Unsere soziale Marktwirtschaft muß in der ganzen Welt verankert werden«?
Sein könnte aber auch, und Indizien gibt es, daß andere Europäer den Gürtel nicht so ergeben enger schnallen wie die deutsche Frau und ihr kleiner Mann, es also zu Unruhen, Streiks, Generalstreiks gar kommt, womöglich grenzüberschreitenden, weil vereint in der europäisch- gemeinschaftlichen Wut auf die Diktatur der Boches, der Krauts, der Moffen, cabezas cuadradas, des tyske pak und so weiter. Schon heute gewinnt, wenn irgendwo in Europa gewählt wird, von zwei Kandidaten immer der eine, egal ob links oder rechts, der – anders als der erbarmungswürdige Sozialdemokrat Zapatero – noch nicht im Fernsehen gezeigt wurde, wie er Angela Merkel die Schleppe trägt.
So keimt die vage Hoffnung, die Deutschen könnten sich zum dritten Mal in hundert Jahren übernommen haben.
Konkret 01/12, S. 9

Ami stay here! – Wiedervereingtes Deutschland, wiedervereinigtes Europa

Hermann L. Gremliza
Heute gehört uns Europa. Und morgen?
’nen Platz an der Sonne erlangen? / Nicht leicht. / Denn wenn er erreicht, / ist sie untergegangen. Karl Kraus
Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen.« Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, freute sich mächtig. Der hundertjährige Kampf der Deutschen um die Eroberung Europas schien siegreich zu enden.
Was war ihnen nicht alles schiefgegangen, seit das kaiserliche Deutschland das Ziel in seinem Ersten Weltkrieg (siebzehn Millionen Tote) verfehlt hatte? Erst waren die Deutschen von ihren Nachbarn in Quarantäne gesteckt worden. Aufs schrecklichste aus dieser befreit, war die Nazion in ihren nächsten, den Zweiten Weltkrieg (sechzig Millionen Tote) gezogen, dessen Ende sie sich reichlich verdient hatte.
Eingedenk des Mißerfolgs mit der Isolierung und weil für das letzte Gefecht gegen den Kommunismus auf derart einschlägig erfahrene Kombattanten nicht zu verzichten war, versuchte der geplagte Kontinent diesmal, die Deutschen durch Umarmung zu entwaffnen. Es dauerte, bis die ihre Chance be- und ergriffen: Europa zu umarmen, bis sie es im Schwitzkasten hätten.
Was folgte, war die Epoche der deutschen Mimikry als Musterknabe des »Westens«, der »freien Welt«, des »Abendlands«, der das Maul nicht allzu weit aufriß und andere für sich sprechen ließ. Wer sich einfand, den Feind von gestern zu entsühnen, wurde – man war ja doch das Land der Dichter und Denker geblieben, die kulturelle Instanz des Kontinents – von so hochgeschwollenen Einrichtungen belohnt wie dem »Aachener Karlspreis für Verdienste um die Europäische Einigung« für besonders anstellige Premiers, Präsidenten und Könige wie Juan Carlos I., François Mitterrand, Václav Havel oder Tony Blair.
Und doch hörten die weniger Dummen unter den Nachbarn nie auf, die deutsche Gefahr zu wittern. 1989, beim Fall der Mauer, brach die britische Premierministerin Thatcher in den spontanen Seufzer aus: »Zweimal haben wir die Deutschen geschlagen, jetzt sind sie wieder da.« Frankreichs Präsident Mitterrand bekniete den letzten Vorsitzenden der SED, einen gewissen Gregor Gysi, doch bitte die Wiedervereinigung der Deutschen zu hintertreiben. Zu spät.
Weitere zwölf Jahre später, als die »Frankfurter Allgemeine« anläßlich des deutschen Überfalls auf Jugoslawien klagen mußte, Frankreich und Großbritannien hätten diesen »großserbischen Staat« eingerichtet, um »Deutschland, Österreich und Ungarn zu bestrafen und am Boden zu halten«, und Springers »Welt am Sonntag« stöhnte, für Franzosen und Briten seien »die Serben vor allem die alten Alliierten gegen Deutschland, und ›Jugoslawien‹ vor allem ein antideutsches Bollwerk im Südosten Europas«, hatte Deutsch-Europa die seligen Sieger zweier Weltkriege längst in der Armbeuge.
Heute ist Europa eine deutsche Exportkolonie, regiert mit Hilfe eines Juniors, der sich, ein wenig selbstironisch wohl schon, noch immer die Grande Nation nennt. Was ein spanischer Arbeitsloser zu fressen bekommt, ein portugiesischer Lehrer verdient, wann ein Franzose in Rente geht und Irland der Dispo gestrichen wird, wessen öffentliches Eigentum an welchen – deutschen – Kapitalisten zu privatisieren ist, wie lange ein griechischer oder italienischer Ministerpräsident im Amt bleiben darf und von wem er ersetzt werden muß, wer sein Volk nach dessen Meinung fragen und wann er Wahlen abhalten darf, wird in Berlin entschieden und von Hiwis in Brüssel wie dem EURatspräsidenten van Rompuy verkündet: »Italien braucht Reformen und keine Wahlen.« Itaker, wegtreten!
Mitunter wird die ehemalige Sekretärin für Agitation und Propaganda der Freien Deutschen Jugend nun mit Bismarck verglichen, was außerhalb Deutschlands keine Schmeichelei ist, hinter ihrem Rücken aber auch gern mit einem andern: »Der Führer hat uns einbestellt«, soll, »Spiegel online« zufolge, »ein Diplomat aus einem Nachbarland Deutschlands« gesagt haben, als er und seine Kollegen beim Europa-Berater der Bundeskanzlerin antreten mußten. Selbst der intellektuell so bescheidene wie national unbedenkliche Helmut Schmidt meint, daß Merkels Berlin ein Zentrum »schädlicher deutschnationaler Kraftmeierei« geworden sei.
Des Volkes Mehrheit meint das ganz und gar nicht. Schmidts deutschnationaler Parteifreund Dohnanyi forderte den Kanzler a.D. ziemlich rüde auf, sich bei seiner Nachfolgerin zu entschuldigen. Gleichgesinnte Redner wie der Vorsitzende der CSU-Gruppe im Europaparlament verlangen, Großbritannien müsse »sich entscheiden, ob es weiterhin als 27. Mitgliedsstaat der Europäischen Union seine Zukunft selbst gestalten oder lieber als 51. Bundesstaat der USA Befehle aus Washington empfangen will« (statt aus Berlin). Auch Deutschlands gefürchteter Arbeiterführer Sommer ist nicht von schlechten Großeltern: Der britische Premier David Cameron, sagte er, »führt sich auf als Schutzpatron der Spekulanten«. Die Eurogegner in der FDP aber tragen T-Shirts mit dem Aufdruck »EUdSSR« – Europa, die Union sozialistischer Sowjetrepubliken.
Wo immer die Stimme des Volkes sich hören läßt, haben Europa und der Euro als Deutschlands Unglück die Rolle der Juden übernommen. So gern nämlich die Deutschen Europa ausbeuten und kommandieren, so wenig hat sie ihr Neid und ihr Haß auf die alten Feinde verlassen: auf die Südländer, die nichts im Sinn haben als Dolce Vita und Bunga Bunga, auf die leichtlebigen Franzosen, auf das perfide Albion, das uns mit gerafftem Kapital piesackt und im Zweifel an die Wall Street verrät. Kalt bis an ihre Mördergrube hinan haben sie den Versuch der Briten, Italiener und Franzosen verfolgt, mit ihrer libyschen Militäroperette, der gleichwohl echte Menschen zum Opfer gefallen sind, einen Saisonerfolg zu ertrotzen, während eine Transall der Bundeswehr in die rauchenden Trümmer von Bengasi ein Spezialkommando absetzte, bestehend aus dem Staatssekretär des Bundesministeriums der Wirtschaft, dem Geschäftsführer des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft und Vertretern von zwanzig deutschen Unternehmen, um abzuräumen, was die Verbündeten erst zu erobern hofften.
Als die deutsche Kanzlerin Anfang Dezember Europa antreten ließ, salutierten 26 Nationen. Allein die 27., das von Thatcher und Blair entindustrialisierte und zu einem Wettbüro herabgewirtschaftete Großbritannien, versagte sich – eine Dummheit, die sich wohltuend von der servilen Schlaumeierei der 26 abhob. Die Frage der Macht wäre also vorerst geklärt. Nicht so die ökonomische: Was will Berlin mit einem Europa, dessen Bewohner sich den herrlichen Exportpofel nicht mehr leisten können, mit dem Deutschland seinen Reichtum erwirtschaftet? Oder denkt das nationale Kapital schon weiter, an ein Europa als Union der Dumpinglöhne, das mit billigen Qualitätsprodukten die Märkte Asiens, Afrikas und Lateinamerikas plattmacht? War es das, was Angela Merkel im Kopf hatte, als sie posaunte: »Unsere soziale Marktwirtschaft muß in der ganzen Welt verankert werden«?
Sein könnte aber auch, und Indizien gibt es, daß andere Europäer den Gürtel nicht so ergeben enger schnallen wie die deutsche Frau und ihr kleiner Mann, es also zu Unruhen, Streiks, Generalstreiks gar kommt, womöglich grenzüberschreitenden, weil vereint in der europäisch- gemeinschaftlichen Wut auf die Diktatur der Boches, der Krauts, der Moffen, cabezas cuadradas, des tyske pak und so weiter. Schon heute gewinnt, wenn irgendwo in Europa gewählt wird, von zwei Kandidaten immer der eine, egal ob links oder rechts, der – anders als der erbarmungswürdige Sozialdemokrat Zapatero – noch nicht im Fernsehen gezeigt wurde, wie er Angela Merkel die Schleppe trägt.
So keimt die vage Hoffnung, die Deutschen könnten sich zum dritten Mal in hundert Jahren übernommen haben.
Konkret 01/12, S. 9
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Hermann L. Gremliza
Ami stay here
Deutschland, Deutschland über alles zu setzen, ihm einen »Platz an der Sonne« zu erstreiten, wie es Wilhelms Reichskanzler von Bülow zur letzten Jahrhundertwende versprochen hatte, ist zweimal, 1914/18 und 1939/45, mißlungen. Aber auch aller elenden Dinge sind drei: Ganz ohne Schlieffen-Plan und Unternehmen Barbarossa sieht sich US-Präsident Bush bereits genötigt, die Bundesrepublik einen »Partner in leadership« zu nennen, spricht der »Spiegel« – man soll die Nachbarn nicht zur Unzeit reizen – von einer »Mittelmacht de luxe«, die sich »auf eine Führungsrolle in der Beletage des europäischen Hauses« einrichte. Das »halbe Käsebrötchen«, als das Klaus Pohl die BRD in seinem »Milliardenspiel« gerade noch verspottet hat, ist auf dem Weg zur Weltmacht.
Geebnet wird er von einem Mann, dessen Titel dergleichen eher zu unterbinden als zu fördern versprach: dem Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Er und seine Begleiter haben auf ihrem Triumphzug durch die BRD einen »Schlußstrich unter die Vergangenheit« gezogen und den Rechtsnachfolgern der Belagerer von Leningrad nicht Zusammenarbeit, nein: »Freundschaft« angeboten. »Unsere neue Sicht internationaler Fragen«, schrieb Gorbatschows »Deutschland-Berater« Nikolai Portugalow, werde es »den Deutschen« erlauben, »ihre nationalen Interessen viel wirksamer zu verteidigen«. (Wenn auch nicht mehr in einem »heiligen Verteidigungskrieg«.) Im Westen wie im Osten – »ist doch das Schicksal der Deutschen untrennbar mit dem einen Europa vom Atlantik bis zum Ural verbunden« (und nicht mehr bloß von der Maas bis an die Memel). Die DDR gibt’s als no name-Produkt zum Discountpreis dazu, indem »wir die historische Dimension aller Fragen, die mit der deutschen Nation und ihrer künftigen staatlichen Existenz zusammenhängen, ausdrücklich anerkennen«. Einen Kritiker der Bonner Großmachtpolitik wie den US-Kolumnisten William Safire nennt Gorbatschows Mann den »Deutschen-Hasser« und »keifenden Thersites«. Wenn Schönhuber wüßte, was Thersites ist, könnte er das gesagt haben.
(Nebenbei, lieber Nikolai: Sind die Erfolge, die deine Partei in den siebzig Jahren seit der Oktoberrevolution im Umgang mit »nationalen Fragen« errungen hat, wirklich so umwerfend, daß Ihr Euch an den Geschäften anderer Patridioten beteiligen solltet? Ihr wollt, höre ich, den »Wolgadeutschen« vielleicht wieder ein autonomes Gebiet einräumen; paßt bloß auf, daß die Euch, wenn Ihr die Meßcheten aus den usbekischen Pogromen dorthin evakuiert, nicht mit »Türken raus«-Plakaten empfangen.)
Als wäre »Deutschen-Hasser« nicht die einzige moralisch vertretbare Haltung, die ein Beobachter dieser widerwärtigen Nation einnehmen kann. Er haßt ja nicht die Bürger der BRD oder der DDR, sondern den stinkenden Kadaver »Deutschland« und jene »Deutschen«, die ihn ausbuddeln und wiederbeleben wollen. Von diesen gibt es in der Bundesrepublik mehr, als selbst ein Thersites beschimpfen könnte. Eine Woche, nachdem Gorbatschow den von ihnen verlangten »Schlußstrich unter die Vergangenheit« gezogen und »den Deutschen« Freundschaft angetragen hat, bedankten sich die Bayern mit 15 Prozent für die neuen Braunen. Und es werden noch weit mehr, wenn die letzten Reste von Furcht vor dem Ausland schwinden.
Gorbatschow hat ihnen Mut gemacht. Es war stets nur Irrtum oder Propaganda, wenn aus dem Wahlverhalten und der offiziellen Politik ihrer rechten Staatsparteien geschlossen wurde, »die Deutschen« seien zu aufgeklärten bürgerlichen Demokraten mutiert. Sie sind geblieben, was sie waren, und hatten immer bloß Schiß vor politischen und wirtschaftlichen Sanktionen. Nur in dem, was sie sich zu sagen trauen, nicht in dem, was sie denken, unterscheiden sich Schönhuber und Dregger. Bis heute haben Kohl, Waigel oder Geißler zu den Parolen der »Republikaner« nicht einen inhaltlichen Einwand zu formulieren vermocht – zu »radikal« seien sie halt. Und wiederum ist es nur die Furcht vor den Reaktionen der westlichen Nachbarn, die schwarzbraune Koalitionen (noch) verbietet: Könnte ja sein, daß die Unterwerfung West- und Südeuropas unter ein auch von Schönhuber repräsentiertes BRD-Kapital weniger reibungslos verliefe.
Gorbatschow verlangt, wohin er kommt, »neues Denken«. Tun wir ihm den Gefallen: Die Truppen, die 1945 das Deutsche Reich besetzten, taten das nicht, um »die Deutschen« vom Nazismus zu befreien, sondern um die tödliche Politik zu beenden, die von Deutschland gegen sie getrieben worden war. Die Truppen der USA, Großbritanniens und Frankreichs blieben bis heute, nicht um den demokratischen Rechtsstaat BRD zu schützen – dafür haben sie noch nie und nirgends auch nur eine Kugel vergeudet – sondern um erstens von hier aus den Sozialismus zu bekämpfen und zweitens »die Deutschen« unter Kontrolle zu halten.
Die erste Aufgabe haben die Sozialisten inzwischen selbst übernommen, und so gewinnt die andere, von der öffentlich nie die Rede war, neue Bedeutung. Frau Thatcher hat es zuerst ausgesprochen, als sie die Unverzichtbarkeit alliierter Atomraketen in der BRD mit der Bemerkung begründete, die Deutschen sollten merken, daß sie den Zweiten Weltkrieg begonnen haben. Der wirtschaftliche Riese soll politisch der Schrumpfgermane bleiben, mit dem allein die Nachbarn und der Rest der Welt es aushalten können.
Ami go home ist längst zum Votum nicht nur Schönhubers und deutschtümelnder Grüner, sondern auch der etablierten Rechten avanciert. Alfred Dregger, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der es den US-Amerikanern bis heute nachträgt, daß sie nicht vor den Gräbern von SS-Mördern knien wollten, hat angekündigt, die Haltung zur Rolle und Präsenz der USA in Europa könne revidiert werden, wenn ein System der europäischen Sicherheit geschaffen werde, und »für diesen vernünftigen Gedanken« wird er aus Moskau heftig gelobt; man habe ihn »auch von anderen Persönlichkeiten gehört«.
Ami go home ist schließlich, auch 44 Jahre »danach«, immer noch: die Befreiung von den Befreiern vom Faschismus und von den Weltherrschaftsplänen »der Deutschen«. Das Bewußtsein, wie zukunftsträchtig diese Vergangenheit sein könnte, ist im alternativen Talk-Show-Geschwätz über den Durchbruch der Bundesrepublik zu einer »neuen politischen Kultur« fast versintert: Was sind schon Schönhubers paar unbelehrbare Männeken im Vergleich zu den Massen, die der multikulturelle Dezernent mobilisiert (der freilich auch schon die Ausländer in solche aufteilt, die »unsere Kultur« mit Gyros bereichern und deshalb bleiben sollen, und in andere, die – aber bis er das deutlicher sagt, braucht’s noch ein paar Wochen).
Das Kalkül »der Deutschen« leuchtet ein: Die BRD, die Westeuropa fast schon im Sack hat, nimmt sich nun Osteuropas an. Die Sowjetunion, Polen, Ungarn, denen es heute nicht gut geht, aber bei weitem nicht so dreckig, wie es ihnen in zehn Jahren gehen wird, stellen dem deutschen Kapital Rohstoffe, Märkte und billige Arbeitskräfte zur Verfügung, damit es seine Beletage im »europäischen Haus« (daß einmal ein Nachfolger Lenins mit einer solchen Latrinenparole hausieren gehen würde!) ausstaffieren kann. Die andern beziehen peu à peu die Räume im Souterrain des »europäischen Hauses«. Und dann darf der Rest der Welt am deutschen Unwesen genesen.
Die DDR? Gibt’s dann schon lang nicht mehr: »Wenn die Deutschen (!) von eventueller Wiedervereinigung im Rahmen Europas sprechen, dann betrachte ich das als ein positives Moment… Die Bundesrepublik kann unser Partner nur für den Fall sein, daß sie gemeinsam mit uns den Weg zur Errichtung des gesamteuropäischen Hauses beschreitet, das eigentlich ein System der europäischen Sicherheit darstellt. Wird ein solches System geschaffen, dann wird auch eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten zu einer Frage, die nur sie selbst angeht. Die ‚deutsche Frage‘ kann nur im Rahmen des ‚gesamteuropäischen Hauses‘ gelöst werden.« Sie ist nämlich noch offen, meint der Vizedirektor des Instituts für Europa der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in der Botschafts-Zeitschrift »Sowjetunion heute«, und er heißt keineswegs Herbert Czaja, sondern Wladimir Schenajew.

Die USA waren und sind, spätestens seit dem Korea-Krieg, die bei weitem aggressivste imperialistische Macht; ihre Opfer zahlen nach Millionen; wer, wie ich, ihr mörderisches, verhaßtes Militär auffordert, in der BRD zu bleiben und die Reste des Besatzungsrechts nicht aufzugeben, sondern notfalls mit aller Macht wahrzunehmen, muß Schlimmeres fürchten: eine große Koalition der Wähler von Kohl, Mayer-Vorfelder, Schönhuber und Gorbatschow, den Abriß der Mauer, die Wiedervereinigung, »die Deutschen« und Deutschland, Deutschland über alles. Ami stay here!

konkret 07/89, S. 8

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Hermann L. Gremliza
Wir sind wieder mehr
September 1989. Ein nationaler Herbst. Die Deutschen, vierzig Jahre zuvor von einer zivilisierteren Welt in verträgliche Portionen zerlegt, kommen zu sich: »Kater Willi: Nach DDR-Flucht neues Leben in Hamburg – Nun schnurrt er wieder, Gott sei dank« (»Morgenpost«); »Sie küssen die Freiheit« (»Bild«); »Ungarns Kommunisten: Sie dürfen wieder an Gott glauben« (»Hamburger Abendblatt«); »Unsere Ideen haben weltweit gesiegt« (Bundeskanzler Kohl).
Auf den ersten Blick: sie sind vollends meschugge geworden; auf den zweiten: sie haben sich endlich das Recht genommen, von Oswiecim (Auschwitz) nichts mehr hören zu müssen. Freiheit statt Sozialismus in den Grenzen von 1937 in einem Europa ohne Grenzen – das scheint möglich, das haben sie sich träumen lassen. Daß am deutschen Wesen die Welt genesen wird – darauf kommt es ihnen an, das erhebt sie über die Konkurrenz, die westlichen »Händlernationen«, das ist ihnen noch in der fünften Generation »unheimlich wichtig«: daß sie die Welt nicht des schnöden Mammons wegen erobern und auspressen, sondern um sie zu reinigen und zu heilen, mit dem Recht des moralisch Besseren, nicht dem des bloß Stärkeren. Deutschland, die verfolgende Unschuld (K.K.), macht sich wieder auf die Socken.
Und so darf es nicht sein, daß das Gesindel, das da im Trabbi rübermacht, um den Run auf den tiefergelegten 3er BMW anzutreten, den das ortsansässige Gesindel schon fährt, nichts anderes will als alle die andern, obwohl doch nichts dagegen spräche, warum sollten sie nicht, wer würfe den ersten Brilli auf Angela?
»Warum Angela (18) die DDR verließ: Als Angela 16 Jahre wird, empfiehlt ihr die Kaderleitung eine Ausbildung als Lehrerin. Sie ist begeistert. Doch sehr bald merkt die Studentin, daß der Beruf nicht ihren Vorstellungen entspricht. ‚Ich wußte ja überhaupt nicht, was mich erwartet. Berufsberatung und die Möglichkeit, während der Schulzeit ein Praktikum zu machen, gibt es bei uns nicht.’« Und dann die Mode: »Das Zeug liegt zwar massenhaft in den Regalen, aber so häßlich, daß es keiner anziehen will. Schicke Pullis oder Jeans gibt es nur im Exquisit-Laden…«
Neineinein, so profan, so »materialistisch« können deutsche Brüder und Schwestern nicht sein. Sie sind einer schändlichen Diktatur entronnen, ihrem Gewissen gefolgt, dürstend nach Freiheit; ihre Flucht ist Anklage. Und wenn sie, durch kommunistische Zwangserziehung und das ZDF-Werbefernsehen dem deutschen Wesen doch geringfügig (aber nur vorübergehend) entfremdet, freimütig den Wunsch nach schickeren Pullis, schnelleren Autos und weiteren Reisen als Grund für die Übersiedlung bekennen, muß der Bundeskanzler sie sogleich moralisch aufrüsten: Wage keiner, von »Wirtschaftsflüchtlingen« zu sprechen, denn auch das Streben nach Wohlstand sei »ein Menschenrecht«. Was natürlich nichts für die »Ausländerproblematik« und die vor dem Hungertod geflohenen »Scheinasylanten« besagt – der Kanzler sprach von deutschen Menschen, nicht von Kanaken. Rassismus pur.
Keiner widerspricht, alle sind dabei. Seit dem Bau der Mauer ist über die DDR nicht so einstimmig bösartig geredet worden wie in diesen Herbsttagen 1989. Bei Bildausfall könnte man nicht mehr sagen, wen man gerade hört – den sozialliberalen Wetterkarten-Onkel oder den Vorsitzenden der schlesischen Landsmannschaft, Schönhuber oder die Talkshow-Modistin, die einst den knieenden Willy umschwärmte, den Verehrer von Tucholsky oder den Verleger von Konsalik. Sie kennen keine Parteien mehr, sie kennen nur noch Brüder und Schwestern. Fällt der Name Honecker, verfestigt sich die Gemeinsamkeit der Demokraten zur Verschworenheit der Volksgemeinschaft.
Warum? Warum gerade jetzt? Geht es den DDR-Bürgern heute schlechter als vor Jahren? Im Gegenteil. Ist Stalin in Berlin/Ost auferstanden? Nicht daß ich wüßte. Werden die Knäste mit Oppositionellen gefüllt? Die Zahl politischer Häftlinge ist kleiner denn je. Werden Kirchen abgerissen? Leider nein. Alles Böse, was sich über die DDR sagen läßt, hätte sich mit mehr Recht sagen lassen, als die sozialliberale Bundesregierung den zweiten deutschen Staat anerkannte. Und doch wird erst heute wieder vom Generalsekretär der CDU ein »Verräter« genannt, wer noch mit den »Unterdrückern« redet. Warum?
Weil sie den Mantel Gottes durch die Geschichte rauschen hören und den Zipfel erwischen wollen. Polen ist offen, Ungarn, die Sowjetunion auch. Drum Koppel umgeschnallt, Gott mit uns bzw. Jesus lebt, auf zum dritten Ritt nach Osten, zur doppelten Revanche für Stalingrad: Die deutsche Bourgeoisie kriegt, was sie immer wollte, die Töchter und Söhne schütteln die Schuld der Väter ab, indem sie, die Besseren im Troß der Stärkeren, die Freiheit bringen; Schuldgefühle gegenüber Kommunisten beseitigt man am einfachsten dadurch, daß man die Kommunisten beseitigt. (Nach dem Rezept des von einem Bettler angeflehten Reichen, der, den Tränen nahe, seinen Diener bittet: Schmeiß den Kerl raus – er bricht mir das Herz!)
Jesus lebt, und er schnurrt auch wieder, Gott sei dank. Ob aber auch Marx wirklich so mausetot ist, wie der Herz-Jesu-Marxist Blüm sich das wünscht, und der Marxismus-Leninismus, »die Schande unserer Zeit« (»FAZ«), endgültig ausgemerzt? Der Schaum vor den Mündern der Redner, die fein genug erzogen sind, über Tote nichts Schlechtes zu sagen, verrät, daß sie Gründe haben, die Nachricht vom Tod ein wenig übertreiben zu sollen.
Einer davon, und der ihnen peinlichste, ist die DDR, das heißt: die störrische Führung der SED, die sich, entgegen der sonst bei Kommunisten so beliebten Salami-Taktik, kein Scheibchen vom ungarischen Vorbild abschneiden will. (Daß sie auch sonst sich nicht bewegt, in entgegengesetzter Richtung, wäre ein Thema unter Kommunisten und gehört also nicht hierher.) Unter den Staaten des Warschauer Pakts ist die DDR der ökonomisch erfolgreichste und, nach der Sowjetunion, der politisch gewichtigste. Gelänge es der SED, bis zur absehbaren Pleite der polnischen und ungarischen Abenteuer durchzuhalten, könnte ihr Beispiel die Realisierung des Konkursgewinns gefährden, auf den die Investoren spekulieren. Schlösse sie sich hingegen dem gelobten und geforderten Trend an, gäbe es kein Zurück, für niemand.
Deshalb die Eile – jetzt (oder vielleicht nie) muß die SED in die Knie! – , deshalb die Hektik, der Geifer, die Erhebung des Wunschs nach schicken Pullis in den Rang eines Menschenrechts. Es sind, beim Barte seines Propheten, nicht die besonderen Schönheiten ihres realen Sozialismus, die der DDR jetzt eine historische Mission zuweisen; es sind Mauer und Stacheldraht, es ist das real existierende Hindernis für den Endsieg »unserer Ideen, europa- und weltweit«.
Steht anderes im Weg? Vielleicht die Erinnerung der Westmächte an ihre Erfahrungen mit deutschen Siegern; gewiß nicht eine bundesdeutsche Opposition, die in der Lage oder auch nur willens wäre, den Griff ihrer Landsleute zur Weltmacht zu vereiteln. Was einmal Linke oder neue Linke hieß, hat längst die Vorzüge des vormals »Schweinesystems« entdeckt und daß, wer jetzt kein Haus kauft, vielleicht keines mehr kriegt. Die Deutschen sind ein pünktliches Volk. Den Anschluß ans Vaterland haben sie noch nie verpaßt.
konkret 10/89, S. 8
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Hermann L. Gremliza
United Krauts
Genosse Schliefke (Teltow): … Auch der Genosse David handelte korrekt, wenn er der Einladung des Kronprinzen folgte. Die Sozialdemokratie ist eine revolutionäre Partei – sie muß deshalb auch, wenn es die veränderten Verhältnisse erfordern, mit alten Traditionen brechen –
Ein Zwischenrufer: Bei Hof ?
Schliefke: – ich meine mit ihren eigenen Traditionen! Sie muß in ihren eigenen Reihen revolutionieren. Sie ist eben eine durch und durch revolutionäre Partei.
Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit
Die letzten Tage der Menschheit ziehen sich. Feindselig wie 1914, da ihr Kaiser nur noch Deutsche kannte, stehen sich die Parteien gegenüber, aber auch reifer: Sie brauchen keinen, der es ihnen sagt – sie kennen sich von selbst nicht mehr. Zur äußersten Rechten ruft der Nazi Franz SS. die fast sofortige Wiedervereinigung des Deutschen Reiches aus, von der äußersten Linken schleudert die christliche Revolutionärin Antje Vollmer-Luxemburg die Bitte zurück, nichts zu überstürzen. Im weiten Raum zwischen den beiden Extremen stoßen sich die Unversöhnlichkeiten, über die nur eine gewisse Unübersichtlichkeit hinwegtröstet, indem der Alfred Dregger, der die Ausladung des Ministerpräsidenten der DDR verlangt, Horst Ehmke heißt, und der Steinkühler, der ein gutes Wort für ein volkseigenes Kombinat einlegt, sich als Wolff im Schafspelz bzw. v. Amerongen entpuppt, wenn er von Gerhard Aust oder Lea Löwenthal herausgefordert wird.
»Wir bekennen uns zu Deutschland«: Ist das schon das letzte, international-sozialistische Wort des Willy Brandt oder der erste Satz, den ein anderer Autor seines Memoiren-Verlegers in das neue Programm der nationalsozialistischen Partei hineingeschrieben hat? Mit Gewißheit läßt sich sagen, daß eine »positive Haltung zum eigenen Volk« auf dem grünen Mist des »Netzwerk«-Gründers Joseph Huber gewachsen ist, während man der Klage, »mit dem Nationalgefühl als einem Bindemittel moderner Gesellschaften« könnten »viele Sozialdemokraten und die meisten Grünen so wenig anfangen wie Puritaner mit Sex«, den spießigen »Republikaner«-Muff geradezu anriecht. (Wie sich die Sinne doch täuschen lassen.) Und auch zwischen den publizistischen Antipoden der Republik, der »TAZ«, die ihrem Freund Willy Brandt ein »fast schon provozierendes Selbstbewußtsein« attestiert und täglich »die erste deutsche Revolution« besingt, und der »FAZ«, die täglich die »friedliche deutsche Revolution« besingt und ihren Feind als einen »zu erstaunlicher Form auflaufenden Ehrenvorsitzenden Brandt« beschimpft, klaffen Welten von Grammatik- und Satzzeichenfehlern.
Die 17 Millionen Brüder und Schwestern an westdeutschen Fernsehgeräten, die noch vor Wochen scharf auf die »Tagesschau« gewesen waren, am 12. Januar aber schon den ersten Kanal voll hatten und, unter Zurücklassung einer lächerlichen Einschaltquote für das Neueste von der Revolution, zu den »Drombuschs« in den zweiten flüchteten, könnten sich fragen, wo denn all die schönen Kontroversen sind, mit denen die schwarzen, gelben, braunen, roten und grünen Männchen und Frauchen das Publikum zur Alf-losen Sendezeit einst unterhalten haben, wo sind sie geblieben?
Ihnen ließe sich, wenn sie hören wollten oder lesen könnten, sagen, daß die vormals festgestellte Uneinigkeit der Parteien ja vor allem darin bestanden hatte, daß jeder eine andere Rolle bei der Befreiung der Welt vom Kommunismus zugewiesen war: Die einen sollten am liebsten einmarschieren wollen und beschränkten sich widerwillig aufs Totrüsten, auf Boykott und Subversion; die andern sollten mit einem demokratischen Sozialismus oder mit einer ökologischen Basisdemokratie oder irgendeiner anderen Banane locken – Hauptsache: die Kommunisten kommen weg. Nun sind sie weg, jeder sieht, daß ihnen nichts anderes folgt als das, was sie verfolgt hat, und mit ihnen verschwindet die bunte Vielfalt der Verfolger.
(Es ist wie nach dem gewonnenen Krieg: dem abgemusterten Soldaten sieht keiner mehr an, ob er bei der Marine, bei der Kavallerie oder an der Gulaschkanone gekämpft hat. Nur manchmal, wenn sie, endlich in Zivil, zum Kameradschaftsabend in der Talkshow zusammentreffen, erkennt man noch an den Gesten der Subordination, daß Otto Wolff der General der Luftlandetruppen gewesen sein muß und Egon Bahr der hilfswillige PK-Leutnant. Die MarketenderInnen werden nicht mehr eingeladen.)
Einigkeitundrechtundfreiheiheit. Alle singen mit, erstens, weil sie es so gewollt haben, und zweitens, weil auch die wenigen, die es ungern tun, wissen, daß sie sonst vielleicht bald wimmern oder sogar brummen, mindestens aber nix mehr werden. Denn es gibt keine Freiheit für die Feinde der Freiheit! Voraussetzung der Freiheit ist, sagt Kohl, sagt Lambsdorff, sagt Vogel, sagen alle, der einige, freie Markt. Voraussetzung für den einigen, freien Markt ist, sagt Schiller der andere, das freie Unternehmertum. Das Recht des freien Unternehmertums ist, sagen Marx und Haussmann, die Akkumulation von Kapital. Keine Freiheit, sagt die Logik, für die Feinde des Kapitals!
Jeder hat das Recht, mit allen andern über diese Freiheit einig zu sein. Freiheit ist, wenn die Kommunisten im Knast sitzen oder wenigstens keinen Job kriegen. Polen und Ungarn sind schon kommunistenfrei, Rumänien wird es per Volksabstimmung (über ein Verbot der Kommunisten und, weils irgendwie dazugehört: über die Wiedereinführung der Todesstrafe) werden, demnächst die Tschechoslowakei, Bulgarien und, so um den 7. Mai, die DDR, deren einst führende Partei in dem Bemühen, das Schlimmste, das Vierte Reich der Deutschen, zu verhindern, lieber in opportunistischen Windungen sich stranguliert, bis auch sie, nach dem bekannten Vorbild, eben eine durch und durch revolutionäre Partei geworden ist, als jene außerparlamentarische Opposition zu bilden, aus der allein eine Politik gegen Einigkeitunrechtunfreiheit noch sinnvoll wird agieren können, und die Last der Verantwortung für die Existenz des zweiten deutschen Staats jenen Damen und Herren (Gorbatschow, Thatcher, Bush, Mitterand) zurückzureichen, deren Politik daran mitgewirkt hat, den United Krauts eine neue Chance zu geben, und die sich jetzt, ganz entspannt im Dort und Gestern, darauf beschränken, in Gesprächen unter vier Augen den Vorsitzenden der SED heimlich zum Durchhalten zu animieren. (Ein bißchen billig, nicht wahr, François?).

Ein solcher Rückzug gäbe den gescheiterten Revolutionären auch Zeit, über das einzige große Verbrechen nachzudenken, das sie – neben den vielen kleinen und größeren Fehlern, vermeidbaren dummen und unvermeidlichen – begangen haben: eine Bevölkerung, ja man muß schon sagen: ein Volk zu hinterlassen, das in einigen seiner öffentlichen Manifestationen täglich und besonders montags beweist, daß es die Brüder und Schwestern hüben an Dummheit, Feigheit, Raffgier, Fremdenhaß und Chauvinismus noch übertrifft. Vieles davon stammt aus großer deutscher Zeit – Psyche verändert sich noch träger als Bewußtsein – , zu vieles aber auch nicht. Wer nicht weiß, vielleicht nicht einmal wissen will, warum dem Kommunismus dies geschah und von wem, soll in Zukunft anderes vertiefen und ausbauen als Beziehungen zur Partei, zum Beispiel seine Liebe zur volkstümlichen Musik und seine Datsche, oder einfach, wie wir Westler sagen: sich verpissen. Freundschaft!

konkret 02/90, S. 8

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 Hermann L. Gremliza
Nation in Not
Die Einheizer der Nation haben Stress: Die Deutschen (West) sorgen sich mehr um ihre Prämiensparzinsen als um die baldige Vereinigung mit ihren Brüdern und Schwestern Leider ist auch das hin Grund zur Schadenfreude
Als der Kreis »Radikale Linke« vor einem Jahr Kritik an seinem ersten Entwurf einer politischen Grundlage sammelte, blieb ein Satz fast gänzlich unbestritten: daß die Bundesrepublik in eine Epoche rosa-grüner Besoffenheit eingetreten sei. Diese Annahme war falsch, die Epoche, die mit der Westberliner Koalition begann, ist kein Jahr alt geworden; mit dem Kollaps des realen Sozialismus war die Rolle der ökopazifistischen Alternative hier so ausgespielt wie dort. Als vor einem halben Jahr die Frankfurter Demonstration gegen die Wiedervereinigung vorbereitet wurde, war ebenso unbestritten von nationaler Besoffenheit und von Deutschtümelei die Rede. Wieder falsch. Wie es, gut ein halbes Jahr nach der realen Besoffenheit unterm Brandenburger Tor, in der Wirklichkeit der Bundesrepublik aussieht, sagt uns in diesen Tagen die bürgerliche Presse:
Zum Beispiel der Chefredakteur der Illustrierten »Stern«: Wo bleibt denn das »Das kriegen wir hin, wir haben schon ganz anderes geschafft, das wäre doch gelacht!« aus den Anfangstagen der Einheit? Der kleinkarierte Mief ist dabei, sich der Einheit zu bemächtigen. Einverstanden, wir können froh sein, daß der befürchtete neue Nationalismus (noch) nicht über uns hereingebrochen ist. Er ist aber prächtig ersetzt worden durch das Zetern um die Groschen.
Zum Beispiel der Chefredakteur der Wochenzeitung »Die Zeit«: Hinter der Kritik am Staatsvertrag verberge sich nichts anderes als der Sozialneid der Stammtische und die Besitzstandsmentalität der beati possedentes in der Bundesrepublik.
Zum Beispiel die Westberliner Kinder-FAZ: Auch vom westdeutschen Mann auf der Straße drohen weniger Euphorie und Überschwang als Ressentiments und marktwirtschaftlich geschultes Mißtrauen gegenüber den Brüdern und Schwestern.
Alle drei beklagen den Mangel an sog. Nationalgefühl, denunzieren dessen Abwesenheit als Zeichen einer minderwertigen Gesinnung, als Zetern um den Groschen, Besitzstandsmentalität und Kleinkrämergeist. Nach einer Emnid-Umfrage von Ende Mai, welche politischen Aufgaben sie für »besonders wichtig« halten, nennen von den befragten BRD-Bürgern: 77 Prozent den Umweltschutz, 68 Prozent die Drogenbekämpfung, 54 Prozent das sog. »Ausländerproblem« und ganze 28 Prozent die deutsche Einheit. Kurz vor der Erfüllung des »nationalen Traums«, der Wiedervereinigung, der Gründung des Vierten Reichs, scheint der deutsche Nationalismus in Nöten, jedenfalls in der BRD. Warum?
Ganz allgemein ist Nationalismus in einem modernen Industriestaat, also jenseits von Stammesgesellschaften, ein ideologisches Programm, das den Beherrschten, dem »kleinen Mann auf der Straße«, dem Stammtischbruder, nicht aus ihren unmittelbaren Interessen ablesbar ist und auch nicht gemacht werden kann. Nationalismus fingiert als ein höheres gemeinsames, ein volksgemeinschaftliches Interesse, das es real in einer Klassengesellschaft nicht gibt.
Diese Fiktion eines gemeinsamen Interesses muß immer wieder durch Propaganda erneuert werden, beispielsweise durch das tägliche Absingen einer nationalistischen Schnulze auf allen Fernsehkanälen oder durch Intellektuelle, die einer Bevölkerung, deren 90-Prozent-Mehrheit nicht weiß, wie man Goethe schreibt, einredet, sie bilde eine Kulturnation oder sei das Volk der Dichter und Denker. Das Vaterland ist eine Erfindung, an die die Armen glauben sollen, damit es ihnen leichter fällt, dran glauben zu müssen. Die Sorge um seine und seiner Kinder Ernährung hat noch keinen Schuster dazu gebracht, sich freiwillig nach Verdun oder auch bloß verdrossen nach Stalingrad zu melden.
Soweit die gesellschaftlich Herrschenden selbst die nationale Propaganda betreiben, hat diese an Wirksamkeit von 1870/71 über 1914, 1933 und 1939 bis 1989 erheblich eingebüßt: Einer Klasse, die im Fall, daß im feindlichen Ausland drei Prozent mehr zu holen sind, das Vaterland flieht, wird selbst im glaubensstarken Deutschland nicht mehr so recht geglaubt, wenn sie ans Nationalgefühl appelliert. Dafür braucht sie a) den Sport, Boris und Steffi und den guten Kaiser Franz, aber auch das laßt nach, und b), viel wichtiger, eine Opposition, die als sozialpolitische Vertreterin der beherrschten Klasse(n) die vaterländische Lüge mit »Glaubwürdigkeit« versieht: Ohne die Liberalen hätte Bismarck 1870/71 keine nationale Kriegsbegeisterung entfachen können, ohne Sozialdemokraten Wilhelm 11. nicht 1914, und Hitler 1933 nicht ohne eine deutsche Linke, die sich in der nationalistischen Agitation gegen das Versailler Diktat von keinem übertreffen ließ und – in Form der SPD-Fraktion – am 17. Mai 1933 im Reichstag nach der außenpolitischen Erklärung des Führers und Reichskanzlers zusammen mit der NSDAP das Deutschlandlied anstimmte. Eine Cover-Version dieses Titels wurde dann im November 1989 im Bundestag eingespielt, wieder mit der SPD und nun auch mit den Grünen.
So ist es gar nichts Neues, sondern es bestätigt bloß die historische Erfahrung, daß auch 1989/90 (und in der Vorbereitung dieses Datums) die nationalen Töne vor allem die Linke beizusteuern hat: Von den Alternativen, die die »deutsche Frage« dadurch offengehalten hatten, daß sie den realen Sozialismus der DDR zum Problem der westdeutschen Linken erklärten und sozusagen um der Schönheit eines besseren Sozialismus willen den zweiten deutschen Staat nicht anerkannten, vom Sohnemann Peter, der die »nationale Frage von links« schon vor Jahren inszenierte, über eine Friedensbewegung, welche den eigentlichen Schrecken da atomaren Rüstung darin erblickte, daß ihr Einsatz zuerst die Deutschen treffen würde, vom Vater Willy, der rassistisch-biologistisch zusammenwachsen lassen will, was zusammengehört, und damit besser als Schönhuber das »Ausländerproblem« als eines von Leuten definiert, die nicht zusammengehören, bis hin zu den Feuilletonisten des Fortschritts, den Augsteins und Hartungs.
Warum ist ihr nationalistisches Engagement dennoch in Nöten, warum macht der nationale Fusel, den sie austeilen, nur sie selbst besoffen, den kleinen Mann und den Stammtisch aber nicht? Weil das Nationale und das Soziale, im Nationalsozialismus schon nur noch gewaltsam zusammengezwungen, so offenkundig auseinanderfallen (ein Erlebnis, das spätestens beim dritten Besuch der DDR-Verwandten in vier Wochen zum Alptraum wird), daß keine Propaganda in der Lage ist, die Stimme des Interesses, oder, wie Theo sagt, den Sozialneid der beati possedentes, zum Schweigen zu bringen.
Diese Diagnose wird bestätigt durch den Niedergang der neuen national-sozialistischen Partei: Noch vor einem Jahr waren die REPs auf dem Weg von 10 zu 20 Prozent der Wählerstimmen; heute, da ihre deutschnationalen Parolen von Augstein und anderen Bundesverdienstmännern verbreitet werden, geben die Demoskopen ihnen noch zwei Prozent. Dafür hätten sie nun gute Chancen in der DDR: Dort ist der Eindruck, das Nationale falle mit dem Sozialen zusammen, noch zu erwecken, jedenfalls solange, als große Teile der DDR-Bevölkerung glauben, die Wiedervereinigung werde die BRD zwingen, in der dann ehemaligen DDR die gleichen Lebensbedingungen zu schaffen wie in der heutigen BRD. Daß dies nicht so kommen muß, könnten die Beispiele Norditalien/Mezzogiorno oder England/Schottland lehren.
Natürlich haben die einstigen REP-Wähler sich um keinen Deut verändert, sind sie, zurückkehrend zu CDU, SPD, FDP, den Grünen oder den Nichtwählern, dieselben geblieben. Aber es ist so naheliegend wie falsch, ihre Abkehr von den REPs damit zu erklären, daß sie an anderem Ort ihre nationalistischen Ressentiments besser aufgehoben finden. Die Nation, und das belegt die Studie, die Wolfgang Pohrt zur Zeit erstellt, interessiert die Wähler der Republikaner einen Dreck. Sie sind, obwohl treu-deutsch-doof, nicht deutschtümelnd, sondern Liebhaber von sog. Negermusik, und der Ausländer, den sie noch mehr fürchten als den Türken, ist der Sachse aus Siebenbürgen oder aus Chemnitz. (Nebenbei: Wen freut der Gedanke, daß dieses Kaff wieder den zu ihm passenden Namen trägt, nicht?)
Der deutsche Sozialcharakter, der natürlich nicht erbbiologisch, sondern durch gemeinsame historische Erfahrung erworben ist, zeichnet sich gerade nicht durch ein übertriebenes Zusammengehörigkeitsgefühl aus, sondern durch dessen Gegenteil: Weil jeder reichlich Gelegenheit hatte, sich an Verbrechen zu beteiligen oder von ihnen zu profitieren, hat er auch Entdeckung zu fürchten durch den lieben Nächsten, den er deshalb fürchtet und haßt und mit dem zusammen er es nur im Ausnahmezustand aushalten kann, im sentimentalen oder alkoholischen Exzeß, betroffen oder besoffen. Am Morgen danach heißt das Vaterland wieder Wüstenrot, wird der heilige Verteidigungskrieg im Wohngebiet, am Arbeitsplatz oder auf dem Sozialamt geführt.
Daß die Nation den Deutschen/West im Normalfall ziemlich wurst ist, bedeutet freilich nicht, daß ihr Sozialverhalten deshalb weniger aggressiv wäre: Ihre Abneigung gegenüber dem Nationalen gilt ja nicht dessen Versprechen, die Eigenen auf Kosten anderer zu bereichern, sondern im Gegenteil: Das Nationale scheint die individuelle Bereicherung (jedenfalls auf absehbare Zeit) zu behindern und den sozialen Besitzstand zu gefährden. Blüms aufs nationale Sentiment zielender Appell, die deutsche Einheit sei nicht zum Nulltarif zu haben, wurde als Drohung verstanden und bei den Wahlen in NRW und Niedersachsen entsprechend quittiert.
Dennoch: kein Grund für Schadenfreude und Hoffnungen. Denn die herrschende Klasse, deren Haushaltsbücher etwas weitsichtigere Spekulationen erlauben, und die ja weiß, daß die Verwertungsbedingungen für das Kapital durch die Erschöpfung der Dritten Welt und den Bankrott des Ostblocks sich so verschlechtert haben, daß – wie Pohrt zurecht meint – jetzt ein mittelschwerer Weltkrieg angesagt wäre, wird sozusagen ersatzweise das Vierte Deutsche Reich auch gegen den Willen der Wähler durchsetzen. Die Selbstverständlichkeit, mit der alle Kommentatoren der Bürgerpresse die DDR, den immerhin zehntgrößten Industriestaat der Erde, mit dem kriegszerstörten Deutschland von 194S verglichen, verrät mehr über die ökonomische Notwendigkeit ihrer Eroberung, als die Autoren sagen wollen. Und die fast hysterische Ablehnung einer Volksabstimmung über die Wiedervereinigung durch die Propagandisten des »Selbstbestimmungsrechts für das deutsche Volk« zeigt, wie sie die Lage einschätzen. (Daß das Verlangen nach einer solchen Volksabstimmung dennoch zurückgewiesen werden muß, weil es ein völkisches Recht der Deutschen voraussetzte, über die Größe ihres Staates selbst zu bestimmen, soll zur Vermeidung von Mißverständnissen gleich dazugesagt sein.)
Gegen den Willen heißt zunächst einmal: auf Kosten. Wie hoch die hier und dort sein werden. weiß keiner genau. auch die sogenannten Experten handeln nach dem Motto: Augen zu und durch! Nur wer sie zu tragen haben wird, kann als bekannt vorausgesetzt werden. Und daß sie von oben nach unten durchgebucht werden: vom westdeutschen Kapital auf die westdeutschen Angestellten und Arbeiter, auf die westdeutschen Frauen, auf die Rentner, auf die ostdeutschen Arbeiter und Bauern, auf die Frauen, auf die Rentner, auf die Ausländer: zunächst auf die Türken hier und die Polen dort.
In einem Land, dessen Geschichtsschreibern der Verlust des Arbeitsplatzes und Mieterhöhungen immer als entschuldigende Begründung für Rassismus und Pogrome gegolten haben und noch gelten, darf man sich auf alles gefaßt machen. Denn erst, wenn die inneren sozialen Konflikte einerseits auf einen inneren Feind – auf wen wohl? – und vor allem, weil der nicht mehr so sehr viel hergibt und ein Jude namens Gysi doch nicht Beleg genug ist für eine jüdische Verschwörung, nach außen abgelenkt werden müssen; wenn die Rolle, welche die französischen Truppen im Rheinland bis 1933 für den Erfolg der nationalistischen und nationalsozialistischen Propaganda spielten, die auf dem Gebiet der heutigen DDR stationierten Truppen der Roten Armee übernommen haben; wenn, was damals die Reparationszahlungen waren, demnächst die noch von der DDR eingegangenen Lieferverpflichtungen an die Sowjetunion und andere osteuropäische Entwicklungsländer sein werden – dann wird die nationalistische Propaganda wieder die Resonanz finden, die sie heute noch vergeblich sucht, wird das habeigezwungene gemeinsame Soziale sich wieder mit dem Nationalistischen zusammenzwingen lassen.
Was gäbe es dagegen zu tun?, Mitmachen, um Schlimmeres zu verhindern, wie die approbierte deutsche Opposition rät? Mir scheint, das Schlimmste, was zu verhindern wäre, sind Illusionen, die sich die Nachbarn in Ost und West von den wundersam gewandelten Deutschen machen. Solche Illusionen verbreitet natürlich die staatsloyale Linke, aber auch andere tun es, ungewollt, wenn sie mit Demonstrationen und Kongressen oder mit der Herausgabe einer Zeitschrift wie KONKRET den Eindruck erwecken, es gebe in diesem Land eine nennenswerte, womöglich sogar einflußreiche antivölkische Opposition, die mehr ist als eine Gruppe »hypermarginalisierter Outlaws«, wie das Blatt der Massenbewegung SOST die »Radikale Linke« nennt. Dieser auch integrierenden, auch Illusionen weckenden Funktion wäre freilich nur durch die Einstellung aller politischer Tätigkeit ganz zu entgehen. Immerhin stellt diese Einsicht aber die Aufgabe, zugunsten keines wie auch immer gearteten »breiten Bündnisses« die Kritik zu domestizieren und – nach dem Vorbild der Friedensbewegung – die Quantität wieder einmal der Qualität zu opfern.

