Die Minarette sind unsere Bajonette!

Seit dem 20.1.2017 ist alles vor­bei. Das tür­ki­sche Par­la­ment hat mit den Stim­men von Erdoğans AKP und der Mehr­heit der Ab­ge­ord­ne­ten der na­tio­nal­chau­vi­nis­ti­schen MHP – zu­sam­men 80 Pro­zent der Ab­ge­ord­ne­ten – für die Er­rich­tung einer is­la­mis­ti­schen Prä­si­di­al­dik­ta­tur ge­stimmt. Dass die für Ende Mai vor­ge­se­he­ne Volks­ab­stim­mung daran noch etwas än­dert, ist eher un­wahr­schein­lich. Es wird ein dunk­les Land wer­den: vol­ler Ge­rüch­te, Heim­lich­kei­ten und Angst. Die Ver­lie­rer, vor allem die Frau­en, die dem Kopf­tuch nichts ab­ge­win­nen kön­nen, wer­den sich so un­sicht­bar wie mög­lich ma­chen, ihre Ge­sprä­che wer­den er­füllt sein von lau­ters­ter Harm­lo­sig­keit, und die An­nä­he­rung zwi­schen den Ge­schlech­tern wird sich noch schuld­be­wuss­ter und ver­klemm­ter voll­zie­hen als bis­her schon.

Viele west­li­che Tür­ken aber wer­den ihren Kom­pro­miss mit den Ver­hält­nis­sen ma­chen, der ihnen gar nicht so schwer­fal­len wird. Zu­nächst haben sie sich, von Panik und To­des­ängs­ten ge­trie­ben, aber auch von dem drin­gen­den Be­dürf­nis da­zu­ge­hö­ren zu wol­len, stramm hin­ter den vom Füh­rer ver­kün­de­ten Sieg des Vol­kes gegen einen „ver­bre­che­ri­schen“ Putsch­ver­such ge­stellt, um dann auf den Mas­sen­kund­ge­bun­gen des ge­ein­ten Vol­kes ver­höhnt zu wer­den. Dann haben nicht we­ni­ge fest­ge­stellt, dass ihre Re­pu­blik und die Erdoğans in Schick­sals­fra­gen sich so viel nicht neh­men, was ihrer Un­ter­wer­fung einen Teil des bit­te­ren Bei­ge­schmacks nimmt.

Zusammenstehen gegen die Rache der Ermordeten

Man­che von denen, die als die nächs­ten Opfer des un­auf­halt­sa­men Durch­mar­sches des ein­fa­chen Vol­kes unter sei­nem ge­lieb­ten Füh­rer schon fest­ste­hen, haben am Un­ter­gang einer Re­pu­blik, in der es nie selbst­be­wuss­te Bür­ger ge­ge­ben hat, flei­ßig mit­ge­wirkt. Kaum ein tür­ki­scher So­zi­al­de­mo­krat oder Lin­ker würde zu­ge­ben, dass der selbst­be­wusst und ag­gres­siv Tür­ken­tum ge­hei­ße­ne Na­tio­nal­stolz, an dem sie nicht rüh­ren wol­len, auf dem Ge­no­zid an den Ar­me­ni­ern 1916 ge­nau­so wie den Mas­sen­mor­den an vor allem Grie­chen in den Jah­ren 1920 bis 1923 auf­ruht. Im Ge­gen­teil: Wenn einer die Grün­dungs­ver­bre­chen der Re­pu­blik auch nur be­nennt, kommt es zum ganz gro­ßen Schul­ter­schluss, dann gibt es keine Par­tei­en mehr, son­dern nur noch Tür­ken. Zu­letzt war es am 17.1.2017 wie­der so­weit: „Am fünf­ten Tag der Ma­ra­thon­de­bat­te um die Ver­fas­sungs­än­de­run­gen trat Garo Pay­lan von der pro­kur­di­schen Par­tei HDP ans Red­ner­pult, um für eine plu­ra­lis­ti­sche De­mo­kra­tie zu plä­die­ren: ‚Kol­le­gen, zwi­schen 1913 bis 1923 haben wir vier Völ­ker ver­lo­ren – die Ar­me­ni­er, die Grie­chen, die As­sy­rer und die Juden. Sie sind aus die­sem Land ver­trie­ben wor­den, mit Mas­sa­kern und mit einem Völ­ker­mord. Liebe Kol­le­gen …‘ Dann muss­te er seine Rede wegen der vie­len Un­muts­be­kun­dun­gen und Zwi­schen­ru­fe un­ter­bre­chen. ‚In die­sem Land hat es nie einen Völ­ker­mord ge­ge­ben‘, schrien Ab­ge­ord­ne­te aus den Rei­hen der is­la­mi­schen Re­gie­rungs­par­tei AKP und der na­tio­na­lis­ti­schen MHP eben­so wie Ver­tre­ter der ke­ma­lis­ti­schen CHP, die sich als so­zi­al­de­mo­kra­tisch ver­steht. ‚Hören Sie auf, die Ge­schich­te die­ser Na­ti­on zu be­lei­di­gen!‘, brüll­te ein Ab­ge­ord­ne­ter. Schließ­lich schal­te­te sich Sit­zungs­prä­si­dent Ahmet Aydin ein: ‚Kol­le­ge Pay­lan, bitte be­rich­ti­gen Sie Ihre Worte. Es hat kei­nen Völ­ker­mord ge­ge­ben.‘ Be­schwich­ti­gend wand­te sich Pay­lan aber­mals an das Ple­num. ‚Sehen Sie mal, Kol­le­gen, wir Ar­me­ni­er waren frü­her 40 Pro­zent der Be­völ­ke­rung, heute sind wir 0,1 Pro­zent, ir­gend­et­was muss uns doch pas­siert sein!‘, be­schwor er das Par­la­ment. Aber er wurde wie­der nie­der­ge­brüllt. ‚Herr Pay­lan, pas­sen Sie auf, was Sie sagen‘, herrsch­te Par­la­ments­vi­ze Aydin den Ar­me­ni­er an. ‚Ich habe Sie ge­warnt: Sie dür­fen hier nicht die Na­ti­on be­lei­di­gen.‘ Die Sit­zung wurde un­ter­bro­chen. An­schlie­ßend schloss die Volks­ver­tre­tung mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit Garo Pay­lan für drei Sit­zun­gen aus dem Par­la­ment aus. Seine An­spra­che, so be­schlos­sen die Ab­ge­ord­ne­ten, wird aus dem Par­la­ments­pro­to­koll ge­löscht.“ (Ta­ges­spie­gel, 18.1.2017)

Wie Paylans nicht zu Ende ge­hal­te­ne Rede aus dem Par­la­ments­pro­to­koll, so wur­den ganze Be­völ­ke­rungs­grup­pen erst tat­säch­lich und dann aus dem kol­lek­ti­ven Ge­dächt­nis der Tür­ken aus­ge­löscht. Doch die Er­mor­de­ten, die Ver­trie­be­nen und die Ge­flo­he­nen geben keine Ruhe, son­dern geis­tern als klan­des­tin agie­ren­de Ver­rä­ter am Tür­ken­tum durchs kol­lek­ti­ve Un­be­wuss­te, of­fen­sicht­lich be­fä­higt das zu tun, was man an ihnen voll­streckt hatte, wenn man sie nicht recht­zei­tig ent­tarnt und un­schäd­lich macht. Mal tre­ten sie als mi­syo­ner auf, womit Im­pe­ria­lis­ten ge­meint sind, die, von den USA und Eu­ro­pa un­ter­stützt, das Chris­ten­tum zu dem Zweck ver­brei­ten, eine an­ti­tür­ki­sche christ­li­che Ir­re­den­ta auf den Weg zu brin­gen. Dann un­ter­wan­dern sie als dönme ge­tarnt, was ei­gent­lich nur Kon­ver­tit be­deu­tet, den tür­ki­schen Staat, um jü­disch wie christ­lich mo­ti­vier­ten, je­den­falls ver­rä­te­ri­schen Ma­chen­schaf­ten nach­zu­ge­hen. Es kön­nen zer­set­zen­de Ar­me­ni­er sein, ob­wohl es in der Tür­kei davon nur noch ein paar Tau­send gibt, oder Juden, deren Zahl auf unter 20.000 ge­schrumpft ist. Wenn es ganz arg kommt, sind es die­je­ni­gen, die sich der na­tio­na­len Iden­ti­tät ver­wei­gern und zum Bei­spiel Weih­nach­ten und Sil­ves­ter fei­ern. Kei­nes­wegs nur in der Logik von Erdoğans An­hän­gern und den mit ihnen ver­bün­de­ten Na­tio­nal­chau­vi­nis­ten tre­ten die Wie­der­gän­ger der Er­mor­de­ten heute vor allem als die wirk­li­chen oder ver­meint­li­chen An­hän­ger aus­ge­rech­net des Is­la­mis­ten Fe­thul­lah Gülen auf, Ge­spens­ter zu­meist, auf die alle Va­ri­an­ten der Feind­er­klä­rung zu pas­sen schei­nen.

