Amerikanische Studierende scheuen zunehmend die Konfrontation mit anderen Meinungen: 2016 wurde eine Rekordzahl von gestörten oder abgesagten Vorträgen verzeichnet. Die freie Lehre ist bedroht

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Mächtige Minderheit terrorisiert mit Angst und Einschüchterung

Redefreiheit an US-Hochschulen: «Microaggression» löst bei US-Professoren Angst aus

Andrea Köhler

Amerikanische Studierende scheuen zunehmend die Konfrontation mit anderen Meinungen: 2016 wurde eine Rekordzahl von gestörten oder abgesagten Vorträgen verzeichnet. Ist die freie Lehre bedroht?

Auf der Seite der Guten ist gut sein – Studierende in Berkeley protestieren gegen den Auftritt von Milo Yiannopoulos.

Als ich unlängst einen guten Freund nach längerer Zeit wieder traf und Anstalten zum üblichen Begrüssungsritual machte, scheute er unwillkürlich zurück. Der Grund für diese irritierende Reaktion ging mir erst im Laufe unseres Gespräches auf. Der Freund, langjähriger Literaturprofessor an einer renommierten amerikanischen Universität, war ein Jahr lang durch die Hölle gegangen. Er hatte gegenüber einer Studentin scherzhaft die nackten Brüste der Steinzeitfrauen am Lagerfeuer erwähnt. Kurze Zeit später ging eine Beschwerde bei der Universitätsleitung ein; Stichwort: «sexual harassment» und sexistische Degradierung von Frauen.

Als der Professor nach einer aufwendigen Prüfung durch eine unabhängige Kommission – und mehreren Stunden «Sensibilitätstraining» – in allen Punkten freigesprochen worden war, verklagte die vermeintlich Geschädigte die Uni auf eine Million Dollar – wegen Vereitelung eines gerechten Verfahrens. Die Sache wurde aussergerichtlich beigelegt und dem Professor Stillschweigen auferlegt. Doch die Geschichte ist signifikant für einen atmosphärischen Wandel an amerikanischen Unis, der einen rigiden Regelkatalog für alle Lebenslagen nach sich zieht. Der Grund für das Zurückzucken meines Freundes: Ein Wangenkuss auf dem Uni-Gelände geht durch, zwei sind tabu.

Hypersensibilitätsspirale

Es ist mittlerweile ein beliebtes Spiel, die Political Correctness zu kritisieren – oder dieselbe mit grotesken Fällen vom amerikanischen Campus zu karikieren. Die Teilnahme an einer Sombrero-Party (Ridikülisierung von Mexikanern), mit falschen Zutaten zubereitetes Bánh mì in der Cafeteria (Verhöhnung der vietnamesischen Küche) oder der Name «Trump», mit Kreide auf den Campus-Asphalt geschrieben, sind Anlass zu lautem Protest, ja gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die blosse Erwähnung des Präsidenten gilt manchen bereits als ein «Akt der Gewalt».

Was als eine legitime Infragestellung der unreflektierten Machtmechanismen begann, ist in den letzten Jahren zunehmend aus dem Ruder gelaufen.

Die eskalierende Hypersensibilitätsspirale, die die Studenten der sogenannten «Snowflakes»-Generation fortwährend in «getriggerte Traumata» und immer schrillere Toleranzkonflikte mit dem Lehrkörper stürzt, hat das Klima an vielen Unis massiv vergiftet. Es ist eine Art Empfindsamkeitsterror entstanden, der nicht nur die Umgangsformen, sondern auch die Grundprinzipien der freien Lehre bedroht.

Was unter dem Terminus «microaggression» bei vielen Professoren bereits echte Furcht auslöst, kann maximale Folgen zeitigen. Wer immer sich in irgendeiner Form zurückgesetzt fühlt, hat das Recht, bei einer extra dafür eingerichteten Stelle Beschwerde zu führen. Ausschlaggebend für die Berechtigung einer Anzeige sind nicht etwa Fakten, sondern nur das subjektive Gefühl. Die Konsequenzen für Lehrende, die vonseiten einer um happige Studiengebühren bangenden Universitätsleitung zusätzlich unter Druck geraten, sind rigoros.

Diese Entwicklung, die mit der – wohlgemerkt wichtigen – Etablierung postkolonialistischer und feministischer Studiengänge in den 1990er Jahren begann, ist freilich weit mehr als nur ein universitäres Problem. Unter dem Einfluss des französischen Strukturalismus waren die traditionellen Hierarchien des wissenschaftlichen – und in der Folge auch des gesellschaftlichen – Selbstverständnisses schon vorher ins Wanken geraten. Auf Erfahrung basierendes Wissen wurde gegen den abstrakten rationalen Diskurs in Stellung gebracht und das subjektive Argument nicht mehr automatisch diskreditiert.

Konservativer Backlash

Doch was als eine legitime Infragestellung der unreflektierten Machtmechanismen begann, ist in den letzten Jahren offenbar zunehmend aus dem Ruder gelaufen. Die Aggressionsbereitschaft an den Colleges spiegelt dabei nur die Stimmung im ganzen Land. Die Erfolge der Frauenbewegung, die Erstarkung der LGBT-Gemeinde und neuerdings auch die «Black Lives Matter»-Proteste haben zu einem konservativen Backlash geführt, der in der Inthronisierung von Donald Trump seinen bisher radikalsten Ausdruck fand.

Mit dem demografischen Wandel und dem wachsenden Einfluss von Minoritäten sehen viele Konservative das bisher vorherrschende männlich dominierte und christlich-weisse Selbstverständnis bedroht, derweil ihre demokratisch gesinnten Landsleute dem Wandel positiv gegenüberstehen. Die amerikanische Nation ist so gespalten wie seit den Kulturkämpfen der 1960er Jahre nicht mehr.

Nicht zuletzt die Gewaltstimulierung auf Trumps Wahlkampfveranstaltungen hat den Graben vertieft. Trumps abfällige Bemerkungen über Frauen und Schwarze und seine Kampfansage an Immigranten und andere Minderheiten sind in der Tat dazu angetan, alle, die ihre mühsam erworbenen Rechte wieder zur Disposition gestellt sehen, in Alarmbereitschaft zu versetzen. Zugleich hat die Gewaltbereitschaft auch an der linksliberalen Front deutlich zugenommen. Das Klima an den Unis ist dermassen aufgeheizt, dass es mitunter auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Jüngster Zankapfel ist die Redefreiheit.

Immer mehr Absagen

Laut der Foundation for Individual Rights in Education (Fire) gab es im Jahr 2016 an den amerikanischen Universitäten eine Rekordzahl von gestörten oder abgesagten Vorträgen vornehmlich konservativer Couleur. Insgesamt 42 Veranstaltungen wurden gestört oder abgesagt, doppelt so viele wie im Jahr 2015. Wie Fire auf ihrer Website aufführt, hat sich die Zahl erfolgreicher «Ausladungen» seit dem Jahr 2000 laufend erhöht.

