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Shakespeare hat die Flüchtlingskrise vorausgesagt: Christiane Linke über Macbeth im Schauspiel Frankfurt

Die Infantilisierung der deutschen Gesellschaft schreitet voran, sowohl politisch, als auch kulturell.

Die Kulturschaffenden, whatever it means, meinen daß es Kunst sei, wenn es komisch ist.

Das Frankfurter Schauspiel tut sich mit dieser Attitüde hervor, es wird geschrieen, gekackt, nackt herumgelaufen, gepisst, gefickt und geblutet.

Erzählt wird nicht mehr. Wer es erleben will, daß ihm jemand etwas einfach erzählt, der muß ins Ausland.

Die Deutschen feiern Kinderpartys, gegenwärtig haben sie eine Menge Meerschweinchen willkommen geheißen.

Nun streiten die Deutschen heftig, ob die Ankommenden Meerschweinchen oder Ratten sind. Tatsächlich sind es Wildkatzen. Und die Deutschen sind infantile, mehr oder weniger fleißige, ängstliche Mäuschen. Vor lauter Angst sehen sie manche Gefahr nicht, und manches sehen sie übertrieben als gefährlich. Gelassenheit ist nicht die Sache der Deutschen, weder im Theater, noch in der Politik, die nur noch theatralisch ist.

Dabei wäre gerade Macbeth geeignet, die tragische Wandlung der Angela Merkel zum Tyrannen darzustellen, der sowohl den Verstand als auch seine Menschlichkeit verliert.

Auch das Ende ihrer Herrschaft hat Shakespeare vorausgesehen, der Wald, der sich seinem Schloß schrittweise nähert, ist die gegenwärtige Flüchtlingswelle.

Die Situation im Kanzleramt beschreibt Shakespeare so:

ERSTE HEXE

Um den Kessel dreht euch rund!
Giftgekrös in seinen Schlund!
Kröt, die unterm kalten Stein
Tag‘ und Nächte, dreißig und ein,
Giftschleim schlafend ausgegoren,
Sollst zuerst im Kessel schmoren!

ALLE

Doppelt plagt euch, mengt und mischt!
Kessel brodelt, Feuer zischt.

ZWEITE HEXE

Sumpfger Schlange Schwanz und Kopf
Brat und koch im Zaubertopf:
Molchesaug und Unkenzehe,
Hundezung und Hirn der Krähe;
Zäher Saft des Bilsenkrauts,
Eidechsbein und Flaum vom Kauz:
Starken Zauber eingemischt!
Höllenbrei im Kessel zischt.

ALLE

Doppelt plagt euch, mengt und mischt!
Kessel brodelt, Feuer zischt.

DRITTE HEXE

Wolfeszahn und Kamm des Drachen,
Hexenmumie, Gaum und Rachen
Aus des Haifischs scharfem Schlund;
Schierlingswurz aus finsterm Grund;
Auch des Lästerjuden Lunge,
Türkennase, Tatarzunge;
Eibenreis, vom Stamm gerissen
In des Mondes Finsternissen;
Hand des gleich erwürgten Knaben,
Den die Metz gebar im Graben,
Dich soll nun der Kessel haben.
Tigereingeweid hinein,
Und der Brei wird fertig sein.

ALLE

Doppelt plagt euch, mengt und mischt!
Kessel brodelt, Feuer zischt.

ZWEITE HEXE

Kühlt es nun mit Paviansblut,
Zauber wird dann stark und gut!

Hekate kommt.

 

(…)

DIE ERSCHEINUNG
Sei löwenkühn und stolz; nichts darfst du scheuen,
Wer tobt, wer knirscht, und ob Verräter dräuen:
Macbeth wird nie besiegt, bis einst hinan
Der große Birnams-Wald zum Dunsinan
Feindlich emporsteigt.
Versinkt.

MACBETH
Das kann nimmer werden!
Wer wirbt den Wald, heißt Bäume von der Erden
Die Wurzel lösen? Wie der Spruch entzückt!
Aufruhr ist tot, bis Birnams Waldung rückt
Bergan, und Macbeth lebt in seiner Hoheit
Bis an das Ziel der Tage, zahlt Tribut
Nur der Natur und Zeit.
Doch klopft mein Herz, nur eins noch zu erfahren;
Sprecht, kann mir eure Kunst dies offenbaren:
Wird Banquos Same je dies Reich regieren
?

http://www.william-shakespeare.de/macbeth/macbeth_4akt.htm

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Macbeth im Schau(der)spiel Frankfurt

von Christiane Linke

Bereits am Eingang hängt ein großes Schild mit dem Hinweis, dass es zum Teil sehr laut und grell wird. Eine wichtige Info für Leute mit Herzschrittmacher und Epilepsie. Die hätten das bestimmt gerne vor dem Kauf ihrer Karten gewusst. Und man hat nicht zu viel versprochen. Es wird so ohrenbetäubend laut, dass man zeitweise das Gefühl hat, dass die inneren Organe wandern möchten. Diese kleine Übertreibung sei gestattet. Eine Lärmnotwendigkeit und der klare Bezug zum Original sind nicht zu erkennen. Die Akteure wälzen sich auf den nüchternen Tischrequisiten, beschmieren die und sich mit Farbe und lassen das Durcheinander von schwarzen Figuren, die sich merklich vom ebenfalls schwarzen Bühnenbild abheben, aufräumen. Wer die Geschichte nicht kennt, kann der Darbietung nicht folgen. Die wenigen Sprecheinlagen bieten keine Hilfestellung. Bei der kurzen Einführung hatte man auf die tollen tänzerischen Einlagen und die harten Proben hingewiesen. Ich sehe eine übermenschliche, teilweise plumpe Anstrengung der Schauspieler, den hohen Anforderungen gerecht zu werden. Sind eben keine Balletteusen. Auf mich wirkt es weder ästhetisch noch in sich schlüssig, sondern nervig. Man könnte auch sagen, wie ich es dann zum Schluss auch tue, „…war ganz schön experimentell.“ Aber das ist im Grunde feige, denn ich habe recht früh darauf gewartet, dass es vorbei ist. Es gibt keine Pause und das ist gut so. Gerade wieder bei Gehör und ohne zuckende Lider würde man nur schwer zurückkehren wollen. Aber es gibt Besucher, die schnell das Weite suchen. Sie arbeiten sich mühsam durch die Sitzreihe, gehen hastig auf die riesige Flügeltür zu, schmeißen sich dagegen und katapultieren die von außen zur Hilfe geeilte Theaterangestellte fast aus der Senkrechten. Dabei rudern sie wild und unbeholfen mit den Armen.

Chapeau für die, die ausgehalten haben. Mehr kann ich zu der Aufführung nicht sagen. Auch, weil ich zum Schutz über längere Zeit Ohren und Augen schließen musste.

2015 © Christiane Linke
christianelinke22@gmail.com

Siehe auch:

Christiane Linke über die „Memoiren eines alten Arschlochs“ von Roland Topor

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„Memoiren eines alten Arschlochs“ von Roland Topor

 Topor-Foto

 

Warum so hart? könnte man sich fragen. Aber genau dafür steht der Autor. Situationen und Personen schonungslos zu zeigen, Schamgrenzen („….Schamgrenzen erfinde ich nicht, sondern die Gesellschaft. Daran zu erinnern, dass der Mensch isst, verdaut, kopuliert etc. das ist nicht der Skandal. Aber wer das verdrängt, wird das Leben kaum ertragen.“ (aus einem Focus-Interview mit Gabi Czoeppan, 1994)) zu überschreiten und ungeniert zu beleuchten.

Das Buch zeichnet die fiktive Geschichte eines berühmten Malers. Aus gutem Haus und von den Eltern bis zum Bankrott des Vaters gepäppelt, zeigt sich bereits bei dem kleinen Jungen die besondere Begabung. Das Bild eines kleinen Mädchens hat es ihm angetan. Er kopiert das Gemälde und tauscht es, ohne, dass es die Besitzer zunächst bemerken, aus. Nach dem Bankrott seines Vaters als Bankier und dessen Freitod muss der Junge in der Küche eines Restaurants arbeiten. In seiner kleinen Stube fertigt er Zeichnungen an, die von einem Kellner mit Sachverstand entdeckt werden. Dieser führt ihn in die Pariser Künstler- und Intellektuellenszene ein. Nun überschlagen sich die Ereignisse und bei der folgenden irrwitzigen Reise durch die Zeitgeschichte begegnet er Größen wie Picasso, Trotzki, und leider auch Hitler, Stalin und anderen. Er nimmt diese systematisch auseinander und seziert dabei ironisch ihre Stärken und Eitelkeiten. Dabei scheut er sich auch nicht, den Kubismus zu erfinden, Trotzki versehentlich zu erschlagen, oder längst verstorbene Künstler zu berühmten Werken anzuregen. So unterrichtet er Picasso im Töpfern und inspiriert ihn zu seinen ersten Skulpturen. In hohem Alter versickern die Erinnerungen und er glaubt noch einmal seinen alten Freund und Mäzen aus dem Restaurant zu treffen. Hier schließt sich der Kreis.

Topors Mut ist beachtlich. Man könnte sagen, dass er jeden Stein anhebt und darunter schaut. Manche Affen fallen dabei in Ohnmacht. Er stellt in Frage und hält dies für eine Selbstverständlichkeit, ja vielleicht sogar für eine Pflicht. Keine Obrigkeitshörigkeit. Sondern Lust, Tabus zu brechen, zu provozieren, aber nicht zu verletzen.

Die Idee seines Buches ist gut, wird aber mit der Vielzahl der Figuren überstrapaziert. Man denkt unwillkürlich „und wer kommt jetzt noch?“ Bei manchen Figuren ist er zum Teil scharf satirisch, dann aber bei einer Schreckensfigur wie Hitler zu seicht plaudernd.

 

Topor über Topor (aus dem Begleitheftchen „Memoiren eines alten Arschlochs, Diogenes): „Der typische Humor ist für mich die Geschichte von dem zum Tode Verurteilten, der die letzte Zigarette mit den Worten ablehnt: „ Nein danke, ich will doch aufhören!“

 

 

galeriemartel / Werke von Roland Topor

 

                 „Bon appetit“                                                                „Drehbuch“

Topor - BA                            Topor - D

 

2015 © Christiane Linke
christianelinke22@gmail.com

 

 

Siehe auch:

 

 

Victoria – Film mit Sogwirkung

Victoria – Film mit Sogwirkung

von Christiane Linke

 

 

Hier könnte man wirklich sagen …“und action“, denn es gibt 140 Minuten lang keinen Schnitt.

Eine junge Frau tanzt in einem Berliner Club. Die Kamera ist ganz nah, nimmt jede Bewegung mit. Sie bestellt einen Drink, geht auf Toilette, wischt sich den Schweiß von der Stirn. Im Eingang trifft sie auf ihre späteren Begleiter. Die junge Frau ist freundlich, offen und so kommen sie ins Gespräch. Berliner Schnauze trifft auf Madrid. Die vier jungen Männer überreden sie zu einer Aussichtstour auf eine private Dachterrasse. Die Typen wirken schräg, aber nicht gefährlich. Sonne (weil er immer lächelt) wickelt die süße Victoria mit seinem Berlinenglisch ein und wird schnell zur zweiten Hauptfigur. Die Kamera klebt an den Darstellern und man hat das Gefühl, dass man wirklich dabei ist, einfach mitläuft und die Nächte in Berlin so sein müssen. Sonne und Victoria flirten. Die Texte sind echt, weil auch improvisiert, die Längen nicht gekürzt. Die Dialoge wirken zum Teil so intim und die Darsteller so verletzlich, dass man sich gerne ausklinken würde. Die Story folgt einem roten Faden. Die Fünf werden schnell zu Sympathieträgern und so taucht man tiefer als gewohnt in den Film ein. Die leichte Stimmung kippt, als die nun nur noch drei jungen Männer einen Auftrag ausführen müssen und Victoria um Hilfe bitten. Man brauche einen vierten „Mann“. Zunächst scheint alles gut zu gehen, aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Victoria, die eigentlich nur das geklaute Auto fahren soll und bislang neugierig mitgelaufen ist, übernimmt. Sie muss handeln, die Situation irgendwie retten. Bei all dem überträgt sich die Aufregung und Verzweiflung direkt auf den Zuschauer. Das Auto will nicht starten, alle Wege enden in Sackgassen und die vermeintlich sichere Sache endet im Fiasko. Die letzten Minuten sind etwas überzogen. Zu viele Spucke Fäden und überbordende Gefühle. Ansonsten aber ein tolles Debüt.

Verglichen mit diesem Film ist „Kopfüber in die Nacht“ mit Michelle Pfeiffer und Jeff Goldblum vorhersehbar und langweilig. Einfach zu perfekt.

 

2015 © by Christiane Linke

christianelinke22@gmail.com

 

Siehe auch:

 

 

Ein- und Ausdruck – Eine Erzählung von Christiane Linke

Botanischer Garten Ffm - CL2015-a - s

Photo: 2015 © Christiane Linke

Ein- und Ausdruck.

Christiane Linke ist Schriftstellerin und lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

 

Ein kleiner Garten mit eigener Dramaturgie. Wie in England. Dort folgt der Aufbau auch einer Inszenierung. Man sieht nicht gleich die ganze Vielfalt, sondern spaziert sich dorthin.
Durch das Tor und bereits auf dem schmalen Weg beginnt die andere Welt. Hohe Bäume und eine kleine Graslandschaft, die nach links zum Kräutergarten oder rechts zum Steingarten führt. Der Botanische Garten ist eigenständig und gehört doch zum großen Park. Wie so oft ist die Perle gut versteckt und für Ängstliche schwer zu knacken. Man läuft jahrelang an dem kleinen Tor vorbei und ahnt nichts. Dann nimmt man allen Mut zusammen.
Die Vogelstimmchen sind so vielfältig, dass man denkt, sie würden sich zurufen: „Hier ist es schön, hier sind wir sicher.“ Die Vielfalt ist enorm. Gezwitscher, das ich zuvor noch nicht gehört habe. Ich kann sie nicht benennen, aber braucht es immer für alles Bezeichnungen.
Der rechte Weg führt in einer großen Runde um den Garten herum. Große Bäume und viele Ranken. Manches ganz dicht und anderes wieder sehr licht. Dann blickt man auf ein kleines Gewirr aus Wegen, die durch den Steingarten und direkt in unbegrenzter Weite auf den darunter liegenden Teich führen. The frogs. Man hört sie bereits, wenn man den Garten betritt. Ich gehe nach rechts, nehme einige kleine Wege durch die seltenen Bäume und bin überrascht wie schön sich die Kulisse nach jeder kleinen Biegung formiert. Die Sonne fällt aus unterschiedlichen Winkeln auf Weg und Bäume und die Anordnung suggeriert große Weite. Die vielfältige Vegetation gaukelt fremde Länder vor und ich fühle mich plötzlich wie in der Provence. Vom Steingarten blickt man auf eine mittlerweile hohe Wiese mit bunten Blumen. Ich halte mich weiter rechts und sehe gerade noch wie eine Meise aus einem Brutkasten fliegt. Dann lautes Piepsen. Ich warte ein wenig, aber die Meise kommt nicht zurück. Wahrscheinlich beobachtet sie mich besorgt.
Ich nehme einen kleinen Abstecher zum Teich und bin plötzlich in einem Spinnennetz gefangen. Die Fäden sind stark und klebrig und es hängen einige Larven in dem Gewebe. Es dauert einige Zeit und Mühe bis ich mich befreien kann. Ein kleines Insekt hätte keine Chance. Die Besucher stehen am Teich und fotografieren mit großen Linsen die Frösche. Man sieht sie kaum in dem dunklen Wasser, sie tauchen immer wieder ab und schwimmen davon. Ein Film wäre sinnvoller. Und dann schlendert der Gartenhüter vorbei. Ein älterer Mann mit rundem Gesicht. Er macht es vermutlich ehrenamtlich. Ein freundliches Lächeln und ein Gruß. Ich gehe weiter und fühle mich irgendwie ertappt. Und schon überlege ich, ob ich den nächsten Tag noch mal dorthin gehen kann.
Auf der rechten Seite entlang des Kräutergartens stehen hohe Weinreben, kleine Bottiche mit Seerosen und man hat einen freien Blick auf die alte, unbewohnte Fassade eines Instituts. Auf dem Rasen steht eine imposante, sehr großblättrige Pflanze aus Brasilien. Auf der Unterseite ihrer Riesenblätter sitzen kleine hellgrüne Dornen. Die Natur ist erfinderisch, um die Pflanzen zu schützen. Aber es gibt sicherlich auch Tiere, die diese Dornen umgehen können.
Der letzte Bogen Richtung Ausgang. Vorbei an den Kräutern steht auf der rechten Seite ein kleines Holzhaus mit Warnhinweis „Betreten auf eigene Gefahr“. Die Imkerei. Die Bienen fliegen emsig zu den Verschlägen und liefern ordnungsgemäß ihre süße Ware ab. Der Honig schmeckt köstlich.
Der Gang durch den Garten hat etwas Meditatives. Ich gehe möglichst langsam und konzentriere mich auf die Pflanzen. Die Gesichter und Stimmen versuche ich auszublenden. Kleine bewusste Schritte zur Ruhe.

2015 © Christiane Linke
christianelinke22@gmail.com

Botanischer Garten Ffm - CL2015-b - s

Botanischer Garten Frankfurt am Main
http://www.botanischergarten-frankfurt.de/

Botanischer Garten Ffm - CL2015-c - s

Der Film „Im Labyrinth des Schweigens“ – Trailer, Rezension und Texte zum Film

Trailer zum Film „Im Labyrinth des Schweigens“

 

Loriot über die „Reichskristallnacht“

 

ZDF-History_ Mörder unter uns – Fritz Bauers einsamer Kampf (Dokumentation)

 

Ich hab‘ nur meine Pflicht getan

 

Deportation (Verschleppung) von Juden nach Auschwitz – (Dokumentation)

 

Auschwitz – Bilder aus der Hölle – (Dokumentation)

 

Reichsführer-SS Heinrich Himmler am 4. Oktober 1943 bei der SS-Gruppenführertagung in Poznán, Polen zur Judenausrottung (Auszug)

 

Reichsführer-SS Heinrich Himmler am 4. Oktober 1943 bei der SS-Gruppenführertagung in Poznán, Polen zur Judenausrottung (die ganze Rede)

 

Die neuen Nazis

Adolf Eichmann ,Begegnung mit einem Mörder , spannende Doku 1/6 SS Obersturmbahnführer

Klaus Barbie

 

Die Wannseekonferenz

 

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Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt

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In Kinos läuft seit kurzer Zeit ein hervorragender Film des Italieners Giulio RicciarelliIm Labyrinth des Schweigens“ zum Thema der Auschwitzprozesse geführt vom Staatsanwalt Fritz Bauer in Frankfurt am Main in sechziger Jahren.

 

Hier einige Texte zum Film und dessen Thema:

 

1)    Christiane Linke: eine Rezension des Films

2)    Henryk Broder: „Antisemitismus der Deutschen – gestern“[i]

3)    Maxim Biller: „Antisemitismus der Deutschen – heute“[ii]

4)    Julian S. Bielicki: Antisemitismus in deutscher Psychoanalyse

 

 

 

Rezension des Films „Im Labyrinth des Schweigens“

Von Christiane Linke

 

„War es denn nicht ein Schutzhaftlager?“

“Haben Sie schon mal von Ausschwitz gehört?“ Auf die Frage des Redakteurs weicht man aus. Deutschland in den 50-igern. Gemeinsames Verdrängen. Die Wunde müsse langsam heilen. Wessen Wunde?

Der jüdische Freund des Redakteurs erkennt bei einem Spaziergang zufällig einen Wachmann aus dem berüchtigten KZ Auschwitz wieder. Dieser arbeitet mittlerweile unbehelligt im Schuldienst. Normaler Alltag in jener Zeit. Der Redakteur konfrontiert die Staatsanwaltschaft mit dem Sachverhalt und ein junger begeisterungsfähiger Staatsanwalt verfolgt die Geschichte. Im Hintergrund agiert Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der ihm schließlich die Verantwortung für die Untersuchung überträgt. „Bringen Sie mir Zeugen und Beweise.“ Der junge Johann Radmann erfährt erst später, daß Bauer Jude ist und ebenfalls im KZ war.

Bauer prägte als Ankläger später den Satz: Ein Unrechtsstaat, der täglich Zehntausende Morde begeht, berechtigt jedermann zur Notwehr. Die Widerstandskämpfer vom 20. Juli 1944 wurden rehabilitiert und ihr Versuch, Hitler zu töten, legitimiert (Quelle: Wikipedia). Bauer, der kein Vertrauen in die deutsche Justiz hatte, arbeitete mit dem Geheimdienst Mossad zusammen, um die Ergreifung Eichmanns zu erwirken.

Der junge Staatsanwalt findet durch Zufall bei dem jüdischen Freund des Redakteurs eine Liste mit Namen von KZ-Wärtern und beginnt in den Archiven der Alliierten zu recherchieren. Die beeindruckende Einstellung zeigt einen Keller mit unzähligen Regalreihen und zehntausenden von Akten. Die ersten Befragungen ehemaliger Insassen bringen die Greuel ans Licht und den jungen Staatsanwalt an den Rand der Belastbarkeit. Er bittet das BKA um Mithilfe bei der Festnahme der Täter. Eine Szene, die beispielhaft ist. Der Kriminalbeamte nimmt die Liste mit den Namen und beginnt sie sorgfältig zu einem kleinen Paket zu falten, dann schiebt er es unter das eine Tischbein und prüft, ob der Tisch wackelt. Er lächelt Radmann an: „Wir werden uns darum kümmern.“

Eichmann wird schließlich von Mossad-Agenten in Argentinien gefaßt, Mengele taucht unter und stirbt später unbehelligt bei einem Badeunfall.

„Über so etwas Grausames kann man keinen schönen Film machen.“ Stimmt, der Film zeigt ästhetische Bilder, ist gut gemeint und bleibt doch gut verdaulich an Oberfläche. Vielleicht hätten schon ein wenig Sepia-Filter und weniger schöne, blonde Schauspieler das Grauen etwas ehrlicher gemacht. Man wollte aufrütteln und hat verklärt. Man habe es doch gut gemeint und wollte die Menschheit retten. Das gilt auch für den Film. Ich mußte während der Vorstellung oft an Primo Levis Buch „Ist das ein Mensch“ denken, das eine authentische, aber vor allem vielschichtige Vorlage gegeben hätte: „Ein Erlebnisbericht mit Textstellen, die das Leben im Lager überwiegend analytisch beschreiben… Ferner wird explizit auf die Veränderung der Häftlinge nach der Internierung hingewiesen: Durch den Kampf ums Überleben müssen einige grundlegende ethische Grundsätze vorübergehend ausgeschaltet werden… Die Gefangenen bilden eine linguistisch bunte Gesellschaft; neben den einzelnen Sprachen der Häftlinge hat sich auch ein wichtiger Lagerjargon herausgebildet, der als interkulturelles Kommunikationsmittel dient und dessen Wörter das Leben im Lager bildhaft beschreiben.“ (Quelle: Wikipedia)

 

2014 © Christiane Linke

 

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„Ihr bleibt die Kinder Eurer Eltern“. „Euer Jude von heute ist der Staat Israel“: Die neue deutsche  linke und der alltägliche Antisemitismus.

Von Henryk M. Broder

DIE ZEIT Ausgabe: 10/1981 27. Februar 1981

 

Meine mehr oder weniger lieben linken Freunde! Ich schreibe Euch diesen Brief,

weil ich keine Lust mehr habe, mit Euch zu reden. Ich will jetzt nur noch ein paar Dinge aussprechen und festhalten. Dadurch wird nichts besser, aber es wird einiges klarer. Und nur noch darauf kommt es mir an.

Vor ein paar Wochen war ich In einer sogenannten alternativen Kneipe. An den Wänden Plakate über Chile, El Salvador, Iran, ein Solidaritätsaufruf für die inhaftierten Genossen von der IRA, auf dem Klo in die Wand geritzte Sprüche, darunter auch diesen „Wir sind diejenigen, vor denen uns unsere Eltern gewarnt haben!“ – Toll, dachte ich, die sind noch auf die Irrtümer ihrer Alten stolz.

Ihr bildet Euch viel darauf ein, ganz anders als Eure Eltern zu sein. Ihr habt, so scheint es, etwas geschafft, was vor Euch noch keiner Generation gelungen ist: Ihr wollt mit dem Stamm, von dem Ihr gefallen seid, nichts zu tun haben.

Vor ein paar Tagen habe ich in der TAZ ein Interview mit ein paar Punks der fortschrittlichen Art gelesen. Auf die Frage: „Was habt ihr für einen Begriff vom Faschismus?“ antwortete einer der etwa 20 Jahre alten Jugendlichen! „Ich hab’ keinen Juden ins KZ gesteckt, ich hab’ auch keinen Polen erschossen, ich hab’ da echt nichts mit zu tun, das war mein Vater oder mein Großvater. Ich mach’ auch meine Großmutter oder meine Vorfahren nicht für den Dreißigjährigen Krieg verantwortlich…“ Ein anderer Punk schlug daraufhin die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart: „Früher haben se Juden vergast, heute werden die Leute in Stammheim abgeknallt.“

So platt und so dumm klingt es nicht aus jedem alternativen Mund. Aber diese beiden Sätze stecken genau den Rahmen ab, in dem sich auch Euer historisches Bewußtsein entfaltet: Mit Eurer Geschichte habt Ihr „echt nichts mit zu tun“, und was Eure Eltern mit den Juden angestellt haben, kommt Euch allenfalls dann in den Sinn, wenn Ihr darüber klagt, wie schlecht einige Gruppen in der Gesellschaft heute behandelt werden. Dann sind die Frauen oder die Studenten oder die Schwulen „die Juden von heute“; die Schamlosigkeit solcher Vergleiche fällt Euch ebensowenig auf wie die Tatsache, daß Ihr Euch mit solchen Konstruktionen in die unmittelbare Nachbarschaft von Strauß, Stoiber und Kohl bringt, die es passend finden, die Anti-Strauß-Kampagne mit der Hetze des Stürmer gegen die Juden gleichzusetzen. Auch Ihr mißbraucht Millionen von Toten für Eure tagespolitischen Geschäfte, auch Euch sind alle Maßstäbe abhanden gekommen, so Ihr überhaupt jemals welche gehabt habt.

Ich könnte Euch ein paar mildernde Umstände zugute halten: Eure Eltern haben Euch allein gelassen, das wenige, was Ihr über Eure Geschichte wißt, habt Ihr zufällig aufgeschnappt. Ihr könnt Euch von Vater und Mutter so viel distanzieren, wie Ihr wollt, und so abfällig über Eure Erzeuger sprechen, wie Ihr nur könnt – Ihr bleibt dennoch die Kinder Eurer Eltern. Nur in Eurem bewußten Verhalten, also dem Bereich, den Ihr kontrollieren könnt, habt Ihr Euch von Euren Eltern abgesetzt, je demonstrativer desto verkrampfter.

