In den USA wurde ein neuer Präsident ins Amt gewählt, und der heißt Donald Trump. Seither geht für die Deutschen die Welt unter

Weltuntergang ist erst wirklich schön, wenn alle gleichzeitig hysterisch schluchzen, kreischen und Schlimmeres tun – vielleicht erklärt das die kollektive Absenz von Vernunft und Maß in der deutschen Medienlandschaft.

Deutsche Medien haben derzeit erhöhten Unterhaltungswert mit einem deutlichen Ausschlag ins Bizzare. Man muss sie nur lesen. „In jedem Leben kommen die Momente, in denen es gilt. Dann zeigt sich der Charakter, Wichtiges trennt sich vom Unwichtigen, und bald fallen jene Entscheidungen, die den weiteren Weg bestimmen ein solcher Moment nähert sich, schreibt beispielsweise Klaus Brinkbäumer, Chefredakteur des SPIEGEL.

Mein Gott, was ist passiert? Schwere Erkrankung, oder fehlt ein Punkt beim NC? Der rundum versorgte Kollege blickt in den Abgrund. Aber es geht noch mehr: Marschieren SA und SS durch die Straßen der USA und werfen die Scheiben von jüdischen Geschäften ein? Werden KZs eröffnet? Ziemlich weit weg, also rein geografisch, was aber im Jet-Zeitalter nicht so viel ausmacht. Wird die Bundeswehr mobilisiert? Die letzten Leoparden der Bundeswehr mit dem letzten Tropfen Sprit betankt für die erneute Weltverbesserung Made in Germany? Das fragt sich, wer die Sprüche liest.

Denn: In den USA wurde ein neuer Präsident ins Amt gewählt, und der heißt Donald Trump. Seither geht die Welt unter? Jedenfalls beim Spiegel und in anderen Redaktionen. Nur völlig abgebrühte Uraltkollegen denken: Den mag man mögen, blöd finden, verabscheuen, bitteschön jeder, wie er will. Ich mag ihn auch nicht – finde vieles kritik- wie fragwürdig. Aber gleich so?

Was soll dieses Trump-ante-Portas-Trompeten?

Brinkbäumer: „Deutschland wird sich gegen den 45. Präsidenten der USA und dessen Regierung stellen müssen.Das klingt doch, und wie! Kriegserklärung, Schwarz gegen Weiß, Gut gegen Böse. Endlich mal Ernst beim Spiegel, endlich groß, endlich tiefschürfend, Wagner spielt und Schicksal dräut zum Latte Macchiato?

Ehrlich gesagt: Da möchte ich nicht dabei sein. Und deshalb, Lieber Herr Kollege, möchte man fragen, was haben Sie denn geraucht beim Schreiben? Schicken wir jetzt U-Boote gen New York oder wenigstens gegen Engeland, das uns verraten hat, dieses perfide Albion? Die den Brexit wagten und Händchenhalten mit dem bösen, bösen Trump? In der taz sehen sie wohl Mord als neuerdings wieder legitimes Mittel der Politik, wenn sie in einem Beitrag über Möglichkeiten der Amtsenthebung übergangslos „Mord als wirksamstes Mittel“ anführen. Ja, der gute Tyrannenmord. Habt ihr schon mal einen echten Tyrannen gesehen, liebe Kinder von der taz? Ich könnte Euch da ein paar nennen.

Die Erklärung liefert die WirtschaftsWoche, da muss diese frühere liberale Stimme auch gleich noch was drauflegen wg. Benchmark SPIEGEL, was zugegebenermaßen gar nicht so einfach ist: Einer in der Chefredaktion zieht da gleich die Parallele von Trumps Wahl zu Hitlers Machtergreifung, wo „Andersgläubige aus dem Land gejagt wurden.

Gedanken bei einem inakzeptablen Titelbild

Junge, Junge, „Andersgläubige“? Es waren Juden, und es ging nicht um Religion, sondern Rassenwahn. Es ging damals nicht wie heute um auf auf 90 (!) Tage (!) befristete Einreiseverbote für Staatsangehörige einiger Staaten in kritischem Zustand, sondern um sechs Millionen vergaste Juden, Sinti und Roma. Bei so viel Geschichtsvergessenheit und Holocaust-Verniedlichung schämt man sich der eigenen Biographie bei der

WirtschaftsWoche

, deren Chefredakteur ich vor vielen, vielen Jahren mal war, darauf muss ich aus Gründen der Selbstachtung bestehen.

