Islam ist Faschismus und Frauenkopfbedeckung ist sein Hakenkreuz

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“Borowski und das verlorene Mädchen” – ein Blick hinter die Kulissen

Von Marius Gugg.

Studio Hamburg 30.03.2016 / 22:30 Uhr. Gähnend leer sind die Gänge der Büroräume des Ateliers 5. Die Tür zum Filmstudio unseres Hauses ist schon fest verschlossen. Im Büro der Regie surrt leise das Laptop. Ich habe es herunterklappen müssen. Lange sitze ich noch da. Was ich gerade gesehen habe, ist traumatisierend. 5 Männer halten eine nackte Frau hoch, einer von ihnen ist gerade dabei, den Kopf der Frau abzutrennen. Die Augen der Frau sind weit aufgerissen. Der Hals unwiderruflich zur Hälfte durchtrennt.

Ein Junge, es fällt mir schwer das Alter zu bestimmen, vielleicht ist er 10 Jahre alt, kniet auf dem Rücken eines liegenden Mannes. Seine Finger haben sich von oben in die Nase des Mannes gekrallt, um so den Kopf anzuheben. In der anderen Hand hält der Junge das Messer.

Lachend hält ein Mann den abgetrennten Kopf einer kurdischen Kämpferin hoch. Lange geflochtene Haare hängen an diesem Kopf herab, als wollten sie Zeugnis von der Hoffnung abgeben, dass dieser Tag nicht mit dem Tod enden würde.

Seit nun mehr als zwei Wochen ist es meine Aufgabe als zweiter Regieassistent, Recherche für den neuen Kieler Tatort zu machen. Das Thema sind der Islam, der IS, seine Propaganda und die salafistischen Mittelsmänner. Die Arbeit erweist sich schnell als mentale Belastung, deren Grenze längst überschritten ist. Die Filme des IS sind verstörend. Immer wieder höre ich den Ruf „Allahu Akbar!“.

„Allahu Akbar!“, das wird von den Peinigern gerufen, nachdem sie die Menschen vor laufender Handykamera gehängt, zerteilt, verbrannt, erschossen und ertränkt haben. Immer wieder wird es gerufen, mehrmals hintereinander. Lange nachdem ich mich mit dem Auto auf den Weg zurück nach Kiel gemacht habe, hallt dieses Allahu Akbar nach. Dieser Gottesgruß, diese Beteuerung, dass es niemand Größeren gibt als Allah. Er klingt in seiner Obszönität wie „Heil Hitler“. Dieser Ruf, als Deutschland gleichermaßen in Ideologie versank und Menschen gehängt, vergast, gefoltert, verbrannt und erschossen wurden.

Ich werde wütend, auch auf mich und meine Freunde

Je mehr ich über den fundametalistischen Islam recherchiere, desto mehr offenbaren sich in beklemmender Art und Weise Ähnlichkeiten in den ideologischen Strukturen. Da gibt es den Führerkult um Mohammed und um Hitler. Beides Politiker, Machtmenschen, Kriegstreiber, Gewalt-Initiatoren, Recht-Sprecher und Antisemiten. Da gibt es die Expansionsrhetorik, die das „Dritte Reich“ und den Islam nur dann als stark erklärt, wenn sich diese ausbreiten. Da gibt es die gleichen repressiven Strukturen in Form von Denunzierungen, Todesurteilen und Morddrohungen, jene Angst- und Machtmechanismen, die anders denkende Menschen verstummen lassen. Da gibt es strenge Vorschriften in Form von Gebeten und Solidaritätsbezeugungen, um in diesem engen Netz der Unmündigkeit, diejenigen als potentielle Feinde auszumachen, die sich nicht genauestens daran halten.

Und da gibt es noch etwas: Das Verbot der Kritik. Die selbsterklärte Unantastbarkeit eines Machtmenschen und seiner pervertierten Idee von einem Reich. Je mehr ich über den Islam recherchiere, desto mehr wate ich in Ideologie. Desto absurder wird alles. Mehr noch: Es lässt mich wütend werden.

Ich brauche frische Luft. Ich fahre rechts ran auf einen Rasthof, dessen Lichter wegen der späten Stunde schon halb erloschen sind. Etwas an der Wut, die ich da gerade empfunden habe, irritiert mich. Die Wut galt nicht nur den Schlächtern, den radikalen Moslems, den Faschisten, sie galt auch mir selber, meinen Freunden, den liberalen Moslems und schlussendlich den Politikern: Wir lassen es zu, dass ein Mensch, der schon seit mehr als 1300 Jahren tot ist, immer noch Macht über uns ausübt.

