Die Beibehaltung der jetzigen Politik wird Deutschland unterminieren und in einen dystopischen Albtraum innerhalb weniger Generationen verwandeln.

Vor 2010 stand jede Entscheidung der Politik hinsichtlich ihrer Folgen auf dem Prüfstand, insbesondere welchen Nutzen und Schaden sie für die Bevölkerung haben würde. Dieses ungeschriebene Gesetz wurde nie abgeschafft, doch es gilt nicht mehr.

 


Die deutsche Berichts-Praxis macht die Leser misstrauisch und führt zu weiterem Vertrauensverlust Medien, Behörden und Politikern gegenüber, schrieb ich in „Die neue Kunst: Zwischen den Zeilen zu lesen“. In „Der Verlust der Meinugsfreiheit und ihre Opfer“ sagte ich: Vor 2010 stand jede Entscheidung der Politik hinsichtlich ihrer Folgen auf dem Prüfstand, insbesondere welchen Nutzen und Schaden sie für die Bevölkerung haben würde. Dieses ungeschriebene Gesetz wurde nie abgeschafft, doch es gilt nicht mehr. In diesem abschließenden Teil meines „Deutschland–Blues“ geht es um den Ausblick auf die Zukunft unseres Landes auf 50 bis 100 Jahre unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.

Die Grenzen des Wachstums

Als 1972 der Club of Rome seine Studie zu den Grenzen des Wachstums vorlegte, führte das in der Folge zu einem Umdenken in den westlichen Gesellschaften. Thema war das Hochrechnen der damaligen Situation von Faktoren wie Rohstoffverbrauch, Bevölkerungswachstum, Nahrungsmittelproduktion und weiteren Parametern mit Hilfe eines Großcomputers. Die berechneten Modelle führten nach einer exponentiell steigenden Wachstumskurve in allen Varianten zu einem dramatischen Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Je später dieser Zusammenbruch kam, desto mehr Menschen gab es zu diesem Zeitpunkt. Die Lösung dieser Katastrophe bestand darin, das Konzept der Nachhaltigkeit fest in unserer Gesellschaft zu verankern. Dieses sieht vor, dass man der Natur nur so viel entnimmt, wie man  zurückgeben kann. Also werden so viele Bäume gefällt, wie man nachpflanzen kann, aber fossile Brennstoffe sollen nach einer Übergangszeit gar nicht mehr verbraucht werden.

Ich halte eine Politik der Nachhaltigkeit für notwendig und erwarte, dass Entscheidungsträger stets im Hinterkopf haben, was sie der Nachwelt hinterlassen. Unter dieser Prämisse möchte ich die aktuelle Politik auf die nächsten Generationen hochrechnen.

Eckpfeiler deutscher Politik

Die politische Landschaft besteht aus mehr Parteien als früher, wurde aber zunehmend von „linken“ Idealen geprägt mit folgenden Charakteristiken:

  • Deutsche Interessen: Abgabe von nationalen Aufgaben/Interessen an EU und Weltgemeinschaft; Assoziation nationaler Interessen mit der Ideologie des dritten Reiches; Ablehnung nationaler Landesgrenzen
  • Migration: Alle Menschen sind gleich, Unterschiede rein äußerlich begründbar; Bevölkerung des Landes wird durch Migration immer über 80 Millionen Menschen gehalten; Migration geschieht nicht nach Kriterien des Nutzens
  • Gesellschaft: Politik vorrangig für Minderheiten und Benachteiligte (Migranten, Schwule, Frauen); Schulsystem wird vereinfacht, um Abitur einem Großteil der Schüler zu ermöglichen; Erhöhung des Sozialetats bei gleichzeitig sinkenden Leistungen des Staates für Sicherheit, Bildung und Infrastruktur; wenig Förderung für Leistungsträger; Gleichstellung statt Gleichberechtigung; Einschränkung der Meinungsfreiheit auf systemkonformen Meinungskorridor

Interessant ist, dass weltweit nur Schweden einen ähnlichen Ansatz verfolgt. Japan z.B. nimmt die niedrige Geburtenrate in Kauf und will in den nächsten Generationen mit weniger Japanern auf seinem Staatsgebiet leben. China als bevölkerungsreichstes Land der Welt begrenzt seit Jahrzehnten das Wachstum der eigenen Bevölkerung und hat hohe Hürden für Migration (bei einer riesigen Binnen-Arbeits-Wanderung) wie auch USA, Kanada oder Australien.