Also: Nein zu Deutschland, nicht obwohl wir wissen, daß es nicht zu verhindern ist, und bis zum letzten Augenblick noch so tun wollen als ob, sondern weil wir es wissen und es auch sagen, hier und den Nachbarn, vor denen wir unsere politische Ohnmacht nicht verbergen und denen wir mitteilen wollen: daß auf das, was sich in Deutschland die Linke nennt, im Fall des Falles kein Verlaß ist; daß ihre Neinsager nicht zählen und ihre Jasager, angeführt von der SPD und noch ein Weilchen begleitet von den Grünen, nicht beiseite stehen werden, wenn das Vaterland ruft.

Konkret 07/90, S. 26

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Wvereinigen
Hermann L. Gremliza
Viertes Reich, fünfter Gang
»Irgendwelche Reminiszenzen« halte er im »Jahre eins« nach der Wiedervereinigung für nicht mehr in die politische Landschaft passend.
Wolfgang Bötsch, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag, laut dpa auf die Frage, ob es nicht Gründe für eine Zurückhaltung Deutschlands im jugoslawischen Krisengebiet gebe
Wer zu spät kommt… Daß ein Volk, dessen Blitzkrieg unübersetzt in die Wörterbücher der Nachbarn eingegangen ist wie the kindergarten und le berufsverbot, sich das nicht zweimal sagen lassen würde, war vorauszusehen. Und doch hat wohl keiner seiner näheren und ferneren Nachbarn für möglich gehalten, daß die Deutschen ab sofort Politik als Fortführung ihrer unübersetzbaren Autobahn mit anderen Mitteln betreiben würden: ohne jedes Tempolimit, nichts achtend als das eigene Vorankommen, ohne Rückblick in den Spiegel, und der übrigen Welt, so sie dem Hupen und Auffahren nicht weicht, mit der Faust drohend oder den Vogel zeigend.
Das Vierte Reich gibt Vollgas. Der Sowjetunion schreiben seine Politiker täglich dreimal vor, in welche Portionen sie sich zu zerlegen und welche Gesetze sie sich zu geben hat. Japan und die USA, die das Deutschland-Magazin »Spiegel« en passant »innen- und finanzpolitisch verrottet« nennt, bekommen täglich dreimal gesagt, wie sie den Wandel in Osteuropa zu verstehen und was sie dafür zu bezahlen haben, da die Deutschen wegen der Hilfe für die Landsleute »an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit sind« und die letzten paar Mark für Infrarot-Nachtsichtgeräte und Hubschrauber zur Sicherung der Ostgrenze gegen Asylantenpack zusammenkratzen müssen. Den Westeuropäern aber bläst ein multimedialer Spielmannszug den Marsch, an dessen Spitze, als Tambourmajor, die »Frankfurter Allgemeine« den Takt angibt:
An der Katastrophe haben der holländische Außenminister van den Broek und seine Mitarbeiter maßgeblichen Anteil… Von Anfang an haben sie sich derart einseitig auf die Seite der Gegner selbständiger jugoslawischer Teilstaaten gestellt, daß sich ernsthaft nach der Ermächtigung für ein solches Handeln fragen läßt. Man vermutet, der »jugoslawische Integralismus« der Holländer sei mit den Vereinigten Staaten abgestimmt… Wird der Alleingang der Holländer und ihrer Verbündeten in der EG nicht bald gestoppt, können die Folgen auch für die Gemeinschaft schwerwiegend sein… Neben den Holländern bestehen (auf der Bewahrung Jugoslawiens) besonders ausdrücklich die Spanier und die Briten, teilweise auch Italiener und Franzosen… Die deutsche Politik hat sich allzulang einer aktiven Minderheit innerhalb der EG gebeugt.
Engländer, Franzosen, Holländer, Italiener und Spanier, mögen ihnen auch die verrotteten Amis beistehen, sind eine Minderheit in der Europäischen Gemeinschaft – gegenüber einer deutschen Mehrheit, die sich lang genug gebeugt hat und deren Leitartikler keiner Gleichschaltung bedürfen, um wie im Traum das treffende Wort zu finden: Ermächtigung. Wie, die Franzosen erlauben sich, Zicken zu machen? Den entsprechenden Auftrag erledigen Springers »Hamburger Abendblatt« und Bertelsmanns »Spiegel« Schulter an Schulter:
Mitterrand sieht sich auf der Verliererstraße. Erfolglos hatte er sich gegen das Tempo bei der Vereinigung Deutschlands gestemmt… Mitterrand ist der politische Kompaß abhanden gekommen. Bei der deutschen Wiedervereinigung, beim Putsch der Moskauer Betonköpfe, in der Jugoslawien-Krise – er steuerte immer den falschen Kurs… »Ewig steht der Präsident mit dem Fuß auf dem Bremspedal«, kritisierte Libération, »um den rasanten Lauf der Geschichte zu mildern.« (»Libération«, die einzige publizistische Zeugin des »Spiegel«, ist das französische Vorbild der Kinder-»FAZ«.)
Gebremst wird nur für Tiere. Wenn Letten, Litauer und Esten, einst die besten Kumpane deutscher Nazis beim Schlachten roter Schweine, unabhängige Staaten ausrufen, um sogleich ihre NS-Verbrecher zu rehabilitieren und die Vertreibung der russischen und polnischen Minderheiten vorzubereiten, scheißt das Vierte Reich im Jahre eins auf Reminiszenzen und beeilt sich, zwecks Erneuerung »traditionell enger Beziehungen« noch vor den Russen und den Amerikanern seine Botschafter an die Front zu schicken, darunter, wie in allen Blättern und auf allen Kanälen gelobt wird, zwei Angehörige »alter baltendeutscher Familien«, einen Herrn von und einen Grafen.
Wenn die Russen Leningrad in St. Petersburg umbenennen, hält sich die deutsche Presse für ermächtigt, Kaliningrad sofort in Königsberg umzutaufen, und eins der gleichgesinnten Blätter konstatiert, zwanzig Jahre nach dem Moskauer Vertrag, unbefangen und unwidersprochen, daß »Ostpreußen seit 1945 unter sowjetischer Verwaltung steht«. Wenn am Brenner südtiroler Lodengruppen aufmarschieren, nennt die »Zeitung für Deutschland« deren Führerin Eva Klotz »die Tochter des legendären Freiheitskämpfers der sechziger Jahre«, als hätte das Alto Adige in den Sechzigern unter einem blutigen italienischen Diktator gelitten und nicht unter deutschvölkischen, von alten österreichischen und reichsdeutschen Nazis finanzierten und bewaffneten Terrorbanditen.
Und wenn, wie die nördlichen, auch die alten südöstlichen Verbündeten des Dritten Reichs dort weitermachen wollen, wo ihre Väter und Großväter aufgehört haben, entzieht der Herausgeber Reißmüller ihren früheren und künftigen Opfern den Arier- bzw. Europäerausweis: »Jugo-Serbien ist eine gänzlich uneuropäische Macht. In der heutigen Staatenwelt ähnelt ihm am ehesten der Irak; die serbischen… Führer haben zur Wahrheit ein orientalisches Verhältnis. Deshalb darf für Serbien auf alle absehbare Zeit kein Platz in der Europäischen Gemeinschaft sein.«
Aktuelle Rassenkunde. Keiner widerspricht, was hier steht, steht auch dort, und nur Art und Häufigkeit der Satzfehler und syntaktischen Havarien zeigen an, ob man in der Allgemeinen, der Rundschau oder der Alternative blättert. Und wie stets suchen sie die Defekte des eigenen Kollektivs einem Gegner anzudichten:
An der Propagandafront konzentrieren die Serben ihren Haß jetzt ganz auf die Deutschen… Der antideutsche Sturmlauf offenbart den Informationsrückstand einer Nation, deren Weltbild jahrzehntelang durch staatliche Desinformation geprägt wurde. Mitteleuropa ist für die Mehrheit der Serben ein von den Deutschen kontrollierter Machtblock, der nach der Herrschaft über ganz Südosteuropa giert.
So sehr kann monatelanger Einsatz an der Propagandafront verblöden, daß der Redakteur des »Spiegel« es nicht mehr merkt, wenn er den Mond zur beleuchteten Scheibe erklärt. Was die staatlich desinformierte Mehrheit der Serben glaubt, glaubt freilich nicht sie allein, denn ein paar Absätze später ist der Mond, ohne daß es dem Redakteur auffiele, wieder eine Kugel:
Umsichtige nichtdeutsche Journalisten bekleben neuerdings die Windschutzscheiben ihrer Mietautos mit den Kennzeichen-Kürzeln ihrer Heimatländer – um nicht für Deutsche gehalten zu werden.
Sie scheinen es nicht zu merken, daß die Welt, die ja vorläufig leider zu größeren Teilen noch von Nichtdeutschen bevölkert bleiben wird, nach nur wenigen Monaten Viertem Reich die deutschen Einheitsjournalisten so satt hat wie die Regierungen in Washington, London, Paris, Den Haag, Brüssel, Rom und Madrid den sächsischen Praeceptor Hans-Mundi Genscher, jenen bei den Deutschen derzeit beliebtesten Politiker, dessen allgemeine Unbeliebtheit außerhalb der Landesgrenzen jüngst sogar dem Redaktionsatlantiker der »FAZ« aufgefallen ist: »Der Bonner Außenpolitiker glaubt, besser als alle anderen Verbündeten zu wissen, wie man die Sowjetunion behandeln muß, und wird dabei zum Zensor der Verbündeten, der mit kleinen, versteckten Hieben dazu beiträgt, daß sie ihm nicht trauen, selbst da, wo er es verdiente.«
Keiner traut ihnen, und keiner traut sich, es mit dem erwachenden Deutschland sich zu verderben. Die Regierungen im Osten wollen und können keine Mark (die sie nicht kriegen werden) riskieren, die im Westen fürchten, die ökonomischen Folgen ihrer Kritik könnten »schwerwiegend« sein.
So könnte es denn geschehen, daß die Welt ihre bekannte Entschlossenheit, aus der Geschichte nichts lernen zu wollen, so weit treibt, daß sie den Deutschen mit ihrem Vierten Reich eine dritte Chance gibt.
Konkret 10/91, S. 8
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Hermann L. Gremliza
Die Krauses als Krupps
Ich sah, daß man Worte wie Keuschheit und Reinheit, moralische Grundsätze, sittliches Verhalten und Nächstenliebe im Munde führen und dabei sein schmutziges Einkommen aus den baufälligen Mietskasernen des Negerviertels ziehen konnte – schmutzstarrenden Bruchbuden, die man nicht einmal Schweinen als Behausung angeboten hätte.
Thomas Wolfe
Irgendwer würde von der Wiedervereinigung was haben, das war gewiß, und daß es weder die Leipziger Armleuchter noch die vietnamesischen Vetragsarbeiter wären, ließ sich denken. Profitieren sollten die Krupps, ein Synonym für die großen Kapitalisten und kleinen Spekulanten aus dem Westen, und die Krauses, dies aber nicht ein Synonym für die Massen ostdeutscher Arbeiter und Bauern, sondern der Name einer einzelnen Familie aus dem Mecklenburgischen, an der sich die Wünsche und Hoffnungen von sechzehn Millionen Doppelzentner Heldenvolk aufs wunderbarste erfüllen sollten.
Herr Günther Krause und Frau Heidrun haben getan, was ihre Mitbürger auch gern getan hätten und nicht gekonnt haben. In den drei Jahren nach der friedlichen Konterrevolution haben sie größeren privaten Reichtum erworben als das ganze Politbüro der SED in vierzig Jahren. Herr Krause, der Bundesminister, bringt zu jedem Monatsende 30.000 Mark plus Spesen nach Hause, Frau Krause, die Grundbesitzerin, zieht von seinen Geschäftspartnern für einen zum Büro umgewidmeten Stall monatlich 19.000 Mark Miete ein und verkauft auch mal für die eine oder andere Million einen Teil eines Ackers, den Herr Krause, der Gemeinderat, zum Bauland erklären läßt. Wenn Krause, der Sohn, schwach in Englisch ist, bringen Vati und Mutti ihn auf Kosten der Luftwaffe (180.000 Mark) nach San Francisco zur Schule. Frau Krause, die Gattin des Ministers, erlöst beim Kauf eines 50.000 Mark teuren Autos, mit dem der 16jährige Sohn des Ministers in Börgerende den Schulweg unsicher machen will, auf Vorlage eines Diplomatenpasses einen Rabatt von 25 Prozent, was aber schon deshalb not tut, weil das Rostocker Arbeitsamt für die Putzfrau der Krauses nur 700 von den 800 Mark Monatslohn übernimmt und das Haushaltsgeld durch die Monatsmiete von 780 Mark für das von Krause, dem Staatssekretär der DDR, kurz vor der Wende requirierte Anwesen am Müggelsee fast so sehr angegriffen ist, daß die Familie in Versuchung geraten könnte, ihr Budget mit Provisionen für die preiswerte Vergabe von Konzessionen für Autobahnraststätten aufzufüllen, die Krause, der Verfasser des Staatsvertrags, in den letzten Tagen der DDR vergeben hat.
Es wird jedoch, das darf man Herrn Krause glauben, »alles nach Recht und Gesetz« zugegangen sein, und auch zwischen seinem Engagement bei der Privatisierung eines DDR-Baukonzerns und den Millionen, die seine Frau von den frisch Privatisierten erlöst hat, dürfte es, wie der Minister versichert, »keinen anfechtbaren Zusammenhang« geben, sondern nur einen unanfechtbaren. Die Krauses werden sich nicht anders verhalten haben als die Krupps, die ihnen vierzig Jahre lang als Vorbilder freien Unternehmertums hinübergefunkt worden waren – ein bißchen hektischer und ruppiger vielleicht, wie man das von Leuten kennt, die neu im Geschäft sind, aber strikt nach den Gesetzen der freien Marktwirtschaft und, weil in den Grenzen, die das Strafrecht zieht, ohne jenes schlechte Gewissen, das viele Kollegen Krauses nötigt, den halben Arbeitstag mit der Camouflage ihrer Nebeneinkünfte zu verbringen.
Warum dann aber trifft die Krauses eine Entrüstung, als hätten sie kleine Kinder gegrillt? Frau Matthäus-Meier von der SPD spricht dem Minister »die charakterliche Eignung« ab, die »Bild-Zeitung« verlangt seine Entlassung, die »Berliner Zeitung« seinen Rücktritt, »der politischen Hygiene wegen«, ein Hamburger Wochenblatt schimpft ihn die »Personifizierung des neudeutschen Raffke, gierig, prinzipienlos, egoistisch«, ein Herausgeber der »FAZ« greift wie im Traum in die Sprache, in die ein Herausgeber der »FAZ« stets wie im Traum greift, wenn er sich von einem Kumpan bis aufs Blut distanzieren möchte: »Was Krause zeigt, ist Chuzpe«, und der Gemeindepfarrer von Börgerende klagt, »der alte Grundsatz, daß Gemeinnutz vor Eigennutz geht«, habe seine Wirkung verloren.
Der alte Grundsatz war die Parole einer Bewegung, die zur Wiederherstellung der politischen Hygiene der Nation das Land von gierigen, prinzipienlosen Raffkes zu reinigen versprach, aber das braucht ein deutscher Gemeindepfarrer sechzig Jahre später nicht zu wissen, um doch, traumhaft sicher wie ein Fack, das in die Zeit passende Wort zu finden. Wieder ist die Verwertung des Kapitals so schwierig, daß seine christlichen Medizinmänner schon feindlichste Götter anrufen. Denn ginge der Gemeinnutz tatsächlich vor Eigennutz, wäre die private Aneignung des gesellschaftlichen Produkts ja abgesagt, das herrschende System over and out. So war es natürlich nie gemeint, und wie es gemeint war und ist, konnte man damals bei Hugenberg lesen wie heute bei Springer: »Jenseits von Werteverfall und Normenbeliebigkeit steht fest, daß ein freiheitliches System wie das unsere sofort zusammenbrechen würde, wenn alle seine Glieder wert- und vorbildfrei den Spielraum nutzen und ausfüllen würden, den ihnen die Gesetze lassen.«
Solange die Kapitalverwertung funktioniert, ist jeder Beteiligte verpflichtet, bei Strafe der Pleite oder des Rauswurfs jede sich bietende Chance zu nutzen. Wer den größten Erfolg hat, ist der Wertvollste und das Vorbild – in den Siebzigern waren es »die Japaner« (namenlos), in den Achtzigern Rausschmeißer wie Iacocca und Lopez, die jeden Spielraum genutzt und ausgefüllt haben, den ihnen die Arbeits- und Sozialgesetze ließen. Doch seit materielle Erfolge kaum mehr zu erringen sind, ist der Bedarf an Idealen steil angestiegen. Die Renner sind Solidarität, Patriotismus, Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Bescheidenheit. Die hohen Kurse, zu denen die ideellen Werte gehandelt werden, zeigen an, wie tief die materiellen stehn.
Was soll es bedeuten, daß die in Redaktionen versammelte Lumpenbourgeoisie, die noch keinen Veilchenstrauß zum Muttertag gekauft hat, den sie nicht von der Steuer hätte absetzen können, Ehrenkodici für Politiker erschwitzt und dafür dreimal mehr Zeilen und Sendeminuten verbraucht als für Deutschlands dritten Kriegseintritt in diesem Jahrhundert? Es bedeutet, daß da jemand glaubt, er werde von der Moralisierung der Politik etwas haben. Das glauben zwar auch die Journalisten, die aber so wenig wie die Leipziger Kerzenhalter wissen, wer sie gerade für sich leuchten läßt. Die Bourgeoisie, die diese nicht nur intellektuell bankrotte Meinungsmacherei bezahlt, tut es, weil sie erkannt hat, daß die Moralisierung der Politik ihr in der Stunde der Not das so lange entbehrte Mittel, mit dem das nicht mehr verwertbare Kapital entsorgt werden kann, zurückzugeben verspricht: den Krieg. Physisch möglich gemacht hat ihn die Kapitulation der sozialistischen Staaten, um ihn psychisch erträglich zu machen, müssen aus Politikern, die nichts sind als bezahlte Vertreter von Interessen, selbstlose, »glaubwürdige« Apostel der Menschheit und ihrer unveräußerlichen Rechte werden – solchen wird man folgen, heute nach Sarajevo, morgen nach Berg-Karabach.
Einen Bosnien-Boom, vergleichbar dem Korea-Boom, der die Ökonomie der USA für ein Jahrzehnt saniert hat, können die Awacs-Einsätze nicht bringen. Wenn es aber gelänge, die Moralisierung der Politik gegen die eigenen, eigenhändig korrumpierten Streibls, Waigels, Schwätzers, Stoibers undsoweiter durchzusetzen – denn es ist zwar süß und ehrenvoll, für das Vaterland zu sterben, nicht aber für den Amigo – , wenn also moralische Aufrüstung den Politikern jene »Glaubwürdigkeit« gäbe, nach der die Bürgerpresse verlangt, könnte auch Größeres in Angriff genommen werden.
Noch gibt es auch andere Hoffnung. Einer Umfrage zufolge »kennt mehr als die Hälfte der 18- bis 25jährigen keinen vertrauenswürdigen Politiker mehr«. Das ist doch was. Und dann ist da die Familie des Ministers Günther Krause. Solange er durchhält, ragt sie wie ein Fels der Aufklärung aus der Schlammflut öffentlicher Moral.
Konkret 05/93, S. 9
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Hermann L. Gremliza
Kampfgruppe Großer Wurf
Es ist der Zeitpunkt gekommen – die Nachkriegszeit ist mit der deutschen Einheit endgültig zu Ende gegangen – dieses Ereignis als einmaliges Ereignis einzuordnen.
Steffen Heitmann
Aber warum diese (Carl) Schmitt-Renaissance gerade jetzt? Mir scheint, in Zeiten großer Umbrüche suchen die Menschen verschüttete Eingänge zu einer großen und erlösenden Erkenntnis.
Rudolf Augstein
Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß die Bundesrepublik am Ende scheitert.
Arnulf Baring
Nachdem jetzt das Schlagwort »Antifaschismus« nicht mehr alle auf die Knie zwingt, beeindrucken manche Anlagen Mussolinis durch ihren großen Wurf.
»Frankfurter Allgemeine«
Gerade mal dreieinhalb Jahre alt geworden sind die submissesten Versprechen, mit denen es der Bundesregierung gelang, die Ängste der Siegermächte vor einem größeren Deutschland zu zerstreuen. Nichts, nicht das Geringste werde sich an der Politik der Bundesrepublik ändern, an ihrem Bekenntnis zur westlichen Demokratie, ihrer Treue zum Bündnis und ihrer Absage an den Nationalismus. Zum Beweis werde das neue Deutschland seine politische Macht noch schneller als geplant in der Europäischen Gemeinschaft aufgehen lassen.
Frau Thatcher hat es schon damals nicht geglaubt. Ob sie geahnt hat, wie schnell die Deutschen ihr Recht geben würden? Daß schon zum dritten Jahrestag der Wiedervereinigung der bayerische Ministerpräsident Europa eine »Kopfgeburt« nennen würde, die nicht mehr in die »neue Lage« passe? Daß Kanzler Kohl, bis gestern »der letzte Europäer« genannt, die Formel »Vereinigte Staaten von Europa« aus seinen Redemanuskripten streichen und mit den Worten abwinken würde: »Wir sind ja alle mal als Idealisten gestartet«? Daß der »Spiegel«, das Magazin dieses neuen Deutschland, das Resümee zöge: »Für Deutschland, das aus der Randlage in die Mitte Europas gerückt wurde, macht das sture Weiterwerkeln am westeuropäischen Haus keinen Sinn mehr. Der Bauplan muß geändert werden«? Daß brave Christdemokraten, die an den Schwur von 1990 erinnern, vom Generalsekretär der brandenburgischen CDU zum »Chor der linken, am Bestand der alten Bundesrepublik reaktionär Festhaltenden« geschlagen werden?
Geht man den »Bestand der alten Bundesrepublik« durch, begegnet einem nichts, was einen CDU-Funktionär in Rage bringen sollte. Die herrschende Klasse hat die Gesellschaft, die Ökonomie, den Staat und seine Abteilungen (Justiz, Polizei, Verwaltung) sicher im Griff, die traditionellen Organisationen der beherrschten Klasse treten nur noch als Claque auf (wenn sie nicht, äußerster Fall deutscher Revolution, dem Fabrikherrn drohen, für ihr Recht auf Lohnarbeit zu verhungern). Was am »Bestand der alten Bundesrepublik« stört, ist aber eben ihr Bestand, ist die von den Siegermächten entlang der Marken: Faschismus und Krieg gezogene Grenze politischen Redens und Handelns, deren Anerkennung einst die Voraussetzung gewesen ist für die Rückkehr der Westdeutschen in Welthandel und Weltpolitik. Wann immer sie versuchten, die gesetzten Grenzen zu übertreten, wurden sie durch Erinnerung zur Ordnung gerufen – durch französische und englische Filme, durch US-Fernsehserien, durch Gedenktage und Denkmale. Nach links, in den Sozialismus, wollten sie nicht, nach rechts durften sie nicht. Der status quo war ihr Schicksal. Es war leicht zu ertragen, solange er ständig wachsenden Wohlstand zu bedeuten schien.
Daß Zeiten und Umstände nahten, die diesen »Bestand der alten Bundesrepublik« und seine Grenzen als unerträglich eng erscheinen ließen, merkte zuerst der Nachwuchs. Die Zeitung der Söhne und Töchter, der als Minensuchhund der Bourgeoisie manche Verdienste und manches Verdienst anzurechnen sind, hat schon früh ihre Duftmarken an einen der beiden Grenzsteine deutscher Politik gesetzt, besonders eindrucksvoll im April 1989, als in der »Tageszeitung« ein zweiseitiges Interview mit einem emeritierten Kommunarden unter der redaktionellen Ankündigung erschien: »Die fehlgeschlagene Gottsuche der Nazis und der heillose Antifaschismus der Linken«. Neben dem »heillosen« wurden wahlweise auch der »altbackene«, der »orthodoxe« und der »verordnete Antifaschismus« denunziert und zugleich die »Nation von links« in die Diskussion gebracht.
An diese Vorarbeiten der Kinder können die Herren Eltern jetzt anknüpfen, da summa summarum sechs Millionen Deutsche arbeitslos sind und sogar die Wirtschaftsweisen begriffen haben, daß daran nicht einmal ein unerwarteter Aufschwung etwas ändern würde. Was materiell nicht zu kurieren ist, muß ideell gepackt werden. Nicht, wie der Nachwuchs meinte, mit einem ökologischen Umbau der Industriegesellschaft, sondern mit einem ideologischen und ordnungspolitischen Umbau der Bundesrepublik – durch Lohnsenkung zur Verteidigung des »Standorts Deutschland«, durch Schaffen statt Raffen (»Da auf der Rechten der produzierende und nicht der fordernde Teil der Bevölkerung angesiedelt ist, sieht sich genau der Teil unseres Volkes, der den Wohlstand schafft, heute politisch nicht mehr repräsentiert«, sagt Baring, der Redner des völkischen Bauchs), Deutschmark statt Europa, Zerschlagung des Sozialstaats und Ausbau der Polizei, Deutschland den Deutschen, Ausländer raus. Nicht mehr die »Tageszeitung« sondern die »Welt am Sonntag« führt jetzt den Diskurs über das Heillose und die Gottsuche an:
Tabuisiert sind Begriffe wie »Nation«, »deutsche Normalität« oder »Geopolitik«, aber auch ganze gesellschaftliche Problemfelder werden nach dem Willen der politisch Korrekten ausgegrenzt, mit Denk- und Diskursverbot belegt. Kein Nachdenken (oder gar politisches Handeln) zum Thema »Ausländerkriminalität«, kein öffentliches Räsonieren über die totalitären Aspekte des militanten Feminismus, über eine Strafrechtspraxis, die der »Resozialisierung« die Gerechtigkeit opfert, über eine rigidere Aids-Prophylaxe, die Infizierte kenntlich macht, um Opfer zu schützen, über die biologischen, phylogenetischen und sozialpsychologischen Prämissen von Mutterschaft, Fremdenabwehr oder nationalem Wehrwillen. Wo die Grenze zu diesen Tabus überschritten wird, droht Exkommunikation, das Totschlag-Etikett »faschistoid«.
Die Rede von den Tabus und dem Totschlag-Etikett ist natürlich bloß eine rhetorische Figur, deren ständige Wiederholung (und implizite Widerlegung) in den Blättern der großen Konzerne dazu dient, das Angriffskommando Herrschender als Hilferuf Unterdrückter auszugeben. Denn überall ist Tabubruch, überall werden Nazis und Faschisten (Horthy, Schmitt, Jünger) wiederentdeckt. »Ohne die Eingriffe des Faschismus wären die Verkehrsprobleme in Mailand unerträglich«, schreibt, aus Angst vorm Totschlag-Etikett, die Samisdat-Zeitung »Frankfurter Allgemeine«, die zugleich im Untergrund die »Erkenntnis« verbreitet, »daß die Besinnung auf die NS-Vergangenheit keine verbindlichen politischen Maßstäbe für Gegenwart und Zukunft erbringt«, und aus dieser Abkehr von der Vergangenheit die Lehre zieht, in ihrer Tiefdruckbeilage zum Sonntag einen Pornoverleger, den sie zu Zeiten der alten Bundesrepublik nicht mit der Kneifzange angefaßt hat, eine ganze Seite über die »Lebenslüge Antifaschismus« vollschmieren zu lassen.
Der Angriff auf den »Bestand der alten Bundesrepublik« soll der deutschen Politik eine Option zurückgewinnen. Ob und wann welche Variante deutschen Faschismus’ Lebenswahrheit wird, ist ungewiß. Ein wenig hängt es auch davon ab, wie lange die Nachbarn auf Lob- und Schönredner des neuen Deutschland hereinfallen wie auf diesen:
Sie stellen es so dar, als ob das, was sich heute in Deutschland abspielt, die Kultur bedrohe, die Zivilisation bedrohe, als ob eine Horde Wilder die Ideale schlechthin der Menschheit bedrohe, aber… der Mensch ist älter als die französische Revolution, schichtenreicher als die Aufklärung dachte.
Was sich liest wie eine Gemeinschaftsproduktion von H. Enzensberger, B. Strauß und M. Walser, ist schon einmal gesprochen worden: als Kritik an den Antifaschisten, die nicht bis zu ihrem Totschlag in Deutschland geblieben waren, im Berliner Rundfunk, 1933, von Gottfried Benn.
Konkret 12/93, S. 9
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4Reich
Hermann L. Gremliza
Deutschland, Euro Gnaden
Warum das übrige Europa der deutschen Politik gegen Jugoslawien gefolgt sei, könne »der Stammtisch mit dem Wimpel ›Nie wieder Deutschland‹« doch nur erklären, indem er die eigene Weltsicht mit der Behauptung immunisiere, Deutschland habe die anderen schon so unterjocht, daß sie alles machen müssen, was es will. Das hat Georg Fülberth in der zweiten Kriegsausgabe dieser Zeitschrift behauptet. Der Stammtisch schuldet eine Antwort:
Sie beginnt mit der Erinnerung, daß die anderen, Frankreich und Großbritannien allen voran, dem deutschen Vorsatz, Jugoslawien zu zerstückeln, mit etwa dem gleichen Enthusiasmus begegnet waren wie der Vereinigung Deutschlands kurz zuvor, und der daran geknüpften Frage, wie die bereitwillige Begeisterung gerade der Franzosen und der Briten, zu dem einst gehaßten Zweck und ohne Rücksicht auf die einst gemeinsam gegen Deutschland formulierte Uno-Charta sogar einen Angriffskrieg zu führen, entstanden sein mag. Sind die beiden in sich gegangen? Sind sie schlauer geworden?
Es haben die Regierenden gewechselt, in Frankreich vom Sozialisten Mitterrand zum Sozialisten Jospin, in Großbritannien von der Konservativen Thatcher erst zum Konservativen Major, dann zum Sozialdemokraten Blair. War das der Grund? Aber in Frankreich war es Mitterrand selber, der die französische Politik auf deutschen Kurs brachte, weil er von dem mächtigen Nachbarn nicht noch einmal so schmählich vorgeführt werden wollte wie mit seinem zaghaften Widerstand gegen die Wiedervereinigung. Jospin weiß, daß er sich eine Revision dieser Entscheidung nicht leisten könnte. Margret Thatcher hatten die britischen Unternehmer gestürzt, weil die Premierministerin (ihr Motto: »Die Deutschen sollen merken, daß sie den Zweiten Weltkrieg verloren haben«) sich geweigert hatte, Großbritannien als Juniorpartner Deutschlands in Europa zu etablieren. Ihr Nachfolger Major war wohl willens, aber zu unbeweglich, der gewünschten Politik eine Mehrheit zu schaffen, so daß die britische Bourgeoisie (wie kurz darauf die deutsche) einen Mann der anderen Partei erkor, der (wie jener) die Gewähr bot, allzeit zu allem bereit zu sein, was man ihm sagt, der aber zugleich ein beträchtliches Geschick bewies, Unterwerfungen als Triumphe zu feiern und seine Arbeit als Butler in der Uniform Lord Nelsons anzutreten: Wenn England schon mußte, was es nicht gewollt hatte, dann in vorderster Front, noch vor den Deutschen. Schön, wenn man dann noch Atommacht ist, wie die USA, und an deren Seite jeden Tag beim Bombenschmeißen auf den Irak ein bißchen Weltmacht spielen darf, um zu überspielen, was jeden Tag in der Zeitung steht:
Daß Brüssel Sitz der Europäischen Zentralbank werden soll, und Frankfurt es wird; daß ein Franzose ihr Chef werden soll, und Wim Duisenberg, der Kandidat der Deutschen, es wird; daß der deutsche Kanzler die Entscheidung, Bodo Hombach zum Vizekönig des Generalgouvernements Balkan zu ernennen, ganz alleine trifft und verkündet; daß alle andern Europäer murren, und alle andern Europäer ja sagen; daß alle Verlage, auch die deutschen, erwarten, der zuständige Kommissar Karel Van Miert werde sich mit der Forderung, die Buchpreisbindung aufzuheben, durchsetzen, er es nicht kann und der deutsche Kulturminister Naumann mitteilt, warum: »Die Europäische Kommission unter Jacques Santer hat damit Augenmaß bewiesen«, und das sei auch auf die Initiativen aus Deutschland zurückzuführen. Zuletzt habe Bundeskanzler Schröder in einem Schreiben an Santer darum gebeten …
Die Europäische Union einigt sich darauf, die Autohersteller an den Kosten für die Entsorgung ihrer Rostlauben zu beteiligen. Deutschlands grüner Umweltminister kippt die Vorlage. Warum er das kann, erklärt die »Frankfurter Allgemeine«: »Zugleich verdichteten sich die Anzeichen dafür, daß sich nach der erfolgreichen Intervention von Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch bei Bundeskanzler Schröder auch die Regierungen Spaniens und Großbritanniens anschickten, der Regelung die Zustimmung zu verweigern. Der spanische Autohersteller Seat ist eine VW-Tochtergesellschaft, der britische Hersteller Rover gehört zu BMW.«
Die EU-Kommission entscheidet, daß die Westdeutsche Landesbank 1,6 Milliarden Mark unerlaubter Beihilfe zurückzahlen muß. Sie muß nicht – dank einer höheren Gewalt, wie das Deutschland-Magazin »Spiegel« (»Mit dem neuen Selbstbewußtsein der 68er, die der Gnade der späten Regierung teilhaftig wurden, tritt Rot-Grün nun in Europa auf«) voller Nationalstolz meldet: »Noch während der Verhandlungen über die Atomkraftwerke in Kiew entschied Gerhard Schröder: Den Brüsseler Anordnungen sei nicht zu folgen, nichts werde gezahlt …«
Von der Bitte des ebenfalls vom deutschen Kanzler ausgesuchten Präsidenten der EU-Kommission, Romano Prodi, ihm andere deutsche Kommissionskandidaten vorzuschlagen als annonciert, nimmt Schröder nicht einmal Notiz. Prodi muß das rot-grüne Gespann Verheugen/Schreyer nehmen wie nicht bestellt. Die Finnen, Nachfolger der Deutschen in der EU-Präsidenschaft, weigern sich, Deutsch von einer der offiziellen EU-Sprachen, die es ist, zur dritten Amtssprache zu erheben? Der deutsche Kanzler ordnet an, Sitzungen des Ministerrats in Helsinki zu boykottieren. »Berlin«, schreibt die französische Tageszeitung »Libération«, »hat die große Artillerie herausgeholt, um die deutsche Sprache zu verteidigen.«
Wovon die kuschenden Regierungen voll sind, des geht ihr intellektueller Troß über. De la prochaine guerre avec L’Allemagne heißt der Titel eines kürzlich erschienenen Buchs von Philippe Delmas, Vorstandsmitglied des von Deutschland dominierten Airbus-Konzerns. Springers »Hamburger Abendblatt« ist konsterniert: »Krieg mit Deutschland? In Frankreich ist das – man mag es glauben oder nicht – ein Buchthema. Und obwohl vorausgesetzt werden kann, daß der Autor bewußt übertreibt, sollte diese Absicht allein zu denken geben.« Zur selben Zeit schlägt in der »Sunday Times« (Auflage 1,34 Millionen) deren Starautor AA Gill vor, am Brandenburger Tor ein großes Schild aufzustellen: »Amnesie macht frei«. In Buchenwald habe er, Gill, verstanden, »warum wir die Deutschen hassen«. Ihr Verbrechen stehe »jenseits der Vergebung«. Zu dieser Nachricht stößt ihr Hamburger Bote nur noch den wehleidigen Seufzer aus: »Die Briten können es nicht lassen.« Wie sollten sie es können, wenn sie in der »Bildzeitung« lesen müssen, unter wessen Befehl ihre Streitkräfte gestellt werden und in welchem Ton: »Ein deutscher General sorgt künftig für Ordnung im Kosovo! General Klaus Reinhardt soll noch in dieser Woche offiziell zum Oberbefehlshaber der Kfor-Friedenstruppen (45.000 Mann) berufen werden.«
Aber natürlich ist es nicht, noch nicht, die Bundeswehrmacht, bei deren Anblick die Nachbarn sich verkriechen. Den Briten hat es der scheidende EU-Kommissar für Währungsfragen, Yves-Thibault de Silguy, schriftlich gegeben: Wenn Großbritannien sich den Luxus erlaube, das Pfund als »kleine Satelliten-Währung des Euro« beizubehalten, werde es dafür sowohl wirtschaftlich wie politisch einen hohen Preis bezahlen. Wer ihn kassieren wird, ist nach einem Blick auf eine einzige Seite des Wirtschaftsteils der »Frankfurter Allgemeinen« an einem einzigen Tag (26. Juli) unzweifelhaft:
· Über den Zusammenschluß der Deutschen Telekom mit der spanischen Telefónica heißt es da: »Der Verzicht der Telekom, Telefónica zu übernehmen, klingt nicht nur im Hinblick auf deren hohen Börsenwert intelligent. Mit der internationalen Allianz umgehen beide Partner geschickt spanische Widerstände, die bei einem Verkauf des national führenden Unternehmens zu erwarten gewesen wären … Immerhin handelt es sich um das größte Unternehmen des Landes mit einem Jahresumsatz von zuletzt 34 Milliarden DM und einem Börsenwert von rund 90 Milliaden DM.« Das ist jetzt, wie Chrysler nach der Fusion mit Daimler, unser.
· »Im vergangenen Jahr verbesserte sich die Weltmarktposition Deutschlands nach Angaben des DIHT spürbar. Der Weltmarktanteil stieg von 10,1 auf 10,6 Prozent.« Zusammen mit nur zwei Staaten seines europäischen Commonwealth, Frankreich (6,0) und Italien (4,5), bringt es Euro-Deutschland auf bereits fünf Prozentpunkte mehr als die USA mit ihren 16,5 Prozent.
· »Europäische Luftfahrtindustrie vor einer Neuordnung – Aus einer Fusion von Aerospatiale-Matra und Dasa entstünde nach Boeing der zweitgrößte Luftfahrt- und Rüstungskonzern der Welt mit einem Umsatz von rund 46 Milliarden DM.« Zur gleichen Zeit wird gemeldet, daß Airbus seinen US-Konkurrenten Boeing bei Bestellungen im ersten Halbjahr 1999 mit 242 zu 104 hinter sich gelassen und bei der Gesamtzahl aller Aufträge mit 1.413 zu 1.577 fast mit ihm gleichgezogen hat.