Die Avantgarde des Staats agiert „spontan“

Der in der Tür­kei be­son­ders ver­brei­te­te Hang, sich die Welt und vor allem die Er­eig­nis­se da­heim mit Ver­schwö­rungs­theo­ri­en zu er­klä­ren, ist nicht immer auf Pa­ra­noia zu­rück­zu­füh­ren, son­dern hat allzu häu­fig auch einen so­li­den em­pi­ri­schen Grund. In 93 Jah­ren Re­pu­blik ist Rechts­si­cher­heit, Ver­lass auf die Ord­nungs­be­hör­den oder auf staat­li­che Ver­laut­ba­run­gen und letzt­lich die per­sön­li­che Si­cher­heit immer nur teil­wei­se durch­ge­setzt wor­den. Es gab die­sen tie­fen Staat, der gar nicht so sehr die bis ca. 2005 exis­ten­te Dop­pel­struk­tur aus ge­wähl­ter Re­gie­rung und dem vom Mi­li­tär do­mi­nier­ten na­tio­na­len Si­cher­heits­rat mein­te, son­dern Ver­bin­dun­gen zwi­schen Mi­li­tär, Po­li­zei­ein­hei­ten oder dem Ge­heim­dienst und ex­tra­le­ga­len Kräf­ten, die man ab dem Putsch von 1971 auch Kon­ter-Gue­ril­la nann­te. Von An­fang an be­stan­den halb­le­ga­le For­mie­run­gen hoch­kri­mi­nel­ler Natur, deren Staats­nä­he, ja Avant­gar­de­rol­le bei der De­fi­ni­ti­on und Exe­ku­ti­on eines of­fi­zi­ell noch gar nicht auf der Agen­da ste­hen­den Staats­zwecks einen ver­rückt ma­chen konn­te.

Auch nach dem 15.7.2016 scheint von Avant­gar­dis­ten des Staats­zwecks ver­schärf­ter Hand­lungs­be­darf ge­se­hen wor­den zu sein. In den Tagen nach der Putsch­nacht waren Rot­ten von Ak­ti­vis­ten zu be­ob­ach­ten, in den gro­ßen Städ­ten des Wes­tens ge­nau­so wie im kur­disch-ale­vi­ti­schen Osten, die nie­mand aus­drück­lich auf den Plan ge­ru­fen hatte. In Mal­a­tya hat die Po­li­zei eine grö­ße­re Men­schen­men­ge mit Was­ser­wer­fern und Trä­nen­gas zer­streut, die of­fen­sicht­lich vor­hat­te, ins Ale­vi­ten­vier­tel ein­zu­rü­cken. Aus Is­tan­bul kennt man Be­rich­te über Ak­tiv­bür­ger, die durch die Istik­lal-Straße, also die Fuß­gän­ger­zo­ne in der his­to­ri­schen Alt­stadt, mar­schier­ten und den in den Sei­ten­gas­sen in po­pu­lä­ren Lo­ka­len sit­zen­den Bier­trin­kern auf­lau­er­ten, sie be­droh­ten und in ei­ni­gen Fäl­len auch zu­sam­men­schlu­gen. Das deckt sich mit einem Vor­fall in der glei­chen Ge­gend, als ein paar Ju­gend­li­che am Ra­ma­dan, der kurz vor dem Putsch en­de­te, in einem Plat­ten­la­den mit Bier und Zi­ga­ret­ten eine klei­ne Re­lease Party zum Er­schei­nen der neuen CD ihrer Lieb­lings­band ver­an­stal­te­ten, was sie un­vor­sich­ti­ger­wei­se über Twit­ter öf­fent­lich ge­macht hat­ten. Sie wur­den zu­sam­men­ge­schla­gen. Das deckt sich auch mit einem Pres­se­be­richt von An­fang Au­gust 2016, eben­falls aus Is­tan­bul, wo­nach eine kurze Hosen tra­gen­de Frau in einem Bus ver­prü­gelt wurde. Ähn­li­che Be­rich­te gibt es seit­her meh­re­re. Am 29.12.2016 er­schien auf der In­ter­net­sei­te des Fern­seh­sen­ders kanal a die Hetz­schrift eines Büny­amin Er­te­kin, die dazu auf­rief, Sil­ves­ter nicht zu fei­ern, da an die­sem Tag ein Trut­hahn ge­schlach­tet und ver­speist werde. Da im Eng­li­schen Trut­hahn genau wie die Tür­kei als tur­key be­zeich­net werde und einst einem Papst ein Trut­hahn ge­schenkt wor­den sei, wor­auf die­ser ge­sagt habe, „was für ein Tier, wie die Tür­ken läuft es mit rotem Ge­sicht und auf­ge­plus­tert herum, sein Name soll Türke (Türk) sein“, ver­bie­te es sich Sil­ves­ter zu fei­ern. (www.kanalahaber.com/yazar/bunyamin-ertekin/noel-yilbasi-kutlama-tehlikesi-27629) Meh­re­re we­ni­ger phan­tas­ti­sche, dafür aber ge­nau­so zum Hass auf Chris­ten auf­ru­fen­de Ar­ti­kel sind im De­zem­ber 2016 in klei­ne­ren Zei­tun­gen und Blogs er­schie­nen, we­ni­ge Tage vor dem Sil­ves­ter-Mas­sen­mord im Nacht­club Reina mit 39 Toten.

Solch spon­ta­nes Tun ver­weist auf die Rän­der des po­li­ti­schen Spek­trums, die, seit es die tür­ki­sche Re­pu­blik gibt, den von ihnen im Grun­de rich­tig er­kann­ten ak­tu­el­len Staats­auf­trag von sich aus mit Mit­teln um­set­zen, die schein­bar über das Ziel hin­aus­ge­hen. Ihr Tun wird im Fall des Ex­zes­ses als „Pro­vo­ka­ti­on“ von of­fi­zi­el­ler Seite ge­brand­markt und genau dann ver­folgt, wenn es schon zu spät ist. Meist fügt es sich aber prima ein und bleibt ohne Fol­gen. Diese Ma­ro­deu­re han­deln un­ab­hän­gig, ohne einen Be­fehl emp­fan­gen zu haben. Das ist wich­tig her­vor­zu­he­ben, denn die­ses halb-spon­ta­ne Ele­ment passt nicht ins Welt­bild der lin­ken und ke­ma­lis­ti­schen Op­po­si­ti­on, die häu­fig und meis­tens falsch mit dif­fi­zi­len Ver­schwö­rungs­sze­na­ri­en auf­war­te­te, weil sie nicht an­er­ken­nen will, dass das Un­heil oft di­rekt aus der Hefe ihres Sub­jekts, dem un­ver­bil­de­ten, nach Frei­heit lech­zen­den Volk, kommt.

Man nehme Malik Ka­ra­bu­lut, Funk­tio­när des eher als so­zi­al­de­mo­kra­tisch gel­ten­den Tür­ki­schen El­tern­ver­eins Ham­burg, der nach der Ar­me­ni­en­re­so­lu­ti­on des deut­schen Bun­des­tags im Juni 2016 in sei­nem Face­book-Ac­count von der deut­schen „Kö­ter­ras­se“ sprach, deren An­ge­hö­ri­gen man es mal so rich­tig zei­gen soll­te (Ham­bur­ger Abend­blatt, 25.10.2016). Man nehme den Mör­der des tür­kisch-ar­me­ni­schen Jour­na­lis­ten Hrant Dink, der nach sei­ner Fest­nah­me im Ja­nu­ar 2007 in einer Po­li­zei­wa­che in Trab­zon aus­nahms­wei­se nicht pro­phy­lak­tisch ver­prü­gelt wurde, wie es so vie­len Fest­ge­nom­me­nen wi­der­fährt, son­dern als ju­gend­li­cher Held auf einem pa­trio­ti­schen Video mit Po­li­zei­of­fi­zie­ren vor dem Ata­türk-Bild po­sie­ren durf­te. Der junge Mann hatte seine Waffe von einem an­de­ren Ter­ro­ris­ten be­kom­men, der 2004 eine Mc­Do­nalds-Fi­lia­le als Agen­ten ame­ri­ka­ni­schen Im­pe­ria­lis­mus’ über­fal­len hatte und Mit­glied der Par­tei der gro­ßen Ein­heit war. Diese For­ma­ti­on, die sich 1992 von der MHP ab­ge­spal­ten hatte und bei über­re­gio­na­len Wah­len fast immer unter einem Pro­zent blieb, kann dort, wo die Front ist, über­durch­schnitt­lich punk­ten. Im mit­tela­na­to­li­schen Sivas er­ziel­te sie 1994, genau ein Jahr nach dem Ale­vi­ten-Po­grom in einem Hotel der Stadt mit 37 Toten, statt­li­che 18 Pro­zent. Das gilt ähn­lich für die Pro­vinz Trab­zon an der nörd­li­chen Schwarz­meer­küs­te, wo man stolz dar­auf ist, im Ers­ten Welt­krieg gegen die Rus­sen und mehr noch da­nach gegen Ar­me­ni­er und an­de­re Ver­rä­ter sieg­reich ge­kämpft zu haben. Seit­her un­ter­nimmt man alles, um an die christ­li­che Ver­gan­gen­heit von Stadt und Re­gi­on nur in Form der Ver­herr­li­chung der an Chris­ten be­gan­ge­nen Mas­sa­ker zu er­in­nern. Die Opfer dort waren üb­ri­gens nur zum klei­ne­ren Teil Ar­me­ni­er, son­dern vor allem so­ge­nann­te Pon­tos-Chris­ten, über deren furcht­ba­res Schick­sal in den Jah­ren 1922 bis 1924 viel zu wenig be­kannt ist. In Trab­zon sind es dann junge Fans des Ober­li­ga-Ver­eins Trab­zons­por, von denen man­che von der Par­tei der gro­ßen Ein­heit oder ähn­li­chen klei­ne­ren Grup­pie­run­gen mit Rat und Schu­lung, einer Gra­tis­ein­tritts­kar­te ins Sta­di­on und schon mal einer Schuss­waf­fe ver­sorgt wer­den.