Industrie 4.0

Während sich Themen in der Öffentlichkeit um Kopftuch, Burka, Kinderehen oder die Alphabetisierung von Migranten drehen, steht die Wirtschaft – in der politischen und medialen Öffentlichkeit kaum thematisiert – vor einem gravierenden Wandel, dessen Bedeutung nicht groß genug eingeschätzt werden kann. Die sogenannte Digitalisierung wird nicht nur Fabriken weitgehend vollautomatisch gestalten, sondern auch Millionen von Jobs in der Verwaltung wegfallen lassen (laut ZEIT vom 27. April 2017 sollen bis 2030 47 Prozent aller Jobs wegfallen). In der Logistik, Produktion, im Gesundheitswesen und der Finanzwirtschaft sind gravierende Arbeitsplatzverluste zu erwarten. Dazu kommt ein Sterben im Einzelhandel durch aggressive Preispolitik und verkürzte Lieferketten.

Natürlich gibt es auch neue Arbeit durch den digitalen Wandel. Diese findet sich vor allem bei Menschen mit MINT-Qualifikationen. Leider hat Deutschland hier bereits einen echten Fachkräftemangel, der sich gerade fühlbar verschärft, da junge Informatiker verstärkt auswandern (was ich an anderer Stelle vertiefe). Dieser Wandel wird gegen 2020 spürbar einsetzen und aus meiner Sicht Jahrzehnte dauern, in denen die Zahl der Arbeitsplätze bei gleichzeitiger Produktivitätssteigerung abnimmt. Diverse Schätzungen gehen weit auseinander und zwar von fünf Millionen verlorener Arbeitsplätze bis zu 20 Millionen allein in Deutschland. Die Fachleute für die neu entstehende Arbeit werden wir so gut wie sicher nicht haben, aber die USA (u.a. durch Migration junger Deutscher) und China bauen dazu bereits viel Personal auf.

Der aktuelle Migrationsbericht des BAMF

Wir schauen uns im Folgenden die Zusammensetzung der Bevölkerung in Deutschland an und rechnen aktuelle Entwicklungen hoch. Das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) liefert hervorragendes Zahlenmaterial mit dem 332 Seiten umfassenden Jahresbericht 2015.

Basisdaten des Migrationsberichtes und Folgen

Fangen wir mit den Gesamtzahlen an: Im Jahre 2015 sind 2,1 Millionen nach Deutschland zugezogen und eine Million haben das Land verlassen. Bei den Zuwanderern liegt das Augenmerk der Öffentlichkeit fast ausschließlich auf den Flüchtlingen, diese gingen aber in die Statistik nur mit 476.000 Asylanträgen ein. Das BAMF bemerkt zu dieser Zahl, dass es eigentlich 890.000 waren, von denen viele erst 2016 ihren Antrag stellten. Dennoch sind mehr als eine Million auch ohne Asyl ins Bundesgebiet eingewandert, was mir schlichtweg nicht bewusst war. Die meisten Migranten kamen aus den Ländern Syrien, Rumänien, Polen, Bulgarien, Albanien, Kosovo und Afghanistan. Festzuhalten ist, dass es sich in der überwältigenden Menge um Armutsmigranten handelt, die aus Osteuropa oder weltweit über Asylanträge gekommen sind. Das sieht man besonders deutlich, wenn man die Zahl der „Arbeitsmigranten“ dagegenstellt, denn von den 2,1 Millionen Migranten sind 38.000 direkt zwecks Arbeit nach Deutschland gekommen, die größte Gruppe davon übrigens aus den USA! Das heißt nur 1,9% der Migranten sind direkt berufstätig in Deutschland, alle anderen aus diversen Sozialtöpfen zu versorgen.

Die Zahlen für 2015 insgesamt: 890.000 Asyl; 100.000 Studienbeginn; 38.000 Arbeit; 82.000 Familiennachzug; ca. 1.000.000 sonstige Migranten (meist aus armen EU-Staaten in Osteuropa). Dagegen stehen1.000.000 Migranten, die Deutschland 2015 verlassen haben, darunter 140.000 Deutsche.

Annahmen für die Zukunft

Für die langfristige Entwicklung treffe ich einige nicht unwahrscheinliche Annahmen, die diese Gruppen von Zuwanderern pro Jahr betreffen.

Asyl: Zuzug wird begrenzt, ich rechne mit ca. 250.000; Studium: Die Zahl sollte mit 100.000 konstant bleiben; Arbeit: 50.000 wirken realistisch; Familiennachzug: 2016 wurden über 100.000 Visa ausgestellt, wobei pro Visum mehr als eine Person kommen kann. Hier rechne ich dauerhaft mit 150.000 Nachzüglern; Armutsmigration: Diese Zahl „X“ schätze ich nicht, sondern rechne mit einem Gleichgewicht zwischen ein- und auswandernden Migranten; Auswanderung: „X“ wie oben besprochen, darunter allerdings 200.000 Deutsche. Die Zahl der deutschen Auswanderer wird unter dem Druck des Verlustes von innerer Sicherheit und Kostenexplosion der Sozialkassen zunehmen und kaum bei den 140.000 von 2015 bleiben.

