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Literatur und Gesellschaft

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Die Sprache als »Werkstück« | Textpraxis

 

Digitales Journal für Philologie

Literatur und Gesellschaft

Barbara Mariacher
Utrecht

Überlegungen zu Elfriede Jelineks poetologischem Konzept am Beispiel des Theaterstückes »Stecken, Stab und Stangl« (1996)

»Die Sprache ist […] ein Werkstück, und jeder kann auf sie draufhauen«,1 sagt Elfriede Jelinek 2006 in einem Interview und deutet damit in pointierter Weise auf den Kern ihrer poetologischen Verfahrensweise.

Wie aber schlägt man auf die Sprache ein, womit und wozu? Welche Auffassung von Sprache und Text, von Werk und Autor liegt diesem Konzept zu Grunde? Und welche Position nimmt darin der Leser oder der potentielle Zuschauer eines Theaterstückes von Elfriede Jelinek ein?

All diese Fragen stehen im Mittelpunkt der folgenden Überlegungen, die am Beispiel des 1996 unter der Regie von Thirza Bruncken in Hamburg uraufgeführten Stückes Stecken, Stab und Stangl2 geführt werden. Den theoretischen Ausgangspunkt bilden einige Gedanken aus Roland Barthes’ 1984 unter dem Titel Le bruissement de la langue erschienener und 2005 unter dem deutschsprachigen Titel Das Rauschen der Sprache3 vorliegender Essaysammlung, anhand derer die Bedeutung von Jelineks Arbeitsweise gespiegelt werden soll. Wiewohl der Einfluss von Roland Barthes auf das Werk Elfriede Jelineks in der Sekundärliteratur immer wieder konstatiert wird, liegt der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung auf der Diskussion der von Barthes angeregten Dekonstruktion von Trivialmythen.4 Doch zeichnet sich eine Zuwendung zu anderen Schriften Barthes ab, wie zum Beispiel in Ulrike Haß’ Überlegungen zur »Figur des Chores« in Einar Schleefs Inszenierung von Jelineks Sportstück,5 die meinen Blick auf die texttheoretischen Schriften von Roland Barthes angeregt haben.

Ziel der hier vorgenommenen Spiegelung ist es zum einen, die ideologiekritischen Zusammenhänge des poetischen Verfahrens Jelineks, das besonders für ihre späten Werke charakteristisch ist, zu verdeutlichen. Zum anderen soll ein Beitrag geleistet werden, den in der Rezeption Jelineks immer wiederkehrenden Vorwurf von der Unlesbarkeit ihrer Texte zu entkräften. Es sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie mittels einer aktiven, den Irritationen des Textes folgenden Rezeptionshaltung eine neue Lust an der textuellen Auseinandersetzung entsteht, die nicht durch lineares Lesen, sondern durch das Abtragen von Textschichten im Intertext gestillt wird.

Zuvor ist es jedoch notwendig, einen kurzen Blick auf die Entstehungsgeschichte und auf die gesellschaftspolitischen Zusammenhänge des Stückes zu werfen, sowie seinen sich unter dem kryptischen Titel Stecken, Stab und Stangl verbergenden Inhalt zu beleuchten.

1. Bemerkungen zu Entstehung und Inhalt des Stückes Stecken, Stab und Stangl

Den außerliterarischen Anlass für das Werk Stecken, Stab und Stangl bildete ein Rohrbombenanschlag, der im Februar 1995 im burgenländischen Oberwart verübt wurde und vier Angehörigen der österreichischen Minderheit der Roma das Leben kostete. Der tödliche Sprengstoff wurde unter einem Schild mit der provokativen Aufschrift »Roma, zurück nach Indien!« versteckt und explodierte, als die vier Männer die Tafel entfernen wollten.

Dieses Verbrechen, »das den Text auflädt wie eine Batterie«, kommentierte Jelinek als das »katastrophalste Ereignis der Zweiten Republik«.6 Dabei bezog sich ihr Urteil nicht allein auf den heimtückischen Mord, sondern auf die Art und Weise, wie damit in der österreichischen Öffentlichkeit durch Presse und Politik umgegangen wurde. So insinuierte der damalige FPÖ-Vorsitzende Jörg Haider in einem Interview in den Kärntner Nachrichten eine Mitschuld der Opfer an dem Verbrechen, indem er sie und ihre Angehörigen kriminalisierte und damit den Mord zu verharmlosen versuchte. Eine dieser Bemerkungen Haiders findet sich im Gestus eines Mottos dem Text vorangestellt: »Wer sagt, daß es nicht um einen Konflikt bei einem Waffengeschäft, einen Autoschieberdeal oder um Drogen gegangen ist.«7

Die Empörung über den unstatthaften Umgang mit dem Verbrechen und die eigene emotionale Beteiligung evozierten in Jelinek den Wunsch

einer so unterdrückten Minderheit, die unter unglaublichen Umständen lebt, deren Kinder alle automatisch in Sonderschulen abgeschoben werden, die also gar keine Möglichkeit zur Bildung bekommen, diesen Menschen das Äußerste, was ich mir in meiner Kunst erarbeitet habe, zur Verfügung [zu] stellen: Für die, die sprachlos sind oder deren Sprache wir nicht verstehen, zu sprechen […].8

Die den Titel bildenden, stabreimenden Nomen ›Stecken, Stab und Stangl‹ stehen in einem vieldeutigen Verweiszusammenhang, für dessen Auflösung Jelinek in ihrem Interview zum Stück einige Assoziationsfelder aufruft. So habe sie die Zwillingsformel »Stecken und Stab« dem Hirtenpsalm Davids entnommen, in dem es bekanntlich heißt: »Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. […] Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.«9 Als ironisch verwendetes Zitat spiegelt es nicht nur die gesellschaftliche Randposition der Roma und ihre damit verbundene Schutzlosigkeit wider, sondern verweist zugleich auch auf die Ursachen der Ausgrenzung: Denn Stecken und Stab können als Symbole einer patriarchal ausgerichteten Gesellschaft mit ›katholisch-nationalsozialistischer‹ Prägung verstanden werden, wie sie Thomas Bernhard in ähnlicher Weise in seinen Werken angeprangert hat. Die Bezeichnung ›Stangl‹ bezieht sich denn auch auf Franz Stangl, den aus Österreich gebürtigen, berüchtigten ›Kommandanten‹ des Konzentrationslagers Treblinka, der 1970 wegen gemeinschaftlichen Mordes an mindestens 400.000 Menschen angeklagt und verurteilt wurde. Der im Titel zwischen Stecken und Stangl in der Mitte angesiedelte Stab ist nicht nur Teil der Zwillingsformel aus dem Hirtenpsalm, sondern zeigt sich auch mit der anderen Seite verschmolzen, indem damit auf den rechtspopulistischen Kolumnenschreiber Staberl angespielt wird. Staberl ist das Pseudonym des 1920 geborenen, unterschwellig rassistisch und antisemitisch agierenden Journalisten Richard Nimmerrichter, der von 1964 bis 2001 in der österreichischen Boulevardzeitung Krone eine täglich erscheinende Kolumne unterhielt. Sowohl aus den Prozessprotokollen von Franz Stangl als auch aus den fremdenfeindlichen Kolumnen Staberls wird in Stecken, Stab und Stangl an mehreren Stellen zitiert.

Das Stück ist an einer überdimensionalen Fleischtheke aus Chrom und Glas situiert, die auf ironische Weise die Konsumgesellschaft in ihrer österreichischen Ausprägung10 augenfällig macht. Das Figureninventar besteht aus einem Fleischer und seinen diversen Kunden, die nicht näher differenziert sind und entweder keinen Namen tragen oder entweder Herr Stab oder Frau Margit heißen. Sie fungieren lediglich als Sprachträger und sind keine Schauspieler im traditionellen Sinn. Denn die Schauspieler des dramatischen Theaters haben in Jelineks ›postdramatischem‹11 Theater ausgedient. Der Jelinek’sche Schauspieler soll keine »andere Person […] aus seinem Mund hervor[zerren], die ein Schicksal hat, welches ausgebreitet wird,« sondern ist hier um »ein Sprechen [zu] vollziehen«.12

Gegenstand dieses Sprechens ist »die zitierende Rede über sich selbst«,13 die in einem kunstvollen Arrangement der unterschiedlichsten Diskursflächen die »Ermordung der Roma […] an Auschwitz [spiegelt], und beide Themen an der Sprache der Presse.«14 Hinein verwoben in diese sprachliche Häkellandschaft, – in der der Ekel lautlich mitschwingt, – sie stellenweise zerreißend und durchbrechend – sind Texte und Zitate unterschiedlichster philosophischer und literarischer Provenienz: Neben der am deutlichsten vernehmbaren Stimme von Paul Celan finden sich Texte und Gedanken von Martin Heidegger, Ludwig Wittgenstein, Moritz Schlick oder auch von weniger bekannten Künstlern wie etwa Viktor Ullmann, einem Komponisten, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde.15

»Das meiste, was man sieht«, – so Jelinek in der ersten Bühnenanweisung – »ist mit eiskremfarbenen Häkelüberzügen, meistens rosa, überzogen« und schlägt für den weiteren Verlauf des Stückes, das nicht umsonst den Untertitel Eine Handarbeit trägt, das Folgende vor:

Im Verlauf des Textes wird an den Häkelwaren herumgebessert, geflickt etc. Die Schauspieler sollen damit, fast unmerklich beginnend, sukzessive immer stärker beschäftigt sein. Am Ende ist eine Handarbeitslandschaft entstanden. Auch die Schauspieler sind dann mit Hüllen überzogen. (SSS, S. 17)

Unter der an der Textoberfläche offensichtlichen Gleichsetzung von Text und Textur, verbirgt sich auch ein ironischer Seitenhieb auf die den Frauen im Verlauf der Geschichte immer wieder abgesprochenen Leistungen in Kunst, Kultur und Wissenschaft, wie Jelinek im Interview mit Anke Roeder zum Ausdruck bringt:

Weder in der Freudschen Kulturtheorie (Freud begründet ja die von ihm als gegeben angenommene Tatsache, daß die Frau, außer Flechten und Weben – was vom Verhüllen ihres Genitals herrühren soll – keine großen Kulturleistungen erbracht habe, damit, daß sie nicht, wie der Mann, sublimieren müsse, kein annähernd starkes Über-Ich ausbilden könne), noch in der öffentlichen Meinung, der veröffentlichten Meinung, wird der Frau ein Sprechen zugestanden, das über das Sprechen-Lehren des Kindes (man sagt ja »die Mutter-Sprache«!) hinausgeht in den Raum des Symbolischen.16

Mit der Aufforderung einen Blick in diese Textur als bühnenmetaphorische Häkellandschaft zu nehmen, die EINER, EGAL WER an das Publikum heranträgt, setzt das Stück ein:

EINER, EGAL WER: Bitte, sehen Sie hier eine flache Landschaft, in die versenkt Jauchegruben, Ziegelteiche, Erdhügel ruhen, eine Ebene, die gleichmütig von sich selbst fortstrebt! Sie ist leer und doch wieder nicht, das sehen Sie doch, oder? Normalerweise ist Leere das Fehlen von etwas, und sie ist auch das Fehlen von dem dazwischen, das sich hätte zeigen können. Vorausgesetzt wir hätten rechtzeitig darauf geachtet. (SSS, S. 17f.)

Dass es sich hier um keine reale österreichische (Ferien-)Landschaft, sondern um eine Sprachlandschaft handelt, wird spätestens nach dem ersten Lesen des Textes vollständig deutlich. Dann nämlich, wenn sich der um seine Lesefrüchte geprellte Leser noch einmal aufmacht und – wie ihm die ironische Stimme des Fleischers am Ende empfiehlt, – einfach »ein bisschen [am Text] zu rubbeln« beginnt und dabei auf unterschiedliche, einander teilweise überlagernde Textschichten stößt.

Da liest sich dann zum Beispiel der Satz »Normalerweise ist Leere das Fehlen von etwas, und sie ist auch das Fehlen von dem dazwischen, das sich hätte zeigen können« als gedankliches Spiel mit Sätzen aus Ludwig Wittgensteins Tractatus logico philosophicus, in welchem das Fragen nach dem Metaphysischen der Unsinnigkeit überführt wird. Kurz bevor die Abhandlung Wittgensteins in den berühmten Satz »Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen« mündet, räumt er ein, dass es »Unaussprechliches« gebe. »Dies zeigt sich, es ist das Mystische.«17

Wittgenstein folgend gibt es auch in Jelineks Stück nichts Metaphysisches und um das Mystische zu sehen, muss man »rechtzeitig darauf achten«, was ein salopp gesprochener Hinweis auf die im Stück im Verborgenen liegenden Stimmen von Künstlern und Künstlerinnen sein mag, die unter den verwobenen und verfilzten Sprach- und Diskursflächen durchscheinen oder diese aufreißen. Von dieser Textpassage aus kann der Leser weiteren Bedeutungspuren folgen und die nahezu kalauerhafte Brechung des letzten Satzes des Tractatus – dahingehend verstehen, dass es in Stecken, Stab und Stangl darum geht, zu sprechen, wovon man nicht sprechen darf und worüber (vor allem in Österreich) geschwiegen wird.

2. Schreiber, Text, Leser

2.1. Autor versus Schreiber

In seinem berühmten Essay »Der Tod des Autors« aus dem Jahre 1968 verabschiedet Roland Barthes den traditionellen Autor- und Werkzusammenhang, der die bisherige, konventionelle Auffassung von Literatur geprägt hat. Es ist dies – wie Fotis Jannidis und andere in der Einleitung zu ihrer umfangreichen Studie zur Rückkehr des Autors betonen – die »wirkungsmächtigste Kritik am Autor«,18 für deren Durchsetzungsvermögen die 68er Bewegung mitverantwortlich war.19 Die Polemik Barthes’ richtete sich denn auch – so Fotis Jannidis – besonders gegen die in Frankreich bis dahin übliche »explication de texte, eine seit dem Jahrhundertbeginn staatlich sanktionierte Instruktion«, die »umfassende Geltung für Schulen und Universitäten beansprucht hatte.«20 Diese Vorstellung von Literatur ist in den Augen von Roland Barthes

tyrannisch auf den Autor ausgerichtet, auf seine Person, seine Geschichte, seine Vorlieben und seine Leidenschaften. […] Die Erklärung des Werkes wird immer auf seiten desjenigen gesucht, der es hervorgebracht hat, als »spräche sich« durch die mehr oder weniger durchsichtige Allegorie der Fiktion hindurch letztlich immer die Stimme ein und derselben Person »aus«, nämlich des Autors.21

Anstelle dieses traditionellen Autor- und Werkzusammenhangs setzt Roland Barthes den Begriff des Schreiber- und Textzusammenhangs, der besonders für die Lektüre moderner beziehungsweise postmoderner Texte nutzbar wird. Denn die Abwesenheit des traditionellen Autors, der als Schöpfer des Werkes für dessen Sinn bürgt, hat nach Roland Barthes den »modernen Text von Grund auf verwandelt« und zwar insofern als dieser Text

nicht aus einer Wortzeile besteht, die einen einzigen gewissermaßen theologischen Sinn (das wäre die »Botschaft« des ›Autor-Gottes‹) freisetzt, sondern aus einem mehrdimensionalen Raum, in dem vielfältige Schreibweisen, von denen keine ursprünglich ist, miteinander harmonieren oder ringen: Der Text ist ein Geflecht von Zitaten, die aus den tausend Brennpunkten der Kultur stammen.22

Die Rolle des Schreibers beschränkt sich darauf, »die Schreibweisen zu mischen, sie dergestalt gegeneinander auszuspielen, daß er sich nie auf eine von ihnen stützt.«23 Er kann sich dem Text wohl einschreiben, sich aber nicht darin ausdrücken, ohne zu wissen, »daß die innerliche ›Sache‹, die er sich zu ›übersetzen‹ anmaßt, selbst wieder nur ein völlig zusammengesetztes Wörterbuch ist, dessen Wörter sich nur durch andere Wörter erklären lassen und dies ad infinitum […].«24

Solche »Gesten der Einschreibung«25 reichen weit über die Bedeutung eines konventionellen autobiographischen Verweises hinaus und finden sich auf vielfältige Weise im Werk Jelineks. In ihrem programmatischen Theateressay Sinn egal. Körper zwecklos vergleicht sie diesen Modus der Einschreibung beispielsweise mit dem Aufladen einer Batterie:

Also lade ich ihn, den Schauspieler, mit der Herausforderung meiner Sprache auf, mische die unbezahlten Forderungen von mindestens zweihundert anderen Autoren […] und mische alsdann auch noch meine eigenen Einkaufsposten, die sich sofort neben mir aufpflanzen und keinen mehr durchlassen darunter; der Schauspieler erhält die Anforderung, welche jetzt auch die meine geworden ist […] auf den Körper gedrückt. Na, die kriegt er nie mehr ab, jetzt kann er das Theater verlassen und später wieder reingehen, meinen Stempel trägt er.26

Ein anderes Beispiel für eine Einschreibung der Autorin im Text findet sich im Sportstück aus dem Jahre 1998, in dem sie sich selbst in der Figur der Elfi Elektra eine Rolle zuweist und so mit ihrer Rolle als Autorin spielt. Auch in Stecken, Stab und Stangl gibt es eine Einschreibung der Schriftstellerin und zwar eingeflochten in eine längere Textpassage, innerhalb der der Fleischer die Autorin plötzlich als »doppeltkohlensaure Gletscherspalte« anspricht. Der genaue Wortlaut dieser Textstelle heißt:

DER FLEISCHER: […] Bitte, ich zum Beispiel kann Ihr Verhalten nicht ganz verstehen, Frau Autorin, Sie doppeltkohlensaure Gletscherspalte, dass Sie mir dauernd sagen, ich sei an etwas schuld, das ich persönlich überhaupt nur vom Hörensagen kenne. (SSS, S. 48)

Bei dieser möglicherweise tatsächlich einmal so oder ähnlich vorgebrachten Beschimpfung27 handelt es sich nicht nur um eine ironische Selbstzuschreibung Jelineks als beispielsweise »sexuell frigide Moralistin«,28 wie dies Bärbel Lücke in ihrer Studie nahelegt. Vielmehr hat man es auch hier mit einem umfangreichen Verweiszusammenhang zu tun, der sich dem Assoziationsprinzip folgend ›aufschlüsseln‹ lässt. So zeigt zum Beispiel Gerda Baumgartner, wie sich diese Bezeichnung ganz im Sinne von Roland Barthes zerlegen und bis ins Detail aufspalten lässt und sich die Bedeutungshöfe der einzelnen Begriffe zur poetologischen Metapher verdichten. Dieser Metapher entsprechend schreibt sich die Autorin als »Riss im festen Material«29 ein, oder als »Leerstelle« im Text, in dem sie etwas verbirgt, »was sich nur zeigt, wenn man in den Text wie in eine Gletscherspalte hineinfällt […] und sich auf die Mehrdeutigkeit und auf Unauflösbares einlässt.«30

Dass solche autobiographischen Einschreibungen nicht nur der Destruktion des Mythos vom Autor dienen, sondern eine viel weitreichendere Rolle im poetologischen Kalkül Jelineks innehaben, zeigt Jeanine Tuschling in ihren Überlegungen zu Jelineks Internetroman Neid. Darin bestimmt sie das Spiel mit der Autorinstanz als wichtiges Element im literarischen Verfahren der ›Autofiktion‹, wobei Tuschling hier dem von Serge Doubrovsky in den siebziger Jahren geprägten Begriff folgt, der darunter einen Text im Spannungsgefüge zwischen »autobiographische[n]« und »fiktionalen Anteilen«31 versteht. »Aufgabe« dieses Verfahrens, das nach Tuschling eine besondere Rolle bei der Artikulation von historischer Erfahrung innehat, ist es, »gegen die Verdrängung und das Verschweigen anzuarbeiten.«32 Jelinek demonstriere damit

die paradoxe Stellung des Autors im Erinnerungsdiskurs, die darin besteht, dass das Biographische einerseits zur Legitimation der Sprecherposition dient, den/die Sprechende/n aber gleichzeitig erneut zum Opfer und damit das Leiden zur Privatsache macht.33

Inwieweit sich die Kategorie des Autors für die Interpretation von Literatur überhaupt hintergehen lässt, bleibt fraglich und ist ein wiederkehrender Diskussionspunkt der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung. So zeigt beispielsweise Gerhard Lauer, dass sich die Überlegungen von Roland Barthes zum Tod des Autors selbst wesentlich auf ein bestimmtes Autorenkonzept stützen und sich so offensichtlich in einem logischen Widerspruch befinden:

Um zu zeigen, der Autor sei eine obsolete Kategorie für die literaturwissenschaftliche Arbeit, beruft sich Barthes auf Autorennamen, nennt Mallarmé, Valéry und Proust. Mit diesen Namen verknüpft er ein ganz spezifisches poetologisches Wissen, das er aus wenigen ausgewählten Selbstdeutungen der Autoren ableitet.34

Einen ähnlichen Widerspruch könnte man auch den hier gemachten Überlegungen vorwerfen, die sich ja bereits im Titel auf die Autorin berufen. Hierzu lässt sich Folgendes vorbringen: Bei aller Richtigkeit der Einwände gegenüber der Polemik Barthes’, die erstens an ihre Zeit gebunden ist und zweitens die Vielfalt des Umgangs mit der Funktion des Autors sowohl seitens der Schriftsteller als auch seitens der Literaturwissenschaft außer Acht lässt,35 findet in der Diskussion um den Tod des Autors der Begriff des Schreibers, den Barthes anstatt des traditionellen Autorbegriffs einsetzt, meiner Meinung nach zu wenig Beachtung. Denn die Polemik von Barthes richtet sich nicht gegen den Textschaffenden, sondern gegen die Rolle, die sich dieser anmaßt beziehungsweise die an ihn heran getragen wird. Diese aber definiert sich wiederum über die jeweilige kultur- und gesellschaftspolitische Situation, in die er eingebunden ist sowie aus seinem jeweiligen Verhältnis zur Sprache. Genauer gesagt: Während der Autor die Sprache benutzt, um damit Botschaften auszudrücken, dient sie dem Schreiber dazu, sie selbst zum Sprechen zu bringen.

Festzuhalten bleibt, dass der Schreiber oder genauer gesagt die Schriftstellerin Jelinek deshalb nicht auf ihren persönlichen und künstlerischen ›Stempel‹ verzichtet und die Textdeutung keineswegs vollständiger Beliebigkeit preiszugeben ist. Dies wäre schon allein mit dem politischen Engagement unvereinbar, mit dem Jelinek ihre Kunstproduktion von Beginn an verbindet und dessen Bedeutung sie in Interviews verschiedentlich zum Ausdruck gebracht hat. So zum Beispiel 1989 in einem Gespräch mit Anke Roeder, in dem es heißt:

Meine Texte sind engagierte Texte […]. Sie wollen Gegenwart sichtbar machen in ihrer historischen Dimension, und sind vor allem einer politischen Aussage untergeordnet. Das unterscheidet sie entschieden von der Postmoderne.36

Das heißt, dass sich ihre Stücke trotz der darin vorgenommenen Dekonstruktion von Sinnzusammenhängen nicht mit der kurzschlüssigen Vorstellung von postmoderner Beliebigkeit vereinbaren lassen. Die politische Aussage, der die Texte untergeordnet sind, steht im Dienst einer aufklärerischen, marxistisch orientierten Ideologiekritik, die Jelinek auch nach ihrem Austritt aus der Kommunistischen Partei Österreichs, den sie nach der Wende im Jahre 1991 vollzogen hat, beibehält.37 Diese von Jelinek intendierte Gesellschaftskritik greift die Grundfesten einer patriarchal ausgerichteten, westlichen Industriegesellschaft mit all ihren Verstrickungen und Schuldzusammenhängen im Nationalsozialismus an.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: So sinnvoll es auf der einen Seite sein kann, den in diversen Interviews und Reden von Jelinek ausgelegten Spuren nachzugehen, so wichtig bleibt auf der anderen Seite die Erkenntnis, dass es sich dabei nur um eine, von vielen anderen möglichen Spuren handelt und dass der Leser letztlich selbst aktiv werden muss. »Denn die Autorin« – so betont auch Maja Sybille Pflüger in ihrer Studie zur Theaterästhetik Jelineks – »gebietet nicht wie ein Souverän über ihre Sprache, sondern ist letztlich nur eine der an den Texten beteiligten Instanzen.«38 Dies sollen die folgenden Abschnitte näher verdeutlichen.

2.2. Text versus Werk

Den Unterschied zwischen Werk und Text macht Roland Barthes mit folgenden Worten sinnfällig: »[D]as Werk ruht in der Hand, der Text ruht in der Sprache.«39 Das bedeutet – so Roland Barthes, – »daß der ›Text‹ nicht enden kann (etwa auf dem Regal einer Bibliothek); seine konstitutive Bewegung ist die Durchquerung40 Ein Text, der ein vielschichtig gesponnenes »Geflecht von Zitaten [ist], die aus den tausend Brennpunkten der Kultur stammen«,41 ist in der Lage, nicht nur eines sondern eine Vielzahl an Werken zu durchwandern. Der Begriff der Durchquerung als ständig fortschreitende Bewegung macht deutlich, was einen so gestalteten Text charakterisiert. Ich zitiere Roland Barthes im unüberhörbaren Anklang an den von Jacques Derrida geprägten Begriff der différance42: Der Text »praktiziert das endlose Zurückweichen des Signifikats, der ›Text‹ schiebt hinaus; sein Feld ist das des Signifikanten«;43 er verweist auf das endlose Spiel der Zeichen. Der so entstehende »immerwährende Signifikant« wird – so Barthes – »nicht auf dem organischen Weg einer Reifung oder auf dem hermeneutischen Weg einer Vertiefung« hervorgebracht, sondern »eher in einer seriellen Bewegung von Versetzungen, Überlappungen und Variationen […].« Seine Logik ist

keine begreifende (definieren, was das Werk ›meint‹), sondern eine metonymische; die Arbeit der Assoziationen, der Kontiguitäten und der Übertragungen deckt sich mit einer Freisetzung der Symbolenergie […].44

Ganz ähnlich hört es sich an, wenn Elfriede Jelinek ihre Arbeitsweise beschreibt. So spricht sie beispielsweise von einer »Assoziationssucht«, deren Wurzeln sie in ihrer jüdischen Herkunft ortet und erläutert diese so:

irgendwie stößt man auf fremde Sprachfelder, wo man sie braucht. Das geschieht weitgehend intuitiv, aber dann fasst man ein (fremdes) Wort und dreht es, wie ein Mistkäfer den Mist, um und um, bis etwas Neues herauskommt.45

Das Ergebnis dieser Vorgehensweise sei aber nicht Beliebigkeit, sondern – so Jelinek im Gespräch mit Tilman Urbach – »man zwinge die Wörter dazu, ihren eigentlichen (ideologischen) Charakter preiszugeben. Auch gegen ihren Willen.«46

2.3. Leser versus Konsument

Dass die Texte Elfriede Jelineks vielfältige Geflechte von Zitaten vorstellen, ist ein unter dem Begriff der Intertextualität firmierender Gemeinplatz der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit ihrem Werk. Wie diese zu bewerten ist und vor allem wie man als Leser damit umgeht, stößt auf weit größere Meinungsdifferenzen.

Entsprechend der Bandbreite, welche »die beinahe dreißig Jahre währende Diskussion über die Definition von Intertextualität in all ihren Abgrenzungen zu Dialogizität und Montage«47 entfaltet hat, lassen sich – am Beispiel von Einzelstudien zu Prosa und Dramen Jelineks – verschiedene theoretische Ausgangspunkte feststellen, die auf unterschiedliche Weise nutzbar gemacht werden. So beschreibt Margret Sander »Intertextualität als Verfahren der Textherstellung«48 und richtet ihr Augenmerk besonders auf die Montagetechnik Jelineks. Sie orientiert sich dabei an Manfred Pfisters Definition von Intertextualität, der diese als

Oberbegriff für jene Verfahren eines mehr oder weniger bewußten Bezugs auf einzelne Prätexte, Gruppen von Prätexten […], wie sie die Literaturwissenschaft unter Begriffen wie Quellen und Einfluß, Zitat und Anspielung, Parodie und Travestie, Imitation, Übersetzung, Adaption bisher schon behandelt hat.49

Einen anderen Zugang zum Intertextualitätsbegriff bei Jelinek unternimmt Maja Sybille Pflüger, die sich auf Julia Kristevas Bachtin-Adaption bezieht, wobei sie allerdings einschränkend feststellen muss, dass der »auf Bachtins Dialogizität aufbauende Begriff der Intertextualität von Kristeva so weitgehend generalisiert« wurde, dass er kein brauchbares Analyseinstrument vorstellt: »Denn wenn jedes Zeichensystem in einen universalen Intertext eingerückt wird, drohen die Begriffe nichtssagend zu werden und erlauben keinen analytischen Zugriff mehr.«50 Der Begriff der Dialogizität, den Bachtin »exklusiv« auf Phänomene des Romans angewendet habe, scheint ihr besser dazu geeignet, »die Komplexität der Jelinek’schen Theatertexte zu erfassen« und die »Interferenz der Textfragmente« zu analysieren. Intertextualität ist in ihren Augen ein »Produktionsverfahren, mittels dessen die Dialogizität der Rede«51 hergestellt wird.

Uda Schestag, die »die Vorzüge beider Ansätze« für ihre Deutung nutzbar macht, erweitert das Spektrum zudem mit dem Wittgenstein’schen Sprachspiel-Begriff, der die Bedeutung der intertextuell miteinander verknüpften sprachlichen Äußerungen in ihren Gebrauch, das heißt, im Kontext, in dem sie eingebettet sind, verortet.52

Alexandra Pontzen hingegen begreift die Intertextualität bei Jelinek als einen »Modus, Weltekel durch Formulierungsfreude abzuarbeiten«53 und stellt die These auf, dass »Aggression […] nicht die Ursache von Jelineks Texten, sondern die Wirkung von deren Lektüre« sei, da sie »den Leser mit dem Verlust seiner hermeneutischen Unschuld« konfrontiere. Pontzen meint damit das Faktum, dass sich Jelineks Texte »nicht […] linear lesen lassen«, wodurch der Leser »zu einer intertextuellen Lektüre gezwungen« sei. »Schon dieses Diktat ›zum Lesen mit Bleistift‹ provoziert bei vielen, auch professionellen Lesern Abwehr«,54 so Alexandra Pontzen.

Die von Pontzen angesprochenen Aggressionen, die sich vielfach bei der Lektüre der Texte Jelineks einstellen, verweisen auf die veränderte Rolle des Lesers, der den Text als mehrdimensionale »neuartige Partitur« nicht einfach konsumieren kann. Vielmehr »fordert [sie] vom Leser eine praktische Mitarbeit«.55 Gerade diese »Reduktion der Lektüre auf einen Konsum«, die den Text lediglich als eine binäre Verknüpfung von Form und Inhalt wahrnimmt, ist nach Roland Barthes

verantwortlich für die »Langeweile«, die viele vor dem modernen (»unlesbaren«) Text, dem avantgardistischen Film oder Bild empfinden: Sich langweilen heißt, daß man den Text nicht hervorbringen, nicht auf ihm spielen, ihn nicht zerlegen, ihn nicht loswerden kann.56

Gefragt ist also eine intertextuelle Lektüre, die sich nicht auf das Dekodieren der disparaten Hypotexte beschränkt, die den Text also nicht nur »entziffert«, sondern »entwirrt«. Barthes versteht darunter das Nachvollziehen der Struktur, die

an all ihren Nahtstellen und auf allen ihren Stufen verfolgt [und] aufgetrennt werden [kann], (wie eine Laufmasche einen Strumpf auftrennt), aber es gibt keinen Inhalt, der Raum des Schreibens muß durchlaufen, nicht durchstoßen werden; das Schreiben setzt fortwährend Sinn, aber immer nur, um ihn zu verflüchtigen.57

Eine Laufmasche kann sich bekanntlich an jeder beliebigen Stelle einer Textur befinden: Der Leser, der in Form einer vom Text ausgehenden Irritation eine solche »Laufmasche« in Jelineks »Handarbeit« wahrnimmt, hat die Wahl von hier oder aber von einer anderen Stelle aus den Text aufzutrennen, oder – eine andere Metapher von Barthes gebrauchend – den Text von hier oder von einer anderen Stelle aus zu »durchqueren«.58 Auf diese Weise befindet er sich – ehe er sich versieht – in höchst spannender Lektüre im Intertext, immer mehr Textschichten durchschreitend und abtragend, in denen sich das Generalthema des Stückes auf vielfältige Weise spiegelt.

Ein Beispiel für einen solchen Lesevorgang sei im Folgenden angeführt, wobei die dargestellte »Textdurchquerung« auf die Lese- und Recherchearbeit von Thomai Diamanti zurückgeht, die diese im Rahmen ihrer Vorstudien zu ihrer Diplomarbeit Im Netz der Diskurse59 vorgenommen hat. Es bezieht sich auf folgende Textpassage, die der Deutlichkeit halber zunächst in voller Länge und samt den Bühnenanweisungen zitiert wird.

DER FLEISCHER im Häkelwerken: Bluthufe scharren die Denksträuße zusammen, ein Aschen-Juche blättert die Singstimmen um. Freigegeben auch dieser Start. Tür du davor einst, Tafel mit dem getöteten Kreidestern drauf. Sie sehen, solche und ähnliche Sachen beschäftigen mich zur Zeit beinahe ununterbrochen. Ich bin zeitgeschichtlich interessiert.

EINE ANDERE: Entschuldigung, was haben Sie da eben gesagt?

Der Fleischer nimmt statt einer Antwort den Schweinskopf ab, darunter trägt er eine rosa Häkelmaske wie sie Bankräuber tragen, eine Schimütze also, die die Augen und den Mund mit Löchern freiläßt. Er näht sich neue Ohren an den Schweinskopf, den er abgenommen hat.

Die folgende Passage wird zuerst normal, dann sozusagen umbrochen gesprochen, das heißt die Leute in der Warteschlange sprechen jeweils eine Zeile des Textes, am Ende der geschriebenen Zeile hört der jeweilige Sprecher auf, und die nächste Zeile wird dann, ohne Rücksicht auf den sich ergebenden Sinn, vom nächsten gesprochen und so fort. Sie hüpfen dabei übermütig aus dem Stand hoch, zusammengehäkelt.

Wenn in einem halbwegs zivilisierten Staat ein Mordprozeß abläuft, dann geht es klarerweise vor allem darum, ob der Angeklagte die ihm zur Last gelegte Tat begangen hat. Als weniger wichtig wird angesehen werden, ob der Mörder sein Opfer erwürgt, erschossen, erschlagen oder erstochen hat. In der großen Politik ist das offenbar anders. Bei dem vor einem halben Jahrhundert begangenen Mordverbrechen des Hitlerregimes an den weniger begüterten Juden – die wohlhabenderen konnten sich ja zumeist durch Emigration retten, nicht selten auch bei den Nazis loskaufen – geht es heute anscheinend weniger darum, ob das Verbrechen begangen worden ist, sondern um die von den Nazis angewendete Todesart. (SSS, S. 29f.)

In dieser Textpassage können zunächst zwei thematisch verbundene, aber in Herkunft und Inhalt völlig entgegengesetzte »Sprachflächen«60 festgestellt werden, die scharf aneinander kantend das Thema des Holocausts reflektieren: Die Sätze des Fleischers, mit denen die zitierte Passage beginnt, stammen, wie Marlies Janz bereits nachgewiesen hat, »aus drei verschiedenen Gedichten Paul Celans«.61 Der der Bühnenanweisung folgende Text hingegen ist ein Zitat aus einem Artikel des rechtspopulistischen Kolumnenschreibers Staberl aus der Kronenzeitung, der unter dem Titel Methoden eines Massenmordes am 10. Mai 1992 in dem Blatt erschienen ist und auf atemverschlagende Weise die Verbrechen des Holocausts verharmlost.

Die Stelle, von der aus Thomai Diamanti ihre Textdurchquerung im Internet vorgenommen hat, befindet sich in den Bühnenanweisungen. Von dem Abschneiden und Annähen der Ohren in dieser Textstelle irritiert, durchwandert sie ganz im Sinne Barthes als nunmehr mitarbeitende Leserin mehrere Textschichten im Internet bis sie zur leidvollen Geschichte der Roma am Anfang des 18. Jahrhunderts gelangt und auf einen mit dem Ohrenabschneiden verbundenen Aufruf zum sogenannten ›Zigeunerjagen‹ stößt, den der österreichische Kaiser Karl der VI., der Vater Maria Theresias, im Jahre 1726 erlassen hat. Dabei sollten damals alle männlichen Zigeuner ausgerottet werden, den Frauen und Kindern unter achtzehn Jahren ein Ohr abgeschnitten werden. Zigeuner an der steirisch-ungarischen Grenze erhielten darüber hinaus ein Verbot, die Grenze nach Österreich zu überschreiten, wobei dieses Verbot mit Hilfe von sogenannten ›Zigeunerpflöcken‹ markiert wurde. Dies waren Tafeln, auf denen drakonische Strafen aufgemalt waren, die die Zigeuner bei Nichteinhaltung des Verbots zu befürchten hatten.62

Kehrt man mit diesen Informationen wieder zurück zur Ausgangstextstelle und also zum Beginn der »Laufmasche« erhellt sich plötzlich die Bedeutung des Schweinskopfes, den der Fleischer trägt: Als schimpfwörtliche Zuschreibung beispielsweise, die darunter liegende Häkelmaske eines Banditen als stigmatisierende Etikettierung der Zigeuner zu Verbrechern wie sie sich im Laufe der Geschichte immer wieder wiederholt hat und wie sie im Fall des Mordanschlages von Oberwart auf die Spitze getrieben wurde, indem man in der Kronenzeitung und durch Insinuierungen Jörg Haiders das Attentat zunächst den Opfern selbst zuschrieb.

Indem der Leser den je eigenen Irritationen, die der Text für ihn bereithält, nachgeht, und in dem daraus resultierenden »Durchqueren« der Texte können die im Stück verborgenen unerhörten Gegenstimmen der Opfer hörbar gemacht werden. Und dies letztlich unabhängig davon, ob der Hinweis mit den Ohren nun bewusst oder unbewusst von Jelinek in den Text »hineingelegt«63 wurde.

Die Bühnenmetapher des Häkelns, die den buchstäblichen und übertragenen Handlungsfaden des Stückes ausmacht, entwickelt also nicht nur auf der inhaltlichen sondern auch auf der strukturellen Ebene ihre Symbolkraft. So ist das Häkeln, mit dem die Spieler darin beschäftigt sind, nicht nur eine ironische Anspielung auf eine bestimmte Form spießbürgerlicher Gemütlichkeit österreichischer Provenienz, die sich durch Vorfälle, wie der Ermordung der vier Roma in Oberwart nicht beunruhigen lassen will und der es um das Beschönigen, Verschleiern und Verhüllen der Wirklichkeit zu tun ist. Die Metapher verweist auch auf die Tiefenstruktur des Textes: Die Bühnenanweisungen, die die Textmetapher wörtlich nehmen, lesen sich als literarischer Kommentar auf die Selbstreferenzialität des Stückes: Da werden Häkelhüllen sorgfältig angepasst oder aufgetrennt, einige Figuren nähen sich aneinander an, die anderen versuchen sich zu trennen, mit und ohne Gewalt. Dies entspricht den im Stück verwobenen »Sprachflächen«,64 die teilweise hart aneinander kanten, manchmal unmerklich ineinander verwoben sind oder im Auftrennen begriffen sind. Die einzelnen Sprecher sind teilweise vollkommen überhäkelt, sie bilden im fortwährenden Wiederholen eines einzigen Satzes eine Häkelschlange, die sich langsam auftrennt, »darunter sind die Leute nackt, rosa auf rosa.« (SSS, S. 60) Ähnliches passiert im Text mit den einzelnen Zitaten: Sie sind überwoben von anderen Texten, entstellt, scharf abgetrennt, in anderen Textstellen verborgen oder in sie hinein geflochten. Der in der Sprache ruhende Text thematisiert sich selbst.

3. Das Zerschlagen von Diskursen

»Die Metapher des ›Textes‹ ist die des Netzes « heißt es bei Barthes – aber diesem Text muss »keinerlei vitaler ›Respekt‹ geschuldet werden: Er kann zerschlagen werden.« 65

Das kritische Potenzial, das im Zerschlagen von Texten steckt, stellt Barthes am Beispiel von Bertolt Brechts in den Jahren 1934/35 entstandener Schrift Über die Wiederherstellung der Wahrheit dar. Darin heißt es: »In Zeiten, wo die Täuschung gefordert und die Irrtümer gefördert werden, bemüht sich der Denkende, alles, was er liest und hört, richtigzustellen.« 66 Brecht führt diesen Prozess der »Richtigstellung« an zwei Beispieltexten vor, und zwar zuerst an einem Text von General Göring über die Überwindung des Kommunismus in Deutschland, der am 12. Dezember 1934 in der Basler Nationalzeitung publiziert wurde, sowie am Beispiel der Weihnachtsbotschaft des Stellvertreters des Führers (Hess) im Jahre 1934, ebenfalls abgedruckt in der Basler Nationalzeitung. 67Dabei werden die Texte Satz für Satz aufgespalten und in ihrem Zusammenhang gestört, die »unwahren Aussagen durch wahre« ersetzt, im Bewusstsein, dass gerade »der Zusammenhang Sätzen oft einen Anschein von Richtigkeit verleiht«, der ihnen in Wirklichkeit nicht zukommt. Dieser Anschein komme daher, »daß man im Zusammenhang, aufbauend auf einem unrichtigen Satz, mehrere richtige Folgerungen ziehen kann.« 68 So erscheine – wie Barthes zusammenfasst – die Rede von Hess nur deshalb als wahr, weil sie »ein[en] fortlaufenden Diskurs darstelle.« 69

Das Stück Stecken, Stab und Stangl mündet in das Zerschlagen einer Häkelschlange. Dieses Zerschlagen der Häkelwurst entspricht auf intertextueller Ebene dem Zerschlagen von Texten, dem »Diskontinuieren« 70 von auf Unwahrheiten basierenden Diskursflächen, von dessen Notwendigkeit Roland Barthes überzeugt ist. Nachgerade programmatisch fordert er Schriftsteller und Denker wie folgt auf:

[W]ir müssen die ausgewogene Masse der Wörter erschüttern, die Decke aufreißen, die Verknüpfungsfolge der Sätze auseinanderbringen, die Strukturen der Sprache zerbrechen […]. 71

Von diesen Gedanken ausgehend lohnt es sich, die Textstelle, in der der Fleischer auf die Häkelschlange einschlägt, genauer ins Auge zu fassen:

DER FLEISCHER kommt hinter der Theke hervor und schlägt mit einem Paket Häkelwürsten zornig auf die Häkelschlange ein:

Sie haben dem Tod seinen Geltungsbereich über die Lebendigen genommen! Sie haben nämlich den Tod selbst genichtet, zu einem empfindungslosen Nichts. Indem so viele getötet worden sind, ist es unmöglich geworden, die Lebenden im Gegensatz zu den Toten überhaupt noch zu definieren. Und was für einen Sinn hat jetzt unserer todesentleertes Dasein? Da hätten wir ja gleich ungezeugt bleiben können! Es kommen die Hunde die Hunde! Rex kommt! Unser Rexi kommt! Bravo!

Leiernd, uninteressiert, ganze Silben verschluckend, als läse er aus einer Zeitung vor:

Schimmelgrün ist das Haus des Vergessens. Vor jedem der wehenden Tore blaut dein enthaupteter Spielmann. Hierher, Rex! So is brav! (SSS, S. 60)

Für den Leser, der einen solchen Text in seiner Vielschichtigkeit verstehen will, sind zwei Betrachtungs- beziehungsweise Arbeitsschritte notwendig. Zuerst muss die Beschaffenheit des Textes dargestellt werden, das heißt, die auf assoziativer Reihung basierenden Textschichten müssen sichtbar gemacht und entwirrt werden, um dann in Bezug mit dem von den Bühnenanweisungen geschaffenen ›Handlungsverlauf‹ gesetzt zu werden. Beginnen wir mit Ersterem:

Der dem Fleischer in den Mund gelegte Text beginnt – wie ich an anderer Stelle ausführlich dargestellt habe – mit einer intertextuellen Anspielung auf die Oper Der Kaiser von Atlantis, deren Komponist Viktor Ullmann 1944 in Auschwitz umgebracht wurde. 72 Diese Oper handelt von dem allegorisierten Tod, der sich weigert, dem Kaiser Overall von Atlantis in seinen allumfassenden Vernichtungsplänen dienstbar zu sein. Der Tod, gekränkt und beleidigt sitzt mit dem Harlekin, der allegorisch für das Leben auftritt, im Ausgedinge. Er ist angesichts »der motorisierten Kohorten« des Kaisers nur noch »ein kleiner Handwerker des Sterbens« 73 und muss als solcher abdanken.

Im Vorwurf des Fleischers »Sie haben dem Tod den Geltungsbereich über die Lebendigen genommen!« sind auf subtile Weise die Stimmen der Opfer verwoben, die einen namenlosen, fabrikmäßig von den »motorisierten Kohorten« durchgeführten Tod sterben mussten. »Sie haben nämlich den Tod selbst genichtet zu einem empfindungslosen Nichts.« In diesem Satz geschieht vielerlei. Zum einen wird die Anspielung auf Viktor Ullmanns Oper aufrechterhalten, die sich auf die Einschränkung des Geltungsbereichs des natürlichen Todes bezieht. Zum anderen verschränken sich zwei weitere intertextuelle Bezüge ineinander und zwar erstens ein Satz von Epikur über den Tod, der wie folgt heißt: »Der Tod ist nichts, was uns betrifft. Denn das Aufgelöste ist empfindungslos. Das Empfindungslose aber ist nichts, was uns betrifft.« 74 Dieser Satz findet sein Echo in der Bezeichnung des Todes als »empfindungsloses Nichts«. In der im selben Satz zitierten Formulierung vom genichteten Nichts, das der Tod sein soll, klingt außerdem eine Wortschöpfung Heideggers aus seiner Antrittsvorlesung an, die er im Juli 1929 an der Freiburger Universität unter dem Titel Was ist Metaphysik? 75 gehalten hat. Diese in die Stimmen der Opfer eingeflochtenen philosophischen Diskurselemente über den Tod entlarven sie im Kontext der Shoa als Gerede, der Tod als »empfindungsloses Nichts« erweist sich als grobe Verharmlosung, der Hinweis auf Heidegger deutet auf dessen fragwürdiges Involviertsein, seine eigene Parteimitgliedschaft.

Die Situation im Konzentrationslager Theresienstadt, der die Oper von Viktor Ullman gewidmet ist, hallt im nächsten Satz wider: »Indem so viele getötet worden sind, ist es unmöglich geworden, die Lebenden im Gegensatz zu den Toten überhaupt noch zu definieren.« Er verweist unter anderem auf einen Vorfall im Konzentrationslager Treblinka, der zur Suspension des damaligen Kommandanten Irmfried Eberl und zum Einsatz Stangls im Lager führte. Durch ein technisches Gebrechen kam es zum »Ausfall der Tötungsmaschinerie«, was dazu führte, dass das ganze Lager von Leichen übersät war, eine Situation der der Bregenzer Irmfried Eberl psychisch nicht mehr gewachsen war und die schließlich zum Einsatz von Franz Stangl führte. 76 Der Ausruf »Es kommen die Hunde die Hunde!« evoziert die Erinnerung an die Angst der Opfer vor den auf sie gehetzten Hunden. Diese Angst wird aber sogleich banalisiert durch den Ruf nach Rex, gemeint ist »Kommissar Rex«, der Schäferhund aus der gleichnamigen Serie.

Auf diesen Versuch des Banalisierens und des Vergessens antwortet die darauffolgende Textstelle, genauer gesagt, die ersten beiden Zeilen aus Paul Celans Titelgedicht Der Sand aus den Urnen, die ebenfalls der Fleischer spricht aber »leiernd, uninteressiert, ganze Silben verschluckend, als läse er aus einer Zeitung vor«.

Schimmelgrün ist das Haus des Vergessens. Vor jedem der wehenden Tore blaut dein enthaupteter Spielmann. 77

Doch erst in Verbindung mit den Bühnenanweisungen, die auf die selbstreferenzielle Ebene des Textes führen, lässt sich die eingangs gestellte Frage nach dem Wie und Warum des »Draufhauns« 78 auf die Sprache beantworten: Das Einschlagen auf die Häkelschlange vollzieht der Fleischer mit einem Paket Häkelwürste. Das Einschlagen auf die Sprache, das dem von Barthes postulierten »Diskontinuieren« 79 von Diskursflächen entspricht, vollzieht Elfriede Jelinek mit der Sprache, mit ihrer Kunst und der Kunst jener, die nicht mehr gehört werden.

Literaturverzeichnis

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http://www.uni-muenster.de/Textpraxis/barbara-mariacher-die-sprache-als-werkstueck

Christiane Linke über die „Memoiren eines alten Arschlochs“ von Roland Topor

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„Memoiren eines alten Arschlochs“ von Roland Topor

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Warum so hart? könnte man sich fragen. Aber genau dafür steht der Autor. Situationen und Personen schonungslos zu zeigen, Schamgrenzen („….Schamgrenzen erfinde ich nicht, sondern die Gesellschaft. Daran zu erinnern, dass der Mensch isst, verdaut, kopuliert etc. das ist nicht der Skandal. Aber wer das verdrängt, wird das Leben kaum ertragen.“ (aus einem Focus-Interview mit Gabi Czoeppan, 1994)) zu überschreiten und ungeniert zu beleuchten.

Das Buch zeichnet die fiktive Geschichte eines berühmten Malers. Aus gutem Haus und von den Eltern bis zum Bankrott des Vaters gepäppelt, zeigt sich bereits bei dem kleinen Jungen die besondere Begabung. Das Bild eines kleinen Mädchens hat es ihm angetan. Er kopiert das Gemälde und tauscht es, ohne, dass es die Besitzer zunächst bemerken, aus. Nach dem Bankrott seines Vaters als Bankier und dessen Freitod muss der Junge in der Küche eines Restaurants arbeiten. In seiner kleinen Stube fertigt er Zeichnungen an, die von einem Kellner mit Sachverstand entdeckt werden. Dieser führt ihn in die Pariser Künstler- und Intellektuellenszene ein. Nun überschlagen sich die Ereignisse und bei der folgenden irrwitzigen Reise durch die Zeitgeschichte begegnet er Größen wie Picasso, Trotzki, und leider auch Hitler, Stalin und anderen. Er nimmt diese systematisch auseinander und seziert dabei ironisch ihre Stärken und Eitelkeiten. Dabei scheut er sich auch nicht, den Kubismus zu erfinden, Trotzki versehentlich zu erschlagen, oder längst verstorbene Künstler zu berühmten Werken anzuregen. So unterrichtet er Picasso im Töpfern und inspiriert ihn zu seinen ersten Skulpturen. In hohem Alter versickern die Erinnerungen und er glaubt noch einmal seinen alten Freund und Mäzen aus dem Restaurant zu treffen. Hier schließt sich der Kreis.

Topors Mut ist beachtlich. Man könnte sagen, dass er jeden Stein anhebt und darunter schaut. Manche Affen fallen dabei in Ohnmacht. Er stellt in Frage und hält dies für eine Selbstverständlichkeit, ja vielleicht sogar für eine Pflicht. Keine Obrigkeitshörigkeit. Sondern Lust, Tabus zu brechen, zu provozieren, aber nicht zu verletzen.

Die Idee seines Buches ist gut, wird aber mit der Vielzahl der Figuren überstrapaziert. Man denkt unwillkürlich „und wer kommt jetzt noch?“ Bei manchen Figuren ist er zum Teil scharf satirisch, dann aber bei einer Schreckensfigur wie Hitler zu seicht plaudernd.

 

Topor über Topor (aus dem Begleitheftchen „Memoiren eines alten Arschlochs, Diogenes): „Der typische Humor ist für mich die Geschichte von dem zum Tode Verurteilten, der die letzte Zigarette mit den Worten ablehnt: „ Nein danke, ich will doch aufhören!“

 

 

galeriemartel / Werke von Roland Topor

 

                 „Bon appetit“                                                                „Drehbuch“

Topor - BA                            Topor - D

 

2015 © Christiane Linke
christianelinke22@gmail.com

 

 

Siehe auch:

 

 

Leo Trotzki – Literatur, Kunst und Revolution

 

Red Bus“ 2003 © Julian S. Bielicki oil on canvas, 94x120cm

„Man wähnt, wenn man nach wissenschaftlichen Regeln sich richtet, dem wissenschaftlichen Ritual gehorcht, mit Wissenschaft sich umgibt, gerettet zu sein. Wissenschaftliche Approbation wird zum Ersatz der geistigen Reflexion des Tatsächlichen, in der Wissenschaft erst bestünde. […] Je tiefer man ahnt, daß man das Beste vergessen hat, desto mehr tröstet man sich damit, daß man über die Apparatur verfügt.“ (Theodor W. Adorno, Philosophie und Lehrer, AGS 10.2, 491)

Leo Trotzki – Literatur und Revolution

 

Literatur und Revolution Taschenbuch – 1904   Amazon.de

Der Bürgerkrieg war eben erst beendet und die Epoche der „Neuen ökonomischen Politik“ hatte begonnen, da veröffentlichte Leo Trotzki (1923) sein revolutionärstes und utopischstes Buch unter dem Titel „Literatur und Revolution“. Für den Leser von heute, der sich nicht speziell für die damals zeitgenössische russische Literatur und ihre Stilrichtungen interessiert, sind in erster Linie die letzten drei Kapitel von Belang. In ihnen diskutiert Trotzki die Frage „Gibt es eine proletarische Kultur?“ und welche Folgen die Revolution dereinst für das Verhältnis von Kunst und Alltagsleben haben wird.

Eine „proletarische Kultur“, so lautet Trotzkis apodiktische Antwort, gibt es nicht und wird es auch nie geben. Konsequent im Geiste von Marx argumentiert er: Je vollständiger das neue Regime gegen politische und kriegerische Erschütterungen abgesichert sein wird, je günstiger sich die Bedingungen für kulturelles Schaffen gestalten werden, um so mehr wird sich das Proletariat in der sozialistischen Gemeinschaft auflösen, sich von seinen Klassenmerkmalen befreien, das heißt also, nicht mehr Proletariat sein. Mit anderen Worten: In der Epoche der Diktatur kann von der Schaffung einer neuen Kultur… keine Rede sein; und jener mit nichts früherem vergleichbare kulturelle Aufbau, der einsetzt, wenn die Notwendigkeit der eisernen Klammern wegfällt, wird schon keinen Klassencharakter mehr tragen“.

Wie wird nun die Kunst der Revolution aussehen? „In einem weiten philosophischen, nicht aber im schulmäßigen Sinne wird die neue Kunst – so Trotzkis Auffassung – realistisch sein“, da „Revolution und Mystik sich nicht vertragen“. Von diesem Realismus sagt Trotzki, daß er „den Gefühlen und Bedürfnissen verschiedener Gesellschaftsgruppen Ausdruck verliehen“ habe und „das mit recht verschiedenen Methoden“. Sie alle hätten nur eins gemeinsam, „den Drang zum Leben, so wie es ist; kein Ausweichen vor der Wirklichkeit, sondern ihre künstlerische Bejahung, aktives Interesse an ihr, an ihrer konkreten Beständigkeit oder Veränderlichkeit, das Bestreben dieses Leben – entweder so darzustellen, wie es ist, oder es zur Perle der Schöpfung zu erheben, es entweder zu rechtfertigen oder zu verdammen, entweder zu photographieren oder zusammenzufassen oder zu symbolisieren – immer aber gerade dieses Leben in unseren drei Dimensionen als ausreichende, vollwertige, und eigenwertige Materie für die schöpferische Gestaltung anzuerkennen“. Mit einer solchen weiten Definition des Realismus wäre’sicher auch Bertolt Brecht einverstanden gewesen, der gegen die engherzige Auffassung des sogenannten „sozialistischen Realismus“ mit seinem Essay über „Weile und Vielfalt der realistischen Schreibweise“ sich zur Wehr gesetzt hat.

Die historische Bildung des Revolutionärs Trotzki und sein Sinn für die sozialistische Utopie wird bei seiner Diskussion der Tragödie und ihres künftigen Schicksals deutlich. In der antiken Tragödie, meint er, spiegelte „der Glaube an ein unabwendbares Schicksal die engen Grenzen wider, die der antike Mensch mit seinem klaren Gedanken und seiner armen Technik nicht überwinden konnte“. Das Mittelalter sei vor der Tragik der menschlichen Existenz durch ein System „der doppelten Buchführung“ entflohen. Die Leidenden wurden mit einem Wechsel auf die jenseitige Zukunft nach dem Tode vertröstet: „Die Herrschenden unterschrieben, die kirchliche Hierarchie trat als Bürge auf und die Geknechteten beabsichtigten im Jenseits abzurechnen“.

Der Aufstieg des Bürgertums, der in der Reformation seinen Ausdruck findet, und die Dramen Shakespeares, die erst auf dieser Basis möglich wurden, führte dazu, daß „die religiösen Symbole der Kunst sich von der himmlischen Nabelschnur trennten und begannen, auf den Kopf gestellt, in der unsicheren Mystik des individuellen Bewußtseins Halt zu suchen“. So seien die „individuellen menschlichen Leidenschaften“, die über den Kopf der Individuen hinauswachsen und sie in ihren Bann schlagen, die eigentlichen Protagonisten der Shakespeareschen Dramen: „die Eifersucht Othellos, der Ehrgeiz der Macbeth, die Habgier Shylocks, die Liebe zwischen Romeo und Julia, der Hochmut Coriolans, und das seelische Schwanken Hamlets“ zeigen die Verwandlung von Leidenschaften in eine Art überpersönliches Schicksal. Gegenüber der antiken Tragödie, die „das Bewußtseineines ganzen Volkes ausdrückte“, ist die Shakespearesche „individualistisch“, dennoch aber „ein Schritt vorwärts“, weil sie menschlicher ist.

Während Georg Lukács sich zuweilen fragte, ob in der künftigen klassenlosen Gesellschaft Tragödie überhaupt noch einen Platz haben werde, meinte Trotzki 1923: „Die Tragödie isolierter persönlicher Leidenschaften ist für unsere Zeit zu fade. Aber weshalb? Weil wir in einer Epoche der sozialen Leidenschaften leben. Die Tragödie unserer Epoche ist der Zusammenstoß der Persönlichkeit mit dem Kollektiv.“

Der moderne Gedanke, daß die Gestaltung der Städte und der Dörfer (die durch „Agrostädte“ abgelöst werden sollten) unter aktiver Mitwirkung der künftigen Bewohner erfolgen sollte, wird von Trotzki schon ausführlich diskutiert. Dabei denkt er offenbar an eine lebendige demokratische Willensbildung, die er sich anschaulich vorstellt: „Da werden sich echte Volksgruppen dafür und dagegen (den aufgestellten Plan einer Agrostad:) bilden, eigenartige bautechnische Parteien der Zukunft, mit Agitation, Leidenschaften, Meetings, Abstimmungen. In diesem Kampf wird die Architektur von neuem, aber schon auf höherer Ebene, von den Gefühlen und Stimmungen der Massen durchdrungen sein, und die Menschheit wird sich plastisch erziehen, das heißt, sie wird sich daran gewöhnen, die Welt als gefügigen Ton zum Formen immer vollkommenerer Lebensformen zu betrachten …“ Wenn sich das Zukunftsbild, das Trotzki in „Literatur und Revolution“ von einer klassenlosen Gesellschaft durch einen Zug von den Ländern des „real existierenden Sozialismus“ unterscheidet, so vor allem durch seine bunte Vielfalt und Lebendigkeit. In Trotzkis Utopie würde es jedenfalls nicht langweilig sein. Die von ihm erträumten Städte hätten gewiß nicht jene monumentale Imponierarchitektur und jene Zuckerbäckerornamente gekannt, die heute die Großstädte der Sowjetunion „zieren“, und die Bevölkerung wäre auch nicht bloßes Objekt bevormundender Planung geworden, wie sie es seit der Stalin-Ära ist.

