Die meisten, fast alle Muslime, die gegenwärtig nach Europa kommen – darunter auch der Attentäter von Berlin –, sind Asylanten ­ohne Asylanspruch.

Fast alle Terroristen sind
 Muslime. Wie gehen wir mit dieser Tatsache um?

Von Roger Köppel



Nach den jüngsten Terroranschlägen drängt sich die verstörende Frage auf: Was machen wir eigentlich mit den Muslimen?

Ich weiss, die meisten Muslime sind friedlich. Trotzdem nagt die Frage: Was bedeutet es es, dass nicht alle Muslime Terroristen sind, aber fast alle Terroristen Muslime?

Keine mehr reinlassen? Gesinnungstest beim Grenzübertritt? Intensive Dauerüberwachung im Inland?

Wie das funktioniert, haben wir im Fall des Tunesiers gesehen, der mit einem gestohlenen Sattelschlepper zwölf Menschen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ermordete.

Laut Presseberichten war den Behörden bekannt, dass er sich illegal im Land aufhielt. Sie wussten auch um Kontakte zur Terrorszene. Dutzende von Beamten überwachten ihn. Trotzdem schlüpfte er durchs Netz.

Was lernen wir daraus?

Es bringt nichts, im Inland einen Polizeistaat aufzuziehen. Wenn die Verrückten die Grenzen überschritten haben, müsste man eine Art Nordkorea einführen: Sperrt alle bisherigen Bewohner ein, damit sie auf offener Strasse nicht mehr von den einwandernden Verbrechern getötet werden können.

Das geht nicht.

Ich komme auf die Frage zurück: Was machen wir mit den Muslimen, die jetzt aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika kommen?

Am Südufer des Mittelmeers warten laut Frontex-Schätzungen Hunderttausende auf die Überfahrt. Es sind Araber und viele Schwarzafrikaner dabei, die meisten Muslime.

Früher war es Ketzerei, so zu fragen. Unter rotglühenden Inquisitorenaugen zischte es «Rassismus». Obwohl Religionen nichts mit Ethnien oder Rassen zu tun haben. Man wollte einfach nicht, dass darüber gesprochen wird.

Mittlerweile hat sich die Erkenntnis halbwegs durchgesetzt, dass die Islam-Terroristen doch irgendwie etwas mit dem Islam zu tun haben könnten.

Was folgt daraus?

Wenn die verschärfte Überwachung im Inland nichts bringt, klingt auf einmal die Forderung logisch, die ausser Donald Trump niemand auszusprechen wagt, obschon selbst Trump inzwischen zögert: Man muss alle Muslime, weil sie Muslime sind, an der Grenze zurückweisen. Sippenhaft. Generalverdacht. Ist das die Lösung? Oder ist das verrückt? Oder wäre es die Lösung, wenn man so eine ungeheuerliche Lösung ernsthaft fordern dürfte?

Ich kenne viele Leute, die so denken. Es sind vernünftige Menschen, ehemalige Studienkollegen, Unternehmer, die auch SP wählen. Sie finden, man sollte keine Muslime mehr ins Land lassen.

Selbstverständlich wissen sie, dass das nicht geht. Sie würden sich auch nie getrauen, so ­eine Forderung in der Öffentlichkeit zu erheben. Aber so denken sie. Sie erzählen es ihren Freunden, in unbeobachteten Momenten.

Ähnliche Gedanken formulierte der Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer kürzlich in einer seiner Kolumnen: «Aber ist eine Kombination von Islam und Demokratie überhaupt vorstellbar? Nein!» Meyer bezeichnet den Islam als «totalitäre Religion».

Was er darunter versteht, schrieb er in einer andern Kolumne. Meyer bedauert es, dass der Begriff «islamisch» im Zusammenhang mit Terror in Deutschland «verboten» sei. Freilich bleibe es ein «hilfloses Unterfangen», den «guten Islam vom schlechten Islam zu unterscheiden».

Das sind bemerkenswerte Sätze.

Wer so argumentiert, für den gehören Islam und Terror zusammen.

Wer so redet, trifft keine Unterscheidung mehr zwischen «guten» und «schlechten», sprich: bösen Muslimen.

Wer solche Sätze schreibt, müsste eigentlich auch den Mut haben, zu schreiben, dass Menschen, die eine totalitäre Ideologie als Gotteswort verehren, daran gehindert werden sollten, einen demokratischen Rechtsstaat wie Deutschland oder die Schweiz zu betreten.

Das wäre immerhin ehrlich. Das allerdings schreibt Meyer nicht. Seine Kolumnen brüllen ins Leere.

Jedoch kann ich Leute verstehen, die angesichts der Völkerwanderung insgeheim von radikalen Forderungen träumen.

Ihre Träume, eher Albträume, sind allerdings keine praktikablen Rezepte. Man muss sie ernst nehmen als Seufzer der Ohnmacht gegen eine falsche Politik.

Was also ist zu tun? Die rhetorische Aufrüstung bringt meines Erachtens gar nichts. Man kann Leute aufgrund ihres Glaubens nicht aussperren.

Was wir aber tun können: Wir können Leute in die Politik wählen, die dafür sorgen, dass unsere Migrationsgesetze angewendet werden.

Die Schweiz hat, wie Deutschland, eindeutige Regeln für Asyl. Es ist rechtlich definiert, wer ein Flüchtling ist. Und wer nicht.

Es gibt auch klare Kriterien für Kriegsvertriebene, denen man auf Zeit hilft, am besten in Lagern vor Ort, in Ausnahmefällen holt man sie vorübergehend ins Land. Vorübergehend.

Ausserdem gibt es Regeln für die EU. Asylbewerber, die in einem sicheren Drittland sind, auch wenn es ihnen dort nicht gefällt, verlieren in anderen Staaten den möglichen Anspruch auf Asyl.

Die meisten, fast alle Muslime, die gegenwärtig nach Europa kommen – darunter auch der Attentäter von Berlin –, sind Asylanten ­ohne Asylanspruch.

Man muss sie an einer Einreise hindern. Müsste. Nicht wegen der Religion, aber wegen der Gesetze.

Es braucht keine radikalen Methoden. Es braucht keine Kraftmeyer. Es würde reichen, wenn sich die Politiker an die Gesetze ­ihrer Länder hielten.

Gefragt ist heroische Besonnenheit.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s