Der Nettozuwachs der Bevölkerung Deutschlands liegt bei diesen Annahmen bei ca. 500.000 pro Jahr, wobei 200.000 Deutsche gehen und 700.000 andere dauerhaft zuwandern. Auffällig ist, dass die Migration überwiegend eine Armutszuwanderung darstellt, egal ob sie über Asyl oder anderweitig (Familiennachzug, EU Binnenwanderung) stattfindet. Mit Nachbarländern wie Frankreich ist der Austausch dagegen minimal (2015 14.000 Einwanderer und 12.000 Auswanderer). Eine Steuerung durch die Politik ist nicht sichtbar. Wer es nach Deutschland schafft, ist erst einmal da und wird vom deutschen Staat versorgt. Diese Steuerung wird kommen müssen, allerdings werden dann die kinderreichen Migrantenfamilien in Deutschland für Nachwuchs sorgen, so dass der Zuwachs anhaltend bleibt.

Hochrechnung auf mehrere Generationen

Während die Zahl der Menschen in Deutschland seit 2005 um die  82 Millionen lag, ist der Teil der Deutschen bereits um 3 Millionen von 67 auf 64 Millionen gesunken. Das ist mehr, als Köln und Hamburg zusammen an Einwohnern haben.

2015 gab es in Deutschland knapp 740.000 Geburten. Laut Migrationsbericht ist der Anteil der Migranten bei den Kindern unter 5 Jahren bei 36%. Da es 925.000 Todesfälle gab, entsteht hier ein Nettoverlust von 185.000 Personen, welcher durch die dargestellten Migrationseffekte deutlich überkompensiert wird. Deutsche Frauen bekommen im Schnitt 1,4 Kinder in ihrem Leben, so dass der deutsche Anteil in der Bevölkerung in jeder Generation auf jeweils 70% der Ausgangsmenge schrumpft, wenn dieser Faktor beibehalten wird. Für Ägypten und Syrien liegt diese Rate derzeit bei knapp unter drei Kindern pro Frau, so sind in den letzten 50 Jahren Syrien von 5 Millionen auf über 20 Millionen und Ägypten von 25 Millionen auf 90 Millionen Einwohner angewachsen. In Deutschland bekommen Türkinnen auch etwa drei Kinder im Schnitt.

Falls wir keine Migration in Deutschland hätten, würde die Einwohnerzahl drastisch zurückgehen und es würden mit Sicherheit Anreize geschaffen für mehr Kinder. Da die Migranten oft aus Gebieten mit der höchsten Fertilität kommen, gehe ich aber davon aus, dass deutsche Frauen angesichts der sicher nicht sinkenden Einwohnerzahl in Deutschland und den sich verschlechternden Lebensbedingungen in etwa bei den 1,4 Kindern bleiben.

Die Zahlen kann man auf mehrere Generationen hochrechnen und kommt dabei ausgehend von 64 Millionen Deutschen 2015 auf folgende Zahlen: 1. Generation 64 Millionen; 2. Gen. 44,8; 3. Gen. 31,4; 4. Gen. 21,9; 5. Gen. 15,3; 6. Gen. 10,7 Millionen Deutsche. Wenn man dazu rechnet, dass bis zu 200.000 Deutsche pro Jahr das Land verlassen, dann wären das in einer Generation von 30 Jahren noch einmal 6 Millionen, die auswandern. Natürlich werden diese Werte schwanken, aber in spätestens 50 Jahren werden die Deutschen im eigenen Land in der Minderheit sein und bei den Kindern sogar deutlich unter 20% liegen. Das ist einfache Mathematik und lediglich die Zeiträume dafür sind unsicher. Wie viele von den Zuwanderern sich wann als Deutsche verstehen werden, ist nicht kalkulierbar.

Obwohl die in dem Artikel genannten Faktoren noch in der Anfangsphase sind (wenn die Zahl der Deutschen Richtung 50% und darunter sinkt, wird es gravierender), sind die Sozialausgaben in Deutschland geradezu explodiert. Sie stiegen von 768 Milliarden Euro 2010 auf 888 Milliarden 2015 und das fast ohne Inflation und bei guter Konjunktur. Die Zeitungen titelten auch unisono, dass die Sozialausgaben deutlich stärker steigen als das Wirtschaftswachstum. Natürlich werden diese Kosten durch die weitere Entwicklung in Deutschland massiv ansteigen, wobei auf Seiten der Zahler eher ein Rückgang (ab 2025 sogar massiv) zu erwarten ist durch Verrentung der Babyboomer.