Mit den Sicherungen knallen auch die Kategorien durch, und die Verharmlosung des Holocausts geht da schnell ins Netz bei der WiWo. Man merkt, dass der stellvertretende Chefredakteur Ollie Stock nicht begriffen hat, was NS bedeutet, dass der Holocaust etwas war, worüber die Tante Lehrerin geredet hat, während Ollie aus Spucke und Löschpapier Pappmaschee-Kügelchen für seine Strohhalmpistole gemanscht hat, was er schreiberisch noch heute tut.

Und so geht es Blatt auf, Blatt ab. Das Handelsblatt, das Abitur von Kanzlerkandidaten fordert, aber nicht Verstand von Herausgebern, bemüht Tiervergleiche, die seit Stürmer-Zeiten tabu sind und stellt die Analogie zum Gorilla her. Die Süddeutsche Zeitung stellt auf der Seite Eins die Frage, wie man Trump jetzt stoppen könnte – endlich ist Journalismus aktiv, ergreift nicht nur verbal Partei, sondern ruft zur Tat. Junge, Junge, denkt ihr noch oder schreibt ihr bloß? Und wart ihr in Sachen Trump schon früher so hellsichtig?

Neuerdings dürfen also Superwutbürger im Namen der Chefredakteure in „Mainstream“-Medien schreiben, und diese „superbesorgten Bürger“ bäumen sich wegen einer Wahl auf – und greifen in ihrer Geschichtsgrabbelkiste aber so was von daneben. Man merkt zu schnell, wie dünn das Brett ist, das sie bohren. Und wie verengt ihr Horizont.

Man könnte ja lachen, aber man sollte trotzdem die Frage stellen: Was geht da ab in den Kleinhirnen? Was schreibt ihr eigentlich, wenn es wirklich mal Ernst wird? Muss jetzt raus, was sich in Eurem Seelengehäuse aufgestaut hat an Wut und Frust, weil ihr so schweigsam wart bei all´ den kleinen Demontagen der Demokratie und des Rechtsstaats, den Attentaten, den ganzen Schwindeleien? „Lügenpresse“ passt nicht: Das setzte Vorsatz voraus, absichtsvolles Schreibhandeln. Bei dem, was hier passiert, spiegelt sich nur dumpfes Nicht-Wissen. Es ist Lach-Presse.

Aber klar, nachdem jeder, der anderer Meinung ist, als „Nazi“, „besorgter Bürger“ oder „Neu-Rechter“ abgetan werden musste, sind die Schimpfwörter aufgebraucht. In der Meute versucht jeder den anderen zu überheulen. Weil die Erregungskurven immer steiler ansteigen und immer schneller abfallen, braucht es offensichtlich immer neue, noch überzogeneres Erregen. Unter „Drittes Reich“ und „Nazi“ geht gar nicht mehr; immerhin hat der Spiegel ja mit seinem Titelbild von Trump als zerstörerischem Kometen einen Weltuntergang schon erfolgreich überlebt.

Erregung ist ja lächerlich, wenn man sich alleine aufregt, wie man an all den Weltuntergangspredigern sieht, die in Fußgängerzonen gelegentlich auftauchen: Weltuntergang ist erst wirklich schön, wenn alle gleichzeitig hysterisch schluchzen, kreischen und schlimmere Dinge tun – vielleicht erklärt das die kollektive Absenz von Vernunft und Maß in der deutschen Medienlandschaft.

All den Weltuntergangsdramatikern und ängstlichen Schreiberlingen und seufzenden Sonnenuntergangsrührselighanseln sei ein Gedicht von Heinrich Heine anempfohlen, der schon wusste: Heute geht mit Trump die Sonne unter – aber morgen wieder auf.

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Lieber Kollege Brinkbäumer, Sie haben mit Ihrer nachträglichen Rechtfertigung die Sache nur schlimmer gemacht. Lesen Sie Heine. Das hilft bei der Dimensionierung. Und, lieber SPIEGEL, die Kollegen von der BILD, sind da schon weiter mit dem Erregungsmanagement. Gehen Sie mal da in die Lehre.

