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Die Stadt als Beute

Medianeras
Georg Seeßlen
Die Stadt als Beute
Von Gentrifizierung, Wutbürgern und der Hometown als Marke: Abschweifungen über Stadtplanung in Neoliberalismus und Postdemokratie. Erster Teil.
1 Stadtplanung, wen wundert es, zielt schon lange nicht mehr auf die »Lebensqualität« der Menschen, sondern auf die »Belebung der städtischen Wirtschaft«. Der der Stadtplanung innewohnende Widerspruch hat daher weniger mit den zornigen Bürgerinnen und Bürgern zu tun, die die Vernichtung ihrer Stadt mitansehen müssen – der Widerspruch steckt in den zwei Tendenzen des Neoliberalismus: der Ökonomisierung des öffentlichen Raums und der Privatisierung der einstigen commons. Das Konzept einer ökonomisch sinnvollen Gestaltung der Stadt bricht sich an den »anarchischen « Interessen der Immobilien- und Bauwirtschaft, die statt miteinander eher gegeneinander planen und bauen: Die Privatisierung, das andere Gesicht der Gentrification, nimmt die Verelendung der Stadt, ökonomisch wie kultu- rell, nicht nur in Kauf, sondern erzeugt sie. Hilflos wirken dagegen die Versuche einer menschlichen Re-Urbanisierung: mehr Radwege hier, mehr »verkehrsberuhigte« (Einkaufs-)Zonen dort. Ökonomisierung und Privatisierung machen die Stadt zur Beute. Zumal auf absehbare Zeit die Lebensweise des Mittelstands im »modernen « Kapitalismus, Suburbia und Einfamilien- Schlafdörfer im »Einzugsbereich«, veröden und verelenden wird, weil das Pendlersystem aufgrund der gestiegenen Energiekosten und der Verkehrsinfarkte absurd wird, aber auch, weil die kulturelle Verelendung in dieser Lebensweise kaum zwei, drei Generationenübergänge möglich macht. Zurück also in eine Stadt, die zur Falle wird.
Die Stadt will sich »attraktiv« machen für jene Unternehmungen, die Steuergeld einbringen, und jene Mitarbeiter, die geballte Kaufkraft auch im Luxussegment bieten (sie ökonomisieren damit »Urbanität«). Um diese Wunschbewohner anzuziehen, putzen sich die Städte gerne heraus, man verspricht ihnen günstige ökonomische Bedingungen sowie kulturelle Anreize, die zugleich Schlüssel für den wachsenden Städtetourismus sein sollen. So ist verständlich, warum wir inmitten einer Krise, die zum Vorwand dient, an Sozialleistungen und »gewöhnlichen« kulturellen Dienstleistungen (Bibliotheken, Archive, Museen, Theater etc.) zu sparen (und wenn es sein muß, was häufig der Fall ist: kaputtzusparen), einen Boom an monströsen Kulturbauten erleben. In Rom gehen die Bestände der nationalen Bibliothek kaputt, weil man weder vernünftige Klimaanlagen einbauen noch restauratorische Mindestleistungen bezahlen mag; gleichzeitig entsteht nur ein paar hundert Meter weiter ein Megagebäude, das eine »europäische Bibliothek« aufnehmen soll. Die Dialektik von Verfall und Neomonumentalismus, die man in den Quartieren der Städte beobachten kann, setzt sich in den Kulturbauten fort. Das kulturelle Gedächtnis von Regionen und Segmenten wird vernichtet, die Selbstdokumentation der Sieger dagegen nicht zuletzt mit den berühmten Steuergroschen bis zum Größenwahn forciert. Kultur und Architektur in der neoliberalen und postdemokratischen Stadt dienen den Siegern von Neoliberalismus und Postdemokratie.
Wenn man den neuen Bürgern, den Besserverdienenden und »Leistungsträgern« in Ökonomie und Technologie, und den Touristen mit dem offenen Portemonnaie, so entgegenkommt (günstige Kredite, Steuervorteile und Infrastruktur auf der einen Seite, Wochenendpässe, Package-Angebote und Hotelschnäppchen auf der anderen), muß ein Preis gezahlt werden, und den entrichten die »gewöhnlichen« Bürger, die »Alteingesessenen«. Schon beim unteren Mittelstand mag das beginnen: Bringt nichts ein, muß weg. Ab in die neuen Ghettos, wo er sich mit »Loser-Migranten«, Hartz-IV-Empfängern und neuen working poors mischen soll, zu einem Gemenge, das die postdemokratische Regierung zum »Abschaum« erklärt, sobald es sich rührt. Die repressive soziale Entmischung der Stadtbevölkerung ist eine ziemlich exakte Abbildung jener modellhaften Schere zwischen Arm und Reich, die sich immer weiter auftut, aber auch jener, die, weniger beachtet, sich dafür um so schneller zwischen dem auftut, was »uns allen« und dem, was einigen wenigen Privilegierten gehört. Die sich privatisierende Stadt vertreibt nicht nur die Armen und die Verlierer, sie vertreibt auch alles Gemeinsame und Öffentliche oder sperrt es in die Museumsquartiere.
2Diese neue Stadt interessiert sich nicht sonderlich für Großindustrie eher schmutziger und eintöniger Art, weil die viel weniger Mehreinnahmen bringt als kleine »elegante« Firmen und Dienstleister, weil sie das Gesamtbild stört und, in der Abwertung der Arbeit im Neoliberalismus absehbar, auf ein Reserveheer der Sozialhilfeempfänger, der Unterstützungsbedürftigen, der kaufkraftlosen Rentner und der Freigesetzten zurückgreift. Aber schon eine proletarisch-kleinstbürgerliche Kultur – zu schweigen von einer Ballung gewerkschaftlicher Aktivität – ist nicht sonderlich erwünscht. Attraktiver erscheint da eine neuere Kultur, die sich aus der Verschmelzung universitärer, politischer und privatwirtschaftlicher Institutionen ergeben hat: das »Forschungszentrum«, der »Innovationspark«, der »High Tech Cluster«. Der größte Anreiz für die Bildung solcher Konglomerate in den neuen Städten war ebendies: Die »geschmeidige Verbindung« von Politik, Ökonomie und Wissenschaft, stets begleitet von einer wundersam unverdächtigen Maskerade der Kultur, Kulinarik und Kommunikation, die einen neuen öffentlichen Raum simuliert. Die Stadt allein bietet die Bühne für diese Verbindung, in der Geld, Macht und Architektur »organisch« aus den drei Sektoren ineinanderfließen. Die vier Zentren der neuen Stadt, Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur, errichten ein neues Objekt- und Sozialnetz. Wer sich in diesen Beziehungen nicht verorten kann, hat in der Stadt nichts zu suchen.
Das jedoch macht die neue Stadt anfällig, denn wenn eines der vier Zentren in die Krise gerät, droht das ganze System zu zerbrechen, und schon verödet wieder eine Gegend. Was nichts weiter macht, denn eine verödete Gegend ist das perfekte Angebot für die nächste Spekulationswelle. Eine neue Methode, diese wechselseitige Abhängigkeit der Segmente abzufedern, war die »Verclusterung« der achtziger Jahre: Eine scheinbar natürliche Tendenz, die Suche einander verwandter Unternehmungen nach räumlicher Nähe, haben die Städte politisch gefördert und erweitert. Damit entstanden zwar politisch und ökonomisch überidentifizierte Städte und Regionen, Monokulturen im sozialen Alltag und in den Verkehrsformen, Städte in den Städten, Welten in der Welt, wie Silicon Valley, von denen sich ein Boom-Gefühl auf andere Segmente ausbreitete, die aber zugleich auf zyklischen Zusammenbruch geradezu programmiert waren: »Die Gewinner-Cluster von heute können die Verlierer-Cluster von morgen sein«, schreibt der kanadische Ökonom Mario Polèse in seinem Essay »High-Tech Parks, Cluster und lokale Ökonomien. Vom Kommen und Gehen der Stadtentwicklungsideen« (»Merkur « 3/2012). »Eine ganze Entwicklungsstrategie auf ein einziges Cluster zu bauen, ist genauso riskant wie das Zusammenstellen eines Investment- Portfolios aus ein oder zwei Aktien. Die Geschichte zeigt deutlich, daß Politiker noch schlechter darin sind, die Gewinner herauszupicken, als Banken – und das will heutzutage etwas heißen.«
3Sowohl aus der vertikalen Ballung von politischen, ökonomischen, wissenschaftlichen und kulturellen Räumen als auch aus der horizontalen Ballung von »Clustern« entspringen neue Widersprüche zwischen dem Geplanten und dem »Gewachsenen«. So erleben wir in den neuen Städten die Errichtung von »peripheren Zentren«, Komplexen, Parks und Clustern, die schneller wieder verfallen, als sie entstanden sind. Doch wir dürfen sicher sein: Einige Leute haben prächtig an dieser urbanistischen Totgeburt verdient, und einige Leute haben dabei ihre Macht erweitert (und sei es die regionale Mafiazentrale). Ohnehin gehen die Cluster früher oder später am eigenen Erfolg zugrunde, denn dieser Erfolg treibt Ansprüche und Löhne nach oben, so daß eine Umsiedlung ebenso wahrscheinlich ist wie ein Übersprung zu einem anderen globalen Cluster oder zu einer anderen Ansammlung von politischen, ökonomischen, wissenschaftlichen und kulturellen Räumen.
4Wie in der Kulinarik eine (mythische) Vorliebe für »regionale Küche«, so entwickelte sich als Gegenmodell eine »lokale Ökonomie«, die im Gegensatz zum Cluster und zum politisch- ökonomischen Konglomerat versprach, »Wurzeln zu schlagen«, »nachhaltig« zu wirken. Prompt wurde in den feuilletonistischen Begleiterscheinungen das Wort Heimat reaktiviert. Für die neue Stadt war es nun nämlich nicht mehr erstes Ziel, die begehrten Einwohner anzuziehen, sondern sie zu behalten, um aus dem destruktiven Zirkus der wechselseitigen Abwerbung des begehrten Menschen- und Firmenmaterials auszusteigen. In dieser Strategie, die nichts anderes war als ein Versuch, das Scheitern der vorangegangenen Strategien mit etwas Positivem und irgendwie Heimeligen zu füllen, wurde Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen zu einer notwendigen performativen Ergänzung. Der Neomonumentalismus der Staats- und Museumsbauten suchte nun, im Gegensatz zu den frühen achtziger Jahren, eine Zustimmung bei den Bewohnern, ein Identifikationsangebot. Umgekehrt wurde nach und nach und mit zunehmender Heftigkeit ein neuer Widerspruch sichtbar: der zwischen den ökonomisch-privatisierenden Interessen, den »geschmeidigen« Verbindungen zwischen Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur, auf der einen Seite und den Bürgerinnen und Bürgern, die mit der »Gemeinwesenentwicklung«, der »Stadt als Heimat« und der »lokalen Ökonomie « eigentlich gemeint waren, ja, die (wenigstens imaginäre) Subjekte dieser Entwicklung waren. Während anhaltender Protest etwa gegen das Tunnelprojekt TAV in Italien vorwiegend aus Gründen des Umweltschutzes und einer universalen politischen Geste gegen den Politik/Mafia/Ökonomie-Fortgang entsteht, drückt der Konflikt um »Stuttgart 21« bereits den Widerspruch zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Bürgerideal der »lokalen Ökonomie « aus: Es offenbarte sich, daß es sich bei diesem dritten Modell genauso wie bei den beiden Vorgängern um einen gewaltigen Betrug handelt. Entsprechend gingen für das Stuttgart-21- Projekt vorwiegend jene BWL-Studentinnen und -Studenten auf die Straße, die sich »gut vorstellen können«, auf »attraktive Angebote« aus dem Ausland oder wenigstens anderer Städte zu reagieren. Lokale Ökonomie ist nur eine Maske, unter der sich erneut geschmeidige Vermischungen von Politik und Ökonomie vollziehen.
5Der Bürger und die Bürgerin, die sich gegen Entwicklungen in »ihrer« Stadt wenden (ein Segment der medial erfundenen »Wutbürger «), sind also nicht zuletzt das Ergebnis einer neoliberalen Stadtentwicklung, die Bürgerinnen und Bürger auf einer »unterhaltsamen« Ebene mit einbeziehen will (und brutal reagiert, wenn sie es auf einer politischen Ebene tun). Die Stadt in dieser dritten Phase ihrer neuen Entwicklung will nicht nur Spektakel für die begehrten Personen, Firmen und Institutionen und für kontrollierbare und kontrollsüchtige Touristenströme sein, sondern auch Spektakel für die Bewohner selbst, eine karnevalisierte Feier der Lokalbürgerlichkeit und Identitätshuberei, der Kiezmythologien und Stadtevents. Damit ist ein neuer Widerspruch entstanden: Zunächst sorgte der Widerspruch zwischen der geplanten Ökonomisierung und der »anarchischen « Privatisierung (nebst einer ins Absurde gestiegenen Verfügungsmacht der Konzerne über die Städte, denen, wenn sie eine Stadt oder ein Segment davon »haben wollen« keine Politik widerstehen kann oder will) für eine chaotische, von immer rascheren Zyklen von Zerfall und Gentrifizierung geprägte »wüste« Stadt; dann erzeugt der Widerspruch zwischen den Spektakeln einer populistischen Identitätspolitik und mythischer »lokaler Ökonomie« (sie drückt sich architektonisch am besten in Sportstätten aus) zu den wirklichen Interessen der Stadtbewohner für vorhersehbare Konflikte. Als wahre Katastrophe zeigte sich das bei der Love Parade in Düsseldorf, wo das Identitätsspektakel gleichsam quantitativ ins Größenwahnsinnige kippte und die Verantwortlichen ihre Schuld nie verstehen konnten; ein andermal erscheint der Widerspruch als soziale Katastrophe wie in Stuttgart, wo die mafiösen Interessen mit einer solchen Gewalt durchgesetzt werden, daß ein nicht unerheblicher Anteil der Bevölkerung für die magische Einheit von Stadt und Bewohnern verloren ist: Unsere Stadt ist eben nicht eure Stadt, und die Stadt als Wirtschaftsraum ist das Gegenteil der Stadt als Lebensort.
Die Occupy-Bewegung entstand nicht zuletzt aus dieser Entwicklung der Stadtentwicklung; sie will die Stadt nicht durchstreifen, sondern besetzen. Sie macht mit einem frivolen Angebot der urbanen Identität als Spektakel einen politischen Ernst, der sich freilich auf eine traditionelle Linke kaum verlassen kann, war diese doch in großem Umfang auf das Versprechen einer »Gemeinwohl«- und »Lokal«-Entwicklung hereingefallen und hatte sich in den Institutionen dieser Selbstdarstellung der neoliberalen Stadt als »kreative Heimat« recht gut eingenistet.
6Aber auch diese dritte Phase der neoliberalen Stadtentwicklung gehorchte einem umfassenderen politisch-ökonomischen Strategem, nämlich der weiteren Abwälzung sozialer und kultureller Aufgaben durch den postdemokratischen Staat. Einer der absurden Slogans, unter denen dieser Prozeß verkauft wurde, war der von Berlin als »arm aber sexy«. Ganze Städte werden auf diese Weise dem weiteren Verlauf der Privatisierung geopfert; sie werden ihrem Schicksal so überlassen, wie der einzelne in der postsozialen Marktwirtschaft seinem Schicksal überlassen wird. Den Stadtregierungen bleibt in diesem Stadium meist gar nichts anderes übrig, als so viele Projekte wie möglich zu privatisieren, politisch-ökonomische Mischfinanzierungen zu erzeugen, der »Privatwirtschaft« immer weitere Bereiche der Stadtentwicklung kampflos, was sagt man: freudig zu überlassen.
All das kumuliert im vierten Status der neoliberalen Stadtentwicklung, den man unter dem Motiv »Stadt als Marke« zusammenfassen könnte. Nun bietet die Stadt der Wirtschaft und ihrer Entourage nicht mehr allein Gebrauchswert (gute Infrastruktur, Steuererleichterung, geschmeidige Vernetzung von Politik und Ökonomie etc.), Tauschwert (Lebensqualität, wie sie die Managerklasse und ihre Phantome eben so brauchen, Cluster und Verbindungsarchitekturen von Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur) und Symbolwert (»Attraktivität«, »Kultur«, »Lebensart«, die geeignete Bühne der Performance etc.), sondern auch etwas, was das alles zusammenfaßt und zugleich tiefer geht: ein Identitätsangebot für das entleerte und erkaltete Subjekt, die Stadt als »Sinn« und als »Seele«. Dabei ist es beinahe gleichgültig, wie groß der reale Rest einer solchen Fiktion noch ist und mit welchen Mitteln diese erzeugt wird.
In der vierten Phase der neoliberalen Stadtentwicklung wird die Stadt zu einer »Erzählung « oder zu einem »Bewegungsbild«. Daß also von den Bewohnern gefordert wird, sich nicht mehr mit ihrer Stadt, sondern mit dem Bild ihrer Stadt zu identifizieren, machen solch sonderbar wahrhaftige Ereignisse wie die Bewerbung einer Stadt für ein großes Sportereignis deutlich: Es macht vielen Bewohnern so wenig aus, Teil einer großen Lüge zu sein, wie es Fernsehzuschauern ausmacht, die Wirklichkeit in Form von Reality serviert zu bekommen. Der Bewohner der Markenstadt ist ein Komplize geworden in einem politisch-ökonomischen Komplott. Er wird vom Bürger zum Darsteller eines Bürgers (und wenig wundert der Feuereifer, mit dem er dies oft wird, weil er sonst nichts Sinnvolles mit seinem Leben anfangen kann).
Zu dieser Strategie gehört es, Städte in das Spiel um »Hitparaden«, »Ranglisten« und »Ratings « einzubeziehen. Das Leben in der Stadt wird zur immerwährenden Castingshow, und wer sich hier danebenbenimmt, darf mit Nachsicht nicht rechnen.
7Um zwei Pole stabilisiert sich diese Rekonstruktion der Stadt als Marke: Das (gentrifizierte) »Volkstümliche« (ein paradoxer, indes unaufhaltsamer Einbruch des Provinziellen, Reaktionären und Antiurbanen in die Großstadt) und die »popularisierte«, eventorientierte Kunst, der die regeste urbane Bautätigkeit in der neoliberalen Stadtentwicklung gilt, weil sie die geschmeidigste und »unschuldigste« Verbindung von Ökonomie und Politik ermöglicht. Neue Museen tragen, die nötige Mediendramaturgie vorausgesetzt, zur Markenbildung einer Stadt so entscheidend bei, wie sich der Pakt von Regionalpolitik und Privatwirtschaft das adäquate Denkmal setzt, während sich die gleiche Verbrüderung auf dem Volksfest, im Karneval und beim Großsport als Spektakel für die niederen Schichten wiederholt. Die Kunst im Markenerzeugnis einer neoliberalen Stadt besteht darin, die beiden Segmente Volkstümlichkeit und Kultur nicht einander ins Gehege kommen zu lassen. Man arbeitet an Dresscodes, die mit beiden Sphären kompatibel sind, und man arbeitet an Architekturen, die – in Nachfolge der allzusehr an der »industriellen Phase« der Städte haftenden Mehrzweckhallen – sich beiden Sphären öffnen, das eine dem anderen zumindest nicht mehr widersprüchlich erscheinen lassen: Das neue Museum soll wenigstens auch jene mit Stolz auf »ihre« Stadt erfüllen, die nicht vorhaben, es zu betreten. ? – 