Parallelgesellschaften und langfristige Folgen

Frankreich verfolgt (ursprünglich aus anderen Gründen, Stichwort Algerien) eine im Ergebnis ähnliche Politik wie Deutschland. Dort haben sich vor allem in den Großstädten die sogenannten Banlieus gebildet, die im wesentlichen unkontrollierbare Migrantenghettos darstellen, die von Bandenkriminalität, Drogenhandel und erschreckender Gewalt gekennzeichnet sind. In Deutschland gibt es diese Ghettos noch nicht in entsprechender Größe, aber Ansätze dazu sind unverkennbar.

Die Migranten der letzten Jahre nach Deutschland kamen aus etwa 40 Ländern, derzeit vermehrt aus Schwarzafrika. Über 70% davon sind junge Männer, 75% gaben als Religion den Islam an. Sie haben meist wenig Schulbildung und sprechen selten Deutsch. Der Unterschied zu Frankreich ist vor allem die Sprache, da die meisten Migranten dort von Geburt an Französisch sprechen. Bereits jetzt ist zu beobachten, dass sie in Deutschland Familienclans bilden, die ethnisch homogen sind. Diese umfassen teilweise mehr als 1.000 Personen und sind oft kriminell bzw. leben von Sozialhilfe. Ein großes Problem ist die Sprachenvielfalt. Derzeit wird hilflos von der Politik vorgeschlagen, dass arabisch Lernen in Schulen zur Pflicht würde. Das hilft aber nichts, wenn dann z. B. meine chinesische Stieftochter statt richtig Deutsch in der Schule konkurrirend arabisch lernt und die Kinder aus Osteuropa, Afghanistan, Pakistan und diversen afrikanischen Ländern auch. Es ist anzunehmen, dass Hunderttausende von Migranten Fuß fassen in Deutschland und ähnlich leben wie wir. Aber viele Millionen werden es nicht tun, so dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit stark sinken wird – und die kulturelle Verträglichkeit.

Da es leicht möglich ist, sich über Asyl eine neue Identität zu verschaffen, reisen offenbar auch Schwerstkriminelle auf diesem Wege ein. Sowohl der Mörder von Maria in Freiburg als auch Terrorist Anis Amri aus Berlin waren bereits brutalste Gewalttäter vor ihrer Einreise. Schlimmster Fall bislang ist ein Syrer, der als anerkannter Flüchtling bereits seine Familie nach Düsseldorf nachgeholt hat und in Syrien wegen 36fachen Mordes gesucht wird. Derzeit wird berichtet, dass Tausende von Taliban (!) aus Afghanistan Asyl beantragt haben und nicht abgeschoben werden, da ihnen in der Heimat Strafen drohen wie auch dem tunesischen Leibwächter von Bin Laden, der in Deutschland als Asylbewerber lebt!

In islamischen Ländern sind viele Familien sehr kinderreich und die dritten und vierten Söhne haben keine Lebensperspektive und durch die Vielehe kaum Aussicht auf eine Frau, da Familien ihre Töchter behüten und möglichst gut verheiraten wollen. Wenn nun Massen alleinreisender, ungebildeter Männer nach Deutschland kommen und hier bleiben dürfen, entstehen vielfältige gesellschaftliche Probleme, deren Aufzählung allein ganze Bücher füllen würde.

Die genauen Zahlen auf viele Jahre berechnet muss ich schuldig bleiben, aber klar ist, dass Deutschland sich zu einem Vielvölkerstaat entwickelt, was es meiner Kenntnis nach in dieser Form noch nie gegeben hat. Da die Migration durch Aufnahme und Verwaltung der Migranten passiert und nicht durch Selektion nach für die Gesellschaft vorteilhaften Kriterien kommen in großer Zahl Menschen ohne Perspektive in ihren Ländern zu uns, wo sie zumindest lange Zeit auch keine Perspektive finden.

Push-Faktoren innerhalb Deutschlands an einem Beispiel

Wie die Politik eigene Bürger quasi aus dem Land treibt, zeige ich an meinem eigenen Beispiel und dazu gehen wir ins Jahr 1985 zurück. Ich stand in den Abschlussprüfungen für Informatik an der Uni Dortmund, lebte gern in NRW und wollte nach dem Studium dort bleiben. Da ich promovieren wollte, kamen nur Forschungsinstitute und die Uni in Frage. Ein Professor in Dortmund bot mir eine Assistentenstelle mit 1.200 DM im Monat an. Das war eine halbe Stelle, wobei ich in der verbliebenen Zeit promovieren sollte. Er räumte ein, dass dieses Gehalt ziemlich genau dem entsprechen würde, was ein Sozialhilfeempfänger inklusive KV und Wohngeld bekommen würde.

