Merkel: kein Wort der Selbstkritik, keine Idee, wie man eine verstörte Gesellschaft wieder einen könnte. keine neuen Ideen

Nein, Frau Bundeskanzlerin, viele verbinden das Jahr 2016 nicht damit, dass die Welt aus den Fugen geraten wäre. Sondern damit, dass 2016 uns die Folgen davon präsentierte, dass bei Ihnen persönlich im Jahre 2015 einiges aus den Fugen geraten ist.

Kein Wort der Selbstkritik, keine Idee, wie man eine verstörte Gesellschaft wieder einen könnte, keine neuen Ideen, die wirklich Hoffnung verbreiten könnten, dass sich die Dinge, die so grundlegend aus dem Ruder geraten sind, 2017 wieder zum Besseren hinwenden könnten.

Nein, Angela Merkels Neujahrsansprache ist leider geprägt von einem verhängnisvollen „Weiter so!“ und darf als Auftakt für einen Wahlkampf 2017 gelten, der ungefähr so offen sein dürfte, wie diese so öde Bundespräsidentenwahl rund um den Kandidaten Steinmeier.

Gut, vielleicht soll das so. Vielleicht ist so eine Neujahrsansprache auch nicht der Rede wert. Von Helmut Kohl weiß man ja, dass mal eine Ansprache vertauscht wurde ohne das es weiter auffiel, wäre da nicht so ein mediales Tamtam gemacht worden.

Es ist so, wie in der Bundeskanzlerinnen-Talk-Show bei Anne Will: verschämt hin gelächelte Plattitüden einer immer selbstbewusster auftretenden älteren Dame, die vielleicht lange einiges richtig und dann doch neuerdings so viel grundlegend falsch gemacht hat.

Die Frage, die sich nun stellt: Hätte es etwas geändert, wenn Angela Merkel in ihrem changierenden Blazer mal ausgeschert wäre, wenn sie mal eine Rede gehalten hätte, welche die Deutschen wirklich bewegt, von der sie sich hätten abgeholt fühlen können, die Lösungen und Perspektiven aufgezeigt, die den Mut aufgebracht hätte, neun Monate vor der Wahl offen Fehler einzugestehen und zu den nun doch in Zeitlupentempo eingeleiteten Korrekturen zu stehen?

Ich glaube, ja.

Ha ick ja imma jesagt

Hier ist sie im voraus. Allerdings in einer nicht autorisierten, vorläufigen, und wohl…

Denn wer, wenn nicht die Kanzlerin dürfte begriffen haben, dass man sogar noch in diesem hohen Amt einen Haufen Fehler machen kann, wenn man anschließend nur ein paar entscheidende Dinge richtig macht. Hat sie? Sie selbst glaubt fest daran, verweist auf die geringe Arbeitslosenzahl, auf die Segnungen einer sozialen Marktwirtschaft usw.. Dass wir allerdings, um nur ein paar Beispiele zu nennen, so viele Hartz4-Aufstocker haben wie schon lange nicht mehr, dass die realen Löhne der einfachen Leute seit Jahren kaum ansteigen, dass sich in vielen Großstädten und Ballungsgebieten bereits eine prekäre neue Klasse etabliert hat, die seit mehr als einer Generation von staatlicher Hilfe anhängig sind – zu diesen potemkinschen deutschen Wohlstandsflecken selbstverständlich kein Wort.

Und dann beginnt Merkels Rede schon mit einer bewusst gesetzten Fehlinterpretation, wenn sie Terror als größte Bedrohung begriffen haben will: „Die schwerste Prüfung ist ohne Zweifel der islamistische Terrorismus, der auch uns Deutsche seit vielen Jahren im Visier hat.“

neujahrsbotschaft

Nein, die größte Prüfung ist hausgemacht und wird sich erst in einigen Jahren in seiner vollen Wirkung entfalten, dann, wenn Millionen Einwanderer und ihre Familienangehörigen realisieren, dass sehr viele von ihnen ebenso wenig Perspektiven haben werden wie Millionen einheimische Abgehängte, deren übriggebliebenen Paradiese Penny, Lidl und Aldi heißen, jene Tempel der Billigangebote, die die Kühlschränke noch voll machen – allerdings immer öfter auf Staatskosten. Staatliche Lebensmittelausgabestellen immerhin noch gegen Bargeld, wo man auch schon Essensmarken ausgeben könnte, die diese Entwicklung dann allerdings eindrucksvoll schwarz-auf-weiß belegen würden. In der Nähe von Aufnahmelagern schießen neue Discounter in die Höhe, die sogar gezielt auf diese Entwicklung setzen; Unternehmen, die mit dieser staatlichen Hilfe kalkulieren gelernt haben.

