Kategorie-Archiv: Mob-Medien

Mob-Medien: Manipulation statt Information

Sie sehen sich wie alle Ideologen im Besitz des richtigen Denkens, der wahren Moral und der Wahrheit. Und wenn die Realität nicht mit der Ideologie übereinstimmt, muss diese eben hingebogen werden. Ein schlechtes Medien-Mantra.

 

tichyseinblick.de

 

Manipulation statt Information

In einem Artikel mit einem großen Bild von Trump erweckt Spiegel Online den Eindruck, dass die „Finanzlobby“ mit ihren 2 Milliarden Wahlkampfspenden der Hauptsponsor von Trumps Wahlkampf gewesen sei. Mit dem Bild Trumps wird in extrem manipulativer Form suggeriert, dass dieser im Gegenzug die Finanzindustrie so begünstigt habe, dass deshalb deren Wert an der Wallstreet um 33% gestiegen sei.

Stimmt das nun? Was ergibt die Recherche?

Der unverdächtige Schweizer SRF:

„1,3 Milliarden Dollar hat Clinton für ihre Kampagne aufgetrieben. Die 795 Millionen Donald Trumps sehen daneben geradezu bescheiden aus.“

Finanzen100:

„Bei Clinton sind die Summen der Einzelspender größer. Das liegt erstens eben daran, dass sie mehr Geld gesammelt hat als Trump, zweitens aber auch daran, dass Trump sehr viele Kleinspender hat, die weniger als 200 Dollar geben, während Clinton eher auf wenige große Spender setzt.

Und während Trump sein Geld in der Immobilienbranche sammelt, spendet Clinton die Finanzbranche: Bei ihr führt mit 13,1 Millionen Dollar der Hedgefonds-Manager Donald Sussman vor Haim und Cheryl Saban. Der Investor ist hierzulande am besten bekannt, weil er von 2003 bis 2007 Besitzer von ProSieben Sat1 war. Das Ehepaar Saban spendete Clinton rund 10,1 Millionen Dollar.

Auf Platz 3 der Großspender liegt der bekannte Investor George Soros mit 9,5 Millionen Dollar. Dahinter folgt das Ehepaar Pritzker, die Besitzer der Hyatt-Hotelkette, mit 9,2 Millionen Dollar. Fünfter ist Medienunternehmer Fred Eychaner aus Chicago.“

Das gleiche gilt für den WELT-Online Artikel mit der Schlagzeile: „AfD fordert ‚Minuszuwanderung“‘ und generelles Kopftuchverbot“. Erst unten im Artikel steht: „Die AfD spricht ’sich für ein generelles Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst aus. In Bildungseinrichtungen müssten nicht nur alle Lehrerinnen, sondern auch die Schülerinnen ohne Kopftuch erscheinen.’“

Die Schlagzeile ist also eine offene Lüge. Dazu der Leser J. S. „Die Überschrift ist falsch! ‚Ein generelles Kopftuchverbot‘ und ‚ein generelles Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst‘ sind zwei völlig verschiedenen Sachverhalte.“ 

Der Sinn der Übung ist klar: Der anonyme Autor weiß, dass viele Leser nur die Schlagzeilen überfliegen und sich so seine Lüge bei vielen festsetzt. Das im wahrsten Sinne des Wortes Kleingedruckte, in dem die richtige Information steht, lesen dann weit weniger. Sie sind auf diese Weise bewusst falsch informiert worden.

Offensichtlich ist sich die Presse in Deutschland nicht einmal für extreme Demagogie zu schade, solange es gegen den ideologischen Gegner geht. Sie wettern gegen „fake news“, schrecken aber vor Diffamierungs- und Manipulations-Artikeln von Brüderle bis Trump nicht zurück, nein, sie zelebrieren sie in aller moralischen Aufgeblasenheit genussvoll.

Aber warum tun Medien das? Warum versuchen selbst Wirtschaftsredakteure wie Henning Jauernig (hej) so offensichtlich einen falschen Eindruck zu erwecken?

Sie sehen sich wie alle Ideologen im Besitz des richtigen Denkens, der wahren Moral und der Wahrheit. Und wenn die Realität nicht mit der Ideologie übereinstimmt, muss diese eben hingebogen werden. Nicht durch offensichtliche Lügen, nein, das wäre zu gefährlich. Es wird einfach bewusst und gezielt ein falscher Eindruck erweckt. Zur Not kann man sich später noch wegen Ungeschicklichkeit entschuldigen. Der gute Zweck heiligt die bösen Mittel. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen.

Merkel bitte übernehmen

Vorgestern sagte die Kanzlerin in einer Regierungserklärung: „NS-Vergleiche führten grundsätzlich nur ins Elend und verharmlosten die Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus.“ Und: „Diese Vergleiche müssen aufhören.“

Am selben Tag titelte WELT online: „Die AfD setzt auf Methoden der NS-Zeit und der DDR“ – In der WELT-Redaktion ist die Botschaft der Kanzlerin wohl (noch?) nicht angekommen.

Bibi und Tina 4 – übelste Regierungspropaganda für Kinder

Bibi und Tina 4 ist ein Mädchenfilm- könnte man denken. Warum wir Kinderfilme wohl demnächst vorkosten müssen und was das alles mit Politik zu tun hat: eine Filmkritik.

                                                                              obs/DCM Film Distribution GmbH/Andreas Schlieter / DCM

Ich bin zugegebenermaßen nicht aus privatem Interesse in die Vorführung gegangen- das Thema entspricht nicht so ganz meinem cineastischen Beuteschema. Vielmehr hatte ich vorher schon gehört, der Film sei ausgesprochen politisch. Davon wollte ich mir selbst ein Bild machen.

