Kategorie-Archiv: Mob-Medien

Krieg in Deutschland: Der Kampf um die Definitionsgewalt

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Krieg in Deutschland: Der Kampf um die Definitionsgewalt

Über Michael Klein… concerned with and about science

März 17, 2017

Es herrscht Krieg in Deutschland – Krieg in Worten, noch nicht in Taten. Ziel des Wortkriegs ist es, die Gegner mundtot zu machen. Ziel des Wortkrieges ist es auch, die Definitionsgewalt über die Wirklichkeit zu erreichen. Denn: Diskutiert wird in Deutschland schon lange nicht mehr darüber, was ist, sondern darüber, wie es erscheinen soll.

In diesem Sinne wurde mit den Gender Studies ein Projekt, das sich gegensätzlicher von Wissenschaft nicht mehr unterscheiden könnte, zu Wissenschaft erklärt, Vorteile von Frauen werden regelmäßig als Nachteilen gedeutet (z.B. der Vorteil Kinder für Arbeit zu substituieren). Weil das nicht reicht, werden Nachteile erfunden, wie z.B. das Gender Pay Gap, die Gesellschaft wird in Gute und in Böse geteilt, die Bösen finden sich ausschließlich rechts und sind gewalttätig, die Gewalttäter auf der linken Seite werden entsprechend zu Aktivisten erklärt. Politiker, die von einer Mehrheit gewählt werden, werden als Populisten bezeichnet, dann, wenn sie nicht dem Establishment angehören, gehören sie ihm an, dann sind sie strahlende Wahlsieger. Verluste bei Wahlen werden zu Siegen umgedeutet, ehemalige Stasi-Mitarbeiter werden zu Freiheitskämpfern und Streitern für die Toleranz, Gewalt zum legitimen Mittel, die eigene, natürlich richtige Meinung durchzusetzen, erklärt und vieles mehr.

Deutschland 2017 ist eine postfaktische Gesellschaft, in der ein Teil der Medienschaffenden gemeinsam mit einem Teil des politischen Establishments versucht, die Bevölkerung um Wahrnehmung und Verstand zu reden. Die Mittel, die dabei zum Einsatz kommen, sind immer dieselben: Die Realität wird verdreht und fast schon kunstvoll zu einem Gewirr aus Lügen und falschen Behauptungen verwoben.

Die Wahlen in den Niederlanden sind ein Beispiel dafür.
Geert Wilders, der Chef der PVV wurde sorgfältig zur rechtspopulistischen Gefahr, wenn nicht rechtsextremen Gefahr für die Demokratie aufgebaut, dessen Wahlsieg´ den nächsten Untergang des Abendlands einläuten würde, ähnlich dem BREXIT und dem Wahlsieg von Donald Trump.

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Die heraufbeschworene Gefahr einer Machtübernahme von Wilders im Vielparteiensystem der Niederlande, ist natürlich eine rhetorische Finte, denn in den Niederlanden hat noch nie eine Partei alleine regiert. Koalitionsregierungen sind Normalität. Ausgerechnet Wilders und seine PVV sollte das ändern, von einem Ausgangsniveau von 10,1% bei den Wahlen 2012. Gelänge ihm das, es wäre ein wahres Husarenstück, eine Verfünfachung des Stimmenanteils, ein Zugewinn von 40% an Wählerstimmen, es wäre ein Ereignis ohne Parallele in der Geschichte politischer Systeme.

Kurz: Die Gefahr, dass Geert Wilders zum Alleinherrscher wird und tun und lassen kann, was er will, sie war nie vorhanden. Sie wurde von Politikern und ihren Helfershelfern in den Medien inszeniert.

Strohmanntechnik, nennt man diese Form der Manipulation, bei der ein Strohmann aufgebaut wird, um ihn anschließend zu verbrennen.

Und Wilders wurde nun feierlich verbrannt. Er hat die Wahl verloren, obwohl die PVV 3% dazu gewonnen hat. Er hat sie verloren, weil er die Ziele, die für ihn gesteckt wurden, die unrealistischen Ziele, die er nie erreichen konnte, auch nicht erreicht hat. So einfach ist es, Wahlergebnisse umzudeuten und dabei zu unterschlagen, dass es in den Niederlanden ein historisches Beben gegeben hat: Das Pendant zur SPD, die Niederländische Arbeitspartei, sie wurde so gut wie ausgelöscht. Der Juniorpartner in der letzten Regierung ist von 24,8% der Stimmen auf 5,7% reduziert worden. Für Sozialdemokraten gibt es in den Niederlanden keinen Bedarf mehr. Auch die Partei von Regierungschef Mark Rutte musste Federn lassen. Ihr Anteil ist von 26,5% auf 21,3% zurückgegangen. Die Regierungsbildung im neuen Parlament der 11 Fraktionen, sie wird nicht einfach.