Ob wir es nun Unterjochung, Dominanz oder bloß Hegemonie nennen, was die andern Deutschland gefügig macht: Einen Anlaß, seinen Wimpel »Nie wieder Deutschland« auf Halbmast zu setzen, hat unser Stammtisch nicht.

Konkret 09/99, S. 9

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Hermann L. Gremliza
Die Weltmacht zu Erlangen
Ein deutscher Wegweiser
Seit gestern gehört uns Deutschland und heute Europa, wie wir aber an die ganze Welt kommen, darüber müssen wir noch reden. Daß man damit seine Zeit, die doch nur vom Geschäft abgeht, nicht selber vertut, hat man seine Leute. Wozu denn gibt es, beispielsweise, eine Universität ausgerechnet in dem für nichts als Namenswitze prädestinierten Erlangen, und dort einen Lehrstuhl für Neuere Geschichte. Der war zur Zeit des Kanzlers Helmut Kohl besetzt mit dem Professor Michael Stürmer, der in Leitartikeln der »FAZ« dem Kanzler durch Lob und sanften Tadel dessen, was er tat, Mitteilung machte, was er zu tun hatte. Wenn Bismarck, der Eiserne Kanzler, gemeint hatte, man solle nur immer darauf achten, ob man den Herrgott durch die Weltgeschichte schreiten sieht, dann zuspringen und sich an seines Mantels Zipfel klammern, war Professor Stürmer des Fetten Kanzlers Zipfel.
Mit Kohl verließ auch Stürmer sein Amt, was zur Folge hatte, daß er von der offiziellen »FAZ«, wo gesagt wird, was zu geschehen hat, zur gemütlichen »Welt« gehen mußte, wo er seit einiger Zeit am Donnerstag jeder Woche sagen darf, warum, was geschieht, doch sehr unzulänglich ist:
Die Führungseliten sind überfordert. Deutschland, klug geführt, europäisch denkend und im Innern gesund, könnte die Holding des Unternehmens Europa sein. Innerhalb der Pax Americana könnte dieses Europa von gleich zu gleich mit Washington reden. Nur, dank Berlin, existiert es nicht. So ist nicht auszuschließen, daß zum dritten Mal in einem Jahrhundert die Deutschen ihre europäische Chance verpassen.
Das war Stürmers Beitrag zu jener Woche, in der Außenminister Joschka Fischer das Buch Der Auftritt. Deutschlands Rückkehr auf die Weltbühne vorstellte, verfaßt von einem Gregor Schöllgen, der, bitte, was ist?: amtierender Professor für Neuere Geschichte an der Universität Erlangen. Dessen Erkenntnisse faßt der Verlag in die Sätze:
Das war nicht vorhersehbar: Innerhalb eines guten Jahrzehnts haben zwei revolutionsartige Schübe Deutschland in eine Schlüsselstellung katapultiert. Der Zusammenbruch der alten Weltordnung und Deutschlands Wiedervereinigung ließen 1989/90 in Europas Mitte erneut eine wirtschaftlich und politisch bedeutende Macht entstehen. Kaum hatten sich die Deutschen und ihre Nachbarn daran gewöhnt, erklärte Kanzler Schröder im Herbst 2002, in der Irak-Krise den »deutschen Weg« einschlagen zu wollen. Erstmals läßt ein Bundeskanzler keinen Zweifel daran aufkommen, wo die deutsche Außenpolitik gemacht wird: in Berlin.
Gerhard Schröder, heißt das, ist der erste, den Kurt Schumachers Verdikt über Konrad Adenauer, er sei ein »Kanzler der Alliierten«, nicht mehr trifft, und somit der seit 1949 erste deutsche Bundeskanzler. Das verdrießt besonders, weil Schöllgen, wie es sich für einen Professor aus Erlangen ziemt, von aller und also auch von Springers »Welt« bislang »üblicherweise der Rechten zugeschlagen« werden konnte, bedeutet es doch eine Beleidigung so untadeliger Patrioten wie Ludwig Erhard, Kurt-Georg Kiesinger (der bei Springers aber heute schon als »Hans-Georg Kiesinger« vergessen ist) und Helmut Kohl.
Schöllgen der Rechten zuzuschlagen, war kein Irrtum. Auch jetzt beklagt er die »krasse Unterfinanzierung der Bundeswehr«, walsert er über die Schuld von Versailles am Nazireich und lobt Europas »zivilisatorische Kompetenz, seine kulturelle Vielfalt, aber auch den Umgang mit der eigenen Geschichte«, die keinen »Vergleich zu scheuen« brauchten, jedenfalls nicht denjenigen mit den USA«. Vielleicht wegen deren Negermusik. (Auch seine Dummheit ist milieugerecht: Den Sozialdemokraten dichtet er eine »ausgeprägt pazifistische Tradition« an, die sich bekanntlich in der Gewährung von Kriegkrediten wie in der Bombardierung von Belgrad bewährt hat; Milosevic läßt er »einen Vernichtungsfeldzug gegen die albanische Minderheit im Kosovo« führen, wo die Albaner drei Viertel der Bevölkerung stellten; Kriege fallen vom Himmel: »Mit dem Zusammenbruch der alten Weltordnung hielten die Geschichte und mit ihr der Krieg wieder Einzug in die Welt … Das Jahr 1991 brachte erstmals wieder seit einem halben Jahrhundert Kriege und Bürgerkriege nach Europa … » Wer stellt das Jahr vors Kriegverbrechertribunal?)
Der Irrtum war und ist, Schröder irgendeiner Linken zuzuschlagen. Er ist Bundeskanzler. Er ist, heißt das, angestellt, die Verwertungsbedingungen des nationalen Kapitals zu optimieren, im Land und in der Welt. Kanzler unterscheiden sich nicht dadurch, daß der eine das tut und der andere nicht, sondern daß der eine dabei mehr Geschick zeigt als der andere. »Deutschlands Rückkehr auf die Weltbühne«, von der Schöllgen nicht genug kriegen kann, dient dem Zugriff auf Rohstoffe und Märkte wie dem Schutz investierten Kapitals. Alle sind dafür. Umstritten ist, wie weit deutsche Politik dabei schon wieder gehen kann und soll.
Die alte Rechte, beispielhaft vertreten durch Kohls Stürmer, will Deutschland noch einige Zeit unter den Fittichen des American Eagle mästen, bevor es – als »Holding des Unternehmens Europa« – die politischen Kampfhandlungen eröffnet. Die neuere Rechte hält die Zeit schon heute für reif, wobei Schröder das Heute bereits bei seiner ersten Wahl gekommen sah, Schöllgen und andere seiner Hofsänger es aber erst gemerkt haben, als der Kanzler »den entscheidenden Schritt« getan hat, »um Deutschland aus der Abhängigkeit von Amerika zu lösen«.
»Wie oft«, klagt Schöllgen, »hatte man sich seit den fünfziger Jahren auf die Lippen beißen müssen«, doch endlich habe Schröder »instinktsicher Witterung« aufgenommen und »in der Volksstimmung ein verbreitetes Unbehagen an der amerikanischen Außenpolitik« registriert. Enthusiastisch zitiert Schöllgen immer wieder Schröders diesbezügliche Appelle an das gesunde Volksempfinden: »Dieses Deutschland, unser Deutschland, ist ein selbstbewußtes Land … Wir reagieren nicht auf Druck … Das hat mit unserem Selbstbewußtsein zu tun … Wir haben uns auf den Weg gemacht, auf unseren deutschen Weg … Über die existentiellen Fragen der deutschen Nation wird in Berlin entschieden und nirgendwo anders.«
Schöllgen, der, wie nicht oft genug hervorgehoben werden kann, Professor in Erlangen ist, erspart jener Mehrheit der deutschen Eliten, der im Vorfeld des Irakkriegs, als Schröder in Verdacht geriet, den Mund etwas zu voll genommen zu haben, die Manschetten flatterten, ihre damaligen Ängste vorzuhalten. Nicht einmal ihr Lautsprecher Olaf Henkel findet mit seinem Ultimatum, sofort das Verhältnis mit Washington in Ordnung zu bringen, Erwähnung. Auf das Lamento über die Isolation, in die Schröder Deutschland sogar in Europa gebracht habe, erinnert allein Schöllgens Frage: »Wie sollte Deutschland die Rolle der europäischen Gegenmacht zu den USA, in welche die Republik gleichsam über Nacht geraten war, überzeugend und ohne schwere Folgeschäden ausfüllen?«
Im Herbst 2003 scheint es so, als habe Schröder alles richtig gemacht. Den Irakkrieg haben, wie nicht nur von ihm erwartet, viele gewonnen: die Kurden, Saddam Husseins politische Gefangene, die Franzosen, die Deutschen. Die USA, deren Führungseliten weit überfordert sind, verlieren ihn jeden Tag ein bißchen mehr. Den Ordinarius für Neuere Geschichte an der Universität Erlangen haben sie schon verloren. Ein böses Zeichen.
Gregor Schöllgen: Der Auftritt. Deutschlands Rückkehr auf die Weltbühne. Propyläen, 176 Seiten, 18,50 Euro
Literatur-Konkret 2003, S. 15
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Hermann L. Gremliza
Ab nach rechts bei Rot
Über Segen und Fluch der DDR.
Sag mir, wo die Errungenschaften sind, wo sind sie geblieben? Daß die materiellen verschwänden, der ordentlich beheizte, jedermann und jeder Frau zugängliche Ausbildungs-, Studien- und Arbeitsplatz, die Zweiraumwohnung zur Monatsmiete von 37 Mark 56, der Elternschaftsurlaub und die Betriebskrippe, durfte keinen der Heldenstadt-Helden, die über jahrzehntelange Indoktrination mit den Lehren der Herren Marx und Engels geklagt haben, überraschen.
(Wunder freilich gibt es immer wieder, und eines der wunderlichsten sind die Massen ehemaliger Bürger der ehemaligen DDR, trottend hinter jenen Pfaffen, denen sie vor fünfzehn Jahren aus dem real existierenden Sozialismus in die realer existierende Bredouille gefolgt sind. In entsprechend engen Grenzen hält sich das Mitleid, zumal das Prinzip des bürgerlichen Rechts, wonach Unkenntnis der Gesetze – auch derer des Marktes – nicht vor Strafe schützt, ein durchaus sympathisches ist.)
Eine real existierende Errungenschaft immerhin hat überlebt, und nicht zufällig ist es jene, die mir am ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaat schon zu einer Zeit verhaßt war, als ich ihre symbolische Bedeutung, daß den Bürgern auch bei Rot erlaubt sei, nach rechts abzubiegen, noch nicht erkannt hatte: der grüne Pfeil. Inzwischen haben die Automänner in den Rathäusern westdeutscher Städte die Eignung dieser Verkehrsregel zum Totfahren von Schulkindern erkannt und die Gelegenheit ergriffen.
Was aber ist mit den geistigen, den ideologischen Errungenschaften? Wie es in den Köpfen der ehemaligen Arbeiter und Bauern des ehemaligen ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaats brummt, fünfzehn Jahre nach dem Ende der DDR, ist jetzt jeden Montag den Sprechchören abzuhören, mit denen Demonstranten durch Leipzig und Magdeburg ziehen und in denen die letzten Illusionen über den gewesenen Staat und seinen Sozialismus verwehen. Spät, zu spät faßt mancher Zeitgenosse Zuneigung zum »Todesstreifen« und zur Stasi, die Deutschland vierzig Jahre lang geteilt, die Schwestern und Brüder unter Kuratel gehalten haben.
Bert Brecht hatte, als im Frühling 1953 zum erstenmal versucht wurde, was im Herbst 1989 gelingen sollte, der Regierung seines Staates den Rat gegeben, dieses Volk aufzulösen und sich ein neues zu wählen. Ob der Dichter sein Wort so sarkastisch hatte verstanden wissen wollen, wie es das Feuilleton bis heute versteht? Andere seiner Worte über die Aufständischen (»Ihre Losungen sind verworren und kraftlos, eingeschleust durch den Klassenfeind«) ließen eine andere Deutung zu.
Tatsächlich wäre es nach 1945 und also auch nur acht Jahre später um nichts weniger gegangen als die Auflösung eines Volks von Nazis, Wehrmachts- und Volkssturmmännern, Hitlerjungen und BDM-Mädchen, seine Abstrafung und seine Umerziehung zu einem neuen, ganz anderen. Die größten Verbrecher waren, das ist wahr, schlau genug gewesen, in den von ihresgleichen bereits wieder beherrschten Westen zu fliehen. Und so erging – weil man ja das Ja der Massen brauchte, der Nationalsozialismus bloß eine Variante des Faschismus war und der Faschismus eine Variante der Kapitalherrschaft, also Proleten bzw. kleine Leute seiner Verbrechen nicht schuldig, sondern zu ihnen nur gezwungen oder, schlimmstenfalls, verführt – der Beschluß, die vielen kleinen zu exkulpieren.
Er wurde zur Lebenslüge der DDR und sollte sich rächen. Ihr verdankte sie, die sich in dieser Sache vierzig Jahre lang von niemandem hineinreden ließ, und auch von ihrem größten Dichter nicht (Peter Hacks: »Mit der Partei geht zu leben. Mein Wunsch, hätt ein Recht ich zu wünschen, / Wäre, daß sie vielleicht etwas parteilicher wär«), ihren Untergang in völkischer Aufwallung, und wir verdanken ihr die Hoheit der Naziglatzen über die nächtlichen Marktplätze Mecklenburg-Vorpommerns oder die Beliebtheit des Mitteldeutschen Rundfunks.
Und zuletzt die Erhebung im Auftrag des Statistischen Bundesamts, nach der nur 49 Prozent der Ostdeutschen die Demokratie für die beste Staatsform halten, aber 76 Prozent der Meinung sind, daß Sozialismus eine gute Idee sei, die nur schlecht ausgeführt worden ist. Was das Herz der Populisten höher schlagen läßt, sind alles andere als Gründe zur Freude, jedenfalls für den, der nicht vergessen hat, wie jener Sozialismus, den das »Wir sind ein Volk«-Volk, solange er währte, für nicht nur die beste, sondern auch die bestausgeführte Staatsform gehalten hat, mit Vornamen hieß.
Die Anpassung an die Vorurteile und Instinkte des vorhandenen »Volks«, die Bedienung seiner seelischen Bedürfnisse und, nicht zuletzt, seiner ästhetischen Vorlieben für NS-Ufa-Filme und »Volksmusik«, die Verherrlichung seines Spießergemüts als »sozialistische Moral«, die allesamt zu verzeihen vielleicht die Gewißheit erlaubte, daß anders die Existenz der DDR und also die Teilung Deutschlands nicht zu erhalten sei, erweisen sich nun, anderthalb Jahrzehnte nach dem Scheitern des guten Vorsatzes, als ideeller Sondermüll. Und niemandem ist die Frage zu verwehren, ob es zum Zwecke der Abwehr jenes Westens, der im Kampf gegen den Kommunismus zu jedem Mittel griff, wirklich erlaubt war, völkisch-kleinbürgerlichen Haß auf die Moderne zu schüren.
Hochverrat ist eine Frage des Datums (Talleyrand). Der Erfolg heiligt die Mittel. Der Mißerfolg verflucht sie. Kommunisten, die mehr gewollt haben, als die Welt richtig zu interpretieren, könnten sagen, sie hatten keine Wahl. Nachdem das Proletariat Westeuropas sich dem Roten Oktober verweigert hatte, blieben nur Bündnisse mit Kräften, die sehr oft sehr notdürftig zu »fortschrittlichen« ernannt werden mußten, oder Kapitulation. Aber dann: Haben solche Bündnisse den Untergang, den sie hinauszuschieben halfen, nicht um so sicherer herbeigeführt?
»Fragen über Fragen!« endete hier der Lokalzeitungsredakteur, der glückliche, um sich im Morgenblatt wieder den berechtigten Sorgen und Ängsten der Ostdeutschen zuzuwenden, die zwar weniger Geld verdienen, aber mehr Verständnis. Ihre mitten in einem, ja in dem Projekt der Moderne, im Kommunismus, vormoderne, gegenaufklärerische Zurückgebliebenheit hatte sich ja schon vor dem Ende der DDR einiger Beliebtheit auch westlicher Beobachter erfreut, als sie in den »Nischen« des Realsozialismus jene Idyllen entdeckten, die im Kapitalismus längst plattgemacht oder, marxistisch gesprochen: aufgehoben waren. In den Städten und Städtchen der DDR-Provinz, unberührt von Tchibo, Karstadt, der Deutschen Bank und Beate Uhse, finde man noch richtig echtes, unverfälschtes Deutschland, schwärmte mir Mitte der Achtziger nach seiner Rückkehr aus Sachsen der sozialdemokratische Bürgermeister einer westdeutschen Millionenstadt ins Ohr.
Materiell hat die Wiedervereinigung den deutschen Fiskus ein Mehrfaches dessen gekostet, was sie den Ostdeutschen gebracht hat. Ideell aber hat Deutschland das längst wieder rein. Beim Marsch auf dem »deutschen Weg« des Kapitalismus, den Kanzler Schröder im Wahlkampf proklamiert hat, sind die Ostdeutschen starke Bataillone. Wer natürlich die Prozente der PDS in Sachsen oder Brandenburg für Kennziffern sozialistisch-kommunistischer oder auch nur irgendwie linker An- und Absichten hält, geht großen Siegen entgegen.
Literatur-Konkret 2004, S. 9
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wiederverinigen
WV-Konjugation
Hermann L. Gremliza
Eiskalter Nachkrieg
Die USA waren und sind, spätestens seit dem Korea-Krieg, die bei weitem aggressivste imperialistische Macht; ihre Opfer zählen nach Millionen; wer, wie ich, ihr mörderisches, verhaßtes Militär auffordert, in der BRD zu bleiben und die Reste des Besatzungsrechts nicht aufzugeben, sondern notfalls mit aller Macht wahrzunehmen, muß Schlimmeres fürchten: eine große Koalition der Wähler von Kohl, Meyer-Vorfelder, Schönhuber und Gorbatschow, den Abriß der Mauer, die Wiedervereinigung, »die Deutschen« und Deutschland, Deutschland über alles. Ami stay here!
Der Appell, der im Juli 1989 an dieser Stelle stand, verhallte ungehört. Die Regierenden der USA hatten Besseres zu tun, als die einsame Stimme eines Hamburger Kommunisten wahrzunehmen, der über Gods own country so despektierlich redete. Sie hörten auf ihre Freunde, auf Kohl und Brandt und die »FAZ«.
Das haben sie nun davon. Berauscht von der Vorstellung, das »Reich des Bösen« (Ronald Reagan) endgültig von der Weltkarte zu streichen, haben sie sich mit der Liquidierung der Nachkriegsordnung einen Gegner erschaffen, der sie insgeheim schon heute nach dem verschwundenen sich zurücksehnen läßt. Er besitzt, wovon dieser nur prahlte, ökonomisch, technisch, auch militärisch. (Zu welch jämmerlichem Haufen die Rote Armee längst heruntergekommen war, kann den beobachtenden Diensten nicht verborgen geblieben sein.) Und nun haben sich die USA durch ein tölpelhaftes politisches Personal auch noch in einen Konflikt manövrieren lassen, aus dem sie, wenn alles schlechtgeht, nicht einmal, wie noch in Vietnam, durch eine ehrenhafte Kapitulation sich werden befreien können.
In alle Welt hatten die Deutschen posaunt, daß sie keinen Krieg wünschten gegen den Irak. Dabei wünschte die Berliner Regierung nichts dringlicher als den Krieg – geführt von den USA, gegen den Willen der sogenannten Völkergemeinschaft und ohne Legitimation durch die Vereinten Nationen; einen Krieg, in dem alle außer den Irakern, die wenigstens ihren Folterherrn loswurden, verlieren sollten, insonders die USA und Israel, und niemand etwas gewinnen konnte außer Deutsch-Europa und Al-Qaida (auch als Synonym für den ganzen islamistischen Islam).
Was die USA können, und besser als alle andern, haben sie in Jugoslawien und Afghanistan gezeigt: draufhauen und abhauen. Das hat dort genügt, wo sie Alliierte hatten, die genug Geld und Leute schickten, um den Nachkrieg zu führen und an dessen Scheitern Mitschuld zu übernehmen. Bushs »Koalition der Willigen« aber ist eine der allzu Billigen: hier ein Prime Minister, der über seine politischen, ökonomischen und intellektuellen Verhältnisse lebt, dort dreitausend arbeitslose Polen unter Waffen, für deren Einsatz die EU noch schmerzhafte Gebühren kassieren wird, und drumherum, zwischen Litauen und Pakistan ein paar Maulhelden, die keinen Mann und keinen Groschen schicken. Bleibt Berlusconi, mit dem Bush wirklich ein besonderes Schnäppchen erjagt hat: Erst klammert er sich, ein gnädiges Lächeln erhoffend, an den deutschen Kanzler, der ihn am Abend zuvor in der Arena von Verona durch stürmische Umarmung von Romano Prodi, Berlusconis Gegner, abgestraft hatte, dann stellt sich Bushs Williger aller Welt als Parteigänger Benito Mussolinis vor, der niemand umgebracht, sondern seine Gegner nur »ferienhalber« in die Verbannung geschickt habe. (Zur Erinnerung: Bei der Eroberung Libyens hatte Berlusconis Duce Giftgas eingesetzt. Von den zehntausend Juden, die er nach Deutschland deportierte, haben keine fünf Prozent überlebt. Einem Bewunderer Mussolinis kann es also ganz recht sein, wenn Hamas und – man muß wohl sagen: – ihr Arafat heute besser dastehen als seit Jahren.)
Knapp achtzig Milliarden Dollar mehr pro Jahr hat Bush für seinen Krieg beim Kongreß beantragt, und der weiß nicht, bei welchem Gläubiger er noch was kriegt. Für seinen Weg vor die Vereinten Nationen, die er im Frühjahr noch verhöhnte, empfiehlt die deutsche Friedenspresse (hier die »Süddeutsche Zeitung«) dem Präsidenten deshalb äußerste Bescheidenheit:
Diesmal müßte er sich eigentlich kleinmütig geben, weist seine Jahresbilanz doch Verluste aus … Der Irak ist nicht befriedet, geschweige denn im Aufschwung … Amerika erfährt einen dramatischen Ansehensverlust in allen Weltregionen. Es droht zum Führer ohne Gefolgschaft zu werden.
Ganz wie es Schröder und Fischer sich erträumt haben. Der Leitartikler von Springer, der durch eine Klausel des Anstellungsvertrags zur Solidarität mit den USA verpflichtet ist, rät Bush dringend zur Umkehr:
Hinter der Kurskorrektur Washingtons steht nicht nur innenpolitischer Druck, sondern auch das unausgesprochene Eingeständnis, im Irak nicht mehr so recht weiterzuwissen. Dies verschafft am Potomac der Einsicht zunehmend Gewicht, daß sich die US-Strategie des Alleingangs und des Ausscherens aus dem transatlantischen Konsens, wie sie seit dem Anschlag auf das World Trade Center verfolgt wurde, am Ende doch nicht auszahlt. Amerika bewegt sich auf die UN und damit auch auf seine »abtrünnigen« Partner zu und wird dies durch den Zwang der Ereignisse weiter tun müssen.
Drastischer noch der US-Wissenschaftler Minxin Pei vom Carnegie Endowment for International Peace, wiederum bei Springer:
Wenn die USA nicht in der Lage sind, die Probleme in der Bronx und in Harlem oder in den Slums von Washington D. C. in den Griff zu bekommen, warum sollten sie dann Probleme wie Armut, schlechtes Government und Kriminalität in Haiti, Kambodscha oder im Irak in den Griff bekommen?
Die USA stehen, was ihre wirtschaftlichen und organisatorischen Ressourcen angeht, lange nicht mehr so glänzend da wie 1945, als sie das Problem schlechtes Government in Deutschland in den Griff genommen und bekommen haben. Es waren aber nicht zuerst ihre Dollars, die damals halfen, es war ihre Bereitschaft, die Einführung der Demokratie den vorhandenen, zur Führung von Wirtschaft und Verwaltung ausgebildeten Eliten anzuvertrauen: die Konzerne dem Freundeskreis des Reichsführers SS, die Polizeiführung den Beamten der Gestapo, die Dienststellen den Leitern der Einsatzgruppen, die Armee den Offizieren der Wehrmacht, die Gerichte den Leuten vom NS-Rechtswahrerbund, die Presse den Mit- und Zuarbeitern von Goebbels’ Propagandaministerium und der Propagandakompanien, die bald den Grundstock so mancher Springer-Redaktion bildeten. Daß sie diesem Erfolgsrezept im Irak heute nicht konsequent folgen, ist der ehrenwerteste unter den Gründen ihres Scheiterns. Die Deutschen hätten nicht gezögert.
Sie brauchten es nicht, sie haben den Krieg auch so gewonnen. Vor ein, zwei Monaten haben kleingläubige Kommentatoren noch darum gebangt, ob Minister Rumsfeld seinem deutschen Kollegen je wieder die Hand geben werde. Heute erwidert Struck, wenn er nach deutscher Hilfe im Irak gefragt wird, aufs pampigste: »Keine Soldaten, kein Geld … Wir müsse den Amerikanern nicht irgendwelche Geschenke anbieten.« Erst müsse, sagt sein Kanzler, die politische Macht im Irak den UN und dann den Irakern zurückgegeben werden.
Aber wie sie die USA zu dem Krieg, gegen den sie auftrat, animiert hatte, wird die deutsche Regierung die Übertragung der Verantwortung der USA für den Irak an die UN, die sie fordert, so lange wie möglich hintertreiben. Jeder Tag, den die USA dort bleiben, verlieren sie nicht nur Leute, sondern auch sehr viel Geld und Ansehen, also Macht. Und die wächst ihren Gegnern zu. Wer Amerika haßt, muß diesen Krieg lieben.
Konkret 10/03, S. 9

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Remember: Do X! Don´t do Y!

Protect innocent, respect life, defend art, preserve creativity!

What´s Left? Antisemitism!

http://www.jsbielicki.com/jsb-79.htm

Psychoanalytische Arbeitsstation

refuse-service

DJ Psycho Diver Sant – too small to fail
Tonttu Korvatunturilta Kuunsilta JSB
Tip tap tip tap tipetipe tip tap heija!
http://www.psychosputnik.com
http://www.saatchionline.com/jsbielicki
https://psychosputnik.wordpress.com/

They want 1984, we want 1776

They are on the run, we are on the march!

Be patient, work hard, follow your passions, take chances and don’t be afraid to fail.
I think for food

molon labe

Hochverrat ist eine Frage des Datums (Talleyrand).

Die Skandalisierung eines Skandals ist eine in deutschen Medien meisterhaft beherrschte Disziplin.

„Es ist eine alte Weisheit, dass Macht stets die Verführung mit sich bringt, sie zu missbrauchen.“ – Wolfgang Schmidbauer

„C.G.Jung war ein psychoanalytischer Faschist, ein faschistisch schäumender Psychoanalytiker. “ – Ernst Bloch

„Die tatsächlich bestehenden und einsichtigen Leuten schon längst bekannten Verschiedenheiten der germanischen und jüdischen Psychologie sollen nicht mehr verwischt werden, was der Wissenschaft nur förderlich sein kann“ (…) „Die Gesellschaft (die Internationale Allgemeine Ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie (IAÄGP). Anm.JSB) setzt von allen ihren schriftstellerisch und rednerisch tätigen Mitgliedern voraus, daß sie Adolf Hitlers grundlegendes Buch ›Mein Kampf‹ mit allem wissenschaftlichen Ernst durchgearbeitet haben und als Grundlage anerkennen. Sie will mitarbeiten an dem Werke des Volkskanzlers, das deutsche Volk zu einer heroischen, opferfreudigen Gesinnung zu erziehen.“ C.G.Jung

„Ich weiß nicht, was passieren muss, bis endlich was passiert.“
„Ulrike Maria Stuart“ von Elfriede Jelinek

„Auch der sublimste erkenntnistheoretische Idealismus führt unweigerlich zum Solipsismus, zur Vergottung des Ichs, einer Elite, einer Rasse und endet schließlich im blutigsten Imperialismus.“ John F. Rottmeister

„Alles, was noch nicht gewesen ist, ist Zukunft, wenn es nicht gerade jetzt ist.“ – Angela Merkel 

Psychoanalyse ist eine Erhebung über die Situation. Von oben hat man bessere Aussicht.

„Kritische Theorien, wie die Freudsche, artikulieren eine Erfahrung, die mit den jeweils herrschenden Denk- und Wahrnehmungsweisen unvereinbar ist. Gerade in dem, was der Konvention als unbrauchbar, als Abfall gilt und wovon in Wissenschaft und Lebenspraxis methodisch abgesehen wird, entdecken die Revolutionäre der Denkart das Neue, das ei¬ne bestehende Einrichtung des Lebens in Frage stellt. Indem sie an das Ausgegrenzte und erfolgreich Vergessene erinnern, markieren sie den Mangel der Ordnung, die über dem Grab der verworfenen Alternativen triumphierend sich erhebt. Und das dem Status quo verschworene Kollektiv stempelt solche Alchimisten, die aus Dreck Gold zu machen schei¬nen, stets zu Außenseitern6 . Aus der Erfahrung dessen, was den vorherrschenden, institutionalisierten Zwecken widerstrebt, erschüttern die Neuerer deren fraglose Geltung.“ – Helmut Dahmer

Die Umwälzung nach 1945  führte nicht zur Überwindung des Nationalsozialismus  als Ideologie der deutschen Volksgemeinschaft, sondern rief lediglich die eitle Illusion hervor, daß mit der Kritik am Nationalsozialismus das nationalsozialistische Dünken selbst und seine innere Konflikthaftigkeit mit dem Judentum überwunden sei.

„Wie es Tatbestände gibt, die die Sinne in die Irre führen, wie im Fall der optischen Täuschung, so gibt es welche, die die unangenehme Eigenschaft haben, dem Intellekt Schlüsse zu suggerieren, die gleichwohl falsch sind.“ – Christoph Türcke

Das Geschlecht ist ein sozialer Konstrukt? Berg, Tal, See und das Meer auch!

Bereits Marx diagnostizierte den Deutschen das Umkippen von Ideologie in Wahn und Lüge. Wie gegenwärtig der Fall ist, neigen die Deutschen zu Ausbrüchen des kollektiven Wahns, der Massenpsychose mit zunehmendem Realitätsverlust.
Der Wahn ist kurz, die Reue lang, pflegte meine Großmutter zu sagen.

Nach dem I. Psychosputnik-Gesetz verwandelt sich der frei florierende Zynismus ab gewissem Verdichtungsgrad seiner Intensität in hochprozentige Heuchelei, analog zu einer atomaren Kernschmelzereaktion. Diesen Prozess der zunehmenden Zynismuskonzentration mit anschliessender Explosion der Heuchelei kann man sehr deutlich gegenwärtig in Deutschland beobachten. Das Denken ist weggeblasen, pulverisiert, das (Hoch)Gefühl ist voll an seine Stelle getreten.

»Indem (der gesunde Menschenverstand) sich auf das Gefühl, sein inwendiges Orakel, beruft, ist er gegen den, der nicht übereinstimmt, fertig; er muß erklären, daß er dem weiter nichts zu sagen habe, der nicht dasselbe in sich finde und fühle; – mit anderen Worten, er tritt die Wurzel der Humanität mit Füßen. Denn die Natur dieser ist, auf die Übereinkunft mit anderen zu dringen, und ihre Existenz nur in der zustande gebrachten Einheit der Bewußtseine. Das Widermenschliche, das Tierische besteht darin, im Gefühle stehenzubleiben und nur durch dieses sich mitteilen zu können.« – G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes

„Die Verschleierung eigener Positionen durch Zitate und Zitatselektion dient dazu, eigene Positionen unkenntlich zu machen.“ – Ursula Kreuzer-Haustein

„Die Neurose ist das Wappen der Kultur.“ – Dr. Rudolf Urbantschitsch, Seelenarzt; „Sehr schön, aber es laufen derzeit schon weit mehr Heraldiker als Adelige herum.“ – Karl Kraus, Schriftsteller

„Zuerst verlieren die Menschen die Scham, dann den Verstand, hernach die Ruhe, hierauf die Haltung, an der vorletzten Station das Geld und zum Schluß die Freiheit.“ – Karl Kraus

„Ausbeutung heißt Beute machen, sich etwas durch Gewalt aneignen, was nicht durch eigene Arbeit geschaffen wurde, sich etwas nehmen, ohne Gleichwertiges zurückzugeben – Maria Mies

»Die Psychoanalyse ist eine Panne für die Hierarchie des Denksystems« – Pierre Legendre

Psychoanalyse entwickelt sich nicht weiter, weil sie nicht angewandt wird, es wird nur über sie gesprochen.

»Sie wissen, daß der Kampf des wissenschaftlichen Geistes gegen die religiöse Weltan­schauung nicht zu Ende gekommen ist, er spielt sich noch in der Gegenwart unter unseren Augen ab … Die erste Einwendung, die man hört, lautet, … die Wissenschaft ist zur Be­urteilung der Religion nicht zuständig. Sie sei sonst ganz brauchbar und schätzenswert, solange sie sich auf ihr Gebiet beschränkt, aber die Religion sei nicht ihr Gebiet, da habe sie nichts zu suchen … Die Religion darf nicht kritisch geprüft werden, weil sie das Höch­ste, Wertvollste, Erhabenste ist, was der menschliche Geist hervorgebracht hat, weil sie den tiefsten Gefühlen Ausdruck gibt, allein die Welt erträglich und das Leben lebenswür­dig macht … Darauf braucht man nicht zu antworten, indem man die Einschätzung der Religion bestreitet, sondern indem man die Aufmerksamkeit auf einen anderen Sachver­halt richtet. Man betont, daß es sich gar nicht um einen Übergriff des wissenschaftlichen Geistes auf das Gebiet der Religion handelt, sondern um einen Übergriff der Religion auf die Sphäre des wissenschaftlichen Denkens. Was immer Wert und Bedeutung der Religion sein mögen, sie hat kein Recht, das Denken irgendwie zu beschränken, also auch nicht das Recht, sich selbst von der Anwendung des Denkens auszunehmen … Eine auf die Wissen­schaft aufgebaute Weltanschauung hat außer der Betonung der realen Außenwelt wesent­lich negative Züge, wie die Bescheidung zur Wahrheit, die Ablehnung der Illusionen« (Freud, 1933, S. 182 ff. und S. 197).

„Freuds »Religions«-Kritik galt den »Neurosen« genannten Privatreligionen (Heiraten, romantische Liebe, Gier, Ethik und Moral, etc. Anm. JSB) ebenso wie den kollektiven (Nation, Gutmenschen, Sport, etc. Anm. JSB);“ – Helmut Dahmer

Freud prognostizierte, die bestehende Gesellschaft werde an einem Übermaß nicht absorbierba­rer Destruktivität zugrundegehen. (sofern nicht »Eros« interveniere (Eros ist nicht Ficken, sondern Caritas. Anm. JSB)).

„Wer dem Kult der »Werte« frönt, kann unsanft erwachen, wenn im Kampf der Klassen und Parteien, von dem er sich fernhält, Gruppen obsiegen, auf deren Pro­gramm eine »Umwertung der Werte«, z. B. die Aufwertung von »Un­werten« steht.“ – Helmut Dahmer

»Hinsichtlich der allgemeinen nervlichen Belastung wirkte die Lage im Dritten Reich auf den psychischen Zustand des Volkes ziemlich ambivalent. Es unterliegt kaum einem Zwei­fel, daß die Machtergreifung zu einer weitverbreiteten Verbesserung der emotionalen Ge­sundheit führte. Das war nicht nur ein Ergebnis des Wirtschaftsaufschwungs, sondern auch der Tatsache, daß sich viele Deutsche in erhöhtem Maße mit den nationalen Zielen identifizierten. Diese Wirkung ähnelte der, die Kriege normalerweise auf das Auftreten von Selbstmorden und Depressionen haben. (Das Deutschland der Nazizeit verzeichnete diese Erscheinung zweimal: nämlich 1933 und 1939.) Aber gleichzeitig führte das intensi­vere Lebensgefühl, das von der ständigen Stimulierung der Massenemotionen herrührte, auch zu einer größeren Schwäche gegenüber dem Trinken, Rauchen und Vergnügungen« – Richard Grunberger

Von Anfang an hat­te Hitlers Regime auch den Anstrich der Rechtmäßigkeit

„Die psychiatrischen Truppen der »kaiserlichen deutschen Psychiatrie« (Alexander und Selesnick, 1966, S. 214) jedoch, die 1914 ins Feld zogen, bekriegten immer noch die Krankheit, den äußeren Eindringling in ein gesundes System, und nicht die Neurose, das innere Ungleichgewicht zwischen Psychodynamik, Umwelt und Geschichte.“ – Geoffrey C. Cocks (Diese Einstellung herrscht bis heute in der deutschen Psychotherapie und findet explosionsartige Vermehrung im KOnzept der sog. „Traumatisierung“. Anm- JSB)

Der Plural hat kein Geschlecht.

„Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“ -Albert Einstein

„Der psychoanalytische Bei­trag zur Sozialpsychologie der jüngsten Vergangenheit (und Gegenwart Anm.JSB) und ihrer Verar­beitung ist heute ebenso unerwünscht wie die Libidotheorie zu Anfang des Jahrhunderts.“ – I.Kaminer

»Ein böses und nur durch Unkenntnis gerechtfertigtes Mißverständnis ist es, wenn man meint, die Psychoanalyse erwarte die Heilung neurotischer Beschwerden vom >freien Ausleben< der Sexualität. Das Bewußtmachen der verdrängten Sexualgelüste in der Analyse ermöglicht vielmehr eine Beherrschung derselben, die durch die vorgängige Verdrängung nicht zu erreichen war. Man kann mit mehr Recht sagen, daß die Analyse den Neurotiker von den Fesseln seiner Sexualität befreit.« – Sigmund Feud, Gesammelte Schriften«, Band XI, S. 201 ff.)

Dummheit ist, wenn jemand nicht weiß, was er wissen könnte.

Dummheit äußert sich heute als empörter Moralismus.

Liebe: nur bestenfalls eine Mutter akzeptiert ihr Kind, so wie es ist, ansonsten muß man Erwartungen anderer erfüllen, um akzeptiert zu werden.

Früher galt als mutig, wer ein Revolutionär war, heute reicht es schon, wenn einer seine Meinung behält.

“Jeder fünfte Bewohner des Westjordanlandes ist ein israelischer Siedler”, greint die Generaldelegation Palästinas heute auf ihrer Homepage.
Und jeder fünfte Bewohner Israels ist ein palästinensischer Araber.
So what?

Werte ohne Einfühlungsvermögen sind nichts wert.

Manche Menschen fühlen physischen Schmerz, wenn sie ihre gewohnten Vorstellungen zugunsten der Realität korrigieren sollen, sie wenden ihre gesamte Intelligenz mit Unterstützung ihrer Agressivität auf, um die Realität nicht zu erkennen und ihr Selbstbild unverändert beizubehalten.

Immer mehr fühlen, immer weniger denken – Der Mensch unterscheidet sich vom Tier nicht durch Gefühle, denn Säugetiere haben die gleichen Gefühle, wie der Mensch: Trauer, Angst, Wut, Liebe, sondern durch sein Denken. Wenn er denkt, falls er denkt.

Political correctness ist, wenn man aus Feigheit lügt, um Dumme nicht zu verärgern, die die Wahrheit nicht hören wollen.

„Sagen Sie meiner Mutter nicht, daß ich in der Werbung arbeite. Sie denkt, ich bin Pianist in einem Bordell.“ – Jacques Seguela

BILD: FAZ für Hauptschüler

Wer „ich will frei sein“ sagt, und es sagen viele, der ist ein Idiot. Denn das höchste was der Mensch als Freiheit haben kann, ist die Freiheit, seine Pflicht frei zu wählen.

“Im Streit um moralische Probleme, ist der Relativismus die erste Zuflucht der Schurken.“ Roger Scruton

Nonkonformistische Attitüde und affirmative Inhalte – einer Kombination, die schon immer die linksdeutsche Ideologie gekennzeichnet hat. – Stephan Grigat

Es sind dieselben, die behaupten, das Geschlecht wäre nicht biologisch angeboren, sondern nur ein soziales Konstrukt, und zugleich daß die Homosexualität kein soziales Konstrukt wäre, sondern biologisch angeboren.

Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt.

„Es gibt zwei Dinge“, so wußte Hitler schon 1923, „die die Menschen vereinigen können: gemeinsame Ideale und gemeinsame Kriminalität“ .

Nach der gewaltsamen Beendigung des Mordens durch die Alliierten waren die Deutschen (und sind es bis heute geblieben) noch deutscher als zuvor.

„Der Staat sind wir“: Dies Credo der Sozialdemokratie Ferdinand Lassalles war die Wahrheit der Volksgemeinschaft, und der Nazismus war die vermittlungslose Basisdemokratie der Deutschen.

Die Demokratie der Bürger ist die interessierte Demutsadresse an den autoritären Staat.

„Die deutsche Nation ist das Apriori dieser seltsamen Wissenschaft, die

vorgibt, nichts zu kennen als Quellen, Quellen und nochmals Quellen, nichts als das

lautere Plätschern der Tatsachen und das ungetrübte Sprudeln der Empirie. Die

Quelle aber ist der Historie, was der Jurisprudenz das Indiz: Spielmaterial, bloße

Illustration des Systemzwangs zum Rechtsfrieden, d.h. empirische Legitimation der

vorab existenten letzten Instanz, an der jede Berufung aufhört und jede Revision

endet. Egal, wer Recht hat, solange nur Recht ist; was immer die Quellen sagen,

ein Beweis gegen die Nation wird sich daraus nie und nimmer folgern lassen.“ (…)

„Historische Wahrheit wird nach dem Modell von Meinungsumfragen vorgestellt;

kein Sample jedoch wird je repräsentativ genug sein,

um der deutschen Nation als solcher die Taten der Nazis zuzurechnen.

