Kategorie-Archiv: Antizionism as Antisemitism

rotgrüne Judenhetze


Jared Kushner ist mir ziemlich fern, auch das Milieu, in dem er aufgewachsen ist, das Land, in dem er lebt, ich weiß fast nichts von ihm, außer, dass er im Immobilienhandel – einem mir unbegreiflichen Geschäft – reich geworden ist und heute Schwiegersohn eines Mannes, der kürzlich, zum Ärger vieler, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde. Was ich mit Kushner gemeinsam habe, ist der Umstand, dass ich Jude bin wie er, noch dazu einer, der sein Jude-Sein nicht bedauert und nicht verbergen will.

Und aus diesem Grund, weil ich Jude bin wie Kushner, kann ich nicht ohne leichtes Grausen lesen, wie deutsche Medien den Schwiegersohn und Berater des ihnen unliebsamen amerikanischen Präsidenten darstellen. „Der Einflüsterer“ nannte ihn Die Zeit bereits am 22.November 2016 (als er noch gar keinen Posten im Weißen Haus hatte), die Süddeutsche Zeitung, in phantasieloser Abwandlung, „Der Trump-Flüsterer„. Für den Spiegel ist er „der Schatten„. Zugleich wird Präsident Trump als gefährlich und unberechenbar dargestellt, womit das Bild perfekt wäre. Der als „Einflüsterer“ oder „Schatten“ hinter einer gefährlichen, unberechenbaren Macht stehende Jude ist ein geradezu klassisches Stereotyp des Judenhasses.

Das gilt keineswegs nur für die Vergangenheit. Die Juden als schattenhafte Drahtzieher internationaler Intrigen, als wahre, wenn auch geschickt verborgene Ursache des Übels, das über ahnungslose Völker kommt – wir finden dieses Bild auch heute weit verbreitet, zum Beispiel im tagespolitischen Schrifttum islamischer Länder, in Zeitungen, Zeitschriften, pseudo-religiösen Traktaten oder in den zahllosen arabischen Übersetzungen der „Protokolle der Weisen von Zion“. In ihrer lesenswerten Studie „Kritik des islamischen Antisemitismus“ zitiert die Antijudaismus-Expertin Ulrike Marz unter anderem aus einer Propaganda-Schrift der Revolutionären Garden des Iran: „The Jews, as always, have been the forerunners and planners of conspiracies (…) Many Muslims have been murdered by the hidden hand of the Jews, with similar regimes imposed by them on Islamic countries, and conspiracies have conspired against the dear Islam.“

Zeit, Süddeutsche und Spiegel begnügen sich vorerst damit, eine Aura des Unheimlichen um Jared Kushner zu weben, den „Einflüsterer“ im Weißen Haus. Sie verdächtigen ihn, arbeiten mit Vermutungen, anonymen Quellen, unbewiesenen Behauptungen. Gelegentlich stößt sich ein Leser dieser Medien daran, wie kürzlich im Leserforum von Spiegel Online: „Namenlose Kronzeugen, anonyme Quellen, Konditionalsätze, könnte, hätte, sollte, würde, falls, wenn, angeblich – wirklich sehr seriös!“ Und manchmal, seltener, fällt sogar den SchreiberInnen das Substanzlose ihrer Nachrede auf, wie der Autorin der Zeit, die an einer Stelle ihres „Einflüsterer“-Pamphlets eingestehen muss: „Dass dies auf Betreiben Kushners geschah, lässt sich nicht belegen.“

Belege sind auch nicht das Entscheidende beim Schüren einer Stimmung. Eindrucksvolle Bilder sind gefragt wie das vom Schattenmann und seinem unheimlichen Wirken. Judenhetze beginnt mit der Dämonisierung der zukünftigen Opfer. Diese erste Phase des judenfeindlichen Konstrukts haben die deutschen Leitmedien in ihrer Darstellung Jared Kushners erreicht. Ich hoffe für Deutschland, dass es diesmal dabei bleibt.

Am Tag vor seinem peinlichen Auftritt in Israel besuchte Außenminister Sigmar Gabriel noch schnell einen Israel-Feind: Jordaniens Gewaltherrscher Abdullah II. bin al-Hussein.

Jordaniens Herrscher Abdullah II. bin al-Hussein hat einen neuen besten Freund und Geldgeber: Deutschland. Vor seiner Konfrontation mit Israel versprach ihm Sigmar Gabriel noch schnell, die Unterstützung werde nicht reduziert und nannte falsche Zahlen.


Am Tag vor seinem peinlichen Auftritt in Israel besuchte Außenminister Sigmar Gabriel noch schnell einen Israel-Feind: Jordaniens Gewaltherrscher Abdullah II. bin al-Hussein. Während Israel in Richtung eines neuen Feindstaats gerückt wird, darf sich auf Twitter der jordanische Herrscher Abdullah II. bin al-Hussein seiner guten Beziehungen mit Kanzlerin Merkel und ihrer Groko rühmen: Vor Gabriel im April suchte ihn im Dezember Ursula von der Leyen auf, auf Twitter postet RHC (The Royal Hashemite Court) Bilder vom gemeinsamen Manöver der Bundeswehr mit seiner Armee. Er hat allen Grund zu lachen, da er mit einem wahren Geldregen aus Deutschland überschüttet wird. Freundschaft muss sich schließlich lohnen.

Den kleinen König und seine Schöne haben alle lieb

Aus irgendeinem Grund scheint die deutsche Bundeskanzlerin den König von Jordanien und seine Gemahlin liebgewonnen haben: sie statten sich gegenseitig regelmäßige Besuche ab und der deutsche Staat rollt den roten Teppich vor ihnen aus. Insgesamt drei Staatsbesuche in 18 Monaten stattete das Königspaar der Bundesrepublik ab und wurde mit Auszeichnungen und Preisen geradezu überhäuft; darunter auch den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens. Der kleine König ist gerade ziemlich beliebt in Deutschland.

Die regierungsnahen Medien in Deutschland und in der westlichen Welt überschlagen sich geradezu, die Königsfamilie für ihr „Engagement für Menschenrechte“ zu rühmen – ohne einmal kritisch nachgefragt zu haben. Bunte Hochglanzmagazine berichten seit Jahren über die jordanischen „Royals“ und geraten dabei ins Schwärmen: das tolle Outfit der Königin wird bewundert und ihre angebliche pro-westliche Einstellung. Bei so viel Modeberichterstattung übersehen diese Meinungsmacher doch gerne die stetig steigende Zahl der hungernden Menschen, die mit ihren Kindern Müllcontainer nach Lebensmitteln durchsuchen oder die vielen Obdachlosen in den Straßen von Amman und anderswo im Haschemiten-Reich. Jordanien ist nicht nur ein Polizeistaat mit überfüllten Gefängnissen, sondern auch ein Apartheid-Staat, der routinemäßig die Bevölkerungsmehrheit der Palästinenser diskriminiert.

Der König und die Islamisten

Doch noch aus anderen Gründen sollte Merkels Gastfreundschaft gegenüber dem König von Jordanien aufschrecken: er ist nicht nur ein Flüchtlingsschleuser, sondern auch ein Terrorverfechter. Der Monarch gilt als Unterstützer und Finanzier von ISIS und anderer radikaler Gruppierungen. Seine Herrschaft steht schon immer auf wackligen Beinen. Deshalb glaubt der König, sich nur mit einer nach Belieben sich verändernden Wackelpolitik sein Reich sichern zu können.

Während diese Tatsachen von deutschen Medien verdrängt werden, sprechen die Fakten für sich. Die

New York Times

bestätigte in einem umfangreichen Bericht, dass das Regime in Jordanien gestohlene US-Waffen an gewalttätige Gruppen und sogar Terroristen verkauft hat. Eine dieser Waffen wurde von einem jordanischen Polizeibeamten von hohem Rang verwendet, um drei Amerikaner und zwei Südafrikaner zu töten. Das ist noch längst nicht alles. Der größere Skandal war, so berichtete die britische

Dailymail

, dass Waffen aus einem britischen Armee-Lager in Jordanien gestohlen und direkt an den IS verkauft wurden. Das ist kein Zufall. In einem totalen Polizeistaat wie Jordanien kann eine solche Operation niemals ohne die Zustimmung des Regimes durchgeführt werden.

Zur gleichen Zeit bestätigte CNN, dass Jordanien, nach der Türkei einer der größten Käufer von Erdöl aus dem Islamischen Staat war, solange der noch im Besitz von Quellen war. Es erscheint ziemlich unwahrscheinlich, dass die deutsche Regierung nicht über die Verbindung des Königs zum islamistischen Terrorismus informiert ist. Dazu bräuchte man nur internationale Medien auszuwerten – deutsche berichten allerdings nicht darüber.

Im Gegensatz zu Israel, das von Außenminister Sigmar Gabriel und seiner Kanzlerin gerade heftig kritisiert wird, verfügt Jordanien weder über ein Wohlfahrtssystem noch über Krankenkassen. Nichts und wirklich nichts ist in Jordanien kostenlos – nicht einmal Schulen und Bildung.

Im Jahr 2007 sagte Abdullah II, dass Jordanien Pläne zur Entwicklung der Kernenergie für den eigenen Bedarf hat, weil im Gegensatz zu anderen Ländern in der Region  Jordanien fast kein Erdöl besitzt. Vermutlich wird die Bundesregierung auch dies wohlwollend untrstützen.

König Abdullah hat, nach eigener Aussage, im vergangen Jahr 840 Millionen Euro von Frau Merkel erhalten, um seine Arbeit mit Flüchtlingen aus Syrien zu unterstützen.