Seine Zukunftsvision erreicht einen Höhepunkt, wenn Trotzki davon spricht, daß die Scheidung zwischen Kunst und Technik, aber auch zwischen Kunst (im Sinne von Gestaltung) und Natur fallen werde: „Die gegenwärtige Verteilung von Berg und Tal, von Feldern und Wiesen, Steppen, Wäldern und Meeresküsten dürfe man keinesfalls als endgültig bezeichnen… Wenn der Glaube (einst) versprach, Berge zu versetzen, so ist die Technik, die nichts auf Treu und Glauben hinnimmt, wirklich imstande, Berge abzutragen und sie zu versetzen… Der Mensch wird sich mit der Neuregistrierung der Berge und Flüsse befassen und die Natur überhaupt ernstlich verändern. Schließlich wird er die Erde, wenn auch nicht nach seinem Vor- und Ebenbild, so doch nach seinem Geschmack umbauen. Wir haben keinen Grund zu der Befürchtung, daß dieser Geschmack ein schlechter sein wird. Ganz so titanisch und optimistisch können wir – jedenfalls im heutigen Europa – die Möglichkeiten menschlicher Umgestaltung der Erde freilich nicht mehr ansehen, und wenn dann Trotzki sogar meint, man dürfte nicht von einem „Dualismus Maschine Erde“ reden, denn die Maschine stehe zwar im Widerspruch zu dem „rückständigen Bauernacker“, nicht aber zur „Weizenfabrik“ oder der „sozialistischen Plantage“, dann hat er damit zwar recht, vergißt aber die Frage, ob denn die Maschine in ihrer vorhandenen Gestalt der Erde auch „guttut“. Trotzki ist jedenfalls auch hier optimistisch und spricht davon, daß in einer vernünftig geplanten und gestalteten Welt der Mensch den Maschinen wie den natürlichen Gebilden – Berg, Fluß, See usw. – so geschickt und glücklich ihren Platz anweisen werde, „daß selbst der Tiger den Baukran nicht bemerken und nicht melancholisch werden, sondern wie in Urzeiten weiterleben werde“. Der „passive Naturgenuß“ werde freilich aus der Kunst verschwinden, aber „die Technik werde eine viel mächtigere Inspiratorin des Kunstschaffens. Und später werde sich selbst der Gegensatz zwischen Technik und Natur in einer Synthese auf höherer Ebene auflösen“.

In diesem Prozeß der Entfaltung und Befreiung – so Trotzki – wird auch „die Frau endlich aus dem Zustand der Halbsklaverei befreit werden“, und neben „der Technik wird die Pädagogik – im breitesten Sinn der psychophysischen Formung neuer Generationen – zur Beherrscherin der öffentlichen Meinung werden“. Damit ist nun nicht die heute von Konservativen so sehr beklagte Dominanz pädagogischer Doktrinen gemeint, sondern im Gegenteil eine lebhafte und freie Auseinandersetzung zwischen „pädagogischen Systemen“, die „mächtige Parteien um sich scharen“ und im Wettbewerb untereinander die beste Methode zur Gestaltung der „kommunistischen Daseinsform“ suchen werden.

„Wenn das Dasein aufhört, eine Elementargewalt zu sein, wird es aufhören, schal zu sein. Der Mensch, der es gelernt hat, Flüsse und Berge zu versetzen und Volkspaläste auf dem Gipfel des Montblanc oder auf dem Meeresgrund des Atlantischen Ozeans zu bauen, wird seinem Alltag natürlich nicht nur Reichtum, Farbigkeit und Spannung verleihen, sondern auch höchste Dynamik … Das Leben der Zukunft wird nicht eintönig sein. Mehr noch. Der Mensch wird endlich darangehen, sich selbst zu harmonisieren. Er wird es sich zur Aufgabe machen, der Bewegung seiner eignen Organe – bei der Arbeit, beim Gehen oder im Spiel – höchste Klarheit, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und damit Schönheit zu verleihen. Er wird den Willen verspüren, die halbbewußten und später auch die unbewußten Prozesse im eigenen Organismus: Atmung, Blutkreislauf, Verdauung und Befruchtung zu meistern, und wird sie in den erforderlichen Grenzen der Kontrolle durch Vernunft und Willen unterwerfen …“ Durch solche Arbeit der Menschen an ihnen selbst, durch dieses „kollektive Experiment“ wird aus dem Menschen „der Übermensch“ geschaffen werden, und mit einer emphatischen Beschreibung des künftigen Übermenschen endet auch Trotzkis Schrift: „Der Mensch wird unvergleichlich viel stärker, klüger und feiner; sein Körper wird harmonischer, seine Bewegungen werden rhythmischer und seine Stimme wird musikalischer werden. Die Formen des Alltagslebens werden dynamische Theatralität annehmen. Der durchschnittliche Menschentyp wird sich bis zum Niveau des Aristoteles, Goethe und Marx erheben. Und über dieser Gebirgskette werden neue Gipfel aufragen.“

Zu solch kühner Antizipation einer besseren Zukunft war höchstens noch Ernst Bloch fähig. Man kann sich vorstellen, wie der Revolutionär Leo Trotzki aus der Vision dieser Welt die Kraft für seine eigne Tätigkeit und die unerschütterliche Zuversicht nahm, mit der er bis zuletzt an den künftigen Sieg des Sozialismus (auch in Stalins Sowjetunion) glaubte.

Iring Fetscher

Professor Iring Fleischer lehrt Philosophie und Politische Wissenschaft an der Universität Frankfurt und hat mehrere Bücher über Demokratie, Sozialismus und marxistische Theorie verfaßt.

http://www.zeit.de/1983/17/literatur-und-revolution/komplettansicht

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Trotzki, der ermordete Sieger
Er war der brillanteste der russischen Revolutionäre, ein blendender Rhetoriker und präziser Stratege – aber er unterlag dem bauernschlauen Stalin, der ihn vertrieb und im Exil umbringen liess.

Gewaltfreie Kommunikation in Heinrich von Kleists „Die Verlobung in St. Domingo“

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Nicole Peter und Lukas Germann über Heinrich von Kleist: Die Verlobung in St. Domingo

, 13. Juli 2015   www.theoriekritik.ch

„… aber des Ärmsten Schädel war ganz zerschmettert, und hing, da er sich das Pistol in den Mund gesetzt hatte, zum Teil an den Wänden umher.“ – Kleists Die Verlobung in St. Domingo und die Gewaltfrage

In unserem unregelmässig erscheinenden Theorie- und Debattenprojekt Respektive thematisieren wir aus linker Perspektive drängende Fragen unserer heutigen Gesellschaft. Die zweite Nummer haben wir vor einigen Jahren ganz dem Thema Gewalt gewidmet. Warum? Nun, weil Gewalt zum Leben gehört und jede gesellschaftliche Formation damit einen Umgang finden muss; weil Gewaltdiskurse innerhalb und ausserhalb der Linken ebenso spannend und befruchtend wie nervtötend und statisch sein können, uns aber doch immer wieder aufs Neue beschäftigen, und nicht zuletzt auch deshalb, weil Gewalt uns auch als ästhetisches Phänomen in ihrer filmischen, literarischen oder aktionistischen Darstellung interessiert. Kleist ist ein Autor, der sich dem Phänomen Gewalt immer wieder unbeschönigend und vorurteilsfrei angenommen hat. Gerade deswegen gilt er vielen als suspekt. Für uns Grund genug, genauer hinzuschauen.

Das Ideal der Gewaltfreiheit auf der einen Seite, und die Idealisierung einer von der Gewalt des Gegners klar abgegrenzten „anderen“, „revolutionären“ Gewalt auf der anderen Seite sind wiederkehrende Muster im linken Diskurs. Beide Haltungen entspringen letztlich demselben Bedürfnis: das eigene Handeln zu rechtfertigen, zu entschulden und den eigenen Reinheitsanspruch gegen allen Schmutz abzudichten. Dass Gewalt ein zentrales Thema für die Linke darstellt, die sich die Veränderung der bestehenden Verhältnisse auf die Fahne geschrieben hat, ist naheliegend. Je mehr man in seinem politischen Anspruch mit dem, was ist, nicht einverstanden ist und es zu verändern unternimmt, desto schneller ist man mit Gewalt konfrontiert, der Gewalt des Bestehenden und der Gewalt der Veränderung. Natürlich hat man es je nach politischem Ansatz mit sehr unterschiedlichen Fratzen und Masken der Gewalt zu tun, doch ohne Gewalt ist niemand, der etwas verändern will: nicht die Guerillakämpferin, nicht der engagierte Parlamentarier, nicht die Greenpeace-Aktivistin, nicht der Gewerkschafter.

Ist man im theoretischen wie praktischen linken Diskurs damit beschäftigt, das Gespenst der Gewalt zu bannen oder zu bändigen, es in grössere Zusammenhänge zu stellen und ihm damit ein stückweit zumindest auszuweichen, so vermögen literarische Texte offenere Begegnungen mit ihm zu arrangieren. Heinrich von Kleists Erzählung Die Verlobung von St. Domingo aus dem Jahr 1811 ist ein solcher Text. Er provoziert und konfrontiert uns mit einer Rohheit von Gewalt, die zur vertieften Auseinandersetzung herausfordert.

Heinrich von Kleists Erzählung ist bis heute ein anrüchiger Text geblieben. Die Erzählung ist voller Gewalt und Brutalität, gilt als rassistisch und ist in ihrer verschachtelten Dichte erst noch schwierig zu lesen. Tatsächlich wird man als Leser_in mit einem aggressiven, verstörenden Text konfrontiert, einer Schrift, die etwas abverlangt und zumutet. Die beschriebene Gewalt überträgt sich auf uns Lesende, auch wir sind ihr ausgesetzt, sei es durch das ständige Vielzuviel an Informationen in jedem der langen Sätze, sei es durch die Achterbahnfahrt der Emotionen, auf die die Handlung uns mitnimmt und während der wir mit den Protagonisten ständig aus der Bahn geworfen und zerschmettert zu werden drohen. Ein ungebändigter, wilder und gerade deswegen so ungeheuer faszinierender Text.

Die Erzählung handelt im Jahr 1803 auf Haiti, während des Sklavenaufstandes, der da seit zehn Jahren tobte. Die weissen Herren, welche die Insel bis dahin beherrscht und ihre schwarzen Sklaven mit brutalster Gewalt unterdrückt hatten, sahen sich nun in der Rolle der Verfolgten, Gejagten und Gemordeten. Congo Hoango, „ein fürchterlicher alter Neger“, hat in Kleists Geschichte gleich nach dem Aufflammen des Aufstands seinen früheren Herrn erschossen und dessen Pflanzungen übernommen. Getrieben von Rachegefühlen ist es sein Ziel, so viele Weisse wie möglich zu ermorden. Dazu beauftragt er seine Lebensgefährtin, die alte Mulattin Babekan, und deren 15-jährige Tochter, die Mestizin Toni, während er mit seinem Haufen im Umland Jagd auf Weisse macht, Flüchtlinge in die Pflanzung zu locken und sie unter dem Vorwand, sie da verstecken zu wollen, bis zu seiner Rückkehr aufzuhalten.

Ein Klima der Gewalt grundiert Kleists Erzählung. Blutdurstige Rache ist allgegenwärtig, aber auch die unverheilten Wunden der Gewalt der früheren Herren prägen das Land. Wie sind diese Ausbrüche und Verletzungen im Kontext der revolutionären Erhebung, die den geschichtlichen Hintergrund der Handlung bildet, zu verstehen?

Walter Benjamin beginnt seinen frühen, 1921 veröffentlichten Essay Zur Kritik der Gewalt mit der Unterscheidung zwischen rechtssetzender und rechtserhaltender Gewalt. Beide Arten der Gewalt stehen im Zusammenhang von gesellschaftlichen Zweck-Mittel-Relationen. Die erste rechtfertigt sich mit ihrem Ziel, die zweite damit, eine bereits bestehende Ordnung zu erhalten. Im weiteren Verlauf des Textes fragt Benjamin jedoch nach weiteren Formen der Gewalt, die von keiner Rechtstheorie erfasst werden. Dabei stösst er auf die Möglichkeit einer Gewalt, die sich bloss manifestiert, ohne dass sie in Zweck-Mittel-Relationen zu bringen ist. Benjamin nennt sie die mythische Gewalt.

Wenn wir nun zurückkehren zu Kleists Erzählung, zeigt sich, dass hier Gewalt in dieser dritten der von Benjamin vorgeschlagenen Formen auftritt. Eine manifeste Gewalt, die sich nicht in Zweck-Mittel-Relationen auflösen lässt, denn als die Gewalt der ehemaligen Herren ist sie vergangen und nur noch schwelend in den Wunden, die sie hinterlassen hat. Und als Gewalt der Sklaven erübrigt sie sich in einem Furor der Rache, der nur sich selbst und damit die Gewalt als einzigen Zweck setzt.

Doch verbleibt die sich manifestierende Gewalt in Die Verlobung von St. Domingo wirklich in dieser von Benjamin mythisch genannten Art?

Kleist lässt durch eine geheime Liebesbeziehung zwischen einem ins Haus gelockten Schweizer und der Mestizin Toni den im Hause Hoangos gewohnten Verlauf der Ereignisse in Frage stellen. Doch nun zeigt sich, wie sehr sich die manifeste Gewalt der Rache bereits verfestigt hat, so dass sie sich bereits in mündlichen wie schriftlichen Gesetzestexten niedergeschlagen hat: Tonis Aufgabe ist es zwar durchaus, die Fremden zu verführen, doch – so heisst es – ist es ihr bei Todesstrafe verboten, bis „zur letzten Liebkosung“ zu gehen. Und an anderer Stelle heisst es, dass die Rache das bestehende Landesgesetz sei. Ein an der Türe zur Küche angeschlagenes Mandat verbietet allen Schwarzen, Weissen Schutz zu geben.

So mündet die mythische Gewalt in eine rechtssetzende, halb verschämt zwar noch – verborgen hinter der Türe, nur zu sehen, wenn diese geschlossen wird –, doch unbestreitbar. Dies entspricht genau dem, was Benjamin in seinem Essay sagt: jede rechtssetzende Gewalt habe einen mythischen Ursprung und jede mythische Gewalt werde in ihrer Setzung zur rechtssetzenden. Hier nun deutet sich die Aufgabe an, die sich die revolutionäre Linke gesetzt hat: „Weit entfernt, eine reinere Sphäre zu eröffnen, zeigt die mythische Manifestation der unmittelbaren Gewalt sich im tiefsten mit aller Rechtsgewalt identisch und macht die Ahnung von deren Problematik zur Gewissheit von der Verderblichkeit ihrer geschichtlichen Funktion, deren Vernichtung damit zur Aufgabe wird.“ Benjamin lässt so auf den letzten Seiten seines Essays der mythischen Gewalt eine „reine unmittelbare Gewalt“ entgegentreten. Der in dieser Phase seines Lebens noch stark in der jüdischen Theologie verhaftete Benjamin nennt sie die Göttliche. „Mit dem blossen Leben hört die Herrschaft des Rechts über den Lebendigen auf. Die mythische Gewalt ist Blutgewalt über das blosse Leben um ihrer selbst, die göttliche reine Gewalt über alles Leben um des Lebendigen Willen.“ Ihrem Wesen nach ist diese göttliche Gewalt revolutionär. Sie ist das, was die Linke für sich beansprucht, wenn sie die Umwerfung aller Verhältnisse, „in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ (Karl Marx), fordert.

In Kleists Erzählung findet sich keine Hoffnung auf eine solche rettende Gewalt. Auf die Liebenden wartet nur Verrat, Mord und Selbstmord. Der chaotische Strudel nackter Gewalt frisst sie auf. Nichts lässt sich daran beschönigen und genau darin liegt die Provokation. Der Text verdammt nicht die Gewalt. Sie ist da als Faktum, als Schicksal. Aber er rechtfertigt sie auch nicht, nicht als rechtssetzende oder -erhaltende und nicht als revolutionäre. Sie bleibt ebenso unentrinnbar wie unfassbar.

Wenn wir die Kleist’sche Provokation nun abschliessend rückübersetzen in den linken Diskurs, so erinnert sie daran, dass alles Leben und Handeln den Makel der Gewalt und zwar der schmutzigen, rohen, ungeschönten Gewalt trägt. Das ist brutal und man hätte es vielleicht gerne anders, doch ein Zustand ganz ohne Gewalt wäre nicht mehr lebendig. Man sollte der Gewalt, die man bekämpft, aber auch der eigenen Gewalt ins Auge zu sehen versuchen, sie ständig kritisch hinterfragen, ohne aber ihre faktische Existenz auszumerzen trachten. Ein Zustand, in dem alles korrekt, versöhnt und „friedlich“ ist, ist kein Ideal von dieser Welt, sondern ein Trugbild, das gerade deswegen verlogen und in seiner Konsequenz repressiv wirkt.

Die Auseinandersetzung mit Schriften wie solchen tragen dazu bei, wegzukommen von der Vorstellung eines paradiesisch schuldlosen und reinen Zustands. Sie tragen dazu bei, Politik als etwas zu verstehen, das sowohl in ihrem Mitteln als auch in ihren Zwecken mit Widersprüchen beladen ist, die es nicht nur auszuhalten, sondern vielmehr zu begrüssen gilt.


Nicole Peter ist Historikerin und Germanistin. Ihre Dissertation zur intergenerationellen Erinnerung an die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg erschien im Jahr 2014. Sie ist Mitherausgeberin der Online-Zeitschrift Respektive.

Lukas Germann hat Philosophie und Germanistik studiert. Seine Dissertation erscheint diesen Sommer unter dem Titel «Die Wirklichkeit als Möglichkeit. Das revolutionäre Potential filmischer Ästhetik». Seit seiner frühen Jugend ist er – mal mehr, mal weniger – aktiv in der ausserparlamentarischen Linken.

http://www.theoriekritik.ch/?p=1757

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Gewalt

Eine gescheiterte Utopie der Gewaltlosigkeit in einer Sklavenhaltergesellschaft
Über Heinrich von Kleists „Verlobung in St. Domingo“

Von Anette Horn

Die Frage des Vertrauens und Misstrauens ist in Kleists Werk zentral. Sie hängt auf engste mit der Frage nach verbindlichen ethischen Werten zusammen, die in einem Diskurs verankert wären, der den Zeichen einen eindeutigen Sinn verleiht. Besonders akut äußert sich diese Krise des Sprechens und Handelns um 1800 in Kleists Erzählung „Die Verlobung in St. Domingo“. Die Eindeutigkeit des Signifikats wird schon in der Beschreibung des einen Protagonisten als eines „von der Goldküste von Afrika herstammende[n] Mensch[en], der in seiner Jugend von treuer und rechtschaffener Gemütsart schien“ durch das Verb „schien“ relativiert. Hier klingt auch bereits das Epithet „treu“ an, das man wohl durch das Nomen „Diener“ ergänzen muss, angesichts des kolonialistischen Kontextes, in dem diese Erzählung spielt. Ein Diener scheint aber bloß treu zu sein, das heißt man kann ihm nicht vertrauen oder alles zutrauen. Das erscheint als moralischer Fehler des Dieners und wird nicht durch die Herrschaftsverhältnisse begründet – in diesem Fall der Sklaverei – die ein ethisches Handeln, das auf Gegenseitigkeit beruht, verhindert.

Wichtig ist in Kleists Erzählung weiter die Verwischung des Unterschieds zwischen „Rasse“ und Individuum, so als ob die Einzelnen nicht genug ausdifferenziert wären, um als unterschiedene Individuen aufzutreten. Es ist auffällig, wie oft in der Erzählung Rassenmerkmale benutzt werden, um Personen zu klassifizieren. So wird Tonis „verbranntes Gesicht“ und „ins Gelbliche gehende Gesichtsfarbe“ betont, „die zu dieser gräßlichen List besonders brauchbar war“. Gemeint ist ihre Funktion als Lockvogel im Partisanenkrieg zwischen Schwarzen und Weißen. Die schwarze Frau wird von den Partisanen eingesetzt, um den weißen Mann zu verführen, damit er – ans Bett gefesselt – ans Messer geliefert werden kann.

Gustav von der Ried beruft sich auf den Unterschied zwischen „Rasse“ und Individuum, wenn er Stellung zur Rache der Schwarzen an den Weißen nimmt. Auf die Frage Tonis, „wodurch sich denn die Weißen daselbst so verhaßt gemacht hätten?“ erwiderte er „betroffen“, „durch das allgemeine Verhältnis, das sie, als Herren der Insel, zu den Schwarzen hatten, und das ich, die Wahrheit zu gestehen, mich nicht unterfangen will, in Schutz zu nehmen; das aber schon seit vielen Jahrhunderten auf diese Weise bestand! Der Wahnsinn der Freiheit, der alle diese Pflanzungen ergriffen hat, trieb die Negern und Kreolen, die Ketten, die sie drückten, zu brechen, und an den Weißen wegen vielfacher und tadelnswürdiger Mißhandlungen, die sie von einigen schlechten Mitgliedern derselben erlitten, Rache zu nehmen.“

Es ist, als ob die Jahrhunderte alte Institution der Sklaverei diese rechtfertigte, an der sich dann doch alle Weißen beteiligt und bereichert haben, auch wenn ihnen persönlich keine Gräueltaten angelastet werden können. Es sind lediglich die „schlechten Mitglieder“ der „weißen Rasse“, die die Rache der Schwarzen verdienen. Diese berechtigte Rache wird jedoch durch die Finte eines „einzigen schwarzen Mädchens“, die ihren Herren ins Bett lockt, um ihm die Gelbsucht zu geben, außer Kraft gesetzt, da sie jedes Maß übersteigt. Ihr Motiv wird dabei aber außer Acht gelassen, nämlich dass sie „drei Jahre zuvor einem Pflanzer vom Geschlecht der Weißen als Sklavin gedient“ hatte, „der sie aus Empfindlichkeit, weil sie sich seinen Wünschen nicht willfährig gezeigt hatte, hart behandelt und nachher an einen kreolischen Pflanzer verkauft hatte“. Die Frage stellt sich sofort, wessen Empfindlichkeit hier verletzt wurde. Es scheint, als ob die Rache der Frau für die Gewalt, die ihr in der Intimsphäre angetan wurde, und die sie nun mit Gleichem erwidert, jedes Maß der Fairness überschreitet. Die Frauen dürfen offensichtlich von den Männern im Kleinkrieg eingesetzt werden, doch dürfen sie nicht eigenhändig Rache üben.

Neben der Frage der Rassenzugehörigkeit spielt das Geschlecht eine zumindest ebenso wichtige Rolle. Das Wort Geschlecht wird aber auch als Synonym für „Rasse“ verwendet, wenn etwa „vom Geschlecht der Weißen“ gesprochen wird. Es ist zudem, als ob der Rassenunterschied das Begehren nach dem Anderen geradezu schürt, einerseits als dem Wunsch nach dem Fremden und Exotischen und andererseits durch die Verfügbarkeit der schwarzen oder farbigen Frau, da sie als Sklavin ja Besitz des weißen Herrn ist. Somit scheint die sexuelle Beziehung die individuelle Liebe auszuschließen, obwohl das gerade in der Verlobung Tonis und des Fremden, Gustav von der Ried, geleugnet wird, die ja zu einer Ehe führen soll, die jedoch durch den Doppelmord verhindert wird. Die Erzählung scheint aber gerade in Gustavs Haltung Toni gegenüber zwischen der Angst vor der Rache der Schwarzen und der individuellen romantischen Liebe ständig zu oszillieren. Es ist, als ob Gustav die Liebe einsetzt, um sich vor der berechtigten Rache der Sklaven zu schützen und in Sicherheit zu wähnen. Aber auch Toni beruft sich auf die Liebe, um ihrer Zugehörigkeit zu einer als minderwertig angesehenen „Rasse“ zu entkommen und zur Seite der Weißen überzulaufen, was wiederum als Verrat an der Sache der schwarzen Aufständischen um Congo Hoango geahndet wird.

Diese Liebe findet aber selbst nicht ohne Gewalt statt. Toni ist ausdrücklich von Babekan und Congo Hoango gewarnt worden, vor der letzten Gunst beim Einsatz ihrer Verführungskünste halt zu machen. Bezeichnenderweise übergeht der Erzähler hier eine Episode mit dem Hinweis, dass die Leser und Leserinnen nun wüssten, was passieren würde. Danach wird Toni aber weinend mit ihren Armen vor den Brüsten verschränkt beschrieben. Das wirft die Frage auf, ob es sich hier um eine Vergewaltigung handele, denn diese heftige Reaktion fehlt sonst im empfindsamen Diskurs, der durch den Hinweis auf Tonis „schöne Seele“ anzitiert wird. Außerdem finden die Treuegelübde auch nur nach diesem gewaltsamen Geschlechtsakt statt, als ob Gustav dadurch Tonis Ängste besänftigen wollte. Er schenkt ihr nun die Halskette mit dem Kreuz von seiner verstorbenen Verlobten, Mariane, die für ihn in den Tod gegangen war, um ihn vor den französischen Revolutionären nicht zu verraten.

Gustav sieht die Verführung jedoch nicht als einen Akt der Gewalt an, sondern leitet sie mit der Absicht ein, festzustellen, ob sie ein Herz habe. Dazu „zog er sie auf seinen Schoß nieder und fragte sie: ‚ob sie schon einem Bräutigam verlobt wäre?‘ Nein! lispelte das Mädchen, indem sie ihre großen schwarzen Augen in lieblicher Verschämtheit zur Erde schlug.“ Darauf erzählt Toni ihm, dass sie den Heiratsantrag eines jungen Negers aus der Nachbarschaft, Konelly, ausgeschlagen hätte mit der Begründung, dass „sie noch zu jung wäre“. Gustav, indem er „mit seinen beiden Händen ihren schlanken Leib umfaßt hielt“, macht sich die fast noch minderjährige Toni gefügig, indem er ihr entgegenhält, dass in seinem Lande „nach einem daselbst herrschenden Sprichwort, ein Mädchen von vierzehn Jahren und sieben Wochen bejahrt genug, um zu heiraten“ sei. Als Toni Gustav auf dessen Frage verrät, dass sie fünfzehn Jahre alt sei, somit also nach damaligen europäischen Vorstellungen volljährig, fragt dieser weiter, ob Konelly nicht über genug Geld verfüge, worauf Toni dessen Wendung zu einem reichen Mann schildert. Beschämt lachend gibt sie es zu, als Gustav „ihr scherzend ins Ohr geflüstert: ob es vielleicht ein Weißer sein müsse, der ihre Gunst davon tragen solle?“ Darauf „legte sie sich plötzlich, nach einem flüchtigen, träumerischen Bedenken, unter einem überaus reizenden Erröten, das über ihr verbranntes Gesicht aufloderte, an seine Brust.“

Man weiß in diesem Augenblick nicht, ob Toni ihm berechnend ihre Liebe vortäuscht, oder ob sie sich in die „schöne Seele“ verwandelt hat, die Gustav sich erhofft. Die Sprache ist nun die der „schönen Seele“ im Diskurs der Empfindsamkeit: „Der Fremde, von ihrer Anmut und Lieblichkeit gerührt, nannte sie sein liebes Mädchen, und schloß sie, wie durch göttliche Hand von jeder Sorge erlöst, in seine Arme. Es war ihm unmöglich zu glauben, daß alle diese Bewegungen, die er an ihr wahrnahm, der bloße elende Ausdruck einer kalten und gräßlichen Verräterei sein sollten. Die Gedanken, die ihn beunruhigt hatten, wichen, wie ein Heer schauerlicher Vögel, von ihm; er schalt sich, ihr Herz nur einen Augenblick verkannt zu haben, und während er sie auf seinen Knien schaukelte, und den süßen Atem einsog, den sie ihm heraufsandte, drückte er, gleichsam zum Zeichen der Aussöhnung und Vergebung, einen Kuß auf ihre Stirn.“

Interessant ist die Kombination des empfindsamen Liebesdiskurses mit seinem Wunsch nach Aussöhnung und Vergebung, der durch den Kuss besiegelt wird, denn er ist ein Zeichen dafür, dass er ihr misstraut hat und nun nach den Zeichen ihrer wahren Gefühle (die durch das unfreiwillige Erröten und die damit zusammenhängende Scham verbürgt zu sein scheint) ihr wieder sein Vertrauen schenken kann. Er befindet sich in einem ständigen Wechselbad der Gefühle, was seine grundlegende Ambivalenz Toni gegenüber in dieser Situation zeigt. Er versucht die negativen Gefühle auszublenden, indem er Toni an sich bindet, zunächst durch seine Tändeleien, dann durch den Geschlechtsakt und schließlich durch das Brautgeschenk.

Um den Betrug jedoch auszuschließen, benutzt Gustav außerdem die Zeichen des empfindsamen Liebesdiskurses, der ja die Treue der Liebenden bis zum Tod fordert. Dass diese Forderung dann aber schon am folgenden Abend eingelöst wird, ist eher ungewöhnlich in empfindsamen Liebeserzählungen und macht die vielschichtige Komplexität dieser Erzählung aus.

Bevor es aber zum Geschlechtsakt kommt, der im empfindsamen Liebesdiskurs eigentlich erst in der Ehe erlaubt ist und der angesichts des Altersunterschiedes zwischen Toni und Gustav sowie des Tabus, das Babekan und Congo Hoango auf ihn gelegt haben, als eine Vergewaltigung verstanden werden muss, steht der Vergleich Gustavs zwischen Toni und seiner früheren Verlobten, Mariane Congreve, an die Toni ihn angeblich erinnert. Es erscheint merkwürdig, dass er in diesem Moment die Rassenmerkmale an ihr übersieht, die ihn sonst immer befremdet hatten. Indem er Toni die Geschichte von Marianes Aufopferung als Zeichen der äußersten Treue erzählt, versucht er Toni zu derselben Hingabe zu verpflichten. Das wird durch die Halskette, die er Mariane geschenkt hatte, und die er nun an Toni „als ein Brautgeschenk“ weitergibt, symbolisiert. Dass Toni damit zu einem Ersatz für Mariane wird, zeigt aber auch seine Unfähigkeit, zwischen beiden zu unterscheiden: beide Male sieht er die Frau nur als sich für den Mann aufopferndes Wesen.

Das Brautgeschenk scheint somit doppelt kodiert: Das Kreuz ist zugleich Symbol des Opfertodes Christi und Zeichen des Eheversprechens, der Verlobung, auf die der Titel der Erzählung anspielt. Trotzdem ist sie keines von beiden, denn Toni opfert ihr Leben nicht bewusst für Gustav auf, ebenso wenig wie Gustav sein Eheversprechen einlösen kann. Dazu fehlt es am grundlegenden Vertrauen, auf das Tonis letzte Worte „du hättest mir nicht misstrauen sollen“ zielen. Stattdessen findet eine Verwirrung der Zeichen in der symbolischen Ordnung statt, die durch die vertrackten politischen Verhältnisse der Sklaverei und des Kolonialismus untermauert werden. In diesem Kontext scheint der empfindsame Liebesdiskurs im wörtlichen Sinne ver-rückt zu sein, also fehl am Platze. Gustav klammert sich jedoch an die empfindsame Liebe wie an einem Strohhalm in einer äußerst bedrohlichen Situation, während Toni ihn subvertieren muss, um ihn letztlich retten zu können.

Die Aussöhnung und Vergebung findet aber nicht zwischen Weißen und Schwarzen statt, sondern allein zwischen Gustav als Mitglied der „weißen Rasse“ und Toni als Repräsentantin der „schwarzen Rasse“. Die Aussöhnung und Vergebung durch den Kuss ist eine Wiederherstellung seines Vertrauens in sie, ohne das keine zwischenmenschliche Beziehung möglich ist. Allerdings ist diese Aussöhnung und Vergebung und das ihnen zugrunde liegende Vertrauen äußerst prekär, da es sofort wieder zurückgenommen wird, als Toni ihn ans Bett fesselt, um Congo Hoango zu täuschen und Gustav sie dafür erschießt. Sobald er aber den Grund für ihren vermeintlichen Verrat erfährt, erschießt er sich selbst, angeblich wegen seines Misstrauens. Das impliziert jedoch, dass es sich nicht nur um ein bewusstes Täuschungsmanöver handelt, sondern auch um ein tragisches Missverständnis, das aus dem Misstrauen hervorgegangen ist.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Aussöhnung und Vergebung nicht nur zwischen Individuen möglich ist, da es sich um einen ethischen Wert handelt, obwohl die ihm zugrunde liegenden politischen Machtverhältnisse auch verändert werden müssen, um verbindlich zu sein. Nun befinden sich diese Machtverhältnisse aber gerade in einem revolutionären Prozess der Transformation. Es handelt sich somit um eine Zeit des Übergangs, in dem die alten Verhältnisse in Frage gestellt werden und noch keine neuen an ihre Stelle getreten sind. In diesem historischen Moment werden die Vorzeichen vertauscht: Der treue Diener verwandelt sich nun in eine rachsüchtige Bestie, während der grausame Herr zu einem Hilfe suchenden Kind wird.

Tonis Liebe und Vertrauen zu Gustav setzt aber auch einen unmöglichen Akt des Vergebens seitens der ehemaligen schwarzen Sklaven voraus. Nun werden die Werte der europäischen Aufklärung und der christlichen Religion jedoch individuell-unterschiedlich eingesetzt, einmal durch Babekans heuchlerische Verurteilung der Missachtung dieser Werte, wenn sie meint, dass in dem Sklavenaufstand ein Teil des Gesellschaftskörpers gegen den anderen rebelliere. Dabei ist Babekan selbst durch ihr Verhältnis zu Herrn Bertrand zu sehr gefeit, um an Humanwerte zu glauben. Auch sie hätte sich auf eine Verlobung mit ihm berufen können, da sie inzwischen ein Kind, Toni, von ihm bekommen hatte, als er sich auf einer Reise nach Frankreich mit einer weißen Frau verheiratete, und zu diesem Zweck leugnete, der Vater Tonis zu sein. Wegen ihrer angeblichen Verleumdung ließ er Babekan derart auspeitschen, dass sie bis zu ihrem jetzigen Zeitpunkt an Schwindsucht leidet. Es stellt sich die Frage, wie die Vergebung der Schwarzen gegenüber den Weißen unter diesen Umständen überhaupt möglich ist.

Andererseits beruft sich Toni ihrer Mutter gegenüber auf das humane Gastrecht, um sie vom hinterhältigen Mord an Gustav abzuhalten. So argumentiert Toni unter Erröten gegen die Intrigen der Mutter, „daß es schändlich und niederträchtig wäre, das Gastrecht an Personen, die man in das Haus gelockt, also zu verletzen. Sie meinte, daß ein Verfolgter, der sich ihrem Schutz anvertraut, doppelt sicher bei ihnen sein sollte“. Zu diesem Zeitpunkt ist sie schon von ihrem früheren Plan abgerückt, Gustav in einen Hinterhalt zu locken, da sie sich inzwischen (es handelt sich nur um eine Nacht) in ihn verliebt und sich heimlich verlobt hat. Sie beruft sich somit auf die Werte der Gastfreundschaft, um Gustav vor dem Hass der Schwarzen zu schützen, doch gerät dieser humanistische Diskurs in der Auseinandersetzung zwischen weißen Herren und schwarzen Sklaven ins Wanken.

Der ehemals Ohnmächtige wird nun zum Gastgeber und der vormals Mächtige zum Gast, der auf die Gastfreundschaft seines ehemaligen Feindes angewiesen ist. Das setzt aber auch einen Akt der Vergebung voraus, der aber nur von den ehemaligen Opfern der kolonialen Gewalt gewährt werden kann. In diesem Zusammenhang ist es signifikant, dass Toni Gustav ein Fußbad bringt, was das Beispiel Magdalenas heraufbeschwört, aber auch das Christi, der seinen Aposteln die Füße wusch. Das heißt aber auch, dass Toni sowohl in der Rolle der Prostituierten als auch in der des verzeihenden Opfers gezeigt wird.

Es ist die Barbarität der Weißen den Schwarzen gegenüber, wie sie sich in dem inhumanen System der Sklaverei äußert, die die Feindseligkeit der Schwarzen auf den Plan ruft. Es waren die weißen Gäste, die die Gastfreundschaft ihrer schwarzen Gastgeber missbrauchten, und dadurch zu ihren Feinden wurden, während sie als Verfolgte nun die Gastfreundschaft ihrer Feinde fordern. Dass sich diese absurde Logik durch Humanwerte durchbrechen lässt, scheint eher unwahrscheinlich. Andererseits führt deren Missachtung zu einer endlosen Gewaltspirale.

Der Glaube an das Gastrecht des Anderen setzt nämlich ein Vertrauen voraus, dass der oder die Fremde das Gastrecht nicht verletzen werde, indem er oder sie zum Feind wird, ein grundlegendes Vertrauen also, das auf einem allgemein-menschlichen Gesetz beruht. Nun nimmt Gustav gerade dieses Gastrecht auf Grund der helleren Hautfarbe Babekans und Tonis in Anspruch, da der „Neger“ Congo Hoango gerade außer Hauses ist, um den General der Aufständischen, Dessalines, mit Verstärkung zu versorgen. Dieses Zeichen ist jedoch trügerisch, da Babekan und Toni als Farbige zwischen den beiden „Rassen“ stehen und ihre Loyalität nicht automatisch den Weißen als der vermeintlich höherstehenden „Rasse“ gilt.

Das zwischenmenschliche Vertrauen, das die Utopie der Gewaltlosigkeit überhaupt erst ermöglicht, bleibt jedoch ein rein hypothetischer Moment jenseits des Todes: „du hättest mir nicht mißtrauen sollen!“, worauf Gustav erwidert: „Gewiss! Ich hätte dir nicht mißtrauen sollen; denn du warst mir durch einen Eidschwur verlobt, obschon wir keine Worte darüber gewechselt hatten!“

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=15806

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Heinrich von Kleist

Die Verlobung in St. Domingo

Zu Port au Prince, auf dem französischen Anteil der Insel St. Domingo, lebte, zu Anfange dieses Jahrhunderts, als die Schwarzen die Weißen ermordeten, auf der Pflanzung des Herrn Guillaume von Villeneuve, ein fürchterlicher alter Neger, namens Congo Hoango. Dieser von der Goldküste von Afrika herstammende Mensch, der in seiner Jugend von treuer und rechtschaffener Gemütsart schien, war von seinem Herrn, weil er ihm einst auf einer Überfahrt nach Cuba das Leben gerettet hatte, mit unendlichen Wohltaten überhäuft worden. Nicht nur, daß Herr Guillaume ihm auf der Stelle seine Freiheit schenkte, und ihm, bei seiner Rückkehr nach St. Domingo, Haus und Hof anwies; er machte ihn sogar, einige Jahre darauf, gegen die Gewohnheit des Landes, zum Aufseher seiner beträchtlichen Besitzung, und legte ihm, weil er nicht wieder heiraten wollte, an Weibes Statt eine alte Mulattin, namens Babekan, aus seiner Pflanzung bei, mit welcher er durch seine erste verstorbene Frau weitläuftig verwandt war. Ja, als der Neger sein sechzigstes Jahr erreicht hatte, setzte er ihn mit einem ansehnlichen Gehalt in den Ruhestand und krönte seine Wohltaten noch damit, daß er ihm in seinem Vermächtnis sogar ein Legat auswarf; und doch konnten alle diese Beweise von Dankbarkeit Herrn Villeneuve vor der Wut dieses grimmigen Menschen nicht schützen. Congo Hoango war, bei dem allgemeinen Taumel der Rache, der auf die unbesonnenen Schritte des National-Konvents in diesen Pflanzungen aufloderte, einer der ersten, der die Büchse ergriff, und, eingedenk der Tyrannei, die ihn seinem Vaterlande entrissen hatte, seinem Herrn die Kugel durch den Kopf jagte. Er steckte das Haus, worein die Gemahlin desselben mit ihren drei Kindern und den übrigen Weißen der Niederlassung sich geflüchtet hatte, in Brand, verwüstete die ganze Pflanzung, worauf die Erben, die in Port au Prince wohnten, hätten Anspruch machen können, und zog, als sämtliche zur Besitzung gehörige Etablissements der Erde gleich gemacht waren, mit den Negern, die er versammelt und bewaffnet hatte, in der Nachbarschaft umher, um seinen Mitbrüdern in dem Kampfe gegen die Weißen beizustehen. Bald lauerte er den Reisenden auf, die in bewaffneten Haufen das Land durchkreuzten; bald fiel er am hellen Tage die in ihren Niederlassungen verschanzten Pflanzer selbst an, und ließ alles, was er darin vorfand, über die Klinge springen. Ja, er forderte, in seiner unmenschlichen Rachsucht, sogar die alte Babekan mit ihrer Tochter, einer jungen fünfzehnjährigen Mestize, namens Toni, auf, an diesem grimmigen Kriege, bei dem er sich ganz verjüngte, Anteil zu nehmen; und weil das Hauptgebäude der Pflanzung, das er jetzt bewohnte, einsam an der Landstraße lag und sich häufig, während seiner Abwesenheit, weiße oder kreolische Flüchtlinge einfanden, welche darin Nahrung oder ein Unterkommen suchten, so unterrichtete er die Weiber, diese weißen Hunde, wie er sie nannte, mit Unterstützungen und Gefälligkeiten bis zu seiner Wiederkehr hinzuhalten. Babekan, welche in Folge einer grausamen Strafe, die sie in ihrer Jugend erhalten hatte, an der Schwindsucht litt, pflegte in solchen Fällen die junge Toni, die, wegen ihrer ins Gelbliche gehenden Gesichtsfarbe, zu dieser gräßlichen List besonders brauchbar war, mit ihren besten Kleidern auszuputzen; sie ermunterte dieselbe, den Fremden keine Liebkosung zu versagen, bis auf die letzte, die ihr bei Todesstrafe verboten war: und wenn Congo Hoango mit seinem Negertrupp von den Streifereien, die er in der Gegend gemacht hatte, wiederkehrte, war unmittelbarer Tod das Los der Armen, die sich durch diese Künste hatten täuschen lassen.

Nun weiß jedermann, daß im Jahr 1803, als der General Dessalines mit 30000 Negern gegen Port au Prince vorrückte, alles, was die weiße Farbe trug, sich in diesen Platz warf, um ihn zu verteidigen. Denn er war der letzte Stützpunkt der französischen Macht auf dieser Insel, und wenn er fiel, waren alle Weißen, die sich darauf befanden, sämtlich ohne Rettung verloren. Demnach traf es sich, daß gerade in der Abwesenheit des alten Hoango, der mit den Schwarzen, die er um sich hatte, aufgebrochen war, um dem General Dessalines mitten durch die französischen Posten einen Transport von Pulver und Blei zuzuführen, in der Finsternis einer stürmischen und regnigten Nacht, jemand an die hintere Tür seines Hauses klopfte. Die alte Babekan, welche schon im Bette lag, erhob sich, öffnete, einen bloßen Rock um die Hüften geworfen, das Fenster, und fragte, wer da sei; »Bei Maria und allen Heiligen,« sagte der Fremde leise, indem er sich unter das Fenster stellte: »beantwortet mir, ehe ich Euch dies entdecke, eine Frage!« Und damit streckte er, durch die Dunkelheit der Nacht, seine Hand aus, um die Hand der Alten zu ergreifen, und fragte: »seid Ihr eine Negerin?« Babekan sagte: nun, Ihr seid gewiß ein Weißer, daß Ihr dieser stockfinstern Nacht lieber ins Anlitz schaut, als einer Negerin! Kommt herein, setzte sie hinzu, und fürchtet nichts; hier wohnt eine Mulattin, und die einzige, die sich außer mir noch im Hause befindet, ist meine Tochter, eine Mestize! Und damit machte sie das Fenster zu, als wollte sie hinabsteigen und ihm die Tür öffnen; schlich aber, unter dem Vorwand, daß sie den Schlüssel nicht sogleich finden könne, mit einigen Kleidern, die sie schnell aus dem Schrank zusammenraffte, in die Kammer hinauf und weckte ihre Tochter. »Toni!« sprach sie: »Toni!« – Was gibts, Mutter? – »Geschwind!« sprach sie. »Aufgestanden und dich angezogen! Hier sind Kleider, weiße Wäsche und Strümpfe! Ein Weißer, der verfolgt wird, ist vor der Tür und begehrt eingelassen zu werden!« – Toni fragte: ein Weißer? indem sie sich halb im Bett aufrichtete. Sie nahm die Kleider, welche die Alte in der Hand hielt, und sprach: ist er auch allein, Mutter? Und haben wir, wenn wir ihn einlassen, nichts zu befürchten? – »Nichts, nichts!« versetzte die Alte, indem sie Licht anmachte: »er ist ohne Waffen und allein, und Furcht, daß wir über ihn herfallen möchten, zittert in allen seinen Gebeinen!« Und damit, während Toni aufstand und sich Rock und Strümpfe anzog, zündete sie die große Laterne an, die in dem Winkel des Zimmers stand, band dem Mädchen geschwind das Haar, nach der Landesart, über dem Kopf zusammen, bedeckte sie, nachdem sie ihr den Latz zugeschnürt hatte, mit einem Hut, gab ihr die Laterne in die Hand und befahl ihr, auf den Hof hinab zu gehen und den Fremden herein zu holen.

Inzwischen war auf das Gebell einiger Hofhunde ein Knabe, namens Nanky, den Hoango auf unehelichem Wege mit einer Negerin erzeugt hatte, und der mit seinem Bruder Seppy in den Nebengebäuden schlief, erwacht; und da er beim Schein des Mondes einen einzelnen Mann auf der hinteren Treppe des Hauses stehen sah: so eilte er sogleich, wie er in solchen Fällen angewiesen war, nach dem Hoftor, durch welches derselbe hereingekommen war, um es zu verschließen. Der Fremde, der nicht begriff, was diese Anstalten zu bedeuten hatten, fragte den Knaben, den er mit Entsetzen, als er ihm nahe stand, für einen Negerknaben erkannte: wer in dieser Niederlassung wohne? und schon war er auf die Antwort desselben: »daß die Besitzung, seit dem Tode Herrn Villeneuves dem Neger Hoango anheim gefallen,« im Begriff, den Jungen niederzuwerfen, ihm den Schlüssel der Hofpforte, den er in der Hand hielt, zu entreißen und das weite Feld zu suchen, als Toni, die Laterne in der Hand, vor das Haus hinaus trat. »Geschwind!« sprach sie, indem sie seine Hand ergriff und ihn nach der Tür zog: »hier herein!« Sie trug Sorge, indem sie dies sagte, das Licht so zu stellen, daß der volle Strahl davon auf ihr Gesicht fiel. – Wer bist du? rief der Fremde sträubend, indem er, um mehr als einer Ursache willen betroffen, ihre junge liebliche Gestalt betrachtete. Wer wohnt in diesem Hause, in welchem ich, wie du vorgibst, meine Rettung finden soll? – »Niemand, bei dem Licht der Sonne«, sprach das Mädchen, »als meine Mutter und ich!« und bestrebte und beeiferte sich, ihn mit sich fortzureißen. Was, niemand! rief der Fremde, indem er, mit einem Schritt rückwärts, seine Hand losriß: hat mir dieser Knabe nicht eben gesagt, daß ein Neger, namens Hoango, darin befindlich sei? – »Ich sage, nein!« sprach das Mädchen, indem sie, mit einem Ausdruck von Unwillen, mit dem Fuß stampfte; »und wenn gleich einem Wüterich, der diesen Namen führt, das Haus gehört: abwesend ist er in diesem Augenblick und auf zehn Meilen davon entfernt!« Und damit zog sie den Fremden mit ihren beiden Händen in das Haus hinein, befahl dem Knaben, keinem Menschen zu sagen, wer angekommen sei, ergriff, nachdem sie die Tür erreicht, des Fremden Hand und führte ihn die Treppe hinauf, nach dem Zimmer ihrer Mutter.

»Nun«, sagte die Alte, welche das ganze Gespräch, von dem Fenster herab, mit angehört und bei dem Schein des Lichts bemerkt hatte, daß er ein Offizier war: »was bedeutet der Degen, den Ihr so schlagfertig unter Eurem Arme tragt? Wir haben Euch«, setzte sie hinzu, indem sie sich die Brille aufdrückte, »mit Gefahr unseres Lebens eine Zuflucht in unserm Hause gestattet; seid Ihr herein gekommen, um diese Wohltat, nach der Sitte Eurer Landsleute, mit Verräterei zu vergelten?« – Behüte der Himmel! erwiderte der Fremde, der dicht vor ihren Sessel getreten war. Er ergriff die Hand der Alten, drückte sie an sein Herz, und indem er, nach einigen im Zimmer schüchtern umhergeworfenen Blicken, den Degen, den er an der Hüfte trug, abschnallte, sprach er: Ihr seht den elendesten der Menschen, aber keinen undankbaren und schlechten vor Euch! – »Wer seid Ihr?« fragte die Alte; und damit schob sie ihm mit dem Fuß einen Stuhl hin, und befahl dem Mädchen, in die Küche zu gehen, und ihm, so gut es sich in der Eil tun ließ, ein Abendbrot zu bereiten. Der Fremde erwiderte: ich bin ein Offizier von der französischen Macht, obschon, wie Ihr wohl selbst urteilt, kein Franzose; mein Vaterland ist die Schweiz und mein Name Gustav von der Ried. Ach, hätte ich es niemals verlassen und gegen dies unselige Eiland vertauscht! Ich komme von Fort Dauphin, wo, wie Ihr wißt, alle Weißen ermordet worden sind, und meine Absicht ist, Port au Prince zu erreichen, bevor es dem General Dessalines noch gelungen ist, es mit den Truppen, die er anführt, einzuschließen und zu belagern. – »Von Fort Dauphin!« rief die Alte. »Und es ist Euch mit Eurer Gesichtsfarbe geglückt, diesen ungeheuren Weg, mitten durch ein in Empörung begriffenes Mohrenland, zurückzulegen?« Gott und alle Heiligen, erwiderte der Fremde, haben mich beschützt! – Und ich bin nicht allein, gutes Mütterchen; in meinem Gefolge, das ich zurückgelassen, befindet sich ein ehrwürdiger alter Greis, mein Oheim, mit seiner Gemahlin und fünf Kindern; mehrere Bediente und Mägde, die zur Familie gehören, nicht zu erwähnen; ein Troß von zwölf Menschen, den ich, mit Hülfe zweier elenden Maulesel, in unsäglich mühevollen Nachtwanderungen, da wir uns bei Tage auf der Heerstraße nicht zeigen dürfen, mit mir fortführen muß. »Ei, mein Himmel!« rief die Alte, indem sie, unter mitleidigem Kopfschütteln, eine Prise Tabak nahm. »Wo befindet sich denn in diesem Augenblick Eure Reisegesellschaft?« – Euch, versetzte der Fremde, nachdem er sich ein wenig besonnen hatte: Euch kann ich mich anvertrauen; aus der Farbe Eures Gesichts schimmert mir ein Strahl von der meinigen entgegen. Die Familie befindet sich, daß Ihr es wißt, eine Meile von hier, zunächst dem Möwenweiher, in der Wildnis der angrenzenden Gebirgswaldung: Hunger und Durst zwangen uns vorgestern, diese Zuflucht aufzusuchen. Vergebens schickten wir in der verflossenen Nacht unsere Bedienten aus, um ein wenig Brot und Wein bei den Einwohnern des Landes aufzutreiben; Furcht, ergriffen und getötet zu werden, hielt sie ab, die entscheidenden Schritte deshalb zu tun, dergestalt, daß ich mich selbst heute mit Gefahr meines Lebens habe aufmachen müssen, um mein Glück zu versuchen. Der Himmel, wenn mich nicht alles trügt, fuhr er fort, indem er die Hand der Alten drückte, hat mich mitleidigen Menschen zugeführt, die jene grausame und unerhörte Erbitterung, welche alle Einwohner dieser Insel ergriffen hat, nicht teilen. Habt die Gefälligkeit, mir für reichlichen Lohn einige Körbe mit Lebensmitteln und Erfrischungen anzufüllen; wir haben nur noch fünf Tagereisen bis Port au Prince, und wenn ihr uns die Mittel verschafft, diese Stadt zu erreichen, so werden wir euch ewig als die Retter unseres Lebens ansehen. – »Ja, diese rasende Erbitterung«, heuchelte die Alte. »Ist es nicht, als ob die Hände eines Körpers, oder die Zähne eines Mundes gegen einander wüten wollten, weil das eine Glied nicht geschaffen ist, wie das andere? Was kann ich, deren Vater aus St. Jago, von der Insel Cuba war, für den Schimmer von Licht, der auf meinem Antlitz, wenn es Tag wird, erdämmert? Und was kann meine Tochter, die in Europa empfangen und geboren ist, dafür, daß der volle Tag jenes Weltteils von dem ihrigen widerscheint!« – Wie? rief der Fremde. Ihr, die Ihr nach Eurer ganzen Gesichtsbildung eine Mulattin, und mithin afrikanischen Ursprungs seid, Ihr wäret samt der lieblichen jungen Mestize, die mir das Haus aufmachte, mit uns Europäern in einer Verdammnis? – »Beim Himmel!« erwiderte die Alte, indem sie die Brille von der Nase nahm; »meint Ihr, daß das kleine Eigentum, das wir uns in mühseligen und jammervollen Jahren durch die Arbeit unserer Hände erworben haben, dies grimmige, aus der Hölle stammende Räubergesindel nicht reizt? Wenn wir uns nicht durch List und den ganzen Inbegriff jener Künste, die die Notwehr dem Schwachen in die Hände gibt, vor ihrer Verfolgung zu sichern wüßten: der Schatten von Verwandtschaft, der über unsere Gesichter ausgebreitet ist, der, könnt Ihr sicher glauben, tut es nicht!« – Es ist nicht möglich! rief der Fremde; und wer auf dieser Insel verfolgt euch? »Der Besitzer dieses Hauses«, antwortete die Alte: »der Neger Congo Hoango! Seit dem Tode Herrn Guillaumes, des vormaligen Eigentümers dieser Pflanzung, der durch seine grimmige Hand beim Ausbruch der Empörung fiel, sind wir, die wir ihm als Verwandte die Wirtschaft führen, seiner ganzen Willkür und Gewalttätigkeit preis gegeben. Jedes Stück Brot, jeden Labetrunk den wir aus Menschlichkeit einem oder dem andern der weißen Flüchtlinge, die hier zuweilen die Straße vorüberziehen, gewähren, rechnet er uns mit Schimpfwörtern und Mißhandlungen an; und nichts wünscht er mehr, als die Rache der Schwarzen über uns weiße und kreolische Halbhunde, wie er uns nennt, hereinhetzen zu können, teils um unserer überhaupt, die wir seine Wildheit gegen die Weißen tadeln, los zu werden, teils, um das kleine Eigentum, das wir hinterlassen würden, in Besitz zu nehmen.« – Ihr Unglücklichen! sagte der Fremde; ihr Bejammernswürdigen! – Und wo befindet sich in diesem Augenblick dieser Wüterich? »Bei dem Heere des Generals Dessalines,« antwortete die Alte, »dem er, mit den übrigen Schwarzen, die zu dieser Pflanzung gehören, einen Transport von Pulver und Blei zuführt, dessen der General bedürftig war. Wir erwarten ihn, falls er nicht auf neue Unternehmungen auszieht, in zehn oder zwölf Tagen zurück; und wenn er alsdann, was Gott verhüten wolle, erführe, daß wir einem Weißen, der nach Port au Prince wandert, Schutz und Obdach gegeben, während er aus allen Kräften an dem Geschäft Teil nimmt, das ganze Geschlecht derselben von der Insel zu vertilgen, wir wären alle, das könnt Ihr glauben, Kinder des Todes.« Der Himmel, der Menschlichkeit und Mitleiden liebt, antwortete der Fremde, wird Euch in dem, was Ihr einem Unglücklichen tut, beschützen! – Und weil Ihr Euch, setzte er, indem er der Alten näher rückte, hinzu, einmal in diesem Falle des Negers Unwillen zugezogen haben würdet, und der Gehorsam, wenn Ihr auch dazu zurückkehren wolltet, Euch fürderhin zu nichts helfen würde; könnt Ihr Euch wohl, für jede Belohnung, die Ihr nur verlangen mögt, entschließen, meinem Oheim und seiner Familie, die durch die Reise aufs äußerste angegriffen sind, auf einen oder zwei Tage in Eurem Hause Obdach zu geben, damit sie sich ein wenig erholten? – »Junger Herr!« sprach die Alte betroffen, »was verlangt Ihr da; Wie ist es, in einem Hause, das an der Landstraße liegt, möglich, einen Troß von solcher Größe, als der Eurige ist, zu beherbergen, ohne daß er den Einwohnern des Landes verraten würde!« – »Warum nicht?« versetzte der Fremde dringend: »wenn ich sogleich selbst an den Möwenweiher hinausginge, und die Gesellschaft, noch vor Anbruch des Tages, in die Niederlassung einführte; wenn man alles, Herrschaft und Dienerschaft, in einem und demselben Gemach des Hauses unterbrächte, und, für den schlimmsten Fall, etwa noch die Vorsicht gebrauchte, Türen und Fenster desselben sorgfältig zu verschließen?« – Die Alte erwiderte, nachdem sie den Vorschlag während einiger Zeit erwogen hatte: »daß, wenn er, in der heutigen Nacht, unternehmen wollte, den Troß aus seiner Bergschlucht in die Niederlassung einzuführen, er, bei der Rückkehr von dort, unfehlbar auf einen Trupp bewaffneter Neger stoßen würde, der, durch einige vorangeschickte Schützen, auf der Heerstraße angesagt worden wäre.« – Wohlan! versetzte der Fremde: so begnügen wir uns, für diesen Augenblick, den Unglücklichen einen Korb mit Lebensmitteln zuzusenden, und sparen das Geschäft, sie in die Niederlassung einzuführen, für die nächstfolgende Nacht auf. Wollt Ihr, gutes Mütterchen, das tun? – »Nun«, sprach die Alte, unter vielfachen Küssen, die von den Lippen des Fremden auf ihre knöcherne Hand niederregneten: »um des Europäers, meiner Tochter Vater willen, will ich euch, seinen bedrängten Landsleuten, diese Gefälligkeit erweisen. Setzt Euch beim Anbruch des morgenden Tages hin, und ladet die Eurigen in einem Schreiben ein, sich zu mir in die Niederlassung zu verfügen; der Knabe, den Ihr im Hofe gesehen, mag ihnen das Schreiben mit einigem Mundvorrat überbringen, die Nacht über zu ihrer Sicherheit in den Bergen verweilen, und dem Trosse beim Anbruch des nächstfolgenden Tages, wenn die Einladung angenommen wird, auf seinem Wege hierher zum Führer dienen.«