Schon in den ersten paar Minuten bereute ich diesen Entschluss. Auf alles war ich vorbereitet: kitschige Lieder, quietschige Mädchenpower-Dialoge und grotesk unlogische Handlungsstränge. Ich wurde auch nicht enttäuscht. Natürlich wurde ich nicht enttäuscht, schließlich war es ein verdammter Pferdefilm! Aber was ich darüber hinaus geboten bekam, sprengte meine Vorstellungskraft in Bezug auf propagandistische Kindergehirnwäsche großflächig. Aber zum Inhalt:

Bei einem mehrtägigen Ausritt wird Bibi und Tina die Suppe vom Lagerfeuer geklaut. Schnell stellen sie den etwa gleichaltrigen Dieb, der sich als Aladin aus Syrien vorstellt, sich aber schnell als albanisches Waisenmädchen entpuppt, das Adea heißt und vor ihrem bösen Onkel wegläuft, weil der sie zwangsverheiraten will und sie doch viel lieber Ärztin werden möchte. All das erfahren wir, weil Bibi die sonst so lästige Sprachbarriere einfach weggehext hat. Die drei verstehen sich so gut, dass sie von nun an zu dritt weiterreiten.

Man hat diesen Schmalz gerade irgendwie verarbeitet, da begegnen  sie auch schon Sinan und Karim, zwei syrischen Flüchtlingsjungen, die von einem freundlichen Bauern bei Ochs und Esel in der Scheune untergebracht wurden- was den unschätzbaren Vorteil hat, dass wir dem kindlichen Zuschauer und uns selbst den Ausflug in eine Erstaufnahme-Einrichtung ersparen können um die beiden kennen zu lernen. Man freundet sich schnell an und beschließt, die beiden auch noch mitzunehmen.

Die bunte Truppe trifft am Fluss auf Tinas Freund und Sohn des Grafen von Falkenstein, Alex, der mit seinem Kanu gekentert ist und von einer Gruppe Afrikaner, wie sollte es auch anders sein, gerettet wurde. Die sind mit ihrem alten hellblauen VW-Bus gerade auf großer Europa-Tournee, um „für Frieden und Völkerverständigung“ (Originalzitat!) zu musizieren. Und da man das doch auch ganz wunderbar auf Schloss Falkenstein tun könne, beschließt man kurzerhand, dort ein Festival mit den neu gewonnen Freunden zu veranstalten.

Die Reisegesellschaft, deren Ausländeranteil mittlerweile bei rund 75% liegt und damit eher an Offenbach am Main, als an Schloss Falkenstein erinnert, wird allerdings aufgewirbelt, als Adeas böser Onkel auftaucht. Nur durch ein gewitztes Täuschungsmanöver und die lang ersehnte Flucht-auf-Pferd-Szene kann man diesen Schuft abschütteln und daran hindern, Adea zur Rettung der Familienehre wieder mit nach Albanien zu nehmen.

Endlich erreichen alle Schloss Falkenstein und treffen dort prompt auf Dirk Trumpf, einen (das geschulte Kinderfilm-Auge sieht es sofort) bösen Bau-Unternehmer mit komischem blonden Toupet, der dem Grafen eine monströs große Mauer angedreht und das ganze Gelände in eine einzige Baustelle verwandelt hat. Dass er ihn dabei betrügt und außerdem auch noch Steuerhinterziehung betreibt, das wird den Kindern, oder vielmehr den mit ansehenden Eltern,  auch noch aufs Auge gedrückt.

Nachdem Alex seinem vollkommen entnervten Vater abgerungen hat, dass all seine neuen Freunde ab jetzt im Schloss schlafen, womit er ungewollt das Verhältnis von Merkel zum deutschen Steuerzahler karikiert, könnte eigentlich alles perfekt sein. Leider hat in der Zwischenzeit Karim den Aufenthaltsort von Adea an deren Onkel verraten, weil er befürchtet, dass durch „Betrüger“ wie sie, ihm und seinem Bruder bald auch keiner mehr glaubt, dass sie aus Syrien kommen. Dass die  komplexe Unterscheidung zwischen Migration und Asylsuche tatsächlich in einem Film ohne Altersbegrenzung thematisiert wird, könnte einem die Spucke wegbleiben lassen, wenn sich deren Produktion nicht schon seit  dem Du-sprichst-jetzt-Deutsch-Hex-Hex eingestellt hätte.

Jedenfalls schleichen sich die albanischen Söhne des bösen Onkels jetzt auf das Festival, das natürlich ein voller Erfolg ist, und entführen Tina, weil sie ihre Cousine gerade nicht finden können. Sie bieten ihre Freilassung gegen die Übergabe von Adea an. Dank Tinas Temperament und Bibis beherztem Einsatz wird daraus aber keine traumatische Erfahrung von Ohnmacht und Missbrauch, sondern ein echtes Musterbeispiel von feministischem Zusammenhalt und Selbstbehauptung.

Blöd bloß, dass Adea mittlerweile nicht mehr weglaufen möchte und sich ihrem Onkel stellt. In einer herzzerreißenden Szene der Selbstopferung lässt sie sich nach Albanien fahren. Das passt natürlich so gar nicht ins Selbstbestimmungsbild von Bibi und so beamt sie sich selbst, ihren Freund Tarek (!), Tina und Alex einfach in das kleine albanische Heimatdorf ihrer neuen Freundin, erklärt dort der einheimischen Hochzeitsgesellschaft in aller Deutlichkeit, dass jetzt hier aber mal ganz schnell westliche Werte und das Jahr 2017 einziehen und überzeugt damit schließlich Adeas Cousins. Die wiederum überzeugen ihren Vater und Adea darf zur Schule und später zum Studieren nach Deutschland. Das alles hat vielleicht drei Minuten gedauert, danach gibt es Musik und der Film ist vorbei.