Es handelt sich zwar nur um einen Bruchteil der Veranstaltungen; die grosse Mehrheit der Reden ging ohne Probleme über die Bühne. Doch die Tendenz passt zu der stetig wachsenden Aversion einer Studentengeneration, die, sonderlich an den liberalen Art-Colleges, die Konfrontation mit anderslautenden Meinungen und damit den Grundpfeiler kritischen Denkens torpediert.

Ausgerechnet der Geburtsort der Free-Speech-Bewegung, die University of California in Berkeley, wo anno 1964 infolge eines Verbots der politischen Agitation auf dem Campus Studentenproteste ausbrachen, hat Anfang des Jahres ein blutiges Exempel statuiert. Anlass war der geplante Auftritt des schwulen rechtspopulistischen Bloggers und Trump-Posterboys Milo Yiannopoulos, dessen Twitter-Account im vergangenen Jahr lebenslang gesperrt worden ist, weil er seine Fans dort zu einer rassistischen Hetzkampagne gegen die schwarze «Ghostbuster»-Darstellerin Leslie Jones aufgefordert hatte. Als die Demonstranten Feuer legten, Scheiben einschlugen und Absperrungen niederrissen, um Yiannopoulos‘ Auftritt zu stören, wurde er kurzfristig abgesagt.

Unter die Protestierenden hatten sich auch 150 Maskierte von auswärts gemischt, die mit Molotowcocktails auf Polizisten losgingen. Doch nicht alle gewalttätigen Demonstranten kommen von ausserhalb. Auch ist nicht jeder Geladene, der am Reden gehindert wird, ein Hassprediger wie Yiannopoulos. Vielmehr hat der Trend inzwischen sämtliche Positionen, die rechts vom linksliberalen Konsens stehen, erfasst.

Angst und Einschüchterung

Im März wurde dem Politikwissenschafter Charles Murray, dessen umstrittene Ansichten zum negativen Einfluss der Sozialhilfe gewiss diskussionswürdig sind, am Middlebury College der Weg versperrt, so dass sein Vortrag aus einem geschlossenen Raum live übertragen werden musste. Die Studenten schlugen gegen die Tür und lösten Feueralarm aus; die moderierende – und Murray kritisch gegenüberstehende – Professorin wurde, als sie in Begleitung von Sicherheitskräften den Raum verliess, so stark verletzt, dass sie ins Krankenhaus kam. Sie habe, gab sie später zu Protokoll, um ihr Leben gefürchtet.

«Es herrscht die Auffassung, dass die ‹Gewalt›, die einem durch eine fremde Meinung angetan wird, mit physischer Gewalt beantwortet werden darf.»

Murray ist kein rechtsradikaler Provokateur, doch hatte das Southern Poverty Law Center ihn aufgrund seiner Befunde als «white supremacist» eingestuft, was als hinreichend dafür galt, ihn nicht sprechen zu lassen. Es wurde behauptet, seine Präsenz auf dem Campus «gefährdet das Wohl der Studenten».

Auch der Vortrag der Autorin Heather Mac Donald über ihr Buch «War on Cops» am Claremont-McKenna College in Kalifornien konnte nur per Live-Stream stattfinden. Aufgrund ihrer simplistischen, faktisch jedoch richtigen These, dass Afroamerikaner eher durch ihresgleichen als durch Polizeigewalt umkämen, wurde Mac Donald als «racist, anti-Black, capitalist, imperialist» und, warum nicht, «fascist» beschimpft. Der Effekt: Nicht der umstrittene Vortrag, sondern die kritische Diskussion darüber wurde verhindert.

Mächtige Minderheit

«Jeder, der die Campus-Orthodoxie angreift, ist heute in Gefahr, als Rassist und Faschist beschimpft zu werden», sagt Jonathan Haidt, Professor für Psychologie an der Stern School of Business an der New York University und Spezialist für die Psychologie des Moralempfindens. Das Prozedere sei stets das gleiche: Wer immer sich von einer Position provoziert fühle, gehe nicht mehr mit Argumenten dagegen vor, sondern rufe auf Facebook eine Protestaktion aus, der sich dann häufig auch Gruppen anschlössen, die ausdrücklich Gewalt befürworteten.

«Es herrscht die Auffassung, dass die ‹Gewalt›, die einem durch eine fremde Meinung angetan wird, mit physischer Gewalt beantwortet werden darf.» Der vermeintliche Opferstatus, der zum Selbstbild der jüngsten College-Studenten gehöre, rechtfertige alle Mittel.

Es handelt sich bei den Protagonisten dieses Gesinnungsterrors wohlgemerkt um eine Minderheit, doch scheint diese die Mehrheit nicht zuletzt durch die Echowirkung der sozialen Netzwerke im Griff zu haben. Sowohl die Professoren, die um ihre Ratings fürchten und jederzeit anonym angezeigt werden können, als auch die Studenten, die mehrheitlich die Redefreiheit befürworten, haben Angst, als rassistisch oder frauenfeindlich verunglimpft zu werden.

Konformismus und Einschüchterung sind die Folge davon. Es geht also vielleicht gar nicht so sehr um empfindsame Seelen und erlittene Traumata als um eine Aufkündigung der Hierarchien – und sei es um den Preis neuer autoritärer Strukturen.

Wer deutsche Medien konsumiert und ihnen glaubt, für den ist eine feindliche Übernahme der USA durch Russland nicht mehr fern.


Deutsche Medien warnen vor der Gefahr

Autor: U. Gellermann
Datum: 22. Mai 2017

Wer deutsche Medien konsumiert und ihnen glaubt, für den ist eine feindliche Übernahme der USA durch Russland nicht mehr fern. Begonnen hatte die russische Invasion, nimmt man das Medien-Szenario ernst, spätestens im letzten US-Wahlkampf: Die Russen hätten demnach der armen Hillary Clinton ihre E-Mails gestohlen und mit der brutalen Veröffentlichung genau dieser Texte die amerikanische Öffentlichkeit zugunsten ihres Konkurrenten Donald Trump beeinflusst. Wie wir alle wissen ging die perfide Strategie auf. Die amerikanischen Wahlberechtigten – über Jahrzehnte mit Fake-News aller Art gefüttert – mussten nun zum Beispiel die Wahrheit über jene miesen Clinton-Tricks lesen, mit denen die Dame Bernie Sanders, ihren Mitbewerber um die Präsidentschafts-Kandidatur ausgeschaltet hatte. So viel hässliche Wirklichkeit konnten die Wähler einfach nicht ertragen.