Inzwischen war Toni mit einem Mahl, das sie in der Küche bereitet hatte, wiedergekehrt, und fragte die Alte mit einem Blick auf den Fremden, schäkernd, indem sie den Tisch deckte: Nun, Mutter, sagt an! Hat sich der Herr von dem Schreck, der ihn vor der Tür ergriff, erholt? Hat er sich überzeugt, daß weder Gift noch Dolch auf ihn warten, und daß der Neger Hoango nicht zu Hause ist? Die Mutter sagte mit einem Seufzer: »mein Kind, der Gebrannte scheut, nach dem Sprichwort, das Feuer. Der Herr würde töricht gehandelt haben, wenn er sich früher in das Haus hineingewagt hätte, als bis er sich von dem Volksstamm, zu welchem seine Bewohner gehören, überzeugt hatte.« Das Mädchen stellte sich vor die Mutter, und erzählte ihr: wie sie die Laterne so gehalten, daß ihr der volle Strahl davon ins Gesicht gefallen wäre. Aber seine Einbildung, sprach sie, war ganz von Mohren und Negern erfüllt; und wenn ihm eine Dame von Paris oder Marseille die Türe geöffnet hätte, er würde sie für eine Negerin gehalten haben. Der Fremde, indem er den Arm sanft um ihren Leib schlug, sagte verlegen: daß der Hut, den sie aufgehabt, ihn verhindert hätte, ihr ins Gesicht zu schaun. Hätte ich dir, fuhr er fort, indem er sie lebhaft an seine Brust drückte, ins Auge sehen können, so wie ich es jetzt kann: so hätte ich, auch wenn alles Übrige an dir schwarz gewesen wäre, aus einem vergifteten Becher mit dir trinken wollen. Die Mutter nötigte ihn, der bei diesen Worten rot geworden war, sich zu setzen, worauf Toni sich neben ihm an der Tafel niederließ, und mit aufgestützten Armen, während der Fremde aß, in sein Antlitz sah. Der Fremde fragte sie: wie alt sie wäre? und wie ihre Vaterstadt hieße? worauf die Mutter das Wort nahm und ihm sagte: »daß Toni vor fünfzehn Jahren auf einer Reise, welche sie mit der Frau des Herrn Villeneuve, ihres vormaligen Prinzipals, nach Europa gemacht hätte, in Paris von ihr empfangen und geboren worden wäre. Sie setzte hinzu, daß der Neger Komar, den sie nachher geheiratet, sie zwar an Kindes Statt angenommen hätte, daß ihr Vater aber eigentlich ein reicher Marseiller Kaufmann, namens Bertrand wäre, von dem sie auch Toni Bertrand hieße.« – Toni fragte ihn: ob er einen solchen Herrn in Frankreich kenne? Der Fremde erwiderte: nein! das Land wäre groß, und während des kurzen Aufenthalts, den er bei seiner Einschiffung nach Westindien darin genommen, sei ihm keine Person dieses Namens vorgekommen. Die Alte versetzte daß Herr Bertrand auch, nach ziemlich sicheren Nachrichten, die sie eingezogen, nicht mehr in Frankreich befindlich sei. Sein ehrgeiziges und aufstrebendes Gemüt, sprach sie, gefiel sich in dem Kreis bürgerlicher Tätigkeit nicht; er mischte sich beim Ausbruch der Revolution in die öffentlichen Geschäfte, und ging im Jahr 1795 mit einer französischen Gesandtschaft an den türkischen Hof, von wo er, meines Wissens, bis diesen Augenblick noch nicht zurückgekehrt ist. Der Fremde sagte lächelnd zu Toni, indem er ihre Hand faßte: daß sie ja in diesem Falle ein vornehmes und reiches Mädchen wäre. Er munterte sie auf, diese Vorteile geltend zu machen, und meinte, daß sie Hoffnung hätte, noch einmal an der Hand ihres Vaters in glänzendere Verhältnisse, als in denen sie jetzt lebte, eingeführt zu werden! »Schwerlich«, versetzte die Alte mit unterdrückter Empfindlichkeit. »Herr Bertrand leugnete mir, während meiner Schwangerschaft zu Paris, aus Scham vor einer jungen reichen Braut, die er heiraten wollte, die Vaterschaft zu diesem Kinde vor Gericht ab. Ich werde den Eidschwur, den er die Frechheit hatte, mir ins Gesicht zu leisten, niemals vergessen, ein Gallenfieber war die Folge davon, und bald darauf noch sechzig Peitschenhiebe, die mir Herr Villeneuve geben ließ, und in deren Folge ich noch bis auf diesen Tag an der Schwindsucht leide.« – Toni, welche den Kopf gedankenvoll auf ihre Hand gelegt hatte, fragte den Fremden: wer er denn wäre; wo er herkäme und wo er hinginge; worauf dieser nach einer kurzen Verlegenheit, worin ihn die erbitterte Rede der Alten versetzt hatte, erwiderte: daß er mit Herrn Strömlis, seines Oheims Familie, die er, unter dem Schutze zweier jungen Vettern, in der Bergwaldung am Möwenweiher zurückgelassen, vom Fort Dauphin käme. Er erzählte, auf des Mädchens Bitte, mehrere Züge der in dieser Stadt ausgebrochenen Empörung; wie zur Zeit der Mitternacht, da alles geschlafen, auf ein verräterisch gegebenes Zeichen, das Gemetzel der Schwarzen gegen die Weißen losgegangen wäre; wie der Chef der Negern, ein Sergeant bei dem französischen Pionierkorps, die Bosheit gehabt, sogleich alle Schiffe im Hafen in Brand zu stecken, um den Weißen die Flucht nach Europa abzuschneiden; wie die Familie kaum Zeit gehabt, sich mit einigen Habseligkeiten vor die Tore der Stadt zu retten, und wie ihr, bei dem gleichzeitigen Auflodern der Empörung in allen Küstenplätzen, nichts übrig geblieben wäre, als mit Hülfe zweier Maulesel, die sie aufgetrieben, den Weg quer durch das ganze Land nach Port au Prince einzuschlagen, das allein noch, von einem starken französischen Heere beschützt, der überhand nehmenden Macht der Negern in diesem Augenblick Widerstand leiste. – Toni fragte: wodurch sich denn die Weißen daselbst so verhaßt gemacht hätten? – Der Fremde erwiderte betroffen: durch das allgemeine Verhältnis, das sie, als Herren der Insel, zu den Schwarzen hatten, und das ich, die Wahrheit zu gestehen, mich nicht unterfangen will, in Schutz zu nehmen; das aber schon seit vielen Jahrhunderten auf diese Weise bestand! Der Wahnsinn der Freiheit, der alle diese Pflanzungen ergriffen hat, trieb die Negern und Kreolen, die Ketten, die sie drückten, zu brechen, und an den Weißen wegen vielfacher und tadelnswürdiger Mißhandlungen, die sie von einigen schlechten Mitgliedern derselben erlitten, Rache zu nehmen. – Besonders, fuhr er nach einem kurzen Stillschweigen fort, war mir die Tat eines jungen Mädchens schauderhaft und merkwürdig. Dieses Mädchen, vom Stamm der Negern, lag gerade zur Zeit, da die Empörung aufloderte, an dem gelben Fieber krank, das zur Verdoppelung des Elends in der Stadt ausgebrochen war. Sie hatte drei Jahre zuvor einem Pflanzer vom Geschlecht der Weißen als Sklavin gedient, der sie aus Empfindlichkeit, weil sie sich seinen Wünschen nicht willfährig gezeigt hatte, hart behandelt und nachher an einen kreolischen Pflanzer verkauft hatte. Da nun das Mädchen an dem Tage des allgemeinen Aufruhrs erfuhr, daß sich der Pflanzer, ihr ehemaliger Herr, vor der Wut der Negern, die ihn verfolgten, in einen nahegelegenen Holzstall geflüchtet hatte: so schickte sie, jener Mißhandlungen eingedenk, beim Anbruch der Dämmerung, ihren Bruder zu ihm, mit der Einladung, bei ihr zu übernachten. Der Unglückliche, der weder wußte, daß das Mädchen unpäßlich war, noch an welcher Krankheit sie litt, kam und schloß sie voll Dankbarkeit, da er sich gerettet glaubte, in seine Arme: doch kaum hatte er eine halbe Stunde unter Liebkosungen und Zärtlichkeiten in ihrem Bette zugebracht, als sie sich plötzlich mit dem Ausdruck wilder und kalter Wut, darin erhob und sprach: eine Pestkranke, die den Tod in der Brust trägt, hast du geküßt: geh und gib das gelbe Fieber allen denen, die dir gleichen! – Der Offizier, während die Alte mit lauten Worten ihren Abscheu hierüber zu erkennen gab, fragte Toni: ob sie wohl einer solchen Tat fähig wäre; Nein! sagte Toni, indem sie verwirrt vor sich niedersah. Der Fremde, indem er das Tuch auf dem Tische legte, versetzte: daß, nach dem Gefühl seiner Seele, keine Tyrannei, die die Weißen je verübt, einen Verrat, so niederträchtig und abscheulich, rechtfertigen könnte. Die Rache des Himmels, meinte er, indem er sich mit einem leidenschaftlichen Ausdruck erhob, würde dadurch entwaffnet: die Engel selbst, dadurch empört, stellten sich auf Seiten derer, die Unrecht hätten, und nähmen, zur Aufrechthaltung menschlicher und göttlicher Ordnung, ihre Sache! Er trat bei diesen Worten auf einen Augenblick an das Fenster, und sah in die Nacht hinaus, die mit stürmischen Wolken über den Mond und die Sterne vorüber zog; und da es ihm schien, als ob Mutter und Tochter einander ansähen, obschon er auf keine Weise merkte, daß sie sich Winke zugeworfen hätten: so übernahm ihn ein widerwärtiges und verdrießliches Gefühl; er wandte sich und bat, daß man ihm das Zimmer anweisen möchte, wo er schlafen könne.

Die Mutter bemerkte, indem sie nach der Wanduhr sah, daß es überdies nahe an Mitternacht sei, nahm ein Licht in die Hand, und forderte den Fremden auf, ihr zu folgen. Sie führte ihn durch einen langen Gang in das für ihn bestimmte Zimmer; Toni trug den Überrock des Fremden und mehrere andere Sachen, die er abgelegt hatte; die Mutter zeigte ihm ein von Polstern bequem aufgestapeltes Bett, worin er schlafen sollte, und nachdem sie Toni noch befohlen hatte, dem Herrn ein Fußbad zu bereiten, wünschte sie ihm eine gute Nacht und empfahl sich. Der Fremde stellte seinen Degen in den Winkel und legte ein Paar Pistolen, die er im Gürtel trug, auf den Tisch. Er sah sich, während Toni das Bett vorschob und ein weißes Tuch darüber breitete, im Zimmer um; und da er gar bald, aus der Pracht und dem Geschmack, die darin herrschten, schloß, daß es dem vormaligen Besitzer der Pflanzung angehört haben müsse: so legte sich ein Gefühl der Unruhe wie ein Geier um sein Herz, und er wünschte sich, hungrig und durstig, wie er gekommen war, wieder in die Waldung zu den Seinigen zurück. Das Mädchen hatte mittlerweile, aus der nahbelegenen Küche, ein Gefäß mit warmem Wasser, von wohlriechenden Kräutern duftend, hereingeholt, und forderte den Offizier, der sich in das Fenster gelehnt hatte, auf, sich darin zu erquicken. Der Offizier ließ sich, während er sich schweigend von der Halsbinde und der Weste befreite, auf den Stuhl nieder; er schickte sich an, sich die Füße zu entblößen, und während das Mädchen, auf ihre Kniee vor ihm hingekauert, die kleinen Vorkehrungen zum Bade besorgte, betrachtete er ihre einnehmende Gestalt. Ihr Haar, in dunkeln Locken schwellend, war ihr, als sie niederknieete, auf ihre jungen Brüste herabgerollt; ein Zug von ausnehmender Anmut spielte um ihre Lippen und über ihre langen, über die gesenkten Augen hervorragenden Augenwimpern; er hätte, bis auf die Farbe, die ihm anstößig war, schwören mögen, daß er nie etwas Schöneres gesehen. Dabei fiel ihm eine entfernte Ähnlichkeit, er wußte noch selbst nicht recht mit wem, auf, die er schon bei seinem Eintritt in das Haus bemerkt hatte, und die seine ganze Seele für sie in Anspruch nahm. Er ergriff sie, als sie in den Geschäften, die sie betrieb, aufstand, bei der Hand, und da er gar richtig schloß, daß es nur ein Mittel gab, zu erprüfen, ob das Mädchen ein Herz habe oder nicht, so zog er sie auf seinen Schoß nieder und fragte sie: »ob sie schon einem Bräutigam verlobt wäre?« Nein! lispelte das Mädchen, indem sie ihre großen schwarzen Augen in lieblicher Verschämtheit zur Erde schlug. Sie setzte, ohne sich auf seinem Schoß zu rühren, hinzu: Konelly, der junge Neger aus der Nachbarschaft, hätte zwar vor drei Monaten um sie angehalten; sie hätte ihn aber, weil sie noch zu jung wäre, ausgeschlagen. Der Fremde, der, mit seinen beiden Händen, ihren schlanken Leib umfaßt hielt, sagte: »in seinem Vaterlande wäre, nach einem daselbst herrschenden Sprichwort, ein Mädchen von vierzehn Jahren und sieben Wochen bejahrt genug, um zu heiraten.« Er fragte, während sie ein kleines, goldenes Kreuz, das er auf der Brust trug, betrachtete: »wie alt sie wäre?« – Fünfzehn Jahre, erwiderte Toni. »Nun also!«sprach der Fremde. – »Fehlt es ihm denn an Vermögen, um sich häuslich, wie du es wünschest, mit dir niederzulassen;« Toni, ohne die Augen zu ihm aufzuschlagen, erwiderte: o nein! – Vielmehr, sprach sie, indem sie das Kreuz, das sie in der Hand hielt, fahren ließ: Konelly ist, seit der letzten Wendung der Dinge, ein reicher Mann geworden; seinem Vater ist die ganze Niederlassung, die sonst dem Pflanzer, seinem Herrn, gehörte, zugefallen. – »Warum lehntest du denn seinen Antrag ab;« fragte der Fremde. Er streichelte ihr freundlich das Haar von der Stirn und sprach: »gefiel er dir etwa nicht;« Das Mädchen, indem sie kurz mit dem Kopf schüttelte, lachte; und auf die Frage des Fremden, ihr scherzend ins Ohr geflüstert: ob es vielleicht ein Weißer sein müsse, der ihre Gunst davon tragen solle? legte sie sich plötzlich, nach einem flüchtigen, träumerischen Bedenken, unter einem überaus reizenden Erröten, das über ihr verbranntes Gesicht aufloderte, an seine Brust. Der Fremde, von ihrer Anmut und Lieblichkeit gerührt, nannte sie sein liebes Mädchen, und schloß sie, wie durch göttliche Hand von jeder Sorge erlöst, in seine Arme. Es war ihm unmöglich zu glauben, daß alle diese Bewegungen, die er an ihr wahrnahm, der bloße elende Ausdruck einer kalten und gräßlichen Verräterei sein sollten. Die Gedanken, die ihn beunruhigt hatten, wichen, wie ein Heer schauerlicher Vögel, von ihm; er schalt sich, ihr Herz nur einen Augenblick verkannt zu haben, und während er sie auf seinen Knieen schaukelte, und den süßen Atem einsog, den sie ihm heraufsandte, drückte er, gleichsam zum Zeichen der Aussöhnung und Vergebung, einen Kuß auf ihre Stirn. Inzwischen hatte sich das Mädchen, unter einem sonderbar plötzlichen Aufhorchen, als ob jemand von dem Gange her der Tür nahte, emporgerichtet; sie rückte sich gedankenvoll und träumerisch das Tuch, das sich über ihrer Brust verschoben hatte, zurecht; und erst als sie sah, daß sie von einem Irrtum getäuscht worden war, wandte sie sich mit einigem Ausdruck von Heiterkeit wieder zu dem Fremden zurück und erinnerte ihn: daß sich das Wasser, wenn er nicht bald Gebrauch davon machte, abkälten würde. – Nun? sagte sie betreten, da der Fremde schwieg und sie gedankenvoll betrachtete: was seht Ihr mich so aufmerksam ans Sie suchte, indem sie sich mit ihrem Latz beschäftigte, die Verlegenheit, die sie ergriffen, zu verbergen, und rief lachend: wunderlicher Herr, was fällt Euch in meinem Anblick so auf? Der Fremde, der sich mit der Hand über die Stirn gefahren war, sagte, einen Seufzer unterdrückend, indem er sie von seinem Schoß herunterhob: »eine wunderbare Ähnlichkeit zwischen dir und einer Freundin!« – Toni, welche sichtbar bemerkte, daß sich seine Heiterkeit zerstreut hatte, nahm ihn freundlich und teilnehmend bei der Hand, und fragte: mit welcher? worauf jener, nach einer kurzen Besinnung das Wort nahm und sprach: »Ihr Name war Mariane Congreve und ihre Vaterstadt Straßburg. Ich hatte sie in dieser Stadt, wo ihr Vater Kaufmann war, kurz vor dem Ausbruch der Revolution kennen gelernt, und war glücklich genug gewesen, ihr Jawort und vorläufig auch ihrer Mutter Zustimmung zu erhalten. Ach, es war die treuste Seele unter der Sonne; und die schrecklieben und rührenden Umstände, unter denen ich sie verlor, werden mir, wenn ich dich ansehe, so gegenwärtig, daß ich mich vor Wehmut der Tränen nicht enthalten kann.« Wie? sagte Toni, indem sie sich herzlich und innig an ihn drückte: sie lebt nicht mehr? – »Sie starb«, antwortete der Fremde, »und ich lernte den Inbegriff aller Güte und Vortrefflichkeit erst mit ihrem Tode kennen. Gott weiß«, fuhr er fort, indem er sein Haupt schmerzlich an ihre Schulter lehnte, »wie ich die Unbesonnenheit so weit treiben konnte, mir eines Abends an einem öffentlichen Ort Äußerungen über das eben errichtete furchtbare Revolutionstribunal zu erlauben. Man verklagte, man suchte mich; ja, in Ermangelung meiner, der glücklich genug gewesen war, sich in die Vorstadt zu retten, lief die Rotte meiner rasenden Verfolger, die ein Opfer haben mußte, nach der Wohnung meiner Braut, und durch ihre wahrhaftige Versicherung, daß sie nicht wisse, wo ich sei, erbittert, schleppte man dieselbe, unter dem Vorwand, daß sie mit mir im Einverständnis sei, mit unerhörter Leichtfertigkeit statt meiner auf den Richtplatz. Kaum war mir diese entsetzliche Nachricht hinterbracht worden, als ich sogleich aus dem Schlupfwinkel, in welchen ich mich geflüchtet hatte, hervortrat, und indem ich, die Menge durchbrechend, nach dem Richtplatz eilte, laut ausrief: Hier, ihr Unmenschlichen, hier bin ich! Doch sie, die schon auf dem Gerüste der Guillotine stand, antwortete auf die Frage einiger Richter, denen ich unglücklicher Weise fremd sein mußte, indem sie sich mit einem Blick, der mir unauslöschlich in die Seele geprägt ist, von mir abwandte: diesen Menschen kenne ich nicht! – worauf unter Trommeln und Lärmen, von den ungeduldigen Blutmenschen angezettelt, das Eisen, wenige Augenblicke nachher, herabfiel, und ihr Haupt von seinem Rumpfe trennte. – Wie ich gerettet worden bin, das weiß ich nicht; ich befand mich, eine Viertelstunde darauf, in der Wohnung eines Freundes, wo ich aus einer Ohnmacht in die andere fiel, und halbwahnwitzig gegen Abend auf einen Wagen geladen und über den Rhein geschafft wurde.« – Bei diesen Worten trat der Fremde, indem er das Mädchen losließ, an das Fenster; und da diese sah, daß er sein Gesicht sehr gerührt in ein Tuch drückte: so übernahm sie, von manchen Seiten geweckt, ein menschliches Gefühl; sie folgte ihm mit einer plötzlichen Bewegung, fiel ihm um den Hals, und mischte ihre Tränen mit den seinigen.

Was weiter erfolgte, brauchen wir nicht zu melden, weil es jeder, der an diese Stelle kommt, von selbst liest. Der Fremde, als er sich wieder gesammlet hatte, wußte nicht, wohin ihn die Tat, die er begangen, führen würde; inzwischen sah er so viel ein, daß er gerettet, und in dem Hause, in welchem er sich befand, für ihn nichts von dem Mädchen zu befürchten war. Er versuchte, da er sie mit verschränkten Armen auf dem Bett weinen sah, alles nur Mögliche, um sie zu beruhigen. Er nahm sich das kleine goldene Kreuz, ein Geschenk der treuen Mariane, seiner abgeschiedenen Braut, von der Brust; und, indem er sich unter unendlichen Liebkosungen über sie neigte, hing er es ihr als ein Brautgeschenk, wie er es nannte, um den Hals. Er setzte sich, da sie in Tränen zerfloß und auf seine Worte nicht hörte, auf den Rand des Bettes nieder, und sagte ihr, indem er ihre Hand bald streichelte, bald küßte: daß er bei ihrer Mutter am Morgen des nächsten Tages um sie anhalten wolle. Er beschrieb ihr, welch ein kleines Eigentum, frei und unabhängig, er an den Ufern der Aar besitze; eine Wohnung, bequem und geräumig genug, sie und auch ihre Mutter, wenn ihr Alter die Reise zulasse, darin aufzunehmen; Felder, Gärten, Wiesen und Weinberge; und einen alten ehrwürdigen Vater, der sie dankbar und liebreich daselbst, weil sie seinen Sohn gerettet, empfangen würde. Er schloß sie, da ihre Tränen in unendlichen Ergießungen auf das Bettkissen niederflossen, in seine Arme, und fragte sie, von Rührung selber ergriffen: was er ihr zu Leide getan und ob sie ihm nicht vergeben könne? Er schwor ihr, daß die Liebe für sie nie aus seinem Herzen weichen würde, und daß nur, im Taumel wunderbar verwirrter Sinne, eine Mischung von Begierde und Angst, die sie ihm eingeflößt, ihn zu einer solchen Tat habe verführen können. Er erinnerte sie zuletzt, daß die Morgensterne funkelten, und daß, wenn sie länger im Bette verweilte, die Mutter kommen und sie darin überraschen würde; er forderte sie, ihrer Gesundheit wegen, auf, sich zu erheben und noch einige Stunden auf ihrem eignen Lager auszuruhen; er fragte sie, durch ihren Zustand in die entsetzlichsten Besorgnisse gestürzt, ob er sie vielleicht in seinen Armen aufheben und in ihre Kammer tragen solle; doch da sie auf alles, was er vorbrachte, nicht antwortete, und, ihr Haupt stilljammernd, ohne sich zu rühren, in ihre Arme gedrückt, auf den verwirrten Kissen des Bettes dalag: so blieb ihm zuletzt, hell wie der Tag schon durch beide Fenster schimmerte, nichts übrig, als sie, ohne weitere Rücksprache, aufzuheben; er trug sie, die wie eine Leblose von seiner Schulter niederhing, die Treppe hinauf in ihre Kammer, und nachdem er sie auf ihr Bette niedergelegt, und ihr unter tausend Liebkosungen noch einmal alles, was er ihr schon gesagt, wiederholt hatte, nannte er sie noch einmal seine liebe Braut, drückte einen Kuß auf ihre Wangen, und eilte in sein Zimmer zurück.

Sobald der Tag völlig angebrochen war, begab sich die alte Babekan zu ihrer Tochter hinauf, und eröffnete ihr, indem sie sich an ihr Bett niedersetzte, welch einen Plan sie mit dem Fremden sowohl, als seiner Reisegesellschaft vorhabe. Sie meinte, daß, da der Neger Congo Hoango erst in zwei Tagen wiederkehre, alles darauf ankäme, den Fremden während dieser Zeit in dem Hause hinzuhalten, ohne die Familie seiner Angehörigen, deren Gegenwart, ihrer Menge wegen, gefährlich werden könnte, darin zuzulassen. Zu diesem Zweck, sprach sie, habe sie erdacht, dem Fremden vorzuspiegeln, daß, einer soeben eingelaufenen Nachricht zufolge, der General Dessalines sich mit seinem Heer in diese Gegend wenden werde, und daß man mithin, wegen allzugroßer Gefahr, erst am dritten Tage, wenn er vorüber wäre, würde möglich machen können, die Familie, seinem Wunsche gemäß, in dem Hause aufzunehmen. Die Gesellschaft selbst, schloß sie, müsse inzwischen, damit sie nicht weiter reise, mit Lebensmitteln versorgt, und gleichfalls, um sich ihrer späterhin zu bemächtigen, in dem Wahn, daß sie eine Zuflucht in dem Hause finden werde, hingehalten werden. Sie bemerkte, daß die Sache wichtig sei, indem die Familie wahrscheinlich beträchtliche Habseligkeiten mit sich führe; und forderte die Tochter auf, sie aus allen Kräften in dem Vorhaben, das sie ihr angegeben, zu unterstützen. Toni, halb im Bette aufgerichtet, indem die Röte des Unwillens ihr Gesicht überflog, versetzte: »daß es schändlich und niederträchtig wäre, das Gastrecht an Personen, die man in das Haus gelockt, also zu verletzen. Sie meinte, daß ein Verfolgter, der sich ihrem Schutz anvertraut, doppelt sicher bei ihnen sein sollte; und versicherte, daß, wenn sie den blutigen Anschlag, den sie ihr geäußert, nicht aufgäbe, sie auf der Stelle hingehen und dem Fremden anzeigen würde, welch eine Mördergrube das Haus sei, in welchem er geglaubt habe, seine Rettung zu finden.« Toni! sagte die Mutter, indem sie die Arme in die Seite stemmte, und dieselbe mit großen Augen ansah. – »Gewiß!« erwiderte Toni, indem sie die Stimme senkte. »Was hat uns dieser Jüngling, der von Geburt gar nicht einmal ein Franzose, sondern, wie wir gesehen haben, ein Schweizer ist, zu Leide getan, daß wir, nach Art der Räuber, über ihn herfallen, ihn töten und ausplündern wollene Gelten die Beschwerden, die man hier gegen die Pflanzer führt, auch in der Gegend der Insel, aus welcher er herkömmt? Zeigt nicht vielmehr alles, daß er der edelste und vortrefflichste Mensch ist, und gewiß das Unrecht, das die Schwarzen seiner Gattung vorwerfen mögen, auf keine Weise teilt?« – Die Alte, während sie den sonderbaren Ausdruck des Mädchens betrachtete, sagte bloß mit bebenden Lippen: daß sie erstaune. Sie fragte, was der junge Portugiese verschuldet, den man unter dem Torweg kürzlich mit Keulen zu Boden geworfen habe? Sie fragte, was die beiden Holländer verbrochen, die vor drei Wochen durch die Kugeln der Neger im Hofe gefallen wären? Sie wollte wissen, was man den drei Franzosen und so vielen andern einzelnen Flüchtlingen, vom Geschlecht der Weißen, zur Last gelegt habe, die mit Büchsen, Spießen und Dolchen, seit dem Ausbruch der Empörung, im Hause hingerichtet worden wären? »Beim Licht der Sonne«, sagte die Tochter, indem sie wild aufstand, »du hast sehr Unrecht, mich an diese Greueltaten zu erinnern! Die Unmenschlichkeiten, an denen ihr mich Teil zu nehmen zwingt, empörten längst mein innerstes Gefühl; und um mir Gottes Rache wegen alles, was vorgefallen, zu versöhnen, so schwöre ich dir, daß ich eher zehnfachen Todes sterben, als zugeben werde, daß diesem Jüngling, so lange er sich in unserm Hause befindet, auch nur ein Haar gekrümmt werde.« – Wohlan, sagte die Alte, mit einem plötzlichen Ausdruck von Nachgiebigkeit: so mag der Fremde reisen! Aber wenn Congo Hoango zurückkommt, setzte sie hinzu, indem sie um das Zimmer zu verlassen, aufstand, und erfährt, daß ein Weißer in unserm Hause übernachtet hat, so magst du das Mitleiden, das dich bewog, ihn gegen das ausdrückliche Gebot wieder abziehen zu lassen, verantworten.

Auf diese Äußerung, bei welcher, trotz aller scheinbaren Milde, der Ingrimm der Alten heimlich hervorbrach, blieb das Mädchen in nicht geringer Bestürzung im Zimmer zurück. Sie kannte den Haß der Alten gegen die Weißen zu gut, als daß sie hätte glauben können, sie werde eine solche Gelegenheit, ihn zu sättigen, ungenutzt vorüber gehen lassen. Furcht, daß sie sogleich in die benachbarten Pflanzungen schicken und die Neger zur Überwältigung des Fremden herbeirufen möchte, bewog sie, sich anzukleiden und ihr unverzüglich in das untere Wohnzimmer zu folgen. Sie stellte sich, während diese verstört den Speiseschrank, bei welchem sie ein Geschäft zu haben schien, verließ, und sich an einen Spinnrocken niedersetzte, vor das an die Tür geschlagene Mandat, in welchem allen Schwarzen bei Lebensstrafe verboten war, den Weißen Schutz und Obdach zu geben; und gleichsam als ob sie, von Schrecken ergriffen, das Unrecht, das sie begangen, einsähe, wandte sie sich plötzlich, und fiel der Mutter, die sie, wie sie wohl wußte, von hinten beobachtet hatte, zu Füßen. Sie bat, die Kniee derselben umklammernd, ihr die rasenden Äußerungen, die sie sich zu Gunsten des Fremden erlaubt, zu vergeben; entschuldigte sich mit dem Zustand, halb träumend, halb wachend, in welchem sie von ihr mit den Vorschlägen zu seiner Überlistung, da sie noch im Bette gelegen, überrascht worden sei, und meinte, daß sie ihn ganz und gar der Rache der bestehenden Landesgesetze, die seine Vernichtung einmal beschlossen, preis gäbe. Die Alte, nach einer Pause, in der sie das Mädchen unverwandt betrachtete, sagte: »Beim Himmel, diese deine Erklärung rettet ihm für heute das Leben! Denn die Speise, da du ihn in deinen Schutz zu nehmen drohtest, war schon vergiftet, die ihn der Gewalt Congo Hoangos, seinem Befehl gemäß, wenigstens tot überliefert haben würde.« Und damit stand sie auf und schüttete einen Topf mit Milch, der auf dem Tisch stand, aus dem Fenster. Toni, welche ihren Sinnen nicht traute, starrte, von Entsetzen ergriffen, die Mutter an. Die Alte, während sie sich wieder niedersetzte, und das Mädchen, das noch immer auf den Knieen dalag, vom Boden aufhob, fragte: »was denn im Lauf einer einzigen Nacht ihre Gedanken so plötzlich umgewandelt hätte; Ob sie gestern, nachdem sie ihm das Bad bereitet, noch lange bei ihm gewesen wäre? Und ob sie viel mit dem Fremden gesprochen hätte;« Doch Toni, deren Brust flog, antwortete hierauf nicht, oder nichts Bestimmtes; das Auge zu Boden geschlagen, stand sie, indem sie sich den Kopf hielt, und berief sich auf einen Traum; ein Blick jedoch auf die Brust ihrer unglücklichen Mutter, sprach sie, indem sie sich rasch bückte und ihre Hand küßte, rufe ihr die ganze Unmenschlichkeit der Gattung, zu der dieser Fremde gehöre, wieder ins Gedächtnis zurück: und beteuerte, indem sie sich umkehrte und das Gesicht in ihre Schürze drückte, daß, sobald der Neger Hoango eingetroffen wäre, sie sehen würde, was sie an ihr für eine Tochter habe.

Babekan saß noch in Gedanken versenkt, und erwog, woher wohl die sonderbare Leidenschaftlichkeit des Mädchens entspringe: als der Fremde mit einem in seinem Schlafgemach geschriebenen Zettel, worin er die Familie einlud, einige Tage in der Pflanzung des Negers Hoango zuzubringen, in das Zimmer trat. Er grüßte sehr heiter und freundlich die Mutter und die Tochter, und bat, indem er der Alten den Zettel übergab: daß man sogleich in die Waldung schicken und für die Gesellschaft, dem ihm gegebenen Versprechen gemäß, Sorge tragen möchte. Babekan stand auf und sagte, mit einem Ausdruck von Unruhe, indem sie den Zettel in den Wandschrank legte: »Herr, wir müssen Euch bitten, Euch sogleich in Euer Schlafzimmer zurück zu verfügen. Die Straße ist voll von einzelnen Negertrupps, die vorüberziehen und uns anmelden, daß sich der General Dessalines mit seinem Heer in diese Gegend wenden werde. Dies Haus, das jedem offen steht, gewährt Euch keine Sicherheit, falls Ihr Euch nicht in Eurem, auf den Hof hinausgehenden, Schlafgemach verbergt, und die Türen sowohl, als auch die Fensterladen, auf das sorgfältigste verschließt.« – Wie; sagte der Fremde betroffen: der General Dessalines – »Fragt nicht!« unterbrach ihn die Alte, indem sie mit einem Stock dreimal auf den Fußboden klopfte: »in Eurem Schlafgemach, wohin ich Euch folgen werde, will ich Euch alles erklären.« Der Fremde von der Alten mit ängstlichen Gebärden aus dem Zimmer gedrängt, wandte sich noch einmal unter der Tür und rief: aber wird man der Familie, die meiner harrt, nicht wenigstens einen Boten zusenden müssen, der sie –? »Es wird alles besorgt werden«, fiel ihm die Alte ein, während, durch ihr Klopfen gerufen, der Bastardknabe, den wir schon kennen, hereinkam; und damit befahl sie Toni, die, dem Fremden den Rücken zukehrend, vor den Spiegel getreten war, einen Korb mit Lebensmitteln, der in dem Winkel stand, aufzunehmen; und Mutter, Tochter, der Fremde und der Knabe begaben sich in das Schlafzimmer hinauf.

Hier erzählte die Alte, indem sie sich auf gemächliche Weise auf den Sessel niederließ, wie man die ganze Nacht über auf den, den Horizont abschneidenden Bergen, die Feuer des Generals Dessalines schimmern gesehen: ein Umstand, der in der Tat gegründet war, obschon sich bis diesen Augenblick noch kein einziger Neger von seinem Heer, das südwestlich gegen Port au Prince anrückte, in dieser Gegend gezeigt hatte. Es gelang ihr, den Fremden dadurch in einen Wirbel von Unruhe zu stürzen, den sie jedoch nachher wieder durch die Versicherung, daß sie alles Mögliche, selbst in dem schlimmen Fall, daß sie Einquartierung bekäme, zu seiner Rettung beitragen würde, zu stillen wußte. Sie nahm, auf die wiederholte inständige Erinnerung desselben, unter diesen Umständen seiner Familie wenigstens mit Lebensmitteln beizuspringen, der Tochter den Korb aus der Hand, und indem sie ihn dem Knaben gab, sagte sie ihm: er solle an den Möwenweiher, in die nahgelegnen Waldberge hinaus gehen, und ihn der daselbst befindlichen Familie des fremden Offiziers überbringen. »Der Offizier selbst«, solle er hinzusetzen, »befinde sich wohl; Freunde der Weißen, die selbst viel der Partei wegen, die sie ergriffen, von den Schwarzen leiden müßten, hätten ihn in ihrem Hause mitleidig aufgenommen.« Sie schloß, daß sobald die Landstraße nur von den bewaffneten Negerhaufen, die man erwartete, befreit wäre, man sogleich Anstalten treffen würde, auch ihr, der Familie, ein Unterkommen in diesem Hause zu verschaffen. – Hast du verstanden; fragte sie, da sie geendet hatte. Der Knabe, indem er den Korb auf seinen Kopf setzte, antwortete: daß er den ihm beschriebenen Möwenweiher, an dem er zuweilen mit seinen Kameraden zu fischen pflege, gar wohl kenne, und daß er alles, wie man es ihm aufgetragen, an die daselbst übernachtende Familie des fremden Herrn bestellen würde. Der Fremde zog sich, auf die Frage der Alten: ob er noch etwas hinzuzusetzen hätte? noch einen Ring vom Finger, und händigte ihn dem Knaben ein, mit dem Auftrag, ihn zum Zeichen, daß es mit den überbrachten Meldungen seine Richtigkeit habe, dem Oberhaupt der Familie, Herrn Strömli, zu übergeben. Hierauf traf die Mutter mehrere, die Sicherheit des Fremden, wie sie sagte, abzweckende Veranstaltungen; befahl Toni, die Fensterladen zu verschließen, und zündete selbst, um die Nacht, die dadurch in dem Zimmer herrschend geworden war, zu zerstreuen, an einem auf dem Kaminsims befindlichen Feuerzeug, nicht ohne Mühseligkeit, indem der Zunder nicht fangen wollte, ein Licht an. Der Fremde benutzte diesen Augenblick, um den Arm sanft um Tonis Leib zu legen, und ihr ins Ohr zu flüstern: wie sie geschlafen? und: ob er die Mutter nicht von dem, was vorgefallen, unterrichten solle? doch auf die erste Frage antwortete Toni nicht, und auf die andere versetzte sie, indem sie sich aus seinem Arm loswand: nein, wenn Ihr mich liebt, kein Wort! Sie unterdrückte die Angst, die alle diese lügenhaften Anstalten in ihr erweckten; und unter dem Vorwand, dem Fremden ein Frühstück zu bereiten, stürzte sie eilig in das untere Wohnzimmer herab.

Sie nahm aus dem Schrank der Mutter den Brief, worin der Fremde in seiner Unschuld die Familie eingeladen hatte, dem Knaben in die Niederlassung zu folgen: und auf gut Glück hin, ob die Mutter ihn vermissen würde, entschlossen, im schlimmsten Falle den Tod mit ihm zu leiden, flog sie damit dem schon auf der Landstraße wandernden Knaben nach. Denn sie sah den Jüngling, vor Gott und ihrem Herzen, nicht mehr als einen bloßen Gast, dem sie Schutz und Obdach gegeben, sondern als ihren Verlobten und Gemahl an, und war willens, sobald nur seine Partei im Hause stark genug sein würde, dies der Mutter, auf deren Bestürzung sie unter diesen Umständen rechnete, ohne Rückhalt zu erklären. »Nanky«, sprach sie, da sie den Knaben atemlos und eilfertig auf der Landstraße erreicht hatte: »die Mutter hat ihren Plan, die Familie Herrn Strömlis anbetreffend, umgeändert. Nimm diesen Brief! Er lautet an Herrn Strömli, das alte Oberhaupt der Familie, und enthält die Einladung, einige Tage mit allem, was zu ihm gehört, in unserer Niederlassung zu verweilen. – Sei klug und trage selbst alles Mögliche dazu bei, diesen Entschluß zur Reife zu bringen; Congo Hoango, der Neger, wird, wenn er wiederkömmt, es dir lohnen!« Gut, gut, Base Toni, antwortete der Knabe. Er fragte, indem er den Brief sorgsam eingewickelt in seine Tasche steckte: und ich soll dem Zuge, auf seinem Wege hierher, zum Führer dienen; »Allerdings«, versetzte Toni; »das versteht sich, weil sie die Gegend nicht kennen, von selbst. Doch wirst du, möglicher Truppenmärsche wegen, die auf der Landstraße statt finden könnten, die Wanderung eher nicht, als um Mitternacht antreten; aber dann dieselbe auch so beschleunigen, daß du vor der Dämmerung des Tages hier eintriffst. – Kann man sich auf dich verlassen;« fragte sie. Verlaßt euch auf Nanky! antwortete der Knabe; ich weiß, warum ihr diese weißen Flüchtlinge in die Pflanzung lockt, und der Neger Hoango soll mit mir zufrieden sein!

Hierauf trug Toni dem Fremden das Frühstück auf; und nachdem es wieder abgenommen war, begaben sich Mutter und Tochter, ihrer häuslichen Geschäfte wegen, in das vordere Wohnzimmer zurück. Es konnte nicht fehlen, daß die Mutter einige Zeit darauf an den Schrank trat, und, wie es natürlich war, den Brief vermißte. Sie legte die Hand, ungläubig gegen ihr Gedächtnis, einen Augenblick an den Kopf, und fragte Toni: wo sie den Brief, den ihr der Fremde gegeben, wohl hingelegt haben könne; Toni antwortete nach einer kurzen Pause, in der sie auf den Boden niedersah: daß ihn der Fremde ja, ihres Wissens, wieder eingesteckt und oben im Zimmer, in ihrer beider Gegenwart, zerrissen habe! Die Mutter schaute das Mädchen mit großen Augen an; sie meinte, sich bestimmt zu erinnern, daß sie den Brief aus seiner Hand empfangen und in den Schrank gelegt habe; doch da sie ihn nach vielem vergeblichen Suchen darin nicht fand, und ihrem Gedächtnis, mehrerer ähnlichen Vorfälle wegen, mißtraute: so blieb ihr zuletzt nichts übrig, als der Meinung, die ihr die Tochter geäußert, Glauben zu schenken. Inzwischen konnte sie ihr lebhaftes Mißvergnügen über diesen Umstand nicht unterdrücken, und meinte, daß der Brief dem Neger Hoango, um die Familie in die Pflanzung hereinzubringen, von der größten Wichtigkeit gewesen sein würde. Am Mittag und Abend, da Toni den Fremden mit Speisen bediente, nahm sie, zu seiner Unterhaltung an der Tischecke sitzend, mehreremal Gelegenheit, ihn nach dem Briefe zu fragen; doch Toni war geschickt genug, das Gespräch, so oft es auf diesen gefährlichen Punkt kam, abzulenken oder zu verwirren; dergestalt, daß die Mutter durch die Erklärungen des Fremden über das eigentliche Schicksal des Briefes auf keine Weise ins Reine kam. So verfloß der Tag; die Mutter verschloß nach dem Abendessen aus Vorsicht, wie sie sagte, des Fremden Zimmer; und nachdem sie noch mit Toni überlegt hatte, durch welche List sie sich von neuem, am folgenden Tage, in den Besitz eines solchen Briefes setzen könne, begab sie sich zur Ruhe, und befahl dem Mädchen gleichfalls, zu Bette zu gehen.

Sobald Toni, die diesen Augenblick mit Sehnsucht erwartet hatte, ihre Schlafkammer erreicht und sich überzeugt hatte, daß die Mutter entschlummert war, stellte sie das Bildnis der heiligen Jungfrau, das neben ihrem Bette hing, auf einen Sessel, und ließ sich mit verschränkten Händen auf Knieen davor nieder. Sie flehte den Erlöser, ihren göttlichen Sohn, in einem Gebet voll unendlicher Inbrunst, um Mut und Standhaftigkeit an, dem Jüngling, dem sie sich zu eigen gegeben, das Geständnis der Verbrechen, die ihren jungen Busen beschwerten, abzulegen. Sie gelobte, diesem, was es ihrem Herzen auch kosten würde, nichts, auch nicht die Absicht, erbarmungslos und entsetzlich, in der sie ihn gestern in das Haus gelockt, zu verbergen; doch um der Schritte willen, die sie bereits zu seiner Rettung getan, wünschte sie, daß er ihr vergeben, und sie als sein treues Weib mit sich nach Europa führen möchte. Durch dies Gebet wunderbar gestärkt, ergriff sie, indem sie aufstand, den Hauptschlüssel, der alle Gemächer des Hauses schloß, und schritt damit langsam, ohne Licht, über den schmalen Gang, der das Gebäude durchschnitt, dem Schlafgemach des Fremden zu. Sie öffnete das Zimmer leise und trat vor sein Bett, wo er in tiefen Schlaf versenkt ruhte. Der Mond beschien sein blühendes Antlitz, und der Nachtwind, der durch die geöffneten Fenster eindrang, spielte mit dem Haar auf seiner Stirn. Sie neigte sich sanft über ihn und rief ihn, seinen süßen Atem einsaugend, beim Namen; aber ein tiefer Traum, von dem sie der Gegenstand zu sein schien, beschäftigte ihn: wenigstens hörte sie, zu wiederholten Malen, von seinen glühenden, zitternden Lippen das geflüsterte Wort: Toni! Wehmut, die nicht zu beschreiben ist, ergriff sie; sie konnte sich nicht entschließen, ihn aus den Himmeln lieblicher Einbildung in die Tiefe einer gemeinen und elenden Wirklichkeit herabzureißen; und in der Gewißheit, daß er ja früh oder spät von selbst erwachen müsse, kniete sie an seinem Bette nieder und überdeckte seine teure Hand mit Küssen.

Aber wer beschreibt das Entsetzen, das wenige Augenblicke darauf ihren Busen ergriff, als sie plötzlich, im Innern des Hofraums, ein Geräusch von Menschen, Pferden und Waffen hörte, und darunter ganz deutlich die Stimme des Negers Congo Hoango erkannte, der unvermuteter Weise mit seinem ganzen Troß aus dem Lager des Generals Dessalines zurückgekehrt war. Sie stürzte, den Mondschein, der sie zu verraten drohte, sorgsam vermeidend, hinter die Vorhänge des Fenster, und hörte auch schon die Mutter, welche dem Neger von allem, was während dessen vorgefallen war, auch von der Anwesenheit des europäischen Flüchtlings im Hause, Nachricht gab. Der Neger befahl den Seinigen, mit gedämpfter Stimme, im Hofe still zu sein. Er fragte die Alte, wo der Fremde in diesem Augenblick befindlich sei? worauf diese ihm das Zimmer bezeichnete, und sogleich auch Gelegenheit nahm, ihn von dem sonderbaren und auffallenden Gespräch, das sie, den Flüchtling betreffend, mit der Tochter gehabt hatte, zu unterrichten. Sie versicherte dem Neger, daß das Mädchen eine Verräterin, und der ganze Anschlag, desselben habhaft zu werden, in Gefahr sei, zu scheitern. Wenigstens sei die Spitzbübin, wie sie bemerkt, heimlich beim Einbruch der Nacht in sein Bette geschlichen, wo sie noch bis diesen Augenblick in guter Ruhe befindlich sei; und wahrscheinlich, wenn der Fremde nicht schon entflohen sei, werde derselbe eben jetzt gewarnt, und die Mittel, wie seine Flucht zu bewerkstelligen sei, mit ihm verabredet. Der Neger, der die Treue des Mädchens schon in ähnlichen Fällen erprobt hatte, antwortete: es wäre wohl nicht möglich? Und: Kelly! rief er wütend, und: Omra! Nehmt eure Büchsen! Und damit, ohne weiter ein Wort zu sagen, stieg er, im Gefolge aller seiner Neger, die Treppe hinauf, und begab sich in das Zimmer des Fremden.

Toni, vor deren Augen sich, während weniger Minuten, dieser ganze Auftritt abgespielt hatte, stand, gelähmt an allen Gliedern, als ob sie ein Wetterstrahl getroffen hätte, da. Sie dachte einen Augenblick daran, den Fremden zu wecken; doch teils war, wegen Besetzung des Hofraums, keine Flucht für ihn möglich, teils auch sah sie voraus, daß er zu den Waffen greifen, und somit bei der Überlegenheit der Neger, Zubodenstreckung unmittelbar sein Los sein würde. Ja, die entsetzlichste Rücksicht, die sie zu nehmen genötigt war, war diese, daß der Unglückliche sie selbst, wenn er sie in dieser Stunde bei seinem Bette fände, für eine Verräterin halten, und, statt auf ihren Rat zu hören, in der Raserei eines so heillosen Wahns, dem Neger Hoango völlig besinnungslos in die Arme laufen würde. In dieser unaussprechlichen Angst fiel ihr ein Strick in die Augen, welcher, der Himmel weiß durch welchen Zufall, an dem Riegel der Wand hing. Gott selbst, meinte sie, indem sie ihn herabriß, hätte ihn zu ihrer und des Freundes Rettung dahin geführt. Sie umschlang den Jüngling, vielfache Knoten schürzend, an Händen und Füßen damit; und nachdem sie, ohne darauf zu achten, daß er sich rührte und sträubte, die Enden angezogen und an das Gestell des Bettes festgebunden hatte: drückte sie, froh, des Augenblicks mächtig geworden zu sein, einen Kuß auf seine Lippen, und eilte dem Neger Hoango, der schon auf der Treppe klirrte, entgegen.

Der Neger, der dem Bericht der Alten, Toni anbetreffend, immer noch keinen Glauben schenkte, stand, als er sie aus dem bezeichneten Zimmer hervortreten sah, bestürzt und verwirrt, im Korridor mit seinem Troß von Fackeln und Bewaffneten still. Er rief: »die Treulose! die Bundbrüchige!« und indem er sich zu Babekan wandte, welche einige Schritte vorwärts gegen die Tür des Fremden getan hatte, fragte er: »ist der Fremde entflohn?« Babekan, welche die Tür, ohne hineinzusehen, offen gefunden hatte, rief, indem sie als eine Wütende zurückkehrte: Die Gaunerin! Sie hat ihn entwischen lassen! Eilt, und besetzt die Ausgänge, ehe er das weite Feld erreicht! »Was gibts?« fragte Toni, indem sie mit dem Ausdruck des Erstaunens den Alten und die Neger, die ihn umringten, ansah. Was es gibt? erwiderte Hoango; und damit ergriff er sie bei der Brust und schleppte sie nach dem Zimmer hin. »Seid ihr rasend?« rief Toni, indem sie den Alten, der bei dem sich ihm darbietenden Anblick erstarrte, von sich stieß: »da liegt der Fremde, von mir in seinem Bette festgebunden; und, beim Himmel, es ist nicht die schlechteste Tat, die ich in meinem Leben getan!« Bei diesen Worten kehrte sie ihm den Rücken zu, und setzte sich, als ob sie weinte, an einen Tisch nieder. Der Alte wandte sich gegen die in Verwirrung zur Seite stehende Mutter und sprach: o Babekan, mit welchem Märchen hast du mich getäuscht? »Dem Himmel sei Dank«, antwortete die Mutter, indem sie die Stricke, mit welchen der Fremde gebunden war, verlegen untersuchte; »der Fremde ist da, obschon ich von dem Zusammenhang nichts begreife.« Der Neger trat, das Schwert in die Scheide steckend, an das Bett und fragte den Fremden: wer er sei? woher er komme und wohin er reise? Doch da dieser, unter krampfhaften Anstrengungen sich loszuwinden, nichts hervorbrachte, als, auf jämmerlich schmerzhafte Weise: o Toni! o Toni! – so nahm die Mutter das Wort und bedeutete ihm, daß er ein Schweizer sei, namens Gustav von der Ried, und daß er mit einer ganzen Familie europäischer Hunde, welche in diesem Augenblick in den Berghöhlen am Möwenweiher versteckt sei, von dem Küstenplatz Fort Dauphin komme. Hoango, der das Mädchen, den Kopf schwermütig auf ihre Hände gestützt, dasitzen sah, trat zu ihr und nannte sie sein liebes Mädchen; klopfte ihr die Wangen, und forderte sie auf, ihm den übereilten Verdacht, den er ihr geäußert, zu vergeben. Die Alte, die gleichfalls vor das Mädchen hingetreten war, stemmte die Arme kopfschüttelnd in die Seite und fragte: weshalb sie denn den Fremden, der doch von der Gefahr, in der er sich befunden, gar nichts gewußt, mit Stricken in dem Bette festgebunden habe; Toni, vor Schmerz und Wut in der Tat weinend, antwortete, plötzlich zur Mutter gekehrt: »weil du keine Augen und Ohren hast! Weil er die Gefahr, in der er schwebte, gar wohl begriff! Weil er entfliehen wollte; weil er mich gebeten hatte, ihm zu seiner Flucht behülflich zu sein; weil er einen Anschlag auf dein eignes Leben gemacht hatte, und sein Vorhaben bei Anbruch des Tages ohne Zweifel, wenn ich ihn nicht schlafend gebunden hätte, in Ausführung gebracht haben würde.« Der Alte liebkosete und beruhigte das Mädchen, und befahl Babekan, von dieser Sache zu schweigen. Er rief ein paar Schützen mit Büchsen vor, um das Gesetz, dem der Fremdling verfallen war, augenblicklich an demselben zu vollstrecken; aber Babekan flüsterte ihm heimlich zu: »nein, ums Himmels willen, Hoango!« – Sie nahm ihn auf die Seite und bedeutete ihm: »Der Fremde müsse, bevor er hingerichtet werde, eine Einladung aufsetzen, um vermittelst derselben die Familie, deren Bekämpfung im Walde manchen Gefahren ausgesetzt sei, in die Pflanzung zu locken.« – Hoango, in Erwägung, daß die Familie wahrscheinlich nicht unbewaffnet sein werde, gab diesem Vorschlage seinen Beifall; er stellte, weil es zu spät war, den Brief verabredetermaßen schreiben zu lassen, zwei Wachen bei dem weißen Flüchtling aus; und nachdem er noch, der Sicherheit wegen, die Stricke untersucht, auch, weil er sie zu locker befand, ein paar Leute herbeigerufen hatte, um sie noch enger zusammenzuziehen, verließ er mit seinem ganzen Troß das Zimmer, und alles nach und nach begab sich zur Ruh.

Aber Toni, welche nur scheinbar dem Alten, der ihr noch einmal die Hand gereicht, gute Nacht gesagt und sich zu Bette gelegt hatte, stand, sobald sie alles im Hause still sah, wieder auf, schlich sich durch eine Hinterpforte des Hauses auf das freie Feld hinaus, und lief, die wildeste Verzweiflung im Herzen, auf dem, die Landstraße durchkreuzenden, Wege der Gegend zu, von welcher die Familie Herrn Strömlis herankommen mußte. Denn die Blicke voll Verachtung, die der Fremde von seinem Bette aus auf sie geworfen hatte, waren ihr empfindlich, wie Messerstiche, durchs Herz gegangen; es mischte sich ein Gefühl heißer Bitterkeit in ihre Liebe zu ihm, und sie frohlockte bei dem Gedanken, in dieser zu seiner Rettung angeordneten Unternehmung zu sterben. Sie stellte sich, in der Besorgnis, die Familie zu verfehlen, an den Stamm einer Pinie, bei welcher, falls die Einladung angenommen worden war, die Gesellschaft vorüberziehen mußte, und kaum war auch, der Verabredung gemäß, der erste Strahl der Dämmerung am Horizont angebrochen, als Nankys, des Knaben, Stimme, der dem Trosse zum Führer diente, schon fernher unter den Bäumen des Waldes hörbar ward.

Der Zug bestand aus Herrn Strömli und seiner Gemahlin, welche letztere auf einem Maulesel ritt; fünf Kindern desselben, deren zwei, Adelbert und Gottfried, Jünglinge von 18 und 17 Jahren, neben dem Maulesel hergingen; drei Dienern und zwei Mägden, wovon die eine, einen Säugling an der Brust, auf dem andern Maulesel ritt; in allem aus zwölf Personen. Er bewegte sich langsam über die den Weg durchflechtenden Kienwurzeln, dem Stamm der Pinie zu: wo Toni, so geräuschlos, als niemand zu erschrecken nötig war, aus dem Schatten des Baums hervortrat, und dem Zuge zurief: Halt! Der Knabe kannte sie sogleich; und auf ihre Frage: wo Herr Strömli sei? während Männer, Weiber und Kinder sie umringten, stellte dieser sie freudig dem alten Oberhaupt der Familie, Herrn Strömli, vor. »Edler Herr!« sagte Toni, indem sie die Begrüßungen desselben mit fester Stimme unterbrach: »der Neger Hoango ist, auf überraschende Weise, mit seinem ganzen Troß in die Niederlassung zurück gekommen. Ihr könnt jetzt, ohne die größeste Lebensgefahr, nicht darin einkehren; ja, euer Vetter, der zu seinem Unglück eine Aufnahme darin fand, ist verloren, wenn ihr nicht zu den Waffen greift, und mir, zu seiner Befreiung aus der Haft, in welcher ihn der Neger Hoango gefangen hält, in die Pflanzung folgt!« Gott im Himmel! riefen, von Schrecken erfaßt, alle Mitglieder der Familie; und die Mutter, die krank und von der Reise erschöpft war, fiel von dem Maultier ohnmächtig auf den Boden nieder. Toni, während, auf den Ruf Herrn Strömlis die Mägde herbeieilten, um ihrer Frau zu helfen, führte, von den Jünglingen mit Fragen bestürmt, Herrn Strömli und die übrigen Männer, aus Furcht vor dem Knaben Nanky, auf die Seite. Sie erzählte den Männern, ihre Tränen vor Scham und Reue nicht zurückhaltend, alles, was vorgefallen; wie die Verhältnisse, in dem Augenblick, da der Jüngling eingetroffen, im Hause bestanden; wie das Gespräch, das sie unter vier Augen mit ihm gehabt, dieselben auf ganz unbegreifliche Weise verändert; was sie bei der Ankunft des Negers, fast wahnsinnig vor Angst, getan, und wie sie nun Tod und Leben daran setzen wolle, ihn aus der Gefangenschaft, worin sie ihn selbst gestürzt, wieder zu befreien. Meine Waffen! rief Herr Strömli, indem er zu dem Maultier seiner Frau eilte und seine Büchse herabnahm. Er sagte, während auch Adelbert und Gottfried, seine rüstigen Söhne, und die drei wackern Diener sich bewaffneten: Vetter Gustav hat mehr als einem von uns das Leben gerettet; jetzt ist es an uns, ihm den gleichen Dienst zu tun; und damit hob er seine Frau, welche sich erholt hatte, wieder auf das Maultier, ließ dem Knaben Nanky, aus Vorsicht, als eine Art von Geißel, die Hände binden; schickte den ganzen Troß, Weiber und Kinder, unter dem bloßen Schutz seines dreizehnjährigen, gleichfalls bewaffneten Sohnes, Ferdinand, an den Möwenweiher zurück; und nachdem er noch Toni, welche selbst einen Helm und einen Spieß genommen hatte, über die Stärke der Neger und ihre Verteilung im Hofraume ausgefragt und ihr versprochen hatte, Hoangos sowohl, als ihrer Mutter, so viel es sich tun ließ, bei dieser Unternehmung zu schonen: stellte er sich mutig, und auf Gott vertrauend, an die Spitze seines kleinen Haufens, und brach, von Toni geführt, in die Niederlassung auf.

