Kategorie-Archiv: 2017

Nach zwölf Jahren Merkelherrschaft sehe ich in der politischen Figur Merkel einen Vampir, der jeder Partei und am Ende dem Parlamentarismus das Blut aussaugt und damit die eigene Unsterblichkeit nährt.


Von Monika Maron.

Es ist Sommer, heute aber ein kühler Tag, geeignet zum Nachdenken und eine frühe Mahnung an den Herbst. Im Herbst müssen, sollen, dürfen wir wählen. Früher, als ich noch in der DDR lebte, waren freie Wahlen etwas so Verheissungsvolles wie Reisefreiheit und offene Grenzen, woran man schon erkennen kann, wie wandelbar Begriffe sind. Wer denkt bei „offenen Grenzen“ noch zuerst an den Fall der Berliner Mauer? Jetzt haben wir, habe ich, die freie Wahl, und trotzdem sind Wahlen für mich seit Jahren eine Zumutung.

Meistens habe ich die FDP gewählt, weil ich glaubte, damit den geringsten Schaden anzurichten. Wahrscheinlich werde ich wieder die FDP wählen, diesmal sogar mit der kleinen Hoffnung, nicht nur den geringsten Schaden anzurichten, sondern das grösste Übel zu verhindern: eine schwarz-grüne Koalition, die unvermeidbare Angela Merkel, flankiert von Katrin Göring-Eckardt; das wäre der grösste anzunehmende Wahlunfall, jedenfalls für mich. Als ich 1988 aus dem Osten in den Westen zog, habe ich die Grünen noch für meine natürlichen Verbündeten gehalten. Über diesen Irrtum haben mich die Grünen selbst binnen kürzester Zeit aufgeklärt. Heute gehören sie ganz entschieden zu meinen politischen Gegnern.

Eigentlich möchte ich auf gar keinen Fall noch einmal vier Merkel-Jahre erleben. Vermutlich teile ich diesen Wunsch mit vielen meiner Mitbürger, nur so lässt sich der raketenhafte Aufstieg von Martin Schulz verstehen, der ebenso raketenhaft, nämlich wie eine abgebrannte Silvesterrakete, endete, als klarwurde, dass es unter einem SPD-Kanzler nur noch schlimmer werden kann. Denn wer soziale Gerechtigkeit fordert, ohne zu erklären, wie die illegale Einwanderung gestoppt werden kann und die illegal Eingewanderten zur Auswanderung bewogen werden können, bleibt die entscheidenden Antworten schuldig und nährt den Verdacht, dass er nicht einmal die Fragen zur Kenntnis nimmt.

Also doch wieder Merkel. Aber warum soll ich überhaupt wählen, wenn ich das einzig mögliche Ergebnis nicht gewählt haben will? Was ist das für eine Wahl, in der ausser einem klitzekleinen Koalitionspartner nichts zur Wahl steht? In dieser bevorstehenden Wahl kulminiert das Verhängnis der letzten Legislaturperioden, zuerst die CDU im Bündnis mit einer entgleisten FDP, auf das die grosse Koalition folgte und ein Parlament ohne Opposition und Rückgrat hervorbrachte. Es war sogar noch schlimmer: Wenn die eigene Partei der Kanzlerin die Gefolgschaft zu verweigern drohte, sprang ihr die linke und grüne Opposition hilfreich bei.

Neuerdings werde ich als rechts bezeichnet

Nach zwölf Jahren Merkelherrschaft sehe ich in der politischen Figur Merkel einen Vampir, der jeder Partei und am Ende dem Parlamentarismus das Blut aussaugt und damit die eigene Unsterblichkeit nährt. Anders ist nicht zu erklären, dass die Kanzlerin ihre irrwitzigen, allseits bekannten Fehler wie die überstürzte Energiewende, die verpatzte Euro-Rettung, die sperrangelweit geöffneten Grenzen unversehrt überstanden und zudem die Welt noch von ihrer Unersetzlichkeit überzeugt hat.

Wenn ich also wähle, werde auch ich wieder Merkel gewählt haben und damit eine Politik, die ich für unheilvoll halte. Denn eigentlich gehöre ich zu denen, die neuerdings als rechts bezeichnet werden. So steht es jedenfalls in den Zeitungen. Wer so denkt wie ich, ist rechts, behaupten sie. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich eines Tages rechts sein könnte. In meiner Jugend war ich links. So hatte man mich erzogen, und ausserdem waren fast alle, die ich kannte, irgendwie links, schon wegen der deutschen Geschichte, wegen Sartre, Böll, Brecht, Heiner Müller. Sogar Wolf Biermann war links. Links bin ich schon lange nicht mehr. Ich dachte immer, ich sei liberal, aber im Fernsehen und in der Zeitung sagen sie, ich sei rechts. Und nun zermartere ich mir den Kopf, wie das passieren konnte. Ich bilde mir ein, ähnlich vernünftig zu sein wie früher, als ich nicht mehr links, aber noch nicht rechts war. Welche Achse hat sich gedreht, dass ich mich auf einer anderen Seite wiederfinde, ohne die Seite gewechselt zu haben? Doch die in meinem Kopf? Oder hat jemand am Meinungskompass gedreht, so dass Osten, Westen, Norden und Süden, also rechts, links, liberal und ahnungslos, völlig durcheinandergeraten sind?

Nehmen wir zum Beispiel den Vorwurf der Islamophobie, die unbedingt zum Rechtssein gehört. Ich habe also eine krankhafte Angst vor dem Islam, sagen die Zeitungen und das Fernsehen. Die Wahrheit ist, dass ich vor dem Islam wirklich Angst habe. Aber warum ist das krankhaft und nicht vernünftig? Die gleichen Zeitungen, die mir meine verachtenswerte Gesinnung attestieren, berichten täglich von blutrünstigen Verbrechen, die im Namen dieser Religion begangen werden, wobei sie natürlich betonen, dass das nicht an der Religion, sondern nur an deren Missbrauch liegt. Missbraucht wurde in der Menschengeschichte fast alles. Während für meine Kritiker der Missbrauch des Nationalen aber nur den Schluss zulässt, dass man den Nationalstaat abschaffen müsse, bleibt der missbrauchte Islam ganz ungeschoren.

Die meisten Muslime sind friedlich, heisst es. Das stimmt. Und trotzdem frage ich mich seit einiger Zeit bei jeder Frau, die mir kopftuchbewehrt entgegenkommt: Was willst du mir damit sagen? Dass du anders bist als ich? Dass du besser bist als ich? Dass meine Enkeltochter eines Tages auch so rumlaufen wird? Das habe ich mich vor fünfzehn oder zwanzig Jahren, als die Kopftücher eher selten waren, noch nicht gefragt. Dass die meisten Muslime friedlich sind, ist keine Garantie für ihre freiheitliche oder gar säkulare Gesinnung. Das beweisen Studien, Wahlergebnisse und fanatische Demonstrationen bei Auftritten von Erdogan in Deutschland. Ja, ich habe Angst vor dem reaktionären, frauenfeindlichen, nach weltlicher Macht strebenden und in unseren Alltag drängenden Islam. Aber warum ist das krank? Und warum ist das rechts? Warum bin ich rechts, wenn ich nicht glaube, dass die eineinhalb oder zwei Millionen (so genau weiss es ja keiner) jungen Männer, die in den letzten drei Jahren eingewandert sind, die herbeigesehnten Facharbeiter werden und Deutschlands demografisches Problem lösen, zumal Männer unter demografischem Aspekt vollkommen ohne Belang sind?