Auch die hinterhältigen Aktionen des FBI gegen Hillary Clinton waren sicher von den Russen initiiert: Der US-Geheimdienst hatte gegen sie und ihren Mann ermittelt, weil Bill Clinton am allerletzten Tag seiner Präsidentschaft den Börsenmakler und Steuerbetrüger Marc Rich begnadigte, dessen Frau dann prompt großzügig für Clinton spendete. So bekämpften die Russen unter dem Deckmantel der Steuergerechtigkeit die Millionärin Clinton, fraglos um den Milliardär Trump zum Präsidenten zu machen. Doch den wahren Hintergrund der landesverräterischen Verschwörung fasste der West-Berliner TAGESSPIEGEL, stellvertretend für alle deutschen Medien, in einem Kernsatz zusammen: „Der Präsident (Trump) zeigte im Wahlkampf wiederholt eine betont Russland-freundliche Haltung.“ Jeder gute deutsche Redakteur weiß doch, dass Russland der FEIND ist. Und wer freundlich zum FEIND ist, der ist selbst ein FEIND. So einer will doch nur, dass der Russe die USA übernimmt! Das hat schon der Opa des TAGESSPIEGEL-Redakteurs gesagt, nur dass er den Russen damals Iwan nannte und sein Geld in der Propaganda-Kompanie der Wehrmacht verdient hatte.

Doch der Höhepunkt aller Wühlarbeit des Herrn Trump zugunsten der Russen war ein eindeutig illegales Treffen des US-Präsidenten mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Denn in der US-Verfassung, irgendwo im Kleingedruckten, steht ganz sicher: Kein amerikanischer Präsident darf sich jemals mit einem russischen Außenminister treffen! Und dann soll Trump bei diesem Treffen auch noch ein düsteres Geheimnis verraten haben: Terroristen könnten tatsächlich Sprengstoffe aller Art in Laptops verstecken. Drauf wären die Russen natürlich nie von allein gekommen. Schon die ernsten Folgen dieser unglaublichen Nachricht müssten dem sinnfreien Westen schwer zu denken geben. Sind doch mehrere Chefredakteure an Lachanfällen erstickt, als sie diese skurrile Story in feierlichem Ernst als echte Nachricht verkauften. Der Chefredakteur der TAGESSCHAU hat überlebt. Obwohl er diesen Satz zum Laptop-Gate ins Netz stellen ließ: „Es handelt sich um die schwerwiegendste Anschuldigung aller Zeiten gegen einen amtierenden US-Präsidenten. Das darf man nicht unterschätzen“, sagt der ehemalige Harvard-Jurist Alan Dershowitz. – Ja, wenn ein „ehemaliger Harvard-Jurist“ das gesagt hat, dann ist Trump schon so gut wie vor Gericht und erledigt.

Schon bald wird auch der letzte deutsche Medienkonsument erkennen, dass in Washington inzwischen russische Außenpolitik gemacht wird. Es könnte zu spät sein wenn die USA in einem feierlichen Akt die Krim zum ewigen Staatsgebiet Russlands erklären und die Japaner zur Anerkennung der Folgen des Zweiten Weltkrieges drängen und damit die Kurilen end­gül­tig den Russen überlassen. Obwohl der Verlust dieser Inseln nun mal der Preis dafür war, dass sich Japan an die Seite des faschistischen Deutschlands gestellt hatte. – Keiner soll sich rausreden können, er sei nicht gewarnt worden. Hatte doch Benjamin Hodges, der Oberkommandierende der US-Landstreitkräfte für Europa und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion einschließlich Russlands schon im Jahr 2015 in der TIMES vor einer neuen russischen Invasion in Europa gewarnt. Seit dieser Zeit rüstet die NATO zwar kräftig auf, aber mit einem Putsch zugunsten der Russen durch den gewählten US-Präsidenten hatte man bisher nicht gerechnet. Doch die wachsamen deutschen Medien sehen die drohende Gefahr und sie informieren ihre Kunden.

Zu diesen unbestechlichen Warnern vor der russischen Gefahr gehört nicht zuletzt die ZEIT, eine Zeitung, die ihren höchst gebildeten Lesern jüngst unter der Überschrift „US-Präsident von Putins Gnaden“ ein spannendes Szenario vortrug: Schon 2013 habeTrump „nachweislich in Moskau“ die Wahl der Miss Universe organisiert. So nebenbei habe er den Bau eines Trump Tower in Moskau anvisiert. Da muss sich doch der deutsche Studienrat, also der Durchschnitts-Leser der ZEIT sagen: 1. Die Russen hatten schon zur Sowjet-Zeit einen universellen Anspruch. 2. Die Gewinnerin des Miss Universe-Titels war Gabriela Isler aus Venezuela, eine Frau aus dem Land aus dem auch Hugo Chavez, ein Todfeind der USA, kam. 3. Um die Baugenehmigung für den Moskauer Trump-Tower zu bekommen, hat der Immobilien-Dealer sicher seine Seele an die Russen verkauft. Dass der Turm nie gebaut wurde, ist nur ein Beweis dafür, wie trickreich die Russen ihre Trump-Unterstützung tarnen.

Wer sich nicht vorstellen kann, dass deutsche Medien einen solchen Blödsinn fantasieren wie ihn die ZEIT jüngst zusammenschmierte, muss einfach täglich Fernsehen oder seine Zeitung aufschlagen: Die ZEIT ist nicht die Ausnahme, sie markiert die Regel einer Medienlandschaft, die schon lange in den Modus der Kriegspropaganda hochgeschaltet hat.

http://www.rationalgalerie.de/home/russland-regiert-bald-die-usa.html

Es ist der Islam. Faschistisch, lebens- und menschenfeindlich, ein Monstrum.


Wieder ein Anschlag, wieder Tote und Verletzte, wieder betroffene Politiker und eine Netzgemeinde, die sich beim Kondolieren gegenseitig überbietet. Ich bin es leid. Sowohl die Anschläge, die Toten, die Verletzten, die betroffenen Politiker und auch die kondolierende Netzgemeinde. Ich bin nicht mehr „je suis“, denn ich bin längst nicht mehr erschüttert. Erschütternd ist nur die Erkenntnis, dass die Skeptiker es wieder nicht geschafft haben, mit ihrer pessimistischen Einschätzung des Zustandes unserer Welt widerlegt zu werden. USA, Deutschland, Frankreich, Belgien, Großbritannien…es passiert in der Nähe oder weiter weg oder um die Ecke. Wir zählen die Toten, pflegen die Verletzten, singen unsere Hymnen und tun so, als würde sich nichts für uns ändern. Wir kennen die Ursachen, reden aber nicht darüber und finden alle mögliche Ersatzprojektionsflächen, um nur nicht an die bittere Wahrheit heran zu müssen: Es ist nicht soziale Ungerechtigkeit, es ist nicht die Armut, es ist nicht Diskriminierung. Es hat ganz einfach etwas mit dem Islam zu tun.

