Der Anti-Rassismus beansprucht eine moralische Überlegenheit und rechtfertigt damit unmoralisches Verhalten.

Der Anti-Rassismus entspringt der gleichen Geisteshaltung wie der Rassismus selbst: Beide beanspruchen eine moralische Überlegenheit und rechtfertigen damit unmoralisches Verhalten.

Ich habe hier einmal ein paar Ereignisse mitgebacht, die es größtenteils nicht in die Zeitung geschafft haben, die ich dann aber alle aus erster Quelle kenne:

  • Der Vorstand eines Studentenvereins wird beschimpft, weil er homosexuell ist, und der Präsident einer Universität weigert sich aus dem gleichen Grund, diesem Verein Zugang zur Universität zu verschaffen.
  • Ein Offizier der Bundeswehr wird regelmäßig angefeindet, weil er eine schwarze Hautfarbe hat.
  • Eine bekannte deutsche Politikerin findet die Mitglieder einer bestimmten Rasse „einfach nur eklig“.
  • In Bayern meldet eine islamistische Vereinigung ein internes Treffen im Rathaus an, das auch erst genehmigt wird. Als die Ranghöheren davon erfahren, beraumen sie selbst eine Ausschusssitzung in diesem Raum an, um das Treffen zu verhindern. Der Professor einer Universität berichtet mir davon und freut sich, dass das angemeldete Treffen durch diese Vorgehensweise zumindest nur in einem Nebenraum stattfinden konnte.

Ach wie schön ist es, die Schwachen zu schlagen! Das Schlagen der Schwächeren scheint tief in unserer menschlichen Psyche verankert zu sein.

Sollte man meinen. Aber die tägliche Erfahrung lehrt, dass es auch sehr viele gibt, die das gar nicht schön finden und es geradezu zu ihrer Lebensaufgabe machen, gegen Fälle wie die oben genannten vorzugehen. Wie kann das sein, wenn doch das Eindreschen auf die Schwachen angeblich so schön ist? Liegt es daran, dass es auf der einen Seite die guten Menschen gibt und auf der anderen die schlechten? Dass die schlechten Gefallen daran finden, die Schwachen zu schlagen, und die guten, die unter Einsatz ihres Lebens die Schwachen zu verteidigen?

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass es tief in der menschlichen Natur verankert ist, sich über andere stellen zu können. Insofern scheint bei vielen von uns (wenn nicht gar bei allen) das „Schlechte“ vorhanden zu sein. Ein Auswuchs davon sind Hasstiraden oder Schikanen, mit denen man andersartige Gruppen bedenkt.

Schutzmechanismen …

Aber es gibt da einen Haken: Unsere Psyche hat an vielen Stellen Schutzmechanismen eingebaut, die gegen allzu heftige geradlinige Auswüchse gegenarbeitet. Geht es jemandem zu gut, dann hat er Angst, dass die Götter neidisch werden könnten. Ist das Wetter zu schön, dann muss man sich schnell an den Klimawandel erinnern; schmeckt das Essen zu gut, muss man an die hungernden Kinder in Afrika denken. Keine Frage, dass vieles davon Bestandteil unserer Kultur ist (also insofern nicht von „innen“ kommt), aber die menschliche Psyche ist so aufgebaut, dass sie diese Gegenreaktionen sehr bereitwillig aufgreift und erlernt.

Aus diesem Grund ist es oft nicht sehr schön, etwas eigentlich Schönes zu machen. In der Ökonomie gibt es die Annahme, dass mehr besser ist als weniger. Aber je nach Kultur ticken wir komplizierter als in dieser einfachen Mehr-ist-besser-Welt. Der Nutzen, den wir aus etwas ziehen, hängt keineswegs direkt mit der materiellen Menge zusammen. Wir drängeln uns nicht einfach vor die Frau mit Kinderwagen in den Aufzug, sondern helfen ihr vielleicht sogar noch beim Hineinhieven. Wir stellen uns nicht einfach auf den Behindertenparkplatz, auch wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Strafzettel sehr gering ist. Und so schlagen wir eben auch nicht die Schwächeren, selbst wenn wir es könnten. Denn es gibt zwei Gegenkräfte, die uns davon abhalten. Erstens ist es gesellschaftlich nicht angesehen, auf den Schwächeren einzudreschen; und zweitens halten wir es aus uns selbst heraus für falsch. Es setzt sowohl ein gesellschaftlicher als auch ein individueller Schutzmechanismus ein.