Und doch ist die Niederlage der beiden Regierungsparteien, die ein Minus von 24,3% zu verzeichnen haben, zu einem Sieg für die Demokratie umgedeutet worden. Es geht eben nicht um die Wirklichkeit, sondern um die Deutung der Wirklichkeit. Einer, der sich um die Missdeutung der Wirklichkeit sehr verdient macht, ist Ralf Stegner, der Vize-Vorsitzende der SPD. Er ist ein Lehrling der Verdrehung: In einem Zugewinn von 3% sieht er Anzeichen dafür, dass den „Rechtspopulisten die Luft ausgeht“. Das Wahlergebnis ist für Stegner, der bewandert ist in der Sprache des Krieges und des Kampfes, den er wohl notfalls auch mit Waffengewalt führen würde, „ein Signal, dass sich die demokratischen Kräfte gegen den Feind von rechts mobilisieren“. Josef Goebbels hätte das vermutlich nicht viel anders formuliert.“

Offensichtlich glaubt Stegner, mit seinen Verdrehungen einen Blumentopf außerhalb der ideologischen Blase zu gewinnen, in der er sich aufhält. So sicher ist er sich seiner Sache, dass er nicht einmal darauf achtet, sich nicht innerhalb von wenigen Sätzen kategorisch zu widersprechen.

So macht er die Wahl in den Niederlanden zum universellen Wahlakt gegen die rechtspopulistische Weltverschwörung, eine Wahl, die zeige, dass Trump der Höhepunkt eines rechtspopulistischen Höhenfluges gewesen sei, der nun durch die Generalmobilmachung der „demokratischen Kräfte“ zurückgeschlagen werden konnte.

Doch universell ist ihm die Holland-Wahl nur da, wo es ihm in den Kampfplan passt. Dass die Sozialdemokraten in den Niederlanden von der politischen Bühne verschwunden sind, das ist kein universelles Phänomen, obwohl es sich in Großbritannien und Frankreich in ähnlicher Weise beobachten lässt. Nein, die Konsequenz aus den eigenen Prämissen verweigert der Verdrehungs-Lehrling dann, wenn es an die eigene Kappe geht. Natürlich ist die SPD in Deutschland nicht vom europaweiten Abwärtstrend der Sozialisten betroffen. Die SPD habe „eine Vitaminspritze“ bekommen, so Stegner.

Er meint damit Martin Schulz, bei dem sich jedoch die Frage stellt, ob er nicht eine Überdosis an Vitamin für die alte SPD ist, die dadurch künstlich am Leben erhalten wird. Ein Zuviel an Vitaminen führt bekanntlich zu Durchfall, Erbrechen und letztlich dem Tod … dass manche SPD-Politiker bereits an sprachlichem Durchfall leiden und sich des Öfteren verbal erbrechen, kann man nicht leugnen.

Vorhersagbarkeit von Medienkommentaren mit algorithmischer Präzision

achgut.com

Vorhersagbarkeit mit algorithmischer Präzision

Angenommen, in diesem Moment liefe eine Eilmeldung über die Schirme, ein „Mann“ habe wahllos Menschen massakriert, in Berlin, Paris, Brüssel oder sonst wo. Angenommen weiter, es stellte sich rasch heraus, dass dieser Mann nicht Heinz Müller oder Francois Dupont heißt – was, glauben Sie, würde zu dem Fall beinahe ebenso schnell gemeldet? Das lässt sich mit algorithmischer Präzision vorhersagen. Gibt man in den einschlägigen Blättern oben die Meldung von einem Attentat in X, Y, oder Z ein, purzeln unten die Textbausteine aus den Meinungsautomaten.

Der Täter ist ein Einzeltäter. Hatte schon lange psychische Probleme. Als chronischer Straftäter bekannt, weil er, nostra culpa, in Europa nie wirklich integriert wurde. Aber erst im Gefängnis selbstradikalisierte er sich! Und dass er irgendwas mit Allah und Dschihad gerufen hat, Kontakte zu Terrornetzen gehabt haben soll? Unmöglich, sagt sein Vater, er trank ja Alkohol.

Und die allfälligen Kommentare zu der betrüblichen Tat? Noch in der Nacht, spätestens am nächsten Morgen flutschen die  Phrasen aus dem Stehsatz direktemang in die Leitartikel der Qualitätspostillen:

Jetzt bloß nicht alle Muslime unter Generalverdacht stellen! (hier) Ruhe bewahren! Keine Angst! (hier). Nur keinen Hass! (hier). Schärfere Gesetze bringen nichts! (hier) Sind nicht auch wir schuld an den Verzweiflungstaten chancenloser Einwanderer? Und spielen dabei nicht auch die Verbrechen der Kolonialzeit eine Rolle? (hier) Nur nicht in die Falle tappen, welche die Terroristen uns mit jedem Anschlag stellen! Denn genau das ist es ja, was die wollen: dass wir unsere freiheitlichen Werte aufgeben! (hier)

Sorry, geschätzte Programmierer, das mit dem Roboterjournalismus ist zwar eine hübsche Idee. Aber im Schriftleitermilljöh längst Realität. Ganz ohne Algorithmen.

Roboterjournalismus? Brauchen wir nicht, haben wir schon

Nein, ein „Roboterjournalist“ ist keiner dieser mies bezahlten Texteschrubber von Nachrichtenportalattrappen à la „focus.de“, „N24“ oder „t-online.de“, die Agenturmeldungen ausflöhen und zu vorgeblich eigenen Stücken verwursten. Vielmehr handelt es sich beim automatischen Schreiberling um ein noch nicht ganz ausgereiftes IT-Projekt zur Anhäufung medialer Müllhalden ohne viel menschliches Zutun. Irgendwas mit Algorithmen, Datenbanken und –kolonnen (Siehe hier).