Die juristische Methode dieser seltsamen Wissenschaft, die sich die Behandlung der

Geschichte anmaßt, weiß so überaus sorgfältig zwischen Intention und Resultat zu

scheiden, daß der einzig noch mögliche Weg historischer Wahrheitsgewinnung, der

allerdings leider ausgeschlossen ist, Psychoanalyse wäre.“ – Joachim Bruhn

Da die Psychoanalyse heute auch nur noch ein korruptes Racket ist, würde sie nicht helfen.

 Der Himmel, wenn er sich schon öffnet, zitiert sich am liebsten selbst. 

Je verkommener eine menschliche Kreatur, desto eher fühlt sie sich beleidigt, respektlos behandelt, in ihrer Ehre verletzt.

Der Nicht-Antisemit ist ein Antisemit, der nach der derzeitigen deutschen Rechtsprechung, Israel, Juden diffamiert, diskriminiert, delegitimiert, jedoch nicht expressis verbis das Ziel der dritten Reichs, den Holocaust, die Judenvernichtung, befürwortet.

Aus Deutschland erreicht mich „tiefe Sorge um den Friedensprozess“. Vorsicht: Wo ist es im Nahen und Mittleren Osten derzeit so friedlich und vergleichsweise gewaltarm wie in Israel? Wo leben Araber derzeit sicherer als in Israel? Wo haben sie besseren Zugang zu Bildung, Arbeit, Konsum und medizinischer Versorgung? – Götz Aly

Islam ist weniger eine Religion und mehr eine totalitäre Gesellschaftsordnung, eine Ideologie, die absoluten Gehorsam verlangt und keinen Widerspruch, keinerlei Kritik duldet und das Denken und Erkenntnis verbietet. Der wahre Islam ist ganz anders, wer ihn findet wird eine hohe Belohnung erhalten.

Der religiöse Rassismus der Islamisten, der den völkischen Rassismus der Nazis ersetzt hat, erklärt Allah zum Führer und die Jihadisten zu seiner privilegierten Kampftruppe: Wenn man so will, zu Allahs SS. Der Zusammenhalt dieser Kampftruppe wird über die Jenseitserwartung von Hölle und Paradies, also über das Instrument der religiösen Angst, sichergestellt. Diese Selbstbildfantasie der Islamisten ist mit ihrer (zumeist antijüdischen) Feindbildfantasie untrennbar verknüpft. – Matthias Küntzel

Wahnsinn bedeute, immer wieder das gleiche zu tun, aber dabei stets ein anderes Resultat zu erwarten.

Gutmenschen sind Menschen, die gut erscheinen wollen, die gewissenlos das Gewissen anderer Menschen zu eigenen Zwecken mit Hilfe selbst inszenierter Empörungen instrumentalisieren.

Irritationen verhelfen zu weiteren Erkenntnissen, Selbstzufriedenheit führt zur Verblödung,

Wenn ein Affe denkt, „ich bin ein Affe“, dann ist es bereits ein Mensch.

Ein Mensch mit Wurzeln soll zur Pediküre gehen.

Wenn jemand etwas zu sagen hat, der kann es immer sehr einfach sagen. Wenn jemand nichts zu sagen hat, der sagt es dann sehr kompliziert.

Sucht ist, wenn jemand etwas macht, was er machen will und sucht jemand, der es macht, daß er es nicht macht und es nicht machen will.

Sollen die Klugen immer nachgeben, dann wird die Welt von Dummen regiert. Zu viel „Klugheit“ macht dumm.

Wenn man nur das Schlechte bekämpft, um das Leben zu schützen, bringt man gar nichts Gutes hervor und ein solches Leben ist dann nicht mehr lebenswert und braucht nicht beschützt zu werden, denn es ist dann durch ein solches totales Beschützen sowieso schon tot. Man kann so viel Geld für Versicherungen ausgeben, daß man gar nichts mehr zum Versichern hat. Mit Sicherheit ist es eben so.

Zufriedene Sklaven sind die schlimmsten Feinde der Freiheit.

Kreativität ist eine Intelligenz, die Spaß hat.

Wen die Arbeit krank macht, der soll kündigen!

Wenn Deutsche über Moral reden, meinen sie das Geld.

Ein Mensch ohne Erkenntnis ist dann  lediglich ein ängstlicher, aggressiver, unglücklicher Affe.

Denken ist immer grenzüberschreitend.

Der Mob, der sich das Volk nennt, diskutiert nicht, sondern diffamiert.

Legal ist nicht immer legitim.

Wer nicht verzichten kann, lebt unglücklich.

Sogenannte Sozial-, Kultur-, Geisteswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Psychotherapie, Psychoanalyse, sind keine Wissenschaften mehr, sondern immanent religiöse Kultpropheten, organisiert wie Sekten. Es sind Sozio-, Pädago- und Psychokratien, Rackets, die Erkenntnis nicht fördern, sondern verhindern.

Ohne eine starke Opposition atrophiert jede scheinbare Demokratie zur Tyrannei, und ebenso eine Wissenschaft, zur Gesinnung einer Sekte.

Man kann alles nur aus gewisser Distanz erkennen, wer sich ereifert, empört, wer mit seiner Nase an etwas klebt, der hat die Perspektive verloren, der erkennt nichts mehr, der hat nur noch seine Phantasie von der Welt im Kopf. So entsteht Paranoia, die sich Religion, und Religion als Politik, sogar als Wissenschaft nennt.

Islamisten sind eine Gefahr, deswegen werden sie als solche nicht gesehen. Juden sind keine Gefahr, deswegen werden sie als solche gesehen. So funktioniert die Wahrnehmung von  Feiglingen.

Humorlose Menschen könner nur fürchten oder hassen und werden Mönche oder Terroristen.

Menschen sind nicht gleich, jeder einzelne Mensch ist ein Unikat.

Erkenntnis gilt für alle, auch für Muslime, Albaner, Frauen und Homosexuelle.

Islam gehört zu Deutschland, Judentum gehört zu Israel.

Der Konsensterror (Totalitarismus) ist in Deutschland allgegenwärtig.

Es wird nicht mehr diskutiert, sondern nur noch diffamiert.

Es ist eine Kultur des Mobs. Wie es bereits gewesen ist.

Harmonie ist nur, wenn man nicht kommuniziert.

Man soll niemals mit jemand ins Bett gehen, der mehr Probleme hat, als man selbst.

>>Evelyn Waugh, sicherlich der witzigste Erzähler des vergangenen Jahrhunderts, im Zweiten Weltkrieg, herauskommend aus einem Bunker während einer deutschen Bombardierung Jugoslawiens, blickte zum Himmel, von dem es feindliche Bomben regnete und bemerkte: “Wie alles Deutsche, stark übertrieben.“<< Joseph Epstein

Man muß Mut haben, um witzig zu sein.

Dumm und blöd geht meistens zusammen.

Charlie Hebdo: solche Morde an Juden sind euch egal, mal sehen wie”angemessen”  ihr reagiert, wenn (wenn, nicht falls) eure Städte von Islamisten mit Kasam-Raketen beschossen werden.

Christopher Hitchens großartig: „In einer freien Gesellschaft hat niemand das Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Je mehr sich jemand narzisstisch aufbläht, desto mehr fühlt er sich beleidigt und provoziert.

“Das Problem mit der Welt ist, daß die Dummen felsenfest überzeugt sind und die Klugen voller Zweifel.” – Bertrand Russel

Das Problem mit den Islamisten in Europa soll man genauso lösen, wie es Europa für den Nahen Osten verlangt: jeweils eine Zweistaatenlösung, die Hälfte für Muslime, die andere Hälfte für Nicht-Muslime, mit einer gemeinsamen Hauptstadt.

Was darf Satire? Alles! Nur nicht vom Dummkopf verstanden werden, weil es dann keine Satire war.

Islamimus ist Islam, der Gewalt predigt.

Islam ist eine Religion der Liebe,und wer es anzweifelt, ist tot.

Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke. Der Islam ist die friedliche Religion der Liebe George Orwell 2015

Islam ist verantwortlich für gar nichts, Juden sind schuld an allem.

Islamisten sind Satanisten. Islamismus ist eine Religion von Idioten.

Leute fühlen sich immer furchtbar beleidigt, wenn man ihre Lügen nicht glaubt.

Jeder ist selbst verantwortlich für seine Gefühle.

Die Psychoanalyse geht niemanden außer den Psychoanalytiker und seinen Patienten etwas an, und alle anderen sollen sich verpissen.

“Zeit ist das Echo einer Axt
im Wald.
Philip Larkin, Gesammelte Gedichte

Wenn jemand wie Islamisten sein Ego endlos aufbläht, dann verletzt er seine eigenen Gefühle schon morgens beim Scheißen.

„Die sieben Todsünden der modernen Gesellschaft: Reichtum ohne Arbeit Genuß ohne Gewissen Wissen ohne Charakter Geschäft ohne Moral Wissenschaft ohne Menschlichkeit Religion ohne Opfer Politik ohne Prinzipien.“
―Mahatma Gandhi

„Wo man nur die Wahl hat zwischen Feigheit und Gewalt, würde ich zur Gewalt raten.“
―Mahatma Gandhi

Warum zeigt sich Allah nicht? Weil er mit solchen Arschlöchern nichts zu tun haben will.

„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus’. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus’.”  – Ignazio Silone

Politische Korrektheit verlangt eine Sprache für ein Poesiealbum.

Psychoanalyse ist frivol, oder es ist keine Psychoanalyse.

Bunte Vielfalt, früher: Scheiße

Was der Mensch nicht mehr verändern, nicht mehr reformieren kann, ist nicht mehr lebendig, sondern sehr tot. Was tot ist, das soll man, das muß man begraben: Religion, Ehe, Romantizismus, etc.

Romantik ist scheiße.

Die Realität ist immer stärker als Illusionen.

Deutschland gestern: der Wille zur Macht.
Deutschland heute: der Wille zur Verblendung.
Deutschland morgen: 德國

Deutsche Psychoanalyse? Großartig, wie deutscher Charme, deutscher Humor und deutscher Esprit.

Der Widerstand fängt mit einer eigenen, anderen Sprache als die der Diktatur.

Smart phones for stupid people.

Ein Linker kann, muß aber nicht dumm sein.

Wenn man ganzen Staaten nicht übel nimmt, wenn sie mit Millionen Opfern Selbstmord begehen, warum dann einem Co-Piloten mit 149 Toten?

Nur die Reinheit der Mittel heiligt den Zweck.

Ein extremer Narzißt ist ein potentieller Terrorist, und jeder Terrorist ist ein extremer Narzißt.

Islamisierung bedeutet Verblödung.

…der hiesige Autoritarismus (ist) einer ohne Autorität und der hiesige Konventionalismus einer ohne Konventionen. Schon bei den Nazis war nicht das Wort des Führers Befehl, sondern sein Wille, den der kongeniale Volksgenosse erahnte. Nie hätte der Nationalsozialismus funktioniert, hätte den Deutschen jede ihrer Missetaten bei Strafandrohung befohlen werden müssen. Anders, als es das Wort vom „Befehlsnotstand“, von der „Gleichschaltung“ oder vom „Führer“ selber glauben machen will, herrschte das NS-System durch Gehorsam ohne Befehl. (W. Pohrt, Der Weg zur inneren Einheit)

Der faschistische Sozialpakt existiert im bundesdeutschen Postfaschismus weiter als eine im Resultat aufgehobene Voraussetzung, die unmittelbar keine Spur ihrer gewaltförmigen Durchsetzung mehr an sich trägt: umso besser kann diese Tatsache verleugnet und der Nationalsozialismus als das Verbrechen einiger Irrer, als „Unrechtsstaat“, als „das Schlimmste, das Menschen einander je angetan haben“ exorziert werden. Diese Lebenslüge der BRD ist das Fundament aller demokratischen „Vergangenheitsbewältigung“, jenes kollektiven Beschweigens des Nationalsozialismus, das durchaus auch die Form enervierender Redseligkeit annehmen kann. Weil das postfaschistische Deutschland in institutioneller wie personeller Hinsicht in Kontinuität zu seinem Vorgänger steht, muß ausnahmslos jeder Versuch einer Vergangenheitsbewältigung innerhalb des sich weiterschleppenden Systems zur symbolischen Distanzierung, zum substanzlosen Gestus geraten. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Deutschen einen schier unerschöpflichen Vorrat an größeren und kleineren Entlastungslügen angelegt, aus dem sie sich je nach Gelegenheit und Bedarf bedienen. Danach war das nationalsozialistische System wahlweise das Werk von Hitler höchstpersönlich, einer kleinen Verbrecherclique und ein paar Helfershelfern oder des Monopolkapitals und seiner Schergen. Otto Normalvergaser jedenfalls hat „von alledem nichts gewußt“, war „im Grunde auch dagegen“ oder „konnte gar nicht anders handeln“, weil „Befehlsnotstand“ herrschte und man im Falle des Zuwiderhandelns sofort „ins KZ gekommen“ wäre. “ (…) „Heute haben die Verbreitung des Gerüchts und die Verbreitung der Neidbeißerei neue, technische Möglichkeiten. Sie können sich über das Internet und diverse Subnetzwerke und Blogs rasend verbreiten und auch auf die Politik einen Druck erzeugen, sich ihnen zu beugen. Die gesellschaftliche Mobilmachung wirkt so wieder auf die Politik zurück. Sie muss sich den entsprechenden Stimmungen beugen, weil sonst die Wiederwahl gefährdet würde. Die Devise »Ich bin ihr Führer, also muss ich ihnen folgen«, bleibt auch im zerfallenen Postnazismus das prinzipienlose Grundprinzip von Herrschaft.“ (…) Spezialisierung und Diversifikation sind die zeitgemäße Erscheinungsform von Vermassung und Uniformität. (…) 1 x 1 materialistischer Kritik: es  muss darum gehen, Erscheinungen in eine Konstellation zu bringen, in der sie lesbar werden. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. Und weil gerade die Entfernung vom Nazismus die Nähe zu ihm verbürgt, waren und sind das diejenigen, die in Personensache am wenigstens mit Nazifaschistischem in Verbindung zu bringen sind, die Linksradikalen, die Linksliberalen, die Linken, die Antifaschisten, die entschiedensten Schrittmacher dafür, dass der anfangs noch gar nicht wirklich übergreifende postnazistische Fundamentalkonsens tatsächlich totalisiert und auf die Höhe der Zeit gebracht werden konnte. Die Nazis und die Rechten hingegen waren für diesen Vorgang nur von unterordnetem Belang. Sie standen immer schon für eine in ihrer konkreten Ausprägung gestrige Gesellschaftsformation und deshalb ging von ihnen auch nie eine ernsthafte Gefahr eines neuen Faschismus aus. Diese Totalisierung der Gemeinschaft der Demokraten, die hauptsächlich die Linke mit herbeigeführt hat, ist allerdings identisch und das zeigt sich heute mit ihrem Zerfall. Dieser wiederum ist im Selbstwiderspruch der postnazistischen Vergesellschaftung angelegt, in der der bereits erwähnte nazistische Kurzschluss von Staaten Subjekt im Modus permanenter Mobilmachung in den politökonomischen Formen im Doppelsinne aufgehoben ist. Seiner Substanz nach anerkannt und aufbewahrt, wie vorerst suspendiert und seiner Verlaufsform nachgezügelt. Also statt den Blockwarten gab es Aktenzeichen XY, da durfte sich jeder dann auch telefonisch dran beteiligen, aber richtige Jagdszenen gab es in der alten Bundesrepublik nicht oder nur in Ausnahmefällen. Taxiert selbst zu Zeiten der Prosperität jeder insgeheim seinen Erwerb als verkappte Arbeitslosenunterstützung, so mobilisiert die Krise der postnazistischen Vergesellschaftung erst Recht die Sehnsucht nach der alten Staatsunmittelbarkeit. Johannes Agnoli schrieb dazu schon in der Transformation der Demokratie 1966: „Der präfaschistisch liberale Ruf nach dem starken Staat wiederholt sich postfaschistisch neoliberal“. Und damit gerät das ganze System des autoritären Etatismus und geraten letzten Endes die politökonomischen Vermittlungen als solche wieder ins Visier des Volkszorns und es war wiederum die Linke, die noch zu Zeiten, wo keine Krise in Sicht war, im sinistren Tram nach Liquidation der Vermittlungen die Zunge gelöst und ihm neue fantasievolle und kreative, wie es so schön heißt, Äußerungsformen zur Verfügung gestellt hat. Sie war das Laboratorium, in dem die allgemeine Mobilmachung eingeübt und jener darauf zugeschnittenen neue und zugleich sehr alte Sozialcharakter herangebildet wurde, indem sich mittlerweile eine Mehrheit spontan wieder erkennt. Derjenige Sozialcharakter, der nach dem Motto „Ich leide, also bin ich“ sich einerseits unter Berufung auf die höchst unverwechselbare Diskriminierung, die ihm angeblich wiederfährt, zur kleinsten existierenden Minderheit erklärt, sich gleichsam nach dem Muster verfolgter und in ihrer Kultur bedrohter Völker begreift und andererseits als Gegensouverän seine private, warnhafte Feinderklärung allen anderen oktroyieren möchte und diesem Zweck entweder vorhandene gesellschaftliche Organisationen zu Rackets umfunktioniert, neue Rackets gründet oder andere Rackets mit ins Boot holt. Der einstige demokratische Fundamentalkonsens wird dadurch einerseits ins einzelne Subjekt zurückverlagert und andererseits vermittlungslos verallgemeinert. Aus der formell kollektiven Feinderklärung der Mitte gegen die Extreme, das war der Normalfall in der Bundesrepublik bis weit in die 80er Jahre, Terroristenhasse, einige werden sich noch daran erinnern. Aus dieser kollektiven Feinderklärung der gesellschaftlichen Mitte gegen die Extreme wird also die pluralisierte Feinderklärung alle gegen alle, die getrennt vereint sich zusammenrotten und auf diese Weise zerfällt die Gemeinschaft der wehrhaften Demokraten und reorganisiert sich zugleich hin zu zerfallen. Ein Zitat von Wolfgang Port in einem anderen Zusammenhang macht es sehr schön deutlich: „Wie durch höhere Gewalt sondern sich die Langen von den Kurzen, die Weiblichen von den Männlichen, die Alten von den Jungen, die Dicken von den Dünnen ab“ und das Resultat ist eine Segregation und Ghettoisierung durch welche die Metropolen, einem riesigen Freiluftgefängnis mit seinen Unterabteilungen für Männer und Frauen, Jugendliche, Kranke, Alte, Port schreibt etc., man könnte noch Schwule und Lesben und Migranten und was weiß ich noch alles ergänzen, Protestanten, Katholiken, Ossis, Wessis, immer ähnlicher werden. Neu ist, dass dieses Freiluftgefängnis als eine kulturelle Einrichtung und seine Insassen als Kulturbotschafter begriffen werden und es ist diese nahezu flächendeckende Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mehrheit und der einzelnen Individuen in ihr, die in der Postmoderne ihr bewusstloses Selbstbewusstsein und ihre Legitimation erfährt und im antirassistischen PC-Sprech sich ihren Ehrenkodex schafft, ihre Omertà, die sich an ihresgleichen und die verbliebenen Kritiker draußen richtet, Islamophobie ist ihr derzeit aktuellstes Schlagwort. Dieser Vorgang, diese Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mitte und ihr Zerfall ist also die Bedingung der neuen Haltung Ausländern und Migranten gegenüber, an denen die Deutschen projektiv ihre ersehnte Regression auf den Stamm illustrieren. Was ihnen umso leichter gelingt, als manch ihrer Repräsentanten und Lobbyisten sich anschicken, genau dem Bilde zu gleichen, das die Deutschen sich seit jeher von ihnen machten und wofür sie von ihnen jetzt nach kollektiv und offiziell ins Herz geschlossen werden. Der mittlerweile zur Dauereinrichtung erklärte Karneval der Kulturen ist nichts anderes als ein Zerfallsprodukt der postfaschistischen Demokratie, mehr noch, er ist diese Gemeinschaft in einer zugleich flexibilisierten und pluralisierten und kollektivierten Gestalt. In dieser Völkerfamilie, die die Deutschen gerne auf der ganzen Welt hätten, wären da nicht Israel und die USA als Störenfriede und die sie aus Mangel an Realisierungschancen deshalb erstmal bei sich zuhause einrichten, geht es dabei zu, wie in jeder guten Familie: Die einzelnen Mitglieder sind einander spinnefeind und die Widersprüche und Konflikte, die daraus resultieren, gehören auch voll und ganz dieser Vergesellschaftung an, sind von ihr konstituiert und dazu gehört ein fein dosiertes Spiel mit Fremdheit und Nähe, das von allen Beteiligten auch weiterhin gepflegt wird, weil damit ein moralisches Plus bei der Gefolgschaft eingefahren werden kann. (…) Der zweite Weltkrieg war ein kulturindustrielles Massenevent. (…) Eine neue Barbarei sei stets zu befürchten, wird sich nicht aus dem Geist Nationalsozialismus unmittelbar speisen, sondern im Gewande von demokratischem Antifaschismus von Lernen aus der Geschichte und political correctness daher kommen.(…) Abwehr des offenen Faschismus durch dessen demokratische Entnazifizierung und Eingemeindung. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. (…) Die postnazistische Demokratie hat  die nationalsozialistische Mobilmachung des „gesunden Volksempfindens“ zwar nicht abgeschafft, sondern nur sistiert – sie hat es aber andererseits auch in die Latenz abgedrängt und damit gebremst, indem sie es in die mediatisierende Form des bürgerlichen Repräsentationsprinzips zwängte.  (…) „Rassismus“ ist ein ideologisches Stichwort eines anti-rassistischen Rackets, das jeden Realitätsbezugs entbehrt, das seine Mitglieder vielmehr nur als Ausweis von Gesinnungsfestigkeit und Ehrbarkeit vor sich hertragen und das ihnen als probates Mittel dient, um nach Willkür und freiem Ermessen festzulegen, wer gerade als „Rassist“ zu gelten hat. Und dieses „anti-rassistische“ Racket, das sind heutzutage fast alle: längst ist die Gegnerschaft zum Rassismus keine Domäne der Linken mehr, sondern offizielle Staatsraison und common sense aller Ehrbaren und Wohlmeinenden, und das ist die erdrückende Mehrheit.  (…) Von der moralisierenden Aufdringlichkeit und der enervierenden Verlogenheit einmal abgesehen, ist die Ehrfurcht, die „anderen Kulturen“ entgegengebracht wird und die Unterwürfigkeit, mit der ihre Träger geradezu als Heilsbringer verehrt werden, keine Gegenposition zum Rassismus, sondern dessen logische wie historische Voraussetzung, die im Rassismus und allen naturalisierenden Ideologien als ein Moment überlebt: deren Grundmuster ist die projektive Bekämpfung dessen, was man selbst gern möchte, aber nicht erreichen kann, und deshalb gehört zur Diskriminierung der Neger wegen ihrer „Faulheit“ die Bewunderung für den „Rhythmus, den sie im Blut haben“ und die Achtung vor ihrer „sagenhaften Potenz“; somit ist der „Anti-Rassismus“ nichts weiter als die notwendige Kehrseite des Rassismus selbst, die sich von diesem abgespalten hat und gegen ihre eigene Grundlage wendet. Historisch jedenfalls geht die Wertschätzung fremder Kulturen ihrer späteren, „rassisch“ legitimierten Abqualifizierung voran und sie ist auch logisch deren Voraussetzung: Christoph Columbus etwa beschreibt in seinen Tagebüchern die Eingeborenen, die er 1492 auf den Bahamas, Cuba und schliesslich Haiti angetroffen hat, folgendermaßen: sie sind „ängstlich und feige“, „sehr sanftmütig und kennen das Böse nicht, sie können sich nicht gegenseitig umbringen“, „sie begehren die Güter anderer nicht,“ und er resümiert: „Ich glaube nicht, dass es auf dieser Welt bessere Menschen oder ein besseres Land gibt.“ (7)  (…) Protestantische Innerlichkeit: gemäß der Devise, dass vor der schlechten Tat der schlechte Gedanke und das schlechte Wort kommen, die man demzufolge austreiben muss, damit alles besser wird. (…) So kommt es, dass es heute der Anti-Rassismus ist, der, unter dem Vorwand, heldenhaft gegen einen in Wahrheit nicht existenten „Rassismus“ zu kämpfen, Respekt und Toleranz noch für die rückständigsten und unmenschlichsten Sitten und Gebräuche einfordert und damit selbst als Protagonist und Fürsprecher einer Verrassung der restbürgerlichen Gesellschaft fungiert.  (..) Die unterschiedliche Pigmentierung der menschlichen Haut ist eine objektive Gegebenheit, keine bloße Erfindung. (…) Rasse heute ist die Selbstbehauptung des bürgerlichen Individuums, integriert im barbarischen Kollektiv. (…) Der nervige Sozialcharakter des Gutmenschen ist offenbar eine fast zeitlose Erscheinung und in den verschiedensten Lebensbereichen anzutreffen, die Wahrscheinlichkeit, ihm in fortschrittlichen sogenannten „politischen Zusammenhängen“ zu begegnen, ist besonders hoch: werden doch hier traditionell die altruistischen Tugenden – das Mitgefühl, die Solidarität, Selbstlosigkeit etc. – besonders hoch angeschrieben und deshalb sind sie das geeignete Betätigungsfeld für Sozialcharaktere, die sich als Ersatz für ihr eigenes ungelebtes Leben vorzugsweise mit dem Leiden anderer als Fetisch verbinden. (…) Es sind aber gerade die höchsten Tugenden, die die niedersten Instinkte decken, wie schon Marx wusste: „Bis jetzt hat der Mensch sein Mitgefühl noch kaum ausgeprägt. Er empfindet es bloß mit dem Leiden, und dies ist gewiss nicht die höchste Form des Mitgefühls. Jedes Mitgefühl ist edel, aber das Mitgefühl mit dem Leiden ist die am wenigsten edle Form. Es ist mit Egoismus gemischt. Es neigt zum Morbiden […] Außerdem ist das Mitgefühl seltsam beschränkt […] Jeder kann für die Leiden eines Freundes Mitgefühl empfinden, aber es erfordert […] das Wesen eines wahren Individualisten, um auch am Erfolg eines Freundes teilhaben zu können. (…) Und da jeder demonstrative Altruismus nicht nur einen kleinlichen Egoismus bemäntelt, sondern auch mit dem Anspruch des Idealisten einhergeht, erzieherisch auf das Objekt seiner Zuwendung einzuwirken, ist er die adäquate Ideologie von Rackets, und auch das ist Wilde nicht entgangen: Barmherzigkeit, so schreibt er, sei die „lächerlich unzulängliche Art der teilweisen Rückerstattung oder ein sentimentales Almosen, gewöhnlich verknüpft mit dem skandalösen Versuch des rührseligen Spenders, auf (das) Privatleben (der Armen) Einfluss zu nehmen. (…) Im totalisierten Zugriff auf die ihr Unterworfenen ist die sozialistische Bewegung bis auf den heutigen Tag ebenfalls als ein Racket des Tugendterrors anzusprechen, betrachtet sie es doch als ihre Aufgabe, das Proletariat oder das gerade angesagte Subjekt seiner „wahren Bestimmung“ zuzuführen und d.h. es im Sinne der von ihm zu realisierenden Ideale zu erziehen – und das bedeutet stets noch: ihm die Untugenden und Laster auszutreiben, die der Vorhut als Male der individualistischen Bürgerwelt erscheinen: etwa Alkoholabusus, Faulenzerei, „zerrüttete“, „unsittliche“ Verhältnisse zwischen den Geschlechtern etc. Und um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen die selbsternannten Vertreter der Klasse die von ihnen verfochtenen Tugenden in eigener Person glaubwürdig verkörpern und deshalb in einer noch rigideren Weise als der gemeine Bürger sich als Subjekte zurichten, d.h. ihre Individualität dem Allgemeinen (dem Kollektiv, der Klasse, dem Frieden etc.) opfern, um totale Identität mit ihm zu erlangen. Wenn Identität letzten Endes den Tod bedeutet, dann hat die Bemühung um sie vorzeitige Erstarrung und prämortale Leblosigkeit zur Folge – von daher die bis in die Gegenwart zu beobachtenden verhockten, verkniffenen und lauernden Mienen aller professionellen Menschheitsbeglücker, ihre rigide Zwangsmoral und durchgängige Humorresistenz, die immergleichen offiziösen Phrasen, die sie dreschen, die tödliche Langeweile, die von ihnen und ihrem penetranten Sendungsbewusstsein ausgeht, und ihr chronisches Beleidigtsein, wenn sie beim Gegenüber auch nur den Hauch eines Zweifels an ihrer aufgetragenen Gutartigkeit zu erspüren glauben. Und zu alldem glauben diese Leute sich auch noch ermächtigt, diese ihre trostlose Existenz zur verbindlichen Richtschnur für alle anderen zu erklären.“ – Clemens Nachtmann

„Die rebellische Haltung, vor einem Jahrzehnt noch das Privileg von Einzelgängern, ist heute Ausdruck des Konformismus. Man will dazugehören, nicht als Schlappschwanz gelten“ – Horkheimer

„Die Demokratie ist nichts weiter als die Herrschaft des Knüppels über das Volk durch das Volk für das Volk. (…) Es gibt drei Arten von Despoten: den Despoten, der den Leib knechtet, den Despoten, der die Seele knechtet und den Despoten, der Leib und Seele zugleich knechtet. Der erste heißt Fürst. Der zweite heißt Papst. Der dritte heißt das Volk. (..) Wer das Volk führen will, ist gezwungen, dem Pöbel zu folgen“ (…) „Man hört immer wieder, der Schulmeister sterbe aus. Ich wünschte beileibe, dem wäre so. Aber der Menschentypus, von dem er nur ein und gewiss noch der harmloseste Vertreter ist, scheint mir wahrhaftig unser Leben zu beherrschen; und wie auf ethischem Gebiet der Philanthrop die größte Plage ist, so ist es im Bereich des Geistes derjenige, der so sehr damit beschäftigt ist, andere zu erziehen, dass er nie Zeit gehabt hat, an seine eigene Erziehung zu denken […] Wie schlimm aber, Ernest, ist es, neben einem Menschen zu sitzen, der sein Leben lang versucht hat, andere zu erziehen! Welch eine grausame Tortur! Was für eine entsetzliche Borniertheit, die unvermeidlich aus der fatalen Gewohnheit resultiert, anderen seine persönlichen Überzeugungen mitteilen zu wollen! Wie sehr dieser Mensch durch seine geistige Beschränktheit auffällt! Wie sehr er uns und fraglos auch sich selbst anödet mit seinen endlosen Wiederholungen und seiner krankhaften Besserwisserei! Wie sehr er jedes Anzeichen geistigen Wachstums vermissen lässt! Wie verhängnisvoll ist der Kreis, in dem er sich unablässig bewegt.“ – Oscar Wilde
„Was die Menschheitsbeglücker in Wahrheit bewirken, ist ihr eigener moralischer Selbstgenuss in der angemaßten oder tatsächlichen Herrschaft über andere, aber gerade nicht die praktische Lösung der Dinge, um die es ihnen vorgeblich so selbstlos zu tun ist: „In den Augen des Denkers allerdings liegt der wahre Schaden, den das moralische Mitgefühl anrichtet, darin, dass es unser Wissen begrenzt und so verhindert, dass wir auch nur eines unserer sozialen Probleme lösen.“ (Wilde) Das Selbstopfer fürs Kollektiv erweist sich nicht nur als die wahre Selbstsucht, sondern auch als gegen die Gattung gerichtet: „Denn die Entwicklung der Gattung hängt von der Entwicklung des Individuums ab, und wo die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit als Ideal abgedankt hat, ist das Absinken des intellektuellen Niveaus, wenn nicht gar dessen gänzliches Verschwinden die unmittelbare Folge.“ (Wilde) Und das vorgeblich so praktische und zielorientierte Tun erweist sich als in Wahrheit konfus und unpraktisch: denn es verlässt den Bannkreis des Notwendigen und Zwanghaften nicht, ja, es bestärkt dessen Macht umso mehr, je auftrumpfender und verblendeter es sich in seiner moralischen Selbstgerechtigkeit verhärtet und alle Selbstaufklärung abwehrt. Solange die Gesellschaft den Individuen als fremde äußere Macht entgegentritt, verkehrt sich die gute Intention regelmäßig in ihr Gegenteil und ist menschliches Handeln „nur blindes Tun, abhängig von äußeren Einflüssen und angetrieben von einem dunklen Impuls, von dem es selbst nichts weiß. Es ist seinem Wesen nach unvollkommen, weil es vom Zufall begrenzt wird, und unwissend über seine eigentliche Richtung, befindet es sich zu seinem Ziel stets im Widerspruch […] Jede unserer Taten speist die große Maschine des Lebens, die unsere Tugenden zu wertlosem Staub zermahlen oder aber unsere Sünden in Bausteine einer neuen Kultur verwandeln kann.“ (…) Die Misere des Sozialismus von seinen Anfängen bis heute war und ist stets zuverlässig abzulesen an seiner Verachtung aller autonomen, zweckfreien, in sich begründeten und eben darin gesellschaftlich bestimmten Kunst, weil sie die – prekäre und unvollständige – Emanzipation des Individuums von Blut, Scholle, Rasse, Kollektiv vorausträumt und ihr Ausdruck verleiht. Die Kunst, die sozialistische Bewegungen oder Regimes dann hervorbringen und fördern, eine Kunst, die „Partei ergreifen“, „Stellung beziehen“ und „gesellschaftliche Verantwortung“ dokumentieren soll, zerstört jedoch sich selbst und ihre Voraussetzungen. (…) „Kunst ist Individualismus und der Individualismus ist eine verstörende und zersetzende Kraft. Gerade darin liegt sein unermesslicher Wert. Denn was er aufzubrechen versucht, ist die Einförmigkeit des Typischen, die Sklaverei der Konvention, die Tyrannei der Gewohnheit und die Erniedrigung des Menschen auf das Niveau einer Maschine. (…) alle Künste sind amoralisch, ausgenommen die niederen Formen der sinnlichen oder belehrenden Kunst, die uns zu guten oder schlechten Taten anstiften wollen“ (…) Selbstsucht strebt immer danach, der gesamten Umwelt ein Einheitsmaß aufzuzwingen“ „Selbstlosigkeit bedeutet, andere Leute in Ruhe zu lassen, sich nicht in ihr Leben einzumischen […] Die Selbstlosigkeit weiß die unendliche Vielfalt als etwas Kostbares zu schätzen, sie akzeptiert sie, lässt sie gewähren und erfreut sich an ihr.“ (…) „Die erste Pflicht im Leben ist, so künstlich wie möglich zu sein. Die zweite Pflicht ist noch unbekannt.“(Wilde)
Antizionismus und Antiamerikanismus, ihr Philo-Islamismus nichts anderes sind als moderne Varianten des urdeutschen Antisemitismus.  (…) Massen laufen zur Deutschen Ideologie über, wenn Politik und Staat ihnen diesen Weg nicht versperren (…) Der Vernünftige braucht keinen Dialog mit Leuten zu führen, die sich nicht von Grund auf von denjenigen distanzieren, die Juden oder, was dasselbe ist, den Zionismus für ihr und anderer Leute Unglück verantwortlich machen. Er denunziert desgleichen jede Verhandlungsbereitschaft denen gegenüber, die, bevor sie sich als Staatsbürger und Marktsubjekte definiert haben, als Angehörige einer Religions- oder Volksgemeinschaft anerkannt werden wollen. (…) Antizionismus und Antiamerikanismus, ihr Philo-Islamismus nichts anderes sind als moderne Varianten des urdeutschen Antisemitismus. (…) Antideutsch denken und handeln heißt demzufolge, die politischen Vermittlungs- und Repräsentationsformen in Gesellschaft und Staat, die auf der Trennung von freien und gleichen Warenbesitzern einerseits und am Allgemeinwohl orientierten Staatsbürgern andererseits beruht, gegen die zu verteidigen, die diese Teilung zugunsten eines autoritären Volksstaates überwinden wollen, dessen Subjekte von nichts anderem als von seinen Wohlfahrtsleistungen abhängig sind. Wer in diesem Sinne das Etikett „antideutsch“ nicht auch auf sich bezieht, mißachtet zumindest die Gefährlichkeit der – selbstredend nicht auf Deutschland und deutsche Staatsbürger beschränkte, sondern immer schon weltweit grassierende – Deutschen Ideologie, deren historischer Kern darin besteht, daß auf ihr Konto nicht nur „normale“ kapitalbedingte Ausbeutung und Herrschaft, nicht nur die dem Kapital aus Prinzip immanenten Kriege und nicht nur der ihm in seinen Grund eingeschriebene Antisemitismus gehen, sondern fördert das Überleben einer Ideologie, der zudem noch die historisch und empirisch nicht zu leugnende Tatsache eingeschrieben ist, daß die deutsche Fassung der Beziehung von Staat und Gesellschaft die Auslöschung der Menschheit in zwei Weltkriegen im allgemeinen und den eliminatorischen Antisemitismus im besonderen beinahe total verwirklicht hätte. In der Existenz des Staates Israel manifestiert sich der Einspruch gegen den historisch bewiesenen Vernichtungswahn Deutscher Ideologie praktisch und empirisch. – Manfred Dahlmann

„Wird Freiheit mit Zügellosigkeit verwechselt, entsteht Rücksichtslosigkeit.
Am Schluss Gleichmacherei.
Ihr seid aber nicht alle gleich.
Noch nie wart ihr alle gleich.
Ihr lasst es euch aber einreden.
So werdet ihr immer respektloser, ungenießbarer gegeneinander.
Vergeudet in Kleinkriegen eure Zeit, als hättet ihr ein zweites Leben.
Weil ihr tatsächlich alles verwechselt.
Behauptungen mit Beweisen.
Gerechtigkeit mit Maß.
Religion mit Moral.
Desinteresse mit Toleranz.
Satire mit Häme.
Reform mit Veränderung.
Nachrichten mit Wirklichkeit.
Kulturunterschiede haltet ihr für Softwarefragen und ihre Analyse ersetzt ihr mit Anpassung.
Ihr habt die Maßstäbe verloren.
Der Gordische Knoten ist ein Keks gegen eure selbstverschuldete Wirrsal.

Man geht immer fehl, sucht man den Ursprung menschlicher Handlungen außerhalb der Leidenschaft des menschlichen Herzens …

Der Separatismus gendert sich in die Köpfe, sitzt in Regierungen.
Männer sind keine Männer mehr. Frauen keine Frauen, sondern ‚Menschen mit Menstruationshintergrund’, Quote ist Trumpf.
Auf gar keinen Fall sollen Mann und Frau sich noch als zwei Teile eines Ganzen begreifen. Damit die Geschlechter noch mehr aneinander verzweifeln.
Bis alle in destruktiver Selbstbezogenheit stecken.
Am Ende: Mann ohne Eier. Frau ohne Welt.

Auf die Erschöpfung des Mannes wird aber nur die Erschöpfung der Frau folgen, das sage ich euch.
Auf die Verstörung der Kinder folgt die Zerstörung der menschlichen Schöpfung.“– Hans Dieter Hüsch

Es gibt zweierlei Ethik: die moralische, der die Realität egal ist und die der Verantwortung, die reale Folgen der ethischen Forderungen berücksichtigt. Die erste ist gut gemeint, die zweite ist gut gemacht.

Was dem einen seine Souveränität, ist dem anderen seine Eigenmächtigkeit.

Das Schöne am Euro war, dass die Gewinner immerzu gewinnen konnten, ohne dass ihnen gleich die Quittung präsentiert wurde. Denn sie verdienen ja am Ausland, was heißt, eigentlich ein im Maße des Verdienens zunehmend schlechtes Geld – das ist durch den Euro aufgehoben worden: Man konnte ständig an einer anderen Nation verdienen, ohne dass das Geld dieser Nation darunter gelitten hat, weil sie gar kein eigenes hat. Der Wert dieses Geldes repräsentiert nicht die Leistungsfähigkeit dieser Nation. So hat der Euro von dem innereuropäischen Verdienen aneinander sogar noch gelebt; er hat vor der Krise absurderweise nur den Konkurrenzerfolg der Gewinner repräsentiert.

— Das ist ja mit der Idylle charakterisiert. Dass zunächst mal alle Seiten Gewinner des neu eingeführten Euro waren. Auch die, die ihre vergleichsweise Weichwährung gegen den Euro getauscht haben und damit auf einen Schlag Kredit zu ganz anderen Konditionen und Möglichkeiten hatten. Insofern waren die späteren Verlierer erst mal auch Gewinner.