Am nächsten Tag geht es ins Flüchtlingsheim. Meine Aufgabe ist es, Statisten für den Tatort zu gewinnen. Wie ganz anders präsentiert sich da diese Seite der Wirklichkeit. Nein, diese Auswahl an Menschen, die ich da antreffe, sind keine Schlächter. Im Laufe der Dreharbeiten lerne ich einige näher kennen. Da gibt es den kurdischen Imam T. (den Namen möchte ich hier nicht nennen), der mich in sein Herz geschlossen hat. „Die Religion ist nicht wichtig. Die Liebe ist es“, sagt er und schmiert mir lachend ein ätherisches Öl in den Bart. Ich muss lachen. Für einen kurzen Augenblick sind die monströsen Bilder der Schlächter verschwunden. Gleichzeitig werde ich melancholisch.

Imam T. wird keine offene Gesellschaft mehr vorfinden

In Kiel ist schon längst das Minarett gebaut. Die Spaltung wird weiter vorangetrieben. Wer sich eingehender mit den Bewohnern der Kieler Parallelwelt Gaarden befasst, wird nicht selten mit Ressentiments gegenüber Deutschen konfrontiert. Meldungen von Gewalttaten haben in den „Kieler Nachrichten“ neue Qualitäten erreicht. Auch die Partymeile in Kiel ist mittlerweile seit mehreren Jahren mit Waffenverbotsschildern ausgestattet.

Imam T. wird keine offene Gesellschaft mehr vorfinden. Zuviel Gewalt und Hass seitens junger muslimischer Migranten, aber auch solcher in 3. Generation sind dem vorausgegangen. Bei vielen Kielern ist die Toleranzsättigung erreicht. Bei den Rechtsextremisten ist es die Hemmschwelle, die weiter sinkt.

Als ich in den Aufenthaltsraum für Komparsen komme, ein Kellerraum abseits vom Drehgeschehen, bietet sich mir ein Anblick, der mich auflachen lässt und gleichzeitig aber auch nachdenklich stimmt. Die Flüchtlinge haben sich zum Tanzen um die Tische aufgereiht, in der Mitte ein quäkendes Smartphone und abseits sichtlich angespannt und auch etwas hilflos die kleine Gruppe deutscher Komparsen.

In all der Sorge, die Flüchtlinge bei guter Laune zu halten, damit der Film reibungslos klappt, habe ich die deutschen Komparsen aus einer Art von Selbstverständlichkeit heraus vernachlässigt. Und es ist mir fast peinlich zu schreiben, dass ich in der Euphorie des Neuen, in dem Bangen um das gute Gelingen die gleichen blödsinnigen Fehler gemacht habe wie unsere Politiker. Da werden Selfies gemacht, der eigene Name auf arabisch geschrieben und in der darauffolgenden Heiterkeit sich ganz dem gewidmet, was einem Zuspruch und Anerkennung verspricht, um am Ende jene zu vergessen, deren Einvernehmen man voraussetzt, da es doch die eigenen Leute sind.

Schnell ist die Debatte erhitzt. Auch unter den Komparsen

Die Dreharbeiten verlagern sich nach Hamburg. Die Betreuung der vorwiegend türkischen Komparsen nutze ich dieses Mal zu intensiven Diskussionen. Oft sitzen wir während der Drehpausen zusammen, um über Gott und die Welt aber auch um über Erdogan zu reden. Schnell ist die Debatte erhitzt. Auch unter den Komparsen. Unverrückbar ist das Bild Erdogans mit wirtschaftlichem Erfolg verknüpft. Dem steht diametral sein jetziger politischer Kurs gegenüber. Die Diskussion zeigt, wie tief der Riss mittlerweile durch die türkische Gesellschaft geht, und findet seine Erweiterung in Glaubensfragen und tiefen Überzeugungen, die oft an einen unverrückbaren religiös-politischen Wahrheitsanspruch geknüpft sind.

Etwas stiller sitzt ein kurdischer Komparse dieser Diskussion bei. Später erzählt er mir von dem Wunsch, den Verwandten bei dem Kampf gegen den IS beizustehen. Ich habe einen Kloß im Hals. Nein, diesen Mut hätte ich nicht, sage ich ihm. Und fast scheint es mir, in ihm eine Art Erleichterung zu sehen, dass ich es ausspreche.