Programmentwickler werkeln fleißig an virtuellen Robotniks, die dereinst viele leibhaftige Journos ersetzen sollen. Die finanziellen Vorteile für Inhaber von Content-Schleudern – formerly known as Pressehäuser – klingen in der Tat verführerisch.Nun hat sich der Hamburger Journalistik-Professor Thomas Hestermann in einem Interview  zu den Einsatzmöglichkeiten des algorithmisierten Journalismus geäußert. Welcher weitgehend aus kombinierten Textversatzstücken besteht, ähnlich den Ansagen der fabelhaften Anna vom Tom Tom-Navi.

Hestermann: „Soweit Journalismus in sehr engen Routinen und Textformen arbeitet, können Maschinen heute schon genauso gut und in Zukunft wahrscheinlich besser, schneller und ausdauernder als wir Menschen arbeiten.“ Realistisch sei das aber vorerst – so des Profs gute Nachricht für die derzeit noch in Lohn und Brot stehenden Medienschaffenden – nur für bestimmte Bereiche. Etwa bei Wetter-, Bilanz- oder Sportberichten. Hestermann glaubt: „Guten, phantasievollen Journalismus wird auch in 50 Jahren kein Roboter produzieren.“

Mag sein. Andererseits: Mischt nicht Mr. Robot im redaktionellen Geschehen schon kräftig mit? So jedenfalls kommt es dem lesenden Mittelständler bei vielen Blättern vor. Besonders anlässlich gewisser, sich in immer kürzeren Abständen repetierender, Tatbestände.

Vorhersagbarkeit mit algorithmischer Präzision

Angenommen, in diesem Moment liefe eine Eilmeldung über die Schirme, ein „Mann“ habe wahllos Menschen massakriert, in Berlin, Paris, Brüssel oder sonst wo. Angenommen weiter, es stellte sich rasch heraus, dass dieser Mann nicht Heinz Müller oder Francois Dupont heißt – was, glauben Sie, würde zu dem Fall beinahe ebenso schnell gemeldet? Das lässt sich mit algorithmischer Präzision vorhersagen. Gibt man in den einschlägigen Blättern oben die Meldung von einem Attentat in X, Y, oder Z ein, purzeln unten die Textbausteine aus den Meinungsautomaten.

Der Täter ist ein Einzeltäter. Hatte schon lange psychische Probleme. Als chronischer Straftäter bekannt, weil er, nostra culpa, in Europa nie wirklich integriert wurde. Aber erst im Gefängnis selbstradikalisierte er sich! Und dass er irgendwas mit Allah und Dschihad gerufen hat, Kontakte zu Terrornetzen gehabt haben soll? Unmöglich, sagt sein Vater, er trank ja Alkohol.

Und die allfälligen Kommentare zu der betrüblichen Tat? Noch in der Nacht, spätestens am nächsten Morgen flutschen die  Phrasen aus dem Stehsatz direktemang in die Leitartikel der Qualitätspostillen:

Jetzt bloß nicht alle Muslime unter Generalverdacht stellen! (hier) Ruhe bewahren! Keine Angst! (hier). Nur keinen Hass! (hier). Schärfere Gesetze bringen nichts! (hier) Sind nicht auch wir schuld an den Verzweiflungstaten chancenloser Einwanderer? Und spielen dabei nicht auch die Verbrechen der Kolonialzeit eine Rolle? (hier) Nur nicht in die Falle tappen, welche die Terroristen uns mit jedem Anschlag stellen! Denn genau das ist es ja, was die wollen: dass wir unsere freiheitlichen Werte aufgeben! (hier)

Sorry, geschätzte Programmierer, das mit dem Roboterjournalismus ist zwar eine hübsche Idee. Aber im Schriftleitermilljöh längst Realität. Ganz ohne Algorithmen.

Update des Autors: Dieser Beitrag wurde kurz vor dem Anschlag in London geschrieben. Das „Heute Journal“ des ZDF widmete dem leidigen Vorfall in der britischen Hauptstadt am späten Abend des Tattages (22. März 2017) ein paar Minuten. Aufgeschnappt habe ich in der Sendung vier Mal (könnten auch fünf oder sechs Mal gewesen sein) den Begriff „Einzeltäter“. Schauen wir mal, was die deutsche Medienlandschaft ab dem 23. März an vereinzelten Täterschaften noch so alles aufzubieten hat.

Jedes Argument, das nicht vom Mainstream abgedeckt sei, werde nur noch von der medialen Hysteriemaschine mit Hass beantwortet.

Journalisten treiben die Politik vor sich her, sagt Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Ihre Hysteriemaschine dreht Trump, Merkel und Schulz durch den Wolf und produziere eine Pseudowirklichkeit. Das Video zum Text im neuen Heft von Tichys Einblick.

Journalisten treiben die Politik vor sich her, sagt Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Ihre Hysteriemaschine dreht Trump, Merkel und Schulz durch den Wolf und produziere eine Pseudowirklichkeit.