Erziehung durch Angstmachen ist immer falsch, egal mit Angst wovor. Souveräner und intelligenter Umgang mit welchen Problemen auch immer, ist mündigen Bürgern angemessen, denen nichts, gar nichts, ihren nüchternen Blick nimmt.
Nein, ich liebe Trump nicht. Aber er hat niemandem den Kopf abgeschnitten, er betreibt keine Politik der Knechtung oder Vernichtung. Eine Gleichsetzung mit ISIS, mit Hitler oder einem Gorilla verbietet sich.

Der SPIEGEL zeigt Donald Trump als Isis-Terroristen. Nun sollen Zeitschriften-Titel zuspitzen; sie dürfen ungerecht sein, sie müssen es geradezu. Aber dabei dürfen die Kategorien nicht durcheinander gehen.

Nein, ich liebe Trump nicht. Aber er hat niemandem den Kopf abgeschnitten, und er betreibt auch keine derartige Politik der Unterdrückung oder Vernichtung. Eine Gleichsetzung mit ISIS, mit Hitler oder einem Gorilla (Handelsblatt) verbietet sich.

Etwas nüchterne Distanz hilft gelegentlich. Ja, man kann gegen die Reisebeschränkungen sein; aber wenn 95 Prozent der Muslime dieser Welt davon nicht betroffen sind, sondern nur 90 Tage lang Angehöriger von Schurkenstaaten wie Somalia, Iran und Yemen – dann sollte man das in Erwägung ziehen.

#Muslimban ist Käse

Hat sich jemand darüber aufgeregt, dass Israelis oder Besucher Israels nicht in 48 islamische Staaten einreisen dürfen?

Hat sich jemand darüber aufgeregt, dass die US-Einwanderungsbehörden seit 9/11 längst strikt und oft grenzwertig entscheiden?

„No Nation – No Border“ – wie bescheuert das ist, erleben die Deutschen gerade.

Ein Exportmodell ist das nicht.

Wie ist das zu erklären?

In den USA herrscht so etwas wie ein Nachwahlkampf.

Aber Donald Trump bezieht das Weiße Haus als gewählter Präsident, nicht als Hausbesetzer. Er setzt um, was er versprochen hat. Vieles davon sind „linke“ Projekte: gegen Globalisierung, gegen Wirtschafts-Liberalismus, für mehr einfache Arbeitsplätze. Mit den Daten-Kraken vom Silicon-Valley hat er es nicht so; außer mit der Datenschleuder Twitter. Er will sich sogar mit Putin vertragen. Ja, wo kommen wir denn da hin?

Vielleicht demonstrieren bald Greenpeace, Käßmann, Verdi und SPD für TTIP? Weil gegen Trump ist immer gut?

Er hat der „Lichtgestalt“ Hillary Clinton den Weg zur Präsidentschaft – ja was? Verbaut.  Dass deren Demokraten und Obamas verhätschelte Regenbogentruppen  sich nicht damit abfinden und dagegen demonstrieren geht in Ordnung, man nennt das Demokratie. Sie kriegen die TV-Bilder, Trump die Meinungsumfragen.

Die Demokraten können ihre Niederlage nicht anerkennen. Ihr Modell der Politik ist gescheitert; aber anstatt ihre Politik zu überdenken, soll das Wahlergebnis verändert werden.

Das ist vielleicht etwas kindisch, aber in der Demokratie möglich.

Demokratie lebt vom Meinungskampf.

Alles gut.

Aber es bleiben zwei Fragen:

Warum treibt die Bundesregierung weiter Hillary-Wahlkampf?

Das ist nicht ihre Aufgabe.

Und die zweite Frage? Warum flippen Medien aus?

Von Lizzy Stender.

Als ich dereinst noch viel unterwegs war, auf Autobahnen und Flughäfen, war es manchmal unvermeidlich, sich zwischendurch in einer dieser Massenabfertigungs-Cafeterias mit einer Tasse Kaffee aufzuputschen. Wenn die Bedienung hinter der Theke die – mit etwas Glück frisch aufgebrühte Köstlichkeit auf das Tablett gestellt hatte, war es mir am liebsten, wenn ich mit dem Hinweis: „Milch und Zucker finden Sie an der Kasse“ weitergeschickt wurde. Es hätte mir gar nicht gefallen, wenn mir diese Zutaten ungefragt in das Getränk eingerührt, und am Ende noch der benutzte Kaffeelöffel auf die Untertasse gelegt worden wäre.