Diesmal 22/60, 22 Tote und 60 Verletzte, aber wir glauben, das würde nichts mit uns machen. Wir wollen einfach so weitermachen, weil man uns gesagt hat, dass dies die Terroristen am meisten ärgern würde. Wie machen eigentlich die Menschen „so weiter“, die jetzt tot oder verletzt sind? Und „nichts ändern“? Wir haben uns längst geändert, und wie! Wir wurden geändert, ausgetauscht. Auch wenn wir das abstreiten. Wir reagieren wie Wild, das sich an die Jagd gewöhnt hat. Wie werden schreckhaft und neigen zu Überreaktionen und sind doch längst emotional gleichgültig geworden. Wir schauen nach möglichen Fluchtwegen und bei Veranstaltungen tragen Frauen auf Rat der Polizei flache Schuhe, um im Notfall schneller rennen zu können. Wir sind auf Flucht programmiert und wir kennen den Wolf, der uns jagt. Doch wir sorgen uns zu sehr darum, nicht als islamophob zu gelten oder Rassist genannt zu werden, als es für unseren Selbsterhaltungstrieb gut und gesund wäre. Wir könnten schneller laufen oder uns einfach umdrehen und dem Wolf die Hörner zeigen, doch das tun wir nicht. Wir rufen trotzig „jetzt erst recht“ und versprechen hoch und heilig, nichts anders zu machen und laufen dann wie die Lemminge weiter bis zum nächsten Abgrund. Wir werden gleichgültig und wagen es gerade noch, unsere Trauer und Angst hinter einem Hashtag zu verstecken um dann zu beobachten, wie er bei Twitter zum Trend wird. Terrorzeiten sind auch immer Zeiten der Zahlen. Statements, Einschaltquote, Klicks, Trends, Opfer, Täter. 22/60

Schafft endlich Platz in Euren Köpfen!

Auf jeden islamistischen Terroranschlag folgen dieselben Übungen von muslimischen Verbänden und Einflüsterern, die nichts unversucht lassen, die Tat als Missbrauch ihrer sonst friedlichen Religion hinzustellen und den Islam als das eigentliche Opfer zu sehen. Damit muss endlich Schluss sein. Ich behaupte, es kann keine Integration des Islam in die westliche Welt geben. Der Islam gehört auch nicht zu Deutschland, Herr Wulff. Der Islam hat ab sofort Hausarrest, weil er sich als destruktiv, rückschrittlich und nicht reformierbar erwiesen hat. Er kann diesen Hausarrest in den Moscheen verbringen oder bei den Gläubigen zu Hause – aber wer vor die Tür oder den Eingang seiner Moschee auf die Straße tritt, muss den Islam dort lassen. Es ist kein Platz für ihn auf unseren Straßen, in unseren Theatern, Stadien und Cafés, dort wollen wir Menschen begegnen, nicht Muslimen. Deshalb müssen die Dschellaba, der Tschador oder das Kopftuch ab sofort zuhause bleiben, beim Islam, der dort wohnt. Hier draußen bei uns heißen wir Menschen willkommen, nicht ihre Religionen.

An alle Appeaser da draußen, die glauben, so etwas könne man doch nicht fordern, sage ich: Doch, das können wir! Und wir haben es schon einmal getan, als wir uns von den moralisch überkommenen Einflüsterungen der Kirchen emanzipiert haben und sie aus dem Staatswesen verbannten. Diese Kirchen nutzen übrigens gerade die Gelegenheit, um sich im schwarzen Schatten des Islam wieder mehr und mehr in die Politik zu schleichen. Zurück in die Häuser und Kirchen auch mit euch, husch husch! Denkt nicht mal dran!

Und an alle Menschen, die wir ab morgen hoffentlich als Rheinländer, Türken, Schwaben oder Tunesier bei uns begrüßen können, statt sie stets als gekränkte, beleidigte und zornige Muslime ertragen zu müssen: Ihr müsst eure Religion nicht reformieren, wenn ihr das nicht hinbekommt. Aber unsere Geduld mit eurer Religion ist am Ende und wir sind nicht mehr bereit, sie zu ertragen, denn sie vergreift sich in der Öffentlichkeit zu oft an andersdenkenden Menschen und der Politik und stellt dort Forderungen, die uns auf Dauer zu euren Sklaven machen würden. Das können wir in unserem Land, in dem Religion und Staat voneinander getrennt sein müssen, nicht dulden. Löst eure Islamverbände auf, die sämtlich fremdgesteuert sind und nicht zum Wohl der Menschen arbeiten und deren Einflüsterungen euch nur von uns trennen sollen. Löst euch aus eurer Opferrolle, denn ihr seid auch Täter. Hört auf, den Westen für jedes Unrecht verantwortlich zu machen, das euch geschieht oder von dem ihr glaubt, es sei euch einst geschehen. Für das gegenseitige Aufrechnen der Geschichte würden wir zu lange brauchen und die Rechnung ginge auch nicht unbedingt gut für euch aus, glaubt mir. Deshalb unser Angebot: Geschenkt! Uns interessiert die Gegenwart und in der wird die Mehrzahl eurer Glaubensbrüder schließlich immer noch von jenen getötet, die sich wie ihr auf den Islam berufen. Also hört auf zu jammern! Und hört endlich auf, von der großen allumfassenden Umma zu träumen und schafft stattdessen Platz in Euren Köpfen für Individualität. Seid Menschen, keine Borg! Denkt selbst. Am besten, nachdem ihr Haus oder Moschee verlassen habt.

„Viele strenggläubige Menschen reden so, als wäre es die Aufgabe der Skeptiker, überkommene Dogmen zu widerlegen, und nicht die der Dogmatiker, sie zu beweisen. Das ist natürlich ein Fehler.“ Bertrand Russell

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt.

http://www.achgut.com/artikel/wir_wissen_doch_wer_uns_jagt

rotgrüne Judenhetze


Jared Kushner ist mir ziemlich fern, auch das Milieu, in dem er aufgewachsen ist, das Land, in dem er lebt, ich weiß fast nichts von ihm, außer, dass er im Immobilienhandel – einem mir unbegreiflichen Geschäft – reich geworden ist und heute Schwiegersohn eines Mannes, der kürzlich, zum Ärger vieler, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde. Was ich mit Kushner gemeinsam habe, ist der Umstand, dass ich Jude bin wie er, noch dazu einer, der sein Jude-Sein nicht bedauert und nicht verbergen will.

Und aus diesem Grund, weil ich Jude bin wie Kushner, kann ich nicht ohne leichtes Grausen lesen, wie deutsche Medien den Schwiegersohn und Berater des ihnen unliebsamen amerikanischen Präsidenten darstellen. „Der Einflüsterer“ nannte ihn Die Zeit bereits am 22.November 2016 (als er noch gar keinen Posten im Weißen Haus hatte), die Süddeutsche Zeitung, in phantasieloser Abwandlung, „Der Trump-Flüsterer„. Für den Spiegel ist er „der Schatten„. Zugleich wird Präsident Trump als gefährlich und unberechenbar dargestellt, womit das Bild perfekt wäre. Der als „Einflüsterer“ oder „Schatten“ hinter einer gefährlichen, unberechenbaren Macht stehende Jude ist ein geradezu klassisches Stereotyp des Judenhasses.

