Moralisierende Wissenschaft ist keine Wissenschaft mehr.

Am 20. Januar wurde Donald Trump als US-Präsidenten vereidigt. Er ist ein bekennender „Klimaskeptiker“, und nicht wenige seiner Wähler sind wahrscheinlich ebenfalls „Klimaskeptiker“. Warum gibt es die Klimas-Skepsis überhaupt, obwohl der wissenschaftliche Konsens groß ist? Antwort:Die Klimawissenschaftler sind selbst schuld. Es ist auch für interessierte Laien nicht möglich, sich ein abschließendes Urteil über die wissenschaftlichen Fragestellungen zu verschaffen. Jeder muß stets einen gewissen Teil einfach glauben. Und für Glauben braucht es Glaubwürdigkeit.

Im Spiegel vom 17.12.2016 gibt Andreas Levermann, der am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) arbeitet, ein Interview. Dieses Interview ist ein perfektes Beispiel dafür, wie man die Glaubwürdigkeit der Klima-Forschung beschädigt und Klima-Skepsis erzeugt. Der Schlußabsatz lautet:

„Man kann auf der richtigen oder der falschen Seite der Geschichte stehen. Wir kennen das von der Abschaffung der Sklaverei oder der Gleichberechtigung der Frauen. Auch der Umstieg auf erneuerbare Energien geht gegen mächtige Interessen und wird als utopisch verdammt. Das sie retten das Klima und schaffen damit am Ende mehr Gerechtigkeit für die Menschen. In diesem Sinne kann sich jeder entscheiden, ob er eine mit Rückgrat sein will oder nicht.“

Hier wird die wissenschaftliche Frage, in welchem Ausmaß die Klimaänderungen durch den Menschen beeinflußt werden, in eine moralische Frage, in eine Frage der richtigen Haltung umgedeutet. Wer nicht davon überzeugt ist, daß der Mensch das Klima beeinflußt, steht moralisch auf einer Stufe mit dem Sklavenhalter. Wenn ich das lese, denke ich doch sofort: Herr Levermann kann niemals objektiv forschen. Denn jedes Ergebnis, das die ursprüngliche These in Frage stellt, bringt ihn näher an einen Sklavenhalter, moralisch gesehen. Da niemand sich gerne als unmoralisches Monster fühlt, wird Herr Levermann eine ganz starke innere Abwehr gegen jeden Befund haben, der seiner These widerspricht. Das ist menschlich, und das ist verständlich, aber es hilft nicht dabei, objektive Wissenschaft zu treiben.

Auch der folgende Abschnitt untergräbt die Glaubwürdigkeit von Herrn Levermann, wenn er behauptet, Klimawissenschaft sei ganz einfach, kaum mehr als Wissen des Grundstudiums sei nötig.

„Das ist tatsächlich Grundlagenphysik, Thermodynamik und Quantenmechanik, das lernt man im ersten bis dritten Semester.“

Ich bin Mathematiker mit Nebenfach Physik und habe auch ein Physik-Vordiplom. Deshalb kann ich einigermaßen einschätzen, welches Wissen im Grundstudium vermittelt wird. Und damit ist man weit davon entfernt, Prognosen über Klima-Entwicklungen zu treffen. Es wird nicht einmal ausreichen, um ein statisches Minimalmodell durchzurechnen (z.B. unbewegter schwarzer Körper unter einer Gasschicht). Das Zitat soll offensichtlich  suggerieren, daß alles ganz einfach, klar und deshalb unstrittig ist. Das ist aber sachlich falsch. Und wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er nun die Wahrheit spricht.

Das Interview von Herr Levermann läßt ihn Ideologie-getrieben erscheinen und nicht als ehrlichen und objektiven Wissenschaftler. Ohne Möglichkeit, die Ergebnisse der Klimawissenschaft selbst prüfen zu können, bilde ich mir meine Meinung auch danach, wie glaubwürdig die die Vertreter der einen oder der anderen Position sind.Und die Glaubwürdigkeit der These, daß der Klimawandel durch den Menschen beeinflußt wird, leidet durch solche Interviews ganz beträchtlich.

Dr. Matthias Gärtner ist Mathematiker und arbeitet in einer großen deutschen Bank im Risikocontrolling.

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