Bibi und Tina 4 – übelste Regierungspropaganda für Kinder

Bibi und Tina 4 ist ein Mädchenfilm- könnte man denken. Warum wir Kinderfilme wohl demnächst vorkosten müssen und was das alles mit Politik zu tun hat: eine Filmkritik.

                                                                              obs/DCM Film Distribution GmbH/Andreas Schlieter / DCM

Ich bin zugegebenermaßen nicht aus privatem Interesse in die Vorführung gegangen- das Thema entspricht nicht so ganz meinem cineastischen Beuteschema. Vielmehr hatte ich vorher schon gehört, der Film sei ausgesprochen politisch. Davon wollte ich mir selbst ein Bild machen.

Schon in den ersten paar Minuten bereute ich diesen Entschluss. Auf alles war ich vorbereitet: kitschige Lieder, quietschige Mädchenpower-Dialoge und grotesk unlogische Handlungsstränge. Ich wurde auch nicht enttäuscht. Natürlich wurde ich nicht enttäuscht, schließlich war es ein verdammter Pferdefilm! Aber was ich darüber hinaus geboten bekam, sprengte meine Vorstellungskraft in Bezug auf propagandistische Kindergehirnwäsche großflächig. Aber zum Inhalt:

Bei einem mehrtägigen Ausritt wird Bibi und Tina die Suppe vom Lagerfeuer geklaut. Schnell stellen sie den etwa gleichaltrigen Dieb, der sich als Aladin aus Syrien vorstellt, sich aber schnell als albanisches Waisenmädchen entpuppt, das Adea heißt und vor ihrem bösen Onkel wegläuft, weil der sie zwangsverheiraten will und sie doch viel lieber Ärztin werden möchte. All das erfahren wir, weil Bibi die sonst so lästige Sprachbarriere einfach weggehext hat. Die drei verstehen sich so gut, dass sie von nun an zu dritt weiterreiten.

Man hat diesen Schmalz gerade irgendwie verarbeitet, da begegnen  sie auch schon Sinan und Karim, zwei syrischen Flüchtlingsjungen, die von einem freundlichen Bauern bei Ochs und Esel in der Scheune untergebracht wurden- was den unschätzbaren Vorteil hat, dass wir dem kindlichen Zuschauer und uns selbst den Ausflug in eine Erstaufnahme-Einrichtung ersparen können um die beiden kennen zu lernen. Man freundet sich schnell an und beschließt, die beiden auch noch mitzunehmen.

Die bunte Truppe trifft am Fluss auf Tinas Freund und Sohn des Grafen von Falkenstein, Alex, der mit seinem Kanu gekentert ist und von einer Gruppe Afrikaner, wie sollte es auch anders sein, gerettet wurde. Die sind mit ihrem alten hellblauen VW-Bus gerade auf großer Europa-Tournee, um „für Frieden und Völkerverständigung“ (Originalzitat!) zu musizieren. Und da man das doch auch ganz wunderbar auf Schloss Falkenstein tun könne, beschließt man kurzerhand, dort ein Festival mit den neu gewonnen Freunden zu veranstalten.

Die Reisegesellschaft, deren Ausländeranteil mittlerweile bei rund 75% liegt und damit eher an Offenbach am Main, als an Schloss Falkenstein erinnert, wird allerdings aufgewirbelt, als Adeas böser Onkel auftaucht. Nur durch ein gewitztes Täuschungsmanöver und die lang ersehnte Flucht-auf-Pferd-Szene kann man diesen Schuft abschütteln und daran hindern, Adea zur Rettung der Familienehre wieder mit nach Albanien zu nehmen.

Endlich erreichen alle Schloss Falkenstein und treffen dort prompt auf Dirk Trumpf, einen (das geschulte Kinderfilm-Auge sieht es sofort) bösen Bau-Unternehmer mit komischem blonden Toupet, der dem Grafen eine monströs große Mauer angedreht und das ganze Gelände in eine einzige Baustelle verwandelt hat. Dass er ihn dabei betrügt und außerdem auch noch Steuerhinterziehung betreibt, das wird den Kindern, oder vielmehr den mit ansehenden Eltern,  auch noch aufs Auge gedrückt.

Nachdem Alex seinem vollkommen entnervten Vater abgerungen hat, dass all seine neuen Freunde ab jetzt im Schloss schlafen, womit er ungewollt das Verhältnis von Merkel zum deutschen Steuerzahler karikiert, könnte eigentlich alles perfekt sein. Leider hat in der Zwischenzeit Karim den Aufenthaltsort von Adea an deren Onkel verraten, weil er befürchtet, dass durch „Betrüger“ wie sie, ihm und seinem Bruder bald auch keiner mehr glaubt, dass sie aus Syrien kommen. Dass die  komplexe Unterscheidung zwischen Migration und Asylsuche tatsächlich in einem Film ohne Altersbegrenzung thematisiert wird, könnte einem die Spucke wegbleiben lassen, wenn sich deren Produktion nicht schon seit  dem Du-sprichst-jetzt-Deutsch-Hex-Hex eingestellt hätte.

Jedenfalls schleichen sich die albanischen Söhne des bösen Onkels jetzt auf das Festival, das natürlich ein voller Erfolg ist, und entführen Tina, weil sie ihre Cousine gerade nicht finden können. Sie bieten ihre Freilassung gegen die Übergabe von Adea an. Dank Tinas Temperament und Bibis beherztem Einsatz wird daraus aber keine traumatische Erfahrung von Ohnmacht und Missbrauch, sondern ein echtes Musterbeispiel von feministischem Zusammenhalt und Selbstbehauptung.

Blöd bloß, dass Adea mittlerweile nicht mehr weglaufen möchte und sich ihrem Onkel stellt. In einer herzzerreißenden Szene der Selbstopferung lässt sie sich nach Albanien fahren. Das passt natürlich so gar nicht ins Selbstbestimmungsbild von Bibi und so beamt sie sich selbst, ihren Freund Tarek (!), Tina und Alex einfach in das kleine albanische Heimatdorf ihrer neuen Freundin, erklärt dort der einheimischen Hochzeitsgesellschaft in aller Deutlichkeit, dass jetzt hier aber mal ganz schnell westliche Werte und das Jahr 2017 einziehen und überzeugt damit schließlich Adeas Cousins. Die wiederum überzeugen ihren Vater und Adea darf zur Schule und später zum Studieren nach Deutschland. Das alles hat vielleicht drei Minuten gedauert, danach gibt es Musik und der Film ist vorbei.

Ich saß fassungslos neben meiner halbleeren Popcorn-Tüte und versuchte mich zu erinnern, ob ich in meiner Kindheit eigentlich auch so schamlos manipuliert worden bin. Weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte, fragte ich meine etwa sechsjährige Sitznachbarin: „Und? Wie fandst du ihn?“. Die antwortete mir daraufhin wie aus der Pistole geschossen: „Ich fand Sabrina am Schönsten! Das ist das weiße Pferd von Bibi! Das ist nämlich ein Schimmel und Schimmel mag ich am liebsten!“ Dem musste ich inhaltlich zustimmen und ging, doch etwas erleichtert, nach draußen.

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