Über Marxismus und Psychoanalyse in Zeiten sexueller Konterrevolution

Buchvorstellung & Diskussion in Berlin

Am Dienstag, den 28. Februar 2017
Laidak, Boddinstraße 42/43, Berlin

Über Marxismus und Psychoanalyse in Zeiten sexueller Konterrevolution

mit Uli Krug

Freuds Psy­cho­ana­ly­se gilt seit lan­gem min­des­tens als ob­so­let, wenn nicht gleich als Fall für die po­li­tisch-wis­sen­schaft­li­che As­ser­va­ten­kam­mer: ver­al­tet, un­his­to­risch, euro-, phal­lo- und an­dro­zen­trisch. Diese idio­syn­kra­ti­sche Re­ak­ti­on gälte es eher als Re­ak­ti­on auf den nach wie vor ver­stö­ren­den Wahr­heits­ge­halt von Freuds Kul­tur­deu­tun­gen zu er­ken­nen. Warum die Psy­cho­ana­ly­se zum Kern der Kri­ti­schen Theo­rie rech­net, was die Kri­tik der see­li­schen Öko­no­mie mit Mar­xens Kri­tik der po­li­ti­schen Öko­no­mie ver­bin­det und warum der Ver­zicht auf psy­cho­ana­ly­ti­sche Er­kennt­nis zeit­ge­nös­si­sche Theo­rie­mo­den so an­fäl­lig für (anti-)se­xu­el­le Pro­jek­tio­nen macht und sie ins­ge­samt ver­blö­den lässt – das sind The­men des Bu­ches “Der Wert und das Es” von Uli Krug, aus dem der Autor lesen wird.

Buchansicht

Uli Krug

Der Wert und das Es

Über Marxismus und Psychoanalyse in Zeiten sexueller Konterrevolution

November 2016, 112 Seiten, 10 €, ISBN: 978-3-86259-124-4

Nur eine einzige Parallele läßt sich zwischen Marx und Freud ziehen: Die Denunziation eines übersubjektiven Zwanges, der sich doch nur in subjektivem Handeln auszudrücken vermag. So wie die Kritik der Politischen Ökonomie das kapitale Subjekt als „Charaktermaske“ eines unsichtbaren Zwanges denunziert hatte – in der revolutionären Hoffnung, daß kritischer Begriff vom Subjekt und die kritisierte Subjektivität nicht unmittelbar identisch seien –, so legt die Kritik der seelischen Ökonomie das Zwanghaft-Unbewußte am vorgeblich freien Willen des Individuums bloß – in der therapeutischen Hoffnung, daß seelische Regression ein rückgängig zu machendes je einzelnes Schicksal sei. In dem Maße aber, wie die steigende organische Zusammensetzung des Kapitals den politi­schen Zwangscharakter der Subjektivität befestigt, steigt auch das Maß der Zwanghaftigkeit des Subjekts: Äußerlich verliert das Rechtssubjekt die – schon immer limitierte – autonome Kontrolle über sein Schicksal, wird zum Teil der Gefolgschaft des autoritären Staates, innerlich verliert das Ich die – schon immer limitierte – Kontrolle über die unmittelbaren Zwänge des Es: „Für die soziale Realität ist in der Epoche der Konzentrations­lager Kastration charakteristischer als Konkurrenz“ (Adorno).

Der Zügellosigkeit der öffentlichen Feindkampagnen wie der Willkür des Staates ist mit der Unterstellung eines kühl berechnenden bürgerlichen Subjekts nicht beizukommen. Überhaupt darf Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, mit dem Antisemitis­mus, mit Deutschland, den Deutschen und denen, die ihnen nacheifern, nicht so tun, als ob die Wendung von Gesellschaft zu Racket und Rasse im Indivi­duum Kategorien wie Interesse und ­Bewußtsein in Kraft belassen hätte. In der Rearchaisierung der Gesellschaft rearchaisiert auch das Subjekt. Wo Ich war, wird Ich-Libido, herrscht Es.

Aus dem Inhalt

  • Fremde Nähe
  • Etatistische Infantilisierung
  • Feindbild Freud: Die dritte Kränkung
  • Marx und Freud: Das Ich, das Es und das Subjekt des Tausches
  • Marxismus und Psychoanalyse: Die Austreibung des Unbewußten
  • Narzißmus, Judenhaß, Ich-Libido
  • Literatur

http://www.ca-ira.net/verlag/buecher/krug-wert.es.php

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