… werden ausgehebelt

Aber wieso kommt es dann zu den Auswüchsen, die ich in den Eingangsbeispielen genannt habe? Die Antwort besteht darin, dass es möglich ist, den Schutzmechanismus außer Kraft zu setzen. Nehmen wir ein einfacheres Beispiel: Jemand möchte ein Eis essen, nimmt sich aber bereits als übergewichtig wahr. Jetzt schmeckt das Eis nicht, weil ein Schutzmechanismus wirkt, der gegen die direkte Bedürfnisbefriedigung arbeitet. Damit das Eis wieder schmeckt, muss man eine Begründung finden, wieso das als falsch wahrgenommene Verhalten in dieser Situation doch in Ordnung ist. Deshalb konstruiert man eine Begründung vom Typ „jetzt gerade ist eine besondere Situation“ und schon schmeckt das Eis wieder. Ich nehme oft an Tagungen der verschiedensten Art teil und habe schon oft die Theorie gehört, „Kalorien außer Haus zählen nicht“, damit man am Buffet zuschlagen kann.

Die gleichen Mechanismen wirken auch beim Schlagen des Schwachen. Einen Schwachen zu schlagen macht auch dem Starken keinen Spaß, solange er es selbst als moralisch falsch wahrnimmt. Einen Starken zu schlagen kann dagegen sehr angenehme Gefühle auslösen, weil jetzt kein Schutzmechanismus einsetzt. Noch besser wird es, wenn der Starke nicht nur stark, sondern auch moralisch schlecht ist und man ihn trotzdem schlägt, um einen Schwachen zu schützen. Jetzt sind gleich alle guten Argumente auf der eigenen Seite: Erstens ist man stärker, was sich gut anfühlt; zweitens setzt kein Schutzmechanismus der Moral ein, der einem die Sache vergällt; und drittens macht man die Welt durch seine Tat zu einem besseren Ort. Dass man immer noch jemanden schlägt, der offensichtlich schwächer ist als man selbst, das ist jetzt auf einmal nicht mehr schlimm.

Ich erinnere mich an eine Szene aus einem Van-Damme-Film, in der der Held einer farbigen Frau im Bus einen Sitzplatz freimacht und ein Schlägertyp als Provokation diesen Sitzplatz wegschnappt. Van Damme, der Held, fackelt nicht lange, sondern verprügelt den Schläger, katapultiert ihn durch die geschlossene Fensterscheibe des Busses und macht der Frau dadurch den Platz endgültig frei. Das fühlt sich gut an, denn der Schläger war ja wirklich ein Böser. Die Kleinigkeit, dass hier nicht nur der Bus demoliert, sondern auch eine Person verletzt wurde, zählt auf einmal nicht mehr.

Schwächere darf der Stärkere nicht schlagen …

Fällt Ihnen ein Film ein, in dem ein positiv besetzter Held seine Stärke gegen eine als schwächer dargestellte Person einsetzt? Kennen Sie eine einzige Stelle, in der der Held eine Frau schlägt und dennoch positiv bleibt? Ich kenne (fast) keine solche Stelle. Dagegen ist es kein Problem, Szenen zu finden, in den eine Frau einen Mann schlägt und dabei die positive Heldin bleibt. David darf Goliath schlagen, aber nicht umgekehrt.

Offenbar darf man andere verprügeln, wenn der andere möglichst stark und möglichst schlecht ist. Wer ist in unserer Gesellschaft der Stärkste? Richtig, der Mann, vorausgesetzt er ist weiß und am besten gesellschaftlich hoch gestellt. Wenn er jetzt auch noch böse ist, dann stehen die Schleusentore weit auf. Jetzt darf man beschimpfen, beleidigen, angreifen – alles in Ordnung. Wie in der Bus-Szene mit van Damme. Denn das Opfer der eigenen Angriffe ist ja stark und moralisch schlecht. Schutzmechanismus außer Kraft gesetzt, und der Spaß kann beginnen.