„Medien kritisieren nicht mehr die Regierung, sondern ein Phantom“. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz über die deutschen „Gesinnungsjournalisten“, die jetzt einen Ersatzgegner gefunden haben – die zur Gefahr aufgeblasene „Rechte“. Jedes Argument, das nicht vom Mainstream abgedeckt sei, werde nur noch mit Hass beantwortet.

https://www.tichyseinblick.de/video/interview/norbert-bolz-interview-trump-merkel-schulz-hysteriemaschine/

Mob-Medien: Manipulation statt Information

Sie sehen sich wie alle Ideologen im Besitz des richtigen Denkens, der wahren Moral und der Wahrheit. Und wenn die Realität nicht mit der Ideologie übereinstimmt, muss diese eben hingebogen werden. Ein schlechtes Medien-Mantra.

 

tichyseinblick.de

 

Manipulation statt Information

In einem Artikel mit einem großen Bild von Trump erweckt Spiegel Online den Eindruck, dass die „Finanzlobby“ mit ihren 2 Milliarden Wahlkampfspenden der Hauptsponsor von Trumps Wahlkampf gewesen sei. Mit dem Bild Trumps wird in extrem manipulativer Form suggeriert, dass dieser im Gegenzug die Finanzindustrie so begünstigt habe, dass deshalb deren Wert an der Wallstreet um 33% gestiegen sei.

Stimmt das nun? Was ergibt die Recherche?

Der unverdächtige Schweizer SRF:

„1,3 Milliarden Dollar hat Clinton für ihre Kampagne aufgetrieben. Die 795 Millionen Donald Trumps sehen daneben geradezu bescheiden aus.“

Finanzen100:

„Bei Clinton sind die Summen der Einzelspender größer. Das liegt erstens eben daran, dass sie mehr Geld gesammelt hat als Trump, zweitens aber auch daran, dass Trump sehr viele Kleinspender hat, die weniger als 200 Dollar geben, während Clinton eher auf wenige große Spender setzt.

Und während Trump sein Geld in der Immobilienbranche sammelt, spendet Clinton die Finanzbranche: Bei ihr führt mit 13,1 Millionen Dollar der Hedgefonds-Manager Donald Sussman vor Haim und Cheryl Saban. Der Investor ist hierzulande am besten bekannt, weil er von 2003 bis 2007 Besitzer von ProSieben Sat1 war. Das Ehepaar Saban spendete Clinton rund 10,1 Millionen Dollar.

Auf Platz 3 der Großspender liegt der bekannte Investor George Soros mit 9,5 Millionen Dollar. Dahinter folgt das Ehepaar Pritzker, die Besitzer der Hyatt-Hotelkette, mit 9,2 Millionen Dollar. Fünfter ist Medienunternehmer Fred Eychaner aus Chicago.“

Das gleiche gilt für den WELT-Online Artikel mit der Schlagzeile: „AfD fordert ‚Minuszuwanderung“‘ und generelles Kopftuchverbot“. Erst unten im Artikel steht: „Die AfD spricht ’sich für ein generelles Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst aus. In Bildungseinrichtungen müssten nicht nur alle Lehrerinnen, sondern auch die Schülerinnen ohne Kopftuch erscheinen.’“

Die Schlagzeile ist also eine offene Lüge. Dazu der Leser J. S. „Die Überschrift ist falsch! ‚Ein generelles Kopftuchverbot‘ und ‚ein generelles Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst‘ sind zwei völlig verschiedenen Sachverhalte.“ 

Der Sinn der Übung ist klar: Der anonyme Autor weiß, dass viele Leser nur die Schlagzeilen überfliegen und sich so seine Lüge bei vielen festsetzt. Das im wahrsten Sinne des Wortes Kleingedruckte, in dem die richtige Information steht, lesen dann weit weniger. Sie sind auf diese Weise bewusst falsch informiert worden.

Offensichtlich ist sich die Presse in Deutschland nicht einmal für extreme Demagogie zu schade, solange es gegen den ideologischen Gegner geht. Sie wettern gegen „fake news“, schrecken aber vor Diffamierungs- und Manipulations-Artikeln von Brüderle bis Trump nicht zurück, nein, sie zelebrieren sie in aller moralischen Aufgeblasenheit genussvoll.

Aber warum tun Medien das? Warum versuchen selbst Wirtschaftsredakteure wie Henning Jauernig (hej) so offensichtlich einen falschen Eindruck zu erwecken?

Sie sehen sich wie alle Ideologen im Besitz des richtigen Denkens, der wahren Moral und der Wahrheit. Und wenn die Realität nicht mit der Ideologie übereinstimmt, muss diese eben hingebogen werden. Nicht durch offensichtliche Lügen, nein, das wäre zu gefährlich. Es wird einfach bewusst und gezielt ein falscher Eindruck erweckt. Zur Not kann man sich später noch wegen Ungeschicklichkeit entschuldigen. Der gute Zweck heiligt die bösen Mittel. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen.

Merkel bitte übernehmen

Vorgestern sagte die Kanzlerin in einer Regierungserklärung: „NS-Vergleiche führten grundsätzlich nur ins Elend und verharmlosten die Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus.“ Und: „Diese Vergleiche müssen aufhören.“

Am selben Tag titelte WELT online: „Die AfD setzt auf Methoden der NS-Zeit und der DDR“ – In der WELT-Redaktion ist die Botschaft der Kanzlerin wohl (noch?) nicht angekommen.