Im Frühjahr 1985 fand die Landtagswahl in NRW statt, die geprägt war vom „Wir in NRW“-Slogan des Landesvaters Johannes Rau. Ich nutzte die Gelegenheit, auf eine Großveranstaltung der SPD in Dortmund zu gehen. Das Ganze hatte Volksfestcharakter, viele Kinder bekamen bunte Luftballons und auf der Bühne waren etliche Redner, unter ihnen auch Rau. Die Sprecher blickten zurück auf den Wiederaufbau an Rhein und Ruhr nach dem Krieg und die großen Erfolge der SPD, riefen zum Zusammenhalt der Menschen auf und sangen das Hohelied des kleinen, ehrlichen Arbeiters. Als schließlich Rau ans Rednerpult trat, konnte er minutenlang nicht sprechen aufgrund der frenetischen Ovationen. Während seiner Rede nutzten die Zuschauer jede Kunstpause zum Applaus und manchmal wurde er durch den Jubel sogar mitten im Satz unterbrochen. Ich wurde dagegen etwas verdrossen, weil Rau nur von Kontinuität bei Stahl und Kohle sprach und Arbeitsplätze in diesen Bereichen erhalten wollte. Die Zukunft sollte offenbar so aussehen wie die Vergangenheit. Rau räumte zwar aufkeimende Strukturprobleme ein, forderte aber die Genossen zu Geschlossenheit auf, um diese zu überwinden. Am Lautesten wurde es, als er den Slogan der CDU „Aufschwung. Nur mit uns!“ zitierte und mit hochgereckter Faust rief: „Nein, Aufschwung mit allen Bürgern!“.

Leser recherchieren, wo Medien verschweigen

Nach seinen Ausführungen durften Fragen gestellt werden und so stellte ich mich an. Die Fragesteller vor mir bestätigten die Politik der SPD und lobten einhellig deren Politik. Eine Frau brach sogar in Tränen aus, als sie speziell die christliche Einstellung von „Bruder Johannes“ würdigte, wie er damals ob seines pastoralen Auftretens scherzhaft genannt wurde. Als ich ans Mikrophon trat, war ich zwar nervös, fragte aber frech, was Herr Rau für technische Akademiker tun wolle – insbesondere für junge Informatiker und wies darauf hin, dass ich lediglich ein Angebot über 1.200 DM vorliegen hatte, was dem Sozialhilfeniveau entspräche. Die Antwort kam postwendend von einem der Redner, der 1.200 DM als gutes Anfangsgehalt empfand und ergänzte, dass seine Söhne nicht einmal die Hälfte davon als Lehrgeld beziehen würden, aber bereits produktiv arbeiteten, während ich mich offenbar noch weiter an der Uni herumdrücken wollte. Ein zweiter Redner übernahm das Mikrophon und sagte, dass er nach dem Krieg für 80 Pfennig die Stunde das Land aufgebaut hätte und mein Anspruchsdenken nicht fassen könne. Er meinte, dass die schlechte Erziehung diese fehlende Dankbarkeit der jungen Leute bewirken würde. Als ich ihm antworten wollte, nahm mir der Moderator das Mikrophon aus der Hand und meinte, dass es noch weitere Fragen gäbe und ich mir die Antwort hinter die Ohren schreiben solle. Frustriert wandte ich mich zum Gehen, wobei mir jemand aus der Menge ein Bein stellte und ich ungeschickt das Gleichgewicht verlor. Der nächste Fragesteller bemerkte das und sagte mit schneidender Stimme: „Da macht der Herr Studiosus mal drei Schritte selber und schon liegt er auf der Nase!“, was mit Gelächter und rauschendem Beifall der Menge bedacht wurde. Als ich mir den Weg durch die Menge bahnte, kam noch ein abschließender Kommentar vom Podium: „Das sind die Leute, die alles bestreiten, nur nicht ihren eigenen Lebensunterhalt!“, was zu brüllendem Gelächter und Sonderapplaus führte.

Mit dem kläglichen Rest meiner Würde ging ich ans schwarze Brett der Uni und schrieb Telefonnummern von Firmen ab, die Informatiker suchten. Die gab es reichlich, aber fast alle in Süddeutschland, wo ich eigentlich gar nicht hin wollte. Ich rief mehrere Firmen an und erhielt von allen Einladungen samt Kostenerstattung. So reiste ich zwei Wochen später in den Süden. In München bekam ich das Angebot in der Forschungsabteilung eines großen Konzerns zu arbeiten mit der Perspektive, auch zu publizieren und zu promovieren. Dazu bot man mir einen Auslandsaufenthalt von mindestens sechs Monaten in Princeton/USA mit Kontakten zur dortigen Universität an. Als mein neuer Chef mir 4.100 DM Einstiegsgehalt bot samt der Aussicht, dass diese nach der Probezeit auf 4.500 DM angehoben wurden (bei 13,5 Monatsgehältern), unterschrieb ich vollkommen perplex den angebotenen Vertrag. Ich wurde zu meinem Glück gezwungen und habe es nie bereut.