Ich saß fassungslos neben meiner halbleeren Popcorn-Tüte und versuchte mich zu erinnern, ob ich in meiner Kindheit eigentlich auch so schamlos manipuliert worden bin. Weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte, fragte ich meine etwa sechsjährige Sitznachbarin: „Und? Wie fandst du ihn?“. Die antwortete mir daraufhin wie aus der Pistole geschossen: „Ich fand Sabrina am Schönsten! Das ist das weiße Pferd von Bibi! Das ist nämlich ein Schimmel und Schimmel mag ich am liebsten!“ Dem musste ich inhaltlich zustimmen und ging, doch etwas erleichtert, nach draußen.

Wie die Medien zu Parteien wurden, die das Land regieren

Während sich Parteien zu professionellen Medienunternehmen entwickeln, die ihre „Narrative“ auf Plattformen für Zielgruppen ausspielen, werden Medienunternehmen politische Kampfgruppen, die die Richtung der Politik bestimmen wollen und können.

„Auf paradoxe Weise hat Trumps Medienhass so den schleichenden Bedeutungsverlust der Medien gestoppt. Politik und Medien scheinen sogar ihre Rollen zu tauschen: Während sich die Parteien immer stärker zu hochprofessionellen Medienunternehmen entwickeln, die ihre „Erzählungen“ (Narrative) möglichst geschickt auf allen Plattformen für ihre jeweiligen Zielgruppen ausspielen wollen (ganz unabhängig von der später tatsächlich praktizierten Politik), werden die Medienunternehmen – wie in ihrer heroischen Frühzeit – zu politisch-idealistischen Kampfgruppen, die die Richtung der Politik bestimmen wollen und können.“

Mit dieser Betrachtung schlägt Wolfgang Michal ein neues – altes – Kapitel der Rolle von Medien und Journalisten und darüberhinaus des Verhältnisses von Politik und Medien auf, über das er schon mal schrieb: „Der Beginn des modernen Journalismus war also in seinem Wesenskern parteiisch und aktivistisch, während er sich nach außen mit dem Glorienschein von Unabhängigkeit, Distanziertheit und neutraler Beobachtung des Zeitgeschehens umgab. Diese Verklärung wird bis heute, vor allem in Deutschland, von Journalisten als Wahrheit rezipiert.“

Diesen älteren Beitrag beendete er mit der berühmten Tischrede des Aktivisten und JournalistenJohn Swinton im Jahre 1880:

„So etwas gibt es bis zum heutigen Tage nicht in der Weltgeschichte, auch nicht in Amerika: eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß das. Es gibt hier nicht einen unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben. Und wenn er es täte, wüsste er vorher bereits, dass sie niemals im Druck erschiene. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, dass ich meine ehrliche Meinung aus dem Blatt, mit dem ich verbunden bin, heraushalte. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Bezahlung für ähnliche Dinge, und wenn Sie so verrückt wären, Ihre ehrliche Meinung zu schreiben, würden Sie umgehend auf der Straße landen, um sich einen neuen Job zu suchen. Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, also was soll das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“

Bei diesem – historisch erneuten – Rollentausch von Journalismus und Politik könne es nicht wundern, sagt Michal, „dass Donald Trumps ‚Chefideologe‘ Steve Bannon die US-Leitmedien als politische ‚Opposition‘ identifiziert hat. Die Medien, nicht die Demokratische Partei, seien die eigentliche ‚Oppositionspartei‘. Sie verkörpern, laut Bannon, das liberale, globalistische, elitäre, säkularisierte und anti-nationale Weltbürgertum, das dem ‚hart arbeitenden‘ Mittelstand, der tief in der christlichen Kultur der amerikanischen Provinz verwurzelt ist, schadet. Diese ‚Partei‘ (die Hillary-Obama-Jubelpartei) will Bannon mit allen Mitteln bekämpfen.“

Dabei habe alles eigentlich ganz harmlos angefangen: „Das Internet war noch klein und verspielt und wirkte irgendwie ungefährlich. Zum Spaß kabbelten sich ein paar Journalisten mit ‚Bloggern‘, die frech behaupteten, sie seien so wichtig wie Journalisten.“ Dann aber hätten Blogger, Google und Facebook begonnen, „immer unverfrorener an der Monopolstellung der Medien“ zu rütteln, „Blogger, Twitterer und Chatter, die frei Schnauze reden konnten, konkurrierten mit herkömmlichen Meinungsmachern, Enthüllungsplattformen konkurrierten mit traditionellen Reportern, YouTube-Stars konkurrierten mit der gewohnten Fernsehunterhaltung.“

Ja, möchte ich da anschließen, und dieser Wettbewerb hat gerade erst begonnen. Die alten Medien sollten nicht voreilig von der Aktivierung durch Trump und Co. auf ein Ende ihrer eigenen Krise schließen. Die Medien-Anteile sortieren sich gnadenlos neu, die Rolle der alten Medien (offline wie online) werden im neuen Medienmix keine dominante mehr sein.

Anders als jenseits des Atlantiks macht dieser Rollentausch die Medien in der gegenwärtigen politischen Landschaft Westeuropas nicht zur Oppositionspartei, sondern zur Regierungspartei. Opposition können sie erst werden, wenn jene regieren, die sie mit aller Gewalt davon fernhalten wollen – von AfD bis Front National.