Georg Seeßlen hat gerade, zusammen mit Markus Metz, die Bücher Wir Untote. Über Posthumane, Zombies, Botox-Monster und andere Über- und Unterlebensformen in Life Science & Pulp Fiction (Matthes & Seitz) und Erhebt Euch! Postdemokratie, Neoliberalismus und ziviler Ungehorsam (Laika) veröffentlicht
Konkret 04/12, S. 44
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Konkret 05/12, S. 56
Georg Seeßlen
Das Geisterhaus
Abschweifungen über Stadtplanung in Neoliberalismus und Postdemokratie. Zweiter und letzter Teil: Bauwut und Virtualisierung.
1 Die neoliberale Stadt will attraktiv für Personen, Firmen und Institutionen sein, die vom Neoliberalismus profitieren, und sie will nun dieses »Humankapital« binden. Jede Marke lebt nicht allein davon, daß sie ein Glücks- und Sinnversprechen ist, sondern auch davon, daß sie die anderen neidisch macht, daß der Markenträger sich mit einem, der die gleiche Marke trägt, versteht, und der Gebrauch der Marke generiert umgekehrt ein Ausschlußverfahren. Die Stadt als Marke zur Selbstidentifizierung hierarchisiert (etwa über die Immobilienpreise, die nicht mehr allein durch Angebot und Nachfrage, sondern durch ebendiesen Markenwert bestimmt werden).
Einer Stadt als »guter Marke« muß eine soziale Praxis also gar nicht mehr entsprechen. Die Marke Berlin, London oder Helsinki wird aus dem Inneren ebenso wie aus dem Äußeren erzeugt, so wie man Bilder, die die Marke einer Stadt generieren, nur sehr selten zu Gesicht bekommt, wenn man in ihr lebt. Kunst und Kultur, Toleranz in Sachen Genuß, Sex und Sitte ebenso wie die Pflege großer Traditionen, »Lebendigkeit « und Möglichkeiten der »gehobenen Freizeit« (das Vergnügen für den Nachwuchs nicht zu vergessen) gehören dazu und geben diesen Städten ein »Flair«, auf das selbst die kritischeren und dissidenten Zeitgenossen gelegentlich hereinfallen. Das Nebeneinander von verschiedenen Lebensstilen gilt als Ausweis von kosmopolitischer Ausstrahlung. Die Politik investiert in Kunst und Kultur wie in eine Wurst, mit der man nach einer Speckseite wirft. Man glaubt, eine kulturell attraktive Stadt führe automatisch zu einer ökonomisch erfolgreichen Stadt (und die Kunst, die man so fördert, hat schon das Begehren nach diesem ökonomischen Erfolg in sich).
2 Die vier Modelle der neoliberalen Stadtentwicklung – postindustrielle Ballung, Cluster, populistische Spektakel und Stadt als Marke – haben zwar nacheinander Konjunkturen, existieren aber mittlerweile mit- und gegeneinander, bilden Sphären aus, verdrängen, ja vernichten einander, nur um gleich wieder an anderer Stelle den Kampf oder die Komplizenschaft aufzunehmen. Eins der Symptome dieses Spannungsverhältnisses sind die zunehmenden Proteste der Bürger, die sich um die ihnen gemachten urbanen Versprechungen betrogen sehen, ein anderes die Exaltationen des Neomonumentalismus: Städte liefern sich in einem globalen Wettbewerb Schlachten um die größten, höchsten und schrägsten Gebäude. Diese Gebäude, wie der 310 Meter und 72 Stockwerke hohe Glasturm The Shard inmitten Londons, sind keine neuen Dominanten, die das Bild einer Stadt mählich verändern; ihr einziges Ziel scheint es zu sein, den Triumphalismus ihrer Erbauer zu einer Unterwerfung der »alten Stadt« zu mißbrauchen. Der Neoliberalismus, der keine Vergangenheit mag, wenn man sie nicht in ein Disneyland verwandeln kann, arbeitet hier paradoxerweise auf eine Zukunft hin, die für den Rest der Welt ohnehin nur apokalyptisch sein kann. Der »Immobilienentwickler« und »Investor« Irvine Sellar bekennt stolz, sein Hochhaus werde London »für Jahrhunderte verändern«. Hier baut sich die Macht, die keine Rücksicht auf das Vergangene und Gegenwärtige mehr nehmen muß (und will), ihr Denkmal. Doch der Neoliberalismus, der sich auf solch aggressive Weise zu erkennen gibt, ruiniert fachgerecht die anderen (illusionären) Eckpunkte der Stadtentwicklung, das Privatinteresse der ökonomischen Oligarchie obsiegt so sichtbar über das Gemeinwohl und den Konsens, daß das Bild der Stadt zerfallen muß. Es handelt sich um einen Krieg der Marken: Die Marke Sellar/Renzo Piano übermalt die Marke London. Aber auch dieser Glasturm erfüllt perfekt die beiden Aspekte des neoliberalen Bauens: Er ist einerseits Paradies für die Oligarchen selber (inklusive Swimmingpool mit Panoramablick im 52. Stock, »exklusiver« Restaurants und Bars, eines »Luxushotels«), und er soll andererseits eine Attraktion für die medialisierten (Touristen-)Massen sein. Distinktion und Konvergenz in einem.
Die Bauwut, die den politisch-ökonomischen Komplex in den Finanzmetropolen ergriffen hat, wird weithin als Zeichen des Triumphs nach der Krise gedeutet. Kritische Zeitgenossen erkennen in der »ordinären« Dominanz solchen rücksichtslosen Bauens allerdings eher ein spätes Symptom dieser Krise, noch vor den Erzählungen vom ökonomischen Scheitern dieser Bauwerke, von denen so viele von vorneherein zu einem erschütternden Gespensterdasein verurteilt scheinen. Die Allianz zwischen dem »ordinären « Investor und dem »kultivierten« Architekten verlängert diese Krise ins Unendliche, es ist eine öffentliche Unterwerfung der Ästhetik unter das Geld. Die Bauwut wurde schon immer in den großen Erzählungen als Vorzeichen der Katastrophe gewertet, vom Turmbau zu Babel über die Märchenschlösser des bayerischen Königs Ludwig II. bis zu den Twin Towers: Architektonische Hybris und Zerfall folgen einander, wie man so sagt, relativ zeitnah.
The Shard (Die Glasscherbe) zeigt ein Bauen des think big, das auf einen Zusammenhang mit dem Common Sense pfeift. Mag Renzo Piano immerhin ein architektonisches Werk eigener Art gelingen, eine Mehrzahl der Postkrisenarchitekturen des Neomonumentalismus erscheint weniger als großer Wurf denn als eine ins Überdimensionierte gesteigerte Kleinkariertheit.
3Eine Gesellschaft der Rücksichtslosen baut rücksichtslos, so what? War etwa früher alles besser? Wäre die moderne Stadt möglich geworden ohne rücksichtslose Eingriffe von Architektur, Politik, Ökonomie, wenn es sein muß, Polizei (und es mußte öfter sein, als unsere Stadtgeschichten es glauben machen wollen)? Auch das think big früherer Epochen war ökonomisch, nur eben nicht neoliberal. Das heißt, es ging um zusammenhängende Räume zum Leben, Arbeiten und Wirtschaften, das Konzept sah Grenzen und Beziehungen vor. Die neoliberale Stadt kann gar nicht mehr groß, nicht einmal mehr »urban« gedacht werden; ihre großen Projekte können nur entstehen, weil ihre Eigner/Entwickler einen Raum benutzen, den die geschmeidige Verbindung von Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur geschaffen hat, um in ihm zu wüten. Die Bewohnbarkeit ist gar kein Ziel dieser Stadt mehr, und das geheime Ziel vieler Gebäude scheint darin zu bestehen, den Raum zwischeneinander zu leeren, von Menschen, am Ende gar von Luft. Die neoliberale Bauweise in diesem Stadium richtet sich nach innen; daß das Gebäude, immer mehr autonom, überlebens- und entwicklungsfähig ist, wird bezahlt mit der Entlebendigung des Umfelds. Diese Türme bewachen nicht mehr die Stadt, sie bewachen vielmehr die Insassen gegen die Stadt.
Gehe durch die Stadt. Dort, wo sie neoliberal umgestaltet ist, gibt es nichts mehr zu sehen. Zu Hause bist du nur in dem Drinnen, das die Security bewacht; draußen findet das Abweisende sein Zeichen. Hineinsehen sollst du in die untersten Etagen, dort arbeiten Menschen wie du. Die von oben kannst du nicht mehr sehen. Denen in den obersten Stockwerken gehört die Stadt, sie schauen darauf wie auf ein Spielzeug herab. Eine oligarchische Gesellschaft braucht oligarchische Bauwerke, so what?
4Architekten wie Hans Kollhoff beklagen sich: »Wir leben in einer Gesellschaft, die es offenbar aufgegeben hat, schöne Städte zu bauen oder auch nur zu erhalten. Man hat es aufgegeben, weil man glaubt, es sich nicht leisten zu können«, schreibt Kollhoff in »Cicero« 2/12. »Man gibt das Geld offenbar für Wichtigeres aus und leistet sich eine Verwahrlosung, die jedem empfindsamen Menschen, der sich dem Blick zurück nicht verschließen will, die Schamröte ins Gesicht treiben muß. Um so lauter wird das Hohelied der Zukunft und des Fortschritts gesungen, und die Slums werden gepriesen als Ankunfts- und Aufstiegsquartiere. « Aber hörten wir je von einem Architekten, der einen lukrativen Auftrag oder einen, bei dem er »seine Visionen verwirklichen« konnte – scheiß auf den Rest – , abgelehnt hätte? Oder von einem Baureferenten, dem Ästhetik wichtiger war als Ökonomie? Und wie sollte es anders sein? Die neoliberale Stadtentwicklung ist nichts anderes als Klassenkampf in Beton, Glas und Stahl, und an die Stelle einer Stadt der Klassen (samt prekären Übergängen und gefährlichen Mischzonen, wagemutigen Übergriffen und abenteuerlichen Exkursionen) ist eine Stadt getreten, die die neuen Klassen erzeugt und der ökonomischen Oligarchie freien Raum für ihre einzige Passion bietet, einander zu überbieten und auszustechen. Ein neoliberales Bauwerk gibt nicht etwas zu sehen oder öffnet gar Blickachsen und Räume, ein neoliberales Bauwerk hat die Macht, den Blick zu verstellen. Radikal.
5Der Kulturbau indes wird zur letzten Rettung der untergehenden Industriestadt: Alle alten Industrieanlagen werden in Kulturstätten verwandelt, eine dekultivierte Gesellschaft wird mit Kultur überfüttert. Wer soll das alles ertragen? Die Metalegende dafür bietet das Guggenheim-Museum, mit dem Frank O. Gehry der öden Industriemonopole Bilbao »neues Leben« eingehaucht habe. Peter Eisenmans Ciudad de la Cultura in Santiago de Compostela folgte: Kulturarchitektur als Rettung vor dem Versinken in Bedeutungs- und Sinnverlust. Im Gegensatz zu den neuen »babylonischen« Türmen in den Städten entstanden hier übertheoretisierte und überteuerte Komplexe von täuschender organischer Sanftheit. So wie hier der Turm die Stadt überragen (und damit unbrauchbar machen) soll, so wird sie hier negiert. Dem Blickwachturm des Neoliberalismus steht der Einkehrtempel des Neoliberalismus gegenüber, der nicht weniger maßlos ausfallen darf. Offenbar ist in beiden Formen des neoliberalen Bauens innere und äußere Leere einkalkuliert; sie zu füllen, fehlt noch soziale und kulturelle Praxis. Daß die Stadt der Kultur ebenso wie etliche babylonische Türme schließlich irgendwo zwischen Bauruine und unvollendet rangiert, ist nicht nur wundersam treffende Metapher, es folgt der Logik des neoliberalen Wirtschaftens.
6Der Monumentalismus der neoliberalen Kulturbauten dient der ökonomischen wie der politischen Herrschaft. In aller Regel bietet das Gigamuseum, die Kulturstadt, die Megabibliothek einem postdemokratischen Politiker (oder warum nicht gleich einem Vertreter des frankistischen Faschismus wie Manuel Fraga Iribarne im Fall der Ciudad de la Cultura) als Denkmal und Mausoleum. Auch dies weist auf den Kulturbau als neue Form der »Herrschaftsarchitektur «. Diese Herrschaft »offenbart« sich in drei Formen der Architektur: im ökonomisch- babylonischen Superbau, im ästhetisch geadelten Kulturmonument und in der persönlichen Villa (die natürlich getoppt wird vom Schloß derer zu Guttenberg oder von Silvio Berlusconis Insel: beides zugleich Kurzschlüsse mit den Phantasien der populären Kultur und ihren Blödmaschinen). Daß der deutsche Bundespräsident im Jahr 2012 an der Finanzierung eines angemessenen »Eigenheimes« scheitern muß, ist die Farce zur Tragödie des neoliberalen Kaputtbauens unserer Welt. Er benötigte das Haus, das er mit freundschaftlich-ökonomisch transferiertem Geld baute, für seinen persönlichen wie für seinen politischen Status. Er mußte, wenigstens was dieses (im kleineren Maßstab: monumental-kleinkarierte) Gebäude anbelangt, das unmoralische Angebot annehmen, um sich architektonisch der oligarchischen Herrschaft anzunähern – so wie er auf den Ehrensold nicht verzichten kann, wenn er nicht dem Begehren nach Zugehörigkeit zu diesem Stand (mag sie auch Illusion und soziale Kasperei sein) entsagen wollte. Zur Herrschaftsarchitektur gehören ebenfalls die dräuenden Monumentalbauten der Banken, Versicherungen, Handelskammern, Verwaltungen – old school, aber nach wie vor wirksam: So klein wir sind im Zeichen der Deutschen Bank, bleibt uns diese Herrschaft fremd – und wir sehnen uns nach McDonald’s-Architektur.
7Beinahe jede Art zu wohnen ist im Neoliberalismus eine soziale Falle, ein gläsernes Einmauern, ein falsches Repräsentieren, die architektonische Errichtung der Leere. Daher erscheint der nächste Schritt schon wieder als mögliche Erlösung: die Virtualisierung der Stadt, die Rekonstruktion der verlorenen Einheit, der verlorenen Dialoge durch Projektion, Licht und Spektakel. War Downtown nicht immer schon ein »Lichtermeer«? Wozu dann noch bauen, was der Blick begehrt?
Die Stadt wird überdies definiert durch die Verkehrsströme, die durch sie fließen, durch die Fähigkeit, Menschenwolken zu bilden. Die moderne Stadt erzeugte den Massenmenschen; die postmoderne Stadt wird vom massenmedialen Menschen erzeugt. Stadt ist, wo viele Menschen sich bewegen. Sie machen, worin sie sich bewegen, gern unsichtbar. Sie folgen den immer gleichen Strömen der Werbeschilder von einer Kaufgelegenheit zur anderen. Die nicht mehr vorhandene Stadt wird durch Shopping neu erschaffen, das vorgezeichnet ist von der Macht der Konzentration, der Zerstreuung an den Enden. Endet die Stadt nicht schon jenseits der Einkaufsstraße? Sie zerfällt dort jedenfalls ins Geheimnisvolle und ins Banale, ins Museale und ins No Go. Die Knoten der Stadt bringt der Geruch von Fast Food hervor. Urban ist, wenn es viele davon gibt, mögen sie auch alle mehr oder weniger das gleiche anbieten. Fast Food ist die ideale Verbindung von Arbeit und Vergnügen; Fast Food erzeugt eine Stadt, die sich sowohl als effizient und fleißig, als auch als hedonistisch und unterhaltsam sehen lassen will.
Eine Stadt, die sich selbst als Marke etablieren will, bricht unter dem Wuchern der Marken in ihrem Inneren zusammen. Die immergleichen Markenzeichen haben – neben Verkehr, Shoppingrouten, Food-Gerüchen, Licht und Projektionen – die Herrschaft in der virtuellen Stadt. Eine Stadt ist eine Stadt, weil sie die Menschen aus dem Umland anzieht, so wie ein Zentrum ein Zentrum ist, weil es die Menschen aus der Peripherie anzieht. Wie sie das machen, die Stadt und das Zentrum (das »Metropole« mithin), ist zweitrangig, aber offenbar ist die Architektur nicht mehr das Leitmedium dafür. Die neoliberale Stadt entsteht trotz ihrer Architektur, nicht durch sie.
Die Kulturbauten des Neomonumentalismus, die Museumsquartiere und gentrifizierten Mausoleen, erhalten hierbei einen weiteren Stellenwert. Ihre Konzentration ist nur auf den ersten Blick eine beeindruckende Ballung von Angeboten und Differenzierungen, genauer besehen ist sie nichts anderes als ein Auslagern: Die Kultur muß in der neoliberalen Stadt auf solche spektakuläre Weise klumpen, weil sie aus der realen Stadt vertrieben und zum Clustern gezwungen wird, während das Zentrum fürs Shoppen die Durchsetzung mit Kultur aufhebt (abgesehen natürlich vom Luxussegment: In der Nähe von Museen, Theatern und Opern siedeln sich gern Hochpreisangebote an). Kulturelle Großbauten ermöglichen und maskieren das kulturelle Veröden der Innenstädte. Sie verschlingen die kulturellen Energien, und in ihrem Inneren ist die Stadt vollkommen verschwunden. Man könnte auf dem Mars sein. So wie die Kunst selbst im Eventzirkus der Superausstellungen unentwegt auf Reisen ist, so wie umgekehrt die Kunstszene um die Welt reist – von der Ausstellung zur Messe und von dort zur Galerie und dann ins Auktionshaus, wo man gerade die nächste Rekordsumme anpeilt – , so sind die großen Kulturbauten Raumschiffe auf Zwischenlandung. Noch wichtiger, als ihr Zeichen in der so »belebten« Stadt zu genießen, scheint einer Mehrheit der beruhigende Eindruck, daß man auf diese Weise Kunst und Kultur gebannt hat, daß man sie kontrolliert (man weiß doch um die subversiven Wirkungen!), daß man sie los wird.
Der neoliberale Neomonumentalismus ist ein Bauen des Abhebens. Die Stadt dazu soll sich gefälligst selber spielen. ?
Georg Seeßlen hat gerade das Buch Future Sex in Queertopia. Sex-Fantasien in der Hightech- Welt 3 (Bertz + Fischer) veröffentlicht konkret
Konkret 05/12, S. 56