Was ich Euch zum Vorwurf mache, ist, daß Ihr den Zusammenhang von Ursache und Wirkung nicht erkennen wollt, wenn es um Euch selbst geht und daß Ihr so tut, als wäret Ihr die neuen Menschen: Unbelastet von dem Geruch der Küchen, aus denen Ihr kommt, hineingeboren in ein Vakuum, das erst mit Eurem Auftreten anfing, sich zu füllen. Daß Ihr aber in Euren Wiegen mehr aufgenommen habt als nur das Geräusch der Kinderrassel, daß Ihr nicht nur mit Milchbrei gefüttert worden seid, sondern auch mit den Vorurteilen und Vorlieben Eurer Mütter und Väter, mit deren Art zu denken und zu fühlen – dies ist ein Gedanke, von dem Ihr bis heute verschont geblieben seid.

Das „pathologisch gute Gewissen“ Eurer Eltern, die nichts gewußt und allenfalls mitgemacht haben, um Schlimmeres zu verhüten, dieses pathologisch gute Gewissen ist auch Euer politisches Startkapital: Auschwitz im Rücken, aber weder im Kopf noch im Herzen, erlaubt Ihr Euch heute Debatten darüber, ob die Vietnam-Flüchtlinge „richtige“ oder nur „Wirtschaftsflüchtlinge“ sind, die sich nicht am Aufbau des Sozialismus beteiligen wollen, und Ihr zählt die Dollarnoten und Goldbarren, die diese Menschen mitbringen, falls sie das Glück haben, die Flucht zu überleben. Solche Debatten hat’s hier schon mal gegeben, als es darum ging, ob man die reichen Juden gegen eine „Gebühr“ ausreisen läßt oder sie gleich umbringt.

Ihr habt den Rassismus Eurer Eltern geerbt und auf Eure speziellen Bedürfnisse hin zurechtgebogen. Nicht das „Was“ hat sich geändert, lediglich das „Wie“. Die Art, wie Ihr Euch mit der Dritten Welt beschäftigt, wie Ihr gute und schlechte Befreiungsbewegungen unterscheidet je nachdem, ob diese Befreiungsbewegungen Euren revolutionären Ansprüchen genügen; die Bereitschaft, Grausamkeiten zu verschleiern oder sogar propagandistisch zu fördern, wenn sie nur von Euren ideologischen Verbündeten an den richtigen Gegnern begangen werden, weist Euch als begabte Nachfahren jener aus, die in China die Boxeraufstände niedermachten und in Südafrika die Hereros liquidierten. Ihr macht Euch freilich die Finger selbst nicht mehr schmutzig, ihr treibt’ s vom alternativen Schreibtisch aus und an der revolutionären Theke.

Ich will mich hier nur mit einem Punkt Eures rassistischen Reservoirs beschäftigen, der mich speziell betrifft: Eurem Antisemitismus. Daß ein Linker, sozusagen von Natur aus, kein Antisemit sein kann, weil dies die Domäne der Rechten sei, das ist eine ebenso beliebte wie verlogene Ausrede, an die Ihr Euch klammert, die Generalabsolution, die Ihr Euch selbst erteilt, ein weiterer Beweis für die Dürftigkeit Eures historischen Wissens. Ich wette: mit den Namen Slansky und Rajk könnt Ihr nix anfangen und die Ärzteprozesse 1953 (Stalins antisemitische Kampagne kurz vor seinem Tod im März 1953, d. Red.) haltet Ihr wahrscheinlich für eine Fortsetzungsserie über den Konflikt zwischen Hackethal und der Schulmedizin.

Wieso kann ein Linker eigentlich kein Antisemit sein? Sind Linke denn per se die besseren Menschen? Verprügeln Linke nicht auch ihre Frauen und diskriminieren Schwule? Euer Rassismus fängt schon bei der Überschätzung Eurer eigenen Moral an. Sicher, Ihr schmiert keine Hakenkreuze an die Mauern und von jeder „Juda verrecke!“-Parole könnt Ihr Euch leicht distanzieren. So primitiv seid Ihr nicht – auch den Mitarbeitern der Zeitschrift Das Reith waren die Pöbeleien des Stürmer peinlich. Euer Antisemitismus ist von subtilerer Art, durch Euer Bewußtsein veredelt und Eurem politischen Umfeld angepaßt Ich will Euch an ein paar konkreten Beispielen erklären, was ich meine.

Vor rund zwei Jahren, Ende 1978, veranstaltete die Westberliner „Galerie 70“ eine Ausstellung zum Thema Neonazismus. Während der mehrwöchigen Ausstellung fanden in der Galerie regelmäßig Diskussionen statt. Bei einer dieser Diskussionen war ich dabei, es ging um neonazistische Vorfälle an Westberliner Schulen. Etwa 150 Lehrer, die meisten von ihnen in der GEW organisiert, berichteten über ihre Erfahrungen mit rechtsextremen Schülern und bemühten sich um eine „Einschätzung“ des faschistischen Potentials unter Jugendlichen. Im Laufe dieser Diskussion sprach eine junge Lehrerin – sie war vielleicht 30 Jahre alt – diese Sätze: „Die Jugendlichen wehren sich auch dagegen, daß sie falsch informiert werden. Es ist doch so gewesen, daß die KZs in erster Linie Arbeitslager waren, wo Rüstungsgüter billig hergestellt wurden und erst gegen Ende des Krieges, als die Niederlage absehbar war, fingen die Nazis mit der Vernichtung der Juden an. Heute wird der Holocaust als zionistische Propaganda benutzt, um die Existenz des Staates Israel zu rechtfertigen.“

Mir blieb einen Moment lang die Luft weg, das hörte sich an, wie aus der Nationalzeitung vorgelesen. Ich schaute mir die Lehrerin an, eine junge Frau mit hennaroten Haaren, dezent alternativ gekleidet, und dachte: „Die muß jetzt gleich noch was sagen, so kann sie das doch nicht gemeint haben…“ Aber sie hatte es genauso gesagt, wie sie es gemeint hatte. Und das tollste war: Niemand widersprach ihr! Keiner der rund 150 Lehrer stand auf und sagte: „Mädchen, entweder du redest Unsinn oder du willst uns hier auf die Probe stellen, aber auf so was fallen wir nicht rein …“ Nichts passierte, es wurde weiter über rechtsextreme und faschistische Haltungen bei den Schülern gesprochen. Ich verließ die Galerie mit der sicheren Überzeugung im Kopf und im Bauch: Wenn dies die Garanten einer antifaschistischen Erziehung sind, dann braucht die Wiking-Jugend von sich aus nichts zu tun, diese Pauker sind ihre besten Helfershelfer.

Im Sommer 1980 nahm ich an einer Diskussion beim Hamburger Literaturtubel teil. Auf ein nicht besonders wichtiges Statement. von mir meldete sich ein junger Mann zu Wort, sagte, er wäre vollkommen meiner Meinung, er kenne auch meine Arbeiten, hätte da aber ein Problem mit mir: Als Verbündeten im antifaschistischen Kampf schätze er mich sehr, nur als Zionisten könnte er mich nicht akzeptieren, mit meiner Einstellung zum Staat Israel sei er überhaupt nicht einverstanden. Ich sagte nichts. Ich hätte keine Lust, diesen Jungen auch nur zu fragen, wie denn ein Jude sein müsse, damit er ihn heute akzeptieren könne. Dieser Antifaschist tat genau dasselbe, was schon seine Eltern getan hatten: Er bestimmte, wie er sich den Juden wünschte, um mit ihm etwas anfangen, um ihn für seine Zwecke instrumentalisieren zu können. In diesem Moment beschloß ich, den antifaschistischen Kampf jenen zu überlassen, die ihn am meisten nötig haben.

Ich habe, wie Ihr vielleicht wißt, ziemlich lange über ein Thema gearbeitet, das Euch besser angestanden hätte: den Neonazismus. Ich habe seit über zwei Jahren kein Wort und keine Zeile mehr darüber verloren, weil ich gemerkt habe, daß diese Auseinandersetzung mehr verschleiert als enthüllt. Von Hakenkreuzschmierern und Adolf-Hitler-Fans, die noch jeden 20. April feiern, kann sich in diesem Lande jeder guten Gewissens absetzen, Franz Josef Strauß ebenso wie Ihr. Die Empörung über solche fossilen Äußerungen des Nazi-Geistes schafft Luft und verstellt zugleich die Optik auf das faschistische „alter ego“ in Herrn und Frau Jedermann, auch in Euch. Ein Hakenkreuz an einer Hausmauer, eine SS-Rune an einer Bushaltestelle, ein „Juden raus!“ an einem jüdischen Geschäft sind Anachronismen, geradezu nostalgisch anmutende Formen des Ressentiments. Ihr hingegen seid ganz auf der Höhe der Zeit. Gerhard Zwerenz zum Beispiel schreibt ein Stück ausgerechnet über einen jüdischen Haus- und Grundbesitzer, weil es in diesem Land bekanntlich an arischen Vertretern dieser Gattung mangelt; im Frankfurter Häuserkampf hat die Tatsache, daß es gegen jüdische Spekulanten ging, eine maßgebliche Rolle gespielt. Ist alles schon mal dagewesen: Als die großen Warenhäuser noch im jüdischen Besitz waren, ging die Parole von der „Warenhausseuche“ um, auf Flugblättern, in denen zu „Volks-Versammlungen“ geladen wurde, hieß es: „Es kam der Jude und setzte dem deutschen Kaufmann die Warenhäuser vor die Nase, er vernichtete ihm mit der marktschreierischsten Reklame die Existenz, er nahm dem Handwerker das Brot, er zog jedem Gewerbetreibenden den Hals zu…“ Als dann die Warenhäuser arisiert wurden, regte sich niemand mehr darüber auf, daß sie die Existenz der kleinen Geschäfte genauso gefährdeten wie vorher unter ihren jüdischen Besitzern. Ein Glück, daß der Verfall von Kreuzberg nicht auf das Konto von Juden geht, nicht auszudenken, wie Euch das beflügeln Hielten sich Eure Eltern noch an die Devise „Die Juden sind unser Unglück!“ (beziehungsweise „Die Juden sind an allem schuld!“), so habt Ihr, mangels vorhandener jüdischer Masse, diesen Grundsatz ein wenig abgewandelt. Bei Euch heißt es nur noch: „Das Jüdische ist schuld!“ Im Oktober 1979 veröffentlichte ich in konkret eine Geschichte („Ich bin ein. Chauvi“), in der ich meine Vorliebe für vollbusige Frauen erklärte: „Jeder Busen ist eine Provokation, jeder Hintern eine Herausforderung.“

„Ich bin ein Chauvi“ war einerseits durchaus ernstgemeint, andererseits aber auch eine ironische Provokation gegenüber den immer mehr sich ausbreitenden „Softis“, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind, ihr Rollenverhalten zu hinterfragen, und die ihre Solidarität mit der Frauenbewegung dadurch demonstrieren, daß sie sich zum Pinkeln hinhocken. Man tut in Deutschland gut daran, zu jeder Satire gleich eine Ausführungsbestimmung mitzuliefern, andernfalls man einen Aufstand der Studienräte riskiert, der leibhaftigen und auch der verhinderten. In diesem Fall liefen nicht nur einige Dutzend konkret-Leserinnen und vor allem Leser brieflich Amok (ich hatte auf keine meiner „politischen“ Geschichten jemals ein so massives Echo), es erhob auch ein linker Linienrichter seine Stimme, um mir mein Bewußtseinsdefizit um die Ohren zu schlagen.

Hermann P. Piwitt versicherte einen Monat nach mir in konkret auch er habe „nichts gegen Arsch und litten, wen macht das nicht verrückt?“, geißelte aber „typisch männliche“ Züge an mir: „Der Hochmut und die Verachtung für den Sexualpartner, an dem nur das Fleisch interessiert“. Piwitt nannte mich in einem Satz mit dem Dichter Bukowski („… ein ziemlicher Dreckhaufen“), was mir geschmeichelt hätte, wenn er nicht als dritte Horrorgestalt nach Broder und Bukowski auch den Frauenmörder Honka aufgereiht hätte. En passant ging Piwitt auch auf die Frage ein, von welcher „Weltanschauung Broder verhunzt worden ist“ und kam ganz schnell auf „eine sprichwörtlich patriarchalische, nämlich jüdische Erziehung…“

Es wäre müßig, Piwitt faktisch zu korrigieren und ihn darauf hinzuweisen, daß die jüdische Erziehung, in der er die Ursache für mein Chauvi-Sein sieht, mitnichten „sprichwörtlich patriarchalisch“, sondern viel mehr von der Mutter bestimmt ist und der Vater in der jüdischen Familie die Gebete zelebriert, aber sonst wenig zu sagen hat; weswegen auch jeder jüdische Junge, der etwas auf seine Erziehung hält, ein Leben lang mit dem Ödipus- Komplex herumläuft. Auf eine solche Auffüllung der Piwittschen Wissenslücken kommt es nicht an; Piwitt ging es nicht darum, etwas über die jüdische Erziehung zu sagen, sondern darum, für ein Verhalten von mir, das ihm nicht paßt, das Charakteristikum „jüdisch“ verantwortlich zu machen, koste es, was es solle.

Das antisemitische Syndrom ist von seinem Gegenstand vollkommen unabhängig. Nicht das Verhalten des Juden zählt, sondern das Bedürfnis des Antisemiten, das, was ein Jude tut, negativ zu besetzen. Weswegen ein Antisemit immer etwas findet, wo er sich einhaken kann. Ein besonders tolles Ding in dieser Beziehung hat sich vor Jahren Klaus Rainer Röhl geleistet. In einer Glosse über Henry Kissinger schrieb er, Kissingers hervorragende körperliche Verfassung sei zurückzuführen auf „jahrtausendealte gesunde koschere Ernährung“, speziell „Knoblauch“. Röhl, der Schmock von der Elbchaussee, hat keine Ahnung, daß Knoblauch mit koscherer Ernährung nicht zu tun hat, aber wo von einem Juden die Rede ist, da reagiert der Antisemit wie ein Pawlowscher Hund auf die Glocke, und Knoblauchduft (oder besser: Gestank) steigt in seine arisch gradlinige Nase. Ich halte solche Reaktionen deswegen für so aussagestark, weil sie vegetativ ablaufen; das Es triumphiert über das Ich, da kann auch der aufgeklärteste Intellektuelle mit seinem Bewußtsein nix anfangen. Er stolpert in eine Falle, die er sich selbst gestellt hat und die er dennoch nicht sieht.

Emma, die Zeitschrift von Frauen für Frauen, brachte zum Papstbesuch in der Bundesrepublik einen Offenen Brief an den reisenden Stellvertreter. Darin ging es um die Sünden der katholischen Kirche an den Frauen. Und mitten in diesem Offenen Brief, völlig unvermittelt, heißt es auf einmal: „Wenn man eines aus dem Talmud lernen kann als Christ, dann doch dieses Dankgebet: ‚…gepriesen sei, der mich nicht zur Frau machte!“ Unbewußter Etikettenschwindel Dieser Einschub folgt derselben Logik bzw. Unlogik wie die Piwittsche „jüdische Erziehung“ oder die Römische „koschere Ernährung“. Das Zitat steht nicht im Talmud, sondern stammt aus einem Morgengebet, für jüdische Männer. Daß eine Quelle nicht stimmt, kann schon mal passieren. Aber wie kommt die Verfasserin ausgerechnet auf den Talmud? Der Talmud spielt seit jeher in der antisemitischen Propaganda eine zentrale Rolle. Er ist, aus der Sicht der Judenhasser, sozusagen das Hauptbuch der jüdischen Gemeinheiten. Würde man all das zusammenstellen, was angeblich im Talmud steht, käme dabei ein Werk vom mehrfachen Umfang der Encyclopaedia Britannica heraus. Die Autorin des Papst-Briefes wird irgendwann mal irgendwas Negatives über den Talmud mitgekriegt haben und assoziiert ihn nun mit jüdischer Misogynie. Als gäbe es in der katholischen Kirche nicht genug Beispiele für die Diskriminierung der Frau, von der Hexenverfolgung bis zum Marienkult, muß sie auf ein jüdisches Exempel zurückgreifen. Und dazu eins, das die Beweislast nicht mal trägt.

Ich möchte jetzt nur noch wissen, wie nichtjüdische Männer an ihren Chauvinismus und ihre Frauenverachtung kommen, wo sie weder eine patriarchalische jüdische Erziehung genossen haben, noch jeden Tag dem Herrgott dafür danken, daß er sie nicht zur Frau gemacht hat.

Nun macht Ihr die Juden nicht nur für alles Mögliche und Unmögliche verantwortlich, Ihr könnt einfach nicht von den Juden lassen. Daß Aufklärung, Arbeiterbewegung und Assimilation Auschwitz nicht verhindert haben, macht Euch nicht stutzig. Und daß Ihr Euch heute wieder mit uns beschäftigen müßt, liegt natürlich an den Juden und nicht an Euch. Ihr merkt nicht einmal, daß Ihr wie ein in Schlamm und Geröll steckengebliebener Zug an genau der Stelle weitermacht, an der Eure Eltern aufhören mußten mit ihrem gescheiterten Versuch, das Weltjudentum aus der Welt zu schaffen. Die Endlösung der Judenfrage setzt Ihr nun mit ideologischen Mitteln fort; es geht Euch, wie allen Antisemiten vor Euch, um dieselbe Sache: Die Juden sollen aufhören, Juden zu sein, erst dann seid Ihr bereit, sie zu akzeptieren.

Und wenn Ihr meint, daß Ihr deswegen keine Antisemiten seid, weil Ihr Euch selbst nicht als Antisemiten definiert, dann sage ich Euch: Es wäre nicht das erste Mal, daß die Angaben auf der Verpackung nicht mit dem Inhalt übereinstimmen.

Euer Etikettenschwindel mag Euch selbst nicht bewußt sein, aber das spricht nicht gegen seine Existenz sondern, im Gegenteil, für die große Effizienz dessen, was Ihr verinnerlicht habt. Allerdings haben Eure Eltern so gründliche Arbeit geleistet, daß Euer antisemitisches Potential sozusagen freischwebend vagabundiert. Woran soll es sich festmachen, seit Hermann Tietz (Hertie), Ullstein und Mosse arisiert sind und leider auch feststeht, daß Iwan Herstatt kein Jude ist? Die paar jüdischen Hausbesitzer und Spekulanten, die Euch ins Auge fallen, geben nur kurzfristig was her.

Aber Gott sei Dank gibt es da noch den Über-Juden, den Staat Israel, um den Ihr Euch mit einer Verbissenheit kümmert, als hättet Ihr sonst nix zu tun. Euer Antizionismus ist nichts anderes als eine von links her aufgemotzte Variante des Antisemitismus: gleiche Logik, gleiche Methodik, gleiches Vokabular, nur „Jude“ gegen „Zionist“ ausgetauscht. Und daran hat sich nichts geändert. Ich muß nicht die Israel-Berichterstattung der UZ, der Roten Fahne, der Neuen, der TAZ usw. analysieren, ich muß nicht zum x-ten Male beweisen, daß an Israel ganz andere Maßstäbe angelegt werden als an einen Nicht-Juden, es genügen schon die kleinen Erfahrungen und Beobachtungen, die ich täglich mache.

Ich besuche einen sehr netten älteren Prof in Berlin. Eine Sozialarbeiterin, die Gefangenenhilfe macht, kommt dazu, wir werden einander vorgestellt. „Sind Sie der Broder, der nach Israel gehen will?“ – „Ja.“ – „Sagen Sie mal, wie kann ein Linker nach Israel gehen?“ – „Eine gute Frage, gnädige Frau, ich werde sie Ihnen beantworten, wenn Sie mir sagen, wie ein Jude nach Auschwitz in Deutschland leben kann. Damit war das gegenseitige Abfragen zu Ende. Ich hatte keine Lust auf eine Debatte. Ich hätte die junge Frau aber vielleicht doch fragen sollen, wie ein Linker in der Bundesrepublik leben kann, ohne tagtäglich mehr kotzen zu müssen, als er essen kann, in einem Land, das sich einen ehemaligen SA-Mann als Präsidenten leistet, in dem zahllose Massenmörder frei herumlaufen und in dem das demokratische Bewußtsein der Massen von der Höhe der Inflationsrate abhängt. Diese Frage wäre sicher unfair gewesen, man kann die Linken nicht für das Umfeld, in dem sie ihre Vergeblichkeit erleben, verantwortlich machen. Aber daß ein Linker – mal unterstellt, ich wäre einer – nach Israel geht, ist ein Vorwurf, an dessen Berechtigung es offenbar keinen Zweifel gibt, Konkret, ein politisches Magazin, in dem ich viel veröffentlicht habe, brachte in der November-Ausgabe 1980 die Anzeige eines „Verlags für ganzheitliche Forschung“ in 2251 Wobbenbüll. Name und Programm des Verlages riechen schon aus der Ferne nach Blut und Boden, unter den angebotenen Titeln ist auch dieser: „Roland Bohlinger, Rassismus in Israel? Unser heißestes Eisen. Verwirklicht Israel, was dem Dritten Reich zum Vorwurf gemacht wird?“ Dies ist, in einer linken, entschieden antifaschistischen Zeitung, ein echter Fortschritt. Dem Dritten Reich wird nur noch etwas „zum Vorwurf gemacht“, es gibt da sozusagen einen gewissen Tatverdacht, aber die Tat, die dem Dritten Reich vorgeworfen wird, findet in Israel statt. Ich habe die konkret-Leute auf diese Anzeige angesprochen, und es war ihnen sehr peinlich. Sie sei „irgendwie reingerutscht“, keiner habe aufgepaßt und es käme nicht wieder vor… Schön und gut, aber kann sich jemand vorstellen, daß eine Buchanzeige, in der zum Beispiel vom „sowjetischen Völkermord in Afghanistan“ die Rede wäre, auch so unbemerkt ins Blatt hätte rutschen können?

Abends in einer Hamburger Kneipe, eine Hunde von Journalisten, Autoren, Uni- Menschen. Es wird über Faschismus und die Folgen geredet. Ein stadtbekannter linker Theoretiker namens Oberlercher, ein erklärter Antifaschist, sagt: „Das einzige, was die Juden aus ihrer Verfolgung gelernt haben, ist, wie man selber Leute verfolgt.“  Die gleiche Situation ein paar Tage später in einem Göttinger Lokal, diesmal eine Runde von liberalen Juristen, darunter auch einige engagierte Richter. Von der Rolle der Justiz im Dritten Reich kommt einer von ihnen auf den Holocaust-Film. „Da kann ich mich an die Schlußszene gut erinnern“, sagt er, „der jüngere Sohn der Familie Weiß sagt zu seiner Freundin: Wir gehen jetzt nach Palästina ’ und sie sagt darauf: ‚Aber da sind doch schon Menschen“, worauf er sagt: ‚Da müssen: die eben etwas zusammenrücken‘, und seitdem ‚machen die Israelis mit den Arabern dasselbe, – was die Nazis mit den Juden gemacht haben. – Einer aus der Firma Freislers Erben schaut sich den Holocaust-Film an und die Szene, die ihm am besten in Erinnerung bleibt, ist eine, die er braucht, um die Juden mit den Nazis gleichzusetzen. Sonst hat ihn an diesem Film offenbar nichts beeindruckt. Ich kann es nachvollziehen, wie Ihr auf diesen obszönen Vergleich „Israelis gleich Nazis“ und „Palästinenser gleich die Juden der Israelis“ kommt. Das ist Eure historische und psychologische Entlastungsoffensive. Nicht, daß Ihr ein Schuldbewußtsein gegenüber den Juden hättet, warum denn auch, Ihr habt doch keinem Juden ein Haar gekrümmt; aber ein gewisses Unbehagen habt Ihr doch, da stimmt was nicht mit Euren Eltern.

Die meisten von Euch haben sich nie mit ihren Eltern über deren Vergangenheit auseinandergesetzt. In den Familien wurde darüber nicht gesprochen und wenn Ihr mal Fragen gestellt habt, dann wurde Euch das Fragen verboten. Antworten habt Ihr nie gehört und wenn, dann bestenfalls: „Wir haben von nichts gewußt“ oder „Was hätten wir denn schon tun können…“

Und es könnte doch sein, Ihr wißt es, daß der Vater die Jahre, über die er nicht spricht, nicht an der Front mit dem Knacken von Russenpanzern, sondern im Warthegau bei Einsatzgruppen verbracht hat, die hinter den deutschen Linien das Land von Juden und Zigeunern säuberten.

Es könnte doch sein, daß die Mutter auf dem hübschen Photo aus dem Jahre 1942 ein Kleid, trägt, das mal einer Jüdin gehört hat, die es nicht nach Auschwitz mitnehmen durfte.

Und wenn der Vater tatsächlich „nur“ an der Front war (wobei Ihr bedenken müßt, daß die KZs nur so lange arbeiten konnten, wie die Front hielt) und die Mutter das Kleid selbst genäht hatte, dann schulden sie Euch zumindest Aufklärung darüber, was sie sich gedacht haben, als die Cohns und die Blums von nebenan plötzlich verschwunden waren.

Ich verstehe, Ihr habt es nicht leicht mit einer solchen Hypothek im Rücken. Da sind wir, die Kinder der Verfolgten, leider besser dran. Und so verschafft Ihr Euch Erleichterung, indem Ihr die Auseinandersetzung, die Ihr mit Euren Eltern nie geführt habt, nie führen könntet, auf die Opfer Eurer Eltern übertragt. Es funktioniert: Die Juden-sind die Nazis, die Palästinenser sind die Opfer der Juden, und Eure Eltern sind aus allem heraus (und Ihr auch), sie haben ‘sozusagen mit sich selber nichts mehr zu tun. Ihr könnt ihnen wieder ins Gesicht schauen, denn Ihr wißt jetzt, wo die Nazis sitzen, die es hier ja nie gegeben hat.