Kein Nazifaschist hat je wirklich geglaubt, er bezöge die Ermächtigung seiner Ansprüche aus dem Teutoburger Wald; keiner seiner demokratischen Erben hat jemals tatsächlich gedacht, ihnen erwüchse Legitimität im Resultat des “Lernens aus der Geschichte”; niemals war ein Sozialist der Ansicht, es sei die famose “Befreiung der Arbeit” und nicht vielmehr das Recht auf Beute, was seine Politik im Interesse der Arbeiterklasse motivierte. Und keinesfalls erwächst den Palästinensern irgendein Recht aus der Tatsache, daß sie zuerst da waren. Einer Gesellschaft, der Hunger kein Grund ist zur Produktion, kann auch das Leiden kein Grund sein zur Solidarität. Es ist die Ideologie, die mit der Unmittelbarkeit des Leidens agitiert, die aus dessen fragloser Evidenz Sinn zu schlagen sucht, sei es im Sinne von Caritas oder Amnesty International, sei es im Sinne der Freunde des palästinensischen Volkes für den Israelhaß der Antisemiten wie für den Islamfaschismus dieses Volkes. Ariel Scharon jedenfalls, der Zionist und praktische Antifaschist, ist dem aufgelösten Rätsel der Geschichte näher als die deutsche Linke, deren “Antifaschismus” sich als Aufstand der Anständigen à la Gerhard Schröder oder als Solidarität mit dem palästinensischen Volk ausagiert. (…) Im Wesen Israels als des ungleichzeitigen Staates der Juden liegt es aber nicht nur, Reaktion auf den Verrat an Aufklärung und Weltrevolution, nicht nur, Notwehrversuch gegen den Nazifaschismus und Asyl zu sein. Sondern eben auch, daß die üblichen Muster der bürgerlichen Rollenverteilung – hier das Gewaltmonopol des bürgerlichen Staates im allgemeinen und dort die Personen, die die Regierungsausübung im besondern besorgen – für den israelischen Staates aufgrund seiner Konstitutionsbedingungen keine Geltung mehr hat. Was sich unter anderem darin zeigt, daß diese “Kritiker” der israelischen Regierungspolitik für den faschistischen Mob und die Behörden, die Selbstmordattentäter belohnen, Verständnis aufbringen (Folge von Besatzung und Ausbeutung), dagegen für den Versuch, die militärische Infrastruktur der Gegner Israels zu zerschlagen, am liebsten die Begriffe Auslöschung oder Ausrottung der palästinensischen Bevölkerung im Munde führen. Wie hinter der treudoofen Frage, ob es nicht möglich sein müsse, Spekulanten als das zu bezeichnen, was sie sind, ohne gleich als antisemitisch zu gelten, so verbirgt sich hinter der treulinken Frage, ob nicht auch in Israel, weil es sich auch dort um eine bürgerliche Gesellschaft handele, Faschismus möglich sei, die Erkenntnis dieser Fusion in verquerer und verschrobener Gestalt. Verquer, weil ja gerade erklärt werden sollte, wie Israel, dieser Fusion zum Trotz, eine parlamentarische Demokratie ist und bleibt; verschroben, weil diese Einheit von Staat und Regierung im Übergang von einem unerträglichen Alten (die Vernichtungsdrohung) zum noch nicht erreichten Neuen (die herrschaftslose Gesellschaft) ja doch den Inbegriff dessen ausmacht, was einmal als “Diktatur des Proletariats”, als Emanzipationsgewalt und organisierte politische Macht der Revolution, auch und gerade auf den roten Fahnen stand. In Anbetracht der Grundidee des Staates Israel, vor dem Hintergrund der linken Staatsmythen, betreffend die “Diktatur des Proletariats”, muß jede Beurteilung der Handlungen der Regierungsvertreter auch die völlig andere Qualität dieses Staates, verglichen mit allen anderen, deutlich werden lassen. (…)

Wenn diese Linke über Israel schwadroniert, dann hört sich das nicht minder grausig an. Dabei liegt der Zusammenhang zwischen dem Antisemitismus und dem Vernichtungswillen gegen die zum Staat gewordene bürgerliche Gesellschaft der Juden, gegen Israel, eigentlich auf der Hand: Der sogenannte Antizionismus stellt nichts anderes dar als die geopolitische, globalisierte Reproduktion des Antisemitismus, das heißt die Erscheinungsform, die er in Weltmarkt und Weltpolitik nach Auschwitz annehmen muß. Der Antizionismus ist der aus den kapitalisierten Gesellschaften in die Welt herausgekehrte Antisemitismus. So ist Israel der Jude unter den Staaten; die Verdammung des Zionismus als eines “Rassismus” durch die UNO gibt es zu Protokoll. Das macht: die moralische Verurteilung der menschlichen Unkosten der Konstitution bürgerlicher Staatlichkeit allein am Beispiel Israels führt vor Augen, was die Welt der Volksstaaten vergessen machen will – daß die Zentralisation der politischen Gewalt über Leben und Tod keineswegs die natürliche Organisationsform der Gattung Mensch darstellt, sondern Ausdruck eben von Herrschaft und Ausbeutung. Dabei ist Israel – und das macht die Kritik an diesem Staat so perfide und muß deshalb immer wieder gesagt werden – der einzige Staat dieser Welt, der für sich eine nicht zu bezweifelnde Legitimität beanspruchen kann. Israel, das ist der ungleichzeitige Staat, der entstanden ist sowohl als Reaktion auf das Dementi aller Versprechungen der bürgerlichen Nationalrevolution, sowohl als Antwort auf den stalinistischen Verrat an der kommunistischen Weltrevolution als auch als zu spät gekommene Notwehr gegen den Massenmord an den europäischen Juden. (…) Israel ist das Schibboleth jener doch so naheliegenden Revolution; es ist der unbegriffene Schatten ihres Scheiterns. Israel ist das Menetekel, das zum einen (und ganz unfreiwillig) die kategorischen Minimalbedingungen des Kommunismus illustriert, und das zum anderen sämtliche Bestialitäten zu demonstrieren scheint, zu denen der bürgerlich-kapitalistische Nationalstaat fähig ist. Wer Israel nicht begriffen hat, wer den Haß auf diesen Staat, den Antizionismus, und wer den Antisemitismus, das heißt den Vernichtungswillen sowohl gegen die in diesem Staat lebenden als auch gegen die kosmopolitisch verstreuten Juden, nicht begriffen hat als das, was Antisemitismus wesentlich darstellt: den bedingungslosen Haß auf die Idee einer in freier Assoziation lebenden Gattung, der hat den Kommunismus nicht als das “aufgelöste Rätsel der Geschichte” begriffen. –

 Der ostentative Muslimeifer aber, der sich im Alltag mancher ‚Allahu-Akbar‘-Brüller vielleicht doch sehr in Grenzen hält, findet im blanken Judenhass unverhoffte Nahrung, wo ihnen unter unendlich öden Koranrezitationen und geistlosen, absurden Vorschriften längst das bisschen ungeglaubten Glaubens zwischen den Fingern zerrann und ihr Muslimsein kaum je mehr ist als das typisch dauerbeleidigte, immer schon jeder Verantwortung ledige Gruppengefühl. Überhaupt will jeder Eifer – insbesondere der aktuelle, rasende Eifer des weltweit angreifenden Islam – den Stachel eines weniger drohenden als hinterrücks längst geschehenen Glaubensverlustes kompensieren.“ Mit anderen Worten: Muslime wurden nicht für ihr abstraktes Muslimsein kritisiert, sondern dafür, was – global betrachtet – die Mehrheit konkret darunter versteht: Die von Gott gegebene Ermächtigung zu Terror, Entrechtung, Antisemitismus. Wer differenziert, sollte nicht unerwähnt lassen, dass Osama bin Laden, Hassan Nasrallah und wie all die schrecklichen Figuren so heißen, in der muslimischen Welt als Helden gefeiert werden – und zwar nicht von einer minoritären Sekte, sondern von Millionen Muslimen, auch in Deutschland. (,,) Der unfreiwillige und verborgene Essentialismus der Postmoderne macht das Begreifen unmöglich, weil er die Beziehung zwischen Allgemeinem, Besonderem und Einzelnem nicht mehr zu thematisieren vermag. Wenn nur noch Vielfalt herrscht und Einzelnes und Allgemeines gewaltsam auseinandergerissen werden, bleibt die Verstandesleistung des begreifenden Subjekts auf der Strecke und die scheinbar ursprüngliche Differenz wird zum Mythos. Nicht nur dem Begriff des Allgemeinen, das ja ein noch einzulösendes ist, wird Gewalt angetan, auch dem Besonderen, dessen Unglück darin besteht, nur ein Besonderes zu sein, und das sich, weil es kein versöhnendes Ganzes gibt, dem schlecht-Allgemeinen, dem Racket nämlich, anschließen muss. – JAN HUISKENS

„Vernunft und Rationalität sind in dieser durchmedialisierten Welt chancenloser denn je. Ein unangenehmer Typ „Heckenschütze“ terrorisiert die Gesellschaft. Seine aktuelle Waffe: Der Phobienvorwurf.“ – Bettina Röhl

„Man wähnt, wenn man nach wissenschaftlichen Regeln sich richtet, dem wissenschaftlichen Ritual gehorcht, mit Wissenschaft sich umgibt, gerettet zu sein. Wissenschaftliche Approbation wird zum Ersatz der geistigen Reflexion des Tatsächlichen, in der Wissenschaft erst bestünde. […] Je tiefer man ahnt, daß man das Beste vergessen hat, desto mehr tröstet man sich damit, daß man über die Apparatur verfügt.“ (Theodor W. Adorno, Philosophie und Lehrer, AGS 10.2, 491)

„Vieles, was im Sinne von Foucaults »Mikrophysik der Macht« populär werden sollte; also die Erkenntnis, daß Macht nicht pyramidal hierarchisch, sondern durch sämtliche gesellschaftliche Bereiche hindurch wirkt, findet sich bereits in der Medizinkritik der Kritischen Theorie. Daß diese Thesen häufig übersehen wurden, mag daran liegen, daß sich Horkheimers entscheidende Äußerungen über Medizin und Psychiatrie nicht in den breit rezipierten Hauptwerken finden, sondern über die Gesamtausgabe verstreut sind. Wiemer suchte sie zusammen und zeigt, wie Horkheimer anhand der Medizin einen wesentlichen Charakterzug des modernen Kapitalismus ausmachte. Mediziner funktionieren laut Horkheimer wie fast jede wirtschaftliche Gruppe im Sinne eines Rackets. »Ein Racket«, erklärt er, »ist eine unter sich verschworene Gruppe, die ihre kollektiven Interessen zum Nachteil des Ganzen durchsetzt.« Allgemein betrachtet heißt das, daß sich die Klassengesellschaft in eine »neofeudale« Struktur verwandelt hat, innerhalb der Interessenverbände »nach dem Prinzip der Selbsterhaltung und der Machtakkumulation« funktionieren. Diesen Wandel macht Horkheimer an den Medizinern fest; und alles, was Horkheimer in seiner Kritik aussparte, von den Krankenversicherungen bis zum Pfusch in Krankenhäusern, wird von Carl Wiemer polemisch auf den neuesten Stand gebracht“  – Max Horkheimer

 

„Ein Shitstorm hat auch seine positive Seite. Da politisch korrekte Gülle meist in Richtung Originalität, Kreativität und Intelligenz geworfen wird, fliegt sie oft genug auf Leute, die zu lesen wirklich lohnt.“ – Evidenz-basierte Ansichten

Eine Frau wird als Frau geboren. ein Mann muß erst ein Mann werden.
Keine Paternalisierung, sondern fortschreitende Maternalisierung. Die Feminisierung und Genderisierug marginalisiert und zerstört die Vaterposition in den modernen »Gesellschaften«, die Vaterrolle erlitt allgemeine Degradierung, die Kanonisierung der Homosexulität im Speziellen und der sexuellen Diversität im Allgemeinen tilgt die noch übriggebliebenen Spuren einer Männlichkeit restlos aus, die nur noch als Schimpfwort der angeblichen „Paternalisierung“ im Jargon der Medien herumgeistert.

„Es kommt in der Psychotherapie darauf an – mit temporärer Unterstützung – sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Wer mit einem Selbstbild lebt, für das die temporär klärende Rolle des Therapeuten eine unerträgliche Kränkung ist, der muß eben versuchen, alleine zurechtzukommen.“ – Hans Ulrich Gumbrecht

Post-Pop-Epoche: der Sieg der Mode über die Sitten.

„Wir brauchen schadhafte Gebäude, durch deren geborstene Wände man hindurch­ sehen kann, um wenigstens einen Anfang zum Denken zu gewinnen.“ – Victor Tausk

„Was man in römischer Zeit das »Abendland« und später »Europa« nennen wird, ist die politische Konsequenz des individualistischen Martyriums, das ein gesprächsfreudiger Stadtstreicher auf sich nahm, um die Legitimität des im universalistischen Dialekt vorgebrachten Neuen gegen die entkräfteten lokalen Sitten zu demonstrieren.“ – Peter Sloterdijk

„Was nützt einem die Gesundheit wenn man ansonsten ein Idiot ist.“ – Theodor Adorno

„Ich bin eine Feministin. Das bedeutet, daß ich extrem stark behaart bin und daß und ich alle Männer haße, sowohl einzelne als auch alle zusammen, ohne Ausnahmen.“Bridget Christie

„Die Tragödie isolierter persönlicher Leidenschaften ist für unsere Zeit zu fade. Aber weshalb? Weil wir in einer Epoche der sozialen Leidenschaften leben. Die Tragödie unserer Epoche ist der Zusammenstoß der Persönlichkeit mit dem Kollektiv.“ –  LeoTrotzki 1923

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Stupidity is demonstrated by people lacking the knowledge they could achieve

Stupidity manifests itself as outraged moralism

Love: only, and not always, a mother loves her child, just as it is, otherwise you have to meet the expectations of others, to be accepted.

Values without empathy are worth nothing

Some people feel physical pain when they should correct their accustomed ideas in favor of reality, they turn all their intelligence with the support of their aggression, for not to recognize the reality and maintain their self-image

More and more feel, think less and less Man does not differ from animals by feelings, because mammals have the same feelings, like man, sadness, fear, anger, love, but by his thought. When he thinks, if he thinks.

Political correctness can be defined as the telling of a lie out of the cowardice in an attempt to avoid upsetting fools not willing to face up to the truth

“In arguments about moral problems, relativism is the first refuge of the scoundrel.” Roger Scruton

They are the same who claim the sex/gender would not be biologically innate, but only a social construct, and at the same time that homosexuality was not a social construct, but biologically innate.

Antisemitism is when one blames the Jews or Israel for issues, he does not blame others

„There are two things,“ said Hitler in 1923, „which can unite people: common ideals and common crime“

After the violent termination of Murder by the Allies were the German (and have remained so to this day) more german than before.

The depraved human creature, the more she feels insulted, disrespected, offended in their honor.

Islam is less a religion and more a totalitarian society, an ideology that demands absolute obedience and tolerates no dissent, no criticism, and prohibits the thinking, knowledge and recognition. True Islam is totally different, the one who will find it will receive a very high reward.

Craziness is, when one always does the same but expects a different outcome

If a monkey thinks “I am a monkey”, then it is already a human

A man with roots should go for a pedicure

Self smugness leads to idiocy, being pissed off leads to enlightenment

If someone has something to say, he can tell it always very easily. If someone has nothing to say, he says it in a very complicated way

Addiction is, when somebody does something he wants to do, yet seeks someone who can make it so he won’t do it and doesn’t want to, either.

If the clever people always gave in, the world would be reigned by idiots. Too much “cleverness” makes you stupid.

If one only fights evil to protect life, one produces nothing good at all and such a life then becomes no longer worth living and thus requires no protection, for it is already unlived due to such a total protection. One can spend so much money on insurance, that one has nothing left to insure. Safety works in the same way.

Happy slaves are the worst enemies of freedom.

Creativity is an intelligence having fun.

If working makes you sick, fuck off, leave the work!

If Germans talk about morality, they mean money.

A man without an insight is just an anxious, aggressive, unhappy monkey.

Thinking is always trespassing.

The mob, who calls himself the people, does not discuss, just defames.

Legal is not always legitimate.

Who can not do without, lives unhappy.

So called social, culture sciences, sociology, psychology psychotherapy, psychoanalysis, are not anymore scientific, but immanent religious cult-prophets, organized as sects.

Without a strong opposition any apparent democracy atrophies to a tyranny, and as well a science , to an attitude of a religious sect.

You can recognize everything from a certain distance only, who is zealous, outraged, who sticks his nose in something, this one has lost the perspective, he recognizes anything more, he has only his imagination of the world in his head. This creates paranoia, which is called religion, and a religion as politics, even as a science.

Islamists are a real danger, therefore they will not be seen as such. Jews are not a danger, therefore they are seen as such. It is how the perception by cowards functions.

People without a sense of humor are able only to fear or to hate and become monks or terrorists.

People are not equal, each single person is unique.

Insight applies to everyone, including Muslims, Albanians, women and homosexuals.

Islam belongs to Germany, Judaism belongs to Israel.

The totalitarian Terror of consensus is ubiquitous in Germany.
There are no discussions anymore, but defamations only.
It is a culture of the mob. As it has already been.
Harmony is only if you do not communicate.

One should never go to bed with someone who has more problems than you already have.

>>Evelyn Waugh, surely the wittiest novelist of the past century, in World War II, coming out of a bunker during a German bombing of Yugoslavia, looked up at the sky raining enemy bombs and remarked, “Like everything German, vastly overdone.”<< Joseph Epstein

One has to be brave, to have a wit.

Stupid and dull belong mostly together.

Charlie Hebdo: you don´t care if such murders are comitted to Jews, we will see how “adequate” you will react when (when, not if), Islamists will begin to bombard your cities with Kasam missiles.

Christopher Hitchens: In a free society, no one has the right not to be offended.

The more someone narcissistic inflates , the more he feels insulted and provoked.

“The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt.” – Bertrand Russell

 The problem with the Islamists in Europe should be solved exactly as Europe requires to the Middle East: a two-state solution, a half for muslims and the another half for not-muslims , with a common capital.

What may satire? Everything! Except be understood by the fool, because then it was not a satire.

Islamimus is Islam preaching violence.

Islam is a religion of love, and he who doubts is dead.

War is peace. Freedom is slavery. Ignorance is strength. Islam is a peaceful religion of love – George Orwell 2015

Islam is not responsible for anything, Jews are guilty of everything.

Islamists are satanists. Islamism is a religion of idiots.

If someone inflates endless his ego, as Islamists do, then he hurts his own feelings already in his morning own shit.

The seven deadly sins of modern society. Wealth without work pleasure without conscience, knowledge without character business without morality Science without humanity, worship without sacrifice Politics without principles
-Mahatma Gandhi

“Where there is only a choice between cowardice and violence, I would advise violence.”
-Mahatma Gandhi

Heroes of today know nothing, can not and do not want anything. They just look like heroes, that’s all.

It may be that early fathers ate their children. Today, the mothers will eat anything, fathers, children and the rest. Everything Mommy, anyway!

Germany yesterday: the will to power.
Germany today: the will to blindness.
Germany tomorrow:

German psychoanalysis? Great, like German charm, German humor and German wit.

The resistance starts with its own language other than that of the dictatorship.

Smart phones for stupid people.

A leftist can, but do not have to be stupid.

If you do not blame states, when they commit suicide with millions victims , so why to blame a co-pilot with 149 dead?

Only the purity of the means justify the end.

A German is a person who can speak no lie, without actually believe Adorno

„Reason and rationality are chance-less than ever in this totally mediatised world. An unpleasant type Sniperterrorized society. His current weapon: The phobia accusation.“ – Bettina Röhl
„A Shitstorm has also its positive side. As politically correct manure it is usually thrown in the direction of originality, creativity and intelligence, she flies often to people who are really worth to read.“ Evidenz-basierte Ansichten
A woman is born as a woman. a man has to become a man.
No paternalization but advancing maternalization. The feminization and genderization marginalized and destroyed the father position in the modern „societies,“ the father role suffered general degradation, the canonization of homosexuality in particular and the sexual diversity generally wipes out the still remaining traces of masculinity completely out,  only as an insult haunts the alleged „paternalization“ in the jargon of mass media.
PostPop era: the triumph of fashion over the morals.
„We need damaged buildings, so you can see through their cracked walls to win at least one viewpoint to start to begin to think. Victor Tausk
„What good is health if you are an idiot then?“ – Theodor Adorno
„What one must be judged by, scholar or no, is not particularised knowledge but one’s total harvest of thinking, feeling, living and observing human beings.“ (…) „While the practice of poetry need not in itself confer wisdom or accumulate knowledge, it ought at least to train the mind in one habit of universal value: that of analysing the meanings of words: of those that one employs oneself, as well as the words of others. (…) what we have is not democracy, but financial oligarchy. (…) Mr. Christopher Dawson considers that “what the non-dictatorial States stand for today is not Liberalism but Democracy,” and goes on to foretell the advent in these States of a kind of totalitarian democracy. I agree with his prediction. (…) That Liberalism is something which tends to release energy rather than accumulate it, to relax, rather than to fortify. (…) A good prose cannot be written by a people without convictions. (..) The fundamental objection to fascist doctrine, the one which we conceal from ourselves because it might condemn ourselves as well, is that it is pagan. (..) The tendency of unlimited industrialism is to create bodies of men and women—of all classes—detached from tradition, alienated from religion and susceptible to mass suggestion: in other words, a mob. And a mob will be no less a mob if it is well fed, well clothed, well housed, and well disciplined. (…) The rulers and would-be rulers of modern states may be divided into three kinds, in a classification which cuts across the division of fascism, communism and democracy. (…) Our preoccupation with foreign politics during the last few years has induced a surface complacency rather than a consistent attempt at self-examination of conscience. (…) What is more depressing still is the thought that only fear or jealousy of foreign success can alarm us about the health of our own nation; that only through this anxiety can we see such things as depopulation, malnutrition, moral deterioration, the decay of agriculture, as evils at all. And what is worst of all is to advocate Christianity, not because it is true, but because it might be beneficial. (…) To justify Christianity because it provides a foundation of morality, instead of showing the necessity of Christian morality from the truth of Christianity, is a very dangerous inversion; and we may reflect, that a good deal of the attention of totalitarian states has been devoted, with a steadiness of purpose not always found in democracies, to providing their national life with a foundation of morality—the wrong kind perhaps, but a good deal more of it. It is not enthusiasm, but dogma, that differentiates a Christian from a pagan society.“ (…)  It would perhaps be more natural, as well as in better conformity with the Will of God, if there were more celibates and if those who were married had larger families. (…) We are being made aware that the organisation of society on the principle of private profit, as well as public destruction, is leading both to the deformation of humanity by unregulated industrialism, and to the exhaustion of natural resources, and that a good deal of our material progress is a progress for which succeeding generations may have to pay dearly. I need only mention, as an instance now very much before the public eye, the results of “soil-erosion”—the exploitation of the earth, on a vast scale for two generations, for commercial profit: immediate benefits leading to dearth and desert. I would not have it thought that I condemn a society because of its material ruin, for that would be to make its material success a sufficient test of its excellence; I mean only that a wrong attitude towards nature implies, somewhere, a wrong attitude towards God, and that the consequence is an inevitable doom. For a long enough time we have believed in nothing but the values arising in a mechanised, commercialised, urbanised way of life: it would be as well for us to face the permanent conditions upon which God allows us to live upon this planet. And without sentimentalising the life of the savage, we might practise the humility to observe, in some of the societies upon which we look down as primitive or backward, the operation of a social-religious-artistic complex which we should emulate upon a higher plane. We have been accustomed to regard “progress” as always integral; and have yet to learn that it is only by an effort and a discipline, greater than society has yet seen the need of imposing upon itself, that material knowledge and power is gained without loss of spiritual knowledge and power. “ – T.S.Eliot
“I am a feminist. All this means is that I am extremely hairy and hate all men, both as individuals and collectively, with noexceptions.” – Bridget Christie

Une Allemagne européenne et non une Europe allemande.

Gregor Gysi: »Wir brauchen ein europäisches Deutschland, kein deutsches Europa«

 

Schäuble - Stefan Klinkigt

 

Gysi: Ja, einen schönen guten Tag meine Damen und Herren.

 

Ich glaube, dass morgen eine wichtige Debatte im Bundestag stattfindet, aber es geht vornämlich gar nicht nur um Griechenland. Es geht um Europa und es geht um unser Land.

 

Die Situation ist ziemlich verfahren, weil das, was Wolfgang Schäuble betrieben hat, antisozial, antidemokratisch und antieuropäisch ist und selbst, wenn es einen nationalistischen Zug hat, ist es keinesfalls geeignet, unserem Land zu helfen, ganz im Gegenteil, wir schaden uns selbst.

 

Ich will das versuchen, kurz zu begründen. Als Deutschland in die Finanzkrise kam, hat eine Koalition unter Beteiligung der Union beschlossen, ein Investitionsprogramm von 80 Milliarden Euro, es hat das Geld für Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter verlängert und es wurde außerdem entschieden, eine Abwrackprämie zu bezahlen für die Leute, die sich ein neues und besseres Auto kaufen. Das Ganze hat die Wirtschaft belebt.

 

Bei der nächsten Krise, als es nicht um uns ging, sondern um den Süden Europas entschied man gegenteilig und sagte nein, es gibt keine Investitionen, im Gegenteil ihr müsst indirekt eure Währung abwerten, indem ihr die Löhne kürzt, die Renten kürzt, die Mehrwertsteuer erhöht etc.

 

Diese Politik wird gegenüber Griechenland fortgesetzt, obwohl dort schon die Renten dramatisch gekürzt worden sind, obwohl wir schon eine Jugendarbeitslosigkeit bis 25 Jahre von 60 Prozent haben. Das sind die Bedingungen, um überhaupt über ein sogenanntes drittes Hilfspaket zu verhandeln. Das ist indiskutabel.

 

Zweitens: Es ist undemokratisch, weil ein Volksentscheid, der in Griechenland stattgefunden hat, vollständig negiert wird. Meine Regierung bestrebt dem griechischen Volk zu sagen, ihr könnte entscheiden, was ihr wollt, mächtiger ist Herr Schäuble, der entscheidet, nicht ihr, zu welchen Bedingungen das dort weiterläuft.

 

Antidemokratisch war auch seine Vorstellung, mit der er glücklicherweise nicht durchgekommen ist, einen Fond zu bilden in Luxemburg, der das gesamte Staatseigentum Griechenlands verwaltet, wie die Treuhandanstalt damals für Ostdeutschland diesmal für Griechenland. Für einen anderen souveränen Staat, völlig indiskutabel.

 

Das konnte aber zum Glück verhindert werden und undemokratisch ist auch, dass als eine Bedingung festgelegt wird, dass ein Gesetzentwurf, der dem griechischen Parlament vorgelegt werden soll, vorher die Zustimmung der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds benötigt und zwar bevor öffentlich darüber überhaupt diskutiert wird. Man schafft die parlamentarische Demokratie in Griechenland damit indirekt ab. Ich halte das für abenteuerlich.

 

Warum antieuropäisch? Weil jetzt eine Generation entsteht, die mit Europavorstellungen von Nötigung, Erpressung, Zwang, Sozialabbau, Kürzung von Renten, Kürzung von Löhnen und Gehältern, Erhöhung der Mehrwertsteuer, also der Steuern für Verbraucherinnen und Verbraucher, das trifft ja dann immer alle, verbindet.

 

Was glauben Sie wohl, was die Generation, die jetzt so arbeitslos ist, was die Leute, die so denken, von diesem Europa halten? Helmut Kohl, ich nehme extra keinen Linken, wollte die europäische Integration, weil er aus der Geschichte zwei Dinge begriffen hatte: Nie wieder darf Deutschland versuchen, eine Sonderrolle in Europa zu spielen, wie das bis 1945 der Fall war und der Frieden erfordert ein völlig anderes Konstrukt, aber das geht nur, wenn die Staaten gleichberechtigt sind und genau dieses Prinzip ist schwerwiegend verletzt worden und deshalb, sage ich Ihnen, ist das Ganze antieuropäisch.

 

Zum Schluss, weil ich ja nicht nur pessimistisch sein will, sage ich Ihnen Folgendes: Im Augenblick sieht die Bundesregierung aus wie die Siegerin und jeder Sieger, der nicht aufhören kann zu siegen, verliert letztlich später und zwar dramatisch. Es könnte sogar sein, dass die griechische Bevölkerung, auch die jetzige griechische Regierung eines Tages als Gewinner aus dem ganzen Prozess herausgehen, selbst wenn man sich das heute kaum vorstellen kann. Und ich will noch etwas sagen: Ich hoffe, dass wir später nicht so verlieren, dass das unmöglich wird, was wir brauchen: Ein europäisches Deutschland. Wir brauchen kein deutsches Europa. Das ist das, was die Regierung jetzt versucht durchzusetzen und das ist das, was mich auch so entsetzt, auch persönlich enttäuscht. Ich muss das sagen, ich bin von Wolfgang Schäuble auch persönlich enttäuscht. Wir waren immer anderer politischer Auffassung, das ist gar nicht das, was ich meine, sondern in dieser grundsätzlichen und prinzipiellen Frage so zu versagen. Ich sage Ihnen, meine tiefe Überzeugung ist, dass Wolfgang Schäuble, Angela Merkel aus anderen Gründen und auch Herr Gabriel im Augenblick den schwersten politischen Fehler ihrer politischen Laufbahn begehen, danke.

 

Mod.: Dankeschön Gregor Gysi, gibt es Nachfragen Ihrerseits?

 

Reporter: Herr Gysi, am Mittwoch hat das griechische Parlament mit mehr als zwei Dritteln gesagt, es soll verhandelt werden und das ist jetzt auch die Frage in Griechenland, die Leute sagen es mit großer Mehrheit und Sie fokussieren sich jetzt auf Wolfgang Schäuble und seine unterstellte Fehlleistung, ist das nicht ein bisschen zu kurz gesprungen? Kann man das, was das Parlament entschieden hat, so übergehen, wie Sie es gerade tun?

 

Gysi: Nein, das übergehe ich überhaupt nicht. Ich bin einer der wenigen, der erklärt hat, wenn ich im griechischen Parlament gesessen hätte am Mittwoch, hätte ich mit Ja gestimmt, weil ein Nein bedeutet hätte, meine eigene griechische Bevölkerung in die Verelendung zu stürzen. Das hätte ich nicht gemacht schweren Herzens mit vielen Bedenken, aber ich hätte mit Ja gestimmt, das begrüße ich, aber was Deutschland in dieser Zeit angerichtet hat und da denke ich nicht kürzer, da denke ich wirklich weiter, ist verheerend für die folgende… Sehen Sie mal, in unserer Zeitung geht es um Griechenland. Schauen Sie sich die europäischen Zeitungen an, es geht nicht um Griechenland, es geht nur um Deutschland, nur um Deutschland, warum? Wissen Sie was der Daily Telegraph geschrieben hat? Der Daily Telegraph hat geschrieben: In zwei Weltkriegen haben wir gegen Deutschland gekämpft, um zu verhindern, dass Deutschland die dominante Rolle in Europa spielt, jetzt haben sie es geschafft ohne einen Schuss. Das schreibt der Daily Telegraph und wissen Sie, was die italienische Zeitung geschrieben hat? Die hat geschrieben: Griechenland hat die Demokratie, Deutschland die Barbarei geboren. Wir haben jetzt die Wahl. Vielen Dank kann ich nur sagen für die Überschriften. Unsere Touristinnen und Touristen, die jetzt durch Europa reisen, werden das bezahlen, was Schäuble angerichtet hat. Wissen Sie, ich habe einen entfernten Bekannten in den USA, mit dem habe ich ein halbes Jahr so gut wie kein Wort geredet, weil der George W. Bush gewählt hat, aber beim nächsten Mal hat er dann Obama gewählt. Dann habe ich ihn gefragt, warum er denn nun so gesprungen und wissen Sie, was er mir als Begründung gesagt hat? Er hat mir als Begründung gesagt: Überall, wo er ausstieg, er reist gerne durch Europa und Asien und überall, wo er ausstieg, wurde er immer mies behandelt, weil er US-Bürger war, davon hatte er die Nase voll und er hat Obama gewählt in der Hoffnung, dass sich sein Ruf damit verbessert und jetzt hat die Bundesregierung angerichtet, dass unser Ruf in Europa katastrophal wird. Lesen Sie die europäischen Zeitungen, Sie müssen auch mal über den Rand unserer Zeitungen hinausschauen, aber mit Griechenland die Entscheidung finde ich sehr schwer, aber richtig. Ich hätte sie genauso getroffen und unsere Solidarität mit Tsipras bleibt aufrecht erhalten und ich hoffe, dass er das bisschen, was ihm bleibt an Möglichkeiten nutzt, um dieses Land wieder voranzubringen, denn es ist ja auch alles so eng gedacht, so falsch gedacht. Wenn wir Griechenland derartig mies und schlecht behandeln, geht es uns doch nicht besser, ganz im Gegenteil es geht uns schlechter. Wir haben doch eine gemeinsame Währung. Wissen Sie, ich habe 98 gesagt, was alles passiert, wenn man eine Integration nicht über Wissenschaft, nicht über Kultur, nicht über Bildung, nicht über einheitliche Standards bei Steuern, bei Löhnen, bei Sozialleistungen herstellt, sondern über die Währung, dass dann ein Europa der Banken entsteht und genau das haben wir, ein Europa des Rassismus entsteht. Das erleben wir im Süden Europas, das erleben wir in Frankreich und das erleben wir auch in Deutschland. Ich sage nur Stichworte Pegida, AfD etc. Also verstehen Sie? Das sind alles die Prozesse, die eingeleitet wurden. Nur können wir jetzt auch nicht raus aus dem Euro, denn wenn jetzt der Euro wegfiele, das sage ich auch denen, die da immer träumen vom Grexit, dann sage ich Ihnen, was passiert, abgesehen davon, dass wir Griechenland ins Elend stürzen, uns selbst auch. Weil wenn eine Kettenreaktion beginnt und der Euro dann insgesamt tot ist und alle Leute meinen, sie hätten das im Griff. Nichts hatten sie im Griff. Sie haben ja auch 98 erklärt, dass alle meine Prognosen Unsinn sind, sie hatten ja alles im Griff. Nichts hatten sie im Griff. Alles ist so gekommen und wenn dann der Euro tot ist, ist doch klar, was passiert. Wir haben nicht die Situation wie vor der Einführung des Euro. Wir haben jetzt eine gänzlich andere. Die anderen nationalen Währungen werden alle nichts wert, nur die Deutsche Mark hat plötzlich einen wahnsinnig hohen Wert und die werden sich auch gar nicht darauf einlassen, mit uns feste Wechselkurse zu vereinbaren. Wieso sollten sie? Sie werden ja die Vorzüge ihrer billigen Währung nutzen, dass sie nämlich leichter exportieren können und wir sind im Export einfach zu teuer. Wir sind aber der Export-Vizeweltmeister. Wir haben ja nichts für die Binnenwirtschaft getan. Wir tun ja immer nur was bei dem Export und das Ergebnis ist, dass bei uns der Export zusammenbräche. Also ich will gar nicht auf alles eingehen, aber ich sage Ihnen, die Entscheidung Griechenlands war, so schwer sie ist, richtig, aber die Art und Weise, wie sie erzwungen worden ist durch die Bundesregierung, wird unser Nein zumindest im Kern erfordern und das werden wir auch liefern und wir werden uns damit auch auseinandersetzen, aber Sie müssen immer bei mir eins unterstellen: Ich bin schon aus friedenspolitischen Gründen ein vehementer Anhänger der europäischen Integration und ich sah sie noch nie so gefährdet, wie sie gegenwärtig gefährdet ist.

 

Mod.: Gibt es weitere Fragen, bitte?

 

Reporterin: Was sagen Sie zur der Rollenverteilung zwischen der Bundeskanzlerin und ihrem Finanzminister? Ist das ein Spiel?

 

Gysi: Also die Bundeskanzlerin hat ja die Methode drauf, als stark zu gelten, weil sie Dinge im Stillen regelt etc., etc. Sie war hier eine ausgesprochen schwache Frau. Der Kanzler n den letzten Wochen war nicht sie sondern Wolfgang Schäuble und sie hat sich ihm ein- und untergeordnet und ich glaube, dass sie das teuer zu stehen bekommen wird und noch schlimmer ist die Rolle von Gabriel, wirklich wahr. Wo war denn mal irgendein eigenständiger Satz der Sozialdemokratie? Wo haben sie Schäuble mal widersprochen? Wo haben sie mal um die europäische Integration gerungen? Nichts, außer, dass Herr Schäuble sagen durfte bei seinem Grexit-Vorschlag, er sagt, das auch im Namen von Herrn Gabriel. Auch im Namen von Herrn Gabriel die Verelendung des griechischen Volkes hinnehmen. Das ist wirklich für mich… Also ich bin fassungslos, muss ich Ihnen sagen und die Kanzlerin wird das noch bereuen. Sie hätte hier Stärke zeigen müssen. Sie hat sie nicht gezeigt, weil sie Angst vor ihrer eigenen Fraktion hatte. Es ist nie gut, wenn man Angst vor der eigenen Fraktion hat, das kann ich Ihnen auch aus meinem Leben schildern.

 

Mod.: Sie haben noch eine Frage?

 

Reporter: Sie haben sich gerade sehr emotional berufen auf die Daily Telegraph und andere europäische Zeitungen, aber haben Sie nicht ein bisschen die spanischen, die portugiesischen, die baltischen Zeitungen vergessen? Die haben auch was zu schreiben und was hätten die geschrieben, wenn es anders gekommen wäre?

 

Gysi: Ja, das kann ich Ihnen ganz genau sagen, dass die baltischen Zeitungen und die baltischen Regierungen und die spanische Regierung natürlich Schäuble unterstützen, ist selbstverständlich, weil die wurden ja schon von ihm erpresst. Sie haben sich darauf eingelassen und wenn die griechische Regierung erfolgreich gewesen wäre, wären sie die Schwachen gewesen. Dann hätten sie ihren Völkern erklären müssen, warum sie nicht das Gleiche erreicht haben, deshalb sagen sie Ja dazu. Ja, so verhalten sich Erpresste. Das weiß ich als Anwalt. Ich habe genug von denen vertreten.

 

Reporter: Können Sie noch was zur Sitzung sagen? Erwarten Sie noch eine Debatte innerhalb der Fraktion? Können Sie dazu was sagen?

 

Gysi: Ja sicherlich. Also meine Fraktion debattiert immer. Den Tag, an dem sie nicht debattiert, den werde ich nicht erleben, das ist ja auch gut so, aber ich glaube, dass die große Mehrheit ganz klar mit Nein stimmen wird, davon gehe ich aus.

 

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Warum Deutschland in Europa so verschrien ist – PRESSECLUB vom 25.11.2012

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…der hiesige Autoritarismus (ist) einer ohne Autorität und der hiesige Konventionalismus einer ohne Konventionen. Schon bei den Nazis war nicht das Wort des Führers Befehl, sondern sein Wille, den der kongeniale Volksgenosse erahnte. Nie hätte der Nationalsozialismus funktioniert, hätte den Deutschen jede ihrer Missetaten bei Strafandrohung befohlen werden müssen. Anders, als es das Wort vom „Befehlsnotstand“, von der „Gleichschaltung“ oder vom „Führer“ selber glauben machen will, herrschte das NS-System durch Gehorsam ohne Befehl. (W. Pohrt, Der Weg zur inneren Einheit)