Das gilt keineswegs nur für die Vergangenheit. Die Juden als schattenhafte Drahtzieher internationaler Intrigen, als wahre, wenn auch geschickt verborgene Ursache des Übels, das über ahnungslose Völker kommt – wir finden dieses Bild auch heute weit verbreitet, zum Beispiel im tagespolitischen Schrifttum islamischer Länder, in Zeitungen, Zeitschriften, pseudo-religiösen Traktaten oder in den zahllosen arabischen Übersetzungen der „Protokolle der Weisen von Zion“. In ihrer lesenswerten Studie „Kritik des islamischen Antisemitismus“ zitiert die Antijudaismus-Expertin Ulrike Marz unter anderem aus einer Propaganda-Schrift der Revolutionären Garden des Iran: „The Jews, as always, have been the forerunners and planners of conspiracies (…) Many Muslims have been murdered by the hidden hand of the Jews, with similar regimes imposed by them on Islamic countries, and conspiracies have conspired against the dear Islam.“

Zeit, Süddeutsche und Spiegel begnügen sich vorerst damit, eine Aura des Unheimlichen um Jared Kushner zu weben, den „Einflüsterer“ im Weißen Haus. Sie verdächtigen ihn, arbeiten mit Vermutungen, anonymen Quellen, unbewiesenen Behauptungen. Gelegentlich stößt sich ein Leser dieser Medien daran, wie kürzlich im Leserforum von Spiegel Online: „Namenlose Kronzeugen, anonyme Quellen, Konditionalsätze, könnte, hätte, sollte, würde, falls, wenn, angeblich – wirklich sehr seriös!“ Und manchmal, seltener, fällt sogar den SchreiberInnen das Substanzlose ihrer Nachrede auf, wie der Autorin der Zeit, die an einer Stelle ihres „Einflüsterer“-Pamphlets eingestehen muss: „Dass dies auf Betreiben Kushners geschah, lässt sich nicht belegen.“

Belege sind auch nicht das Entscheidende beim Schüren einer Stimmung. Eindrucksvolle Bilder sind gefragt wie das vom Schattenmann und seinem unheimlichen Wirken. Judenhetze beginnt mit der Dämonisierung der zukünftigen Opfer. Diese erste Phase des judenfeindlichen Konstrukts haben die deutschen Leitmedien in ihrer Darstellung Jared Kushners erreicht. Ich hoffe für Deutschland, dass es diesmal dabei bleibt.

Merkel fand für das Attentat den Begriff „unbegreiflich“.

achgut.com

Nur für Vollidioten ist der islamofaschistischer Terror unbegreiflich.

Ahnungslosigkeit? Unfähigkeit? Verantwortungslosigkeit? Weltfremdheit?


Der Abend des 22. Mai war milde, wir haben nach dem Abendessen den Gartenkamin angemacht und bei einem Wein dem Feuer zugesehen, und die Katze legte sich auf mich, und irgendwann bin ich auf der Bank eingeschlafen, und als ich wach wurde, war das Feuer runter gebrannt und es war 23.20 Uhr, und ich bin ins Haus gegangen und die Katze auf ihre nächtliche Tour.

Zu etwa dieser Zeit explodierte die Bombe des islamischen Terroristen in Manchester und tötete, verletzte und zerstörte die Seelen tausender, zumeist junger Menschen im Namen Allahs.  Wieder einmal ist das eingetreten, was ich jeden Morgen, wenn ich die Medien einschalte, angstvoll erwarte. Das, was mit absoluter Gewissheit wieder und wieder geschieht und sich nur in seinen Dimensionen sowie dem Ort unterscheidet.

Die Kanzlerin in Berlin fand für das Attentat den Begriff „unbegreiflich“. Kann man seine Ahnungslosigkeit, Unfähigkeit, Verantwortungslosigkeit, Weltfremdheit, kurz, sein völliges politisches, geistiges und moralisches Versagen besser unter Beweis stellen, als durch das Wort „unbegreiflich“? Nicht begreifen kann man eine solche Tat doch nur noch, wenn man nicht die geringste Vorstellung davon hat, was in den Köpfen derjenigen vorgeht, die sich in einem Krieg gegen uns, unsere Kultur, unsere Freiheiten und Werte befinden. Wenn man immer noch glaubt, es seien nur die Taten einiger weniger Verwirrter, die den Islam nicht verstanden hätten. Wenn man immer noch nicht begriffen hat, dass durch fatale politische Fehlentscheidungen diesem Krieg das Schlachtfeld erst verfügbar gemacht wurde. Wenn man immer noch glaubt, der Kampf gegen Gegner und Kritiker dieser Verblendung sei wichtiger als der Schutz des Landes und seiner Bevölkerung.

Ich gestehe, so schrecklich es war, Dienstagmorgen die ersten Nachrichten aus Manchester zu erfahren, ich reagierte zunächst mit betäubtem Fatalismus. Aha, da war es also, das nächste Ereignis, mit dem man ja schon gerechnet hatte. So richtig unter die Haut gingen mir die Meldungen erst, als britische Medien den Todesopfern, darunter ein achtjähriges Mädchen, ihre Gesichter gaben; etwas, das man hierzulande den Opfern vom Breitscheidplatz verweigerte; nicht aus Pietät, sondern weil man in Berlin genau weiß, dass die Mordfahrt des „Flüchtlings“ A. A. dadurch in der Erinnerung der Öffentlichkeit eine viel tiefere Wunde hinterlassen hätte. Stattdessen wird wie immer ranziger Quark breitgetreten: Alles Einzelfälle, die nichts mit dem Islam zu tun haben und wegen derer wir unsere Lebensweise nicht verändern dürfen. Schließlich wird man eher vom Blitz erschlagen als überfahren, erstochen oder in die Luft gesprengt. So was gehört zum normalen Lebensrisiko dazu. „Wir sollten jetzt erst recht auf die Straße gehen, tanzen, in den Cafés sitzen und Fußballspiele nicht absagen“, so Margot Käßmann im vergangenen Jahr.

Generalverdacht beim Abschließen der Haustür

Wenn mir etwas unbegreiflich ist, dann, dass Menschen noch immer so etwas im vollen Ernst verkünden und vertreten. Wenn es unterbelichtete Relativierer ohne jede Funktion sind („Die IRA hat mehr gebombt“, „Das Kind hätte auch bei einem Unfall umkommen können“, „Man muss schon fragen, was machen achtjährige Kinder abends auf einem Konzert?“), die so etwas ablaichen, ist mir das weitgehend egal, auch wenn es nicht gerade schön ist zu wissen, dass man von derartigen Gedanken umgeben ist.  Nicht egal ist mir hingegen, dass Personen, die qua Amt und Eid dazu verpflichtet sind, Schaden vom deutschen Volk abzuhalten, erschreckend eindeutig in einem Paralleluniversum unterwegs sind, das mit unserer täglichen Realität kaum noch etwas zu tun hat. Einer alles andere als entspannten Realität, die ja nicht nur aus spektakulären Attentaten besteht, sondern sich im Alltäglichen längst verfestigt hat. Morde, Vergewaltigungen, Körperverletzungen, Sachdelikte – die Kriminalstatistik spricht eine unverständliche Sprache. Zu vermuten, dass diese bei aller Drastik noch geschönt ist, dürfte nicht weit hergeholt sein. Das alles findet im Paralleluniversum zwischen Maas und Merkel aber nicht statt. Unbegreiflich? Vielleicht auch nicht.