Von Verrätern umstellt

Sol­che Ak­tiv­bür­ger waren be­reits am An­fang der Re­pu­blik an­zu­tref­fen, als es in den spä­ten 1920er und 1930er Jah­ren galt, die tür­ki­sche Spra­che als al­lei­ni­ge Lan­des­spra­che durch­zu­set­zen. Man ver­prü­gel­te Chris­ten und Juden, die man am je ei­ge­nen Idiom er­kann­te. Die glei­chen über Zei­tun­gen, Agi­ta­to­ren und manch­mal auch re­gel­rech­te Ord­nungs­trup­pen mo­bi­li­sier­ba­ren Ak­ti­vis­ten hat­ten auch dafür ge­sorgt, dass be­reits Ende der 1930er Jahre im Wes­ten des Lan­des jen­seits von Is­tan­bul und Izmir keine Juden mehr leb­ten. Die Spur geht wei­ter über den so selt­sam ver­ab­re­det wir­ken­den Mob, der 1955 auf ent­spre­chen­de Hetz­ar­ti­kel hin in Is­tan­bul und auf den der Stadt vor­ge­la­ger­ten Prin­zen­in­seln Grie­chen­po­gro­me ver­an­stal­te­te, mit der Folge, dass nach Tagen der Plün­de­rung, Brand­schat­zung, Ver­ge­wal­ti­gung und in ei­ni­gen Fäl­len auch des Mor­dens die letz­ten Grie­chen aus der Tür­kei flüch­te­ten, also jene, denen im Ge­gen­satz zu allen an­de­ren Grie­chen im Land im Lau­san­ner Ab­kom­men von 1923 ein Blei­be­recht in Is­tan­bul zu­ge­stan­den wor­den war. Aus­lö­ser war die Brand­stif­tung an Ata­türks Ge­burts­haus in Sa­lo­ni­ki, von der man schon bald wuss­te, dass der Täter oder die Täter dem tür­ki­schen Ge­heim­dienst an­ge­hör­ten oder we­nigs­tens enge Ver­bin­dun­gen zu ihm un­ter­hiel­ten – ein im Grun­de un­wich­ti­ger Um­stand, denn die Be­reit­schaft von tau­sen­den Is­tan­bu­lern, die letz­ten Grie­chen zu ver­trei­ben und sich an ihrem Ei­gen­tum zu be­rei­chern, muss schon vor­her exis­tent ge­we­sen sein. Pro­vo­ka­tio­nen funk­tio­nie­ren nur, wenn das be­rühm­te Pul­ver­fass be­reits vor­han­den ist.

Die gro­ßen Ale­vi­ten­po­gro­me in Maraş 1978 mit je­den­falls über hun­dert, wahr­schein­lich ei­ni­gen hun­dert Toten ge­hö­ren in die glei­che Reihe, die zum Mord an Hrant Dink und ein Jahr zuvor, 2006, an einem Pries­ter in Trab­zon reicht, den ein an­geb­lich psy­chisch Er­krank­ter er­schos­sen hatte, der von sich be­haup­te­te, Al­lahs Wil­len voll­streckt zu haben. Tat­sa­che ist, dass der At­ten­tä­ter aus­führ­te, was auf ihre Weise von den lo­ka­len Me­di­en und durch Äu­ße­run­gen aus der Stadt­ver­wal­tung und dem Gou­ver­neurs­amt in den bei­den Jah­ren davor als Li­zenz zum Töten von Ver­rä­tern aus­ge­ge­ben wurde: Der Pries­ter habe sich als Mis­sio­nar be­tä­tigt. Als letz­tes Opfer einer wahr­lich un­voll­stän­di­gen Reihe wurde am 18.7.2016, drei Tage nach dem Putsch­ver­such, Cemil Candaş, der als Erdoğan-Kri­ti­ker be­kann­te Vi­ze­bür­ger­meis­ter von Şişli, einem Stadt­teil von Is­tan­bul, er­mor­det. Candaş war Jude.

Die Vor­be­rei­tun­gen zum Mord folg­ten stets dem glei­chen Sche­ma. Zug eins: öf­fent­li­che Feind­er­klä­rung gegen frem­dras­si­ge Volks­schäd­lin­ge – Ale­vi­ten, Chris­ten, Ar­me­ni­er und Juden. Zug zwei: Zu­spit­zung durch eine klei­ne, aber ein­fluss­rei­che Hetz­pres­se aus dem na­tio­nal­chau­vi­nis­ti­schen Mi­lieu, das sich in­zwi­schen unter Na­ti­on längst eine de­zi­diert is­la­mi­sche vor­stellt. Zug drei: Nicht zu­fäl­lig, aber gleich­wohl auch nicht ge­zielt in Marsch ge­setzt, zieht ir­gend­ein ganz un­be­deu­ten­der, armer, ver­hetz­ter Kerl mit einer Knar­re oder einem Schlach­ter­mes­ser los und macht Rich­tig­keit.

Mit dem Islam hat das nur in­so­weit zu tun, als in der Tür­kei diese Re­li­gi­on eth­ni­siert und nicht etwa als per­sön­li­ches Be­kennt­nis Ein­zel­ner auf­tritt. Der ras­si­fi­zier­te Islam hat al­ler­dings in der Tür­kei gar keine ge­nu­in is­la­mi­schen Wur­zeln, er ist viel­mehr ori­gi­nä­res Pro­dukt der auf ihren Lai­zis­mus so stol­zen Re­pu­blik und ihrer Grün­dungs­vä­ter. Ein po­pu­lä­rer Slo­gan, der nach dem Putsch wie­der gerne ver­wen­det wurde, lau­tet: „Die Tür­kei ist von drei Sei­ten vom Meer um­ge­ben und von allen vier Sei­ten von Ver­rä­tern“. Diese schon im De­zem­ber 2015 von Erdoğan ver­wen­de­te, aber viel äl­te­re, auf die Zeit der Re­pu­blik­grün­dung zu­rück­rei­chen­de Pa­ro­le ist nach dem 15.7.2016 om­ni­prä­sent. In­zwi­schen gibt es Auf­kle­ber im Netz zu kau­fen, auf denen zu lesen ist: „Wenn Sie in einem Land leben, das von drei Sei­ten vom Meer und von allen vier Sei­ten von Ver­rä­tern um­ge­ben ist, dann müs­sen Sie ent­we­der sehr gut schwim­men kön­nen, oder kämp­fen…“

Fethullah Gülens Parallelstruktur

Die mo­der­ne Tür­kei war gegen den Islam nur, in­so­weit die­ser die Macht im Staat aus­drück­lich gegen die neuen Mäch­ti­gen für sich be­an­spruch­te. Die Ab­schaf­fung des Ka­li­fats 1922 hatte eine enge Ver­schwis­te­rung zwi­schen Staats­macht, dem Sul­tan, der of­fi­zi­ell auch der Kalif war, und der Re­li­gi­on, ver­tre­ten durch den Sheikh al Islam, be­en­det. Doch die Po­si­ti­on eines Sheikh al Islam blieb er­hal­ten und ging über auf einen Staats­be­am­ten, der als Chef der obers­ten Re­li­gi­ons­be­hör­de fun­giert, die noch bis 1924 „Be­hör­de für Scha­ria­an­ge­le­gen­hei­ten und Stif­tun­gen“ be­zeich­net wurde und da­nach erst in „Amt für re­li­giö­se An­ge­le­gen­hei­ten“, das Diya­net-Mi­nis­te­ri­um, um­be­nannt wurde, des­sen deut­scher Ab­le­ger der Ditib ist. Staats­auf­trag war die Zu­rück­drän­gung eines nach au­to­no­mer Macht stre­ben­den Islam und nicht die aus­drück­li­che Tren­nung von Re­li­gi­on und Staat unter dem Vor­zei­chen der Pri­va­ti­sie­rung der Re­li­gi­on. Die­ses po­li­ti­sche Kon­zept ist auf­ge­gan­gen: In der Tür­kei gibt es kei­nen Wi­der­spruch zwi­schen Islam und Staat, der tür­ki­sche Is­la­mis­mus pro­pa­giert, an­ders als das Bei­spiel der Mos­lem­bru­der­schaft in ara­bi­schen Län­dern zeigt, kei­nen Ge­gen­staat. Das nicht wahr­ge­nom­men zu haben, hat nicht nur den sä­ku­la­ren Tür­ken, son­dern letzt­lich auch der Be­we­gung des Pre­di­gers Fe­thul­lah Gülen das Ge­nick ge­bro­chen.

