Germany’s next Wirtschaftswunderführer revisited

Wie imagefest eine Marke ist, wie kreativ ihre Ingenieure, wie qualifiziert und fleißig ihre Arbeiter, wie smart ihre Marketingleute sein müssen, wenn sie ungeachtet ihres Chefs eine Bombenbilanz abliefern können – das wurde am 15. September 2015 klar. Damals dröhnte Daimler-Chef Dieter Zetsche, der CEO mit dem lustigen Riesenschnauzer, allen hier bislang schon länger ansässigen Deutschen ins Ohr: Die Aufnahme von 800.000 Flüchtlingen (in jenen Tagen verbreiteten die üblichen Interessierten noch solche Kleinzahlen) sei zwar eine „Herkulesaufgabe“. Jedoch: Sie könne „im besten Fall eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder werden.“ Weil: „Wer sein komplettes Leben zurücklässt, ist hoch motiviert.“ Zetsche: „Genau solche Leute suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land.“

Natürlich ist einer wie Zetsche mitnichten blöd. Sein Ranschleimen an die flüchtlingsmäßig angeschlagene Kanzlerin war sicher der Überlegung geschuldet, dass seine Firmeninteressen irgendwann eine regierungsseitige Promotion gebrauchen könnten. Andererseits: Wie dämlich musste einer wie Zetsche gewesen sein, um sich gleich derart weit aus dem Guttuerfenster zu hängen?

Jeder robuste Entwicklungshelfer, befragt man ihn nach zwei Bieren; jeder Journalist, der längere Zeit in einem der Entsenderländer der neuen Wirtschaftswunderwaffen verbracht hat, hält sich ja die Plautze vor Lachen. Wenn man ihn zum Beispiel darauf anspricht, was Schul- und Universitätsabschlüsse und kulturelle, sprachliche oder gar technische Kompetenzen in arabischen Ländern überhaupt bedeuten.

Technikkompetenz? Motivation?

Was in Damaskus oder Bagdad oder in sonstigen islamischen Wertschöpfungszentren ausbildungsmäßig läuft – die Abschlüsse sowieso weithin bakschischgeneriert -, ist oft nicht viel mehr als europäisches Klippschulniveau. Sogar nach GEW-Standards, selbst im failed state NRW.

Technikkompetenz? Motivation? Im ländlichen Tunesien schrauben zwei von drei jungen Männern in ölverschmierten Klitschen gemächlich an uralten französischen Möhren herum, die man im deutschen Fernsehen zuletzt nächtens bei Wiederaufführungen von Melville-Filmen sah. Klar, diese Wüstensöhne hauchen als Wiedergänger von Trabbi-Schraubern noch einem rostigen Peugeot 404 Kombi Baujahr 1965 neues Leben ein. Echt retro, wirklich super! Zumindest für die aus dem Tui-Busfenster knipsenden Touristen, welche daheim Hightech-Karossen bewegen. Letztere erstellt von Menschen, die mit stressigen Betriebsabläufen klarkommen, Computerprogramme beherrschen und nicht bei jedem Frust ausrasten.

Machen wir’s kurz: Flüchtlinge und Zuwanderer sind nicht „unsere neuen Fachkräfte“, sondern „senken unser Bildungsniveau“, wie unlängst die „Welt“ verkatert konstatierte (hier und hier). Und Dieter Zetsche ist bloß einer dieser Welcome-Quatschköppe, von denen die „Zeit“ lange nicht genug kriegen konnte. Mittlerweile aber etwas längere Zähne bekommen hat. Ein Jahr nach Zetsches Wirtschaftswunder-Proklamation wirkten laut „Zeit“ ganze neun Flüchtlinge bei Daimler, stolze 54 in Dax-Unternehmen insgesamt. Immerhin, der Daimler-Cheffe, der auch schon mal Gastredner eines Parteitags der Grünen war, und seine Entourage werden dereinst vielleicht an sonnigen Shores brutzeln. Während es hierzulande womöglich ein wenig kälter geworden sein könnte.

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