Ich würde gern Sebastian Kurz wählen

Oder nehmen wir die AfD. Ich sehe in ihr die logische Folge eines Parlaments ohne Opposition und einer sturen, als alternativlos propagierten Politik, deren Konsequenzen unabsehbar sind. Von Beginn an wurde diese Partei bekämpft, als sei sie der Gottseibeiuns, auch als es die aus heutiger Sicht „gute AfD“, die professorale Lucke-AfD, war. Warum ist es links, wenn einer Partei, die demokratisch legitimiert in dreizehn Landtagen und demnächst wahrscheinlich im Bundestag sitzt, Tagungsräume verweigert werden, wenn die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder gefährdet sind, ihre Wohnhäuser angegriffen, ihre Autos abgefackelt und sie selbst zusammengeschlagen werden? Und warum bin ich rechts, wenn ich das undemokratisch, dumm und brutal finde?

Wenn das alles rechts sein soll und gleichzeitig ein hysterischer Kampf gegen rechts geführt wird, wenn darum Meinung und Sprache zensiert, öffentliche Veranstaltungen und Diskussionen gewaltsam verhindert werden und wenn diese Kämpfer gegen rechts sich selbst als links bezeichnen, dann hat wirklich jemand am Meinungskompass gedreht und nicht ich habe die Seiten gewechselt.

Ich würde gern Sebastian Kurz wählen, was leider nicht möglich ist. Wenn ich mir für Deutschland etwas wünschen dürfte, dann würde ich Boris Palmer bitten, die Grünen endlich zu verlassen, eine eigene Bewegung zu gründen und seine Talente den achtzig Millionen Deutschen statt den nicht einmal hunderttausend Tübingern zu widmen. Er ist nicht so jung wie Emmanuel Macron und Sebastian Kurz, aber jung genug. Vor allem hat er seinen Verstand behalten, ist offenbar furchtlos und ein Kämpfer. Und von den deutschen Wählern würde ich hoffen, dass sie dann ihre Verzagtheit und ihr Misstrauen in den Wind schlagen und etwas Neues, Unbekanntes wagen.

Aber es ist ja schon Sommer und bis zum Herbst wenig Zeit, zu wenig für so viel Wagemut, und so bleibt es wohl noch einmal bei der Zumutung.

Monika Maron lebt in Berlin. Zuletzt erschien von ihr die ErzählungKrähengekrächz(2016) im Fischer-Verlag. Dieser Beitrag erschien zuerst in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ).

Die hässliche Fratze der Emanzipation – Evidenz-basierte Ansichten


Ein Shitstorm hat auch seine positive Seite. Da politisch korrekte Gülle meist in Richtung Originalität, Kreativität und Intelligenz geworfen wird, fliegt sie oft genug auf Leute, die zu lesen wirklich lohnt. 

Seinfeld

Bislang kannte ich Ronja von Rönne noch nicht, aber jetzt, da die keifende Meute sie bekannt gemacht hat, habe ich angefangen, ihre Texte zu lesen. Sie schreibt witzig, intelligent, geistreich, erfrischend. Nachdem sie den Artikel „Warum mich der Feminismus anekelt“ in der Welt veröffentlicht hatte, ging der Shitstorm gegen sie bis zur verklausulierten Morddrohung. Tatsächlich verspricht dieser Titel einen bissigeren Text als den, der dann tatsächlich folgt. Aber klar: Der gemeine Twitterhetzer liest ja höchstens Titel. Das könnte man Ronja vorhalten: Der Titel ist eine Einladung zum Shitstorm. Er ist wie ein „zu kurzer Rock“, wie eine „Mohammed-Karikatur“. „Selbst Schuld, Ronja!“ Wer so titelt, muss sich über den Shitstorm nicht wundern.

Ihre Feminismus-Kritik hätte durchaus Kritik verdient, aber unflätig hingerotzte Tweets, die sich jemand nur leistet, weil ihn keiner kennt, zählen nicht als Kritik, sie zählen so viel wie eine Lache Erbrochenes auf dem Bahnhofsklo.

In einem weiteren Text kommentiert Ronja von Rönne den Tugendfuror gegen die Kolumnistin Barbara Eggert vom „Westfalen-Blatt“. Frau Eggert hatte einem Leser beigepflichtet, der es problematisch fand, seine beiden unaufgeklärten Töchter (6 und 8) zur Schwulenhochzeit seines Bruders mitzunehmen.

eggert
Westfalen-Blatt, 17.5.2015

Es ging nicht darum, dass sie diese Hochzeit kritisierte, auch nicht darum, dass sie das Recht Homosexueller zu heiraten in Frage stellte. Es ging nur um die Frage, ob es Kinder verwirren oder verstören könnte, wenn sie noch nie etwas über Homosexualität gehört haben und dann sehen, wie zwei Männer einander heiraten. Ronja von Rönne bezeichnet Eggerts Ratschlag als „altbacken“, „sehr konservativ, vielleicht etwas ignorant“. Vielleicht, aber sind wir sicher, dass es junge Kinder nicht verwirrt, wenn bei einer Hochzeit keine Braut auftaucht?! Haben wir Daten darüber? Ist diese Frage nicht legitim? Darf sie nicht erörtert werden?

Aber im Grunde geht es hier nicht um die Auswirkung von Homo-Ehen auf Kinder. Es geht um die „Gesinnung“ der Frau Eggert. Sie hat eine politisch inkorrekte Antwort gegeben. Sie hat sich nicht ohne Wenn und Aber hinter der Regenbogenfahne eingereiht. Sie hat eine abweichende Meinung aufscheinen lassen. Sie wurde gefeuert. Das Westfalen-Blatt ist hier vor dem geifernden Twitter-Pöbel eingeknickt und hat sich einen Dreck um das Recht seiner Kolumnistin geschert, ihre Meinung frei äußern zu dürfen.

Zwei Stellungnahmen hat das Westfalen-Blatt veröffentlicht. Die erste versucht, die Wogen zu glätten, zeigt Verständnis für die Antwort der Kolumnistin, leckt aber bereits eifrig den Speichel des Mobs.

Sehr selbstkritisch müssen wir einräumen, dass in der Kolumne so formuliert wird, dass der Text Kritik geradezu herausfordert. Das ist unzweifelhaft eine gravierende journalistische Fehlleistung.

So? Ist es das? Vielleicht ist das der Grund, warum ich vorher noch nie etwas von einem „Westfalen-Blatt“ gehört hatte. Einen wirbellosen Schnarchjournalismus braucht niemand. Aber merkt Ihr was? Kaum „leistet“ eine Kolumnistin „gravierend fehl“, bemerken Euch auch Nicht-Westfalen! Leider habt Ihr Euren kurzen Moment des Ruhms nur dazu genutzt, der ganzen Republik zu zeigen, dass sie nichts verpasst, wenn sie das Westfalen-Blatt auch weiterhin ignoriert.

