„Zwei Kulturen – deutsch-amerikanische Freundschaft, oder was?“

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“American Hero” 2011  © by Julian S. Bielicki

„Zwei Kulturen – deutsch-amerikanische Freundschaft, oder was?“

Oft höre ich zur Zeit, auch von meinen türkischen und arabischen Friseuren, das Wetter wäre so schlecht. Wieso soll das Wetter schlecht sein? Im Gegenteil, das Wetter ist wunderbar, Regen, Wolken, Wind, Kälte, Dunkelheit! Das ist wie deutsches Schwarzbrot, das beste in der Welt! Wir leben doch nicht in Tunesien, wo der Himmel immer blau ist und die Sonne scheint, sondern in Deutschland. Und das deutsche Wetter ist super, mal so, mal so, abwechselnd, eher milde, nicht zu heiß im Sommer, nicht zu kalt im Winter, in Frankfurt am Main mindestens ist es so. Und es gibt den Frühling und Herbst, die es nicht überall in der Welt gibt. Bei dem Wetter lässt sich gut sinnieren, wie z.B. darüber, was Dummheit ist? Dumm ist, wer etwas nicht weiß, obwohl er es wissen könnte.

Wie in den Blondinenwitzen. Es kommt eine Blondine mit knallroten Ohren zum Arzt. „Was ist passiert?“ – fragt der Arzt. „Ich habe gebügelt, da klingelte mein Handy und ich habe das Bügeleisen anstatt das Handy ans Ohr gepresst.“ – sagt die Blondine. „Und was ist mit dem anderen Ohr passiert?.“  „Der Idiot hat nochmal angerufen.“

Ich habe nichts gegen Blondinen, einige echte und unechte Blondinen gehören zu meinen besten Freundinnen.

„Abhören unter Freunden, das geht gar nicht!“ – hört man seit Wochen von allen möglichen politischen Teletubbies. Leute, zwischen Staaten gibt es keine Freundschaften, nur Interessen aus denen Koalitionen oder politische Gegner entstehen. Kapiert es doch endlich und hört mit dem infantilen Geplärre auf! Schäuble und die Seinen haben doch massenhaft gestohlene Bankendaten gekauft, haben sich also als Hehler und Ausspäher betätigt, und es ging dabei nicht um die nationale Sicherheit, sondern um das schnöde Geld. Und wenn Deutsche nicht imstande sind eine Nazibande aufzuspüren, die zehn Jahre lang durch Deutschland zieht und Unschuldige mordet, dann ist es nur folgerichtig, daß USA die Deutschen und sonst alle abhören, wie sie können. Immerhin lebten die  Attentäter 9/11  Atta, Jarrah, Alshehhi und Ramzi Binalshibh seit 1998 in Hamburg, schon vergessen? Und welche geheimen Pläne soll Obama vom Handy der Kanzlerin denn erfahren? Sie hat ja gar keine Pläne, sie ist lediglich eine Gallionsfigur von Deutschland, das irgendwohin driftet, kein Mensch weiß wohin. Vielleicht weiß Obama mehr und das wäre sehr gut, in diesem Fall. Nationen haben viele Mythen, auch über Freundschaften unter Nationen. Deutsche haben keine Freunde, außer Japaner, die glauben daß jeder Deutsche den Tag mit Beethoven oder Schubert anfängt und dann Goethe oder Schiller lesend zur Arbeit fährt,  der er sich mehr als 10 Japaner verpflichtet fühlt. Und Iraner hegen Sympathien für Deutschland, weil sie glauben, Deutsche würden heimlich weiterhin Hitler bewundern und Juden hassen, worin Perser zum Teil sogar Recht haben. Und ansonsten liebt niemand die Deutschen. Und die Deutschen lieben niemand, außer vielleicht die Palästinenser, aber nur weil diese Israelis das Leben schwer machen. So ist es. Keine Liebe, keine Freundschaft zwischen den Staaten. Sie sollen öfter Filme von Reiner Werner Faßbinder schauen. Ist es eine Freundschaft, wenn man in Deutschland überall hört, daß Amerikaner übergewichtig, ungebildet und unkultiviert sind? Dann fragen Sie eine Flugbegleiterin, daß sie Ihnen von ihren Erlebnissen in Charterflügen von Berlin nach Malle erzählt, wie kultiviert die Deutschen sind! Und die wenigsten wissen, daß die amerikanische Revolution von 1763 viel früher Menschenrechte postuliert und erwirkt hat, als die französische von 1789, daß Jefferson bereits 1776 in der Unabhängigkeitserklärung von Virginia das Recht auf Freiheit, Gleichheit, das Recht auf Leben und das Streben nach Glück, als Grundgesetz festgeschrieben hat. Und die Deutschen? Ihre einzige große braune Revolution von 1933 war die Bildung einer kriminellen Vereinigung, sonst nichts. Also seien Sie etwas zurückhaltender in der Hatz auf Amerika, und bedenken Sie, daß ein Stock immer zwei Enden hat.