Das Geisterhaus – Architektur und Stadtplanung heute

Georg Seeßlen
Das Geisterhaus
Abschweifungen über Stadtplanung in Neoliberalismus und Postdemokratie. Zweiter und letzter Teil: Bauwut und Virtualisierung.
1 Die neoliberale Stadt will attraktiv für Personen, Firmen und Institutionen sein, die vom Neoliberalismus profitieren, und sie will nun dieses »Humankapital« binden. Jede Marke lebt nicht allein davon, daß sie ein Glücks- und Sinnversprechen ist, sondern auch davon, daß sie die anderen neidisch macht, daß der Markenträger sich mit einem, der die gleiche Marke trägt, versteht, und der Gebrauch der Marke generiert umgekehrt ein Ausschlußverfahren. Die Stadt als Marke zur Selbstidentifizierung hierarchisiert (etwa über die Immobilienpreise, die nicht mehr allein durch Angebot und Nachfrage, sondern durch ebendiesen Markenwert bestimmt werden).
Einer Stadt als »guter Marke« muß eine soziale Praxis also gar nicht mehr entsprechen. Die Marke Berlin, London oder Helsinki wird aus dem Inneren ebenso wie aus dem Äußeren erzeugt, so wie man Bilder, die die Marke einer Stadt generieren, nur sehr selten zu Gesicht bekommt, wenn man in ihr lebt. Kunst und Kultur, Toleranz in Sachen Genuß, Sex und Sitte ebenso wie die Pflege großer Traditionen, »Lebendigkeit « und Möglichkeiten der »gehobenen Freizeit« (das Vergnügen für den Nachwuchs nicht zu vergessen) gehören dazu und geben diesen Städten ein »Flair«, auf das selbst die kritischeren und dissidenten Zeitgenossen gelegentlich hereinfallen. Das Nebeneinander von verschiedenen Lebensstilen gilt als Ausweis von kosmopolitischer Ausstrahlung. Die Politik investiert in Kunst und Kultur wie in eine Wurst, mit der man nach einer Speckseite wirft. Man glaubt, eine kulturell attraktive Stadt führe automatisch zu einer ökonomisch erfolgreichen Stadt (und die Kunst, die man so fördert, hat schon das Begehren nach diesem ökonomischen Erfolg in sich).
2 Die vier Modelle der neoliberalen Stadtentwicklung – postindustrielle Ballung, Cluster, populistische Spektakel und Stadt als Marke – haben zwar nacheinander Konjunkturen, existieren aber mittlerweile mit- und gegeneinander, bilden Sphären aus, verdrängen, ja vernichten einander, nur um gleich wieder an anderer Stelle den Kampf oder die Komplizenschaft aufzunehmen. Eins der Symptome dieses Spannungsverhältnisses sind die zunehmenden Proteste der Bürger, die sich um die ihnen gemachten urbanen Versprechungen betrogen sehen, ein anderes die Exaltationen des Neomonumentalismus: Städte liefern sich in einem globalen Wettbewerb Schlachten um die größten, höchsten und schrägsten Gebäude. Diese Gebäude, wie der 310 Meter und 72 Stockwerke hohe Glasturm The Shard inmitten Londons, sind keine neuen Dominanten, die das Bild einer Stadt mählich verändern; ihr einziges Ziel scheint es zu sein, den Triumphalismus ihrer Erbauer zu einer Unterwerfung der »alten Stadt« zu mißbrauchen. Der Neoliberalismus, der keine Vergangenheit mag, wenn man sie nicht in ein Disneyland verwandeln kann, arbeitet hier paradoxerweise auf eine Zukunft hin, die für den Rest der Welt ohnehin nur apokalyptisch sein kann. Der »Immobilienentwickler« und »Investor« Irvine Sellar bekennt stolz, sein Hochhaus werde London »für Jahrhunderte verändern«. Hier baut sich die Macht, die keine Rücksicht auf das Vergangene und Gegenwärtige mehr nehmen muß (und will), ihr Denkmal. Doch der Neoliberalismus, der sich auf solch aggressive Weise zu erkennen gibt, ruiniert fachgerecht die anderen (illusionären) Eckpunkte der Stadtentwicklung, das Privatinteresse der ökonomischen Oligarchie obsiegt so sichtbar über das Gemeinwohl und den Konsens, daß das Bild der Stadt zerfallen muß. Es handelt sich um einen Krieg der Marken: Die Marke Sellar/Renzo Piano übermalt die Marke London. Aber auch dieser Glasturm erfüllt perfekt die beiden Aspekte des neoliberalen Bauens: Er ist einerseits Paradies für die Oligarchen selber (inklusive Swimmingpool mit Panoramablick im 52. Stock, »exklusiver« Restaurants und Bars, eines »Luxushotels«), und er soll andererseits eine Attraktion für die medialisierten (Touristen-)Massen sein. Distinktion und Konvergenz in einem.
Die Bauwut, die den politisch-ökonomischen Komplex in den Finanzmetropolen ergriffen hat, wird weithin als Zeichen des Triumphs nach der Krise gedeutet. Kritische Zeitgenossen erkennen in der »ordinären« Dominanz solchen rücksichtslosen Bauens allerdings eher ein spätes Symptom dieser Krise, noch vor den Erzählungen vom ökonomischen Scheitern dieser Bauwerke, von denen so viele von vorneherein zu einem erschütternden Gespensterdasein verurteilt scheinen. Die Allianz zwischen dem »ordinären « Investor und dem »kultivierten« Architekten verlängert diese Krise ins Unendliche, es ist eine öffentliche Unterwerfung der Ästhetik unter das Geld. Die Bauwut wurde schon immer in den großen Erzählungen als Vorzeichen der Katastrophe gewertet, vom Turmbau zu Babel über die Märchenschlösser des bayerischen Königs Ludwig II. bis zu den Twin Towers: Architektonische Hybris und Zerfall folgen einander, wie man so sagt, relativ zeitnah.
The Shard (Die Glasscherbe) zeigt ein Bauen des think big, das auf einen Zusammenhang mit dem Common Sense pfeift. Mag Renzo Piano immerhin ein architektonisches Werk eigener Art gelingen, eine Mehrzahl der Postkrisenarchitekturen des Neomonumentalismus erscheint weniger als großer Wurf denn als eine ins Überdimensionierte gesteigerte Kleinkariertheit.
3Eine Gesellschaft der Rücksichtslosen baut rücksichtslos, so what? War etwa früher alles besser? Wäre die moderne Stadt möglich geworden ohne rücksichtslose Eingriffe von Architektur, Politik, Ökonomie, wenn es sein muß, Polizei (und es mußte öfter sein, als unsere Stadtgeschichten es glauben machen wollen)? Auch das think big früherer Epochen war ökonomisch, nur eben nicht neoliberal. Das heißt, es ging um zusammenhängende Räume zum Leben, Arbeiten und Wirtschaften, das Konzept sah Grenzen und Beziehungen vor. Die neoliberale Stadt kann gar nicht mehr groß, nicht einmal mehr »urban« gedacht werden; ihre großen Projekte können nur entstehen, weil ihre Eigner/Entwickler einen Raum benutzen, den die geschmeidige Verbindung von Politik, Ökonomie, Wissenschaft und Kultur geschaffen hat, um in ihm zu wüten. Die Bewohnbarkeit ist gar kein Ziel dieser Stadt mehr, und das geheime Ziel vieler Gebäude scheint darin zu bestehen, den Raum zwischeneinander zu leeren, von Menschen, am Ende gar von Luft. Die neoliberale Bauweise in diesem Stadium richtet sich nach innen; daß das Gebäude, immer mehr autonom, überlebens- und entwicklungsfähig ist, wird bezahlt mit der Entlebendigung des Umfelds. Diese Türme bewachen nicht mehr die Stadt, sie bewachen vielmehr die Insassen gegen die Stadt.
Gehe durch die Stadt. Dort, wo sie neoliberal umgestaltet ist, gibt es nichts mehr zu sehen. Zu Hause bist du nur in dem Drinnen, das die Security bewacht; draußen findet das Abweisende sein Zeichen. Hineinsehen sollst du in die untersten Etagen, dort arbeiten Menschen wie du. Die von oben kannst du nicht mehr sehen. Denen in den obersten Stockwerken gehört die Stadt, sie schauen darauf wie auf ein Spielzeug herab. Eine oligarchische Gesellschaft braucht oligarchische Bauwerke, so what?
4Architekten wie Hans Kollhoff beklagen sich: »Wir leben in einer Gesellschaft, die es offenbar aufgegeben hat, schöne Städte zu bauen oder auch nur zu erhalten. Man hat es aufgegeben, weil man glaubt, es sich nicht leisten zu können«, schreibt Kollhoff in »Cicero« 2/12. »Man gibt das Geld offenbar für Wichtigeres aus und leistet sich eine Verwahrlosung, die jedem empfindsamen Menschen, der sich dem Blick zurück nicht verschließen will, die Schamröte ins Gesicht treiben muß. Um so lauter wird das Hohelied der Zukunft und des Fortschritts gesungen, und die Slums werden gepriesen als Ankunfts- und Aufstiegsquartiere. « Aber hörten wir je von einem Architekten, der einen lukrativen Auftrag oder einen, bei dem er »seine Visionen verwirklichen« konnte – scheiß auf den Rest – , abgelehnt hätte? Oder von einem Baureferenten, dem Ästhetik wichtiger war als Ökonomie? Und wie sollte es anders sein? Die neoliberale Stadtentwicklung ist nichts anderes als Klassenkampf in Beton, Glas und Stahl, und an die Stelle einer Stadt der Klassen (samt prekären Übergängen und gefährlichen Mischzonen, wagemutigen Übergriffen und abenteuerlichen Exkursionen) ist eine Stadt getreten, die die neuen Klassen erzeugt und der ökonomischen Oligarchie freien Raum für ihre einzige Passion bietet, einander zu überbieten und auszustechen. Ein neoliberales Bauwerk gibt nicht etwas zu sehen oder öffnet gar Blickachsen und Räume, ein neoliberales Bauwerk hat die Macht, den Blick zu verstellen. Radikal.
5Der Kulturbau indes wird zur letzten Rettung der untergehenden Industriestadt: Alle alten Industrieanlagen werden in Kulturstätten verwandelt, eine dekultivierte Gesellschaft wird mit Kultur überfüttert. Wer soll das alles ertragen? Die Metalegende dafür bietet das Guggenheim-Museum, mit dem Frank O. Gehry der öden Industriemonopole Bilbao »neues Leben« eingehaucht habe. Peter Eisenmans Ciudad de la Cultura in Santiago de Compostela folgte: Kulturarchitektur als Rettung vor dem Versinken in Bedeutungs- und Sinnverlust. Im Gegensatz zu den neuen »babylonischen« Türmen in den Städten entstanden hier übertheoretisierte und überteuerte Komplexe von täuschender organischer Sanftheit. So wie hier der Turm die Stadt überragen (und damit unbrauchbar machen) soll, so wird sie hier negiert. Dem Blickwachturm des Neoliberalismus steht der Einkehrtempel des Neoliberalismus gegenüber, der nicht weniger maßlos ausfallen darf. Offenbar ist in beiden Formen des neoliberalen Bauens innere und äußere Leere einkalkuliert; sie zu füllen, fehlt noch soziale und kulturelle Praxis. Daß die Stadt der Kultur ebenso wie etliche babylonische Türme schließlich irgendwo zwischen Bauruine und unvollendet rangiert, ist nicht nur wundersam treffende Metapher, es folgt der Logik des neoliberalen Wirtschaftens.
6Der Monumentalismus der neoliberalen Kulturbauten dient der ökonomischen wie der politischen Herrschaft. In aller Regel bietet das Gigamuseum, die Kulturstadt, die Megabibliothek einem postdemokratischen Politiker (oder warum nicht gleich einem Vertreter des frankistischen Faschismus wie Manuel Fraga Iribarne im Fall der Ciudad de la Cultura) als Denkmal und Mausoleum. Auch dies weist auf den Kulturbau als neue Form der »Herrschaftsarchitektur «. Diese Herrschaft »offenbart« sich in drei Formen der Architektur: im ökonomisch- babylonischen Superbau, im ästhetisch geadelten Kulturmonument und in der persönlichen Villa (die natürlich getoppt wird vom Schloß derer zu Guttenberg oder von Silvio Berlusconis Insel: beides zugleich Kurzschlüsse mit den Phantasien der populären Kultur und ihren Blödmaschinen). Daß der deutsche Bundespräsident im Jahr 2012 an der Finanzierung eines angemessenen »Eigenheimes« scheitern muß, ist die Farce zur Tragödie des neoliberalen Kaputtbauens unserer Welt. Er benötigte das Haus, das er mit freundschaftlich-ökonomisch transferiertem Geld baute, für seinen persönlichen wie für seinen politischen Status. Er mußte, wenigstens was dieses (im kleineren Maßstab: monumental-kleinkarierte) Gebäude anbelangt, das unmoralische Angebot annehmen, um sich architektonisch der oligarchischen Herrschaft anzunähern – so wie er auf den Ehrensold nicht verzichten kann, wenn er nicht dem Begehren nach Zugehörigkeit zu diesem Stand (mag sie auch Illusion und soziale Kasperei sein) entsagen wollte. Zur Herrschaftsarchitektur gehören ebenfalls die dräuenden Monumentalbauten der Banken, Versicherungen, Handelskammern, Verwaltungen – old school, aber nach wie vor wirksam: So klein wir sind im Zeichen der Deutschen Bank, bleibt uns diese Herrschaft fremd – und wir sehnen uns nach McDonald’s-Architektur.
7Beinahe jede Art zu wohnen ist im Neoliberalismus eine soziale Falle, ein gläsernes Einmauern, ein falsches Repräsentieren, die architektonische Errichtung der Leere. Daher erscheint der nächste Schritt schon wieder als mögliche Erlösung: die Virtualisierung der Stadt, die Rekonstruktion der verlorenen Einheit, der verlorenen Dialoge durch Projektion, Licht und Spektakel. War Downtown nicht immer schon ein »Lichtermeer«? Wozu dann noch bauen, was der Blick begehrt?
Die Stadt wird überdies definiert durch die Verkehrsströme, die durch sie fließen, durch die Fähigkeit, Menschenwolken zu bilden. Die moderne Stadt erzeugte den Massenmenschen; die postmoderne Stadt wird vom massenmedialen Menschen erzeugt. Stadt ist, wo viele Menschen sich bewegen. Sie machen, worin sie sich bewegen, gern unsichtbar. Sie folgen den immer gleichen Strömen der Werbeschilder von einer Kaufgelegenheit zur anderen. Die nicht mehr vorhandene Stadt wird durch Shopping neu erschaffen, das vorgezeichnet ist von der Macht der Konzentration, der Zerstreuung an den Enden. Endet die Stadt nicht schon jenseits der Einkaufsstraße? Sie zerfällt dort jedenfalls ins Geheimnisvolle und ins Banale, ins Museale und ins No Go. Die Knoten der Stadt bringt der Geruch von Fast Food hervor. Urban ist, wenn es viele davon gibt, mögen sie auch alle mehr oder weniger das gleiche anbieten. Fast Food ist die ideale Verbindung von Arbeit und Vergnügen; Fast Food erzeugt eine Stadt, die sich sowohl als effizient und fleißig, als auch als hedonistisch und unterhaltsam sehen lassen will.
Eine Stadt, die sich selbst als Marke etablieren will, bricht unter dem Wuchern der Marken in ihrem Inneren zusammen. Die immergleichen Markenzeichen haben – neben Verkehr, Shoppingrouten, Food-Gerüchen, Licht und Projektionen – die Herrschaft in der virtuellen Stadt. Eine Stadt ist eine Stadt, weil sie die Menschen aus dem Umland anzieht, so wie ein Zentrum ein Zentrum ist, weil es die Menschen aus der Peripherie anzieht. Wie sie das machen, die Stadt und das Zentrum (das »Metropole« mithin), ist zweitrangig, aber offenbar ist die Architektur nicht mehr das Leitmedium dafür. Die neoliberale Stadt entsteht trotz ihrer Architektur, nicht durch sie.
Die Kulturbauten des Neomonumentalismus, die Museumsquartiere und gentrifizierten Mausoleen, erhalten hierbei einen weiteren Stellenwert. Ihre Konzentration ist nur auf den ersten Blick eine beeindruckende Ballung von Angeboten und Differenzierungen, genauer besehen ist sie nichts anderes als ein Auslagern: Die Kultur muß in der neoliberalen Stadt auf solche spektakuläre Weise klumpen, weil sie aus der realen Stadt vertrieben und zum Clustern gezwungen wird, während das Zentrum fürs Shoppen die Durchsetzung mit Kultur aufhebt (abgesehen natürlich vom Luxussegment: In der Nähe von Museen, Theatern und Opern siedeln sich gern Hochpreisangebote an). Kulturelle Großbauten ermöglichen und maskieren das kulturelle Veröden der Innenstädte. Sie verschlingen die kulturellen Energien, und in ihrem Inneren ist die Stadt vollkommen verschwunden. Man könnte auf dem Mars sein. So wie die Kunst selbst im Eventzirkus der Superausstellungen unentwegt auf Reisen ist, so wie umgekehrt die Kunstszene um die Welt reist – von der Ausstellung zur Messe und von dort zur Galerie und dann ins Auktionshaus, wo man gerade die nächste Rekordsumme anpeilt – , so sind die großen Kulturbauten Raumschiffe auf Zwischenlandung. Noch wichtiger, als ihr Zeichen in der so »belebten« Stadt zu genießen, scheint einer Mehrheit der beruhigende Eindruck, daß man auf diese Weise Kunst und Kultur gebannt hat, daß man sie kontrolliert (man weiß doch um die subversiven Wirkungen!), daß man sie los wird.
Der neoliberale Neomonumentalismus ist ein Bauen des Abhebens. Die Stadt dazu soll sich gefälligst selber spielen. ?
Georg Seeßlen hat gerade das Buch Future Sex in Queertopia. Sex-Fantasien in der Hightech- Welt 3 (Bertz + Fischer) veröffentlicht konkret
Konkret 05/12, S. 56

Ruinen der Moderne

phase-zwei.org

 

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Ruinen der Moderne
Warum es ohne Revolution keine revolutionäre Architektur geben kann

 

Wo steht die Architektur heute in Hinblick auf ihre Entwicklung seit dem Jahr 1848? Sind wir noch – und waren wir es jemals – postmodern? Welche gesellschaftlichen und politischen Aufgaben des 20. Jahrhunderts sind in dieser Welt, über die die Ruinen der Moderne zerstreut sind, unerfüllt geblieben? Sucht das »Gespenst der Utopie«, das Phantom der Moderne, noch immer zeitgenössische Bauwerke heim?

Victor Hugo hatte einst den Tod der Architektur durch die Druckerpressen vorhergesagt.

Mit dieser Analogie wollte Hugo den Übergang vom Katholizismus zum Protestantismus in Europa verdeutlichen. Also den Übergang von Traditionen, die sich gleichsam symbolisch in der Erhabenheit der gotischen Kathedrale (»Architektur«) sowie dem Volkstümlichen der de-latinisierten Bibel (»dem gedruckten Buch«) wiederfanden.

Doch Gutenbergs Erfindung war für die Entwicklung der Architektur sogar von noch größerer Bedeutung: Sie erlaubte eine nahezu unendliche technische Reproduzierbarkeit von Texten, die zuvor lediglich von Hand kopierte Manuskripte gewesen waren. Mit dem Beginn der Lithografie – und kurz danach auch der Fotografie – wurde ein ähnlicher Prozess bei der Verbreitung von Bildern in Gang gesetzt. Musik konnte durch die Klänge der fonografischen Schallplatte vermittelt werden, zusammengesetzt aus hunderten separater Studioaufnahmen, und ohne die Ungenauigkeiten und Zufälligkeiten von Liveauftritten. Am fin-de-siècle fingen schließlich die Aufnahmerollen der Gebrüder Lumière das bewegte Bild ein und bildeten damit den Grundstein für die überall in Europa entstehenden Kinosäle. Mit anderen Worten: Das 19. Jahrhundert war zum Ende hin geprägt von einer gesteigerten Automatisierung der industriellen Produktion und der damit einhergehenden Standardisierung und Typisierung kommerzieller Artikel (Waren). Die Kunst folgte dementsprechend in ihrer (Weiter-)Entwicklung jener der Warenwelt.

Die Architektur war von dieser Tendenz zur Standardisierung und Industrialisierung relativ spät betroffen. Sowohl als Disziplin als auch als Berufszweig hinkte die Architektur den anderen etablierten Künsten hinterher. Doch selbst nach der Institutionalisierung dieser Modernisierungsmechanismen wurde den innovativsten und technisch reproduzierbaren Designs dieses Feldes der Zugang zur »wahren« Architektur verwehrt, da diese Werke als bloßes »Handwerk« verächtlich gemacht wurden. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts aber traten geistige Strömungen auf den Plan, die der Architektur neues Leben einhauchten. Avantgardistische ArchitektInnen übernahmen Entwicklungen, die zuvor in den visuellen Künsten (Kubismus, Futurismus) und der wissenschaftlichen Organisation der Arbeit (Taylorismus, Psychotechnologie) zum Tragen kamen, und machten sich für geometrische Einfachheit und ergonomische Effizienz stark, um so die starren Grenzen zwischen Kunst und Leben einzureißen.

»Kunst als Vorbild für Aktion: Dies war das großartige Leitprinzip des künstlerischen Aufstands der modernen Bourgeoisie, zugleich aber war es das Unbedingte (das Absolute), das unbezähmbare Widersprüche hervorrief«, schreibt der italienische Marxist Manfredo Tafuri (1969) in seinem bahnbrechenden Essay Toward a Critique of Architectural Ideology. »Das Leben und die Kunst erwiesen sich als antithetisch, weshalb man entweder nach Instrumenten zur Vermittlung […] oder nach Wegen suchen musste, wie die Kunst in das Alltagsleben übergehen konnte, selbst wenn damit Hegels Prophezeiung vom Tod der Kunst Realität werden sollte.«

Die meisten militanten Mitglieder der architektonischen Avantgarde versuchten, die historischen Dynamiken, die die Industrielle Revolution in der Gesellschaft in Gang setzte, in den Bereich der Ästhetik zu überführen. Maschinelle Kunst wurde in jenem Moment geboren, als art pour l’art, Kunst um der Kunst willen, starb.

Das Projekt der Moderne bestand darin, eine untrennbare Dualität zu erschaffen, in der die Rolle der Architektur darin bestehen sollte, zugleich eine Reflexion der modernen Gesellschaft zu sein, als auch ein Versuch, sie zu transformieren. Inmitten aller Tumulte und des Chaos, das die europäischen Gesellschaften in den Zeiten des Ersten Weltkrieges und der Großen Depression in Aufruhr versetzte, opponierten revolutionäre ArchitektInnen aller Länder gemeinsam gegen die zerbrechende Ordnung der bürgerlichen Zivilisation und schlossen sich radikalen politischen Bewegungen an.