Schauen wir uns im direkten Vergleich dazu an, was der Ressortleiter Feuilleton der „Welt“ über Ronja von Rönne schreibt:

Wir haben sie nicht in unser Feuilleton geholt, um aus ihr eine normale Journalistin zu machen, eine, die normale Texte schreibt, bei denen das Nicken des Lesers werkseitig eingebaut ist. Wir verstehen unser Feuilleton als ein Experimentierfeld, auf dem wir versuchen, ungewöhnliche Dinge mit Wörtern zu machen. Wenn das nicht geht, dann kann man es gleich lassen.

Das ist der Grund, warum ich lieber „Die Welt“ lese als ein „Westfalen-Blatt“.

In der zweiten Stellungnahme zeigt dann der Redaktionsleiter der johlenden Menge den Kopf von Barbara Eggert:

Frau Eggert wird fortan nicht mehr für uns schreiben, wir werden ihre Kolumne beenden.

louisxvi

Die Emanzipation der Frauen wie auch der Homosexuellen war in den letzten Jahrzehnten (in der westlichen Welt) auf beispiellose Weise erfolgreich. Die Kießling-Affäre ist keine 300, sondern gerade mal 30 Jahre her. Inzwischen ist Schwulsein in der Politik „gut so“. Vor wenigen Jahrzehnten tobte die Debatte noch darum, ob und wie hart Homosexualität zu bestrafen sei. Jetzt hat das erzkatholische Irland gerade die Homo-Ehe beschlossen. Das sind unglaubliche, gewaltige Erfolge. Brendan O’Neill macht vor allem das atemberaubende Tempo misstrauisch, mit dem sich diese „neue Orthodoxie“ durchgesetzt hat:

Die plötzliche Verwandlung der Homo-Ehe von einer bloßen Idee in die neue „gute Sache“ der politischen Eliten der westlichen Welt hat wenig mit einer Ausweitung der Toleranz zu tun, sondern ist Zeugnis des direkt gegenteiligen Phänomens: des Aufkommens neuer Formen der Intoleranz, die nichts weniger als moralischen Gehorsam und verpflichtende Begeisterung von jedem fordern.

Gibt es jetzt angesichts einer solch atemberaubenden Entwicklung keinerlei Bedarf mehr für Diskussion und Kritik? Ist jede kritische Frage gleich eine „homophobe“, „reaktionäre“ oder „faschistoide“ Entgleisung? Gibt es für alle Einwände nur noch das virtuelle Schafott?

Es ist offenbar eine inhärente Gefahr für Emanzipationsbewegungen, sich bei einem solchen Erfolg in eine hässliche Fratze zu verwandeln. War man noch vor wenigen Jahrzehnten in einer Position, Tabus brechen zu müssen, so ist man jetzt emsig dabei, selbst Tabumauern zu errichten und Tabubrecher zu vernichten.

Hier ist ein solcher von Tabus eingemauerter Gedanke: Wir können ohne Einschränkung für die volle Gleichberechtigung Homosexueller eintreten, aber dennoch zugestehen, dass es legitime Gründe dafür gibt, Homosexualität bei sich oder seinen Kindern zu bedauern:

Wir haben uns angewöhnt zu glauben, dass ein solches Bedauern ein illegitimes, zutiefst reaktionäres Gefühl sei, ein Ausdruck von „Homophobie“, also einer krankhaften Störung, höchstwahrscheinlich religiös konditioniert. Es gibt jedoch einen Aspekt der Homosexualität, unter dem Homosexuelle durchaus leiden können: ungewollte Kinderlosigkeit. Kinderlosigkeit bei sich selbst oder auch bei den eigenen Kindern zu bedauern, erscheint evolutionär ohne weiteres nachvollziehbar.

Die politisch korrekte Einstellung gegenüber Homosexualität ist heute die emphatische Bejahung, zumindest aber ein „Not that there is anything wrong with that“. (Wobei offen bleibt, ob die legendäre Seinfeld-Folge heute nicht ebenfalls einen Shitstorm ernten würde.)

Die heute beinahe obligatorische Haltung von Eltern gegenüber dem Coming-Out ihrer Kinder lautet „Das ist gut so!“, zumindest aber: „Hauptsache, Du wirst glücklich!“, aber diese Haltung kann wohl kaum eine evolutionäre Grundlage haben. Wenn Eltern das persönliche Glück ihrer Kinder so hoch gewichten, dass sie dafür in Kauf nehmen, keine Enkel zu bekommen, so ist das eine rein zivilisatorische Entwicklung, die wir vielleicht begrüßen sollten. Aber sie steht im Konflikt mit mächtigen intuitiven Präferenzen, und ich kann nicht sehen, warum diese Präferenzen nicht legitim sein sollten. Warum sollte es Eltern mit Freude erfüllen, wenn sie erfahren, dass sie keine Enkel haben werden? Warum sollten alle Eltern das Gefühl teilen: „Hauptsache, Du wirst glücklich“? Das hier gemeinte Glück des Kindes führt normalerweise zu leiblichen Enkeln, bei Homosexualität nicht. Eltern wollen glückliche Kinder, aber viele wollen auch Enkel. Es ist nicht illegitim, diesen Zielkonflikt als solchen zu empfinden. – Ihn zu benennen kann einen abhängig beschäftigten Journalisten heutzutage allerdings den Job kosten.

Liebe hauptberufliche, angestellte Journalisten: Bringt dieses oder ein ähnliches Argument mal in einem Eurer Artikel und schaut, was passiert. Ich bin freischaffender und unbezahlter Blogger. Ich kann deswegen weder gefeuert werden noch drohen mir Einkommenseinbußen. Ich habe an vielen Stellen in diesem Blog für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und für sexuelle Selbstbestimmung plädiert und argumentiert. Aber wenn diese Emanzipation immer häufiger ihre hässliche Fratze zeigt und der politisch korrekte Mob immer unnachgiebiger versucht, Kritiker und Abweichler zu vernichten, ist es vielleicht an der Zeit, kritische und abweichende Positionen zu thematisieren.

In der erwähnten Seinfeld-Folge reagieren die Eltern von Jerry und George übrigens eher verhalten auf das vermeintliche Coming-Out ihrer Söhne. Nein, ich glaube nicht, dass diese Folge heute noch mal einen GLAAD Award gewinnen würde.

https://evidentist.wordpress.com/2015/06/03/die-hassliche-fratze-der-emanzipation

Längst ist der Opferstatus zu einer sozialen Währung geworden. Einer Währung, die so wertvoll ist, dass einige ihre Opfer-Identität sogar frei erfinden.


Warum sind junge Menschen heute so überempfindlich? Ein neues Buch von Claire Fox beschäftigt sich mit den Ursprüngen der „Generation Schneeflocke“.

Das Buch „I Find That Offensive“ von Claire Fox ist ein Aufruf an die „Generation Schneeflocke“. Die Direktorin des britischen Think-Tanks Institute of Ideas will junge Menschen ermutigen, ihren Schutzpanzer abzuwerfen und die Herausforderung des Erwachsenseins anzunehmen.

Dabei lässt Fox sich nicht einfach über die Verstiegenheiten der jüngeren Generation aus (etwa die Besessenheit vieler Studenten von sogenannten „Mikroaggressionen“). Stattdessen fragt sie nach dem Warum. Warum nehmen junge Menschen an so vielen Dingen Anstoß? Warum verbannen sie Andersdenkende von ihrem Campus? Warum fühlen sie sich von Meinungen, die ihren eigenen widersprechen, so schnell provoziert? Um diese Fragen zu beantworten, geht Fox der Verletzlichkeit der Jugend auf den Grund und erkundet die umfassende Kultur des „Opferseins“.