Genau so, wie ich damals oft entschieden habe, den Kaffee pur und „schwarz wie meine Seele“ zu trinken, so möchte ich mich heute über das Weltgeschehen aus den Online-Zeitungen informieren. Seit ein gewisser Donald J. Trump die politische Weltbühne betreten hat, wird es aber immer mühseliger, in der deutschen Presse Informationen zur Person und zu den ersten Amtshandlungen zu finden, denen nicht mehr oder weniger demonstrativ die persönliche Meinung des Verfassers untergerührt wurde. Manchmal in so hohen Dosen, dass in der ganzen Meinungs-Milch nur noch ein paar Löffelchen Kaffee, also Tatsachen, übrigbleiben. Statt Café Crème also Latte Macchiatto, meistens Bio und Soja obendrein. Dafür ein Beispiel, das ich einmal durchdeklinieren möchte.

Am 23.November 2016 leitet Stefan Tomik in der FAZ-Online seinen Bericht „Trump über Folter – Bier und Zigaretten statt Waterboarding“ mit der Feststellung ein, daß Trump im Wahlkampf Waterboarding und „noch höllisch Schlimmeres“ als Verhörmethode befürwortet habe, um wörtlich fortzufahren:

„Jetzt ließ er sich angeblich von einem pensionierten General überzeugen, dass Terrorverdächtige anders befragt werden sollten.“

1. „Von einem pensionierten General“? Der President Elect hat nicht mit einer beliebigen Militärperson im Ruhestand beim Golfspielen über Foltermethoden geplaudert. James Mattis, bis zu seiner Pensionierung 2013 Vier-Sterne-General, war zwecks Vorstellungsgespräch für die Position des Verteidigungsministers vor Ort auf Trumps Golfplatz in New Jersey.

2. „Ließ sich angeblich überzeugen“? Tomik hat seine Nachricht auf einem ausführlichen Interview aufgebaut, das Trump mehreren Ressortchefs der New York Times am Vortag gegeben hatte. Laut Tomik in einer „spannungsgeladenen Begegnung“ – bei gründlichem Studium des Transkripts auf der Website der NYT  habe ich außer den für New Yorker Verhältnisse normalen rauhbeinigen Umgangsformen keine Spannungen bemerkt, aber gut. Am Ende des Gesprächs über zahlreiche berichtenswerte, aber weniger spektakuläre Themen, als vorletzte Frage, kommt die Rede auf Trumps Einstellung zu Waterboarding. Trump schildert, wie Mattis behauptete, dass er mit einer Packung Zigaretten und Bier zu besseren Ergebnissen gelangen könnte als mit Foltermethoden. Und Trump weiter wörtlich:

„And I was very impressed by that answer. I was surprised, because he is known as being like the toughest guy. And when he said that, I’m not saying that it changed my mind.“

Trump bestätigt also klar und deutlich, dass er von seiner Auffassung, dass Waterboarding eine effektive Verhörmethode sei, keinen Millimeter abrückt. Zu spät. Dem jungen Redakteur der FAZ-Online ist vom eigenen Spin schon ganz schwindlig geworden: „So klingt eine 180-Grad-Wende. So klingt Trump, der gewählte Präsident. Trump, der Wahlkämpfer hatte noch ganz anders gesprochen.“ Triumph, Trump auf frischer Tat ertappt. Nur leider völlig falsch.

Trump, der Folterknecht

Die Fortsetzung zum Thema Folter folgt am 26. Januar 2017. Der nunmehr ins Amt eingeführte Präsident Trump gibt dem Fernsehsender ABC ein Interview, das in der FAZ-Online für folgenden Artikel verwertet wird:

„Trump spielt mit der Folter. Sein Verwirrspiel treibt Trump munter weiter. Waterboarding und andere Foltermethoden bezeichnet er einerseits als wirkungsvoll. Zugleich macht er eine Wiedereinführung unwahrscheinlich, indem er die Entscheidung auf andere abschiebt.“

Im Text wird ausgeführt, dass Trump auf die Frage, ob er glaube, dass Waterboarding und andere umstrittene Verhörtechniken funktionierten, mit „Absolut“ geantwortet habe. „Er würde jedoch eine mögliche Wiedereinführung solcher Methoden von den Meinungen von Verteidigungsminister James Mattis und CIA-Chef Mike Pompeo abhängig machen.“

Weiter unten kommt Trump selbst zu Wort: „Ich werde mich daran halten, was sie dazu sagen. Und wenn sie das nicht tun wollen, dann ist das gut.“ Im anderen Falle werde er dafür sorgen, dass alles, was im gesetzlichen Rahmen erlaubt sei, umgesetzt werde.