Als ich später vom Drehort komme, nebenan wurde ein alter Supermarkt zur fiktiven Moschee umfunktioniert, ist die Stimmung im Aufenthaltsraum gereizt. Das Essen vom Cateringservice wird in Plastikschalen serviert. Einige Komparsen sind wütend. Warum man sie wie Hunde behandele, werde ich gefragt. Ich bin betroffen, unterliegen doch die Plastikschalen bei der großen Anzahl von Komparsen rein ökonomischen Notwendigkeiten. Doch man fühlt sich diskriminiert, und ich merke, wie in mir die Wut hochsteigt.

Wir leben in einem Deutschland, dass sich fast bis zur Selbstaufgabe tolerant und offen zeigt, Milliarden in Integrationsmaßnahmen steckt und jede Art von Diskriminierung medial durch den moralischen TV-Pranger schleift, doch scheint das nicht genug zu sein. In mir steigt die Ahnung auf, dass in dem Vorwurf der Diskriminierung, die Legitimation zu eigenen Ressentiments steckt. Deutschenhass, Hass auf den Westen, auch Hass auf Nicht- oder Andersgläubige, all das findet seine Legitimität in der Etablierung der Opferrolle.

Ich versuche, meine Gefühle wieder zu begradigen

Währenddessen steigen in mir selber ganz andere Bilder aus der Vergangenheit auf: etwa von einem schwarzen BMW, der mich grundlos zur Seite drängt und aus dem mir jugendliche Migranten ein „Ich töte dich“ zurufen. Grundlose Prügelattacken von Migranten während meiner Studentenzeit. Oder das unerwartete ins Gesicht schlagen, wenn man einer Gruppe jugendlicher Migranten zu Silvester in der Fußgängerzone begegnet. Und allein die Vernunft ist es, die mir dann sagt, dass nicht alle so sind. Dann ist es die Vernunft, die mich nach solchen Erlebnissen zum türkischen Schneider nebenan treibt, um ein freundliches Wort zu hören oder auf Youtube und facebook nach säkularen Muslimen schauen lässt, die mein Weltbild, meine Gefühle wieder begradigen und ins Gleichgewicht bringen.

Unter den türkischen Komparsen befindet sich so ein „Begradiger“. Mit seinen längeren, fast weißen Haaren, einer kleinen Bassgitarre in den Händen – um die Wartezeit zu Übungszwecken zu nutzen -, den gewitzten und offenen Augen, ist er das Gegenteil der mir bisher begegneten Jung-Türken, die vom osmanischen Reich träumen. Wir unterhalten uns über Musik, Jazz, Kunst und Fotografie und schnell ist klar, wie einfach es ist, Sympathie füreinander zu empfinden, sobald man sich in einem gleichen Wertesystem befindet, das unterschiedliche Anschauungen von Politik und Religion vergessen lässt.

Mir kommen plötzlich die Moralisten im TV in den Sinn. Wie z.B. ein Jan Delay, der in der Talkrunde symbolisch seine Fäuste ballt, weil Henryk Broder über die Problematik der muslimischen Migration spricht. Oder die moralische Echauffierung eines Michael Mittermeier als Hamed Abdel Samad bei Markus Lanz über sein neues islamkritisches Buch spricht. Wieviel einfacher ist es für diese Art von Moralisten, sich als die Guten hervorzutun, da sie das Privileg genießen, mit Leuten aus der selben Sparte und mit gleichen Interessen zu verkehren, die einem zudem noch wohl gesonnen sind. Nein, ihre Wirklichkeit, ihre Teilrealität hat nichts mit einer umfassenden Realität gemein, die ganz Europa betrifft und sich in brennenden französischen Polizisten zeigt.

Als wir später vor dem Eingang der Moschee drehen, wird ein Fenster vom gegenüberliegenden Wohnungsblock geöffnet. „Heil Hitler!“ wird herausgerufen. Es macht sich eine beklommene Stimmung breit. Und mir wird klar, in diesem bitterbösen Spiel werden wir alle Verlierer sein.

Video zum Tatort „Borowski und das verlorene Mädchen“

Eine Kritik aus der Süddeutschen Zeitung

Achgut.com und Meedia über die Anne Will Sendung zum Thema

Zur Person Marius Gugg: Meine Ausbildung habe ich in Kommunikations-Design an der Muthesius Kunsthochschule Kiel unter anderem beim „stern“- und „Spiegel“-Fotografen Prof. Dirk Reinartz erhalten. Die filmische Ausbildung in Regie und Film bei Wim Wenders an der HFBK. Geboren bin ich 1977 in Aurich und lebe zur Zeit in Kiel, wo ich auch freiberuflich arbeite.

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