Die Gü­len-Be­we­gung nahm in der Welt der avant­gar­dis­ti­schen Vor­feld-Or­ga­ni­sa­tio­nen eine Son­der­stel­lung ein. Sie stand zwar mit einem noch zu ver­wirk­li­chen­den ra­di­ka­len Staats­zweck, der Stär­kung des Islam gegen sä­ku­la­re Er­run­gen­schaf­ten, im Ein­klang, aber sie ver­folg­te ihren Weg klan­des­tin. Die schon er­wähn­te Par­tei der gro­ßen Ein­heit etwa stieß sich an der Neu­ori­en­tie­rung der ab 1993 in MHP um­be­nann­ten Grau­en Wölfe, die sich mehr dem po­li­ti­schen Zen­trum zu­wand­te und ihre auch mi­li­tan­ten Ak­tio­nen weit­ge­hend ein­ge­stellt hatte. Für echte Na­tio­na­lis­ten war das ein Ver­rat an der gegen die über­all lau­ern­den Fein­de drin­gend ge­for­der­ten Wehr­haf­tig­keit. Doch wäh­rend die­ses Spek­trum un­ge­hin­dert öf­fent­lich in Er­schei­nung trat, ent­sprach Gü­lens Weg im­mer­hin teil­wei­se dem, was im pa­ra­no­iden Mas­sen­be­wusst­sein einer Sekte jü­di­scher Kon­ver­ti­ten aus Sa­lo­ni­ki un­ter­stellt wird, die auf die so­ge­nann­ten Sab­ba­tia­ner im aus­ge­hen­den 17. Jahr­hun­dert zu­rück­geht und in den letz­ten Jahr­zehn­ten im Angst- und Hass-Wort dönme in den Phan­ta­si­en der Ver­schwö­rungs­gläu­bi­gen eine gro­tes­ke Rolle spielt.

Das re­li­giö­se Netz­werk, das Gülen seit den 1970er Jah­ren auf­bau­te, ent­spricht in man­cher Hin­sicht west­li­chem Sek­ten­we­sen, zum Bei­spiel der Church of Sci­en­to­lo­gy. Er grün­de­te Ge­sprächs­krei­se, wel­che die in Mas­sen­auf­la­gen er­schie­ne­nen Bro­schü­ren mit den Pre­dig­ten des Meis­ters stu­dier­ten und deren Teil­neh­mer auch pri­vat zu­ein­an­der hiel­ten. In­ner­halb sei­ner Ge­mein­de gel­ten Hier­ar­chi­en des Ein­ge­weiht­seins und damit des Ein­flus­ses; und na­tür­lich geht es, je wei­ter man nach oben ge­langt, auch umso klan­des­ti­ner zu. Das öko­no­mi­sche Im­pe­ri­um der Gü­len-Ge­mein­de eta­blier­te sich zu­nächst als ein Netz von Nach­hil­fe­schu­len. Was hier­zu­lan­de mit den so­ge­nann­ten Re­pe­ti­to­ri­en ver­gleich­bar ist, also Pauk­stu­di­os, die Ju­ra-Stu­den­ten pri­vat aufs Ex­amen vor­be­rei­ten, be­trifft in der Tür­kei be­reits Schü­ler ab dem Alter von zehn Jah­ren. Sie neh­men Nach­hil­fe­stun­den, um spä­ter ein­mal die aber­wit­zi­gen Auf­nah­me­tests für die Zu­las­sung zur Uni­ver­si­tät im Fach ihrer Wahl zu be­ste­hen. Diese Prü­fun­gen wer­den lan­des­weit zeit­gleich an allen Schu­len ver­an­stal­tet. Sechs Wo­chen spä­ter hän­gen die Er­geb­nis­lis­ten mit den in­zwi­schen ver­schlüs­sel­ten Namen der Schü­ler und den er­ziel­ten Punkt­men­gen an den Schu­len aus. Das ist dann die Zeit der Fei­ern und der Ver­zweif­lung bis hin zu Selbst­mor­den.

Die re­la­tiv er­schwing­li­chen und of­fen­bar ziem­lich er­folg­rei­chen Nach­hil­fe­schu­len der Gü­len-Be­we­gung konn­ten sich auf einem frei­en und sehr lu­kra­ti­ven Markt auch des­halb durch­set­zen, weil es So­zi­al­ra­bat­te für ein­kom­mens­schwa­che Schü­ler gab. Im nächs­ten Schritt mach­te sich Gülen die seit den 1990er Jah­ren er­leich­ter­ten Mög­lich­kei­ten zu Nutze, Pri­vat­schu­len zu grün­den, häu­fig waren es In­ter­na­te, die eben­falls So­zi­al­ra­bat­te für Ein­kom­mens­schwa­che vor­hiel­ten. Im Lauf der Jahr­zehn­te kamen mit­ein­an­der ko­ope­rie­ren­de Wirt­schafts­be­trie­be aus allen Bran­chen hinzu, vor allem im Bau­sek­tor, deren Ei­gen­tü­mer eif­ri­ge Spen­der an die Gü­len-Ge­mein­de waren, aber auch als Wohl­tä­ter in ihren Hei­mat­städ­ten hoch ge­ach­tet in Er­schei­nung tra­ten. Und, so viel darf als ge­si­chert gel­ten: Aus dem Gü­len­im­pe­ri­um, wohl schon in den Nach­hil­fe­schu­len be­gin­nend, kamen Leute, die von An­fang an ihren Weg im Staats­sek­tor ma­chen woll­ten, mit dem Ziel, ihn der­einst zu in­fil­trie­ren und dann zu über­neh­men. Gülen ging er­klär­ter­ma­ßen davon aus, dass die Zer­schla­gung sei­ner Be­we­gung nur da­durch ver­hin­dert wer­den könn­te, dass Put­sche ein­mal nicht mehr mög­lich sein wür­den, daher sei der is­la­mi­sche Ge­dan­ke im Staat gegen das Mi­li­tär zu stär­ken. Ge­walt als Mit­tel zum Er­folg schloss er bei allen in­halt­li­chen Über­ein­stim­mun­gen mit mi­li­tan­ten Is­la­mis­ten grund­sätz­lich aus. Der Er­folg die­ser Stra­te­gie des Ein­si­ckerns in Jus­tiz, Po­li­zei, Ge­heim­dienst, aber auch im Bil­dungs­sek­tor war er­heb­lich, was nicht zu­letzt Gü­lens lang­jäh­ri­ger Ver­bün­de­ter Recep Tay­yip Erdoğan nach dem Bruch, der spä­tes­tens 2013 statt­ge­fun­den hat, in Form ge­zielt lan­cier­ter, pein­li­cher Ent­hül­lun­gen er­fah­ren muss­te. Dafür, dass die Gü­len-Leu­te ver­gleich­ba­ren Ein­fluss in­ner­halb des Mi­li­tärs ge­won­nen haben, gibt es keine Be­le­ge.

Das einfache Volk und seine demokratischen Bewunderer

Die Gü­len-Be­we­gung war seit den 1990er Jah­ren be­lieb­tes Ob­jekt der Kri­tik aus lai­zis­ti­schen und lin­ken Krei­sen. Ent­spre­chen­de Auf­klä­rungs­bü­cher er­schie­nen, und die ganze Lust an der Ver­schwö­rungs­theo­rie ar­te­te aus­ge­rech­net in der Form der Ent­hül­lung aus. Die glei­chen Lin­ken und Ke­ma­lis­ten, die mit der dau­ern­den De­nun­zia­ti­on der Gü­len-Be­we­gung glaub­ten, die Is­la­mi­sie­rung tref­fen zu kön­nen, haben be­zeich­nen­der­wei­se zu kei­nem Zeit­punkt den Islam at­ta­ckiert. Der er­schien ihnen ge­fähr­lich nur, in­so­weit er im Ver­bor­ge­nen als ver­rä­te­ri­sche For­ma­ti­on wirk­lich oder an­geb­lich aktiv war, wäh­rend sie das, was sich ganz offen im gan­zen Land seit spä­tes­tens den 1980er Jah­ren stets im Rah­men des vom Diya­net-Mi­nis­te­ri­um Er­laub­ten voll­zog, aus­blen­de­ten. Die lai­zis­ti­sche Tür­kei hatte den Islam nie wirk­lich ver­drän­gen wol­len; sie woll­te ihn zur Stär­kung des Staats und des Zu­sam­men­halts der Ge­sell­schaft viel­mehr in Dienst neh­men. Das zeigt sich im in­brüns­ti­gen Ver­weis auf den Sou­ve­rän, das Volk, auf Tür­kisch: halk. In der Vor­stel­lung vom halk er­scheint die von ihm aus­ge­hen­de exis­ten­ti­el­le Be­dro­hung eines jeden de­zi­diert west­li­chen Bür­gers, vor allem einer jeden de­zi­diert west­li­chen Bür­ge­rin, merk­wür­dig ver­frem­det in Ge­stalt eines on­kel- und tan­ten­haft, täp­pisch-knor­ri­gen Ur­sprungs­kol­lek­tivs mit sei­ner grad­li­nig un­ver­fälsch­ten Le­bens­art, das man ir­gend­wie ein­fach gern­ha­ben muss. Das halk wird zu­gleich als Ga­rant gegen Über­frem­dung, Ver­weich­li­chung und De­ka­denz in An­spruch ge­nom­men, der nur vor böser Be­ein­flus­sung be­wahrt wer­den müsse: letz­te­res der Er­zie­hungs­auf­trag der Ke­ma­lis­ten. Dass be­reits die Jung­tür­ken seit dem Ende des 19. Jahr­hun­derts ein is­la­mi­sches halk mit is­la­mis­ti­schen Pa­ro­len zum Wi­der­stand gegen die frem­dras­si­gen Fein­de im ei­ge­nen Land auf­ge­ru­fen hat­ten, diese mör­de­ri­sche Pro­pa­gan­da mit Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs noch stei­ger­ten und unter dem Ban­ner des Islam 1920 bis 1923 ihren Be­frei­ungs­krieg führ­ten – diese Er­mäch­ti­gung des mit sich iden­ti­schen Vol­kes zu Mas­sen­mord und Plün­de­rung soll­ten sie nicht mehr los­wer­den. Die Ke­ma­lis­ten, die ver­sucht hat­ten, den Ap­pell ans Ur­sprungs­kol­lek­tiv auch dazu zu nut­zen, ihre un­po­pu­lä­ren Re­for­men durch­zu­set­zen, schei­ter­ten an ihrem ei­ge­nen Ge­schöpf schon bei der ers­ten frei­en Wahl 1950, die ein Is­la­mist ge­wann. Erdoğan hat den Wi­der­spruch er­kannt und die Ent­wick­lung der Tür­ki­schen Re­pu­blik nicht etwa im Be­frei­ungs­krieg, der ein is­la­mi­scher Raub­krieg war, wohl aber be­gin­nend mit den Ata­türk­schen Re­for­men für fehl­ge­lei­tet weil volks­feind­lich er­klärt und damit ra­di­kal jenen west­li­chen Bal­last ab­ge­räumt, den be­reits seine lai­zis­ti­schen Vor­gän­ger seit spä­tes­tens 1980 zur Be­ru­hi­gung des stär­ker wer­den­den halk in klei­nen Por­tio­nen zur Dis­po­si­ti­on ge­stellt hat­ten.