Wer verwirrt hier wen? , frage ich mich an dieser Stelle. Trump bleibt bei seinem von Wahlkampfbeginn an vertretenen persönlichen Standpunkt „Waterboarding works“. Da er aber über die seltene und entsprechend hochgeschätzte Führungskräfte-Eigenschaft des Delegierens von Verantwortung zu verfügen scheint, vertraut er auf die Kompetenz der von ihm ausgewählten Amtsträger und lässt diese ihre Methoden zur Zielerreichung selbst aussuchen.

Im Lead der FAZ-Nachrichten wird das als „die Entscheidung auf andere abschieben“ bekrittelt. Jeder, der sich im Kontext der freien Marktwirtschaft mit Menschenführung beschäftigt hat, weiß, dass diese Form des Delegierens schon zur Hohen Schule des Managements gehört. Eine Tatsache, die in die politisch-mediale Filterblase fern des schnöden Mammons offenbar nicht durchgedrungen ist.

Ich habe jetzt genug von „schmutziger Milch“ (Latte Macchiato) und möchte endlich die Essenz der Nachricht, ohne die nicht bestellte Beimischung aus Häme und Unwissen. In meiner Not versuche ich es mal beim Gottseibeiuns, bei Breitbart, www.breitbart.com

Am 27. Januar 2017 findet sich dort eine Zusammenfassung des Interviews, das Donald Trump am Vortag Sean Hannity vom rechts-konservativen Fernsehsender Fox gegeben hat. Als Online-Medium des 21. Jahrhunderts bietet Breitbart passend zum Verlauf des Interviews mehrere Links zur Website von Fox an, wo man sich abschnittsweise die entsprechende Passage im Original anschauen kann.

Dort, endlich, kriege ich „meinen Kaffee schwarz, ohne alles“: O-Ton Trump zu Waterboarding:„…I spoke with some people the other day who are in this world that we’re talking about. I said absolutely, it works, absolutely. Now, General Mattis said that he doesn’t intend to use it. I’m with him all the way. Do I believe it works? Yes, I do.“ Noch Fragen, Kienzle?

Trump und die Mauer von Mexiko

Eine Liste der Namen all jener Menschen, die sich berufen gefühlt haben, dem neuen Präsidenten der USA die moralgesättigten Leviten zu lesen zu seinen Mauerbau-Plänen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Sie sind ja auch ein so handliches Schlagwerkzeug zum Trump-Bashing, diese plötzlich allgegenwärtigen Bilder von meterhohen Stahl- und Betonplatten, mitten in der Wüste zu Barrieren aneinandergereiht, bis zum Horizont. Moment mal, Donald J. Trump ist gerade mal zwei Wochen im Amt, und die Mauer steht schon, teilweise wenigstens? Niemand unter den Berichterstattern aus der Fraktion der Hellen und Guten scheint sich diese Frage zu stellen.

Nochmal zu Breitbart www.breitbart.com. Die Suche „Trump Wall“ fördert folgende Notiz zutage: „02 Feb 2017, Thursday on Fox News Channel’s „Fox & Friends“ House Speaker („Fraktionsvorsitzender“ der Republikaner im House of Representatives im US-Kongress) Paul Ryan: We have already authorized this, meaning the law was passed 10 years ago“. Und weiter: „And then we will give the financing to Secretary Kelly and the border security plan. So, it’s really up to them as to how fast they can execute this policy……“ (Einfügung L.S.)