Viele versammelten sich unter dem Banner des internationalen Kommunismus – so beispielsweise der zweite Bauhaus-Direktor Hannes Meyer, der französische Designer André Lurcat und der tschechische Dichter und Architekturkritiker Karel Teige wie auch eine ganze Reihe sowjetischer ArchitektInnen und UrbanistInnen. Andere schlossen sich den weniger radikalen sozialdemokratischen Parteien Europas an: ArchitektInnen wie der Österreicher Oskar Strnad und Josef Frank, die Antifaschistin Margarete Schütte-Lihotzky, die den Bau des »Roten Wien« in den Jahren von 1918 bis 1934 beaufsichtigte, der berühmte deutsche Architekt Ernst May (dem Mastermind des Stadtplanungsprogramms Neues Frankfurt, 1925-1930) und Ludwig Hilbersheimer sowie der belgische Sozialist Victor Bourgeois, Vize-Präsident des Congrès internationaux d‘architecture moderne (CIAM). Wieder andere folgten einer eher barbarischen, anti-bürgerlichen Tendenz, wie zum Beispiel der Vertreter des italienischen Rationalismus und leidenschaftliche Unterstützer Mussolinis, Guiseppe Terragni. Angesichts des in ganz Europa erstarkenden Faschismus sahen sich die radikalen Mitglieder der internationalen Avantgarde mit der Frage konfrontiert, wie und vor allem wo ihr architektonisches Vermächtnis bewahrt werden würde. Die entscheidende Frage lautete: Russland oder Amerika? »In der alten Welt – in Europa –klangen in den Wörtern ›Amerika‹ und ›amerikanisch‹ Ideen des Ultraperfekten, des Rationellen, des Utilitaristischen, des Universellen mit«, beobachtete El Lissitzky in einem 1925 erschienenen Artikel Americanism’ in European Architecture. Trotz Amerikas technologischen und ökonomischen Potentials, so Lissitzky, fehle Amerika allerdings eine revolutionäre soziale und politische Basis, um die Vision der modernen Architektur zu verwirklichen. Er fuhr fort: »Die Architekten sind davon überzeugt, dass sie durch das neue Design und die Planung eines Gebäudes aktiv an der Bildung eines neues Bewusstseins teilhaben. Sie sind aber umgeben von einer chauvinistischen, reaktionären, individualistischen Gesellschaft, der diese Männer – mit ihrem internationalistischen Habitus, ihren revolutionären Aktivitäten und ihrem kollektivistischen Denken – fremd und feindlich gegenüberstehen. […] Aus diesem Grund hatten sie alle ein großes Interesse an den Ereignissen in der Sowjetunion; und deshalb waren sie alle der Meinung, dass die Zukunft nicht den USA sondern der Sowjetunion gehörte.«

Viele BefürworterInnen der modernen Architektur glaubten daher, dass die Zukunft irgendwo zwischen den aus Glas und Stahl bestehenden Wolkenkratzern New Yorks und dem revolutionären Avantgardismus des sowjetischen Projektes zu suchen sei. Der gefeierte deutsche expressionistische Architekt Erich Mendelsohn verkündete, er würde »Geschichte, Übergang, Revolution, Synthese« aus Gebäuden herleiten. »Die Synthese ist: Russland und Amerika – die Zukunft der Utopie!«

Le Corbusier war derselben Ansicht: »Dichter, Künstler, Soziologen, junge Menschen und vor allem jene, die große Lebenserfahrung gesammelt haben, aber dabei jung geblieben sind, haben alle zugegeben, dass irgendwo – in der Sowjetunion – das Schicksal universelle Harmonie möglich gemacht hat. Eines Tages wird die Sowjetunion sich auch materiell einen Namen gemacht haben – dank der Wirksamkeit des 5-Jahres-Plans. Doch bereits jetzt hat sie die gesamte Welt mit einem Schimmer von Licht, gleich der aufgehenden Sonne, erhellt.«

Mit dieser Aussage übertrieb Corbusier keineswegs. Auf Einladung der Sowjetregierung kamen europäische und amerikanische ArchitektInnen en masse ins Land, um beim Aufbau des Sozialismus zu helfen

Dennoch sahen die ModernistInnen ihre Hoffnungen schon in den frühen 1930er Jahren durch ein Phänomen schwer erschüttert, das später als stalinistische Architektur bezeichnet werden sollte: eine groteske Mischung aus monumentalistischem Gigantismus und neoklassizistischen Bögen, Fassaden und Kolonnaden. Die 1934 veröffentlichte Retrospektive »Where Do We Stand?« des De Stijl-Designers Marcel Breuer beschrieb schon damals die weit verbreitete Entpolitisierung innerhalb der modernistischen Bewegung. »Politik und Architektur überschneiden sich. […] Aber dieser Zusammenhang ist auf keinen Fall zwingend. Wie soll es uns beispielsweise weiterhelfen, wenn wir wissen, dass Stalin und andere Befürworter des Baus des Palasts der Sowjets Kommunisten sind? Deren Argumente sind ziemlich dieselben wie die eines primitiven Kapitalisten, eines Demokraten, eines Faschisten oder eines bloß konservativen Automobilbauers.«

Die von den FaschistInnen aus Europa – und schließlich auch durch den Stalinismus aus der Sowjetunion – vertriebene Architektur-Avantgarde floh nach Nordamerika und Israel, wo sie sich in New York, Chicago und Tel Aviv ansiedelte. Nach diesem zweiten globalen Flächenbrand, zu dessen Folgen auch der Nachkriegsboom in den USA, die GI-Bill, der Marshall-Plan und die Aktivitäten McArthurs in Japan zählten, wandten sie von ihrem früheren Engagement für eine gesellschaftliche Veränderung ab. Indem sie aufgaben, was Colin Row als einen »Mischmasch aus milleniaristischen Illusionen, chiliastischer Erregung und quasi-marxistischen Phantasien« bezeichnete, strömten sie nun in die vielen Planungsbüros und die bürokratischen Überbau-Institutionen des Fordismus. »Die moderne europäische Architektur infiltrierte schließlich die Vereinigten Staaten, allerdings größtenteils bereinigt von ihrer ideologischen und sozialen Komponente. Dort fand sie große Verbreitung allerdings nicht als Ausdruck oder als Ursache des Sozialismus, sondern viel mehr als décor de la vie für Greenwich und Connecticut oder als passende Fassade für die Wirtschaftsaktivitäten des aufgeklärten Kapitalismus.«

Tatsächlich war der International Style, der 1932 unter der höchst selektiven kuratorischen Aufsicht von Johnson und Hitchcock erstmals im Museum of Modern Art (MoMA) vorgestellt wurde, auf seine rein formalen Elemente heruntergebrochen. Mit dem Ende des Krieges und dem – in Fragen des »Stils« – Sieg der modernen Architektur wurde dieser Prozess der Entleerung noch beschleunigt. Anfang der 1960er Jahre brachten sogar die wichtigsten Vertreter der Bewegung ihr Unbehagen zum Ausdruck. Siegfried Giedion zum Beispiel sprach sich gegen die Reduktion der modernen Architektur auf eine bloße Reihe von Stilelementen aus. Er konstatierte eine »gewisse Konfusion«, »eine Art Pause, ja sogar […] Erschöpfung« innerhalb der zeitgenössischen Architektur und er kritisierte die Architektur dafür, dass sie von einer Sensation zur nächsten springt aber schnell von allem wieder gelangweilt ist.

Doch vielleicht war Giedion in dieser Einschätzung sogar zu optimistisch. Selbst Philip Johnson war damals bereit, darüber zu diskutieren, »ob die moderne Architektur tot sei oder nicht, und wenn sie es wäre, was aus ihrer Asche emporsteigen könnte.« Trotz der zentralen Rolle, die Johnson ifür die öffentliche Wahrnehmung der modernen Architektur spielte, protestierte er nicht gegen deren Abgleiten in die Überflüssigkeit. Reyner Banham, dessen Werk »Theory and Design in the First Machine Age« den Modernismus in eine tiefe Krise stürzte, nahm eine vermittelnde Position zwischen Giedion und Johnson ein. Mit dem Anspruch, das Projekt der modernen Architektur wiederzubeleben, erklärte er 1962: »Selbst wenn es so aussah, als ob die moderne Architektur vollkommen orientierungslos sei, hatte sie doch immer noch genug Energie, um das vorzeitige Verkünden ihres Todes Lügen zu strafen. Die moderne Architektur ist tot – Lang lebe die moderne Architektur!«

Nur ein Jahrzehnt später jedoch meinte Charles Jencks, dass man »den Todeszeitpunkt der modernen Architektur auf einen präzisen Moment datieren« könne, den 15. Juli 1972 um 15:32 Uhr, als Yamasakis Pruitt-Igoe-Komplex in St. Louis explodierte.

Auf stilistische und organisatorische Formen reduziert, geriet das modernistische Design wegen seiner vermeintlichen »Sterililität« und »Leblosigkeit« zunehmend in die Kritik. Die Kapitulation der Avantgarde vor der ermüdenden Realität des postindustriellen Kapitalismus verdammte sie schließlich zur Bedeutungslosigkeit. Die Moderne selbst wurde zu einem Auslaufmodell. Ludwig Mies van der Rohes elegantes Diktum »Less is More« wurde durch Robert Venturis spöttische Bemerkung »Less is a Bore« abgelöst. Über Nacht kehrten sich die alten Gemeinplätze einfach um. »Ein neuer Grad an Freiheit hat sich in der Welt der Architektur Bahn gebrochen, in welcher über Jahrzehnte kreative Stagnation und eine außergewöhnliche Trägheit das Erbe der modernistischen Bewegung unbrauchbar machten«, verkündete Paolo Portoghesi triumphierend. »Die neue postindustrielle Zivilisation hat in schnellster Zeit neue Modelle entwickelt.«

Heute aber ist es die Postmoderne, die schnell zu altern scheint. »Paradoxerweise«, so Rem Koolhaas in seinem fröhlich-perversen Manifest über Bigness, »hörten das Ganze und das Reale just in dem Moment auf, für den Architekten ein mögliches Ziel darzustellen, als das nahende Ende des zweiten Jahrtausends zunehmend geprägt war von Reorganisierung, Konsolidierung, Expansion und einem Streben nach neuem Gigantismus.« Seine Generation, so fuhr er fort, »die Generation der 68er: äußerst intelligent, gut informiert, und folgerichtig auf Grund bestimmter Kataklysmen traumatisiert, traumatisiert durch das Versagen von verschiedenen Integrationsmodellen und ihrem Mangel an Sensibilität gegenüber dem Einzelnen«, zeigte sich nun unfähig, die folgenschweren Transformationen zu erkennen, die das Ende der Geschichte, der Zusammenbruch der Sowjetunion etc. darstellten. »Ein ganzer Berufszweig, der nun mit anderen Dingen beschäftigt war, erwies sich als nicht in der Lage, den sich abzeichnenden dramatischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen adäquat zu begegnen, sie zu ihrem Vorteil auszunutzen und so ihre eigene Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.«16 Wenn aber die Postmoderne, die für das »Ende des Endes« stand, selbst am Ende ist, bedeutet dies dann das Ende vom »Ende des Endes«?

Angesichts dieser Überlegungen fragen wir daher nun: Ist eine revolutionäre Architektur überhaupt noch möglich? Oder hatte Tafuri Recht mit der Behauptung, wie der marxistische Literaturwissenschaftler Fredric Jameson es einmal beschrieb, dass »eine Architektur der Zukunft nur dann konkret und praktisch möglich ist, wenn die Zukunft erreicht wurde, mit anderen Worten nachdem eine vollkommene gesellschaftliche Revolution stattgefunden hat, eine systematische Transformation der Produktionsweise zu etwas Anderem«?

Daher der Schlachtruf: Keine revolutionäre Architektur ohne Revolution. Denn die Architektur leidet an etwas, das außerhalb ihres eigenen Bereichs zu suchen ist, außerhalb dessen, was sie selbst verändern könnte. Die historische Sackgasse, in die ArchitektInnen und DesignerInnen in den letzten Jahrzehnten geraten sind, wird und kann nicht durch brillante neue Lösungen zu uralten architektonischen Problemen umgangen werden. Noch wird ein deus ex machina dabei helfen können, wie etwa die Entwicklung neuer Baumaterialen oder Montagetechniken. Derzeit mangelt es keineswegs an intelligenten Ideen innerhalb der Disziplin, weshalb nicht davon gesprochen werden sollte, dass eine Philosophie des Thinking out of the Box die Situation retten könnte. Diese These kann kaum von jemandem, der in diesem Feld beschäftigt ist, bestritten werden, weder von den höchstpolitisierten noch von seinen entpolitisiertesten VertreterInnen. Und doch ist diese Perspektive für viele zu verstörend um sie akzeptieren – oder sie gar anzusprechen.

Die erwähnten unpolitischen ArchitektInnen, die weder die Absicht noch die Vorstellungsfähigkeit besitzen, die es bräuchte, sich eine radikal veränderte Realität überhaupt auszumalen, trachten stattdessen danach, der Architektur einen Nischenplatz zuzuweisen, indem sie ihre außerdisziplinären Ambitionen und ihren übergeordneten Anspruch verneinen. Sie verweisen die Architektur in die Sphäre der Anwendung, indem sie sich auf die verblassten Weisheiten historischer VorläuferInnen berufen und daran erinnern, dass alles schon einmal versucht wurde und letztlich gescheitert sei. Jede Idee einer revolutionären Architektur wird damit zu einem langweiligen und irrelevanten Gedankenspiel. Auf diese Weise aber stellen sie unbeabsichtigt sicher, dass die Bedeutung der Architektur weiterhin nur peripher ist, mithin bloß in Bezug auf ihre Form und ihre quantifizierbare Performance (sei es in Form von Dollars, Statistiken oder Nachhaltigkeitsratings) zu bewerten ist. Zugleich verlassen sich diese ArchitektInnen weiterhin auf Formen und Techniken, die früher mit radikalen politischen Programmen in Verbindung gebracht wurden, denen es mittlerweile aber an politischem Gehalt mangelt. Die bahnbrechenden Technologien und Methoden, denen früher die Fähigkeit zugesprochen wurde, die gesamte gesellschaftliche Ordnung umwerfen zu können, stellen nunmehr bloß das Grundgerüst für formelle und ironische Spielereien dar, die bewusst jede Verantwortlichkeit für das breitere sozio-historische Milieu, in dem die Architektur notwendigerweise arbeitet, verspotten und somit missachten. Aber der Mangel an innovativer Architektur und der Mangel an politischen Alternativen sollten auch nicht als vollständig voneinander unabhängig begriffen werden: »Tatsache ist, dass die erbärmliche Architektur von heute ein Ausdruck unserer deprimierenden politischen Situation darstellt.«

Die VerfechterInnen einer politischen Architektur scheinen hingegen zu demselben Schluss zu kommen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Während sie zurecht die politischen Fehler des historischen sozialistischen Projekts akzeptieren – und somit auch das Verschwinden einer visionären Architektur, die damit einherging – führt ihr oberflächliches und undialektisches Verständnis der Geschichte dazu, dass sie es nun vermeiden, nach den Grundbedingungen einer explizit revolutionären Architektur zu fragen. Noch immer von den Gespenstern des Totalitarismus verfolgt, scheuen sie davor zurück, jene revolutionären gesellschaftlichen Forderungen zu stellen, die für die Befreiung der Architektur notwendig wären: Maßnahmen zur Abschaffung rechtlicher Schranken, die mit dem privaten Landbesitz einhergehen, die Abschaffung repressiver sozialer Beziehungen, welche den ArchitektInnen den Launen individueller KlientInnen anheim fallen lassen (was es den ArchitektInnen erlauben würde, im Namen der Gesamtgesellschaft bauen zu können), die technologische Herrschaft über die Natur, die ausreicht, das ganze Universum wieder aufzubauen. Stattdessen aber entscheiden sich diese TheoretikerInnen und PraktikerInnen für eine Architektur, die sichere liberal-demokratische Ideale wie Partizipation, Toleranz, Aufgeschlossenheit und Transparenz befördert. Ohne Rekurs auf eine braucbare antikapitalistische Politik oder eine internationale ArbeiterInnenbewegung neigen sie zu einer Überhöhung des angeblich kritischen und subversiven Potenzials der Architektur, das angeblich zur Entwicklung eines kritischen Bewusstseins ihrer BewohnerInnen beitragen soll. Angesichts der Abwesenheit von Politik sehen sie die Notwendigkeit, Architektur als Politik an ihre Stelle treten zu lassen. Manfredo Tafuri wusste jedoch schon in den späten 1970er Jahren, dass »Architektur als Politik mittlerweile ein so ermatteter Mythos ist, dass es bedeutungslos ist, auch nur ein weiteres Wort darüber zu verlieren.«

Die politische Ohnmacht der Architektur zeigte sich klar und deutlich an jenen Orten, die eine Rolle für die sozialen Bewegungen spielten, welche 2011 die Welt – von Kairo bis New York – in Atem hielten. Die politische Realität dieser Plätze hatte nahezu keinen Bezug zu ihrer architektonischen Intention. Der Tahrir-Platz in Ägypten beispielsweise, auf dem es zum wichtigsten Aufstand dieses Jahres kam, wurde der Pariser Stadtplanung des Baron von Haussmann nachempfunden. Liberty Plaza, ein harmloser Platz im Privatbesitz, auf den Angestellte der Privatwirtschaft ihre Pausen verbrachten, wurde zum Symbol für die Wiederaneignung von öffentlichem Raum. Bei diesen Orten handelte es sich nicht bloß um notwendige Vorbedingungen, die die Errichtung von Zeltlagern sowie die allgemeine Sichtbarkeit der Demonstrationen ermöglichten. Sie gaben auch Gelegenheit, diese Orte von der Diktatur oder der privatwirtschaftlichen Herrschaft zu »befreien«, indem man rechtliche Grauzonen ausnutzte und Licht auf die verfilzten Beziehungen zwischen öffentlichen und privaten Interessen warf. Bestimmte architektonische Aspekte – wie die Einrahmung oder Aufteilung sowie die Gestaltung von Flächen – gerieten hierbei zu rein funktionalen Maßnahmen im Dienste des Protestaktivismus, der für alle »Occupations« weltweit charakteristisch werden sollte. Um sich vor dem Abrutschen in die totale Irrelevanz zu schützen, wurde die Architektur in eine bloß unterstützende Rolle gedrängt, die ihre Anpassung an den vorherrschenden Aktionismus der Zeit endgültig besiegeln sollte. Wie immer positiv Occupy Wall Street für die Politisierung ihrer Generation auch gewesen sein mag, ihr erklärtes räumliches Ziel wurde nicht erreicht. Die Wall Street selbst konnte nicht besetzt werden, weshalb die AktivistInnen auf einen kleinen Park ein paar Blöcke weiter ausweichen mussten. Verglichen mit politischen Aufständen der Vergangenheit verblassen diese Proteste. Der Gedanke, ein Gebäude wie die Bastille, Versailles oder den Winterpalast zu besetzten, war nirgends zu vernehmen.

Als Le Corbusier 1923 sein berühmtes Dilemma »Architektur oder Revolution?« formulierte, versuchte er nicht, ein willkürlich gewähltes Problem anzusprechen, sondern vielmehr die intensiven politischen Spaltungen seiner Zeit zu reflektieren. Er schrieb vor dem Hintergrund massiver Aufstände und internationaler Unruhen. Die Revolution hatte gesiegt und schien fähig, sich auf dem ganzen Erdball auszubreiten. Die Tatsache, dass eine solche Alternative und deren damit einhergehende Lösung, nämlich, dass das Voranschreiten der Revolution nur mit der konzentrierten Anwendung präziser architektonischer Instrumente und einer Orientierung an gesellschaftlichen Bedürfnissen verhindert werden könnte, ernsthaft zur Diskussion gestellt werden konnte, zeugt zum einen von Le Corbusiers naivem Ansatz und zum anderen, weit wichtiger, vom radikalen Charakter des in der Sowjetunion stattfindenden sozio-historischen Projektes.

Heute könnten wir kaum weiter entfernt sein von diesem historisch günstigen Ausgangspunkt. Stattdessen befinden wir uns in einem entpolitisierten (oder falsch politisierten) Umfeld, dessen Pluralismus die übrig gebliebenen Ruinen der Moderne verdeckt. Es gibt keine wirkliche politische Bewegung oder gar eine internationale Agenda, mit der eine Architektur der Zukunft einhergehen könnte. Die Rede von einer revolutionären Architektur oder gar einer solchen Kultur werden regelmäßig als Anachronismus und als wehmütige Erinnerungsarbeit einer geistig verarmten Linken abgetan. Doch es ist das Scheitern des Projekts der Moderne das immer noch nachhallt und bestimmt, wie wir das Verhältnis von Architektur und Politik denken. Dementsprechend müssen wir die Geschichte der Revolution und die Geschichte der revolutionären Architektur des 20. Jahrhunderts neu bewerten, um verstehen zu können, wie aus einer Politik der Transformation eine entsprechende Architektur entspringen kann. Um dies zu erreichen, werden wir uns Fragen stellen müssen, die von zeitgenössischen politischen Denkrichtungen möglicherweise nicht oder noch nicht beantwortet werden können.

~ Von Sammy Medina & Ross Wolfe. Sammy Medina ist Autor und Architekturkritiker, Ross Wolfe ist Historiker und freischaffender Autor und Herausgeber. Beide leben in New York.

~ Aus dem Englischen von Phillip Angermeyer.