Hier noch mal das eingangs Zitierte von Wolfgang Michal:

„Auf paradoxe Weise hat Trumps Medienhass so den schleichenden Bedeutungsverlust der Medien gestoppt. Politik und Medien scheinen sogar ihre Rollen zu tauschen: Während sich die Parteien immer stärker zu hochprofessionellen Medienunternehmen entwickeln, die ihre „Erzählungen“ (Narrative) möglichst geschickt auf allen Plattformen für ihre jeweiligen Zielgruppen ausspielen wollen (ganz unabhängig von der später tatsächlich praktizierten Politik), werden die Medienunternehmen – wie in ihrer heroischen Frühzeit – zu politisch-idealistischen Kampfgruppen, die die Richtung der Politik bestimmen wollen und können.“

Michal schließt dem diesen Satz an: „Das ist nicht die schlechteste Entwicklung (aber man sollte sie weiter kritisch beobachten).“

Ich halte den Rollentausch für eine schlechte Entwicklung, weil die „Vierte Gewalt“ ihre neue – alte – Rolle als Partei keiner Kontrolle unterwerfen wollen wird: weder alte noch die neue Medien.

https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/wie-die-medien-zu-parteien-wurden/

Auch Merkel verbreitete Fake News

Es war einmal eine Zeit, sie ist nicht lange her, da gab es keine Fake News. In dieser goldenen Epoche war alles wahrhaftig. Dann aber kamen die bösen „Populisten“, dann kam Donald Trump. Ein dunkles Zeitalter begann: die Ära der alternativen Fakten, das postfaktische Zeitalter.

Diese Mär erzählt man sich in Europa seit Monaten. Sie ist schaurig – und falsch. Im Grunde ist die Erzählung vom postfaktischen Zeitalter selbst ein Fake. Es stimmt zwar: Mächtige wie Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan oder Donald Trump greifen sehr bewusst zu sehr krassen Lügen, nur weil es ihnen nützt. Sie sind dreister, lauter, manipulativer, als wir es zuletzt gewohnt waren.

Aber wollen wir die klassischen, liberalen Politiker in den Heiligenstand erheben? Es ist doch so: Fake News gab es immer – und im Grunde ist die Weltgeschichte bisher ein sensationelles Tableau aus Beschönigungen, Verzerrungen, Listen und Lügen.

Es reicht ein Blick auf die vergangenen 30 Jahre unter der Ägide gemäßigter, demokratischer Politiker. Es beginnt harmlos im Jahr 1986: Norbert Blüm klebt Fake News an Litfaßsäulen: „Denn eins ist sicher: Die Rente.“ Keine Lüge, nur eine Fehleinschätzung? Kann sein, aber in der Politik sind Täuschung und Naivität nah beisammen.

Colin Powells UN-Auftritt

Auch bei Helmut Kohl im Jahr 1990: „Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass wir in den nächsten drei bis vier Jahren in den neuen Bundesländern blühende Landschaften gestalten werden.“

Auch im April 1998, als der Bundestag über die Einführung des Euro abstimmt. Bundesfinanzminister Theo Waigel: „Jedes Land haftet allein für seine Schulden. Es wird in der Währungsunion keine zusätzlichen Finanztransfers geben.“

Fünf Jahre später folgt der damalige US-Außenminister Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat. „Die Fakten und das Verhalten des Irak belegen, dass Saddam Hussein und sein Regime ihre Bestrebungen zur Herstellung von weiteren Massenvernichtungswaffen verschleiern.“ Bekanntlich waren diese Fakten fake. Sie dienten als Vorwand für den Irak-Krieg.

Fakes lösten Finanzkrise aus

Als Powell in New York sprach, zirkulierten bereits Fake-Wertpapiere um den Globus, sogenannte Hypotheken-Verbriefungen. In einer faszinierenden Verkettung von Täuschung, Selbstbetrug und Naivität log sich die Welt vor, dass Wohlstand für alle möglich ist – auch für völlig Mittellose.

Wer den Fake durchschaute, wusste: Die Menschheit sitzt der größten Hochstapelei ihrer Geschichte auf. Aber fast niemand durchschaute es. Als das ökonomische Irrsinnskonstrukt in der Finanzkrise implodierte, stürzte die Weltwirtschaft in die Tiefe.

Die Bundesregierung konterte mit einer glatten Notlüge. „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein“, erklärte Angela Merkel im Oktober 2008. Ein Fake. Wäre das Finanzsystem im Anschluss kollabiert, hätte die Bundesregierung niemals genug Geld gehabt, alle auszuzahlen. Es war eine psychologisch kluge Lüge, die Deutschlands Sparer am Ende vor sich selbst schützte.

Merkels Kehrtwende

Parallel mussten Deutschland und andere Staaten ihre Banken mit Milliarden stützen. Viele Länder hatten sich aber zuvor so sehr in die eigene Tasche gelogen, dass sie sehr hohe Schulden angehäuft hatten. Die Bankenrettung riss sie nun in die Pleite – andere Euro-Länder sprangen ab 2010 mit Hilfen ein. Die Versprechen Theo Waigels im Bundestag: gebrochen.

Im Jahr 2015 dann bot die Bundeskanzlerin alternative Fakten. Am 16. Juli: „Wenn wir jetzt sagen: Ihr könnt alle kommen und ihr könnt alle aus Afrika kommen … Das können wir auch nicht schaffen.“ Am 31. August: „Wir schaffen das. … Abschottung im 21. Jahrhundert ist keine vernünftige Option.“

Diesmal war es keine Notlüge in einem Dilemma wie 2008, sondern eine kalkulierte Kehrtwende. Der Fakt vom 16. Juli, vorgetragen im Angesicht eines weinenden Flüchtlingsmädchens, war nicht gut angekommen beim Volk.

Von da an waren falsche Argumente sehr willkommen, wenn sie die sogenannte Willkommenskultur stützten. Die Grüne Katrin Göring-Eckardt: „Unserem Land ging es immer besser, wenn Grenzen offen waren.“ Fake News. Deutschlands Grenzen – seit Schengen identisch mit den EU-Außengrenzen – waren vorher de jure nie offen.

Bundesjustizminister Heiko Maas zu den Terroristen in Paris und Brüssel: „Sie sind keine Flüchtlinge.“ Halbe Fake News wenigstens. Richtig, die Attentäter waren in Europa geboren. Aber um aus Syrien zurückzukehren, mischten sich die meisten unter die Migranten der Balkanroute, nutzten die offenen Grenzen.