Aber das ist noch nicht alles. Außerhalb Eurer familiären Problematik gibt es noch etwas, wovon ich schon gesprochen habe: Wer von Euch hat als Kind keine Horror- und Schauergeschichten über „den Juden“ gehört, der an allem schuld ist? Am Kapitalismus, am Kommunismus, an der Inflation, der Arbeitslosigkeit, den hohen Zinsen, den niedrigen Zinsen, der Pornographie, dem Krieg, dem Schandfrieden – an allem, womit der Antisemit nicht fertig wird und wofür er einen Sündenbock braucht. Und von diesem Sündenbock könnt Ihr nicht lassen. Ihr braucht ihn wie ein Süchtiger seinen Stoff, und da hilft keine Willensbekundung, kein Etikettenschwindel („Wir haben nichts gegen Juden, nur gegen Zionisten“); nur eine schmerzhafte Entziehungskur, aber dazu seid Ihr nie gekommen, weil Ihr genauso wie Eure Eltern zu keiner Trauerarbeit fähig seid und Euch statt dessen nicht verantwortlich erklärt für die deutsche Geschichte: „Ich hab’ keinen Juden ins KZ gesteckt, ich hab’ auch keinen Polen erschossen…“

Euer Jude von heute ist der Staat Israel. So wie Eure Eltern meinten, ohne die Juden ginge es ihnen viel besser, meint Ihr, ohne Israel gäbe es im Nahen Osten keine Konflikte. Es gibt keinen arabischen Staat, der nicht mit wenigstens einem anderen Staat in der Region permanent Zoff hätte: Ägypten mit Libyen, Libyen mit Tunesien, Algerien mit Marokko, Marokko mit Mauretanien, Jordanien mit Syrien, Syrien mit Irak, Irak mit Kuwait, Südjemen mit Nordjemen. Aber für Euch ist Israel der einzige Störenfried der Gegend, das einzige Hindernis zu Frieden und Sozialismus.

Ich will nicht sagen, daß Israel nicht kritisiert werden soll. Israels dumme, kurzsichtige, teilweise katastrophale Politik muß kritisiert werden. Aber wer ist es, der da aufsteht und sich über Israel empört? Über die Siedlungspolitik, über die Verletzung der Menschenrechte in den besetzten Gebieten, über die soziale Benachteiligung der israelischen Araber? Es sind dieselben, die die sowjetische Besatzung Afghanistans gutheißen, das bekanntlich den Bestand der Sowjetunion bedroht hat; die nicht mal wissen, daß Tibet von China besetzt gehalten wird, die Pol-Pots Terrorregime in Kambodscha für eine revolutionäre Volksregierung hielten und über drei Millionen Tote hinwegsehen. Es sind dieselben, die Begin einen Terroristen nennen, die vor jedem Despoten, sei es nun Idi Amin, Ghadaffi oder Chomeini, Honeurs machen, wenn er sich nur mit dem Etikett „antiimperialistisch“ schmückt; dieselben, die es einen Dreck interessiert, wie die Kurden in der Türkei langsam, aber sicher kulturell endgelöst und im Iran und Irak zu Hunderten massakriert werden; die vom Völkermord in Äthiopien noch nie was gehört haben und die über die anhaltende Sonderbehandlung der Zigeuner in der Bundesrepublik hinwegsehen.

– Was bildet Ihr Euch eigentlich ein? Wo nehmt Ihr Eure Arroganz her? Den halben Tag seid Ihr mit Sprücheklopfen beschäftigt, den anderen halben Tag damit, die richtigen „Einschätzungen“ zu suchen. Aus keinem politischen Schaden werdet Ihr klug. Die Entwicklung in China hat Euch total überrollt, so schnell konntet Ihr Eure ewig gültigen Standpunkte nicht revidieren, wie die Pekinger Volkszeitung den Kurs wechselte. Der Krieg zwischen den irakischen und den persischen Revolutionären hat Euch die Sprache verschlagen. Zur Einführung der Vorbeugehaft in Indien fällt Euch genausowenig ein wie zu den dortigen Rassenunruhen, die Tausende von Menschenleben kosten. Daß im Iran Homosexuelle, Ehebrecherinnen und Prostituierte staatlich ermordet werden, rührt Euch nicht an.

Euer freischwebendes Sympathiepotential für die Völker der Dritten Welt wandert von Kontinent zu Kontinent, um-sich mal hier, mal da für eine Weile abzusetzen. Im Augenblick ist es El Salvador, vor einem Jahr war es Rhodesien, im Jahr davor Timor.

Und wenn im kommenden Frühjahr die Karottenhosen nicht mehr modern sind, werdet auch Ihr etwas Neues für den fernrevolutionären Gebrauch entdeckt haben, vielleicht eine Befreiungsfront, welche die Antarktis vom Packeis befreien will.

Es gibt in Eurem wechselnden Repertoire nur einen Dauerbrenner: Palästina. Kein Stück Land ist Euch näher, kein Volk liegt Euch mehr am Herzen, kein Konflikt brennt Euch mehr auf den Fingernägeln. Euer Interesse an den Palästinensern hat nur einen einzigen vitalen Grund: daß es Juden sind, von denen sie unterdrückt werden. Nur darauf kommt es an, dies ist der Motor, der Euch antreibt, Ihr würdet an die Palästinenser sonst keinen Gedanken verschwenden, sie sind für Euch nur die Alibikulisse, vor der Ihr Euer antisemitisches Programm aufführt. Auch das läßt sich beweisen. Kein Linker hat sich empört, daß es junge Deutsche waren, Nachkriegskinder, die in Entebbe eine Selektion jüdischer Passagiere durchführten. Ihr habt Euch erst aufgeregt, als ein israelisches Kommando die Geiseln befreite. Da habt Ihr Kondolenztelegramme an „Seine Exzellenz Idi Amin“ geschickt und die „Verletzung der staatlichen Souveränität Ugandas“ aufs schärfste verurteilt. Als ob „staatliche Souveränität“ für Linke was Heiliges wäre. Die Verletzung der staatlichen Souveränität war Euch denn auch egal, als ein deutsches Terrorkommando die BRD-Botschaft in Stockholm überfiel.

Es ist das alte Spiel, das Ihr mit immer neuen Varianten aufführt: Juden wird weniger erlaubt als anderen, aber es wird ihnen mehr zugemutet: daß sie sich schlagen und demütigen lassen, daß sie allenfalls klagen, aber nicht zurückschlagen. Und wenn sich Juden so benehmen, wie es andere schon, immer getan haben, dann schwillt Euch der Kamm, das könnt ihr nicht haben, ob es nun ein jüdischer Hausbesitzer in Frankfurt ist oder ein israelisches Kommandounternehmen in Afrika.

Als Brigitte Schulz und Thomas Reuter vom israelischen Geheimdienst in Kenia gekidnappt und dann in Israel versteckt gehalten wurden, dann war das eine schlimme Geschichte, vorbei an Recht und Gesetz, unabhängig davon, ob die beiden Deutschen tatsächlich versucht hatten, eine El-Al-Maschine abzuschießen oder nicht. Da habt Ihr getobt und geschäumt über diesen „zionistischen Coup“. Als aber bekannt wurde, daß in Argentinien mindestens zwei Dutzend Deutsche, meist Entwicklungshelfer, spurlos verschwunden waren, als die Pfarrerstochter Elisabeth Käsemann in Argentinien von staatlichen Stellen ermordet wurde, da waren Eure Reaktionen – gemessen an Schulz/ Reuter in Israel – recht moderat. Es waren. ja auch keine Juden, gegen die sich Eure Wut richten konnte. Alles schon mal dagewesen: Wenn in Polen oder Rußland irgendwo zur Pessach-Zeit ein kleines Kind verschwand, war es allen klar: Die Juden brauchten wieder Christenblut zum Matzenbacken. Meist gab es darauf ein Pogrom. Die christlichen Totschläger waren dann immer furchtbar enttäuscht, wenn das „geschächtete“ Kind wieder auftauchte oder sich herausstellte, daß für sein Verschwinden ein arischer Täter verantwortlich war. Noch heute werden Ritualmordgeschichten in Polen mehr geglaubt als die Verlautbarungen Heiligabend 1980, ich höre im WDR 2 Nachrichten. Die Top-Meldung kommt aus Rom: „Christen und Moslems haben nach Ansicht von Papst Johannes Paul II., die Pflicht zur Zusammenarbeit, um Freiheit für Jerusalem zu erreichen und die Heilige Stadt allen religiösen Gruppen zurückzugeben.“

Ich will nicht darauf eingehen, was die Institution, die der Papst personalisiert, zwischen Heiligabend 1939 und Heiligabend 1944 für den Frieden und die Beendigung des Genozids an den Juden getan hat; ich will nur, in aller Demut, daran erinnern, daß kein Papst bis zum Jahre 1967, dem Sechs-Tage-Krieg also, dazu aufgerufen hat, „die Heilige Stadt allen religiösen Gruppen“ zu öffnen; bis dahin waren nämlich die Juden die einzige religiöse Gruppe, die keinen freien Zugang zu ihren heiligen Stätten hatte. Heute, da Jerusalem unter jüdischer Souveränität den Gläubigen aller Konfessionen offen steht, meint der katholische Oberhirte dazu aufrufen zu müssen, „Freiheit für Jerusalem“ zu erreichen. Und das Schlimmste: niemand empört sich, niemand schreit auf.

Das antijüdische Ressentiment scheint fast, wie der Freß- und Sexualtrieb, eine anthropologische Grundkonstante zu sein. In jedem Fall ist es der kleinste gemeinsame Nenner der abendländischen Kultur, auf den sich so gut wie alle verständigen können, vom Vatikan bis zum Kreml; da schwingt Ihr im selben Rhythmus wie der Herr Karol Wojtyla (Papst Johannes Paul II). Und Ihr habt noch etwas mit ihm gemeinsam: die völlige Gleichgültigkeit gegenüber Fakten. Die Ritualmordgeschichten waren durch Fakten ebensowenig zu widerlegen wie die von der zaristischen Geheimpolizei verfaßten „Protokolle der Weisen von Zion“, ein Klassiker der antisemitischen Propaganda. Ihr geht, wenn es Euch in den Kram paßt, mit Tatsachen genauso freihändig um.

Ihr habt von nix eine Ahnung, aber zu allem einen fertigen Spruch parat. Ihr wißt nicht, daß Israel genauso viele Juden aus arabischen Ländern aufgenommen hat, wie 1948 Araber aus Palästina geflohen sind; Ihr redet von Palästina und meint den schmalen Wüstenstreifen, das Gebiet von Israel, Gaza und die Westbank. Ihr wißt nicht, daß auch das Gebiet östlich des Jordan historisch ein Teil von Palästina ist und erst im Jahre 1922 von den Briten an die haschemitische Dynastie, aus der auch König Hussein stammt, „abgetreten“ wurde. Ihr wißt auch nicht, daß König Husseins Großvater, Abdullah, für ein friedliches Zusammenleben von Juden und Arabern eintrat und, deswegen, im Jahre 1947 von arabischen Terroristen umgebracht wurde. Ihr wehrt alles ab, was Euer präfabriziertes Ressentiment, erschüttern Während ich diese Geschichte schreibe, erscheint, die Januar-81-Ausgabe von Emma. Auf der Schlußseite die Vorschau auf „die nächste Emma“, unter den angekündigten Themen auch dies: „Palästina: Ingrid Strobl war vor Ort.“ Wo war Frau Strobl? In Palästina. Sie flog von Frankfurt nach Tel Aviv, fuhr von dort quer durch Israel nach Jerusalem, traf in Ost-Jerusalem ihre PLO-Freunde. Für Emma gibt es kein Israel mehr, die zweite Phase der Endlösung ist offenbar bereits beschlossene Sache und nur noch eine Frage der Zeit.

Ich habe Alice Schwarzer gefragt, was sie sich bei dieser Ankündigung gedacht habe, worauf mir Alice Schwarzer sagte, sie habe sich nichts dabei gedacht, mit der Gedankenlosigkeit etwas entschuldigend, was erst durch sie schlimm wird: wie selbstverständlich der Un-Gedanke einer Vernichtung jüdischer Existenz bereits wieder geworden ist, so selbstverständlich, daß man sich nichts mehr dabei denkt.

Von „Palästina“ wieder in Köln zurück, verkündete Frau Strobl, die Juden hätten in Palästina nichts zu suchen, das sei doch eine absolut alberne Geschichte, nur weil irgendwelche Hebräerstämme vor zweitausend Jahren dort mal gelebt hätten… Ich versuchte erst gar nicht zu erklären, daß es historische, religiöse und metaphysische Bindungen gibt, die sie möglicherweise nicht nachvollziehen kann, die aber für andere eine Rolle spielen. Ich zog mich auf ein einfacheres Argument zurück und sagte, wir hätten es zweitausend Jahre ohne einen Staat versucht und dabei reichlich schlechte Erfahrungen gemacht; worauf. Frau Strobl, ein Doktor der Philosophie, mir erwiderte, dann sollten wir es mit dem jüdischen Staat woanders versuchen, vielleicht in Bayern, aber die Palästinenser in Ruhe lassen, die hätten uns nichts getan…

An dem Satz ist was dran. Tatsächlich bezahlen die Palästinenser einen Teil der Zeche, für die Frau Strobls Eltern, pars pro toto gesprochen, verantwortlich sind. Aber an dieser Front hält Frau Strobl still, statt dessen empfiehlt sie den Israelis, sich aus Palästina zu verpissen.

Immerhin ist Frau Strobl in ihrem Ressentiment ehrlich. Sie gibt zu, daß es ihr nicht um irgendwelche besetzten Gebiete geht, Westbank, Gaza, Golan; für sie. wäre Israel auch dann ein Besetzerstaat, der aufgelöst gehört, wenn er sich auf das Stadtgebiet von Tel Aviv beschränken würde. Es geht ihr nicht um einen gerechten Ausgleich im Nahen Osten, nicht darum, daß beide Seiten, Israelis und Araber nachgeben und einen Modus vivendi finden, wenn, sie nicht miteinander draufgehen wollen; es geht ihr, und mit ihr vielen deutschen Linken, ums Prinzip: Es darf keinen jüdischen Staat geben. Dies ist der prospektiven Endlösung schon fest gebuchter zweiter Teil. Während Eure Mütter und Väter über Auschwitz so zur Tagesordnung übergegangen sind, als wäre ein verregneter. Sommer gewesen, während deutsche Gerichte über die „Echtheit“ des Tagebuches von Anna Frank befinden und die rechte Propaganda nicht nur das Tagebuch, sondern die ganze Judenverfolgung für eine Fälschung erklärt, während Jugendliche, die zur Regierungszeit von Ludwig Erhard geboren wurden, schon darüber witzeln, wie viele Juden in einen VW- Aschenbecher passen, engagiert Ihr Euch dafür, den Staat Israel aufzulösen und setzt damit, wenn auch mit anderen Mitteln, die Arbeit von Adolf Eichmann fort. Wer 40 Jahre nach Auschwitz einem jüdischen Staat das Existenzrecht abspricht beziehungsweise – nicht ganz so direkt – politische Lösungen anstrebt, die auf eine Vernichtung Israels hinauslaufen, sollte wissen, worauf sein Engagement zielt. Und er sollte auch wissen, daß er seine Hände nicht in Unschuld wird waschen können, wenn…

Ich bin am Ende. Am Ende dieser Geschichte, am Ende meiner Wut, und auch am Ende mit Euch, meine linken Freunde. Ich will nicht mehr an Eurer Dumpfheit leiden, ich will Euch nicht mehr erzählen, was Eure Eltern Euch verschwiegen haben, ich will Euch nicht kritisieren und nicht aufklären, ich will nicht mehr Euer antifaschistischer Bedarfsjude sein

– ich will mit Euch nichts mehr zu tun haben.

Dies ist die erste Geschichte, die ich in der Wir/Ihr-Form geschrieben habe. Noch vor einem Jahr hätte ich so was nicht gemacht. Aber es geht nicht anders, obwohl ich weiß, daß ich einigen von Euch Unrecht tue: dem einen Uwe und dem anderen, dem Manfred und dem Detlef, der Barbara und der Hilde, dem Peter und dem Hanno, dem Günter und dem Gerhard und bestimmt noch ein paar anderen, die mir grad nicht einfallen. Früher kannte jeder Deutsche wenigstens einen anständigen Juden. Heute kenne ich ein paar, anständige Deutsche.

So ändern sich die Zeiten.

 

http://www.zeit.de/1981/10/ihr-bleibt-die-kinder-eurer-eltern

 

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Antisemiten sind mir egal

Von Maxim Biller   DIE ZEIT Nº 41/2014            18. Oktober 2014

 

 

In Deutschland kommt es neuerdings zu offenen Hassausbrüchen gegenüber Israel. Warum kann die Gesellschaft einfach nicht genug kriegen von ihrer Abneigung gegen die Juden? Warum müssen immer ausgerechnet sie für den Abbau von Urängsten herhalten?

Nichts ist so langweilig wie Antisemitismus, jedenfalls für Juden. Ihr regiert die Welt, hören sie von den Nichtjuden seit zweitausend Jahren, auch wenn noch nie einer von ihnen römischer Kaiser oder US-Präsident gewesen ist. Eure Religion nervt, sagt man ihnen, weil ihr sie mit niemandem teilen wollt, und obwohl die meisten von euch nicht religiös sind, fühlen sie sich trotzdem als Juden, was zum Teufel bedeutet das? Ihr seid besser im Bett als wir und nehmt uns unsere Frauen weg. Ihr könnt mit Geld so gut umgehen, wie wir es auch gern könnten. Ihr seid so verdammt klug, weil ihr seit hundert Generationen keine Analphabeten seid, ein uneinholbarer Vorsprung. Und betrunken seid ihr auch nie – kann es sein, daß ihr deshalb immer alles unter Kontrolle habt?

Und kann es sein, denken die Juden, daß ihr Nichtjuden langsam anfangen könntet, ein anderes Lied zu pfeifen, während ihr zitternd durch den dunklen Wald des Mittelalters, der Neuzeit und Aufklärung, der europäischen Weltherrschaft und ihres Niedergangs geht und so eure Angst vor jeder technischen, moralischen und politischen Veränderung vertreiben wollt?

Nein, das können sie nicht. Nichtjuden können nicht genug kriegen von ihrer monomanen und sehr monotonen Abneigung gegen die Juden, und interessant und nicht langweilig daran ist nur, warum ausgerechnet immer die Juden für den Abbau ihrer Urängste herhalten müssen – eine Frage, die schon lange keiner mehr stellt, was aber gerade in Zeiten von Jakob Augsteins Gaza-Kolumnen, von Kreuzberger IS-Rappern, glimmenden französischen Synagogen und Erdoğans exhibitionistischem Judenekel nicht unwichtig wäre. Offenbar haben sich nach dem kleinen Sechs-Millionen-Schock alle längst wieder damit abgefunden, daß Juden gefährlich leben. Die Juden auch?

Der erste und einzige Fehler der Juden war es wahrscheinlich, daß sie die Idee der Moral in die Welt gebracht haben. Bis heute nerven sie die Nichtjuden damit, daß sie vor allen anderen auf dem lebensbejahenden und ziemlich anstrengenden Gegensatz zwischen Gut und Böse, menschlich und unmenschlich, Humor und heute-show bestanden haben. Dabei haben die Christen immer noch nicht verwunden, daß sie selbst irgendwie auch Juden sind, aber in der schlechteren, softeren und in ungezählten Gottes- und Raubkriegen korrumpierten Jesus-Heuchel-Variante. Und daß ihr Religionsstifter damals, kurz vor Ostern 33, eigentlich nur gegen die alten, satten Nomenklatura-Rabbis rebelliert hat und ein besserer Jude sein wollte als sie, was sie aber überhaupt nicht interessierte, verletzt seine Anhänger bis heute, denn welches Kind will schon von den Eltern, die es kritisiert, für immer ignoriert werden. Ja, und die Muslime? Die hatten die Idee mit dem einen einzigen good cop, bad cop-Gott erst eineinhalbtausend Jahre später als die Juden, darum können sie einfach nicht aufhören, sauer auf sie zu sein.

Und wie kam der Antisemitismus nach Deutschland zurück, in das Land, das wie kein anderes seine Pogrom-Geschichte durchleuchtet hatte, um für immer aus ihr zu lernen? Er ist, in seiner neuesten, antizionistischen Verpackung, natürlich ein Geschenk der 68er. Die Erklärung dafür ist ganz leicht, wird aber logischerweise verschwiegen. Viele, sehr viele von ihnen hatten als junge Wehrmachtssoldaten, Waffen-SS-Novizen und Hitlerjungen, als Journalisten, Künstler und Akademiker die schönsten, schrecklichsten, prägendsten Jahre ihres Lebens gehabt. Wie sollten sie auf einmal keine Halb- oder Ganznazis mehr sein? Sie kämpften dennoch aufrichtig gegen ihre nationalsozialistische Erziehung, sie wurden Pazifisten, sie forderten von der autoritären Adenauer-CDU mehr Demokratie, sie lasen Eugen Kogon, Hannah Arendt und Primo Levi, und sie wollten, daß nicht nur in ihrem Land, sondern auf der ganzen Welt ab sofort das totale Paradies ausbricht. Doch die Metaphysik von den blut- und geldgierigen jüdischen Intelligenzbestien, die ihnen tausend Jahre lang eingetrichtert wurde und an die ihre Eltern und Verwandten auch ohne Hitlers Einflüsterungen geglaubt hatten, saß zu tief in ihren Herzen und Köpfen. Man mußte viele der SDSler, KBWler und älteren Stern-Redakteure bloß einmal betrunken erleben. Je länger der Abend dauerte, desto mehr klangen sie wie die Gäste der Baronesse Batthyány, kurz bevor sie ihre kleine Rechnitzer Schlossparty unterbrachen, um zu ihrer Zerstreuung 180 jüdische Zwangsarbeiter wie Kaninchen zu erschießen.

Was sollten aber die armen 68er und ihre 78er-Apostel mit diesem schönen, hässlichen, metaphysischen Haßgefühl anfangen, wenn sie nüchtern waren? Juden gab es, Eichmann sei Dank, nach dem Krieg kaum noch in Deutschland, und als guter, formvollendeter Antifaschist durfte man ohnehin nicht gegen sie sein. Zum Glück gab es Israel. Es gab den Sechstagekrieg, den alte, aufrechte Nazis und Wehrmachtsoffiziere als Hommage an alle deutschen Blitzkriege seit 1870/71 feierten, was offenbar automatisch bewies, daß alle Israelis ebenfalls Militaristen, Imperialisten und totalitäre Herrenmenschen waren. Und es gab palästinensische Araber, denen es in den Augen der neuesten deutschen Weltenretter wegen Israel mindestens so schlecht ging wie den Vietnamesen und Lateinamerikanern wegen der Yankees, die Papa in der Normandie den Arsch versohlt hatten. Und plötzlich – Überraschung! – hatten also auch die 68er ihren Juden gefunden, Israel, was erst mal keine große Neuigkeit wäre, denn über diesen witzigen Twist der Geschichte sprechen und schreiben Dan Diner, Henryk Broder und andere Linksrenegaten, seit sie mit ihren Genossen Schluß gemacht haben, oder die mit ihnen. Neu und gar nicht langweilig ist eher die Erkenntnis, daß sich die Vereinheitlichungsmaschine Deutschland von der fast sadistisch autoritären 68er-Bewegung nicht nur zu so guten, selbstverständlichen Sachen wie Gleichberechtigung der Frauen, Abschaffung des antihomosexuellen Paragraphen 175, Umweltschutz oder behindertengerechten Straßenbahnen inspirieren ließ, sondern auch zum Antisemitismus-Surrogat „Israelkritik“.

Was vor dreißig Jahren nur von Linken behauptet wurde – daß Israel ein aggressiver, übermächtiger, quasifaschistischer Staat mit einer Blut-und-Boden-Ideologie von gestern sei –, ist heute pseudoliberaler Mainstream, und je weiter die CDU unter Angela Merkel nach links rutschen wird, desto schneller werden auch die Schwarzen die triebbefreienden Wonnen des Israel-Bashings genießen dürfen. Bevor es so weit ist, bevor sich dieser modernisierte antijüdische Mythos in wilhelminischem Maßstab durchsetzt, kann man sich bereits anschauen, was die Süddeutsche Zeitung, das hunderttausendfach gelesene Zentralorgan des narzißtischen deutschen Linksreaktionärs, zu diesem Thema seit Jahren druckt: antisemitische Karikaturen von Israel als messerschwingendem Monster und Mark Zuckerberg als allmächtiger Krake, Günter Grass’ ungereimte Wandschmierereien, in denen er Israel beschuldigt, den Weltfrieden (darunter macht es der doppelzüngige Waffen-SS-Veteran nicht) zu bedrohen, Gastbeiträge offener oder verdeckter Hamas-Sympathisanten und vor allem Dutzende Israel-ist-an-allem-schuld-Kommentare aus der eigenen Redaktion. Nachdem sich am 14. September fünftausend zumeist alte, erschöpfte russische Juden vor dem Brandenburger Tor getroffen und ein paar traurige Wir-sind-Deutschland-Schilder hochgehalten hatten, um zu zeigen, daß sie gern den Rest ihres Diasporalebens in Frieden zu Ende führen würden, schrieb die SZ-Korrespondentin Constanze von Bullion triumphierend, es gebe doch sowieso fast keine Juden mehr in Deutschland, warum die Aufregung. Statt mit ihnen herumzudemonstrieren, solle man lieber darüber nachdenken und diskutieren, warum ausgerechnet die armen, vom Leid der Gazakinder geschüttelten deutschen Muslime den Juden den Zyklon-B-Tod wünschen. Sie weiß, als ahnungslose, aber nicht naive 68er-Epigonin, natürlich am besten, warum: weil „sie selbst am Rand stehen“. Da sind sie wieder, die Araber als Opfer und die Judenisraelis als verlogene, kalkulierende Opferdarsteller. Und da ist er auch, mein alter Verdacht, daß die herzliche Allianz der Nazis mit dem Großmufti von Jerusalem, dem ersten Palästinenserführer und fanatischen Hitler-Verehrer, mehr Spuren in der Kollektiv-DNA der Deutschen hinterlassen hat, als sie es selbst vielleicht wissen.

Hatte ich schon gesagt, daß mir Antisemiten egal sind? Ja – aber die Juden nicht. Und die tun gerade etwas, das ich wahnsinnig komisch finde, weil es mich daran erinnert, daß bis heute in jeder Berliner und Londoner Synagoge am Sabbat für den deutschen Präsidenten und die Queen gebetet wird, keine Ahnung, was das bringen soll. Viele, sehr viele Juden betonen neuerdings – offenbar schwer beeindruckt von der seit dem Gazakrieg zunehmenden Ghettoisierung Israels durch die nichtjüdischen Staaten, inklusive einer verräterischen Kauft-nicht-bei-Zionisten-Politik –, daß die Diaspora, daß das fremde, nichtjüdische Land, in dem sie leben, ihr Zuhause ist, also auf keinen Fall Israel, und daß sie sich ihr Deutschland, ihr England, ihr Amerika nicht wegnehmen lassen. Dieter Graumann, der gar nicht so unwitzige, unkluge Chefimpresario der deutschen Juden, hat bei der tristen, dadaistischen Anti-Antisemitismus-Demo vor dem Brandenburger Tor dieselbe Mimikry-Pose eingenommen. Da stand er, unterstützt von der noch fest zu den Juden stehenden deutschen Staatsspitze, und sagte tapfer, wie unangenehm ihm die Hep-hep-Rufe der Radikalmuslime von Essen und Berlin seien. Und dann fügte er ganz im Ernst hinzu, die Juden würden sich trotzdem nicht einschüchtern und von ihrem Vorhaben abhalten lassen, ein neues, blühendes Gemeindeleben in Deutschland aufzubauen. Solche Reden haben jüdische Funktionäre seit dem babylonischen Exil schon tausendmal gehalten, aber genützt hat es ihnen auf Dauer trotzdem nie.