Psychoanalyse bedeutet, Menschen zu erklären, was diese wissen aber nicht wissen wollen. Das ist ziemlich schwer, jemandem etwas zu erklären, was er weiß. Aber nicht wissen will. Das ist aber mein tägliches Brot. Das Unbewusste hat eine verdammt einfache Sprache, und nur so kann man mit Menschen echt kommunizieren. (Ich kann aber auch anders, so daß es hier keiner verstehen würde, also „hochwissenschaftlich“.) Ganz einfach muss es sein. Sonst wird es ein Gebrabbel. Und ich versuche es auch hier. Also.

Es gibt zwei Kulturen. Die eine, die mit der Aufklärung, mit der Reformation entstand, in der Menschen andere Meinungen nicht nur zulassen, sondern sogar auf entgegengesetzte Meinungen neugierig sind, weil es sie zum Nachdenken zwingt und ihre Horizonte erweitert. Das ist die Kultur, in der Diskussionen, Meinungsstreit, erwünscht sind. Das ist die Kultur, in der man dem anderen zuhört, auch wenn er andere Meinung äußert, die einem nicht gefällt. Der deutsche Philosoph Hegel hat besonders diesen Widerstreit der Meinungen geschätzt. Aber auch Immanuel Kant war nicht ohne. Und schon Aristoteles war großer Freund der Dialektik, so nennt man es, wenn man entgegengesetzte Meinungen auf die Spitze treibt, um weiterzukommen. Wie in der Geschichte, in der sich zwei Freunde treffen, und der eine sagt: „Gratuliere zu deiner Hochzeit, Hans, deine Frau ist super im Bett!“, woraufhin Hans antwortet: „Ach, Karl, ich weiß nicht was ich davon denken soll, die einen meinen es so, und die anderen umgekehrt.“

Die zweite Kultur kennt nur eine Meinung, jede andere Meinung darf einfach nicht sein. Das ist die Kultur des Mittelalters, andere Meinung als der jeweiligen Volksgemeinschaft, ist unter Todesstrafe verboten, und nicht nur andere Meinung, sondern das anders Sein bzw. das vermeintliche oder tatsächliche Anderssein. So war es unter Stalin, so war es unter Hitler, so ist es in Nordkorea, in islamistischen Ländern, und so ist es auch immer mehr in Deutschland. Meistens wird der Andere, der Andersdenkende oder anders Aussehende in Deutschland heute nicht physisch umgebracht, aber medial. Er wird sarrazinisiert, elsterisiert, also medial vernichtet, es wird nicht zur Sache argumentiert, sondern die Person wird angekackt, wie bei manchen Affenarten, die einen Feind kreisförmig umringen, dabei ihre Hintern zum Kreisinneren, wo der Feind steht, richten und ihn zu Tode ankacken und anpissen. So machen es die Deutschen. Gegen einen solchen Shitstorm eines Flashmobs helfen keine Argumente, daher ist es wichtig, nicht allzu nahe an die Kommentarenkloake zu kommen, damit man nicht dort hereinfällt, sonst ist man verloren. Man muss vom sicheren höheren Ort seine Meinung kundtun, wo die Ankacke nicht so leicht ankommt. Das führt natürlich zum weiteren Sturm der Entrüstung in der Kommentarkloacke, die dann dem Entrückten Arroganz vorwerfen. Scheiß drauf. Übrigens ist Deutschland das einzige Land, das als Schimpfworte anale und nicht genitale Ausdrücke benutzt, also Arsch, Scheisse anstatt „fuck you, slut, motherfucker“. So.