Toni, sobald der Haufen durch die hintere Pforte eingeschlichen war, zeigte Herrn Strömli das Zimmer, in welchem Hoango und Babekan ruhten; und während Herr Strömli geräuschlos mit seinen Leuten in das offne Haus eintrat, und sich sämtlicher zusammengesetzter Gewehre der Neger bemächtigte, schlich sie zur Seite ab in den Stall, in welchem der fünfjährige Halbbruder des Nanky, Seppy, schlief. Denn Nanky und Seppy, Bastardkinder des alten Hoango, waren diesem, besonders der letzte, dessen Mutter kürzlich gestorben war, sehr teuer; und da, selbst in dem Fall, daß man den gefangenen Jüngling befreite, der Rückzug an den Möwenweiher und die Flucht von dort nach Port au Prince, der sie sich anzuschließen gedachte, noch mancherlei Schwierigkeiten ausgesetzt war: so schloß sie nicht unrichtig, daß der Besitz beider Knaben, als einer Art von Unterpfand, dem Zuge, bei etwaniger Verfolgung der Negern, von großem Vorteil sein würde. Es gelang ihr, den Knaben ungesehen aus seinem Bette zu heben, und in ihren Armen, halb schlafend, halb wachend, in das Hauptgebäude hinüberzutragen. Inzwischen war Herr Strömli, so heimlich, als es sich tun ließ, mit seinem Haufen in Hoangos Stubentüre eingetreten; aber statt ihn und Babekan, wie er glaubte, im Bette zu finden, standen, durch das Geräusch geweckt, beide, obschon halbnackt und hülflos, in der Mitte des Zimmers da. Herr Strömli, indem er seine Büchse in die Hand nahm, rief: sie sollten sich ergeben, oder sie wären des Todes! doch Hoango, statt aller Antwort, riß ein Pistol von der Wand und platzte es, Herrn Strömli am Kopf streifend, unter die Menge los. Herrn Strömlis Haufen, auf dies Signal, fiel wütend über ihn her; Hoango, nach einem zweiten Schuß, der einem Diener die Schulter durchbohrte, ward durch einen Säbelhieb an der Hand verwundet, und beide, Babekan und er, wurden niedergeworfen und mit Stricken am Gestell eines großen Tisches fest gebunden. Mittlerweile waren, durch die Schüsse geweckt, die Neger des Hoango, zwanzig und mehr an der Zahl, aus ihren Ställen hervorgestürzt, und drangen, da sie die alte Babekan im Hause schreien hörten, wütend gegen dasselbe vor, um ihre Waffen wieder zu erobern. Vergebens postierte Herr Strömli, dessen Wunde von keiner Bedeutung war, seine Leute an die Fenster des Hauses, und ließ, um die Kerle im Zaum zu halten, mit Büchsen unter sie feuern; sie achteten zweier Toten nicht, die schon auf dem Hofe umher lagen, und waren im Begriff, Äxte und Brechstangen zu holen, um die Haustür, welche Herr Strömli verriegelt hatte, einzusprengen, als Toni, zitternd und bebend, den Knaben Seppy auf dem Arm, in Hoangos Zimmer trat. Herr Strömli, dem diese Erscheinung äußerst erwünscht war, riß ihr den Knaben vom Arm; er wandte sich, indem er seinen Hirschfänger zog, zu Hoango, und schwor, daß er den Jungen augenblicklich töten würde, wenn er den Negern nicht zuriefe, von ihrem Vorhaben abzustehen. Hoango, dessen Kraft durch den Hieb über die drei Finger der Hand gebrochen war, und der sein eignes Leben, im Fall einer Weigerung, ausgesetzt haben würde, erwiderte nach einigen Bedenken, indem er sich vom Boden aufheben ließ: »daß er dies tun wolle«; er stellte sich, von Herrn Strömli geführt, an das Fenster, und mit einem Schnupftuch, das er in die linke Hand nahm, über den Hof hinauswinkend, rief er den Negern zu: »daß sie die Tür, indem es, sein Leben zu retten, keiner Hülfe bedürfe, unberührt lassen sollten und in ihre Ställe zurückkehren möchten!« Hierauf beruhigte sich der Kampf ein wenig; Hoango schickte, auf Verlangen Herrn Strömlis, einen im Hause eingefangenen Neger, mit der Wiederholung dieses Befehls, zu dem im Hofe noch verweilenden und sich beratschlagenden Haufen hinab; und da die Schwarzen, so wenig sie auch von der Sache begriffen, den Worten dieses förmlichen Botschafters Folge leisten mußten, so gaben sie ihren Anschlag, zu dessen Ausführung schon alles in Bereitschaft war, auf, und verfügten sich nach und nach, obschon murrend und schimpfend, in ihre Ställe zurück. Herr Strömli, indem er dem Knaben Seppy vor den Augen Hoangos die Hände binden ließ, sagte diesem: »daß seine Absicht keine andere sei, als den Offizier, seinen Vetter aus der in der Pflanzung über ihn verhängten Haft zu befreien, und daß, wenn seiner Flucht nach Port au Prince keine Hindernisse in den Weg gelegt würden, weder für sein, Hoangos, noch für seiner Kinder Leben, die er ihm wiedergeben würde, etwas zu befürchten sein würde. Babekan, welcher Toni sich näherte und zum Abschied in einer Rührung, die sie nicht unterdrücken konnte, die Hand geben wollte, stieß diese heftig von sich. Sie nannte sie eine Niederträchtige und Verräterin, und meinte, indem sie sich am Gestell des Tisches, an dem sie lag, umkehrte: die Rache Gottes würde sie, noch ehe sie ihrer Schandtat froh geworden, ereilen. Toni antwortete: »ich habe euch nicht verraten; ich bin eine Weiße, und dem Jüngling, den ihr gefangen haltet, verlobt; ich gehöre zu dem Geschlecht derer, mit denen ihr im offenen Kriege liegt, und werde vor Gott, daß ich mich auf ihre Seite stellte, zu verantworten wissen.« Hierauf gab Herr Strömli dem Neger Hoango, den er zur Sicherheit wieder hatte fesseln und an die Pfosten der Tür festbinden lassen, ein Wache; er ließ den Diener, der, mit zersplittertem Schulterknochen, ohnmächtig am Boden lag, aufheben und wegtragen; und nachdem er dem Hoango noch gesagt hatte, daß er beide Kinder, den Nanky sowohl als den Seppy, nach Verlauf einiger Tage, in Sainte Lüze, wo die ersten französischen Vorposten stünden, abholen lassen könne, nahm er Toni, die, von mancherlei Gefühlen bestürmt, sich nicht enthalten konnte zu weinen, bei der Hand, und führte sie, unter den Flüchen Babekans und des alten Hoango, aus dem Schlafzimmer fort.

Inzwischen waren Adelbert und Gottfried, Herrn Strömlis Söhne, schon nach Beendigung des ersten, an den Fenstern gefochtenen Hauptkampfs, auf Befehl des Vaters, in das Zimmer ihres Vetters Gustav geeilt, und waren glücklich genug gewesen, die beiden Schwarzen, die diesen bewachten, nach einem hartnäckigen Widerstand zu überwältigen. Der eine lag tot im Zimmer; der andere hatte sich mit einer schweren Schußwunde bis auf den Korridor hinausgeschleppt. Die Brüder, deren einer, der Altere, dabei selbst, obschon nur leicht, am Schenkel verwundet worden war, banden den teuren lieben Vetter los: sie umarmten und küßten ihn, und forderten ihn jauchzend, indem sie ihm Gewehr und Waffen gaben, auf, ihnen nach dem vorderen Zimmer, in welchem, da der Sieg entschieden, Herr Strömli wahrscheinlich alles schon zum Rückzug anordne, zu folgen. Aber Vetter Gustav, halb im Bette aufgerichtet, drückte ihnen freundlich die Hand; im übrigen war er still und zerstreut, und statt die Pistolen, die sie ihm darreichten, zu ergreifen, hob er die Rechte, und strich sich, mit einem unaussprechlichen Ausdruck von Gram, damit über die Stirn. Die Jünglinge, die sich bei ihm niedergesetzt hatten, fragten: was ihm fehle; und schon, da er sie mit seinem Arm umschloß, und sich mit dem Kopf schweigend an die Schulter des Jüngern lehnte, wollte Adelbert sich erheben, um ihm im Wahn, daß ihn eine Ohnmacht anwandle, einen Trunk Wasser herbeizuholen: als Toni, den Knaben Seppy auf dem Arm, an der Hand Herrn Strömlis, in das Zimmer trat. Gustav wechselte bei diesem Anblick die Farbe; er hielt sich, indem er aufstand, als ob er umsinken wollte, an den Leibern der Freunde fest; und ehe die Jünglinge noch wußten, was er mit dem Pistol, das er ihnen jetzt aus der Hand nahm, anfangen wollte: drückte er dasselbe schon, knirschend vor Wut, gegen Toni ab. Der Schuß war ihr mitten durch die Brust gegangen; und da sie, mit einem gebrochenen Laut des Schmerzes, noch einige Schritte gegen ihn tat, und sodann, indem sie den Knaben an Herrn Strömli gab, vor ihm niedersank: schleuderte er das Pistol über sie, stieß sie mit dem Fuß von sich, und warf sich, indem er sie eine Hure nannte, wieder auf das Bette nieder. »Du ungeheurer Mensch!« riefen Herr Strömli und seine beiden Söhne. Die Jünglinge warfen sich über das Mädchen, und riefen, indem sie es aufhoben, einen der alten Diener herbei, der dem Zuge schon in manchen ähnlichen, verzweiflungsvollen Fällen die Hülfe eines Arztes geleistet hatte; aber das Mädchen, das sich mit der Hand krampfhaft die Wunde hielt, drückte die Freunde hinweg, und: »sagt ihm –!« stammelte sie röchelnd, auf ihn, der sie erschossen, hindeutend, und wiederholte: »sagt ihm –!« Was sollen wir ihm sagen; fragte Herr Strömli, da der Tod ihr die Sprache raubte. Adelbert und Gottfried standen auf und riefen dem unbegreiflich gräßlichen Mörder zu: ob er wisse, daß das Mädchen seine Retterin sei; daß sie ihn liebe und daß es ihre Absicht gewesen sei, mit ihm, dem sie alles, Eltern und Eigentum, aufgeopfert, nach Port au Prince zu entfliehen; – Sie donnerten ihm: Gustav! in die Ohren, und fragten ihn: ob er nichts höre? und schüttelten ihn und griffen ihm in die Haare, da er unempfindlich, und ohne auf sie zu achten, auf dem Bette lag. Gustav richtete sich auf. Er warf einen Blick auf das in seinem Blut sich wälzende Mädchen; und die Wut, die diese Tat veranlaßt hatte, machte, auf natürliche Weise, einem Gefühl gemeinen Mitleidens Platz. Herr Strömli, heiße Tränen auf sein Schnupftuch niederweinend, fragte: warum, Elender, hast du das getan? Vetter Gustav, der von dem Bette aufgestanden war, und das Mädchen, indem er sich den Schweiß von der Stirn abwischte, betrachtete, antwortete: daß sie ihn schändlicher Weise zur Nachtzeit gebunden, und dem Neger Hoango übergeben habe. »Ach!« rief Toni, und streckte, mit einem unbeschreiblichen Blick, ihre Hand nach ihm aus: »dich, liebsten Freund, band ich, weil – !« Aber sie konnte nicht reden und ihn auch mit der Hand nicht erreichen; sie fiel, mit einer plötzlichen Erschlaffung der Kraft, wieder auf den Schoß Herrn Strömlis zurück. Weshalb? fragte Gustav blaß, indem er zu ihr niederkniete. Herr Strömli, nach einer langen, nur durch das Röcheln Tonis unterbrochenen Pause, in welcher man vergebens auf eine Antwort von ihr gehofft hatte, nahm das Wort und sprach: weil, nach der Ankunft Hoangos, dich, Unglücklichen, zu retten, kein anderes Mittel war; weil sie den Kampf, den du unfehlbar eingegangen wärest, vermeiden, weil sie Zeit gewinnen wollte, bis wir, die wir schon vermöge ihrer Veranstaltung herbeieilten, deine Befreiung mit den Waffen in der Hand erzwingen konnten. Gustav legte die Hände vor sein Gesicht. Oh! rief er, ohne aufzusehen, und meinte, die Erde versänke unter seinen Füßen: ist das, was ihr mir sagt, wahr; Er legte seine Arme um ihren Leib und sah ihr mit jammervoll zerrissenem Herzen ins Gesicht. »Ach«, rief Toni, und dies waren ihre letzten Worte: »du hättest mir nicht mißtrauen sollen!« Und damit hauchte sie ihre schöne Seele aus. Gustav raufte sich die Haare. Gewiß! sagte er, da ihn die Vettern von der Leiche wegrissen: ich hätte dir nicht mißtrauen sollen; denn du warst mir durch einen Eidschwur verlobt, obschon wir keine Worte darüber gewechselt hatten! Herr Strömli drückte jammernd den Latz, der des Mädchens Brust umschloß, nieder. Er ermunterte den Diener, der mit einigen unvollkommenen Rettungswerkzeugen neben ihm stand, die Kugel, die, wie er meinte, in dem Brustknochen stecken müsse, auszuziehen; aber alle Bemühung, wie gesagt, war vergebens, sie war von dem Blei ganz durchbohrt, und ihre Seele schon zu besseren Sternen entflohn. – Inzwischen war Gustav ans Fenster getreten; und während Herr Strömli und seine Söhne unter stillen Tränen beratschlagten, was mit der Leiche anzufangen sei, und ob man nicht die Mutter herbeirufen solle: jagte Gustav sich die Kugel, womit das andere Pistol geladen war, durchs Hirn. Diese neue Schreckenstat raubte den Verwandten völlig alle Besinnung. Die Hülfe wandte sich jetzt auf ihn; aber des Ärmsten Schädel war ganz zerschmettert, und hing, da er sich das Pistol in den Mund gesetzt hatte, zum Teil an den Wänden umher. Herr Strömli war der erste, der sich wieder sammelte. Denn da der Tag schon ganz hell durch die Fenster schien, und auch Nachrichten einliefen, daß die Neger sich schon wieder auf dem Hofe zeigten: so blieb nichts übrig, als ungesäumt an den Rückzug zu denken. Man legte die beiden Leichen, die man nicht der mutwilligen Gewalt der Neger überlassen wollte, auf ein Brett, und nachdem die Büchsen von neuem geladen waren, brach der traurige Zug nach dem Möwenweiher auf. Herr Strömli, den Knaben Seppy auf dem Arm, ging voran; ihm folgten die beiden stärksten Diener, welche auf ihren Schultern die Leichen trugen; der Verwundete schwankte an einem Stabe hinterher; und Adelbert und Gottfried gingen mit gespannten Büchsen dem langsam fortschreitenden Leichenzuge zur Seite. Die Neger, da sie den Haufen so schwach erblickten, traten mit Spießen und Gabeln aus ihren Wohnungen hervor, und schienen Miene zu machen, angreifen zu wollen; aber Hoango, den man die Vorsicht beobachtet hatte, loszubinden, trat auf die Treppe des Hauses hinaus, und winkte den Negern, zu ruhen. »In Sainte Lüze!« rief er Herrn Strömli zu, der schon mit den Leichen unter dem Torweg war. »In Sainte Lüze!« antwortete dieser: worauf der Zug, ohne verfolgt zu werden, auf das Feld hinauskam und die Waldung erreichte. Am Möwenweiher, wo man die Familie fand, grub man, unter vielen Tränen, den Leichen ein Grab; und nachdem man noch die Ringe, die sie an der Hand trugen, gewechselt hatte, senkte man sie unter stillen Gebeten in die Wohnungen des ewigen Friedens ein. Herr Strömli war glücklich genug, mit seiner Frau und seinen Kindern, fünf Tage darauf, Sainte Lüze zu erreichen, wo er die beiden Negerknaben, seinem Versprechen gemäß, zurückließ. Er traf kurz vor Anfang der Belagerung in Port au Prince ein, wo er noch auf den Wällen für die Sache der Weißen focht; und als die Stadt nach einer hartnäckigen Gegenwehr an den General Dessalines überging, rettete er sich mit dem französischen Heer auf die englische Flotte, von wo die Familie nach Europa überschiffte, und ohne weitere Unfälle ihr Vaterland, die Schweiz, erreichte. Herr Strömli kaufte sich daselbst mit dem Rest seines kleinen Vermögens, in der Gegend des Rigi, an; und noch im Jahr 1807 war unter den Büschen seines Gartens das Denkmal zu sehen, das er Gustav, seinem Vetter, und der Verlobten desselben, der treuen Toni, hatte setzen lassen.

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Remember: Do X! Don´t do Y!

Protect innocent, respect life, defend art, preserve creativity!

What´s Left? Antisemitism!

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Psychoanalytische Arbeitsstation

DJ Psycho Diver Sant – too small to fail
Tonttu Korvatunturilta Kuunsilta JSB
Tip tap tip tap tipetipe tip tap heija!
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They want 1984, we want 1776

They are on the run, we are on the march!
I think for food

molon labe

Dummheit ist, wenn jemand nicht weiß, was er wissen könnte.

Dummheit äußert sich heute als empörter Moralismus.

Werte ohne Einfühlungsvermögen sind nichts wert.

Manche Menschen fühlen physischen Schmerz, wenn sie ihre gewohnten Vorstellungen zugunsten der Realität korrigieren sollen, sie wenden ihre gesamte Intelligenz mit Unterstützung ihrer Agressivität auf, um die Realität nicht zu erkennen und ihr Selbstbild unverändert beizubehalten.

Immer mehr fühlen, immer weniger denken – Der Mensch unterscheidet sich vom Tier nicht durch Gefühle, denn Säugetiere haben die gleichen Gefühle, wie der Mensch: Trauer, Angst, Wut, Liebe, sondern durch sein Denken. Wenn er denkt, falls er denkt.

Political correctness ist, wenn man aus Feigheit lügt, um Dumme nicht zu verärgern, die die Wahrheit nicht hören wollen.

Wer „ich will frei sein“ sagt, und es sagen viele, der ist ein Idiot. Denn das höchste was der Mensch als Freiheit haben kann, ist die Freiheit, seine Pflicht frei zu wählen.

“Im Streit um moralische Probleme, ist der Relativismus die erste Zuflucht der Schurken.“ Roger Scruton

Es sind dieselben, die behaupten, das Geschlecht wäre nicht biologisch angeboren, sondern nur ein sozialer Konstrukt, und zugleich daß die Homosexualität kein sozialer Konstrukt wäre, sondern biologisch angeboren.

Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt.

„Es gibt zwei Dinge“, so wußte Hitler schon 1923, „die die Menschen vereinigen können: gemeinsame Ideale und gemeinsame Kriminalität“ .

Nach der gewaltsamen Beendigung des Mordens durch die Alliierten waren die Deutschen (und sind es bis heute geblieben) noch deutscher als zuvor.

„Der Staat sind wir“: Dies Credo der Sozialdemokratie Ferdinand Lassalles war die Wahrheit der Volksgemeinschaft, und der Nazismus war die vermittlungslose Basisdemokratie der Deutschen.

Die Demokratie der Bürger ist die interessierte Demutsadresse an den autoritären Staat.

„Die deutsche Nation ist das Apriori dieser seltsamen Wissenschaft, die

vorgibt, nichts zu kennen als Quellen, Quellen und nochmals Quellen, nichts als das

lautere Plätschern der Tatsachen und das ungetrübte Sprudeln der Empirie. Die

Quelle aber ist der Historie, was der Jurisprudenz das Indiz: Spielmaterial, bloße

Illustration des Systemzwangs zum Rechtsfrieden, d.h. empirische Legitimation der

vorab existenten letzten Instanz, an der jede Berufung aufhört und jede Revision

endet. Egal, wer Recht hat, solange nur Recht ist; was immer die Quellen sagen,

ein Beweis gegen die Nation wird sich daraus nie und nimmer folgern lassen.“ (…)

„Historische Wahrheit wird nach dem Modell von Meinungsumfragen vorgestellt;

kein Sample jedoch wird je repräsentativ genug sein,

um der deutschen Nation als solcher die Taten der Nazis zuzurechnen.

Die juristische Methode dieser seltsamen Wissenschaft, die sich die Behandlung der

Geschichte anmaßt, weiß so überaus sorgfältig zwischen Intention und Resultat zu

scheiden, daß der einzig noch mögliche Weg historischer Wahrheitsgewinnung, der

allerdings leider ausgeschlossen ist, Psychoanalyse wäre.“ – Joachim Bruhn

Da die Psychoanalyse heute auch nur noch ein korruptes Racket ist, würde sie nicht helfen.

 

Je verkommener eine menschliche Kreatur, desto eher fühlt sie sich beleidigt, respektlos behandelt, in ihrer Ehre verletzt.

Der Nicht-Antisemit ist ein Antisemit, der nach der derzeitigen deutschen Rechtsprechung, Israel, Juden diffamiert, diskriminiert, delegitimiert, jedoch nicht expressis verbis das Ziel der dritten Reichs, den Holocaust, die Judenvernichtung, befürwortet.

Aus Deutschland erreicht mich „tiefe Sorge um den Friedensprozess“. Vorsicht: Wo ist es im Nahen und Mittleren Osten derzeit so friedlich und vergleichsweise gewaltarm wie in Israel? Wo leben Araber derzeit sicherer als in Israel? Wo haben sie besseren Zugang zu Bildung, Arbeit, Konsum und medizinischer Versorgung? – Götz Aly

Islam ist weniger eine Religion und mehr eine totalitäre Gesellschaftsordnung, eine Ideologie, die absoluten Gehorsam verlangt und keinen Widerspruch, keinerlei Kritik duldet und das Denken und Erkenntnis verbietet. Der wahre Islam ist ganz anders, wer ihn findet wird eine hohe Belohnung erhalten.

Der religiöse Rassismus der Islamisten, der den völkischen Rassismus der Nazis ersetzt hat, erklärt Allah zum Führer und die Jihadisten zu seiner privilegierten Kampftruppe: Wenn man so will, zu Allahs SS. Der Zusammenhalt dieser Kampftruppe wird über die Jenseitserwartung von Hölle und Paradies, also über das Instrument der religiösen Angst, sichergestellt. Diese Selbstbildfantasie der Islamisten ist mit ihrer (zumeist antijüdischen) Feindbildfantasie untrennbar verknüpft. – Matthias Küntzel

Wahnsinn bedeute, immer wieder das gleiche zu tun, aber dabei stets ein anderes Resultat zu erwarten.

Gutmenschen sind Menschen, die gut erscheinen wollen, die gewissenlos das Gewissen anderer Menschen zu eigenen Zwecken mit Hilfe selbst inszenierter Empörungen instrumentalisieren.

Irritationen verhelfen zu weiteren Erkenntnissen, Selbstzufriedenheit führt zur Verblödung,

Wenn ein Affe denkt, „ich bin ein Affe“, dann ist es bereits ein Mensch.

Ein Mensch mit Wurzeln soll zur Pediküre gehen.

Wenn jemand etwas zu sagen hat, der kann es immer sehr einfach sagen. Wenn jemand nichts zu sagen hat, der sagt es dann sehr kompliziert.

Sucht ist, wenn jemand etwas macht, was er machen will und sucht jemand, der es macht, daß er es nicht macht und es nicht machen will.

Sollen die Klugen immer nachgeben, dann wird die Welt von Dummen regiert. Zu viel „Klugheit“ macht dumm.

Wenn man nur das Schlechte bekämpft, um das Leben zu schützen, bringt man gar nichts Gutes hervor und ein solches Leben ist dann nicht mehr lebenswert und braucht nicht beschützt zu werden, denn es ist dann durch ein solches totales Beschützen sowieso schon tot. Man kann so viel Geld für Versicherungen ausgeben, daß man gar nichts mehr zum Versichern hat. Mit Sicherheit ist es eben so.

Zufriedene Sklaven sind die schlimmsten Feinde der Freiheit.

Kreativität ist eine Intelligenz, die Spaß hat.

Wen die Arbeit krank macht, der soll kündigen!

Wenn Deutsche über Moral reden, meinen sie das Geld.

Ein Mensch ohne Erkenntnis ist dann  lediglich ein ängstlicher, aggressiver, unglücklicher Affe.

Denken ist immer grenzüberschreitend.

Der Mob, der sich das Volk nennt, diskutiert nicht, sondern diffamiert.

Legal ist nicht immer legitim.

Wer nicht verzichten kann, lebt unglücklich.

Sogenannte Sozial-, Kultur-, Geisteswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Psychotherapie, Psychoanalyse, sind keine Wissenschaften mehr, sondern immanent religiöse Kultpropheten, organisiert wie Sekten. Es sind Sozio-, Pädago- und Psychokratien, Rackets, die Erkenntnis nicht fördern, sondern verhindern.

Ohne eine starke Opposition atrophiert jede scheinbare Demokratie zur Tyrannei, und ebenso eine Wissenschaft, zur Gesinnung einer Sekte.

Man kann alles nur aus gewisser Distanz erkennen, wer sich ereifert, empört, wer mit seiner Nase an etwas klebt, der hat die Perspektive verloren, der erkennt nichts mehr, der hat nur noch seine Phantasie von der Welt im Kopf. So entsteht Paranoia, die sich Religion, und Religion als Politik, sogar als Wissenschaft nennt.

Islamisten sind eine Gefahr, deswegen werden sie als solche nicht gesehen. Juden sind keine Gefahr, deswegen werden sie als solche gesehen. So funktioniert die Wahrnehmung von  Feiglingen.

Humorlose Menschen könner nur fürchten oder hassen und werden Mönche oder Terroristen.

Menschen sind nicht gleich, jeder einzelne Mensch ist ein Unikat.

Erkenntnis gilt für alle, auch für Muslime, Albaner, Frauen und Homosexuelle.

Islam gehört zu Deutschland, Judentum gehört zu Israel.

Der Konsensterror (Totalitarismus) ist in Deutschland allgegenwärtig.

Es wird nicht mehr diskutiert, sondern nur noch diffamiert.

Es ist eine Kultur des Mobs. Wie es bereits gewesen ist.

Harmonie ist nur, wenn man nicht kommuniziert.

Man soll niemals mit jemand ins Bett gehen, der mehr Probleme hat, als man selbst.

>>Evelyn Waugh, sicherlich der witzigste Erzähler des vergangenen Jahrhunderts, im Zweiten Weltkrieg, herauskommend aus einem Bunker während einer deutschen Bombardierung Jugoslawiens, blickte zum Himmel, von dem es feindliche Bomben regnete und bemerkte: “Wie alles Deutsche, stark übertrieben.“<< Joseph Epstein

Man muß Mut haben, um witzig zu sein.

Dumm und blöd geht meistens zusammen.

Charlie Hebdo: solche Morde an Juden sind euch egal, mal sehen wie”angemessen”  ihr reagiert, wenn (wenn, nicht falls) eure Städte von Islamisten mit Kasam-Raketen beschossen werden.

Christopher Hitchens großartig: „In einer freien Gesellschaft hat niemand das Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Je mehr sich jemand narzisstisch aufbläht, desto mehr fühlt er sich beleidigt und provoziert.

“Das Problem mit der Welt ist, daß die Dummen felsenfest überzeugt sind und die Klugen voller Zweifel.” – Bertrand Russel

Das Problem mit den Islamisten in Europa soll man genauso lösen, wie es Europa für den Nahen Osten verlangt: jeweils eine Zweistaatenlösung, die Hälfte für Muslime, die andere Hälfte für Nicht-Muslime, mit einer gemeinsamen Hauptstadt.

Was darf Satire? Alles! Nur nicht vom Dummkopf verstanden werden, weil es dann keine Satire war.

Islamimus ist Islam, der Gewalt predigt.

Islam ist eine Religion der Liebe,und wer es anzweifelt, ist tot.

Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke. Der Islam ist die friedliche Religion der Liebe George Orwell 2015

Islam ist verantwortlich für gar nichts, Juden sind schuld an allem.

Islamisten sind Satanisten. Islamismus ist eine Religion von Idioten.

Leute fühlen sich immer furchtbar beleidigt, wenn man ihre Lügen nicht glaubt.

Jeder ist selbst verantwortlich für seine Gefühle.

Die Psychoanalyse geht niemanden außer den Psychoanalytiker und seinen Patienten etwas an, und alle anderen sollen sich verpissen.

“Zeit ist das Echo einer Axt
im Wald.
Philip Larkin, Gesammelte Gedichte

Wenn jemand wie Islamisten sein Ego endlos aufbläht, dann verletzt er seine eigenen Gefühle schon morgens beim Scheißen.

„Die sieben Todsünden der modernen Gesellschaft: Reichtum ohne Arbeit Genuß ohne Gewissen Wissen ohne Charakter Geschäft ohne Moral Wissenschaft ohne Menschlichkeit Religion ohne Opfer Politik ohne Prinzipien.“
―Mahatma Gandhi

„Wo man nur die Wahl hat zwischen Feigheit und Gewalt, würde ich zur Gewalt raten.“
―Mahatma Gandhi

Warum zeigt sich Allah nicht? Weil er mit solchen Arschlöchern nichts zu tun haben will.

„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus’. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus’.”  – Ignazio Silone

Politische Korrektheit verlangt eine Sprache für ein Poesiealbum.

Psychoanalyse ist frivol, oder es ist keine Psychoanalyse.

Bunte Vielfalt, früher: Scheiße

Was der Mensch nicht mehr verändern, nicht mehr reformieren kann, ist nicht mehr lebendig, sondern sehr tot. Was tot ist, das soll man, das muß man begraben: Religion, Ehe, Romantizismus, etc.

Romantik ist scheiße.

Die Realität ist immer stärker als Illusionen.

Deutschland gestern: der Wille zur Macht.
Deutschland heute: der Wille zur Verblendung.
Deutschland morgen: 德國

Deutsche Psychoanalyse? Großartig, wie deutscher Charme, deutscher Humor und deutscher Esprit.

Der Widerstand fängt mit einer eigenen, anderen Sprache als die der Diktatur.

Smart phones for stupid people.

Ein Linker kann, muß aber nicht dumm sein.

Wenn man ganzen Staaten nicht übel nimmt, wenn sie mit Millionen Opfern Selbstmord begehen, warum dann einem Co-Piloten mit 149 Toten?

Nur die Reinheit der Mittel heiligt den Zweck.

Ein extremer Narzißt ist ein potentieller Terrorist, und jeder Terrorist ist ein extremer Narzißt.

Islamisierung bedeutet Verblödung.

…der hiesige Autoritarismus (ist) einer ohne Autorität und der hiesige Konventionalismus einer ohne Konventionen. Schon bei den Nazis war nicht das Wort des Führers Befehl, sondern sein Wille, den der kongeniale Volksgenosse erahnte. Nie hätte der Nationalsozialismus funktioniert, hätte den Deutschen jede ihrer Missetaten bei Strafandrohung befohlen werden müssen. Anders, als es das Wort vom „Befehlsnotstand“, von der „Gleichschaltung“ oder vom „Führer“ selber glauben machen will, herrschte das NS-System durch Gehorsam ohne Befehl. (W. Pohrt, Der Weg zur inneren Einheit)

Der faschistische Sozialpakt existiert im bundesdeutschen Postfaschismus weiter als eine im Resultat aufgehobene Voraussetzung, die unmittelbar keine Spur ihrer gewaltförmigen Durchsetzung mehr an sich trägt: umso besser kann diese Tatsache verleugnet und der Nationalsozialismus als das Verbrechen einiger Irrer, als „Unrechtsstaat“, als „das Schlimmste, das Menschen einander je angetan haben“ exorziert werden. Diese Lebenslüge der BRD ist das Fundament aller demokratischen „Vergangenheitsbewältigung“, jenes kollektiven Beschweigens des Nationalsozialismus, das durchaus auch die Form enervierender Redseligkeit annehmen kann. Weil das postfaschistische Deutschland in institutioneller wie personeller Hinsicht in Kontinuität zu seinem Vorgänger steht, muß ausnahmslos jeder Versuch einer Vergangenheitsbewältigung innerhalb des sich weiterschleppenden Systems zur symbolischen Distanzierung, zum substanzlosen Gestus geraten. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Deutschen einen schier unerschöpflichen Vorrat an größeren und kleineren Entlastungslügen angelegt, aus dem sie sich je nach Gelegenheit und Bedarf bedienen. Danach war das nationalsozialistische System wahlweise das Werk von Hitler höchstpersönlich, einer kleinen Verbrecherclique und ein paar Helfershelfern oder des Monopolkapitals und seiner Schergen. Otto Normalvergaser jedenfalls hat „von alledem nichts gewußt“, war „im Grunde auch dagegen“ oder „konnte gar nicht anders handeln“, weil „Befehlsnotstand“ herrschte und man im Falle des Zuwiderhandelns sofort „ins KZ gekommen“ wäre. “ (…) „Heute haben die Verbreitung des Gerüchts und die Verbreitung der Neidbeißerei neue, technische Möglichkeiten. Sie können sich über das Internet und diverse Subnetzwerke und Blogs rasend verbreiten und auch auf die Politik einen Druck erzeugen, sich ihnen zu beugen. Die gesellschaftliche Mobilmachung wirkt so wieder auf die Politik zurück. Sie muss sich den entsprechenden Stimmungen beugen, weil sonst die Wiederwahl gefährdet würde. Die Devise »Ich bin ihr Führer, also muss ich ihnen folgen«, bleibt auch im zerfallenen Postnazismus das prinzipienlose Grundprinzip von Herrschaft.“ (…) Spezialisierung und Diversifikation sind die zeitgemäße Erscheinungsform von Vermassung und Uniformität. (…) 1 x 1 materialistischer Kritik: es  muss darum gehen, Erscheinungen in eine Konstellation zu bringen, in der sie lesbar werden. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. Und weil gerade die Entfernung vom Nazismus die Nähe zu ihm verbürgt, waren und sind das diejenigen, die in Personensache am wenigstens mit Nazifaschistischem in Verbindung zu bringen sind, die Linksradikalen, die Linksliberalen, die Linken, die Antifaschisten, die entschiedensten Schrittmacher dafür, dass der anfangs noch gar nicht wirklich übergreifende postnazistische Fundamentalkonsens tatsächlich totalisiert und auf die Höhe der Zeit gebracht werden konnte. Die Nazis und die Rechten hingegen waren für diesen Vorgang nur von unterordnetem Belang. Sie standen immer schon für eine in ihrer konkreten Ausprägung gestrige Gesellschaftsformation und deshalb ging von ihnen auch nie eine ernsthafte Gefahr eines neuen Faschismus aus. Diese Totalisierung der Gemeinschaft der Demokraten, die hauptsächlich die Linke mit herbeigeführt hat, ist allerdings identisch und das zeigt sich heute mit ihrem Zerfall. Dieser wiederum ist im Selbstwiderspruch der postnazistischen Vergesellschaftung angelegt, in der der bereits erwähnte nazistische Kurzschluss von Staaten Subjekt im Modus permanenter Mobilmachung in den politökonomischen Formen im Doppelsinne aufgehoben ist. Seiner Substanz nach anerkannt und aufbewahrt, wie vorerst suspendiert und seiner Verlaufsform nachgezügelt. Also statt den Blockwarten gab es Aktenzeichen XY, da durfte sich jeder dann auch telefonisch dran beteiligen, aber richtige Jagdszenen gab es in der alten Bundesrepublik nicht oder nur in Ausnahmefällen. Taxiert selbst zu Zeiten der Prosperität jeder insgeheim seinen Erwerb als verkappte Arbeitslosenunterstützung, so mobilisiert die Krise der postnazistischen Vergesellschaftung erst Recht die Sehnsucht nach der alten Staatsunmittelbarkeit. Johannes Agnoli schrieb dazu schon in der Transformation der Demokratie 1966: „Der präfaschistisch liberale Ruf nach dem starken Staat wiederholt sich postfaschistisch neoliberal“. Und damit gerät das ganze System des autoritären Etatismus und geraten letzten Endes die politökonomischen Vermittlungen als solche wieder ins Visier des Volkszorns und es war wiederum die Linke, die noch zu Zeiten, wo keine Krise in Sicht war, im sinistren Tram nach Liquidation der Vermittlungen die Zunge gelöst und ihm neue fantasievolle und kreative, wie es so schön heißt, Äußerungsformen zur Verfügung gestellt hat. Sie war das Laboratorium, in dem die allgemeine Mobilmachung eingeübt und jener darauf zugeschnittenen neue und zugleich sehr alte Sozialcharakter herangebildet wurde, indem sich mittlerweile eine Mehrheit spontan wieder erkennt. Derjenige Sozialcharakter, der nach dem Motto „Ich leide, also bin ich“ sich einerseits unter Berufung auf die höchst unverwechselbare Diskriminierung, die ihm angeblich wiederfährt, zur kleinsten existierenden Minderheit erklärt, sich gleichsam nach dem Muster verfolgter und in ihrer Kultur bedrohter Völker begreift und andererseits als Gegensouverän seine private, warnhafte Feinderklärung allen anderen oktroyieren möchte und diesem Zweck entweder vorhandene gesellschaftliche Organisationen zu Rackets umfunktioniert, neue Rackets gründet oder andere Rackets mit ins Boot holt. Der einstige demokratische Fundamentalkonsens wird dadurch einerseits ins einzelne Subjekt zurückverlagert und andererseits vermittlungslos verallgemeinert. Aus der formell kollektiven Feinderklärung der Mitte gegen die Extreme, das war der Normalfall in der Bundesrepublik bis weit in die 80er Jahre, Terroristenhasse, einige werden sich noch daran erinnern. Aus dieser kollektiven Feinderklärung der gesellschaftlichen Mitte gegen die Extreme wird also die pluralisierte Feinderklärung alle gegen alle, die getrennt vereint sich zusammenrotten und auf diese Weise zerfällt die Gemeinschaft der wehrhaften Demokraten und reorganisiert sich zugleich hin zu zerfallen. Ein Zitat von Wolfgang Port in einem anderen Zusammenhang macht es sehr schön deutlich: „Wie durch höhere Gewalt sondern sich die Langen von den Kurzen, die Weiblichen von den Männlichen, die Alten von den Jungen, die Dicken von den Dünnen ab“ und das Resultat ist eine Segregation und Ghettoisierung durch welche die Metropolen, einem riesigen Freiluftgefängnis mit seinen Unterabteilungen für Männer und Frauen, Jugendliche, Kranke, Alte, Port schreibt etc., man könnte noch Schwule und Lesben und Migranten und was weiß ich noch alles ergänzen, Protestanten, Katholiken, Ossis, Wessis, immer ähnlicher werden. Neu ist, dass dieses Freiluftgefängnis als eine kulturelle Einrichtung und seine Insassen als Kulturbotschafter begriffen werden und es ist diese nahezu flächendeckende Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mehrheit und der einzelnen Individuen in ihr, die in der Postmoderne ihr bewusstloses Selbstbewusstsein und ihre Legitimation erfährt und im antirassistischen PC-Sprech sich ihren Ehrenkodex schafft, ihre Omertà, die sich an ihresgleichen und die verbliebenen Kritiker draußen richtet, Islamophobie ist ihr derzeit aktuellstes Schlagwort. Dieser Vorgang, diese Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mitte und ihr Zerfall ist also die Bedingung der neuen Haltung Ausländern und Migranten gegenüber, an denen die Deutschen projektiv ihre ersehnte Regression auf den Stamm illustrieren. Was ihnen umso leichter gelingt, als manch ihrer Repräsentanten und Lobbyisten sich anschicken, genau dem Bilde zu gleichen, das die Deutschen sich seit jeher von ihnen machten und wofür sie von ihnen jetzt nach kollektiv und offiziell ins Herz geschlossen werden. Der mittlerweile zur Dauereinrichtung erklärte Karneval der Kulturen ist nichts anderes als ein Zerfallsprodukt der postfaschistischen Demokratie, mehr noch, er ist diese Gemeinschaft in einer zugleich flexibilisierten und pluralisierten und kollektivierten Gestalt. In dieser Völkerfamilie, die die Deutschen gerne auf der ganzen Welt hätten, wären da nicht Israel und die USA als Störenfriede und die sie aus Mangel an Realisierungschancen deshalb erstmal bei sich zuhause einrichten, geht es dabei zu, wie in jeder guten Familie: Die einzelnen Mitglieder sind einander spinnefeind und die Widersprüche und Konflikte, die daraus resultieren, gehören auch voll und ganz dieser Vergesellschaftung an, sind von ihr konstituiert und dazu gehört ein fein dosiertes Spiel mit Fremdheit und Nähe, das von allen Beteiligten auch weiterhin gepflegt wird, weil damit ein moralisches Plus bei der Gefolgschaft eingefahren werden kann. (…) Der zweite Weltkrieg war ein kulturindustrielles Massenevent. (…) Eine neue Barbarei sei stets zu befürchten, wird sich nicht aus dem Geist Nationalsozialismus unmittelbar speisen, sondern im Gewande von demokratischem Antifaschismus von Lernen aus der Geschichte und political correctness daher kommen.(…) Abwehr des offenen Faschismus durch dessen demokratische Entnazifizierung und Eingemeindung. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. (…) Die postnazistische Demokratie hat  die nationalsozialistische Mobilmachung des „gesunden Volksempfindens“ zwar nicht abgeschafft, sondern nur sistiert – sie hat es aber andererseits auch in die Latenz abgedrängt und damit gebremst, indem sie es in die mediatisierende Form des bürgerlichen Repräsentationsprinzips zwängte.  (…) „Rassismus“ ist ein ideologisches Stichwort eines anti-rassistischen Rackets, das jeden Realitätsbezugs entbehrt, das seine Mitglieder vielmehr nur als Ausweis von Gesinnungsfestigkeit und Ehrbarkeit vor sich hertragen und das ihnen als probates Mittel dient, um nach Willkür und freiem Ermessen festzulegen, wer gerade als „Rassist“ zu gelten hat. Und dieses „anti-rassistische“ Racket, das sind heutzutage fast alle: längst ist die Gegnerschaft zum Rassismus keine Domäne der Linken mehr, sondern offizielle Staatsraison und common sense aller Ehrbaren und Wohlmeinenden, und das ist die erdrückende Mehrheit.  (…) Von der moralisierenden Aufdringlichkeit und der enervierenden Verlogenheit einmal abgesehen, ist die Ehrfurcht, die „anderen Kulturen“ entgegengebracht wird und die Unterwürfigkeit, mit der ihre Träger geradezu als Heilsbringer verehrt werden, keine Gegenposition zum Rassismus, sondern dessen logische wie historische Voraussetzung, die im Rassismus und allen naturalisierenden Ideologien als ein Moment überlebt: deren Grundmuster ist die projektive Bekämpfung dessen, was man selbst gern möchte, aber nicht erreichen kann, und deshalb gehört zur Diskriminierung der Neger wegen ihrer „Faulheit“ die Bewunderung für den „Rhythmus, den sie im Blut haben“ und die Achtung vor ihrer „sagenhaften Potenz“; somit ist der „Anti-Rassismus“ nichts weiter als die notwendige Kehrseite des Rassismus selbst, die sich von diesem abgespalten hat und gegen ihre eigene Grundlage wendet. Historisch jedenfalls geht die Wertschätzung fremder Kulturen ihrer späteren, „rassisch“ legitimierten Abqualifizierung voran und sie ist auch logisch deren Voraussetzung: Christoph Columbus etwa beschreibt in seinen Tagebüchern die Eingeborenen, die er 1492 auf den Bahamas, Cuba und schliesslich Haiti angetroffen hat, folgendermaßen: sie sind „ängstlich und feige“, „sehr sanftmütig und kennen das Böse nicht, sie können sich nicht gegenseitig umbringen“, „sie begehren die Güter anderer nicht,“ und er resümiert: „Ich glaube nicht, dass es auf dieser Welt bessere Menschen oder ein besseres Land gibt.“ (7)  (…) Protestantische Innerlichkeit: gemäß der Devise, dass vor der schlechten Tat der schlechte Gedanke und das schlechte Wort kommen, die man demzufolge austreiben muss, damit alles besser wird. (…) So kommt es, dass es heute der Anti-Rassismus ist, der, unter dem Vorwand, heldenhaft gegen einen in Wahrheit nicht existenten „Rassismus“ zu kämpfen, Respekt und Toleranz noch für die rückständigsten und unmenschlichsten Sitten und Gebräuche einfordert und damit selbst als Protagonist und Fürsprecher einer Verrassung der restbürgerlichen Gesellschaft fungiert.  (..) Die unterschiedliche Pigmentierung der menschlichen Haut ist eine objektive Gegebenheit, keine bloße Erfindung. (…) Rasse heute ist die Selbstbehauptung des bürgerlichen Individuums, integriert im barbarischen Kollektiv. (…) Der nervige Sozialcharakter des Gutmenschen ist offenbar eine fast zeitlose Erscheinung und in den verschiedensten Lebensbereichen anzutreffen, die Wahrscheinlichkeit, ihm in fortschrittlichen sogenannten „politischen Zusammenhängen“ zu begegnen, ist besonders hoch: werden doch hier traditionell die altruistischen Tugenden – das Mitgefühl, die Solidarität, Selbstlosigkeit etc. – besonders hoch angeschrieben und deshalb sind sie das geeignete Betätigungsfeld für Sozialcharaktere, die sich als Ersatz für ihr eigenes ungelebtes Leben vorzugsweise mit dem Leiden anderer als Fetisch verbinden. (…) Es sind aber gerade die höchsten Tugenden, die die niedersten Instinkte decken, wie schon Marx wusste: „Bis jetzt hat der Mensch sein Mitgefühl noch kaum ausgeprägt. Er empfindet es bloß mit dem Leiden, und dies ist gewiss nicht die höchste Form des Mitgefühls. Jedes Mitgefühl ist edel, aber das Mitgefühl mit dem Leiden ist die am wenigsten edle Form. Es ist mit Egoismus gemischt. Es neigt zum Morbiden […] Außerdem ist das Mitgefühl seltsam beschränkt […] Jeder kann für die Leiden eines Freundes Mitgefühl empfinden, aber es erfordert […] das Wesen eines wahren Individualisten, um auch am Erfolg eines Freundes teilhaben zu können. (…) Und da jeder demonstrative Altruismus nicht nur einen kleinlichen Egoismus bemäntelt, sondern auch mit dem Anspruch des Idealisten einhergeht, erzieherisch auf das Objekt seiner Zuwendung einzuwirken, ist er die adäquate Ideologie von Rackets, und auch das ist Wilde nicht entgangen: Barmherzigkeit, so schreibt er, sei die „lächerlich unzulängliche Art der teilweisen Rückerstattung oder ein sentimentales Almosen, gewöhnlich verknüpft mit dem skandalösen Versuch des rührseligen Spenders, auf (das) Privatleben (der Armen) Einfluss zu nehmen. (…) Im totalisierten Zugriff auf die ihr Unterworfenen ist die sozialistische Bewegung bis auf den heutigen Tag ebenfalls als ein Racket des Tugendterrors anzusprechen, betrachtet sie es doch als ihre Aufgabe, das Proletariat oder das gerade angesagte Subjekt seiner „wahren Bestimmung“ zuzuführen und d.h. es im Sinne der von ihm zu realisierenden Ideale zu erziehen – und das bedeutet stets noch: ihm die Untugenden und Laster auszutreiben, die der Vorhut als Male der individualistischen Bürgerwelt erscheinen: etwa Alkoholabusus, Faulenzerei, „zerrüttete“, „unsittliche“ Verhältnisse zwischen den Geschlechtern etc. Und um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen die selbsternannten Vertreter der Klasse die von ihnen verfochtenen Tugenden in eigener Person glaubwürdig verkörpern und deshalb in einer noch rigideren Weise als der gemeine Bürger sich als Subjekte zurichten, d.h. ihre Individualität dem Allgemeinen (dem Kollektiv, der Klasse, dem Frieden etc.) opfern, um totale Identität mit ihm zu erlangen. Wenn Identität letzten Endes den Tod bedeutet, dann hat die Bemühung um sie vorzeitige Erstarrung und prämortale Leblosigkeit zur Folge – von daher die bis in die Gegenwart zu beobachtenden verhockten, verkniffenen und lauernden Mienen aller professionellen Menschheitsbeglücker, ihre rigide Zwangsmoral und durchgängige Humorresistenz, die immergleichen offiziösen Phrasen, die sie dreschen, die tödliche Langeweile, die von ihnen und ihrem penetranten Sendungsbewusstsein ausgeht, und ihr chronisches Beleidigtsein, wenn sie beim Gegenüber auch nur den Hauch eines Zweifels an ihrer aufgetragenen Gutartigkeit zu erspüren glauben. Und zu alldem glauben diese Leute sich auch noch ermächtigt, diese ihre trostlose Existenz zur verbindlichen Richtschnur für alle anderen zu erklären.“ – Clemens Nachtmann

„Die rebellische Haltung, vor einem Jahrzehnt noch das Privileg von Einzelgängern, ist heute Ausdruck des Konformismus. Man will dazugehören, nicht als Schlappschwanz gelten“ – Horkheimer

„Die Demokratie ist nichts weiter als die Herrschaft des Knüppels über das Volk durch das Volk für das Volk. (…) Es gibt drei Arten von Despoten: den Despoten, der den Leib knechtet, den Despoten, der die Seele knechtet und den Despoten, der Leib und Seele zugleich knechtet. Der erste heißt Fürst. Der zweite heißt Papst. Der dritte heißt das Volk. (..) Wer das Volk führen will, ist gezwungen, dem Pöbel zu folgen“ (…) „Man hört immer wieder, der Schulmeister sterbe aus. Ich wünschte beileibe, dem wäre so. Aber der Menschentypus, von dem er nur ein und gewiss noch der harmloseste Vertreter ist, scheint mir wahrhaftig unser Leben zu beherrschen; und wie auf ethischem Gebiet der Philanthrop die größte Plage ist, so ist es im Bereich des Geistes derjenige, der so sehr damit beschäftigt ist, andere zu erziehen, dass er nie Zeit gehabt hat, an seine eigene Erziehung zu denken […] Wie schlimm aber, Ernest, ist es, neben einem Menschen zu sitzen, der sein Leben lang versucht hat, andere zu erziehen! Welch eine grausame Tortur! Was für eine entsetzliche Borniertheit, die unvermeidlich aus der fatalen Gewohnheit resultiert, anderen seine persönlichen Überzeugungen mitteilen zu wollen! Wie sehr dieser Mensch durch seine geistige Beschränktheit auffällt! Wie sehr er uns und fraglos auch sich selbst anödet mit seinen endlosen Wiederholungen und seiner krankhaften Besserwisserei! Wie sehr er jedes Anzeichen geistigen Wachstums vermissen lässt! Wie verhängnisvoll ist der Kreis, in dem er sich unablässig bewegt.“ – Oscar Wilde
„Was die Menschheitsbeglücker in Wahrheit bewirken, ist ihr eigener moralischer Selbstgenuss in der angemaßten oder tatsächlichen Herrschaft über andere, aber gerade nicht die praktische Lösung der Dinge, um die es ihnen vorgeblich so selbstlos zu tun ist: „In den Augen des Denkers allerdings liegt der wahre Schaden, den das moralische Mitgefühl anrichtet, darin, dass es unser Wissen begrenzt und so verhindert, dass wir auch nur eines unserer sozialen Probleme lösen.“ (Wilde) Das Selbstopfer fürs Kollektiv erweist sich nicht nur als die wahre Selbstsucht, sondern auch als gegen die Gattung gerichtet: „Denn die Entwicklung der Gattung hängt von der Entwicklung des Individuums ab, und wo die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit als Ideal abgedankt hat, ist das Absinken des intellektuellen Niveaus, wenn nicht gar dessen gänzliches Verschwinden die unmittelbare Folge.“ (Wilde) Und das vorgeblich so praktische und zielorientierte Tun erweist sich als in Wahrheit konfus und unpraktisch: denn es verlässt den Bannkreis des Notwendigen und Zwanghaften nicht, ja, es bestärkt dessen Macht umso mehr, je auftrumpfender und verblendeter es sich in seiner moralischen Selbstgerechtigkeit verhärtet und alle Selbstaufklärung abwehrt. Solange die Gesellschaft den Individuen als fremde äußere Macht entgegentritt, verkehrt sich die gute Intention regelmäßig in ihr Gegenteil und ist menschliches Handeln „nur blindes Tun, abhängig von äußeren Einflüssen und angetrieben von einem dunklen Impuls, von dem es selbst nichts weiß. Es ist seinem Wesen nach unvollkommen, weil es vom Zufall begrenzt wird, und unwissend über seine eigentliche Richtung, befindet es sich zu seinem Ziel stets im Widerspruch […] Jede unserer Taten speist die große Maschine des Lebens, die unsere Tugenden zu wertlosem Staub zermahlen oder aber unsere Sünden in Bausteine einer neuen Kultur verwandeln kann.“ (…) Die Misere des Sozialismus von seinen Anfängen bis heute war und ist stets zuverlässig abzulesen an seiner Verachtung aller autonomen, zweckfreien, in sich begründeten und eben darin gesellschaftlich bestimmten Kunst, weil sie die – prekäre und unvollständige – Emanzipation des Individuums von Blut, Scholle, Rasse, Kollektiv vorausträumt und ihr Ausdruck verleiht. Die Kunst, die sozialistische Bewegungen oder Regimes dann hervorbringen und fördern, eine Kunst, die „Partei ergreifen“, „Stellung beziehen“ und „gesellschaftliche Verantwortung“ dokumentieren soll, zerstört jedoch sich selbst und ihre Voraussetzungen. (…) „Kunst ist Individualismus und der Individualismus ist eine verstörende und zersetzende Kraft. Gerade darin liegt sein unermesslicher Wert. Denn was er aufzubrechen versucht, ist die Einförmigkeit des Typischen, die Sklaverei der Konvention, die Tyrannei der Gewohnheit und die Erniedrigung des Menschen auf das Niveau einer Maschine. (…) alle Künste sind amoralisch, ausgenommen die niederen Formen der sinnlichen oder belehrenden Kunst, die uns zu guten oder schlechten Taten anstiften wollen“ (…) Selbstsucht strebt immer danach, der gesamten Umwelt ein Einheitsmaß aufzuzwingen“ „Selbstlosigkeit bedeutet, andere Leute in Ruhe zu lassen, sich nicht in ihr Leben einzumischen […] Die Selbstlosigkeit weiß die unendliche Vielfalt als etwas Kostbares zu schätzen, sie akzeptiert sie, lässt sie gewähren und erfreut sich an ihr.“ (…) „Die erste Pflicht im Leben ist, so künstlich wie möglich zu sein. Die zweite Pflicht ist noch unbekannt.“(Wilde)
Antizionismus und Antiamerikanismus, ihr Philo-Islamismus nichts anderes sind als moderne Varianten des urdeutschen Antisemitismus.  (…) Massen laufen zur Deutschen Ideologie über, wenn Politik und Staat ihnen diesen Weg nicht versperren (…) Der Vernünftige braucht keinen Dialog mit Leuten zu führen, die sich nicht von Grund auf von denjenigen distanzieren, die Juden oder, was dasselbe ist, den Zionismus für ihr und anderer Leute Unglück verantwortlich machen. Er denunziert desgleichen jede Verhandlungsbereitschaft denen gegenüber, die, bevor sie sich als Staatsbürger und Marktsubjekte definiert haben, als Angehörige einer Religions- oder Volksgemeinschaft anerkannt werden wollen. (…) Antizionismus und Antiamerikanismus, ihr Philo-Islamismus nichts anderes sind als moderne Varianten des urdeutschen Antisemitismus. (…) Antideutsch denken und handeln heißt demzufolge, die politischen Vermittlungs- und Repräsentationsformen in Gesellschaft und Staat, die auf der Trennung von freien und gleichen Warenbesitzern einerseits und am Allgemeinwohl orientierten Staatsbürgern andererseits beruht, gegen die zu verteidigen, die diese Teilung zugunsten eines autoritären Volksstaates überwinden wollen, dessen Subjekte von nichts anderem als von seinen Wohlfahrtsleistungen abhängig sind. Wer in diesem Sinne das Etikett „antideutsch“ nicht auch auf sich bezieht, mißachtet zumindest die Gefährlichkeit der – selbstredend nicht auf Deutschland und deutsche Staatsbürger beschränkte, sondern immer schon weltweit grassierende – Deutschen Ideologie, deren historischer Kern darin besteht, daß auf ihr Konto nicht nur „normale“ kapitalbedingte Ausbeutung und Herrschaft, nicht nur die dem Kapital aus Prinzip immanenten Kriege und nicht nur der ihm in seinen Grund eingeschriebene Antisemitismus gehen, sondern fördert das Überleben einer Ideologie, der zudem noch die historisch und empirisch nicht zu leugnende Tatsache eingeschrieben ist, daß die deutsche Fassung der Beziehung von Staat und Gesellschaft die Auslöschung der Menschheit in zwei Weltkriegen im allgemeinen und den eliminatorischen Antisemitismus im besonderen beinahe total verwirklicht hätte. In der Existenz des Staates Israel manifestiert sich der Einspruch gegen den historisch bewiesenen Vernichtungswahn Deutscher Ideologie praktisch und empirisch. – Manfred Dahlmann

„Wird Freiheit mit Zügellosigkeit verwechselt, entsteht Rücksichtslosigkeit.
Am Schluss Gleichmacherei.
Ihr seid aber nicht alle gleich.
Noch nie wart ihr alle gleich.
Ihr lasst es euch aber einreden.
So werdet ihr immer respektloser, ungenießbarer gegeneinander.
Vergeudet in Kleinkriegen eure Zeit, als hättet ihr ein zweites Leben.
Weil ihr tatsächlich alles verwechselt.
Behauptungen mit Beweisen.
Gerechtigkeit mit Maß.
Religion mit Moral.
Desinteresse mit Toleranz.
Satire mit Häme.
Reform mit Veränderung.
Nachrichten mit Wirklichkeit.
Kulturunterschiede haltet ihr für Softwarefragen und ihre Analyse ersetzt ihr mit Anpassung.
Ihr habt die Maßstäbe verloren.
Der Gordische Knoten ist ein Keks gegen eure selbstverschuldete Wirrsal.

Man geht immer fehl, sucht man den Ursprung menschlicher Handlungen außerhalb der Leidenschaft des menschlichen Herzens …

Der Separatismus gendert sich in die Köpfe, sitzt in Regierungen.
Männer sind keine Männer mehr. Frauen keine Frauen, sondern ‚Menschen mit Menstruationshintergrund’, Quote ist Trumpf.
Auf gar keinen Fall sollen Mann und Frau sich noch als zwei Teile eines Ganzen begreifen. Damit die Geschlechter noch mehr aneinander verzweifeln.
Bis alle in destruktiver Selbstbezogenheit stecken.
Am Ende: Mann ohne Eier. Frau ohne Welt.

Auf die Erschöpfung des Mannes wird aber nur die Erschöpfung der Frau folgen, das sage ich euch.
Auf die Verstörung der Kinder folgt die Zerstörung der menschlichen Schöpfung.“– Hans Dieter Hüsch

Es gibt zweierlei Ethik: die moralische, der die Realität egal ist und die der Verantwortung, die reale Folgen der ethischen Forderungen berücksichtigt. Die erste ist gut gemeint, die zweite ist gut gemacht.

Was dem einen seine Souveränität, ist dem anderen seine Eigenmächtigkeit.