Bibi und Tina 4 – übelste Regierungspropaganda für Kinder

Bibi und Tina 4 ist ein Mädchenfilm- könnte man denken. Warum wir Kinderfilme wohl demnächst vorkosten müssen und was das alles mit Politik zu tun hat: eine Filmkritik.

                                                                              obs/DCM Film Distribution GmbH/Andreas Schlieter / DCM

Ich bin zugegebenermaßen nicht aus privatem Interesse in die Vorführung gegangen- das Thema entspricht nicht so ganz meinem cineastischen Beuteschema. Vielmehr hatte ich vorher schon gehört, der Film sei ausgesprochen politisch. Davon wollte ich mir selbst ein Bild machen.

Schon in den ersten paar Minuten bereute ich diesen Entschluss. Auf alles war ich vorbereitet: kitschige Lieder, quietschige Mädchenpower-Dialoge und grotesk unlogische Handlungsstränge. Ich wurde auch nicht enttäuscht. Natürlich wurde ich nicht enttäuscht, schließlich war es ein verdammter Pferdefilm! Aber was ich darüber hinaus geboten bekam, sprengte meine Vorstellungskraft in Bezug auf propagandistische Kindergehirnwäsche großflächig. Aber zum Inhalt:

Bei einem mehrtägigen Ausritt wird Bibi und Tina die Suppe vom Lagerfeuer geklaut. Schnell stellen sie den etwa gleichaltrigen Dieb, der sich als Aladin aus Syrien vorstellt, sich aber schnell als albanisches Waisenmädchen entpuppt, das Adea heißt und vor ihrem bösen Onkel wegläuft, weil der sie zwangsverheiraten will und sie doch viel lieber Ärztin werden möchte. All das erfahren wir, weil Bibi die sonst so lästige Sprachbarriere einfach weggehext hat. Die drei verstehen sich so gut, dass sie von nun an zu dritt weiterreiten.

Man hat diesen Schmalz gerade irgendwie verarbeitet, da begegnen  sie auch schon Sinan und Karim, zwei syrischen Flüchtlingsjungen, die von einem freundlichen Bauern bei Ochs und Esel in der Scheune untergebracht wurden- was den unschätzbaren Vorteil hat, dass wir dem kindlichen Zuschauer und uns selbst den Ausflug in eine Erstaufnahme-Einrichtung ersparen können um die beiden kennen zu lernen. Man freundet sich schnell an und beschließt, die beiden auch noch mitzunehmen.

Die bunte Truppe trifft am Fluss auf Tinas Freund und Sohn des Grafen von Falkenstein, Alex, der mit seinem Kanu gekentert ist und von einer Gruppe Afrikaner, wie sollte es auch anders sein, gerettet wurde. Die sind mit ihrem alten hellblauen VW-Bus gerade auf großer Europa-Tournee, um „für Frieden und Völkerverständigung“ (Originalzitat!) zu musizieren. Und da man das doch auch ganz wunderbar auf Schloss Falkenstein tun könne, beschließt man kurzerhand, dort ein Festival mit den neu gewonnen Freunden zu veranstalten.

Die Reisegesellschaft, deren Ausländeranteil mittlerweile bei rund 75% liegt und damit eher an Offenbach am Main, als an Schloss Falkenstein erinnert, wird allerdings aufgewirbelt, als Adeas böser Onkel auftaucht. Nur durch ein gewitztes Täuschungsmanöver und die lang ersehnte Flucht-auf-Pferd-Szene kann man diesen Schuft abschütteln und daran hindern, Adea zur Rettung der Familienehre wieder mit nach Albanien zu nehmen.

Endlich erreichen alle Schloss Falkenstein und treffen dort prompt auf Dirk Trumpf, einen (das geschulte Kinderfilm-Auge sieht es sofort) bösen Bau-Unternehmer mit komischem blonden Toupet, der dem Grafen eine monströs große Mauer angedreht und das ganze Gelände in eine einzige Baustelle verwandelt hat. Dass er ihn dabei betrügt und außerdem auch noch Steuerhinterziehung betreibt, das wird den Kindern, oder vielmehr den mit ansehenden Eltern,  auch noch aufs Auge gedrückt.

Nachdem Alex seinem vollkommen entnervten Vater abgerungen hat, dass all seine neuen Freunde ab jetzt im Schloss schlafen, womit er ungewollt das Verhältnis von Merkel zum deutschen Steuerzahler karikiert, könnte eigentlich alles perfekt sein. Leider hat in der Zwischenzeit Karim den Aufenthaltsort von Adea an deren Onkel verraten, weil er befürchtet, dass durch „Betrüger“ wie sie, ihm und seinem Bruder bald auch keiner mehr glaubt, dass sie aus Syrien kommen. Dass die  komplexe Unterscheidung zwischen Migration und Asylsuche tatsächlich in einem Film ohne Altersbegrenzung thematisiert wird, könnte einem die Spucke wegbleiben lassen, wenn sich deren Produktion nicht schon seit  dem Du-sprichst-jetzt-Deutsch-Hex-Hex eingestellt hätte.