Auswanderung aus Deutschland

Mit dieser kleinen Exkursion wollte ich den Leser einstimmen auf das ernste Thema der Auswanderung, denn es haben sich in den letzten Jahren im Schnitt 140.000 Deutsche zum Auswandern entschlossen und da wir pro Jahrgang nur weniger als 500.000 Geburten deutscher Eltern haben, sind das fast 30% jedes Jahrgangs.

Die Deutschen wandern meist aus in die Schweiz, USA, nach Österreich oder ins UK. Gerade Schweiz und USA stellen allerdings hohe Anforderungen an Migranten, so dass dorthin sicher keine Unterqualifizierten migrieren. Die Ärztekammer meldet eine Abwanderung von 30.000 Ärzten aus Deutschland seit 2001, das ist eine Kleinstadt nur aus Ärzten bestehend! Wenn man bedenkt, wie lange die Ausbildung von Ärzten dauert und wie hoch die Anforderungen sind, ist das ein schmerzlicher Verlust. Darüber hinaus gehen viele MINT-Absolventen direkt nach dem Studium ins Ausland, meist nach Übersee oder in die Schweiz. In der Presse finden sich vereinzelt Artikel zu dem Thema, die das Auswandern junger Fachkräfte – und Millionäre beklagen (wobei ein Blick auf Millionäre zeigt, dass dieses dem gängigen Bild nicht entsprechen, sondern bloß noch etwas erfolgreichere „Besserverdiener“ sind).

Die Auswanderungsgründe liegen auf der Hand. Man stelle sich einen jungen Arzt oder Informatiker vor, der sich informiert, was die Politik für ihn Gutes tun will. Er wird feststellen, dass man ihn als Steuerzahler und Arbeitskraft toleriert, er aber ansonsten zu arbeiten und keine Ansprüche zu stellen hat. Wenn er dann auch noch zum „Erlebenden“ der rapide sinkenden Sicherheitslage durch einen Überfall oder Einbruch wird, mag er ähnliche Überlegungen anstellen wie ich 1985. Ein junger Deutscher wird in seinem Umfeld wahrnehmen, dass immer mehr Menschen seines Alters und jünger Migranten sind, die von seinen Steuern versorgt werden und jene, die das ablehnen, als “rechtspopulistisch“ gebrandmarkt werden. Er kann sich mit der Lage abfinden oder gehen. Natürlich wandert nicht jeder aus, der durch die Politik unverschuldet leidet und viele Menschen werden in Gegenden Deutschlands ziehen, die friedlich sind, wo die öffentliche Ordnung noch erhalten ist. Selbst in meinem Umfeld kenne ich Leute, die in die Schweiz gezogen sind, andere schicken ihre Kinder ins Ausland und einige kaufen in Ungarn am Plattensee Immobilien als Altersruhesitz. Wieder andere transferieren Gelder oder suchen derzeit Arbeit im Ausland.

Das Auseinanderfallen Deutschlands

In Zukunft wird die deutsche Gesellschaft geprägt von Einwanderung über Asyl aus meist islamischen Ländern, Schwarzafrika und Armutsmigration aus Osteuropa. Im Gegenzug wandern von den Deutschen etwa 30% eines Jahrgangs aus – meist Qualifizierte oder Begüterte. Deutschland hat bereits jetzt die zweithöchste Steuerbelastung der Arbeitnehmer weltweit und bietet dafür immer weniger Sicherheit und Infrastruktur. Diese Politik ist vergleichbar mit einem Fußballverein, der jedes Jahr 2-3 Profis aus dem Kader wirft und einfach die ersten zehn jungen Männer aufnimmt, die das Trainingsgelände erreichen. Nach einigen Jahren wird dieser Klub natürlich nicht mehr konkurrenzfähig sein und aus dem Profibereich absteigen.

Die verbliebenen Deutschen werden auf diese Politik reagieren und zwar nicht nur mit Auswanderung. Viele bleiben und verschanzen sich in Gated Communities oder ziehen in Teile Deutschlands, wo die lokale Regierung mehr Wert auf Durchsetzung der Ordnung legt. Also wird es auch zu großen Migrationsströmen der immer weniger werdenden Deutschen im eigenen Land kommen.