Fast ein Jahr später noch einmal der Justizminister, der selbst gern für eine Art Wahrheitspolizei wirbt: „Die Milliarden für die Integration wurden in diesem Land erwirtschaftet und wurden niemandem weggenommen.“

Wie bitte? Das Geld gehört den Bürgern, die es erwirtschaften. Der Staat nimmt es den Bürgern über Steuern weg und muss rechtfertigen, wofür. Egal, ob der Staat an anderer Stelle spart – oder, wie in diesem Fall, einfach einen Überschuss für die Kosten der Flüchtlingskrise verwendet.

Für alternative ökonomische Fakten war in der Migrationskrise ohnehin die Wirtschaft zuständig: der Chefvolkswirt der Deutschen Bank etwa, David Folkerts-Landau. Eine Million Migranten, das sei ökonomisch „das Beste, was Deutschland seit der Wiedervereinigung passiert ist“.

Fakten prüfen, egal, wer sie vorbringt

So sprach der Mann viele Monate lang. Ein Chefvolkswirt soll sich mit Daten der Wahrheit nähern. Welche Zahlen er hatte, bleibt rätselhaft. Daten des Instituts für Wirtschaftsforschung für 2014 zeigten schon damals: Von allen anerkannten Flüchtlingen in Deutschland hatten zwei Drittel keine Ausbildung, ein Viertel nur die Grundschule besucht.

Bleibt die uralte Erkenntnis: Mächtige nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau. Aber die Mächtigen der liberalen Demokratien dürfen keinen Bonus bekommen, nur weil sie leiser, zivilisierter, weniger demagogisch die Fakten verdrehen.

Jedenfalls ist es keine Option, an der Seite angeblich „guter“, gemäßigter Politiker die angeblich „bösen“ Populisten mundtot zu machen. Was wir im Ringen um Wahrheit und Objektivität brauchen, sind die machtvollen Waffen der Gewaltenteilung, Parlament, Justiz, freie Presse.

In diesem Ringen macht es Sinn, alle verfassungsgemäßen Meinungen anzuhören, alle Fakten erst einmal zu prüfen, egal, wer sie vorbringt. Auch wenn man dann womöglich ertragen muss, dass die beste Lösung für ein Problem hier und da auch einmal von einem sogenannten Populisten stammt.

Vergewaltigte Nachricht. Minderjährige! Gerüchte! E-Mails! Russen!

Minderjährige! Gerüchte! E-Mails! Russen!

Autor: U. Gellermann
Datum: 20. Februar 2017

Eine E-Mail beherrschte den Auftakt der Münchner Sicherheitheitskonferenz. Eine E-Mail aus dem Osten. Es erzitterte die versammelte NATO-Generalität, furchtsam duckten sich die Verteidigungsminister, es klapperten die Zähne der Rüstungsindustrie-Vertreter. Vor allem aber nahmen die Angst-Verstärker in den Medien sofort den Kampf auf: Die westliche Welt erbebte in ihren Grundfesten. Denn im bedeutenden Land Litauen soll eine E-Mail gesichtet worden sein, gelesen gar und über den SPIEGEL der Weltöffentlichkeit weitergegeben: „Nach SPIEGEL-Informationen streuten Unbekannte vor einigen Tagen durch gezielte E-Mails Gerüchte, dass deutsche Soldaten bei ihrem Einsatz in dem baltischen Land eine Minderjährige vergewaltigt hätten.“ Unbekannte streuten! Gezielt! Und in einer ersten Fassung wusste der SPIEGEL auch wer hinter der E-Mail steckte: „Russland attackiert Bundeswehr mit Fake-News-Kampagne“

Die brutale Information über die brutale Attacke der brutalen Russen schlug in den deutschen Redaktionen ein wie eine Bombe. Da gerade keiner zum Entschärfen da war, wurde der einmal geworfene Sprengsatz einfach weitergeworfen: Der TAGESSCHAU-Staatsfunk wußte aus der russischen Nirwana-Bedrohung eine Schlagzeile zu schnitzen: „Mit Fake News gegen die Bundeswehr“. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE, das Blatt der Immer-Besser-Verdienenden, beklagte schon die ersten Opfer im Kampf der E-Mails, denn „das deutsche Truppenkontingent (sei) Opfer einer Fake-News-Kampagne geworden.“ Der TAGESSPIEGEL, Zentralorgan des ewigen West-Berliner Rentners, konnte flugs die Kriegsministerin zitieren: Es sei gut „dass wir jetzt die Muster kennen und schnell reagieren können“. Was wird sie tun? E-Mails über der Krim abwerfen? Russische U-Boote in Mails ertränken?

Die einstmals seriöse BADISCHE ZEITUNG zitierte den verteidigungspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Henning Otte, der von einer „perfiden Propagandageschichte“ erzählen konnte. Und auch: „Es ist damit zu rechnen, dass Deutschland daher auch in Zukunft zur Zielscheibe von Propagandaangriffen wird“. Ab heute wird zurück ge-mailt! Der STERN, seit den Hitler-Tagebüchern der Experte für FAKE-News, wußte von einer „Fake-News-Attacke in Litauen“ und auch: „Die Nato verdächtigt Russland, die Falschinformationen gezielt verbreitet zu haben“. Die journalistisch untadlige Illustrierte braucht keine Quelle, kein Zitat, nicht den Hauch eines Beweises. Denn wir sind im Krieg. Jedenfalls die deutschen Redaktionen.