Zunächst beobachtet Fox, wie junge Menschen sich einen „Status der Unterdrückung“ aneignen und dadurch eine perverse Form von Autorität gewinnen. Selbst die leiseste Kritik an ihren Vorstellungen wird sofort als Hassrede abgestempelt; die eigenen Überzeugungen werden praktisch unangreifbar. Wer keine überzeugende Opferrolle einnehmen kann, zeigt überschweifende Empathie mit benachteiligten Gruppen und hofft, dass die moralische Überlegenheit der Benachteiligten auf ihn abfärbt.

Längst ist der Opferstatus zu einer sozialen Währung geworden. Einer Währung, die so wertvoll ist, dass einige ihre Opfer-Identität sogar frei erfinden. Fox führt als Beispiel den Fall des prominenten Black-Lives-Matter-Aktivisten Shaun King an. Diese Geißel sogenannter „weißen Privilegien“ bezeichnete sich selbst als schwarz. Er fiel in Ungnade, nachdem seine eigenen Unterstützer einräumten, dass seine Geburtsurkunde ihn als Weißen ausweist. Ebenso bizarr ist die Geschichte von Rachel Dolezal: Sie baute sich eine Karriere als afroamerikanische Bürgerrechtsaktivistin auf … trotz ihrer europäischen Herkunft.

„Wer also ist verantwortlich für ‚Generation Schneeflocke‘? Fox zeigt mit dem Finger auf uns, die Elterngeneration.“

Wer also ist verantwortlich für „Generation Schneeflocke“ und deren Opfermentalität? Fox zeigt mit dem Finger auf uns, die Elterngeneration. Wir haben die Jugend in einem Kokon des Wohlbefindens und der Sicherheit aufgezogen, in einer Welt, in der wir die Herausforderungen des Lebens wie Katastrophen behandeln, weil wir auf Gesundheitsrisiken und den Schutz unserer Kinder fixiert sind. Fox portraitiert eine ängstliche, risikoscheue Gesellschaft, die überall Gefahren und Missbrauch vermutet. Dadurch, so Fox, sei die Grenze zwischen physischen und psychologischen Schäden immer mehr verschwommen.

Es ist nicht lange her, da folgten Liberale noch John Stuart Mills Definition vom „psychischen Schaden“. Darunter fällt alles, was die individuelle Entwicklung behindert – beispielsweise Kindern eine Ausbildung vorzuenthalten. Mill verstand Schaden auch als etwas, das gegen unseren Willen geschieht. Folglich können beleidigende oder anstößige Worte auch keinen „psychischen Schaden“ anrichten. Wenn wir uns etwa von jemanden gestört fühlen, können wir den Kontakt mit dieser Person meiden und unser Leben unbehindert weiterführen. Heute glauben viele Menschen, dass schon die Existenz von Lebensstilen, die sie persönlich missbilligen, ihnen schade. Was für ein Unterschied zu Mill, für den „Schaden“ darin bestand, inhaftiert, körperlich angegriffen oder von Verbrechern getäuscht zu werden. Fox fordert die Leser auf, zu diesem engeren Schadensverständnis zurückzukehren – einer Definition, die Raum lässt für legitime elterliche Strenge und angemessenen akademischen Druck.

„Kinderhilfsorganisationen und andere NGOs erweitern ständig die Definitionen von Missbrauch.“

Aber es gibt beachtliche Widerstände, die eine Rückkehr zu Mills Schadensprinzip verhindern. Kinderhilfsorganisationen und andere NGOs erweitern ständig die Definitionen von Missbrauch. Kinder werden ermutigt, sich als Missbrauchsopfer anzusehen, wenn sie Leistungsdruck ausgesetzt oder ihre Entscheidungen von Erwachsenen „manipuliert“ werden. Der Mobbing-Begriff wird stetig ausgeweitet, das „Verbreiten von Gerüchten“ fällt heute ebenso darunter wie „einfach ignoriert zu werden“. In einem solchen Umfeld werden Kinder regelrecht entmutigt, Bewältigungsmechanismen zu entwickeln. Stattdessen lehren wir sie, psychologische „Unterstützung“ zu suchen, sobald sie sich irgendeiner Herausforderung oder Kritik ausgesetzt sehen.

Anstatt der Jugend zu helfen, unangenehme Erfahrungen richtig einzuordnen, haben wir sie zur Überreaktion erzogen und ihnen beigebracht, dass schon die kleinste Kränkung traumatisierend wirkt. Und so darf es uns nicht wundern, dass heutige Studenten vom Gedanken an ihr geistiges Wohlbefinden beherrscht sind und sich selbst als äußerst verletzlich begreifen. Wir haben grundlege Erfahrungen des Studentenlebens pathologisiert – vom Pleitesein bis zum nächtelangen Arbeiten an Hausarbeiten. Enttäuschung, Stress und Frustration gelten heute nicht mehr als normaler Teil des Erwachsenwerdens, sie werden zunehmend als Quelle psychischer Störungen und Krankheiten gesehen.

Zudem hat sich ein heimtückischer Paternalismus in das Alltagsleben der jüngeren Generation gefressen. Selbst informelle Aktivitäten der Kinder werden heute organisiert und betreut. „Freizeit“ wird akribisch geplant und überwacht. „Helikoptereltern“ ermutigen ihre Kinder, sich von Dritten abhängig zu machen. Der Raum, in dem Jugendliche ihre Unabhängigkeit entwickeln können, wird immer kleiner. Stattdessen lässt man sie glauben, dass Unterstützung von Behörden und Institutionen sie stärker mache. Ihr geringes Bewusstsein für Eigenverantwortung macht die jungen Menschen von äußeren Autoritäten abhängig. Nicht nur ihre Freiheit wird so untergraben, sondern auch ihre Fähigkeit, selbständig zu leben.

„Der Raum, in dem Jugendliche ihre Unabhängigkeit entwickeln können, wird immer kleiner.“

Fox kritisiert in ihrem Buch auch das veränderte Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern. Dem Selbstbewusstsein der Schüler wird eine überhöhte Bedeutung zugemessen. Lehrern wird eingeschärft, dass Unterrichtsinhalte „relevant“ sein müssen, damit die Schüler bei der Stange bleiben. Die Meinungen der Schüler werden mit unbedingtem Respekt behandelt, ihre Ansichten dürfen nicht hinterfragt werden. Laut Fox vernichtet diese Einstellung die Pflicht der Erwachsenen, jungen Menschen Wissen weiterzugeben und ihnen Grenzen zu setzen. Die notwendigerweise ungleiche Beziehung zwischen Lehrern und Schülern, also zwischen Wissenden und Lernenden, sei zerstört worden. Dadurch lernten Schüler und Studenten nie, mit Enttäuschung umzugehen oder Kritik zu akzeptieren.

Fox beendet ihr Buch mit deutlichen Worten an die „Generation Schneeflocke“: Ihr rebellisches Selbstbild sei illusorisch. Echte Rebellen bräuchten jene Art von moralischer Autonomie, die erst durch die Teilnahme an ernsthaften intellektuellen Debatten entstehen kann. Junge Menschen greifen den Mainstream nicht an, so Fox. Sie biedern sich dem Zeitgeist an und spielen perfekt die Rolle des verletzlichen Opfers, das Eingriffe und Unterstützung von außerhalb benötigt.