Aber wie lange kann man mit Billigfood die Enttäuschung dieser abgehängten und neu abgehängten Menschen katalysieren? Und wie lange wird überhaupt noch das Kästchen voller Geld dafür im sein? Wann wird die ansteigende Wut gefährlicher sein, als ein Terrorismus, der zwar katastrophale Fernsehbilder liefert, aber gottseidank noch soweit eingedämmt werden kann, dass es krasse Einzelfälle bleiben? Ginge es um Menschenleben, könnte man beispielsweise in ganz Deutschland ein Tempolimit von 80 km/h einführen und würde damit jährlich weit mehr Menschenleben retten, als wohl in ganz Europa durch Terror vernichtet würden.

Ja, man könnte es tatsächlich so sagen: Angela Merkel instrumentalisiert die deutschen Terroropfer, wenn sie in ihrer Neujahrsansprache fragt: „Was also ist dann mit der Zuversicht, von der ich zu Beginn sprach? Zuversicht inmitten der tiefen Trauer um die Toten und Verletzten?“

Sie spricht von einer Zuversicht, die sie selbst vakant gestellt hat mit einer Einwanderungspolitik, die das Leben in Deutschland in Zukunft massiver verändern wird, als die deutsche Wiedervereinigung, wie beispielsweise eine Katrin Göring-Eckardt so euphorisiert prognostizierte.

Die Bundeskanzlerin erklärt uns in ihrer Neujahrsansprache: „Indem wir unserem Leben und unserer Arbeit nachgehen, sagen wir den Terroristen: Sie sind Mörder voller Hass, aber wie wir leben und leben wollen, das bestimmen nicht sie. Wir sind frei, mitmenschlich, offen.“

Wenn es nicht so tragisch wäre, wäre es zum Lachen: Nein, Frau Bundeskanzlerin, nur in Ihrer ganz eigenen postfaktischen Welt sind es die Terroristen, die „wir“ am meisten fürchten. Nein, es ist nicht der Terror, der bestimmen will, wie „wir“ in Zukunft leben. In Wahrheit ist Ihre Politik zu einem ernstzunehmenden Angriff auf unseren Lebensstil geworden. Denn wenn Sie etwas verkörpern, dann ist es ganz sicher nicht Kontinuität oder Stabilität. Ein paar Eimer Löschwasser hätten Ihrer Ansprach nun gut getan, aber Sie kamen ausgerechnet mit so einem putzigen Ölkännchen um die brennenden Auseinandersetzungen, um die Spaltung der Gesellschaft noch weiter zu schmieren.

„Viele verbinden mit diesem Jahr 2016 auch das Gefühl, die Welt insgesamt sei aus den Fugen geraten oder das, was lange Zeit als Errungenschaft galt, sei jetzt in Frage gestellt.“

Nein, Frau Bundeskanzlerin, viele verbinden das Jahr 2016 damit, dass es uns bereits die Folgen davon präsentierte, dass bei Ihnen persönlich im Jahre 2015 einiges aus den Fugen geraten ist. Aus den Fugen geraten, ohne dass in Ihrer Neujahrsansprache 2017 erkennbar wäre, dass Sie willens wären, diese Fugen wieder zu glätten, bevor es unüberwindbare Gräben geworden sind. Sie spalten die Gesellschaft wie kein Bundeskanzler zuvor. Sie sind nicht gut für dieses Land. Ihre Vorstellung eines neues Deutschlands ist nicht die der Menschen. Die schweigende Mehrheit in der Mitte muss nicht gegen rechts mobilisiert werden, Ihre Politik treibt sie den Radikalen automatisch in die Arme. Und Sie haben diese Entwicklung auf den Weg gebracht.

http://www.tichyseinblick.de/meinungen/neujahrsrede-der-bundeskanzlerin/

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