Drei Militärputsche – ein Sieger

Die Ge­schich­te drei­er Put­sche zeigt, dass es kei­nes klan­des­tin agie­ren­den Fe­thul­lah Gü­lens be­durf­te, um den ke­ma­lis­ti­schen Staat in einen is­la­mis­ti­schen Staat zu trans­for­mie­ren. Der Putsch von 1960 rich­te­te sich gegen den mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit re­gie­ren­den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Adnan Men­de­res. Ihm wurde alles Mög­li­che vor­ge­wor­fen, zum Bei­spiel die Ver­ant­wor­tung für die Grie­chen­po­gro­me 1955 in Is­tan­bul, was ziem­lich un­wahr­schein­lich ist, aber kaum, dass er wirk­lich ein Re­gie­rungsis­la­mist mit Vor­lie­ben für die Ideo­lo­gie der Mos­lem­brü­der war. Er wurde ge­hängt, ohne dass plau­si­bel ge­wor­den wäre, wofür. Das fol­gen­de Jahr­zehnt mar­kiert eine Stär­kung der Staats­par­tei CHP und einen Links­schwenk hin zu staat­lich vor­an­ge­trie­be­ner Mo­der­ni­sie­rung und einer Art Pakt mit der er­star­ken­den Ar­bei­ter­schaft. In der Is­lam­fra­ge wurde an einer Re­form unter Men­de­res nicht ge­rüt­telt: Der hatte den Ruf des Mu­ez­zins und die Ge­bets­for­meln wie­der in ara­bi­scher Spra­che durch­ge­setzt, nach­dem die Ke­ma­lis­ten in den 1930er Jah­ren ver­ord­net hat­ten, dass diese nur auf Tür­kisch vor­ge­bracht wer­den dürf­ten. Damit ging auch die schlei­chen­de Re­ara­bi­sie­rung oder Reos­ma­ni­sie­rung der tür­ki­schen Spra­che ein­her; die Erbakans und Erdoğans waren stets an ihrer alt­mo­di­schen, mit vie­len ara­bi­schen Wör­tern ope­rie­ren­den Spra­che zu er­ken­nen.

Der zwei­te Putsch fand 1971 statt und rich­te­te sich gegen eine per­ma­nen­te Re­gie­rungs­kri­se und zu­neh­mend ge­walt­tä­ti­ge links­ra­di­ka­le Ak­ti­vi­tä­ten. Zwei Mär­ty­rer die­ses Put­sches, Iko­nen der ra­di­ka­len Lin­ken, die 1972 hin­ge­rich­te­ten Re­vo­lu­tio­nä­re Deniz Gezmiş und Mahir Çayan, hat­ten sich von der pa­läs­ti­nen­si­schen PFLP zu­sam­men mit meh­re­ren hun­dert Ge­sin­nungs­ge­nos­sen im Li­ba­non mi­li­tä­risch aus­bil­den las­sen mit dem Ziel, den be­waff­ne­ten Kampf in der Hei­mat auf­zu­neh­men. Çayan hatte 1971 Ephraim Elrom, den is­rae­li­schen Kon­sul in Is­tan­bul, er­mor­det, weil die­ser wahr­schein­lich wirk­lich Lis­ten mit den Namen der PFLP-Ver­bün­de­ten an die tür­ki­schen Be­hör­den über­ge­ben hatte. Nichts davon war in der Ur­teils­be­grün­dung gegen ihn wie­der­zu­fin­den. Nach dem Putsch von 1971 wurde dem Is­la­mis­ten Nec­met­tin Erbakan, der eine er­folg­rei­che Par­tei an­führ­te, die auch im Par­la­ment ver­tre­ten war, mit er­heb­lich grö­ße­rer To­le­ranz be­geg­net als zuvor. Zu­gleich kam ein chau­vi­nis­ti­scher Hang zum au­ßen­po­li­ti­schen Aben­teu­er auf, der in der Er­obe­rung Nord­zy­perns 1974 und der Eta­blie­rung einer nord­zy­pri­schen Re­pu­blik von An­ka­ras Gna­den kul­mi­nier­te. Die grau­sa­men Ge­met­zel an un­be­waff­ne­ten grie­chi­schen Zyp­rern, der damit ver­bun­de­ne chau­vi­nis­ti­sche Freu­den­tau­mel, der das ganze Land in Häss­lich­keit ge­eint hat, ver­weist be­reits auf die ak­tu­ell pro­pa­gan­dis­tisch neu be­leb­ten Be­gehr­lich­kei­ten nach den der Tür­kei vor­ge­la­ger­ten grie­chi­schen In­seln.

Der Putsch von 1980 rich­te­te sich gegen bür­ger­kriegs­ähn­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen rechts- und links­ra­di­ka­len Grup­pie­run­gen mit zu­letzt meh­re­ren Toten täg­lich. Im Er­geb­nis war die bru­tal ver­folg­te ra­di­ka­le Linke weit­ge­hend er­le­digt und dar­über hin­aus auch die mit ihr teil­wei­se sym­pa­thi­sie­ren­den so­zi­al­de­mo­kra­tisch ge­stimm­ten Links­ke­ma­lis­ten. Das Va­ku­um wurde da­mals schon recht offen nicht etwa, wie immer be­haup­tet, mit einem Mehr an Fa­schis­mus, son­dern einem Mehr an Islam ge­füllt. Nicht nur, dass Adnan Men­de­res re­ha­bi­li­tiert wurde, nach dem Stra­ßen und Plät­ze in vie­len Städ­ten um­be­nannt wur­den, der be­deu­tends­te Po­li­ti­ker nach dem Putsch und spä­te­re Staats­prä­si­dent Tur­gut Özal ko­ket­tier­te ganz offen mit dem ra­di­ka­len Islam. Was nach dem Putsch von 1971 schon er­leich­tert wurde, er­folg­te nach 1980 im Eil­tem­po und mit staat­li­chen Fi­nan­zie­rungs­hil­fen: der Bau immer neuer Mo­sche­en, eine Ent­wick­lung, die sich bis heute fort­setzt.

Der bewaffnete Kemalismus dankt ab

Der Staat im Staat, das Mi­li­tär mit dem von ihm do­mi­nier­ten na­tio­na­len Si­cher­heits­rat, hatte also schritt­wei­se Zu­ge­ständ­nis­se an seine is­la­mis­ti­schen Geg­ner ge­macht, ohne die Macht zu ver­lie­ren. Er­doğan und nicht etwa der vor­sich­tig im Halb­ver­bor­ge­nen agie­ren­de Gülen hatte dem Mi­li­tär zu einem Zeit­punkt ge­trotzt, als der mäch­ti­ge Ap­pa­rat seine ei­ge­ne Sub­stanz auf­ge­zehrt hatte. Das Mi­li­tär war weder vor zehn Jah­ren noch heute is­la­misch un­ter­wan­dert, seine ideo­lo­gi­schen Vor­den­ker stan­den viel­mehr einem Geg­ner ge­gen­über, den sie zwar ver­ach­te­ten und zu­neh­mend fürch­te­ten, dem sie aber sub­stan­ti­ell nichts ent­ge­gen­zu­set­zen wuss­ten. Erdoğan – das be­weist er jetzt, wo er die to­ta­le Macht hat – ist gar kein An­ti­ke­ma­list. Er will keine is­la­mi­sche Son­der­ge­richts­bar­keit und keine is­la­misch-staat­li­che Par­al­lel­struk­tur, er greift nur auf und stärkt, was von Ver­rä­tern innen und außen an­geb­lich auf­ge­weicht wurde, das wehr­haf­te Selbst­be­wusst­sein des Vol­kes gegen in­ne­re und äu­ße­re Fein­de, dem alle ins­ge­heim hul­di­gen.