Was ist also zu tun? Die Jungen werden Mut brauchen, um Widerstand gegen diejenigen zu leisten, die Sicherheit über Handlungs- und Redefreiheit stellen. Sie müssen endlich ein Rückgrat entwickeln. Und vor allem müssen sie eines tun: erwachsen werden.


Dieser Artikel ist zuerst beim Novo-Partnermagazin Spiked erschienen. Aus dem Englischen übersetzt von Fabian Lauterbach.

Terri Murray ist Studienleiterin des Fine Arts College Hampstead und Autorin von Feminist Film Studies: A Teacher’s Guide (2007, Auteur Publishing)

https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/buecher/generation-schneeflocke-opferstatus-als-soziale-waehrung/

 

Eine neue Erzählung von Evelyn Kremer: Tod der Schwiegermutter

Tod der Schwiegermutter

von Evelyn Kremer

 

Mir gegenüber, in der U-Bahn, saßen zwei kräftige Frauen mittleren Alters. Sie wirkten beide etwas dümmlich aber sehr selbstzufrieden. Ein wenig ähnelten ihre Gesichter zwei kleinen Schweinchen. Sie trugen figurbetonte, pastellfarbene Hosen, unter denen sich die Speckschwarten abzeichneten und ihr Ausschnitt ließ tief blicken. Breitbeinig und fest saßen sie auf ihrem Sitz in der wackelnden Bahn. Ihre Brüste wippten. Mir fiel auf, dass die beiden Damen eine kleine Goldkette mit einem Kreuz um den Hals trugen. Ihren Gesichtern sah man allerdings keinerlei Frömmigkeit an: Beide wirkten eher durchtrieben. Eventuell waren sie Schwestern. Die eine hatte braune, die andere hellblond gefärbte Haare. Beide waren tief gebräunt, am Hals und Decolleté faltig. Sie trugen einige Goldringe an ihren dicken Wurstfingern und billige aber blinkende Taschen.

Ich lauschte ihrem Gespräch. Sie unterhielten sich über den Tod der Schwiegermutter. Die Schwiegermutter war wohl erst vor Kurzem gestorben und hatte keinerlei Geld für die Beerdigung hinterlassen. Die Blonde regte sich über die Verwandten auf, die ebenfalls keinerlei Ersparnisse hatten, um die Beerdigung zu bezahlen. So waren sie und ihr Mann auf jeglichen Kosten der Trauerfeier sitzen geblieben. Sie rechnete vor, dass ihr Mann und sie von dem Geld mindestens vier Kreuzfahrten hätten machen können. Weil alles so teuer gewesen sei, hätten sie nur einen hässlichen Sarg aus Polen bestellen können. Auf Blumen mussten sie auch verzichten. Außerdem wussten sie nicht, wie lange sie den Liegeplatz auf dem Friedhof noch zahlen könnten.

Die Blonde sagte, dass sie zu der Schwiegermutter sowieso nie ein gutes Verhältnis gehabt habe und sie immer nur besuchte, wenn es unbedingt notwendig gewesen war. Auch ihr Mann habe sich eigentlich nie um die Mutter gekümmert, da sie eine sehr schwierige Frau gewesen und immer störrischer geworden sei. Ständig habe sie ihren Sohn wie einen kleinen Jungen behandelt. Am Schluss habe sie in ihrer eigenen kleinen Welt gelebt, nur noch Lotto gespielt und Kreuzworträtsel gelöst. Die Geschwister des Mannes der Blonden wohnten weiter weg, so dass die Mutter allein im Fernsehsessel gestorben sei. Erst nach zwei Tagen habe man sie gefunden. Neben ihrem Sessel stand ein kleiner Tisch mit einem halbvollen Glas und einer Flasche Eierlikör. Der Fernseher lief noch. Als man sie spät abends fand, lief gerade ein Erotikfilm. Die Nachbarn hatten sich über das „schlimme“ Stöhnen gewundert und gedacht, dass es der Nachbarin nicht gut gehe. Man hatte dann die Polizei gerufen und die Tür aufgebrochen. Die Wohnung stank stark nach Zigaretten, weil die Verstorbene bis zum Schluss zwei Päckchen pro Tag geraucht hatte. Die Blonde sagte, dass die Schwiegermutter im Sarg „richtig gelb“ ausgesehen habe und es aus dem Sarg sogar nach Zigaretten gerochen hätte.

„Eigentlich ein netter Tod – so vor dem Fernseher“, sagte die Braunhaarige. „Ich würde gerne währen der Sendung Traumschiff sterben mit meinem Hund auf dem Arm und bei einem kühlen Bier im Sommer bei offener Balkontür“. Beide lachten. Die Blonde fuhr fort in ihrer Erzählung: Bei dem letzten Besuch der Schwiegermutter hatte diese ihren Kindern gegenüber geäußert, dass sie gerne in ihrer Heimat, in Italien, begraben werden wolle. Beide Frauen lachten wieder und die Blonde sagte: „Das Leben ist kein Wunschkonzert.“ Sie flüsterte der anderen zu, dass der Leichentransport nach Italien mindestens zehntausend Euro gekostet hätte. Sie regte sich nun darüber auf, dass die Schwiegermutter so etwas verlangen konnte, wo sie doch selbst keinen Pfennig hinterlassen und das Geld beim Lotto lieber verspielt habe. Der Grund für ihren letzten Wunsch war wohl gewesen, dass sie sich von all ihren Kindern vernachlässigt fühlte und sie gerne in der alten Heimat begraben worden sei. Nun lag sie nicht auf dem Friedhof am Meer unter Olivenbäumen ihrer Heimatstadt in Italien, sondern auf einem reinlich deutschen Friedhof in einem Einzelgrab, säuberlich umringt von weißen Kieselsteinen. Auf der noch unbepflanzten Erde hatten Verwandte zwei rote Geranien in einem schwarz-weißen Blumentopf platziert, die inzwischen vertrocknet waren. Der Friedhof befand sich direkt am Standrand einer Kleinstadt, angrenzend an das Industriegebiet.

Dann erzählte die Blonde von der Beerdigung. Zum Zeitpunkt der Beerdigung war das Testament noch nicht eröffnet worden. Deshalb seien alle Verwandte scheinheilig angereist und täuschten bei der Beerdigung große Trauer vor. Viele der Verwandten hatten die Verstorbene jahrelang nicht gesehen. Sie vermuteten, dass die Verstorbene einiges an Geld von ihrer reichen Schwester geerbt hätte und jeder einzelne dachte, dass er im Testament eventuell berücksichtigt worden sei. Für große Aufregung sorgte ein allen unbekannter Herr bei der Beerdigung: Dieser gab an, der Freund der Verstorbenen gewesen zu sein. Er sagte, dass er die Verstorbene vor acht Monaten auf einer Singleplattform für Rentner kennengelernt habe und viel Zeit mit ihr verbracht habe – lachend sagte er, dass die Verstorbene „ein heißer Feger“ gewesen sei. Viele der Verwandte fürchteten, dass die Alte dem Freund das übrige Geld vermacht habe.