Das mit Deutschland war der komische Teil von Graumanns Adam-Czerniaków-Monolog. Traurig und absurd wurde es, als er über Israel sprach. Er sagte: „Wir Juden stehen zu Israel.“ Er fuhr fort, die Juden würden sich nicht von Israel distanzieren, damit man sie weniger hasse, obwohl er nicht verstehe, was Gaza und der neueste antisemitische Fieberschub miteinander zu tun hätten. Und er faßte zusammen: „Wenn wir das Gefühl haben, daß Israel ungerecht behandelt wird, dann erwacht sofort unser Beschützerinstinkt.“ Politisch geschickter und unauffälliger kann man sich gar nicht von Israel abwenden! Wer sagt, daß er sich nicht von Israel distanziert und daß er zu Israel steht, sagt zugleich, daß er selbst nicht Israel (und Israeli) ist und damit bloß nicht verwechselt werden will. Und wer dann auch noch als Jude meint, er müsse Israel wie einen armen, schwachen Verwandten beschützen, hat entweder etwas nicht verstanden – oder er hofft, daß die begriffsstutzigen Gojim auf diesen Trick hereinfallen, was ich ja noch am besten finden würde. Denn in Wahrheit ist es genau andersherum: Israel beschützt die Juden, alle Juden, und zwar vor allem und gerade die, die nicht in Israel leben, also auch Dieter Graumann – und mich.

Ich war das erste Mal als halbinteressierter Zwölfjähriger in Israel, mit meiner Mutter und meinem Vater, und obwohl wir damals kaum Geld hatten, machten wir sogar eine Flugzeugtour nach Eilat und in den Sinai. Seitdem war ich fast jedes Jahr dort, so machen es fast alle Juden, aber inzwischen hänge ich immer nur in Tel Aviv herum, dem wahren New York. Mit fünfzehn fuhr ich ohne meine Eltern hin. Es war eine von der Zionistischen Jugend Deutschlands organisierte Reise, ich wurde zu meinem Schrecken als bester Teilnehmer ausgezeichnet, bekam einen Israel-Führer geschenkt und wollte danach ein paar Jahre lang Alijah machen und Offizier in der israelischen Armee werden. Daraus wurde nichts. Stattdessen wurde ich, weil das Leben oft das Drehbuch zu einem Film schreibt, den man gar nicht sehen wollte, jüdischer Journalist und Schriftsteller in Deutschland.

Würde ich anders denken und schreiben, wenn es Israel nicht gäbe? Ja, natürlich, und vielleicht würde ich gar nicht schreiben. Denn ohne Israel, ohne das Wissen, daß ich jederzeit ins Flugzeug steigen, mir am Ben-Gurion-Flughafen einen israelischen Paß holen und mit dem wahnsinnig stressigen Rattenrennen des israelischen Alltags beginnen kann, würde ich als Autor nie so risikobereit sein, wie ich finde, daß ich es sein muß, damit der Leser wissen will, was ich zu erzählen habe.

Ich kann es noch genauer sagen: Ich betrachte und beschreibe die Welt zuerst immer als Jude, als selbstsicherer, netter, aggressiver, gut angezogener und noch besser gelaunter Jude, so wie Uwe Tellkamp die Welt als Deutscher betrachtet, Miranda July als Amerikanerin, Karl Ove Knausgård als Norweger, denen man das aber nie vorwerfen würde, und daß meine autobiographische Besessenheit so viele Deutsche – ob 68er oder nicht – nervt, bringt mich auf immer neue Ideen.

Und noch etwas genauer gesagt: Ich muß mich, weil israelische Soldaten wochenlang Hamas-Tunnel zuschütten und dabei ihr Leben riskieren, aber auch, weil sie beim Beschuß von Gaza Zivilisten töten, beim Schreiben keine Sekunde lang verstellen – so wie es früher die meisten jüdischen Autoren in Deutschland taten, Franz Kafka natürlich ausgenommen, darum war er ja auch so gut. Sie gaben, aus Angst und Berechnung, entweder ihr Judentum ganz auf, wie Rudolf Borchardt oder zeitweise Heine. Oder sie blieben irgendwie Juden, aber wollten irgendwie auch Deutsche sein, so wie der ewig berlinernde Kurt Tucholsky, dessen Selbstmord ein Eingeständnis dieser verfehlten Anpassungsstrategie war. Oder sie schrieben zwar viel und gern und offen über Juden, aber im falschen, hohen, süßlichen, pathetischen, erlösungsheischenden Ton des Neuen Testaments, so wie Joseph Roth, der am Ende sicherheitshalber auch noch zum Katholizismus übertrat, aber das hat später im Himmel sowieso keiner gemerkt. Sein Hiob, finde ich, hat mit Judentum so viel zu tun wie ein Schinkenbrot.

Und weil ich also nur wegen Israel genau der sein kann, der ich bin, verstehe ich mich als Zionist. Urzionist, Neozionist, Salonzionist, Zionist mit menschlichem Antlitz, wie immer man dazu sagen will. Ich, ein deutscher Staatsbürger und Steuerzahler, bin darum auch gar nicht beleidigt, wenn man mich fragt, warum mein Premierminister so ein Idiot ist, und Benjamin Netanjahu meint, obwohl diese Frage eigentlich nur ein Antisemit stellen würde, aber manche Sachen sind eben widersprüchlich und kompliziert, und diese hier gehört noch zu den durchschaubareren. Denn natürlich ist der ferngesteuerte Ehemann von Sara Netanjahu für mich und meine Sicherheit verantwortlich, in einem viel existenzielleren, praktischeren, aber auch ideelleren Sinn als Angela Merkel, natürlich haben der fast hundertjährige Nahostkrieg und ich sehr viel miteinander zu tun. Und natürlich bin ich der Meinung, daß man mit mir, dem in Deutschland lebenden und schreibenden Juden, über Israel sprechen können muß, darf, soll, als wäre ich auch Israeli, denn ich sitze bei diesem Krieg, seit ich zwölf Jahre alt bin, auf der israelischen Seite des Schützengrabens und hoffe, im Gegensatz zu den meisten deutschen Friedenskämpfern, aufrichtig, daß er endlich einmal zu Ende geht.

Gibt es aber überhaupt eine vernünftige Art, über den arabisch-jüdischen Konflikt zu sprechen? Wenn man als Nichtjude nach dem Antisemiten-Methadon „Israelkritik“ süchtig ist, natürlich nicht. Als Jude und Israeli kann man bei dem Thema ebenfalls ziemlich versagen, womit ich nicht nur Amok laufende jüdische Westbank-Siedler oder den diplomatischen Herrn Graumann meine. Ich meine auch Männer wie Assaf Gavron, den jungen israelischen Romancier, oder Sam Harris, den amerikanischen Neurologen, Religionskritiker und Publizisten. Gavron fleht tatsächlich die böse Boykottiert-Israel-Fraktion an, ihn und andere linke Israelis beim Kampf gegen die gewalttätige israelische Gesellschaft zu unterstützen, das ist das typische Kapitulations- und Stress-Syndrom. Harris – er ist nicht der einzige US-Jude, der so denkt – will Israel am liebsten als jüdischen Staat abschaffen. Und noch besser fände er es, wenn sich alle Juden gleich ganz für Amerika entscheiden würden, wo es ihnen, wie er meint, doch schon immer so gut gegangen sei. Das, sagt er, sei eine „glaubwürdigere Alternative, als irgendwo einzumarschieren und anderen Leuten ihr Land wegzunehmen“.

Ja, stimmt, richtig, genau – die Juden haben Palästina erobert. Sie haben dort seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Land gekauft und annektiert. Sie haben aus Staub und Schlamm Felder und Plantagen gemacht. Sie haben Banken gegründet und eine eigene Armee, die bis heute umsichtiger ist als jede andere Armee, die ich kenne, aber nie umsichtig genug. Sie haben Dörfer und Städte gebaut, wo früher keine waren, sie haben genau gewußt, daß dort, wo sie endlich Ruhe von den Gojim haben wollten, auch wieder welche waren, sie haben die Araber Palästinas ignoriert, respektiert und manchmal auch mißhandelt und davongejagt – und trotzdem hatten sie nach den zweitausend endlosen Jahren zwischen ihrer eigenen Vertreibung aus Palästina durch die Römer und dem Holocaust keine andere Wahl. Wer nicht mehr von den Soldaten und Polizisten seiner Feinde herumgestoßen und umgebracht werden will, braucht seine eigenen. Das sage ich – sorry wegen der Wiederholung –, weil sie auch auf mich aufpassen, während ich gerade in Berlin-Mitte sitze und diesen Text schreibe.

Welches Volk im friedlichen, freien Europa oder in Nordamerika lebt heute auf einem Gebiet, das immer schon seins war? Ich weiß keins. Alle, aber wirklich alle Staaten wurden auf den Knochen von Menschen errichtet, die vorher da waren, und so gesehen, finde ich, haben sich die jüdischen Eroberer in Palästina mindestens so anständig verhalten wie die Sachsen in England, die Amerikaner in Kalifornien, die Deutschen östlich der Elbe. Und sie haben zum Glück seit dem Unabhängigkeitskrieg 1948 militärisch fast nie etwas falsch gemacht, darum sind sie immer noch dort. Aber jetzt ist es langsam genug mit der Töten-um-nicht-zu-sterben-Strategie der frühen Zionisten und späteren Staatsgründer und Armee-Wunderkinder. Was seit 1948 jedes Mal funktioniert hat – ein paar Juden setzen sich immer wieder gegen eine schier unüberschaubare, hundertmillionfache arabische Übermacht durch –, hat zwei Nachteile. Erstens: Es korrumpiert die israelische Gesellschaft, es macht sie nervöser, größenwahnsinniger, ängstlicher und läßt allmählich jeden einzelnen Israeli zu einem typischen Diasporajuden ohne Diaspora werden, was eigentlich nicht der Sinn des ganzen zionistischen Projekts war. Und zweitens: Es funktioniert militärisch auf Dauer nicht.

Aber was könnte der Trick sein, um mit dem ewigen Kämpfen, Töten und Besetzen endlich aufhören zu können? Verhandeln mit den Dschihadisten? Natürlich nicht, denn der geliebte, kalkulierte Selbstmord ist deren Spezialität. Alle Araber abschieben? Entschuldigung, wir sind hier nicht in der Tschechoslowakei von 1946, als über zwei Millionen Deutsche gehen mußten, damit sie nie wieder Ärger machen. Oder vielleicht einfach nur wie ein zerstrittenes Paar nach vierzig Jahren Ehe gemeinsam zum Therapeuten gehen? Ich habe noch nie gehört, daß das etwas gebracht hätte.

Israel hatte in seiner Geschichte Dutzende, Hunderte Frauen und Männer, die visionär und pragmatisch genug waren, um zu wissen, wie man sich – als zweite verspätete Nation der postnapoleonischen Zeit nach Deutschland – aus dem Nichts einen eigenen, starken, hochzivilisierten Staat erschafft. Aber leider ist bis jetzt noch kein einziger israelischer Politiker, General, Schriftsteller oder Philosoph aufgetaucht, der gewußt hätte, wie man diese Wirklichkeit gewordene politische Phantasmagorie nun vor dem gar nicht so unmöglichen Verschwinden wieder bewahrt.

Einmal dachte ich kurz, Schimon Peres könnte so jemand sein. Er wollte in den achtziger Jahren den Nahen Osten zusammen mit den Palästinensern in eine verrückte, kreative New-Economy-Zone verwandeln, in eine kleine EU, denn er kam zu dem einzigen richtigen Schluß, nur Geld und Wohlstand würden alle in der Gegend friedlich und lieb machen, und daß während des Gazakriegs im Westjordanland keine Intifada ausbrach, hatte vor allem damit zu tun, daß seine Bewohner inzwischen genug Geld verdienen, um Angst zu haben, es durch jahrelange Unruhen wieder zu verlieren. Wohlstand macht aus fast jedem einen Pazifisten, genau.

Leider wurde nichts aus dem Schimon-Peres-Plan. Leider war das Ganze offenbar nur das Gerede eines alten, verbrauchten Parteipolitikers, dessen große Zeit schon immer vorbei war, noch bevor sie begonnen hatte, und ich und alle anderen pragmatischen Israelis und Juden müssen darum weiter auf einen neuen Ben Gurion oder eine neue Golda Meïr warten, die die Europäer und Amerikaner dazu überreden werden, ein so gigantisches und kluges Wirtschaftsaufbauprogramm für Gaza zu entwickeln, daß einem der Marshallplan wie der Mittagessenszuschuss in der Berliner TU-Mensa vorkommen wird.

Taucht eine solche Frau, ein solcher Mann noch rechtzeitig auf? Bestimmt. Und wenn dann Juden und Palästinenser wie Lamm und Wolf zusammenliegen, wenn kein Krieg mehr Israel bedroht, wenn die Antisemiten ihr wichtigstes Thema verloren haben, dann wenden sie sich, um sich nicht zu langweilen, bestimmt wieder den Diasporajuden zu. Kein Problem – denn Israel gibt es dann immer noch.

 

http://www.zeit.de/2014/41/juden-deutschland-antisemitismus/komplettansicht

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German Leftist selfie 2014

 Antisemitismus in deutscher Psychoanalyse

 

Von Julian S. Bielicki

 

 

Aus meiner Email an einen deutschen Professor für Psychoanalyse:

 

Lieber Herr Professor,

 

danke für Ihre offenherzigen Zeilen. Ich bin immer daran interessiert, zu erfahren wie es wirklich ist, deswegen bin ich für Ihre Mitteilung dankbar und möchte Ihnen ebenso offen antworten:

 

1)           Sie schreiben: „Was ich am allerwenigsten verstehe: Ich bilde mir ein die Forschungsliteratur zum Antisemitismus ganz gut zu überblicken. Aber es wird nie wirklich thematisiert was es damit auf sich hat daß ein „Volk“ oder wie auch immer über mittlerweile 5000 Jahre es schafft die Nachbarn immer und immer wieder gegen sich aufzubringen, und wenn diese sie nicht ins Ghetto bringen, dann sich selber einzumauern.“ Dieser Satz hat die gleiche Qualität wie wenn Sie schreiben würden: „: „Was ich am allerwenigsten verstehe: Ich bilde mir ein die Forschungsliteratur zur Gewalt gegen Frauen ganz gut zu überblicken. Aber es wird nie wirklich thematisiert was es damit auf sich hat daß die Frauen, oder wie auch immer über mittlerweile 5000 Jahre es schaffen, daß die Männer immer und immer wieder sie vergewaltigen.“ Daß Sie dabei den Begriff „Volk“ in Anführungszeichen setzen, ist bedeutsam.

 

2)  Sie schreiben: „Ich habe nie das Bedürfnis gehabt an Israel irgendwas „gut machen zu müssen“. Ich kann nichts dafür was vorige Generationen   angerichtet haben. Ich fühle insofern auch keine „Schuld“.“ Das höre ich oft und frage, ob derjenige sich freut, wenn die Deutsche Fußballmannschaft ein Spiel gewinnt, und wenn derjenige „ja“ sagt, erkläre ich, daß ein „wir“ nicht selektiv sein darf, „wir haben im Fußball gewonnen“ aber „ich habe mit dem Judenmord nichts zu tun.“ Das ist nicht die Frage der Schuld, sondern der Verantwortung.

 

3)    Sie schreiben: „Für mich ist Israel ein Postkolonialstaat wie so viele andere, deren Grenzen aktuell neu verhandelt werden.“. Jeder Staat ist ein Postkolonialstaat, auch Deutschland geschaffen durch Karl den Großen, Otto I den Großen und weitere Herrscher. Und es geht nicht um „Verhandlungen“, sondern um permanente Bedrohung und Ermordung von Juden. Denn die Hamas nennt die Ermordung von Juden (nicht nur Israelis) explizit als ihr Ziel in ihrer Charta.

 

4)  Sie schreiben: „Ich vermute mal Israel verkürzt seine Lebensdauer durch die jetzigen Aktivitäten auf max. 10 – 15 Jahre.“. Nun, das wird sich noch zeigen, ich hoffe daß Sie und Ihre Frau länger als 10-15 Jahre noch gesund leben. Und falls Israel eines Tages nicht mehr existiert, dann haben Palästinenser, Iran und andere in der Antijüdischen Allianz das Werk vollbracht, das Ihr Großvater und seinesgleichen nicht zu Ende führen konnten.

Ich definiere Dummheit als Zustand, in dem jemand nicht weiß, was er wissen könnte. Was ich Ihnen heute schreibe, hätten Sie wissen können. Aber Sie wissen es nicht.

 

Sie geben in Ihrer Email platte antisemitische Klischees wieder.

Sie sind ein Antisemit.

 

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau alles Gute, vor allem Gesundheit, ich möchte mit Ihnen jedoch nichts mehr zu tun haben, ich will mit dummen Menschen nicht kommunizieren. Antisemitismus ist keine Meinung, es ist ein Verbrechen.

Bitte antworten Sie mir nicht und schreiben Sie mir nicht mehr, nicht weil es Böse wäre, was Sie schreiben, sondern weil es dumm ist, was Sie schreiben. Ihre Familiengeschichte, Deutschland, Juden und Israel ist Ihr Problem, nicht meins, ich will mich mit Ihren Problemen nicht befassen. Angedachte gemeinsame Projekte sind hiermit hinfällig, Sie werden keine Emails mehr von mir erhalten.

 

Ihnen alles Gute und beste Grüße!

Julian S. Bielicki

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Frau Prof. Dr. med. Annemarie Duehrssen, eine Koryphäe der deutschen Psychoanalyse, gelangte vor allem deshalb zu Berühmtheit, weil sie dazu beitrug, die Psychoanalyse krankenkassenwürdig zu machen, schreibt in ihrem 1994 erschienenen Buch „Hundert Jahre Psychoanalyse in Deutschland“, die Zerschlagung der Psychoanalyse durch den Nationalsozialismus entspreche lediglich dem „Wunschdenkender aus Deutschland emigrierten Psychoanalytiker“. Es sei ein „Mythos, wenn die rückblickende Geschichtsschreibung die Vorstellung erweckt, daß eine blühende und durchsetzungskräftige Psychoanalytische Gruppe unvermutet vom Nationalsozialismus überfallen“ wurde. Statt dessen habe der Nationalsozialismus im „Geist der Aufklärung“ (sic!) dafür gesorgt, daß „der patriarchalische Zug, der die Psychoanalytische Gruppe so lange beherrscht hatte“, zurückging, und daß sich die Psychoanalyse von einer „kleinen elitären, verschworenen Sekte“ mit einer „spezifisch jüdischen Eigenart“ (sic!) befreien (!) konnte.
Duehrssen konstruiert die Freudsche Psychoanalyse als Wissenschaft der „jüdischen Stammesgenossen“, deren „talmudische Denkweise“ und „Gruppendynamik sich auf die Fortentwicklung der psychoanalytischen Wissenschaft noch immer nachteilig auswirkt.“ Aber nicht nur ein fortwirkender Schaden für den „Grundbestand psychoanalytischen Wissens“ sei auf „Freud und seine Anhänger“ zurückzuführen, sondern letztlich auch die Judenfeindlichkeit, die jene zur Emigration zwang. Deutsche Psychoanalytiker seien zuvor „von der jüdischen Gruppe beeinträchtigt“ worden. Die „im tiefsten Kern abschätzige Einstellung der Juden den Nicht-Juden gegenüber setzte sich im allgemeinen vor allem in jenen Gruppen durch, in denen die Juden an Zahl überlegen waren. Aus der Berliner psychoanalytischen Gruppe stammen jedenfalls einige Berichte von nicht jüdischen Mitgliedern, die diese Form von herablassender Beurteilung gespürt haben wollen.“ Solche von den Juden ausgehenden „Spannungen zwischen den Juden und den Gojim“ seien heute „keine bewußt reflektierte oder auch nur gekannte Erscheinung mehr“. Aber „in den Jahren, in denen Freud (. . .) sein Reich ausbaute, waren sie existent und wirksam.“ Duehrssens Schrift gegen das vermeintliche jüdische „Establishment unter den Psychoanalytikern“ und den „einheitlichen Judentypus“, der „auf sein tausendjähriges Reich“ hoffte, „das den Juden die Herrschaft über die Erde“ bringen würde, erschien bei Vandenhoeck und Ruprecht.  Es ist mir nicht gelungen, trotz vieler Versuche, irgendeine Diskussion darüber bei Psychoanalytikern zu entfachen, ich erhielt von keinem der von mir angeschriebenen Psychoanalytikern je eine Antwort, auch nicht in den Internetforen, in denen sie sich ansonsten sehr angeregt über Honorarfragen aufregen. Antisemitismus ist unter deutschen Psychoanalytikern und Psychotherapeuten ein Tabu und ihre Psychoanalyse ein totes Totem, außer wenn sie sich mit Vorliebe und Enthusiasmus lebhaft der sogenannten „Israelkritik“ widmen.

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Der Psychoanalytiker Dr.Michael Schroeter schreibt in der angesehenen
psychoanalytischen Zeitschrift „Psyche“:

„Das ‚Hier stehe ich, ich kann nicht anders‘ (…) bezeugt die protestantische Tradition (von C.G.Jung und den Seinen Anm.JSB) einer mehr individualistischen Gewissensbildung, zum Unterschied von einer mehr solidarischen, die für Juden typisch sein mag (von Freud und den Seinen. Anm.JSB). In alledem liegt eine soziologische Frage, die durch den mörderischen Mißbrauch, der mit ihr getrieben wurde, nicht eo ipso diskreditiert ist.
(Schroeter, Michael In:Freuds Komitee 1912-1914, PSYCHE 6, 1995, S.533)

Damit sagt Schroeter, daß Freud und andere Juden eigentlich kein Gewissen haetten, sondern sich opportun nach ihren jüdischen Gruppeninteressen verhalten hätten, dagegen steht C.G.Jung für den ehrlichen Arier. Hier finden wir das antisemitische Schema wieder, des verschlagenen Juden und des ehrlichen Ariers.

In alledem liegt eine soziologische Frage nach dem latenten Antisemitismus deutscher Psychoanalytiker, die ebenfalls nicht eo ipso diskreditiert ist.

http://www.jsbielicki.com/jsb-74.htm

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Bernd Nitschke ist ein einflußreicher Lehranalytiker, Supervisor und Dozent, Herausgeber und Publizist, eine linkische Koryphäe unter Psychoanalytikern in Deutschland.

gefunden in einem Text von

Dr. phil. Bernd Nitzschke
Diplom-Psychologe – Psychoanalytiker (DGPT)
Psychologischer Psychotherapeut

so stellt sich der Herr auf seiner Homepage vor. Er war mir bis heute voellig unbekannt. Als ich fuer Sandmonkey nach dem deutschen Text des Freud-Briefes an Chaim Koffler suchte, bin ich auf seinen Text gestossen: “Versoehnung – diesseits von Gut und Boese, Siegmund Freuds transkulturelles Erbe”. Die Lektuere irritierte mich so, dass ich mir den Text ausdruckte und etwas genauer anschaute.

Die Grundlage dieses Textes wurde nach den Angaben des Autors auf S. 22 in den ersten Tagen nach dem Attentat vom 11. September verfasst. Offensichtlich handelt es sich um einen weltanschaulichen Artikel und nicht um einen psychologischen Fachtext.

Schon in der Zusammenfassung wird Triebverzicht als Verzicht auf Rache spezifiziert. Dass die historischen Beispiele dafuer ausser in Freuds Lebensgeschichte ausgerechnet im “juedisch-palaestinensischen” Konflikt gesucht werden, scheint ein Verweis auf den angeblichen juedischen Rachegott zu sein, der spaetestens seit Martin Luther zum antisemitischen Repertoire gehoert.

Auffallend ahistorisch ist, dass Nitzschke das Begriffspaar “juedisch-palaestinensich” waehlt. Das Adjektiv “juedisch” wuerde eigentlich nach “arabisch” als Komplement verlangen. “Palaestinenser” war bis 1964 kein gebraeuchlicher Begriff fuer die arabischen Bewohner des britischen Mandatgebiets Palaestina. Im Gegenteil beanspruchten sie fuer sich “Araber” zu sein oder allenfalls “Syrer”, so dass “Palestinian” damals gerade signalisierte, dass Juden im Mandatsgebiet gemeint waren. Zum Beispiel wurde die heutige Jerusalem Post 1932 als Palestine Post gegruendet und erst 1950 umbenannt. Das Adjektiv “palaestinensisch” dagegen verlangt als Ergaenzung nach “israelisch”, da es den Staat Israel zum Zeitpunkt der PLO-Gruendung gab und die PLO ganz bewusst einen nationalen Konflikt als Kernpunkt ihrer Agenda ansetzte, vgl. die PLO Charter, im Besonderen Art. 6. Es waere interessant zu erfahren, aus welchem Grund Nitzschke gerade diese Kombination waehlt. Koennte es darum gehen, Juden allgemein (also auch Nicht-Israelis) in diesem Konflikt verwickelt zu sehen, aber andererseits die Beteilung der arabischen Staaten und Muslime weltweit am Konflikt auszublenden? Auf diese Weise boete sich zahlenmaessig ein ausgewogeneres Verhaeltnis dar, bei dem die Juden tendenziell in der Uebermacht waeren.

Auf Seite 2 stossen wir auf diese als absolute Wahrheiten formulierten Saetze:

Im wirklichen Leben denken Erniedrigte immer an Rache. Und wenn sie sich nicht selbst raechen – dann reichen sie ihr Gedaechtnis an die naechste Generation weiter.

Mir scheint, hier haben wir die Grundlage der negativen Erwartungshaltung von Deutschen gegenueber Israelis, auf die ich hier schon zu sprechen kam.

Wenn Erniedrigte gar nicht anders koennen, als an Rache zu planen oder die Rachegedanken an ihre Kinder zu uebergeben, dann muss das auch fuer die von Opfer der Nazi-Judenverfolgung gelten. Mindestens die Nachkommen von europaeischen Juden in Israel und anderswo muessten dann von Rachegedanken vor allem gegenueber Deutschen beseelt sein, also auch gegenueber von Dr. Nitzschke.