Der faschistische Sozialpakt existiert im bundesdeutschen Postfaschismus weiter als eine im Resultat aufgehobene Voraussetzung, die unmittelbar keine Spur ihrer gewaltförmigen Durchsetzung mehr an sich trägt: umso besser kann diese Tatsache verleugnet und der Nationalsozialismus als das Verbrechen einiger Irrer, als „Unrechtsstaat“, als „das Schlimmste, das Menschen einander je angetan haben“ exorziert werden. Diese Lebenslüge der BRD ist das Fundament aller demokratischen „Vergangenheitsbewältigung“, jenes kollektiven Beschweigens des Nationalsozialismus, das durchaus auch die Form enervierender Redseligkeit annehmen kann. Weil das postfaschistische Deutschland in institutioneller wie personeller Hinsicht in Kontinuität zu seinem Vorgänger steht, muß ausnahmslos jeder Versuch einer Vergangenheitsbewältigung innerhalb des sich weiterschleppenden Systems zur symbolischen Distanzierung, zum substanzlosen Gestus geraten. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Deutschen einen schier unerschöpflichen Vorrat an größeren und kleineren Entlastungslügen angelegt, aus dem sie sich je nach Gelegenheit und Bedarf bedienen. Danach war das nationalsozialistische System wahlweise das Werk von Hitler höchstpersönlich, einer kleinen Verbrecherclique und ein paar Helfershelfern oder des Monopolkapitals und seiner Schergen. Otto Normalvergaser jedenfalls hat „von alledem nichts gewußt“, war „im Grunde auch dagegen“ oder „konnte gar nicht anders handeln“, weil „Befehlsnotstand“ herrschte und man im Falle des Zuwiderhandelns sofort „ins KZ gekommen“ wäre. “ (…) „Heute haben die Verbreitung des Gerüchts und die Verbreitung der Neidbeißerei neue, technische Möglichkeiten. Sie können sich über das Internet und diverse Subnetzwerke und Blogs rasend verbreiten und auch auf die Politik einen Druck erzeugen, sich ihnen zu beugen. Die gesellschaftliche Mobilmachung wirkt so wieder auf die Politik zurück. Sie muss sich den entsprechenden Stimmungen beugen, weil sonst die Wiederwahl gefährdet würde. Die Devise »Ich bin ihr Führer, also muss ich ihnen folgen«, bleibt auch im zerfallenen Postnazismus das prinzipienlose Grundprinzip von Herrschaft.“ (…) Spezialisierung und Diversifikation sind die zeitgemäße Erscheinungsform von Vermassung und Uniformität. (…) 1 x 1 materialistischer Kritik: es  muss darum gehen, Erscheinungen in eine Konstellation zu bringen, in der sie lesbar werden. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. Und weil gerade die Entfernung vom Nazismus die Nähe zu ihm verbürgt, waren und sind das diejenigen, die in Personensache am wenigstens mit Nazifaschistischem in Verbindung zu bringen sind, die Linksradikalen, die Linksliberalen, die Linken, die Antifaschisten, die entschiedensten Schrittmacher dafür, dass der anfangs noch gar nicht wirklich übergreifende postnazistische Fundamentalkonsens tatsächlich totalisiert und auf die Höhe der Zeit gebracht werden konnte. Die Nazis und die Rechten hingegen waren für diesen Vorgang nur von unterordnetem Belang. Sie standen immer schon für eine in ihrer konkreten Ausprägung gestrige Gesellschaftsformation und deshalb ging von ihnen auch nie eine ernsthafte Gefahr eines neuen Faschismus aus. Diese Totalisierung der Gemeinschaft der Demokraten, die hauptsächlich die Linke mit herbeigeführt hat, ist allerdings identisch und das zeigt sich heute mit ihrem Zerfall. Dieser wiederum ist im Selbstwiderspruch der postnazistischen Vergesellschaftung angelegt, in der der bereits erwähnte nazistische Kurzschluss von Staaten Subjekt im Modus permanenter Mobilmachung in den politökonomischen Formen im Doppelsinne aufgehoben ist. Seiner Substanz nach anerkannt und aufbewahrt, wie vorerst suspendiert und seiner Verlaufsform nachgezügelt. Also statt den Blockwarten gab es Aktenzeichen XY, da durfte sich jeder dann auch telefonisch dran beteiligen, aber richtige Jagdszenen gab es in der alten Bundesrepublik nicht oder nur in Ausnahmefällen. Taxiert selbst zu Zeiten der Prosperität jeder insgeheim seinen Erwerb als verkappte Arbeitslosenunterstützung, so mobilisiert die Krise der postnazistischen Vergesellschaftung erst Recht die Sehnsucht nach der alten Staatsunmittelbarkeit. Johannes Agnoli schrieb dazu schon in der Transformation der Demokratie 1966: „Der präfaschistisch liberale Ruf nach dem starken Staat wiederholt sich postfaschistisch neoliberal“. Und damit gerät das ganze System des autoritären Etatismus und geraten letzten Endes die politökonomischen Vermittlungen als solche wieder ins Visier des Volkszorns und es war wiederum die Linke, die noch zu Zeiten, wo keine Krise in Sicht war, im sinistren Tram nach Liquidation der Vermittlungen die Zunge gelöst und ihm neue fantasievolle und kreative, wie es so schön heißt, Äußerungsformen zur Verfügung gestellt hat. Sie war das Laboratorium, in dem die allgemeine Mobilmachung eingeübt und jener darauf zugeschnittenen neue und zugleich sehr alte Sozialcharakter herangebildet wurde, indem sich mittlerweile eine Mehrheit spontan wieder erkennt. Derjenige Sozialcharakter, der nach dem Motto „Ich leide, also bin ich“ sich einerseits unter Berufung auf die höchst unverwechselbare Diskriminierung, die ihm angeblich wiederfährt, zur kleinsten existierenden Minderheit erklärt, sich gleichsam nach dem Muster verfolgter und in ihrer Kultur bedrohter Völker begreift und andererseits als Gegensouverän seine private, warnhafte Feinderklärung allen anderen oktroyieren möchte und diesem Zweck entweder vorhandene gesellschaftliche Organisationen zu Rackets umfunktioniert, neue Rackets gründet oder andere Rackets mit ins Boot holt. Der einstige demokratische Fundamentalkonsens wird dadurch einerseits ins einzelne Subjekt zurückverlagert und andererseits vermittlungslos verallgemeinert. Aus der formell kollektiven Feinderklärung der Mitte gegen die Extreme, das war der Normalfall in der Bundesrepublik bis weit in die 80er Jahre, Terroristenhasse, einige werden sich noch daran erinnern. Aus dieser kollektiven Feinderklärung der gesellschaftlichen Mitte gegen die Extreme wird also die pluralisierte Feinderklärung alle gegen alle, die getrennt vereint sich zusammenrotten und auf diese Weise zerfällt die Gemeinschaft der wehrhaften Demokraten und reorganisiert sich zugleich hin zu zerfallen. Ein Zitat von Wolfgang Port in einem anderen Zusammenhang macht es sehr schön deutlich: „Wie durch höhere Gewalt sondern sich die Langen von den Kurzen, die Weiblichen von den Männlichen, die Alten von den Jungen, die Dicken von den Dünnen ab“ und das Resultat ist eine Segregation und Ghettoisierung durch welche die Metropolen, einem riesigen Freiluftgefängnis mit seinen Unterabteilungen für Männer und Frauen, Jugendliche, Kranke, Alte, Port schreibt etc., man könnte noch Schwule und Lesben und Migranten und was weiß ich noch alles ergänzen, Protestanten, Katholiken, Ossis, Wessis, immer ähnlicher werden. Neu ist, dass dieses Freiluftgefängnis als eine kulturelle Einrichtung und seine Insassen als Kulturbotschafter begriffen werden und es ist diese nahezu flächendeckende Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mehrheit und der einzelnen Individuen in ihr, die in der Postmoderne ihr bewusstloses Selbstbewusstsein und ihre Legitimation erfährt und im antirassistischen PC-Sprech sich ihren Ehrenkodex schafft, ihre Omertà, die sich an ihresgleichen und die verbliebenen Kritiker draußen richtet, Islamophobie ist ihr derzeit aktuellstes Schlagwort. Dieser Vorgang, diese Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mitte und ihr Zerfall ist also die Bedingung der neuen Haltung Ausländern und Migranten gegenüber, an denen die Deutschen projektiv ihre ersehnte Regression auf den Stamm illustrieren. Was ihnen umso leichter gelingt, als manch ihrer Repräsentanten und Lobbyisten sich anschicken, genau dem Bilde zu gleichen, das die Deutschen sich seit jeher von ihnen machten und wofür sie von ihnen jetzt nach kollektiv und offiziell ins Herz geschlossen werden. Der mittlerweile zur Dauereinrichtung erklärte Karneval der Kulturen ist nichts anderes als ein Zerfallsprodukt der postfaschistischen Demokratie, mehr noch, er ist diese Gemeinschaft in einer zugleich flexibilisierten und pluralisierten und kollektivierten Gestalt. In dieser Völkerfamilie, die die Deutschen gerne auf der ganzen Welt hätten, wären da nicht Israel und die USA als Störenfriede und die sie aus Mangel an Realisierungschancen deshalb erstmal bei sich zuhause einrichten, geht es dabei zu, wie in jeder guten Familie: Die einzelnen Mitglieder sind einander spinnefeind und die Widersprüche und Konflikte, die daraus resultieren, gehören auch voll und ganz dieser Vergesellschaftung an, sind von ihr konstituiert und dazu gehört ein fein dosiertes Spiel mit Fremdheit und Nähe, das von allen Beteiligten auch weiterhin gepflegt wird, weil damit ein moralisches Plus bei der Gefolgschaft eingefahren werden kann. (…) Der zweite Weltkrieg war ein kulturindustrielles Massenevent. (…) Eine neue Barbarei sei stets zu befürchten, wird sich nicht aus dem Geist Nationalsozialismus unmittelbar speisen, sondern im Gewande von demokratischem Antifaschismus von Lernen aus der Geschichte und political correctness daher kommen.(…) Abwehr des offenen Faschismus durch dessen demokratische Entnazifizierung und Eingemeindung. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. (…) Die postnazistische Demokratie hat  die nationalsozialistische Mobilmachung des „gesunden Volksempfindens“ zwar nicht abgeschafft, sondern nur sistiert – sie hat es aber andererseits auch in die Latenz abgedrängt und damit gebremst, indem sie es in die mediatisierende Form des bürgerlichen Repräsentationsprinzips zwängte.  (…) „Rassismus“ ist ein ideologisches Stichwort eines anti-rassistischen Rackets, das jeden Realitätsbezugs entbehrt, das seine Mitglieder vielmehr nur als Ausweis von Gesinnungsfestigkeit und Ehrbarkeit vor sich hertragen und das ihnen als probates Mittel dient, um nach Willkür und freiem Ermessen festzulegen, wer gerade als „Rassist“ zu gelten hat. Und dieses „anti-rassistische“ Racket, das sind heutzutage fast alle: längst ist die Gegnerschaft zum Rassismus keine Domäne der Linken mehr, sondern offizielle Staatsraison und common sense aller Ehrbaren und Wohlmeinenden, und das ist die erdrückende Mehrheit.  (…) Von der moralisierenden Aufdringlichkeit und der enervierenden Verlogenheit einmal abgesehen, ist die Ehrfurcht, die „anderen Kulturen“ entgegengebracht wird und die Unterwürfigkeit, mit der ihre Träger geradezu als Heilsbringer verehrt werden, keine Gegenposition zum Rassismus, sondern dessen logische wie historische Voraussetzung, die im Rassismus und allen naturalisierenden Ideologien als ein Moment überlebt: deren Grundmuster ist die projektive Bekämpfung dessen, was man selbst gern möchte, aber nicht erreichen kann, und deshalb gehört zur Diskriminierung der Neger wegen ihrer „Faulheit“ die Bewunderung für den „Rhythmus, den sie im Blut haben“ und die Achtung vor ihrer „sagenhaften Potenz“; somit ist der „Anti-Rassismus“ nichts weiter als die notwendige Kehrseite des Rassismus selbst, die sich von diesem abgespalten hat und gegen ihre eigene Grundlage wendet. Historisch jedenfalls geht die Wertschätzung fremder Kulturen ihrer späteren, „rassisch“ legitimierten Abqualifizierung voran und sie ist auch logisch deren Voraussetzung: Christoph Columbus etwa beschreibt in seinen Tagebüchern die Eingeborenen, die er 1492 auf den Bahamas, Cuba und schliesslich Haiti angetroffen hat, folgendermaßen: sie sind „ängstlich und feige“, „sehr sanftmütig und kennen das Böse nicht, sie können sich nicht gegenseitig umbringen“, „sie begehren die Güter anderer nicht,“ und er resümiert: „Ich glaube nicht, dass es auf dieser Welt bessere Menschen oder ein besseres Land gibt.“ (7)  (…) Protestantische Innerlichkeit: gemäß der Devise, dass vor der schlechten Tat der schlechte Gedanke und das schlechte Wort kommen, die man demzufolge austreiben muss, damit alles besser wird. (…) So kommt es, dass es heute der Anti-Rassismus ist, der, unter dem Vorwand, heldenhaft gegen einen in Wahrheit nicht existenten „Rassismus“ zu kämpfen, Respekt und Toleranz noch für die rückständigsten und unmenschlichsten Sitten und Gebräuche einfordert und damit selbst als Protagonist und Fürsprecher einer Verrassung der restbürgerlichen Gesellschaft fungiert.  (..) Die unterschiedliche Pigmentierung der menschlichen Haut ist eine objektive Gegebenheit, keine bloße Erfindung. (…) Rasse heute ist die Selbstbehauptung des bürgerlichen Individuums, integriert im barbarischen Kollektiv. (…) Der nervige Sozialcharakter des Gutmenschen ist offenbar eine fast zeitlose Erscheinung und in den verschiedensten Lebensbereichen anzutreffen, die Wahrscheinlichkeit, ihm in fortschrittlichen sogenannten „politischen Zusammenhängen“ zu begegnen, ist besonders hoch: werden doch hier traditionell die altruistischen Tugenden – das Mitgefühl, die Solidarität, Selbstlosigkeit etc. – besonders hoch angeschrieben und deshalb sind sie das geeignete Betätigungsfeld für Sozialcharaktere, die sich als Ersatz für ihr eigenes ungelebtes Leben vorzugsweise mit dem Leiden anderer als Fetisch verbinden. (…) Es sind aber gerade die höchsten Tugenden, die die niedersten Instinkte decken, wie schon Marx wusste: „Bis jetzt hat der Mensch sein Mitgefühl noch kaum ausgeprägt. Er empfindet es bloß mit dem Leiden, und dies ist gewiss nicht die höchste Form des Mitgefühls. Jedes Mitgefühl ist edel, aber das Mitgefühl mit dem Leiden ist die am wenigsten edle Form. Es ist mit Egoismus gemischt. Es neigt zum Morbiden […] Außerdem ist das Mitgefühl seltsam beschränkt […] Jeder kann für die Leiden eines Freundes Mitgefühl empfinden, aber es erfordert […] das Wesen eines wahren Individualisten, um auch am Erfolg eines Freundes teilhaben zu können. (…) Und da jeder demonstrative Altruismus nicht nur einen kleinlichen Egoismus bemäntelt, sondern auch mit dem Anspruch des Idealisten einhergeht, erzieherisch auf das Objekt seiner Zuwendung einzuwirken, ist er die adäquate Ideologie von Rackets, und auch das ist Wilde nicht entgangen: Barmherzigkeit, so schreibt er, sei die „lächerlich unzulängliche Art der teilweisen Rückerstattung oder ein sentimentales Almosen, gewöhnlich verknüpft mit dem skandalösen Versuch des rührseligen Spenders, auf (das) Privatleben (der Armen) Einfluss zu nehmen. (…) Im totalisierten Zugriff auf die ihr Unterworfenen ist die sozialistische Bewegung bis auf den heutigen Tag ebenfalls als ein Racket des Tugendterrors anzusprechen, betrachtet sie es doch als ihre Aufgabe, das Proletariat oder das gerade angesagte Subjekt seiner „wahren Bestimmung“ zuzuführen und d.h. es im Sinne der von ihm zu realisierenden Ideale zu erziehen – und das bedeutet stets noch: ihm die Untugenden und Laster auszutreiben, die der Vorhut als Male der individualistischen Bürgerwelt erscheinen: etwa Alkoholabusus, Faulenzerei, „zerrüttete“, „unsittliche“ Verhältnisse zwischen den Geschlechtern etc. Und um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen die selbsternannten Vertreter der Klasse die von ihnen verfochtenen Tugenden in eigener Person glaubwürdig verkörpern und deshalb in einer noch rigideren Weise als der gemeine Bürger sich als Subjekte zurichten, d.h. ihre Individualität dem Allgemeinen (dem Kollektiv, der Klasse, dem Frieden etc.) opfern, um totale Identität mit ihm zu erlangen. Wenn Identität letzten Endes den Tod bedeutet, dann hat die Bemühung um sie vorzeitige Erstarrung und prämortale Leblosigkeit zur Folge – von daher die bis in die Gegenwart zu beobachtenden verhockten, verkniffenen und lauernden Mienen aller professionellen Menschheitsbeglücker, ihre rigide Zwangsmoral und durchgängige Humorresistenz, die immergleichen offiziösen Phrasen, die sie dreschen, die tödliche Langeweile, die von ihnen und ihrem penetranten Sendungsbewusstsein ausgeht, und ihr chronisches Beleidigtsein, wenn sie beim Gegenüber auch nur den Hauch eines Zweifels an ihrer aufgetragenen Gutartigkeit zu erspüren glauben. Und zu alldem glauben diese Leute sich auch noch ermächtigt, diese ihre trostlose Existenz zur verbindlichen Richtschnur für alle anderen zu erklären.“ – Clemens Nachtmann

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  15.07.2015  Achgut.com

Der Bausatz des Dritten Reiches

Allgemein gilt, die Nazidiktatur wäre ein „Zivilisationsbruch“ gewesen. Die Frage, wie ein vollkommener Bruch mit allem Dagewesenen innerhalb von nur zwölf Jahren so unmenschliche Erfolge feiern konnte, bleibt dabei unbeantwortet.

Es gibt bisher keine politische Umwälzung auf der Welt, die keine kulturrevolutionäre Vorbereitungsphase hatte. Joachim Fest hat in seiner Hitlerbiografie bereits darauf hingewiesen: „ Hitler war weniger der große Widerspruch der Zeit als ihr Spiegelbild. In die Person Hitlers ging nichts ein, was nicht schon vorhanden war.“

Wolfgang Prabel hat in seinem Buch „Der Bausatz des Dritten Reiches“ genau untersucht, aus welchen Quellen Hitler sich bedient hat. Das Ergebnis ist geradezu unheimlich, denn es stellt die bisherigen Geschichtslegenden auf den Kopf, oder, besser gesagt, vom Kopf auf die Füße.

„Die Wurzeln der Unmenschlichkeit waren schon tief im Zeitgeist des Spätkaiserreichs und der sogenannten Goldenen Zwanziger Jahre verankert.
Der Bausatz der NS-Ideologie aus ökologischen und ökonomischen Irrlehren wurde vollständig vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt…

Adolf Hitler zimmerte aus dem nietzscheanischen Elitarismus, dem vermeintlichen Produktionsstreik der Natur, aus paranoider Aversionen gegen den Zins und die Banken, aus Antisemitismus und Verstaatlichungsphantasien, aus Volksbildung und Volksgesundheit, aus Ariosophie, Mutterschutz und Sportpflicht, aus Tierschutz, Vegetarismus und Katastrophenglauben, aus Angst vor großen Kaufhäusern und dem Freihandel, aus Rassenlehre und Euthanasie seine 25 Punkte als Parteiprogramm und seine spätere Regierungspraxis.“

Die „Überzeugungen der Nationalsozialisten waren schon im späten Kaiserreich fast allgemeiner Konsens. Vor Hitlers Machtergreifung wurde dem Elitarismus, dem »Neuen Menschen« als Übermenschen und Führer, dem germanischen Blut, dem heimischen Boden, den deutschen Waldgewächsen, dem tradierten Brauchtum, den vorchristlichen Naturidolen, der Männlichkeit, dem Antikapitalismus, dem Antisemitismus, dem jugendbewegten Aktivismus und der Gewaltanwendung gehuldigt. Und zwar nicht nur von Nationalsozialisten, sondern von der ganzen jugendbewegten Intelligenz.“

Entwickelt und verbreitet wurden all diese Ideen nicht vom gemeinen Volk, sondern von der Intelligenz, die maßgeblich das intellektuelle Klima prägte(und prägt): Schriftsteller, Maler, Regisseure, Journalisten, Moderatoren, Politiker, Pressure Groups, nicht zuletzt Medienzare. Deutschlands Besonderheit gegenüber anderen europäischen Ländern war und ist lediglich, dass es auf Grund der historischen Kleinstaaterei besonders viele staatsabhängige Intellektuelle hat: frühere Hofschranzen, Hofbibliothekare, Hofkapellmeister, Hofbibliothekare, Prinzenerzieher, Hofschauspieler, Hofmaler, Hofmeister, Hofnarren.

Prabel zeichnet nach, wie diese „kulturellen Eliten“ die sich vor dem ersten Weltkrieg als regelrechte Kriegstreiber gerierten, danach erfolgreich aus der Verantwortung gestohlen haben. Aus Kriegstreibern wurden Pazifisten. Die Liebe zur Eugenik blieb. Aus jugendbewegten Weltkriegstrommlern wurden in der Zwischenkriegszeit entweder Anhänger der Nationalsozialisten oder der Bolschewiki, manchmal auch beides hintereinander, in beliebiger Reihenfolge.
„Aus dem Weimarer Bauhaus, dem Werkbund und den Neuen Sachlichen gingen nicht nur Bolschewisten, sondern auch Nationalsozialisten hervor. Einige konvertierten, waren erst Bolschewist, später Nationalsozialist, andere umgekehrt. Einige Maler, deren Bilder in der Ausstellung „Entartete Kunst“ hingen, zum Beispiel Emil Nolde und Peter Röhl, waren Mitglieder der NSDAP.“

Prabel beantwortet die Frage: „…warum die völkische NSDAP und die bolschewistische KPD oft so eng beieinander liegen; warum sich die beiden Parteien in Fragen des Antikatholizismus, Antikapitalismus, Antisemitismus, Antiamerikanismus, der Gesellschaftskonzeption, der Führungspraxis und –philosophie, der ästhetischen Anschauungen, der Menschenhaltung in Lagern sowie in außenpolitischen Fragen sehr ähnlich sind. Es ist, wie wir sehen werden, die gemeinsame Herkunft aus dem Geist der Jugendbewegung. Lenin entwickelte 1901 in Schwabing unter dem Einfluss des deutschen Elitarismus in seinem Werk „Was tun?“ die bolschewistische Führerpartei mit einer neuen antimarxistischen Definition des Verhältnisses von Führung und Masse; Hitler begann 1920 von Schwabing aus seine nationalsozialistische Führerpartei aufzubauen. Gleichermaßen beeinflusst von Friedrich Nietzsche wie die aktivistische Jugendbewegung ist auch das Bild vom anzustrebenden Neuen Menschen, einmal als Weltproletarier, ein andermal als Weltgermane.“
Was Prabels Buch brandaktuell macht ist die bedenkliche Tatsache, dass viele dieser Ideen, die nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise in der Versenkung verschwanden, mittlerweile fröhliche Urständ feiern, nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen westlichen Welt.

„Fast alle totgeglaubten Gespenster des Kaiserreichs und der Weimarer Republik sind am Erwachen. Wie vor 100 Jahren glaubt sich jener Teil der deutschen Intelligenz, welcher die Medien und den Kulturbetrieb kontrolliert, im Besitz globaler Weisheit; egal ob es sich um den Weltfrieden, den Welthandel oder das Weltklima handelt…

1967/68 begann der schleichende ideologische Rückweg in die deutsche Vergangenheit: Die NPD wurde damals mit bis zu 10 % in sieben deutsche Landesparlamente gewählt und verfehlte 1969 den Einzug in den Bundestag nur knapp; gleichzeitig wurden Antikapitalismus und Antisemitismus in der Studentenrevolte wiederbelebt. Man demonstrierte für Mao Tse Tung ́s Kulturrevolution und die Avantgarde ließ sich in nahöstlichen Terrorlagern ausbilden. Es fehlte noch die Wiederauferstehung der totgeglaubten Lebensreform. Sie erfolgte mit geringem zeitlichen Abstand in der Mitte der 70er Jahre.“

Die Belege, die Prabel zusammengetragen hat, sind so zahlreich, dass sie in einer Rezension nicht annähernd wiedergegeben werden können. Deshalb werde ich in den nächsten Tagen noch einige Leseproben folgen lassen.

Wolfgang Prabel: Der Bausatz des Dritten Reiches, nur als E- Book erhältlich.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_bausatz_des_dritten_reiches

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Die Europäische Union ist das IV. Reich
Samstag, 24. Mai 2014 , von Freeman alles-schallundrauch.blogspot.de

Mehrmals habe ich schon dargestellt, die Europäische Union ist die Fortsetzung des III. Reichs mit anderen Mitteln. Die Nazis sind nach Ende des II. Weltkriegs nicht einfach verschwunden, sondern haben sich nur getarnt und ihre Ideologie in einer anderen Verpackung, unter einem anderen Namen aber mit selben Inhalt umgesetzt. Mit Nazis meine ich die wirklichen Faschisten an höchster Stelle in der Politik, Wirtschaft, Industrie und Finanzen. Nicht die Dummköpfe, die mit Springerstiefeln und Glatze herumlaufen. Wie definierte Mussolini den Faschismus? Es ist die Verschmelzung der Staatsmacht mit der Konzernmacht. Er musste es ja wissen, er hat den Faschismus in den 20-Jahren erfunden und die Nazis haben diese totalitäre Ideologie später übernommen. Was ist die oberste Maxime, welche die EU in allen Handlungen steuert? Es ist der freie Warenverkehr, der Binnenmarkt für Waren ohne Grenzen. Dazu kommt der frei Personenverkehr ohne Hindernisse, der billige Arbeitskräfte in der Union herum verschiebt und die sozialen Errungenschaften damit demontiert. Das heisst, die Europäische Union dient ausschliesslich dem Wohle der Konzerne … nicht den Menschen. Das ist Faschismus pur, wird aber den EU-Bürgern als tollen Fortschritt verkauft.

Der treibende Motor hinter der Nazi-Ideologie eines europäischen Grossreichs waren ursprünglich die deutschen Grosskonzerne und Grossindustriellen, die eine Markterweiterung für ihre Produkte wollten und eng mit den Nazis kooperierten. Verkauft haben sie die Expansion auf dem europäischen Kontinent mit dem Slogan: „ein Volk, ein Reich ein Führer“. Damit war nicht wirklich das deutsche Volk gemeint, sondern alle europäischen Völker, die dann mit der Wehrmacht erobert und in ein Einheit eingebunden wurden. Was ist aber die EU anders als die Umsetzung dieser Idee mit anderen Mitteln? Statt militärisch hat man die Länder mit der Wirtschaft erobert, oder mit dem „Gemeinsamen Markt“. Statt einem Führer gibt es eine Führung, nämlich die EU-Kommission, plus den Präsidenten der Europäischen Kommission, sowie einen EU-Ratspräsidenten, ein Gremium das aber niemand wählen kann. Das EU-Parlament hat nichts zu sagen, darf nicht einmal Gesetze einbringen. Die EU ist demnach eine Diktatur, die nur die Fassade einer Demokratie darstellt. Ich sag ja, die Nazis haben dazugelernt.

Die EU ist wenn man es genau nimmt eine Konzerndiktatur geworden, in dem die ganze Politik nur zum Wohle der Konzerne ausgerichtet ist, am meisten für die Grossbanken. Verkauft wird das den EU-Bürgern natürlich anders. Wenn man die Dokumente der EU liest dann steht dort, „der Binnenmarkt erleichtert den Kauf und Verkauf von Produkten in den 28 Mitgliedstaaten mit einer Gesamtbevölkerung von über 500 Millionen Einwohnern. Er bietet den Verbrauchern ein reichhaltiges Angebot an Waren und ermöglicht es ihnen, beim Einkauf das beste und günstigste Produkt zu erstehen.“ Das heisst, die EU-Bürger werden nicht als Bürger mit Rechten betrachtet, sondern nur als rechtlose Konsumenten, als Verbraucher von Waren, welche die Konzerne produzieren. Deshalb auch die Vereinheitlichung der Standards auf das tiefste Niveau, damit die Konzerne ihre Produkte herstellen und in der grenzenlosen Union verkaufen können. Die Erweiterung dieser Idee ist das TTIP, Transatlantic Trade and Investment Partnership oder Transatlantisches Freihandelsabkommen, dass den Markt ohne Hindernisse noch mehr erweitert.

Den Bürgern wird erzählt, diese Markterweiterung auf ganz Europa, und mit dem TTIP auf ganz Nordamerika, hat nur Vorteile, ist die „unabdingbare Voraussetzung für den derzeitigen und künftigen Wohlstand der EU in einer globalisierten Wirtschaft.“ Nur, was sehen wir seit mehr als 20 Jahren in der EU? Ein ständigen Rückgang des Wohlstands und der Rechte. Einen Abbau der sozialen Rechte, eine Demontage der Gewerkschaftsrechte, eine ständige Verletzung der Verfassungsrechte, überhaupt einen tiefen Einschnitt in alle Rechte. Die Gesetze und Vorschriften werden in Brüssel von dieser nicht gewählten Kabale gemacht und die Parlamente der EU-Mitgliedsländer haben nur noch die Aufgabe diese in lokales Recht umzusetzen. Die Volksvertreter haben nichts mehr zu sagen, sind nur noch Abnicker was ihnen vorgesetzt wird. Zu behaupten, die Europäische Union hätte mehr Demokratie gebracht, ist voll gelogen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Noch nie haben die Menschen in der EU so wenig Mitspracherecht wie heute.

Wurde irgendjemand wirklich gefragt, ob man die Auflösung der Eigenstaatlichkeit in eine Superunion, die von einem nicht gewählten Regime in Brüssel diktatorisch regiert wird, will? Oder ob man die Aufgabe der eigenen Währung und damit der Souveränität über die Geldpolitik und Übernahme einer Gemeinschaftswährung mit zentraler Steuerung der EZB aus Frankfurt will? Nein. Das wurde über die Köpfe aller EU-Bürger beschlossen und Basta. Nicht nur die Führung in Brüssel kann man nicht wählen, auch die Führung der Europäischen Zentralbank nicht. Dabei sind das die einflussreichten Entscheider über das tägliche Leben der EU-Bürger. Es wird uns aber erzählt, alle Macht geht vom Volk als Souverän aus. Das ist ja wieder voll gelogen und eine Verarsche. Die Troika bestehend aus EU-Kommission, EZB und IWF entscheidet wie viel oder wenig Wohlstand es gibt.

Man muss nur die Menschen in Zypern, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Irland oder Frankreich fragen, welchen Wohlstand sie im Vergleich zu früher „geniessen“. Wie die Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit heute extreme Formen angenommen hat. Wie sie vor lauter Verzweiflung und Not flüchten müssen, entweder ihre Heimat verlassen oder gleich das Leben überhaupt durch Selbstmord. Aber auch im sogenannten Kern von Europa, ist die Situation katastrophal. Die Behauptung vieler Deutschen, „es geht uns ja noch gut„, ist doch eine Lüge. Nur weil man gerade noch über die Runden kommt, mit dem Einkauf bei Aldi und Lidle, den Verzicht auf Urlaub und Auto, mit dem massiven Einschränken des Lebensstandards den Rückgang des Einkommens und der Kaufkraft kompensiert, heisst doch nicht, es geht einem gut. Das ist Selbstbetrug. Man bescheisst sich selber und macht sich etwas vor, nur weil man die Realität nicht wahr haben will.

Ich bin lange genug auf der Welt, um vergleichen zu können. wie es vor 50, 40, 30 und 20 Jahre war. Es gab eine Zeit, da konnte ein durchschnittlicher Familienvater mit seinem Lohn eine Familie ernähren, ja sogar ein Häuschen, Auto und Urlaub sich leisten. Das ist heute praktisch unmöglich. Der massive Einkommensverlust, bei gleichzeitigen Einstieg der Lebenshaltungskosten, der Steuern und Abgaben, zwingt viele Familien dazu, das Mann und Frau arbeiten müssen, ja sogar mehrere Jobs annehmen müssen. Nicht damit sie im Luxus leben, nein, nur damit sie überhaupt überleben! Profitiert von diesem Gesellschaftswandel, von dieser „modernen Konsumgesellschaft“, haben nur die Konzerne und ihre Eigentümer. Es ist nun mal eine Tatsache, die Armut hat extrem zugenommen und die Reichen werden immer reicher. Ob in Europa oder den Vereinigten Staaten, der Mittelstand wird systematisch zerstört, die Masse der Armen hat zugenommen und die Kaste der 1% hat enormen Reichtum angehäuft.

Von der sogenannten Globalisierung und dem Freihandel haben nur die Grosskonzerne profitiert. Sicher kein Handwerker, Klein- oder Mittelbetrieb. Nur die Konzerne können ihre Holding in einem Steuerparadies platzieren und die Produktion in ein Billiglohnland, optimieren damit ihren Profit. Sie zahlen die geringsten Steuern, beschäftigen die wenigsten Menschen, werden aber vom Staat in jeder Weise bevorzugt. Sie dürfen auch ständig grösser und damit mächtiger werden, sind zu einem Monster gewachsen, das viele Staaten übertrifft. Das Resultat ist dann das „too big to fail“, das Konzerne Staaten erpressen können. Was ist das überhaupt für eine freie Marktwirtschaft, wenn die Verluste der Steuerzahler trägt, aber die Gewinne die Aktionäre einsacken können? Wo die Verluste sozialisiert und die Profite privatisiert werden? Das ist Korporatismus in Reinform, oder wie Mussolini es beschrieb, Faschismus!

Faschismus ist die totale Macht der Konzerne, die den Staatsapparat für ihre Zwecke missbrauchen. Es hat in seiner neuen Form nach dem II. Weltkrieg nichts mit Stechschritt, erhobenen Arm und braunen oder schwarzen Uniformen zu tun. Das waren nur Äusserlichkeiten, um die Menschen zu uniformieren und gleichzuschalten. Es hat auch nichts mit Nationalismus und Sozialismus zu tun. Heute macht man es anders. Es hat mit einer menschenverachtenden Ideologie zu tun, mit Kontrolle, mit Meinungsmanipulation, mit Bevormundung, mit der Schaffung von Feindbildern, mit Aggression und Krieg. Die heutigen Nazis sind Meister in der Täuschung, sie geben sich nur äusserlich als Antifaschisten, als Demokraten, als Friedensengel, als Verteidiger der Menschenrechte, dabei sind sie innen drin die selben Verbrecher und Massenmörder wie früher.

Ihre Kunst ist es sich selber als „die Guten“ hinzustellen, ihre Eroberungen und Kriege als etwas gutes zu verkaufen. Leider fallen die meisten naiven und leichtgläubigen Menschen darauf rein. Sie sagen Ja zu den Interventionen in fremden Ländern, finden die Bombardierung der Zivilbevölkerung als richtig, meinen die Einschränkung der eigenen Rechte, der Überwachung und der Bespitzelung wäre in Ordnung, denn die „Sicherheit“ und der „Schutz“ wären es wert, die eigene Freiheit aufzugeben. Was kann man noch frei entscheiden? Nichts, ausser welche Produkte man konsumiert, dabei wird sogar diese Entscheidung durch penetrante Werbung und Gehirnwäsche komplett beeinflusst. Die Menschheit ist zu einer manipulierbaren Masse verkommen, die alles schluckt was man ihr auftischt, die jeden der das nicht mitmacht und Kritik an den Zuständen übt, als Aussätzigen, als Verschwörungspinner und sogar als Terroristen bezeichnet.

Die welche versuchen aufzuklären und aufzuwecken, sind die Feinde der Gesellschaft. Denn das teuflische an den Vertretern der Nazi-Ideologie ist es, sie haben es geschafft die Dissidenten, diejenigen die ihre Machenschaften durchschauen und Widerstand leisten, als Rechtsextreme hinzustellen. Wer für den Frieden und gegen Krieg sich einsetzt, wird von den Medien als Nazi beschimpft. Dabei ist gegen Krieg zu sein eher eine linke Position. Aber sie stellen alles auf den Kopf, verdrehen die Tatsachen, lügen und betrügen was das Zeug hält. Das aktuelle Beispiel sind die Vorgänge in der Ukraine. Die USA und EU bringen durch einen gewaltsamen Putsch ein faschistisches Regime in Kiew an die Macht. Westliche Politiker und Medien bezeichnen die Nazi-Schergen des „Rechten Sektors“ als „friedliche Aktivisten die einen demokratischen Wandel in der Ukraine wollen„. Die welche sich gegen diese Faschisten stellen sind wiederum böse „Separatisten“ und „prorussische Milizen“, ja sogar Terroristen, die man mit Soldaten und Panzer bekämpfen und töten muss.

Ja, der Westen geht sogar her und erlaubt Geschichtsrevisionismus, die Geschichte des II. Weltkriegs darf man völlig umschreiben. Der Überfall der Sowjetunion durch Hitlers Wehrmacht war kein Angriffskrieg, sondern eine Befreiung der Ostländer und speziell der Ukraine. Das sagenhafte 27 Millionen Sowjetbürger durch diesen Krieg getötet wurden wird verniedlicht oder ignoriert, die Feier anlässlich des Sieges über Nazideutschland als Provokation bezeichnet. Ja es wird sogar die völlig absurde Behauptung aufgestellt, Präsident Putin wäre der neue Hitler und Russland würde wie Nazideutschland vorgehen. Sogar Prinz Charles hat das vor wenigen Tagen bei seinem Kanadabesuch gesagt. Dabei muss das britische Königshaus ganz mäuschenstill sein, denn es hatte enge Verbindungen zu Hitler und sie waren Nazi-Sympathisanten. König Eduard VIII musste 1936 deswegen abdanken, weil er ein Bewunder Hitlers war und ihn im Berghof bei Berchtesgaden sogar besucht hat.

König Eduard (links) neben Hitler

Hitlers Traum war, mit Eduard VIII, der König von Grossbritannien und Kaiser von Indien war, als Alliierten das britische Imperium mit dem III. Reich zu vereinen und damit ein faschistisches Weltimperium zu schaffen. Wie eng die Zusammenarbeit zwischen Eduard und Hitler war zeigt die Tatsache, er informierte Berlin über die Aussenpolitik Londons. Er gab die Information weiter, die britische Regierung würde nichts bei einer Remilitarisierung des Rheinlandes unternehmen. Mit diesem Wissen lies Hitler am 27. Februar 1936 die entmilitarisierte Zone im Rheinland wiederbesetzen, um die Souveränität des Reiches über die Westgrenze Deutschlands wiederherzustellen und die Versailler Vertragsbestimmungen weiter zu revidieren. Die Besetzung erfolgte ohne nennenswerte Reaktion von Seiten Englands und war ein weiterer Schritt in Hitlers Programm, Deutschland wieder als Grossmacht aufzubauen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem britischen Königshaus und dem Nazi-Regime war bis 1937 sehr eng. Die Namensänderung auf „Windsor“, der Name eines Schlosses, war ja nur eine Tarnung und eine Täuschung, denn tatsächlich heissen sie Haus Sachsen-Coburg und Gotha, den die Familie in Grossbritannien seit 1840 trug und Deutsch war die Muttersprache von König Edward VIII. Auch der Name Mountbatten war eine Anglisierung des Namens Battenberg. Eduard ging nach seiner Abdankung im Rang eines Generalmajors nach Frankreich. Dort hat er eng mit dem Nazi-Regime weiter heimlich kollaboriert. So hat Eduard im Februar 1940 die alliierten Pläne zur Verteidigung Belgiens an die Deutschen verraten und Hitler konnte seinen Blitzkrieg gegen Frankreich durchführen.

Wir wissen mittlerweile, wie eng auch die Verflechtung zwischen dem Grosskapital und den Nazis war und wer sie überhaupt finanziert hat. Nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Amerika, kam viel Geld. Der Grossvater von Präsident George W. Bush und Vater von Präsident George H. Bush war einer der Finanzies der Nazis mit seiner Bank. Prescott Bush heirate in die Familie Walker ein und sein Schwiegervater George Herbert Walker war ein reicher Bankier. Er brachte seinen Schwiegersohn Prescott Bush bei Brown Brothers Harriman und später Union Banking Corporation unter. Der Inhaber war W. Averell Harriman. Mit dessen Bruder, E. Roland Harriman, war Bush zusammen in Skull and Bones, ein satanischer Todeskult.

Die Harriman Bank war der wichtigste Wall-Street-Kontakt für deutsche Firmen und auch die, welche die verschiedenen finanziellen Interessen von Fritz Thyssen in den USA vertrat, der bis 1938 ein früher finanzieller Unterstützer der NSDAP gewesen ist. 1942 wurden Bushs Geschäftsanteile an der Union Banking Corporation enteignet, weil die New Yorker Bank gegen den „Trading with the Enemy Act“ verstossen hatte, also Handel mit dem Feind, nach dem Hitler den USA den Krieg erklärt hatte. Die Bush-Familie waren und sind durch und durch Nazis und schafften es zwei Präsidenten zu stellen. George H. Bush war Chef der CIA, dann Vizepräsident und dann Präsident. Wer hat denn die USA in einen faschistischen Polizeistaat verwandelt? Es war sein Sohn George W. nach 9/11, der damit einen Angriff auf Amerika inszenierte, wie Hitler den Reichstagsbrand.

Mit diesem „Angriff unter falscher Flagge“, in dem man die Kommunisten als Täter hinstellte, wurden die Grundrechte der Weimarer Verfassung ausser Kraft gesetzt und der Weg freigeräumt für die Errichtung der Nazi-Diktatur. Genau das gleiche machte George W. Bush, in dem er die Moslems als Sündenböcke nahm und den „Krieg gegen den Terror“ ausrief und sagte, „entweder seid ihr für uns oder gegen uns„. Das ist Nazi-Vokabular. Er gab sich auch die Notverordnungen wie Hitler „zum Schutz von Volk und Staat“. Was ist die Gründung der Homeland Security (Ministerium für Innere Sicherheit) anders als eine amerikanische Version der Gestapo? Auch die Unversehrtheit der Wohnung und das Post- und Fernmeldegeheimnis sind aufgehoben worden, wie die Meinungs-, Presse- und Vereinsfreiheit, genau wie im III. Reich. Was die NSA und die 15 anderen US-Geheimdienste seit 9/11 machen, ist eine Kopie des Vorgehens des Reichssicherheitshauptamtes.

Wieso hat die EU so vehement das Rauchen überall verboten? Ja warum wohl? Habt ihr gewusst, Nichtrauchen ist eine Nazi-Idelogie? Anfang der 30ger Jahre als Teil der nationalsozialistischen Rassenreinheitslehre, hat Hitler die Kampagne initiiert, das Rauchen in allen öffentlichen Gebäuden zu verbieten und prangerte es als Verrat an der Reinheit des Körpers an. In einer der Parteizeitungen stand „Nationalsozialistische Genossen, wisst Ihr dass unser Führer gegen das Rauchen ist? Jeder Deutsche ist verantwortlich für seine Taten und Emissionen gegenüber der Volksgemeinschaft und deshalb hat er nicht das Recht seinen Körper mit Drogen zu schädigen.“ Unermüdlich bekämpfte die NSDAP das Übel. 1938 verboten Luftwaffe und Post das Rauchen im Dienst, 1939 folgten Rauchverbote auf vielen Arbeitsplätzen, in Amtszimmern, Spitälern, in allen Gebäuden der Partei. Hitler ordnete am 20. Juli 1940 an, dass Tabak nur mehr mit einem (heute auf jeder Zigarettenpackung aufgedruckten) Warnhinweis ausgeteilt werden darf.

Hitler war ein strikter Vegetarier und rauchte nicht und trank keinen Alkohol ab 30. Er verbot es jeden in seiner Anwesenheit zu rauchen oder in einem Zimmer zu rauchen, dass er mal betreten würde. Interessant ist, die gleiche Einstellung hatten auch andere faschistische Diktatoren, wie Mussolini und Franco. Welche Erkenntnisse können wir aus diesen Parallelen mit heute ziehen? Entweder waren die Nazis wirklich besorgt um die Volksgesundheit, oder sie benutzten die Antiraucher Kampagne als massives Kontrollinstrument über die Menschen, als Ausrede um die Freiheiten einzuschränken. Beachten wir, dass das Rauchen ein Symbol der Freiheit laut Edward Bernays ab 1920 galt. Da die Nazis überhaupt nichts gutes gemacht haben, laut Geschichtsschreibung, wird es ihnen wohl um Freiheitsbeschränkung und nicht um die Gesundheit gegangen sein. Das gleiche gilt heute. Sie wollen alle Lebensgewohnheiten kontrollieren und uns jeden Genuss verbieten. Das ist Faschismus.

Aber wie gesagt, die heutigen Nazis haben gelernt und tarnen sich sehr geschickt, machen es nicht so offensichtlich. Sie sind so raffiniert, die wenigsten glauben es oder wollen es sehen. Im Gegenteil, die meisten Leute meinen, Amerika und Europa sind funktionierende Demokratien (lach), weisen jeden Vergleich mit dem III. Reich weit von sich. Warum? Weil keine braunen Horden rumlaufen? Wichtig ist doch nur was effektiv passiert. Die Bevormundung der Menschen, die Indoktrinierung was man denken soll, die Einhämmerung von Feindbildern, eine totale Gleichschaltung der Medien, die Veranstaltung von Brot und Spiel zur Ablenkung, die Ausbeutung als Sklaven, die totale Überwachung, die Durchführung von Angriffskriege etc. Die USA haben seit dem II. Weltkrieg mit Hilfe der europäischen NATO-Staaten einen Krieg nach dem anderen vom Zaun gebrochen, Abermillionen Menschen getötet, ein Land nach dem anderen zerstört, das Imperium fast auf die ganze Welt ausgedehnt, aber diese Verbrechen als etwas gutes hingestellt.

Warum behaupte ich, die Europäische Union ist das IV. Reich? Schauen wir uns an wer die EU überhaupt in die Wege geleitet hat. Es waren Nazis. Es war die Bilderberg-Gruppe, die sich damit rühmt, die EU und den Euro beschlossen zu haben. Die Bilderberg-Gruppe ist aber eine faschistische Organisation mit Nazi-Wurzeln, Nazi-Führung und Nazi-Ideologie. Denn wie man unschwer herausfinden kann, wurde die Bilderberg-Gruppe von einem Nazi gegründet und Jahrzehnte lang geführt. Prinz Bernhard der Niederlande ist der Gründer der Bilderberg-Gruppe und hat im Jahre 1954 die erste Tagung im Bilderberg-Hotel in den Niederlanden durchgeführt, deshalb der Name der Gruppe.

Wenn man den Werdegang von Prinz Bernhard vor dem II. Weltkrieg recherchiert findet man heraus, als geborener Bernhard Leopold zur Lippe-Biesterfeld war er Staatsbürger des III. Reichs, Mitglied der Hitler Jugend, der SA, der Sturm Abteilung der Nazis, der Reiter-SS, der Schutzstaffel der Nationalsozialisten und dann des NSKK, des Nationalsozialistischen Kraftfahrer-Korps und auch der NSDAP. Was erzählen uns die Schreihälse, die jeden nach Belieben als Antisemiten beschimpfen, wie Henyrk M. Broder über Günther Grass zum Beispiel, „Damals war er ein SS-Mann, heute schreibt er wie einer„. Also einmal ein Nazi immer ein Nazi. Prinz Bernhard war aber nicht nur in allen Nazi-Organisationen Mitglied, er hat auch für I.G. Farben gearbeitet, ja genau für den Konzern, dessen Tochterfirma das Zyklon B herstellte, mit dem die Judenvernichtung durchgeführt wurde.

Der langjährige Vorsitzende der Bilderberger, Étienne Davignon, hat wie gesagt stolz die Macht und den Einfluss dieser Gruppe gerühmt, wie die Europäische Union und auch die Gemeinschaftswährung ein Kind von ihnen wäre. Dokumente welche die BBC ausgegraben hat beweisen, die EU und der Euro wurden so weit zurück wie 1955 diskutiert und beschlossen. Was danach erfolgte war die Vorbereitung dazu, den Beschluss in die Tat umzusetzen. Die Teilnehmer bei den jährlichen Bilderberg-Konferenzen, bestehend aus hochrangigen Repräsentanten aus Industrie, Finanzen, Medien und Politik, bekamen den Befehl dazu und führten diesen schrittweise aus. Es gibt sogar ein Dokument, das beweist, das Konzept einer Europäischen Union wurde vor Ende des II. Weltkrieg vorgeschlagen, als die Nazis wussten, der Krieg ist verloren.

Laut dem Bericht des US-Militärgeheimdienstes EW-Pa 128, auch bekannt als „The Red House Report“, trafen sich oberste Nazis im Maison Rouge Hotel in Strassburg am 10. August 1944 mit dem Wissen, der Krieg würde in einer totalen militärischen Niederlage enden, und sie machten Pläne wie es mit einem IV. Reich danach weitergehen sollte – eine paneuropäische Wirtschaftsgemeinschaft, die auf einen gemeinsamen Markt beruht. Teilnehmende Topindustrielle bekamen von der Nazi-Führung das grüne Licht, so viel wie möglich an Know-how und auch an Kapital ins benachbarte Ausland zu retten, um es einerseits nicht in die Hände der Besatzer fallen zu lassen, andererseits um einen Neustart durchführen zu können. Diesmal unter Weglassung der ganzen äusseren Attribute, aber mit dem selben Ziel und Ideologie.

So passierte es auch. Die faschistische Konzerndiktatur herrscht heute uneingeschränkt und wird immer grösser. Ein Land nach dem anderen wird in die Union eingegliedert, bekommt die Zwangsjacke übergestülpt und wird von Brüssel aus regiert. Man gibt den Mitgliedsländern noch den Anschein der Souveränität, aber tatsächlich haben sie keine mehr. Die Regierungen und Parlamente dürfen nur noch wie Schauspieler eine Sprechrolle ausüben, müssen aber das tun was der Regisseur vorschreibt. Die Aufgabe der deutschen Wehrmacht hat die NATO übernommen, die auch ein Land nach dem anderen einverleibt. Diese militärische Organisation hat mit Verteidigung nichts zu tun, sondern ist ein Instrument zum Führen von Angriffskriegen. Ausserdem ist sie die Schlägertruppe für die Konzerne. Wenn ein Land sich nicht den Drohungen und Erpressungen fügt, werden Bomben abgeworfen, natürlich wieder getarnt als Schutz der Zivilbevölkerung und Verbreitung der Demokratie.

Die Ukraine ist der nächste Fall und zeigt mehr als deutliche die Täuschung, die Lügen, die Aggression und die Expansion der US-EU-NATO-Verbrecher. Das faschistische Putsch-Regime in der Ukraine wird deshalb unterstützt, die Massenmorde der Nazi-Schergen die dort wüten deshalb verschwiegen, die wahren Vorgänge was im Land vorgeht deshalb völlig falsch von den Medien dargestellt und Russland deshalb als Oberbösewicht verleumdet, weil die westlichen Sponsoren selber Nazis sind. Die Europäische Union ist das IV. Reich. Das völlig widersprüchliche und unverständliche dabei ist, wer diese Tatsachen aufzeigt wird als Antisemit bezeichnet. Warum? Weil die Zionisten mit den Nazis auch zusammengearbeitet haben und es tun? Weil der Zionismus eine sehr ähnliche Ideologie ist? Wieso hört man von den angeblichen Wächtern des Judentums nichts über die Nazi-Verbrechen in der Ukraine?

