Klassische Medien verkamen unter Merkel zu Propagandainstrumenten der Regierung

Der Ansehensverlust der klassischen Medien ist eng verknüpft mit extremen, unerwarteten und ungewollten Ereignissen: Brexit, Trump. In Deutschland ist es der Widerstand gegen die Einwanderungspolitik. Was machen die Neuen besser?

Im Rückblick auf das mediale Jahr 2016 kann man behaupten, Augenzeuge des weiter fortschreitenden und kaum umzukehrenden Zerfalls des Monopols der Mainstreammedien gewesen zu sein. Hierbei handelte es sich um einen Vorgang, der die gesamte westliche Hemisphäre zu umfassen schien: War es in Großbritannien der Brexit, dessen Anziehungskraft medial zunächst unterschätzt, verächtlich gemacht und dann nach der Abstimmung verflucht worden war, spielte sich in den USA bekanntlich dasselbe in Bezug auf die Präsidentschaftskandidatur Donald Trumps ab. Die Gesichter renommierter Journalisten in der Wahlnacht sprachen Bände darüber, wie ihnen und ihren Sendern und Zeitungen gerade der Boden unter den Füßen weggezogen worden war.

In Deutschland waren es die medial viel zu lang und fahrlässig unterschätzten Folgen der Migrationskrise, die einen nicht unerheblichen Teil der Bürger weiter von den Mainstreammedien entfernten, nachdem die Folgen schließlich unübersehbar geworden waren. Viele Kommentare, auch auf Tichys Einblick, mögen in diesem Zusammenhang den rechthaberischen Unterton eines „Wir hatten es euch ja gesagt!“ gehabt haben. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass sie diesen Unterton deswegen gehabt haben, weil wir es ihnen in der Tat so gesagt hatten. Damit war 2016 auch ein Jahr der Chancen für neue und unabhängige Plattformen im Netz, auf denen Alternativen zu Claus Kleber zu finden waren –  und unter Verweis auf einige Zugriffszahlen kann man dabei sicherlich auch von einigen genutzten Chancen sprechen.

Als letzter Triumph des ausgehenden Jahres mag dabei gezählt werden, der diffamierenden #keingeldfuerrechts-Kampagne Einhalt geboten zu haben. Dabei verdeutlichte die angestoßene Kampagne ein erschreckend weitverbreitetes Problem im Umgang mit anderen Meinungen, welches auch im neuen Jahr Kopfschütteln und Kopfschmerzen bereiten wird. Zudem demonstrierte sie anschaulich die letztendlich selbstzerstörerische Wirkung derartiger Diffamierungsversuche: Unter anderen Umständen und insbesondere anderer Wortwahl hätte die Lawine wahrscheinlich noch durch eine ehrlich klingende öffentliche Entschuldigung und eine klärende E-Mail an die betreffenden Werbepartner gestoppt werden können. Aber wenn man jemandem öffentlich bereits solche negativ besetzten Etiketten wie „rechts“ und „Rechtspopulisten“ aufgeklebt hat, dann ist es anschließend praktisch unmöglich, deren Haftung und Wirkung wieder rückgängig zu machen. Genauso wenig man glaubhaft behaupten kann, den Gegenüber rein irrtümlich als „Nazi“ bezeichnet zu haben, kann man glaubhaft machen, ihn nur irrtümlich als „Arschloch“ tituliert zu haben. Diese extreme Wortwahl erlaubt kein Zurückweichen hinter die selbstgezogene Gefechtslinie mehr, weshalb man letztere wohl oder übel verteidigen muss. Auch wenn der Versuch im Jahr 2016 damit krachend gescheitert ist, sollte dringend vor verfrühtem Jubel gewarnt werden: Die Kampagne hatte Sympathisanten, von denen einige über ebenso gute Kontakte in der Kommunikationsbranche verfügen dürften wie sie selbst. Gerade weil die Gegenwehr der unzutreffende Diffamierung Erfolg hatte, werden 2017 die Tugendwächter doppelt so aufmerksam sein.

Übrigens: Als die Tweets des beinahe Vergöttlichten noch für den Rest der Welt sichtbar waren, versuchte er die teils sehr harschen Angriffe gegen seine Person mit dem Argument zu stoppen, dass echte Konservative weder zu Unflätigkeiten greifen, noch einen Internet-Mob gegen ihre Gegner auf die virtuellen Straßen schicken würden. Auch er ist damit ein Opfer des Ansehensverlusts der Mainstreammedien geworden, denn als sich konservative Reaktionen auf linke Unflätigkeiten und Kampagnen noch auf einige grummelnde Kommentare in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beschränkten, war für ihn die Welt noch in Ordnung. Anders ausgedrückt hatten sich die Konservativen bisher dem Reglement der sie vertretenden Medien unterworfen. Wie viele mittlerweile gemerkt haben dürften, sind diese Zeiten vorbei – vor allem deshalb, da sich auf konservativer Seite die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass ihre freiwillige Selbstbeschränkung nur von ihnen zähneknirschend geübt und von ihren Gegnern feixend ausgenutzt wurde.

Mit dem Monopol der Mainstreammedien sind somit auch die alten medialen Gatekeeper gefallen, die bisher auf zweckdienliche, aber auch besorgniserregende Weise über ein Monopol der Nachrichtenfilterung verfügten. Der jetzige Vertrauensverlust ist einerseits das Resultat einer verstärkt wahrgenommenen tendenziösen Auswahl dessen, was als berichtenswert gilt und andererseits die Folge der immer unschärferen Trennung zwischen objektivem Bericht und subjektivem Blickwinkel. Über die Festnahme eines tatverdächtigen afghanischen Migranten in Freiburg nicht zu berichten, ist ein Beispiel für ersteres, über einen Terroranschlag aus dem Blickwinkel zu berichten, inwiefern er Rechtspopulisten nützen könnte, ist ein Beispiel für letzteres. Die neuen Online-Medien übernehmen hier eindeutig nicht die Funktion neuer Gatekeeper, sondern bieten viel eher andere, zugespitzte Blickwinkel auf die vorliegenden Tatsachen an.