Fußnoten
  1. Reinhold Martin, Utopia’s Ghost: Architecture and Postmodernism, Again, Minneapolis 2010, 147–179.
  2. Victor Hugo, Notre-Dame de Paris, übersetzt von Alban Krailsheimer, New York 2006, 204.
  3. Manfredo Tafuri, Toward a Critique of Architectural Ideology, 18.
  4. El Lissitzky, Americanism’ in European Architecture, in: Krasnaia Niva 49 (1925).
  5. Erich Mendelsohn, Leningrad, August 1st, 1926, übersetzt von Geoffrey Strachan, in: Letters of an Architect 1967, 92, 97.
  6. Le Corbusier, Letter to Commissar of Enlightenment Anatolii Lunacharskii, May 13th, 1932.
  7. Christian Borngräber, Foreign Architects in the USSR, in: Architectural Association Quarterly, Band 11/1, London 1979, 51–53.
  8. Marcel Breuer, Where Do We Stand?, 182.
  9. Colin Rowe, Henry-Russell Hitchcock, in: As I was Saying: Recollections and Miscellaneous Essays, Band 1: Texas, Pre-Texas, Cambridge 1996, 19.
  10. Dennoch war er sich sicher, dass es nicht um die Frage »Tod oder Metamorphose« ginge, sondern darum, eine neue Tradition zu entwickeln.
  11. Philip Johnson, The International Style — Death or Metamorphosis?, in: Writings, New York 1979, 120.
  12. Reyner Banham, The Age of the Masters: A Personal View of Modern Architecture, New York 1975, 6.
  13. Charles Jencks, Language of Post-Modern Architecture, London 1977, 9.
  14. Robert Venturi, Complexity and Contradiction in Architecture, New York 1992, 17.
  15. Paolo Portoghesi, Postmodern, or the Architecture of Postindustrial Society, übersetzt von Ellen Shapiro, New York 1983, 6.
  16. Peter Eisenman, The End of the Classical: The End of the Beginning, the End of the End, in: Perspecta 21 (1984), 155–173, hier: 169.
  17. Fredric Jameson, Architecture and the Critique of Ideology. The Ideologies of Theory, New York 2008, 347.
  18. Douglas Murphy, The Architecture of Failure, London 2012, 139.
  19. Manfredo Tafuri, The Sphere and the Labyrinth: Avant-Gardes and Architecture from Piranesi to the 1970s, translated by Pellegrino d’ Acierno and Robert Connolly, Cambridge 1987, 8.

 

http://phase-zwei.org/hefte/artikel/ruinen-der-moderne-430/

 

line-wordpress

Remember: Do X! Don´t do Y!

Protect innocent, respect life, defend art, preserve creativity!

What´s Left? Antisemitism!

http://www.jsbielicki.com/jsb-79.htm

Psychoanalytische Arbeitsstation

DJ Psycho Diver Sant – too small to fail
Tonttu Korvatunturilta Kuunsilta JSB
Tip tap tip tap tipetipe tip tap heija!
http://www.psychosputnik.com
http://www.saatchionline.com/jsbielicki
https://psychosputnik.wordpress.com/

They want 1984, we want 1776

They are on the run, we are on the march!

Be patient, work hard, follow your passions, take chances and don’t be afraid to fail.
I think for food

molon labe

Dummheit ist, wenn jemand nicht weiß, was er wissen könnte.

Dummheit äußert sich heute als empörter Moralismus.

Liebe: nur bestenfalls eine Mutter akzeptiert ihr Kind, so wie es ist, ansonsten muß man Erwartungen anderer erfüllen, um akzeptiert zu werden.

Früher galt als mutig, wer ein Revolutionär war, heute reicht es schon, wenn einer seine Meinung behält.

“Jeder fünfte Bewohner des Westjordanlandes ist ein israelischer Siedler”, greint die Generaldelegation Palästinas heute auf ihrer Homepage.
Und jeder fünfte Bewohner Israels ist ein palästinensischer Araber.
So what?

Werte ohne Einfühlungsvermögen sind nichts wert.

Manche Menschen fühlen physischen Schmerz, wenn sie ihre gewohnten Vorstellungen zugunsten der Realität korrigieren sollen, sie wenden ihre gesamte Intelligenz mit Unterstützung ihrer Agressivität auf, um die Realität nicht zu erkennen und ihr Selbstbild unverändert beizubehalten.

Immer mehr fühlen, immer weniger denken – Der Mensch unterscheidet sich vom Tier nicht durch Gefühle, denn Säugetiere haben die gleichen Gefühle, wie der Mensch: Trauer, Angst, Wut, Liebe, sondern durch sein Denken. Wenn er denkt, falls er denkt.

Political correctness ist, wenn man aus Feigheit lügt, um Dumme nicht zu verärgern, die die Wahrheit nicht hören wollen.

„Sagen Sie meiner Mutter nicht, daß ich in der Werbung arbeite. Sie denkt, ich bin Pianist in einem Bordell.“ – Jacques Seguela

BILD: FAZ für Hauptschüler

Wer „ich will frei sein“ sagt, und es sagen viele, der ist ein Idiot. Denn das höchste was der Mensch als Freiheit haben kann, ist die Freiheit, seine Pflicht frei zu wählen.

“Im Streit um moralische Probleme, ist der Relativismus die erste Zuflucht der Schurken.“ Roger Scruton

Nonkonformistische Attitüde und affirmative Inhalte – einer Kombination, die schon immer die linksdeutsche Ideologie gekennzeichnet hat. – Stephan Grigat

Es sind dieselben, die behaupten, das Geschlecht wäre nicht biologisch angeboren, sondern nur ein soziales Konstrukt, und zugleich daß die Homosexualität kein soziales Konstrukt wäre, sondern biologisch angeboren.

Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt.

„Es gibt zwei Dinge“, so wußte Hitler schon 1923, „die die Menschen vereinigen können: gemeinsame Ideale und gemeinsame Kriminalität“ .

Nach der gewaltsamen Beendigung des Mordens durch die Alliierten waren die Deutschen (und sind es bis heute geblieben) noch deutscher als zuvor.

„Der Staat sind wir“: Dies Credo der Sozialdemokratie Ferdinand Lassalles war die Wahrheit der Volksgemeinschaft, und der Nazismus war die vermittlungslose Basisdemokratie der Deutschen.

Die Demokratie der Bürger ist die interessierte Demutsadresse an den autoritären Staat.

„Die deutsche Nation ist das Apriori dieser seltsamen Wissenschaft, die

vorgibt, nichts zu kennen als Quellen, Quellen und nochmals Quellen, nichts als das

lautere Plätschern der Tatsachen und das ungetrübte Sprudeln der Empirie. Die

Quelle aber ist der Historie, was der Jurisprudenz das Indiz: Spielmaterial, bloße

Illustration des Systemzwangs zum Rechtsfrieden, d.h. empirische Legitimation der

vorab existenten letzten Instanz, an der jede Berufung aufhört und jede Revision

endet. Egal, wer Recht hat, solange nur Recht ist; was immer die Quellen sagen,

ein Beweis gegen die Nation wird sich daraus nie und nimmer folgern lassen.“ (…)

„Historische Wahrheit wird nach dem Modell von Meinungsumfragen vorgestellt;

kein Sample jedoch wird je repräsentativ genug sein,

um der deutschen Nation als solcher die Taten der Nazis zuzurechnen.

Die juristische Methode dieser seltsamen Wissenschaft, die sich die Behandlung der

Geschichte anmaßt, weiß so überaus sorgfältig zwischen Intention und Resultat zu

scheiden, daß der einzig noch mögliche Weg historischer Wahrheitsgewinnung, der

allerdings leider ausgeschlossen ist, Psychoanalyse wäre.“ – Joachim Bruhn

Da die Psychoanalyse heute auch nur noch ein korruptes Racket ist, würde sie nicht helfen.

 Der Himmel, wenn er sich schon öffnet, zitiert sich am liebsten selbst. 

Je verkommener eine menschliche Kreatur, desto eher fühlt sie sich beleidigt, respektlos behandelt, in ihrer Ehre verletzt.

Der Nicht-Antisemit ist ein Antisemit, der nach der derzeitigen deutschen Rechtsprechung, Israel, Juden diffamiert, diskriminiert, delegitimiert, jedoch nicht expressis verbis das Ziel der dritten Reichs, den Holocaust, die Judenvernichtung, befürwortet.

Aus Deutschland erreicht mich „tiefe Sorge um den Friedensprozess“. Vorsicht: Wo ist es im Nahen und Mittleren Osten derzeit so friedlich und vergleichsweise gewaltarm wie in Israel? Wo leben Araber derzeit sicherer als in Israel? Wo haben sie besseren Zugang zu Bildung, Arbeit, Konsum und medizinischer Versorgung? – Götz Aly

Islam ist weniger eine Religion und mehr eine totalitäre Gesellschaftsordnung, eine Ideologie, die absoluten Gehorsam verlangt und keinen Widerspruch, keinerlei Kritik duldet und das Denken und Erkenntnis verbietet. Der wahre Islam ist ganz anders, wer ihn findet wird eine hohe Belohnung erhalten.

Der religiöse Rassismus der Islamisten, der den völkischen Rassismus der Nazis ersetzt hat, erklärt Allah zum Führer und die Jihadisten zu seiner privilegierten Kampftruppe: Wenn man so will, zu Allahs SS. Der Zusammenhalt dieser Kampftruppe wird über die Jenseitserwartung von Hölle und Paradies, also über das Instrument der religiösen Angst, sichergestellt. Diese Selbstbildfantasie der Islamisten ist mit ihrer (zumeist antijüdischen) Feindbildfantasie untrennbar verknüpft. – Matthias Küntzel

Wahnsinn bedeute, immer wieder das gleiche zu tun, aber dabei stets ein anderes Resultat zu erwarten.

Gutmenschen sind Menschen, die gut erscheinen wollen, die gewissenlos das Gewissen anderer Menschen zu eigenen Zwecken mit Hilfe selbst inszenierter Empörungen instrumentalisieren.

Irritationen verhelfen zu weiteren Erkenntnissen, Selbstzufriedenheit führt zur Verblödung,

Wenn ein Affe denkt, „ich bin ein Affe“, dann ist es bereits ein Mensch.

Ein Mensch mit Wurzeln soll zur Pediküre gehen.

Wenn jemand etwas zu sagen hat, der kann es immer sehr einfach sagen. Wenn jemand nichts zu sagen hat, der sagt es dann sehr kompliziert.

Sucht ist, wenn jemand etwas macht, was er machen will und sucht jemand, der es macht, daß er es nicht macht und es nicht machen will.

Sollen die Klugen immer nachgeben, dann wird die Welt von Dummen regiert. Zu viel „Klugheit“ macht dumm.

Wenn man nur das Schlechte bekämpft, um das Leben zu schützen, bringt man gar nichts Gutes hervor und ein solches Leben ist dann nicht mehr lebenswert und braucht nicht beschützt zu werden, denn es ist dann durch ein solches totales Beschützen sowieso schon tot. Man kann so viel Geld für Versicherungen ausgeben, daß man gar nichts mehr zum Versichern hat. Mit Sicherheit ist es eben so.

Zufriedene Sklaven sind die schlimmsten Feinde der Freiheit.

Kreativität ist eine Intelligenz, die Spaß hat.

Wen die Arbeit krank macht, der soll kündigen!

Wenn Deutsche über Moral reden, meinen sie das Geld.

Ein Mensch ohne Erkenntnis ist dann  lediglich ein ängstlicher, aggressiver, unglücklicher Affe.

Denken ist immer grenzüberschreitend.

Der Mob, der sich das Volk nennt, diskutiert nicht, sondern diffamiert.

Legal ist nicht immer legitim.

Wer nicht verzichten kann, lebt unglücklich.

Sogenannte Sozial-, Kultur-, Geisteswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Psychotherapie, Psychoanalyse, sind keine Wissenschaften mehr, sondern immanent religiöse Kultpropheten, organisiert wie Sekten. Es sind Sozio-, Pädago- und Psychokratien, Rackets, die Erkenntnis nicht fördern, sondern verhindern.

Ohne eine starke Opposition atrophiert jede scheinbare Demokratie zur Tyrannei, und ebenso eine Wissenschaft, zur Gesinnung einer Sekte.

Man kann alles nur aus gewisser Distanz erkennen, wer sich ereifert, empört, wer mit seiner Nase an etwas klebt, der hat die Perspektive verloren, der erkennt nichts mehr, der hat nur noch seine Phantasie von der Welt im Kopf. So entsteht Paranoia, die sich Religion, und Religion als Politik, sogar als Wissenschaft nennt.

Islamisten sind eine Gefahr, deswegen werden sie als solche nicht gesehen. Juden sind keine Gefahr, deswegen werden sie als solche gesehen. So funktioniert die Wahrnehmung von  Feiglingen.

Humorlose Menschen könner nur fürchten oder hassen und werden Mönche oder Terroristen.

Menschen sind nicht gleich, jeder einzelne Mensch ist ein Unikat.

Erkenntnis gilt für alle, auch für Muslime, Albaner, Frauen und Homosexuelle.

Islam gehört zu Deutschland, Judentum gehört zu Israel.

Der Konsensterror (Totalitarismus) ist in Deutschland allgegenwärtig.

Es wird nicht mehr diskutiert, sondern nur noch diffamiert.

Es ist eine Kultur des Mobs. Wie es bereits gewesen ist.

Harmonie ist nur, wenn man nicht kommuniziert.

Man soll niemals mit jemand ins Bett gehen, der mehr Probleme hat, als man selbst.

>>Evelyn Waugh, sicherlich der witzigste Erzähler des vergangenen Jahrhunderts, im Zweiten Weltkrieg, herauskommend aus einem Bunker während einer deutschen Bombardierung Jugoslawiens, blickte zum Himmel, von dem es feindliche Bomben regnete und bemerkte: “Wie alles Deutsche, stark übertrieben.“<< Joseph Epstein

Man muß Mut haben, um witzig zu sein.

Dumm und blöd geht meistens zusammen.

Charlie Hebdo: solche Morde an Juden sind euch egal, mal sehen wie”angemessen”  ihr reagiert, wenn (wenn, nicht falls) eure Städte von Islamisten mit Kasam-Raketen beschossen werden.

Christopher Hitchens großartig: „In einer freien Gesellschaft hat niemand das Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Je mehr sich jemand narzisstisch aufbläht, desto mehr fühlt er sich beleidigt und provoziert.

“Das Problem mit der Welt ist, daß die Dummen felsenfest überzeugt sind und die Klugen voller Zweifel.” – Bertrand Russel

Das Problem mit den Islamisten in Europa soll man genauso lösen, wie es Europa für den Nahen Osten verlangt: jeweils eine Zweistaatenlösung, die Hälfte für Muslime, die andere Hälfte für Nicht-Muslime, mit einer gemeinsamen Hauptstadt.

Was darf Satire? Alles! Nur nicht vom Dummkopf verstanden werden, weil es dann keine Satire war.

Islamimus ist Islam, der Gewalt predigt.

Islam ist eine Religion der Liebe,und wer es anzweifelt, ist tot.

Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke. Der Islam ist die friedliche Religion der Liebe George Orwell 2015

Islam ist verantwortlich für gar nichts, Juden sind schuld an allem.

Islamisten sind Satanisten. Islamismus ist eine Religion von Idioten.

Leute fühlen sich immer furchtbar beleidigt, wenn man ihre Lügen nicht glaubt.

Jeder ist selbst verantwortlich für seine Gefühle.

Die Psychoanalyse geht niemanden außer den Psychoanalytiker und seinen Patienten etwas an, und alle anderen sollen sich verpissen.

“Zeit ist das Echo einer Axt
im Wald.
Philip Larkin, Gesammelte Gedichte

Wenn jemand wie Islamisten sein Ego endlos aufbläht, dann verletzt er seine eigenen Gefühle schon morgens beim Scheißen.

„Die sieben Todsünden der modernen Gesellschaft: Reichtum ohne Arbeit Genuß ohne Gewissen Wissen ohne Charakter Geschäft ohne Moral Wissenschaft ohne Menschlichkeit Religion ohne Opfer Politik ohne Prinzipien.“
―Mahatma Gandhi

„Wo man nur die Wahl hat zwischen Feigheit und Gewalt, würde ich zur Gewalt raten.“
―Mahatma Gandhi

Warum zeigt sich Allah nicht? Weil er mit solchen Arschlöchern nichts zu tun haben will.

„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus’. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus’.”  – Ignazio Silone

Politische Korrektheit verlangt eine Sprache für ein Poesiealbum.

Psychoanalyse ist frivol, oder es ist keine Psychoanalyse.

Bunte Vielfalt, früher: Scheiße

Was der Mensch nicht mehr verändern, nicht mehr reformieren kann, ist nicht mehr lebendig, sondern sehr tot. Was tot ist, das soll man, das muß man begraben: Religion, Ehe, Romantizismus, etc.

Romantik ist scheiße.

Die Realität ist immer stärker als Illusionen.

Deutschland gestern: der Wille zur Macht.
Deutschland heute: der Wille zur Verblendung.
Deutschland morgen: 德國

Deutsche Psychoanalyse? Großartig, wie deutscher Charme, deutscher Humor und deutscher Esprit.

Der Widerstand fängt mit einer eigenen, anderen Sprache als die der Diktatur.

Smart phones for stupid people.

Ein Linker kann, muß aber nicht dumm sein.

Wenn man ganzen Staaten nicht übel nimmt, wenn sie mit Millionen Opfern Selbstmord begehen, warum dann einem Co-Piloten mit 149 Toten?

Nur die Reinheit der Mittel heiligt den Zweck.

Ein extremer Narzißt ist ein potentieller Terrorist, und jeder Terrorist ist ein extremer Narzißt.

Islamisierung bedeutet Verblödung.

…der hiesige Autoritarismus (ist) einer ohne Autorität und der hiesige Konventionalismus einer ohne Konventionen. Schon bei den Nazis war nicht das Wort des Führers Befehl, sondern sein Wille, den der kongeniale Volksgenosse erahnte. Nie hätte der Nationalsozialismus funktioniert, hätte den Deutschen jede ihrer Missetaten bei Strafandrohung befohlen werden müssen. Anders, als es das Wort vom „Befehlsnotstand“, von der „Gleichschaltung“ oder vom „Führer“ selber glauben machen will, herrschte das NS-System durch Gehorsam ohne Befehl. (W. Pohrt, Der Weg zur inneren Einheit)