Niemand hat diese E-Mail gesehen. Keiner kann ihren Absender nennen. Trotzdem hat man in Litauen nachgeforscht. Die polizeilichen Ermittlungen haben anschließend ergeben, dass es weder ein Opfer, noch Zeugen oder einen Täter gab. Genau für diese Fälle schwerster Attacken aus dem Nichts hat die Europäische Union die „East StratCom Task Force“ gegründet, die Medien-Einsatzgruppe, die aus der Kälte des kalten Krieges kommt. Denn, so hackt das Europäische Parlament ins Netz: „Die russische Strategie ist aggressiver und resoluter gegen Russlands Nachbarn“. Wer jetzt überlegt, dass die „East StratCom Task Force“ einfach eine Mail über eine Vergewaltigung in Litauen erfunden haben könnte, kommt dem surrealen Kern der Einsatzgruppe ziemlich nahe. Denn nichts fressen deutsche Medien offenkundig lieber als Nachrichten, die es nicht gibt, um sie als russische Fake-News auszugeben und dann daraus eigene Fake-News herzustellen. – So werden mit Vergewaltigungs-Nachrichten die Hirne von Medien-Konsumenten vergewaltigt.

Buchpräsentation
DIE HABEN GEDACHT WIR WAREN DAS

Özge Pinar Sarp – Politologin aus Berlin

Kemal Bozay – Professor für Angewandte Sozialwissenschaften, Köln

Am 21. 02. 2017 um 20.30 Uhr 

Im Berliner Buchhändlerkeller,
Carmerstr.1, 10623 Berlin-Charlottenburg

Es moderiert: Uli Gellermann

http://www.rationalgalerie.de/home/vergewaltigte-nachricht.html

Anti-Trump Volksfront – der gesamtdeutsche Hass auf Amerika

DER SPIE­GEL

Haupt­stadt­bü­ro
zu Hän­den Herrn Mar­tin Pfaf­fen­zel­ler
Alex­an­der­stra­ße 5
10 117 Ber­lin

19. Fe­bru­ar 2017

Ihre mehr­fach vor­ge­tra­ge­ne Ge­sprächs­an­fra­ge

Sehr ge­ehr­ter Herr Pfaf­fen­zel­ler,

Sie haben es vom Home­page-Ma­na­ger und Po­li­zei­re­por­ter des Ta­ges­spie­gels zum Mit­ar­bei­ter des Spie­gels ge­bracht und fühl­ten sich in die­ser Funk­ti­on be­mü­ßigt, ihrem Ho­no­rar­ge­ber ein Ge­sel­len­stück aus der Haupt­stadt zu prä­sen­tie­ren. In der Spie­gel-Re­dak­ti­on war nach dem Er­schei­nen des Kopf­ab­schnei­der-Ti­tels mit Trump und Li­ber­tas vom 4.2.2017 der in­no­va­ti­ve Ge­dan­ke auf­ge­kom­men, eine pu­bli­zis­ti­sche Stim­me, am bes­ten noch ein damit ver­bun­de­nes po­li­ti­sches Spek­trum aus Deutsch­land zu prä­sen­tie­ren, das sich für den ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Do­nald Trump aus­spricht. Ent­spre­chen­de Re­cher­chen der Haupt­amt­li­chen er­wie­sen sich als Fehl­an­zei­ge: Die AfD hat Trump zwar zum Wahl­sieg gra­tu­liert, weiß aber nicht wei­ter und schweigt bes­ser zu Ame­ri­ka, die CDU/CSU hat noch nicht ein­mal gra­tu­liert, links warn­ten in der Jung­le World vom 1.12.2016 der Pro­fes­sor Lars Rens­mann und am 15.12.2016 der stre­bend be­müh­te Nach­wuchs­ko­lum­nist Ma­theus Ha­ge­dor­ny genau wie Spie­gel-Re­dak­teu­re vor dem ame­ri­ka­ni­schen Fa­schis­mus und noch wei­ter links bei Kon­kret oder junge Welt heißt es uni­so­no „keine Hei­mat, wer schützt uns vor Ame­ri­ka?“ Das muss ein tol­les Ge­fühl ge­we­sen sein, als Sie, Herr Pfaf­fen­zel­ler, die Lö­sung prä­sen­tier­ten, auf die kei­ner ge­kom­men wäre: Ver­su­chen wir es doch mit der Ba­ha­mas, rie­fen Sie ganz auf­ge­regt in die Re­dak­ti­ons­run­de, „dort näm­lich wird eine Quer­front von ganz links und ganz rechts vor­be­rei­tet, deren Bot­schaft der Hass auf Deutsch­land, die EU und den Islam ist.“ Von Face­book wüss­ten Sie aus den Pos­tings aus­ge­wie­se­ner An­ti­deut­scher, dass die Ba­ha­mas wie eine Eins hin­ter Do­nald Trump stehe.

Am 9.2.2017 hör­ten wir zum ers­ten Mal von Ihnen: „Pla­nen Sie für ihre nächs­te Aus­ga­be mit einem Ar­ti­kel zum Phä­no­men Do­nald Trump? Falls ja: Wäre es mög­lich, dass Sie mir den Kon­takt zu Au­to­rin oder Autor ver­mit­teln?“ Es war uns nicht mög­lich. Schon am 10.2.2017 waren Sie wie­der da, dies­mal am Re­dak­ti­ons­te­le­fon: Ob nicht einer der Re­dak­teu­re für ein ca. zwei­stün­di­ges Ge­spräch zur Ver­fü­gung stün­de, um eine Pro-Trump-Po­si­ti­on zu prä­sen­tie­ren? Das Ver­spre­chen un­se­res Prak­ti­kan­ten, er würde Ihre An­fra­ge wei­ter­lei­ten, ge­ge­be­nen­falls er­fol­ge Rück­mel­dung, reich­te Ihnen nicht. Am 13.2. hat­ten wir schon wie­der Post von Ihnen: „hat sich über das Wo­chen­en­de je­mand ge­fun­den, der mit mir über die deut­sche Quer­front gegen Trump spre­chen möch­te?“