Außenminister Gabriel und seine Fake-News

Selbst Außenminister Gabriel gerät auf seiner Facebook-Seite ins Schwärmen: „Als Deutscher wird man demütig, wenn man sieht, was kleine Länder wie Jordanien oder auch der Libanon in der Flüchtlingshilfe leisten. Jordanien stemmt mit der Aufnahme syrischer Flüchtlinge eine riesige Aufgabe und trägt eine große Bürde in einer der unsichersten Regionen der Welt. Das Land hat über drei Millionen Flüchtlinge bei 6,5 Millionen Einwohnern aufgenommen …“

Erstaunlich, woher er diese Zahlen nimmt. Nachforschungen ergaben, dass Jordanien knapp 650.000 Kriegsflüchtlinge laut UNHCR beherbergt und nicht 1,5 Millionen, wie das Königshaus behauptet oder gar drei Millionen, wie auf Sigmar Gabriels Facebook-Seite nachzulesen ist. Aber Gabriel scheint die Fake-News zu gebrauchen: Das rührt ans Herz, rechtfertigt viele Gelder, soll das Abrücken von Israel und das Werben und antisemitische Wähler in Deutschland rechtfertigen – und rückt den König in ein gutes Licht, das er bei genauer Betrachtung nicht verdient: Die meisten Flüchtlinge sind in einem großen Lager namens Zaatari untergebracht. Die Spesen für Wasser, Nahrung, Elektrizität und Ausbildung werden allesamt von den Vereinten Nationen, der EU und den USA bezahlt; vom Königshaus bekommen die Flüchtlinge keinen müden Cent.

Zur gleichen Zeit flohen Tausende der in Jordanien aufgenommenen syrischen Flüchtlinge nach Deutschland – wegen der Unterdrückung und schlechten Behandlung seitens des Regimes. Denn Abdullahs Lager sind bewachte Orte, die den Geflohenen keine Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Trotzdem reiste im Dezember 2016 Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nach Amman und übergab bei ihrem Besuch in Jordanien 16 Schützenpanzer vom Typ „Marder“ für 12,8 Millionen Euro sowie 126 Lastwagen und Kleinbusse für militärische Zwecke im Wert von 13,1 Millionen Euro. Für 2017 ist die Lieferung 25 weiterer Panzer geplant. Insgesamt hat die Bundesregierung 100 Millionen Euro für die „Ertüchtigungsinitiative“ eingeplant. Der Grund: Auf der Suche nach Alternativen zum türkischen Incirlik zieht die Bundesregierung auch Jordanien als möglichen Bundeswehrstandort in Betracht.

Wenn Terroristen im Namen des Islamischen Staates auf bundesrepublikanischen Boden einen Anschlag nach dem anderen verüben, sollte man sich daran erinnern, dass Jordaniens König billiges Erdöl von eben jener Terrororganisation mit deutschen Steuergeldern kauft und dass eben dieser Mann, der in Berlin auf dem roten Teppich willkommen geheißen wird, auch ein ideologischer Unterstützer von militanten Islamisten ist einschließlich der Moslembruderschaft.

Übrigens ist die radikal-islamische Muslimbruderschaft auf ihren König eingeschworen. Mit ihrer Unterstützung gelang es ihm, in der Vergangenheit die Proteste von säkularen, friedlichen Aktivisten niederzuschlagen. Sie ist eine der wenigen Stützen seiner Macht und unterstützt seinen Kampf gegen die palästinensischen Flüchtlinge, die ebenfalls seit Jahrzehnten unterdrückt werden. Wenn der Vorwurf der Apartheid in Nahost erhoben werden kann, wie es beipielsweise Sigmar Gabriel betreibt, dann gilt das insbesondere für Jordanien, das die Flüchtlinge der 50er-Jahre weiterhin von der Gesellschaft ausschließt. Das ist eine der paradoxen, oder auch verlogenen Winkelzüge der Gabriel-Politik: Während er sich in Israel für Palästinenser stark macht und sich dafür feiern läßt, schweigt er zu Abdullah und seiner Unterdrückungspolitik – und unterstützt sie indirekt.

Einer dieser säkularen Aktivisten gegen den jordanischen Apartheid-Staat ist Mohammad Btaibet. Er traf vor zwei Jahren, noch vor der großen „Wir-schaffen-das-Welle“ in Deutschland ein. Wegen seiner politischen Ansichten war er beim König in Ungnade gefallen, dabei sprach er sich lediglich für Freiheit und Demokratie aus – ein No-Go in Jordanien.

Trotz aller Dokumente, die beweisen, dass er um sein Leben fürchten muss, trotz aller Nachweise, die er erbracht hat, haben die deutschen Behörden ihn in eine Unterkunft gesteckt. Seither wartet er auf Antwort. Bislang erhielt er keine Reaktion zu seinem Antrag auf Asyl und auf die Unterlagen, die er abgegeben hat. Mohammad Btaibet spricht mittlerweile fließend deutsch und würde gerne arbeiten. Vor allem aber ist sehr beunruhigt, weil eine Abschiebung Folter und Tod bedeuten würde.

Dieser Fall ist erstaunlich, da Islamisten und Kriminellen, sogar Leuten, die falsche Angaben machen, der Asyl- und Flüchtlingsstatus verliehen wird, jedoch nicht einem erwiesenermaßen politisch Verfolgten aus Jordanien.

Warum wird König Abdullah und sein Regime mit Millionen und Abermillionen aus deutschen Steuermitteln von der Bundesregierung belohnt? Und wieso möchte Merkel allem Anschein nach dem Interesse des jordanischen Alleinherrschers gerecht werden? Die Fragen bleiben unbeantwortet. Abdullah gilt als ein „Guter“, die deutschen Medien arbeiten weiter an dieser Legende. So hat Jordanien einen neuen besten Freund in Deutschland gefunden. Aber ist aus deutscher Sicht dieser Freund wirklich ein guter Freund?


Mudar Zahran, Jahrgang 1973, ist palästinensischer Journalist und Bürgerrechtler aus Jordanien, der heute als politischer Flüchtling in Großbritannien lebt. Vor dem Exil war Zahran als Wirtschaftsspezialist und Assistant Policy Coordinator bei der US-Botschaft in Amman tätig. Er kämpfte gegen die diskriminierende Politik der jordanischen Regierung gegenüber Palästinensern. 2013 wurde Zahran von einem jordanischen Militärgericht in Abwesenheit angeklagt und zu 15 Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit verurteilt.

https://www.tichyseinblick.de/gastbeitrag/jordaniens-koenig-abdullah-und-gabriel-neue-beste-freunde/

Fluchtmöglichkeiten für Juden sind heute besser als 1933

Die Juden von Umeå, dem wichtigsten Zentrum im nördlichen Schweden, haben zum April 2017 ihr Kulturzentrum geschlossen. Es wurde immer wieder mit Hakenkreuzen beschmiert. Überdies haben die Verfolger unmissverständlich hinzugefügt, dass man genau wisse, wo in der Stadt mit 80.000 Einwohnern die Juden wohnen. „Unsere Kinder sollen nicht in einer Welt leben, in der sie sich für ihre Herkunft schämen müssen“, erklärt die Sprecherin des Zentrums.

Einen Verdacht zur Identität der Täter formuliert sie nicht. Das ähnelt dem Vorgehen der Berliner Schule, in der fast gleichzeitig ein jüdischer Junge erst gemobbt, dann misshandelt und schließlich durch seine Mutter in Sicherheit gebracht wird. Dass 75 Prozent seiner Mitschüler nicht Deutsch als Muttersprache pflegen, bleibt momentan der deutlichste Hinweis auf das Tätermilieu.

Unter Migranten hierzulande gibt es allerdings nicht nur Muslime, sondern auch christliche Europäer. Unten denen halten Griechen mit 69 Prozent Antisemiten im Jahre 2015 den Rekord der Alten Welt. Selbst Iraner, deren Führer regelmäßig die Vernichtung Israels ankündigen, wirken 2015 mit 60 Prozent Judenhass vergleichsweise harmlos. Vorschnelle Schuldzuweisungen verbieten sich ohnehin und auch junge Altdeutsche aus dem linken Antizionismus oder dem rechten Neonazismus können nicht vorab exkulpiert werden.

Doch gänzlich im Dunkeln über gruppenspezifische Ausprägungen des Judenhasses tappen wir nicht. 2014 ist für einen großen Teil der Welt und 2015 noch einmal für neunzehn ausgesuchte Nationen, die Verteilung judenfeindlicher Haltungen ermittelt worden. Bei rund 26 Prozent Judenhass in der Weltbevölkerung steht Deutschland mit 16 Prozent sehr viel besser da als etwa die Schweiz (ebenfalls 26 Prozent) oder Österreich (28 Prozent). Gemessen an den Dänen (8 Prozent) jedoch hat die Bundesrepublik noch Aufholbedarf. Das kleine Volk, das 1943 in einer Nacht- und Nebelaktion seine Juden vor Hitlers Schergen in Sicherheit bringt, gehört auch 2015 zu den besonders Toleranten. Noch besser schneidet 2014 (2015 nicht erhoben) mit 4 Prozent Schweden ab, wo damals die dänischen Juden unterkommen. Das indiziert, dass die dortigen Judenverfolger mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu den Alteingesessenen gehören.

Für 100.000 Juden eine halbe Million neue Feinde geholt

Als Sprachgruppe schneiden die angelsächsischen Staaten am besten ab (AUS, CDN und NZ 14 Prozent [2014], UK 12 und USA 9 [2015]). Die überwiegend muslimischen Menschen in Nordafrika und dem Nahen Osten hingegen stehen mit 74 Prozent Judenhass global an der Spitze.