Diese Freiheit miteinander Meinungen auszutauschen, wurde im Abendland nach der Aufklärung entwickelt, gefördert, betraf aber nur gebildete Schichten der jeweiligen Gesellschaft. Das Volk blieb, wie es war, nur zunehmend reicher und politisch einflussreicher. Große kulturelle Leistung der Menschheit war die Entwicklung des Menschen vom affigen Wir-Urzustand zum Individuum, zur Person.  Das Wir kennt jedes Tier, nur der Mensch kann sich in einem Bildungsprozess zu einem Ich entwickeln.

In Einsteins Nachlass fand sich ein kleines Gedicht: ‚Unbehaglich macht mich stets das Wörtchen ‚wir‘, / Denn man ist nicht eins mit einem andern Tier, / Hinter allem Einverständnis steckt / Stets ein Abgrund, der noch zugedeckt. (Roger Highfield, Paul Carter: Die geheimen Leben des Albert Einstein. Berlin 1994)

Das Individuelle wird aber von der Volksgemeinschaft verfolgt und vernichtet, denn alle dürfen in einer Volksgemeinschaft nur eine Meinung haben. Der Führer ist tot, aber die Volksgemeinschaft lebt weiter, samt ihrer Aktivisten und Experten, die wie ein Mähdrescher immerwieder dieselbe Meinung propagieren, auch wenn Fakten dagegen sprechen, wie bei der angeblichen Klimaerwärmung. Übrigens, der deutsche Wald ist auch nicht gestorben. Und alle anderen Weltuntergangsprophezeiungen sind nicht eingetreten. Deutsche  Volksgemeinschaft hat offenbar nichts, was ihr sonst Spaß macht, außer Fußball. Autorennen, Weltuntergangsszenarien und Hetzjagd auf irgendjemand. Denn dem Straßenmob geht es um Randale, nicht um die Sache, und um zu beweisen, wer die Macht hat, und zwar die Straße, der Mob, egal ob es um den Bischof oder um Stuttgart 21 oder um Blockupying  geht, der Mob will und beweist es, daß er die Macht hat, und nicht die Kirche, nicht die Stadt, nicht das Land, nicht die Demokratie.

Where the hell are we

„Where the hell are we?” 2004  © by Julian S. Bielicki 74x135cm oil in canvas

Dieses Land ist wie ein Schwarm, ohne Anführer und doch wechselt es immerwieder die Richtung, und zwar alle gemeinsam, Angela schwimmt nur oben wie ein Korken auf den Wellen, die vom Schwarm bestimmt werden. Das ist das Volk, das ist der Volkswille: die Straße. Und diese Straße, dieser Mob, rottet sich auch im Internet zusammen und bekackt jeden, der eine eigene Meinung äußert. Das nennt man Shitstorm des Flashmobs. Das ist die zweite Kultur, wenn es überhaupt eine ist.  Wilston Churchill meinte, die Deutschen hat man entweder zu Füßen, oder an der Gurgel. Und Kaiser Wilhelm II würde heute sagen: „Ich kenne keine Parteien mehr. Ich kenne nur Grüne!“

2013 © by Julian S. Bielicki

www.jsbielicki.com

www.saatchionline.com/jsbielicki

https://psychosputnik.wordpress.com

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