Das Schöne am Euro war, dass die Gewinner immerzu gewinnen konnten, ohne dass ihnen gleich die Quittung präsentiert wurde. Denn sie verdienen ja am Ausland, was heißt, eigentlich ein im Maße des Verdienens zunehmend schlechtes Geld – das ist durch den Euro aufgehoben worden: Man konnte ständig an einer anderen Nation verdienen, ohne dass das Geld dieser Nation darunter gelitten hat, weil sie gar kein eigenes hat. Der Wert dieses Geldes repräsentiert nicht die Leistungsfähigkeit dieser Nation. So hat der Euro von dem innereuropäischen Verdienen aneinander sogar noch gelebt; er hat vor der Krise absurderweise nur den Konkurrenzerfolg der Gewinner repräsentiert.

— Das ist ja mit der Idylle charakterisiert. Dass zunächst mal alle Seiten Gewinner des neu eingeführten Euro waren. Auch die, die ihre vergleichsweise Weichwährung gegen den Euro getauscht haben und damit auf einen Schlag Kredit zu ganz anderen Konditionen und Möglichkeiten hatten. Insofern waren die späteren Verlierer erst mal auch Gewinner.

Kein Nazifaschist hat je wirklich geglaubt, er bezöge die Ermächtigung seiner Ansprüche aus dem Teutoburger Wald; keiner seiner demokratischen Erben hat jemals tatsächlich gedacht, ihnen erwüchse Legitimität im Resultat des “Lernens aus der Geschichte”; niemals war ein Sozialist der Ansicht, es sei die famose “Befreiung der Arbeit” und nicht vielmehr das Recht auf Beute, was seine Politik im Interesse der Arbeiterklasse motivierte. Und keinesfalls erwächst den Palästinensern irgendein Recht aus der Tatsache, daß sie zuerst da waren. Einer Gesellschaft, der Hunger kein Grund ist zur Produktion, kann auch das Leiden kein Grund sein zur Solidarität. Es ist die Ideologie, die mit der Unmittelbarkeit des Leidens agitiert, die aus dessen fragloser Evidenz Sinn zu schlagen sucht, sei es im Sinne von Caritas oder Amnesty International, sei es im Sinne der Freunde des palästinensischen Volkes für den Israelhaß der Antisemiten wie für den Islamfaschismus dieses Volkes. Ariel Scharon jedenfalls, der Zionist und praktische Antifaschist, ist dem aufgelösten Rätsel der Geschichte näher als die deutsche Linke, deren “Antifaschismus” sich als Aufstand der Anständigen à la Gerhard Schröder oder als Solidarität mit dem palästinensischen Volk ausagiert. (…) Im Wesen Israels als des ungleichzeitigen Staates der Juden liegt es aber nicht nur, Reaktion auf den Verrat an Aufklärung und Weltrevolution, nicht nur, Notwehrversuch gegen den Nazifaschismus und Asyl zu sein. Sondern eben auch, daß die üblichen Muster der bürgerlichen Rollenverteilung – hier das Gewaltmonopol des bürgerlichen Staates im allgemeinen und dort die Personen, die die Regierungsausübung im besondern besorgen – für den israelischen Staates aufgrund seiner Konstitutionsbedingungen keine Geltung mehr hat. Was sich unter anderem darin zeigt, daß diese “Kritiker” der israelischen Regierungspolitik für den faschistischen Mob und die Behörden, die Selbstmordattentäter belohnen, Verständnis aufbringen (Folge von Besatzung und Ausbeutung), dagegen für den Versuch, die militärische Infrastruktur der Gegner Israels zu zerschlagen, am liebsten die Begriffe Auslöschung oder Ausrottung der palästinensischen Bevölkerung im Munde führen. Wie hinter der treudoofen Frage, ob es nicht möglich sein müsse, Spekulanten als das zu bezeichnen, was sie sind, ohne gleich als antisemitisch zu gelten, so verbirgt sich hinter der treulinken Frage, ob nicht auch in Israel, weil es sich auch dort um eine bürgerliche Gesellschaft handele, Faschismus möglich sei, die Erkenntnis dieser Fusion in verquerer und verschrobener Gestalt. Verquer, weil ja gerade erklärt werden sollte, wie Israel, dieser Fusion zum Trotz, eine parlamentarische Demokratie ist und bleibt; verschroben, weil diese Einheit von Staat und Regierung im Übergang von einem unerträglichen Alten (die Vernichtungsdrohung) zum noch nicht erreichten Neuen (die herrschaftslose Gesellschaft) ja doch den Inbegriff dessen ausmacht, was einmal als “Diktatur des Proletariats”, als Emanzipationsgewalt und organisierte politische Macht der Revolution, auch und gerade auf den roten Fahnen stand. In Anbetracht der Grundidee des Staates Israel, vor dem Hintergrund der linken Staatsmythen, betreffend die “Diktatur des Proletariats”, muß jede Beurteilung der Handlungen der Regierungsvertreter auch die völlig andere Qualität dieses Staates, verglichen mit allen anderen, deutlich werden lassen. (…)

Wenn diese Linke über Israel schwadroniert, dann hört sich das nicht minder grausig an. Dabei liegt der Zusammenhang zwischen dem Antisemitismus und dem Vernichtungswillen gegen die zum Staat gewordene bürgerliche Gesellschaft der Juden, gegen Israel, eigentlich auf der Hand: Der sogenannte Antizionismus stellt nichts anderes dar als die geopolitische, globalisierte Reproduktion des Antisemitismus, das heißt die Erscheinungsform, die er in Weltmarkt und Weltpolitik nach Auschwitz annehmen muß. Der Antizionismus ist der aus den kapitalisierten Gesellschaften in die Welt herausgekehrte Antisemitismus. So ist Israel der Jude unter den Staaten; die Verdammung des Zionismus als eines “Rassismus” durch die UNO gibt es zu Protokoll. Das macht: die moralische Verurteilung der menschlichen Unkosten der Konstitution bürgerlicher Staatlichkeit allein am Beispiel Israels führt vor Augen, was die Welt der Volksstaaten vergessen machen will – daß die Zentralisation der politischen Gewalt über Leben und Tod keineswegs die natürliche Organisationsform der Gattung Mensch darstellt, sondern Ausdruck eben von Herrschaft und Ausbeutung. Dabei ist Israel – und das macht die Kritik an diesem Staat so perfide und muß deshalb immer wieder gesagt werden – der einzige Staat dieser Welt, der für sich eine nicht zu bezweifelnde Legitimität beanspruchen kann. Israel, das ist der ungleichzeitige Staat, der entstanden ist sowohl als Reaktion auf das Dementi aller Versprechungen der bürgerlichen Nationalrevolution, sowohl als Antwort auf den stalinistischen Verrat an der kommunistischen Weltrevolution als auch als zu spät gekommene Notwehr gegen den Massenmord an den europäischen Juden. (…) Israel ist das Schibboleth jener doch so naheliegenden Revolution; es ist der unbegriffene Schatten ihres Scheiterns. Israel ist das Menetekel, das zum einen (und ganz unfreiwillig) die kategorischen Minimalbedingungen des Kommunismus illustriert, und das zum anderen sämtliche Bestialitäten zu demonstrieren scheint, zu denen der bürgerlich-kapitalistische Nationalstaat fähig ist. Wer Israel nicht begriffen hat, wer den Haß auf diesen Staat, den Antizionismus, und wer den Antisemitismus, das heißt den Vernichtungswillen sowohl gegen die in diesem Staat lebenden als auch gegen die kosmopolitisch verstreuten Juden, nicht begriffen hat als das, was Antisemitismus wesentlich darstellt: den bedingungslosen Haß auf die Idee einer in freier Assoziation lebenden Gattung, der hat den Kommunismus nicht als das “aufgelöste Rätsel der Geschichte” begriffen. –

 Der ostentative Muslimeifer aber, der sich im Alltag mancher ‚Allahu-Akbar‘-Brüller vielleicht doch sehr in Grenzen hält, findet im blanken Judenhass unverhoffte Nahrung, wo ihnen unter unendlich öden Koranrezitationen und geistlosen, absurden Vorschriften längst das bisschen ungeglaubten Glaubens zwischen den Fingern zerrann und ihr Muslimsein kaum je mehr ist als das typisch dauerbeleidigte, immer schon jeder Verantwortung ledige Gruppengefühl. Überhaupt will jeder Eifer – insbesondere der aktuelle, rasende Eifer des weltweit angreifenden Islam – den Stachel eines weniger drohenden als hinterrücks längst geschehenen Glaubensverlustes kompensieren.“ Mit anderen Worten: Muslime wurden nicht für ihr abstraktes Muslimsein kritisiert, sondern dafür, was – global betrachtet – die Mehrheit konkret darunter versteht: Die von Gott gegebene Ermächtigung zu Terror, Entrechtung, Antisemitismus. Wer differenziert, sollte nicht unerwähnt lassen, dass Osama bin Laden, Hassan Nasrallah und wie all die schrecklichen Figuren so heißen, in der muslimischen Welt als Helden gefeiert werden – und zwar nicht von einer minoritären Sekte, sondern von Millionen Muslimen, auch in Deutschland. (,,) Der unfreiwillige und verborgene Essentialismus der Postmoderne macht das Begreifen unmöglich, weil er die Beziehung zwischen Allgemeinem, Besonderem und Einzelnem nicht mehr zu thematisieren vermag. Wenn nur noch Vielfalt herrscht und Einzelnes und Allgemeines gewaltsam auseinandergerissen werden, bleibt die Verstandesleistung des begreifenden Subjekts auf der Strecke und die scheinbar ursprüngliche Differenz wird zum Mythos. Nicht nur dem Begriff des Allgemeinen, das ja ein noch einzulösendes ist, wird Gewalt angetan, auch dem Besonderen, dessen Unglück darin besteht, nur ein Besonderes zu sein, und das sich, weil es kein versöhnendes Ganzes gibt, dem schlecht-Allgemeinen, dem Racket nämlich, anschließen muss. – JAN HUISKENS

„Vernunft und Rationalität sind in dieser durchmedialisierten Welt chancenloser denn je. Ein unangenehmer Typ „Heckenschütze“ terrorisiert die Gesellschaft. Seine aktuelle Waffe: Der Phobienvorwurf.“ – Bettina Röhl

„Man wähnt, wenn man nach wissenschaftlichen Regeln sich richtet, dem wissenschaftlichen Ritual gehorcht, mit Wissenschaft sich umgibt, gerettet zu sein. Wissenschaftliche Approbation wird zum Ersatz der geistigen Reflexion des Tatsächlichen, in der Wissenschaft erst bestünde. […] Je tiefer man ahnt, daß man das Beste vergessen hat, desto mehr tröstet man sich damit, daß man über die Apparatur verfügt.“ (Theodor W. Adorno, Philosophie und Lehrer, AGS 10.2, 491)

„Vieles, was im Sinne von Foucaults »Mikrophysik der Macht« populär werden sollte; also die Erkenntnis, daß Macht nicht pyramidal hierarchisch, sondern durch sämtliche gesellschaftliche Bereiche hindurch wirkt, findet sich bereits in der Medizinkritik der Kritischen Theorie. Daß diese Thesen häufig übersehen wurden, mag daran liegen, daß sich Horkheimers entscheidende Äußerungen über Medizin und Psychiatrie nicht in den breit rezipierten Hauptwerken finden, sondern über die Gesamtausgabe verstreut sind. Wiemer suchte sie zusammen und zeigt, wie Horkheimer anhand der Medizin einen wesentlichen Charakterzug des modernen Kapitalismus ausmachte. Mediziner funktionieren laut Horkheimer wie fast jede wirtschaftliche Gruppe im Sinne eines Rackets. »Ein Racket«, erklärt er, »ist eine unter sich verschworene Gruppe, die ihre kollektiven Interessen zum Nachteil des Ganzen durchsetzt.« Allgemein betrachtet heißt das, daß sich die Klassengesellschaft in eine »neofeudale« Struktur verwandelt hat, innerhalb der Interessenverbände »nach dem Prinzip der Selbsterhaltung und der Machtakkumulation« funktionieren. Diesen Wandel macht Horkheimer an den Medizinern fest; und alles, was Horkheimer in seiner Kritik aussparte, von den Krankenversicherungen bis zum Pfusch in Krankenhäusern, wird von Carl Wiemer polemisch auf den neuesten Stand gebracht“  – Max Horkheimer

 

„Ein Shitstorm hat auch seine positive Seite. Da politisch korrekte Gülle meist in Richtung Originalität, Kreativität und Intelligenz geworfen wird, fliegt sie oft genug auf Leute, die zu lesen wirklich lohnt.“ – Evidenz-basierte Ansichten

Eine Frau wird als Frau geboren. ein Mann muß erst ein Mann werden.
Keine Paternalisierung, sondern fortschreitende Maternalisierung. Die Feminisierung und Genderisierug marginalisiert und zerstört die Vaterposition in den modernen »Gesellschaften«, die Vaterrolle erlitt allgemeine Degradierung, die Kanonisierung der Homosexulität im Speziellen und der sexuellen Diversität im Allgemeinen tilgt die noch übriggebliebenen Spuren einer Männlichkeit restlos aus, die nur noch als Schimpfwort der angeblichen „Paternalisierung“ im Jargon der Medien herumgeistert.

„Es kommt in der Psychotherapie darauf an – mit temporärer Unterstützung – sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Wer mit einem Selbstbild lebt, für das die temporär klärende Rolle des Therapeuten eine unerträgliche Kränkung ist, der muß eben versuchen, alleine zurechtzukommen.“ – Hans Ulrich Gumbrecht

Post-Pop-Epoche: der Sieg der Mode über die Sitten.

„Wir brauchen schadhafte Gebäude, durch deren geborstene Wände man hindurch­ sehen kann, um wenigstens einen Anfang zum Denken zu gewinnen.“ – Victor Tausk

„Was man in römischer Zeit das »Abendland« und später »Europa« nennen wird, ist die politische Konsequenz des individualistischen Martyriums, das ein gesprächsfreudiger Stadtstreicher auf sich nahm, um die Legitimität des im universalistischen Dialekt vorgebrachten Neuen gegen die entkräfteten lokalen Sitten zu demonstrieren.“ – Peter Sloterdijk

„Was nützt einem die Gesundheit wenn man ansonsten ein Idiot ist.“ – Theodor Adorno

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Stupidity is demonstrated by people lacking the knowledge they could achieve

Stupidity manifests itself as outraged moralism

Values without empathy are worth nothing

Some people feel physical pain when they should correct their accustomed ideas in favor of reality, they turn all their intelligence with the support of their aggression, for not to recognize the reality and maintain their self-image

More and more feel, think less and less Man does not differ from animals by feelings, because mammals have the same feelings, like man, sadness, fear, anger, love, but by his thought. When he thinks, if he thinks.

Political correctness can be defined as the telling of a lie out of the cowardice in an attempt to avoid upsetting fools not willing to face up to the truth

“In arguments about moral problems, relativism is the first refuge of the scoundrel.” Roger Scruton

They are the same who claim the sex/gender would not be biologically innate, but only a social construct, and at the same time that homosexuality was not a social construct, but biologically innate.

Antisemitism is when one blames the Jews or Israel for issues, he does not blame others

„There are two things,“ said Hitler in 1923, „which can unite people: common ideals and common crime“

After the violent termination of Murder by the Allies were the German (and have remained so to this day) more german than before.

The depraved human creature, the more she feels insulted, disrespected, offended in their honor.

Islam is less a religion and more a totalitarian society, an ideology that demands absolute obedience and tolerates no dissent, no criticism, and prohibits the thinking, knowledge and recognition. True Islam is totally different, the one who will find it will receive a very high reward.

Craziness is, when one always does the same but expects a different outcome

If a monkey thinks “I am a monkey”, then it is already a human

A man with roots should go for a pedicure

Self smugness leads to idiocy, being pissed off leads to enlightenment

If someone has something to say, he can tell it always very easily. If someone has nothing to say, he says it in a very complicated way

Addiction is, when somebody does something he wants to do, yet seeks someone who can make it so he won’t do it and doesn’t want to, either.

If the clever people always gave in, the world would be reigned by idiots. Too much “cleverness” makes you stupid.

If one only fights evil to protect life, one produces nothing good at all and such a life then becomes no longer worth living and thus requires no protection, for it is already unlived due to such a total protection. One can spend so much money on insurance, that one has nothing left to insure. Safety works in the same way.

Happy slaves are the worst enemies of freedom.

Creativity is an intelligence having fun.

If working makes you sick, fuck off, leave the work!

If Germans talk about morality, they mean money.

A man without an insight is just an anxious, aggressive, unhappy monkey.

Thinking is always trespassing.

The mob, who calls himself the people, does not discuss, just defames.

Legal is not always legitimate.

Who can not do without, lives unhappy.

So called social, culture sciences, sociology, psychology psychotherapy, psychoanalysis, are not anymore scientific, but immanent religious cult-prophets, organized as sects.

Without a strong opposition any apparent democracy atrophies to a tyranny, and as well a science , to an attitude of a religious sect.

You can recognize everything from a certain distance only, who is zealous, outraged, who sticks his nose in something, this one has lost the perspective, he recognizes anything more, he has only his imagination of the world in his head. This creates paranoia, which is called religion, and a religion as politics, even as a science.

Islamists are a real danger, therefore they will not be seen as such. Jews are not a danger, therefore they are seen as such. It is how the perception by cowards functions.

People without a sense of humor are able only to fear or to hate and become monks or terrorists.

People are not equal, each single person is unique.

Insight applies to everyone, including Muslims, Albanians, women and homosexuals.

Islam belongs to Germany, Judaism belongs to Israel.

The totalitarian Terror of consensus is ubiquitous in Germany.
There are no discussions anymore, but defamations only.
It is a culture of the mob. As it has already been.
Harmony is only if you do not communicate.

One should never go to bed with someone who has more problems than you already have.

>>Evelyn Waugh, surely the wittiest novelist of the past century, in World War II, coming out of a bunker during a German bombing of Yugoslavia, looked up at the sky raining enemy bombs and remarked, “Like everything German, vastly overdone.”<< Joseph Epstein

One has to be brave, to have a wit.

Stupid and dull belong mostly together.

Charlie Hebdo: you don´t care if such murders are comitted to Jews, we will see how “adequate” you will react when (when, not if), Islamists will begin to bombard your cities with Kasam missiles.

Christopher Hitchens: In a free society, no one has the right not to be offended.

The more someone narcissistic inflates , the more he feels insulted and provoked.

“The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt.” – Bertrand Russell

 The problem with the Islamists in Europe should be solved exactly as Europe requires to the Middle East: a two-state solution, a half for muslims and the another half for not-muslims , with a common capital.

What may satire? Everything! Except be understood by the fool, because then it was not a satire.

Islamimus is Islam preaching violence.

Islam is a religion of love, and he who doubts is dead.

War is peace. Freedom is slavery. Ignorance is strength. Islam is a peaceful religion of love – George Orwell 2015

Islam is not responsible for anything, Jews are guilty of everything.

Islamists are satanists. Islamism is a religion of idiots.

If someone inflates endless his ego, as Islamists do, then he hurts his own feelings already in his morning own shit.

The seven deadly sins of modern society. Wealth without work pleasure without conscience, knowledge without character business without morality Science without humanity, worship without sacrifice Politics without principles
-Mahatma Gandhi

“Where there is only a choice between cowardice and violence, I would advise violence.”
-Mahatma Gandhi

Heroes of today know nothing, can not and do not want anything. They just look like heroes, that’s all.

It may be that early fathers ate their children. Today, the mothers will eat anything, fathers, children and the rest. Everything Mommy, anyway!

Germany yesterday: the will to power.
Germany today: the will to blindness.
Germany tomorrow:

German psychoanalysis? Great, like German charm, German humor and German wit.

The resistance starts with its own language other than that of the dictatorship.

Smart phones for stupid people.

A leftist can, but do not have to be stupid.

If you do not blame states, when they commit suicide with millions victims , so why to blame a co-pilot with 149 dead?

Only the purity of the means justify the end.

A German is a person who can speak no lie, without actually believe Adorno

„Reason and rationality are chance-less than ever in this totally mediatised world. An unpleasant type Sniperterrorized society. His current weapon: The phobia accusation.“ – Bettina Röhl
„A Shitstorm has also its positive side. As politically correct manure it is usually thrown in the direction of originality, creativity and intelligence, she flies often to people who are really worth to read.“ – Evidenz-basierte Ansichten
A woman is born as a woman. a man has to become a man.
No paternalization but advancing maternalization. The feminization and genderization marginalized and destroyed the father position in the modern „societies,“ the father role suffered general degradation, the canonization of homosexuality in particular and the sexual diversity generally wipes out the still remaining traces of masculinity completely out,  only as an insult haunts the alleged „paternalization“ in the jargon of mass media.
PostPop era: the triumph of fashion over the morals.
„We need damaged buildings, so you can see through their cracked walls to win at least one viewpoint to start to begin to think. Victor Tausk
„What good is health if you are an idiot then?“ – Theodor Adorno

 

Ein- und Ausdruck – Eine Erzählung von Christiane Linke

Botanischer Garten Ffm - CL2015-a - s

Photo: 2015 © Christiane Linke

Ein- und Ausdruck.

Christiane Linke ist Schriftstellerin und lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

 

Ein kleiner Garten mit eigener Dramaturgie. Wie in England. Dort folgt der Aufbau auch einer Inszenierung. Man sieht nicht gleich die ganze Vielfalt, sondern spaziert sich dorthin.
Durch das Tor und bereits auf dem schmalen Weg beginnt die andere Welt. Hohe Bäume und eine kleine Graslandschaft, die nach links zum Kräutergarten oder rechts zum Steingarten führt. Der Botanische Garten ist eigenständig und gehört doch zum großen Park. Wie so oft ist die Perle gut versteckt und für Ängstliche schwer zu knacken. Man läuft jahrelang an dem kleinen Tor vorbei und ahnt nichts. Dann nimmt man allen Mut zusammen.
Die Vogelstimmchen sind so vielfältig, dass man denkt, sie würden sich zurufen: „Hier ist es schön, hier sind wir sicher.“ Die Vielfalt ist enorm. Gezwitscher, das ich zuvor noch nicht gehört habe. Ich kann sie nicht benennen, aber braucht es immer für alles Bezeichnungen.
Der rechte Weg führt in einer großen Runde um den Garten herum. Große Bäume und viele Ranken. Manches ganz dicht und anderes wieder sehr licht. Dann blickt man auf ein kleines Gewirr aus Wegen, die durch den Steingarten und direkt in unbegrenzter Weite auf den darunter liegenden Teich führen. The frogs. Man hört sie bereits, wenn man den Garten betritt. Ich gehe nach rechts, nehme einige kleine Wege durch die seltenen Bäume und bin überrascht wie schön sich die Kulisse nach jeder kleinen Biegung formiert. Die Sonne fällt aus unterschiedlichen Winkeln auf Weg und Bäume und die Anordnung suggeriert große Weite. Die vielfältige Vegetation gaukelt fremde Länder vor und ich fühle mich plötzlich wie in der Provence. Vom Steingarten blickt man auf eine mittlerweile hohe Wiese mit bunten Blumen. Ich halte mich weiter rechts und sehe gerade noch wie eine Meise aus einem Brutkasten fliegt. Dann lautes Piepsen. Ich warte ein wenig, aber die Meise kommt nicht zurück. Wahrscheinlich beobachtet sie mich besorgt.
Ich nehme einen kleinen Abstecher zum Teich und bin plötzlich in einem Spinnennetz gefangen. Die Fäden sind stark und klebrig und es hängen einige Larven in dem Gewebe. Es dauert einige Zeit und Mühe bis ich mich befreien kann. Ein kleines Insekt hätte keine Chance. Die Besucher stehen am Teich und fotografieren mit großen Linsen die Frösche. Man sieht sie kaum in dem dunklen Wasser, sie tauchen immer wieder ab und schwimmen davon. Ein Film wäre sinnvoller. Und dann schlendert der Gartenhüter vorbei. Ein älterer Mann mit rundem Gesicht. Er macht es vermutlich ehrenamtlich. Ein freundliches Lächeln und ein Gruß. Ich gehe weiter und fühle mich irgendwie ertappt. Und schon überlege ich, ob ich den nächsten Tag noch mal dorthin gehen kann.
Auf der rechten Seite entlang des Kräutergartens stehen hohe Weinreben, kleine Bottiche mit Seerosen und man hat einen freien Blick auf die alte, unbewohnte Fassade eines Instituts. Auf dem Rasen steht eine imposante, sehr großblättrige Pflanze aus Brasilien. Auf der Unterseite ihrer Riesenblätter sitzen kleine hellgrüne Dornen. Die Natur ist erfinderisch, um die Pflanzen zu schützen. Aber es gibt sicherlich auch Tiere, die diese Dornen umgehen können.
Der letzte Bogen Richtung Ausgang. Vorbei an den Kräutern steht auf der rechten Seite ein kleines Holzhaus mit Warnhinweis „Betreten auf eigene Gefahr“. Die Imkerei. Die Bienen fliegen emsig zu den Verschlägen und liefern ordnungsgemäß ihre süße Ware ab. Der Honig schmeckt köstlich.
Der Gang durch den Garten hat etwas Meditatives. Ich gehe möglichst langsam und konzentriere mich auf die Pflanzen. Die Gesichter und Stimmen versuche ich auszublenden. Kleine bewusste Schritte zur Ruhe.

2015 © Christiane Linke
christianelinke22@gmail.com

Botanischer Garten Ffm - CL2015-b - s

Botanischer Garten Frankfurt am Main
http://www.botanischergarten-frankfurt.de/

Botanischer Garten Ffm - CL2015-c - s

Sinn, Realität und Möglichkeit.

Warteraum

Sinn, Realität und Möglichkeit.

Das 4. Kapitel des ersten Buches des Robert Musils Romans „Der Mann ohne Eigenschaften

Von Tomo Polic

 

Musil schreibt ironisch, philosophiert, spielt mit Begriffen, Bedeutungen und Deutungsmöglichkeiten, mit Worten und Sätzen, er vermischt, verbirgt, legt offen und verdeckt. Auch die Zeitenebenen werden vermischt und immer wieder die Verdoppelungen, Unklarheiten und Unsicherheiten geschaffen. Das Wahre entpuppt sich als Lüge, das Authentische als Kopie, die das Original scheinbar ersetzen könnte. Dabei entstehen unzählige Wiederanfänge.

Dem 3. Kapitel des ersten Buches gab Musil die kryptische Überschrift: „Auch ein Mann ohne Eigenschaften hat einen Vater mit Eigenschaften“. Im darauffolgenden Kapitel mit der Überschrift „Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch Möglichkeitssinn geben“ werden Überlegungen über die Funktion und die Benutzung des Konjunktivs sowie über den Sinn des Möglichkeitssinns, als dem Gegenentwurf zu dem Wirklichkeitssinn, geschildert. Das sind auch Überlegungen über den Sinn des gesprochenen und geschriebenen Wortes, über die ungeahnte, bzw. unbewusste Bedeutung, die die Art des Sprechens auf das Leben jeden einzelnen Menschen beinhaltet. Das Sprechen im Konjunktiv erlaubt es, Aussagen die wahr und real sind, mit denen die nicht wahr und nicht real sind, gleichzusetzen, und als gleichwertvoll zu betrachten und zu behandeln. Der Leser im Jahr 2015 lebt in einer Gesellschaft, in der Konjunktiv-Sprache allgegenwärtig ist, in den sozialen Medien, an den Schulen und Universitäten. Alles scheint gleichbedeutend, wahr und real zu sein. Und nichts stimmt wirklich. Die klaren, überdachten Aussagen über die sichtbaren Dinge und die Realität sind rar geworden.

Der politischen Korrektheit ist mit der Hilfe der Gleichmachung, des Relativierens und nicht zuletzt mit der Hilfe des Konjunktivs ein Sieg über den Wirklichkeitssinn gelungen.

Musils Erzähler nennt die Menschen ohne Wirklichkeitssinn „Narren“, die man auch „Idealisten“ nennen kann. Die Idealisten (Typus-Don Quijote?) sind in der Lage, mit ihrer Ablehnung der Wirklichkeit sich selbst, aber vor allem den anderen die Probleme zu bereiten (z. B. als sogenannte, und so geliebte, „Aktivisten“).

Musils Überlegungen beinhalten eine provokante, ironische Note und bieten dem Leser die Gelegenheit, eigene Gedanken zu analysieren und zu hinterfragen. So passiert es, dass mancher angebliche Unsinn beim zweiten Lesen doch einen (möglichen, tieferen) Sinn ergibt. So erläutert der Erzähler beispielsweise, dass tausend Mark eine Menge an Möglichkeiten enthalten, ganz gleich welcher Herr sie besitze. Und das soll auch „für eine Rose oder eine Frau“ gelten. Der Besitzer des Geldes, aber auch der Besitzer der Frau, gäbe den Möglichkeiten „einen Sinn und die Bestimmung“. Trotzdem bleibe die Summe der Möglichkeiten die gleiche. So gibt auch derjenige, der die erdachte Sache als wichtiger als die Wirkliche betrachtet, den Möglichkeiten „ihren Sinn und Bestimmung“. Die wirklichkeitsfremden Phantasmen der Idealisten und Narren preist Musil als „noch nicht geborene Wirklichkeit“. Der Mann „mit gewohntem Wirklichkeitssinn“ sei wie ein Fisch, der nur nach der Angel schnappt, und die Schnur dabei gar nicht bemerkt. Der Mann „mit einem Wirklichkeitssinn, den man auch Möglichkeitssinn nennen kann“ sei dagegen wie ein Angler, der nicht weiß (und sich dafür nicht sonderlich interessiert), ob an der Angel ein Köder sitze.

Er beschreibt den Idealisten als einen Menschen, der in einem Verbrecher nicht den Schuldigen sieht, sondern ihn in der bösen und ungerechten „Gesellschaft“ findet. Für einen Mann bedeutet es die „Eigenschaften“ zu besitzen, einen Wirklichkeitssinn zu haben, sodass der Mann ohne Eigenschaften, ein Mann mit Möglichkeitssinn und ohne Wirklichkeitssinn sei.

So werden in diesem Kapitel, das formal eine Pause in der Erzählung ist, auf gewisser Weise auch mehrere Charakteristiken (oder Eigenschaften) des Romans sichtbar. Der Leser ist gezwungen die eigenen Erfahrungen, Vor- und Nachurteile, Vorstellungen und Projektionen immer wieder infrage zu stellen. Es sind interessante, kluge, witzige und humorvolle Sätze, die auf jede Art der Besserwisserei (wie bei Goethe) und Verdunkelungen (wie bei Kafka) verzichten.

Auch immer wiederkehrende Anfänge haben mit der Möglichkeit zu tun. Denn alles was passiert hätte sich anders abspielen können. Man hätte es auch anders aufschreiben können. Die Erinnerungen kann man nicht wirklich als glaubhaft betrachten. Musil hat zahlreiche Notizen hinterlassen. Das spricht von seiner eigenen Offenheit, von der Unentschlossenheit, sich für die richtige Möglichkeit zu entscheiden.

Es scheint mir, auch wenn ich erst ein Bruchteil des Musils Megaromans gelesen habe, dass „Der Mann ohne Eigenschaften“ ein Beleg für die Walter Benjamins Definition des Romans sein könnte. Ein Roman ist für Benjamin eine Bekundung der „tiefen Ratlosigkeit des Lebens“ und der Autor ein Individuum, das deswegen schreibt, weil es sich „nicht mehr aussprechen vermag“. Dabei sei das schreibende Individuum „selbst unberaten“ und könne „keinem Rat geben“.

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2015 © by Tomo Polic

Siehe auch: Der „imaginäre Orient“ – „Orient“ als romantische Erfindung des Abendlandes

https://psychosputnik.wordpress.com/2014/08/09/der-imaginare-orient-orient-als-romantische-erfindung-des-abendlandes/

und

Politikberichterstattung als märchenhaftes Spektakel / Political coverage as a fairy-tale-like spectacle (german/english)

https://psychosputnik.wordpress.com/2014/08/03/politikberichterstattung-als-marchenhaftes-spektakel-political-coverage-as-a-fairy-tale-like-spectacle-germanenglish/

 

tomislav.polic@t-online.de

https://www.facebook.com/tomo.polic

https://soundcloud.com/dj-tomo-polic/sets/after-show-set

 

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Remember: Do X! Don´t do Y!

Protect innocent, respect life, defend art, preserve creativity!

What´s Left? Antisemitism!

http://www.jsbielicki.com/jsb-79.htm

DJ Psycho Diver Sant – too small to fail
Tonttu Korvatunturilta Kuunsilta JSB
Tip tap tip tap tipetipe tip tap heija!
http://www.psychosputnik.com
http://www.saatchionline.com/jsbielicki
https://psychosputnik.wordpress.com/

They want 1984, we want 1776

They are on the run, we are on the march!

 I think for food

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Dummheit ist, wenn jemand nicht weiß, was er wissen könnte.

Political correctness ist, wenn man aus Feigheit lügt, um Dumme nicht zu verärgern, die die Wahrheit nicht hören wollen.

“Im Streit um moralische Probleme, ist der Relativismus die erste Zuflucht der Schurken.“ Roger Scruton

Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt.

Islam ist weniger eine Religion und mehr eine totalitäre Gesellschaftsordnung, eine Ideologie, die absoluten Gehorsam verlangt und keinen Widerspruch, keinerlei Kritik duldet und das Denken und Erkenntnis verbietet. Der wahre Islam ist ganz anders, wer ihn findet wird eine hohe Belohnung erhalten.

Wahnsinn bedeute, immer wieder das gleiche zu tun, aber dabei stets ein anderes Resultat zu erwarten.

Gutmenschen sind Menschen, die gut erscheinen wollen, die gewissenlos das Gewissen anderer Menschen zu eigenen Zwecken mit Hilfe selbst inszenierter Empörungen instrumentalisieren.

Irritationen verhelfen zu weiteren Erkenntnissen, Selbstzufriedenheit führt zur Verblödung,

Wenn ein Affe denkt, „ich bin ein Affe“, dann ist es bereits ein Mensch.

Ein Mensch mit Wurzeln soll zur Pediküre gehen.

Wenn jemand etwas zu sagen hat, der kann es immer sehr einfach sagen. Wenn jemand nichts zu sagen hat, der sagt es dann sehr kompliziert.

Sucht ist, wenn jemand etwas macht, was er machen will und sucht jemand, der es macht, daß er es nicht macht und es nicht machen will.

Sollen die Klugen immer nachgeben, dann wird die Welt von Dummen regiert. Zu viel „Klugheit“ macht dumm.

Wenn man nur das Schlechte bekämpft, um das Leben zu schützen, bringt man gar nichts Gutes hervor und ein solches Leben ist dann nicht mehr lebenswert und braucht nicht beschützt zu werden, denn es ist dann durch ein solches totales Beschützen sowieso schon tot. Man kann so viel Geld für Versicherungen ausgeben, daß man gar nichts mehr zum Versichern hat. Mit Sicherheit ist es eben so.

Zufriedene Sklaven sind die schlimmsten Feinde der Freiheit.

Kreativität ist eine Intelligenz, die Spaß hat.

Wen die Arbeit krank macht, der soll kündigen!

Wenn Deutsche über Moral reden, meinen sie das Geld.

Ein Mensch ohne Erkenntnis ist dann  lediglich ein ängstlicher, aggressiver, unglücklicher Affe.

Denken ist immer grenzüberschreitend.

Der Mob, der sich das Volk nennt, diskutiert nicht, sondern diffamiert.

Legal ist nicht immer legitim.

Wer nicht verzichten kann, lebt unglücklich.

Sogenannte Sozial-, Kultur-, Geisteswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Psychotherapie, Psychoanalyse, sind keine Wissenschaften mehr, sondern immanent religiöse Kultpropheten, organisiert wie Sekten.

Ohne eine starke Opposition atrophiert jede scheinbare Demokratie zur Tyrannei, und ebenso eine Wissenschaft, zur Gesinnung einer Sekte.

Man kann alles nur aus gewisser Distanz erkennen, wer sich ereifert, empört, wer mit seiner Nase an etwas klebt, der hat die Perspektive verloren, der erkennt nichts mehr, der hat nur noch seine Phantasie von der Welt im Kopf. So entsteht Paranoia, die sich Religion, und Religion als Politik, sogar als Wissenschaft nennt.

Islamisten sind eine Gefahr, deswegen werden sie als solche nicht gesehen. Juden sind keine Gefahr, deswegen werden sie als solche gesehen. So funktioniert die Wahrnehmung von  Feiglingen.

Humorlose Menschen könner nur fürchten oder hassen und werden Mönche oder Terroristen.

Menschen sind nicht gleich, jeder einzelne Mensch ist ein Unikat.

Erkenntnis gilt für alle, auch für Muslime, Albaner, Frauen und Homosexuelle.

Islam gehört zu Deutschland, Judentum gehört zu Israel.

Der Konsensterror (Totalitarismus) ist in Deutschland allgegenwärtig.

Es wird nicht mehr diskutiert, sondern nur noch diffamiert.

Es ist eine Kultur des Mobs. Wie es bereits gewesen ist.

Harmonie ist nur, wenn man nicht kommuniziert.

Man soll niemals mit jemand ins Bett gehen, der mehr Probleme hat, als man selbst.

>>Evelyn Waugh, sicherlich der witzigste Erzähler des vergangenen Jahrhunderts, im Zweiten Weltkrieg, herauskommend aus einem Bunker während einer deutschen Bombardierung Jugoslawiens, blickte zum Himmel, von dem es feindliche Bomben regnete und bemerkte: “Wie alles Deutsche, stark übertrieben.“<< Joseph Epstein

Man muß Mut haben, um witzig zu sein.

Dumm und blöd geht meistens zusammen.

Charlie Hebdo: solche Morde an Juden sind euch egal, mal sehen wie”angemessen”  ihr reagiert, wenn (wenn, nicht falls) eure Städte von Islamisten mit Kasam-Raketen beschossen werden.

Christopher Hitchens großartig: „In einer freien Gesellschaft hat niemand das Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Je mehr sich jemand narzisstisch aufbläht, desto mehr fühlt er sich beleidigt und provoziert.

“Das Problem mit der Welt ist, daß die Dummen felsenfest überzeugt sind und die Klugen voller Zweifel.” – Bertrand Russel

Das Problem mit den Islamisten in Europa soll man genauso lösen, wie es Europa für den Nahen Osten verlangt: jeweils eine Zweistaatenlösung, die Hälfte für Muslime, die andere Hälfte für Nicht-Muslime, mit einer gemeinsamen Hauptstadt.

Was darf Satire? Alles! Nur nicht vom Dummkopf verstanden werden, weil es dann keine Satire war.

Islamimus ist Islam, der Gewalt predigt.

Islam ist eine Religion der Liebe,und wer es anzweifelt, ist tot.

Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke. Der Islam ist die friedliche Religion der Liebe George Orwell 2015

Islam ist verantwortlich für gar nichts, Juden sind schuld an allem.

Islamisten sind Satanisten. Islamismus ist eine Religion von Idioten.

Leute fühlen sich immer furchtbar beleidigt, wenn man ihre Lügen nicht glaubt.

Jeder ist selbst verantwortlich für seine Gefühle.

Die Psychoanalyse geht niemanden außer den Psychoanalytiker und seinen Patienten etwas an, und alle anderen sollen sich verpissen.

“Zeit ist das Echo einer Axt
im Wald.
Philip Larkin, Gesammelte Gedichte

Wenn jemand wie Islamisten sein Ego endlos aufbläht, dann verletzt er seine eigenen Gefühle schon morgens beim Scheißen.

„Die sieben Todsünden der modernen Gesellschaft: Reichtum ohne Arbeit Genuß ohne Gewissen Wissen ohne Charakter Geschäft ohne Moral Wissenschaft ohne Menschlichkeit Religion ohne Opfer Politik ohne Prinzipien.“
―Mahatma Gandhi

„Wo man nur die Wahl hat zwischen Feigheit und Gewalt, würde ich zur Gewalt raten.“
―Mahatma Gandhi

Warum zeigt sich Allah nicht? Weil er mit solchen Arschlöchern nichts zu tun haben will.

„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus’. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus’.”  – Ignazio Silone

Politische Korrektheit verlangt eine Sprache für ein Poesiealbum.
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Stupidity is demonstrated by people lacking the knowledge they could achieve

Political correctness can be defined as the telling of a lie out of the cowardice in an attempt to avoid upsetting fools not willing to face up to the truth

“In arguments about moral problems, relativism is the first refuge of the scoundrel.” Roger Scruton

Antisemitism is when one blames the Jews or Israel for issues, he does not blame others

Islam is less a religion and more a totalitarian society, an ideology that demands absolute obedience and tolerates no dissent, no criticism, and prohibits the thinking, knowledge and recognition. True Islam is totally different, the one who will find it will receive a very high reward.

Craziness is, when one always does the same but expects a different outcome

If a monkey thinks “I am a monkey”, then it is already a human

A man with roots should go for a pedicure

Self smugness leads to idiocy, being pissed off leads to enlightenment

If someone has something to say, he can tell it always very easily. If someone has nothing to say, he says it in a very complicated way

Addiction is, when somebody does something he wants to do, yet seeks someone who can make it so he won’t do it and doesn’t want to, either.

If the clever people always gave in, the world would be reigned by idiots. Too much “cleverness” makes you stupid.

If one only fights evil to protect life, one produces nothing good at all and such a life then becomes no longer worth living and thus requires no protection, for it is already unlived due to such a total protection. One can spend so much money on insurance, that one has nothing left to insure. Safety works in the same way.

Happy slaves are the worst enemies of freedom.

Creativity is an intelligence having fun.

If working makes you sick, fuck off, leave the work!

If Germans talk about morality, they mean money.

A man without an insight is just an anxious, aggressive, unhappy monkey.

Thinking is always trespassing.

The mob, who calls himself the people, does not discuss, just defames.

Legal is not always legitimate.

Who can not do without, lives unhappy.

So called social, culture sciences, sociology, psychology psychotherapy, psychoanalysis, are not anymore scientific, but immanent religious cult-prophets, organized as sects.

Without a strong opposition any apparent democracy atrophies to a tyranny, and as well a science , to an attitude of a religious sect.

You can recognize everything from a certain distance only, who is zealous, outraged, who sticks his nose in something, this one has lost the perspective, he recognizes anything more, he has only his imagination of the world in his head. This creates paranoia, which is called religion, and a religion as politics, even as a science.

Islamists are a real danger, therefore they will not be seen as such. Jews are not a danger, therefore they are seen as such. It is how the perception by cowards functions.

People without a sense of humor are able only to fear or to hate and become monks or terrorists.

People are not equal, each single person is unique.

Insight applies to everyone, including Muslims, Albanians, women and homosexuals.

Islam belongs to Germany, Judaism belongs to Israel.

The totalitarian Terror of consensus is ubiquitous in Germany.
There are no discussions anymore, but defamations only.
It is a culture of the mob. As it has already been.
Harmony is only if you do not communicate.

One should never go to bed with someone who has more problems than you already have.

>>Evelyn Waugh, surely the wittiest novelist of the past century, in World War II, coming out of a bunker during a German bombing of Yugoslavia, looked up at the sky raining enemy bombs and remarked, “Like everything German, vastly overdone.”<< Joseph Epstein

One has to be brave, to have a wit.

Stupid and dull belong mostly together.

Charlie Hebdo: you don´t care if such murders are comitted to Jews, we will see how “adequate” you will react when (when, not if), Islamists will begin to bombard your cities with Kasam missiles.

Christopher Hitchens: In a free society, no one has the right not to be offended.

The more someone narcissistic inflates , the more he feels insulted and provoked.

“The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt.” – Bertrand Russell

 The problem with the Islamists in Europe should be solved exactly as Europe requires to the Middle East: a two-state solution, a half for muslims and the another half for not-muslims , with a common capital.

What may satire? Everything! Except be understood by the fool, because then it was not a satire.

Islamimus is Islam preaching violence.

Islam is a religion of love, and he who doubts is dead.

War is peace. Freedom is slavery. Ignorance is strength. Islam is a peaceful religion of love – George Orwell 2015

Islam is not responsible for anything, Jews are guilty of everything.

Islamists are satanists. Islamism is a religion of idiots.

People feel always terrible offended if you do not believe their lies.
Everyone is responsible for his feelings.
Psychoanalysis is nobody’s business except the psychoanalyst and his patient, and everybody else can fuck off.
“Time is the echo of an axe
Within a wood.”
― Philip Larkin, Collected Poems

If someone inflates endless his ego, as Islamists do, then he hurts his own feelings already in his morning own shit.

The seven deadly sins of modern society. Wealth without work pleasure without conscience, knowledge without character business without morality Science without humanity, worship without sacrifice Politics without principles
-Mahatma Gandhi

“Where there is only a choice between cowardice and violence, I would advise violence.”
-Mahatma Gandhi

 Why Allah does not shows himself? Because he does not want  to do anything with such assholes.
When fascism returns, he will not say, ‘I am the fascism‘. No, he will say, ‘I am the anti-fascism Ignazio Silone.
Political correctness requires a language for a poetry album.

Der Film „Im Labyrinth des Schweigens“ – Trailer, Rezension und Texte zum Film

Trailer zum Film „Im Labyrinth des Schweigens“

 

Loriot über die „Reichskristallnacht“

 

ZDF-History_ Mörder unter uns – Fritz Bauers einsamer Kampf (Dokumentation)

 

Ich hab‘ nur meine Pflicht getan

 

Deportation (Verschleppung) von Juden nach Auschwitz – (Dokumentation)

 

Auschwitz – Bilder aus der Hölle – (Dokumentation)

 

Reichsführer-SS Heinrich Himmler am 4. Oktober 1943 bei der SS-Gruppenführertagung in Poznán, Polen zur Judenausrottung (Auszug)

 

Reichsführer-SS Heinrich Himmler am 4. Oktober 1943 bei der SS-Gruppenführertagung in Poznán, Polen zur Judenausrottung (die ganze Rede)

 

Die neuen Nazis

Adolf Eichmann ,Begegnung mit einem Mörder , spannende Doku 1/6 SS Obersturmbahnführer

Klaus Barbie

 

Die Wannseekonferenz

 

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Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt

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In Kinos läuft seit kurzer Zeit ein hervorragender Film des Italieners Giulio RicciarelliIm Labyrinth des Schweigens“ zum Thema der Auschwitzprozesse geführt vom Staatsanwalt Fritz Bauer in Frankfurt am Main in sechziger Jahren.

 

Hier einige Texte zum Film und dessen Thema:

 

1)    Christiane Linke: eine Rezension des Films

2)    Henryk Broder: „Antisemitismus der Deutschen – gestern“[i]

3)    Maxim Biller: „Antisemitismus der Deutschen – heute“[ii]

4)    Julian S. Bielicki: Antisemitismus in deutscher Psychoanalyse

 

 

 

Rezension des Films „Im Labyrinth des Schweigens“

Von Christiane Linke

 

„War es denn nicht ein Schutzhaftlager?“

“Haben Sie schon mal von Ausschwitz gehört?“ Auf die Frage des Redakteurs weicht man aus. Deutschland in den 50-igern. Gemeinsames Verdrängen. Die Wunde müsse langsam heilen. Wessen Wunde?

Der jüdische Freund des Redakteurs erkennt bei einem Spaziergang zufällig einen Wachmann aus dem berüchtigten KZ Auschwitz wieder. Dieser arbeitet mittlerweile unbehelligt im Schuldienst. Normaler Alltag in jener Zeit. Der Redakteur konfrontiert die Staatsanwaltschaft mit dem Sachverhalt und ein junger begeisterungsfähiger Staatsanwalt verfolgt die Geschichte. Im Hintergrund agiert Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der ihm schließlich die Verantwortung für die Untersuchung überträgt. „Bringen Sie mir Zeugen und Beweise.“ Der junge Johann Radmann erfährt erst später, daß Bauer Jude ist und ebenfalls im KZ war.

Bauer prägte als Ankläger später den Satz: Ein Unrechtsstaat, der täglich Zehntausende Morde begeht, berechtigt jedermann zur Notwehr. Die Widerstandskämpfer vom 20. Juli 1944 wurden rehabilitiert und ihr Versuch, Hitler zu töten, legitimiert (Quelle: Wikipedia). Bauer, der kein Vertrauen in die deutsche Justiz hatte, arbeitete mit dem Geheimdienst Mossad zusammen, um die Ergreifung Eichmanns zu erwirken.

Der junge Staatsanwalt findet durch Zufall bei dem jüdischen Freund des Redakteurs eine Liste mit Namen von KZ-Wärtern und beginnt in den Archiven der Alliierten zu recherchieren. Die beeindruckende Einstellung zeigt einen Keller mit unzähligen Regalreihen und zehntausenden von Akten. Die ersten Befragungen ehemaliger Insassen bringen die Greuel ans Licht und den jungen Staatsanwalt an den Rand der Belastbarkeit. Er bittet das BKA um Mithilfe bei der Festnahme der Täter. Eine Szene, die beispielhaft ist. Der Kriminalbeamte nimmt die Liste mit den Namen und beginnt sie sorgfältig zu einem kleinen Paket zu falten, dann schiebt er es unter das eine Tischbein und prüft, ob der Tisch wackelt. Er lächelt Radmann an: „Wir werden uns darum kümmern.“

Eichmann wird schließlich von Mossad-Agenten in Argentinien gefaßt, Mengele taucht unter und stirbt später unbehelligt bei einem Badeunfall.

„Über so etwas Grausames kann man keinen schönen Film machen.“ Stimmt, der Film zeigt ästhetische Bilder, ist gut gemeint und bleibt doch gut verdaulich an Oberfläche. Vielleicht hätten schon ein wenig Sepia-Filter und weniger schöne, blonde Schauspieler das Grauen etwas ehrlicher gemacht. Man wollte aufrütteln und hat verklärt. Man habe es doch gut gemeint und wollte die Menschheit retten. Das gilt auch für den Film. Ich mußte während der Vorstellung oft an Primo Levis Buch „Ist das ein Mensch“ denken, das eine authentische, aber vor allem vielschichtige Vorlage gegeben hätte: „Ein Erlebnisbericht mit Textstellen, die das Leben im Lager überwiegend analytisch beschreiben… Ferner wird explizit auf die Veränderung der Häftlinge nach der Internierung hingewiesen: Durch den Kampf ums Überleben müssen einige grundlegende ethische Grundsätze vorübergehend ausgeschaltet werden… Die Gefangenen bilden eine linguistisch bunte Gesellschaft; neben den einzelnen Sprachen der Häftlinge hat sich auch ein wichtiger Lagerjargon herausgebildet, der als interkulturelles Kommunikationsmittel dient und dessen Wörter das Leben im Lager bildhaft beschreiben.“ (Quelle: Wikipedia)

 

2014 © Christiane Linke

 

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„Ihr bleibt die Kinder Eurer Eltern“. „Euer Jude von heute ist der Staat Israel“: Die neue deutsche  linke und der alltägliche Antisemitismus.

Von Henryk M. Broder

DIE ZEIT Ausgabe: 10/1981 27. Februar 1981

 

Meine mehr oder weniger lieben linken Freunde! Ich schreibe Euch diesen Brief,

weil ich keine Lust mehr habe, mit Euch zu reden. Ich will jetzt nur noch ein paar Dinge aussprechen und festhalten. Dadurch wird nichts besser, aber es wird einiges klarer. Und nur noch darauf kommt es mir an.

Vor ein paar Wochen war ich In einer sogenannten alternativen Kneipe. An den Wänden Plakate über Chile, El Salvador, Iran, ein Solidaritätsaufruf für die inhaftierten Genossen von der IRA, auf dem Klo in die Wand geritzte Sprüche, darunter auch diesen „Wir sind diejenigen, vor denen uns unsere Eltern gewarnt haben!“ – Toll, dachte ich, die sind noch auf die Irrtümer ihrer Alten stolz.

Ihr bildet Euch viel darauf ein, ganz anders als Eure Eltern zu sein. Ihr habt, so scheint es, etwas geschafft, was vor Euch noch keiner Generation gelungen ist: Ihr wollt mit dem Stamm, von dem Ihr gefallen seid, nichts zu tun haben.

Vor ein paar Tagen habe ich in der TAZ ein Interview mit ein paar Punks der fortschrittlichen Art gelesen. Auf die Frage: „Was habt ihr für einen Begriff vom Faschismus?“ antwortete einer der etwa 20 Jahre alten Jugendlichen! „Ich hab’ keinen Juden ins KZ gesteckt, ich hab’ auch keinen Polen erschossen, ich hab’ da echt nichts mit zu tun, das war mein Vater oder mein Großvater. Ich mach’ auch meine Großmutter oder meine Vorfahren nicht für den Dreißigjährigen Krieg verantwortlich…“ Ein anderer Punk schlug daraufhin die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart: „Früher haben se Juden vergast, heute werden die Leute in Stammheim abgeknallt.“

So platt und so dumm klingt es nicht aus jedem alternativen Mund. Aber diese beiden Sätze stecken genau den Rahmen ab, in dem sich auch Euer historisches Bewußtsein entfaltet: Mit Eurer Geschichte habt Ihr „echt nichts mit zu tun“, und was Eure Eltern mit den Juden angestellt haben, kommt Euch allenfalls dann in den Sinn, wenn Ihr darüber klagt, wie schlecht einige Gruppen in der Gesellschaft heute behandelt werden. Dann sind die Frauen oder die Studenten oder die Schwulen „die Juden von heute“; die Schamlosigkeit solcher Vergleiche fällt Euch ebensowenig auf wie die Tatsache, daß Ihr Euch mit solchen Konstruktionen in die unmittelbare Nachbarschaft von Strauß, Stoiber und Kohl bringt, die es passend finden, die Anti-Strauß-Kampagne mit der Hetze des Stürmer gegen die Juden gleichzusetzen. Auch Ihr mißbraucht Millionen von Toten für Eure tagespolitischen Geschäfte, auch Euch sind alle Maßstäbe abhanden gekommen, so Ihr überhaupt jemals welche gehabt habt.

Ich könnte Euch ein paar mildernde Umstände zugute halten: Eure Eltern haben Euch allein gelassen, das wenige, was Ihr über Eure Geschichte wißt, habt Ihr zufällig aufgeschnappt. Ihr könnt Euch von Vater und Mutter so viel distanzieren, wie Ihr wollt, und so abfällig über Eure Erzeuger sprechen, wie Ihr nur könnt – Ihr bleibt dennoch die Kinder Eurer Eltern. Nur in Eurem bewußten Verhalten, also dem Bereich, den Ihr kontrollieren könnt, habt Ihr Euch von Euren Eltern abgesetzt, je demonstrativer desto verkrampfter.

Was ich Euch zum Vorwurf mache, ist, daß Ihr den Zusammenhang von Ursache und Wirkung nicht erkennen wollt, wenn es um Euch selbst geht und daß Ihr so tut, als wäret Ihr die neuen Menschen: Unbelastet von dem Geruch der Küchen, aus denen Ihr kommt, hineingeboren in ein Vakuum, das erst mit Eurem Auftreten anfing, sich zu füllen. Daß Ihr aber in Euren Wiegen mehr aufgenommen habt als nur das Geräusch der Kinderrassel, daß Ihr nicht nur mit Milchbrei gefüttert worden seid, sondern auch mit den Vorurteilen und Vorlieben Eurer Mütter und Väter, mit deren Art zu denken und zu fühlen – dies ist ein Gedanke, von dem Ihr bis heute verschont geblieben seid.

Das „pathologisch gute Gewissen“ Eurer Eltern, die nichts gewußt und allenfalls mitgemacht haben, um Schlimmeres zu verhüten, dieses pathologisch gute Gewissen ist auch Euer politisches Startkapital: Auschwitz im Rücken, aber weder im Kopf noch im Herzen, erlaubt Ihr Euch heute Debatten darüber, ob die Vietnam-Flüchtlinge „richtige“ oder nur „Wirtschaftsflüchtlinge“ sind, die sich nicht am Aufbau des Sozialismus beteiligen wollen, und Ihr zählt die Dollarnoten und Goldbarren, die diese Menschen mitbringen, falls sie das Glück haben, die Flucht zu überleben. Solche Debatten hat’s hier schon mal gegeben, als es darum ging, ob man die reichen Juden gegen eine „Gebühr“ ausreisen läßt oder sie gleich umbringt.

Ihr habt den Rassismus Eurer Eltern geerbt und auf Eure speziellen Bedürfnisse hin zurechtgebogen. Nicht das „Was“ hat sich geändert, lediglich das „Wie“. Die Art, wie Ihr Euch mit der Dritten Welt beschäftigt, wie Ihr gute und schlechte Befreiungsbewegungen unterscheidet je nachdem, ob diese Befreiungsbewegungen Euren revolutionären Ansprüchen genügen; die Bereitschaft, Grausamkeiten zu verschleiern oder sogar propagandistisch zu fördern, wenn sie nur von Euren ideologischen Verbündeten an den richtigen Gegnern begangen werden, weist Euch als begabte Nachfahren jener aus, die in China die Boxeraufstände niedermachten und in Südafrika die Hereros liquidierten. Ihr macht Euch freilich die Finger selbst nicht mehr schmutzig, ihr treibt’ s vom alternativen Schreibtisch aus und an der revolutionären Theke.

Ich will mich hier nur mit einem Punkt Eures rassistischen Reservoirs beschäftigen, der mich speziell betrifft: Eurem Antisemitismus. Daß ein Linker, sozusagen von Natur aus, kein Antisemit sein kann, weil dies die Domäne der Rechten sei, das ist eine ebenso beliebte wie verlogene Ausrede, an die Ihr Euch klammert, die Generalabsolution, die Ihr Euch selbst erteilt, ein weiterer Beweis für die Dürftigkeit Eures historischen Wissens. Ich wette: mit den Namen Slansky und Rajk könnt Ihr nix anfangen und die Ärzteprozesse 1953 (Stalins antisemitische Kampagne kurz vor seinem Tod im März 1953, d. Red.) haltet Ihr wahrscheinlich für eine Fortsetzungsserie über den Konflikt zwischen Hackethal und der Schulmedizin.

Wieso kann ein Linker eigentlich kein Antisemit sein? Sind Linke denn per se die besseren Menschen? Verprügeln Linke nicht auch ihre Frauen und diskriminieren Schwule? Euer Rassismus fängt schon bei der Überschätzung Eurer eigenen Moral an. Sicher, Ihr schmiert keine Hakenkreuze an die Mauern und von jeder „Juda verrecke!“-Parole könnt Ihr Euch leicht distanzieren. So primitiv seid Ihr nicht – auch den Mitarbeitern der Zeitschrift Das Reith waren die Pöbeleien des Stürmer peinlich. Euer Antisemitismus ist von subtilerer Art, durch Euer Bewußtsein veredelt und Eurem politischen Umfeld angepaßt Ich will Euch an ein paar konkreten Beispielen erklären, was ich meine.