Hat das Auswirkungen auf ihre Glaubensgenossen in Deutschland? Gegenüber 16 Prozent Antisemiten in der Gesamtbevölkerung (2015) empfinden 56 Prozent der hiesigen Muslime antijüdisch. Da dasselbe nur für 14 Prozent der Christen gilt, sorgen Muslime für eine Verschlechterung des Durchschnitts. Dabei helfen ihnen übrigens Atheisten mit ihren außergewöhnlich hohen 20 Prozent. In Großbritannien, wo Muslime zu 54 Prozent ähnlich antijüdisch sind wie hier, bescheiden sich Atheisten mit 10 Prozent.

Bei den 2015er Zahlen für Deutschland sind die im selben Jahr aufgenommen Migranten und Flüchtlinge nicht mitgezählt. Sollten auch sie zu 56 Prozent antisemitisch sein, hätte Berlins Führung gegen die knapp 100.000 Juden im Land ein halbe Million Feinde zusätzlich ins Land geholt. Während alles dafür spricht, dass Deutschland nach 1945 – das zeigt schon der Vergleich mit Österreich – Bedeutendes bei der Überwindung des Antisemitismus geleistet hat, macht seine Einwanderungspolitik davon einiges wieder zunichte.

Dennoch ist für die betroffenen Juden die Lage heute weniger bedrohlich als nach 1933. Nicht nur die Existenz Israels, sondern auch die Fluchtmöglichkeiten in die knapp 28 Millionen Quadratkilometer der angelsächsischen Länder schaffen ganz andere Sicherheitsperspektiven. Dazu kommt der „war for foreign talent“, in dem weltweit und ununterbrochen um Qualifizierte geworben wird, unter denen Juden gut vertreten sind. Ihre Abwanderung scheint begonnen zu haben, weil bereits 2005 die Mitgliedschaft in Deutschlands jüdischen Gemeinden mit gut 108.000 ihren Höhepunkt erreicht. 2015 sind es nicht einmal mehr 100.000. Wer gering qualifizierte Judenhasser holt, darf nicht erstaunt sein, dass deren Opfer andernorts gern genommen werden.

Bassam Tibi: Die Rückkehr des Judenhasses. Im Land des «Nie wieder!» kultivieren Muslime den Antisemitismus neu. Deutschland blendet das weitgehend aus.

bazonline.ch

 Bassam Tibi (72) ist emeritierter Professor für Internationale Beziehungen (Georg-­August-Universität Göttingen). Er hat von 2007 bis 2010 am Center for Advanced Holocaust Studies in Washington D. C. seine zuvor in 22 islamischen Ländern betriebene ­Forschung über die islamistische Ideologie in dem Buch «Islamism and Islam» zusammengefasst. Als wichtigste Säule dieses ­Ideologiegebäudes identifizierte er den islamisierten Antisemitismus. Die Yale ­University Press hat das Buch 2012 ­veröffentlicht. (Basler Zeitung)

Die Rückkehr des Judenhasses

Bassam Tibi

Gleich zu Beginn meiner BaZ-Gastautorenschaft habe ich in einem zweiseitigen Interview vom 7. Juli des vergangenen Jahres am Beispiel meiner eigenen Lebensgeschichte in Damaskus erläutert, wie Menschen im Nahen Osten in einer politischen Kultur des Judenhasses aufwachsen. Die Flüchtlinge, die aus dieser Region nach Europa kommen, bringen diese antiwestliche und judenfeindliche politische Kultur mit sich. Ich werde hier nicht wiederholen, was ich im Interview sagte. Doch nehme ich eine Facette der Problematik auf, die das gesamte Europa betrifft: Die Deutschen und ihre schändliche Geschichte im Verhältnis zu den Juden und was sie selbst hieraus heute lernen beziehungsweise bisher gelernt haben sollten. Anlass zu dieser Vergegenwärtigung gibt die Tatsache, dass Deutschland heute trotz seiner Vergangenheit anderen gegenüber als moralischer Lehrer auftritt, gleichzeitig aber antisemitischen islamischen Flüchtlingen Schutz gewährt.

Ich möchte mit einem deutschen Juden anfangen, der mit seiner Familie vor Hitlers Diktatur 1933 in die USA floh, wo er für mich bis zu seinem Tod Mentor und Freund war. Es ist der grosse Soziologe Reinhard Bendix, der in Berlin geboren wurde und bis zu seinem Lebensende in Berkeley lehrte. Er ist Autor des jüdischen Familiendramas «Von Berlin nach Berkeley. Deutsch-­jüdische Identitäten». Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 vertraute er mir in einem persönlichen Gespräch seine Sorge an, was Deutsche tun würden, wenn sie wieder mächtig sind.

Kürzlich fühlte ich mich an Bendix erinnert, als ich vernahm, wie der neue deutsche Aussenminister in Washington den Amerikanern Vorhaltungen über Religionsfreiheit machte. Diese Person, Sigmar Gabriel, ist nicht nur blass, ihm fehlt in der Aussenpolitik auch jede Fachkompetenz.

Dennoch benimmt er sich wie ein Elefant im Porzellanladen, wenn er die Trump-Administration über den Respekt vor dem Islam und Religionsfreiheit belehrt. Ebenso belehrend war die deutsche Verteidigungsministerin auf der Münchner Sicherheitskonferenz, als sie an Amerika gerichtet vor Islamophobie warnte.

Selbstvergötzung und Narzissmus

Vorab möchte ich dies als ein in Deutschland lebender Ausländer klarstellen: Die Deutschen haben keine Legitimation für solche Belehrungen. Aus dem Munde dieser Politiker höre ich das, was mein jüdischer Lehrer Adorno im Aufsatz «Auf die Frage: Was ist deutsch?» an den Deutschen beanstandete: «Selbstvergötzung» und «kollektiver Narzissmus». In der heutigen Situation ist stattdessen eine Verantwortungsethik gefordert im Umgang mit Muslimen und Juden, die in Deutschland leben. Belehrungen führen ins Nichts.

Deutsche Politiker, die die Welt vor Islamophobie schützen wollen, übersehen geflissentlich, wie im eigenen Land der Antisemitismus ungeahndet in der Islamgemeinde gedeiht. Während des Gazakrieges 2014 wurden 1596 antisemitische Straftaten von Muslimen verübt. In diesem Zeitraum hat kein einziger Jude einem Araber etwas angetan. Und wie reagiert die ansonsten belehrende Politik hierauf? Die Zeit vom 9. Februar 2017 schrieb: «Antisemitische Taten werden, wenn sie von Zuwanderern begangen werden, als politisch motivierte Ausländerkriminalität verbucht und tauchen in der Antisemitismusstatistik gar nicht auf.» Ein Jahr vor dem zitierten Artikel berichtete der Spiegel: «Übergriffe auf Juden mehren sich», aber sie werden als solche «oft nicht erfasst». Warum?

Die Antwort lautet: Weil die Täter Araber und keine deutschen Nazis sind. Ein deutscher Richter sprach nach ­diesem Spiegel-Bericht antisemitische Täter frei, wies sogar den Vorwurf des Antisemitismus zurück mit dieser Begründung: «Die Täter hätten nur die Aufmerksamkeit auf den Gazakonflikt lenken wollen.» Ich füge hinzu: Das ist nicht das, was Deutsche gern Einzelfall nennen, sondern die Regel im heutigen Deutschland. Arabischer Antisemi­tismus wird nicht nur verdeckt, sondern als solcher statistisch gar nicht erfasst, auch strafrechtlich nicht verfolgt. Ich frage provokant: Haben die Deutschen ihren Mord an Juden vergessen?

Angst vor den Deutschen

Als ein muslimischer und in Deutschland lebender Migrant habe ich nicht nur vor totalitären Islamisten Angst, sondern auch vor solchen Deutschen, die auf eine kranke Art und Weise mit ihrer Mördervergangenheit umgehen. In meinem in den Jahren 2007 bis 2010 am Forschungsinstitut des Holocaust-Museums Washington D. C. angefertigten und 2012 von Yale University Press veröffentlichten Buch «Islamism and Islam» erfasse ich sechs Säulen der islamistischen Ideologie, unter denen der islamisierte Antisemitismus besonders herausragt. Ich komme darin zu dem Ergebnis, dass der Islamismus der neue antisemitische Totalitarismus des 21. Jahrhunderts ist. Wie gehen Deutsche mit dieser Gefahr um? Welche Lehren haben sie aus Auschwitz gezogen?

Meine Autorität bei der Beantwortung dieser Frage ist Adorno mit seinem Aufsatz «Erziehung nach Auschwitz». Für Adorno war Auschwitz eine Barbarei, die bleibt: «Diese Barbarei besteht fort, solange die Bedingungen, die jenen Rückfall zeitigten, wesentlich fortdauern.» Wodurch dauern sie fort? Adorno meint, die grösste «Gefahr einer Wiederholung» besteht, solange man «der blinden Vormacht aller Kollektive» nicht entgegenarbeitet. Die Juden Berlins werden auch heute nicht nur als Kollektiv definiert, sondern sie haften auch – eben als Kollektiv – für die Taten der in Israel lebenden Juden, die wieder als Kollektiv bestraft werden sollten. Das ist das Narrativ der deutschen Wahrnehmung arabischer antisemitischer Straftaten. Die Bestrafung der Juden erfolgt durch das Kollektiv der arabischen Diaspora-Muslime in Berlin und anderen deutschen Städten. Diese antisemitischen Verbrechen werden als Ausländerkriminalität aufgeführt, nicht als antisemitische Straftaten, die sie in Wirklichkeit sind.