Der faschistische Sozialpakt existiert im bundesdeutschen Postfaschismus weiter als eine im Resultat aufgehobene Voraussetzung, die unmittelbar keine Spur ihrer gewaltförmigen Durchsetzung mehr an sich trägt: umso besser kann diese Tatsache verleugnet und der Nationalsozialismus als das Verbrechen einiger Irrer, als „Unrechtsstaat“, als „das Schlimmste, das Menschen einander je angetan haben“ exorziert werden. Diese Lebenslüge der BRD ist das Fundament aller demokratischen „Vergangenheitsbewältigung“, jenes kollektiven Beschweigens des Nationalsozialismus, das durchaus auch die Form enervierender Redseligkeit annehmen kann. Weil das postfaschistische Deutschland in institutioneller wie personeller Hinsicht in Kontinuität zu seinem Vorgänger steht, muß ausnahmslos jeder Versuch einer Vergangenheitsbewältigung innerhalb des sich weiterschleppenden Systems zur symbolischen Distanzierung, zum substanzlosen Gestus geraten. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Deutschen einen schier unerschöpflichen Vorrat an größeren und kleineren Entlastungslügen angelegt, aus dem sie sich je nach Gelegenheit und Bedarf bedienen. Danach war das nationalsozialistische System wahlweise das Werk von Hitler höchstpersönlich, einer kleinen Verbrecherclique und ein paar Helfershelfern oder des Monopolkapitals und seiner Schergen. Otto Normalvergaser jedenfalls hat „von alledem nichts gewußt“, war „im Grunde auch dagegen“ oder „konnte gar nicht anders handeln“, weil „Befehlsnotstand“ herrschte und man im Falle des Zuwiderhandelns sofort „ins KZ gekommen“ wäre. “ (…) „Heute haben die Verbreitung des Gerüchts und die Verbreitung der Neidbeißerei neue, technische Möglichkeiten. Sie können sich über das Internet und diverse Subnetzwerke und Blogs rasend verbreiten und auch auf die Politik einen Druck erzeugen, sich ihnen zu beugen. Die gesellschaftliche Mobilmachung wirkt so wieder auf die Politik zurück. Sie muss sich den entsprechenden Stimmungen beugen, weil sonst die Wiederwahl gefährdet würde. Die Devise »Ich bin ihr Führer, also muss ich ihnen folgen«, bleibt auch im zerfallenen Postnazismus das prinzipienlose Grundprinzip von Herrschaft.“ (…) Spezialisierung und Diversifikation sind die zeitgemäße Erscheinungsform von Vermassung und Uniformität. (…) 1 x 1 materialistischer Kritik: es  muss darum gehen, Erscheinungen in eine Konstellation zu bringen, in der sie lesbar werden. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. Und weil gerade die Entfernung vom Nazismus die Nähe zu ihm verbürgt, waren und sind das diejenigen, die in Personensache am wenigstens mit Nazifaschistischem in Verbindung zu bringen sind, die Linksradikalen, die Linksliberalen, die Linken, die Antifaschisten, die entschiedensten Schrittmacher dafür, dass der anfangs noch gar nicht wirklich übergreifende postnazistische Fundamentalkonsens tatsächlich totalisiert und auf die Höhe der Zeit gebracht werden konnte. Die Nazis und die Rechten hingegen waren für diesen Vorgang nur von unterordnetem Belang. Sie standen immer schon für eine in ihrer konkreten Ausprägung gestrige Gesellschaftsformation und deshalb ging von ihnen auch nie eine ernsthafte Gefahr eines neuen Faschismus aus. Diese Totalisierung der Gemeinschaft der Demokraten, die hauptsächlich die Linke mit herbeigeführt hat, ist allerdings identisch und das zeigt sich heute mit ihrem Zerfall. Dieser wiederum ist im Selbstwiderspruch der postnazistischen Vergesellschaftung angelegt, in der der bereits erwähnte nazistische Kurzschluss von Staaten Subjekt im Modus permanenter Mobilmachung in den politökonomischen Formen im Doppelsinne aufgehoben ist. Seiner Substanz nach anerkannt und aufbewahrt, wie vorerst suspendiert und seiner Verlaufsform nachgezügelt. Also statt den Blockwarten gab es Aktenzeichen XY, da durfte sich jeder dann auch telefonisch dran beteiligen, aber richtige Jagdszenen gab es in der alten Bundesrepublik nicht oder nur in Ausnahmefällen. Taxiert selbst zu Zeiten der Prosperität jeder insgeheim seinen Erwerb als verkappte Arbeitslosenunterstützung, so mobilisiert die Krise der postnazistischen Vergesellschaftung erst Recht die Sehnsucht nach der alten Staatsunmittelbarkeit. Johannes Agnoli schrieb dazu schon in der Transformation der Demokratie 1966: „Der präfaschistisch liberale Ruf nach dem starken Staat wiederholt sich postfaschistisch neoliberal“. Und damit gerät das ganze System des autoritären Etatismus und geraten letzten Endes die politökonomischen Vermittlungen als solche wieder ins Visier des Volkszorns und es war wiederum die Linke, die noch zu Zeiten, wo keine Krise in Sicht war, im sinistren Tram nach Liquidation der Vermittlungen die Zunge gelöst und ihm neue fantasievolle und kreative, wie es so schön heißt, Äußerungsformen zur Verfügung gestellt hat. Sie war das Laboratorium, in dem die allgemeine Mobilmachung eingeübt und jener darauf zugeschnittenen neue und zugleich sehr alte Sozialcharakter herangebildet wurde, indem sich mittlerweile eine Mehrheit spontan wieder erkennt. Derjenige Sozialcharakter, der nach dem Motto „Ich leide, also bin ich“ sich einerseits unter Berufung auf die höchst unverwechselbare Diskriminierung, die ihm angeblich wiederfährt, zur kleinsten existierenden Minderheit erklärt, sich gleichsam nach dem Muster verfolgter und in ihrer Kultur bedrohter Völker begreift und andererseits als Gegensouverän seine private, warnhafte Feinderklärung allen anderen oktroyieren möchte und diesem Zweck entweder vorhandene gesellschaftliche Organisationen zu Rackets umfunktioniert, neue Rackets gründet oder andere Rackets mit ins Boot holt. Der einstige demokratische Fundamentalkonsens wird dadurch einerseits ins einzelne Subjekt zurückverlagert und andererseits vermittlungslos verallgemeinert. Aus der formell kollektiven Feinderklärung der Mitte gegen die Extreme, das war der Normalfall in der Bundesrepublik bis weit in die 80er Jahre, Terroristenhasse, einige werden sich noch daran erinnern. Aus dieser kollektiven Feinderklärung der gesellschaftlichen Mitte gegen die Extreme wird also die pluralisierte Feinderklärung alle gegen alle, die getrennt vereint sich zusammenrotten und auf diese Weise zerfällt die Gemeinschaft der wehrhaften Demokraten und reorganisiert sich zugleich hin zu zerfallen. Ein Zitat von Wolfgang Port in einem anderen Zusammenhang macht es sehr schön deutlich: „Wie durch höhere Gewalt sondern sich die Langen von den Kurzen, die Weiblichen von den Männlichen, die Alten von den Jungen, die Dicken von den Dünnen ab“ und das Resultat ist eine Segregation und Ghettoisierung durch welche die Metropolen, einem riesigen Freiluftgefängnis mit seinen Unterabteilungen für Männer und Frauen, Jugendliche, Kranke, Alte, Port schreibt etc., man könnte noch Schwule und Lesben und Migranten und was weiß ich noch alles ergänzen, Protestanten, Katholiken, Ossis, Wessis, immer ähnlicher werden. Neu ist, dass dieses Freiluftgefängnis als eine kulturelle Einrichtung und seine Insassen als Kulturbotschafter begriffen werden und es ist diese nahezu flächendeckende Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mehrheit und der einzelnen Individuen in ihr, die in der Postmoderne ihr bewusstloses Selbstbewusstsein und ihre Legitimation erfährt und im antirassistischen PC-Sprech sich ihren Ehrenkodex schafft, ihre Omertà, die sich an ihresgleichen und die verbliebenen Kritiker draußen richtet, Islamophobie ist ihr derzeit aktuellstes Schlagwort. Dieser Vorgang, diese Selbstkulturalisierung der gesellschaftlichen Mitte und ihr Zerfall ist also die Bedingung der neuen Haltung Ausländern und Migranten gegenüber, an denen die Deutschen projektiv ihre ersehnte Regression auf den Stamm illustrieren. Was ihnen umso leichter gelingt, als manch ihrer Repräsentanten und Lobbyisten sich anschicken, genau dem Bilde zu gleichen, das die Deutschen sich seit jeher von ihnen machten und wofür sie von ihnen jetzt nach kollektiv und offiziell ins Herz geschlossen werden. Der mittlerweile zur Dauereinrichtung erklärte Karneval der Kulturen ist nichts anderes als ein Zerfallsprodukt der postfaschistischen Demokratie, mehr noch, er ist diese Gemeinschaft in einer zugleich flexibilisierten und pluralisierten und kollektivierten Gestalt. In dieser Völkerfamilie, die die Deutschen gerne auf der ganzen Welt hätten, wären da nicht Israel und die USA als Störenfriede und die sie aus Mangel an Realisierungschancen deshalb erstmal bei sich zuhause einrichten, geht es dabei zu, wie in jeder guten Familie: Die einzelnen Mitglieder sind einander spinnefeind und die Widersprüche und Konflikte, die daraus resultieren, gehören auch voll und ganz dieser Vergesellschaftung an, sind von ihr konstituiert und dazu gehört ein fein dosiertes Spiel mit Fremdheit und Nähe, das von allen Beteiligten auch weiterhin gepflegt wird, weil damit ein moralisches Plus bei der Gefolgschaft eingefahren werden kann. (…) Der zweite Weltkrieg war ein kulturindustrielles Massenevent. (…) Eine neue Barbarei sei stets zu befürchten, wird sich nicht aus dem Geist Nationalsozialismus unmittelbar speisen, sondern im Gewande von demokratischem Antifaschismus von Lernen aus der Geschichte und political correctness daher kommen.(…) Abwehr des offenen Faschismus durch dessen demokratische Entnazifizierung und Eingemeindung. (…) Je antirassistischer und weltoffener sich die Deutschen aufführen, desto mehr ähneln sie wieder einer gegen ihre Todfeinde verschworenen Horde, die nicht mehr auf Exklusivität pocht, sondern die Anforderungen zum Mitmachen wieder flexibilisiert hat und sich ihr Jagdrevier mit anderen teilt, sofern sie sich bewähren. (…) Die postnazistische Demokratie hat  die nationalsozialistische Mobilmachung des „gesunden Volksempfindens“ zwar nicht abgeschafft, sondern nur sistiert – sie hat es aber andererseits auch in die Latenz abgedrängt und damit gebremst, indem sie es in die mediatisierende Form des bürgerlichen Repräsentationsprinzips zwängte.  (…) „Rassismus“ ist ein ideologisches Stichwort eines anti-rassistischen Rackets, das jeden Realitätsbezugs entbehrt, das seine Mitglieder vielmehr nur als Ausweis von Gesinnungsfestigkeit und Ehrbarkeit vor sich hertragen und das ihnen als probates Mittel dient, um nach Willkür und freiem Ermessen festzulegen, wer gerade als „Rassist“ zu gelten hat. Und dieses „anti-rassistische“ Racket, das sind heutzutage fast alle: längst ist die Gegnerschaft zum Rassismus keine Domäne der Linken mehr, sondern offizielle Staatsraison und common sense aller Ehrbaren und Wohlmeinenden, und das ist die erdrückende Mehrheit.  (…) Von der moralisierenden Aufdringlichkeit und der enervierenden Verlogenheit einmal abgesehen, ist die Ehrfurcht, die „anderen Kulturen“ entgegengebracht wird und die Unterwürfigkeit, mit der ihre Träger geradezu als Heilsbringer verehrt werden, keine Gegenposition zum Rassismus, sondern dessen logische wie historische Voraussetzung, die im Rassismus und allen naturalisierenden Ideologien als ein Moment überlebt: deren Grundmuster ist die projektive Bekämpfung dessen, was man selbst gern möchte, aber nicht erreichen kann, und deshalb gehört zur Diskriminierung der Neger wegen ihrer „Faulheit“ die Bewunderung für den „Rhythmus, den sie im Blut haben“ und die Achtung vor ihrer „sagenhaften Potenz“; somit ist der „Anti-Rassismus“ nichts weiter als die notwendige Kehrseite des Rassismus selbst, die sich von diesem abgespalten hat und gegen ihre eigene Grundlage wendet. Historisch jedenfalls geht die Wertschätzung fremder Kulturen ihrer späteren, „rassisch“ legitimierten Abqualifizierung voran und sie ist auch logisch deren Voraussetzung: Christoph Columbus etwa beschreibt in seinen Tagebüchern die Eingeborenen, die er 1492 auf den Bahamas, Cuba und schliesslich Haiti angetroffen hat, folgendermaßen: sie sind „ängstlich und feige“, „sehr sanftmütig und kennen das Böse nicht, sie können sich nicht gegenseitig umbringen“, „sie begehren die Güter anderer nicht,“ und er resümiert: „Ich glaube nicht, dass es auf dieser Welt bessere Menschen oder ein besseres Land gibt.“ (7)  (…) Protestantische Innerlichkeit: gemäß der Devise, dass vor der schlechten Tat der schlechte Gedanke und das schlechte Wort kommen, die man demzufolge austreiben muss, damit alles besser wird. (…) So kommt es, dass es heute der Anti-Rassismus ist, der, unter dem Vorwand, heldenhaft gegen einen in Wahrheit nicht existenten „Rassismus“ zu kämpfen, Respekt und Toleranz noch für die rückständigsten und unmenschlichsten Sitten und Gebräuche einfordert und damit selbst als Protagonist und Fürsprecher einer Verrassung der restbürgerlichen Gesellschaft fungiert.  (..) Die unterschiedliche Pigmentierung der menschlichen Haut ist eine objektive Gegebenheit, keine bloße Erfindung. (…) Rasse heute ist die Selbstbehauptung des bürgerlichen Individuums, integriert im barbarischen Kollektiv. (…) Der nervige Sozialcharakter des Gutmenschen ist offenbar eine fast zeitlose Erscheinung und in den verschiedensten Lebensbereichen anzutreffen, die Wahrscheinlichkeit, ihm in fortschrittlichen sogenannten „politischen Zusammenhängen“ zu begegnen, ist besonders hoch: werden doch hier traditionell die altruistischen Tugenden – das Mitgefühl, die Solidarität, Selbstlosigkeit etc. – besonders hoch angeschrieben und deshalb sind sie das geeignete Betätigungsfeld für Sozialcharaktere, die sich als Ersatz für ihr eigenes ungelebtes Leben vorzugsweise mit dem Leiden anderer als Fetisch verbinden. (…) Es sind aber gerade die höchsten Tugenden, die die niedersten Instinkte decken, wie schon Marx wusste: „Bis jetzt hat der Mensch sein Mitgefühl noch kaum ausgeprägt. Er empfindet es bloß mit dem Leiden, und dies ist gewiss nicht die höchste Form des Mitgefühls. Jedes Mitgefühl ist edel, aber das Mitgefühl mit dem Leiden ist die am wenigsten edle Form. Es ist mit Egoismus gemischt. Es neigt zum Morbiden […] Außerdem ist das Mitgefühl seltsam beschränkt […] Jeder kann für die Leiden eines Freundes Mitgefühl empfinden, aber es erfordert […] das Wesen eines wahren Individualisten, um auch am Erfolg eines Freundes teilhaben zu können. (…) Und da jeder demonstrative Altruismus nicht nur einen kleinlichen Egoismus bemäntelt, sondern auch mit dem Anspruch des Idealisten einhergeht, erzieherisch auf das Objekt seiner Zuwendung einzuwirken, ist er die adäquate Ideologie von Rackets, und auch das ist Wilde nicht entgangen: Barmherzigkeit, so schreibt er, sei die „lächerlich unzulängliche Art der teilweisen Rückerstattung oder ein sentimentales Almosen, gewöhnlich verknüpft mit dem skandalösen Versuch des rührseligen Spenders, auf (das) Privatleben (der Armen) Einfluss zu nehmen. (…) Im totalisierten Zugriff auf die ihr Unterworfenen ist die sozialistische Bewegung bis auf den heutigen Tag ebenfalls als ein Racket des Tugendterrors anzusprechen, betrachtet sie es doch als ihre Aufgabe, das Proletariat oder das gerade angesagte Subjekt seiner „wahren Bestimmung“ zuzuführen und d.h. es im Sinne der von ihm zu realisierenden Ideale zu erziehen – und das bedeutet stets noch: ihm die Untugenden und Laster auszutreiben, die der Vorhut als Male der individualistischen Bürgerwelt erscheinen: etwa Alkoholabusus, Faulenzerei, „zerrüttete“, „unsittliche“ Verhältnisse zwischen den Geschlechtern etc. Und um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen die selbsternannten Vertreter der Klasse die von ihnen verfochtenen Tugenden in eigener Person glaubwürdig verkörpern und deshalb in einer noch rigideren Weise als der gemeine Bürger sich als Subjekte zurichten, d.h. ihre Individualität dem Allgemeinen (dem Kollektiv, der Klasse, dem Frieden etc.) opfern, um totale Identität mit ihm zu erlangen. Wenn Identität letzten Endes den Tod bedeutet, dann hat die Bemühung um sie vorzeitige Erstarrung und prämortale Leblosigkeit zur Folge – von daher die bis in die Gegenwart zu beobachtenden verhockten, verkniffenen und lauernden Mienen aller professionellen Menschheitsbeglücker, ihre rigide Zwangsmoral und durchgängige Humorresistenz, die immergleichen offiziösen Phrasen, die sie dreschen, die tödliche Langeweile, die von ihnen und ihrem penetranten Sendungsbewusstsein ausgeht, und ihr chronisches Beleidigtsein, wenn sie beim Gegenüber auch nur den Hauch eines Zweifels an ihrer aufgetragenen Gutartigkeit zu erspüren glauben. Und zu alldem glauben diese Leute sich auch noch ermächtigt, diese ihre trostlose Existenz zur verbindlichen Richtschnur für alle anderen zu erklären.“ – Clemens Nachtmann

„Die rebellische Haltung, vor einem Jahrzehnt noch das Privileg von Einzelgängern, ist heute Ausdruck des Konformismus. Man will dazugehören, nicht als Schlappschwanz gelten“ – Horkheimer

„Die Demokratie ist nichts weiter als die Herrschaft des Knüppels über das Volk durch das Volk für das Volk. (…) Es gibt drei Arten von Despoten: den Despoten, der den Leib knechtet, den Despoten, der die Seele knechtet und den Despoten, der Leib und Seele zugleich knechtet. Der erste heißt Fürst. Der zweite heißt Papst. Der dritte heißt das Volk. (..) Wer das Volk führen will, ist gezwungen, dem Pöbel zu folgen“ (…) „Man hört immer wieder, der Schulmeister sterbe aus. Ich wünschte beileibe, dem wäre so. Aber der Menschentypus, von dem er nur ein und gewiss noch der harmloseste Vertreter ist, scheint mir wahrhaftig unser Leben zu beherrschen; und wie auf ethischem Gebiet der Philanthrop die größte Plage ist, so ist es im Bereich des Geistes derjenige, der so sehr damit beschäftigt ist, andere zu erziehen, dass er nie Zeit gehabt hat, an seine eigene Erziehung zu denken […] Wie schlimm aber, Ernest, ist es, neben einem Menschen zu sitzen, der sein Leben lang versucht hat, andere zu erziehen! Welch eine grausame Tortur! Was für eine entsetzliche Borniertheit, die unvermeidlich aus der fatalen Gewohnheit resultiert, anderen seine persönlichen Überzeugungen mitteilen zu wollen! Wie sehr dieser Mensch durch seine geistige Beschränktheit auffällt! Wie sehr er uns und fraglos auch sich selbst anödet mit seinen endlosen Wiederholungen und seiner krankhaften Besserwisserei! Wie sehr er jedes Anzeichen geistigen Wachstums vermissen lässt! Wie verhängnisvoll ist der Kreis, in dem er sich unablässig bewegt.“ – Oscar Wilde
„Was die Menschheitsbeglücker in Wahrheit bewirken, ist ihr eigener moralischer Selbstgenuss in der angemaßten oder tatsächlichen Herrschaft über andere, aber gerade nicht die praktische Lösung der Dinge, um die es ihnen vorgeblich so selbstlos zu tun ist: „In den Augen des Denkers allerdings liegt der wahre Schaden, den das moralische Mitgefühl anrichtet, darin, dass es unser Wissen begrenzt und so verhindert, dass wir auch nur eines unserer sozialen Probleme lösen.“ (Wilde) Das Selbstopfer fürs Kollektiv erweist sich nicht nur als die wahre Selbstsucht, sondern auch als gegen die Gattung gerichtet: „Denn die Entwicklung der Gattung hängt von der Entwicklung des Individuums ab, und wo die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit als Ideal abgedankt hat, ist das Absinken des intellektuellen Niveaus, wenn nicht gar dessen gänzliches Verschwinden die unmittelbare Folge.“ (Wilde) Und das vorgeblich so praktische und zielorientierte Tun erweist sich als in Wahrheit konfus und unpraktisch: denn es verlässt den Bannkreis des Notwendigen und Zwanghaften nicht, ja, es bestärkt dessen Macht umso mehr, je auftrumpfender und verblendeter es sich in seiner moralischen Selbstgerechtigkeit verhärtet und alle Selbstaufklärung abwehrt. Solange die Gesellschaft den Individuen als fremde äußere Macht entgegentritt, verkehrt sich die gute Intention regelmäßig in ihr Gegenteil und ist menschliches Handeln „nur blindes Tun, abhängig von äußeren Einflüssen und angetrieben von einem dunklen Impuls, von dem es selbst nichts weiß. Es ist seinem Wesen nach unvollkommen, weil es vom Zufall begrenzt wird, und unwissend über seine eigentliche Richtung, befindet es sich zu seinem Ziel stets im Widerspruch […] Jede unserer Taten speist die große Maschine des Lebens, die unsere Tugenden zu wertlosem Staub zermahlen oder aber unsere Sünden in Bausteine einer neuen Kultur verwandeln kann.“ (…) Die Misere des Sozialismus von seinen Anfängen bis heute war und ist stets zuverlässig abzulesen an seiner Verachtung aller autonomen, zweckfreien, in sich begründeten und eben darin gesellschaftlich bestimmten Kunst, weil sie die – prekäre und unvollständige – Emanzipation des Individuums von Blut, Scholle, Rasse, Kollektiv vorausträumt und ihr Ausdruck verleiht. Die Kunst, die sozialistische Bewegungen oder Regimes dann hervorbringen und fördern, eine Kunst, die „Partei ergreifen“, „Stellung beziehen“ und „gesellschaftliche Verantwortung“ dokumentieren soll, zerstört jedoch sich selbst und ihre Voraussetzungen. (…) „Kunst ist Individualismus und der Individualismus ist eine verstörende und zersetzende Kraft. Gerade darin liegt sein unermesslicher Wert. Denn was er aufzubrechen versucht, ist die Einförmigkeit des Typischen, die Sklaverei der Konvention, die Tyrannei der Gewohnheit und die Erniedrigung des Menschen auf das Niveau einer Maschine. (…) alle Künste sind amoralisch, ausgenommen die niederen Formen der sinnlichen oder belehrenden Kunst, die uns zu guten oder schlechten Taten anstiften wollen“ (…) Selbstsucht strebt immer danach, der gesamten Umwelt ein Einheitsmaß aufzuzwingen“ „Selbstlosigkeit bedeutet, andere Leute in Ruhe zu lassen, sich nicht in ihr Leben einzumischen […] Die Selbstlosigkeit weiß die unendliche Vielfalt als etwas Kostbares zu schätzen, sie akzeptiert sie, lässt sie gewähren und erfreut sich an ihr.“ (…) „Die erste Pflicht im Leben ist, so künstlich wie möglich zu sein. Die zweite Pflicht ist noch unbekannt.“(Wilde)
Antizionismus und Antiamerikanismus, ihr Philo-Islamismus nichts anderes sind als moderne Varianten des urdeutschen Antisemitismus.  (…) Massen laufen zur Deutschen Ideologie über, wenn Politik und Staat ihnen diesen Weg nicht versperren (…) Der Vernünftige braucht keinen Dialog mit Leuten zu führen, die sich nicht von Grund auf von denjenigen distanzieren, die Juden oder, was dasselbe ist, den Zionismus für ihr und anderer Leute Unglück verantwortlich machen. Er denunziert desgleichen jede Verhandlungsbereitschaft denen gegenüber, die, bevor sie sich als Staatsbürger und Marktsubjekte definiert haben, als Angehörige einer Religions- oder Volksgemeinschaft anerkannt werden wollen. (…) Antizionismus und Antiamerikanismus, ihr Philo-Islamismus nichts anderes sind als moderne Varianten des urdeutschen Antisemitismus. (…) Antideutsch denken und handeln heißt demzufolge, die politischen Vermittlungs- und Repräsentationsformen in Gesellschaft und Staat, die auf der Trennung von freien und gleichen Warenbesitzern einerseits und am Allgemeinwohl orientierten Staatsbürgern andererseits beruht, gegen die zu verteidigen, die diese Teilung zugunsten eines autoritären Volksstaates überwinden wollen, dessen Subjekte von nichts anderem als von seinen Wohlfahrtsleistungen abhängig sind. Wer in diesem Sinne das Etikett „antideutsch“ nicht auch auf sich bezieht, mißachtet zumindest die Gefährlichkeit der – selbstredend nicht auf Deutschland und deutsche Staatsbürger beschränkte, sondern immer schon weltweit grassierende – Deutschen Ideologie, deren historischer Kern darin besteht, daß auf ihr Konto nicht nur „normale“ kapitalbedingte Ausbeutung und Herrschaft, nicht nur die dem Kapital aus Prinzip immanenten Kriege und nicht nur der ihm in seinen Grund eingeschriebene Antisemitismus gehen, sondern fördert das Überleben einer Ideologie, der zudem noch die historisch und empirisch nicht zu leugnende Tatsache eingeschrieben ist, daß die deutsche Fassung der Beziehung von Staat und Gesellschaft die Auslöschung der Menschheit in zwei Weltkriegen im allgemeinen und den eliminatorischen Antisemitismus im besonderen beinahe total verwirklicht hätte. In der Existenz des Staates Israel manifestiert sich der Einspruch gegen den historisch bewiesenen Vernichtungswahn Deutscher Ideologie praktisch und empirisch. – Manfred Dahlmann