Angesichts all dessen, was ich bei Pat Santy (alias Dr. Sanity) ueber die verschiedenen psychischen Abwehrmechanismen gelernt habe, scheint es mir geradezu lachhaft, dass hier ein diplomierter Psychologe nur eine Reaktion auf Erniedrigung, aber die immer und bei jedem wirksam, kennen will. Ohne, dass ich wirklich etwas davon verstuende, scheint mir, dass das Beduerfnis nach Rache vor allem bei narzisstischen Stoerungen zu erwarten waere:

(…)

Some societies like what the Palestinians have currently, mostly view each child as a soldier of the Jihad–without individual goals or ambitions– and from an early age route the child into service to the state. By the time the child has grown up, they have little ambition but to do the will of the omnipotent state and/or Allah. In this case, the grandiose self is not eliminated, but purposefully subjugated to act out the violent priorities of the state. The narcissistic defect is perpetuated when these children grow up and, those who do not blow themselves up in an act of ultimate union with an evil god, go on to mother and father more fragmented and horribly impaired individuals.

In fact, throughout most of history, it has been the grandiose self that society has most tried to control. Either by eliminating it entirely; or chaining the energy it brings to the achievement of union with the omnipotent other.

(…)

Dr. Santy schreibt hier ueber die palaestinensische Gesellschaft. Ich halte dafuer, dass die psychischen Mechanismen in Nazideutschland nicht viel anders waren. Das Aufgehen in und das Einswerden mit dem allmaechtigen Staat, der Herrenrasse, dem Fuehrer, das passt doch alles auch. Und dann koennte auch das Weitergeben des narzisstischen Defekts an die naechste Generation vorgekommen sein. Vielleicht liegt hier eine Projektion von Nitzschke vor: Ein Rachebeduerfnis, das ihm vermittelt wurde, wird der gesamten Menschheit unterstellt.

Auf den Umgang von Nitzschke mit der Person Freuds gehe ich nicht ein, obwohl es auch da einiges zu sagen gaebe. Ich springe gleich zu “3 Versoehnung – diesseits von Gut und Boese”. Da dieser Ueberschrift auch dem gesamten Text vorangestellt ist, gehe ich wohl nicht fehl darin, hier die zentralen Aussage zu suchen.

Vorangestellt sind zwei Zitate, das erste davon:

“Bis zur Gruendung Israels 1948 waren die Palaestinenser, die Juden und die Christen Gleiche in einem Land.” Daniel Barenboim

Diese Aussage ist historisch voellig falsch, wie Nitzschke selber auf p. 15 belegt, als er auf das Massaker von Hebron 1929 zu sprechen kommt. Nun ist ein Musiker natuerlich nicht gerade die Quelle fuer historisch saubere Analysen. Barenboim hat fuer Nitzschke vor allem wohl den Vorteil, dass er Jude ist. Auf p. 18 betont Nitzschke ausdruecklich, dass Bernard Wasserstein ein juedischer Historiker ist. Nach meinem Empfinden handelt es sich hier um die Verwendung von Alibijuden, die selber ein Indiz fuer Antisemitismus ist.

Die Quellenangaben am Ende des Textes legen davon weiter Zeugnis ab:

Norman Finkelstein wird als Gewaehrsmann fuer den Konflikt im Nahen Osten und die 1. Intifada angegeben. Waehrend bei allen anderen Namen der Vorname ausgeschrieben wird, wird Finkelstein nur mit den Initialen N.G. identifisiert. Ich vermute, dass damit der Wiedererkennungseffekt etwas behindert werden sollte, denn Finkelstein kann unmoeglich als ernsthafter Historiker gehandelt werden, dagegen hat er einen eindeutigen Ruf als antisemitischer Alibijude.

An modernen, israelischen Historikern finden wir Moshe Zuckermann, Tom Segev und Benny Morris. Die beiden ersteren sind ebenfalls beliebte Kronzeugen fuer Antizionisten und Antisemiten, wenn auch weniger anruechig als Finkelstein. Morris dagegen wird von Nitzschke in die rechtsradikale Ecke gestellt, weil er sich unter dem Eindruck der sog. Al-Aksa-Intifada von solchen Positionen distanzierte, nachdem er lange ebenfalls Kronzeuge fuer sog. Pro-Palaestinenser war. Nitzschke unterteilt also in solche Juden, die seine Auffassung bestaetigen einerseits und rechtsradikale Juden andererseits… Ueber diese eigenartige Verschiebung der politischen Masstaebe, sobald sie auf Israel angewendet werden, schrieb ich hier schon.

Die Vorstellung, dass Juden aufgrund ihrer juedischen Abstammung unmoeglich in der Lage sein koennten, antisemitisches Gedankengut zu vertreten, ist tendenziell rassistisch. Antisemitismus ist nicht genetisch verankert, sondern wird kulturell weitergegeben. Bei Kenneth Levin “The Oslo Syndrome” habe ich genuegend Beispiele und Erklaerungen fuer Juden gefunden, die sich einer von Antisemitismus gepraegten Kultur nicht entziehen konnten oder wollten. Vor guten vier Jahren habe ich hier uebrigens ein Buch von Bernard Wasserstein besprochen.

Das zweite Zitat aus dem Kaufmann von Venedig

“Du nanntest mich einen Hund, bevor ich einer war; jetzt, da ich einer bin, nimm Dich in Acht vor meinen Krallen!”

verliert durch die Kombination mit Barenboims Zitat den urspruenglichen Sinn: Wenn es den Juden vor der Staatsgruendung genauso gut ging wie allen anderen, dann kann sich die “Hundwerdung” nur auf die Palaestinenser beziehen.

Nitzschke beginnt damit, dass er Religion an sich als regressive und latent faschistische Fiktion darstellt. Absolut-gut und absolut-boese gibt es nicht, wie er Freud sagen laesst und geht gleich einen Schritt weiter: Gut und boese sind auch als nicht-absolute Beurteilungen obsolet und zwar (die Oberflaechlichkeit ist atemberaubend!) wegen der ungleichen Vermoegensverteilung auf der Welt!

Auf S. 10f schafft es Nitzschke noch ein bisschen Bush-Bashing und Antiamerikanismus einzubauen. Auf S. 12 geht es dann weiter mit Anti-Zionismus. Nitzschke unterstellt, dass Israels Gruendung vor allem aufgrund biblischer Ansprueche erfolgt sei. Das ist natuerlich Bloedsinn, wie jede noch so oberflaechliche Beschaeftigung mit Herzl und der zionistischen Fruehzeit belegen kann. Nitzschke haelt fest: “Auf diesem politisch-religioesen Fundament laesst sich wohl ein Staat, aber keine Demokratie aufbauen.” Da Nitzschke von einer falschen Praemisse ausgeht, muss er nun wegdisputieren, dass Israel eine funktionierende Demokratie ist. Das tut er, indem er einen Artikel von Richard Chaim Schneider in der SZ vom September 2003 vorschiebt und darauf befindet, dass “die religioesen Fundamentalisten zunehmend die Politik bestimmen”. Die nach den Wahlen im Januar 2003 von Sharons gebildete Koalition enthielt zunaechst keine einzige religioese Partei, bis sich am 3. Maerz die Nationalreligioesen der Koalition anschlossen. Das widersprecht der angeblichen Verwandlung in einen Gottesstaat, aber Nitzschke geht es sichtlich nicht um Fakten, sondern um Untermauerung seiner vorgefassten Meinung.

Die Weltanschauung, die ich aus dem Text destilliere, entspricht auffallend dem gegenwaertigen Mainstraem in Deutschland:

Die USA als gefaehrlicher Staat wegen der “Verquickung von Religion und Politik” (p. 11). Der weisse Mann als Kolonialherr. Zivilisation und Barbarei als siamesische Zwillinge (alle Kulturen sind gleich gut, nur die Kultur des weissen Kolonialherren ist boese, weil sie ursaechlich fuer alles Schlimme in anderen Kulturen verantwortlich gemacht wird.) Israel als Produkt von religioeser Phantasie und nationalistischem Eifer, das in die Verantwortung fuer jede pal. Aktion traegt. Selbst das Massaker von Hebron haetten die Araber durchfuehren muessen, weil die zionistische “Betar”-Gruppe freien Zugang zur Klagemauer durch das muslimische Viertel gefordert hatte!

In all dieser Seichtheit besteht Nitzschke aber darauf, sein Gedankengebaeude gerade nicht auf den hohlen Fundamenten von “kompakten Majoritaeten” zu errichten… (p. 12)

Na dann!

https://beer7.wordpress.com/2008/03/04/sekundaerer-antisemitismus-dargestellt-an-einem-text-von-bernd-nitzschke/

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Und hier ein wahnhafter, psychotischer Text des umstrittenen deutschen Körperpsychotherapeuten Tilmann Moser, der offenbar mit diskursiven Denken Probleme hat:

>>Im Rausch der Karikaturen des Propheten
Zur Kommentierung des Terrors in Frankreich

Tilmann Moser (2015)

Der bindungslose Zyniker (eigene stolze Charakterisierung: “Ich habe keine Kinder, keine Frau, kein Auto, keine Schulden. Das klingt jetzt sicherlich ein bisschen schwülstig, aber ich sterbe lieber aufrecht, als auf Knien zu leben.”) hat keine noch so drohende und grausame Warnung mehr ernst genommen, im Gegenteil, sie hat seinen sich steigernden trotzigen Heldenmut noch gesteigert. Er scheint als 45-Jähriger Chef seine ehrgeizige und untereinander um Schärfe rivalisierende Crew so weit am Zügel gehalten zu haben, dass keine Bedenken und kein Widerspruch mehr aufkam.

Außerdem scheint das auf 30.000 Abonnenten abgesunkene Blatt unter ökonomischem Untergangsdruck gestanden zu haben. Wer die katholische Kirche in Frankreich und die zum Spott herausfordernden jüdischen Orthodoxen und auch satirisch längst ausgeweidete Politiker oder Parteien als vorletzte Gegner nutzen musste, um witzig zu bleiben, erzeugt gefährliche Langeweile.

Er muss sich den zum letzten globalen Schreckgespenst aufgeblasenen Propheten als letztes Tabu auswählen, um noch extremsatirische Wirkung zu erzielen. Er braucht sich nicht zu kümmern um das immer drohende Schicksal seiner Redaktion, nicht um die aufgeheizte und bedrohlich polarisierte Stimmung im Land, nicht um die noch demokratisch-freiheitliche Befindlichkeit der großen Mehrheit dem Terrorismus abgeneigten Muslime. Sie fürchten um ihre ökonomische Lage und die zunehmende Ausgegrenztheit ihrer Gemeinschaft.

Er muss sich steigern, um noch unterhaltsam zu bleiben und sich zunehmend als wagemutiger Held zu fühlen. Als Psychoanalytiker stehe ich nicht an, mir über die aufgeheizte Gruppendynamik in der Redaktion Gedanken zu machen, die einem Sog zu gleichen schien: immer provokanter, immer verächtlicher, immer verleumderischen zu werden. Es war kein Kampf mehr um Aufklärung, Diskussion und Wahrheitsfindung, auch wenn die Pressefreiheit jetzt in kultische Höhe gehoben wird als quasi letzter europäischen Wert.

Der schien den Ermordeten anvertraut, und den man dem Islam nur drastisch genug um die Ohren hauen müsste, im Glauben, die Terroristen hätten es als oberstes missionarisches Ziel ins Auge gefasst, die europäische Freiheit als Ganzes zu vernichten. Es war ein Anschlag auf eine verhasste Redaktion, nicht auf die französische Pressefreiheit im Ganzen. Charlie und die Missachtung der Drohungen haben die Verängstigung wie die Hysterisierung der Nation vorangetrieben und der lauernden Le Pen in die Arme getrieben, mit Folgen, über sie sich anscheinend in der Redaktion niemand Gedanken gemacht hat. Eine verantwortungsvolle Vorsicht und Zurückhaltung angesichts unübersehbarer politischer Spannungen ist noch keine innere Zensur und angstvolle Selbstkastrierung, sondern fordert menschliche wie politische Besonnenheit.

Der dänische Redakteur, der die Mohammet-Karikaturen zuerst abdruckte, wurde damals schon als Held gefeiert und mit Preisen überhäuft, er lebt inzwischen in eingeengtem und angstvollen Rückzug. Charlie hat sich verrannt, und ich nenne die Redaktion eine vom publizistischen Untergang bedrohte Gruppe von latent zu suizidalen Pseudohelden. Sie haben eine (echte?) Mission der Entlarvung und eine (echte?) Angstvision vor dem dämonisierten Propheten, der die Welt bedroht.

Es wäre interessant herauszufinden, welches schreckliche Bild von ihm im Unbewussten der Zeichner lebt, die das geneigte Publikum zunehmend (siehe Pediga) inzwischen dem Islam im Ganzen zuschiebt. Schon werden Rufe laut, den Helden posthum die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Die bestialischen Morde werden mit der wahrlich polarisierenden Jahrhundertkatastrophe der Dreyfus-Affäre verglichen. Es wird nicht lange dauern, bis die Umbettung der brutal im Dienst der Freiheit Ermordeten ins Pantheon gefordert wird. Frankreich hat endlich wieder, mitten im darnieder liegenden derzeitigen Selbstbewusstsein, Nationalhelden oder Idole, um die sich alle widerspruchslos und vereint scharen sollen.

Und sie machen grad so weiter!

Dr. Tilmann Moser, Psychoanalytiker<<

http://www.tilmannmoser.de/site/neue_texte/im-rausch-der-karikaturen-des-propheten.html

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Desweiteren schreibt Moser solchen Satz, wie: >>“Bernd Nitzschke rekapituliert einen Vortrag Freuds aus dem Ersten Weltkrieg (1915) und zitiert: „Sie verwundern sich darüber, daß es so leicht ist, Menschen für den Krieg zu begeistern,und vermuten, daß etwas in ihnen wirksam ist,ein Trieb zum Hassen und Vernichten, der solcher Verhetzung entgegen kommt.“ Der Satz könnte für die sogenannten Hassprediger und ihre aufgehetzte Gefolgschaft gelten, über deren Ausweisung aus Synagogen in Deutschland debattiert wird.<< (Sic! Hervorhebung durch JSB)

Zu lesen auf Web-Seiten des ehemaligen evangelischen Studentenpfarrers, der als Psychoanalytiker eine linkische Webseite und eine Mailliste mit angeblich 1000 bis 1500 Teilnehmern, Psychoanalytikern und Psychotherapeuten betreibt, und der selbst sehr vorsichtig Antisemtisches äußert, vorwiegend in allgemeine Kritik am Monotheismus verpackt, jedoch gerne Beiträge von Antisemiten publiziert, die für ihn die Drecksarbeit erledigen, wie z.B. wenn es um „den „Schwanz von Zion“ geht, Kritik dagegen jedoch zensiert, Kritiker im Akt des Meinungs-Lynch-Mobs herausekelt, ais seiner Mail-Lister (ohne es demjenigen mitzuteilen) ausschliesst und hauptsächlich nur rot-rot-grüne Meinungen publiziert. Die FAZ ist für ihn ein Schimpfwort und Meinungsfreiheit ein Greuel, er alleine bestimmt, wer und welche Meinung dort äußern darf. Diese Zensur nennt er „Moderation“. So ist die Psychoszene in Deutschland heute: rot-rot-grün versifft, andere Meinung als eigene aggressiv bekämpfend und unterdrückend, latent oder auch virulent antisemitisch, meistens unter dem Deckmantel der „Israelkritik“ oder der „Humanität“ gegen „barbarische mosaische Riten“. Barbarische islamische oder sonstige Riten werden natürlich nicht erwähnt. Diese rot-rot-grüne, eigentlich braune Psychoszene beherrscht in ihrem Drang eine immer größer werdende, bereits etablierte Betreuungsindustrie auf allen Gebieten der Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychologie weiter auszubauen und zu festigen und hat mit der aufklärerischen Absicht von Sigmund Freud soviel zu tun, wie Stalinismus mit Marxismus oder katholische Inquisition mit Evangelien. Es ist reines Geschäft geworden, korrupt, opportun und totalitär. Da kann sich mancher mit antisemitischen Seitenhieben des Beifalls der Psychogosse, in der er und ihm gleiche im Trüben fischen, sicher sein.

http://www.bbpp.de/moser-mordlust.htm

 

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„Jede Kritik am Staat Israel ist antisemitisch.“

Interview mit T-34. Informationen für das westliche Ruhrgebiet     (Juli/August 2003) der AntiFa Duisburg)

Joachim Bruhn ist Mitglied der Freiburger Gruppe „Initiative Sozialistisches Forum“. Mit zahl- reichen Buchveröffentlichungen im Ça ira-Verlag vertritt dieser Arbeitskreis ein an der Kritischen Theorie und dem Linkskommunismus orientiertes kategorisches Programm der Ab- schaffungen. Der Antisemitismus, als eine auf dem „Boden der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft notwendig erwachsene Aggression“, ist demnach ein wesentlicher Kritikpunkt. Neben mehreren Veröffentlichungen zum Thema, u.a. „Léon Poliakov – Vom Antisemitismus zum Antizionismus (2000), ISF – Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten (2002), war die Kritik am Antisemitismus auch Thema der am 24.6.03 in Duisburg stattgefundenen Diskussionsveranstaltung. Das Interview entstand kurze Zeit zuvor.

T-34: Zunächst eine Grundsatzfrage. Was unterscheidet den Kritiker vom Theoretiker? Was   unterscheidet den Materialismus von der Wissenschaft?

J.B.: Was den Kritiker vom Theoretiker unterscheidet ist die Frage, was Karl Marx von Max Weber unterscheidet. Der Kritiker ist immer jemand, der sich gegen die Rationalisierung wendet. Er spricht sich gegen den Versuch aus, den Widersinn, der sich in der Kapital- vergesellschaftung befindet, als ein Resultat der Vernunft auszugeben. Was nun die Kritik von der Theorie unterscheidet wird deutlich, wenn man untersucht, was in der Hegelschen Philoso- phie die Vernunft vom Verstand unterscheidet. Der Kritiker ist auf der Seite der Vernunft, der Theoretiker hingegen auf der Seite des Verstandes. Nun lohnt es sich zu schauen, was Hegel in der „Enzyklopädie“ gegen den Verstand einzuwenden hat. So wird mit dem Unterschied zwi- schen Vernunft und Verstand auch der zwischen Kritiker und Theoretiker deutlich.

Zunächst sagt Hegel nicht, daß der Verstand nicht nötig ist, aber er sagt auch, daß der   Verstand der geborene Positivist ist. Dieser kann zwar ein System der Erscheinungen erfassen, er kann aber nicht zu einer Vorstellung der inneren Reproduktion dieses Systems kommen. Der Verstand ist somit der Versuch, widerspruchsfrei zu denken und einen Widerspruch, der in der Sache selbst liegt, hinweg zu rationalisieren, zu säubern.

Damit ist sogleich gesagt, was den Materialismus von der Wissenschaft unterscheidet. In diesem Zusammenhang ist eine Fußnote aus dem Fetischkapitel des Kapitals interessant.

Dort stellt Marx fest, daß die bürgerliche Wissenschaft einfach nur die in ein System gebrachte Ideologie und Alltagsreligion der Warengesellschaft ist. (1)

T-34: Die meisten Linken sind unfähig zur Kritik. Ihre Ablehnung den antideutschen Kom- munisten können sie gerade einmal durch Rummäkeln an der Polemik, die für sie – bezeichnenderweise – unproduktive Besserwisserei ist, deutlich machen. Ihr hingegen vertretet die   Auffassung, daß „wer sich zum Kapital nicht polemisch verhält, verhält sich unsachlich zu   ihm“. Was hat es mit der Polemik auf sich?

J.B.: Die Kritik betreibt die Darstellung der inneren Widersprüche und des äußeren Widersinns des Kapitalverhältnisses. Die Polemik ist die einzig angemessene Darstellungsform der Kritik. Sie tut zunächst etwas, was sachlich nicht begründet scheint, weil sie kontrafaktisch die Ergeb- nisse des gesellschaftlichen Prozesses den Individuen als Ausdruck ihres eigenen Willens zuordnet. Sie argumentiert ad hominem. Sie packt die Verhältnisse an ihrer Wurzel, die nach Marx die Menschen selber sind. Das ist natürlich eine Unterstellung, aber eine Art therapeutische Unterstellung. Es ist der Versuch, die Aufklärung auch dort voranzubringen, wo sich gegen sie abgesondert wird. Also gerade bei der vulgären Linken.

Zum Kapital kann man sich nur polemisch verhalten, da das Kapital ein Verhältnis von Herrschaft und Ausbeutung ist. Es ist jedoch so, daß die Herrschaft des Menschen über den Menschen schon rein begrifflich ein Widerspruch ist. Wie soll denn der Mensch sich selbst beherrschen? Wer soll ihm dieses Kunststück abverlangen? Es ist ein Gebot der praktischen und theoretischen Vernunft, daß dies nicht sein soll. Das Kapital ist also eine Widervernunft in der Gesellschaft. Demnach ist ein polemisches Verhalten dem Kapital gegenüber das einzig sachlich angemessene. Sich nicht polemisch zu verhalten, verfehlt die Sache und rationalisiert, das Ganze.

In der „Einleitung zur Hegelschen Rechtsphilosophie“ von 1842 wird ausführlich der Begriff der Kritik dargelegt. Dieser wiederum geht einmal mehr zurück auf Hegel. In einem Artikel von 1806 über den Begriff der philosophischen Kritik sagt Hegel, daß da, wo keine Vernunft in der Sache ist, da hat auch die Philosophie jedes Recht verloren. Sie gibt sich, im Verhältnis zu diesem unvernünftigen Gegenstand, das Verhältnis der unmittelbaren Verwerfung, der Polemik. Kritik ist das ursprüngliche Scheideverfahren von Vernunft und Unver- nunft.

T-34: Die jährlich in Berlin stattfindende 1. Mai Demonstration marschierte dieses Jahr mit   wehenden Israelfahnen in Kreuzberg ein. Kann man dies als ein Signal für einen antideutschen

Aufbruch werten oder handelt es sich dabei wieder einmal nur um einen inhaltsleeren linken   Populismus? Was sollte die Aufgabe antideutscher Kommunisten sein?

J.B.: Das Tragen von Israelfahnen ist eine sinnvolle Provokation gegen den deutschen Mob. Es hat sich allerdings um die Israelfahne ein ungeheurer Politkitsch entwickelt, an dem auch die israelische Botschaft nicht ganz unschuldig ist. Neben dem von Antideutschen gern getragenen Button, der eine Israel- und eine Amerikafahne zeigt, wird auch ein Knopfsticker von der Botschaft verteilt, der eine Israel- und eine Deutschlandfahne vereint. Es ist also so, daß das, was im Interesse der israelischen Diplomatie ist, nicht unbedingt zugleich im Interesse der israelsolidarischen und kommunistischen Gruppen ist.

Man sollte den Gebrauch von Israelfahnen auf ganz besondere Gelegenheiten von his- torischer Wichtigkeit beschränken. Der 1. Mai ist ganz bestimmt die falsche Gelegenheit. Der 8 Mai wäre da eine bessere Möglichkeit.

Es ist ein Abgleiten, wenn nicht in linken Populismus, dann zumindest in Symbolpoli- tik. Wir sollten weder mit Politik, also mit falschen Verallgemeinerungen, noch mit Identifika-

tionen arbeiten. Die Aufgabe antideutscher Kommunisten ist es nicht, sich mit Israel zu identi- fizieren, denn Israel ist nicht das neueste Substitut des „Vaterlands der Werktätigen“, sondern aufzuklären, warum es notwendig ist sich bedingungslos hinter Israel und auch hinter Ariel Scharon zu stellen: nämlich im Interesse der staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft.

T-34: In der Vorarbeit zu Theodor Herzls „Judenstaat“, den „Notizen zur Unterredung mit   Baron Hirsch“, schreibt Herzl: „Ihr hängt an Eurer grausamen Heimat? Wir geben sie Euch   verschönert wieder … Wir bauen uns Paris, Rom, Florenz, Genua, was wir wollen. Herrliche   Städte mit Benutzung aller modernen Erfindungen.“ Ist der Zionismus die revolutionärste   Form der bürgerlichen Ideologie?

J.B.: Zunächst muß man die Frage stellen, ob nicht jede Ideologie bürgerlich ist. Man spricht ja   auch nicht von bürgerlichem Geld, genauso wenig wie man eigentlich von einem bürgerlichem Staat sprechen kann, es sei denn man ist der Auffassung, daß es einen guten, gerechten, nicht bürgerlichen, proletarischen Staat geben kann. Das hat sich historisch blamiert, nachdem es sich theoretisch schon längst blamiert hatte.

Der Zionismus ist sicherlich nicht die revolutionärste Form der Aufklärung, da Lenin oder Robespierre Staatsbegründer vom gleichen revolutionären bürgerlichen Schlage gewesen sind wie Theodor Herzl und seine zionistische Organisation. Der Zionismus ist aber das einzige organisierte Programm bürgerlich-revolutionärer Aufklärung, das in der Gegenwart noch besteht. Das hängt zum einen mit der Ungleichzeitigkeit des Zionismus als Nationalbewe- gung zusammen und zum zweiten damit, daß der Zionismus durch die ungeheure Bedrohung der Juden durch den Nazifaschismus als Rettungsunternehmen fungiert hat. Daher ist der linke Antizionismus ein Zeichen dafür, daß die Linke sich noch unter dem Niveau der bürgerlichen Aufklärung befindet. Hätte die Linke wenigstens das Niveau der bürgerlichen Aufklärung erreicht, dann hätte sie einsehen müssen, daß der Staat Israel die organisierte Emanzipationsge- walt der Juden ist. Diese Emanzipationsgewalt ist vergleichbar mit einem in Permanenz tagenden Wohlfahrtsausschuß der Jakobiner oder einem permanent tagenden Sowjet der Zeiten Lenins.

Die Frage ist vor allem: Was ist jüdische Aufklärung? In welcher Form hat der Zionis- mus diese jüdische Aufklärung in ein Nationalprojekt transformiert und inwieweit ist diesem

Nationalprojekt so recht erst dadurch der revolutionäre Charakter zugewachsen, daß es einen Notwehrcharakter gegen den Nazifaschismus ausüben mußte.

Daß Israel bis zum heutigen Tag ein revolutionäres Projekt ist, das zeigt sich unter anderem daran, daß der Staat Israel sich zum einen über die Juden definiert, die im Land selber

wohnen, aber auch gegenüber all jenen, die in der Diaspora zerstreut und der weltweiten Be- drohung des Antisemitismus ausgesetzt sind. Deutlich wird dies an dem Knessetgesetz von 1950, welches besagt, daß alle Juden auf der Welt ein „Recht auf Rückkehr“ nach Israel haben. Dieser Doppelcharakter der israelischen Staatlichkeit, diese „demokratische Diktatur“, ist genauso revolutionär wie der des Staates UdSSR 1920, der sich als Staat des russischen Pro- letariats und als Inkarnation aller Aspirationen des Weltproletariats definiert hat.