Meine zweite Frage lautet: Wie sühnen Deutsche den Mord an sechs Millionen Juden? Für einen Unbeteiligten, wie ich es bin, ist die Vehemenz der deutschen Willkommenskultur unverständlich, ja nicht einmal nachvollziehbar. Sie veranlasst mich, nach den Ursachen zu fragen. Die Zeit gibt in ihrer Ausgabe vom 28. Januar 2016 mit dem Titelblatt «Sind die Deutschen verrückt oder ist es der Rest der Welt, der keine Flüchtlinge aufnimmt?» folgende Antwort: «Die an ihrer traumatischen Vergangenheit leidenden Deutschen wollen sich von ihrem Makel befreien und haben sich darum in eine völlig irrationale Willkommenskultur gestürzt. Gewissermassen von Auschwitz direkt zum Münchner Hauptbahnhof.» Von September bis Dezember 2015 versammelten sich Tausende vom «Irrsinn der irrationalen Willkommenskultur» befallene Deutsche, um Muslime aus Nahost, Zentralasien und Nordafrika willkommen zu heissen; sie taten dies nicht aus humanitären Gründen, sondern als Sühne für den Mord an sechs Millionen Juden, jedoch ohne zu wissen beziehungsweise wissen zu wollen, dass sie Antisemiten willkommen heissen.

Die Feststellung eines muslimischen Antisemitismus ist kein Vorurteil, sondern das Ergebnis einer Forschung in 22 islamischen Ländern, die ich in den USA veröffentlicht habe. Auf dieser Basis kann ich bestätigen, was die Zeit vom 9. Februar 2017 feststellt: Es gebe einen Anlass, die «Gefahr zum Thema zu machen, die Hunderttausende arabische Flüchtlinge darstellen». Warum? «Weil sie durchweg aus Ländern stammen, in denen der Antisemitismus so selbstverständlich ist wie essen und trinken».

Eine moralistische Politik

Nun komme ich zur dritten und letzten Überlegung: Deutsche Linksparteien und ihr Verhältnis zum Holocaust. Die Basler Zeitung hat diese Thematik im Januar am Beispiel der Grünen aufgenommen: «Die Partei der Schadenskompensation». Nach deren Verständnis solle sich der demokratische Staat «massgeblich über den Zivilisationsbruch» definieren mit «dem Schluss daraus: ‹Nie wieder!›». Das ist «ein Phänomen einer moralischen Politik», argumentiert die BaZ. Entsprechend verstehen sich die Grünen als «ein erzieherisches Korrektiv der Gesellschaft».

Wie reagieren Grüne in dieser Funktion darauf, dass die neuen Antisemiten nicht mehr vorwiegend alte Nazis, sondern Islamisten sind, die auch aus dem Lager der Flüchtlinge stammen? Seit 2015 treten die Grünen moralisch weniger als eine Partei des «Nie wieder!» denn als Advokaten der islamischen Flüchtlinge auf.

Fakt ist, dass die islamischen Flüchtlinge aus Nahost den Antisemitismus mit sich aus ihrer Region bringen. Die Links-Grünen sind dreist genug, eine Entschuldigung für den islamistischen Antisemitismus zu bieten. Diese Entschuldigung lautet: Diese Muslime seien gar nicht gegen die Juden, sondern nur gegen den Staat Israel und gegen den «rassistischen Zionismus». Wenn das stimmen würde, wäre Theodor Herzl ein Rassist, was er aber niemals war. Die angebliche Differenzierung zwischen Antisemitismus und Antizionismus findet aber nicht statt. Aus meiner Forschung geht hervor, dass die Begriffe Jahudi/Jude und Sahyuni/Zionist von Arabern in der arabischen Sprache Synonym verwendet werden.

Eine beunruhigende Aussage

Der aus Wien stammende, heute in Jerusalem lebende Antisemitismusforscher Manfred Gerstenfeld stellt einen aggressiven Antisemitismus unter den muslimischen Migranten fest und macht eine sehr beunruhigende Aussage: «Im 21. Jahrhundert wurden alle in Europa begangenen Morde an Juden, die getötet worden waren, weil sie Juden waren, von Muslimen begangen.»

Bei einer Diskussion der Bonner Akademie im Oktober des vergangenen Jahres habe ich einen Teil der in diesem Artikel enthaltenen Ergebnisse präsentiert und die Frage aufgeworfen: Sind das die «neuen Deutschen»? Marina Münkler, die auf dem Podium anwesende Mitautorin des Buches «Die neuen Deutschen», rief aus: «Herr Tibi, Sie stereotypisieren die Flüchtlinge!» Es ist eigenartig, wenn eine deutsche Person einem Syrer vorwirft, die eigenen Landsleute zu stereotypisieren, wenn er sich Sorgen macht über eine antisemitische politische Kultur, die diese mit sich nach Europa bringen.

Der grösste jüdische Historiker des 20. Jahrhunderts, Bernard Lewis, belehrt uns im Aufsatz «The New Antisemitism»: «Ein Antisemitismus gleich europäischen Stils wächst in der arabischen Welt […]. Das ist der neue arabische Antisemitismus, der dort gedeiht […]. Dieser neue Antisemitismus hat nichts mit dem Palästinakonflikt zu tun.» Ich empfehle allen, die behaupten, der arabisch-islamische Antisemitismus sei nur ein Ausdruck der Wut gegenüber Israel, diesen Aufsatz zu lesen.

Der neue Antisemitismus

Auch der britische Journalist Daniel Johnson hat einen sehr bemerkenswerten Artikel im Wall Street Journal vom 1. November 2016 über diese Problematik veröffentlicht, worin er zunächst getrennt voneinander zwei Erscheinungen in Europa feststellt: «increasingly visible Antisemitism» und «Europe’s rapidly growing Muslim population». Dann stellt er einen engen Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen, also dem zunehmenden Antisemitismus und der wachsenden Islam­gemeinde in Europa her.

Ich bin ganz gewiss kein Anhänger von Donald Trump, möchte aber dennoch mit folgender Beobachtung abschliessen. Deutsche Politiker, die Washington besuchen, verlieren alle Massstäbe und belehren die Trump-­Administration auf deutsch-meisterliche Art über die Gefahren der Islamophobie; sie übersehen hierbei jedoch geflissentlich, wie der islamistische Antisemitismus in ihrem Land floriert. Diese Politiker geben an, Muslime als Minderheiten zu verteidigen. Und wer verteidigt die individuellen Juden vor dem Kollektiv der Islamisten? Und was haben die Deutschen aus ihrer Geschichte gelernt? Wie steht es um den Vorsatz «Nie wieder!»?

Bassam Tibi (72) ist emeritierter Professor für Internationale Beziehungen (Georg-­August-Universität Göttingen). Er hat von 2007 bis 2010 am Center for Advanced Holocaust Studies in Washington D. C. seine zuvor in 22 islamischen Ländern betriebene ­Forschung über die islamistische Ideologie in dem Buch «Islamism and Islam» zusammengefasst. Als wichtigste Säule dieses ­Ideologiegebäudes identifizierte er den islamisierten Antisemitismus. Die Yale ­University Press hat das Buch 2012 ­veröffentlicht. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.03.2017,

http://bazonline.ch/ausland/standard/die-rueckkehr-des-judenhasses/story/17648613

BaZ: Herr Tibi, Sie schrieben vor Kurzem in der Bild-Zeitung: «Deutsche pendeln zwischen den Extremen: Fremdenfeindlichkeit oder Fremdeneuphorie. Es gibt kein Mittelmass.» – Gibt es einen deutschen Hang zum Extremismus?
Bassam Tibi: Ich lebe seit 54 Jahren unter Deutschen und auf der Basis dieser Erfahrung glaube ich, ein Urteil fällen zu können. Ich beobachte, dass die Deutschen unausgeglichen sind. Entweder sie sind für etwas oder dagegen. Ein Mittelmass gibt es nicht. Das sage aber nicht nur ich. Zwei deutsch-jüdische Philosophen haben dasselbe beobachtet. Helmuth Plessner schrieb, dass die Deutschen immer wieder «dem Zauber extremer Anschauungen verfallen». Theodor W. Adorno spricht von einer deutschen Krankheit, die er «Pathos des Absoluten» nennt.

Diese Unausgeglichenheit mag ein Phänomen der Deutschen sein. Was aber ist der Grund dafür?
Georg Lukacs spricht von «Eigentümlichkeiten der geschichtlichen Entwicklungen Deutschlands». Als England und Frankreich den Weg zur Nation gefunden haben, waren die Deutschen noch komplett verstritten: Sie hatten keine politische Kultur und gaben sich der Kleinstaaterei hin. Die Art, wie Deutschland 1871 vereinigt wurde, ist nicht normal. Die Deutschen haben Identitätsprobleme seit dem 19. Jahrhundert.

Und welche Rolle spielt Hitler?
Hitler war kein Unfall, er war programmiert. Adorno schrieb: Wäre Hitler in Frankreich oder England aufgetaucht, man hätte ihn nur ausgelacht. In Deutschland wurde er bejubelt. Hitler war einer von Deutschlands Sonderwegen.

Auch die deutsche Flüchtlingspolitik stellen Sie in die Reihe dieser Sonderwege. Können Sie das erklären?
Der französische Präsident sagt: Wir nehmen 30’000 Syrer und dann ist Schluss. Die deutsche Bundeskanzlerin nimmt 1,5 Millionen Flüchtlinge auf und weigert sich selbst dann noch, eine Obergrenze einzuführen. Das ist ein Sonderweg, wie er für die Deutschen typisch ist. In einem Streitgespräch in der Welt mit dem jüdischen Journalisten Henryk Broder sagte ein Künstler: «Wir sind Deutsche, wir können keine Normalität haben.» Da fragte Broder: «Wieso nicht?» Da sagte der Künstler: «Wir haben die Juden ermordet.» Da sagte Broder: «Ich bin Jude und ich möchte in einem normalen Land leben.» – Diese Normalität herzustellen, wäre wichtig für Deutschland. Aber die Eliten aus Wissenschaft, Politik und Medien weigern sich dagegen.