Auf was läuft das ganze hinaus? Genau wie das III. Reich sich über fast ganze Europa verbreitete, von Norwegen bis Sizilien, vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer, und dann zusammenbrach, nur Tot, Leid und Zerstörung hinterlies, wird auch die EU das selbe Schiksal erleben. Zuerst sehr gross werden und dann kollabieren. Die Union hat den gleichen Drang nach Osten zu expandieren, so wie Hitler es wollte. Die EU und NATO zeigen auch die gleiche Aggression und bringen die selben Ausreden für ein militärische Intervention wie Hitler. Die Propaganda in den Medien über den bösen Russen, ist wie damals. Die EU schafft es nicht mal die alten Mitgliedsländer aus der tiefen Krise zu bringen, will aber die Ukraine auch noch schlucken und diese Last sich aufbürden, ein Land mit 45 Millionen Menschen und einer Fläche doppelt so gross wie Deutschland. Das ist der gleiche Grössenwahn wie ihn Hitler hatte, der zur Selbstzerstörung führte.

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Warum die Griechen gerettet werden. Was die Schweiz daraus lernt.

Von Roger Köppel

  • Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ­enttäuscht ihre Interpreten. Die Linken ärgern sich, weil die gelernte Physikerin ihre CDU so weit nach links drückte, bis sie den Linken die Themen wegnahm. Die Rechten wiederum sind gegen die visionslose Ost­deutsche, weil sie in ihr zu Recht eine bis zur Selbstverleugnung biegsame Opportunistin ohne konservative Wurzeln erkennen. Der Spiegel nennt sie wegen ihrer Europapolitik «Die Trümmerfrau».Mag sein, dass es derzeit bessere Politiker in Deutschland gibt als Merkel, das Problem ist nur, dass sie bis jetzt nicht sichtbar werden. Merkel hat viele Schwächen, aber sie hat auch eine Stärke: Sie hat im Unterschied zu allen ­ihren Gegnern einen sicheren Instinkt dafür, ­Abstürze und Abgründe zu vermeiden, zu umkurven. Sie ist kalkulierbar in grundlegenden Ausrichtungen, die für Deutschland nach dem letzten Weltkrieg persönlichkeitsbildend sind: Westbindung und Amerikatreue, Europa und Wirtschaftswachstum.Natürlich wird sie als Kanzlerin alles unternehmen, um ein Auseinanderbrechen der ­Euro-Zone zu verhindern. «Scheitert der Euro, scheitert Europa» war für sie kein Nebensatz, sondern ein Glaubensbekenntnis, vielleicht ihr einziges. Das wissen die schlauen Griechen um Premier Tsipras längst. Die EU wird sie nicht fallenlassen, weil Griechenland Teil der EU und weil die EU das Rückgrat der deutschen Nachkriegsidentität geworden ist.Das deutsche Handelsblatt zeigte kürzlich auf einer Titelillustration den griechischen Regierungschef, wie er eine Pistole an seine Schläfe richtet. Selten ging eine provokative Metapher deutlicher in die Hosen, klarer an der Realität vorbei. Tsipras droht doch nicht mit Selbstmord, er muss nicht einmal mit ­einer Spielzeugpistole in Richtung Brüssel zielen, um ­seine Wünsche erfüllt zu sehen. Die Griechen führen Europa, spätestens seit 2010, als man ­ihnen neue Milliardenkredite nachwarf.Es geht eben nicht um Ökonomie. Es geht um Politik. Die Deutschen konnten nach dem Weltkrieg keine Deutschen mehr sein. Die von ­ihnen mitaufgebaute und finanzierte EU erwies sich als begehrter Vaterlandsersatz. Der verfemte Deutsche durfte als respektierter ­Europäer seine Wiederauferstehung feiern. Der Rückfall ins unverdünnte Deutschtum ­einer zerbröselnden EU ist keine Perspektive. Nicht für Europa, am wenigsten für die Deutschen.

    Niemand kann heute genau sagen, wo Deutschland aufhört und wo die EU anfängt, aber man muss sehen, dass die EU – neben dem Sozialstaat, der Bundesliga und der Auto­industrie – eine der ganz wenigen Konstanten in der bruchreichen deutschen Geschichte ­darstellt. Der deutsche Kanzler, der hier freiwillig oder aus höherer Einsicht am Abbau der ­Europäischen Union durch Zersägung der Einheitswährung mitwirkt, ist noch nicht in Sicht. Diese EU ist für die deutsche Politik – nach wie vor – der als notwendig empfundene Fluchtweg aus einer belasteten nationalen Vergangenheit.

    Merkel macht, was vermutlich jeder Mensch an ihrer Stelle tun würde: Sie wurstelt sich durch, so gut es eben geht. Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat, dem dürfte es beim Anblick der Fernsehnachrichten in den letzten Wochen aufgegangen sein: Die EU ist eine institutionelle Fehlkonstruktion. Es kracht und scherbelt an allen Enden, von der Aussen­grenze bis zur Währungsunion. Es sind keine einfachen Lösungen in Sicht, es gibt kein Licht am Ende des Tunnels. Es gibt nur das anstrengende, freudlose Werkeln am Widerspruch.

    Es bringt nichts, an Merkel herumzunörgeln. Sie ist als Politikerin nicht Urheberin, sondern Symptom jener bedrückenden Schieflage, in die sich die EU mit den vermutlich ­besten Absichten selber manövrierte: «Es gibt kein richtiges Leben im falschen», schrieb ­Adorno. Politische Fehlkonstruktionen werden selten von ihren Vertretern weggeräumt. Fehlkonstruktionen zerschellen an der Wirklichkeit. Zum Glück. Im Untergang liegt oft der erste Schritt zur Besserung.

    Es soll nicht zynisch klingen, aber für die Schweiz ist das Schauspiel um Griechenland ein Segen. Es führt den Leuten vor Augen, dass die von unserer Regierung geplante «institu­tionelle Anbindung» an diese EU ein Irrtum ist. Mit jedem Tag, den das Feilschen und Schummeln dauert, wird die Europapolitik des Bundesrats unglaubwürdiger. Mit Verlaub: Kein Mensch, der noch bei Trost ist, ­würde der Schweiz heute raten, ihre institutio­nellen Verflechtungen mit dieser EU weiter zu vertiefen. Freundliche Zusammenarbeit auf Sichtdistanz bleibt das Gebot der Stunde.

    Vermutlich verpasst der Bundesrat derzeit eine gute Möglichkeit. Die EU ist in einem schlechten Zustand. Franzosen, Griechen und Italiener halten sich wahlweise nicht an die von ihnen unterzeichneten Verträge, sei es im Flüchtlingsbereich, sei es beim Haushalt, sei es bei den Reformen, sei es bei der Öffnung der Landesgrenzen. Die Briten erwägen eine Abstimmung über einen EU-Austritt, was in Brüssel auf die Stimmung drückt.

    Selten war die Ausgangslage günstiger. ­Hätte der Bundesrat der EU vor diesem Problemhaufen nicht einfach schlank mitteilen können, er sehe sich aufgrund der schwerwiegenden Umstände in Europa gezwungen, die von Volk und Ständen am 9. Februar 2014 ­demokratisch beschlossene Migrations­beschränkung dringlich umzusetzen? Selbst­verständlich unter Wahrung der hervorragenden bilateralen Beziehungen.

    Die EU duldet schwerwiegende Vertrags­verstösse bei ihren hochverschuldeten Mit­gliedstaaten. Würde sie das zahlungskräftige Nichtmitglied Schweiz wegen seiner direkten Demokratie bestrafen? Der Bundesrat sitzt, für einmal, still. Höflich hilft er der EU, indem er sie mit einem Schweizer Volksentscheid in den Sommerferien nicht belästigt.

    http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2015-29/editorial-merkels-eu-die-weltwoche-ausgabe-292015.htm

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Read the full text of the Guardian’s exclusive interview with philosopher and sociologist Habermas, in which he describes the agreement as ‘toxic’
Jürgen Habermas
Jürgen Habermas: ‚We are stuck in a political trap.‘ Photograph: Martin Gerten/EPA/Corbis

Guardian: What is your verdict on the deal reached on Monday?

Habermas: The Greek debt deal announced on Monday morning is damaging both in its result and the way in which it was reached. First, the outcome of the talks is ill-advised. Even if one were to consider the strangulating terms of the deal the right course of action, one cannot expect these reforms to be enacted by a government which by its own admission does not believe in the terms of the agreement.

Secondly, the outcome does not make sense in economic terms because of the toxic mixture of necessary structural reforms of state and economy with further neoliberal impositions that will completely discourage an exhausted Greek population and kill any impetus to growth.

Thirdly, the outcome means that a helpless European Council is effectively declaring itself politically bankrupt: the de facto relegation of a member state to the status of a protectorate openly contradicts the democratic principles of the European Union. Finally, the outcome is disgraceful because forcing the Greek government to agree to an economically questionable, predominantly symbolic privatisation fund cannot be understood as anything other than an act of punishment against a left-wing government. It’s hard to see how more damage could be done.

And yet the German government did just this when finance minister Schaeuble threatened Greek exit from the euro, thus unashamedly revealing itself as Europe’s chief disciplinarian. The German government thereby made for the first time a manifest claim for German hegemony in Europe – this, at any rate, is how things are perceived in the rest of Europe, and this perception defines the reality that counts. I fear that the German government, including its social democratic faction, have gambled away in one night all the political capital that a better Germany had accumulated in half a century – and by “better” I mean a Germany characterised by greater political sensitivity and a post-national mentality.

Guardian: When Greek prime minister Alexis Tsipras called a referendum last month, many other European politicians accused him of betrayal. German chancellor Angela Merkel, in turn, has been accused of blackmailing Greece. Which side do you see as carrying more blame for the deterioration of the situation?

Habermas: I am uncertain about the real intentions of Alexis Tsipras, but we have to acknowledge a simple fact: in order to allow Greece to get back on its feet, the debts which the IMF has deemed “highly unsustainable” need to be restructured. Despite this, both Brussels and Berlin have persistently refused the Greek prime minister the opportunity to negotiate a restructuring of Greece’s debts since the very beginning. In order to overcome this wall of resistance among the creditors, prime minister Tsipras finally tried to strengthen his position by means of a referendum – and he got more domestic support than expected. This renewed legitimation forced the other side either to look for a compromise or to exploit Greece’s emergency situation and act, even more than before, as the disciplinarian. We know the outcome.

Guardian: Is the current crisis in Europe a financial problem, political problem or a moral problem?

Habermas: The current crisis can be explained both through economic causes and political failure. The sovereign debt crisis that emerged from the banking crisis had its roots in the sub-optimal conditions of a heterogeneously composed currency union. Without a common financial and economic policy, the national economies of pseudo-sovereign member states will continue to drift apart in terms of productivity. No political community can sustain such tension in the long run. At the same time, by focusing on avoidance of open conflict, the EU’s institutions are preventing necessary political initiatives for expanding the currency union into a political union. Only the government leaders assembled in the European Council are in the position to act, but precisely they are the ones who are unable to act in the interest of a joint European community because they think mainly of their national electorate. We are stuck in a political trap.

Guardian: Wolfgang Streeck has in the past warned that the Habermasian ideal of Europe is the root of the current crisis, not its remedy: Europe, he has warned, would not save democracy but abolish it. Many on the European left feel that current developments confirm Streeck’s criticism of the European project. What is your response to their concerns?

Habermas: His prediction of an imminent demise of capitalism aside, I broadly agree with Wolfgang Streeck’s analysis. Over the course of the crisis, the European executive has accrued more and more authority. Key decisions are being taken by the council, the commission and ECB – in other words, the very institutions that are either insufficiently legitimated to take such decisions or lack any democratic basis. Streeck and I also share the view that this technocratic hollowing out of democracy is the result of a neoliberal pattern of market-deregulation policies. The balance between politics and the market has come out of sync, at the cost of the welfare state. Where we differ is in terms of the consequences to be drawn from this predicament. I do not see how a return to nation states that have to be run like big corporations in a global market can counter the tendency towards de-democratisation and growing social inequality – something that we also see in Great Britain, by the way. Such tendencies can only be countered, if at all, by a change in political direction, brought about by democratic majorities in a more strongly integrated “core Europe”. The currency union must gain the capacity to act at the supra-national level. In view of the chaotic political process triggered by the crisis in Greece we can no longer afford to ignore the limits of the present method of intergovernmental compromise.

Jürgen Habermas is emeritus professor of philosophy at the Johann Wolfgang Goethe University of Frankfurt. His latest book, The Lure of Technocracy, is published by Polity

Nach Griechenland-Deal in Brüssel
EU, Verhandlungen, Philosoph, Jürgen Habermas, Griechenland

dpa Jürgen Habermas gilt als einer der wichtigsten europäischen Intellektuellen

Der deutsche Soziologe Jürgen Habermas hat die Bundesregierung hart für ihren Kurs in der Griechenland-Krise kritisiert. Der Reformplan für Griechenland sei ein Akt der Bestrafung. Deutschland strebe unverhohlen die Hegemonie in Europa an.

Jürgen Habermas ist unbestrittenen einer der führenden geistigen Köpfe in Europa. Seit mehr als 50 Jahren ist er an wichtigen Debatten in Deutschland beteiligt. Seien es die Studentenrevolten der 60er-Jahre, die Wiedervereinigung, die deutsche Kriegsschuld oder der Irak-Krieg.

Nun nimmt er sich das Vorgehen der Bundesregierung in der aktuellen Griechenland-Krise vor. Angesichts des Marathon-Gipfels in Brüssel vom vergangenen Sonntag sagte er dem britischen „Guardian“: „Ich fürchte, die deutsche Regierung, inklusive der Sozialdemokraten, hat in einer Nacht all das politische Kapital verspielt, das ein besseres Deutschland in einem halben Jahrhundert angesammelt hat.“ Frühere deutsche Regierungen hätten mehr politische Sensibilität und post-nationales Denken gezeigt.

Deutschland ruft sich zu Europas Hegemon aus

Aus Sicht des Soziologen habe Deutschland durch seine Verhandlungsführung und die Grexit-Drohungen sich unverhohlen als „Europas Chef-Zuchtmeister“ gezeigt und sich erstmals öffentlich zu Europas Hegemon ausgerufen.

Die beschlossenen Reformen werden laut Habermas mit „einer giftigen Mischung aus nötigen Strukturreformen und neoliberalen Zumutungen“ die griechische Bevölkerung erschöpfen und jeden Wachstumsimpuls abtöten.

Stärkere politische Integration als Antwort

Ebenso sei der Privatisierungsfonds nur als eine Strafmaßnahme für eine linke Regierung zu verstehen, fügte Habermas hinzu. Seiner Meinung nach muss die Europäische Union sich stärker politisch integrieren und weniger technokratisch arbeiten.

Es brauche eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik. Bisher könnten derzeit nur die Regierungschef im Europäischen Rat wirklich Entscheidungen treffen, wobei jedoch genau diese nicht nach europäischen Interesse handeln würden, da sie hauptsächlich an ihre eigene Wählerschaft dächten.

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Von wegen EU-Staatsstreich: Syriza „putscht“ gegen das eigene Volk

Von Matthias Heitmann 15.07.15 Achgut.com

 

Alexis Tsipras lernt schnell: Für Regierungen, die sich vor dem Wählervotum oder vor dessen Umsetzung fürchten, ist die Europäische Union der ideale Rettungsschirm.

Seit der „Einigung“ zwischen dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras und den Geldgebern von EU und IMF macht in den sozialen Netzwerken und auf Twitter die Rede vom Staatsstreich gegen Griechenland die Runde. Der Hashtag #thisisacoup wurde binnen kürzester Zeit zu einem geflügelten Schlagwort. Die Aufregung darüber, dass sich die Politik der Europäischen Union nicht vom Wählerwillen leiten, irritieren oder beeinflussen lässt, ist jedoch entweder unglaublich vergesslich oder atemberaubend naiv. Denn eigentlich wissen wir seit Jahren aus eigener Erfahrung: Demokratische Wahlen und Referenden werden in Brüssel wie eine Art Sandkasten-Demokratie-Spiel betrachtet. Schon vergessen? Wann immer in den letzten Jahren die Bürger versuchten, sich in Wahlen gegen die EU-Spar-, Kontroll- oder Regulierungspolitik zu wehren, wurde dies geflissentlich ignoriert. Und dabei handelte die EU äußerst egalitär, um nicht zu sagen antirassistisch: Es war ihr nämlich egal, in welchem Land die Bürger sich gegen sie erhoben, sie wurden alle gleich behandelt – und ignoriert.

Als sich im Mai Jahr 2001 die Iren erlaubten, das Abkommen von Nizza nicht per Volksabstimmung zu ratifizieren, wurde von Brüssel aus so viel Druck auf die irische Regierung ausgeübt, bis diese das Volk nach einer intensiven medialen Bearbeitung im Oktober 2002 kurzerhand wieder an die Urnen zitierte. Dieses Mal endete die Abstimmung mit einem für Dublin wie auch Brüssel genehmen Ergebnis. Als drei Jahre später die Europäer frei über den Vertrag für eine Verfassung für Europa entscheiden sollten, nahmen die Holländer und die Franzosen das mit der „freien Entscheidung“ ein wenig zu wörtlich und lehnten dankend ab. Das hinderte Brüssel aber natürlich nicht daran, das gesteckte politische Ziel weiterzuverfolgen. 2008 wurde das Projekt als „Vertrag von Lissabon“ erneut zur Abstimmung gestellt. Wieder waren es die Iren, die sich nicht an das ungeschriebene Gesetz hielten, demzufolge sich Europäer gefälligst den Plänen der europäischen Einigung zu unterwerfen haben.

Das Ignorieren des Wählerwillens aufseiten der EU ist also keine neue Entwicklung, und jeder, der sich nun darüber ereifert, dass sich Brüssel nicht um den armen Griechen auf der Straße sorgt, sollte sich seiner eigenen Erfahrungen mit der EU-Politik entsinnen. Und dennoch stellen die Ereignisse der letzten Tage eine weitere Zuspitzung der Wählerentmündigung dar. Diese Zuspitzung geht dieses Mal allerdings nicht von Brüssel aus – von dort ist man seit Jahren nichts anderes gewohnt, und dort bemüht man sich auch gar nicht, das eigene Handeln als demokratisch legitimiert zu verkaufen. Nein, in diesem Falle geht die Zuspitzung von der griechischen Syriza-Regierung aus, die sich zunächst als Gegnerin der undemokratischen EU-Politik darstellte, um dann in noch eklatanterer Weise das eigene Volk zu verraten.

Mit ihrer Wahl im Januar und erst mit dem kürzlich abgehaltenen Referendum wurde der Tsipras-Regierung von den griechischen Wählern eine eindeutige politische Vorgabe gemacht: Nach vielen Jahren einer die Menschen an den Rand der Armut drängenden Sparpolitik sollte die neue Regierung alles tun, um weitere Verschärfungen der Sparmaßnahmen zu verhindern. Entsprechend ließ sich Tsipras als linker Verteidiger der kleinen Leute und als Kämpfer gegen Euro-Kapitalismus und EU-Fremdherrschaft in der griechischen Öffentlichkeit feiern, um dann nach Brüssel zu reisen und nach einem Verhandlungsmarathon mit einem „Agreekment“ nach Hause zu kommen, dass noch weitergehende Spar- und Kontrollmaßnahmen beinhaltet als die, die nur Tage zuvor von den Griechen als unannehmbar abgelehnt worden waren.

Was steht in der Vereinbarung zwischen Tsipras und der Eurogruppe, von der Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Pressekonferenz lapidar sagte, der griechische Anteil bestehe in der Höhe der Zahlen? Neben alten Forderungen wie den nach Rentenkürzungen, der Vereinheitlichung der Mehrwertsteuer sowie der Verbreiterung der Steuerbasis finden sich auch neue Forderungen in dem Dokument, wie etwa die Beschränkung der Macht der Gewerkschaften, der Neuregulierung der Arbeitsbeziehungen und der Arbeitsmarktpolitik, die Modernisierung des Tarifrechts, der industriellen Handlungsfreiheit sowie die massiv ausgeweitete Privatisierung staatlicher Betriebe und des griechischen Tafelsilbers zugunsten eines zwar in Athen angesiedelten, aber „unter Aufsicht der EU-Institutionen“ stehenden Fonds. Zudem wird festgelegt, dass die griechische Regierung mit den Institutionen bezüglich aller zu ratifizierenden Gesetze in den relevanten Themenbereichen zu verhandeln und übereinzustimmen hat, bevor sie diese zu einer öffentlichen Beratung freigibt oder sie ins Parlament einbringt. Anders formuliert: Ohne die Zustimmung der Institutionen wird künftig in Griechenland kein Gesetz mehr beschlossen, geschweige denn entworfen oder darüber diskutiert. Debatten im Parlament sind ohnehin ein Reizthema: Wenn die EU die Gesetze schon vor der Vorlage bis ins Kleinste durchkaut, ist vorstellbar, was hier unter „parlamentarischer Kontrolle“ zu verstehen ist.

Alle diese und viele weitere sehr kleinteilige Forderungen – u.a. zu Themen wie den Ladenöffnungszeiten, der Apotheken-Eigentümerschaft sowie haarkleinen Regulierungen zu Milch und Bakterien, eben all das, was auch wir von der regulierungswütigen EU kennen – sind auch nur „die minimalen Erfordernisse“, denen die griechischen Gesetzgeber innerhalb weniger Tage und Wochen nachkommen müssen, um überhaupt weitere Verhandlungen wieder aufnehmen zu können. Die Auflage eines neuen ESM-Programms wird auch nicht versprochen, sondern lediglich für „möglich“ erklärt. Diese Möglichkeit erscheint gering, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das Papier von Griechenland das Erwirtschaften von Haushaltsüberschüssen erwartet, damit man künftig überhaupt über künftige Wirtschaftshilfen verhandeln könne.

Derartige Maßnahmenpakete erwartet man am Ende kriegerischer Auseinandersetzungen anzutreffen, in der Regel werden sie von den „Siegern“ der im Konflikt unterlegenen Partei vorgelegt. An das Ergebnis demokratischer Verhandlungsführung erinnert das Papier des EU-Gipfels eher weniger. Führt man sich vor Augen, dass dieser Maßnahmenkatalog einem Land vorgelegt wird, das seit Jahren unter einer schwere Rezession litt und gegenwärtige eine Bankenkrise erlebt, viele einschneidender Forderungen seiner Kreditgeber mit mäßigem Erfolg umgesetzt hat und dessen Bevölkerung unter einer Massenarbeitslosigkeit von 25% leidet, scheint es, als wolle man einem bereits am Boden liegenden „Partner“ nicht helfen, sondern seinen Willen brechen.

Bei Tsipras hat das offenbar funktioniert, so er denn diesen Willen jemals wirklich besaß. Anstatt die Unabhängigkeit Griechenlands gegenüber den Geldgebern der EU und des Internationalen Währungsfonds zu verteidigen, hat er das Land endgültig in die völlige politische Abhängigkeit von EU und IMF abrutschen lassen, was ihn aber nicht daran hindert, für eben diese Politik nun im griechischen Parlament um Unterstützung zu buhlen. Dass er keine Probleme damit hat, sich die erforderlichen Mehrheiten auch außerhalb seiner eigenen Regierung unter jenen zu suchen, die im Januar von den Wählern entmachtet wurden, kann da nicht mehr verwundern. Brendan O’Neill, Chefredakteur des britischen Online-Magazins „Spiked“, bringt auf den Punkt, was von einer solchen Politik zu halten ist: „Die Unehrlichkeit ist atemberaubend, der Zynismus überwältigend. Die Euro-Institutionen mögen dem griechischen Volk mit der Faust direkt ins Gesicht geschlagen haben, aber Syriza hat etwas noch Schlimmeres getan: Es hat ihm von hinten das Messer in den Rücken gerammt.“

Die Folgen dieser verlogenen Syriza-Strategie werden dramatisch sein: nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer Hinsicht. Und auch der Glaube und das Vertrauen der Griechen in die Demokratie werden verheerenden Schaden nehmen. Denn das von Syriza zunächst anberaumte und dann doch im EU-Stil vollständig ignorierte Referendum behandelt die griechischen Wähler wie Kleinkinder, die man Demokratie spielen lässt, um sich selbst einen Freibrief auszuschreiben für die komplette Aufgabe der eigenen Souveränität. Schon jetzt dämmert es den Griechen, dass das „Agreekment“ keines ist, in dem ihren Interessen Rechnung getragen wurde. Vielmehr offenbart es, dass Tsipras & Co. Trotz (oder gerade wegen?) ihres gepflegten Images als coole, freche, intellektuelle, krawattenfreie und motorradfahrende Che-Guevara-2.0-Wiedergänger in Sachen Demokratieverständnis und Wählerentmündigung voll auf Brüsseler Linie fahren.

Einen Vorteil hat diese Zuspitzung jedoch: Sie trägt zur Klarheit bei, denn von nun an können die Griechen nicht mehr einfach nur mit dem Finger auf Brüssel zeigen und den dortigen Autoritarismus anfeinden. Der größte Feind einer unabhängigen und selbstbestimmten Zukunft Griechenlands sitzt im eigenen Land. Denn um dem Land in seinem Ringen um Freiheit und Würde tatsächlich einen positiven Dienst zu erweisen, fehlt es Syriza – ebenso im Übrigen wie den meisten der europäischen #thisisacoup-Empörten – an inhaltlicher Stärke und an Mut. Ein von Griechenland selbstbewusst eingeleiteter „Grexit“ zur Rettung und Wahrung des eigenen Anspruchs auf Souveränität und Würde hätte möglicherweise die Chance eröffnet, sich selbst, auf eigene Rechnung und in Eigenverantwortung langsam aus der Krise herauszuarbeiten. Stattdessen verhindert das verzweifelte wie verklärende Klammern am Euro um jeden Preis das Entstehen einer solchen politischen Perspektive.

Dass Tsipras bereit ist, für eine „Einigung“ mit Brüssel das griechische Wählervotum sausen zu lassen, offenbart den institutionellen Konservatismus, aus dem heraus der griechischen Politik nichts anderes einfällt, als unbedingt in der Eurozone verbleiben zu wollen – koste es, was es wolle. Mit dieser Haltung, aus der weniger eine politische Überzeugung als vielmehr die blanke Angst spricht, hat sich Syriza nun nahtlos in die Reihe der anderen europäischen Regierungen eingefügt. Tsipras lernt schnell: Für Regierungen, die sich vor dem Wählervotum oder vor dessen Umsetzung fürchten, ist die EU der ideale Rettungsschirm.

Für die Menschen in Griechenland bedeutet die „Einigung“ mit Brüssel eine Fortsetzung und Zuspitzung der Verelendungspolitik. Sie werden wohl zunächst „im Euro bleiben“, allerdings dürfte sich ihr Leben auch in den kommenden Jahren in einer Euro-freien Zone abspielen. Es ist durchaus vorstellbar, dass sich die Syriza-Regierung, sofern sie sich überhaupt halten kann und nicht freiwillig einer Notstandsregierung weicht, im Falle aufkommender Unruhen das eigene Volk auch mit Militärgewalt von der Alternativlosigkeit ihrer ängstlichen Euro-Politik zu überzeugen versuchen wird.

Die Europäische Union dürfte das wenig stören: Sie ist im Umgang mit autoritären Regierungen und auch mit Protektoraten wie auf dem Balkan bestens geübt. Entsprechende Notfallpläne dürften bereits in Brüsseler Schubladen liegen. Der Euro ist kein wirtschaftliches, sondern ein politisches Projekt, das die Vereinheitlichung Europas auf der Basis der Überwindung demokratisch legitimierter staatlicher Souveränität zum Ziel hat. Dazu muss der Euro vor den Europäern geschützt und diesen endlich die anachronistische Vorstellung ausgetrieben werden, sie könnten einfach so per Wahlen ihre Regierungen dazu bringen, selbst zu entscheiden. In dieser Hinsicht ist die Europäische Union tatsächlich einheitlich: Sie unterscheidet nicht zwischen Griechen, Iren, Litauern, Franzosen und Deutschen. Das sollte all jene bedenken, die heute noch auf die Griechen schimpfen und diese als Gefahr für die eigene Sicherheit betrachten.
Matthias Heitmann ist freier Autor. Ende Juli erscheint im TvR Medienverlag sein Buch „Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“. Seine Website findet sich auf http://www.zeitgeisterjagd.de. Dieser Text ist zuerst auf der Website BFT Bürgerzeitung erschienen.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/von_wegen_eu_staatsstreich_syriza_putscht_gegen_das_eigene_volk

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Das ist ein Putsch gegen die alte BRD

blogs.faz.net

Der Milliardär fordert die unumschränkte Freiheit, durch seine privaten Entschlüsse mit der Weltlage nach Gefallen zu schalten, ohne einen ethischen Maßstab als den des Erfolges. Er kämpft mit allen Mitteln des Kredits und der Spekulation den Gegner auf seinem Felde nieder. Der Trust ist sein Staat, seine Armee, und der politische Staat nicht viel mehr als sein Agent, den er mit Kriegen, wie dem spanischen und südafrikanischen, mit Verträgen und Friedensschlüssen beauftragt. Die Vertrustung der ganzen Welt ist das Endziel dieser echten Herrenmenschen.
Oswald Spengler, Preussentum und Sozialismus

Irland und Portugal. Das sind die beiden Länder der Eurozone, die in der Epoche des Zweiten Weltkriegs keine grösseren Probleme mit dem Vorgängerstaat der Bundesrepublik Deutschland und seinen Herrenmenschen hatten. Die Erfahrungen der anderen Nationen waren in höchstem Masse unerbaulich.

Es hat unendlich viel Arbeit im Grossen und Kleinen und viel Geld der USA gekostet, um nach 1945 mit den anderen Staaten Europas wieder so weit ins Reine zu kommen, dass sie sich auf eine Zusammenarbeit mit Deutschland eingelassen haben. Adenauer in Moskau, Brandt in Warschau, das sind nur die bekanntesten Beispiele dafür, wie man früher die Sache angepackt hat: Demütig. Überhaupt nicht als Herrenmensch. Und auch ein Helmut Kohl muss Maggie Thatcher dezent gefügig gemacht haben, die vor einem viertel Jahrhundert gegen die deutsche Wiedervereinigung arbeitete: Weil sie Angst vor zu viel Machtkonzentration in Berlin hatte. Man hat sie für ihre Ressentiments belächelt. Nach aussen hat man stets darauf geachtet, dass es schöne Erklärungen für die Geschichtsbücher gab. Adenauer und Brandt haben sich damit geschickt vermarktet, und sind vielleicht in besserer Erinnerung, als sie es verdient hätten. Aber die dezente äussere Erscheinung war in diesen historischen Momenten nicht unglaubwürdig.

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Das war nach der Wiedervereinigung keine Selbstverständlichkeit mehr. Das mussten jüngere Politiker erst wieder lernen. Mit Schmerzen. Ein gutes Beispiel sind die Verhandlungen über die „Entschädigung“ der bis dahin noch lebenden Zwangsarbeiter des Dritten Reiches. Da war Deutschland sehr nahe dran, weniger schöne Augenblicke für die Bücher zu fabrizieren. Damals wurde auf Zeit gespielt im Wissen, dass die Zeit für die Überlebenden ablief. Die deutschen Vertreter überzogen es, bis man in den betroffenen Ländern und überall, wo die Nazis waren und ausbeuteten, diesen weitgehend vergessenen Bereich aufarbeitete. Die Regierung Schröder/Fischer war dann so klug, den Nutzen weiterer Verzögerungen gegen den internationalen Schaden der Geschichte abzuwägen und einen Schritt zu tun, der vielleicht nicht ganz makellos ist, aber deutlich besser als, sagen wir mal

– ein Bild mit bewusst positiv aufgeladener Pickelhaube auf dem Kopf eines deutschen Regierungschefs.

– der es dann auch noch so weit treibt, dass in der New York Times steht, hier geschehe ein Staatsstreich gegen ein souveränes Land.

So etwas kommt in keinem Land, in dem die deutsche Wehrmacht hauste, gut an. Da gibt es nämlich neben Brandt und Adenauer noch ganz andere Erinnerungen an die Deutschen, so übel, dass daneben die hauseigenen Nazis und Kollaborateure wie Mussolini, Metaxas, Quisling, Horthy, Mosley und Franco wie Chorknaben wirken.

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Für Schröder und Fischer war es ein primäres Ziel, genau so einen Pickelhauben-Eindruck zu vermeiden. Sie wollten – unter deutlichem Druck – nicht wie die überlegene Wirtschaftsmacht erscheinen, die berechtigte Forderungen wegwischt, als wären es lästige, dreiste Bittsteller. Sie taten es, weil eine einsichtige und taktisch kluge BRD ganz andere Ziele zu erreichen in der Lage ist, als ein Pickelhauben tragendes Zerrbild eines autoritären Staates deutschen Wesens. Nach innen mögen Politiker wie Franz-Josef Strauss auch anders gepoltert haben. Nach aussen haben sich aber die meisten Politiker enorme Mühe gegeben und keine Kosten gescheut, um mit Wilhelm-Zwo-Preussen und Drittem Reich zu brechen. Dazu hat man das Goethe-Institut in die Welt geschickt und Städtepartnerschaften geschlossen – um mal ein Beispiel zu erzählen: Vor zwei Wochen habe ich von einem älteren Herrn in Schweinfurt ein französisches Rennrad gekauft. Er hat das vor 20 Jahren nur erworben, um damit mit einer Gruppe in die französische Partnerstadt zu radeln. Leute tun so etwas. Ohne Zwang, ohne finanziellen Profit, ohne offizielle Repräsentanten, ohne Hintergedanken. So war das in der BRD und in Europa.

Jetzt hat eine Boulevardzeitung Merkel mit einer Pickelhaube gekrönt und das europäische Volk lernt gerade, was „die heimliche Herrscherin Europas“ in der Realität bedeutet: Ultimaten, um überhaupt in Verhandlungen einzusteigen und Gesetze, die in Brüssel geschrieben werden, und in drei Tagen durch das Parlament der Griechen gebracht werden sollen. Nur um „Vertrauen herzustellen“. Wie demütigend die Verhandlungen dann selbst ausgehen, ist unklar.

Für geschichtsbewusste Deutsche ist es diesmal schwierig, eine formschöne Antwort zu finden, wenn andere Länder morgen Begriffe wie „Kanonenbootpolitik“ verwenden. Oder „Münchner Abkommen“. Oder daran erinnern, dass Anweisungen für zu erlassende Gesetze in anderen Ländern zumindest in Westeuropa aus gutem Grund nach 1945 nicht mehr üblich sind. Auslieferung von Vermögenswerten, Eingriffe in die Tarifautonomie und Sozialgesetzgebung sind, wenn ich an dieser Stelle daran erinnern darf, durch die Europapolitik der deutschen Besatzer nicht minder historisch kontaminiert. Natürlich geht es hier nicht um eine militärische Besatzung, sondern um die Rettung einer Gemeinschaftswährung, und es treten nicht nur die Deutschen brutal auf, sondern auch die Regierungen der früher auch nicht gerade deutschfeindlichen Finnen und Litauer. Und natürlich kann der Zweck in den Augen von Technokraten sogar solche Pickelhauben-Mittel für das grosse Ziel des Euro heiligen. Trotzdem: „Vertraut uns“, war das Credo der deutschen Europapolitik der letzten 70 Jahre. „Befolgt unsere Anweisungen, wenn ihr wollt, dass wir euch vertrauen“, ist das neue Motto, und leider ähnelt es dem, was davor unter dem Joch der Deutschen in Konflikten üblich war. Das deutsche „Nie wieder“ hat ein Kleingedrucktes mit Ausnahmen bekommen, heute Nacht in Brüssel, und es könnte von Oswald Spengler geschrieben sein.

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Zu diesem Zwecke hat die deutsche Nation eine Pickelhaube und einen Burgfrieden zwischen den grossen Parteien und Ultimaten und eigentlich unannehmbare Forderungen auf dem Balkan – die Völker Europas können es sich heraussuchen, zu welcher schrecklichen Epoche der deutschen Geschichte sie hier Ähnlichkeiten sehen wollen. Wir liefern sie en gros und en detail frei Haus und so, wie man das aus der Geschichte kennt: Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Gnade, ohne Grossmut, begleitet von Medien im „Serbien muss sterbien“-Stil. Wir achten weder die anderen noch auf das, was in den letzten 70 Jahren an Vertrauen zu unserem eigenen Nutzen mühsam aufgebaut wurde, um dem Kontinent unser Diktat aufzuzwingen. Niemand ist in Moskau mit Adenauer, niemand ist in Warschau mit Brandt so umgegangen, wie wir jetzt mit den Griechen umgehen.

Das ist nicht nur ein massiver Schaden für das in sieben Jahrzehnten aufgebaute Billionenprojekt des neuen Europa. Es ist nicht nur eine bittere Ironie für eine Gemeinschaft, die noch vor Kurzem den Friedensnobelpreis bekam. Es riecht nicht nur nach Napalm der zur Unkenntlichkeit verbrannten Ideale am Morgen. Für diese letzte Nacht in Brüssel werden die Griechen kurzfristig so oder so einen hohen Preis zahlen. Pleite oder Kapitulation und Protektorat, das ist unser Angebot an die Griechen, und für den Rest des Kontinents gibt es keinen Brandt auf Knien mehr, sondern Pickelhauben-Merkel.

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Es ist der Beginn einer neuen Epoche. Die alte war nett, angenehm und lieferte schöne Geschichten des Wohlstands für dieses Blog. Es war ein hübsches Europa für Tee und Kuchen und Gespräche über Thomas Mann. Niemand hatte die Absicht, über Oswald Spengler zu diskutieren. Wir sind gut damit gefahren, auch wenn es nicht immer ganz billig war. Es hat sich für uns langfristig gelohnt.

This is a coup. Das ist ein Putsch gegen Griechenland. Und gegen die alte BRD.

http://blogs.faz.net/stuetzen/2015/07/13/das-ist-ein-putsch-gegen-die-alte-brd-5404/

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Remember: Do X! Don´t do Y!

Protect innocent, respect life, defend art, preserve creativity!

What´s Left? Antisemitism!

http://www.jsbielicki.com/jsb-79.htm

Psychoanalytische Arbeitsstation

DJ Psycho Diver Sant – too small to fail
Tonttu Korvatunturilta Kuunsilta JSB
Tip tap tip tap tipetipe tip tap heija!
http://www.psychosputnik.com
http://www.saatchionline.com/jsbielicki
https://psychosputnik.wordpress.com/

They want 1984, we want 1776

They are on the run, we are on the march!
I think for food

molon labe

Dummheit ist, wenn jemand nicht weiß, was er wissen könnte.

Dummheit äußert sich heute als empörter Moralismus.

Werte ohne Einfühlungsvermögen sind nichts wert.

Manche Menschen fühlen physischen Schmerz, wenn sie ihre gewohnten Vorstellungen zugunsten der Realität korrigieren sollen, sie wenden ihre gesamte Intelligenz mit Unterstützung ihrer Agressivität auf, um die Realität nicht zu erkennen und ihr Selbstbild unverändert beizubehalten.

Immer mehr fühlen, immer weniger denken – Der Mensch unterscheidet sich vom Tier nicht durch Gefühle, denn Säugetiere haben die gleichen Gefühle, wie der Mensch: Trauer, Angst, Wut, Liebe, sondern durch sein Denken. Wenn er denkt, falls er denkt.

Political correctness ist, wenn man aus Feigheit lügt, um Dumme nicht zu verärgern, die die Wahrheit nicht hören wollen.

Wer „ich will frei sein“ sagt, und es sagen viele, der ist ein Idiot. Denn das höchste was der Mensch als Freiheit haben kann, ist die Freiheit, seine Pflicht frei zu wählen.

“Im Streit um moralische Probleme, ist der Relativismus die erste Zuflucht der Schurken.“ Roger Scruton

Es sind dieselben, die behaupten, das Geschlecht wäre nicht biologisch angeboren, sondern nur ein sozialer Konstrukt, und zugleich daß die Homosexualität kein sozialer Konstrukt wäre, sondern biologisch angeboren.

Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt.

„Es gibt zwei Dinge“, so wußte Hitler schon 1923, „die die Menschen vereinigen können: gemeinsame Ideale und gemeinsame Kriminalität“ .

Nach der gewaltsamen Beendigung des Mordens durch die Alliierten waren die Deutschen (und sind es bis heute geblieben) noch deutscher als zuvor.

„Der Staat sind wir“: Dies Credo der Sozialdemokratie Ferdinand Lassalles war die Wahrheit der Volksgemeinschaft, und der Nazismus war die vermittlungslose Basisdemokratie der Deutschen.

Die Demokratie der Bürger ist die interessierte Demutsadresse an den autoritären Staat.

„Die deutsche Nation ist das Apriori dieser seltsamen Wissenschaft, die

vorgibt, nichts zu kennen als Quellen, Quellen und nochmals Quellen, nichts als das

lautere Plätschern der Tatsachen und das ungetrübte Sprudeln der Empirie. Die

Quelle aber ist der Historie, was der Jurisprudenz das Indiz: Spielmaterial, bloße

Illustration des Systemzwangs zum Rechtsfrieden, d.h. empirische Legitimation der

vorab existenten letzten Instanz, an der jede Berufung aufhört und jede Revision

endet. Egal, wer Recht hat, solange nur Recht ist; was immer die Quellen sagen,

ein Beweis gegen die Nation wird sich daraus nie und nimmer folgern lassen.“ (…)

„Historische Wahrheit wird nach dem Modell von Meinungsumfragen vorgestellt;

kein Sample jedoch wird je repräsentativ genug sein,

um der deutschen Nation als solcher die Taten der Nazis zuzurechnen.

Die juristische Methode dieser seltsamen Wissenschaft, die sich die Behandlung der

Geschichte anmaßt, weiß so überaus sorgfältig zwischen Intention und Resultat zu

scheiden, daß der einzig noch mögliche Weg historischer Wahrheitsgewinnung, der

allerdings leider ausgeschlossen ist, Psychoanalyse wäre.“ – Joachim Bruhn

Da die Psychoanalyse heute auch nur noch ein korruptes Racket ist, würde sie nicht helfen.

 

Je verkommener eine menschliche Kreatur, desto eher fühlt sie sich beleidigt, respektlos behandelt, in ihrer Ehre verletzt.

Der Nicht-Antisemit ist ein Antisemit, der nach der derzeitigen deutschen Rechtsprechung, Israel, Juden diffamiert, diskriminiert, delegitimiert, jedoch nicht expressis verbis das Ziel der dritten Reichs, den Holocaust, die Judenvernichtung, befürwortet.

Aus Deutschland erreicht mich „tiefe Sorge um den Friedensprozess“. Vorsicht: Wo ist es im Nahen und Mittleren Osten derzeit so friedlich und vergleichsweise gewaltarm wie in Israel? Wo leben Araber derzeit sicherer als in Israel? Wo haben sie besseren Zugang zu Bildung, Arbeit, Konsum und medizinischer Versorgung? – Götz Aly

Islam ist weniger eine Religion und mehr eine totalitäre Gesellschaftsordnung, eine Ideologie, die absoluten Gehorsam verlangt und keinen Widerspruch, keinerlei Kritik duldet und das Denken und Erkenntnis verbietet. Der wahre Islam ist ganz anders, wer ihn findet wird eine hohe Belohnung erhalten.

Der religiöse Rassismus der Islamisten, der den völkischen Rassismus der Nazis ersetzt hat, erklärt Allah zum Führer und die Jihadisten zu seiner privilegierten Kampftruppe: Wenn man so will, zu Allahs SS. Der Zusammenhalt dieser Kampftruppe wird über die Jenseitserwartung von Hölle und Paradies, also über das Instrument der religiösen Angst, sichergestellt. Diese Selbstbildfantasie der Islamisten ist mit ihrer (zumeist antijüdischen) Feindbildfantasie untrennbar verknüpft. – Matthias Küntzel

Wahnsinn bedeute, immer wieder das gleiche zu tun, aber dabei stets ein anderes Resultat zu erwarten.

Gutmenschen sind Menschen, die gut erscheinen wollen, die gewissenlos das Gewissen anderer Menschen zu eigenen Zwecken mit Hilfe selbst inszenierter Empörungen instrumentalisieren.

Irritationen verhelfen zu weiteren Erkenntnissen, Selbstzufriedenheit führt zur Verblödung,

Wenn ein Affe denkt, „ich bin ein Affe“, dann ist es bereits ein Mensch.