Das Mi­li­tär war 1997 noch ein­mal mit einem so­ge­nann­ten wei­chen Putsch gegen den be­zeich­nen­der­wei­se in Ko­ali­ti­on mit dem So­zi­al­de­mo­kra­ten Bü­lent Ece­vit re­gie­ren­den Nec­met­tin Erbakan vor­ge­gan­gen, der ein­fach vom Na­tio­na­len Si­cher­heits­rat ab­ge­setzt und mit Po­li­tik­ver­bot be­legt wurde. Seine Schü­ler und Nach­fol­ger sag­ten sich eilig von ihm los: dort Erdoğan, hier Gülen. Erdoğan grün­de­te 2001 im We­sent­li­chen aus der Rest­mas­se der ver­bo­te­nen Tu­gend­par­tei Erbakans die Ge­rech­tig­keits- und Auf­bruch­par­tei AKP, und Gülen brach an der Seite von Erdoğan zu immer grö­ße­ren Un­ter­neh­mun­gen auf.

Was hätte das Mi­li­tär noch tun kön­nen? An sei­nen Rän­dern ent­stan­den merk­wür­di­ge Ver­schwö­rungs­nes­ter von ul­tra­na­tio­na­lis­ti­schen Of­fi­zie­ren der mitt­le­ren Ränge, deren Be­deu­tung als so­ge­nann­tes Er­ge­ne­kon-Kom­plott von Erdoğan maß­los über­trie­ben wurde, was nicht zu­letzt, durch Fäl­schun­gen von mut­maß­lich gü­len­treu­en Staats­an­wäl­ten und Rich­tern, zur Ver­ur­tei­lung auch hoch­ran­gi­ger Mi­li­tärs in den Jah­ren 2007 bis 2012 führ­te. Dass das Mi­li­tär da­mals nicht ge­putscht hat, kann nur daran lie­gen, dass der Ge­ne­ral­stab das Ri­si­ko scheu­te, einen un­ge­heu­er po­pu­lä­ren Mi­nis­ter­prä­si­den­ten zu stür­zen und damit einem ge­hass­ten Re­gime vor­zu­ste­hen, für des­sen zwin­gen­den Miss­er­folg es hätte ein­ste­hen müs­sen. Im Jahr 1960 gab es noch um den Ata­türk-Nach­fol­ger Ismet Inönü ge­schar­te ideo­lo­gisch über­zeug­te, am Re­form-Ke­ma­lis­mus fest­hal­ten­de Ge­ne­rä­le, die sogar einen Plan für die Zeit nach dem Putsch hat­ten. 1971 und 1980 war da­ge­gen vom Re­form-Ke­ma­lis­mus kaum mehr als die Fas­sa­de übrig. Die Put­sche fan­den statt, weil es an­ge­sichts der in­ne­ren Un­ru­hen gute Aus­sich­ten für das Mi­li­tär gab, sich als Wah­rer der Ord­nung po­pu­lär in Szene zu set­zen. Aber 2007, auf dem Hö­he­punkt der Er­ge­ne­kon-Af­fä­re, oder gar 2016 be­stand keine Aus­sicht mehr auf nen­nens­wer­ten Zu­spruch aus der Be­völ­ke­rung.

Die ge­le­gent­lich von lin­ken und links­ke­ma­lis­ti­schen Krei­sen auf­ge­wor­fe­ne Frage, ob denn am 15.7.2016 ein Putsch über­haupt statt­ge­fun­den habe, ist ein­fach zu be­ant­wor­ten: Ein Putsch war es nicht, aber ein bit­ter ernst ge­mein­ter Putsch­ver­such – alles an­de­re ge­hört in die Welt der Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Er muss­te schei­tern, weil die ent­schei­den­den Ge­ne­rä­le mit ganz we­ni­gen Aus­nah­men ihn nicht un­ter­stüt­zen woll­ten. Selbst wenn es ge­lun­gen wäre, Erdoğan wie vor­ge­se­hen zu li­qui­die­ren, hätte der von den Put­schis­ten er­hoff­te Erd­rutsch im Mi­li­tär wohl nicht statt­ge­fun­den. Dar­über, ob die Put­schis­ten nun Gü­le­nis­ten waren, kann man na­tür­lich nur spe­ku­lie­ren, denn über das Ge­sche­hen am 15.7.2016 ist im Grun­de fast gar nichts be­kannt. Je­den­falls gibt es keine Hin­wei­se dar­auf, dass Gülen mit der Macht­über­nah­me ge­spielt haben könn­te, und selbst wenn es so ge­we­sen wäre, wüss­te man nicht, wer die Gü­le­nis­ten im Mi­li­tär ei­gent­lich ge­we­sen sein sol­len. Al­ler­dings ist das sei­nes ideo­lo­gi­schen Zen­trums längst be­raub­te Mi­li­tär für man­cher­lei Ein­flüs­se offen ge­we­sen. Der Put­schis­ten­er­klä­rung ist nicht viel zu ent­neh­men, außer, dass die aben­teu­er­li­che Au­ßen­po­li­tik Erdoğans ihnen wohl zu­wi­der war. Wel­ches Recht und wel­che Ord­nung sie wie­der ein­set­zen woll­ten, ist un­klar. Sehr wahr­schein­lich ist, dass viele im Mi­li­tär die fi­na­le De­mü­ti­gung und eben auch Ent­mach­tung im Zu­sam­men­hang mit Er­ge­ne­kon nie ver­wun­den hat­ten. Al­ler­dings sind die bis 2012 ver­ur­teil­ten Of­fi­zie­re bis hin­auf zum Ge­ne­ral­stabs­chef a.D. Ilker Başbuğ schon zwei Jahre spä­ter wie­der auf frei­en Fuß ge­setzt wor­den, und im April 2016 wur­den sämt­li­che 275 Ur­tei­le auf­ge­ho­ben. Warum hät­ten Mi­li­tärs, die von Erdoğan aus­drück­lich gegen Gülen re­ha­bi­li­tiert wur­den, mit Gülen einen Putsch ver­an­stal­ten sol­len? Zumal die Gü­len-Leu­te in Jus­tiz und Ge­heim­dienst eine be­deu­ten­de Rolle im Ver­fah­ren spiel­ten. An­de­rer­seits waren bis 2013 Gülen und Erdoğan Ver­bün­de­te, kein Of­fi­zier konn­te glau­ben, dass Erdoğan nicht seine Hand bei die­sen Schau­pro­zes­sen im Spiel hatte. Erdoğan war nur klug genug, die Pro­vo­ka­ti­on zu mä­ßi­gen und seine is­la­mis­ti­schen po­li­ti­schen Geg­ner für die von ihm sel­ber maß­geb­lich zu ver­ant­wor­ten­de De­mü­ti­gung des Mi­li­tärs blu­ten zu las­sen, womit er einen halb­wegs an­nehm­ba­ren Burg­frie­den mit dem er­schöpf­ten Of­fi­ziers­korps her­stel­len konn­te.

Erdoğan vernichtet die Gülen-Terroristen

Erdoğan hatte seine er­klär­ten Geg­ner aus dem de­mo­kra­ti­schen Lager, die glaub­ten, ihn und seine Par­tei mit immer neuen Ent­hül­lun­gen über die Gü­len­be­we­gung und ihre ver­schwö­re­ri­sche Wühl­ar­beit in Be­dräng­nis brin­gen zu kön­nen, ver­un­si­chert, indem er damit be­gann, deren For­de­rung nach Zer­schla­gung genau die­ser Be­we­gung um­zu­set­zen, und nach dem Putsch einen wah­ren Ra­che­feld­zug ver­anstaltete. Und doch: Eine FETÖ, also Fe­thul­lahçı Terör Ör­gütü, eine ter­ro­ris­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on der Gü­le­nis­ten, gab und gibt es ge­nau­so­we­nig wie eine im glei­chen Atem­zug gerne ge­nann­te Be­we­gung na­mens PDY, also Par­a­l­el Dev­let Yapılan­ması, was so etwas wie Par­al­lel­staats­struk­tur im Auf­bau be­deu­tet und stär­ker die ke­ma­lis­ti­sche Va­ri­an­te der Gü­len-Pa­ra­noia be­dient.

Was zwi­schen Erdoğan und Gülen wirk­­lich zum Bruch führ­te, ist ei­gent­lich un­er­heb­lich. In der Ziel­set­zung, also der nach­hal­ti­gen Is­la­mi­sie­rung der Tür­kei, waren sie sich immer einig. Auch wenn Gü­lens An­ti-Er­doğan-Kam­pa­gne eine hef­ti­ge Kri­tik an des­sen Vor­ge­hen im Zu­sam­men­hang mit der Ga­za-Flot­til­le um das Schiff Mavi Mar­ma­ra be­inhal­te­te, gibt es genug Be­le­ge, dass er der glei­che kno­chen­har­te An­ti­se­mit aus der Erbakan-Schu­le ist wie sein spä­te­rer Feind. Sie waren ein­fach Kon­kur­ren­ten um die Macht – jeder für sich un­um­strit­te­ner Herr­scher über seine Ge­folg­schaft –, und der Ent­fern­te­re und nicht un­mit­tel­bar Wirk­mäch­ti­ge sah sich wohl um sei­nen An­teil be­tro­gen.