Deutschland verärgert Sie, gleichzeitig haben Sie auch Mitleid mit den Deutschen. Wieso eigentlich?
Meine Heimat ist heute Göttingen. Die Stadt hat mehrere Tausend Flüchtlinge aufgenommen und die bestimmen, wo es langgeht. Die machen viel Lärm auf den öffentlichen Plätzen und bringen Unruhe in die Innenstadt. Wenn ich mich gestört fühle, sage ich: «Machen Sie bitte das Radio aus.» Oder: «Sprechen Sie bitte leise.» Ich habe keine Angst, dies zu tun. Die Deutschen aber haben Angst, weil sie sich fürchten, als Rassisten bezeichnet zu werden. Darum habe ich Mitleid mit ihnen. Die sind so eingeschüchtert, dass sie sich nicht mehr trauen zu sagen, was sie denken.

Sie selber sind Syrer. Ihre zweite Heimat Deutschland nimmt Hunderttausende Ihrer Landsleute auf – Sie müssten sich doch darüber freuen.
Ich fahre sehr viel Taxi, denn ich habe kein Auto. Das Schönste am Taxifahren sind die Gespräche mit den Deutsch-Türken und Deutsch-Iranern. Die denken genau wie ich. Wir haben es geschafft, hier Arbeit, Freiheit und ein bisschen Ruhe zu finden. Diese 1,5 Millionen Flüchtlinge bringen Unruhe in diese Gesellschaft. Wir deutschen Ausländer haben Angst um unsere Integration. Der hässliche Deutsche ist stets Nazi oder Gutmensch. Das sind die beiden Seiten derselben Medaille. Ich habe Angst, dass die Gutmenschen von heute morgen Nazis sind.

Weil sie sich plötzlich überfordert fühlen könnten?
Ja.

Sie selber waren ein Antisemit, als Sie nach Deutschland kamen.
Ich bin in Damaskus geboren und habe da bis zum 18. Lebensjahr gelebt. In der Schule und in den Medien habe ich jeden Tag gehört, dass die Juden Verschwörer und Feinde der Araber sind – das war die Hintergrundmusik meiner Kindheit. Ich kam als Judenhasser nach Deutschland, nicht weil ich Bassam Tibi bin, sondern weil ich in dieser antisemitischen arabischen Kultur aufgewachsen bin. Die meisten Syrer sind Antisemiten.

Wie haben Sie diesen Antisemitismus abgelegt?
Ich hatte das Glück, bei zwei grossartigen jüdischen Philosophen in Frankfurt zu lernen: Adorno und Horkheimer. Adorno hat mein Leben verändert, er hat mich von meinem Antisemitismus geheilt. Wenn Adorno Jude ist, dachte ich, dann können Juden nicht schlecht sein. Ich war später der erste Syrer, der nach Israel reiste und öffentlich sagte: Ich anerkenne das jüdische Volk und sein Recht auf Staatlichkeit in Israel. In Syrien galt ich deswegen als Landesverräter.

Sie sprechen syrische und arabische Flüchtlinge spontan auf der Strasse an und reden mit Ihnen, wie Sie in der Bild-Zeitung schrieben.
Ja, und ich kriege Informationen, die Deutsche nicht bekommen. Denn die Syrer sprechen mit den Behörden nicht so ungezwungen wie mit mir.

Was erfahren Sie über ihre Vorstellungen vom Leben, ihre Erwartungen an Deutschland?
Ich gebe Ihnen zwei Beispiele. Ein Palästinenser, der in Damaskus lebte: Er ist in Göttingen, sein Asylverfahren wird sehr langsam bearbeitet. Der Grund: Die deutschen Behörden sind überlastet. Er sagte zu mir: «Die Juden sind schuld.» Ich fragte: «Was haben die Juden mit dem deutschen Asylverfahren zu tun?» Er: «Hast du nicht gesehen, hier in Göttingen gibt es eine Judenstrasse und da sitzen sie und regieren die Stadt.» – Ich versuchte, mit ihm rational zu reden, aber das hatte keinen Sinn. Ein anderer Syrer: anerkannter Asylant, vier Kinder, spricht kein Wort Deutsch. Er wollte von der Stadt ein Auto haben, diese hat es ihm aber verweigert. Er sagte mir: «Das waren Juden, die das entschieden haben.»

Sind das repräsentative Beispiele?
Ja. Diese Menschen sind sozialisiert in einer antisemitischen Kultur.

Ihnen geht die «arabische Lärmkultur» auf die Nerven. Wie reagieren Ihre Landsleute, wenn Sie sie im öffentlichen Raum zurechtweisen?
Ich habe eine Methode im Umgang mit diesen Leuten. Ich gehe hin und sage auf Arabisch: «Mein Name ist Bassam Tibi. Ich bin aus Damaskus, ich bin Muslim wie du, ich lebe hier und bin dankbar dafür.» Dann sage ich: «Ihr benehmt euch unanständig. Das ist gegen syrische Sitten.» – Ich beschäme sie also, und wenn das nicht funktioniert, zitiere ich Verse aus dem Koran und sage, sie würden sich unislamisch benehmen. Ich kenne den Koran in- und auswendig, mit Suren kriege ich sie klein. Glauben Sie mir: Wenn ich Arabisch rede mit arabischen Argumenten, habe ich mehr Macht über diese Leute als ein deutscher Polizist.

Der normale Deutsche kann nicht Arabisch und kommt nicht aus Damaskus. Sie wünschten sich aber gerade, dass Deutsche mehr reklamieren, wie Ihre Kultur funktioniert. Wie soll das gehen?
Ich habe lange in Amerika gelebt. Muslimische Jugendliche in Boston, New York und Washington haben eine Mischung aus Angst und Respekt, wenn sie einen Polizisten sehen. Sie wissen, dass sie ins Gefängnis kommen, wenn sie ihn frech behandeln. Die deutschen Ordnungsbehörden müssen Ausländer, die sich gegen den Staat verächtlich verhalten, in die Schranken weisen. Das passiert aber nicht. Die Angst vor dem Rassismus-Vorwurf ist in Deutschland grös­ser als die Angst vor dem Verfall der öffentlichen Ordnung.

Die Medien akzentuieren stark die Dankbarkeit der Flüchtlinge für die deutsche Gastfreundschaft. Erleben Sie das auch so oder überwiegt eine realitätsfremde Erwartungshaltung?
Es überwiegen die hohen Erwartungen, aber diese sind auch rational erklärbar. Wir leben in einer globalisierten Welt: Die Leute sehen schon in ihren Herkunftsländern, dass es in Deutschland tolle Wohnungen, blonde Frauen und den Sozialstaat gibt. Ich war gerade in Kairo: Da ist eine Zweizimmerwohnung ein Luxus. Ein Mann, der in Kairo heiraten will, muss dem Vater des Mädchens nachweisen, dass er eine Zweizimmerwohnung hat. Hier in Göttingen kenne ich 16-jährige Araber, die für sich alleine eine Zweizimmerwohnung haben. Und wer mit 16 eine Zweizimmerwohnung hat, will mit 18 ein Auto! Aber der Sozialhilfesatz reicht dazu nicht aus.

Darin wittern Sie ein grosses Enttäuschungspotenzial.
Ja. Denken Sie, selbst der dankbare Syrer, der mit Merkel das berühmte Selfie gemacht hatte, war vor ein paar Wochen im Fernsehen und erklärte, er sei nun von Merkel enttäuscht: Er wolle Arbeit, ein sicheres Einkommen und eine Wohnung. Wir werden grosse soziale Konflikte erleben.

Wie können Sie sich da so sicher sein?
Erstens, weil Deutschland die hohen materiellen Erwartungen nicht erfüllen kann. Zweitens, weil diese Flüchtlinge ein Wertesystem haben, das mit der Moderne nicht vereinbar ist. Die Syrer, mit denen ich rede, sagen: «Die Deutschen haben keine Ehre, weil ihre Frauen mit jedem schlafen.» Sie sagen: «Mit meiner Frau, mit meiner Tochter und Cousine kann nicht jeder herumschlafen. Die sind meine Ehre.»

Was bedeutet das im Umgang mit deutschen Frauen?
Wir haben das in der Silvesternacht von Köln gesehen. Hunderte junge muslimische Männer behandelten Frauen als Freiwild.

Diese Männer wissen, dass sie eine Straftat begehen. Denken sie trotzdem: Deutsche Frauen sind einfach Schlampen, die man belästigen kann?
Beides trifft zu. Sie wissen, dass es gesetzlich verboten ist. Aber sie denken auch: Deutsche Frauen sind Schlampen. Und dazu kommt das Wissen, dass ihr Handeln keine Folgen hat. Deutsche Polizisten haben im Umgang mit Flüchtlingen Angst. Sie haben nicht vor den Flüchtlingen Angst, sondern Angst davor, als Rassist bezeichnet zu werden, wenn sie Flüchtlinge zurechtweisen. Das ist aber ein verheerendes Signal. Viele Neuankömmlinge halten Deutsche deshalb für Weich­eier. Sie nehmen Deutsche gar nicht ernst.