Ein Mensch mit Wurzeln soll zur Pediküre gehen.

Wenn jemand etwas zu sagen hat, der kann es immer sehr einfach sagen. Wenn jemand nichts zu sagen hat, der sagt es dann sehr kompliziert.

Sucht ist, wenn jemand etwas macht, was er machen will und sucht jemand, der es macht, daß er es nicht macht und es nicht machen will.

Sollen die Klugen immer nachgeben, dann wird die Welt von Dummen regiert. Zu viel „Klugheit“ macht dumm.

Wenn man nur das Schlechte bekämpft, um das Leben zu schützen, bringt man gar nichts Gutes hervor und ein solches Leben ist dann nicht mehr lebenswert und braucht nicht beschützt zu werden, denn es ist dann durch ein solches totales Beschützen sowieso schon tot. Man kann so viel Geld für Versicherungen ausgeben, daß man gar nichts mehr zum Versichern hat. Mit Sicherheit ist es eben so.

Zufriedene Sklaven sind die schlimmsten Feinde der Freiheit.

Kreativität ist eine Intelligenz, die Spaß hat.

Wen die Arbeit krank macht, der soll kündigen!

Wenn Deutsche über Moral reden, meinen sie das Geld.

Ein Mensch ohne Erkenntnis ist dann  lediglich ein ängstlicher, aggressiver, unglücklicher Affe.

Denken ist immer grenzüberschreitend.

Der Mob, der sich das Volk nennt, diskutiert nicht, sondern diffamiert.

Legal ist nicht immer legitim.

Wer nicht verzichten kann, lebt unglücklich.

Sogenannte Sozial-, Kultur-, Geisteswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Psychotherapie, Psychoanalyse, sind keine Wissenschaften mehr, sondern immanent religiöse Kultpropheten, organisiert wie Sekten. Es sind Sozio-, Pädago- und Psychokratien, Rackets, die Erkenntnis nicht fördern, sondern verhindern.

Ohne eine starke Opposition atrophiert jede scheinbare Demokratie zur Tyrannei, und ebenso eine Wissenschaft, zur Gesinnung einer Sekte.

Man kann alles nur aus gewisser Distanz erkennen, wer sich ereifert, empört, wer mit seiner Nase an etwas klebt, der hat die Perspektive verloren, der erkennt nichts mehr, der hat nur noch seine Phantasie von der Welt im Kopf. So entsteht Paranoia, die sich Religion, und Religion als Politik, sogar als Wissenschaft nennt.

Islamisten sind eine Gefahr, deswegen werden sie als solche nicht gesehen. Juden sind keine Gefahr, deswegen werden sie als solche gesehen. So funktioniert die Wahrnehmung von  Feiglingen.

Humorlose Menschen könner nur fürchten oder hassen und werden Mönche oder Terroristen.

Menschen sind nicht gleich, jeder einzelne Mensch ist ein Unikat.

Erkenntnis gilt für alle, auch für Muslime, Albaner, Frauen und Homosexuelle.

Islam gehört zu Deutschland, Judentum gehört zu Israel.

Der Konsensterror (Totalitarismus) ist in Deutschland allgegenwärtig.

Es wird nicht mehr diskutiert, sondern nur noch diffamiert.

Es ist eine Kultur des Mobs. Wie es bereits gewesen ist.

Harmonie ist nur, wenn man nicht kommuniziert.

Man soll niemals mit jemand ins Bett gehen, der mehr Probleme hat, als man selbst.

>>Evelyn Waugh, sicherlich der witzigste Erzähler des vergangenen Jahrhunderts, im Zweiten Weltkrieg, herauskommend aus einem Bunker während einer deutschen Bombardierung Jugoslawiens, blickte zum Himmel, von dem es feindliche Bomben regnete und bemerkte: “Wie alles Deutsche, stark übertrieben.“<< Joseph Epstein

Man muß Mut haben, um witzig zu sein.

Dumm und blöd geht meistens zusammen.

Charlie Hebdo: solche Morde an Juden sind euch egal, mal sehen wie”angemessen”  ihr reagiert, wenn (wenn, nicht falls) eure Städte von Islamisten mit Kasam-Raketen beschossen werden.

Christopher Hitchens großartig: „In einer freien Gesellschaft hat niemand das Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Je mehr sich jemand narzisstisch aufbläht, desto mehr fühlt er sich beleidigt und provoziert.

“Das Problem mit der Welt ist, daß die Dummen felsenfest überzeugt sind und die Klugen voller Zweifel.” – Bertrand Russel

Das Problem mit den Islamisten in Europa soll man genauso lösen, wie es Europa für den Nahen Osten verlangt: jeweils eine Zweistaatenlösung, die Hälfte für Muslime, die andere Hälfte für Nicht-Muslime, mit einer gemeinsamen Hauptstadt.

Was darf Satire? Alles! Nur nicht vom Dummkopf verstanden werden, weil es dann keine Satire war.

Islamimus ist Islam, der Gewalt predigt.

Islam ist eine Religion der Liebe,und wer es anzweifelt, ist tot.

Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke. Der Islam ist die friedliche Religion der Liebe George Orwell 2015

Islam ist verantwortlich für gar nichts, Juden sind schuld an allem.

Islamisten sind Satanisten. Islamismus ist eine Religion von Idioten.

Leute fühlen sich immer furchtbar beleidigt, wenn man ihre Lügen nicht glaubt.

Jeder ist selbst verantwortlich für seine Gefühle.

Die Psychoanalyse geht niemanden außer den Psychoanalytiker und seinen Patienten etwas an, und alle anderen sollen sich verpissen.

“Zeit ist das Echo einer Axt
im Wald.
Philip Larkin, Gesammelte Gedichte

Wenn jemand wie Islamisten sein Ego endlos aufbläht, dann verletzt er seine eigenen Gefühle schon morgens beim Scheißen.

„Die sieben Todsünden der modernen Gesellschaft: Reichtum ohne Arbeit Genuß ohne Gewissen Wissen ohne Charakter Geschäft ohne Moral Wissenschaft ohne Menschlichkeit Religion ohne Opfer Politik ohne Prinzipien.“
―Mahatma Gandhi

„Wo man nur die Wahl hat zwischen Feigheit und Gewalt, würde ich zur Gewalt raten.“
―Mahatma Gandhi

Warum zeigt sich Allah nicht? Weil er mit solchen Arschlöchern nichts zu tun haben will.

„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus’. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus’.”  – Ignazio Silone

Politische Korrektheit verlangt eine Sprache für ein Poesiealbum.

Psychoanalyse ist frivol, oder es ist keine Psychoanalyse.

Bunte Vielfalt, früher: Scheiße

Was der Mensch nicht mehr verändern, nicht mehr reformieren kann, ist nicht mehr lebendig, sondern sehr tot. Was tot ist, das soll man, das muß man begraben: Religion, Ehe, Romantizismus, etc.

Romantik ist scheiße.

Die Realität ist immer stärker als Illusionen.

Deutschland gestern: der Wille zur Macht.
Deutschland heute: der Wille zur Verblendung.
Deutschland morgen: 德國

Deutsche Psychoanalyse? Großartig, wie deutscher Charme, deutscher Humor und deutscher Esprit.

Der Widerstand fängt mit einer eigenen, anderen Sprache als die der Diktatur.

Smart phones for stupid people.

Ein Linker kann, muß aber nicht dumm sein.

Wenn man ganzen Staaten nicht übel nimmt, wenn sie mit Millionen Opfern Selbstmord begehen, warum dann einem Co-Piloten mit 149 Toten?

Nur die Reinheit der Mittel heiligt den Zweck.

Ein extremer Narzißt ist ein potentieller Terrorist, und jeder Terrorist ist ein extremer Narzißt.

Islamisierung bedeutet Verblödung.

…der hiesige Autoritarismus (ist) einer ohne Autorität und der hiesige Konventionalismus einer ohne Konventionen. Schon bei den Nazis war nicht das Wort des Führers Befehl, sondern sein Wille, den der kongeniale Volksgenosse erahnte. Nie hätte der Nationalsozialismus funktioniert, hätte den Deutschen jede ihrer Missetaten bei Strafandrohung befohlen werden müssen. Anders, als es das Wort vom „Befehlsnotstand“, von der „Gleichschaltung“ oder vom „Führer“ selber glauben machen will, herrschte das NS-System durch Gehorsam ohne Befehl. (W. Pohrt, Der Weg zur inneren Einheit)

Der faschistische Sozialpakt existiert im bundesdeutschen Postfaschismus weiter als eine im Resultat aufgehobene Voraussetzung, die unmittelbar keine Spur ihrer gewaltförmigen Durchsetzung mehr an sich trägt: umso besser kann diese Tatsache verleugnet und der Nationalsozialismus als das Verbrechen einiger Irrer, als „Unrechtsstaat“, als „das Schlimmste, das Menschen einander je angetan haben“ exorziert werden. Diese Lebenslüge der BRD ist das Fundament aller demokratischen „Vergangenheitsbewältigung“, jenes kollektiven Beschweigens des Nationalsozialismus, das durchaus auch die Form enervierender Redseligkeit annehmen kann. Weil das postfaschistische Deutschland in institutioneller wie personeller Hinsicht in Kontinuität zu seinem Vorgänger steht, muß ausnahmslos jeder Versuch einer Vergangenheitsbewältigung innerhalb des sich weiterschleppenden Systems zur symbolischen Distanzierung, zum substanzlosen Gestus geraten. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Deutschen einen schier unerschöpflichen Vorrat an größeren und kleineren Entlastungslügen angelegt, aus dem sie sich je nach Gelegenheit und Bedarf bedienen. Danach war das nationalsozialistische System wahlweise das Werk von Hitler höchstpersönlich, einer kleinen Verbrecherclique und ein paar Helfershelfern oder des Monopolkapitals und seiner Schergen. Otto Normalvergaser jedenfalls hat „von alledem nichts gewußt“, war „im Grunde auch dagegen“ oder „konnte gar nicht anders handeln“, weil „Befehlsnotstand“ herrschte und man im Falle des Zuwiderhandelns sofort „ins KZ gekommen“ wäre. “ (…) „Heute haben die Verbreitung des Gerüchts und die Verbreitung der Neidbeißerei neue, technische Möglichkeiten. Sie können sich über das Internet und diverse Subnetzwerke und Blogs rasend verbreiten und auch auf die Politik einen Druck erzeugen, sich ihnen zu beugen. Die gesellschaftliche Mobilmachung wirkt so wieder auf die Politik zurück. Sie muss sich den entsprechenden Stimmungen beugen, weil sonst die Wiederwahl gefährdet würde. Die Devise »Ich bin ihr Führer, also muss ich ihnen folgen«, bleibt auch im zerfallenen Postnazismus das prinzipienlose Grundprinzip von Herrschaft.“ (…) Spezialisierung und Diversifikation sind die zeitgemäße Erscheinungsform von Vermassung und Uniformität. (…) 1 x 1 materialistischer Kritik: es  muss darum gehen, Erscheinungen in eine Konstellation zu bringen, in der sie lesbar werden. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. Und weil gerade die Entfernung vom Nazismus die Nähe zu ihm verbürgt, waren und sind das diejenigen, die in Personensache am wenigstens mit Nazifaschistischem in Verbindung zu bringen sind, die Linksradikalen, die Linksliberalen, die Linken, die Antifaschisten, die entschiedensten Schrittmacher dafür, dass der anfangs noch gar nicht wirklich übergreifende postnazistische Fundamentalkonsens tatsächlich totalisiert und auf die Höhe der Zeit gebracht werden konnte. Die Nazis und die Rechten hingegen waren für diesen Vorgang nur von unterordnetem Belang. Sie standen immer schon für eine in ihrer konkreten Ausprägung gestrige Gesellschaftsformation und deshalb ging von ihnen auch nie eine ernsthafte Gefahr eines neuen Faschismus aus. Diese Totalisierung der Gemeinschaft der Demokraten, die hauptsächlich die Linke mit herbeigeführt hat, ist allerdings identisch und das zeigt sich heute mit ihrem Zerfall. Dieser wiederum ist im Selbstwiderspruch der postnazistischen Vergesellschaftung angelegt, in der der bereits erwähnte nazistische Kurzschluss von Staaten Subjekt im Modus permanenter Mobilmachung in den politökonomischen Formen im Doppelsinne aufgehoben ist. Seiner Substanz nach anerkannt und aufbewahrt, wie vorerst suspendiert und seiner Verlaufsform nachgezügelt. Also statt den Blockwarten gab es Aktenzeichen XY, da durfte sich jeder dann auch telefonisch dran beteiligen, aber richtige Jagdszenen gab es in der alten Bundesrepublik nicht oder nur in Ausnahmefällen. Taxiert selbst zu Zeiten der Prosperität jeder insgeheim seinen Erwerb als verkappte Arbeitslosenunterstützung, so mobilisiert die Krise der postnazistischen Vergesellschaftung erst Recht die Sehnsucht nach der alten Staatsunmittelbarkeit. Johannes Agnoli schrieb dazu schon in der Transformation der Demokratie 1966: „Der präfaschistisch liberale Ruf nach dem starken Staat wiederholt sich postfaschistisch neoliberal“. Und damit gerät das ganze System des autoritären Etatismus und geraten letzten Endes die politökonomischen Vermittlungen als solche wieder ins Visier des Volkszorns und es war wiederum die Linke, die noch zu Zeiten, wo keine Krise in Sicht war, im sinistren Tram nach Liquidation der Vermittlungen die Zunge gelöst und ihm neue fantasievolle und kreative, wie es so schön heißt, Äußerungsformen zur Verfügung gestellt hat. Sie war das Laboratorium, in dem die allgemeine Mobilmachung eingeübt und jener darauf zugeschnittenen neue und zugleich sehr alte Sozialcharakter herangebildet wurde, indem sich mittlerweile eine Mehrheit spontan wieder erkennt. Derjenige Sozialcharakter, der nach dem Motto „Ich leide, also bin ich“ sich einerseits unter Berufung auf die höchst unverwechselbare Diskriminierung, die ihm angeblich wiederfährt, zur kleinsten existierenden Minderheit erklärt, sich gleichsam nach dem Muster verfolgter und in ihrer Kultur bedrohter Völker begreift und andererseits als Gegensouverän seine private, warnhafte Feinderklärung allen anderen oktroyieren möchte und diesem Zweck entweder vorhandene gesellschaftliche Organisationen zu Rackets umfunktioniert, neue Rackets gründet oder andere Rackets mit ins Boot holt. Der einstige demokratische Fundamentalkonsens wird dadurch einerseits ins einzelne Subjekt zurückverlagert und andererseits vermittlungslos verallgemeinert. Aus der formell kollektiven Feinderklärung der Mitte gegen die Extreme, das war der Normalfall in der Bundesrepublik bis weit in die 80er Jahre, Terroristenhasse, einige werden sich noch daran erinnern. Aus dieser kollektiven Feinderklärung der gesellschaftlichen Mitte gegen die Extreme wird also die pluralisierte Feinderklärung alle gegen alle, die getrennt vereint sich zusammenrotten und auf diese Weise zerfällt die Gemeinschaft der wehrhaften Demokraten und reorganisiert sich zugleich hin zu zerfallen. Ein Zitat von Wolfgang Port in einem anderen Zusammenhang macht es sehr schön deutlich: „Wie durch höhere Gewalt sondern sich die Langen von den Kurzen, die Weiblichen von den Männlichen, die Alten von den Jungen, die Dicken von den Dünnen ab“ und das Resultat ist eine Segregation und Ghettoisierung durch welche die Metropolen, einem riesigen Freiluftgefängnis mit seinen Unterabteilungen für Männer und Frauen, Jugendliche, Kranke, Alte, Port schreibt etc., man könnte noch Schwule und Lesben und Migranten und was weiß ich noch alles ergänzen, Protestanten, Katholiken, Ossis, Wessis, immer ähnlicher werden. Neu ist, dass dieses Freiluftgefängnis als eine kulturelle Einrichtung und seine Insassen als Kulturbotschafter begriffen werden und es ist diese nahezu flächendeckende Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mehrheit und der einzelnen Individuen in ihr, die in der Postmoderne ihr bewusstloses Selbstbewusstsein und ihre Legitimation erfährt und im antirassistischen PC-Sprech sich ihren Ehrenkodex schafft, ihre Omertà, die sich an ihresgleichen und die verbliebenen Kritiker draußen richtet, Islamophobie ist ihr derzeit aktuellstes Schlagwort. Dieser Vorgang, diese Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mitte und ihr Zerfall ist also die Bedingung der neuen Haltung Ausländern und Migranten gegenüber, an denen die Deutschen projektiv ihre ersehnte Regression auf den Stamm illustrieren. Was ihnen umso leichter gelingt, als manch ihrer Repräsentanten und Lobbyisten sich anschicken, genau dem Bilde zu gleichen, das die Deutschen sich seit jeher von ihnen machten und wofür sie von ihnen jetzt nach kollektiv und offiziell ins Herz geschlossen werden. Der mittlerweile zur Dauereinrichtung erklärte Karneval der Kulturen ist nichts anderes als ein Zerfallsprodukt der postfaschistischen Demokratie, mehr noch, er ist diese Gemeinschaft in einer zugleich flexibilisierten und pluralisierten und kollektivierten Gestalt. In dieser Völkerfamilie, die die Deutschen gerne auf der ganzen Welt hätten, wären da nicht Israel und die USA als Störenfriede und die sie aus Mangel an Realisierungschancen deshalb erstmal bei sich zuhause einrichten, geht es dabei zu, wie in jeder guten Familie: Die einzelnen Mitglieder sind einander spinnefeind und die Widersprüche und Konflikte, die daraus resultieren, gehören auch voll und ganz dieser Vergesellschaftung an, sind von ihr konstituiert und dazu gehört ein fein dosiertes Spiel mit Fremdheit und Nähe, das von allen Beteiligten auch weiterhin gepflegt wird, weil damit ein moralisches Plus bei der Gefolgschaft eingefahren werden kann. (…) Der zweite Weltkrieg war ein kulturindustrielles Massenevent. (…) Eine neue Barbarei sei stets zu befürchten, wird sich nicht aus dem Geist Nationalsozialismus unmittelbar speisen, sondern im Gewande von demokratischem Antifaschismus von Lernen aus der Geschichte und political correctness daher kommen.(…) Abwehr des offenen Faschismus durch dessen demokratische Entnazifizierung und Eingemeindung. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. (…) Die postnazistische Demokratie hat  die nationalsozialistische Mobilmachung des „gesunden Volksempfindens“ zwar nicht abgeschafft, sondern nur sistiert – sie hat es aber andererseits auch in die Latenz abgedrängt und damit gebremst, indem sie es in die mediatisierende Form des bürgerlichen Repräsentationsprinzips zwängte.  (…) „Rassismus“ ist ein ideologisches Stichwort eines anti-rassistischen Rackets, das jeden Realitätsbezugs entbehrt, das seine Mitglieder vielmehr nur als Ausweis von Gesinnungsfestigkeit und Ehrbarkeit vor sich hertragen und das ihnen als probates Mittel dient, um nach Willkür und freiem Ermessen festzulegen, wer gerade als „Rassist“ zu gelten hat. Und dieses „anti-rassistische“ Racket, das sind heutzutage fast alle: längst ist die Gegnerschaft zum Rassismus keine Domäne der Linken mehr, sondern offizielle Staatsraison und common sense aller Ehrbaren und Wohlmeinenden, und das ist die erdrückende Mehrheit.  (…) Von der moralisierenden Aufdringlichkeit und der enervierenden Verlogenheit einmal abgesehen, ist die Ehrfurcht, die „anderen Kulturen“ entgegengebracht wird und die Unterwürfigkeit, mit der ihre Träger geradezu als Heilsbringer verehrt werden, keine Gegenposition zum Rassismus, sondern dessen logische wie historische Voraussetzung, die im Rassismus und allen naturalisierenden Ideologien als ein Moment überlebt: deren Grundmuster ist die projektive Bekämpfung dessen, was man selbst gern möchte, aber nicht erreichen kann, und deshalb gehört zur Diskriminierung der Neger wegen ihrer „Faulheit“ die Bewunderung für den „Rhythmus, den sie im Blut haben“ und die Achtung vor ihrer „sagenhaften Potenz“; somit ist der „Anti-Rassismus“ nichts weiter als die notwendige Kehrseite des Rassismus selbst, die sich von diesem abgespalten hat und gegen ihre eigene Grundlage wendet. Historisch jedenfalls geht die Wertschätzung fremder Kulturen ihrer späteren, „rassisch“ legitimierten Abqualifizierung voran und sie ist auch logisch deren Voraussetzung: Christoph Columbus etwa beschreibt in seinen Tagebüchern die Eingeborenen, die er 1492 auf den Bahamas, Cuba und schliesslich Haiti angetroffen hat, folgendermaßen: sie sind „ängstlich und feige“, „sehr sanftmütig und kennen das Böse nicht, sie können sich nicht gegenseitig umbringen“, „sie begehren die Güter anderer nicht,“ und er resümiert: „Ich glaube nicht, dass es auf dieser Welt bessere Menschen oder ein besseres Land gibt.“ (7)  (…) Protestantische Innerlichkeit: gemäß der Devise, dass vor der schlechten Tat der schlechte Gedanke und das schlechte Wort kommen, die man demzufolge austreiben muss, damit alles besser wird. (…) So kommt es, dass es heute der Anti-Rassismus ist, der, unter dem Vorwand, heldenhaft gegen einen in Wahrheit nicht existenten „Rassismus“ zu kämpfen, Respekt und Toleranz noch für die rückständigsten und unmenschlichsten Sitten und Gebräuche einfordert und damit selbst als Protagonist und Fürsprecher einer Verrassung der restbürgerlichen Gesellschaft fungiert.  (..) Die unterschiedliche Pigmentierung der menschlichen Haut ist eine objektive Gegebenheit, keine bloße Erfindung. (…) Rasse heute ist die Selbstbehauptung des bürgerlichen Individuums, integriert im barbarischen Kollektiv. (…) Der nervige Sozialcharakter des Gutmenschen ist offenbar eine fast zeitlose Erscheinung und in den verschiedensten Lebensbereichen anzutreffen, die Wahrscheinlichkeit, ihm in fortschrittlichen sogenannten „politischen Zusammenhängen“ zu begegnen, ist besonders hoch: werden doch hier traditionell die altruistischen Tugenden – das Mitgefühl, die Solidarität, Selbstlosigkeit etc. – besonders hoch angeschrieben und deshalb sind sie das geeignete Betätigungsfeld für Sozialcharaktere, die sich als Ersatz für ihr eigenes ungelebtes Leben vorzugsweise mit dem Leiden anderer als Fetisch verbinden. (…) Es sind aber gerade die höchsten Tugenden, die die niedersten Instinkte decken, wie schon Marx wusste: „Bis jetzt hat der Mensch sein Mitgefühl noch kaum ausgeprägt. Er empfindet es bloß mit dem Leiden, und dies ist gewiss nicht die höchste Form des Mitgefühls. Jedes Mitgefühl ist edel, aber das Mitgefühl mit dem Leiden ist die am wenigsten edle Form. Es ist mit Egoismus gemischt. Es neigt zum Morbiden […] Außerdem ist das Mitgefühl seltsam beschränkt […] Jeder kann für die Leiden eines Freundes Mitgefühl empfinden, aber es erfordert […] das Wesen eines wahren Individualisten, um auch am Erfolg eines Freundes teilhaben zu können. (…) Und da jeder demonstrative Altruismus nicht nur einen kleinlichen Egoismus bemäntelt, sondern auch mit dem Anspruch des Idealisten einhergeht, erzieherisch auf das Objekt seiner Zuwendung einzuwirken, ist er die adäquate Ideologie von Rackets, und auch das ist Wilde nicht entgangen: Barmherzigkeit, so schreibt er, sei die „lächerlich unzulängliche Art der teilweisen Rückerstattung oder ein sentimentales Almosen, gewöhnlich verknüpft mit dem skandalösen Versuch des rührseligen Spenders, auf (das) Privatleben (der Armen) Einfluss zu nehmen. (…) Im totalisierten Zugriff auf die ihr Unterworfenen ist die sozialistische Bewegung bis auf den heutigen Tag ebenfalls als ein Racket des Tugendterrors anzusprechen, betrachtet sie es doch als ihre Aufgabe, das Proletariat oder das gerade angesagte Subjekt seiner „wahren Bestimmung“ zuzuführen und d.h. es im Sinne der von ihm zu realisierenden Ideale zu erziehen – und das bedeutet stets noch: ihm die Untugenden und Laster auszutreiben, die der Vorhut als Male der individualistischen Bürgerwelt erscheinen: etwa Alkoholabusus, Faulenzerei, „zerrüttete“, „unsittliche“ Verhältnisse zwischen den Geschlechtern etc. Und um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen die selbsternannten Vertreter der Klasse die von ihnen verfochtenen Tugenden in eigener Person glaubwürdig verkörpern und deshalb in einer noch rigideren Weise als der gemeine Bürger sich als Subjekte zurichten, d.h. ihre Individualität dem Allgemeinen (dem Kollektiv, der Klasse, dem Frieden etc.) opfern, um totale Identität mit ihm zu erlangen. Wenn Identität letzten Endes den Tod bedeutet, dann hat die Bemühung um sie vorzeitige Erstarrung und prämortale Leblosigkeit zur Folge – von daher die bis in die Gegenwart zu beobachtenden verhockten, verkniffenen und lauernden Mienen aller professionellen Menschheitsbeglücker, ihre rigide Zwangsmoral und durchgängige Humorresistenz, die immergleichen offiziösen Phrasen, die sie dreschen, die tödliche Langeweile, die von ihnen und ihrem penetranten Sendungsbewusstsein ausgeht, und ihr chronisches Beleidigtsein, wenn sie beim Gegenüber auch nur den Hauch eines Zweifels an ihrer aufgetragenen Gutartigkeit zu erspüren glauben. Und zu alldem glauben diese Leute sich auch noch ermächtigt, diese ihre trostlose Existenz zur verbindlichen Richtschnur für alle anderen zu erklären.“ – Clemens Nachtmann

„Die rebellische Haltung, vor einem Jahrzehnt noch das Privileg von Einzelgängern, ist heute Ausdruck des Konformismus. Man will dazugehören, nicht als Schlappschwanz gelten“ – Horkheimer

„Die Demokratie ist nichts weiter als die Herrschaft des Knüppels über das Volk durch das Volk für das Volk. (…) Es gibt drei Arten von Despoten: den Despoten, der den Leib knechtet, den Despoten, der die Seele knechtet und den Despoten, der Leib und Seele zugleich knechtet. Der erste heißt Fürst. Der zweite heißt Papst. Der dritte heißt das Volk. (..) Wer das Volk führen will, ist gezwungen, dem Pöbel zu folgen“ (…) „Man hört immer wieder, der Schulmeister sterbe aus. Ich wünschte beileibe, dem wäre so. Aber der Menschentypus, von dem er nur ein und gewiss noch der harmloseste Vertreter ist, scheint mir wahrhaftig unser Leben zu beherrschen; und wie auf ethischem Gebiet der Philanthrop die größte Plage ist, so ist es im Bereich des Geistes derjenige, der so sehr damit beschäftigt ist, andere zu erziehen, dass er nie Zeit gehabt hat, an seine eigene Erziehung zu denken […] Wie schlimm aber, Ernest, ist es, neben einem Menschen zu sitzen, der sein Leben lang versucht hat, andere zu erziehen! Welch eine grausame Tortur! Was für eine entsetzliche Borniertheit, die unvermeidlich aus der fatalen Gewohnheit resultiert, anderen seine persönlichen Überzeugungen mitteilen zu wollen! Wie sehr dieser Mensch durch seine geistige Beschränktheit auffällt! Wie sehr er uns und fraglos auch sich selbst anödet mit seinen endlosen Wiederholungen und seiner krankhaften Besserwisserei! Wie sehr er jedes Anzeichen geistigen Wachstums vermissen lässt! Wie verhängnisvoll ist der Kreis, in dem er sich unablässig bewegt.“ – Oscar Wilde
„Was die Menschheitsbeglücker in Wahrheit bewirken, ist ihr eigener moralischer Selbstgenuss in der angemaßten oder tatsächlichen Herrschaft über andere, aber gerade nicht die praktische Lösung der Dinge, um die es ihnen vorgeblich so selbstlos zu tun ist: „In den Augen des Denkers allerdings liegt der wahre Schaden, den das moralische Mitgefühl anrichtet, darin, dass es unser Wissen begrenzt und so verhindert, dass wir auch nur eines unserer sozialen Probleme lösen.“ (Wilde) Das Selbstopfer fürs Kollektiv erweist sich nicht nur als die wahre Selbstsucht, sondern auch als gegen die Gattung gerichtet: „Denn die Entwicklung der Gattung hängt von der Entwicklung des Individuums ab, und wo die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit als Ideal abgedankt hat, ist das Absinken des intellektuellen Niveaus, wenn nicht gar dessen gänzliches Verschwinden die unmittelbare Folge.“ (Wilde) Und das vorgeblich so praktische und zielorientierte Tun erweist sich als in Wahrheit konfus und unpraktisch: denn es verlässt den Bannkreis des Notwendigen und Zwanghaften nicht, ja, es bestärkt dessen Macht umso mehr, je auftrumpfender und verblendeter es sich in seiner moralischen Selbstgerechtigkeit verhärtet und alle Selbstaufklärung abwehrt. Solange die Gesellschaft den Individuen als fremde äußere Macht entgegentritt, verkehrt sich die gute Intention regelmäßig in ihr Gegenteil und ist menschliches Handeln „nur blindes Tun, abhängig von äußeren Einflüssen und angetrieben von einem dunklen Impuls, von dem es selbst nichts weiß. Es ist seinem Wesen nach unvollkommen, weil es vom Zufall begrenzt wird, und unwissend über seine eigentliche Richtung, befindet es sich zu seinem Ziel stets im Widerspruch […] Jede unserer Taten speist die große Maschine des Lebens, die unsere Tugenden zu wertlosem Staub zermahlen oder aber unsere Sünden in Bausteine einer neuen Kultur verwandeln kann.“ (…) Die Misere des Sozialismus von seinen Anfängen bis heute war und ist stets zuverlässig abzulesen an seiner Verachtung aller autonomen, zweckfreien, in sich begründeten und eben darin gesellschaftlich bestimmten Kunst, weil sie die – prekäre und unvollständige – Emanzipation des Individuums von Blut, Scholle, Rasse, Kollektiv vorausträumt und ihr Ausdruck verleiht. Die Kunst, die sozialistische Bewegungen oder Regimes dann hervorbringen und fördern, eine Kunst, die „Partei ergreifen“, „Stellung beziehen“ und „gesellschaftliche Verantwortung“ dokumentieren soll, zerstört jedoch sich selbst und ihre Voraussetzungen. (…) „Kunst ist Individualismus und der Individualismus ist eine verstörende und zersetzende Kraft. Gerade darin liegt sein unermesslicher Wert. Denn was er aufzubrechen versucht, ist die Einförmigkeit des Typischen, die Sklaverei der Konvention, die Tyrannei der Gewohnheit und die Erniedrigung des Menschen auf das Niveau einer Maschine. (…) alle Künste sind amoralisch, ausgenommen die niederen Formen der sinnlichen oder belehrenden Kunst, die uns zu guten oder schlechten Taten anstiften wollen“ (…) Selbstsucht strebt immer danach, der gesamten Umwelt ein Einheitsmaß aufzuzwingen“ „Selbstlosigkeit bedeutet, andere Leute in Ruhe zu lassen, sich nicht in ihr Leben einzumischen […] Die Selbstlosigkeit weiß die unendliche Vielfalt als etwas Kostbares zu schätzen, sie akzeptiert sie, lässt sie gewähren und erfreut sich an ihr.“ (…) „Die erste Pflicht im Leben ist, so künstlich wie möglich zu sein. Die zweite Pflicht ist noch unbekannt.“(Wilde)
Antizionismus und Antiamerikanismus, ihr Philo-Islamismus nichts anderes sind als moderne Varianten des urdeutschen Antisemitismus.  (…) Massen laufen zur Deutschen Ideologie über, wenn Politik und Staat ihnen diesen Weg nicht versperren (…) Der Vernünftige braucht keinen Dialog mit Leuten zu führen, die sich nicht von Grund auf von denjenigen distanzieren, die Juden oder, was dasselbe ist, den Zionismus für ihr und anderer Leute Unglück verantwortlich machen. Er denunziert desgleichen jede Verhandlungsbereitschaft denen gegenüber, die, bevor sie sich als Staatsbürger und Marktsubjekte definiert haben, als Angehörige einer Religions- oder Volksgemeinschaft anerkannt werden wollen. (…) Antizionismus und Antiamerikanismus, ihr Philo-Islamismus nichts anderes sind als moderne Varianten des urdeutschen Antisemitismus. (…) Antideutsch denken und handeln heißt demzufolge, die politischen Vermittlungs- und Repräsentationsformen in Gesellschaft und Staat, die auf der Trennung von freien und gleichen Warenbesitzern einerseits und am Allgemeinwohl orientierten Staatsbürgern andererseits beruht, gegen die zu verteidigen, die diese Teilung zugunsten eines autoritären Volksstaates überwinden wollen, dessen Subjekte von nichts anderem als von seinen Wohlfahrtsleistungen abhängig sind. Wer in diesem Sinne das Etikett „antideutsch“ nicht auch auf sich bezieht, mißachtet zumindest die Gefährlichkeit der – selbstredend nicht auf Deutschland und deutsche Staatsbürger beschränkte, sondern immer schon weltweit grassierende – Deutschen Ideologie, deren historischer Kern darin besteht, daß auf ihr Konto nicht nur „normale“ kapitalbedingte Ausbeutung und Herrschaft, nicht nur die dem Kapital aus Prinzip immanenten Kriege und nicht nur der ihm in seinen Grund eingeschriebene Antisemitismus gehen, sondern fördert das Überleben einer Ideologie, der zudem noch die historisch und empirisch nicht zu leugnende Tatsache eingeschrieben ist, daß die deutsche Fassung der Beziehung von Staat und Gesellschaft die Auslöschung der Menschheit in zwei Weltkriegen im allgemeinen und den eliminatorischen Antisemitismus im besonderen beinahe total verwirklicht hätte. In der Existenz des Staates Israel manifestiert sich der Einspruch gegen den historisch bewiesenen Vernichtungswahn Deutscher Ideologie praktisch und empirisch. – Manfred Dahlmann

„Wird Freiheit mit Zügellosigkeit verwechselt, entsteht Rücksichtslosigkeit.
Am Schluss Gleichmacherei.
Ihr seid aber nicht alle gleich.
Noch nie wart ihr alle gleich.
Ihr lasst es euch aber einreden.
So werdet ihr immer respektloser, ungenießbarer gegeneinander.
Vergeudet in Kleinkriegen eure Zeit, als hättet ihr ein zweites Leben.
Weil ihr tatsächlich alles verwechselt.
Behauptungen mit Beweisen.
Gerechtigkeit mit Maß.
Religion mit Moral.
Desinteresse mit Toleranz.
Satire mit Häme.
Reform mit Veränderung.
Nachrichten mit Wirklichkeit.
Kulturunterschiede haltet ihr für Softwarefragen und ihre Analyse ersetzt ihr mit Anpassung.
Ihr habt die Maßstäbe verloren.
Der Gordische Knoten ist ein Keks gegen eure selbstverschuldete Wirrsal.

Man geht immer fehl, sucht man den Ursprung menschlicher Handlungen außerhalb der Leidenschaft des menschlichen Herzens …

Der Separatismus gendert sich in die Köpfe, sitzt in Regierungen.
Männer sind keine Männer mehr. Frauen keine Frauen, sondern ‚Menschen mit Menstruationshintergrund’, Quote ist Trumpf.
Auf gar keinen Fall sollen Mann und Frau sich noch als zwei Teile eines Ganzen begreifen. Damit die Geschlechter noch mehr aneinander verzweifeln.
Bis alle in destruktiver Selbstbezogenheit stecken.
Am Ende: Mann ohne Eier. Frau ohne Welt.

Auf die Erschöpfung des Mannes wird aber nur die Erschöpfung der Frau folgen, das sage ich euch.
Auf die Verstörung der Kinder folgt die Zerstörung der menschlichen Schöpfung.“– Hans Dieter Hüsch

Es gibt zweierlei Ethik: die moralische, der die Realität egal ist und die der Verantwortung, die reale Folgen der ethischen Forderungen berücksichtigt. Die erste ist gut gemeint, die zweite ist gut gemacht.

Was dem einen seine Souveränität, ist dem anderen seine Eigenmächtigkeit.

Das Schöne am Euro war, dass die Gewinner immerzu gewinnen konnten, ohne dass ihnen gleich die Quittung präsentiert wurde. Denn sie verdienen ja am Ausland, was heißt, eigentlich ein im Maße des Verdienens zunehmend schlechtes Geld – das ist durch den Euro aufgehoben worden: Man konnte ständig an einer anderen Nation verdienen, ohne dass das Geld dieser Nation darunter gelitten hat, weil sie gar kein eigenes hat. Der Wert dieses Geldes repräsentiert nicht die Leistungsfähigkeit dieser Nation. So hat der Euro von dem innereuropäischen Verdienen aneinander sogar noch gelebt; er hat vor der Krise absurderweise nur den Konkurrenzerfolg der Gewinner repräsentiert.

— Das ist ja mit der Idylle charakterisiert. Dass zunächst mal alle Seiten Gewinner des neu eingeführten Euro waren. Auch die, die ihre vergleichsweise Weichwährung gegen den Euro getauscht haben und damit auf einen Schlag Kredit zu ganz anderen Konditionen und Möglichkeiten hatten. Insofern waren die späteren Verlierer erst mal auch Gewinner.

Kein Nazifaschist hat je wirklich geglaubt, er bezöge die Ermächtigung seiner Ansprüche aus dem Teutoburger Wald; keiner seiner demokratischen Erben hat jemals tatsächlich gedacht, ihnen erwüchse Legitimität im Resultat des “Lernens aus der Geschichte”; niemals war ein Sozialist der Ansicht, es sei die famose “Befreiung der Arbeit” und nicht vielmehr das Recht auf Beute, was seine Politik im Interesse der Arbeiterklasse motivierte. Und keinesfalls erwächst den Palästinensern irgendein Recht aus der Tatsache, daß sie zuerst da waren. Einer Gesellschaft, der Hunger kein Grund ist zur Produktion, kann auch das Leiden kein Grund sein zur Solidarität. Es ist die Ideologie, die mit der Unmittelbarkeit des Leidens agitiert, die aus dessen fragloser Evidenz Sinn zu schlagen sucht, sei es im Sinne von Caritas oder Amnesty International, sei es im Sinne der Freunde des palästinensischen Volkes für den Israelhaß der Antisemiten wie für den Islamfaschismus dieses Volkes. Ariel Scharon jedenfalls, der Zionist und praktische Antifaschist, ist dem aufgelösten Rätsel der Geschichte näher als die deutsche Linke, deren “Antifaschismus” sich als Aufstand der Anständigen à la Gerhard Schröder oder als Solidarität mit dem palästinensischen Volk ausagiert. (…) Im Wesen Israels als des ungleichzeitigen Staates der Juden liegt es aber nicht nur, Reaktion auf den Verrat an Aufklärung und Weltrevolution, nicht nur, Notwehrversuch gegen den Nazifaschismus und Asyl zu sein. Sondern eben auch, daß die üblichen Muster der bürgerlichen Rollenverteilung – hier das Gewaltmonopol des bürgerlichen Staates im allgemeinen und dort die Personen, die die Regierungsausübung im besondern besorgen – für den israelischen Staates aufgrund seiner Konstitutionsbedingungen keine Geltung mehr hat. Was sich unter anderem darin zeigt, daß diese “Kritiker” der israelischen Regierungspolitik für den faschistischen Mob und die Behörden, die Selbstmordattentäter belohnen, Verständnis aufbringen (Folge von Besatzung und Ausbeutung), dagegen für den Versuch, die militärische Infrastruktur der Gegner Israels zu zerschlagen, am liebsten die Begriffe Auslöschung oder Ausrottung der palästinensischen Bevölkerung im Munde führen. Wie hinter der treudoofen Frage, ob es nicht möglich sein müsse, Spekulanten als das zu bezeichnen, was sie sind, ohne gleich als antisemitisch zu gelten, so verbirgt sich hinter der treulinken Frage, ob nicht auch in Israel, weil es sich auch dort um eine bürgerliche Gesellschaft handele, Faschismus möglich sei, die Erkenntnis dieser Fusion in verquerer und verschrobener Gestalt. Verquer, weil ja gerade erklärt werden sollte, wie Israel, dieser Fusion zum Trotz, eine parlamentarische Demokratie ist und bleibt; verschroben, weil diese Einheit von Staat und Regierung im Übergang von einem unerträglichen Alten (die Vernichtungsdrohung) zum noch nicht erreichten Neuen (die herrschaftslose Gesellschaft) ja doch den Inbegriff dessen ausmacht, was einmal als “Diktatur des Proletariats”, als Emanzipationsgewalt und organisierte politische Macht der Revolution, auch und gerade auf den roten Fahnen stand. In Anbetracht der Grundidee des Staates Israel, vor dem Hintergrund der linken Staatsmythen, betreffend die “Diktatur des Proletariats”, muß jede Beurteilung der Handlungen der Regierungsvertreter auch die völlig andere Qualität dieses Staates, verglichen mit allen anderen, deutlich werden lassen. (…)

Wenn diese Linke über Israel schwadroniert, dann hört sich das nicht minder grausig an. Dabei liegt der Zusammenhang zwischen dem Antisemitismus und dem Vernichtungswillen gegen die zum Staat gewordene bürgerliche Gesellschaft der Juden, gegen Israel, eigentlich auf der Hand: Der sogenannte Antizionismus stellt nichts anderes dar als die geopolitische, globalisierte Reproduktion des Antisemitismus, das heißt die Erscheinungsform, die er in Weltmarkt und Weltpolitik nach Auschwitz annehmen muß. Der Antizionismus ist der aus den kapitalisierten Gesellschaften in die Welt herausgekehrte Antisemitismus. So ist Israel der Jude unter den Staaten; die Verdammung des Zionismus als eines “Rassismus” durch die UNO gibt es zu Protokoll. Das macht: die moralische Verurteilung der menschlichen Unkosten der Konstitution bürgerlicher Staatlichkeit allein am Beispiel Israels führt vor Augen, was die Welt der Volksstaaten vergessen machen will – daß die Zentralisation der politischen Gewalt über Leben und Tod keineswegs die natürliche Organisationsform der Gattung Mensch darstellt, sondern Ausdruck eben von Herrschaft und Ausbeutung. Dabei ist Israel – und das macht die Kritik an diesem Staat so perfide und muß deshalb immer wieder gesagt werden – der einzige Staat dieser Welt, der für sich eine nicht zu bezweifelnde Legitimität beanspruchen kann. Israel, das ist der ungleichzeitige Staat, der entstanden ist sowohl als Reaktion auf das Dementi aller Versprechungen der bürgerlichen Nationalrevolution, sowohl als Antwort auf den stalinistischen Verrat an der kommunistischen Weltrevolution als auch als zu spät gekommene Notwehr gegen den Massenmord an den europäischen Juden. (…) Israel ist das Schibboleth jener doch so naheliegenden Revolution; es ist der unbegriffene Schatten ihres Scheiterns. Israel ist das Menetekel, das zum einen (und ganz unfreiwillig) die kategorischen Minimalbedingungen des Kommunismus illustriert, und das zum anderen sämtliche Bestialitäten zu demonstrieren scheint, zu denen der bürgerlich-kapitalistische Nationalstaat fähig ist. Wer Israel nicht begriffen hat, wer den Haß auf diesen Staat, den Antizionismus, und wer den Antisemitismus, das heißt den Vernichtungswillen sowohl gegen die in diesem Staat lebenden als auch gegen die kosmopolitisch verstreuten Juden, nicht begriffen hat als das, was Antisemitismus wesentlich darstellt: den bedingungslosen Haß auf die Idee einer in freier Assoziation lebenden Gat