Gülen war bis zu einem ge­wis­sen Grad wirk­lich ein Ver­schwö­rer. Was ihn groß ge­macht hat, die In­fil­trie­rung der Ap­pa­ra­te und die star­ke Be­ein­flus­sung des Bil­dungs­we­sens, war not­wen­di­ge Flan­kie­rung von Erdoğans Po­pu­lis­mus und muss­te ihm trotz­dem ir­gend­wann das Ge­nick bre­chen. Der sieg­rei­che Erdoğan brauch­te keine im ver­bor­ge­nen ar­bei­ten­de Or­ga­ni­sa­ti­on mehr, ein sol­ches Ka­der­netz wäre auch nie ganz kon­trol­lier­bar und ir­gend­wann ge­fähr­lich ge­wor­den: für ihn per­sön­lich und seine Macht in der Par­tei, mehr aber noch für seine Macht über die Tür­ken, die er am Un­ver­däch­tigs­ten als der im Of­fe­nen agie­ren­de Volks­tri­bun aus­üben konn­te. Den Gü­le­nis­ten haf­te­te etwas Eli­tä­res und damit Dün­kel­haf­tes an, ihr is­la­mis­ti­scher Staat ist der Staat einer durch Ein­ge­weiht­sein und Ver­bin­dun­gen aus­ge­zeich­ne­ten Elite und damit ein frat­zen­haf­ter Wie­der­gän­ger der alten ke­ma­lis­ti­schen Kader. Erdoğan da­ge­gen ist an­ders als Gülen wahr­haft ega­li­tär und an­ders als die Ke­ma­lis­ten wahr­haft lai­zis­tisch. Er macht wie die Ke­ma­lis­ten die Re­li­gi­on dem Staat dienst­bar, der in der Struk­tur vom ke­ma­lis­ti­schen sich kaum un­ter­schei­den würde – wäre da nicht ein Au­to­ma­tis­mus ein­ge­baut, der zur ple­bis­zi­tä­ren Ent­fes­se­lung der Mas­sen drängt. Er ruft das halk dazu auf, in sei­ner auf Mas­sen­mord und der Dro­hung mit Mas­sen­mord auf­ru­hen­den Ur­sprüng­lich­keit wie­der zu sich selbst zu kom­men und be­sei­tigt alle auch rechts­staat­li­chen Hemm­nis­se und fal­schen Rück­sichts­nah­men, wel­che die Ke­ma­lis­ten ihm zum Scha­den der Re­pu­blik auf­er­legt hat­ten.

Heute, das heißt im Fe­bru­ar 2017 und nicht mehr im Juli 2016, ist das, woran ei­gent­lich nie einer ge­glaubt hat, die bür­ger­li­che Na­ti­on, Ver­gan­gen­heit. Gegen sie hat das Volk zu sich selbst ge­fun­den. Das Ter­ri­to­ri­um ist ge­nau­so offen wie die Ei­gen­tums­fra­ge. Ab­ge­schlos­sen ist da­ge­gen jede De­bat­te über die Zu­ge­hö­rig­keit eben nicht zur Na­ti­on, son­dern zum Volk. Lan­des­gren­zen gibt es nicht mehr – Mos­sul und Alep­po ge­hö­ren nach of­fi­ziö­sen Land­kar­ten wie­der dazu, ge­nau­so wie die vor­ge­la­ger­ten grie­chi­schen In­seln. Doch auch diese Maß­lo­sig­keit gibt im Grun­de nur das ke­ma­lis­ti­sche Res­sen­ti­ment gegen das tür­ki­sche Ver­sailles wie­der, den Ver­trag von Lau­sanne von 1923 also, der die der­zeit noch be­ste­hen­den Lan­des­gren­zen fest­schreibt und den man im In­ne­ren schon 1955 re­vi­diert hatte, als die Grie­chen aus Is­tan­bul ver­trie­ben wur­den.

Grenzenloses Türkentum

Was die Na­ti­on ver­spricht, feste Gren­zen nach außen, die auch die ter­ri­to­ria­le Sa­tu­riert­heit sym­bo­li­sie­ren, sind ge­nau­so ge­fal­len wie der Schutz des Ei­gen­tums: Seit Mo­na­ten wer­den in einem seit 1923 nicht mehr ge­kann­ten Aus­maß Privat­personen und Per­so­nen des bür­ger­li­chen Rechts ent­eig­net. Das meint nicht nur die re­gie­rungs­kri­ti­schen Zei­tun­gen und Sen­der, son­dern weit mehr das Ver­mö­gen von wirk­li­chen oder ein­ge­bil­de­ten Fe­thul­lah­cis, dar­un­ter Be­trie­be mit mehr als tau­send An­ge­stell­ten. Die Zwangs­ver­wal­ter sind Erdoğan-Ge­treue, denen das Ver­mö­gen letzt­lich zu­fal­len wird, gegen eine Ab­ga­be an den Staat ver­mut­lich. Diese gi­gan­ti­sche Welle der Ent­eig­nun­gen – die mit der Rui­nie­rung der Exis­ten­zen von schon jetzt über 100.000 Per­so­nen ein­her­geht, die aus dem Staats­dienst ent­las­sen wur­den – ist das Si­gnal an jeden: Bilde dir nicht zu viel ein auf das von dir An­ge­häuf­te, Er­wirt­schaf­te­te, Er­erb­te; der Staat kann sich neh­men, was und wann er will und das ohne jede Rück­sicht­nah­me auf Ka­pi­tal­in­ter­es­sen.

Der letz­te und nun­mehr für den Staat im her­kömm­li­chen Sinn wo­mög­lich fa­ta­le Schritt der Po­li­tik der of­fe­nen Gren­zen ist die we­nigs­tens par­ti­el­le Schlei­fung des Ge­walt­mo­no­pols. Erdoğans Man­nen rufen auf zur Volks­be­waff­nung: „Erdoğan Bektaş, Gou­ver­neur von Rize an der öst­li­chen tür­ki­schen Schwarz­meer­küs­te, sagte, dass eine Viel­zahl re­gis­trier­ter Waf­fen an ‚Spen­der‘ aus­ge­lie­fert wer­den. Er ver­gleicht seine Amts­zeit mit sei­ner Ar­beit als Gou­ver­neur in der ägäi­schen Stadt Ma­ni­sa: ‚Ich habe hier in drei Mo­na­ten fünf­mal so viele Waf­fen aus­ge­lie­fert wie in Ma­ni­sa in­ner­halb von zwei Jah­ren‘. Er würde den Be­woh­nern per­sön­lich Schuss­waf­fen brin­gen, ‚soll­te es einen neuen Putsch­ver­such geben.’“ (SZ, 28.10.2016)

Wie­der tra­ten staat­li­che Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen in Er­schei­nung, die teil­wei­se zu­rück­ge­pfif­fen wer­den: „Die einer Miliz äh­neln­de Or­ga­ni­sa­ti­on ‚Os­ma­ni­sche Ein­heit 1453‘, deren Name sich auf das Datum der Er­obe­rung Kon­stan­ti­no­pels be­zieht, sprach schnell ihre Un­ter­stüt­zung aus, nach­dem der Hash­tag #AK­Si­lahl­an­ma (AKAuf­rüs­tung) in den so­zia­len Net­zen auf­ge­taucht war. Ihr An­füh­rer Emin Can­po­lat schrieb: ‚Dies ist ein Auf­ruf an alle Brü­der. Be­waff­net Euch für das Va­ter­land, für die Flag­ge und für Erdoğan‘ und fügte hinzu: ‚Wir wer­den ster­ben und töten für Erdoğan‘. Der Hash­tag ver­brei­te­te sich schnell. Im Netz hieß es: ‚Wir sind be­reit, bis aufs Blut zu kämp­fen. Das Mär­ty­rer­tum ist unser hei­li­ges Ziel!’“ (ebd.)

Hat­ten die Ke­ma­lis­ten alter Schu­le bis 1960 noch die Ge­fahr, die für sie aus der ge­stärk­ten Re­li­gi­on des Vol­kes er­wach­sen könn­te, er­kannt und den Neu­bau von Mo­sche­en weit­ge­hend un­ter­bun­den, sind die vor allem in den Jah­ren nach 1980 ca. 50.000 er­bau­ten neuen Mo­sche­en die ei­gent­li­che Basis für die neue Re­pu­blik. Ihre to­ta­li­tä­re Funk­ti­on, durch Bann­mei­len gegen z.B. Al­ko­hol­ver­kauf und dau­ern­des Laut­spre­cher­ge­plärr in Form der Ge­bets­ru­fe zur Zu­rich­tung aller bei­zu­tra­gen, hat­ten sie längst schon flä­chen­de­ckend er­füllt. In der Nacht des Putsch­ver­suchs über­nah­men sie eine neue Auf­ga­be: Sie rie­fen zeit­gleich und lan­des­weit das ganze halk dazu auf, sei­nen Füh­rer auf der Stra­ße zu ver­tei­di­gen. Daran lässt sich an­knüp­fen: „Das Prä­si­di­um für Re­li­gi­ons­an­ge­le­gen­hei­ten (Diya­net), die höchs­te is­la­mi­sche Au­to­ri­tät des Lan­des, die of­fen­bar die Schutz­funk­ti­on des Mi­li­tärs über­nom­men hat, er­klär­te, sie habe neue ‚Ju­gend­ein­hei­ten‘ in den Mo­sche­en des Lan­des ein­ge­rich­tet. Yaşar Yiğit, einer der höch­sten Ver­tre­ter von Diya­net ver­kün­de­te: ‚Wir wol­len in 45.000 von 85.000 Mo­sche­en Ju­gend­ein­hei­ten ein­rich­ten. Wenn Gott will, haben wir im Jahr 2021 20.000 davon ge­schafft.’“ (SZ, 28.10.2016)