Sie haben die Ereignisse auch mit einer Rache der Verlierer erklärt. Vereinfacht gesagt: Die, die das Auto und die schöne Wohnung nicht kriegen, rächen sich am deutschen Mann, indem sie seine Frau missbrauchen.
Vergewaltigung von Frauen ist ein Mittel der Kriegsführung in Syrien. Alle Kriegsparteien machen das. Die Flüchtlinge, die hierherkommen, kommen aus dieser Kultur und nicht alle sind Opfer. Wenn solche Männer nicht kriegen, was sie erwarten, werden sie wütend. In der Kultur, aus der ich komme, will man Leute demütigen, die einen wütend machen. Im Orient demütigt man einen Mann, indem man seine Frau demütigt: durch Vergewaltigung. Meine Vermutung ist, dass diese jungen muslimischen Männer in Köln die Frauen demütigen wollten, und hinter dieser Demütigung steht die Demütigung des deutschen Mannes. Die Frau ist ein Instrument dafür.

Sie sagen: Köln war nur der Anfang. Warum blicken Sie so negativ in die Zukunft?
Wenn es dem deutschen Staat gelingt, Flüchtlinge zu integrieren, dann gibt es keine Probleme. Aber ich sehe kein Integrationskonzept, keine Einwanderungspolitik, ich sehe nur Chaos.

Patriarchalisch gesinnte Männer aus frauenfeindlichen Kulturen lassen sich nicht integrieren, sagen Sie. Was soll ein Staat mit solchen Männern machen, wenn er sie nicht ausschaffen kann?
Die Leute, die hier sind, müssen umerzogen werden. Die Deutschen waren 1945 mehrheitlich Nazis. Hitler hat mit der Zustimmung der Mehrheit der Deutschen regiert. Die Deutschen wurden vom Westen umerzogen zu Demokraten. Ich verlange eine Umerziehung für die Migranten aus der Welt des Islams: eine Umerziehung aus der patriarchalischen Kultur hin zur Demokratie.

Solche Bemühungen hat Deutschland mit seinem Integrationsgesetz auch in die Wege geleitet.
Davon habe ich nichts bemerkt. Die Deutschen denken, alles könne per Gesetz geregelt werden, das ist Teil ihres obrigkeitsstaatlichen Denkens. Das ist Teil des deutschen Sonderwegs. Wertevermittlung ist aber eine gesellschaftliche Aufgabe.

Warum haben Deutsche solche Probleme, ihre Werte zu vermitteln?
Ich umarme Sie für diese Frage! Ich habe in Amerika noch keinen muslimischen Immigranten erlebt, der nicht gesagt hätte: I am an American. Alle meine türkischen Freunde in den USA sagen das! Ich habe einmal auf einer US-Militärbasis Vorträge über den Islam für amerikanische Offiziere gehalten und gesehen, wie Leute, die in Sudan, in der Türkei und in Syrien geboren sind, weinend unter der amerikanischen Flagge standen und die Hymne sangen. «Integration is providing a sense of belonging» – Integration bedeutet Zugehörigkeit. Ich selbst habe hier in fünfzig Jahren aber nur geschlossene Türen erlebt. Neulich fragte mich eine TV-Moderatorin in einer Talkshow: «Schämen Sie sich, dass Sie Syrer sind?» Ich sagte: «Ich schäme mich nicht, aber ich möchte Deutscher sein.»

Sie sind ja Deutscher!
Ich bin deutscher Staatsbürger, aber kein Deutscher. Ich gelte als Syrer mit deutschem Pass. In Deutschland unterscheidet man zwischen dem Staatsbürger und dem Deutschtum. Ich füge mich und nenne mich Syrer. Der deutsche Pass gibt mir Rechts­sicherheit und ich nehme mir die Rechte, die viele Deutsche gar nicht brauchen.

Sie kamen als Syrer und Antisemit nach Deutschland. Mittlerweile sind Sie eingebürgert und machten eine wahnsinnige wissenschaftliche Karriere in diesem Land. Ihr Beispiel macht doch Hoffnung, dass Integration gelingen kann.
Sie sagen, ich habe hier eine wahnsinnige Karriere gemacht – das stimmt nicht! Ich bin mit 28 Jahren Professor in Göttingen geworden, aber das war auch das Ende meiner Karriere in Deutschland. Meine Karriere habe ich in Amerika gemacht. In Deutschland bin ich ausgegrenzt, getreten und gemobbt worden. Eine Willkommenskultur habe ich nie erlebt. Der einzige Grund, warum ich hier blieb, ist meine deutsche Familie. Die wollte nicht nach Amerika gehen. Die Entscheidung war womöglich falsch.

Warum haben Sie den deutschen Pass angenommen?
Ich wollte Deutscher sein. 1971 habe ich einen Antrag gestellt. Es hat fünf Jahre gedauert, bis ich ihn bekommen habe. In diesen fünf Jahren wurde ich unheimlich gedemütigt. Ich hatte einen deutschen Doktor­titel, eine deutschsprachige Habilitation geschrieben. Aber stellen Sie sich vor: Auf dem Amt diktierte mir ein deutscher Polizist einen Text aus der Bild-Zeitung, um meine Deutsch- Kenntnisse zu prüfen. – Wie wollen die Deutschen 1,5 Millionen Muslime integrieren, wenn sie mich, der ich dreissig Bücher in deutscher Sprache geschrieben habe, nicht integrieren konnten?

Sind Muslime besonders schwer inte­grierbar?
Seien wir ehrlich, ein Hindu oder Buddhist integriert sich sicher leichter. Das Gerede, die schlechte Inte­gration von Muslimen habe mit dem Islam nichts zu tun, ist Quatsch. Der Islam macht den Muslimen Schwierigkeiten bei der Integration, solange er nicht reformiert ist.

Das heisst: In Deutschland tritt gerade der Worst Case ein. Schlecht integrierbare Menschen treffen auf eine Gesellschaft, die nicht fähig ist, Menschen zu integrieren?
Genau! Ich hatte zwei Vorstellungen im Leben und kreierte dazu zwei Begriffe: den des Euro-Islams und den der Leitkultur. Heute muss ich einsehen: Deutschland ist unfähig, eine Hausordnung für das friedliche Zusammenleben anzubieten. Die Muslime in Deutschland sind ihrerseits unwillig, sich zu einem europäischen Islam zu bekennen. Ich halte mittlerweile beides für Utopien. Ich kapituliere.

Schafft nicht die deutsche Willkommenskultur die Grundlage für ein neues Verhältnis zu den Migranten?
Im Januar 2016 schrieb die Zeit: «Sind wir verrückt oder sind das die anderen?» Die Zeitung beschrieb eine direkte Linie von der Empfangs- Euphorie der Deutschen zu Auschwitz. Die Deutschen sind nicht an den Münchner Bahnhof gegangen, weil sie die Flüchtlinge lieben, sondern weil sie versuchen, ihre Schuldgefühle am Mord an den Juden mit Willkommenskultur zu kompensieren. Das ist keine gute Grundlage. Der Historiker August Winkler nennt das eine Kultur der Selbstgefälligkeit.

Das ist eine grosse Unterstellung. Sie und Winkler massen sich an, die Motive der Menschen, die helfen, zu kennen.
Ich kann Ihnen nur sagen: Ich habe Angst vor diesen Deutschen.

Die Schweizer fordern Anpassung rigoroser ein als die Deutschen. 2009 bestimmte das Volk, dass in der Schweiz keine Minarette mehr gebaut werden dürfen. Sie sind Muslim: Verletzt dieser Entscheid Ihre Gefühle?
Zum islamischen Glauben gehört eine Moschee, und eine Moschee ohne Minarett kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich bin Sozialwissenschaftler und ich mache Kompromisse.

Das heisst?
Ich möchte mich nicht festlegen. Der grösste Kompromiss von muslimischer Seite wäre: eine Moschee, aber ohne Minarett. Der weniger grosse Kompromiss wäre: eine Moschee mit Minarett, aber ohne Aufruf zum Gebet. Denn dieser Lärm ist ein Störfaktor für Nicht-Muslime. Aber nicht nur für diese! Ich habe jahrelang in Kairo gelebt und in Jakarta – zwei grosse islamische Städte. Ich konnte sehen, wie die Preise der Immobilien in einem Quartier jeweils rapide gesunken sind, wenn eine neue Moschee gebaut wurde. Wenn der Muezzin kommt, gehen viele Muslime nicht zum Gebet, sie verkaufen ihre Wohnung.

Herr Tibi, ich wurde auf Sie erst kürzlich aufmerksam und da habe ich mich gewundert: Wie ist es möglich, dass ein deutscher Islamexperte mit Ihrem Renommee, der dazu noch aus Syrien kommt, von deutschen Medien in Zeiten der Flüchtlingskrise nicht befragt wird?
Artikel 5 des Grundgesetzes garantiert Denk- und Redefreiheit. Die deutsche politische Kultur steht aber nicht in Einklang mit dem Grundgesetz. Es gibt kritische Meinungen, die in diesem Land nicht gefragt sind. Für die gibt es einen Maulkorb. Ich war der Islam- und Nahostexperte des deutschen Fernsehens, ich war 17 Jahre lang regelmässiger Gastautor der FAZ und habe für alle grösseren deutschen Zeitungen geschrieben. Dann bin ich aus allen Medien entfernt worden. Erst 2016 bin ich mit Hilfe von Alice Schwarzer und einer Journalistin der Welt in die Medien zurückgekehrt. Ich hätte hier viel zu sagen, aber meine Meinung will man nicht hören.

Jetzt können Sie sich ja wieder äussern.
Ja, ich kriege langsam, aber sehr langsam, die Freiheit, meine Sorgen auszusprechen. Der Dosenöffner war Köln. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.07.2016

Linkspartei mit Islam als Bündnispartner gegen AfD

Ein langjähriges FDP-Mitglied und ­religiöser Lobbyist auf einem marxistischen Kongress? Alles ist möglich. Nachdem Aiman Mazyek im Mai 2016 bereits auf dem Bundesparteitag der Linkspartei sprach, wird der Vorsitzender des »Zentralrats der Muslime in Deutschland« (ZMD) im Mai voraussichtlich auf dem diesjährigen Kongress »Marx is̕ Muss« der Gruppe »Marx 21« auftreten, die aus der trotzkistischen Organisation »Linksruck« hervorgegangen ist.