T-34: Sowie es den Zionismus natürlich vor der Gründung des Staates Israel gab, gab es auch   den Antizionismus bereits vor der israelischen Staatsgründung. Wo liegen seine Wurzeln? Sind diese Wurzeln im heutigen Antizionismus noch erkennbar?

J.B.: Der Antizionismus hat einerseits seine Wurzel in der Kritik am jüdischen Nationalismus aus weltrevolutionärer Sicht, insbesondere im Trotzkismus. Diese Kritik hat sich am 30. Januar 1933 erledigt. Er hat zweitens eine Wurzel in der jüdischen Gesellschaft selber, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte. Seine dritte Wurzel aber liegt darin, daß der Antizionismus von Anfang an zum nazifaschistischen Programm gehörte. Es ist gerade nicht so, wie oft behauptet wird, daß der Antizionismus in Deutschland wesentlich eine linke Erfindung war. Der linke Antizionismus kommt noch zur Misere hinzu, die wesentlichste und gefährlichste Wurzel des Antizionismus ist der Nazifaschismus selber.

Als Hitler in seinem Programm von 1920 den Antisemitismus der Vernichtungspraxis erfand, war dieses Programm unmittelbar zugleich ein antizionistisches Programm. Die Nazis haben immer genau beobachtet, wie die Staatswerdung des Jischuw in Palästina voranschritt. Daß hatte zum einen den geopolitischen Zweck, das Bündnis mit den arabischen Antisemiten gegen das britische Empire zu stärken, zum anderen aber besteht der Grund dafür darin, daß der Antisemitismus in zwei verbundene, aber auch unterscheidbare Elemente zerfällt. Das eine ist der Antisemitismus, der mit einer ökonomischen Thematik – jüdisch raffendes und deutsches schaffendes Kapital- argumentiert wird, das andere Element beruht darauf, daß der An- tisemitismus sich zugleich auch in der Sphäre der Politik darstellt. Diese Darstellungsform des Antisemitismus nenne ich Antizionismus. Bei diesem wird ähnlich dem eher ökonomischen Antisemitismus- unterschieden zwischen dem organischen, einheitlichen Volksstaat und dem liberalen, pluralistischen Rechtsstaat. Der letzte wird den Juden als ihre im Politischen präsente Zersetzungspolitik zugeschlagen. Alfred Rosenberg hat beispielsweise jede Woche   im „Völkischen Beobachter“ die aktuellen Ereignisse in Palästina kommentiert und so die theoretische Formulierung des Antisemitismus im Bereich der Politik erfunden.

Genauso wenig wie man also sagen kann, daß nach 1945 der deutschen Antisemitis- mus verschwunden ist, darf man sagen, daß nach 1945 der Antizionismus verschwunden ist. Der Antizionismus von links, so wie er vor allem aus der ML-Bewegung, der DDR und dem sowjetisierten Rußland kam, ist in Deutschland natürlich auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Linken haben also ein Thema weitergetrieben, das seit 1989 nun auch wieder offenkundig von den bürgerlichen Nationalen, den Neofaschisten usw. aufgegriffen werden kann.

T-34: In Anbetracht der Tatsache, daß für eine Kritik am Nationalstaat auf der Welt knapp 200   zur Auswahl stehen, Deutschland natürlich im besonderen, ist da die Kritik am Staat Israel immer schon antisemitisch?

J.B.: Ob jede Kritik am Staat Israel antisemitisch ist, kann man nur mit einem glasklaren Ja be- antworten. Es kann keine Kritik am Staat Israel geben, die nicht antisemitisch ist, da – wie schon hervorgehoben- Israel die organisierte revolutionäre Emanzipationsgewalt der jüdischen Gesellschaft darstellt. Jede Kritik kann nur aus der Perspektive des Abscheus vor dieser Emanzipation geäußert werden.

Ich finde das Argument mit den 200 zur Auswahl stehenden Staaten sehr schön. Daher möchte ich den besonderen Fall von Marokko anführen. Jeder weiß, daß 1975 Marokko die Westsahara, die damals von Spanien entkolonisiert wurde, sich einverleibt hat. Weiterhin weiß jeder, daß sich Marokko seit fast 30 Jahren allen UNO-Versuchen und Resolutionen, dort eine Volksabstimmung durchzuführen, nicht nur tätlich widersetzt, sondern auch durch eine planmäßige Siedlungsbewegung das „eingeborene Volk“ der Sahauris um ihre angestammten Rechte bringt. Diese Sahauris leben zu Zehntausenden unter elenden Verhältnissen in der algerischen Wüste in Flüchtlingslagern. Das ist natürlich kein Thema. Es geht vielmehr nur darum, was Juden anderen antun. Man sucht sich Israel nicht aus, weil dort angeblich Rechts- verstöße besonderer Qualität vorkämen, sondern weil in Israel Juden am Werke sind.

T-34: Du kritisierst insbesondere den Postzionismus. Was muß man darunter verstehen?

J.B.: Der Postzionismus ist israelischer Azionismus für deutsche Antizionisten, die es gern mit Michael Foucault und der Postmoderne haben. Der wesentliche Charakter des Staates Israel liegt in dem Recht auf Rückkehr, welches in vielen Varianten weiterentwickelt wurde. Der An- tizionismus, Azionismus oder Postzionismus jedweder Façon wendet sich gegen dieses Gesetz und fordert mit dem Argument, daß dieses Gesetz verhindern würde, wie es z.B. bei Moshe Zuckermann heißt, daß Israel der Staat all seiner Bürger wird, seine Abschaffung. Der Begriff „Staat all seiner Bürger“ spiegelt die Illusion wider, daß der Inhalt des Staatswillens und das Programm des Souveräns wirklich durch allgemeine, freie und gleiche Wahlen ermittelt würde.

Das ist die zentrale Demokratieillusion, die bestimmt genauso mächtig ist wie die, daß auf dem Markt die Nachfrage das Angebot und die Preise bestimmen würde. Eine Ideologie von genau der selben Objektivität und Idiotie. Diese Idiotie kann im Fall Israel auch nicht richtiger sein als im Fall einer anderen bürgerlichen Gesellschaft. Die israelische Gesellschaft als eine bürgerlich-kapitalistische verhält sich zu ihrem Staat erst einmal genauso, wie sich jede Gesell- schaft zu ihrem Staat verhält. Im Falle Israel kommt aber weiter bestimmend hinzu, daß das Rückkehrgesetz besagt, der Staat Israel habe nicht nur die zu vertreten, die auf seinem Territo- rium ansässig sind, sondern auch die, die auf seinem Territorium nicht ansässig sind. Also die, die nicht in der Lage sind – wie ideologisch auch immer- durch Wahlen den Willen des Staates zu bestimmen. Der Staat Israel hat also den Doppel-Charakter einer demokratischen Diktatur. Wer dieses Gesetz auf Rückkehr streicht, der streicht auch den grundlegenden Asyl-, Notwehr-, und Schutzcharakter dieses Staates. Daß heißt, wer das Gesetz streichen will, der kann vom Antisemitismus und von dem Programm der antisemitischen Internationale über- haupt keinen Begriff haben. Wenn man sich anschaut, was die linken Anti-, A- oder Post-zionisten für einen Antisemitismusbegriff haben, wenn sie sich etwa auf Moshe Zuckermann berufen, dann kann man feststellen, daß der Antisemitismus hier als eine Art Vorurteil gedacht wird und nicht als eine auf dem Boden der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft notwendig erwachsende Aggression. Natürlich kann man nicht Israelis oder Juden vorwerfen, sie hätten keinen angemessenen Antisemitismusbegriff. Aber jemanden wie Zuckermann, der sich explizit auf die Kritische Theorie bezieht, muß man vorwerfen, daß er die Kritische Theorie zum Kinderglauben für linke Gutmenschen verunstaltet. Deswegen muß der Postzionismus als

eine innerisraelische, sozialdemokratische Position, mit deutlich postmodernen Einschlag, die in Deutschland besonders gut bei den Antizionisten ankommt und weiterverbreitet wird, kritisiert werden.

(1) „Die Ökonomen verfahren auf eine sonderbare Art. Es gibt für sie nur zwei Arten von Institutionen,   künstliche und natürliche. Die Institutionen des Feudalismus sind künstliche Institutionen, die der Bourgeoisie natürliche. Sie gleichen darin den Theologen, die auch zwei Arten von Religionen unter- scheiden. Jede Religion, die nicht die ihre ist, ist eine Erfindung des Menschen, während ihre eigene Religion eine Offenbarung Gottes ist. – Somit hat es eine Geschichte gegeben, aber es gibt keine mehr.“ (MEW 23, S. 96)

 

http://www.ca-ira.net/isf/beitraege/pdf/bruhn-kritik.israel.pdf

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Siehe auch: Polski minister spraw zagranicznych: Auschwitz oswobodzili Ukraincy / polnischer Außenminister: Auschwitz wurde von Ukrainern befreit / polish Foreign Minister: Auschwitz has been liberated bei Ukrainians ( po polsku / deutsch / english)

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https://psychosputnik.wordpress.com/2015/01/25/polski-minister-spraw-zagranicznych-auschwitz-oswobodzili-ukraincy-polnischer-ausenminister-auschwitz-wurde-von-ukrainern-befreit-polish-foreign-minister-auschwitz-has-been-liberated-bei-ukrain/

 

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[i] http://www.zeit.de/1981/10/ihr-bleibt-die-kinder-eurer-eltern
[ii] http://www.zeit.de/2014/41/juden-deutschland-antisemitismus/komplettansicht

 

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Initiative Sozialistisches Forum

Volksfront gegen Judenhass, Volksgemeinschaft gegen Israel

Was man in Deutschland Aufarbeitung, oder unfreiwillig treffender, Bewältigung der Vergangenheit nennt, bildet das Zentrum des staatsbürgerlichen Bewusstseins der Eliten im Postnazismus. Man muss Eberhard Jäckel beinahe dankbar sein für seinen stolzen Ausspruch, andere Länder würden Deutschland um das Holocaust-Mahnmal beneiden. Während man goldene Steine vor die Häuser setzt, in denen die Opfer der Nazis lebten, um ihnen nachträglich Vor- und Zunamen zurückzugeben und sie als Staatsbürger post mortem, symbolisch und ohne Folgen anzuerkennen, weil Tote keine Forderungen stellen können, bleiben ihre überlebenden Mörder auch in der deutschen Gedenkkultur in geschützter Anonymität. Es scheint in Deutschland überall Opfer der Nazis gegeben zu haben, aber keine Täter.

Als könnte Mord nur nach Einreichung einer Klage verfolgt werden, gab es gegen die Täter bis Ende der 50er Jahre nur in Ausnahmefällen strafrechtliche Verfahren und da es bis zur Einrichtung der zentralen Ermittlungsstelle in Ludwigsburg keine systematische Sammlung von Beweisen gegen NS-Täter gab, endeten diese Verfahren weit überdurchschnittlich mit Freisprüchen. Erst in den ’60er Jahren folgten Prozesse zunächst gegen die Wachmannschaften kleinerer Lager, dann, angestrengt durch Fritz Bauer, selbst Verfolgter der Nazis, der Frankfurter Auschwitzprozess. Der BGH jedoch lehnte Bauers Argumentation, die Vernichtung in Auschwitz als einheitliche Tat, und damit jeden Beteiligten als Mittäter zu verurteilen, ab; während im Auschwitzprozess die nachgewiesene Beteiligung etwa bei der Selektion an der Rampe noch für eine Verurteilung genügte, wurden danach nur dann Täter verurteilt, wenn man ihnen konkrete exzessive Einzeltaten nachweisen konnte. Wer bei seiner Beteiligung an der Vernichtung anständig geblieben war, hatte nichts zu befürchten. [ 1 ]

Zum Gründungsmythos der Zivilgesellschaft im postnazistischen Deutschland wurde die Aufspaltung in anständige und exzessive Judenmörder. Doch die anständigen Antisemiten bedürfen der exzessiven, wenn die deutsche Zivilgesellschaft zuletzt Appelle gegen zunehmenden Judenhass verfasste. Sie dienen nicht dazu, die Täter zu denunzieren und gesellschaftlich zu bekämpfen, die diesmal nicht wie sonst aus der Neonazi-Szene, sondern aus dem Islamismus kommen. Als anlässlich des Gazakrieges im Sommer 2014 in ganz Europa größtenteils islamische Jugendliche “Kindermörder Israel”, “Hamas, Hamas, Juden ins Gas” und “Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein” riefen und auf israelsolidarische Gegendemonstranten losgingen, oft ungestört von der Polizei, die ihnen z.B. in Frankfurt noch einen Lautsprecherwagen zur Verfügung stellte, in einigen Städten gefolgt von Brandanschlägen auf Synagogen und einer Welle von antisemitischen Drohbriefen an jüdische Organisationen, mussten zwar erst die offiziellen Vertretungen der deutschen Juden die Öffentlichkeit darauf hinweisen, dass man es hier mit Antisemitismus zu tun habe, bis sich dann aber auch weite Teile aus Zivilgesellschaft und Politik bereit erklärten, wie es im Jargon heißt “ein Zeichen” zu setzen gegen Judenhass.

In Nürnberg wurde beispielsweise im Anschluss an eine Demonstration gegen den Gaza-Krieg der Burgerking im Hauptbahnhof von einer “Kindermörder Israel” grölenden Meute gestürmt; als dann noch die israelitische Kultusgemeinde auf eine Welle von Hassbriefen und auf Schmähungen jüdischer Kinder in der Schule aufmerksam machte, riefen vom Oberbürgermeister und den Stadtratsfraktionen, über die Gewerkschaften und Handelskammer, sogar der FC Nürnberg und freilich die christlichen Kirchen, nicht zu vergessen die “muslimische Begegnungsstätte Medina e.V.” dazu auf, gegen Judenhass zu demonstrieren. Dies tat man nicht nur mit Israelfahnen, sondern in trauter Eintracht mit Schildern, die zur “Solidarität mit der israelischen Friedensbewegung” aufriefen, mit “Stoppt die Aggression gegen Gaza” und “Free Gaza – Stoppt den Massenmord Israels”. Es war und ist kein Widerspruch, sondern der ambivalente Kern des deutschen Selbstverständnisses, sich gegen “Judenhass” und für das “Existenzrecht Israels” zu bekennen und zugleich – anständig – Israel zu delegitimieren. Nachdem sich im Sommer 2010 der Linkspartei angehörige Mitglieder des deutschen Bundestags an einer paramilitärischen Aktion gegen Israel – der sogenannten Gaza-Hilfsflotte – beteiligt hatten, verabschiedete der deutsche Bundestag einstimmig eine Resolution, die Israel seine Sicherheitsinteressen diktieren sollte, einschließlich des irren Aufrufs, “die Forderung der Europäischen Union nach einer sofortigen Aufhebung der Gaza-Blockade mit Nachdruck zu unterstützen”. Gegen die deutschen Partisanen aus dem Bundestag ging man weder politisch, noch gesellschaftlich noch juristisch vor, sondern distanzierte sich höflich und erhöhte den Druck auf Israel. Der anständige Antisemit bestätigt den Israelis ihr legitimes Sicherheitsinteresse, das er aber sogleich israelkritisch delegitimiert, wenn die israelische Armee es aktiv verteidigt und gefährdet, indem er die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit mit dem Iran weiterführt.

Den israelkritischen Politikern kann man sowenig wie ihren Adjutanten im Medienunwesen zugute halten, sie wüssten nicht, was sie tun. Selbst in der Süddeutschen Zeitung erschien ein Artikel der thematisierte, dass die Hamas Schulen und Krankenhäuser für Waffenverstecke nutzt, um anschließend die Fotos zerstörter ziviler Ziele zum Propagandakrieg gegen Israel einzusetzen. Wie anders, denn als Unterstützung dieses Propagandakrieges soll man deuten, wenn nur ausnahmsweise deutsche Zeitungen darauf verzichten, Fotos von Ruinen mit drapiertem Kinderspielzeug oder Rollstühlen abzudrucken? Während der Abdruck solcher Bilder für den Nahen Osten zur Folge hat, dass das zynische Kalkül der Hamas aufgeht, aktualisiert er hierzulande als Reiz-Reaktionsschema die israelkritischen Ressentiments.

Als stets kritische Avantgarde gegen Banken, Amerikanismus und Israel treten die selbsternannten “Kulturschaffenden” mit einem “offenen Brief an die Bundesregierung” auf, der von über 500 Theatermachern, Schriftstellern, Schauspielern und Akademikern unterzeichnet wurde. “Wenn die israelische Armee zum wiederholten Male in einer Großoffensive die Bevölkerung Gazas angreift und für den Tod und unendliches Elend tausender Menschen die Hauptverantwortung trägt, so geschieht dies auch mithilfe einer engen deutsch-israelischen militärischen, politischen und kulturellen Zusammenarbeit. Als Kulturschaffende in Deutschland können wir dazu nicht schweigen.” [ 2 ] Dass deutsche “Kulturschaffende” nicht schweigen können, weil sie ihre Gesinnung permanent vermarkten müssen, ist die eine Sache; dass sie zum Elend in Gaza nicht schweigen könnten, wie sie es sonst in der Regel tun, wenn keine Juden oder Amerikaner verantwortlich gemacht werden können, ist natürlich glatt gelogen. Insbesondere die holprige und merkwürdige Behauptung, der Angriff auf Gaza geschähe “mithilfe” der “kulturellen Zusammenarbeit” zwischen Israel und Deutschland verrät, dass hier eigentlich ein etwas verbrämter Aufruf zum Boykott israelischer Kultur vorliegt. Besonderes Gewicht sollte dem offenen Brief wohl dadurch zukommen, dass er nur von Kulturschaffenden unterzeichnet werden durfte, um sicherzustellen, dass ihr “Kauft nicht beim Juden” nicht als Aufruf eines antisemitischen Pöbels, sondern intellektueller und kultivierter Israelkritik daherkommt.

Dabei sind die judenhassenden Jungmänner und -frauen, die zuletzt ihre Gewaltbereitschaft herausbrüllten, auch nicht einfach aus dem gar nicht so fremden Orient herübergekommen, in dem Juden schon lange nicht besonders geschätzt werden, sondern bei der deutschen Zivilgesellschaft in die Schule gegangen. Die exzessiven Antisemiten von heute brüllen “Kindermörder Israel”, während die anständigen von der Taz (30.07.14) eine Karikatur drucken, in der eine ausgebombte Schule mit palästinensischer Fahne, auf deren Trümmern eine Gruppe Kinder steht, von einem israelischen Panzer ins Visier genommen wird, dessen Sprechblase deklariert, es gebe Zweitklässler und Menschen zweiter Klasse.

Sich vom judenhassenden Pöbel, der zweifelsohne eine Gefahr für die in Deutschland lebenden Juden darstellt, abzugrenzen, ist eine leichte Übung; sie sind nützliche Idioten, gut genug, dass die Antisemiten auch gegen Judenhass ihre Stimme erheben können. Wer aber demonstriert gegen die antisemitischen “Kulturschaffenden”, die als Avantgarde einer selbstgerechten Zivilgesellschaft fungieren, die ihren Judenhass als solchen nicht unsublimiert zulassen? Die ihren Antisemitismus gar nicht mal hasserfüllt, sondern lieber als ästhetisches Wohlgefallen mit Sekt und Brezeln gemeinschaftsbildend im Theater genießt. Und mit leichtem Gruseln und mehr gespielter als echter Empörung bei der Lektüre der neuesten News aus Gaza sich mit den “Kindermörder”-Brüllaffen in der Sache einig weiß, den sie zugleich aber wie den Fußballfan für den emotionalen Ausbruch – und nicht dessen antisemitischen Gehalt – verachtet. Was dem Brüllaffen die Pogromstimmung, ist der Zivilgesellschaft das Gelächter – beides aggressive Triebabfuhr – und es genügt ein einziger Blick ins deutsche Kabarett um zu wissen, dass kein Blatt zwischen den Pro-Gaza-Demonstranten und den gewöhnlichen Bundesbürger mit staatsbürgerlichen Bewusstsein, sprich kritischem Anspruch passt.

Auf der bereits erwähnten Nürnberger Demonstration des islamistischen Milieus gegen den Gaza-Krieg klangen die Reden wie aus der Kommentarspalte einer beliebigen deutschen Zeitung: “Das Misstrauen ist groß auf beiden Seiten, umso mehr bräuchte es in dieser Stunde Diplomaten, die eine Annäherung zwischen den Konfliktparteien schaffen. Die traditionellen Vermittler haben wenig Lust und die ganze Welt schaut zu, bzw. weg, wie Zivilisten, unter anderem viele Kinder, ermordet werden. […] Ein Teil der Hamas hat in den letzten Tagen selbstgebastelte Raketen auf das israelische Staatsgebiet abgefeuert, die größtenteils vom israelischen Abwehrsystem […] abgefangen wurden. […] Auf israelischer Seite gibt es bislang zwei Todesopfer. Auch diese sind zuviel. Aber kann man unter diesem Gesichtspunkt noch über Verteidigung sprechen?”

Auch der wütende Sturm auf Burgerking und Hauptbahnhof war keine originäre Idee der Islamisten, sondern die Wiederholung einer Aktion von 2003, als aus einer Schülerdemonstration gegen den Irakkrieg heraus ebenfalls Burgerking und Bahnhof besetzt wurden. Damals wollte niemand – etwa gegen Antiamerikanismus – aufstehen, bestand der Mob doch aus den eigenen Kindern, die in konformistischer Enthemmung nur symbolisch die Wut auf die Straße trugen, die der amerikakritische Vater bei öffentlich-rechtlichen Kabarettsendungen herauslachte.

Die Wirkung die das damalige Bündnis aus Mob und Regierung und die damalige Berichterstattung über den elften September, die zweite Intifada und den Irakkrieg auf eben jenes Milieu hatte, deren Angehörige zuletzt nach dem Vorbild holländischer Fußballfans “Hamas, Hamas, Juden ins Gas” [ 3 ] riefen, oder sich freiwillig zum Kämpfen nach Syrien absetzten, lässt sich kaum überschätzen. Die meisten der Pro-Gaza Demonstranten sind Jugendliche und junge Erwachsene, die als Kinder die von Politik, Medien und Zivilgesellschaft angefachte Massenhysterie angesichts des Irakkrieges erlebt haben – nicht nur im Elternhaus, sondern auch in der Schule, wo ihnen Lehrer vom großen Weltenbrand erzählten, der damit entfacht worden sei und an dem manche von ihnen heute in Syrien und im Irak teilnehmen. Für eine ganze von Michael Moore und Gerhard Schröder verdorbene Generation begann politisches Urteilen mit der Verachtung für den Westen, womit Israel und die USA gemeint waren.

Der Islamismus ist wenigstens in Europa kaum etwas anderes als die konsequenteste Form jener Verachtung für die USA und Israel, die den Konsens aus europäischer Politik, Zivilgesellschaft und Kulturschaffenden bestimmt. Laut einem Artikel der FAS über eine Beratungshotline des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge für Eltern, die eine islamistische Radikalisierung ihrer Kinder befürchten, haben mehr als zwei Drittel der Eltern, die die Hotline in Anspruch nehmen, gar keinen Migrationshintergrund. [ 4 ]

Antisemitismus und Antiamerikanismus waren nie nur explizit weltpolitische Einstellungen, sondern im schlimmsten Sinne ganzheitliche Denkformen, die auch das scheinbar Privateste umgreifen. Darin sind sie den Anforderungen des postmodernen Arbeitslebens genauso verwandt, wie der Ökoideologie, die aus Gesinnung das Essverhalten reguliert.

Der sexuelle Reinheitswahn des modernen Islamismus tritt dabei dem Antisemitismus nicht äußerlich hinzu, sondern ist nur dessen sexualpolitisches Pendant. Obgleich objektiv frauenfeindlich, fällt der vergleichsweise hohe Frauenanteil auf islamistischen Demonstrationen auf. Die Anziehungskraft religiöser Regelungsvorschriften dürfte sich dabei für Männer wie Frauen weniger aus alten religiösen Texten speisen, als aus dem Umstand, dass er scheinbar eine Alternative zu den Schattenseiten “westlicher” Sexualität, d.h. Konkurrenz auf dem Markt der Sexualpartner, darstellt. In einem zufällig mitgehörten Gespräch zweier Islamwissenschaftlerinnen erklärte die eine, die vor kurzem zum Islam konvertiert war und ihre Kommilitonin höchst pragmatisch anwarb, dass sie nun in dieser Gemeinschaft leicht einen Mann gefunden habe, der sich ihr dann auch gleich für das ganze Leben versprach und sie sich darüberhinaus dank Kopftuch sowohl vor abschätzigen Blicken ebenso schützen könne, wie sie auch der unangenehmen omnipräsenten sexuellen Konkurrenz endlich entronnen sei. Von islamischer Theologie habe sie bislang zwar noch keine Ahnung, wolle das aber mit dem Studium jetzt, nach ihrer Konversion, nachholen.

Wie weit das grundsätzliche Unbehagen an der gegenwärtigen sexuellen Situation in die Zivilgesellschaft hineinreicht, lässt sich an der Partei- und Presselandschaft übergreifenden Reinheitskampagne gegen Prostitution ablesen, an der jeder Mullah seine Freude hätte, die die Prostituierten und Freier stellvertretend für die geschlechtliche Konkurrenz und zugleich dafür, dass sie sich dieser vermeintlich entziehen, büßen lassen will. [ 5 ] Wie die Zivilgesellschaft die sexuelle Konkurrenz zugleich affirmiert, verdrängt und an den Prostituierten verfolgt, so affirmiert [ 6 ] und verdrängt sie auch die politische Konkurrenz zwischen den Staaten und verfolgt sie an Israel. Der postmoderne Islamismus geht jeweils einen entscheidenden Schritt weiter und tendiert dazu, sie gleich ganz still zu stellen: Als Regelung noch kleinster Details im Verkehr der Geschlechter oder politisch als weltumspannendes oder wenigstens nach Außen hermetisch abgeschlossenes und nach Innen von Gegensätzen bereinigtes Kalifat.#

Anmerkungen

[ 1 ] Erst 2011 wurde mit Demjanjuk wieder ein SS-Mann alleine wegen seiner Mitgliedschaft in einer Wachmannschaft verurteilt, als die meisten Täter schon tot und Deutschland schon als Vergangenheitsbewältigungsweltmeister feststand.

[ 2 ] http://www.gazaopenletter.de

[ 3 ] Lange Zeit pflegten gegnerische Fans den als jüdischen Club geltenden Ajax Amsterdam mit dieser Parole zu schmähen.

[ 4 ] FAS vom 14.09.2014.