Nach der Beerdigungszeremonie in der Kirche war die ganze Gesellschaft in ein schäbiges Restaurant neben dem Friedhof gegangen. Hier heuchelte man bei billigen, belegten Wurst- und Käse-Broten, dünnem Kaffee und trockenem Kuchen Interesse an den anderen Gästen vor, lediglich um sie auszuhorchen und um zu erfahren, ob von dem Geld schon etwas verteilt worden sei. Niemand sprach über die Verstorbene. Nach der Testamentseröffnung am Nachmittag, die nur fünf Minuten dauerte, verließen alle Verwandte schweigend mit verzogenen und griesgrämigen Gesichtern den Notar und verabschiedeten sich gegenseitig kaum. Die Blonde sagte, dass man sich bestimmt erst bei der nächsten Beerdigung wiedersehen würde, in der Hoffnung, dass es hier endlich etwas zu holen gäbe. „Die haben alle selbst nichts erreicht im Leben und die letzte Hoffnung ist dann ein Erbe“, sagte sie.

„Wie schäbig und was für ein Theater“, sagte die Braunhaarige. „Da bildet man sich sein ganzes Leben ein, etwas Besonderes und wichtig für andere Menschen zu sein und dann so eine Beerdigung.“

Die U-Bahn hielt. Die beiden Frauen hätten fast den Ausstieg verpasst. Sich gegen die Schwerkraft aufbäumend erhoben sie sich schnell von ihrem Sitz und wackelten mit schnellem Schritt zum Ausgang der Bahn. Schade. Ich hätte sie gerne weiter belauscht.

Helmut Kohl: ein wahrlich großer deutscher Lump. Angeber, Lügner, Betrüger, Kriegstreiber.


Die Rache Gottes

Autor: U. Gellermann
Datum: 18. Juni 2017

Wenn es denn einen Gott gibt, dann hat der offenkundig ein langes, gründliches und rächendes Gedächtnis. Dieses Erinnerungsvermögen geht den deutschen Medien völlig ab. Zum Tod von Helmut Kohl fällt denen nur süßliches Gequatsche ein: Der Kanzler der Einheit soll er sein, ein großer Europäer sei er gewesen, gar ein Glücksfall für die Deutschen. Annehmend, dass es keinen Gott gibt, wird Kohl eher als ein Unfall notiert werden müssen. Aber in der Rechnung der Geschichte, auf deren Konto Millionen toter Russen, Juden, Völker aller Art stehen, wäre er als Rache an den deutschen Verursachern dieser Opfer durchaus geeignet.

Als in Russland ein Mann an die Spitze der kommunistischen Partei geriet, der den intellektuellen und ökonomischen Verfall der Sowjetunion aufhalten wollte, zeigten sich auch die personellen Mittel der Kommunisten am Ende. Mit Michael Gorbatschow fand sich ein freundlicher Herr ein, der seine Aufgabe als Konkursverwalter im Wesentlichen in der Preisgabe der internationalen Machtpositionen der Sowjetunion begriff. Parallel glaubten die Bewohner der DDR für einen ziemlich kurzen Moment, dass Reisefreiheit der wichtigste Teil der Freiheit sei und Reisen mit einer westlichen Währung kostenfrei wären. Dieser Irrtum befreite viele Menschen in der DDR von Arbeit und kostete sie ihr Volksvermögen. Diese Sorte von Einheit erklärte Helmut Kohl als von ihm persönlich hergestellt und sammelte die Krümel ein, die vom großen sowjetischen Kuchen unter den Tisch fielen.

Auch in West-Europa galt die Bewegungsfreiheit als schönste Eigenschaft der Selbstbestimmung. Von A nach B zu reisen ohne den Ausweis zeigen zu müssen, war immer das populärste Argument für die Europäische Union. Kohl hatte auch hier die Gunst der Stunde begriffen, als er auch noch den lästigen Umtausch der D-Mark in fremde Währungen abschaffen ließ. Wer Helmut Kohl, den Kanzler des Euro, als Befreier von ausländischem Kleingeld feiern wollte, der hätte Grund genug: Vorbei die Zeit, als nach den Reisen noch Lira, Gulden oder Francs die Taschen ausbeulten. So wie das Kleingeld schwand, schwand auch die Souveränität europäischer Nationen. Nicht mal in Deutschland, dem Gewinner-Land der westeuropäischen Vereinigung, weiß man noch, wo gerade welche Gesetze gegen wen beschlossen werden. Zumeist ist der wichtige Vorgang gerade nach Brüssel unterwegs. Der metaphorische Ort Brüssel wurde bereits im sicher berühmtesten deutschen Roman, der Feuerzangenbowle, exakt definiert: „Da stellen wir uns mal ganz dumm, Brüssel ist ein großer schwarzer Raum mit zwei Löchern. Durch das eine kommt das Steuergeld rein, und das andere kriegen wir später“.

Im Feuerschein der von sozialdemokratischen Kanzlern verantworteten Bundeswehr-Einsätzen im Ausland, erglänzt das Denkmal des Herrn Kohl als Friedens-Kanzler. Zu gern wird unterschlagen, dass es die letzte Regierung Kohl war, die gegen die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens für eine Zerschlagung Jugoslawiens plädierte und mit einer vorschnellen Anerkennung Kroatiens und Sloweniens den nationalistischen Brandsatz in das kokelnde jugoslawische Haus warf. Dieser deutsche Akt der Zerteilung des jugoslawischen Fells bei lebendigem Leib eines Vielvölkerstaates mündete folgerichtig im NATO-Krieg gegen Jugoslawien und dem ersten Bundeswehreinsatz im Ausland nach dem letzten Welt-Krieg.

Unter den vielen Verdienstkränzen, die sich in diesen Tagen auf dem Grab Helmut Kohls türmen, fehlt die Anerkennung seiner Verdienste um die Abschaffung des Ehrenwortes. Denn im Ergebnis der CDU-Spendenaffäre, als in den schwarzen Kassen der CDU zwei Millionen Mark verschwunden waren, die ziemlich eindeutig die Lieferung von Fuchs-Spürpanzern nach Saudi-Arabien schmieren sollten, gab Kohl dem deutschen Volk und wer es sonst noch wissen wollte sein Ehrenwort: Er wisse nicht wer denn die Spender dieser Millionen gewesen seien. Dass in den Nachrufen auf den früheren Kanzler diese Groß-Betrügerei als Marginalie erscheint, wirft ein grelles Licht auf die deutschen Medien: Immer gern bereit, Korruption und ihre Hintermänner in Deutschland zu verschweigen, aber gern und ausführlich über Fake-News in Nachbars Garten zu reden.

Unter den vielen schweren Verfehlungen gegen die Deutschen will keiner der Nachrufenden die schwerste nennen: Helmut Kohl hat uns Angela Merkel beschert, die Fortsetzung des schwarzen Riesen mit anderen Mitteln aber ähnlichen Methoden: Wo Kohl den pfälzischen Biedermann spielte, da führte Merkel die sparsame Hausfrau auf, wo Kohl mit seinen „blühenden Landschaften“ dem Potemkinschen Dorf zur Wiederauferstehung verhalf, da gelang es Angela Merkel mit diesem Satz „Ich freue mich, dass es gelungen ist, Osama bin Laden zu töten“ dem US-Western der 50er Jahre zu einem Comeback auf der Menschenrechts-Rampe zu verhelfen. Doch während Helmut Kohl wohl endgültig von der politischen Bühnen abgetreten ist, wird Angela Merkel leider weiter auf dem Berliner Spielplan stehen: Kein barmherziger Vorhang ist in Sicht.