Jedenfalls schleichen sich die albanischen Söhne des bösen Onkels jetzt auf das Festival, das natürlich ein voller Erfolg ist, und entführen Tina, weil sie ihre Cousine gerade nicht finden können. Sie bieten ihre Freilassung gegen die Übergabe von Adea an. Dank Tinas Temperament und Bibis beherztem Einsatz wird daraus aber keine traumatische Erfahrung von Ohnmacht und Missbrauch, sondern ein echtes Musterbeispiel von feministischem Zusammenhalt und Selbstbehauptung.

Blöd bloß, dass Adea mittlerweile nicht mehr weglaufen möchte und sich ihrem Onkel stellt. In einer herzzerreißenden Szene der Selbstopferung lässt sie sich nach Albanien fahren. Das passt natürlich so gar nicht ins Selbstbestimmungsbild von Bibi und so beamt sie sich selbst, ihren Freund Tarek (!), Tina und Alex einfach in das kleine albanische Heimatdorf ihrer neuen Freundin, erklärt dort der einheimischen Hochzeitsgesellschaft in aller Deutlichkeit, dass jetzt hier aber mal ganz schnell westliche Werte und das Jahr 2017 einziehen und überzeugt damit schließlich Adeas Cousins. Die wiederum überzeugen ihren Vater und Adea darf zur Schule und später zum Studieren nach Deutschland. Das alles hat vielleicht drei Minuten gedauert, danach gibt es Musik und der Film ist vorbei.

Ich saß fassungslos neben meiner halbleeren Popcorn-Tüte und versuchte mich zu erinnern, ob ich in meiner Kindheit eigentlich auch so schamlos manipuliert worden bin. Weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte, fragte ich meine etwa sechsjährige Sitznachbarin: „Und? Wie fandst du ihn?“. Die antwortete mir daraufhin wie aus der Pistole geschossen: „Ich fand Sabrina am Schönsten! Das ist das weiße Pferd von Bibi! Das ist nämlich ein Schimmel und Schimmel mag ich am liebsten!“ Dem musste ich inhaltlich zustimmen und ging, doch etwas erleichtert, nach draußen.

Wie die Medien zu Parteien wurden, die das Land regieren

Während sich Parteien zu professionellen Medienunternehmen entwickeln, die ihre „Narrative“ auf Plattformen für Zielgruppen ausspielen, werden Medienunternehmen politische Kampfgruppen, die die Richtung der Politik bestimmen wollen und können.

„Auf paradoxe Weise hat Trumps Medienhass so den schleichenden Bedeutungsverlust der Medien gestoppt. Politik und Medien scheinen sogar ihre Rollen zu tauschen: Während sich die Parteien immer stärker zu hochprofessionellen Medienunternehmen entwickeln, die ihre „Erzählungen“ (Narrative) möglichst geschickt auf allen Plattformen für ihre jeweiligen Zielgruppen ausspielen wollen (ganz unabhängig von der später tatsächlich praktizierten Politik), werden die Medienunternehmen – wie in ihrer heroischen Frühzeit – zu politisch-idealistischen Kampfgruppen, die die Richtung der Politik bestimmen wollen und können.“

Mit dieser Betrachtung schlägt Wolfgang Michal ein neues – altes – Kapitel der Rolle von Medien und Journalisten und darüberhinaus des Verhältnisses von Politik und Medien auf, über das er schon mal schrieb: „Der Beginn des modernen Journalismus war also in seinem Wesenskern parteiisch und aktivistisch, während er sich nach außen mit dem Glorienschein von Unabhängigkeit, Distanziertheit und neutraler Beobachtung des Zeitgeschehens umgab. Diese Verklärung wird bis heute, vor allem in Deutschland, von Journalisten als Wahrheit rezipiert.“

Diesen älteren Beitrag beendete er mit der berühmten Tischrede des Aktivisten und JournalistenJohn Swinton im Jahre 1880:

„So etwas gibt es bis zum heutigen Tage nicht in der Weltgeschichte, auch nicht in Amerika: eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß das. Es gibt hier nicht einen unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben. Und wenn er es täte, wüsste er vorher bereits, dass sie niemals im Druck erschiene. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, dass ich meine ehrliche Meinung aus dem Blatt, mit dem ich verbunden bin, heraushalte. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Bezahlung für ähnliche Dinge, und wenn Sie so verrückt wären, Ihre ehrliche Meinung zu schreiben, würden Sie umgehend auf der Straße landen, um sich einen neuen Job zu suchen. Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, also was soll das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“

Bei diesem – historisch erneuten – Rollentausch von Journalismus und Politik könne es nicht wundern, sagt Michal, „dass Donald Trumps ‚Chefideologe‘ Steve Bannon die US-Leitmedien als politische ‚Opposition‘ identifiziert hat. Die Medien, nicht die Demokratische Partei, seien die eigentliche ‚Oppositionspartei‘. Sie verkörpern, laut Bannon, das liberale, globalistische, elitäre, säkularisierte und anti-nationale Weltbürgertum, das dem ‚hart arbeitenden‘ Mittelstand, der tief in der christlichen Kultur der amerikanischen Provinz verwurzelt ist, schadet. Diese ‚Partei‘ (die Hillary-Obama-Jubelpartei) will Bannon mit allen Mitteln bekämpfen.“