Vor rund zwei Jahren, Ende 1978, veranstaltete die Westberliner „Galerie 70“ eine Ausstellung zum Thema Neonazismus. Während der mehrwöchigen Ausstellung fanden in der Galerie regelmäßig Diskussionen statt. Bei einer dieser Diskussionen war ich dabei, es ging um neonazistische Vorfälle an Westberliner Schulen. Etwa 150 Lehrer, die meisten von ihnen in der GEW organisiert, berichteten über ihre Erfahrungen mit rechtsextremen Schülern und bemühten sich um eine „Einschätzung“ des faschistischen Potentials unter Jugendlichen. Im Laufe dieser Diskussion sprach eine junge Lehrerin – sie war vielleicht 30 Jahre alt – diese Sätze: „Die Jugendlichen wehren sich auch dagegen, daß sie falsch informiert werden. Es ist doch so gewesen, daß die KZs in erster Linie Arbeitslager waren, wo Rüstungsgüter billig hergestellt wurden und erst gegen Ende des Krieges, als die Niederlage absehbar war, fingen die Nazis mit der Vernichtung der Juden an. Heute wird der Holocaust als zionistische Propaganda benutzt, um die Existenz des Staates Israel zu rechtfertigen.“

Mir blieb einen Moment lang die Luft weg, das hörte sich an, wie aus der Nationalzeitung vorgelesen. Ich schaute mir die Lehrerin an, eine junge Frau mit hennaroten Haaren, dezent alternativ gekleidet, und dachte: „Die muß jetzt gleich noch was sagen, so kann sie das doch nicht gemeint haben…“ Aber sie hatte es genauso gesagt, wie sie es gemeint hatte. Und das tollste war: Niemand widersprach ihr! Keiner der rund 150 Lehrer stand auf und sagte: „Mädchen, entweder du redest Unsinn oder du willst uns hier auf die Probe stellen, aber auf so was fallen wir nicht rein …“ Nichts passierte, es wurde weiter über rechtsextreme und faschistische Haltungen bei den Schülern gesprochen. Ich verließ die Galerie mit der sicheren Überzeugung im Kopf und im Bauch: Wenn dies die Garanten einer antifaschistischen Erziehung sind, dann braucht die Wiking-Jugend von sich aus nichts zu tun, diese Pauker sind ihre besten Helfershelfer.

Im Sommer 1980 nahm ich an einer Diskussion beim Hamburger Literaturtubel teil. Auf ein nicht besonders wichtiges Statement. von mir meldete sich ein junger Mann zu Wort, sagte, er wäre vollkommen meiner Meinung, er kenne auch meine Arbeiten, hätte da aber ein Problem mit mir: Als Verbündeten im antifaschistischen Kampf schätze er mich sehr, nur als Zionisten könnte er mich nicht akzeptieren, mit meiner Einstellung zum Staat Israel sei er überhaupt nicht einverstanden. Ich sagte nichts. Ich hätte keine Lust, diesen Jungen auch nur zu fragen, wie denn ein Jude sein müsse, damit er ihn heute akzeptieren könne. Dieser Antifaschist tat genau dasselbe, was schon seine Eltern getan hatten: Er bestimmte, wie er sich den Juden wünschte, um mit ihm etwas anfangen, um ihn für seine Zwecke instrumentalisieren zu können. In diesem Moment beschloß ich, den antifaschistischen Kampf jenen zu überlassen, die ihn am meisten nötig haben.

Ich habe, wie Ihr vielleicht wißt, ziemlich lange über ein Thema gearbeitet, das Euch besser angestanden hätte: den Neonazismus. Ich habe seit über zwei Jahren kein Wort und keine Zeile mehr darüber verloren, weil ich gemerkt habe, daß diese Auseinandersetzung mehr verschleiert als enthüllt. Von Hakenkreuzschmierern und Adolf-Hitler-Fans, die noch jeden 20. April feiern, kann sich in diesem Lande jeder guten Gewissens absetzen, Franz Josef Strauß ebenso wie Ihr. Die Empörung über solche fossilen Äußerungen des Nazi-Geistes schafft Luft und verstellt zugleich die Optik auf das faschistische „alter ego“ in Herrn und Frau Jedermann, auch in Euch. Ein Hakenkreuz an einer Hausmauer, eine SS-Rune an einer Bushaltestelle, ein „Juden raus!“ an einem jüdischen Geschäft sind Anachronismen, geradezu nostalgisch anmutende Formen des Ressentiments. Ihr hingegen seid ganz auf der Höhe der Zeit. Gerhard Zwerenz zum Beispiel schreibt ein Stück ausgerechnet über einen jüdischen Haus- und Grundbesitzer, weil es in diesem Land bekanntlich an arischen Vertretern dieser Gattung mangelt; im Frankfurter Häuserkampf hat die Tatsache, daß es gegen jüdische Spekulanten ging, eine maßgebliche Rolle gespielt. Ist alles schon mal dagewesen: Als die großen Warenhäuser noch im jüdischen Besitz waren, ging die Parole von der „Warenhausseuche“ um, auf Flugblättern, in denen zu „Volks-Versammlungen“ geladen wurde, hieß es: „Es kam der Jude und setzte dem deutschen Kaufmann die Warenhäuser vor die Nase, er vernichtete ihm mit der marktschreierischsten Reklame die Existenz, er nahm dem Handwerker das Brot, er zog jedem Gewerbetreibenden den Hals zu…“ Als dann die Warenhäuser arisiert wurden, regte sich niemand mehr darüber auf, daß sie die Existenz der kleinen Geschäfte genauso gefährdeten wie vorher unter ihren jüdischen Besitzern. Ein Glück, daß der Verfall von Kreuzberg nicht auf das Konto von Juden geht, nicht auszudenken, wie Euch das beflügeln Hielten sich Eure Eltern noch an die Devise „Die Juden sind unser Unglück!“ (beziehungsweise „Die Juden sind an allem schuld!“), so habt Ihr, mangels vorhandener jüdischer Masse, diesen Grundsatz ein wenig abgewandelt. Bei Euch heißt es nur noch: „Das Jüdische ist schuld!“ Im Oktober 1979 veröffentlichte ich in konkret eine Geschichte („Ich bin ein. Chauvi“), in der ich meine Vorliebe für vollbusige Frauen erklärte: „Jeder Busen ist eine Provokation, jeder Hintern eine Herausforderung.“

„Ich bin ein Chauvi“ war einerseits durchaus ernstgemeint, andererseits aber auch eine ironische Provokation gegenüber den immer mehr sich ausbreitenden „Softis“, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind, ihr Rollenverhalten zu hinterfragen, und die ihre Solidarität mit der Frauenbewegung dadurch demonstrieren, daß sie sich zum Pinkeln hinhocken. Man tut in Deutschland gut daran, zu jeder Satire gleich eine Ausführungsbestimmung mitzuliefern, andernfalls man einen Aufstand der Studienräte riskiert, der leibhaftigen und auch der verhinderten. In diesem Fall liefen nicht nur einige Dutzend konkret-Leserinnen und vor allem Leser brieflich Amok (ich hatte auf keine meiner „politischen“ Geschichten jemals ein so massives Echo), es erhob auch ein linker Linienrichter seine Stimme, um mir mein Bewußtseinsdefizit um die Ohren zu schlagen.

Hermann P. Piwitt versicherte einen Monat nach mir in konkret auch er habe „nichts gegen Arsch und litten, wen macht das nicht verrückt?“, geißelte aber „typisch männliche“ Züge an mir: „Der Hochmut und die Verachtung für den Sexualpartner, an dem nur das Fleisch interessiert“. Piwitt nannte mich in einem Satz mit dem Dichter Bukowski („… ein ziemlicher Dreckhaufen“), was mir geschmeichelt hätte, wenn er nicht als dritte Horrorgestalt nach Broder und Bukowski auch den Frauenmörder Honka aufgereiht hätte. En passant ging Piwitt auch auf die Frage ein, von welcher „Weltanschauung Broder verhunzt worden ist“ und kam ganz schnell auf „eine sprichwörtlich patriarchalische, nämlich jüdische Erziehung…“

Es wäre müßig, Piwitt faktisch zu korrigieren und ihn darauf hinzuweisen, daß die jüdische Erziehung, in der er die Ursache für mein Chauvi-Sein sieht, mitnichten „sprichwörtlich patriarchalisch“, sondern viel mehr von der Mutter bestimmt ist und der Vater in der jüdischen Familie die Gebete zelebriert, aber sonst wenig zu sagen hat; weswegen auch jeder jüdische Junge, der etwas auf seine Erziehung hält, ein Leben lang mit dem Ödipus- Komplex herumläuft. Auf eine solche Auffüllung der Piwittschen Wissenslücken kommt es nicht an; Piwitt ging es nicht darum, etwas über die jüdische Erziehung zu sagen, sondern darum, für ein Verhalten von mir, das ihm nicht paßt, das Charakteristikum „jüdisch“ verantwortlich zu machen, koste es, was es solle.

Das antisemitische Syndrom ist von seinem Gegenstand vollkommen unabhängig. Nicht das Verhalten des Juden zählt, sondern das Bedürfnis des Antisemiten, das, was ein Jude tut, negativ zu besetzen. Weswegen ein Antisemit immer etwas findet, wo er sich einhaken kann. Ein besonders tolles Ding in dieser Beziehung hat sich vor Jahren Klaus Rainer Röhl geleistet. In einer Glosse über Henry Kissinger schrieb er, Kissingers hervorragende körperliche Verfassung sei zurückzuführen auf „jahrtausendealte gesunde koschere Ernährung“, speziell „Knoblauch“. Röhl, der Schmock von der Elbchaussee, hat keine Ahnung, daß Knoblauch mit koscherer Ernährung nicht zu tun hat, aber wo von einem Juden die Rede ist, da reagiert der Antisemit wie ein Pawlowscher Hund auf die Glocke, und Knoblauchduft (oder besser: Gestank) steigt in seine arisch gradlinige Nase. Ich halte solche Reaktionen deswegen für so aussagestark, weil sie vegetativ ablaufen; das Es triumphiert über das Ich, da kann auch der aufgeklärteste Intellektuelle mit seinem Bewußtsein nix anfangen. Er stolpert in eine Falle, die er sich selbst gestellt hat und die er dennoch nicht sieht.

Emma, die Zeitschrift von Frauen für Frauen, brachte zum Papstbesuch in der Bundesrepublik einen Offenen Brief an den reisenden Stellvertreter. Darin ging es um die Sünden der katholischen Kirche an den Frauen. Und mitten in diesem Offenen Brief, völlig unvermittelt, heißt es auf einmal: „Wenn man eines aus dem Talmud lernen kann als Christ, dann doch dieses Dankgebet: ‚…gepriesen sei, der mich nicht zur Frau machte!“ Unbewußter Etikettenschwindel Dieser Einschub folgt derselben Logik bzw. Unlogik wie die Piwittsche „jüdische Erziehung“ oder die Römische „koschere Ernährung“. Das Zitat steht nicht im Talmud, sondern stammt aus einem Morgengebet, für jüdische Männer. Daß eine Quelle nicht stimmt, kann schon mal passieren. Aber wie kommt die Verfasserin ausgerechnet auf den Talmud? Der Talmud spielt seit jeher in der antisemitischen Propaganda eine zentrale Rolle. Er ist, aus der Sicht der Judenhasser, sozusagen das Hauptbuch der jüdischen Gemeinheiten. Würde man all das zusammenstellen, was angeblich im Talmud steht, käme dabei ein Werk vom mehrfachen Umfang der Encyclopaedia Britannica heraus. Die Autorin des Papst-Briefes wird irgendwann mal irgendwas Negatives über den Talmud mitgekriegt haben und assoziiert ihn nun mit jüdischer Misogynie. Als gäbe es in der katholischen Kirche nicht genug Beispiele für die Diskriminierung der Frau, von der Hexenverfolgung bis zum Marienkult, muß sie auf ein jüdisches Exempel zurückgreifen. Und dazu eins, das die Beweislast nicht mal trägt.

Ich möchte jetzt nur noch wissen, wie nichtjüdische Männer an ihren Chauvinismus und ihre Frauenverachtung kommen, wo sie weder eine patriarchalische jüdische Erziehung genossen haben, noch jeden Tag dem Herrgott dafür danken, daß er sie nicht zur Frau gemacht hat.

Nun macht Ihr die Juden nicht nur für alles Mögliche und Unmögliche verantwortlich, Ihr könnt einfach nicht von den Juden lassen. Daß Aufklärung, Arbeiterbewegung und Assimilation Auschwitz nicht verhindert haben, macht Euch nicht stutzig. Und daß Ihr Euch heute wieder mit uns beschäftigen müßt, liegt natürlich an den Juden und nicht an Euch. Ihr merkt nicht einmal, daß Ihr wie ein in Schlamm und Geröll steckengebliebener Zug an genau der Stelle weitermacht, an der Eure Eltern aufhören mußten mit ihrem gescheiterten Versuch, das Weltjudentum aus der Welt zu schaffen. Die Endlösung der Judenfrage setzt Ihr nun mit ideologischen Mitteln fort; es geht Euch, wie allen Antisemiten vor Euch, um dieselbe Sache: Die Juden sollen aufhören, Juden zu sein, erst dann seid Ihr bereit, sie zu akzeptieren.

Und wenn Ihr meint, daß Ihr deswegen keine Antisemiten seid, weil Ihr Euch selbst nicht als Antisemiten definiert, dann sage ich Euch: Es wäre nicht das erste Mal, daß die Angaben auf der Verpackung nicht mit dem Inhalt übereinstimmen.

Euer Etikettenschwindel mag Euch selbst nicht bewußt sein, aber das spricht nicht gegen seine Existenz sondern, im Gegenteil, für die große Effizienz dessen, was Ihr verinnerlicht habt. Allerdings haben Eure Eltern so gründliche Arbeit geleistet, daß Euer antisemitisches Potential sozusagen freischwebend vagabundiert. Woran soll es sich festmachen, seit Hermann Tietz (Hertie), Ullstein und Mosse arisiert sind und leider auch feststeht, daß Iwan Herstatt kein Jude ist? Die paar jüdischen Hausbesitzer und Spekulanten, die Euch ins Auge fallen, geben nur kurzfristig was her.

Aber Gott sei Dank gibt es da noch den Über-Juden, den Staat Israel, um den Ihr Euch mit einer Verbissenheit kümmert, als hättet Ihr sonst nix zu tun. Euer Antizionismus ist nichts anderes als eine von links her aufgemotzte Variante des Antisemitismus: gleiche Logik, gleiche Methodik, gleiches Vokabular, nur „Jude“ gegen „Zionist“ ausgetauscht. Und daran hat sich nichts geändert. Ich muß nicht die Israel-Berichterstattung der UZ, der Roten Fahne, der Neuen, der TAZ usw. analysieren, ich muß nicht zum x-ten Male beweisen, daß an Israel ganz andere Maßstäbe angelegt werden als an einen Nicht-Juden, es genügen schon die kleinen Erfahrungen und Beobachtungen, die ich täglich mache.

Ich besuche einen sehr netten älteren Prof in Berlin. Eine Sozialarbeiterin, die Gefangenenhilfe macht, kommt dazu, wir werden einander vorgestellt. „Sind Sie der Broder, der nach Israel gehen will?“ – „Ja.“ – „Sagen Sie mal, wie kann ein Linker nach Israel gehen?“ – „Eine gute Frage, gnädige Frau, ich werde sie Ihnen beantworten, wenn Sie mir sagen, wie ein Jude nach Auschwitz in Deutschland leben kann. Damit war das gegenseitige Abfragen zu Ende. Ich hatte keine Lust auf eine Debatte. Ich hätte die junge Frau aber vielleicht doch fragen sollen, wie ein Linker in der Bundesrepublik leben kann, ohne tagtäglich mehr kotzen zu müssen, als er essen kann, in einem Land, das sich einen ehemaligen SA-Mann als Präsidenten leistet, in dem zahllose Massenmörder frei herumlaufen und in dem das demokratische Bewußtsein der Massen von der Höhe der Inflationsrate abhängt. Diese Frage wäre sicher unfair gewesen, man kann die Linken nicht für das Umfeld, in dem sie ihre Vergeblichkeit erleben, verantwortlich machen. Aber daß ein Linker – mal unterstellt, ich wäre einer – nach Israel geht, ist ein Vorwurf, an dessen Berechtigung es offenbar keinen Zweifel gibt, Konkret, ein politisches Magazin, in dem ich viel veröffentlicht habe, brachte in der November-Ausgabe 1980 die Anzeige eines „Verlags für ganzheitliche Forschung“ in 2251 Wobbenbüll. Name und Programm des Verlages riechen schon aus der Ferne nach Blut und Boden, unter den angebotenen Titeln ist auch dieser: „Roland Bohlinger, Rassismus in Israel? Unser heißestes Eisen. Verwirklicht Israel, was dem Dritten Reich zum Vorwurf gemacht wird?“ Dies ist, in einer linken, entschieden antifaschistischen Zeitung, ein echter Fortschritt. Dem Dritten Reich wird nur noch etwas „zum Vorwurf gemacht“, es gibt da sozusagen einen gewissen Tatverdacht, aber die Tat, die dem Dritten Reich vorgeworfen wird, findet in Israel statt. Ich habe die konkret-Leute auf diese Anzeige angesprochen, und es war ihnen sehr peinlich. Sie sei „irgendwie reingerutscht“, keiner habe aufgepaßt und es käme nicht wieder vor… Schön und gut, aber kann sich jemand vorstellen, daß eine Buchanzeige, in der zum Beispiel vom „sowjetischen Völkermord in Afghanistan“ die Rede wäre, auch so unbemerkt ins Blatt hätte rutschen können?

Abends in einer Hamburger Kneipe, eine Hunde von Journalisten, Autoren, Uni- Menschen. Es wird über Faschismus und die Folgen geredet. Ein stadtbekannter linker Theoretiker namens Oberlercher, ein erklärter Antifaschist, sagt: „Das einzige, was die Juden aus ihrer Verfolgung gelernt haben, ist, wie man selber Leute verfolgt.“  Die gleiche Situation ein paar Tage später in einem Göttinger Lokal, diesmal eine Runde von liberalen Juristen, darunter auch einige engagierte Richter. Von der Rolle der Justiz im Dritten Reich kommt einer von ihnen auf den Holocaust-Film. „Da kann ich mich an die Schlußszene gut erinnern“, sagt er, „der jüngere Sohn der Familie Weiß sagt zu seiner Freundin: Wir gehen jetzt nach Palästina ’ und sie sagt darauf: ‚Aber da sind doch schon Menschen“, worauf er sagt: ‚Da müssen: die eben etwas zusammenrücken‘, und seitdem ‚machen die Israelis mit den Arabern dasselbe, – was die Nazis mit den Juden gemacht haben. – Einer aus der Firma Freislers Erben schaut sich den Holocaust-Film an und die Szene, die ihm am besten in Erinnerung bleibt, ist eine, die er braucht, um die Juden mit den Nazis gleichzusetzen. Sonst hat ihn an diesem Film offenbar nichts beeindruckt. Ich kann es nachvollziehen, wie Ihr auf diesen obszönen Vergleich „Israelis gleich Nazis“ und „Palästinenser gleich die Juden der Israelis“ kommt. Das ist Eure historische und psychologische Entlastungsoffensive. Nicht, daß Ihr ein Schuldbewußtsein gegenüber den Juden hättet, warum denn auch, Ihr habt doch keinem Juden ein Haar gekrümmt; aber ein gewisses Unbehagen habt Ihr doch, da stimmt was nicht mit Euren Eltern.

Die meisten von Euch haben sich nie mit ihren Eltern über deren Vergangenheit auseinandergesetzt. In den Familien wurde darüber nicht gesprochen und wenn Ihr mal Fragen gestellt habt, dann wurde Euch das Fragen verboten. Antworten habt Ihr nie gehört und wenn, dann bestenfalls: „Wir haben von nichts gewußt“ oder „Was hätten wir denn schon tun können…“

Und es könnte doch sein, Ihr wißt es, daß der Vater die Jahre, über die er nicht spricht, nicht an der Front mit dem Knacken von Russenpanzern, sondern im Warthegau bei Einsatzgruppen verbracht hat, die hinter den deutschen Linien das Land von Juden und Zigeunern säuberten.

Es könnte doch sein, daß die Mutter auf dem hübschen Photo aus dem Jahre 1942 ein Kleid, trägt, das mal einer Jüdin gehört hat, die es nicht nach Auschwitz mitnehmen durfte.

Und wenn der Vater tatsächlich „nur“ an der Front war (wobei Ihr bedenken müßt, daß die KZs nur so lange arbeiten konnten, wie die Front hielt) und die Mutter das Kleid selbst genäht hatte, dann schulden sie Euch zumindest Aufklärung darüber, was sie sich gedacht haben, als die Cohns und die Blums von nebenan plötzlich verschwunden waren.

Ich verstehe, Ihr habt es nicht leicht mit einer solchen Hypothek im Rücken. Da sind wir, die Kinder der Verfolgten, leider besser dran. Und so verschafft Ihr Euch Erleichterung, indem Ihr die Auseinandersetzung, die Ihr mit Euren Eltern nie geführt habt, nie führen könntet, auf die Opfer Eurer Eltern übertragt. Es funktioniert: Die Juden-sind die Nazis, die Palästinenser sind die Opfer der Juden, und Eure Eltern sind aus allem heraus (und Ihr auch), sie haben ‘sozusagen mit sich selber nichts mehr zu tun. Ihr könnt ihnen wieder ins Gesicht schauen, denn Ihr wißt jetzt, wo die Nazis sitzen, die es hier ja nie gegeben hat.

Aber das ist noch nicht alles. Außerhalb Eurer familiären Problematik gibt es noch etwas, wovon ich schon gesprochen habe: Wer von Euch hat als Kind keine Horror- und Schauergeschichten über „den Juden“ gehört, der an allem schuld ist? Am Kapitalismus, am Kommunismus, an der Inflation, der Arbeitslosigkeit, den hohen Zinsen, den niedrigen Zinsen, der Pornographie, dem Krieg, dem Schandfrieden – an allem, womit der Antisemit nicht fertig wird und wofür er einen Sündenbock braucht. Und von diesem Sündenbock könnt Ihr nicht lassen. Ihr braucht ihn wie ein Süchtiger seinen Stoff, und da hilft keine Willensbekundung, kein Etikettenschwindel („Wir haben nichts gegen Juden, nur gegen Zionisten“); nur eine schmerzhafte Entziehungskur, aber dazu seid Ihr nie gekommen, weil Ihr genauso wie Eure Eltern zu keiner Trauerarbeit fähig seid und Euch statt dessen nicht verantwortlich erklärt für die deutsche Geschichte: „Ich hab’ keinen Juden ins KZ gesteckt, ich hab’ auch keinen Polen erschossen…“

Euer Jude von heute ist der Staat Israel. So wie Eure Eltern meinten, ohne die Juden ginge es ihnen viel besser, meint Ihr, ohne Israel gäbe es im Nahen Osten keine Konflikte. Es gibt keinen arabischen Staat, der nicht mit wenigstens einem anderen Staat in der Region permanent Zoff hätte: Ägypten mit Libyen, Libyen mit Tunesien, Algerien mit Marokko, Marokko mit Mauretanien, Jordanien mit Syrien, Syrien mit Irak, Irak mit Kuwait, Südjemen mit Nordjemen. Aber für Euch ist Israel der einzige Störenfried der Gegend, das einzige Hindernis zu Frieden und Sozialismus.

Ich will nicht sagen, daß Israel nicht kritisiert werden soll. Israels dumme, kurzsichtige, teilweise katastrophale Politik muß kritisiert werden. Aber wer ist es, der da aufsteht und sich über Israel empört? Über die Siedlungspolitik, über die Verletzung der Menschenrechte in den besetzten Gebieten, über die soziale Benachteiligung der israelischen Araber? Es sind dieselben, die die sowjetische Besatzung Afghanistans gutheißen, das bekanntlich den Bestand der Sowjetunion bedroht hat; die nicht mal wissen, daß Tibet von China besetzt gehalten wird, die Pol-Pots Terrorregime in Kambodscha für eine revolutionäre Volksregierung hielten und über drei Millionen Tote hinwegsehen. Es sind dieselben, die Begin einen Terroristen nennen, die vor jedem Despoten, sei es nun Idi Amin, Ghadaffi oder Chomeini, Honeurs machen, wenn er sich nur mit dem Etikett „antiimperialistisch“ schmückt; dieselben, die es einen Dreck interessiert, wie die Kurden in der Türkei langsam, aber sicher kulturell endgelöst und im Iran und Irak zu Hunderten massakriert werden; die vom Völkermord in Äthiopien noch nie was gehört haben und die über die anhaltende Sonderbehandlung der Zigeuner in der Bundesrepublik hinwegsehen.

– Was bildet Ihr Euch eigentlich ein? Wo nehmt Ihr Eure Arroganz her? Den halben Tag seid Ihr mit Sprücheklopfen beschäftigt, den anderen halben Tag damit, die richtigen „Einschätzungen“ zu suchen. Aus keinem politischen Schaden werdet Ihr klug. Die Entwicklung in China hat Euch total überrollt, so schnell konntet Ihr Eure ewig gültigen Standpunkte nicht revidieren, wie die Pekinger Volkszeitung den Kurs wechselte. Der Krieg zwischen den irakischen und den persischen Revolutionären hat Euch die Sprache verschlagen. Zur Einführung der Vorbeugehaft in Indien fällt Euch genausowenig ein wie zu den dortigen Rassenunruhen, die Tausende von Menschenleben kosten. Daß im Iran Homosexuelle, Ehebrecherinnen und Prostituierte staatlich ermordet werden, rührt Euch nicht an.

Euer freischwebendes Sympathiepotential für die Völker der Dritten Welt wandert von Kontinent zu Kontinent, um-sich mal hier, mal da für eine Weile abzusetzen. Im Augenblick ist es El Salvador, vor einem Jahr war es Rhodesien, im Jahr davor Timor.

Und wenn im kommenden Frühjahr die Karottenhosen nicht mehr modern sind, werdet auch Ihr etwas Neues für den fernrevolutionären Gebrauch entdeckt haben, vielleicht eine Befreiungsfront, welche die Antarktis vom Packeis befreien will.

Es gibt in Eurem wechselnden Repertoire nur einen Dauerbrenner: Palästina. Kein Stück Land ist Euch näher, kein Volk liegt Euch mehr am Herzen, kein Konflikt brennt Euch mehr auf den Fingernägeln. Euer Interesse an den Palästinensern hat nur einen einzigen vitalen Grund: daß es Juden sind, von denen sie unterdrückt werden. Nur darauf kommt es an, dies ist der Motor, der Euch antreibt, Ihr würdet an die Palästinenser sonst keinen Gedanken verschwenden, sie sind für Euch nur die Alibikulisse, vor der Ihr Euer antisemitisches Programm aufführt. Auch das läßt sich beweisen. Kein Linker hat sich empört, daß es junge Deutsche waren, Nachkriegskinder, die in Entebbe eine Selektion jüdischer Passagiere durchführten. Ihr habt Euch erst aufgeregt, als ein israelisches Kommando die Geiseln befreite. Da habt Ihr Kondolenztelegramme an „Seine Exzellenz Idi Amin“ geschickt und die „Verletzung der staatlichen Souveränität Ugandas“ aufs schärfste verurteilt. Als ob „staatliche Souveränität“ für Linke was Heiliges wäre. Die Verletzung der staatlichen Souveränität war Euch denn auch egal, als ein deutsches Terrorkommando die BRD-Botschaft in Stockholm überfiel.

Es ist das alte Spiel, das Ihr mit immer neuen Varianten aufführt: Juden wird weniger erlaubt als anderen, aber es wird ihnen mehr zugemutet: daß sie sich schlagen und demütigen lassen, daß sie allenfalls klagen, aber nicht zurückschlagen. Und wenn sich Juden so benehmen, wie es andere schon, immer getan haben, dann schwillt Euch der Kamm, das könnt ihr nicht haben, ob es nun ein jüdischer Hausbesitzer in Frankfurt ist oder ein israelisches Kommandounternehmen in Afrika.

Als Brigitte Schulz und Thomas Reuter vom israelischen Geheimdienst in Kenia gekidnappt und dann in Israel versteckt gehalten wurden, dann war das eine schlimme Geschichte, vorbei an Recht und Gesetz, unabhängig davon, ob die beiden Deutschen tatsächlich versucht hatten, eine El-Al-Maschine abzuschießen oder nicht. Da habt Ihr getobt und geschäumt über diesen „zionistischen Coup“. Als aber bekannt wurde, daß in Argentinien mindestens zwei Dutzend Deutsche, meist Entwicklungshelfer, spurlos verschwunden waren, als die Pfarrerstochter Elisabeth Käsemann in Argentinien von staatlichen Stellen ermordet wurde, da waren Eure Reaktionen – gemessen an Schulz/ Reuter in Israel – recht moderat. Es waren. ja auch keine Juden, gegen die sich Eure Wut richten konnte. Alles schon mal dagewesen: Wenn in Polen oder Rußland irgendwo zur Pessach-Zeit ein kleines Kind verschwand, war es allen klar: Die Juden brauchten wieder Christenblut zum Matzenbacken. Meist gab es darauf ein Pogrom. Die christlichen Totschläger waren dann immer furchtbar enttäuscht, wenn das „geschächtete“ Kind wieder auftauchte oder sich herausstellte, daß für sein Verschwinden ein arischer Täter verantwortlich war. Noch heute werden Ritualmordgeschichten in Polen mehr geglaubt als die Verlautbarungen Heiligabend 1980, ich höre im WDR 2 Nachrichten. Die Top-Meldung kommt aus Rom: „Christen und Moslems haben nach Ansicht von Papst Johannes Paul II., die Pflicht zur Zusammenarbeit, um Freiheit für Jerusalem zu erreichen und die Heilige Stadt allen religiösen Gruppen zurückzugeben.“

Ich will nicht darauf eingehen, was die Institution, die der Papst personalisiert, zwischen Heiligabend 1939 und Heiligabend 1944 für den Frieden und die Beendigung des Genozids an den Juden getan hat; ich will nur, in aller Demut, daran erinnern, daß kein Papst bis zum Jahre 1967, dem Sechs-Tage-Krieg also, dazu aufgerufen hat, „die Heilige Stadt allen religiösen Gruppen“ zu öffnen; bis dahin waren nämlich die Juden die einzige religiöse Gruppe, die keinen freien Zugang zu ihren heiligen Stätten hatte. Heute, da Jerusalem unter jüdischer Souveränität den Gläubigen aller Konfessionen offen steht, meint der katholische Oberhirte dazu aufrufen zu müssen, „Freiheit für Jerusalem“ zu erreichen. Und das Schlimmste: niemand empört sich, niemand schreit auf.

Das antijüdische Ressentiment scheint fast, wie der Freß- und Sexualtrieb, eine anthropologische Grundkonstante zu sein. In jedem Fall ist es der kleinste gemeinsame Nenner der abendländischen Kultur, auf den sich so gut wie alle verständigen können, vom Vatikan bis zum Kreml; da schwingt Ihr im selben Rhythmus wie der Herr Karol Wojtyla (Papst Johannes Paul II). Und Ihr habt noch etwas mit ihm gemeinsam: die völlige Gleichgültigkeit gegenüber Fakten. Die Ritualmordgeschichten waren durch Fakten ebensowenig zu widerlegen wie die von der zaristischen Geheimpolizei verfaßten „Protokolle der Weisen von Zion“, ein Klassiker der antisemitischen Propaganda. Ihr geht, wenn es Euch in den Kram paßt, mit Tatsachen genauso freihändig um.

Ihr habt von nix eine Ahnung, aber zu allem einen fertigen Spruch parat. Ihr wißt nicht, daß Israel genauso viele Juden aus arabischen Ländern aufgenommen hat, wie 1948 Araber aus Palästina geflohen sind; Ihr redet von Palästina und meint den schmalen Wüstenstreifen, das Gebiet von Israel, Gaza und die Westbank. Ihr wißt nicht, daß auch das Gebiet östlich des Jordan historisch ein Teil von Palästina ist und erst im Jahre 1922 von den Briten an die haschemitische Dynastie, aus der auch König Hussein stammt, „abgetreten“ wurde. Ihr wißt auch nicht, daß König Husseins Großvater, Abdullah, für ein friedliches Zusammenleben von Juden und Arabern eintrat und, deswegen, im Jahre 1947 von arabischen Terroristen umgebracht wurde. Ihr wehrt alles ab, was Euer präfabriziertes Ressentiment, erschüttern Während ich diese Geschichte schreibe, erscheint, die Januar-81-Ausgabe von Emma. Auf der Schlußseite die Vorschau auf „die nächste Emma“, unter den angekündigten Themen auch dies: „Palästina: Ingrid Strobl war vor Ort.“ Wo war Frau Strobl? In Palästina. Sie flog von Frankfurt nach Tel Aviv, fuhr von dort quer durch Israel nach Jerusalem, traf in Ost-Jerusalem ihre PLO-Freunde. Für Emma gibt es kein Israel mehr, die zweite Phase der Endlösung ist offenbar bereits beschlossene Sache und nur noch eine Frage der Zeit.

Ich habe Alice Schwarzer gefragt, was sie sich bei dieser Ankündigung gedacht habe, worauf mir Alice Schwarzer sagte, sie habe sich nichts dabei gedacht, mit der Gedankenlosigkeit etwas entschuldigend, was erst durch sie schlimm wird: wie selbstverständlich der Un-Gedanke einer Vernichtung jüdischer Existenz bereits wieder geworden ist, so selbstverständlich, daß man sich nichts mehr dabei denkt.

Von „Palästina“ wieder in Köln zurück, verkündete Frau Strobl, die Juden hätten in Palästina nichts zu suchen, das sei doch eine absolut alberne Geschichte, nur weil irgendwelche Hebräerstämme vor zweitausend Jahren dort mal gelebt hätten… Ich versuchte erst gar nicht zu erklären, daß es historische, religiöse und metaphysische Bindungen gibt, die sie möglicherweise nicht nachvollziehen kann, die aber für andere eine Rolle spielen. Ich zog mich auf ein einfacheres Argument zurück und sagte, wir hätten es zweitausend Jahre ohne einen Staat versucht und dabei reichlich schlechte Erfahrungen gemacht; worauf. Frau Strobl, ein Doktor der Philosophie, mir erwiderte, dann sollten wir es mit dem jüdischen Staat woanders versuchen, vielleicht in Bayern, aber die Palästinenser in Ruhe lassen, die hätten uns nichts getan…

An dem Satz ist was dran. Tatsächlich bezahlen die Palästinenser einen Teil der Zeche, für die Frau Strobls Eltern, pars pro toto gesprochen, verantwortlich sind. Aber an dieser Front hält Frau Strobl still, statt dessen empfiehlt sie den Israelis, sich aus Palästina zu verpissen.

Immerhin ist Frau Strobl in ihrem Ressentiment ehrlich. Sie gibt zu, daß es ihr nicht um irgendwelche besetzten Gebiete geht, Westbank, Gaza, Golan; für sie. wäre Israel auch dann ein Besetzerstaat, der aufgelöst gehört, wenn er sich auf das Stadtgebiet von Tel Aviv beschränken würde. Es geht ihr nicht um einen gerechten Ausgleich im Nahen Osten, nicht darum, daß beide Seiten, Israelis und Araber nachgeben und einen Modus vivendi finden, wenn, sie nicht miteinander draufgehen wollen; es geht ihr, und mit ihr vielen deutschen Linken, ums Prinzip: Es darf keinen jüdischen Staat geben. Dies ist der prospektiven Endlösung schon fest gebuchter zweiter Teil. Während Eure Mütter und Väter über Auschwitz so zur Tagesordnung übergegangen sind, als wäre ein verregneter. Sommer gewesen, während deutsche Gerichte über die „Echtheit“ des Tagebuches von Anna Frank befinden und die rechte Propaganda nicht nur das Tagebuch, sondern die ganze Judenverfolgung für eine Fälschung erklärt, während Jugendliche, die zur Regierungszeit von Ludwig Erhard geboren wurden, schon darüber witzeln, wie viele Juden in einen VW- Aschenbecher passen, engagiert Ihr Euch dafür, den Staat Israel aufzulösen und setzt damit, wenn auch mit anderen Mitteln, die Arbeit von Adolf Eichmann fort. Wer 40 Jahre nach Auschwitz einem jüdischen Staat das Existenzrecht abspricht beziehungsweise – nicht ganz so direkt – politische Lösungen anstrebt, die auf eine Vernichtung Israels hinauslaufen, sollte wissen, worauf sein Engagement zielt. Und er sollte auch wissen, daß er seine Hände nicht in Unschuld wird waschen können, wenn…

Ich bin am Ende. Am Ende dieser Geschichte, am Ende meiner Wut, und auch am Ende mit Euch, meine linken Freunde. Ich will nicht mehr an Eurer Dumpfheit leiden, ich will Euch nicht mehr erzählen, was Eure Eltern Euch verschwiegen haben, ich will Euch nicht kritisieren und nicht aufklären, ich will nicht mehr Euer antifaschistischer Bedarfsjude sein

– ich will mit Euch nichts mehr zu tun haben.

Dies ist die erste Geschichte, die ich in der Wir/Ihr-Form geschrieben habe. Noch vor einem Jahr hätte ich so was nicht gemacht. Aber es geht nicht anders, obwohl ich weiß, daß ich einigen von Euch Unrecht tue: dem einen Uwe und dem anderen, dem Manfred und dem Detlef, der Barbara und der Hilde, dem Peter und dem Hanno, dem Günter und dem Gerhard und bestimmt noch ein paar anderen, die mir grad nicht einfallen. Früher kannte jeder Deutsche wenigstens einen anständigen Juden. Heute kenne ich ein paar, anständige Deutsche.

So ändern sich die Zeiten.

 

http://www.zeit.de/1981/10/ihr-bleibt-die-kinder-eurer-eltern

 

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Antisemiten sind mir egal

Von Maxim Biller   DIE ZEIT Nº 41/2014            18. Oktober 2014

 

 

In Deutschland kommt es neuerdings zu offenen Hassausbrüchen gegenüber Israel. Warum kann die Gesellschaft einfach nicht genug kriegen von ihrer Abneigung gegen die Juden? Warum müssen immer ausgerechnet sie für den Abbau von Urängsten herhalten?

Nichts ist so langweilig wie Antisemitismus, jedenfalls für Juden. Ihr regiert die Welt, hören sie von den Nichtjuden seit zweitausend Jahren, auch wenn noch nie einer von ihnen römischer Kaiser oder US-Präsident gewesen ist. Eure Religion nervt, sagt man ihnen, weil ihr sie mit niemandem teilen wollt, und obwohl die meisten von euch nicht religiös sind, fühlen sie sich trotzdem als Juden, was zum Teufel bedeutet das? Ihr seid besser im Bett als wir und nehmt uns unsere Frauen weg. Ihr könnt mit Geld so gut umgehen, wie wir es auch gern könnten. Ihr seid so verdammt klug, weil ihr seit hundert Generationen keine Analphabeten seid, ein uneinholbarer Vorsprung. Und betrunken seid ihr auch nie – kann es sein, daß ihr deshalb immer alles unter Kontrolle habt?

Und kann es sein, denken die Juden, daß ihr Nichtjuden langsam anfangen könntet, ein anderes Lied zu pfeifen, während ihr zitternd durch den dunklen Wald des Mittelalters, der Neuzeit und Aufklärung, der europäischen Weltherrschaft und ihres Niedergangs geht und so eure Angst vor jeder technischen, moralischen und politischen Veränderung vertreiben wollt?

Nein, das können sie nicht. Nichtjuden können nicht genug kriegen von ihrer monomanen und sehr monotonen Abneigung gegen die Juden, und interessant und nicht langweilig daran ist nur, warum ausgerechnet immer die Juden für den Abbau ihrer Urängste herhalten müssen – eine Frage, die schon lange keiner mehr stellt, was aber gerade in Zeiten von Jakob Augsteins Gaza-Kolumnen, von Kreuzberger IS-Rappern, glimmenden französischen Synagogen und Erdoğans exhibitionistischem Judenekel nicht unwichtig wäre. Offenbar haben sich nach dem kleinen Sechs-Millionen-Schock alle längst wieder damit abgefunden, daß Juden gefährlich leben. Die Juden auch?

Der erste und einzige Fehler der Juden war es wahrscheinlich, daß sie die Idee der Moral in die Welt gebracht haben. Bis heute nerven sie die Nichtjuden damit, daß sie vor allen anderen auf dem lebensbejahenden und ziemlich anstrengenden Gegensatz zwischen Gut und Böse, menschlich und unmenschlich, Humor und heute-show bestanden haben. Dabei haben die Christen immer noch nicht verwunden, daß sie selbst irgendwie auch Juden sind, aber in der schlechteren, softeren und in ungezählten Gottes- und Raubkriegen korrumpierten Jesus-Heuchel-Variante. Und daß ihr Religionsstifter damals, kurz vor Ostern 33, eigentlich nur gegen die alten, satten Nomenklatura-Rabbis rebelliert hat und ein besserer Jude sein wollte als sie, was sie aber überhaupt nicht interessierte, verletzt seine Anhänger bis heute, denn welches Kind will schon von den Eltern, die es kritisiert, für immer ignoriert werden. Ja, und die Muslime? Die hatten die Idee mit dem einen einzigen good cop, bad cop-Gott erst eineinhalbtausend Jahre später als die Juden, darum können sie einfach nicht aufhören, sauer auf sie zu sein.

Und wie kam der Antisemitismus nach Deutschland zurück, in das Land, das wie kein anderes seine Pogrom-Geschichte durchleuchtet hatte, um für immer aus ihr zu lernen? Er ist, in seiner neuesten, antizionistischen Verpackung, natürlich ein Geschenk der 68er. Die Erklärung dafür ist ganz leicht, wird aber logischerweise verschwiegen. Viele, sehr viele von ihnen hatten als junge Wehrmachtssoldaten, Waffen-SS-Novizen und Hitlerjungen, als Journalisten, Künstler und Akademiker die schönsten, schrecklichsten, prägendsten Jahre ihres Lebens gehabt. Wie sollten sie auf einmal keine Halb- oder Ganznazis mehr sein? Sie kämpften dennoch aufrichtig gegen ihre nationalsozialistische Erziehung, sie wurden Pazifisten, sie forderten von der autoritären Adenauer-CDU mehr Demokratie, sie lasen Eugen Kogon, Hannah Arendt und Primo Levi, und sie wollten, daß nicht nur in ihrem Land, sondern auf der ganzen Welt ab sofort das totale Paradies ausbricht. Doch die Metaphysik von den blut- und geldgierigen jüdischen Intelligenzbestien, die ihnen tausend Jahre lang eingetrichtert wurde und an die ihre Eltern und Verwandten auch ohne Hitlers Einflüsterungen geglaubt hatten, saß zu tief in ihren Herzen und Köpfen. Man mußte viele der SDSler, KBWler und älteren Stern-Redakteure bloß einmal betrunken erleben. Je länger der Abend dauerte, desto mehr klangen sie wie die Gäste der Baronesse Batthyány, kurz bevor sie ihre kleine Rechnitzer Schlossparty unterbrachen, um zu ihrer Zerstreuung 180 jüdische Zwangsarbeiter wie Kaninchen zu erschießen.

Was sollten aber die armen 68er und ihre 78er-Apostel mit diesem schönen, hässlichen, metaphysischen Haßgefühl anfangen, wenn sie nüchtern waren? Juden gab es, Eichmann sei Dank, nach dem Krieg kaum noch in Deutschland, und als guter, formvollendeter Antifaschist durfte man ohnehin nicht gegen sie sein. Zum Glück gab es Israel. Es gab den Sechstagekrieg, den alte, aufrechte Nazis und Wehrmachtsoffiziere als Hommage an alle deutschen Blitzkriege seit 1870/71 feierten, was offenbar automatisch bewies, daß alle Israelis ebenfalls Militaristen, Imperialisten und totalitäre Herrenmenschen waren. Und es gab palästinensische Araber, denen es in den Augen der neuesten deutschen Weltenretter wegen Israel mindestens so schlecht ging wie den Vietnamesen und Lateinamerikanern wegen der Yankees, die Papa in der Normandie den Arsch versohlt hatten. Und plötzlich – Überraschung! – hatten also auch die 68er ihren Juden gefunden, Israel, was erst mal keine große Neuigkeit wäre, denn über diesen witzigen Twist der Geschichte sprechen und schreiben Dan Diner, Henryk Broder und andere Linksrenegaten, seit sie mit ihren Genossen Schluß gemacht haben, oder die mit ihnen. Neu und gar nicht langweilig ist eher die Erkenntnis, daß sich die Vereinheitlichungsmaschine Deutschland von der fast sadistisch autoritären 68er-Bewegung nicht nur zu so guten, selbstverständlichen Sachen wie Gleichberechtigung der Frauen, Abschaffung des antihomosexuellen Paragraphen 175, Umweltschutz oder behindertengerechten Straßenbahnen inspirieren ließ, sondern auch zum Antisemitismus-Surrogat „Israelkritik“.

Was vor dreißig Jahren nur von Linken behauptet wurde – daß Israel ein aggressiver, übermächtiger, quasifaschistischer Staat mit einer Blut-und-Boden-Ideologie von gestern sei –, ist heute pseudoliberaler Mainstream, und je weiter die CDU unter Angela Merkel nach links rutschen wird, desto schneller werden auch die Schwarzen die triebbefreienden Wonnen des Israel-Bashings genießen dürfen. Bevor es so weit ist, bevor sich dieser modernisierte antijüdische Mythos in wilhelminischem Maßstab durchsetzt, kann man sich bereits anschauen, was die Süddeutsche Zeitung, das hunderttausendfach gelesene Zentralorgan des narzißtischen deutschen Linksreaktionärs, zu diesem Thema seit Jahren druckt: antisemitische Karikaturen von Israel als messerschwingendem Monster und Mark Zuckerberg als allmächtiger Krake, Günter Grass’ ungereimte Wandschmierereien, in denen er Israel beschuldigt, den Weltfrieden (darunter macht es der doppelzüngige Waffen-SS-Veteran nicht) zu bedrohen, Gastbeiträge offener oder verdeckter Hamas-Sympathisanten und vor allem Dutzende Israel-ist-an-allem-schuld-Kommentare aus der eigenen Redaktion. Nachdem sich am 14. September fünftausend zumeist alte, erschöpfte russische Juden vor dem Brandenburger Tor getroffen und ein paar traurige Wir-sind-Deutschland-Schilder hochgehalten hatten, um zu zeigen, daß sie gern den Rest ihres Diasporalebens in Frieden zu Ende führen würden, schrieb die SZ-Korrespondentin Constanze von Bullion triumphierend, es gebe doch sowieso fast keine Juden mehr in Deutschland, warum die Aufregung. Statt mit ihnen herumzudemonstrieren, solle man lieber darüber nachdenken und diskutieren, warum ausgerechnet die armen, vom Leid der Gazakinder geschüttelten deutschen Muslime den Juden den Zyklon-B-Tod wünschen. Sie weiß, als ahnungslose, aber nicht naive 68er-Epigonin, natürlich am besten, warum: weil „sie selbst am Rand stehen“. Da sind sie wieder, die Araber als Opfer und die Judenisraelis als verlogene, kalkulierende Opferdarsteller. Und da ist er auch, mein alter Verdacht, daß die herzliche Allianz der Nazis mit dem Großmufti von Jerusalem, dem ersten Palästinenserführer und fanatischen Hitler-Verehrer, mehr Spuren in der Kollektiv-DNA der Deutschen hinterlassen hat, als sie es selbst vielleicht wissen.

Hatte ich schon gesagt, daß mir Antisemiten egal sind? Ja – aber die Juden nicht. Und die tun gerade etwas, das ich wahnsinnig komisch finde, weil es mich daran erinnert, daß bis heute in jeder Berliner und Londoner Synagoge am Sabbat für den deutschen Präsidenten und die Queen gebetet wird, keine Ahnung, was das bringen soll. Viele, sehr viele Juden betonen neuerdings – offenbar schwer beeindruckt von der seit dem Gazakrieg zunehmenden Ghettoisierung Israels durch die nichtjüdischen Staaten, inklusive einer verräterischen Kauft-nicht-bei-Zionisten-Politik –, daß die Diaspora, daß das fremde, nichtjüdische Land, in dem sie leben, ihr Zuhause ist, also auf keinen Fall Israel, und daß sie sich ihr Deutschland, ihr England, ihr Amerika nicht wegnehmen lassen. Dieter Graumann, der gar nicht so unwitzige, unkluge Chefimpresario der deutschen Juden, hat bei der tristen, dadaistischen Anti-Antisemitismus-Demo vor dem Brandenburger Tor dieselbe Mimikry-Pose eingenommen. Da stand er, unterstützt von der noch fest zu den Juden stehenden deutschen Staatsspitze, und sagte tapfer, wie unangenehm ihm die Hep-hep-Rufe der Radikalmuslime von Essen und Berlin seien. Und dann fügte er ganz im Ernst hinzu, die Juden würden sich trotzdem nicht einschüchtern und von ihrem Vorhaben abhalten lassen, ein neues, blühendes Gemeindeleben in Deutschland aufzubauen. Solche Reden haben jüdische Funktionäre seit dem babylonischen Exil schon tausendmal gehalten, aber genützt hat es ihnen auf Dauer trotzdem nie.

Das mit Deutschland war der komische Teil von Graumanns Adam-Czerniaków-Monolog. Traurig und absurd wurde es, als er über Israel sprach. Er sagte: „Wir Juden stehen zu Israel.“ Er fuhr fort, die Juden würden sich nicht von Israel distanzieren, damit man sie weniger hasse, obwohl er nicht verstehe, was Gaza und der neueste antisemitische Fieberschub miteinander zu tun hätten. Und er faßte zusammen: „Wenn wir das Gefühl haben, daß Israel ungerecht behandelt wird, dann erwacht sofort unser Beschützerinstinkt.“ Politisch geschickter und unauffälliger kann man sich gar nicht von Israel abwenden! Wer sagt, daß er sich nicht von Israel distanziert und daß er zu Israel steht, sagt zugleich, daß er selbst nicht Israel (und Israeli) ist und damit bloß nicht verwechselt werden will. Und wer dann auch noch als Jude meint, er müsse Israel wie einen armen, schwachen Verwandten beschützen, hat entweder etwas nicht verstanden – oder er hofft, daß die begriffsstutzigen Gojim auf diesen Trick hereinfallen, was ich ja noch am besten finden würde. Denn in Wahrheit ist es genau andersherum: Israel beschützt die Juden, alle Juden, und zwar vor allem und gerade die, die nicht in Israel leben, also auch Dieter Graumann – und mich.

Ich war das erste Mal als halbinteressierter Zwölfjähriger in Israel, mit meiner Mutter und meinem Vater, und obwohl wir damals kaum Geld hatten, machten wir sogar eine Flugzeugtour nach Eilat und in den Sinai. Seitdem war ich fast jedes Jahr dort, so machen es fast alle Juden, aber inzwischen hänge ich immer nur in Tel Aviv herum, dem wahren New York. Mit fünfzehn fuhr ich ohne meine Eltern hin. Es war eine von der Zionistischen Jugend Deutschlands organisierte Reise, ich wurde zu meinem Schrecken als bester Teilnehmer ausgezeichnet, bekam einen Israel-Führer geschenkt und wollte danach ein paar Jahre lang Alijah machen und Offizier in der israelischen Armee werden. Daraus wurde nichts. Stattdessen wurde ich, weil das Leben oft das Drehbuch zu einem Film schreibt, den man gar nicht sehen wollte, jüdischer Journalist und Schriftsteller in Deutschland.

Würde ich anders denken und schreiben, wenn es Israel nicht gäbe? Ja, natürlich, und vielleicht würde ich gar nicht schreiben. Denn ohne Israel, ohne das Wissen, daß ich jederzeit ins Flugzeug steigen, mir am Ben-Gurion-Flughafen einen israelischen Paß holen und mit dem wahnsinnig stressigen Rattenrennen des israelischen Alltags beginnen kann, würde ich als Autor nie so risikobereit sein, wie ich finde, daß ich es sein muß, damit der Leser wissen will, was ich zu erzählen habe.

Ich kann es noch genauer sagen: Ich betrachte und beschreibe die Welt zuerst immer als Jude, als selbstsicherer, netter, aggressiver, gut angezogener und noch besser gelaunter Jude, so wie Uwe Tellkamp die Welt als Deutscher betrachtet, Miranda July als Amerikanerin, Karl Ove Knausgård als Norweger, denen man das aber nie vorwerfen würde, und daß meine autobiographische Besessenheit so viele Deutsche – ob 68er oder nicht – nervt, bringt mich auf immer neue Ideen.

Und noch etwas genauer gesagt: Ich muß mich, weil israelische Soldaten wochenlang Hamas-Tunnel zuschütten und dabei ihr Leben riskieren, aber auch, weil sie beim Beschuß von Gaza Zivilisten töten, beim Schreiben keine Sekunde lang verstellen – so wie es früher die meisten jüdischen Autoren in Deutschland taten, Franz Kafka natürlich ausgenommen, darum war er ja auch so gut. Sie gaben, aus Angst und Berechnung, entweder ihr Judentum ganz auf, wie Rudolf Borchardt oder zeitweise Heine. Oder sie blieben irgendwie Juden, aber wollten irgendwie auch Deutsche sein, so wie der ewig berlinernde Kurt Tucholsky, dessen Selbstmord ein Eingeständnis dieser verfehlten Anpassungsstrategie war. Oder sie schrieben zwar viel und gern und offen über Juden, aber im falschen, hohen, süßlichen, pathetischen, erlösungsheischenden Ton des Neuen Testaments, so wie Joseph Roth, der am Ende sicherheitshalber auch noch zum Katholizismus übertrat, aber das hat später im Himmel sowieso keiner gemerkt. Sein Hiob, finde ich, hat mit Judentum so viel zu tun wie ein Schinkenbrot.

Und weil ich also nur wegen Israel genau der sein kann, der ich bin, verstehe ich mich als Zionist. Urzionist, Neozionist, Salonzionist, Zionist mit menschlichem Antlitz, wie immer man dazu sagen will. Ich, ein deutscher Staatsbürger und Steuerzahler, bin darum auch gar nicht beleidigt, wenn man mich fragt, warum mein Premierminister so ein Idiot ist, und Benjamin Netanjahu meint, obwohl diese Frage eigentlich nur ein Antisemit stellen würde, aber manche Sachen sind eben widersprüchlich und kompliziert, und diese hier gehört noch zu den durchschaubareren. Denn natürlich ist der ferngesteuerte Ehemann von Sara Netanjahu für mich und meine Sicherheit verantwortlich, in einem viel existenzielleren, praktischeren, aber auch ideelleren Sinn als Angela Merkel, natürlich haben der fast hundertjährige Nahostkrieg und ich sehr viel miteinander zu tun. Und natürlich bin ich der Meinung, daß man mit mir, dem in Deutschland lebenden und schreibenden Juden, über Israel sprechen können muß, darf, soll, als wäre ich auch Israeli, denn ich sitze bei diesem Krieg, seit ich zwölf Jahre alt bin, auf der israelischen Seite des Schützengrabens und hoffe, im Gegensatz zu den meisten deutschen Friedenskämpfern, aufrichtig, daß er endlich einmal zu Ende geht.

Gibt es aber überhaupt eine vernünftige Art, über den arabisch-jüdischen Konflikt zu sprechen? Wenn man als Nichtjude nach dem Antisemiten-Methadon „Israelkritik“ süchtig ist, natürlich nicht. Als Jude und Israeli kann man bei dem Thema ebenfalls ziemlich versagen, womit ich nicht nur Amok laufende jüdische Westbank-Siedler oder den diplomatischen Herrn Graumann meine. Ich meine auch Männer wie Assaf Gavron, den jungen israelischen Romancier, oder Sam Harris, den amerikanischen Neurologen, Religionskritiker und Publizisten. Gavron fleht tatsächlich die böse Boykottiert-Israel-Fraktion an, ihn und andere linke Israelis beim Kampf gegen die gewalttätige israelische Gesellschaft zu unterstützen, das ist das typische Kapitulations- und Stress-Syndrom. Harris – er ist nicht der einzige US-Jude, der so denkt – will Israel am liebsten als jüdischen Staat abschaffen. Und noch besser fände er es, wenn sich alle Juden gleich ganz für Amerika entscheiden würden, wo es ihnen, wie er meint, doch schon immer so gut gegangen sei. Das, sagt er, sei eine „glaubwürdigere Alternative, als irgendwo einzumarschieren und anderen Leuten ihr Land wegzunehmen“.

Ja, stimmt, richtig, genau – die Juden haben Palästina erobert. Sie haben dort seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Land gekauft und annektiert. Sie haben aus Staub und Schlamm Felder und Plantagen gemacht. Sie haben Banken gegründet und eine eigene Armee, die bis heute umsichtiger ist als jede andere Armee, die ich kenne, aber nie umsichtig genug. Sie haben Dörfer und Städte gebaut, wo früher keine waren, sie haben genau gewußt, daß dort, wo sie endlich Ruhe von den Gojim haben wollten, auch wieder welche waren, sie haben die Araber Palästinas ignoriert, respektiert und manchmal auch mißhandelt und davongejagt – und trotzdem hatten sie nach den zweitausend endlosen Jahren zwischen ihrer eigenen Vertreibung aus Palästina durch die Römer und dem Holocaust keine andere Wahl. Wer nicht mehr von den Soldaten und Polizisten seiner Feinde herumgestoßen und umgebracht werden will, braucht seine eigenen. Das sage ich – sorry wegen der Wiederholung –, weil sie auch auf mich aufpassen, während ich gerade in Berlin-Mitte sitze und diesen Text schreibe.

Welches Volk im friedlichen, freien Europa oder in Nordamerika lebt heute auf einem Gebiet, das immer schon seins war? Ich weiß keins. Alle, aber wirklich alle Staaten wurden auf den Knochen von Menschen errichtet, die vorher da waren, und so gesehen, finde ich, haben sich die jüdischen Eroberer in Palästina mindestens so anständig verhalten wie die Sachsen in England, die Amerikaner in Kalifornien, die Deutschen östlich der Elbe. Und sie haben zum Glück seit dem Unabhängigkeitskrieg 1948 militärisch fast nie etwas falsch gemacht, darum sind sie immer noch dort. Aber jetzt ist es langsam genug mit der Töten-um-nicht-zu-sterben-Strategie der frühen Zionisten und späteren Staatsgründer und Armee-Wunderkinder. Was seit 1948 jedes Mal funktioniert hat – ein paar Juden setzen sich immer wieder gegen eine schier unüberschaubare, hundertmillionfache arabische Übermacht durch –, hat zwei Nachteile. Erstens: Es korrumpiert die israelische Gesellschaft, es macht sie nervöser, größenwahnsinniger, ängstlicher und läßt allmählich jeden einzelnen Israeli zu einem typischen Diasporajuden ohne Diaspora werden, was eigentlich nicht der Sinn des ganzen zionistischen Projekts war. Und zweitens: Es funktioniert militärisch auf Dauer nicht.

Aber was könnte der Trick sein, um mit dem ewigen Kämpfen, Töten und Besetzen endlich aufhören zu können? Verhandeln mit den Dschihadisten? Natürlich nicht, denn der geliebte, kalkulierte Selbstmord ist deren Spezialität. Alle Araber abschieben? Entschuldigung, wir sind hier nicht in der Tschechoslowakei von 1946, als über zwei Millionen Deutsche gehen mußten, damit sie nie wieder Ärger machen. Oder vielleicht einfach nur wie ein zerstrittenes Paar nach vierzig Jahren Ehe gemeinsam zum Therapeuten gehen? Ich habe noch nie gehört, daß das etwas gebracht hätte.