Die Migranten sprechen nicht wie in Frankreich die Landessprache, sondern bringen ihre eigenen Kultur und Sprache mit. Besonders die nachziehenden Frauen werden selten überhaupt den Versuch unternehmen, deutsche Lebensweise und Sprache anzunehmen. Dazu kommt, dass sich unterschiedliche Migrantengruppen oft feindlich gegenüberstehen – in ganz Deutschland kommt es bereits zu Massenschlägereien mit bis zu 300 (!!) Jugendlichen (2017 in Hessen zwischen Türken und Afghanen). Es ist auch logisch, dass Herrscher in Saudi-Arabien oder der Türkei ihre Landsleute in Deutschland auf verschiedenste Weise für verschiedenste Zwecker benutzen. Konflikte sind heute schon sichtbar, wenn sich Türken und Kurden befehden, Araber und Afrikaner, Sunniten und Schiiten oder Afghanen und Araber/Türken. Bereits 2016 sind mehrere Waffenlager großen Ausmaßes entdeckt worden. Dadurch wird die Staatsmacht in einigen Bundesländern extrem erodieren, was historisch an der Zerfall des weströmischen Reiches erinnert. Derzeit sieht man bereits, dass sich in Deutschland Gebiete unterschiedlicher Sicherheit bilden, die in Zukunft immer stärker autonom agieren und primär um das eigene Überleben kämpfen. Das schwächt die Zentralregierung und treibt Deutsche genau in diese sicheren Gebiete, während nicht nur Migranten aus allen Teilen der Welt zurück bleiben, sondern weitere Migranten in Gebiete mit Landsleuten nachziehen.

Wer nicht auswandert, sich in ein intaktes Gebiet begibt und dennoch hoch besteuert wird, wird wohl eine Politik unterstützen, die mehr auf Erhalt der lokalen Gegebenheiten gerichtet ist als Migrantenghettos in anderen Bundesländern zu finanzieren. Ich gehe davon aus, dass die deutsche Regierung mit der Zeit so wenig Durchgriff haben wird, dass sich einige Teile des Landes de facto selbst regieren. Wenn weniger als die Hälfte der Einwohner überhaupt Deutsch sprechen und keiner geregelten Arbeit nachgehen, werden sogar Fliehkräfte in Richtung Austritt aus Deutschland wirksam werden.

Wie kann eine neue Ordnung auf deutschem Staatsgebiet aussehen, wenn es nur noch zwischen 30 und 40 Millionen Deutsche gibt, von denen auch noch die Besten auswandern? Ich rechne grob mit einer Dreiteilung. Der Osten kann sich politisch konservativ/rechts aufstellen und an Polen und weitere östliche Länder anlehnen. Der Süden (BW und Bayern) kann einen losen Bund bilden mit Österreich, der Schweiz, Oberitalien (das auch Autonomietendenzen hat) und angrenzenden Regionen wenn auch Frankreich Zerfallserscheinungen zeigt. Mit Zentrum NRW und umliegenden Gebieten erwarte ich unregierbare Ghettos, in denen Migrantenclans aus fast allen islamischen Armutsländern brutalste Machtkämpfe austragen. Im Westen könnten die Nachbarländer ihre Grenzen zu Deutschland komplett schließen, um das jetzt schon sichtbare Überschwappen von Gewalt und Terror einzugrenzen. Ich rechne damit, dass Deutschland als Nation und eigenes Land in 50-100 Jahren nicht mehr existiert und durch lokale kleine Länder ersetzt wird, die miteinander kooperieren, aber sich auch abschotten, denn im Süden und Osten wird man nicht das Ausbreiten der riesigen Ghettos aus NRW und Umgebung zulassen. Die innere Situation wird stark an das heutige Israel erinnern.

Tendenzen dieser Entwicklungen sind bereits heutzutage spürbar, in NRW habe ich in März/April in der lokalen Presse mehr als zehn Morde auf offener Straße gezählt (meist mit archaischer Gewalt wie „Kehle durchgeschnitten“ oder einfach „abgestochen“ oder verbrannte Leiche in Auto, am Wegesrand oder im Fluss gefunden). Das sind Vorboten des Kommenden und wie geschildert werden die Bürger eher ausweichen müssen, „kämpfen“ würde ja eigene Gewaltanwendung bedeuten, was nicht Teil der angestammten deutschen Kultur sein kann.

Kritische Betrachtung

Die von mir skizzierten Szenarien beruhen auf der Annahme, dass die jetzige Politik in Grundzügen fortgesetzt wird. Das ist wahrscheinlich, da alle Parlamentsparteien und die Leitmedien diese auch vertreten. Eine Fortsetzung der Politik ist attraktiv für Armutsmigranten aus aller Welt und stößt im Gegenzug junge, leistungsfähige Einheimische ab, die entweder auswandern oder sich in Gebieten mit hoher Sicherheit und wirtschaftlicher Perspektive innerhalb Deutschlands konzentrieren.