Mazyeks Thema: »Wie stoppen wir die AfD?« Für Marx 21 – wie schon zuvor für die Partei »Die Linke«, zu der die Gruppe gehört – ist dieser Auftritt der Notwendigkeit geschuldet, ein großes Bündnis gegen den anhaltenden Aufschwung der Rechten zu schaffen. Da es sich um eine der am stärksten betroffenen Opfergruppen dieses Rechtsrucks handele, gelte es, ohne Gesinnungstests den bedrohten Muslimen in ganz Europa zur Seite zu stehen. Der Faschismus mache keinen Unterschied zwischen konservativen und fortschrittlichen Muslimen, verlautbarten die Organisatoren von »Marx is Muss« auf ihrer Facebook-Seite.

Las lieber die »New York Times« als den Koran: der alte Marxist Leo Trotzki

Las lieber die »New York Times« als den Koran: der alte Marxist Leo Trotzki (Foto: Action Press / Rex Features)

Und so steht Marx 21 auch an der Seite des ZMD. Dieser »Zentralrat« beansprucht für sich, anders etwa als die unter Kontrolle des türkischen Staats stehende Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), alle Muslime in Deutschland zu repräsentieren – trotz vergleichsweise geringer Mitgliederzahlen. Der im Organisationsnamen ausgedrückte Anspruch leitet sich daraus ab, dass im ZMD Verbände für Muslime unterschiedlicher Herkunft vertreten sind, von türkischen über arabische bis hin zu togolesischen Muslimen. Ein Mitgliedsverband ist die Union der türkisch-islamischen Kulturvereine in Europa (Atib). Wie die Ditib beschäftigt auch sie in ihren Moscheevereinen zahlreiche Imame, die dem türkischen Präsidialamt für Religionsangelegenheiten unterstellt sind. Ein Vorstandsmitglied der Atib, Mehmet Alparslan Çelebi, fungiert auch als Stellvertreter Mazyeks im ZMD. Atib sieht sich seit der Gründung dem Vorwurf ausgesetzt, den türkischen Faschisten der »Grauen Wölfe« nahezustehen – ein Vorwurf, den die Atib vehement zurückweist. Dass die Union klare ideologische Übereinstimmungen mit den Grauen Wölfen aufweist, haben etliche Untersuchungen, etwa des bayerischen Landtags und des Pädagogikportals ufuq.de, wiederholt zu Tage gefördert. Wichtig ist dabei das Konzept der Ülkücüler-Bewegung, die einen religiös vermittelten alltäglichen Kulturkampf für die türkische Nation fordert. Die Idee des auf einer nationalen Identität basierenden »Europäischen Türkentums« ist ebenfalls bedeutsam. Dokumentiert ist zudem, wie Atib-Mitglieder auf öffentlichen Veranstaltungen den »Wolfsgruß« der türkischen Faschisten entrichten. Das ZDF nennt die Atib in einer Dokumentation schlicht eine »Organisation der Grauen Wölfe«. Angesichts der Ideologie der Atib wäre anzunehmen, linke Organisationen mieden den Verein und ihm nahestehende Gruppen. Marx 21 sieht dies offensichtlich anders.

Es gibt mindestens einen weiteren Mitgliedsverband des ZMD, der die Kooperation mit Mazyek für Linke unmöglich machen sollte. Es handelt sich um die Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD). Es gibt sie bereits seit 1958, sie ist Gründungsmitglied des ZMD. Der bayerische Verfassungsschutz bezeichnete die Gemeinschaft 2011 als »deutsche Zentrale des ägyptischen Zweigs der Muslimbruderschaft«. 2014 veröffentlichte das Kabinett der Vereinigten Arabischen Emirate eine Liste mit 83 Organisationen, die es dem islamistischen Terrorismus zurechnete. Die einzige Gruppe aus Deutschland, die erwähnt wurde, war die IGD.

»Es gibt Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion«, hatte Oskar Lafontaine bereits vor Jahren festgestellt. Der Linkspartei und Marx 21 mag derzeit eine Strategie ­gegen die AfD vorschweben, in der die Linke sich für Bündnisse mit Organi­sationen wie dem ZMD öffnet. Dabei hoffen sie womöglich auf eine antirassistische Hegemonie im politischen Diskurs. Dass linke Ziele wie etwa die Durchsetzung des Säkularismus gegen die als »Religionsfreiheit« getarnten kirchlichen Privilegien dabei auf der Strecke bleiben, ist die eine Sache. Dass Islamisten wie die IGD und religiös verbrämte Faschisten wie die Atib nicht als Kooperationspartner taugen, sondern als politische Gegner bekämpft werden müssten, die andere.

Eine dritte Sache wäre es, einen vermeintlich verbürgerlichten Muslim wie Mazyek, der Islamisten und Faschisten einen Platz in seiner Organisation bietet, dafür öffentlich nach Kräften zu kritisieren. Im Konkurrenzkampf um die Vertretung muslimischer Interessen ist er bereit, die Atib und die IGD salonfähig zu machen. Die Linkspartei und Marx 21 versuchen, die Anschuldigungen gegen solche Verbände mit sehr allgemein gehaltenen antirassistischen Verlautbarungen zu bannen. Das führt vielleicht tatsächlich irgendwann zur erwünschten Einheitsfront gegen die AfD. Ob in der ersten Reihe Linke, Islamisten oder Graue Wölfe laufen dürfen, müsste aber wahrscheinlich erst ausgefochten werden.

ARD: Der Unwille zur Recherche und die Macht des Ressentiments

ARD: Der Unwille zur Recherche und die Macht des Ressentiments

Tagesschau und Tagesthemen senden einen Beitrag über den Wassermangel in der Westbank, in dem Israel an den Pranger gestellt wird. Der offenkundige Unwille zur Recherche und die einseitige Auswahl der Gesprächspartner seitens des Filmautors sind dabei jedoch nicht bloß Schlamperei, sondern haben andere Ursachen. Zur Geschichte eines öffentlich-rechtlichen Skandalstücks.

 

achgut.com

ARD: Der Unwille zur Recherche und die Macht des Ressentiments

Manchmal sind es vermeintliche Kleinigkeiten, die Rückschlüsse auf das große Ganze zulassen. Nachdem es reichlich Kritik an einem in der Tagesschau und den Tagesthemen ausgestrahlten Beitrag zum Wassermangel im Westjordanland gegeben hatte, in dem der jüdische Staat in ein ganz schlechtes Licht gerückt worden war, ließ Markus Rosch, Autor des Films und Israel-Korrespondent der ARD, gemeinsam mit seiner Kollegin Susanne Glass eine Stellungnahme auf dem Blog des ARD-Studios Tel Aviv folgen. Darin verteidigten sich Rosch und Glass und thematisierten zum Schluss auch eine von Gerd Buurmann auf seinem Blog verbreitete Äußerung der SPD-Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier, die den Film auf Facebook mit ungewöhnlich scharfen Worten gerügt hatte. Das Zitat der Parlamentarierin sei für sie, so schrieben die beiden ARD-Leute, „derzeit nicht zu verifizieren“, denn es sei „nicht auf der Facebook-Seite der Politikerin wiederzufinden, die sich – wie dort zu lesen ist – offenbar gerade in Rio befindet“. Die naheliegende Idee, auch mal auf der Facebook-Seite der Tagesschau nachzusehen – wie Buurmann es getan hatte –, kam Rosch und Glass anscheinend nicht. Genau dort fand sich Engelmeiers Statement aber.

Man könnte das als Petitesse abtun, wäre es nicht so symptomatisch für den Unwillen zur Recherche, den man sowohl Roschs Beitrag als auch der Entgegnung des Studios in Tel Aviv auf die Kritik anmerkt. Was der gebührenfinanzierte Sender wider alle journalistischen Grundsätze versäumte, erledigten schließlich andere, allen voran der Nahostkorrespondent Ulrich Sahm (in zwei ausführlichen Texten), die Bild-Journalistin Antje Schippmann sowie Gerd Buurmann und Michaela Engelmeier. Sie prüften die Behauptungen der Familie Osman, die im Film gewissermaßen als Hauptbelastungszeugin herangezogen wurde, und des Hydrogeologen Clemens Messerschmid, der Markus Rosch als Experte diente. Sie recherchierten Zahlen und Fakten zur Wasserversorgung im Westjordanland, gingen den Ursachen für die Wasserknappheit nach, holten israelische Stimmen ein und forschten nach den Hintergründen von Messerschmid, der im ARD-Beitrag eher wie ein politischer Aktivist klang denn wie ein Fachmann.

Eine Blamage für die ARD

Was sie herausfanden, gereicht der Tagesschau und den Tagesthemen zur Blamage. Schon die Aussage von Rosch und Glass, man habe wegen eines „hohen jüdischen Feiertags“ leider keine O-Töne israelischer Experten einholen können und schließlich „der Schnelligkeit den Vorrang gegeben“, mutet befremdlich an. Zum einen gab es in den drei Wochen vor der Ausstrahlung lediglich einen Fastentag, an dem Juden zwar keine Lederschuhe tragen und keinen Geschlechtsverkehr haben sollen, aber durchaus mit Journalisten sprechen dürfen. Zum anderen bestand bezüglich des Filmbeitrags ganz gewiss kein Anlass zur Hast – es handelte sich ja nicht um ein tagesaktuelles Thema, bei dem man notfalls auch ohne Äußerungen derjenigen Seite auskommt, die an den Pranger gestellt wird. „Wie kann seriöser, glaubhafter und unabhängiger Journalismus funktionieren, wenn man gründliche Recherche aus fragwürdigen Zeitgründen vernachlässigt?“, fragt Michaela Engelmeier deshalb völlig zu Recht.