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Wie Bonny and Clyde sind die beiden Clintons nur zusammen zu verstehen. Ohne sie wäre er nichts. Zusammen sind sie eine Katastrophe


Wie Bonny and Clyde sind die beiden Clintons nur zusammen zu verstehen. Ohne sie wäre er nichts. Zusammen sind sie eine Katastrophe. Im ersten Teil der Rezension geht es um Hillary Rodham Clinton. Doug Wead zählt nicht alle Fehltritte auf. Einige reichen.

Douglas Wead ist intimer Kenner des Weißen Hauses. Er war Berater von Präsidenten und Special Assistant bei Bush Senior. Der gefragte Kommentator hat über 30 Bestseller geschrieben. Sein Buch „Game of Thorns“ ist ein erschreckender Einblick in den politisch-medialen Komplex der USA.

Cattle futures

1978 war Bill Clinton (nachfolgend BC) Gouverneur von Arkansas. Hillary Clinton (HC) arbeitete als Anwältin in der Rose Law Firm. Binnen zehn Monaten machte HC aus einem Investment von 1000 Dollar in Viehmarkt-Termingeschäften stolze 100.000 Dollar (inflationsbereinigt in heutiger Kaufkraft 331.000 Dollar). Experten mit Verbindungen zur Tyson Food Company hatten sie gespickt. Ins Gefängnis ging niemand.

Der Whitewater-Skandal

15 Personen wurden für 40 Verbrechen verurteilt. Vier von ihnen begnadigte BC in den letzten Stunden seiner Präsidentschaft. „Whitewater“ wurde 1979 ein Immobilienprojekt der Clintons und ihrer guten Freunde Jim und Susan McDougal getauft. Die Grundidee vom leichten Geldmachen funktionierte nicht. Hohe Zinsen und der Kollaps der Spar- und Darlehensbranche ruinierten den scheinbar perfekt geplanten Betrug. 1992 erschien der Fall in der „New York Times“. Aber er war fürchterlich kompliziert. Nach zwei Jahren musste das Weiße Haus einen Sonderermittler bestellen. Dokumente über die Rolle von HC verschwanden. Rose Law Firm hatte sie ans Weiße Haus geschickt. Dieses dementierte entschieden. HC musste als erste First Lady vor einem Großen Geschworenengericht aussagen.
Gouverneur Clinton hatte Anwalt Webster Hubell von der Rose Law Firm an die Spitze des Obersten Gerichts von Arkansas gesetzt. Der enge Freund der Clintons wurde Verbindungsmann des Weißen Hauses zum Justizministerium. An dieser Mauer scheiterten alle Nachforschungen. Hubell ging für Unkorrektheiten bei Rose Law Firm ins Gefängnis.

Einem Kollegen von Jim McDougal zufolge versprach BC ihm und seiner Frau Begnadigung für ihr Schweigen. Zu spät. McDougal sagte über die Rolle der Clintons in Whitewater aus. Vor dem Geschworenengericht verweigerte Susan McDougal die Aussage. Sie wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. BC begnadigte sie in seinen letzten Stunden als Präsident. Jim McDougal starb 1998 in einem Bundesgefängnis 57-jährig an einer Herzattacke.

Travelgate

HC gab ihrem alten Freund Vince Foster aus der Rose Law Firm den Auftrag, als neuer Vize-Rechtsberater des neuen Präsidenten die Reisestelle des Weißen Hauses von langjährigen Mitarbeitern frei zu räumen. Clinton-Compañeros sollten diese unter der Führung einer entfernten Clinton-Cousine ersetzen. Das Reisebüro des Weißen Hauses managt lukrative Charter-Airline-Kontrakte. Sie sollten nun an „some Friends of Bill (FOBs)“ gehen. In Arkansas hatten die Clintons die State Troopers weit über ihre Aufgaben in der Residenz des Gouverneurs hinaus für private Dienste eingespannt. Das erwarteten die Clin- tons nun auch vom FBI.

Der Tod von Vince Foster

Der alte Freund der Clintons und deshalb Vize-Rechtsberater wurde am 20. Juli 1993 tot aufgefunden. Den Befund „Selbstmord“ begleiteten unzählige Verschwörungstheorien. In der Todesnacht kommandierte HC die Verbringung von Kisten mit seinen Unterlagen in die private Residenz. Ein Abschiedsbrief wurde in Fosters Aktenkoffer sechs Tage später gefunden – ohne Unterschrift. Der Brief war in 27 Stücke zerrissen, und eines fehlte. Erst Tage später ließ BC das FBI bei den Ermittlungen zu. Auf einem der Briefstücke hinterließ Foster eine Botschaft. Für HC sei das Ruinieren von Menschen ein Sport.

Filegate und Hillarys Fingerabdrücke

Die Clintons schufen ein neues Sicherheitsbüro des Weißen Hauses mit zwei früheren Compañeros an der Spitze. Ein Untersuchungsausschuss des Kongresses stellte die Qualifikation von Craig Livingstone und Anthony Marceca infrage. Sie wurden des unlauteren Zugangs zu FBI-Akten beschuldigt. HC ließ die beiden das Feuern der Reisebüroleute nachträglich rechtfertigen. Dabei erlangten sie Zugang zu Hunderten von Unterlagen mit persönlichen Informationen über alle möglichen Leute (400 bis 800) wie die führenden Republikaner Brent Scowcraft und Marlin Fitzwater.
Am Tag nach Watkins’ Memo tauchten die verlorenen Akten aus der Rose Law Firm auf. Clinton-Freundin und Mitarbeiterin Carolyne Huber fand 115 Rechnungsseiten im privaten dritten Stock der Residenz. Sie dokumentierten die führende Rolle von HC im Whitewater-Projekt. Das FBI fand ihre Fingerprints auf praktisch allen Seiten.
Craig Livingstone wurde der Prügelknabe. Niemand schien ihn eingestellt zu haben. Mitarbeiter erzählten plötzlich viel und wenig Schmeichelhaftes über ihn. Seine Anheuerung durch HC wurde geleugnet. Er hatte sich wohl selbst zum Sicherheitschef des Weißen Hauses ernannt.

Stabschef Leon Panetta entschuldigte sich bei den prominenten Republikanern für die „gänzlich unentschuldbaren“ Vorfälle. Marceca verweigerte die Aussage vor dem Justizausschuss des Senats. Da rettete ironischerweise „Monica-Gate“ die First Lady. Vom 13. Januar 1998 an beherrschten die aufgezeichneten Telefongespräche von Monica Lewinsky und Linda Tripp die Medien. „Filegate“ ging in der Großwelle von Monica-Gate unter.

Die Frau hinter dem Thron

Auf dem Weg der Clintons zur Macht war Bill die öffentliche Figur und Hillary die Geldbeschafferin. Sein Image war der superbe Politiker. Sie gab das Bild der gierigen, aber nicht erfolgreichen Geldrafferin. Dann verließen sie das Weiße Haus und tauschten die Rollen. Sie wurde die öffentliche Figur als Senatorin und Außenministerin. Und er sorgte äußerst erfolgreich fürs Geld.