So tickt die Antifa. Aber sie ist nicht allein. Auch gesittete Menschen dürfen jetzt hemmungslos diskriminieren, verachten, hassen, unfair behandeln, nicht zu Wort kommen lassen, der Gewalt aussetzen und was einem sonst nicht noch alles einfällt. Alles ist möglich, ohne dass das eigene Selbstwertgefühl darunter leidet, denn: man ist ja der Gute und das Opfer ist der Schlechte. Man ist jetzt van Damme, der einen starken bösen weißen Mann verprügelt, weil der seine Stärke missbrauchen wollte. Ein demolierter Bus und ein Schwerverletzter, was zählt das noch in Anbetracht von so viel Einsatz für das Gute?

… es sei denn, der Schwächere ist böse

Gehen Sie die Menschheitsgeschichte durch und suchen Sie nach den Ereignissen, die wir heute für den Ausbund des Bösen halten (und Sie brauchen hier im Dritten Reich nicht Halt zu machen). Nie sagten die Machthabenden „Leute, lasst uns mal so richtig böse sein, weil es Spaß macht“. Sondern immer taten sie das aus heutiger Sicht Böse, weil sie das Gute erreichen wollten und weil die Verteidigung der richtig hohen moralischen Werte schon immer besondere Maßnahmen rechtfertigte – zumindest vor sich selbst. Denn ohne diese moralischen Begründungen hätte das Böse-Sein keinen Spaß gemacht.

Das ist auch heute so. Je höher der moralische Wert, der verteidigt werden soll, desto drastischer dürfen die vorgeschlagenen Maßnahmen sein. Man schreibt dem anderen vor, was er zu essen hat? Kein Problem, wenn es den Klimawandel verhindert. Man zündet eine Druckerei an? Kein Problem, wenn die rechtsradikale Schriften produziert. Man verletzt einen Politiker? Völlig in Ordnung, wenn er nur durch und durch schlecht ist. Dann brauchen sich auch andere Verteidiger des Guten nicht darum zu kümmern. Denn die Schutzmechanismen, individuell wie kollektiv, gelten dann nicht mehr. Man kann jetzt hemmungslos gut sein; solange, bis irgendwann in der Zukunft auffällt, was man sich da geleistet hat und eine zukünftige Generation kopfkratzend fragt, wieso denn damals das hemmungslos Böse so verbreitet war.

Womit wir wieder am Anfang wären. Rassismus und Sexismus machen Spaß, wenn man sich einen guten Grund einreden kann, weshalb dieses Verhalten nicht nur moralisch gerechtfertigt, sondern geradezu moralisch geboten ist. Wenn das nicht geht, dann nimmt man eben den Rassismus zweiter Ordnung und richtet alles, was man eben noch als verwerflich angesehen hat, gegen diejenigen, die man als Rassisten und  Sexisten klassifiziert. Denn die sind ja wirklich böse.

Anti-Rassismus entspringt der gleichen Geisteshaltung wie Rassismus

Daher entspringt der Anti-Rassismus der gleichen Geisteshaltung wie der Rassismus selbst: Beide beanspruchen eine moralische Überlegenheit und rechtfertigen damit unmoralisches Verhalten.

Und wer es nicht glaubt: Wie sich die aufmerksamen Leser sicherlich bereits selbst gedacht haben werden, waren alle Eingangsstatements gefälscht. So sind die Sachverhalte tatsächlich:

  • Der Offizier der Bundeswehr wird nicht etwa regelmäßig angefeindet, weil er eine schwarze Hautfarbe hat, sondern weil er Offizier ist.
  • Der Studentenverein wurde nicht wegen seines homosexuellen Vorsitzenden ausgegrenzt, sondern weil er keine weiblichen Mitglieder hat.
  • Die bekannte deutsche Politikerin bezog das Wort eklig auf „weiße, rechte Männer“.
  • In Bayern meldete nicht eine islamistische Vereinigung ein internes Treffen im Rathaus an, sondern es war die AfD.

Wären die Sachverhalte wirklich so gewesen wie eingangs geschildert, wären die verantwortlichen Personen mit Sicherheit schon lange nicht mehr im Amt. Deshalb ist es so schön, ein Anti-Rassist zu sein.

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