„Wird Freiheit mit Zügellosigkeit verwechselt, entsteht Rücksichtslosigkeit.
Am Schluss Gleichmacherei.
Ihr seid aber nicht alle gleich.
Noch nie wart ihr alle gleich.
Ihr lasst es euch aber einreden.
So werdet ihr immer respektloser, ungenießbarer gegeneinander.
Vergeudet in Kleinkriegen eure Zeit, als hättet ihr ein zweites Leben.
Weil ihr tatsächlich alles verwechselt.
Behauptungen mit Beweisen.
Gerechtigkeit mit Maß.
Religion mit Moral.
Desinteresse mit Toleranz.
Satire mit Häme.
Reform mit Veränderung.
Nachrichten mit Wirklichkeit.
Kulturunterschiede haltet ihr für Softwarefragen und ihre Analyse ersetzt ihr mit Anpassung.
Ihr habt die Maßstäbe verloren.
Der Gordische Knoten ist ein Keks gegen eure selbstverschuldete Wirrsal.

Man geht immer fehl, sucht man den Ursprung menschlicher Handlungen außerhalb der Leidenschaft des menschlichen Herzens …

Der Separatismus gendert sich in die Köpfe, sitzt in Regierungen.
Männer sind keine Männer mehr. Frauen keine Frauen, sondern ‚Menschen mit Menstruationshintergrund’, Quote ist Trumpf.
Auf gar keinen Fall sollen Mann und Frau sich noch als zwei Teile eines Ganzen begreifen. Damit die Geschlechter noch mehr aneinander verzweifeln.
Bis alle in destruktiver Selbstbezogenheit stecken.
Am Ende: Mann ohne Eier. Frau ohne Welt.

Auf die Erschöpfung des Mannes wird aber nur die Erschöpfung der Frau folgen, das sage ich euch.
Auf die Verstörung der Kinder folgt die Zerstörung der menschlichen Schöpfung.“– Hans Dieter Hüsch

Es gibt zweierlei Ethik: die moralische, der die Realität egal ist und die der Verantwortung, die reale Folgen der ethischen Forderungen berücksichtigt. Die erste ist gut gemeint, die zweite ist gut gemacht.

Was dem einen seine Souveränität, ist dem anderen seine Eigenmächtigkeit.

Das Schöne am Euro war, dass die Gewinner immerzu gewinnen konnten, ohne dass ihnen gleich die Quittung präsentiert wurde. Denn sie verdienen ja am Ausland, was heißt, eigentlich ein im Maße des Verdienens zunehmend schlechtes Geld – das ist durch den Euro aufgehoben worden: Man konnte ständig an einer anderen Nation verdienen, ohne dass das Geld dieser Nation darunter gelitten hat, weil sie gar kein eigenes hat. Der Wert dieses Geldes repräsentiert nicht die Leistungsfähigkeit dieser Nation. So hat der Euro von dem innereuropäischen Verdienen aneinander sogar noch gelebt; er hat vor der Krise absurderweise nur den Konkurrenzerfolg der Gewinner repräsentiert.

— Das ist ja mit der Idylle charakterisiert. Dass zunächst mal alle Seiten Gewinner des neu eingeführten Euro waren. Auch die, die ihre vergleichsweise Weichwährung gegen den Euro getauscht haben und damit auf einen Schlag Kredit zu ganz anderen Konditionen und Möglichkeiten hatten. Insofern waren die späteren Verlierer erst mal auch Gewinner.

Kein Nazifaschist hat je wirklich geglaubt, er bezöge die Ermächtigung seiner Ansprüche aus dem Teutoburger Wald; keiner seiner demokratischen Erben hat jemals tatsächlich gedacht, ihnen erwüchse Legitimität im Resultat des “Lernens aus der Geschichte”; niemals war ein Sozialist der Ansicht, es sei die famose “Befreiung der Arbeit” und nicht vielmehr das Recht auf Beute, was seine Politik im Interesse der Arbeiterklasse motivierte. Und keinesfalls erwächst den Palästinensern irgendein Recht aus der Tatsache, daß sie zuerst da waren. Einer Gesellschaft, der Hunger kein Grund ist zur Produktion, kann auch das Leiden kein Grund sein zur Solidarität. Es ist die Ideologie, die mit der Unmittelbarkeit des Leidens agitiert, die aus dessen fragloser Evidenz Sinn zu schlagen sucht, sei es im Sinne von Caritas oder Amnesty International, sei es im Sinne der Freunde des palästinensischen Volkes für den Israelhaß der Antisemiten wie für den Islamfaschismus dieses Volkes. Ariel Scharon jedenfalls, der Zionist und praktische Antifaschist, ist dem aufgelösten Rätsel der Geschichte näher als die deutsche Linke, deren “Antifaschismus” sich als Aufstand der Anständigen à la Gerhard Schröder oder als Solidarität mit dem palästinensischen Volk ausagiert. (…) Im Wesen Israels als des ungleichzeitigen Staates der Juden liegt es aber nicht nur, Reaktion auf den Verrat an Aufklärung und Weltrevolution, nicht nur, Notwehrversuch gegen den Nazifaschismus und Asyl zu sein. Sondern eben auch, daß die üblichen Muster der bürgerlichen Rollenverteilung – hier das Gewaltmonopol des bürgerlichen Staates im allgemeinen und dort die Personen, die die Regierungsausübung im besondern besorgen – für den israelischen Staates aufgrund seiner Konstitutionsbedingungen keine Geltung mehr hat. Was sich unter anderem darin zeigt, daß diese “Kritiker” der israelischen Regierungspolitik für den faschistischen Mob und die Behörden, die Selbstmordattentäter belohnen, Verständnis aufbringen (Folge von Besatzung und Ausbeutung), dagegen für den Versuch, die militärische Infrastruktur der Gegner Israels zu zerschlagen, am liebsten die Begriffe Auslöschung oder Ausrottung der palästinensischen Bevölkerung im Munde führen. Wie hinter der treudoofen Frage, ob es nicht möglich sein müsse, Spekulanten als das zu bezeichnen, was sie sind, ohne gleich als antisemitisch zu gelten, so verbirgt sich hinter der treulinken Frage, ob nicht auch in Israel, weil es sich auch dort um eine bürgerliche Gesellschaft handele, Faschismus möglich sei, die Erkenntnis dieser Fusion in verquerer und verschrobener Gestalt. Verquer, weil ja gerade erklärt werden sollte, wie Israel, dieser Fusion zum Trotz, eine parlamentarische Demokratie ist und bleibt; verschroben, weil diese Einheit von Staat und Regierung im Übergang von einem unerträglichen Alten (die Vernichtungsdrohung) zum noch nicht erreichten Neuen (die herrschaftslose Gesellschaft) ja doch den Inbegriff dessen ausmacht, was einmal als “Diktatur des Proletariats”, als Emanzipationsgewalt und organisierte politische Macht der Revolution, auch und gerade auf den roten Fahnen stand. In Anbetracht der Grundidee des Staates Israel, vor dem Hintergrund der linken Staatsmythen, betreffend die “Diktatur des Proletariats”, muß jede Beurteilung der Handlungen der Regierungsvertreter auch die völlig andere Qualität dieses Staates, verglichen mit allen anderen, deutlich werden lassen. (…)

Wenn diese Linke über Israel schwadroniert, dann hört sich das nicht minder grausig an. Dabei liegt der Zusammenhang zwischen dem Antisemitismus und dem Vernichtungswillen gegen die zum Staat gewordene bürgerliche Gesellschaft der Juden, gegen Israel, eigentlich auf der Hand: Der sogenannte Antizionismus stellt nichts anderes dar als die geopolitische, globalisierte Reproduktion des Antisemitismus, das heißt die Erscheinungsform, die er in Weltmarkt und Weltpolitik nach Auschwitz annehmen muß. Der Antizionismus ist der aus den kapitalisierten Gesellschaften in die Welt herausgekehrte Antisemitismus. So ist Israel der Jude unter den Staaten; die Verdammung des Zionismus als eines “Rassismus” durch die UNO gibt es zu Protokoll. Das macht: die moralische Verurteilung der menschlichen Unkosten der Konstitution bürgerlicher Staatlichkeit allein am Beispiel Israels führt vor Augen, was die Welt der Volksstaaten vergessen machen will – daß die Zentralisation der politischen Gewalt über Leben und Tod keineswegs die natürliche Organisationsform der Gattung Mensch darstellt, sondern Ausdruck eben von Herrschaft und Ausbeutung. Dabei ist Israel – und das macht die Kritik an diesem Staat so perfide und muß deshalb immer wieder gesagt werden – der einzige Staat dieser Welt, der für sich eine nicht zu bezweifelnde Legitimität beanspruchen kann. Israel, das ist der ungleichzeitige Staat, der entstanden ist sowohl als Reaktion auf das Dementi aller Versprechungen der bürgerlichen Nationalrevolution, sowohl als Antwort auf den stalinistischen Verrat an der kommunistischen Weltrevolution als auch als zu spät gekommene Notwehr gegen den Massenmord an den europäischen Juden. (…) Israel ist das Schibboleth jener doch so naheliegenden Revolution; es ist der unbegriffene Schatten ihres Scheiterns. Israel ist das Menetekel, das zum einen (und ganz unfreiwillig) die kategorischen Minimalbedingungen des Kommunismus illustriert, und das zum anderen sämtliche Bestialitäten zu demonstrieren scheint, zu denen der bürgerlich-kapitalistische Nationalstaat fähig ist. Wer Israel nicht begriffen hat, wer den Haß auf diesen Staat, den Antizionismus, und wer den Antisemitismus, das heißt den Vernichtungswillen sowohl gegen die in diesem Staat lebenden als auch gegen die kosmopolitisch verstreuten Juden, nicht begriffen hat als das, was Antisemitismus wesentlich darstellt: den bedingungslosen Haß auf die Idee einer in freier Assoziation lebenden Gattung, der hat den Kommunismus nicht als das “aufgelöste Rätsel der Geschichte” begriffen. –

 Der ostentative Muslimeifer aber, der sich im Alltag mancher ‚Allahu-Akbar‘-Brüller vielleicht doch sehr in Grenzen hält, findet im blanken Judenhass unverhoffte Nahrung, wo ihnen unter unendlich öden Koranrezitationen und geistlosen, absurden Vorschriften längst das bisschen ungeglaubten Glaubens zwischen den Fingern zerrann und ihr Muslimsein kaum je mehr ist als das typisch dauerbeleidigte, immer schon jeder Verantwortung ledige Gruppengefühl. Überhaupt will jeder Eifer – insbesondere der aktuelle, rasende Eifer des weltweit angreifenden Islam – den Stachel eines weniger drohenden als hinterrücks längst geschehenen Glaubensverlustes kompensieren.“ Mit anderen Worten: Muslime wurden nicht für ihr abstraktes Muslimsein kritisiert, sondern dafür, was – global betrachtet – die Mehrheit konkret darunter versteht: Die von Gott gegebene Ermächtigung zu Terror, Entrechtung, Antisemitismus. Wer differenziert, sollte nicht unerwähnt lassen, dass Osama bin Laden, Hassan Nasrallah und wie all die schrecklichen Figuren so heißen, in der muslimischen Welt als Helden gefeiert werden – und zwar nicht von einer minoritären Sekte, sondern von Millionen Muslimen, auch in Deutschland. (,,) Der unfreiwillige und verborgene Essentialismus der Postmoderne macht das Begreifen unmöglich, weil er die Beziehung zwischen Allgemeinem, Besonderem und Einzelnem nicht mehr zu thematisieren vermag. Wenn nur noch Vielfalt herrscht und Einzelnes und Allgemeines gewaltsam auseinandergerissen werden, bleibt die Verstandesleistung des begreifenden Subjekts auf der Strecke und die scheinbar ursprüngliche Differenz wird zum Mythos. Nicht nur dem Begriff des Allgemeinen, das ja ein noch einzulösendes ist, wird Gewalt angetan, auch dem Besonderen, dessen Unglück darin besteht, nur ein Besonderes zu sein, und das sich, weil es kein versöhnendes Ganzes gibt, dem schlecht-Allgemeinen, dem Racket nämlich, anschließen muss. – JAN HUISKENS

„Vernunft und Rationalität sind in dieser durchmedialisierten Welt chancenloser denn je. Ein unangenehmer Typ „Heckenschütze“ terrorisiert die Gesellschaft. Seine aktuelle Waffe: Der Phobienvorwurf.“ – Bettina Röhl

„Man wähnt, wenn man nach wissenschaftlichen Regeln sich richtet, dem wissenschaftlichen Ritual gehorcht, mit Wissenschaft sich umgibt, gerettet zu sein. Wissenschaftliche Approbation wird zum Ersatz der geistigen Reflexion des Tatsächlichen, in der Wissenschaft erst bestünde. […] Je tiefer man ahnt, daß man das Beste vergessen hat, desto mehr tröstet man sich damit, daß man über die Apparatur verfügt.“ (Theodor W. Adorno, Philosophie und Lehrer, AGS 10.2, 491)

„Vieles, was im Sinne von Foucaults »Mikrophysik der Macht« populär werden sollte; also die Erkenntnis, daß Macht nicht pyramidal hierarchisch, sondern durch sämtliche gesellschaftliche Bereiche hindurch wirkt, findet sich bereits in der Medizinkritik der Kritischen Theorie. Daß diese Thesen häufig übersehen wurden, mag daran liegen, daß sich Horkheimers entscheidende Äußerungen über Medizin und Psychiatrie nicht in den breit rezipierten Hauptwerken finden, sondern über die Gesamtausgabe verstreut sind. Wiemer suchte sie zusammen und zeigt, wie Horkheimer anhand der Medizin einen wesentlichen Charakterzug des modernen Kapitalismus ausmachte. Mediziner funktionieren laut Horkheimer wie fast jede wirtschaftliche Gruppe im Sinne eines Rackets. »Ein Racket«, erklärt er, »ist eine unter sich verschworene Gruppe, die ihre kollektiven Interessen zum Nachteil des Ganzen durchsetzt.« Allgemein betrachtet heißt das, daß sich die Klassengesellschaft in eine »neofeudale« Struktur verwandelt hat, innerhalb der Interessenverbände »nach dem Prinzip der Selbsterhaltung und der Machtakkumulation« funktionieren. Diesen Wandel macht Horkheimer an den Medizinern fest; und alles, was Horkheimer in seiner Kritik aussparte, von den Krankenversicherungen bis zum Pfusch in Krankenhäusern, wird von Carl Wiemer polemisch auf den neuesten Stand gebracht“  – Max Horkheimer

 

„Ein Shitstorm hat auch seine positive Seite. Da politisch korrekte Gülle meist in Richtung Originalität, Kreativität und Intelligenz geworfen wird, fliegt sie oft genug auf Leute, die zu lesen wirklich lohnt.“ – Evidenz-basierte Ansichten

Eine Frau wird als Frau geboren. ein Mann muß erst ein Mann werden.
Keine Paternalisierung, sondern fortschreitende Maternalisierung. Die Feminisierung und Genderisierug marginalisiert und zerstört die Vaterposition in den modernen »Gesellschaften«, die Vaterrolle erlitt allgemeine Degradierung, die Kanonisierung der Homosexulität im Speziellen und der sexuellen Diversität im Allgemeinen tilgt die noch übriggebliebenen Spuren einer Männlichkeit restlos aus, die nur noch als Schimpfwort der angeblichen „Paternalisierung“ im Jargon der Medien herumgeistert.

„Es kommt in der Psychotherapie darauf an – mit temporärer Unterstützung – sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Wer mit einem Selbstbild lebt, für das die temporär klärende Rolle des Therapeuten eine unerträgliche Kränkung ist, der muß eben versuchen, alleine zurechtzukommen.“ – Hans Ulrich Gumbrecht

Post-Pop-Epoche: der Sieg der Mode über die Sitten.

„Wir brauchen schadhafte Gebäude, durch deren geborstene Wände man hindurch­ sehen kann, um wenigstens einen Anfang zum Denken zu gewinnen.“ – Victor Tausk

„Was man in römischer Zeit das »Abendland« und später »Europa« nennen wird, ist die politische Konsequenz des individualistischen Martyriums, das ein gesprächsfreudiger Stadtstreicher auf sich nahm, um die Legitimität des im universalistischen Dialekt vorgebrachten Neuen gegen die entkräfteten lokalen Sitten zu demonstrieren.“ – Peter Sloterdijk

„Was nützt einem die Gesundheit wenn man ansonsten ein Idiot ist.“ – Theodor Adorno

„Ich bin eine Feministin. Das bedeutet, daß ich extrem stark behaart bin und daß und ich alle Männer haße, sowohl einzelne als auch alle zusammen, ohne Ausnahmen.“Bridget Christie

„Die Tragödie isolierter persönlicher Leidenschaften ist für unsere Zeit zu fade. Aber weshalb? Weil wir in einer Epoche der sozialen Leidenschaften leben. Die Tragödie unserer Epoche ist der Zusammenstoß der Persönlichkeit mit dem Kollektiv.“ –  LeoTrotzki 1923

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Stupidity is demonstrated by people lacking the knowledge they could achieve

Stupidity manifests itself as outraged moralism

Love: only, and not always, a mother loves her child, just as it is, otherwise you have to meet the expectations of others, to be accepted.

Values without empathy are worth nothing

Some people feel physical pain when they should correct their accustomed ideas in favor of reality, they turn all their intelligence with the support of their aggression, for not to recognize the reality and maintain their self-image

More and more feel, think less and less Man does not differ from animals by feelings, because mammals have the same feelings, like man, sadness, fear, anger, love, but by his thought. When he thinks, if he thinks.

Political correctness can be defined as the telling of a lie out of the cowardice in an attempt to avoid upsetting fools not willing to face up to the truth

“In arguments about moral problems, relativism is the first refuge of the scoundrel.” Roger Scruton

They are the same who claim the sex/gender would not be biologically innate, but only a social construct, and at the same time that homosexuality was not a social construct, but biologically innate.