[ 5 ] Dass Frauen in der Prostitution “zur Ware” gemacht würden, ist nach gängigem Sprachgebrauch der wesentliche moralische Vorwurf gegen die Prostitution. Logisch kann daraus nur folgen, dass die Prostituierten entweder alle gezwungen wurden, sich zur Ware zu machen, was etwa Alice Schwarzer behauptet, die Prostitution mit Sklaverei identifiziert, oder aber, dass sich diese Frauen freiwillig “zur Ware” gemacht haben. Genau damit aber personifizieren sie geradezu die allgemeine Konkurrenz auf dem Markt um Sexualpartner, der sie sich gleichsam zu entziehen scheinen. Den Freiern wiederum nimmt man vor allem übel, dass sie sich für Geld holen, wofür sich andere in eben jener Konkurrenz mühsam durchsetzen müssen.

[ 6 ] Praktisch affirmiert sie die Konkurrenz zwischen den Staaten natürlich immer dann, wenn sie anderen Staaten mores lehren möchte. Dass sie dabei freilich auch eine Position innerhalb der konkurrierenden Mächte einnimmt, wird in Deutschland immer dadurch verdrängt, dass man die eigene Position als Völkerrecht ausgibt.

http://www.ca-ira.net/isf/jourfixe/jf-2014-2_volksfront.html

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Remember: Do X! Don´t do Y!

Protect innocent, respect life, defend art, preserve creativity!

What´s Left? Antisemitism!

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DJ Psycho Diver Sant – too small to fail
Tonttu Korvatunturilta Kuunsilta JSB
Tip tap tip tap tipetipe tip tap heija!
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They want 1984, we want 1776

They are on the run, we are on the march!

I think for food

molon labe

Dummheit ist, wenn jemand nicht weiß, was er wissen könnte.

Political correctness ist, wenn man aus Feigheit lügt, um Dumme nicht zu verärgern, die die Wahrheit nicht hören wollen.

“Im Streit um moralische Probleme, ist der Relativismus die erste Zuflucht der Schurken.“ Roger Scruton

Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt.

Der Nicht-Antisemit ist ein Antisemit, der nach der derzeitigen deutschen Rechtsprechung, Israel, Juden diffamiert, diskriminiert, delegitimiert, jedoch nicht expressis verbis das Ziel der dritten Reichs, den Holocaust, die Judenvernichtung, befürwortet.

Islam ist weniger eine Religion und mehr eine totalitäre Gesellschaftsordnung, eine Ideologie, die absoluten Gehorsam verlangt und keinen Widerspruch, keinerlei Kritik duldet und das Denken und Erkenntnis verbietet. Der wahre Islam ist ganz anders, wer ihn findet wird eine hohe Belohnung erhalten.

Wahnsinn bedeute, immer wieder das gleiche zu tun, aber dabei stets ein anderes Resultat zu erwarten.

Gutmenschen sind Menschen, die gut erscheinen wollen, die gewissenlos das Gewissen anderer Menschen zu eigenen Zwecken mit Hilfe selbst inszenierter Empörungen instrumentalisieren.

Irritationen verhelfen zu weiteren Erkenntnissen, Selbstzufriedenheit führt zur Verblödung,

Wenn ein Affe denkt, „ich bin ein Affe“, dann ist es bereits ein Mensch.

Ein Mensch mit Wurzeln soll zur Pediküre gehen.

Wenn jemand etwas zu sagen hat, der kann es immer sehr einfach sagen. Wenn jemand nichts zu sagen hat, der sagt es dann sehr kompliziert.

Sucht ist, wenn jemand etwas macht, was er machen will und sucht jemand, der es macht, daß er es nicht macht und es nicht machen will.

Sollen die Klugen immer nachgeben, dann wird die Welt von Dummen regiert. Zu viel „Klugheit“ macht dumm.

Wenn man nur das Schlechte bekämpft, um das Leben zu schützen, bringt man gar nichts Gutes hervor und ein solches Leben ist dann nicht mehr lebenswert und braucht nicht beschützt zu werden, denn es ist dann durch ein solches totales Beschützen sowieso schon tot. Man kann so viel Geld für Versicherungen ausgeben, daß man gar nichts mehr zum Versichern hat. Mit Sicherheit ist es eben so.

Zufriedene Sklaven sind die schlimmsten Feinde der Freiheit.

Kreativität ist eine Intelligenz, die Spaß hat.

Wen die Arbeit krank macht, der soll kündigen!

Wenn Deutsche über Moral reden, meinen sie das Geld.

Ein Mensch ohne Erkenntnis ist dann  lediglich ein ängstlicher, aggressiver, unglücklicher Affe.

Denken ist immer grenzüberschreitend.

Der Mob, der sich das Volk nennt, diskutiert nicht, sondern diffamiert.

Legal ist nicht immer legitim.

Wer nicht verzichten kann, lebt unglücklich.

Sogenannte Sozial-, Kultur-, Geisteswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Psychotherapie, Psychoanalyse, sind keine Wissenschaften mehr, sondern immanent religiöse Kultpropheten, organisiert wie Sekten.

Ohne eine starke Opposition atrophiert jede scheinbare Demokratie zur Tyrannei, und ebenso eine Wissenschaft, zur Gesinnung einer Sekte.

Man kann alles nur aus gewisser Distanz erkennen, wer sich ereifert, empört, wer mit seiner Nase an etwas klebt, der hat die Perspektive verloren, der erkennt nichts mehr, der hat nur noch seine Phantasie von der Welt im Kopf. So entsteht Paranoia, die sich Religion, und Religion als Politik, sogar als Wissenschaft nennt.

Islamisten sind eine Gefahr, deswegen werden sie als solche nicht gesehen. Juden sind keine Gefahr, deswegen werden sie als solche gesehen. So funktioniert die Wahrnehmung von  Feiglingen.

Humorlose Menschen könner nur fürchten oder hassen und werden Mönche oder Terroristen.

Menschen sind nicht gleich, jeder einzelne Mensch ist ein Unikat.

Erkenntnis gilt für alle, auch für Muslime, Albaner, Frauen und Homosexuelle.

Islam gehört zu Deutschland, Judentum gehört zu Israel.

Der Konsensterror (Totalitarismus) ist in Deutschland allgegenwärtig.

Es wird nicht mehr diskutiert, sondern nur noch diffamiert.

Es ist eine Kultur des Mobs. Wie es bereits gewesen ist.

Harmonie ist nur, wenn man nicht kommuniziert.

Man soll niemals mit jemand ins Bett gehen, der mehr Probleme hat, als man selbst.

>>Evelyn Waugh, sicherlich der witzigste Erzähler des vergangenen Jahrhunderts, im Zweiten Weltkrieg, herauskommend aus einem Bunker während einer deutschen Bombardierung Jugoslawiens, blickte zum Himmel, von dem es feindliche Bomben regnete und bemerkte: “Wie alles Deutsche, stark übertrieben.“<< Joseph Epstein

Man muß Mut haben, um witzig zu sein.

Dumm und blöd geht meistens zusammen.

Charlie Hebdo: solche Morde an Juden sind euch egal, mal sehen wie”angemessen”  ihr reagiert, wenn (wenn, nicht falls) eure Städte von Islamisten mit Kasam-Raketen beschossen werden.

Christopher Hitchens großartig: „In einer freien Gesellschaft hat niemand das Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Je mehr sich jemand narzisstisch aufbläht, desto mehr fühlt er sich beleidigt und provoziert.

“Das Problem mit der Welt ist, daß die Dummen felsenfest überzeugt sind und die Klugen voller Zweifel.” – Bertrand Russel

Das Problem mit den Islamisten in Europa soll man genauso lösen, wie es Europa für den Nahen Osten verlangt: jeweils eine Zweistaatenlösung, die Hälfte für Muslime, die andere Hälfte für Nicht-Muslime, mit einer gemeinsamen Hauptstadt.

Was darf Satire? Alles! Nur nicht vom Dummkopf verstanden werden, weil es dann keine Satire war.

Islamimus ist Islam, der Gewalt predigt.

Islam ist eine Religion der Liebe,und wer es anzweifelt, ist tot.

Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke. Der Islam ist die friedliche Religion der Liebe George Orwell 2015

Islam ist verantwortlich für gar nichts, Juden sind schuld an allem.

Islamisten sind Satanisten. Islamismus ist eine Religion von Idioten.

Leute fühlen sich immer furchtbar beleidigt, wenn man ihre Lügen nicht glaubt.

Jeder ist selbst verantwortlich für seine Gefühle.

Die Psychoanalyse geht niemanden außer den Psychoanalytiker und seinen Patienten etwas an, und alle anderen sollen sich verpissen.

“Zeit ist das Echo einer Axt
im Wald.
Philip Larkin, Gesammelte Gedichte

Wenn jemand wie Islamisten sein Ego endlos aufbläht, dann verletzt er seine eigenen Gefühle schon morgens beim Scheißen.

„Die sieben Todsünden der modernen Gesellschaft: Reichtum ohne Arbeit Genuß ohne Gewissen Wissen ohne Charakter Geschäft ohne Moral Wissenschaft ohne Menschlichkeit Religion ohne Opfer Politik ohne Prinzipien.“
―Mahatma Gandhi

„Wo man nur die Wahl hat zwischen Feigheit und Gewalt, würde ich zur Gewalt raten.“
―Mahatma Gandhi

Warum zeigt sich Allah nicht? Weil er mit solchen Arschlöchern nichts zu tun haben will.

„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus’. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus’.”  – Ignazio Silone

Politische Korrektheit verlangt eine Sprache für ein Poesiealbum.

Psychoanalyse ist frivol, oder es ist keine Psychoanalyse.

Bunte Vielfalt, früher: Scheiße

Was der Mensch nicht mehr verändern, nicht mehr reformieren kann, ist nicht mehr lebendig, sondern sehr tot. Was tot ist, das soll man, das muß man begraben: Religion, Ehe, Romantizismus, etc.

Romantik ist scheiße.

Die Realität ist immer stärker als Illusionen.

Deutschland gestern: der Wille zur Macht.
Deutschland heute: der Wille zur Verblendung.
Deutschland morgen: 德國

Deutsche Psychoanalyse? Großartig, wie deutscher Charme, deutscher Humor und deutscher Esprit.

Der Widerstand fängt mit einer eigenen, anderen Sprache als die der Diktatur.

Smart phones for stupid people.

Ein Linker kann, muß aber nicht dumm sein.

Wenn man ganzen Staaten nicht übel nimmt, wenn sie mit Millionen Opfern Selbstmord begehen, warum dann einem Co-Piloten mit 149 Toten?

Nur die Reinheit der Mittel heiligt den Zweck.

Ein extremer Narzißt ist ein potentieller Terrorist, und jeder Terrorist ist ein extremer Narzißt.

Islamisierung bedeutet Verblödung.

Copy-shop als psychoanalytische Methode heute.
Die Psychoanalyse heute ist lediglich die Nachahmung einer vermeintlichen Psychoanalyse, die es so nie gegeben hat, also unbewußte Karikatur, Totemmaske ihrer selbst.
Die Revolution frißt ihre Väter, nicht ihre Kinder.
Jeder verdient eine zweite Chance. Eine zweite, nicht eine zwölfte, zweiundzwanzigste oder einhundertzweite.
In Polen haben amerikanische Geheimdienstler ihre Gefangenen gefoltert, während vor polnischen Gerichten Prozesse gegen polnische Geheimdienstler liefen, die polnische Gefangene gefoltert haben.
Besser irgendwelche Sitten, als gar keine Sitten.
Direkte Gewalt gegen strukturelle Gewalt – lediglich eine Rationalisierung der eigenen Lust als Rechtfertigung für eigene wilde, triebhafte Gewalt. Wer strukturelle Gewalt von Institutionen eines demokratischen Rechtstaates delegitimiert und direkte Gewalt gegen diese Institutionen legitimiert, der gibt jeglicher denkbaren Form von Gewalt freie Hand, denn jede Gewalt kann moralisch begründet werden. Der Teufel ist ein Moralist. Und ein Gewalttäter. Aufrufe zur Gewalt sind in Deutschland strafbar.
National Sozialistische Deutsche Arbeiter Partei (NSDAP) war links,, ihr Kampf gegen Kommunisten und Sozialisten war nicht ideologisch, sondern es war ein Konkurrenzkampf unter Gleichen.
Wer sich für Kunst nicht interessiert, wem Kunst nichts bedeutet, der interessiert sich ebensowenig für Menschen, dem bedeuten Menschen nichts. Denn Kunst ist Ausdruck menschlicher Gefühle, Kunst ist Liebe.
Manche Menschen schauen in den Spiegel und sagen: „Die Welt ist schrecklich, die Welt ist böse“, und fangen an, dieses Böse in der Welt, aber nicht in sich, zu verfolgen, zu vernichten, auszumerzen. Also andere Menschen, das Andere menschliche, was sie nicht sein wollen, zu exterminieren, zu liquidieren.

…der hiesige Autoritarismus (ist) einer ohne Autorität und der hiesige Konventionalismus einer ohne Konventionen. Schon bei den Nazis war nicht das Wort des Führers Befehl, sondern sein Wille, den der kongeniale Volksgenosse erahnte. Nie hätte der Nationalsozialismus funktioniert, hätte den Deutschen jede ihrer Missetaten bei Strafandrohung befohlen werden müssen. Anders, als es das Wort vom „Befehlsnotstand“, von der „Gleichschaltung“ oder vom „Führer“ selber glauben machen will, herrschte das NS-System durch Gehorsam ohne Befehl. (W. Pohrt, Der Weg zur inneren Einheit)

Der faschistische Sozialpakt existiert im bundesdeutschen Postfaschismus weiter als eine im Resultat aufgehobene Voraussetzung, die unmittelbar keine Spur ihrer gewaltförmigen Durchsetzung mehr an sich trägt: umso besser kann diese Tatsache verleugnet und der Nationalsozialismus als das Verbrechen einiger Irrer, als „Unrechtsstaat“, als „das Schlimmste, das Menschen einander je angetan haben“ exorziert werden. Diese Lebenslüge der BRD ist das Fundament aller demokratischen „Vergangenheitsbewältigung“, jenes kollektiven Beschweigens des Nationalsozialismus, das durchaus auch die Form enervierender Redseligkeit annehmen kann. Weil das postfaschistische Deutschland in institutioneller wie personeller Hinsicht in Kontinuität zu seinem Vorgänger steht, muß ausnahmslos jeder Versuch einer Vergangenheitsbewältigung innerhalb des sich weiterschleppenden Systems zur symbolischen Distanzierung, zum substanzlosen Gestus geraten. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Deutschen einen schier unerschöpflichen Vorrat an größeren und kleineren Entlastungslügen angelegt, aus dem sie sich je nach Gelegenheit und Bedarf bedienen. Danach war das nationalsozialistische System wahlweise das Werk von Hitler höchstpersönlich, einer kleinen Verbrecherclique und ein paar Helfershelfern oder des Monopolkapitals und seiner Schergen. Otto Normalvergaser jedenfalls hat „von alledem nichts gewußt“, war „im Grunde auch dagegen“ oder „konnte gar nicht anders handeln“, weil „Befehlsnotstand“ herrschte und man im Falle des Zuwiderhandelns sofort „ins KZ gekommen“ wäre. “ (…) „Heute haben die Verbreitung des Gerüchts und die Verbreitung der Neidbeißerei neue, technische Möglichkeiten. Sie können sich über das Internet und diverse Subnetzwerke und Blogs rasend verbreiten und auch auf die Politik einen Druck erzeugen, sich ihnen zu beugen. Die gesellschaftliche Mobilmachung wirkt so wieder auf die Politik zurück. Sie muss sich den entsprechenden Stimmungen beugen, weil sonst die Wiederwahl gefährdet würde. Die Devise »Ich bin ihr Führer, also muss ich ihnen folgen«, bleibt auch im zerfallenen Postnazismus das prinzipienlose Grundprinzip von Herrschaft.“ (…) Spezialisierung und Diversifikation sind die zeitgemäße Erscheinungsform von Vermassung und Uniformität. (…) 1 x 1 materialistischer Kritik: es  muss darum gehen, Erscheinungen in eine Konstellation zu bringen, in der sie lesbar werden. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. Und weil gerade die Entfernung vom Nazismus die Nähe zu ihm verbürgt, waren und sind das diejenigen, die in Personensache am wenigstens mit Nazifaschistischem in Verbindung zu bringen sind, die Linksradikalen, die Linksliberalen, die Linken, die Antifaschisten, die entschiedensten Schrittmacher dafür, dass der anfangs noch gar nicht wirklich übergreifende postnazistische Fundamentalkonsens tatsächlich totalisiert und auf die Höhe der Zeit gebracht werden konnte. Die Nazis und die Rechten hingegen waren für diesen Vorgang nur von unterordnetem Belang. Sie standen immer schon für eine in ihrer konkreten Ausprägung gestrige Gesellschaftsformation und deshalb ging von ihnen auch nie eine ernsthafte Gefahr eines neuen Faschismus aus. Diese Totalisierung der Gemeinschaft der Demokraten, die hauptsächlich die Linke mit herbeigeführt hat, ist allerdings identisch und das zeigt sich heute mit ihrem Zerfall. Dieser wiederum ist im Selbstwiderspruch der postnazistischen Vergesellschaftung angelegt, in der der bereits erwähnte nazistische Kurzschluss von Staaten Subjekt im Modus permanenter Mobilmachung in den politökonomischen Formen im Doppelsinne aufgehoben ist. Seiner Substanz nach anerkannt und aufbewahrt, wie vorerst suspendiert und seiner Verlaufsform nachgezügelt. Also statt den Blockwarten gab es Aktenzeichen XY, da durfte sich jeder dann auch telefonisch dran beteiligen, aber richtige Jagdszenen gab es in der alten Bundesrepublik nicht oder nur in Ausnahmefällen. Taxiert selbst zu Zeiten der Prosperität jeder insgeheim seinen Erwerb als verkappte Arbeitslosenunterstützung, so mobilisiert die Krise der postnazistischen Vergesellschaftung erst Recht die Sehnsucht nach der alten Staatsunmittelbarkeit. Johannes Agnoli schrieb dazu schon in der Transformation der Demokratie 1966: „Der präfaschistisch liberale Ruf nach dem starken Staat wiederholt sich postfaschistisch neoliberal“. Und damit gerät das ganze System des autoritären Etatismus und geraten letzten Endes die politökonomischen Vermittlungen als solche wieder ins Visier des Volkszorns und es war wiederum die Linke, die noch zu Zeiten, wo keine Krise in Sicht war, im sinistren Tram nach Liquidation der Vermittlungen die Zunge gelöst und ihm neue fantasievolle und kreative, wie es so schön heißt, Äußerungsformen zur Verfügung gestellt hat. Sie war das Laboratorium, in dem die allgemeine Mobilmachung eingeübt und jener darauf zugeschnittenen neue und zugleich sehr alte Sozialcharakter herangebildet wurde, indem sich mittlerweile eine Mehrheit spontan wieder erkennt. Derjenige Sozialcharakter, der nach dem Motto „Ich leide, also bin ich“ sich einerseits unter Berufung auf die höchst unverwechselbare Diskriminierung, die ihm angeblich wiederfährt, zur kleinsten existierenden Minderheit erklärt, sich gleichsam nach dem Muster verfolgter und in ihrer Kultur bedrohter Völker begreift und andererseits als Gegensouverän seine private, warnhafte Feinderklärung allen anderen oktroyieren möchte und diesem Zweck entweder vorhandene gesellschaftliche Organisationen zu Rackets umfunktioniert, neue Rackets gründet oder andere Rackets mit ins Boot holt. Der einstige demokratische Fundamentalkonsens wird dadurch einerseits ins einzelne Subjekt zurückverlagert und andererseits vermittlungslos verallgemeinert. Aus der formell kollektiven Feinderklärung der Mitte gegen die Extreme, das war der Normalfall in der Bundesrepublik bis weit in die 80er Jahre, Terroristenhasse, einige werden sich noch daran erinnern. Aus dieser kollektiven Feinderklärung der gesellschaftlichen Mitte gegen die Extreme wird also die pluralisierte Feinderklärung alle gegen alle, die getrennt vereint sich zusammenrotten und auf diese Weise zerfällt die Gemeinschaft der wehrhaften Demokraten und reorganisiert sich zugleich hin zu zerfallen. Ein Zitat von Wolfgang Port in einem anderen Zusammenhang macht es sehr schön deutlich: „Wie durch höhere Gewalt sondern sich die Langen von den Kurzen, die Weiblichen von den Männlichen, die Alten von den Jungen, die Dicken von den Dünnen ab“ und das Resultat ist eine Segregation und Ghettoisierung durch welche die Metropolen, einem riesigen Freiluftgefängnis mit seinen Unterabteilungen für Männer und Frauen, Jugendliche, Kranke, Alte, Port schreibt etc., man könnte noch Schwule und Lesben und Migranten und was weiß ich noch alles ergänzen, Protestanten, Katholiken, Ossis, Wessis, immer ähnlicher werden. Neu ist, dass dieses Freiluftgefängnis als eine kulturelle Einrichtung und seine Insassen als Kulturbotschafter begriffen werden und es ist diese nahezu flächendeckende Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mehrheit und der einzelnen Individuen in ihr, die in der Postmoderne ihr bewusstloses Selbstbewusstsein und ihre Legitimation erfährt und im antirassistischen PC-Sprech sich ihren Ehrenkodex schafft, ihre Omertà, die sich an ihresgleichen und die verbliebenen Kritiker draußen richtet, Islamophobie ist ihr derzeit aktuellstes Schlagwort. Dieser Vorgang, diese Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mitte und ihr Zerfall ist also die Bedingung der neuen Haltung Ausländern und Migranten gegenüber, an denen die Deutschen projektiv ihre ersehnte Regression auf den Stamm illustrieren. Was ihnen umso leichter gelingt, als manch ihrer Repräsentanten und Lobbyisten sich anschicken, genau dem Bilde zu gleichen, das die Deutschen sich seit jeher von ihnen machten und wofür sie von ihnen jetzt nach kollektiv und offiziell ins Herz geschlossen werden. Der mittlerweile zur Dauereinrichtung erklärte Karneval der Kulturen ist nichts anderes als ein Zerfallsprodukt der postfaschistischen Demokratie, mehr noch, er ist diese Gemeinschaft in einer zugleich flexibilisierten und pluralisierten und kollektivierten Gestalt. In dieser Völkerfamilie, die die Deutschen gerne auf der ganzen Welt hätten, wären da nicht Israel und die USA als Störenfriede und die sie aus Mangel an Realisierungschancen deshalb erstmal bei sich zuhause einrichten, geht es dabei zu, wie in jeder guten Familie: Die einzelnen Mitglieder sind einander spinnefeind und die Widersprüche und Konflikte, die daraus resultieren, gehören auch voll und ganz dieser Vergesellschaftung an, sind von ihr konstituiert und dazu gehört ein fein dosiertes Spiel mit Fremdheit und Nähe, das von allen Beteiligten auch weiterhin gepflegt wird, weil damit ein moralisches Plus bei der Gefolgschaft eingefahren werden kann. (…) Der zweite Weltkrieg war ein kulturindustrielles Massenevent. (…) Eine neue Barbarei sei stets zu befürchten, wird sich nicht aus dem Geist Nationalsozialismus unmittelbar speisen, sondern im Gewande von demokratischem Antifaschismus von Lernen aus der Geschichte und political correctness daher kommen.(…) Abwehr des offenen Faschismus durch dessen demokratische Entnazifizierung und Eingemeindung. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. (…) Die postnazistische Demokratie hat  die nationalsozialistische Mobilmachung des „gesunden Volksempfindens“ zwar nicht abgeschafft, sondern nur sistiert – sie hat es aber andererseits auch in die Latenz abgedrängt und damit gebremst, indem sie es in die mediatisierende Form des bürgerlichen Repräsentationsprinzips zwängte.  (…) „Rassismus“ ist ein ideologisches Stichwort eines anti-rassistischen Rackets, das jeden Realitätsbezugs entbehrt, das seine Mitglieder vielmehr nur als Ausweis von Gesinnungsfestigkeit und Ehrbarkeit vor sich hertragen und das ihnen als probates Mittel dient, um nach Willkür und freiem Ermessen festzulegen, wer gerade als „Rassist“ zu gelten hat. Und dieses „anti-rassistische“ Racket, das sind heutzutage fast alle: längst ist die Gegnerschaft zum Rassismus keine Domäne der Linken mehr, sondern offizielle Staatsraison und common sense aller Ehrbaren und Wohlmeinenden, und das ist die erdrückende Mehrheit.  (…) Von der moralisierenden Aufdringlichkeit und der enervierenden Verlogenheit einmal abgesehen, ist die Ehrfurcht, die „anderen Kulturen“ entgegengebracht wird und die Unterwürfigkeit, mit der ihre Träger geradezu als Heilsbringer verehrt werden, keine Gegenposition zum Rassismus, sondern dessen logische wie historische Voraussetzung, die im Rassismus und allen naturalisierenden Ideologien als ein Moment überlebt: deren Grundmuster ist die projektive Bekämpfung dessen, was man selbst gern möchte, aber nicht erreichen kann, und deshalb gehört zur Diskriminierung der Neger wegen ihrer „Faulheit“ die Bewunderung für den „Rhythmus, den sie im Blut haben“ und die Achtung vor ihrer „sagenhaften Potenz“; somit ist der „Anti-Rassismus“ nichts weiter als die notwendige Kehrseite des Rassismus selbst, die sich von diesem abgespalten hat und gegen ihre eigene Grundlage wendet. Historisch jedenfalls geht die Wertschätzung fremder Kulturen ihrer späteren, „rassisch“ legitimierten Abqualifizierung voran und sie ist auch logisch deren Voraussetzung: Christoph Columbus etwa beschreibt in seinen Tagebüchern die Eingeborenen, die er 1492 auf den Bahamas, Cuba und schliesslich Haiti angetroffen hat, folgendermaßen: sie sind „ängstlich und feige“, „sehr sanftmütig und kennen das Böse nicht, sie können sich nicht gegenseitig umbringen“, „sie begehren die Güter anderer nicht,“ und er resümiert: „Ich glaube nicht, dass es auf dieser Welt bessere Menschen oder ein besseres Land gibt.“ (7)  (…) Protestantische Innerlichkeit: gemäß der Devise, dass vor der schlechten Tat der schlechte Gedanke und das schlechte Wort kommen, die man demzufolge austreiben muss, damit alles besser wird. (…) So kommt es, dass es heute der Anti-Rassismus ist, der, unter dem Vorwand, heldenhaft gegen einen in Wahrheit nicht existenten „Rassismus“ zu kämpfen, Respekt und Toleranz noch für die rückständigsten und unmenschlichsten Sitten und Gebräuche einfordert und damit selbst als Protagonist und Fürsprecher einer Verrassung der restbürgerlichen Gesellschaft fungiert.  (..) Die unterschiedliche Pigmentierung der menschlichen Haut ist eine objektive Gegebenheit, keine bloße Erfindung. (…) Rasse heute ist die Selbstbehauptung des bürgerlichen Individuums, integriert im barbarischen Kollektiv. (…) Der nervige Sozialcharakter des Gutmenschen ist offenbar eine fast zeitlose Erscheinung und in den verschiedensten Lebensbereichen anzutreffen, die Wahrscheinlichkeit, ihm in fortschrittlichen sogenannten „politischen Zusammenhängen“ zu begegnen, ist besonders hoch: werden doch hier traditionell die altruistischen Tugenden – das Mitgefühl, die Solidarität, Selbstlosigkeit etc. – besonders hoch angeschrieben und deshalb sind sie das geeignete Betätigungsfeld für Sozialcharaktere, die sich als Ersatz für ihr eigenes ungelebtes Leben vorzugsweise mit dem Leiden anderer als Fetisch verbinden. (…) Es sind aber gerade die höchsten Tugenden, die die niedersten Instinkte decken, wie schon Marx wusste: „Bis jetzt hat der Mensch sein Mitgefühl noch kaum ausgeprägt. Er empfindet es bloß mit dem Leiden, und dies ist gewiss nicht die höchste Form des Mitgefühls. Jedes Mitgefühl ist edel, aber das Mitgefühl mit dem Leiden ist die am wenigsten edle Form. Es ist mit Egoismus gemischt. Es neigt zum Morbiden […] Außerdem ist das Mitgefühl seltsam beschränkt […] Jeder kann für die Leiden eines Freundes Mitgefühl empfinden, aber es erfordert […] das Wesen eines wahren Individualisten, um auch am Erfolg eines Freundes teilhaben zu können. (…) Und da jeder demonstrative Altruismus nicht nur einen kleinlichen Egoismus bemäntelt, sondern auch mit dem Anspruch des Idealisten einhergeht, erzieherisch auf das Objekt seiner Zuwendung einzuwirken, ist er die adäquate Ideologie von Rackets, und auch das ist Wilde nicht entgangen: Barmherzigkeit, so schreibt er, sei die „lächerlich unzulängliche Art der teilweisen Rückerstattung oder ein sentimentales Almosen, gewöhnlich verknüpft mit dem skandalösen Versuch des rührseligen Spenders, auf (das) Privatleben (der Armen) Einfluss zu nehmen. (…) Im totalisierten Zugriff auf die ihr Unterworfenen ist die sozialistische Bewegung bis auf den heutigen Tag ebenfalls als ein Racket des Tugendterrors anzusprechen, betrachtet sie es doch als ihre Aufgabe, das Proletariat oder das gerade angesagte Subjekt seiner „wahren Bestimmung“ zuzuführen und d.h. es im Sinne der von ihm zu realisierenden Ideale zu erziehen – und das bedeutet stets noch: ihm die Untugenden und Laster auszutreiben, die der Vorhut als Male der individualistischen Bürgerwelt erscheinen: etwa Alkoholabusus, Faulenzerei, „zerrüttete“, „unsittliche“ Verhältnisse zwischen den Geschlechtern etc. Und um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen die selbsternannten Vertreter der Klasse die von ihnen verfochtenen Tugenden in eigener Person glaubwürdig verkörpern und deshalb in einer noch rigideren Weise als der gemeine Bürger sich als Subjekte zurichten, d.h. ihre Individualität dem Allgemeinen (dem Kollektiv, der Klasse, dem Frieden etc.) opfern, um totale Identität mit ihm zu erlangen. Wenn Identität letzten Endes den Tod bedeutet, dann hat die Bemühung um sie vorzeitige Erstarrung und prämortale Leblosigkeit zur Folge – von daher die bis in die Gegenwart zu beobachtenden verhockten, verkniffenen und lauernden Mienen aller professionellen Menschheitsbeglücker, ihre rigide Zwangsmoral und durchgängige Humorresistenz, die immergleichen offiziösen Phrasen, die sie dreschen, die tödliche Langeweile, die von ihnen und ihrem penetranten Sendungsbewusstsein ausgeht, und ihr chronisches Beleidigtsein, wenn sie beim Gegenüber auch nur den Hauch eines Zweifels an ihrer aufgetragenen Gutartigkeit zu erspüren glauben. Und zu alldem glauben diese Leute sich auch noch ermächtigt, diese ihre trostlose Existenz zur verbindlichen Richtschnur für alle anderen zu erklären.“ – Clemens Nachtmann

