Evelyn Kremer – neue vier Erzählungen / Gegenstände der Kindheit / Alltagsgrau / Sonntagskaffee / Herbstmorgen

Gegenstände der Kindheit

von Evelyn Kremer

Wenn sie an ihre Kindheit und Jugend dachte, erinnerte sie sich oft an Dinge und Gegenstände, die es heute gar nicht mehr gab. Zunächst fiel ihr da zum Beispiel das Telefon mit der Wählscheibe ein: Das Telefon selbst war meist dunkelgrün und hatte einen klobigen Körper aus glänzendem Kunststoff. Auf das Telefon war eine durchsichtige Wählscheibe montiert und der schwere Telefonhörer mit Sprech- und Hörmuschel befand sich oberhalb dieser Wählscheibe. Wollte man eine Nummer wählen, wählte man mit dem Zeigefinger zum Beispiel für die Vier das vierte Loch in der Wählscheibe. Dann drehte man die Scheibe bis zum Anschlag. Anschließend folgte die nächste Zahl – sobald die Scheibe sich von selbst zurückgedreht hatte. Wenn man sich verwählte, gab es keine Zurück. Man musste noch einmal den Hörer auflegen und von Vorne anfangen. Einen Vorteil hatte der schwere Hörer am Telefon: Man konnte ihn bei unangenehmen Gesprächen richtig schön „aufknallen“ und damit direkt seine Wut herauslassen.

Meist stand das Telefon an einem zentralen Platz im Haus oder in der Wohnung. Deshalb war es schwierig, ein Telefon-Gespräch zu führen, ohne dass die anderen Familienmitglieder alles mitbekamen. Sie erinnerte sich noch, dass ihre Mutter bei „Erwachsenengesprächen“ oft begann, auf Englisch zu sprechen, damit sie und ihre Geschwister nichts verstanden. Zusätzlich stand das Telefon meist an einem eher ungemütlichen Platz – zum Beispiel im gekachelten Flur. Dort konnte man sich mit kalten Füßen höchstens auf einen kleinen Hocker setzen und sich beim Telefonieren nicht gemütlich auf die Couch legen. Sie erinnerte sich noch an Tage an denen ihre Eltern nicht im Haus waren und sie ungestört stundenlang mit ihren Freundinnen telefonieren konnte – ohne dass die Mutter nervte und ständig zum Beenden des Gesprächs aufforderte.

Dann war da zum Beispiel auch noch der Kassettenrecorder! Schon als Kleinkind hatte sie mit ihren Schwestern viele Kassetten gehört vor dem Einschlafen. Faszinierend war immer das Magnetband: Wenn es sich im Kassettenrecorder festhakte und verhedderte, musste man das Band mühsam per Hand wieder in die Kassette spulen indem man eines der Rädchen innerhalb der Löcher in der Kassette drehte. Mit einem Kassettenrecorder stellte sie sich damals auch ihre eigene erste Musikkassette mit Lieblingssongs zusammen. Stundenlag saß sie dafür nach der Schule vor dem Radio und drückte die Aufnahmefunktion sobald ein guter Song kam. Nach Ende des Songs stoppte  sie die Aufnahme schnell – oft ärgerlich darüber, dass sie schon wieder ein Stück der Sprecherstimme am Ende des Songs mit aufgenommen hatte.

Sie erinnerte sich auch noch gut an den Marzipangeruch der von den Lehrern verteilten Arbeitsblätter für den Schulunterricht. Damals gab es noch keinen Kopierer und man musste die Texte der Arbeitsblätter mit einer unter das Papier gelegten „Matrize“ schreiben. Durch die Matrize erschienen die Texte in Spiegelschrift auf einem anderen Papier. Dieses wurde dann vom Matrizendrucker vervielfältigt. Das Papier roch aufgrund der Matrizen-Tinte nicht nur nach Marzipan; die schöne lilafarbene Tinte war auf ein seidenglattes, spezielles Papier aufgedruckt. Gerne strich sie über die seidige Oberfläche und roch an dem Papier.