Auch hinsichtlich der im Tagesschau-Beitrag kolportierten Gründe für die Wasserknappheit in Salfit – jenem palästinensischen Dorf, in dem die Familie Osman lebt und Rosch mit seinem Team drehte – sind Zweifel angebracht. In dieser Ortschaft hatte es einige Wochen zuvor einen Bruch an einer Hauptversorgungsleitung gegeben, der – so berichtet es die koordinierende Regierungsbehörde Israels in den palästinensischen Gebieten (Cogat) – dadurch entstanden war, dass palästinensische Bewohner die Rohre zwecks Wasserentnahme angezapft und folgenreich beschädigt hatten. Die Versorgungsengpässe in Salfit – wie auch in den umliegenden israelischen Siedlungen – könnten also damit zusammenhängen. Markus Rosch und Susanne Glass schreiben dazu in ihrer Replik an die Kritiker, dass der Rohrbruch zum Zeitpunkt der Dreharbeiten als repariert „galt“. Zu recherchieren, ob das tatsächlich stimmt, hielten sie offenbar wiederum nicht für nötig.

Schließlich hatten sie dafür ja den deutschen Experten Clemens Messerschmid. Der behauptet, den Palästinensern im Westjordanland mangele es an Wasser, weil die Israelis sie keine Brunnen bauen ließen, da sie das gesamte Grundwasser in der Westbank für sich selbst beanspruchten. Eine überaus heftige Anschuldigung, weshalb es spätestens an dieser Stelle geboten gewesen wäre, einen israelischen Fachmann vor die Kamera zu holen. Haim Gvirtzman beispielsweise, einen Professor für Hydrologie an der Hebrew University in Jerusalem, der zudem Mitglied im Council der israelischen Wasserbehörde und lange Jahre ein Berater des gemeinsamen israelisch-palästinensischen Wasserkomitees (JWC) war. Oder Uri Schor, den Sprecher der israelischen Wasserbehörde. Mit beiden hat dafür Antje Schippmann gesprochen, und was sie zu sagen hatten, widerspricht den Thesen Messerschmids fundamental. Hier geht es weiter.

Black Lives Matter to Israel, Not So Much to Its Racist Critics

“God created men, and Sam Colt made them equal” — Bit of old American folk wisdom

 

It’s summer, and the mind is not given to big thoughts. Winona Ryder’s masterful turn on Netflix’s Stranger Things? That I am willing to contemplate. But Black Lives Matter releasing a platform that scathingly condemns Israel, and other coalitions of the progressive and righteous joining in on the attack? It’s too darn hot for that. So instead of sitting down and rebuking this newest round of outrageous claims against the Jewish state—which others, frankly, have already taken to task more eloquently and competently than I ever could—I reclined on my couch in my excessively air-conditioned study and allowed myself a midsummer afternoon’s dream about the most diverse society in which I’ve ever had the pleasure of living. It wasn’t the Ivy League university where I’d spent seven years of my life listening daily to thundering speeches about the importance of diversity. It wasn’t New York City, for all its melting pot swagger. It was Bahad Arba, the dusty basic training camp outside Beit El, where, 22 years ago this month, I arrived as a new recruit, my head shaved and my heart heavy, ready to begin the long road to soldier-hood.

I don’t remember the names of most of my fellow recruits, but I’ll never forget their faces and their stories: the young Muscovite who claimed a Jewish ancestor and made aliyah but continued to celebrate Novy God every December in his home in Bat Yam; the Ethiopian cousins who had memorized entire lines by Tupac and Biggie like they were from Compton instead of straight outta Petach Tikvah; the quiet Druze who scoffed at them because he was a violinist who believed, fervently, that rap was noise and Dvorak was king; the Baku-born dude who boasted that the only way to solve the conflict with the Palestinians was to put guys like him in charge because his family had lived among Muslims for decades and had never had any problems; the troublemaker who saw no contradiction between the yarmulke on his head and his abiding love for pranks, practical jokes, and other sophomoric pleasures; the pale weirdo from a wealthy suburb of Tel Aviv who missed his computer like the rest of us missed our girlfriends. These were my new friends, and as we were getting to know each other, the tent flap flew open and our new commanding officer stormed in and demanded we jump to attention. Her name was Esty.

And so, yeah, sure, I know: Ethiopians are still likely to face considerable bias, and Israeli women, like their counterparts in America, Europe, and elsewhere in the world, still face a maddening wage gap. Israeli Arabs are still struggling with real and often systemic discrimination, and it’s still perfectly acceptable for an educated and cultured secular Israeli to speak of an Orthodox Israeli in terms that would’ve made the copy editor at Der Sturmer blush. None of these are marks of the beast; they are all indications that Israel, like every other imperfect modern democracy—which, really, is all of them—is struggling with gargantuan challenges and doing its best to forge a more just and more welcoming society even as violence within and without threatens to overwhelm it.

But as they struggle for equality, Israelis have an ace in the hole that others do not: Israelis have weapons, and they are trained to use them by their government.

As Commander Esty concluded her initial welcoming speech—which was neither a real speech nor, as you know if you’ve ever watched any movie about military basic training, particularly welcoming—she took us to a squat concrete building where each of us was assigned an M16, still dripping with grease. For the next four weeks, we learned everything there is to know about our rifle: how to take it apart, blindfolded, and put it together again in seconds; how to clean it and how to fix it when it jammed; how to shoot it while standing, sitting, lying down or running around. It didn’t take much more than two or three visits to the firing range to turn our band of misfits into something like a cohesive platoon whose members truly respected each other. That’s because with guns in hand, we were so evidently and so beautifully equal.

This may sound appalling to those who’ve come to think of guns as satanic, many of whom, sadly, have never had the pleasure of feeling the rattle of a semiautomatic charge their body with its furious pulse. But stop to think about it plainly for a moment, and you’ll realize what all of us realized in Bahad Arba that August decades ago, and what every Israeli realizes as soon as he or she begins their mandatory military service: Whatever inference you were going to make about the person standing beside you based on their gender, skin color, creed, or sexual orientation is going to change dramatically when that person is casually tapping on a shiny, oily, combat-worn M16.

Do you want to be a sexist pig and make some lewd remark about that gorgeous brunette right there? Sure thing, just keep in mind that she may be a well-trained warrior capable of separating you from your limbs in three graceful steps. Are you a homophobic asshole? That’s cool, until you look around you and realize that three or four of the fiercest fighters you know have boyfriends or husbands, which kind of makes any benighted bullshit you might’ve believed about gay men and masculinity fly right out the window. The army doesn’t rectify all of society’s ills or eliminate all human prejudices. But it does force us all into the same sweltering big tent and then gives each of us a gun and an opportunity to feel just as powerful and capable and important as any other person.

That’s why the young Ethiopian man beaten to a pulp in Jerusalem by police officers who might very well have been racists decided that the best way to stand up to the bigotry he’d faced was to become an IDF officer. It’s also why more and more Israeli Arabs are choosing to reject Palestinian rejectionism—an ideology that doesn’t so much care to define its own values and aspirations as it does to push back against any attempt at normal life side by side with the Jews—and join the IDF instead. These brave souls often risk the chastisement of their community—just ask Major Alaa Waheeb, who spoke almost no Hebrew before he decided to enlist and who was called a traitor or worse once he’d put on the dark green uniform—but they rarely have a hard time explaining their decision. The IDF, they know, is not only the clearest path to full integration in Israeli society, it’s also an opportunity, nearly unheard of in the region, to take up arms in defense of the principles of an open democratic society. And while the road can be a bumpy one, it sure beats anything that Syria, where Major Waheeb’s father was born, has to offer.

Far away from the realities of Israeli life, American Jews who disown Israel and embrace Black Lives Matter in order to demonstrate their liberal cred or simply in the hope of doing the right thing by a fellow minority are not necessarily bad people. But here’s what they, and everybody else, must understand: The Black Lives Matter movement is full of racists–people who embrace the particularly ugly, conspiratorial, and long-lived form of bigotry directed against Jews. There is simply no other way to explain why its platform mentions Israel by name 11 times and demands that the United States divest from Israel but not from, say, Pakistan, another recipient of massive American aid and a nation whose totalitarian military regime frequently abuses civil and human rights giddily and without so much as a peep from American liberals. And if you embrace racism against Jews, you are not taking a hit or two in order to help some larger fight against “real” racism: You are encouraging racists in their promotion of racism, which, if you’re Jewish, also happens to be directed at yourself and your family.

Because here’s the thing: There is no such thing, logically, morally, or historically, as anti-racist racism. That’s not a movement that anyone can join without simply becoming a racist, and licensing whatever horrors your fellow racists will perpetrate in your name under the mantle of “historical justice.” The fact that groups like Hamas also play an active and deadly role in the African slave trade is not an accident, but rather the logical outcome of an ideology that demonizes the other and that is devoted to nothing but its own genocidal zeal. Is that really going to make the world a better place?

So if you really believe that black lives matter—or, for that matter, the lives of women or gays or religious minorities matter—then stand up for what you believe in, and embrace the nation that promotes multicultural values better than any other Western country, through the sacred and shared burden of self-defense. Cheer for the state that gives its black citizens—and gay and Arab and female and transgender citizens and everyone else—a gun and excellent training in how to use it. Zionism may be the national liberation movement of the Jewish people, but an M16, like justice, is for all.

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http://www.tabletmag.com/jewish-news-and-politics/210578/black-lives-matter-to-israel

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