Israel hatte in seiner Geschichte Dutzende, Hunderte Frauen und Männer, die visionär und pragmatisch genug waren, um zu wissen, wie man sich – als zweite verspätete Nation der postnapoleonischen Zeit nach Deutschland – aus dem Nichts einen eigenen, starken, hochzivilisierten Staat erschafft. Aber leider ist bis jetzt noch kein einziger israelischer Politiker, General, Schriftsteller oder Philosoph aufgetaucht, der gewußt hätte, wie man diese Wirklichkeit gewordene politische Phantasmagorie nun vor dem gar nicht so unmöglichen Verschwinden wieder bewahrt.

Einmal dachte ich kurz, Schimon Peres könnte so jemand sein. Er wollte in den achtziger Jahren den Nahen Osten zusammen mit den Palästinensern in eine verrückte, kreative New-Economy-Zone verwandeln, in eine kleine EU, denn er kam zu dem einzigen richtigen Schluß, nur Geld und Wohlstand würden alle in der Gegend friedlich und lieb machen, und daß während des Gazakriegs im Westjordanland keine Intifada ausbrach, hatte vor allem damit zu tun, daß seine Bewohner inzwischen genug Geld verdienen, um Angst zu haben, es durch jahrelange Unruhen wieder zu verlieren. Wohlstand macht aus fast jedem einen Pazifisten, genau.

Leider wurde nichts aus dem Schimon-Peres-Plan. Leider war das Ganze offenbar nur das Gerede eines alten, verbrauchten Parteipolitikers, dessen große Zeit schon immer vorbei war, noch bevor sie begonnen hatte, und ich und alle anderen pragmatischen Israelis und Juden müssen darum weiter auf einen neuen Ben Gurion oder eine neue Golda Meïr warten, die die Europäer und Amerikaner dazu überreden werden, ein so gigantisches und kluges Wirtschaftsaufbauprogramm für Gaza zu entwickeln, daß einem der Marshallplan wie der Mittagessenszuschuss in der Berliner TU-Mensa vorkommen wird.

Taucht eine solche Frau, ein solcher Mann noch rechtzeitig auf? Bestimmt. Und wenn dann Juden und Palästinenser wie Lamm und Wolf zusammenliegen, wenn kein Krieg mehr Israel bedroht, wenn die Antisemiten ihr wichtigstes Thema verloren haben, dann wenden sie sich, um sich nicht zu langweilen, bestimmt wieder den Diasporajuden zu. Kein Problem – denn Israel gibt es dann immer noch.

 

http://www.zeit.de/2014/41/juden-deutschland-antisemitismus/komplettansicht

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German Leftist selfie 2014

 Antisemitismus in deutscher Psychoanalyse

 

Von Julian S. Bielicki

 

 

Aus meiner Email an einen deutschen Professor für Psychoanalyse:

 

Lieber Herr Professor,

 

danke für Ihre offenherzigen Zeilen. Ich bin immer daran interessiert, zu erfahren wie es wirklich ist, deswegen bin ich für Ihre Mitteilung dankbar und möchte Ihnen ebenso offen antworten:

 

1)           Sie schreiben: „Was ich am allerwenigsten verstehe: Ich bilde mir ein die Forschungsliteratur zum Antisemitismus ganz gut zu überblicken. Aber es wird nie wirklich thematisiert was es damit auf sich hat daß ein „Volk“ oder wie auch immer über mittlerweile 5000 Jahre es schafft die Nachbarn immer und immer wieder gegen sich aufzubringen, und wenn diese sie nicht ins Ghetto bringen, dann sich selber einzumauern.“ Dieser Satz hat die gleiche Qualität wie wenn Sie schreiben würden: „: „Was ich am allerwenigsten verstehe: Ich bilde mir ein die Forschungsliteratur zur Gewalt gegen Frauen ganz gut zu überblicken. Aber es wird nie wirklich thematisiert was es damit auf sich hat daß die Frauen, oder wie auch immer über mittlerweile 5000 Jahre es schaffen, daß die Männer immer und immer wieder sie vergewaltigen.“ Daß Sie dabei den Begriff „Volk“ in Anführungszeichen setzen, ist bedeutsam.

 

2)  Sie schreiben: „Ich habe nie das Bedürfnis gehabt an Israel irgendwas „gut machen zu müssen“. Ich kann nichts dafür was vorige Generationen   angerichtet haben. Ich fühle insofern auch keine „Schuld“.“ Das höre ich oft und frage, ob derjenige sich freut, wenn die Deutsche Fußballmannschaft ein Spiel gewinnt, und wenn derjenige „ja“ sagt, erkläre ich, daß ein „wir“ nicht selektiv sein darf, „wir haben im Fußball gewonnen“ aber „ich habe mit dem Judenmord nichts zu tun.“ Das ist nicht die Frage der Schuld, sondern der Verantwortung.

 

3)    Sie schreiben: „Für mich ist Israel ein Postkolonialstaat wie so viele andere, deren Grenzen aktuell neu verhandelt werden.“. Jeder Staat ist ein Postkolonialstaat, auch Deutschland geschaffen durch Karl den Großen, Otto I den Großen und weitere Herrscher. Und es geht nicht um „Verhandlungen“, sondern um permanente Bedrohung und Ermordung von Juden. Denn die Hamas nennt die Ermordung von Juden (nicht nur Israelis) explizit als ihr Ziel in ihrer Charta.

 

4)  Sie schreiben: „Ich vermute mal Israel verkürzt seine Lebensdauer durch die jetzigen Aktivitäten auf max. 10 – 15 Jahre.“. Nun, das wird sich noch zeigen, ich hoffe daß Sie und Ihre Frau länger als 10-15 Jahre noch gesund leben. Und falls Israel eines Tages nicht mehr existiert, dann haben Palästinenser, Iran und andere in der Antijüdischen Allianz das Werk vollbracht, das Ihr Großvater und seinesgleichen nicht zu Ende führen konnten.

Ich definiere Dummheit als Zustand, in dem jemand nicht weiß, was er wissen könnte. Was ich Ihnen heute schreibe, hätten Sie wissen können. Aber Sie wissen es nicht.

 

Sie geben in Ihrer Email platte antisemitische Klischees wieder.

Sie sind ein Antisemit.

 

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau alles Gute, vor allem Gesundheit, ich möchte mit Ihnen jedoch nichts mehr zu tun haben, ich will mit dummen Menschen nicht kommunizieren. Antisemitismus ist keine Meinung, es ist ein Verbrechen.

Bitte antworten Sie mir nicht und schreiben Sie mir nicht mehr, nicht weil es Böse wäre, was Sie schreiben, sondern weil es dumm ist, was Sie schreiben. Ihre Familiengeschichte, Deutschland, Juden und Israel ist Ihr Problem, nicht meins, ich will mich mit Ihren Problemen nicht befassen. Angedachte gemeinsame Projekte sind hiermit hinfällig, Sie werden keine Emails mehr von mir erhalten.

 

Ihnen alles Gute und beste Grüße!

Julian S. Bielicki

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Frau Prof. Dr. med. Annemarie Duehrssen, eine Koryphäe der deutschen Psychoanalyse, gelangte vor allem deshalb zu Berühmtheit, weil sie dazu beitrug, die Psychoanalyse krankenkassenwürdig zu machen, schreibt in ihrem 1994 erschienenen Buch „Hundert Jahre Psychoanalyse in Deutschland“, die Zerschlagung der Psychoanalyse durch den Nationalsozialismus entspreche lediglich dem „Wunschdenkender aus Deutschland emigrierten Psychoanalytiker“. Es sei ein „Mythos, wenn die rückblickende Geschichtsschreibung die Vorstellung erweckt, daß eine blühende und durchsetzungskräftige Psychoanalytische Gruppe unvermutet vom Nationalsozialismus überfallen“ wurde. Statt dessen habe der Nationalsozialismus im „Geist der Aufklärung“ (sic!) dafür gesorgt, daß „der patriarchalische Zug, der die Psychoanalytische Gruppe so lange beherrscht hatte“, zurückging, und daß sich die Psychoanalyse von einer „kleinen elitären, verschworenen Sekte“ mit einer „spezifisch jüdischen Eigenart“ (sic!) befreien (!) konnte.
Duehrssen konstruiert die Freudsche Psychoanalyse als Wissenschaft der „jüdischen Stammesgenossen“, deren „talmudische Denkweise“ und „Gruppendynamik sich auf die Fortentwicklung der psychoanalytischen Wissenschaft noch immer nachteilig auswirkt.“ Aber nicht nur ein fortwirkender Schaden für den „Grundbestand psychoanalytischen Wissens“ sei auf „Freud und seine Anhänger“ zurückzuführen, sondern letztlich auch die Judenfeindlichkeit, die jene zur Emigration zwang. Deutsche Psychoanalytiker seien zuvor „von der jüdischen Gruppe beeinträchtigt“ worden. Die „im tiefsten Kern abschätzige Einstellung der Juden den Nicht-Juden gegenüber setzte sich im allgemeinen vor allem in jenen Gruppen durch, in denen die Juden an Zahl überlegen waren. Aus der Berliner psychoanalytischen Gruppe stammen jedenfalls einige Berichte von nicht jüdischen Mitgliedern, die diese Form von herablassender Beurteilung gespürt haben wollen.“ Solche von den Juden ausgehenden „Spannungen zwischen den Juden und den Gojim“ seien heute „keine bewußt reflektierte oder auch nur gekannte Erscheinung mehr“. Aber „in den Jahren, in denen Freud (. . .) sein Reich ausbaute, waren sie existent und wirksam.“ Duehrssens Schrift gegen das vermeintliche jüdische „Establishment unter den Psychoanalytikern“ und den „einheitlichen Judentypus“, der „auf sein tausendjähriges Reich“ hoffte, „das den Juden die Herrschaft über die Erde“ bringen würde, erschien bei Vandenhoeck und Ruprecht.  Es ist mir nicht gelungen, trotz vieler Versuche, irgendeine Diskussion darüber bei Psychoanalytikern zu entfachen, ich erhielt von keinem der von mir angeschriebenen Psychoanalytikern je eine Antwort, auch nicht in den Internetforen, in denen sie sich ansonsten sehr angeregt über Honorarfragen aufregen. Antisemitismus ist unter deutschen Psychoanalytikern und Psychotherapeuten ein Tabu und ihre Psychoanalyse ein totes Totem, außer wenn sie sich mit Vorliebe und Enthusiasmus lebhaft der sogenannten „Israelkritik“ widmen.

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Der Psychoanalytiker Dr.Michael Schroeter schreibt in der angesehenen
psychoanalytischen Zeitschrift „Psyche“:

„Das ‚Hier stehe ich, ich kann nicht anders‘ (…) bezeugt die protestantische Tradition (von C.G.Jung und den Seinen Anm.JSB) einer mehr individualistischen Gewissensbildung, zum Unterschied von einer mehr solidarischen, die für Juden typisch sein mag (von Freud und den Seinen. Anm.JSB). In alledem liegt eine soziologische Frage, die durch den mörderischen Mißbrauch, der mit ihr getrieben wurde, nicht eo ipso diskreditiert ist.
(Schroeter, Michael In:Freuds Komitee 1912-1914, PSYCHE 6, 1995, S.533)

Damit sagt Schroeter, daß Freud und andere Juden eigentlich kein Gewissen haetten, sondern sich opportun nach ihren jüdischen Gruppeninteressen verhalten hätten, dagegen steht C.G.Jung für den ehrlichen Arier. Hier finden wir das antisemitische Schema wieder, des verschlagenen Juden und des ehrlichen Ariers.

In alledem liegt eine soziologische Frage nach dem latenten Antisemitismus deutscher Psychoanalytiker, die ebenfalls nicht eo ipso diskreditiert ist.

http://www.jsbielicki.com/jsb-74.htm

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Bernd Nitschke ist ein einflußreicher Lehranalytiker, Supervisor und Dozent, Herausgeber und Publizist, eine linkische Koryphäe unter Psychoanalytikern in Deutschland.

gefunden in einem Text von

Dr. phil. Bernd Nitzschke
Diplom-Psychologe – Psychoanalytiker (DGPT)
Psychologischer Psychotherapeut

so stellt sich der Herr auf seiner Homepage vor. Er war mir bis heute voellig unbekannt. Als ich fuer Sandmonkey nach dem deutschen Text des Freud-Briefes an Chaim Koffler suchte, bin ich auf seinen Text gestossen: “Versoehnung – diesseits von Gut und Boese, Siegmund Freuds transkulturelles Erbe”. Die Lektuere irritierte mich so, dass ich mir den Text ausdruckte und etwas genauer anschaute.

Die Grundlage dieses Textes wurde nach den Angaben des Autors auf S. 22 in den ersten Tagen nach dem Attentat vom 11. September verfasst. Offensichtlich handelt es sich um einen weltanschaulichen Artikel und nicht um einen psychologischen Fachtext.

Schon in der Zusammenfassung wird Triebverzicht als Verzicht auf Rache spezifiziert. Dass die historischen Beispiele dafuer ausser in Freuds Lebensgeschichte ausgerechnet im “juedisch-palaestinensischen” Konflikt gesucht werden, scheint ein Verweis auf den angeblichen juedischen Rachegott zu sein, der spaetestens seit Martin Luther zum antisemitischen Repertoire gehoert.

Auffallend ahistorisch ist, dass Nitzschke das Begriffspaar “juedisch-palaestinensich” waehlt. Das Adjektiv “juedisch” wuerde eigentlich nach “arabisch” als Komplement verlangen. “Palaestinenser” war bis 1964 kein gebraeuchlicher Begriff fuer die arabischen Bewohner des britischen Mandatgebiets Palaestina. Im Gegenteil beanspruchten sie fuer sich “Araber” zu sein oder allenfalls “Syrer”, so dass “Palestinian” damals gerade signalisierte, dass Juden im Mandatsgebiet gemeint waren. Zum Beispiel wurde die heutige Jerusalem Post 1932 als Palestine Post gegruendet und erst 1950 umbenannt. Das Adjektiv “palaestinensisch” dagegen verlangt als Ergaenzung nach “israelisch”, da es den Staat Israel zum Zeitpunkt der PLO-Gruendung gab und die PLO ganz bewusst einen nationalen Konflikt als Kernpunkt ihrer Agenda ansetzte, vgl. die PLO Charter, im Besonderen Art. 6. Es waere interessant zu erfahren, aus welchem Grund Nitzschke gerade diese Kombination waehlt. Koennte es darum gehen, Juden allgemein (also auch Nicht-Israelis) in diesem Konflikt verwickelt zu sehen, aber andererseits die Beteilung der arabischen Staaten und Muslime weltweit am Konflikt auszublenden? Auf diese Weise boete sich zahlenmaessig ein ausgewogeneres Verhaeltnis dar, bei dem die Juden tendenziell in der Uebermacht waeren.

Auf Seite 2 stossen wir auf diese als absolute Wahrheiten formulierten Saetze:

Im wirklichen Leben denken Erniedrigte immer an Rache. Und wenn sie sich nicht selbst raechen – dann reichen sie ihr Gedaechtnis an die naechste Generation weiter.

Mir scheint, hier haben wir die Grundlage der negativen Erwartungshaltung von Deutschen gegenueber Israelis, auf die ich hier schon zu sprechen kam.

Wenn Erniedrigte gar nicht anders koennen, als an Rache zu planen oder die Rachegedanken an ihre Kinder zu uebergeben, dann muss das auch fuer die von Opfer der Nazi-Judenverfolgung gelten. Mindestens die Nachkommen von europaeischen Juden in Israel und anderswo muessten dann von Rachegedanken vor allem gegenueber Deutschen beseelt sein, also auch gegenueber von Dr. Nitzschke.

Angesichts all dessen, was ich bei Pat Santy (alias Dr. Sanity) ueber die verschiedenen psychischen Abwehrmechanismen gelernt habe, scheint es mir geradezu lachhaft, dass hier ein diplomierter Psychologe nur eine Reaktion auf Erniedrigung, aber die immer und bei jedem wirksam, kennen will. Ohne, dass ich wirklich etwas davon verstuende, scheint mir, dass das Beduerfnis nach Rache vor allem bei narzisstischen Stoerungen zu erwarten waere:

(…)

Some societies like what the Palestinians have currently, mostly view each child as a soldier of the Jihad–without individual goals or ambitions– and from an early age route the child into service to the state. By the time the child has grown up, they have little ambition but to do the will of the omnipotent state and/or Allah. In this case, the grandiose self is not eliminated, but purposefully subjugated to act out the violent priorities of the state. The narcissistic defect is perpetuated when these children grow up and, those who do not blow themselves up in an act of ultimate union with an evil god, go on to mother and father more fragmented and horribly impaired individuals.

In fact, throughout most of history, it has been the grandiose self that society has most tried to control. Either by eliminating it entirely; or chaining the energy it brings to the achievement of union with the omnipotent other.

(…)

Dr. Santy schreibt hier ueber die palaestinensische Gesellschaft. Ich halte dafuer, dass die psychischen Mechanismen in Nazideutschland nicht viel anders waren. Das Aufgehen in und das Einswerden mit dem allmaechtigen Staat, der Herrenrasse, dem Fuehrer, das passt doch alles auch. Und dann koennte auch das Weitergeben des narzisstischen Defekts an die naechste Generation vorgekommen sein. Vielleicht liegt hier eine Projektion von Nitzschke vor: Ein Rachebeduerfnis, das ihm vermittelt wurde, wird der gesamten Menschheit unterstellt.

Auf den Umgang von Nitzschke mit der Person Freuds gehe ich nicht ein, obwohl es auch da einiges zu sagen gaebe. Ich springe gleich zu “3 Versoehnung – diesseits von Gut und Boese”. Da dieser Ueberschrift auch dem gesamten Text vorangestellt ist, gehe ich wohl nicht fehl darin, hier die zentralen Aussage zu suchen.

Vorangestellt sind zwei Zitate, das erste davon:

“Bis zur Gruendung Israels 1948 waren die Palaestinenser, die Juden und die Christen Gleiche in einem Land.” Daniel Barenboim

Diese Aussage ist historisch voellig falsch, wie Nitzschke selber auf p. 15 belegt, als er auf das Massaker von Hebron 1929 zu sprechen kommt. Nun ist ein Musiker natuerlich nicht gerade die Quelle fuer historisch saubere Analysen. Barenboim hat fuer Nitzschke vor allem wohl den Vorteil, dass er Jude ist. Auf p. 18 betont Nitzschke ausdruecklich, dass Bernard Wasserstein ein juedischer Historiker ist. Nach meinem Empfinden handelt es sich hier um die Verwendung von Alibijuden, die selber ein Indiz fuer Antisemitismus ist.

Die Quellenangaben am Ende des Textes legen davon weiter Zeugnis ab:

Norman Finkelstein wird als Gewaehrsmann fuer den Konflikt im Nahen Osten und die 1. Intifada angegeben. Waehrend bei allen anderen Namen der Vorname ausgeschrieben wird, wird Finkelstein nur mit den Initialen N.G. identifisiert. Ich vermute, dass damit der Wiedererkennungseffekt etwas behindert werden sollte, denn Finkelstein kann unmoeglich als ernsthafter Historiker gehandelt werden, dagegen hat er einen eindeutigen Ruf als antisemitischer Alibijude.

An modernen, israelischen Historikern finden wir Moshe Zuckermann, Tom Segev und Benny Morris. Die beiden ersteren sind ebenfalls beliebte Kronzeugen fuer Antizionisten und Antisemiten, wenn auch weniger anruechig als Finkelstein. Morris dagegen wird von Nitzschke in die rechtsradikale Ecke gestellt, weil er sich unter dem Eindruck der sog. Al-Aksa-Intifada von solchen Positionen distanzierte, nachdem er lange ebenfalls Kronzeuge fuer sog. Pro-Palaestinenser war. Nitzschke unterteilt also in solche Juden, die seine Auffassung bestaetigen einerseits und rechtsradikale Juden andererseits… Ueber diese eigenartige Verschiebung der politischen Masstaebe, sobald sie auf Israel angewendet werden, schrieb ich hier schon.

Die Vorstellung, dass Juden aufgrund ihrer juedischen Abstammung unmoeglich in der Lage sein koennten, antisemitisches Gedankengut zu vertreten, ist tendenziell rassistisch. Antisemitismus ist nicht genetisch verankert, sondern wird kulturell weitergegeben. Bei Kenneth Levin “The Oslo Syndrome” habe ich genuegend Beispiele und Erklaerungen fuer Juden gefunden, die sich einer von Antisemitismus gepraegten Kultur nicht entziehen konnten oder wollten. Vor guten vier Jahren habe ich hier uebrigens ein Buch von Bernard Wasserstein besprochen.

Das zweite Zitat aus dem Kaufmann von Venedig

“Du nanntest mich einen Hund, bevor ich einer war; jetzt, da ich einer bin, nimm Dich in Acht vor meinen Krallen!”

verliert durch die Kombination mit Barenboims Zitat den urspruenglichen Sinn: Wenn es den Juden vor der Staatsgruendung genauso gut ging wie allen anderen, dann kann sich die “Hundwerdung” nur auf die Palaestinenser beziehen.

Nitzschke beginnt damit, dass er Religion an sich als regressive und latent faschistische Fiktion darstellt. Absolut-gut und absolut-boese gibt es nicht, wie er Freud sagen laesst und geht gleich einen Schritt weiter: Gut und boese sind auch als nicht-absolute Beurteilungen obsolet und zwar (die Oberflaechlichkeit ist atemberaubend!) wegen der ungleichen Vermoegensverteilung auf der Welt!

Auf S. 10f schafft es Nitzschke noch ein bisschen Bush-Bashing und Antiamerikanismus einzubauen. Auf S. 12 geht es dann weiter mit Anti-Zionismus. Nitzschke unterstellt, dass Israels Gruendung vor allem aufgrund biblischer Ansprueche erfolgt sei. Das ist natuerlich Bloedsinn, wie jede noch so oberflaechliche Beschaeftigung mit Herzl und der zionistischen Fruehzeit belegen kann. Nitzschke haelt fest: “Auf diesem politisch-religioesen Fundament laesst sich wohl ein Staat, aber keine Demokratie aufbauen.” Da Nitzschke von einer falschen Praemisse ausgeht, muss er nun wegdisputieren, dass Israel eine funktionierende Demokratie ist. Das tut er, indem er einen Artikel von Richard Chaim Schneider in der SZ vom September 2003 vorschiebt und darauf befindet, dass “die religioesen Fundamentalisten zunehmend die Politik bestimmen”. Die nach den Wahlen im Januar 2003 von Sharons gebildete Koalition enthielt zunaechst keine einzige religioese Partei, bis sich am 3. Maerz die Nationalreligioesen der Koalition anschlossen. Das widersprecht der angeblichen Verwandlung in einen Gottesstaat, aber Nitzschke geht es sichtlich nicht um Fakten, sondern um Untermauerung seiner vorgefassten Meinung.

Die Weltanschauung, die ich aus dem Text destilliere, entspricht auffallend dem gegenwaertigen Mainstraem in Deutschland:

Die USA als gefaehrlicher Staat wegen der “Verquickung von Religion und Politik” (p. 11). Der weisse Mann als Kolonialherr. Zivilisation und Barbarei als siamesische Zwillinge (alle Kulturen sind gleich gut, nur die Kultur des weissen Kolonialherren ist boese, weil sie ursaechlich fuer alles Schlimme in anderen Kulturen verantwortlich gemacht wird.) Israel als Produkt von religioeser Phantasie und nationalistischem Eifer, das in die Verantwortung fuer jede pal. Aktion traegt. Selbst das Massaker von Hebron haetten die Araber durchfuehren muessen, weil die zionistische “Betar”-Gruppe freien Zugang zur Klagemauer durch das muslimische Viertel gefordert hatte!

In all dieser Seichtheit besteht Nitzschke aber darauf, sein Gedankengebaeude gerade nicht auf den hohlen Fundamenten von “kompakten Majoritaeten” zu errichten… (p. 12)

Na dann!

https://beer7.wordpress.com/2008/03/04/sekundaerer-antisemitismus-dargestellt-an-einem-text-von-bernd-nitzschke/

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Und hier ein wahnhafter, psychotischer Text des umstrittenen deutschen Körperpsychotherapeuten Tilmann Moser, der offenbar mit diskursiven Denken Probleme hat:

>>Im Rausch der Karikaturen des Propheten
Zur Kommentierung des Terrors in Frankreich

Tilmann Moser (2015)

Der bindungslose Zyniker (eigene stolze Charakterisierung: “Ich habe keine Kinder, keine Frau, kein Auto, keine Schulden. Das klingt jetzt sicherlich ein bisschen schwülstig, aber ich sterbe lieber aufrecht, als auf Knien zu leben.”) hat keine noch so drohende und grausame Warnung mehr ernst genommen, im Gegenteil, sie hat seinen sich steigernden trotzigen Heldenmut noch gesteigert. Er scheint als 45-Jähriger Chef seine ehrgeizige und untereinander um Schärfe rivalisierende Crew so weit am Zügel gehalten zu haben, dass keine Bedenken und kein Widerspruch mehr aufkam.

Außerdem scheint das auf 30.000 Abonnenten abgesunkene Blatt unter ökonomischem Untergangsdruck gestanden zu haben. Wer die katholische Kirche in Frankreich und die zum Spott herausfordernden jüdischen Orthodoxen und auch satirisch längst ausgeweidete Politiker oder Parteien als vorletzte Gegner nutzen musste, um witzig zu bleiben, erzeugt gefährliche Langeweile.

Er muss sich den zum letzten globalen Schreckgespenst aufgeblasenen Propheten als letztes Tabu auswählen, um noch extremsatirische Wirkung zu erzielen. Er braucht sich nicht zu kümmern um das immer drohende Schicksal seiner Redaktion, nicht um die aufgeheizte und bedrohlich polarisierte Stimmung im Land, nicht um die noch demokratisch-freiheitliche Befindlichkeit der großen Mehrheit dem Terrorismus abgeneigten Muslime. Sie fürchten um ihre ökonomische Lage und die zunehmende Ausgegrenztheit ihrer Gemeinschaft.

Er muss sich steigern, um noch unterhaltsam zu bleiben und sich zunehmend als wagemutiger Held zu fühlen. Als Psychoanalytiker stehe ich nicht an, mir über die aufgeheizte Gruppendynamik in der Redaktion Gedanken zu machen, die einem Sog zu gleichen schien: immer provokanter, immer verächtlicher, immer verleumderischen zu werden. Es war kein Kampf mehr um Aufklärung, Diskussion und Wahrheitsfindung, auch wenn die Pressefreiheit jetzt in kultische Höhe gehoben wird als quasi letzter europäischen Wert.

Der schien den Ermordeten anvertraut, und den man dem Islam nur drastisch genug um die Ohren hauen müsste, im Glauben, die Terroristen hätten es als oberstes missionarisches Ziel ins Auge gefasst, die europäische Freiheit als Ganzes zu vernichten. Es war ein Anschlag auf eine verhasste Redaktion, nicht auf die französische Pressefreiheit im Ganzen. Charlie und die Missachtung der Drohungen haben die Verängstigung wie die Hysterisierung der Nation vorangetrieben und der lauernden Le Pen in die Arme getrieben, mit Folgen, über sie sich anscheinend in der Redaktion niemand Gedanken gemacht hat. Eine verantwortungsvolle Vorsicht und Zurückhaltung angesichts unübersehbarer politischer Spannungen ist noch keine innere Zensur und angstvolle Selbstkastrierung, sondern fordert menschliche wie politische Besonnenheit.

Der dänische Redakteur, der die Mohammet-Karikaturen zuerst abdruckte, wurde damals schon als Held gefeiert und mit Preisen überhäuft, er lebt inzwischen in eingeengtem und angstvollen Rückzug. Charlie hat sich verrannt, und ich nenne die Redaktion eine vom publizistischen Untergang bedrohte Gruppe von latent zu suizidalen Pseudohelden. Sie haben eine (echte?) Mission der Entlarvung und eine (echte?) Angstvision vor dem dämonisierten Propheten, der die Welt bedroht.

Es wäre interessant herauszufinden, welches schreckliche Bild von ihm im Unbewussten der Zeichner lebt, die das geneigte Publikum zunehmend (siehe Pediga) inzwischen dem Islam im Ganzen zuschiebt. Schon werden Rufe laut, den Helden posthum die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Die bestialischen Morde werden mit der wahrlich polarisierenden Jahrhundertkatastrophe der Dreyfus-Affäre verglichen. Es wird nicht lange dauern, bis die Umbettung der brutal im Dienst der Freiheit Ermordeten ins Pantheon gefordert wird. Frankreich hat endlich wieder, mitten im darnieder liegenden derzeitigen Selbstbewusstsein, Nationalhelden oder Idole, um die sich alle widerspruchslos und vereint scharen sollen.

Und sie machen grad so weiter!

Dr. Tilmann Moser, Psychoanalytiker<<

http://www.tilmannmoser.de/site/neue_texte/im-rausch-der-karikaturen-des-propheten.html

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Desweiteren schreibt Moser solchen Satz, wie: >>“Bernd Nitzschke rekapituliert einen Vortrag Freuds aus dem Ersten Weltkrieg (1915) und zitiert: „Sie verwundern sich darüber, daß es so leicht ist, Menschen für den Krieg zu begeistern,und vermuten, daß etwas in ihnen wirksam ist,ein Trieb zum Hassen und Vernichten, der solcher Verhetzung entgegen kommt.“ Der Satz könnte für die sogenannten Hassprediger und ihre aufgehetzte Gefolgschaft gelten, über deren Ausweisung aus Synagogen in Deutschland debattiert wird.<< (Sic! Hervorhebung durch JSB)

Zu lesen auf Web-Seiten des ehemaligen evangelischen Studentenpfarrers, der als Psychoanalytiker eine linkische Webseite und eine Mailliste mit angeblich 1000 bis 1500 Teilnehmern, Psychoanalytikern und Psychotherapeuten betreibt, und der selbst sehr vorsichtig Antisemtisches äußert, vorwiegend in allgemeine Kritik am Monotheismus verpackt, jedoch gerne Beiträge von Antisemiten publiziert, die für ihn die Drecksarbeit erledigen, wie z.B. wenn es um „den „Schwanz von Zion“ geht, Kritik dagegen jedoch zensiert, Kritiker im Akt des Meinungs-Lynch-Mobs herausekelt, ais seiner Mail-Lister (ohne es demjenigen mitzuteilen) ausschliesst und hauptsächlich nur rot-rot-grüne Meinungen publiziert. Die FAZ ist für ihn ein Schimpfwort und Meinungsfreiheit ein Greuel, er alleine bestimmt, wer und welche Meinung dort äußern darf. Diese Zensur nennt er „Moderation“. So ist die Psychoszene in Deutschland heute: rot-rot-grün versifft, andere Meinung als eigene aggressiv bekämpfend und unterdrückend, latent oder auch virulent antisemitisch, meistens unter dem Deckmantel der „Israelkritik“ oder der „Humanität“ gegen „barbarische mosaische Riten“. Barbarische islamische oder sonstige Riten werden natürlich nicht erwähnt. Diese rot-rot-grüne, eigentlich braune Psychoszene beherrscht in ihrem Drang eine immer größer werdende, bereits etablierte Betreuungsindustrie auf allen Gebieten der Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychologie weiter auszubauen und zu festigen und hat mit der aufklärerischen Absicht von Sigmund Freud soviel zu tun, wie Stalinismus mit Marxismus oder katholische Inquisition mit Evangelien. Es ist reines Geschäft geworden, korrupt, opportun und totalitär. Da kann sich mancher mit antisemitischen Seitenhieben des Beifalls der Psychogosse, in der er und ihm gleiche im Trüben fischen, sicher sein.

http://www.bbpp.de/moser-mordlust.htm

 

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„Jede Kritik am Staat Israel ist antisemitisch.“

Interview mit T-34. Informationen für das westliche Ruhrgebiet     (Juli/August 2003) der AntiFa Duisburg)

Joachim Bruhn ist Mitglied der Freiburger Gruppe „Initiative Sozialistisches Forum“. Mit zahl- reichen Buchveröffentlichungen im Ça ira-Verlag vertritt dieser Arbeitskreis ein an der Kritischen Theorie und dem Linkskommunismus orientiertes kategorisches Programm der Ab- schaffungen. Der Antisemitismus, als eine auf dem „Boden der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft notwendig erwachsene Aggression“, ist demnach ein wesentlicher Kritikpunkt. Neben mehreren Veröffentlichungen zum Thema, u.a. „Léon Poliakov – Vom Antisemitismus zum Antizionismus (2000), ISF – Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten (2002), war die Kritik am Antisemitismus auch Thema der am 24.6.03 in Duisburg stattgefundenen Diskussionsveranstaltung. Das Interview entstand kurze Zeit zuvor.

T-34: Zunächst eine Grundsatzfrage. Was unterscheidet den Kritiker vom Theoretiker? Was   unterscheidet den Materialismus von der Wissenschaft?

J.B.: Was den Kritiker vom Theoretiker unterscheidet ist die Frage, was Karl Marx von Max Weber unterscheidet. Der Kritiker ist immer jemand, der sich gegen die Rationalisierung wendet. Er spricht sich gegen den Versuch aus, den Widersinn, der sich in der Kapital- vergesellschaftung befindet, als ein Resultat der Vernunft auszugeben. Was nun die Kritik von der Theorie unterscheidet wird deutlich, wenn man untersucht, was in der Hegelschen Philoso- phie die Vernunft vom Verstand unterscheidet. Der Kritiker ist auf der Seite der Vernunft, der Theoretiker hingegen auf der Seite des Verstandes. Nun lohnt es sich zu schauen, was Hegel in der „Enzyklopädie“ gegen den Verstand einzuwenden hat. So wird mit dem Unterschied zwi- schen Vernunft und Verstand auch der zwischen Kritiker und Theoretiker deutlich.

Zunächst sagt Hegel nicht, daß der Verstand nicht nötig ist, aber er sagt auch, daß der   Verstand der geborene Positivist ist. Dieser kann zwar ein System der Erscheinungen erfassen, er kann aber nicht zu einer Vorstellung der inneren Reproduktion dieses Systems kommen. Der Verstand ist somit der Versuch, widerspruchsfrei zu denken und einen Widerspruch, der in der Sache selbst liegt, hinweg zu rationalisieren, zu säubern.

Damit ist sogleich gesagt, was den Materialismus von der Wissenschaft unterscheidet. In diesem Zusammenhang ist eine Fußnote aus dem Fetischkapitel des Kapitals interessant.

Dort stellt Marx fest, daß die bürgerliche Wissenschaft einfach nur die in ein System gebrachte Ideologie und Alltagsreligion der Warengesellschaft ist. (1)

T-34: Die meisten Linken sind unfähig zur Kritik. Ihre Ablehnung den antideutschen Kom- munisten können sie gerade einmal durch Rummäkeln an der Polemik, die für sie – bezeichnenderweise – unproduktive Besserwisserei ist, deutlich machen. Ihr hingegen vertretet die   Auffassung, daß „wer sich zum Kapital nicht polemisch verhält, verhält sich unsachlich zu   ihm“. Was hat es mit der Polemik auf sich?

J.B.: Die Kritik betreibt die Darstellung der inneren Widersprüche und des äußeren Widersinns des Kapitalverhältnisses. Die Polemik ist die einzig angemessene Darstellungsform der Kritik. Sie tut zunächst etwas, was sachlich nicht begründet scheint, weil sie kontrafaktisch die Ergeb- nisse des gesellschaftlichen Prozesses den Individuen als Ausdruck ihres eigenen Willens zuordnet. Sie argumentiert ad hominem. Sie packt die Verhältnisse an ihrer Wurzel, die nach Marx die Menschen selber sind. Das ist natürlich eine Unterstellung, aber eine Art therapeutische Unterstellung. Es ist der Versuch, die Aufklärung auch dort voranzubringen, wo sich gegen sie abgesondert wird. Also gerade bei der vulgären Linken.

Zum Kapital kann man sich nur polemisch verhalten, da das Kapital ein Verhältnis von Herrschaft und Ausbeutung ist. Es ist jedoch so, daß die Herrschaft des Menschen über den Menschen schon rein begrifflich ein Widerspruch ist. Wie soll denn der Mensch sich selbst beherrschen? Wer soll ihm dieses Kunststück abverlangen? Es ist ein Gebot der praktischen und theoretischen Vernunft, daß dies nicht sein soll. Das Kapital ist also eine Widervernunft in der Gesellschaft. Demnach ist ein polemisches Verhalten dem Kapital gegenüber das einzig sachlich angemessene. Sich nicht polemisch zu verhalten, verfehlt die Sache und rationalisiert, das Ganze.

In der „Einleitung zur Hegelschen Rechtsphilosophie“ von 1842 wird ausführlich der Begriff der Kritik dargelegt. Dieser wiederum geht einmal mehr zurück auf Hegel. In einem Artikel von 1806 über den Begriff der philosophischen Kritik sagt Hegel, daß da, wo keine Vernunft in der Sache ist, da hat auch die Philosophie jedes Recht verloren. Sie gibt sich, im Verhältnis zu diesem unvernünftigen Gegenstand, das Verhältnis der unmittelbaren Verwerfung, der Polemik. Kritik ist das ursprüngliche Scheideverfahren von Vernunft und Unver- nunft.

T-34: Die jährlich in Berlin stattfindende 1. Mai Demonstration marschierte dieses Jahr mit   wehenden Israelfahnen in Kreuzberg ein. Kann man dies als ein Signal für einen antideutschen

Aufbruch werten oder handelt es sich dabei wieder einmal nur um einen inhaltsleeren linken   Populismus? Was sollte die Aufgabe antideutscher Kommunisten sein?

J.B.: Das Tragen von Israelfahnen ist eine sinnvolle Provokation gegen den deutschen Mob. Es hat sich allerdings um die Israelfahne ein ungeheurer Politkitsch entwickelt, an dem auch die israelische Botschaft nicht ganz unschuldig ist. Neben dem von Antideutschen gern getragenen Button, der eine Israel- und eine Amerikafahne zeigt, wird auch ein Knopfsticker von der Botschaft verteilt, der eine Israel- und eine Deutschlandfahne vereint. Es ist also so, daß das, was im Interesse der israelischen Diplomatie ist, nicht unbedingt zugleich im Interesse der israelsolidarischen und kommunistischen Gruppen ist.

Man sollte den Gebrauch von Israelfahnen auf ganz besondere Gelegenheiten von his- torischer Wichtigkeit beschränken. Der 1. Mai ist ganz bestimmt die falsche Gelegenheit. Der 8 Mai wäre da eine bessere Möglichkeit.

Es ist ein Abgleiten, wenn nicht in linken Populismus, dann zumindest in Symbolpoli- tik. Wir sollten weder mit Politik, also mit falschen Verallgemeinerungen, noch mit Identifika-

tionen arbeiten. Die Aufgabe antideutscher Kommunisten ist es nicht, sich mit Israel zu identi- fizieren, denn Israel ist nicht das neueste Substitut des „Vaterlands der Werktätigen“, sondern aufzuklären, warum es notwendig ist sich bedingungslos hinter Israel und auch hinter Ariel Scharon zu stellen: nämlich im Interesse der staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft.

T-34: In der Vorarbeit zu Theodor Herzls „Judenstaat“, den „Notizen zur Unterredung mit   Baron Hirsch“, schreibt Herzl: „Ihr hängt an Eurer grausamen Heimat? Wir geben sie Euch   verschönert wieder … Wir bauen uns Paris, Rom, Florenz, Genua, was wir wollen. Herrliche   Städte mit Benutzung aller modernen Erfindungen.“ Ist der Zionismus die revolutionärste   Form der bürgerlichen Ideologie?

J.B.: Zunächst muß man die Frage stellen, ob nicht jede Ideologie bürgerlich ist. Man spricht ja   auch nicht von bürgerlichem Geld, genauso wenig wie man eigentlich von einem bürgerlichem Staat sprechen kann, es sei denn man ist der Auffassung, daß es einen guten, gerechten, nicht bürgerlichen, proletarischen Staat geben kann. Das hat sich historisch blamiert, nachdem es sich theoretisch schon längst blamiert hatte.

Der Zionismus ist sicherlich nicht die revolutionärste Form der Aufklärung, da Lenin oder Robespierre Staatsbegründer vom gleichen revolutionären bürgerlichen Schlage gewesen sind wie Theodor Herzl und seine zionistische Organisation. Der Zionismus ist aber das einzige organisierte Programm bürgerlich-revolutionärer Aufklärung, das in der Gegenwart noch besteht. Das hängt zum einen mit der Ungleichzeitigkeit des Zionismus als Nationalbewe- gung zusammen und zum zweiten damit, daß der Zionismus durch die ungeheure Bedrohung der Juden durch den Nazifaschismus als Rettungsunternehmen fungiert hat. Daher ist der linke Antizionismus ein Zeichen dafür, daß die Linke sich noch unter dem Niveau der bürgerlichen Aufklärung befindet. Hätte die Linke wenigstens das Niveau der bürgerlichen Aufklärung erreicht, dann hätte sie einsehen müssen, daß der Staat Israel die organisierte Emanzipationsge- walt der Juden ist. Diese Emanzipationsgewalt ist vergleichbar mit einem in Permanenz tagenden Wohlfahrtsausschuß der Jakobiner oder einem permanent tagenden Sowjet der Zeiten Lenins.

Die Frage ist vor allem: Was ist jüdische Aufklärung? In welcher Form hat der Zionis- mus diese jüdische Aufklärung in ein Nationalprojekt transformiert und inwieweit ist diesem

Nationalprojekt so recht erst dadurch der revolutionäre Charakter zugewachsen, daß es einen Notwehrcharakter gegen den Nazifaschismus ausüben mußte.

Daß Israel bis zum heutigen Tag ein revolutionäres Projekt ist, das zeigt sich unter anderem daran, daß der Staat Israel sich zum einen über die Juden definiert, die im Land selber

wohnen, aber auch gegenüber all jenen, die in der Diaspora zerstreut und der weltweiten Be- drohung des Antisemitismus ausgesetzt sind. Deutlich wird dies an dem Knessetgesetz von 1950, welches besagt, daß alle Juden auf der Welt ein „Recht auf Rückkehr“ nach Israel haben. Dieser Doppelcharakter der israelischen Staatlichkeit, diese „demokratische Diktatur“, ist genauso revolutionär wie der des Staates UdSSR 1920, der sich als Staat des russischen Pro- letariats und als Inkarnation aller Aspirationen des Weltproletariats definiert hat.

T-34: Sowie es den Zionismus natürlich vor der Gründung des Staates Israel gab, gab es auch   den Antizionismus bereits vor der israelischen Staatsgründung. Wo liegen seine Wurzeln? Sind diese Wurzeln im heutigen Antizionismus noch erkennbar?

J.B.: Der Antizionismus hat einerseits seine Wurzel in der Kritik am jüdischen Nationalismus aus weltrevolutionärer Sicht, insbesondere im Trotzkismus. Diese Kritik hat sich am 30. Januar 1933 erledigt. Er hat zweitens eine Wurzel in der jüdischen Gesellschaft selber, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte. Seine dritte Wurzel aber liegt darin, daß der Antizionismus von Anfang an zum nazifaschistischen Programm gehörte. Es ist gerade nicht so, wie oft behauptet wird, daß der Antizionismus in Deutschland wesentlich eine linke Erfindung war. Der linke Antizionismus kommt noch zur Misere hinzu, die wesentlichste und gefährlichste Wurzel des Antizionismus ist der Nazifaschismus selber.

Als Hitler in seinem Programm von 1920 den Antisemitismus der Vernichtungspraxis erfand, war dieses Programm unmittelbar zugleich ein antizionistisches Programm. Die Nazis haben immer genau beobachtet, wie die Staatswerdung des Jischuw in Palästina voranschritt. Daß hatte zum einen den geopolitischen Zweck, das Bündnis mit den arabischen Antisemiten gegen das britische Empire zu stärken, zum anderen aber besteht der Grund dafür darin, daß der Antisemitismus in zwei verbundene, aber auch unterscheidbare Elemente zerfällt. Das eine ist der Antisemitismus, der mit einer ökonomischen Thematik – jüdisch raffendes und deutsches schaffendes Kapital- argumentiert wird, das andere Element beruht darauf, daß der An- tisemitismus sich zugleich auch in der Sphäre der Politik darstellt. Diese Darstellungsform des Antisemitismus nenne ich Antizionismus. Bei diesem wird ähnlich dem eher ökonomischen Antisemitismus- unterschieden zwischen dem organischen, einheitlichen Volksstaat und dem liberalen, pluralistischen Rechtsstaat. Der letzte wird den Juden als ihre im Politischen präsente Zersetzungspolitik zugeschlagen. Alfred Rosenberg hat beispielsweise jede Woche   im „Völkischen Beobachter“ die aktuellen Ereignisse in Palästina kommentiert und so die theoretische Formulierung des Antisemitismus im Bereich der Politik erfunden.

Genauso wenig wie man also sagen kann, daß nach 1945 der deutschen Antisemitis- mus verschwunden ist, darf man sagen, daß nach 1945 der Antizionismus verschwunden ist. Der Antizionismus von links, so wie er vor allem aus der ML-Bewegung, der DDR und dem sowjetisierten Rußland kam, ist in Deutschland natürlich auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Linken haben also ein Thema weitergetrieben, das seit 1989 nun auch wieder offenkundig von den bürgerlichen Nationalen, den Neofaschisten usw. aufgegriffen werden kann.

T-34: In Anbetracht der Tatsache, daß für eine Kritik am Nationalstaat auf der Welt knapp 200   zur Auswahl stehen, Deutschland natürlich im besonderen, ist da die Kritik am Staat Israel immer schon antisemitisch?

J.B.: Ob jede Kritik am Staat Israel antisemitisch ist, kann man nur mit einem glasklaren Ja be- antworten. Es kann keine Kritik am Staat Israel geben, die nicht antisemitisch ist, da – wie schon hervorgehoben- Israel die organisierte revolutionäre Emanzipationsgewalt der jüdischen Gesellschaft darstellt. Jede Kritik kann nur aus der Perspektive des Abscheus vor dieser Emanzipation geäußert werden.

Ich finde das Argument mit den 200 zur Auswahl stehenden Staaten sehr schön. Daher möchte ich den besonderen Fall von Marokko anführen. Jeder weiß, daß 1975 Marokko die Westsahara, die damals von Spanien entkolonisiert wurde, sich einverleibt hat. Weiterhin weiß jeder, daß sich Marokko seit fast 30 Jahren allen UNO-Versuchen und Resolutionen, dort eine Volksabstimmung durchzuführen, nicht nur tätlich widersetzt, sondern auch durch eine planmäßige Siedlungsbewegung das „eingeborene Volk“ der Sahauris um ihre angestammten Rechte bringt. Diese Sahauris leben zu Zehntausenden unter elenden Verhältnissen in der algerischen Wüste in Flüchtlingslagern. Das ist natürlich kein Thema. Es geht vielmehr nur darum, was Juden anderen antun. Man sucht sich Israel nicht aus, weil dort angeblich Rechts- verstöße besonderer Qualität vorkämen, sondern weil in Israel Juden am Werke sind.

T-34: Du kritisierst insbesondere den Postzionismus. Was muß man darunter verstehen?

J.B.: Der Postzionismus ist israelischer Azionismus für deutsche Antizionisten, die es gern mit Michael Foucault und der Postmoderne haben. Der wesentliche Charakter des Staates Israel liegt in dem Recht auf Rückkehr, welches in vielen Varianten weiterentwickelt wurde. Der An- tizionismus, Azionismus oder Postzionismus jedweder Façon wendet sich gegen dieses Gesetz und fordert mit dem Argument, daß dieses Gesetz verhindern würde, wie es z.B. bei Moshe Zuckermann heißt, daß Israel der Staat all seiner Bürger wird, seine Abschaffung. Der Begriff „Staat all seiner Bürger“ spiegelt die Illusion wider, daß der Inhalt des Staatswillens und das Programm des Souveräns wirklich durch allgemeine, freie und gleiche Wahlen ermittelt würde.

Das ist die zentrale Demokratieillusion, die bestimmt genauso mächtig ist wie die, daß auf dem Markt die Nachfrage das Angebot und die Preise bestimmen würde. Eine Ideologie von genau der selben Objektivität und Idiotie. Diese Idiotie kann im Fall Israel auch nicht richtiger sein als im Fall einer anderen bürgerlichen Gesellschaft. Die israelische Gesellschaft als eine bürgerlich-kapitalistische verhält sich zu ihrem Staat erst einmal genauso, wie sich jede Gesell- schaft zu ihrem Staat verhält. Im Falle Israel kommt aber weiter bestimmend hinzu, daß das Rückkehrgesetz besagt, der Staat Israel habe nicht nur die zu vertreten, die auf seinem Territo- rium ansässig sind, sondern auch die, die auf seinem Territorium nicht ansässig sind. Also die, die nicht in der Lage sind – wie ideologisch auch immer- durch Wahlen den Willen des Staates zu bestimmen. Der Staat Israel hat also den Doppel-Charakter einer demokratischen Diktatur. Wer dieses Gesetz auf Rückkehr streicht, der streicht auch den grundlegenden Asyl-, Notwehr-, und Schutzcharakter dieses Staates. Daß heißt, wer das Gesetz streichen will, der kann vom Antisemitismus und von dem Programm der antisemitischen Internationale über- haupt keinen Begriff haben. Wenn man sich anschaut, was die linken Anti-, A- oder Post-zionisten für einen Antisemitismusbegriff haben, wenn sie sich etwa auf Moshe Zuckermann berufen, dann kann man feststellen, daß der Antisemitismus hier als eine Art Vorurteil gedacht wird und nicht als eine auf dem Boden der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft notwendig erwachsende Aggression. Natürlich kann man nicht Israelis oder Juden vorwerfen, sie hätten keinen angemessenen Antisemitismusbegriff. Aber jemanden wie Zuckermann, der sich explizit auf die Kritische Theorie bezieht, muß man vorwerfen, daß er die Kritische Theorie zum Kinderglauben für linke Gutmenschen verunstaltet. Deswegen muß der Postzionismus als

eine innerisraelische, sozialdemokratische Position, mit deutlich postmodernen Einschlag, die in Deutschland besonders gut bei den Antizionisten ankommt und weiterverbreitet wird, kritisiert werden.

(1) „Die Ökonomen verfahren auf eine sonderbare Art. Es gibt für sie nur zwei Arten von Institutionen,   künstliche und natürliche. Die Institutionen des Feudalismus sind künstliche Institutionen, die der Bourgeoisie natürliche. Sie gleichen darin den Theologen, die auch zwei Arten von Religionen unter- scheiden. Jede Religion, die nicht die ihre ist, ist eine Erfindung des Menschen, während ihre eigene Religion eine Offenbarung Gottes ist. – Somit hat es eine Geschichte gegeben, aber es gibt keine mehr.“ (MEW 23, S. 96)

 

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Siehe auch: Polski minister spraw zagranicznych: Auschwitz oswobodzili Ukraincy / polnischer Außenminister: Auschwitz wurde von Ukrainern befreit / polish Foreign Minister: Auschwitz has been liberated bei Ukrainians ( po polsku / deutsch / english)

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https://psychosputnik.wordpress.com/2015/01/25/polski-minister-spraw-zagranicznych-auschwitz-oswobodzili-ukraincy-polnischer-ausenminister-auschwitz-wurde-von-ukrainern-befreit-polish-foreign-minister-auschwitz-has-been-liberated-bei-ukrain/

 

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[i] http://www.zeit.de/1981/10/ihr-bleibt-die-kinder-eurer-eltern
[ii] http://www.zeit.de/2014/41/juden-deutschland-antisemitismus/komplettansicht

 

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Initiative Sozialistisches Forum

Volksfront gegen Judenhass, Volksgemeinschaft gegen Israel

Was man in Deutschland Aufarbeitung, oder unfreiwillig treffender, Bewältigung der Vergangenheit nennt, bildet das Zentrum des staatsbürgerlichen Bewusstseins der Eliten im Postnazismus. Man muss Eberhard Jäckel beinahe dankbar sein für seinen stolzen Ausspruch, andere Länder würden Deutschland um das Holocaust-Mahnmal beneiden. Während man goldene Steine vor die Häuser setzt, in denen die Opfer der Nazis lebten, um ihnen nachträglich Vor- und Zunamen zurückzugeben und sie als Staatsbürger post mortem, symbolisch und ohne Folgen anzuerkennen, weil Tote keine Forderungen stellen können, bleiben ihre überlebenden Mörder auch in der deutschen Gedenkkultur in geschützter Anonymität. Es scheint in Deutschland überall Opfer der Nazis gegeben zu haben, aber keine Täter.

Als könnte Mord nur nach Einreichung einer Klage verfolgt werden, gab es gegen die Täter bis Ende der 50er Jahre nur in Ausnahmefällen strafrechtliche Verfahren und da es bis zur Einrichtung der zentralen Ermittlungsstelle in Ludwigsburg keine systematische Sammlung von Beweisen gegen NS-Täter gab, endeten diese Verfahren weit überdurchschnittlich mit Freisprüchen. Erst in den ’60er Jahren folgten Prozesse zunächst gegen die Wachmannschaften kleinerer Lager, dann, angestrengt durch Fritz Bauer, selbst Verfolgter der Nazis, der Frankfurter Auschwitzprozess. Der BGH jedoch lehnte Bauers Argumentation, die Vernichtung in Auschwitz als einheitliche Tat, und damit jeden Beteiligten als Mittäter zu verurteilen, ab; während im Auschwitzprozess die nachgewiesene Beteiligung etwa bei der Selektion an der Rampe noch für eine Verurteilung genügte, wurden danach nur dann Täter verurteilt, wenn man ihnen konkrete exzessive Einzeltaten nachweisen konnte. Wer bei seiner Beteiligung an der Vernichtung anständig geblieben war, hatte nichts zu befürchten. [ 1 ]

Zum Gründungsmythos der Zivilgesellschaft im postnazistischen Deutschland wurde die Aufspaltung in anständige und exzessive Judenmörder. Doch die anständigen Antisemiten bedürfen der exzessiven, wenn die deutsche Zivilgesellschaft zuletzt Appelle gegen zunehmenden Judenhass verfasste. Sie dienen nicht dazu, die Täter zu denunzieren und gesellschaftlich zu bekämpfen, die diesmal nicht wie sonst aus der Neonazi-Szene, sondern aus dem Islamismus kommen. Als anlässlich des Gazakrieges im Sommer 2014 in ganz Europa größtenteils islamische Jugendliche “Kindermörder Israel”, “Hamas, Hamas, Juden ins Gas” und “Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein” riefen und auf israelsolidarische Gegendemonstranten losgingen, oft ungestört von der Polizei, die ihnen z.B. in Frankfurt noch einen Lautsprecherwagen zur Verfügung stellte, in einigen Städten gefolgt von Brandanschlägen auf Synagogen und einer Welle von antisemitischen Drohbriefen an jüdische Organisationen, mussten zwar erst die offiziellen Vertretungen der deutschen Juden die Öffentlichkeit darauf hinweisen, dass man es hier mit Antisemitismus zu tun habe, bis sich dann aber auch weite Teile aus Zivilgesellschaft und Politik bereit erklärten, wie es im Jargon heißt “ein Zeichen” zu setzen gegen Judenhass.

In Nürnberg wurde beispielsweise im Anschluss an eine Demonstration gegen den Gaza-Krieg der Burgerking im Hauptbahnhof von einer “Kindermörder Israel” grölenden Meute gestürmt; als dann noch die israelitische Kultusgemeinde auf eine Welle von Hassbriefen und auf Schmähungen jüdischer Kinder in der Schule aufmerksam machte, riefen vom Oberbürgermeister und den Stadtratsfraktionen, über die Gewerkschaften und Handelskammer, sogar der FC Nürnberg und freilich die christlichen Kirchen, nicht zu vergessen die “muslimische Begegnungsstätte Medina e.V.” dazu auf, gegen Judenhass zu demonstrieren. Dies tat man nicht nur mit Israelfahnen, sondern in trauter Eintracht mit Schildern, die zur “Solidarität mit der israelischen Friedensbewegung” aufriefen, mit “Stoppt die Aggression gegen Gaza” und “Free Gaza – Stoppt den Massenmord Israels”. Es war und ist kein Widerspruch, sondern der ambivalente Kern des deutschen Selbstverständnisses, sich gegen “Judenhass” und für das “Existenzrecht Israels” zu bekennen und zugleich – anständig – Israel zu delegitimieren. Nachdem sich im Sommer 2010 der Linkspartei angehörige Mitglieder des deutschen Bundestags an einer paramilitärischen Aktion gegen Israel – der sogenannten Gaza-Hilfsflotte – beteiligt hatten, verabschiedete der deutsche Bundestag einstimmig eine Resolution, die Israel seine Sicherheitsinteressen diktieren sollte, einschließlich des irren Aufrufs, “die Forderung der Europäischen Union nach einer sofortigen Aufhebung der Gaza-Blockade mit Nachdruck zu unterstützen”. Gegen die deutschen Partisanen aus dem Bundestag ging man weder politisch, noch gesellschaftlich noch juristisch vor, sondern distanzierte sich höflich und erhöhte den Druck auf Israel. Der anständige Antisemit bestätigt den Israelis ihr legitimes Sicherheitsinteresse, das er aber sogleich israelkritisch delegitimiert, wenn die israelische Armee es aktiv verteidigt und gefährdet, indem er die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit mit dem Iran weiterführt.

Den israelkritischen Politikern kann man sowenig wie ihren Adjutanten im Medienunwesen zugute halten, sie wüssten nicht, was sie tun. Selbst in der Süddeutschen Zeitung erschien ein Artikel der thematisierte, dass die Hamas Schulen und Krankenhäuser für Waffenverstecke nutzt, um anschließend die Fotos zerstörter ziviler Ziele zum Propagandakrieg gegen Israel einzusetzen. Wie anders, denn als Unterstützung dieses Propagandakrieges soll man deuten, wenn nur ausnahmsweise deutsche Zeitungen darauf verzichten, Fotos von Ruinen mit drapiertem Kinderspielzeug oder Rollstühlen abzudrucken? Während der Abdruck solcher Bilder für den Nahen Osten zur Folge hat, dass das zynische Kalkül der Hamas aufgeht, aktualisiert er hierzulande als Reiz-Reaktionsschema die israelkritischen Ressentiments.

Als stets kritische Avantgarde gegen Banken, Amerikanismus und Israel treten die selbsternannten “Kulturschaffenden” mit einem “offenen Brief an die Bundesregierung” auf, der von über 500 Theatermachern, Schriftstellern, Schauspielern und Akademikern unterzeichnet wurde. “Wenn die israelische Armee zum wiederholten Male in einer Großoffensive die Bevölkerung Gazas angreift und für den Tod und unendliches Elend tausender Menschen die Hauptverantwortung trägt, so geschieht dies auch mithilfe einer engen deutsch-israelischen militärischen, politischen und kulturellen Zusammenarbeit. Als Kulturschaffende in Deutschland können wir dazu nicht schweigen.” [ 2 ] Dass deutsche “Kulturschaffende” nicht schweigen können, weil sie ihre Gesinnung permanent vermarkten müssen, ist die eine Sache; dass sie zum Elend in Gaza nicht schweigen könnten, wie sie es sonst in der Regel tun, wenn keine Juden oder Amerikaner verantwortlich gemacht werden können, ist natürlich glatt gelogen. Insbesondere die holprige und merkwürdige Behauptung, der Angriff auf Gaza geschähe “mithilfe” der “kulturellen Zusammenarbeit” zwischen Israel und Deutschland verrät, dass hier eigentlich ein etwas verbrämter Aufruf zum Boykott israelischer Kultur vorliegt. Besonderes Gewicht sollte dem offenen Brief wohl dadurch zukommen, dass er nur von Kulturschaffenden unterzeichnet werden durfte, um sicherzustellen, dass ihr “Kauft nicht beim Juden” nicht als Aufruf eines antisemitischen Pöbels, sondern intellektueller und kultivierter Israelkritik daherkommt.