Das, sehr ge­ehr­ter Herr Pfaf­fen­zel­ler, war ent­schie­den eine ganz un­pro­fes­sio­nel­le An­ti­fa-Stra­te­gie. Sie müss­ten doch wis­sen, dass man den zu ent­lar­ven­den Fa­schis­ten zu­nächst in Si­cher­heit wie­gen muss, damit er über­haupt an­beißt; erst im ca. zwei­stün­di­gen Ge­spräch mit Ihnen hätte sich die Ge­le­gen­heit ge­bo­ten, ihm die spä­ter noch zu­recht zu fäl­schen­den Zi­ta­te zu ent­lo­cken, denn dann kann noch nicht ein­mal der Ba­ha­mas-Zeck be­haup­ten, er sei nicht mit Ihnen zu­sam­men­ge­ses­sen, womit er alles Wei­te­re sich sel­ber zu­zu­schrei­ben hätte. „Quer­front gegen Trump“, sehr ge­ehr­ter Herr Pfaf­fen­zel­ler, kann un­mög­lich den ge­samt­deut­schen Hass auf Ame­ri­ka mei­nen, denn der be­darf kei­ner stra­te­gi­schen Bünd­nis­se zwi­schen mi­no­ri­tä­ren Spek­tren, der war schon da, bevor in den USA ge­wählt wurde und Osama Bin Trump mit dem Schlach­ter­mes­ser der Frei­heit an die Gur­gel ging. Sie plau­der­ten aus, was Sie dem Ver­tre­ter der Re­dak­ti­on in den Mund legen woll­ten: die Ba­ha­mas sei Teil einer Quer­front für Do­nald Trump, mit­hin eines is­la­mo­pho­ben, an­ti­eu­ro­päi­schen Bünd­nis­ses zwi­schen Pe­gi­da und Ayaan Hirsi Ali, Geerd Wil­ders und Alice Schwar­zer, dem Ber­li­ner Schwuz und Milo Yian­no­pou­los – und haben das scheue Wild ver­jagt, bevor sie es vor die Flin­te be­ka­men.

Do­nald Trump rief kürz­lich sei­nen An­hän­gern zu: „ich möch­te zu euch spre­chen ohne den Fil­ter durch die Lü­gen­me­di­en.“ Die Ba­ha­mas, die keine An­hän­ger hat, son­dern Käu­fer, spricht zwar an­ders als Trump po­ten­ti­ell jeden an, und das ohne sich ihm an­zu­bie­dern, sie weiß aber mit Trump, dass man pu­bli­zis­tisch oder aka­de­misch dem Team Mer­kel sich an­schlei­men­de Mei­nungs­ver­wal­ter samt ihrer Fil­ter am bes­ten tref­fen kann, wenn man ihnen ihre Macht be­strei­tet. Noch vor we­ni­gen Jah­ren, sehr ge­ehr­ter Herr Pfaf­fen­zel­ler, hät­ten wir Ihnen bei ver­wand­ten Be­läs­ti­gun­gen einen klei­nen Tausch vor­ge­schla­gen: Sie las­sen uns ein für alle Mal in Ruhe und wir nen­nen Ihnen einen ga­ran­tiert ko­ope­ra­ti­ven Mei­nungson­kel aus der Me­di­en­spar­te „an­ti­deutsch light“ für Ihr Ar­ti­kel­pro­jekt. Lei­der kön­nen wir damit nicht mehr die­nen, denn die sind alle wie der Ma­theus Ha­ge­dor­ny auf der Jagd nach Milo Yian­no­pou­los, Do­nald Trump oder Dok­tor Breit­bart. Ma­chen Sie sich nichts dar­aus und er­zäh­len Sie den Spie­gel-Re­dak­teu­ren, was jeder Face­book-Nut­zer über uns weiß: die Ba­ha­mas ist wirk­lich nur ein ganz klei­nes Sek­ten­blatt, mit dem sich aus­ein­an­der­zu­set­zen nicht lohnt, zumal man es da­durch nur un­nö­tig auf­wer­ten würde. Die Kol­le­gen wer­den ein Ein­se­hen haben, wis­sen sie doch, dass An­fän­ger wie Sie über­all im Me­di­en­be­reich auf­dring­li­che Auf­schnei­der sind, die meis­tens Schei­ße bauen.

Mit freund­li­chen Grü­ßen,

Im Auf­trag,
Sa­bi­ne Schul­zen­dorf

Sprache ist Probehandeln. Die SA-Sprache der Rot-Rot-Grünen.

In seiner Antrittsrede hat der neue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Verrohung der Sprache in Sozialen Medien kritisiert. Wir dokumentieren besonders krasse Fälle – direkt aus der Bundesversammlung.

 

„In vielen sozialen Netzwerken hat sich eine gewisse Maßlosigkeit in der Sprache breitgemacht, auf deren Basis keine vernünftige Kommunikation mehr zustande kommt.“, so Steinmeier zum ZDF. „Dazu gehört auch die Disqualifizierung von Menschen, die sich möglicherweise politisch bemühen, aber nicht ganz übereinstimmend sind mit demjenigen, der gerade auf der Seite seinen Kommentar abgibt.“

Also sprach der frischgewählte Bundepräsident im ZDF. Aber die sozialen Medien sind nicht weit entfernt. Es wird getwittert und gefacebooked, auch während seiner Wahl. Nicht nur von Hinz und Kunz, sondern auch von Journalisten und „Spaßmachern“, die eng mit dem ZDF verbunden sind.

Der Fall, um den es geht: Frauke Petry, Vorsitzende der AfD und Mitglied der Bundesversammlung,  ist unübersehbar schwanger.

Man muss Frau Petry nicht mögen, man kann ihre Positionen ablehnen, so wie es in einem demokratischen System üblich ist. Was man nicht sollte: Gewaltphantasien zum Ausdruck bringen, weder gegenüber dem Menschen Petry, noch der schwangeren Frau Petry, und auch nicht einem Mitglied der Bundesversammlung.