Die neue mediale Internetlandschaft ist daher dadurch geprägt, dass ihr Tonfall schärfer ausfällt und dass sich ihre Akteure eindeutiger bestimmten Mannschaften zuordnen lassen, als dies mit Blick auf die traditionellen Medien der Fall war. Wie es der amerikanische Konservative Ben Shapiro kürzlich ausdrückte: „When there is no gatekeeper, the good news is: There is no gatekeeper. The bad news: There is no gatekeeper.“ Bei allen Bedenken gegenüber den mächtigen Gatekeepern fällt also durchaus auf, dass ihre moderierende und konzentrierende Funktion heute fehlt. Während es in der deutschen Politik (noch) keine Figur wie Donald Trump gibt, die die Polarisierung gegen die Regierung und das Establishment auf sich vereinigt, so steigt doch das Mißvergnügen. Es gibt zwar noch viele Mitspieler aus ganz anderen Ecken des politischen Spektrums, aber die einigende – und durchaus nachvollziehbare – Stoßrichtung ist dabei klar.

Aber die wachsende Tendenz, Politik als eingefleischten Teamsport zu begreifen, birgt die Gefahr, sowohl echte, als auch vermeintlich echte Tatsachen nur noch aus dem Blickwinkel zu betrachten, ob sie dem eigenen Team nützen, oder nicht. In den sozialen Netzwerken lässt sich dies überdeutlich beobachten, denn dort hat innerhalb des einen Teams all das eine hohe Chance, „viral“ zu werden, was die Mitglieder der Bundesregierung dumm dastehen lässt, während im anderen Team gerne das geteilt wird, was die AfD, Horst Seehofer und Donald Trump verspottet. Es gilt die simple Faustregel: Je absurder ein politisches Statement in den Augen der eigenen Filterblase erscheint, je mehr Empörung es verursacht, desto besser. Empörung, ausgelöst durch die passenden Stichworte und Namen, droht damit zum Selbstzweck zu werden. Nicht ganz ohne Grund schrieb ein Leser auf Facebook unter einem auf TE veröffentlichten Merkel-freundlichen Beitrag: „Wenn ich die Kommentare hier lese, stellen sich mir zwei rhetorische Fragen. 1.: Wie kann man nur 24 Stunden am Tag empört sein? 2.: Wie passt es zusammen, einerseits ständig die angebliche Abschaffung der Meinungsfreiheit zu beklagen und andererseits an die Decke zu gehen, sobald im Lieblingsblog mal eine abweichende Meinung zu Wort kommt?“

Im Zuge dessen schleicht sich auch ein bedenkliches Verhältnis zur Wahrheit in den politischen Teamsport ein. Als beispielsweise das Gerücht über eine Zweckentfremdung deutscher Gelder an die Clinton Foundation für den Clinton-Wahlkampf wirksam auf Twitter und Facebook die Runde machte, mangelte es bald an der wichtigsten Zutat: handfesten Beweisen, oder zumindest Indizien. Dies hatte zur Folge, dass der AfD die Weiterverbreitung dieses Gerüchts, welches sie zwar nicht in die Welt gesetzt, aber aufgegriffen hatte, sogar gerichtlich untersagt wurde. Von so etwas wie reuiger Einsicht in den eigenen Fehler war danach in den sozialen Netzwerken aber genauso wenig zu sehen, wie zuvor auf der anderen Seite.

Es geht also bereits zu wie auf dem Fußballfeld: Man hält der eigenen Mannschaft auch dann noch die Treue, wenn sie einen Elfmeter durch eine Schwalbe herausgeholt hat und falls der Schiedsrichter die Schwalbe zuvor gesehen und geahndet hat, pfeift man ihn aus und nicht den schuldigen Spieler. Aber gute demokratische Politik ist kein Mannschaftssport – sie ist ein Wettbewerb von Ideen, Weltanschauungen und konkreten Lösungskonzepten. Nur weil etwas Merkel politisch schadet, ist es nicht unbedingt auch wahr und nur, weil es faktisch nicht haltbar ist, steckt keine Verschwörung der regierungstreuen Gerichte und Medien dahinter. Auch wer Etiketten wie „Lügenpresse“ allzu inflationär verteilt, stellt sich damit an eine Gefechtslinie, hinter die er kaum noch zurückweichen kann, selbst wenn es angebracht und wünschenswert wäre.

Das Jahr 2017 wird somit wahrscheinlich, neben allen spannenden politischen Entwicklungen, auch ein sehr interessantes Jahr der Bewährung für die neuen medialen Akteure, in dem sie unter Beweis stellen können, was ihre Standards und ihre Beiträge zur politischen Debatte sein sollen – vom polemisierten Teamsport, bei dem man immer dann wegsieht, wenn die eigene Mannschaft ein Foulspiel begeht, bis zur scharfzüngigen, aber nach allen Seiten wahrhaftig geführten Debatte ist alles möglich. Ben Shapiro empfiehlt als Indikator der intellektuellen Aufrichtigkeit übrigens, zu überprüfen, ob man von beiden Seiten gleichermaßen gehasst werde. In diesem Sinne: Auf ein gutes Jahr 2017!

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