Dabei habe alles eigentlich ganz harmlos angefangen: „Das Internet war noch klein und verspielt und wirkte irgendwie ungefährlich. Zum Spaß kabbelten sich ein paar Journalisten mit ‚Bloggern‘, die frech behaupteten, sie seien so wichtig wie Journalisten.“ Dann aber hätten Blogger, Google und Facebook begonnen, „immer unverfrorener an der Monopolstellung der Medien“ zu rütteln, „Blogger, Twitterer und Chatter, die frei Schnauze reden konnten, konkurrierten mit herkömmlichen Meinungsmachern, Enthüllungsplattformen konkurrierten mit traditionellen Reportern, YouTube-Stars konkurrierten mit der gewohnten Fernsehunterhaltung.“

Ja, möchte ich da anschließen, und dieser Wettbewerb hat gerade erst begonnen. Die alten Medien sollten nicht voreilig von der Aktivierung durch Trump und Co. auf ein Ende ihrer eigenen Krise schließen. Die Medien-Anteile sortieren sich gnadenlos neu, die Rolle der alten Medien (offline wie online) werden im neuen Medienmix keine dominante mehr sein.

Anders als jenseits des Atlantiks macht dieser Rollentausch die Medien in der gegenwärtigen politischen Landschaft Westeuropas nicht zur Oppositionspartei, sondern zur Regierungspartei. Opposition können sie erst werden, wenn jene regieren, die sie mit aller Gewalt davon fernhalten wollen – von AfD bis Front National.

Hier noch mal das eingangs Zitierte von Wolfgang Michal:

„Auf paradoxe Weise hat Trumps Medienhass so den schleichenden Bedeutungsverlust der Medien gestoppt. Politik und Medien scheinen sogar ihre Rollen zu tauschen: Während sich die Parteien immer stärker zu hochprofessionellen Medienunternehmen entwickeln, die ihre „Erzählungen“ (Narrative) möglichst geschickt auf allen Plattformen für ihre jeweiligen Zielgruppen ausspielen wollen (ganz unabhängig von der später tatsächlich praktizierten Politik), werden die Medienunternehmen – wie in ihrer heroischen Frühzeit – zu politisch-idealistischen Kampfgruppen, die die Richtung der Politik bestimmen wollen und können.“

Michal schließt dem diesen Satz an: „Das ist nicht die schlechteste Entwicklung (aber man sollte sie weiter kritisch beobachten).“

Ich halte den Rollentausch für eine schlechte Entwicklung, weil die „Vierte Gewalt“ ihre neue – alte – Rolle als Partei keiner Kontrolle unterwerfen wollen wird: weder alte noch die neue Medien.

https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/wie-die-medien-zu-parteien-wurden/

Auch Merkel verbreitete Fake News

Es war einmal eine Zeit, sie ist nicht lange her, da gab es keine Fake News. In dieser goldenen Epoche war alles wahrhaftig. Dann aber kamen die bösen „Populisten“, dann kam Donald Trump. Ein dunkles Zeitalter begann: die Ära der alternativen Fakten, das postfaktische Zeitalter.

Diese Mär erzählt man sich in Europa seit Monaten. Sie ist schaurig – und falsch. Im Grunde ist die Erzählung vom postfaktischen Zeitalter selbst ein Fake. Es stimmt zwar: Mächtige wie Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan oder Donald Trump greifen sehr bewusst zu sehr krassen Lügen, nur weil es ihnen nützt. Sie sind dreister, lauter, manipulativer, als wir es zuletzt gewohnt waren.

Aber wollen wir die klassischen, liberalen Politiker in den Heiligenstand erheben? Es ist doch so: Fake News gab es immer – und im Grunde ist die Weltgeschichte bisher ein sensationelles Tableau aus Beschönigungen, Verzerrungen, Listen und Lügen.

Es reicht ein Blick auf die vergangenen 30 Jahre unter der Ägide gemäßigter, demokratischer Politiker. Es beginnt harmlos im Jahr 1986: Norbert Blüm klebt Fake News an Litfaßsäulen: „Denn eins ist sicher: Die Rente.“ Keine Lüge, nur eine Fehleinschätzung? Kann sein, aber in der Politik sind Täuschung und Naivität nah beisammen.

Colin Powells UN-Auftritt

Auch bei Helmut Kohl im Jahr 1990: „Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass wir in den nächsten drei bis vier Jahren in den neuen Bundesländern blühende Landschaften gestalten werden.“

Auch im April 1998, als der Bundestag über die Einführung des Euro abstimmt. Bundesfinanzminister Theo Waigel: „Jedes Land haftet allein für seine Schulden. Es wird in der Währungsunion keine zusätzlichen Finanztransfers geben.“

Fünf Jahre später folgt der damalige US-Außenminister Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat. „Die Fakten und das Verhalten des Irak belegen, dass Saddam Hussein und sein Regime ihre Bestrebungen zur Herstellung von weiteren Massenvernichtungswaffen verschleiern.“ Bekanntlich waren diese Fakten fake. Sie dienten als Vorwand für den Irak-Krieg.