Aber da twittert einer, der als Beruf angibt, er sei Freier Autor (TV, Online, Print, Bühne – viel @Neomagazin) und gerne auf seine Arbeit für ZDFneo hinweist folgenden Text:

Man muss diese Ungeheuerlichkeit ein zweites und drittes mal anschauen, weil man es nicht glauben will. Er hofft, dass eine demokratisch gewählte Politikerin „umgeboxt“ wird? Mitten in der Bundesversammlung? Bei der Wahl des Bundespräsidenten. Es ist eine Frau, die sichtbar schwanger ist. Ihre Parteizugehörigkeit ist dabei völlig nebensächlich.

Ohne lange Worte: Schlimmer geht es nicht. Mehr Verrohung ist kaum vorstellbar.

Man kann das nicht abtun als eine der typischen Äußerungen eines Mitglieds des Medienprekariats, die ihre beruflich aussichtslose Lage, Bedeutungslosigkeit und Frustration durch besondere Gewaltphantasien zu überspielen versuchen. Es haben sich auch viele dagegen verwehrt, Bürger, die diese Gemeinheit empört.

Aber dann kommt ein zweiter Tweet:

Will Böhmermann sagen? Keine Gnade mit Schwangeren? Jagt sie. Boxt sie. Es fällt schwer zu entscheiden, welche Äußerung eigentlich empörender ist – die des nicht bekannten Autors Christian Huber, oder die von Jan Böhmermann. Denn der ist immerhin im ZDF-Programm prominent vertreten. Jan Böhmermann hat kürzlich eine Auszeichnung erhalten. Die Jury des „Medienmagazins“ zeichnete ZDFneo-Moderator Böhmermann in der Kategorie Unterhaltung als „Journalist des Jahres“ aus.

Nun ist Böhmermann für seine begrenzte Humorfähigkeit spätestens seit dem Schmäh-Gestammel über Erdogan hinreichend bekannt. Wir haben damals Böhmermann verteidigt. Satire darf vieles. Aber der Satiriker sollte dazu lernen. Böhmermanns Kritik an Erdogan war und bleibt grenzwertig. Schlimmer ist: Er lernt nicht. Wer geglaubt hat, der Schock der Reaktionen hätte einen Lerneffekt ausgelöst, sieht sich getäuscht.

Böhmermann „twittert viel und oft, als sei er im Vollbesitz einer weltordnenden Kompetenz, aber stets jugendgerecht und einfältig und hip, um nicht zu sagen strunzdumm, wie etwa gerade jetzt wieder: ‚einigkeit und recht und freiheit sind first world problems, leute“, ach ja?’“

Neuerdings ist „strunzdumm“ nicht mehr stark genug – er hat die Grenze zum Primitiven, Verrohten überschritten. Auch mit diesem Tweet zu den Opfern des Bombenkriegs in Dresden und Köln:

Steinmeier forderte in seinem Gespräch mit dem ZDF, die Gesellschaft müsse wieder zum Gespräch mit sich selbst finden – auf Basis der Demokratie, bei der alle Argumente ernst genommen werden: „Da müssen wir wieder hinkommen und dazu kann und soll der Bundespräsident einen Beitrag liefern“.

Wenn es Steinmeier ernst meint, könnte er noch heute damit beginnen und dem ZDF empfehlen, bei der Auswahl seiner Moderatoren und Mitarbeiter grundlegende Regeln anzuwenden: die des einfachsten Anstands.

Wo wir leider sicher sind: Weder der Intendant noch der Fernsehrat des ZDF werden sich damit beschäftigen. Es ging ja „nur“ um eine Schwangere, die dummerweise in der falschen Partei ist.

ZDF nennt deutsche KZs in Polen „polnische Konzentrationslager“.

ZDF nennt deutsche KZs in Polen „polnische Konzentrationslager“.

Irren ist menschlich, und jeder macht mal einen Fehler. Aber deutsche Konzentrationslager, die in Polen von Deutschen gebaut und betrieben wurden, „polnische Konzentrationslager“ zu nennen, ist schon eine besondere Leistung, die in Abgründe blicken lässt. Genau das hat das ZDF getan. Mehr als drei Jahre später, zwei Tage vor Weihnachten, hat ein polnisches Gericht das ZDF verurteilt, sich bei einem polnischen Bürger, der „in einem deutschen Konzentrationslager inhaftiert war“, zu entschuldigen. Einen Tag darauf, am 23.12.16, stand die Entschuldigung auf der Homepage des ZDF, unauffällig platziert unter „Doku/Wissen“. Der Fehler, heisst es da, gehe auf eine „fehlerhafte Rückübersetzung aus dem Französischen“ zurück. Immerhin, ihren Humor haben die Mainzelmännchen nicht verloren.

„Entschuldigung bei Karol Tendera

Das ZDF hat im Juli 2013  in einer Programmankündigung für eine Sendung von ARTE aufgrund einer fehlerhaften Rückübersetzung aus dem Französischen eine Formulierung gebraucht, die dem Umstand, dass die auf von Deutschland besetztem polnischem Boden errichteten Konzentrationslager von Deutschen erbaut und geführt wurden, nicht gerecht wurde. Das ZDF hat sich, nachdem der Fehler bemerkt wurde, hierfür individuell und auch an die Öffentlichkeit gerichtet entschuldigt.

Das Appellationsgericht Krakau hat das ZDF am 22.12.2016 verurteilt, in Bezug auf den dortigen Kläger, Herrn Karol Tendera, der in einem deutschen Konzentrationslager inhaftiert war, folgende Erklärung zu veröffentlichen:“

Richtigstellung Tendera

https://www.zdf.de/doku-wissen/richtigstellung-tendera-102.html

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