Elitäres Denunziantentum zur fachgerechten Stützung der staatstragenden Mythologie.

Nach Beiträgen zur Entgrenzung unseres Staates, den Einfluss der 68-er Generation und den Verlust unserer Geschichte wendet sich Ui Weber heute der Frage zu, wie Bürger Widerstand leisten sollen, wenn das innerhalb des Systems nicht geht.

 

Es dauert ja manchmal ziemlich lange, bis endlich der Groschen gefallen ist – ein großer Dank geht daher an die Neuen Deutschen Aufklärer. Der Autor hatte sich hier bei TE ja bereits in mehreren Artikeln an den aktuellen gesellschaftspolitischen Irrsinn in unserem Lande herangetastet, nämlich über die Entgrenzung unseres Staates, den Einfluss der 68-er Generation und den Verlust unserer Geschichte.

Aber wenn wir den Vorwurf des Schweigens gegen eine Mehrheit des deutschen Volkes im Nationalsozialismus aus dem Blickwinkel des aktuell unter Naziandrohung ruhig gestellten bundesdeutschen Durchschnittsbundesbürgers betrachten – worin besteht da heute eigentlich ein Unterschied zu gestern?

  • Wir haben heute schon wieder eine öffentliche Ausgrenzung und Verächtlichmachung von andersdenkenden Bürgern und Institutionen, die voll auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen. Besonders perfide ist das diesbezügliche Schweigen oder gar Umprojizieren der sich selbst als Vierte Gewalt verherrlichenden Qualitätsmedien.
  • Wir haben heute schon wieder eine politisch verordnete und vom freiwillig selbstgleichgeschalteten Medienmainstream propagierte Einheitsmeinung, die mittels Nudging durch „zielgerichtete“ Kameraeinstellungen und „richtungsweisend“ kommentierte Berichte zu einem betreuten Denken der Bürgerinnen und Bürger beiträgt. Nur noch in zunehmend kritisierten und denunzierten Minderheitsmedien können sich die deutschen B&B noch frei über die öffentlich vorenthaltenen Fakten und die sich daraus tatsächlich abzuleitenden Perspektiven informieren.
  • Wir haben heute schon wieder einen staatsfinanzierten Spitzelapparat, der sich aus Fachleuten der längst überwunden geglaubten letzten Diktatur auf deutschem Boden rekrutiert, und der sich gerade durch sippenhaftaffine Scheinwissenschaft demokratisch reinzuwaschen versucht. Zeitgleich erwächst unserem Lande ein neues und elitäres Denunziantentum zur fachgerechten Stützung der staatstragenden Mythologie.

All das sind geeignete innenpolitische Instrumente, um permanent gesellschaftlichen Druck auf die schweigende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger unserem Land auszuüben, die genug mit ihrem eigenen Leben zu schaffen hat und nicht noch zusätzlich in innenpolitische Konflikte hineingezogen werden möchte. Und daher haben wir heute ganz selbstverständlich auch schon wieder eine schweigende Mehrheit in diesem unserem Lande!

Der aktuelle Umgang mit Andersdenkenden in unserer freiheitlich-demokratischen Bundesrepublik Deutschland bestätigt das Napoleon zugeschriebene Zitat, das der Autor hier einfach mal unrecherchiert wiedergibt, denn selbst dann, wenn es nicht stimmen sollte, triff es voll zu:

“Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk, als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.”

Die 68-er Generation des Autors hatte ihren Eltern ja einstmals persönlich vorgeworfen, zu den Gräueln der Nazidiktatur geschwiegen zu haben. Objektiv gesehen ging dieser Vorwurf an eine Generation, die sich in einer Zeit wirtschaftlicher Not der Indoktrination einer Diktatur ausgesetzt sah. Diese Nazidiktatur war geprägt durch eine totalitäre und repressive Einheitsmeinung, deren handelnde Akteure damals nationalsozialistische Machthaber und ihre Parteigänger, eine sehr kooperative Wirtschafts- und Kulturelite, eine gesteuerte öffentliche Meinung und ein staatstragendes Netz von Kontrolleuren und Mitläufern waren – mit dem uns allen hinlänglich bekannten schrecklichen Ergebnis.