Ein altes Lied klingt an: „Die Mi­na­ret­te un­se­re Ba­jo­net­te, die Kup­peln un­se­re Helme // Die Mo­sche­en un­se­re Ka­ser­nen, die Gläu­bi­gen un­se­re Sol­da­ten // Die gött­li­che Armee ist be­reit“, diese Verse schmie­de­te der Chef­ideo­lo­ge des jung­tür­kisch in­spi­rier­ten Tür­ken­tums Ziya Gö­kalp (1876–1924) be­reits 1913 als völ­ki­schen Kampf­auf­ruf an das is­la­mi­sche halk im letz­ten Bal­kan­krieg. Man­gels au­ßen­po­li­ti­scher Op­tio­nen rich­tet sich die­ser Ap­pell heute an die Ein­heit gegen einen längst be­sieg­ten Feind im In­ne­ren, der aber im Ver­bor­ge­nen wei­ter wühlt. Diese Zei­len sind Erdoğans Kampf­auf­ruf gegen den Sä­ku­la­ris­mus, für den er vor über zwan­zig Jah­ren sogar eine Weile im Ge­fäng­nis saß und über den er seit der Neu­jahrs­nacht 2017 nicht mehr froh wird. Erdoğans zur Zeit der Ge­zi-Pro­tes­te im Jahr 2013 an das sä­ku­la­re Lager ge­rich­te­te höh­ni­sche Dro­hung, hin­ter ihm stün­den 50 Pro­zent der Tür­ken, die er nur noch schwer zu­rück­hal­ten könne, ist Rea­li­tät ge­wor­den. Der ein­mal in Stel­lung ge­brach­ten gött­li­chen Armee aus den Mo­sche­en ver­mag kein Diya­net-Mi­nis­te­ri­um und auch kein ge­lieb­ter Füh­rer mehr eine „mo­dera­te“ Rich­tung vor­zu­ge­ben, ge­schwei­ge denn Ein­halt zu ge­bie­ten. Aus dem Rufer ist ein Ge­trie­be­ner ge­wor­den.

Jus­tus Wert­mül­ler (Ba­ha­mas 75/2017)

Die deutsche Politik hat den Dachverband der türkisch-islamischen Moscheen, DITIB, als ihren offiziellen Ansprechpartner für Religionsfragen und Integration auserwählt und scheint trotz der seit Jahren von vielen Seiten geäußerten Kritik, der Verein sei das Sprachrohr von Präsident Erdogan und habe Spitzel in seinen Reihen, unverbrüchlich an der Institution festzuhalten. Fakt ist: Der Verband untersteht der türkischen Religionsbehörde DIYANET und diese direkt der türkischen Regierung. Die Moschee-Vorsitzenden sind also türkische Staatsbeamte. Hunderte in der Türkei ausgebildete und bezahlte Imame – die FAZ spricht von 970 – verbreiten in 900 DITIB-Moscheen in Deutschland ihre Ideologie.

Hamburg und Bremen haben bereits Verträge mit dem Dachverband abgeschlossen. Den Religionsgemeinschaften werden darin Rechte zugesprochen, wie sie auch christlichen Kirchen zustehen: u.a. der Bau von Moscheen, die Erteilung islamischen Religionsunterrichts und Bestattungen nach islamischem Ritus. Im Gegenzug bekennt sich der Verband ausdrücklich zur „grundgesetzlichen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere zur Unantastbarkeit der Menschenwürde, der Geltung der Grundrechte, der Völkerverständigung und der Toleranz gegenüber anderen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen“, heißt es im Vertrag mit dem Hamburger Senat. Schöne Worte. Der Dachverband gibt sich denn auch nach außen hin stets hochseriös; man bekennt sich bei jeder Gelegenheit zur „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“.

Deutliche Kritik in Panorama 3 vom 21.02.17

Als ich vor einigen Tagen Panorama 3 einschaltete, hatte ich das Gefühl, ich lebte in besseren Zeiten, in denen man die Dinge noch beim Namen nennen konnte. Schauplatz Hamburg-Wilhelmsburg vor der Muradiye-Moschee. Der Vorsitzende Ishak Kocaman wird mit einigen seiner Facebook-Eintragungen konfrontiert: „Demokratie ist für uns nicht bindend“, schreibt er da. „Uns bindet Allahs Buch, der Koran.“ (Also die Scharia.) Und an anderer Stelle: „Ich spucke auf das Gesicht der Türken und Kurden, die nicht islamisch leben. Welchen Wert haben sie schon, wenn sie keine Muslime sind.“ (Adieu Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen.)

Kocamans Antwort-Gestammel muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: „Wir müssen miteinander kooperieren. Wir müssen zusammenleben, und das andere ist unnötig. Ich poste ja nicht andauernd immer solche Sachen im Endeffekt. Wenn ich arbeite, wenn man in den Medien sieht, was in letzter Zeit so passiert. Ist ja emotional. Ist ja normal. Ich rede manchmal, ja. Was weiß ich.“

Teil 3 unser Tagesserie: Wie leben mit dem Islam?

Ein Post von einer Gruppe junger Pilger auf einer von DITIB-Nord organisierten Reise nach Mekka zeigt u. a. Erdogan als Kämpfer auf einem Pferd reitend mit dem Kommentar:

„Mein Führer, gibt uns den Befehl, und wir zerschlagen Deutschland!“

Starker Tobak! Der Imam lacht, tut ganz unwissend. Ja, er kennt den jungen Mann, der das gepostet hat. Aber

„das sind absurde Sachen. Die Tatsachen sind anders, und da passen wir schon auf.“

Dann sind wir ja beruhigt. Dennoch: Annetta Kahane und ihre Truppe sollten vielleicht doch ab und zu auch mal  einen Blick in die Facebook-Einträge der Moschee-Anhänger werfen.

Einige in unserem Land scheinen immer noch keine Ahnung von der im Koran erlaubten und im Islam praktizierten Verstellungstechnik, dem Doppelsprech der „Taqiya“ zu haben, nach der es in prekären Situationen  erlaubt ist, rituelle Pflichten zu missachten und sein wirkliches Denken zu verheimlichen. Allerdings ist Iman Kocaman nun wohl keiner, der diese Technik besonders geschliffen beherrscht.

DITIB-Nord war das auf Panorama 3 Gezeigte denn auch doch wohl des „Guten“ zu viel, denn inzwischen ist der DITIB-Funktionär zurückgetreten (worden?) und bedauert, dass durch einen „aus dem Kontext geratenen Text“ ein Eindruck entstanden sei, der ihn und den Verband „in einem falschen Licht“ stehen lasse.

Liberale Muslime auf verlorenem Posten?

Was ihre angebliche Vorverurteilung betrifft, haben sich die Verbände und ihre Funktionäre ein breites plakatives Vokabular angeeignet. Ständig erklären sie sich als Opfer der Gesellschaft, an den Pranger gestellt, diskriminiert und missverstanden. Doch konkret Stellung nehmen sie nie. Sie jammern nur.

Der allgegenwärtige Vorsitzende des Zentralrats der Muslime Deutschlands Ayman Mazyek präsentiert sich auch als so ein Daueropfer. Er kann sich nur gewählter ausdrücken als Imam Ishak Kocaman in Hamburg-Wilhelmsburg. Laut taz spricht er von einem ungerechten „Misstrauensdiskurs“ und einem „Extremismusvorbehalt“. Die Anerkennung der islamischen Religionsgemeinschaften sei ein „Anspruch“, der sich aus dem Grundgesetz ableite und deshalb notfalls auch eingeklagt werden könne. Die Autorin Sineb El Masrar hat beim Zentralrat der Muslime „Sehr viel Ideologie der Muslimbruderschaft“ entdeckt, und die Integrationsbeauftragte der Partei Die Linke, Sevim Dagdelen wird noch deutlicher, wenn sie sagt: „Mit der Islamkonferenz hofiert die Bundesregierung ausgerechnet reaktionäre islamistische Kräfte, statt liberale Muslime zu stärken.“

Deutschlands Institutionen paktieren mit Fundamentalisten

Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad hat drei Jahre lang im Rahmen dieser vor zehn Jahren für eine bessere Verständigung zwischen Muslimen und Politik gegründeten „Islamkonferenz“ versucht, den Innenminister und seinen Stab davon zu überzeugen, dass die konservativen Verbände sich in Deutschland nicht institutionalisieren dürften. Dass sie nicht noch mehr Macht, mehr Einfluss und mehr Zugang zu Steuergeldern bekommen und mit Religion Politik machen sollten. Seiner Meinung nach führt das zu Parallelgesellschaften und besonders auch zu einer Vereinnahmung der meist moderaten Muslime, die einfach nur ihr Leben führen und nicht gegängelt werden wollten.

Auch die Wissenschaftler Abel-Hakim Ourghi und Bassam Tibi, der Psychologe Ahmad Mansour – um nur einige zu nennen – sind Vertreter eines humanistischen, aufgeklärten Islam. Sie werden viel zu selten gehört. Man fragt sich, wie lange die Politik noch die Ohren verschließen und die reaktionären Islamverbände wider alle Vernunft als Partner bei der „Integration“ behandeln will. Man kommentiert und kritisiert immer nur mit Worten – von Handlungen ist nichts bekannt. Die Bundesregierung mahnt zwar wieder einmal die Türken: „Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass alle Beteiligten sicherstellen werden, dass nicht innertürkische Konflikte auf deutschem Boden ausgetragen werden“, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert. Kann er eigentlich seine eigenen leeren Worte noch hören? Bei solchen Tönen klappen die Gemeinten doch gleich die Ohren zu – wenn sie überhaupt noch auf irgendetwas hinhören.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s