Ich habe mir seit etwa einem Jahr alle möglichen stochastischen Modelle überlegt, die das Geschehen beschreiben. Es gibt solche Modelle in der Physik, die z. B. die Zukunft des Weltalls geprägt durch Auseinanderdriften des sich ausdehnenden Alls und lokale Materieansammlungen durch die Gravitationskraft berechnen. Analog dazu kann die Politik als Fliehkraft und der Hang zu Sicherheit als Gravitation begriffen werden. Alle Modelle führen entweder zu einem kompletten Auseinanderdriften oder zu kleinen Enklaven, die den Fliehkräften trotzen und überleben. Diese Enklaven entsprechen Sternensystemen, Galaxien und Hypergalaxien in der Astronomie. Analog würden kulturell überlebende Gebiete in Deutschland übergeordnete Strukturen mit Nachbargebieten bilden.

Meine angenommenen Zahlen sind nicht unplausibel, aber in der Realität mögen sie anders ausfallen. Im Grunde spielt das aber keine Rolle, da der Zerfall Deutschlands als Nationalstaat durchaus bereits in 30 Jahren geschehen kann, aber auch erst in 100. Festzustellen ist, dass die Politik das Auseinanderfallen der staatlichen Ordnung förmlich erzwingt. Es mag zwar irgendwann Obergrenzen für Asyl geben und ein Migrationsgesetz, doch selbst dann wird allein durch Kinderreichtum der Parallelgesellschaften und die massiven Konflikte zwischen diesen Gruppen Deutschland in Regionen mit und ohne Perspektive zerfallen und die staatliche Ordnung dort nicht mehr durchsetzbar sein, wo die bürgerliche Mittelschicht wegzieht, was sie schlichtweg tun wird inklusive gut integrierter Migranten. Das Geschehen in Deutschland entspricht ziemlich genau dem Szenario, das in der Bibel mit dem Turmbau zu Babel skizziert wird und dort auch zum Zerfall führte.

Lösungsszenarien

Kann Deutschland die in diesem Artikel geschilderte Entwicklung noch aufhalten? Die Antwort ist natürlich „Ja“, da es andere Länder gibt wie Japan, Australien, Kanada oder China, denen diese Szenarien nicht drohen, man könnte die Politik dieser Länder also imitieren. Dazu fehlt aber der Wille, Armutsmigranten an der Grenze abzuweisen und Politik auch für Leistungsträger zu machen. Die Lösung für Deutschland sähe so aus, dass Migration nur noch Zuwanderern ermöglicht wird, die wirtschaftliche und kulturelle Qualifikationskriterien erfüllen. Asyl sollte die Ausnahme bleiben für politisch Verfolgte, Flüchtlingen müsste an Ort und Stelle in den Herkunfts- und Nachbarländern geholfen werden.

Ferner ist die Abwanderung der Besten zu verhindern, indem Deutschland wieder sicher gemacht wird – und auch Leistungsträger eine Perspektive haben, einen Lebensstandard zu erreichen, der ihrem Einsatz entspricht. Dazu müsste der Staat massiv in Infrastruktur  und wissenschaftliche Förderung investieren – primär in naturwissenschaftliche Forschung und Entwicklung. Deutschland muss auch in Unterhaltungselektronik wieder Kapazitäten aufbauen und eigene Fernseher, Computer und Mobiltelefone entwickeln. Passiert das nicht, wandern die jungen Naturwissenschaftler aus und die Industrie hält nicht mehr Schritt mit der Konkurrenz aus Fernost.

Fazit

Die Beibehaltung der jetzigen Politik wird Deutschland unterminieren und in einen dystopischen Albtraum innerhalb weniger Generationen verwandeln. Gerade NRW als Land mit der größten Bevölkerung wird schon in wenigen Jahren von Gewalt und Brutalität so geprägt sein, dass die bürgerliche Mittelschicht dort kaum existieren kann. Warum Deutschland so handelt, liegt außerhalb meines Verständnisses und ist nicht Gegenstand dieses Artikels.

Ich möchte selber noch, so lange es geht, in Deutschland bleiben, da ich dieses Land liebe. Im Bodenseegebiet hoffe ich alt werden zu können und den Verfall des Landes mehr als Beobachter denn als Teilnehmer zu erleben. Oder eben das Umdenken und Wiedergenesen. Ich bedanke mich abschließend für jeden Leser, der meinen drei Teilen des Deutschland-Blues gefolgt ist und hoffe, dass sie zum Nachdenken und Handeln anregen.

Dr. Jochen Heistermann hat in theoretischer Informatik promoviert. Er war dann selbstständig und lebt nun als Privatier am Bodensee.

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