„Die rebellische Haltung, vor einem Jahrzehnt noch das Privileg von Einzelgängern, ist heute Ausdruck des Konformismus. Man will dazugehören, nicht als Schlappschwanz gelten“ – Horkheimer

 „…der hiesige Autoritarismus (ist) einer ohne Autorität und der hiesige Konventionalismus einer ohne Konventionen. Schon bei den Nazis war nicht das Wort des Führers Befehl, sondern sein Wille, den der kongeniale Volksgenosse erahnte. Nie hätte der Nationalsozialismus funktioniert, hätte den Deutschen jede ihrer Missetaten bei Strafandrohung befohlen werden müssen. Anders, als es das Wort vom „Befehlsnotstand“, von der „Gleichschaltung“ oder vom „Führer“ selber glauben machen will, herrschte das NS-System durch Gehorsam ohne Befehl.“ (W. Pohrt, Der Weg zur inneren Einheit)
„Die Demokratie ist nichts weiter als die Herrschaft des Knüppels über das Volk durch das Volk für das Volk. (…) Es gibt drei Arten von Despoten: den Despoten, der den Leib knechtet, den Despoten, der die Seele knechtet und den Despoten, der Leib und Seele zugleich knechtet. Der erste heißt Fürst. Der zweite heißt Papst. Der dritte heißt das Volk. (..) Wer das Volk führen will, ist gezwungen, dem Pöbel zu folgen“ (…) „Man hört immer wieder, der Schulmeister sterbe aus. Ich wünschte beileibe, dem wäre so. Aber der Menschentypus, von dem er nur ein und gewiss noch der harmloseste Vertreter ist, scheint mir wahrhaftig unser Leben zu beherrschen; und wie auf ethischem Gebiet der Philanthrop die größte Plage ist, so ist es im Bereich des Geistes derjenige, der so sehr damit beschäftigt ist, andere zu erziehen, dass er nie Zeit gehabt hat, an seine eigene Erziehung zu denken […] Wie schlimm aber, Ernest, ist es, neben einem Menschen zu sitzen, der sein Leben lang versucht hat, andere zu erziehen! Welch eine grausame Tortur! Was für eine entsetzliche Borniertheit, die unvermeidlich aus der fatalen Gewohnheit resultiert, anderen seine persönlichen Überzeugungen mitteilen zu wollen! Wie sehr dieser Mensch durch seine geistige Beschränktheit auffällt! Wie sehr er uns und fraglos auch sich selbst anödet mit seinen endlosen Wiederholungen und seiner krankhaften Besserwisserei! Wie sehr er jedes Anzeichen geistigen Wachstums vermissen lässt! Wie verhängnisvoll ist der Kreis, in dem er sich unablässig bewegt.“ – Oscar Wilde
Was die Menschheitsbeglücker in Wahrheit bewirken, ist ihr eigener moralischer Selbstgenuss in der angemaßten oder tatsächlichen Herrschaft über andere, aber gerade nicht die praktische Lösung der Dinge, um die es ihnen vorgeblich so selbstlos zu tun ist: „In den Augen des Denkers allerdings liegt der wahre Schaden, den das moralische Mitgefühl anrichtet, darin, dass es unser Wissen begrenzt und so verhindert, dass wir auch nur eines unserer sozialen Probleme lösen.“ (Wilde) Das Selbstopfer fürs Kollektiv erweist sich nicht nur als die wahre Selbstsucht, sondern auch als gegen die Gattung gerichtet: „Denn die Entwicklung der Gattung hängt von der Entwicklung des Individuums ab, und wo die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit als Ideal abgedankt hat, ist das Absinken des intellektuellen Niveaus, wenn nicht gar dessen gänzliches Verschwinden die unmittelbare Folge.“ (Wilde) Und das vorgeblich so praktische und zielorientierte Tun erweist sich als in Wahrheit konfus und unpraktisch: denn es verlässt den Bannkreis des Notwendigen und Zwanghaften nicht, ja, es bestärkt dessen Macht umso mehr, je auftrumpfender und verblendeter es sich in seiner moralischen Selbstgerechtigkeit verhärtet und alle Selbstaufklärung abwehrt. Solange die Gesellschaft den Individuen als fremde äußere Macht entgegentritt, verkehrt sich die gute Intention regelmäßig in ihr Gegenteil und ist menschliches Handeln „nur blindes Tun, abhängig von äußeren Einflüssen und angetrieben von einem dunklen Impuls, von dem es selbst nichts weiß. Es ist seinem Wesen nach unvollkommen, weil es vom Zufall begrenzt wird, und unwissend über seine eigentliche Richtung, befindet es sich zu seinem Ziel stets im Widerspruch […] Jede unserer Taten speist die große Maschine des Lebens, die unsere Tugenden zu wertlosem Staub zermahlen oder aber unsere Sünden in Bausteine einer neuen Kultur verwandeln kann.“ (…) Die Misere des Sozialismus von seinen Anfängen bis heute war und ist stets zuverlässig abzulesen an seiner Verachtung aller autonomen, zweckfreien, in sich begründeten und eben darin gesellschaftlich bestimmten Kunst, weil sie die – prekäre und unvollständige – Emanzipation des Individuums von Blut, Scholle, Rasse, Kollektiv vorausträumt und ihr Ausdruck verleiht. Die Kunst, die sozialistische Bewegungen oder Regimes dann hervorbringen und fördern, eine Kunst, die „Partei ergreifen“, „Stellung beziehen“ und „gesellschaftliche Verantwortung“ dokumentieren soll, zerstört jedoch sich selbst und ihre Voraussetzungen. (…) „Kunst ist Individualismus und der Individualismus ist eine verstörende und zersetzende Kraft. Gerade darin liegt sein unermesslicher Wert. Denn was er aufzubrechen versucht, ist die Einförmigkeit des Typischen, die Sklaverei der Konvention, die Tyrannei der Gewohnheit und die Erniedrigung des Menschen auf das Niveau einer Maschine. (…) alle Künste sind amoralisch, ausgenommen die niederen Formen der sinnlichen oder belehrenden Kunst, die uns zu guten oder schlechten Taten anstiften wollen“ (…) Selbstsucht strebt immer danach, der gesamten Umwelt ein Einheitsmaß aufzuzwingen“ „Selbstlosigkeit bedeutet, andere Leute in Ruhe zu lassen, sich nicht in ihr Leben einzumischen […] Die Selbstlosigkeit weiß die unendliche Vielfalt als etwas Kostbares zu schätzen, sie akzeptiert sie, lässt sie gewähren und erfreut sich an ihr.“ (…) „Die erste Pflicht im Leben ist, so künstlich wie möglich zu sein. Die zweite Pflicht ist noch unbekannt.“(Wilde)
Ein Deutscher sei ein Mensch, der keine Lüge aussprechen könne, ohne sie tatsächlich zu glauben – Adorno
 „Nein, ihr habt nichts zu tun mit den Arbeitern. Mit Schweißgeruch. Mit Menschen in Maschinenhallen oder an Fließbändern. Mit Möbelpackern oder Heizungsmonteuren. Mit Schützenvereinen und Angelsportclubs. Mit Hauptschülern und sonntäglichen Kirchgängern. Nein, das Volk liegt euch nicht.“ Das ist die Argumentation der wahrhaften, der lafontainistisch-leninistischen Sozialdemokratie – die konsequente Steigerung von Arbeiter, Schweiß, Schützenverein und Alfred Tetzlaff immer weiter hinauf bis ins Volk hinein als dem ultimativen Gully allen deutschen Wahns. – Joachim Bruhn
Dummheit, nicht Denken, Ideologien, Moralismus, führen zum radikalen handeln. radikales Denken verhindert radikales Handeln.
„Es kommt in der Psychotherapie darauf an – mit temporärer Unterstützung – sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Wer mit einem Selbstbild lebt, für das die temporär klärende Rolle des Therapeuten eine unerträgliche Kränkung ist, der muß eben versuchen, alleine zurechtzukommen.“ – Hans Ulrich Gumbrecht

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Stupidity is demonstrated by people lacking the knowledge they could achieve

Political correctness can be defined as the telling of a lie out of the cowardice in an attempt to avoid upsetting fools not willing to face up to the truth

“In arguments about moral problems, relativism is the first refuge of the scoundrel.” Roger Scruton

Antisemitism is when one blames the Jews or Israel for issues, he does not blame others

Islam is less a religion and more a totalitarian society, an ideology that demands absolute obedience and tolerates no dissent, no criticism, and prohibits the thinking, knowledge and recognition. True Islam is totally different, the one who will find it will receive a very high reward.

Craziness is, when one always does the same but expects a different outcome

If a monkey thinks “I am a monkey”, then it is already a human

A man with roots should go for a pedicure

Self smugness leads to idiocy, being pissed off leads to enlightenment

If someone has something to say, he can tell it always very easily. If someone has nothing to say, he says it in a very complicated way

Addiction is, when somebody does something he wants to do, yet seeks someone who can make it so he won’t do it and doesn’t want to, either.

If the clever people always gave in, the world would be reigned by idiots. Too much “cleverness” makes you stupid.

If one only fights evil to protect life, one produces nothing good at all and such a life then becomes no longer worth living and thus requires no protection, for it is already unlived due to such a total protection. One can spend so much money on insurance, that one has nothing left to insure. Safety works in the same way.

Happy slaves are the worst enemies of freedom.

Creativity is an intelligence having fun.

If working makes you sick, fuck off, leave the work!

If Germans talk about morality, they mean money.

A man without an insight is just an anxious, aggressive, unhappy monkey.

Thinking is always trespassing.

The mob, who calls himself the people, does not discuss, just defames.

Legal is not always legitimate.

Who can not do without, lives unhappy.

So called social, culture sciences, sociology, psychology psychotherapy, psychoanalysis, are not anymore scientific, but immanent religious cult-prophets, organized as sects.

Without a strong opposition any apparent democracy atrophies to a tyranny, and as well a science , to an attitude of a religious sect.

You can recognize everything from a certain distance only, who is zealous, outraged, who sticks his nose in something, this one has lost the perspective, he recognizes anything more, he has only his imagination of the world in his head. This creates paranoia, which is called religion, and a religion as politics, even as a science.

Islamists are a real danger, therefore they will not be seen as such. Jews are not a danger, therefore they are seen as such. It is how the perception by cowards functions.

People without a sense of humor are able only to fear or to hate and become monks or terrorists.

People are not equal, each single person is unique.

Insight applies to everyone, including Muslims, Albanians, women and homosexuals.

Islam belongs to Germany, Judaism belongs to Israel.

The totalitarian Terror of consensus is ubiquitous in Germany.
There are no discussions anymore, but defamations only.
It is a culture of the mob. As it has already been.
Harmony is only if you do not communicate.

One should never go to bed with someone who has more problems than you already have.

>>Evelyn Waugh, surely the wittiest novelist of the past century, in World War II, coming out of a bunker during a German bombing of Yugoslavia, looked up at the sky raining enemy bombs and remarked, “Like everything German, vastly overdone.”<< Joseph Epstein

One has to be brave, to have a wit.

Stupid and dull belong mostly together.

Charlie Hebdo: you don´t care if such murders are comitted to Jews, we will see how “adequate” you will react when (when, not if), Islamists will begin to bombard your cities with Kasam missiles.

Christopher Hitchens: In a free society, no one has the right not to be offended.

The more someone narcissistic inflates , the more he feels insulted and provoked.

“The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt.” – Bertrand Russell

 The problem with the Islamists in Europe should be solved exactly as Europe requires to the Middle East: a two-state solution, a half for muslims and the another half for not-muslims , with a common capital.

What may satire? Everything! Except be understood by the fool, because then it was not a satire.

Islamimus is Islam preaching violence.

Islam is a religion of love, and he who doubts is dead.

War is peace. Freedom is slavery. Ignorance is strength. Islam is a peaceful religion of love – George Orwell 2015

Islam is not responsible for anything, Jews are guilty of everything.

Islamists are satanists. Islamism is a religion of idiots.

People feel always terrible offended if you do not believe their lies.
Everyone is responsible for his feelings.
Psychoanalysis is nobody’s business except the psychoanalyst and his patient, and everybody else can fuck off.
“Time is the echo of an axe
Within a wood.”
― Philip Larkin, Collected Poems

If someone inflates endless his ego, as Islamists do, then he hurts his own feelings already in his morning own shit.

The seven deadly sins of modern society. Wealth without work pleasure without conscience, knowledge without character business without morality Science without humanity, worship without sacrifice Politics without principles
-Mahatma Gandhi

“Where there is only a choice between cowardice and violence, I would advise violence.”
-Mahatma Gandhi

 Why Allah does not shows himself? Because he does not want  to do anything with such assholes.
When fascism returns, he will not say, ‘I am the fascism‘. No, he will say, ‘I am the anti-fascism Ignazio Silone.
Political correctness requires a language for a poetry album.
 Psychoanalysis is frivolous, or it is not psychoanalysis.
Colorful diversity, earlier: shit.
What can not any longer be changed, can not any longer be reformed, it is no longer alive, but very dead (instead). What is dead should be, has to be buried: religion, marriage, Romanticism, etc.
Romantic sucks.
 The reality is always stronger than illusions.
 A delusion is characterized by increasing loss of reality, and can be attested to today’s leaders in Germany and the mass media. Loss of reality describes the mental state of a person who is not (any longer) be able to understand the situation in which it is located. So you are ruled by madmen and manipulated by the mass media.
Totalitarianism can only be defeated if one has the courage to call things by their right names, just as they are. Political correctness prevents it promotes totalitarianism and political cowardice and political lie.
The Extinction: Islam is like the sun, who comes too close to him, will burn itself and will flare the rest of the world with him.
Islam does not want any submission! Islam wants victory, destruction and annihilation.
The world was not created just for you.
Time needs time.
What has God with us when he freely admits the devil more and more territories?
It’s not the biggest fear when you look into an abyss, but to note that the abyss looks back at you.
I is different.
Muslim´s headscarf is less annoying than German mothers with their pushchairs.
Prostheses people – look like women and men, but they are not.
Global governance the political repair operation begins to repair before something was created.
The extremely increased, ostensibly critical, actually demonizing, German interest in Israel and Jews is perverse.
The Nonanti-Semite is by the current German law an anti-Semite who defames, discriminates, delegitimizes Israel, Jews, , but do not supports expressis verbis the aim of the Third Reich, the Holocaust, the extermination of the Jews.

Heroes of today know nothing, can not and do not want anything. They just look like heroes, that’s all.

It may be that early fathers ate their children. Today, the mothers will eat anything, fathers, children and the rest. Everything Mommy, anyway!

Germany yesterday: the will to power.
Germany today: the will to blindness.
Germany tomorrow:

German psychoanalysis? Great, like German charm, German humor and German wit.

The resistance starts with its own language other than that of the dictatorship.

Smart phones for stupid people.

A leftist can, but do not have to be stupid.

If you do not blame states, when they commit suicide with millions victims , so why to blame a co-pilot with 149 dead?

Only the purity of the means justify the end.

An extreme narcissist is a potential terrorist, and every terrorist is an extreme narcissist.
Islamization means dementia.
Copy-shop as a psychoanalytic method today.
Psychoanalysis today is merely an imitation of a putative psychoanalysis, it has never existed, an unconscious cartoon, totem mask of itselves.
The revolution devours its fathers, not its children.

Everyone deserves a second chance. A second, not a twelfth, twenty-second or one hundred second.

In Poland, American intelligence officials  have tortured their prisoners, while the Polish courts ran trials of Polish intelligence officesr who tortured Polish prisoners.

Better have any manners, than no manners at all.
Direct violence against structural violence only a rationalization of their own desire as justification for their own wild, instinctual violence. Who delegitimizes structural violence of institutions of a democratic state and legitimizes direct violence against these institutions  gives any conceivable form of violence free hand, for any violence can be morally justified. The devil is a moralist. And a perpetrator of violence. Calls for violence are illegal in Germany.
National Socialists German Worker Party (NSDAP) was left, its fight against communists and socialists was not ideological, but it was a competition among equals.
Those who are not interested in art, to whom art means nothing, those are not interested in people, to those  people mean nothing. Because art is an expression of human feelings, art is love.
Some people look in the mirror and say, „The world is terrible, the world is evil,“ and begin to pursue this evil in the world, but not in themselves, destroy, eradicate. So other people, the other humans, what they do not want to be,  to exterminate, to liquidate.
1 x 1 materialist criticism: the aim must be to make appearances in a situation in which they are legible. (…) A new barbarism is always to be feared, is not directly powered from the spirit of National Socialism, but in the guise of democratic anti-fascism of learning from history and political correctness come along. (…) Defence of the open fascism by its democratic denazification and incorporation. (…) The Second World War was a culture industry Massenevent.(..) Specialization and diversification are a contemporary manifestation of massification and uniformity. (…) 

The different pigmentation of human skin is an objective fact, not a mere invention. (…) Breed today is the self-assertion of the bourgeois individual, integrated in the barbaric collective. (Clemens Nachtmann)

„Democracy is nothing more than the rule of the stick over the people by the people for the people. (…) There are three types of despots: the despot who enslaves the body, the despot who enslaves the soul and the despot who enslaves both body and soul. The first is called Prince. The second is called the Pope. The third is called the people. (..) If you want to lead the people, you are forced to follow the mob. (…) The first duty in life is to be as artificial as possible. The second duty is still unknown. Oscar Wilde

 

A German is a person who can speak no lie, without actually believe Adorno

 
Stupidity, not thinking, ideologies, moralism, lead to radical acting. radical thinking prevents radical action.
The main reason of a psychotherapy is – with temporary support of the psychotherapist –. to take his own destiny in own hands.  Who lives with a self-image that the temporary clarifying role of the therapist is an intolerable insult, he must to try to cope with his life alone.“Hans Ulrich Gumbrecht

 

Buchkritik: Haruki Murakami – Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Murakami

Haruki Murakami – Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

 

Weiß bis Schwarz – gibt Grau?

 

Gedankenspiele in die absolute Leere. Murakami war schon besser. Sein neuestes Werk ist bemüht, hat merkwürdig uninteressante Nebenerzählstränge, die weder die Hauptaktion noch die weitere Entwicklung schlüssig beschreiben. Es fließt nicht. Bereits der Einstieg ist künstlich. Fünf Freunde, die sich außergewöhnlich gut verstehen und plötzlich ohne Vorwarnung der Hauptfigur gemeinschaftlich die Freundschaft kündigen. Keine Erklärung.
Und der Totgeweihte, der Aura und Leuchten seiner Mitmenschen sehen kann und nach einem passenden Opfer sucht, dem es seinen Todesstab übergeben kann; Staffellauf mal anders.
Die gewerkelte Handlung ist langweilig und man verliert schnell und ohne Nachwehen das Interesse. Und dann die unnötigen Sexfantasien, die an die späten Jahre Picassos erinnern. Werden ältere Männer immer so. Ist das die kanalisierte Angst vor der Impotenz. Ein letztes Aufbäumen. Die Hauptfigur ist nicht nur blass, weil sie im eigenen Namen kein Zeichen (jap.) für Farbe trägt wie die anderen Figuren, sie entwickelt auch keine Persönlichkeit, bleibt indifferent und abperlend. Der Autor versucht Themen wie Tod, Einsamkeit und Angst in einer Geschichte abzuhandeln, die aus sich heraus aber nicht fließt. Es kommt einer Abrechnung gleich, einem letzten, großen Kraftakt. Zu viel. Kann hiernach noch etwas kommen. Die Hauptfigur ist überfordert, denn man verpasst ihr die Flexibilität eines Chamäleons, dessen Farbdrüsen verstopft zu sein scheinen. Es bleibt ein pelziger Belag im Ohr, viele kleine ungewollte Nickerchen beim Zuhören, die einen aber leider nicht den Faden verlieren lassen, sondern nur zu schlechten Träumen und unglücklichen Beklemmungen beim Erwachen führen. Dieses Buch wird ihm nicht gerecht. Aber jetzt heißt es durchhalten, denn einige CDs wollen noch gehört werden. Wie haben sie ihn in den Himmel gehoben, ihm den nächsten Oscar für Schreiber verliehen. Das hätte einen stutzig machen müssen. Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass die Hauptfigur nicht an der Aufklärung der eigenen Misere interessiert zu sein scheint und alles laufen lässt. Dem Hörer / Leser wird viel Geduld abverlangt.

Die letzten CDs bleiben ungehört. Zu viel Enttäuschung über die ungelenken Textversuche.

Punktum, der Inhalt ist gekünstelt, nicht gefällig oder selbstverständlich. Es sollte wie bei einem Bild sein: Man betrachtet es und fühlt sich wohl, es ist stimmig. Schade.

 

2014 © by Christiane Linke

Theaterkritik: Die Frau, die gegen Türen rannte

Die Frau die gegen

Die Frau, die gegen Türen rannte

 

Die Bühne ist schlicht weiß. Man spielt mit Lichteffekten. Paula ist blondiert, trägt einen Plastikpullover, einen Jeansrock und bewegt sich kantig. „Egal was ich tat, ich war eine Schlampe. Ich weiß nicht, woran es lag. Ob an meinen Beinen, meinen Haaren oder meinen großen Brüsten. Ich sah, dass meine Lippe blutete. Ich war gestürzt. Ich war doch gestürzt? Der Alkohol betäubt. Noch ein Schlückchen und ich bin wieder jung. Vier Kinder und kein Job. Es fing alles so schön an.“ Er fragte: “Was ist mit Deinem Auge?“ Ich sagte: “Ich bin gegen eine Tür gelaufen, aber es ist ok, das passiert eben.“ „Ja, du musst besser aufpassen, mein Schatz.“ Dieses Schwein, denkt sie, jetzt ist es schon so weit, dass er unsere halbwüchsige Tochter anguckt. Er muss weg, endgültig. Paula nimmt die Bratpfanne und schlägt zu. In dem Schlag ist die Ohnmacht und Wut aller gelittenen Jahre. An die Achtziger kann sie sich nicht erinnern, zu viel Liquid. Er verlässt anstandslos das Haus. Es ist so einfach, warum hat sie es siebzehn Jahre lang ertragen. Die Tochter fragt: “Was wird nun?“ „Das weiß ich nicht“, sagt Paula.

Die Akteurin leuchtet bis fast in die tiefsten Abgründe. Eckig, einfühlsam und echt spielt Bettina Hoppe Milieu und Klischee der Paula Spencer. Die existentielle Angst wird mit Alkohol und Tanz betäubt. Und dann ein Grund, den sie nicht ertränken kann. Sie schlägt zurück. Ein einfühlsames, aber vor allem ehrliches Einfrauenstück über Identität, Krisen und Kraft. Man denkt unweigerlich an Film Noir.

 

2014 © by Christiane Linke