Antisemitism is when one blames the Jews or Israel for issues, he does not blame others

„There are two things,“ said Hitler in 1923, „which can unite people: common ideals and common crime“

After the violent termination of Murder by the Allies were the German (and have remained so to this day) more german than before.

The depraved human creature, the more she feels insulted, disrespected, offended in their honor.

Islam is less a religion and more a totalitarian society, an ideology that demands absolute obedience and tolerates no dissent, no criticism, and prohibits the thinking, knowledge and recognition. True Islam is totally different, the one who will find it will receive a very high reward.

Craziness is, when one always does the same but expects a different outcome

If a monkey thinks “I am a monkey”, then it is already a human

A man with roots should go for a pedicure

Self smugness leads to idiocy, being pissed off leads to enlightenment

If someone has something to say, he can tell it always very easily. If someone has nothing to say, he says it in a very complicated way

Addiction is, when somebody does something he wants to do, yet seeks someone who can make it so he won’t do it and doesn’t want to, either.

If the clever people always gave in, the world would be reigned by idiots. Too much “cleverness” makes you stupid.

If one only fights evil to protect life, one produces nothing good at all and such a life then becomes no longer worth living and thus requires no protection, for it is already unlived due to such a total protection. One can spend so much money on insurance, that one has nothing left to insure. Safety works in the same way.

Happy slaves are the worst enemies of freedom.

Creativity is an intelligence having fun.

If working makes you sick, fuck off, leave the work!

If Germans talk about morality, they mean money.

A man without an insight is just an anxious, aggressive, unhappy monkey.

Thinking is always trespassing.

The mob, who calls himself the people, does not discuss, just defames.

Legal is not always legitimate.

Who can not do without, lives unhappy.

So called social, culture sciences, sociology, psychology psychotherapy, psychoanalysis, are not anymore scientific, but immanent religious cult-prophets, organized as sects.

Without a strong opposition any apparent democracy atrophies to a tyranny, and as well a science , to an attitude of a religious sect.

You can recognize everything from a certain distance only, who is zealous, outraged, who sticks his nose in something, this one has lost the perspective, he recognizes anything more, he has only his imagination of the world in his head. This creates paranoia, which is called religion, and a religion as politics, even as a science.

Islamists are a real danger, therefore they will not be seen as such. Jews are not a danger, therefore they are seen as such. It is how the perception by cowards functions.

People without a sense of humor are able only to fear or to hate and become monks or terrorists.

People are not equal, each single person is unique.

Insight applies to everyone, including Muslims, Albanians, women and homosexuals.

Islam belongs to Germany, Judaism belongs to Israel.

The totalitarian Terror of consensus is ubiquitous in Germany.
There are no discussions anymore, but defamations only.
It is a culture of the mob. As it has already been.
Harmony is only if you do not communicate.

One should never go to bed with someone who has more problems than you already have.

>>Evelyn Waugh, surely the wittiest novelist of the past century, in World War II, coming out of a bunker during a German bombing of Yugoslavia, looked up at the sky raining enemy bombs and remarked, “Like everything German, vastly overdone.”<< Joseph Epstein

One has to be brave, to have a wit.

Stupid and dull belong mostly together.

Charlie Hebdo: you don´t care if such murders are comitted to Jews, we will see how “adequate” you will react when (when, not if), Islamists will begin to bombard your cities with Kasam missiles.

Christopher Hitchens: In a free society, no one has the right not to be offended.

The more someone narcissistic inflates , the more he feels insulted and provoked.

“The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt.” – Bertrand Russell

 The problem with the Islamists in Europe should be solved exactly as Europe requires to the Middle East: a two-state solution, a half for muslims and the another half for not-muslims , with a common capital.

What may satire? Everything! Except be understood by the fool, because then it was not a satire.

Islamimus is Islam preaching violence.

Islam is a religion of love, and he who doubts is dead.

War is peace. Freedom is slavery. Ignorance is strength. Islam is a peaceful religion of love – George Orwell 2015

Islam is not responsible for anything, Jews are guilty of everything.

Islamists are satanists. Islamism is a religion of idiots.

If someone inflates endless his ego, as Islamists do, then he hurts his own feelings already in his morning own shit.

The seven deadly sins of modern society. Wealth without work pleasure without conscience, knowledge without character business without morality Science without humanity, worship without sacrifice Politics without principles
-Mahatma Gandhi

“Where there is only a choice between cowardice and violence, I would advise violence.”
-Mahatma Gandhi

Heroes of today know nothing, can not and do not want anything. They just look like heroes, that’s all.

It may be that early fathers ate their children. Today, the mothers will eat anything, fathers, children and the rest. Everything Mommy, anyway!

Germany yesterday: the will to power.
Germany today: the will to blindness.
Germany tomorrow:

German psychoanalysis? Great, like German charm, German humor and German wit.

The resistance starts with its own language other than that of the dictatorship.

Smart phones for stupid people.

A leftist can, but do not have to be stupid.

If you do not blame states, when they commit suicide with millions victims , so why to blame a co-pilot with 149 dead?

Only the purity of the means justify the end.

A German is a person who can speak no lie, without actually believe Adorno

„Reason and rationality are chance-less than ever in this totally mediatised world. An unpleasant type Sniperterrorized society. His current weapon: The phobia accusation.“ – Bettina Röhl
„A Shitstorm has also its positive side. As politically correct manure it is usually thrown in the direction of originality, creativity and intelligence, she flies often to people who are really worth to read.“ Evidenz-basierte Ansichten
A woman is born as a woman. a man has to become a man.
No paternalization but advancing maternalization. The feminization and genderization marginalized and destroyed the father position in the modern „societies,“ the father role suffered general degradation, the canonization of homosexuality in particular and the sexual diversity generally wipes out the still remaining traces of masculinity completely out,  only as an insult haunts the alleged „paternalization“ in the jargon of mass media.
PostPop era: the triumph of fashion over the morals.
„We need damaged buildings, so you can see through their cracked walls to win at least one viewpoint to start to begin to think. Victor Tausk
„What good is health if you are an idiot then?“ – Theodor Adorno
„What one must be judged by, scholar or no, is not particularised knowledge but one’s total harvest of thinking, feeling, living and observing human beings.“ (…) „While the practice of poetry need not in itself confer wisdom or accumulate knowledge, it ought at least to train the mind in one habit of universal value: that of analysing the meanings of words: of those that one employs oneself, as well as the words of others. (…) what we have is not democracy, but financial oligarchy. (…) Mr. Christopher Dawson considers that “what the non-dictatorial States stand for today is not Liberalism but Democracy,” and goes on to foretell the advent in these States of a kind of totalitarian democracy. I agree with his prediction. (…) That Liberalism is something which tends to release energy rather than accumulate it, to relax, rather than to fortify. (…) A good prose cannot be written by a people without convictions. (..) The fundamental objection to fascist doctrine, the one which we conceal from ourselves because it might condemn ourselves as well, is that it is pagan. (..) The tendency of unlimited industrialism is to create bodies of men and women—of all classes—detached from tradition, alienated from religion and susceptible to mass suggestion: in other words, a mob. And a mob will be no less a mob if it is well fed, well clothed, well housed, and well disciplined. (…) The rulers and would-be rulers of modern states may be divided into three kinds, in a classification which cuts across the division of fascism, communism and democracy. (…) Our preoccupation with foreign politics during the last few years has induced a surface complacency rather than a consistent attempt at self-examination of conscience. (…) What is more depressing still is the thought that only fear or jealousy of foreign success can alarm us about the health of our own nation; that only through this anxiety can we see such things as depopulation, malnutrition, moral deterioration, the decay of agriculture, as evils at all. And what is worst of all is to advocate Christianity, not because it is true, but because it might be beneficial. (…) To justify Christianity because it provides a foundation of morality, instead of showing the necessity of Christian morality from the truth of Christianity, is a very dangerous inversion; and we may reflect, that a good deal of the attention of totalitarian states has been devoted, with a steadiness of purpose not always found in democracies, to providing their national life with a foundation of morality—the wrong kind perhaps, but a good deal more of it. It is not enthusiasm, but dogma, that differentiates a Christian from a pagan society.“ (…)  It would perhaps be more natural, as well as in better conformity with the Will of God, if there were more celibates and if those who were married had larger families. (…) We are being made aware that the organisation of society on the principle of private profit, as well as public destruction, is leading both to the deformation of humanity by unregulated industrialism, and to the exhaustion of natural resources, and that a good deal of our material progress is a progress for which succeeding generations may have to pay dearly. I need only mention, as an instance now very much before the public eye, the results of “soil-erosion”—the exploitation of the earth, on a vast scale for two generations, for commercial profit: immediate benefits leading to dearth and desert. I would not have it thought that I condemn a society because of its material ruin, for that would be to make its material success a sufficient test of its excellence; I mean only that a wrong attitude towards nature implies, somewhere, a wrong attitude towards God, and that the consequence is an inevitable doom. For a long enough time we have believed in nothing but the values arising in a mechanised, commercialised, urbanised way of life: it would be as well for us to face the permanent conditions upon which God allows us to live upon this planet. And without sentimentalising the life of the savage, we might practise the humility to observe, in some of the societies upon which we look down as primitive or backward, the operation of a social-religious-artistic complex which we should emulate upon a higher plane. We have been accustomed to regard “progress” as always integral; and have yet to learn that it is only by an effort and a discipline, greater than society has yet seen the need of imposing upon itself, that material knowledge and power is gained without loss of spiritual knowledge and power. “ – T.S.Eliot
“I am a feminist. All this means is that I am extremely hairy and hate all men, both as individuals and collectively, with no exceptions.” – Bridget Christie

Auch als Psychotherapeut bin ich Architekt.

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„Permanent war for permanent peace“

Öl auf Leinwand 96×120 cm 2003 © Julian S. Bielicki

Auch als Psychotherapeut bin ich Architekt.

Nicht daß ich nur Dachschäden zu beheben hätte!

Julian S. Bielicki 

„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich“, Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi  („Anna Karenina“)

Als Architekt und Psychotherapeut werde ich gefordert, Unglück zu beheben. Dabei darf man die Geschichte desjenigen nicht lediglich interpretieren, sondern man muß sie auch verändern. Auch als Psychotherapeut bin ich weiterhin Architekt. Nicht daß ich nur Dachschäden zu beheben hätte, es sind größtenteils Renovierungen, manchmal mache ich kleine Umbauten, manchmal größere Sanierungen, und bisweilen wird lediglich eine neue Fassade vorgehängt, je nachdem wie der Auftrag des Patienten an mich ist. „Kunst am Bau“ wird jedoch von mir nicht gemacht. Die Voraussetzung ist, daß der Zugang zur Baustelle geschaffen wird, was oft nicht einfach ist, weil viele Bauobjekte weder Fenster noch Türen haben, oft sind es selbsterrichtete massive Betonbunker, mit etlichen Radarstationen ausgestattet, mit Stacheldrahtverhauen und von Minenfeldern umgeben, deren Bewohner in Panik geraten, wenn sie nach draußen ins Dorf gehen wollen. Aber ein Architekt kommt meistens auch da irgendwie durch, es ist eine Verhandlungssache.

Unglücklichen Menschen wird meistens gesagt, sie seien krank und bedürfen einer Heilung. Ich sehe es anders: Die meisten Menschen leben häßlich und bedürfen der Schönheit, nicht einer dekorativen Schönheit, die ihnen von außen gebracht wird, sondern einer eigenen kreativen schöpferischen Umgestaltung ihrer Situation, auch ihrer Denk- und Sichtweise. Das Unglück ist weder medizinisch noch psychologisch, sondern ästhetisch bedingt. Daß das Unglück in neuerer Zeit zunächst von Medizinern und dann von Psychologen okkupiert worden ist, liegt daran, daß alles in neuerer Zeit von diesen beiden Berufsgruppen als ihr Zuständigkeitsbereich beansprucht wird, als ob das Unglück nicht auch z.B. die Domäne der Seelsorger wäre. Man muß schon aufpassen, daß die für jeden Lebensbereich und in der Beanspruchung der eigenen Kompetenz außerordentlich tüchtige Zunft der Mediziner und Psychologen nicht auch den Künstlern und Architekten das Wasser abgräbt. Da Psychotherapeuten und Psychoanalytiker meistens Mediziner oder Psychologen sind, machen sie das, was sie gelernt habe: auswendig Gelerntes anzuwenden. Das wird „Methode“ genannt, etwas immerwieder nach einer Vorlage anzuwenden, also nicht mehr als wiederholt zu kopieren. In Medizin und Psychologie gibt es weder Platz, noch Anerkennung für Kreativität, im Unterschied zu Architektur, in der Originalität und das Neue, das Kreative hochgeschätzt wird. Deswegen ist das Kreative der Psychoanalyse, der Psychotherapie in der alleinigen Handhabung und Bestimmung durch Mediziner und Psychologen völlig untergegangen, es ist nicht nur abhanden gekommen, sondern jeder Anschein von Kreativität wird in den beiden Disziplinen mit Mißtrauen verfolgt und mit Gesetzen der Methodenreinheit und unter dem Vorwand der „lege artis“ Behandlung verfolgt, behindert und ausgemerzt. Nur weil ich Architekt bin, kann ich mit meinen Patienten ihre vorhandenen Fähigkeiten weiterentwickeln und mit Ihnen neue Lösung auf ihrem Lebensweg finden. Und da liegt der Hund begraben, den man findet, wenn man den Kopf in den Sand steckt. Denn in der Psychoanalyse und Psychotherapie muß man dem Menschen helfen, mit seinen Möglichkeiten neue Sichtweisen und damit neue Wege zu erkennen, damit er seine Zukunft bauen kann. Und dafür sind Architekten und Künstler prädestiniert, weder Mediziner noch Psychologen. Die Psychoanalyse, die Psychoanalyse ist in falsche Hände geraten und dort zum Toten und Tabu erstarrt. Freud wird zwar wie ein mumifizierter Lenin in einem Mausoleum verehrt, deutsche Psychoanalyse hat jedoch mit seiner Lehre jedoch heute so wenig gemeinsam, wie zuletzt Marxismus mit der Sowjetunion.

Viele Menschen sind außerordentlich kreativ im Hervorbringen von Problemen, diese Kreativität können sie ebenso nützen, um Probleme zu lösen.

„Das Bekannte überhaupt ist darum, weil es bekannt ist, nicht erkannt“, schreibt Hegel in seiner „Phänomenologie des Geistes“. Zur Kreativität gehört die Zukunft, die unbekannt ist und unbekannt sein muß, sonst wäre sie Vergangenheit, wenn sie bekannt wäre. Wüßten wir die Zukunft, hätten wir zwei Vergangenheiten, eine hinter uns und eine vor uns. Alles was lebt, hat eine Zukunft, was keine Zukunft hat, ist tot. Das ist das Problematische an der Sicherheit, je mehr Sicherheit, desto weniger Neues, desto weniger Zukunft, desto mehr ein Gefühl oder der tatsächliche Zustand, tot zu sein. Die Kunst aber erschafft das Neue und daher konstituiert sie permanent die Zukunft.

Das Problem dieses ganzen Landes ist Mangel an Zukunft. Erpicht auf Sicherheit, Profit und Kontrolle ist für das Neue kein Platz mehr, es gibt nur noch das Alte, und entweder werden alle daran ersticken oder explodieren, eins von Beiden, oder manche werden ersticken und andere explodieren. Das Leben braucht das Neue, wie eine Mauer Dehnungsfugen braucht. Plant man diese nicht ein, wird die Mauer reißen und das imperiale Gebäude der heutigen Konquistadoren, die sich ermächtigen, jeden Teil der Erde, der sich ihrer Zurichtung für die Steigerung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen, wird früher oder später in seinem globalen Dasein in Trümmern zusammensinken.

Die Kunst zeigt meines Erachtens mehr vom Menschen als die Wissenschaft oder psychologische Bücher. Menschen leiden, weil sie ihr Leben langweilig und kitschi empfinden, wenn es für sie an Bedeutung verliert, wenn sie zum Ding, zur Ware geworden, gemacht worden sind.

In meiner psychotherapeutischen Praxis versuche ich das Künstlerische zu bewirken, den Kitsch in Kunst zu verwandeln, meine psychotherapeutische Arbeit hat die gleichen Prinzipien wie die Architektur, wie die Kunst, aus dem Vorhandenen etwas Neues, Lebendiges, Schönes, Erfreuliches hervorzubringen.

Jede Kunst enthält etwas Melancholisches als Moment der Sehnsucht nach dem Schönen. Zugleich drückt jede Kunst, jedes gute Buch auch Hoffnung und Gutes aus und die Möglichkeit von Umkehr und Erneuerung.

Wenn Kunst verstanden wird, ist sie bereits Geschichte geworden. Das Neue, jeder kreativen Schöpfung immanent, wird zunächst nicht verstanden, da vorhandene Bezüge fehlen. Jede Kunst ist widersprüchlich, der Kitsch ist einfach und verständlich. Nur der Tod ist kongruent, das Leben ist immer widersprüchlich.

Deswegen fühlt sich der Mensch nur in der Kunst daheim, außerhalb der Kunst ist er sich selbst fremd und mehr tot als lebendig.

 

 

Julian S. Bielicki, Frankfurt am Main

Freier Architekt

Psychologischer Psychotherapeut

 

Remember: Do X! Don´t do Y!

Protect innocent, respect life, defend art, preserve creativity!

 

http://www.jsbielicki.com/jsb-79.htm

DJ Psycho Diver Sant – too small to fail
Tonttu Korvatunturilta Kuunsilta JSB
Tip tap tip tap tipetipe tip tap heija!
www.psychosputnik.com
http://www.saatchionline.com/jsbielicki
https://psychosputnik.wordpress.com/

They want 1984, we want 1776

They are on the run, we are on the march!

 

I think for food

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Dummheit ist, wenn jemand nicht weiß, was er wissen könnte.

Political correctness ist, wenn man aus Feigheit lügt, um Dumme nicht zu verärgern, die die Wahrheit nicht hören wollen.

“Im Streit um moralische Probleme, ist der Relativismus die erste Zuflucht der Schurken.“ Roger Scruton

Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt.

Islam ist weniger eine Religion und mehr eine totalitäre Gesellschaftsordnung, eine Ideologie, die absoluten Gehorsam verlangt und keinen Widerspruch, keinerlei Kritik duldet und das Denken und Erkenntnis verbietet. Der wahre Islam ist ganz anders, wer ihn findet wird eine hohe Belohnung erhalten.

Wahnsinn bedeute, immer wieder das gleiche zu tun, aber dabei stets ein anderes Resultat zu erwarten

Gutmenschen sind Menschen, die gut erscheinen wollen, die gewissenlos das Gewissen anderer Menschen zu eigenen Zwecken mit Hilfe selbst inszenierter Empörungen instrumentalisieren

Irritationen verhelfen zu weiteren Erkenntnissen, Selbstzufriedenheit führt zur Verblödung

Wenn ein Affe denkt, „ich bin ein Affe“, dann ist es bereits ein Mensch

Ein Mensch mit Wurzeln soll zur Pediküre gehen

Wenn jemand etwas zu sagen hat, der kann es immer sehr einfach sagen. Wenn jemand nichts zu sagen hat, der sagt es dann sehr kompliziert

Sucht ist, wenn jemand etwas macht, was er machen will und sucht jemand, der es macht, daß er es nicht macht und es nicht machen will.

Sollen die Klugen immer nachgeben, dann wird die Welt von Dummen regiert. Zu viel „Klugheit“ macht dumm.

Wenn man nur das Schlechte bekämpft, um das Leben zu schützen, bringt man gar nichts Gutes hervor und ein solches Leben ist dann nicht mehr lebenswert und braucht nicht beschützt zu werden, denn es ist dann durch ein solches totales Beschützen sowieso schon tot. Man kann so viel Geld für Versicherungen ausgeben, daß man gar nichts mehr zum Versichern hat. Mit Sicherheit ist es so.

 

Stupidity is demonstrated by people lacking the knowledge they could achieve

Political correctness can be defined as the telling of a lie out of the cowardice in an attempt to avoid upsetting fools not willing to face up to the truth

“In arguments about moral problems, relativism is the first refuge of the scoundrel.” Roger Scruton

Antisemitism is when one blames the Jews or Israel for issues, he does not blame others

Islam is less a religion and more a totalitarian society, an ideology that demands absolute obedience and tolerates no dissent, no criticism, and prohibits the thinking, knowledge and recognition. True Islam is totally different, the one who will find it will receive a very high reward.

Craziness is, when one always does the same but expects a different outcome

If a monkey thinks “I am a monkey”, then it is already a human

A man with roots should go for a pedicure

Self smugness leads to idiocy, being pissed off leads to enlightenment

If someone has something to say, he can tell it always very easily. If someone has nothing to say, he says it in a very complicated way

An addiction is when someone is doing something what he want to do and is looking for someone who will make him stop it from what he wants to do and who will make him not wanting to do it anymore.