Fakes lösten Finanzkrise aus

Als Powell in New York sprach, zirkulierten bereits Fake-Wertpapiere um den Globus, sogenannte Hypotheken-Verbriefungen. In einer faszinierenden Verkettung von Täuschung, Selbstbetrug und Naivität log sich die Welt vor, dass Wohlstand für alle möglich ist – auch für völlig Mittellose.

Wer den Fake durchschaute, wusste: Die Menschheit sitzt der größten Hochstapelei ihrer Geschichte auf. Aber fast niemand durchschaute es. Als das ökonomische Irrsinnskonstrukt in der Finanzkrise implodierte, stürzte die Weltwirtschaft in die Tiefe.

Die Bundesregierung konterte mit einer glatten Notlüge. „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein“, erklärte Angela Merkel im Oktober 2008. Ein Fake. Wäre das Finanzsystem im Anschluss kollabiert, hätte die Bundesregierung niemals genug Geld gehabt, alle auszuzahlen. Es war eine psychologisch kluge Lüge, die Deutschlands Sparer am Ende vor sich selbst schützte.

Merkels Kehrtwende

Parallel mussten Deutschland und andere Staaten ihre Banken mit Milliarden stützen. Viele Länder hatten sich aber zuvor so sehr in die eigene Tasche gelogen, dass sie sehr hohe Schulden angehäuft hatten. Die Bankenrettung riss sie nun in die Pleite – andere Euro-Länder sprangen ab 2010 mit Hilfen ein. Die Versprechen Theo Waigels im Bundestag: gebrochen.

Im Jahr 2015 dann bot die Bundeskanzlerin alternative Fakten. Am 16. Juli: „Wenn wir jetzt sagen: Ihr könnt alle kommen und ihr könnt alle aus Afrika kommen … Das können wir auch nicht schaffen.“ Am 31. August: „Wir schaffen das. … Abschottung im 21. Jahrhundert ist keine vernünftige Option.“

Diesmal war es keine Notlüge in einem Dilemma wie 2008, sondern eine kalkulierte Kehrtwende. Der Fakt vom 16. Juli, vorgetragen im Angesicht eines weinenden Flüchtlingsmädchens, war nicht gut angekommen beim Volk.

Von da an waren falsche Argumente sehr willkommen, wenn sie die sogenannte Willkommenskultur stützten. Die Grüne Katrin Göring-Eckardt: „Unserem Land ging es immer besser, wenn Grenzen offen waren.“ Fake News. Deutschlands Grenzen – seit Schengen identisch mit den EU-Außengrenzen – waren vorher de jure nie offen.

Bundesjustizminister Heiko Maas zu den Terroristen in Paris und Brüssel: „Sie sind keine Flüchtlinge.“ Halbe Fake News wenigstens. Richtig, die Attentäter waren in Europa geboren. Aber um aus Syrien zurückzukehren, mischten sich die meisten unter die Migranten der Balkanroute, nutzten die offenen Grenzen.

Fast ein Jahr später noch einmal der Justizminister, der selbst gern für eine Art Wahrheitspolizei wirbt: „Die Milliarden für die Integration wurden in diesem Land erwirtschaftet und wurden niemandem weggenommen.“

Wie bitte? Das Geld gehört den Bürgern, die es erwirtschaften. Der Staat nimmt es den Bürgern über Steuern weg und muss rechtfertigen, wofür. Egal, ob der Staat an anderer Stelle spart – oder, wie in diesem Fall, einfach einen Überschuss für die Kosten der Flüchtlingskrise verwendet.

Für alternative ökonomische Fakten war in der Migrationskrise ohnehin die Wirtschaft zuständig: der Chefvolkswirt der Deutschen Bank etwa, David Folkerts-Landau. Eine Million Migranten, das sei ökonomisch „das Beste, was Deutschland seit der Wiedervereinigung passiert ist“.

Fakten prüfen, egal, wer sie vorbringt

So sprach der Mann viele Monate lang. Ein Chefvolkswirt soll sich mit Daten der Wahrheit nähern. Welche Zahlen er hatte, bleibt rätselhaft. Daten des Instituts für Wirtschaftsforschung für 2014 zeigten schon damals: Von allen anerkannten Flüchtlingen in Deutschland hatten zwei Drittel keine Ausbildung, ein Viertel nur die Grundschule besucht.

Bleibt die uralte Erkenntnis: Mächtige nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau. Aber die Mächtigen der liberalen Demokratien dürfen keinen Bonus bekommen, nur weil sie leiser, zivilisierter, weniger demagogisch die Fakten verdrehen.

Jedenfalls ist es keine Option, an der Seite angeblich „guter“, gemäßigter Politiker die angeblich „bösen“ Populisten mundtot zu machen. Was wir im Ringen um Wahrheit und Objektivität brauchen, sind die machtvollen Waffen der Gewaltenteilung, Parlament, Justiz, freie Presse.

In diesem Ringen macht es Sinn, alle verfassungsgemäßen Meinungen anzuhören, alle Fakten erst einmal zu prüfen, egal, wer sie vorbringt. Auch wenn man dann womöglich ertragen muss, dass die beste Lösung für ein Problem hier und da auch einmal von einem sogenannten Populisten stammt.

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