Wer auf der Seite der Hellen und Guten nun an eine finstere Verschwörung der Republikaner denkt, möge sich mittels dieses Links davon überzeugen, dass es sich um ein von beiden Kammern des US-Parlaments mehrheitlich beschlossenes Gesetz handelt, den Secure Fence Act, aus der zweiten Amtszeit von Präsident George W. Bush. „In September 2006, then-senator Hillary Clinton voted in favor of building a 700-mile wall along the Mexican border, for the purpose of stopping illegal immigrants from entering the United States….“

Clinton befindet sich in guter demokratischer Gesellschaft: In diesem Artikel von Anfang 2015 über die Finanzierung findet sich folgender Satz: „Current law, under the Secure Fence Act which passed Congress in 2006 with wide support (even then-senators Barack Obama and Joe Biden voted for it), ….“

Lassen Sie mich kurz zusammenfassen: Im September 2006 beschließt der US-Kongress mit breiter Mehrheit, an der Grenze zu Mexiko eine 700 Meilen lange Grenzsicherungsanlage zur Bekämpfung der illegalen Einwanderung zu errichten. Diesem Gesetz zugestimmt haben unter anderem die (damaligen) Senatoren Hillary Clinton, Barack Obama und Joe Biden, alle Democrats. In der Folgezeit kann der Kongress sich nicht auf die Finanzierung des kompletten Vorhabens einigen. Daher werden nur Teilstücke errichtet (die heute als Illustration der „Trump baut eine Mauer“- Alarmmeldungen dienen).

Im November wurde nicht nur ein neuer Präsident, sondern auch ein Teil der Kongress-Abgeordneten neu gewählt. Die Republikaner verfügen nun in beiden Kammern über eine Mehrheit, mit der sie unter anderem die finanziellen Voraussetzungen zur Ausführung des Secure Fence Act sicherstellen können. Es handelt sich  um eine Koordinationsaufgabe zwischen Kongress und dem Minister für Heimatschutz, Secretary Kelly zur Ausführung eines mehr als zehn Jahre alten Gesetzes, aus einer Zeit, als Donald J. Trump noch mit Immobilien und Fernseh-Shows beschäftigt war. Trump, der böse Mauer-Bauer ?

Ab jetzt nur noch Espresso doppio

Hin und wieder mag es ja kurzweilig sein, aus einem mit negativem Meinungsbrei verdickten Gemisch aus Nachricht, Kommentar, Blog und Schülerzeitung die relevanten Informationen herauszudestillieren. Im Alltag fehlt jedoch schlicht die Zeit dafür.

Der neue amerikanische Präsident ist mir weder sympathisch noch geheuer. So wenig wie seine Kollegen in Groß-Russland und Groß-China. Um ein Risiko einschätzen zu können, braucht man nüchterne Informationen, keine aus den Krümeln zusammengesuchte neueste Bestätigungsmeldung für die von der talkenden Klasse so beschlossene moralische Verwerflichkeit von DJT.

Nun ist Breitbart, zumindest auf den ersten Blick, nicht der Ort der reinen Quelle für neutrale Tatsachen-Berichte. Ja, ich weiß, Alt-Right, Neo-Nazi, und überhaupt der düstere, undurchsichtige Stephen K. Bannon, der mittlerweile schon als der eigentliche Machthaber im Weißen Haus dargestellt wird. Von denselben Leuten der schreibenden, der vormals informierenden Zunft in Deutschland, die mich mit Hohl-Meldungen wie „Trump ist ein Waterboarder“ und „Trump ist ein Mauerbauer“ zumüllen und vor lauter Pausenhof-Aufregung über den neuesten Tweet von Donald gar nicht merken, dass der Zug längst abgefahren ist und sie auf dem Bahnsteig stehengeblieben sind.

Zehn Minuten brauche ich für das Ansehen eines Video-Clips mit einer Antwort von Trump auf eine konkrete Frage, im Original, mit Stimmlage und Körpersprache. Die Links zu diesen Clips habe ich bisher in dieser strukturierten Form nur bei Breitbart gefunden.  Das ist die Essenz von Information, sozusagen der doppelte Espresso. Ob und wieviel Zucker hineinkommt, möchte ich gerne selbst entscheiden. Und auf fremde Meinungsmilch reagiere ich mittlerweile schon allergisch.

Lizzy Stender, gebürtige Stuttgarterin, lebt nach einem kosmopolitischen Berufsleben zur Zeit auf einem Bio-Bauernhof an der Grenze vom Limousin zur Auvergne.

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