Vor einigen Monaten schrieb ich für „Achgut“ einen Text über den so genannten „Generalverdacht“. Die Überschrift damals lautete: „Generalverdacht, warum eigentlich nicht?“ Diese Frage erscheint mir heute naiv und an der täglichen Realität vorbei. Oder, um es mit der Kanzlerin zu sagen: Sie ist mir unbegreiflich. Es geht gar nicht ohne Generalverdacht! Wer sich heute noch ohne Generalverdacht bewegt, ist im höheren Maße gefährdet, als man es ohnehin im Europa des Jahres 2017 ist. Generalverdacht ist unabdingbar, allein schon, weil es daran nichts Schlimmes, Unmoralisches und Rassistisches zu finden gibt. Erst durch die Stigmatisierung und Nazifizierung einer ganz und gar notwendigen Haltung gegenüber möglichen Gefahren wurde etwas zu einem Übel erklärt, ohne das keine Spezies auf der Erde überleben könnte. Das war immer so und ist heute nicht anders und wird von niemandem infrage gestellt, außer, wenn es um Migranten, insbesondere muslimischen Glaubens, geht.

Ansonsten verhält sich jeder Mensch im Alltag gewohnt vorsichtig. Wer seine Haustür abschließt handelt ebenso generalverdächtigend wie derjenige, der sich nur in gepanzerten Fahrzeugen bewegt und nur umgeben von Personenschützern in der Öffentlichkeit bewegt. Mag sein, dass so jemand aufgrund seiner gesellschaftlichen Position gefährdeter ist als andere. Aber auch gefährdeter als Frauen, die sich allein abends oder nachts auf der Straße bewegen, auf dem Heimweg von einer Party oder einem Kneipenbummel? Gefährdeter als Männer, die lieber einen Bogen um eine Gruppe ihnen suspekter Gestalten macht, als ihnen „mit Liebe zu begegnen“? Gefährdeter als die Besucher eines Popkonzerts, also einer Art von Veranstaltung, über die von deutschen Muslimen – die den Koran natürlich „falsch verstanden“ haben – folgendes verbreitet wurde (Schreibfehler und Interpunktion von mir korrigiert): „Salam, Musik ist nach der Sunnah des Propheten Muhammad Saaws haram. Der Imam sagte, Musik ist der Leiter der Unzucht, und wer Musik hört, soll am Tag der Auferstehung heißes Blei in seine Ohrmuschel bekommen.“ Und an anderer Stelle:„Das Haus, in dem Musik gespielt wird, ist nicht sicher vor plötzlichen Katastrophen. Gebete an einem solchen Ort werden nicht beantwortet. Es wird keine Engel an diesem Ort geben.“  Lassen Sie sich diese Worte vor dem Hintergrund der Ereignisse in Manchester einmal etwas länger durch den Kopf gehen.

Hinter schützenden Mauern gegen den Bau von Mauern wettern

Ebenso wie die wirre Theologie einer Käßmann, eines Woelki, eines Bedford-Strohm oder eines Franziskus, der, hinter meterhohen Mauern im Vatikan residierend, das Errichten von Mauern verteufelt. Es ist der Humanismus, die Ersatzreligion der Moderne, der dabei ist, sich selber einschließlich uns allen ans Messer zu liefern, in dem Irrglauben, ein wirtschaftlicher, kultureller und moralischer Fortschritt sei der Tatsache überlegen, dass der Mensch nichts anderes als ein zweibeiniges Säugetier ist. Der Humanismus sieht sich als säkulares Gegenbild zum Gottesglauben. Dabei beruht seine Grundüberzeugung, die Geschichte der Menschheit sei eine Fortschrittsgeschichte, auf nichts als Aberglauben und ist noch weiter von der Wahrheit entfernt als jede Religion.

Der Humanismus selber ist eine Religion, basierend auf der Vorstellung, im Gegensatz zu den Tieren seien wir frei, unser Leben nach unserem Ermessen selbst zu gestalten. Eine Vorstellung, die nicht naturwissenschaftlichen Ursprungs ist, sondern auf die christliche Religion zurückgeht. Also dem Weltbild, das gerade die Humanisten vehement ablehnen. Von eben diesem hat der Humanismus seine Vorstellung übernommen, wir könnten eine Welt errichten, die besser ist als jede, in der Menschen zuvor gelebt haben. Besser im ökologischen wie moralischen Sinn. Anders gesagt: Ziel der Humanisten ist es, die gesamte Menschheit zu emanzipieren. Noch anders gesagt: Generalverdacht war früher, heute sind wir weiterentwickelt.

Dabei ist die Welt eine grandios-erschreckende Freiluftausstellung gescheiterter politischer Utopien. Utopien, die stets aus dem Irrglauben entstanden, wir Menschen besäßen eine Kontrolle über unser Schicksal. Aber Menschen, so erkannte es Charles Darwin, ganz im Widerspruch zu der christlichen Kultur, der auch er entstammte, stehen nun einmal nicht über allen anderen Lebewesen. Selbst wenn unser Wissen und damit unsere Macht über die Erde weiter zunehmen wird, der Mensch bleibt trotzdem das, was er ist: ein fraglos kreatives Lebewesen, das zugleich auch eines der räuberischsten und zerstörerischsten ist. In dieser Natur gibt es keine Belohnung für Fernstenliebe und Humanismus. „Himmel und Erde sind nicht gnädig. Ihnen sind die Menschen wie stroherne Opferhunde.“ (Laotse)

Selbst wenn es in demokratisch geprägten, aufgeklärten Gesellschaften mit einem regen, kontroversen und vernunftgetragenen Weltbild möglich sein sollte, der angestrebten Emanzipation vom Säugetier zum Weltretter in Details näher zu kommen – sobald es zur Begegnung mit anderen Kulturen kommt, denen alle diese Vorstellungen und Ansprüche vollkommen fremd sind, reduziert sich die Basis der Konfrontation wieder auf das ewig gültige Survival of the fittest. Wenn Margot Käßmann auch islamischen Terroristen „mit Beten und Liebe begegnen“ will, zeigt das eindrucksvoll die Verblendung auf, mit der unsere „Vordenker“ und Politiker, ob aus religiöser oder säkularer Überzeugung, auf unbegreifliche Weise Gefahren ignorieren, die inzwischen unmittelbar demokratische Gesellschaften bedrohen. Käßmann kann sich offensichtlich nicht vorstellen, dass es Menschen, Gruppen und Völker gibt, denen es völlig fremd und egal ist, dass „Jesus unvergesslich wurde, weil er am Kreuz starb und nicht zum Schwert griff.“ Wie würde es der frommen Frau wohl ergehen, wenn sie mit derartigen Sprüchen zu einem Theologengespräch nach Raqqa, der Schlangengrube des Islamischen Staats, reist?