Dabei sind die judenhassenden Jungmänner und -frauen, die zuletzt ihre Gewaltbereitschaft herausbrüllten, auch nicht einfach aus dem gar nicht so fremden Orient herübergekommen, in dem Juden schon lange nicht besonders geschätzt werden, sondern bei der deutschen Zivilgesellschaft in die Schule gegangen. Die exzessiven Antisemiten von heute brüllen “Kindermörder Israel”, während die anständigen von der Taz (30.07.14) eine Karikatur drucken, in der eine ausgebombte Schule mit palästinensischer Fahne, auf deren Trümmern eine Gruppe Kinder steht, von einem israelischen Panzer ins Visier genommen wird, dessen Sprechblase deklariert, es gebe Zweitklässler und Menschen zweiter Klasse.

Sich vom judenhassenden Pöbel, der zweifelsohne eine Gefahr für die in Deutschland lebenden Juden darstellt, abzugrenzen, ist eine leichte Übung; sie sind nützliche Idioten, gut genug, dass die Antisemiten auch gegen Judenhass ihre Stimme erheben können. Wer aber demonstriert gegen die antisemitischen “Kulturschaffenden”, die als Avantgarde einer selbstgerechten Zivilgesellschaft fungieren, die ihren Judenhass als solchen nicht unsublimiert zulassen? Die ihren Antisemitismus gar nicht mal hasserfüllt, sondern lieber als ästhetisches Wohlgefallen mit Sekt und Brezeln gemeinschaftsbildend im Theater genießt. Und mit leichtem Gruseln und mehr gespielter als echter Empörung bei der Lektüre der neuesten News aus Gaza sich mit den “Kindermörder”-Brüllaffen in der Sache einig weiß, den sie zugleich aber wie den Fußballfan für den emotionalen Ausbruch – und nicht dessen antisemitischen Gehalt – verachtet. Was dem Brüllaffen die Pogromstimmung, ist der Zivilgesellschaft das Gelächter – beides aggressive Triebabfuhr – und es genügt ein einziger Blick ins deutsche Kabarett um zu wissen, dass kein Blatt zwischen den Pro-Gaza-Demonstranten und den gewöhnlichen Bundesbürger mit staatsbürgerlichen Bewusstsein, sprich kritischem Anspruch passt.

Auf der bereits erwähnten Nürnberger Demonstration des islamistischen Milieus gegen den Gaza-Krieg klangen die Reden wie aus der Kommentarspalte einer beliebigen deutschen Zeitung: “Das Misstrauen ist groß auf beiden Seiten, umso mehr bräuchte es in dieser Stunde Diplomaten, die eine Annäherung zwischen den Konfliktparteien schaffen. Die traditionellen Vermittler haben wenig Lust und die ganze Welt schaut zu, bzw. weg, wie Zivilisten, unter anderem viele Kinder, ermordet werden. […] Ein Teil der Hamas hat in den letzten Tagen selbstgebastelte Raketen auf das israelische Staatsgebiet abgefeuert, die größtenteils vom israelischen Abwehrsystem […] abgefangen wurden. […] Auf israelischer Seite gibt es bislang zwei Todesopfer. Auch diese sind zuviel. Aber kann man unter diesem Gesichtspunkt noch über Verteidigung sprechen?”

Auch der wütende Sturm auf Burgerking und Hauptbahnhof war keine originäre Idee der Islamisten, sondern die Wiederholung einer Aktion von 2003, als aus einer Schülerdemonstration gegen den Irakkrieg heraus ebenfalls Burgerking und Bahnhof besetzt wurden. Damals wollte niemand – etwa gegen Antiamerikanismus – aufstehen, bestand der Mob doch aus den eigenen Kindern, die in konformistischer Enthemmung nur symbolisch die Wut auf die Straße trugen, die der amerikakritische Vater bei öffentlich-rechtlichen Kabarettsendungen herauslachte.

Die Wirkung die das damalige Bündnis aus Mob und Regierung und die damalige Berichterstattung über den elften September, die zweite Intifada und den Irakkrieg auf eben jenes Milieu hatte, deren Angehörige zuletzt nach dem Vorbild holländischer Fußballfans “Hamas, Hamas, Juden ins Gas” [ 3 ] riefen, oder sich freiwillig zum Kämpfen nach Syrien absetzten, lässt sich kaum überschätzen. Die meisten der Pro-Gaza Demonstranten sind Jugendliche und junge Erwachsene, die als Kinder die von Politik, Medien und Zivilgesellschaft angefachte Massenhysterie angesichts des Irakkrieges erlebt haben – nicht nur im Elternhaus, sondern auch in der Schule, wo ihnen Lehrer vom großen Weltenbrand erzählten, der damit entfacht worden sei und an dem manche von ihnen heute in Syrien und im Irak teilnehmen. Für eine ganze von Michael Moore und Gerhard Schröder verdorbene Generation begann politisches Urteilen mit der Verachtung für den Westen, womit Israel und die USA gemeint waren.

Der Islamismus ist wenigstens in Europa kaum etwas anderes als die konsequenteste Form jener Verachtung für die USA und Israel, die den Konsens aus europäischer Politik, Zivilgesellschaft und Kulturschaffenden bestimmt. Laut einem Artikel der FAS über eine Beratungshotline des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge für Eltern, die eine islamistische Radikalisierung ihrer Kinder befürchten, haben mehr als zwei Drittel der Eltern, die die Hotline in Anspruch nehmen, gar keinen Migrationshintergrund. [ 4 ]

Antisemitismus und Antiamerikanismus waren nie nur explizit weltpolitische Einstellungen, sondern im schlimmsten Sinne ganzheitliche Denkformen, die auch das scheinbar Privateste umgreifen. Darin sind sie den Anforderungen des postmodernen Arbeitslebens genauso verwandt, wie der Ökoideologie, die aus Gesinnung das Essverhalten reguliert.

Der sexuelle Reinheitswahn des modernen Islamismus tritt dabei dem Antisemitismus nicht äußerlich hinzu, sondern ist nur dessen sexualpolitisches Pendant. Obgleich objektiv frauenfeindlich, fällt der vergleichsweise hohe Frauenanteil auf islamistischen Demonstrationen auf. Die Anziehungskraft religiöser Regelungsvorschriften dürfte sich dabei für Männer wie Frauen weniger aus alten religiösen Texten speisen, als aus dem Umstand, dass er scheinbar eine Alternative zu den Schattenseiten “westlicher” Sexualität, d.h. Konkurrenz auf dem Markt der Sexualpartner, darstellt. In einem zufällig mitgehörten Gespräch zweier Islamwissenschaftlerinnen erklärte die eine, die vor kurzem zum Islam konvertiert war und ihre Kommilitonin höchst pragmatisch anwarb, dass sie nun in dieser Gemeinschaft leicht einen Mann gefunden habe, der sich ihr dann auch gleich für das ganze Leben versprach und sie sich darüberhinaus dank Kopftuch sowohl vor abschätzigen Blicken ebenso schützen könne, wie sie auch der unangenehmen omnipräsenten sexuellen Konkurrenz endlich entronnen sei. Von islamischer Theologie habe sie bislang zwar noch keine Ahnung, wolle das aber mit dem Studium jetzt, nach ihrer Konversion, nachholen.

Wie weit das grundsätzliche Unbehagen an der gegenwärtigen sexuellen Situation in die Zivilgesellschaft hineinreicht, lässt sich an der Partei- und Presselandschaft übergreifenden Reinheitskampagne gegen Prostitution ablesen, an der jeder Mullah seine Freude hätte, die die Prostituierten und Freier stellvertretend für die geschlechtliche Konkurrenz und zugleich dafür, dass sie sich dieser vermeintlich entziehen, büßen lassen will. [ 5 ] Wie die Zivilgesellschaft die sexuelle Konkurrenz zugleich affirmiert, verdrängt und an den Prostituierten verfolgt, so affirmiert [ 6 ] und verdrängt sie auch die politische Konkurrenz zwischen den Staaten und verfolgt sie an Israel. Der postmoderne Islamismus geht jeweils einen entscheidenden Schritt weiter und tendiert dazu, sie gleich ganz still zu stellen: Als Regelung noch kleinster Details im Verkehr der Geschlechter oder politisch als weltumspannendes oder wenigstens nach Außen hermetisch abgeschlossenes und nach Innen von Gegensätzen bereinigtes Kalifat.#

Anmerkungen

[ 1 ] Erst 2011 wurde mit Demjanjuk wieder ein SS-Mann alleine wegen seiner Mitgliedschaft in einer Wachmannschaft verurteilt, als die meisten Täter schon tot und Deutschland schon als Vergangenheitsbewältigungsweltmeister feststand.

[ 2 ] http://www.gazaopenletter.de

[ 3 ] Lange Zeit pflegten gegnerische Fans den als jüdischen Club geltenden Ajax Amsterdam mit dieser Parole zu schmähen.

[ 4 ] FAS vom 14.09.2014.

[ 5 ] Dass Frauen in der Prostitution “zur Ware” gemacht würden, ist nach gängigem Sprachgebrauch der wesentliche moralische Vorwurf gegen die Prostitution. Logisch kann daraus nur folgen, dass die Prostituierten entweder alle gezwungen wurden, sich zur Ware zu machen, was etwa Alice Schwarzer behauptet, die Prostitution mit Sklaverei identifiziert, oder aber, dass sich diese Frauen freiwillig “zur Ware” gemacht haben. Genau damit aber personifizieren sie geradezu die allgemeine Konkurrenz auf dem Markt um Sexualpartner, der sie sich gleichsam zu entziehen scheinen. Den Freiern wiederum nimmt man vor allem übel, dass sie sich für Geld holen, wofür sich andere in eben jener Konkurrenz mühsam durchsetzen müssen.

[ 6 ] Praktisch affirmiert sie die Konkurrenz zwischen den Staaten natürlich immer dann, wenn sie anderen Staaten mores lehren möchte. Dass sie dabei freilich auch eine Position innerhalb der konkurrierenden Mächte einnimmt, wird in Deutschland immer dadurch verdrängt, dass man die eigene Position als Völkerrecht ausgibt.

http://www.ca-ira.net/isf/jourfixe/jf-2014-2_volksfront.html

line-wordpress

Remember: Do X! Don´t do Y!

Protect innocent, respect life, defend art, preserve creativity!

What´s Left? Antisemitism!

http://www.jsbielicki.com/jsb-79.htm

DJ Psycho Diver Sant – too small to fail
Tonttu Korvatunturilta Kuunsilta JSB
Tip tap tip tap tipetipe tip tap heija!
http://www.psychosputnik.com
http://www.saatchionline.com/jsbielicki
https://psychosputnik.wordpress.com/

They want 1984, we want 1776

They are on the run, we are on the march!

I think for food

molon labe

Dummheit ist, wenn jemand nicht weiß, was er wissen könnte.

Political correctness ist, wenn man aus Feigheit lügt, um Dumme nicht zu verärgern, die die Wahrheit nicht hören wollen.

“Im Streit um moralische Probleme, ist der Relativismus die erste Zuflucht der Schurken.“ Roger Scruton

Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt.

Der Nicht-Antisemit ist ein Antisemit, der nach der derzeitigen deutschen Rechtsprechung, Israel, Juden diffamiert, diskriminiert, delegitimiert, jedoch nicht expressis verbis das Ziel der dritten Reichs, den Holocaust, die Judenvernichtung, befürwortet.

Islam ist weniger eine Religion und mehr eine totalitäre Gesellschaftsordnung, eine Ideologie, die absoluten Gehorsam verlangt und keinen Widerspruch, keinerlei Kritik duldet und das Denken und Erkenntnis verbietet. Der wahre Islam ist ganz anders, wer ihn findet wird eine hohe Belohnung erhalten.

Wahnsinn bedeute, immer wieder das gleiche zu tun, aber dabei stets ein anderes Resultat zu erwarten.

Gutmenschen sind Menschen, die gut erscheinen wollen, die gewissenlos das Gewissen anderer Menschen zu eigenen Zwecken mit Hilfe selbst inszenierter Empörungen instrumentalisieren.

Irritationen verhelfen zu weiteren Erkenntnissen, Selbstzufriedenheit führt zur Verblödung,

Wenn ein Affe denkt, „ich bin ein Affe“, dann ist es bereits ein Mensch.

Ein Mensch mit Wurzeln soll zur Pediküre gehen.

Wenn jemand etwas zu sagen hat, der kann es immer sehr einfach sagen. Wenn jemand nichts zu sagen hat, der sagt es dann sehr kompliziert.

Sucht ist, wenn jemand etwas macht, was er machen will und sucht jemand, der es macht, daß er es nicht macht und es nicht machen will.

Sollen die Klugen immer nachgeben, dann wird die Welt von Dummen regiert. Zu viel „Klugheit“ macht dumm.

Wenn man nur das Schlechte bekämpft, um das Leben zu schützen, bringt man gar nichts Gutes hervor und ein solches Leben ist dann nicht mehr lebenswert und braucht nicht beschützt zu werden, denn es ist dann durch ein solches totales Beschützen sowieso schon tot. Man kann so viel Geld für Versicherungen ausgeben, daß man gar nichts mehr zum Versichern hat. Mit Sicherheit ist es eben so.

Zufriedene Sklaven sind die schlimmsten Feinde der Freiheit.

Kreativität ist eine Intelligenz, die Spaß hat.

Wen die Arbeit krank macht, der soll kündigen!

Wenn Deutsche über Moral reden, meinen sie das Geld.

Ein Mensch ohne Erkenntnis ist dann  lediglich ein ängstlicher, aggressiver, unglücklicher Affe.

Denken ist immer grenzüberschreitend.

Der Mob, der sich das Volk nennt, diskutiert nicht, sondern diffamiert.

Legal ist nicht immer legitim.

Wer nicht verzichten kann, lebt unglücklich.

Sogenannte Sozial-, Kultur-, Geisteswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Psychotherapie, Psychoanalyse, sind keine Wissenschaften mehr, sondern immanent religiöse Kultpropheten, organisiert wie Sekten.

Ohne eine starke Opposition atrophiert jede scheinbare Demokratie zur Tyrannei, und ebenso eine Wissenschaft, zur Gesinnung einer Sekte.

Man kann alles nur aus gewisser Distanz erkennen, wer sich ereifert, empört, wer mit seiner Nase an etwas klebt, der hat die Perspektive verloren, der erkennt nichts mehr, der hat nur noch seine Phantasie von der Welt im Kopf. So entsteht Paranoia, die sich Religion, und Religion als Politik, sogar als Wissenschaft nennt.

Islamisten sind eine Gefahr, deswegen werden sie als solche nicht gesehen. Juden sind keine Gefahr, deswegen werden sie als solche gesehen. So funktioniert die Wahrnehmung von  Feiglingen.

Humorlose Menschen könner nur fürchten oder hassen und werden Mönche oder Terroristen.

Menschen sind nicht gleich, jeder einzelne Mensch ist ein Unikat.

Erkenntnis gilt für alle, auch für Muslime, Albaner, Frauen und Homosexuelle.

Islam gehört zu Deutschland, Judentum gehört zu Israel.

Der Konsensterror (Totalitarismus) ist in Deutschland allgegenwärtig.

Es wird nicht mehr diskutiert, sondern nur noch diffamiert.

Es ist eine Kultur des Mobs. Wie es bereits gewesen ist.

Harmonie ist nur, wenn man nicht kommuniziert.

Man soll niemals mit jemand ins Bett gehen, der mehr Probleme hat, als man selbst.

>>Evelyn Waugh, sicherlich der witzigste Erzähler des vergangenen Jahrhunderts, im Zweiten Weltkrieg, herauskommend aus einem Bunker während einer deutschen Bombardierung Jugoslawiens, blickte zum Himmel, von dem es feindliche Bomben regnete und bemerkte: “Wie alles Deutsche, stark übertrieben.“<< Joseph Epstein

Man muß Mut haben, um witzig zu sein.

Dumm und blöd geht meistens zusammen.

Charlie Hebdo: solche Morde an Juden sind euch egal, mal sehen wie”angemessen”  ihr reagiert, wenn (wenn, nicht falls) eure Städte von Islamisten mit Kasam-Raketen beschossen werden.

Christopher Hitchens großartig: „In einer freien Gesellschaft hat niemand das Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Je mehr sich jemand narzisstisch aufbläht, desto mehr fühlt er sich beleidigt und provoziert.

“Das Problem mit der Welt ist, daß die Dummen felsenfest überzeugt sind und die Klugen voller Zweifel.” – Bertrand Russel

Das Problem mit den Islamisten in Europa soll man genauso lösen, wie es Europa für den Nahen Osten verlangt: jeweils eine Zweistaatenlösung, die Hälfte für Muslime, die andere Hälfte für Nicht-Muslime, mit einer gemeinsamen Hauptstadt.

Was darf Satire? Alles! Nur nicht vom Dummkopf verstanden werden, weil es dann keine Satire war.

Islamimus ist Islam, der Gewalt predigt.

Islam ist eine Religion der Liebe,und wer es anzweifelt, ist tot.

Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke. Der Islam ist die friedliche Religion der Liebe George Orwell 2015

Islam ist verantwortlich für gar nichts, Juden sind schuld an allem.

Islamisten sind Satanisten. Islamismus ist eine Religion von Idioten.

Leute fühlen sich immer furchtbar beleidigt, wenn man ihre Lügen nicht glaubt.

Jeder ist selbst verantwortlich für seine Gefühle.

Die Psychoanalyse geht niemanden außer den Psychoanalytiker und seinen Patienten etwas an, und alle anderen sollen sich verpissen.

“Zeit ist das Echo einer Axt
im Wald.
Philip Larkin, Gesammelte Gedichte

Wenn jemand wie Islamisten sein Ego endlos aufbläht, dann verletzt er seine eigenen Gefühle schon morgens beim Scheißen.

„Die sieben Todsünden der modernen Gesellschaft: Reichtum ohne Arbeit Genuß ohne Gewissen Wissen ohne Charakter Geschäft ohne Moral Wissenschaft ohne Menschlichkeit Religion ohne Opfer Politik ohne Prinzipien.“
―Mahatma Gandhi

„Wo man nur die Wahl hat zwischen Feigheit und Gewalt, würde ich zur Gewalt raten.“
―Mahatma Gandhi

Warum zeigt sich Allah nicht? Weil er mit solchen Arschlöchern nichts zu tun haben will.

„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus’. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus’.”  – Ignazio Silone

Politische Korrektheit verlangt eine Sprache für ein Poesiealbum.

Psychoanalyse ist frivol, oder es ist keine Psychoanalyse.

Bunte Vielfalt, früher: Scheiße

Was der Mensch nicht mehr verändern, nicht mehr reformieren kann, ist nicht mehr lebendig, sondern sehr tot. Was tot ist, das soll man, das muß man begraben: Religion, Ehe, Romantizismus, etc.

Romantik ist scheiße.

Die Realität ist immer stärker als Illusionen.

Deutschland gestern: der Wille zur Macht.
Deutschland heute: der Wille zur Verblendung.
Deutschland morgen: 德國

Deutsche Psychoanalyse? Großartig, wie deutscher Charme, deutscher Humor und deutscher Esprit.

Der Widerstand fängt mit einer eigenen, anderen Sprache als die der Diktatur.

Smart phones for stupid people.

Ein Linker kann, muß aber nicht dumm sein.

Wenn man ganzen Staaten nicht übel nimmt, wenn sie mit Millionen Opfern Selbstmord begehen, warum dann einem Co-Piloten mit 149 Toten?

Nur die Reinheit der Mittel heiligt den Zweck.

Ein extremer Narzißt ist ein potentieller Terrorist, und jeder Terrorist ist ein extremer Narzißt.

Islamisierung bedeutet Verblödung.

Copy-shop als psychoanalytische Methode heute.
Die Psychoanalyse heute ist lediglich die Nachahmung einer vermeintlichen Psychoanalyse, die es so nie gegeben hat, also unbewußte Karikatur, Totemmaske ihrer selbst.
Die Revolution frißt ihre Väter, nicht ihre Kinder.
Jeder verdient eine zweite Chance. Eine zweite, nicht eine zwölfte, zweiundzwanzigste oder einhundertzweite.
In Polen haben amerikanische Geheimdienstler ihre Gefangenen gefoltert, während vor polnischen Gerichten Prozesse gegen polnische Geheimdienstler liefen, die polnische Gefangene gefoltert haben.
Besser irgendwelche Sitten, als gar keine Sitten.
Direkte Gewalt gegen strukturelle Gewalt – lediglich eine Rationalisierung der eigenen Lust als Rechtfertigung für eigene wilde, triebhafte Gewalt. Wer strukturelle Gewalt von Institutionen eines demokratischen Rechtstaates delegitimiert und direkte Gewalt gegen diese Institutionen legitimiert, der gibt jeglicher denkbaren Form von Gewalt freie Hand, denn jede Gewalt kann moralisch begründet werden. Der Teufel ist ein Moralist. Und ein Gewalttäter. Aufrufe zur Gewalt sind in Deutschland strafbar.
National Sozialistische Deutsche Arbeiter Partei (NSDAP) war links,, ihr Kampf gegen Kommunisten und Sozialisten war nicht ideologisch, sondern es war ein Konkurrenzkampf unter Gleichen.
Wer sich für Kunst nicht interessiert, wem Kunst nichts bedeutet, der interessiert sich ebensowenig für Menschen, dem bedeuten Menschen nichts. Denn Kunst ist Ausdruck menschlicher Gefühle, Kunst ist Liebe.
Manche Menschen schauen in den Spiegel und sagen: „Die Welt ist schrecklich, die Welt ist böse“, und fangen an, dieses Böse in der Welt, aber nicht in sich, zu verfolgen, zu vernichten, auszumerzen. Also andere Menschen, das Andere menschliche, was sie nicht sein wollen, zu exterminieren, zu liquidieren.

…der hiesige Autoritarismus (ist) einer ohne Autorität und der hiesige Konventionalismus einer ohne Konventionen. Schon bei den Nazis war nicht das Wort des Führers Befehl, sondern sein Wille, den der kongeniale Volksgenosse erahnte. Nie hätte der Nationalsozialismus funktioniert, hätte den Deutschen jede ihrer Missetaten bei Strafandrohung befohlen werden müssen. Anders, als es das Wort vom „Befehlsnotstand“, von der „Gleichschaltung“ oder vom „Führer“ selber glauben machen will, herrschte das NS-System durch Gehorsam ohne Befehl. (W. Pohrt, Der Weg zur inneren Einheit)

Der faschistische Sozialpakt existiert im bundesdeutschen Postfaschismus weiter als eine im Resultat aufgehobene Voraussetzung, die unmittelbar keine Spur ihrer gewaltförmigen Durchsetzung mehr an sich trägt: umso besser kann diese Tatsache verleugnet und der Nationalsozialismus als das Verbrechen einiger Irrer, als „Unrechtsstaat“, als „das Schlimmste, das Menschen einander je angetan haben“ exorziert werden. Diese Lebenslüge der BRD ist das Fundament aller demokratischen „Vergangenheitsbewältigung“, jenes kollektiven Beschweigens des Nationalsozialismus, das durchaus auch die Form enervierender Redseligkeit annehmen kann. Weil das postfaschistische Deutschland in institutioneller wie personeller Hinsicht in Kontinuität zu seinem Vorgänger steht, muß ausnahmslos jeder Versuch einer Vergangenheitsbewältigung innerhalb des sich weiterschleppenden Systems zur symbolischen Distanzierung, zum substanzlosen Gestus geraten. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Deutschen einen schier unerschöpflichen Vorrat an größeren und kleineren Entlastungslügen angelegt, aus dem sie sich je nach Gelegenheit und Bedarf bedienen. Danach war das nationalsozialistische System wahlweise das Werk von Hitler höchstpersönlich, einer kleinen Verbrecherclique und ein paar Helfershelfern oder des Monopolkapitals und seiner Schergen. Otto Normalvergaser jedenfalls hat „von alledem nichts gewußt“, war „im Grunde auch dagegen“ oder „konnte gar nicht anders handeln“, weil „Befehlsnotstand“ herrschte und man im Falle des Zuwiderhandelns sofort „ins KZ gekommen“ wäre. “ (…) „Heute haben die Verbreitung des Gerüchts und die Verbreitung der Neidbeißerei neue, technische Möglichkeiten. Sie können sich über das Internet und diverse Subnetzwerke und Blogs rasend verbreiten und auch auf die Politik einen Druck erzeugen, sich ihnen zu beugen. Die gesellschaftliche Mobilmachung wirkt so wieder auf die Politik zurück. Sie muss sich den entsprechenden Stimmungen beugen, weil sonst die Wiederwahl gefährdet würde. Die Devise »Ich bin ihr Führer, also muss ich ihnen folgen«, bleibt auch im zerfallenen Postnazismus das prinzipienlose Grundprinzip von Herrschaft.“ (…) Spezialisierung und Diversifikation sind die zeitgemäße Erscheinungsform von Vermassung und Uniformität. (…) 1 x 1 materialistischer Kritik: es  muss darum gehen, Erscheinungen in eine Konstellation zu bringen, in der sie lesbar werden. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. Und weil gerade die Entfernung vom Nazismus die Nähe zu ihm verbürgt, waren und sind das diejenigen, die in Personensache am wenigstens mit Nazifaschistischem in Verbindung zu bringen sind, die Linksradikalen, die Linksliberalen, die Linken, die Antifaschisten, die entschiedensten Schrittmacher dafür, dass der anfangs noch gar nicht wirklich übergreifende postnazistische Fundamentalkonsens tatsächlich totalisiert und auf die Höhe der Zeit gebracht werden konnte. Die Nazis und die Rechten hingegen waren für diesen Vorgang nur von unterordnetem Belang. Sie standen immer schon für eine in ihrer konkreten Ausprägung gestrige Gesellschaftsformation und deshalb ging von ihnen auch nie eine ernsthafte Gefahr eines neuen Faschismus aus. Diese Totalisierung der Gemeinschaft der Demokraten, die hauptsächlich die Linke mit herbeigeführt hat, ist allerdings identisch und das zeigt sich heute mit ihrem Zerfall. Dieser wiederum ist im Selbstwiderspruch der postnazistischen Vergesellschaftung angelegt, in der der bereits erwähnte nazistische Kurzschluss von Staaten Subjekt im Modus permanenter Mobilmachung in den politökonomischen Formen im Doppelsinne aufgehoben ist. Seiner Substanz nach anerkannt und aufbewahrt, wie vorerst suspendiert und seiner Verlaufsform nachgezügelt. Also statt den Blockwarten gab es Aktenzeichen XY, da durfte sich jeder dann auch telefonisch dran beteiligen, aber richtige Jagdszenen gab es in der alten Bundesrepublik nicht oder nur in Ausnahmefällen. Taxiert selbst zu Zeiten der Prosperität jeder insgeheim seinen Erwerb als verkappte Arbeitslosenunterstützung, so mobilisiert die Krise der postnazistischen Vergesellschaftung erst Recht die Sehnsucht nach der alten Staatsunmittelbarkeit. Johannes Agnoli schrieb dazu schon in der Transformation der Demokratie 1966: „Der präfaschistisch liberale Ruf nach dem starken Staat wiederholt sich postfaschistisch neoliberal“. Und damit gerät das ganze System des autoritären Etatismus und geraten letzten Endes die politökonomischen Vermittlungen als solche wieder ins Visier des Volkszorns und es war wiederum die Linke, die noch zu Zeiten, wo keine Krise in Sicht war, im sinistren Tram nach Liquidation der Vermittlungen die Zunge gelöst und ihm neue fantasievolle und kreative, wie es so schön heißt, Äußerungsformen zur Verfügung gestellt hat. Sie war das Laboratorium, in dem die allgemeine Mobilmachung eingeübt und jener darauf zugeschnittenen neue und zugleich sehr alte Sozialcharakter herangebildet wurde, indem sich mittlerweile eine Mehrheit spontan wieder erkennt. Derjenige Sozialcharakter, der nach dem Motto „Ich leide, also bin ich“ sich einerseits unter Berufung auf die höchst unverwechselbare Diskriminierung, die ihm angeblich wiederfährt, zur kleinsten existierenden Minderheit erklärt, sich gleichsam nach dem Muster verfolgter und in ihrer Kultur bedrohter Völker begreift und andererseits als Gegensouverän seine private, warnhafte Feinderklärung allen anderen oktroyieren möchte und diesem Zweck entweder vorhandene gesellschaftliche Organisationen zu Rackets umfunktioniert, neue Rackets gründet oder andere Rackets mit ins Boot holt. Der einstige demokratische Fundamentalkonsens wird dadurch einerseits ins einzelne Subjekt zurückverlagert und andererseits vermittlungslos verallgemeinert. Aus der formell kollektiven Feinderklärung der Mitte gegen die Extreme, das war der Normalfall in der Bundesrepublik bis weit in die 80er Jahre, Terroristenhasse, einige werden sich noch daran erinnern. Aus dieser kollektiven Feinderklärung der gesellschaftlichen Mitte gegen die Extreme wird also die pluralisierte Feinderklärung alle gegen alle, die getrennt vereint sich zusammenrotten und auf diese Weise zerfällt die Gemeinschaft der wehrhaften Demokraten und reorganisiert sich zugleich hin zu zerfallen. Ein Zitat von Wolfgang Port in einem anderen Zusammenhang macht es sehr schön deutlich: „Wie durch höhere Gewalt sondern sich die Langen von den Kurzen, die Weiblichen von den Männlichen, die Alten von den Jungen, die Dicken von den Dünnen ab“ und das Resultat ist eine Segregation und Ghettoisierung durch welche die Metropolen, einem riesigen Freiluftgefängnis mit seinen Unterabteilungen für Männer und Frauen, Jugendliche, Kranke, Alte, Port schreibt etc., man könnte noch Schwule und Lesben und Migranten und was weiß ich noch alles ergänzen, Protestanten, Katholiken, Ossis, Wessis, immer ähnlicher werden. Neu ist, dass dieses Freiluftgefängnis als eine kulturelle Einrichtung und seine Insassen als Kulturbotschafter begriffen werden und es ist diese nahezu flächendeckende Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mehrheit und der einzelnen Individuen in ihr, die in der Postmoderne ihr bewusstloses Selbstbewusstsein und ihre Legitimation erfährt und im antirassistischen PC-Sprech sich ihren Ehrenkodex schafft, ihre Omertà, die sich an ihresgleichen und die verbliebenen Kritiker draußen richtet, Islamophobie ist ihr derzeit aktuellstes Schlagwort. Dieser Vorgang, diese Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mitte und ihr Zerfall ist also die Bedingung der neuen Haltung Ausländern und Migranten gegenüber, an denen die Deutschen projektiv ihre ersehnte Regression auf den Stamm illustrieren. Was ihnen umso leichter gelingt, als manch ihrer Repräsentanten und Lobbyisten sich anschicken, genau dem Bilde zu gleichen, das die Deutschen sich seit jeher von ihnen machten und wofür sie von ihnen jetzt nach kollektiv und offiziell ins Herz geschlossen werden. Der mittlerweile zur Dauereinrichtung erklärte Karneval der Kulturen ist nichts anderes als ein Zerfallsprodukt der postfaschistischen Demokratie, mehr noch, er ist diese Gemeinschaft in einer zugleich flexibilisierten und pluralisierten und kollektivierten Gestalt. In dieser Völkerfamilie, die die Deutschen gerne auf der ganzen Welt hätten, wären da nicht Israel und die USA als Störenfriede und die sie aus Mangel an Realisierungschancen deshalb erstmal bei sich zuhause einrichten, geht es dabei zu, wie in jeder guten Familie: Die einzelnen Mitglieder sind einander spinnefeind und die Widersprüche und Konflikte, die daraus resultieren, gehören auch voll und ganz dieser Vergesellschaftung an, sind von ihr konstituiert und dazu gehört ein fein dosiertes Spiel mit Fremdheit und Nähe, das von allen Beteiligten auch weiterhin gepflegt wird, weil damit ein moralisches Plus bei der Gefolgschaft eingefahren werden kann. (…) Der zweite Weltkrieg war ein kulturindustrielles Massenevent. (…) Eine neue Barbarei sei stets zu befürchten, wird sich nicht aus dem Geist Nationalsozialismus unmittelbar speisen, sondern im Gewande von demokratischem Antifaschismus von Lernen aus der Geschichte und political correctness daher kommen.(…) Abwehr des offenen Faschismus durch dessen demokratische Entnazifizierung und Eingemeindung. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. (…) Die postnazistische Demokratie hat  die nationalsozialistische Mobilmachung des „gesunden Volksempfindens“ zwar nicht abgeschafft, sondern nur sistiert – sie hat es aber andererseits auch in die Latenz abgedrängt und damit gebremst, indem sie es in die mediatisierende Form des bürgerlichen Repräsentationsprinzips zwängte.  (…) „Rassismus“ ist ein ideologisches Stichwort eines anti-rassistischen Rackets, das jeden Realitätsbezugs entbehrt, das seine Mitglieder vielmehr nur als Ausweis von Gesinnungsfestigkeit und Ehrbarkeit vor sich hertragen und das ihnen als probates Mittel dient, um nach Willkür und freiem Ermessen festzulegen, wer gerade als „Rassist“ zu gelten hat. Und dieses „anti-rassistische“ Racket, das sind heutzutage fast alle: längst ist die Gegnerschaft zum Rassismus keine Domäne der Linken mehr, sondern offizielle Staatsraison und common sense aller Ehrbaren und Wohlmeinenden, und das ist die erdrückende Mehrheit.  (…) Von der moralisierenden Aufdringlichkeit und der enervierenden Verlogenheit einmal abgesehen, ist die Ehrfurcht, die „anderen Kulturen“ entgegengebracht wird und die Unterwürfigkeit, mit der ihre Träger geradezu als Heilsbringer verehrt werden, keine Gegenposition zum Rassismus, sondern dessen logische wie historische Voraussetzung, die im Rassismus und allen naturalisierenden Ideologien als ein Moment überlebt: deren Grundmuster ist die projektive Bekämpfung dessen, was man selbst gern möchte, aber nicht erreichen kann, und deshalb gehört zur Diskriminierung der Neger wegen ihrer „Faulheit“ die Bewunderung für den „Rhythmus, den sie im Blut haben“ und die Achtung vor ihrer „sagenhaften Potenz“; somit ist der „Anti-Rassismus“ nichts weiter als die notwendige Kehrseite des Rassismus selbst, die sich von diesem abgespalten hat und gegen ihre eigene Grundlage wendet. Historisch jedenfalls geht die Wertschätzung fremder Kulturen ihrer späteren, „rassisch“ legitimierten Abqualifizierung voran und sie ist auch logisch deren Voraussetzung: Christoph Columbus etwa beschreibt in seinen Tagebüchern die Eingeborenen, die er 1492 auf den Bahamas, Cuba und schliesslich Haiti angetroffen hat, folgendermaßen: sie sind „ängstlich und feige“, „sehr sanftmütig und kennen das Böse nicht, sie können sich nicht gegenseitig umbringen“, „sie begehren die Güter anderer nicht,“ und er resümiert: „Ich glaube nicht, dass es auf dieser Welt bessere Menschen oder ein besseres Land gibt.“ (7)  (…) Protestantische Innerlichkeit: gemäß der Devise, dass vor der schlechten Tat der schlechte Gedanke und das schlechte Wort kommen, die man demzufolge austreiben muss, damit alles besser wird. (…) So kommt es, dass es heute der Anti-Rassismus ist, der, unter dem Vorwand, heldenhaft gegen einen in Wahrheit nicht existenten „Rassismus“ zu kämpfen, Respekt und Toleranz noch für die rückständigsten und unmenschlichsten Sitten und Gebräuche einfordert und damit selbst als Protagonist und Fürsprecher einer Verrassung der restbürgerlichen Gesellschaft fungiert.  (..) Die unterschiedliche Pigmentierung der menschlichen Haut ist eine objektive Gegebenheit, keine bloße Erfindung. (…) Rasse heute ist die Selbstbehauptung des bürgerlichen Individuums, integriert im barbarischen Kollektiv. (…) Der nervige Sozialcharakter des Gutmenschen ist offenbar eine fast zeitlose Erscheinung und in den verschiedensten Lebensbereichen anzutreffen, die Wahrscheinlichkeit, ihm in fortschrittlichen sogenannten „politischen Zusammenhängen“ zu begegnen, ist besonders hoch: werden doch hier traditionell die altruistischen Tugenden – das Mitgefühl, die Solidarität, Selbstlosigkeit etc. – besonders hoch angeschrieben und deshalb sind sie das geeignete Betätigungsfeld für Sozialcharaktere, die sich als Ersatz für ihr eigenes ungelebtes Leben vorzugsweise mit dem Leiden anderer als Fetisch verbinden. (…) Es sind aber gerade die höchsten Tugenden, die die niedersten Instinkte decken, wie schon Marx wusste: „Bis jetzt hat der Mensch sein Mitgefühl noch kaum ausgeprägt. Er empfindet es bloß mit dem Leiden, und dies ist gewiss nicht die höchste Form des Mitgefühls. Jedes Mitgefühl ist edel, aber das Mitgefühl mit dem Leiden ist die am wenigsten edle Form. Es ist mit Egoismus gemischt. Es neigt zum Morbiden […] Außerdem ist das Mitgefühl seltsam beschränkt […] Jeder kann für die Leiden eines Freundes Mitgefühl empfinden, aber es erfordert […] das Wesen eines wahren Individualisten, um auch am Erfolg eines Freundes teilhaben zu können. (…) Und da jeder demonstrative Altruismus nicht nur einen kleinlichen Egoismus bemäntelt, sondern auch mit dem Anspruch des Idealisten einhergeht, erzieherisch auf das Objekt seiner Zuwendung einzuwirken, ist er die adäquate Ideologie von Rackets, und auch das ist Wilde nicht entgangen: Barmherzigkeit, so schreibt er, sei die „lächerlich unzulängliche Art der teilweisen Rückerstattung oder ein sentimentales Almosen, gewöhnlich verknüpft mit dem skandalösen Versuch des rührseligen Spenders, auf (das) Privatleben (der Armen) Einfluss zu nehmen. (…) Im totalisierten Zugriff auf die ihr Unterworfenen ist die sozialistische Bewegung bis auf den heutigen Tag ebenfalls als ein Racket des Tugendterrors anzusprechen, betrachtet sie es doch als ihre Aufgabe, das Proletariat oder das gerade angesagte Subjekt seiner „wahren Bestimmung“ zuzuführen und d.h. es im Sinne der von ihm zu realisierenden Ideale zu erziehen – und das bedeutet stets noch: ihm die Untugenden und Laster auszutreiben, die der Vorhut als Male der individualistischen Bürgerwelt erscheinen: etwa Alkoholabusus, Faulenzerei, „zerrüttete“, „unsittliche“ Verhältnisse zwischen den Geschlechtern etc. Und um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen die selbsternannten Vertreter der Klasse die von ihnen verfochtenen Tugenden in eigener Person glaubwürdig verkörpern und deshalb in einer noch rigideren Weise als der gemeine Bürger sich als Subjekte zurichten, d.h. ihre Individualität dem Allgemeinen (dem Kollektiv, der Klasse, dem Frieden etc.) opfern, um totale Identität mit ihm zu erlangen. Wenn Identität letzten Endes den Tod bedeutet, dann hat die Bemühung um sie vorzeitige Erstarrung und prämortale Leblosigkeit zur Folge – von daher die bis in die Gegenwart zu beobachtenden verhockten, verkniffenen und lauernden Mienen aller professionellen Menschheitsbeglücker, ihre rigide Zwangsmoral und durchgängige Humorresistenz, die immergleichen offiziösen Phrasen, die sie dreschen, die tödliche Langeweile, die von ihnen und ihrem penetranten Sendungsbewusstsein ausgeht, und ihr chronisches Beleidigtsein, wenn sie beim Gegenüber auch nur den Hauch eines Zweifels an ihrer aufgetragenen Gutartigkeit zu erspüren glauben. Und zu alldem glauben diese Leute sich auch noch ermächtigt, diese ihre trostlose Existenz zur verbindlichen Richtschnur für alle anderen zu erklären.“ – Clemens Nachtmann

„Die rebellische Haltung, vor einem Jahrzehnt noch das Privileg von Einzelgängern, ist heute Ausdruck des Konformismus. Man will dazugehören, nicht als Schlappschwanz gelten“ – Horkheimer

 „…der hiesige Autoritarismus (ist) einer ohne Autorität und der hiesige Konventionalismus einer ohne Konventionen. Schon bei den Nazis war nicht das Wort des Führers Befehl, sondern sein Wille, den der kongeniale Volksgenosse erahnte. Nie hätte der Nationalsozialismus funktioniert, hätte den Deutschen jede ihrer Missetaten bei Strafandrohung befohlen werden müssen. Anders, als es das Wort vom „Befehlsnotstand“, von der „Gleichschaltung“ oder vom „Führer“ selber glauben machen will, herrschte das NS-System durch Gehorsam ohne Befehl.“ (W. Pohrt, Der Weg zur inneren Einheit)
„Die Demokratie ist nichts weiter als die Herrschaft des Knüppels über das Volk durch das Volk für das Volk. (…) Es gibt drei Arten von Despoten: den Despoten, der den Leib knechtet, den Despoten, der die Seele knechtet und den Despoten, der Leib und Seele zugleich knechtet. Der erste heißt Fürst. Der zweite heißt Papst. Der dritte heißt das Volk. (..) Wer das Volk führen will, ist gezwungen, dem Pöbel zu folgen“ (…) „Man hört immer wieder, der Schulmeister sterbe aus. Ich wünschte beileibe, dem wäre so. Aber der Menschentypus, von dem er nur ein und gewiss noch der harmloseste Vertreter ist, scheint mir wahrhaftig unser Leben zu beherrschen; und wie auf ethischem Gebiet der Philanthrop die größte Plage ist, so ist es im Bereich des Geistes derjenige, der so sehr damit beschäftigt ist, andere zu erziehen, dass er nie Zeit gehabt hat, an seine eigene Erziehung zu denken […] Wie schlimm aber, Ernest, ist es, neben einem Menschen zu sitzen, der sein Leben lang versucht hat, andere zu erziehen! Welch eine grausame Tortur! Was für eine entsetzliche Borniertheit, die unvermeidlich aus der fatalen Gewohnheit resultiert, anderen seine persönlichen Überzeugungen mitteilen zu wollen! Wie sehr dieser Mensch durch seine geistige Beschränktheit auffällt! Wie sehr er uns und fraglos auch sich selbst anödet mit seinen endlosen Wiederholungen und seiner krankhaften Besserwisserei! Wie sehr er jedes Anzeichen geistigen Wachstums vermissen lässt! Wie verhängnisvoll ist der Kreis, in dem er sich unablässig bewegt.“ – Oscar Wilde
Was die Menschheitsbeglücker in Wahrheit bewirken, ist ihr eigener moralischer Selbstgenuss in der angemaßten oder tatsächlichen Herrschaft über andere, aber gerade nicht die praktische Lösung der Dinge, um die es ihnen vorgeblich so selbstlos zu tun ist: „In den Augen des Denkers allerdings liegt der wahre Schaden, den das moralische Mitgefühl anrichtet, darin, dass es unser Wissen begrenzt und so verhindert, dass wir auch nur eines unserer sozialen Probleme lösen.“ (Wilde) Das Selbstopfer fürs Kollektiv erweist sich nicht nur als die wahre Selbstsucht, sondern auch als gegen die Gattung gerichtet: „Denn die Entwicklung der Gattung hängt von der Entwicklung des Individuums ab, und wo die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit als Ideal abgedankt hat, ist das Absinken des intellektuellen Niveaus, wenn nicht gar dessen gänzliches Verschwinden die unmittelbare Folge.“ (Wilde) Und das vorgeblich so praktische und zielorientierte Tun erweist sich als in Wahrheit konfus und unpraktisch: denn es verlässt den Bannkreis des Notwendigen und Zwanghaften nicht, ja, es bestärkt dessen Macht umso mehr, je auftrumpfender und verblendeter es sich in seiner moralischen Selbstgerechtigkeit verhärtet und alle Selbstaufklärung abwehrt. Solange die Gesellschaft den Individuen als fremde äußere Macht entgegentritt, verkehrt sich die gute Intention regelmäßig in ihr Gegenteil und ist menschliches Handeln „nur blindes Tun, abhängig von äußeren Einflüssen und angetrieben von einem dunklen Impuls, von dem es selbst nichts weiß. Es ist seinem Wesen nach unvollkommen, weil es vom Zufall begrenzt wird, und unwissend über seine eigentliche Richtung, befindet es sich zu seinem Ziel stets im Widerspruch […] Jede unserer Taten speist die große Maschine des Lebens, die unsere Tugenden zu wertlosem Staub zermahlen oder aber unsere Sünden in Bausteine einer neuen Kultur verwandeln kann.“ (…) Die Misere des Sozialismus von seinen Anfängen bis heute war und ist stets zuverlässig abzulesen an seiner Verachtung aller autonomen, zweckfreien, in sich begründeten und eben darin gesellschaftlich bestimmten Kunst, weil sie die – prekäre und unvollständige – Emanzipation des Individuums von Blut, Scholle, Rasse, Kollektiv vorausträumt und ihr Ausdruck verleiht. Die Kunst, die sozialistische Bewegungen oder Regimes dann hervorbringen und fördern, eine Kunst, die „Partei ergreifen“, „Stellung beziehen“ und „gesellschaftliche Verantwortung“ dokumentieren soll, zerstört jedoch sich selbst und ihre Voraussetzungen. (…) „Kunst ist Individualismus und der Individualismus ist eine verstörende und zersetzende Kraft. Gerade darin liegt sein unermesslicher Wert. Denn was er aufzubrechen versucht, ist die Einförmigkeit des Typischen, die Sklaverei der Konvention, die Tyrannei der Gewohnheit und die Erniedrigung des Menschen auf das Niveau einer Maschine. (…) alle Künste sind amoralisch, ausgenommen die niederen Formen der sinnlichen oder belehrenden Kunst, die uns zu guten oder schlechten Taten anstiften wollen“ (…) Selbstsucht strebt immer danach, der gesamten Umwelt ein Einheitsmaß aufzuzwingen“ „Selbstlosigkeit bedeutet, andere Leute in Ruhe zu lassen, sich nicht in ihr Leben einzumischen […] Die Selbstlosigkeit weiß die unendliche Vielfalt als etwas Kostbares zu schätzen, sie akzeptiert sie, lässt sie gewähren und erfreut sich an ihr.“ (…) „Die erste Pflicht im Leben ist, so künstlich wie möglich zu sein. Die zweite Pflicht ist noch unbekannt.“(Wilde)
Ein Deutscher sei ein Mensch, der keine Lüge aussprechen könne, ohne sie tatsächlich zu glauben – Adorno
 „Nein, ihr habt nichts zu tun mit den Arbeitern. Mit Schweißgeruch. Mit Menschen in Maschinenhallen oder an Fließbändern. Mit Möbelpackern oder Heizungsmonteuren. Mit Schützenvereinen und Angelsportclubs. Mit Hauptschülern und sonntäglichen Kirchgängern. Nein, das Volk liegt euch nicht.“ Das ist die Argumentation der wahrhaften, der lafontainistisch-leninistischen Sozialdemokratie – die konsequente Steigerung von Arbeiter, Schweiß, Schützenverein und Alfred Tetzlaff immer weiter hinauf bis ins Volk hinein als dem ultimativen Gully allen deutschen Wahns. – Joachim Bruhn
Dummheit, nicht Denken, Ideologien, Moralismus, führen zum radikalen handeln. radikales Denken verhindert radikales Handeln.
„Es kommt in der Psychotherapie darauf an – mit temporärer Unterstützung – sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Wer mit einem Selbstbild lebt, für das die temporär klärende Rolle des Therapeuten eine unerträgliche Kränkung ist, der muß eben versuchen, alleine zurechtzukommen.“ – Hans Ulrich Gumbrecht

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Stupidity is demonstrated by people lacking the knowledge they could achieve

Political correctness can be defined as the telling of a lie out of the cowardice in an attempt to avoid upsetting fools not willing to face up to the truth

“In arguments about moral problems, relativism is the first refuge of the scoundrel.” Roger Scruton

Antisemitism is when one blames the Jews or Israel for issues, he does not blame others

Islam is less a religion and more a totalitarian society, an ideology that demands absolute obedience and tolerates no dissent, no criticism, and prohibits the thinking, knowledge and recognition. True Islam is totally different, the one who will find it will receive a very high reward.

Craziness is, when one always does the same but expects a different outcome

If a monkey thinks “I am a monkey”, then it is already a human

A man with roots should go for a pedicure

Self smugness leads to idiocy, being pissed off leads to enlightenment

If someone has something to say, he can tell it always very easily. If someone has nothing to say, he says it in a very complicated way

Addiction is, when somebody does something he wants to do, yet seeks someone who can make it so he won’t do it and doesn’t want to, either.

If the clever people always gave in, the world would be reigned by idiots. Too much “cleverness” makes you stupid.

If one only fights evil to protect life, one produces nothing good at all and such a life then becomes no longer worth living and thus requires no protection, for it is already unlived due to such a total protection. One can spend so much money on insurance, that one has nothing left to insure. Safety works in the same way.

Happy slaves are the worst enemies of freedom.

Creativity is an intelligence having fun.

If working makes you sick, fuck off, leave the work!

If Germans talk about morality, they mean money.

A man without an insight is just an anxious, aggressive, unhappy monkey.

Thinking is always trespassing.

The mob, who calls himself the people, does not discuss, just defames.

Legal is not always legitimate.

Who can not do without, lives unhappy.

So called social, culture sciences, sociology, psychology psychotherapy, psychoanalysis, are not anymore scientific, but immanent religious cult-prophets, organized as sects.

Without a strong opposition any apparent democracy atrophies to a tyranny, and as well a science , to an attitude of a religious sect.

You can recognize everything from a certain distance only, who is zealous, outraged, who sticks his nose in something, this one has lost the perspective, he recognizes anything more, he has only his imagination of the world in his head. This creates paranoia, which is called religion, and a religion as politics, even as a science.

Islamists are a real danger, therefore they will not be seen as such. Jews are not a danger, therefore they are seen as such. It is how the perception by cowards functions.

People without a sense of humor are able only to fear or to hate and become monks or terrorists.

People are not equal, each single person is unique.

Insight applies to everyone, including Muslims, Albanians, women and homosexuals.

Islam belongs to Germany, Judaism belongs to Israel.

The totalitarian Terror of consensus is ubiquitous in Germany.
There are no discussions anymore, but defamations only.
It is a culture of the mob. As it has already been.
Harmony is only if you do not communicate.

One should never go to bed with someone who has more problems than you already have.

>>Evelyn Waugh, surely the wittiest novelist of the past century, in World War II, coming out of a bunker during a German bombing of Yugoslavia, looked up at the sky raining enemy bombs and remarked, “Like everything German, vastly overdone.”<< Joseph Epstein

One has to be brave, to have a wit.

Stupid and dull belong mostly together.

Charlie Hebdo: you don´t care if such murders are comitted to Jews, we will see how “adequate” you will react when (when, not if), Islamists will begin to bombard your cities with Kasam missiles.

Christopher Hitchens: In a free society, no one has the right not to be offended.

The more someone narcissistic inflates , the more he feels insulted and provoked.

“The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt.” – Bertrand Russell

 The problem with the Islamists in Europe should be solved exactly as Europe requires to the Middle East: a two-state solution, a half for muslims and the another half for not-muslims , with a common capital.

What may satire? Everything! Except be understood by the fool, because then it was not a satire.

Islamimus is Islam preaching violence.

Islam is a religion of love, and he who doubts is dead.

War is peace. Freedom is slavery. Ignorance is strength. Islam is a peaceful religion of love – George Orwell 2015

Islam is not responsible for anything, Jews are guilty of everything.

Islamists are satanists. Islamism is a religion of idiots.

People feel always terrible offended if you do not believe their lies.
Everyone is responsible for his feelings.
Psychoanalysis is nobody’s business except the psychoanalyst and his patient, and everybody else can fuck off.
“Time is the echo of an axe
Within a wood.”
― Philip Larkin, Collected Poems

If someone inflates endless his ego, as Islamists do, then he hurts his own feelings already in his morning own shit.

The seven deadly sins of modern society. Wealth without work pleasure without conscience, knowledge without character business without morality Science without humanity, worship without sacrifice Politics without principles
-Mahatma Gandhi

“Where there is only a choice between cowardice and violence, I would advise violence.”
-Mahatma Gandhi

 Why Allah does not shows himself? Because he does not want  to do anything with such assholes.
When fascism returns, he will not say, ‘I am the fascism‘. No, he will say, ‘I am the anti-fascism Ignazio Silone.
Political correctness requires a language for a poetry album.
 Psychoanalysis is frivolous, or it is not psychoanalysis.
Colorful diversity, earlier: shit.
What can not any longer be changed, can not any longer be reformed, it is no longer alive, but very dead (instead). What is dead should be, has to be buried: religion, marriage, Romanticism, etc.
Romantic sucks.
 The reality is always stronger than illusions.
 A delusion is characterized by increasing loss of reality, and can be attested to today’s leaders in Germany and the mass media. Loss of reality describes the mental state of a person who is not (any longer) be able to understand the situation in which it is located. So you are ruled by madmen and manipulated by the mass media.
Totalitarianism can only be defeated if one has the courage to call things by their right names, just as they are. Political correctness prevents it promotes totalitarianism and political cowardice and political lie.
The Extinction: Islam is like the sun, who comes too close to him, will burn itself and will flare the rest of the world with him.
Islam does not want any submission! Islam wants victory, destruction and annihilation.
The world was not created just for you.
Time needs time.
What has God with us when he freely admits the devil more and more territories?
It’s not the biggest fear when you look into an abyss, but to note that the abyss looks back at you.
I is different.
Muslim´s headscarf is less annoying than German mothers with their pushchairs.
Prostheses people – look like women and men, but they are not.
Global governance the political repair operation begins to repair before something was created.
The extremely increased, ostensibly critical, actually demonizing, German interest in Israel and Jews is perverse.
The Nonanti-Semite is by the current German law an anti-Semite who defames, discriminates, delegitimizes Israel, Jews, , but do not supports expressis verbis the aim of the Third Reich, the Holocaust, the extermination of the Jews.

Heroes of today know nothing, can not and do not want anything. They just look like heroes, that’s all.

It may be that early fathers ate their children. Today, the mothers will eat anything, fathers, children and the rest. Everything Mommy, anyway!

Germany yesterday: the will to power.
Germany today: the will to blindness.
Germany tomorrow:

German psychoanalysis? Great, like German charm, German humor and German wit.

The resistance starts with its own language other than that of the dictatorship.

Smart phones for stupid people.

A leftist can, but do not have to be stupid.

If you do not blame states, when they commit suicide with millions victims , so why to blame a co-pilot with 149 dead?

Only the purity of the means justify the end.

An extreme narcissist is a potential terrorist, and every terrorist is an extreme narcissist.
Islamization means dementia.
Copy-shop as a psychoanalytic method today.
Psychoanalysis today is merely an imitation of a putative psychoanalysis, it has never existed, an unconscious cartoon, totem mask of itselves.
The revolution devours its fathers, not its children.

Everyone deserves a second chance. A second, not a twelfth, twenty-second or one hundred second.

In Poland, American intelligence officials  have tortured their prisoners, while the Polish courts ran trials of Polish intelligence officesr who tortured Polish prisoners.

Better have any manners, than no manners at all.
Direct violence against structural violence only a rationalization of their own desire as justification for their own wild, instinctual violence. Who delegitimizes structural violence of institutions of a democratic state and legitimizes direct violence against these institutions  gives any conceivable form of violence free hand, for any violence can be morally justified. The devil is a moralist. And a perpetrator of violence. Calls for violence are illegal in Germany.
National Socialists German Worker Party (NSDAP) was left, its fight against communists and socialists was not ideological, but it was a competition among equals.
Those who are not interested in art, to whom art means nothing, those are not interested in people, to those  people mean nothing. Because art is an expression of human feelings, art is love.
Some people look in the mirror and say, „The world is terrible, the world is evil,“ and begin to pursue this evil in the world, but not in themselves, destroy, eradicate. So other people, the other humans, what they do not want to be,  to exterminate, to liquidate.
1 x 1 materialist criticism: the aim must be to make appearances in a situation in which they are legible. (…) A new barbarism is always to be feared, is not directly powered from the spirit of National Socialism, but in the guise of democratic anti-fascism of learning from history and political correctness come along. (…) Defence of the open fascism by its democratic denazification and incorporation. (…) The Second World War was a culture industry Massenevent.(..) Specialization and diversification are a contemporary manifestation of massification and uniformity. (…) 

The different pigmentation of human skin is an objective fact, not a mere invention. (…) Breed today is the self-assertion of the bourgeois individual, integrated in the barbaric collective. (Clemens Nachtmann)

„Democracy is nothing more than the rule of the stick over the people by the people for the people. (…) There are three types of despots: the despot who enslaves the body, the despot who enslaves the soul and the despot who enslaves both body and soul. The first is called Prince. The second is called the Pope. The third is called the people. (..) If you want to lead the people, you are forced to follow the mob. (…) The first duty in life is to be as artificial as possible. The second duty is still unknown. Oscar Wilde

 

A German is a person who can speak no lie, without actually believe Adorno

 
Stupidity, not thinking, ideologies, moralism, lead to radical acting. radical thinking prevents radical action.
The main reason of a psychotherapy is – with temporary support of the psychotherapist –. to take his own destiny in own hands.  Who lives with a self-image that the temporary clarifying role of the therapist is an intolerable insult, he must to try to cope with his life alone.“Hans Ulrich Gumbrecht

 

Iksi kaksi kolme neljä – Haavoittunut enkeli

The_Wounded_Angel_-_Hugo_Simberg

Haavoittunut enkeli – The Wounded Angel von Hugo Simberg

 

In Frankfurt hört man diese Tage ungewöhnlich oft finnische Sprache, unverkennbar in ihrer Einmaligkeit des iksi kaksi kolme neljä, vier erste Zahlen, die mir vor mehr als 40 Jahren mein Studienfreund aus Finnland beigebracht hat. Ich schätze an meinem Lieblingsregisseur Aki Kaurismäki seine besondere Empfindsamkeit und Sparsamkeit im Ausdruck, mit denen er Eindrücke erzeugt, wie kaum ein anderer. In Frankfurt am Main findet soeben die jährliche Buchmesse statt, in diesem Jahr mit Schwerpunkt, wie man es sagt, Finnland. Warum es nicht der Hauptpunkt oder Höhepunkt, oder ein an