Zu Beginn der Präsidentschaftskampagne 2016 hatten die Clintons ein Reinvermögen von ca. 111 Millionen Dollar. Ihre Stiftung hatte zwei Milliarden gesammelt. 2014 sagte HC zu Diane Sawyer von ABC: „Nach dem Weißen Haus waren wir gebrochen und hoch verschuldet.“ Die neue Reise begann bescheiden.
Der Satz des ausgefuchsten alten Demokraten in Kalifornien Jesse Unruh war den Clintons bekannt: „Geld ist die Muttermilch der Politik.“ Die Clintons hatten zweierlei gelernt. Es brauchte Millionen zum Generalstaatsanwalt, Gouverneur, Präsidenten. Aber dann verdiente man nur in den Tausenden. Nach dem Amt brauchte es wieder viel Geld. Sonst ist es mit dem öffentlichen Leben vorbei.

Bei Beginn des Whitewater-Skandals warben die Clintons öffentlich Geld für ihre Verteidigung ein. Das hatte es noch nie gegeben. War das nicht eine andere Form von Bestechung? Jedenfalls wurde er im Juni 1994 etabliert: The Presidential Legal Expense Trust Fund. Aufgabe: den Präsidenten und die First Lady vor drohenden Steuern zu „schützen“. Bis 1999 sammelten die Clintons 4,5 Millionen. Robert De Niro und viele andere Hollywoodstars spendeten.

Aber das führte nur zum nächsten Clinton-Skandal. Denn Geld kam auch aus dem Ausland. Vor allem floss es aus der Volksrepublik China in die Präsidentschaftskampagne und ins National Democratic Committee (NDC).

Das Chinarestaurant in Little Rock

Die Clintons wurden bei ihren vielen Besuchen Freunde des Kochs und Miteigentümers Charles Yah Lin Trie im Fu Lin Chinese Restaurant. Mit dem Aufstieg der Clintons stieg auch er auf und wurde eine wichtige öffentliche Person und prominenter Financier der Clintons. Im Oktober 1991 kündigte BC seine Präsidentschaftskandidatur an. Trie begann mit der Daihatsu International Trading Company ein neues Geschäft. BC gewann das Rennen, und Trie eröffnete ein Büro in Washington, D. C.

Das FBI entdeckte später die Einkommensstränge. Eine Million Dollar kam von Bankkonten eines Ng Lap Seng aus Hongkong und Macau (er unterhielt einen Prostitutionsring in Macau). Charlie Trie verhalf zu 220.000 Dollar. Er zahlte 100.000 Dollar für die Teilnahme an der Präsidentengala mit Ng Lap Seng als Gast. Beim dankbaren BC avancierte Trie zum White House Frequent Visitor. Er lieferte zahlreiche Zahlungsorder in Umschlägen ab. Sie lauteten auf verschiedene Namen. Aber die Handschrift war stets dieselbe und die Anweisungen waren fortlaufend nummeriert. Die Summen variierten von 400.000 bis 640.000 Dollar. Nach der Übergabe schrieb Charlie Trie dem Präsidenten einen ernsten Brief. Er verlangte eine andere China-Politik und warnte vor einem Krieg. Hier sprach die chinesische Regierung. BC antwortete höflich und brav.

Anfang 1996 brachte Trie einen besonderen Gast zum Kaffee im White House des wiedergewählten Präsidenten mit: Wang Jun, den Chef von Chinas staatseigenem Investment Conglomerate. Im September desselben Jahres berichtete die „LA Times“ von der Rückgabe einer Spende über rund 250.000 Dollar einer koreanischen Elektronikfirma für das NDC. Bald danach servierten Bob Woodward und Brian Duffy in der „Washington Post“ Entlarvendes: BC hatte das Treffen mit Wang Jun öffentlich als Fehler eingestanden.

Nun folgte eine ausgewachsene Untersuchungswelle. Stammten Tries Spendengelder direkt von der chinesischen Regierung? Die Quelle waren vom FBI abgehörte Gespräche in der chinesischen Botschaft: China versuchte die Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen. Eine Untersuchung des Kongresses zielte auf Charlie Trie. Der floh, ebenso wie Ng Lap Seng, prompt aus Amerika. Ende der Untersuchung. 1998 kehrte Charlie Trie lautlos zurück. Er kooperierte mit den Behörden und wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Johnny Chung

Eine besondere Figur ist der kalifornische Geschäftsmann und chinesische Amerikaner Johnny Chung. Seit 1994 spendete er an das NDC insgesamt 366.000 Dollar. Innerhalb von zwei Jahren war er als Freund von Bill und Hillary 49-mal Gast im Weißen Haus. Ermittler richteten ihr Augenmerk auf Chung und andere chinesische Spender. Fast alle flohen aus Amerika.

Chung kooperierte und bekannte sich schuldig. Er bestätigte die Verbindung zur Volksrepublik China. Chung verdanken die Ermittler wertvolle Einsichten in den Umgang der Clinton-Leute mit Geldgeschenken. Der Stabschefin von HC, Margaret A. Williams, übergab er im Weißen Haus einen Scheck über 50.000 Dollar. Die nahm ihn, unbeeindruckt vom Gesetzesverstoß, und reichte ihn an das NDC weiter. Chung wörtlich: Das Weiße Haus ist wie eine U-Bahn. Münzen einwerfen und du bist drin. Seine Anhörung im Untersuchungsausschuss des Kongresses sah die Nation live im Fernsehen. Dort berichtete er von Drohungen der amerikanischen und chinesischen Regierung. Über sein Verhältnis zu den Clintons: Sie haben mich benutzt und ich sie.
Jahre später besuchte ein pensionierter FBI-Mann Chung und zeichnete dessen umfangreiches Wissen auf Video auf. Kopien wurden Chungs Familie und Freunden zugeleitet. Sie sollten das Dokument im Bedarfsfall an die Medien weiterleiten können.

Der Arkansas-Banker

1984 wurde John Huang, Einwanderer aus Taiwan, Vice President der Worthen Bank in Little Rock. 1994 zog er ins obere Management im Handelsministerium ein. Dort war er der perfekte Verbindungsmann ins NDC. Das machte ihn zum Vice Chairman of Finance. Er sammelte 1,6 Millionen Dollar. Das FBI fahndete zunächst erfolglos nach den Herkünften des Huang-Geldes. Dann geriet ein buddhistischer Tempel in Taiwan ins Visier von Journalisten und TV-Kanälen. Jetzt fand das Justizministerium einen Weg. Huang musste weder sich noch die Clintons belasten. Für die Aufklärung des Tempelrätsels wurde Huang Immunität angeboten.

Nach der Wahl zahlte das NDC Huangs 1,6 Millionen Dollar zurück. Sie stammten von Firmen aus Indonesien und anderswo. Am 12. August 1999 bekannte sich Huang schuldig und kam mit einem Jahr auf Bewährung davon. Das war die Belohnung für die Auslieferung der Tempel-Chefin.

Die buddhistischen Nonnen

Maria Hsia hatte Mönchen und Nonnen im Hsi-Lai-Tempel im kalifornischen Hacienda Heights den Weg zur Umgehung der Gesetze bei Spenden für die Wiederwahl von BC gewiesen. Die Gesetze beschränken die Summe pro Kopf des Spenders. Sie verbieten Firmenspenden, Geld aus dem Ausland, von Kirchen und religiösen Non-Profit- Organisationen.

Fortsetzung folgt in Tichys Einblick Ausgabe 08/2017

https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/buecher/hillary-rodham-clinton-ha%cc%88tte-nie-kandidatin-sein-du%cc%88rfen/

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