Während ich dies schreibe, höre ich die Nachbarkinder im Garten spielen. Eins von ihnen ist ein achtjähriges Mädchen, es ist liebenswürdig, spielt oft und gerne und voller Respekt mit unserer Katze und geht morgen zur Kinderkommunion, auf die es sich von Herzen freut. Auf wen und was mag sich das kleine Mädchen als Nächstes gefreut haben, das vorgestern Abend von der Bombe eines Menschen getötet wurde, dem wir mit all unserem Entgegenkommen, unserem Beten und Lieben nur eins sind: schwach und hilflos und wert, vernichtet zu werden, im Namen und Dienst seiner Religion.

 http://www.achgut.com/artikel/unbegreiflich_nicht_fuer_jeden

Trump wird dämonisiert


Seit Trumps Wahl versinkt die Linke in selbstgerechter Entrüstung. Dabei hat sie jetzt die Chance, sich selber zu erneuern.

«Wenn ich mich nicht für die Unterprivilegierten einsetze, tut es ein anderer»: Orson Welles «Citizen Kane» formuliert die Logik, die auch Donald Trumps Handeln prägt. (Bild: Rue des Archives / Keystone )

«Wenn ich mich nicht für die Unterprivilegierten einsetze, tut es ein anderer»: Orson Welles «Citizen Kane» formuliert die Logik, die auch Donald Trumps Handeln prägt.
(Bild: Rue des Archives / Keystone )

Es ist unangemessen, Donald Trump als Faschisten zu bezeichnen. Aber seine ersten Amtshandlungen als Präsident zeigen, dass Walter Benjamins These, jeder Aufstieg des Faschismus zeuge von einer gescheiterten Revolution, nicht nur noch immer gültig ist, sondern vielleicht sogar relevanter denn je. Die Wahlniederlage war der Preis, den Hillary Clinton für die Ausschaltung von Bernie Sanders zahlen musste. Sie verlor die Wahl nicht, weil sie sich zu sehr nach links bewegte, sondern weil sie zu zentristisch agierte und die Revolte gegen das Establishment nicht auffangen konnte, von der Trump genauso profitierte wie Sanders.

Ein Demonstrant in Portland erklärte, zum ersten Mal in seinem Leben habe er Angst vor seinem Präsidenten. Das zeigt, dass er die wahre Gefahr verkannte. Denn was er eigentlich fürchten müsste, ist der Konsens des linksliberalen Mainstreams, in dem Trump entstehen konnte. Es liegt ein Stück Wahrheit in der Behauptung, Hillary Clinton habe ihre Niederlage der Political Correctness zuzuschreiben – nicht weil die PC im Widerspruch zur Haltung vieler Menschen steht, sondern weil mit der Political Correctness etwas falsch läuft.

Trumps Strategie lautete: verhindern, dass die Enteigneten sich selber für ihre Rechte wehren.

Obwohl die Befürworter der PC von Konservativen als Marxisten beschimpft werden, ist die PC nicht Sache der echten Linken. Sie stellt den Versuch dar, soziale Gegensätze einzuebnen, indem wir die Art und Weise regulieren, wie wir reden. Die Reaktion der Linken auf Trumps Wahl sollte sich deshalb nicht auf selbstgefällige moralische Entrüstung beschränken, sondern in harter Selbstkritik bestehen: Trumps Sieg gibt der Linken die einzigartige Chance, sich selbst zu erneuern.

Die Logik im Widerspruch

Vor wenigen Monaten waren Schwule, Lesben und Transgender Thema auf den Frontseiten der Medien – als ob das grösste Problem der Gesellschaft darin bestünde, wie wir die Geschlechtertrennung auf Toiletten überwinden oder ein Personalpronomen für all jene schaffen, die sich weder als «er» noch als «sie» bezeichnen. Nun sind wir mit dem Rückschlag der Unterdrückten konfrontiert – und mit dem Wahlsieg eines Menschen, der bewusst mit allen PC-Regeln brach, direkt und vulgär.

Trump ist der Paradefall eines «two-spirit capitalist», wie wir ihn im Film «Citizen Kane» kennenlernen. Kane wird dort von einem Vertreter des Grosskapitals angegriffen, weil er eine Zeitung finanziert, die für die Rechte der Unterprivilegierten eintritt. Kane räumt den Widerspruch ein und erklärt die Logik seines Handelns.

Er sei ein gefährlicher Schuft, sagt Kane von sich selber: Aber als Herausgeber des «Enquirer» sei es seine Pflicht, dafür zu sorgen, dass die anständigen Leute in dieser Stadt nicht von einer Gruppe geldgieriger Piraten ausgeraubt würden. Und er selber sei genau der Richtige, um das zu tun, denn er habe Geld und Besitz: «Wenn ich mich nicht für die Interessen der Zu-kurz-Gekommenen einsetze, tut es jemand anderer. Vielleicht jemand ohne Geld und Besitz – und das wäre tatsächlich schlecht.»

Dieser Satz formuliert prägnant, was falsch daran ist, dass sich der Milliardär Donald Trump zum Wortführer der Enteigneten aufwirft: Seine Strategie lautet: verhindern, dass die Enteigneten sich selber für ihre Rechte wehren. Trump ist also weit davon entfernt, einfach widersprüchlich zu sein. Was als Widerspruch erscheint, ist der Kern seines Projekts.

Ödipus-Politik

Der Philosoph Richard Rorty hat früh auf diesen Punkt hingewiesen. In seinem Buch «Achieving Our Country» (dt. «Stolz auf unser Land») sah er bereits vor zwei Jahrzehnten den Konflikt zwischen Identitätspolitik und dem Kampf der Entrechteten klar voraus. Und er sah auch, dass dieser Konflikt einem Populisten mit einer dezidierten Antiidentitätspolitik zur Macht verhelfen könnte.

Wenn die arme, weisse Wählerschaft merke, dass sich das linksliberale Establishment um ihre Notlage foutiere, obwohl es ständig von sozialer Gerechtigkeit rede, dann, schrieb Rorty: «Die ärmeren Wähler würden zu dem Schluss kommen, dass das System versagt habe, und einen starken Mann wählen wollen, der ihnen verspricht, dass unter ihm die feinen Bürokraten, raffinierten Anwälte, überbezahlten Anlageberater und postmodernistischen Professoren nicht mehr das Sagen haben.