Es drängt sich heute also die eher rhetorische Frage auf, an welcher Stelle von fatalen politischen Entwicklungen denn wohl eine „schweigende Mehrheit“ ihr Schweigen gegenüber „aus dem Ruder gelaufenen“ Machthabern endlich zu brechen bereit sein wäre. Insbesondere unter einer Spirale steigender totalitärer Kontrolle erscheint ein solcher demokratischer Ausbruch nämlich zunehmend unwahrscheinlicher. Denn wenn gerade letzte Nacht der Nachbar von Ledermänteln „abgeholt“ worden ist, dann mag es mit der eigenen Bereitschaft, sich systemkritisch zu äußern, verständlicherweise nicht mehr so weit her sein.

Heutzutage ist das alles ja noch sehr viel weniger dramatisch, denn der systemkritische Nachbar ist noch zu Hause – aber heute ist er eben ein Nazi und man selber schweigt lieber oder verschwindet vorsorglich mitsamt der Familie aus diesem unserm Lande …

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Und trotzdem gab es in der Nazidiktatur erstaunlich viele Einzelbeispiele von Bürgerinnen und Bürgern, die sich ganz bewusst der nationalsozialistischen Staatsdoktrin entzogen hatten. Hier haben unsere Geschichtsschreiber versagt, denn all diese Einzelfälle, bis auf ganz besonders herausragende Ausnahmen, beispielsweise das Attentat vom 20. Juli 1944

und Oskar Schindler, wurden offenbar in ihrer Summe niemals historisch aufgenommen und unserem verqueren Geschichtsbild hinzugefügt; und selbst Schindler wurde erst mehr als 35 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg durch ein eher zufällig entstandenes Buch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Mit dem demographischen Verschwinden der direkten Zeitzeugen aber ist eine historische Würdigung dieser Art von bürgerlicher Zivilcourage unmöglich geworden, auch wenn sich der eine oder andere vielleicht noch an diesbezügliche familieninterne Geschichten erinnern mag.

Die Frage ist daher, ob und inwieweit der einzelne Bürger die Handlungen eines Staates persönlich überhaupt zu verantworten hat, wenn er nicht einmal aktiv in dessen Fehlentwicklung eingreifen oder selbst unter der Hinnahme persönlicher Nachteile diese nicht verhindern kann. Denn der Artikel 20 (4) des Grundgesetzes räumt allen Deutschen zwar das Recht auf Widerstand gegen jeden ein, der es unternimmt, unsere rechtsstaatliche Ordnung zu beseitigen – aber ist das nicht eher ein nachträgliches Feigenblatt für gewesene Machthaber nach dem Motto, „Ihr habt das ja auch nicht verhindert, obwohl Ihr das Recht dazu hattet“?

Was soll denn, bitte sehr, der Einzelne in der Realität wirklich mit diesem Widerstandsrecht anfangen, wenn es für einen solchen Widerstand keine anrufbare Instanz außerhalb des Systems gibt, außer unter angedrohten oder tatsächlichen Repressionen durch das System vergeblich sein Maul aufzumachen oder von vorn herein gleich ganz zu schweigen?

Damit aber stellt sich aber auch die Frage nach der politischen oder moralischen Schuld einer „schweigenden Mehrheit“ ganz neu.

Am Ende dieser Betrachtung muss der Autor wohl der schweigenden Mehrheit seiner Elterngeneration, soweit sie nicht aktiv an Naziverbrechen beteiligt gewesen ist, insofern Abbitte leisten, als dass diese Generation unter dem Druck einer Diktatur mit ihrem damaligen Schweigen nicht moralisch verwerflicher gehandelt hat, als heute eine Mehrheit in unserer freiheitlich-demokratischen Bundesrepublik Deutschland, die mit ihrem Schweigen zu einer offenbar beabsichtigten Abschaffung des Deutschen Volkes mit Hilfe von Rechtsbrüchen unserer gewählten Regierung beiträgt.

Gnade uns also Gott, dass nicht zukünftige Generationen im Teddybärwerfen auf Bahnhöfen ein historisches Synonym für das freundliche Gesichtes eines übergesetzlichen moralischen Imperativs in einem Neuen Deutschland sehen werden – und dass sie nicht ebenfalls die Frage stellen müssen, warum wir heute dazu geschwiegen haben …

Uli Weber ist Geophysiker und Publizist.

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