[. . .] Eines dürfte sehr wahrscheinlich geschehen: Die Fortschritte der schwarzen und braunen Amerikaner und der Homosexuellen in den letzten vierzig Jahren würden weggefegt. [. . .] Alle Ressentiments, die Amerikaner mit schlechter Schulbildung dagegen haben, dass ihnen die Akademiker gute Sitten vorschreiben wollen, würden ein Ventil finden.»

Rorty war nicht der Einzige, der das antizipiert hat. Aber wie es in der Politik so ist: Das Bewusstsein, dass sich die Dinge in eine gefährliche Richtung entwickeln, verhindert diese Entwicklung nicht nur nicht, es befördert sie manchmal sogar – die Politik ahmt das Schicksal des Ödipus nach. Die Linksliberalen warfen Sanders vor, er untergrabe die Identitätspolitik.

Tatsächlich tat er das Gegenteil: Er beharrte auf einer Verbindung zwischen Klasse, Ethnie und Geschlecht. Man muss Sanders zustimmen, wenn er betonte, Identität an sich sei kein Grund, jemanden zu wählen: «Es genügt nicht, wenn jemand sagt: ‹Ich bin eine Frau, wählt mich.› Was wir brauchen, ist eine Frau, die den Mut hat, gegen die Wall Street anzutreten, gegen die Versicherungsgesellschaften, die Pharmamultis und die Erdölindustrie.»

Die Regenbogenflagge ist weisser, als viele meinen.

Sanders sagte immer, es sei ein Schritt vorwärts, wenn ein Afroamerikaner CEO eines grossen Unternehmens sei. Er sagte zugleich: «Aber wenn er Jobs auslagert oder seine Angestellten ausbeutet, spielt es nicht die geringste Rolle, ob er weiss oder schwarz oder ein Latino ist.» Sanders rührte damit an einen wunden Punkt im offen praktizierten Rassismus innerhalb der schwulen, lesbischen und Transgender-Community (LGBT).

Wie kann ich ein religiöser Eiferer sein, wenn ich selber zu einer unterdrückten Minderheit gehöre? Diese Haltung ist unter weissen LGBT-Leuten verbreitet. Noch viel gefährlicher ist, dass sich die LGBT-Welt weitgehend um weisse schwule Männer dreht und andere ausschliesst. Die Regenbogenflagge ist weisser, als viele meinen.

Kein Wunder, dass Rechtsaussen-Bewegungen versuchen, die Kampagne für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender in ihre politische Agenda zu übernehmen – natürlich nur wenn es darum geht, gegen Muslime oder Migranten zu Felde zu ziehen. Auf den Websites weisser amerikanischer Nationalisten werden LGBT-Pride-Wimpel mittlerweile zusammen mit der Konföderiertenflagge verkauft. Doch leere Aufrufe zu allseitiger Solidarität und politischen Bündnissen genügen nicht. Man muss sich der Grenzen der Identitätspolitik bewusst werden, indem man ihr ihren privilegierten Status nimmt.

Nachdenken – die Zeit drängt

Es gibt zwei Antworten auf Trumps Wahlsieg, die keine Lösung bieten, weil sie selbstzerstörerisch sind. Die eine besteht darin, sich so fasziniert wie arrogant über die Dummheit der Wähler aufzuhalten, die nicht merken, dass sie gegen ihre eigenen Interessen votiert haben und auf Trumps Demagogie hereingefallen sind. Die andere besteht im Aufruf zur sofortigen Gegenoffensive, die ein Echo von Trumps antiintellektueller Haltung ist. Judith Butler hat klar festgehalten, dass Trump den Menschen die Gelegenheit gibt, nicht nachzudenken, nicht nachdenken zu müssen. (Sie weiss natürlich genau, dass Hillary Clintons Berufung auf Komplexität aber einen schalen Beiklang hatte: Sie berief sich meist nur darauf, um Forderungen des linken Parteiflügels abzuwehren.)

Die Dringlichkeit der Lage ist keine Ausrede. Gerade wenn die Zeit drängt, muss man nachdenken. Wir sollten keine Angst haben, uns auf Marx zu besinnen: Bisher wollten wir unsere Welt zu schnell verändern. Nun ist die Zeit gekommen, sie selbstkritisch neu zu interpretieren und das linke Selbstverständnis zu hinterfragen. Es gibt einen Witz über Lenin, der jungen Leuten immer sagte: «Lernt, lernt, lernt!» Marx, Engels und Lenin werden gefragt, ob sie lieber eine Ehefrau oder eine Geliebte hätten. Marx sagt: «Eine Frau!» Engels möchte eine Geliebte. Lenin sagt: «Beides. So kann ich meiner Frau sagen, dass ich zu meiner Geliebten gehe, und der Geliebten, ich müsse zu meiner Frau – und dann ziehe ich mich an einen stillen Ort zurück und lerne, lerne, lerne!»

Ist das nicht genau das, was Lenin nach der Katastrophe von 1914 getan hat? Er fuhr in die Schweiz, las Hegels «Logik» und lernte. Das sollten auch wir tun, jetzt, wo wir unter dem Bann von Trumps Wahlsieg stehen – schliesslich ist er nur eine von vielen bösen Überraschungen, die wir in letzter Zeit erlebt haben. Wir müssen uns gegen Defaitismus genauso wehren wie gegen blinden Aktivismus und müssen «lernen, lernen, lernen»: lernen, wie es zu diesem Fiasko der liberaldemokratischen Politik kam.

In den «Notes Towards a Definition of Culture» (dt. «Zum Begriff der Kultur») schrieb T. S. Eliot, es gebe Situationen, in denen man nur die Wahl zwischen Häresie und Unglaube habe. Die einzige Möglichkeit, eine Religion am Leben zu erhalten, bestehe dann in einer sektiererischen Abspaltung von ihrem abgestorbenen Körper. Genau das müssen wir Linken jetzt tun: Die amerikanischen Wahlen von 2016 waren der letzte Schlag gegen Francis Fukuyamas Traum – den endgültigen Sieg der liberalen Demokratie. Der einzige Weg, Trump zu besiegen und das zu retten, was an der liberalen Demokratie wert ist, gerettet zu werden, besteht in einer sektiererischen Abspaltung von ihrem Leichnam. Wir müssen die Gewichte von Clinton zu Sanders verschieben. 2020 sollten sich Trump und Sanders gegenüberstehen.

Studie: Universitätsangehörige – linksextrem, prekär-neidisch und Deutsche hassend

Um die Überzeugung zu bestätigen, dass die Angehörigen deutscher Universitäten, also diejenigen, die ihr Brot in öffentlichen Anstalten verdienen müssen, linksextrem sind, aufgrund der schlechten Bezahlung in prekären Verhältnissen leben und deshalb neidisch auf neoliberal Erfolgreiche blicken und ansonsten Deutsche, vor allem weiße Deutsche hassen, haben wir eine Studie konzipiert, die im Design exakt der Studie […]

über Studie: Universitätsangehörige – linksextrem, prekär-neidisch und Deutsche hassend — ScienceFiles

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