Am Abend – wenn sie schon im Bett lag – hörte sie oft das Tippen der Mutter an der Schreibmaschine und das Fluchen, wenn die Mutter einen falschen Buchstaben getippt hatte. Den falschen Buchstaben musste sie mühsam mit weißer Farbe überdecken und die fehlerhafte Stelle dann mit einem neuen Buchstaben überschreiben. Wenn man eine Zeile fertig getippt hatte, musste man den Buchstaben-Zylinder der Schreibmaschine wieder an den Anfang des Papiers schieben. „Wie einfach war es doch, als es endlich die elektronische Schreibmaschine gab“, dachte sie. Doch auch das war kein Vergleich mit den heutigen Computern. Oft fragte sie sich, wie man früher mit Schreibmaschinen und Briefpost – ohne Email – riesige Unternehmen, Heere und Veranstaltungen organisieren und steuern konnte.

Irgendwann an Weihnachten kaufte ihr Vater den ersten Computer. Sie kann sich nicht mehr genau an Einzelheiten erinnern, aber das erste Computerspiel hat sie nicht vergessen. Stundenlang spielte sie zusammen mit ihren Schwestern. Sie stritten ständig um den Joystick. der Computer löste für lange Zeit den beliebten Fernseher ab, mit dem man sowieso nur zwei Programme empfangen konnte. Dann irgendwann kam das „Internet“. Zunächst nur an der Uni: Jeder Student bekam ein Passwort und in einem großen Saal stand ein Computer neben dem nächsten – insgesamt mindestens fünfzig. In den ersten Jahren des Internets musste man sich noch übers Modem ins Internet einwählen. Dieses machte ein tutendes, piependes und rauschendes Geräusch für mehre Sekunden. Sie erinnerte sich noch ganz genau daran, wie aufgeregt sie war, als sie das erste mal mit Freunden chattete.

Zuletzt fielen ihr noch die gelben Telefonzellen mit den dicken Telefonbüchern ein. Meist war es in den Zellen etwas dreckig und roch übel. Um zu telefonieren, musste man dreißig Pfennig einwerfen – später konnte man auch mit einer speziellen Telefonkarte bezahlen. Die dicken Telefonbücher mit hunderttausenden von Nummern bestanden aus einem hauchdünnen, grauen, mit Namen und Nummern bedrucktem, Papier. Man brauchte ewig, um die richtige Nummer zu finden – vor allem wenn der Gesuchte einen häufigen Nachnamen wie Müller, Bauer oder Maier hatte. Die Telefonzellen wurden sehr oft zweckentfremdet: Wenn es regnete drängten sich in eine Telefonzelle fünf  Teenager oder ein verliebtes Teenie-Paar. In dem Telefonhäuschen führte auch sie die ersten Telefonate mit Jungs und bei Regen hatte auch sie sich mit ihren Freundinnen ins das Häuschen geflüchtet.

„Wie sehr hat sich die Welt in den letzten Jahren verändert“, dachte sie. Dabei war sie doch erst Mitte Dreißig. Wenn sie an die vielen Dinge dachte, die es heute schon nicht mehr gab – wie würde es dann sein, wenn sie achtzig ist? Sie konnte sich plötzlich vorstellen, dass sich alte Leute irgendwann wie Außerirdische fühlen – leben sie im Alter doch meist in einer ganz anderen Welt als in ihrer Kindheit. „Vielleicht wollen sie dann einfach nicht wieder etwas Neues sehen“, dachte sie. „Sie freuen sich dann einfach mal etwas Ruhe zu haben“.

Alltagsgrau
von Evelyn Kremer

Es gibt Tage an denen ihr einfach alles nur Grau vorkommt. Schon am Morgen hat sie keine Lust aufzustehen. Nichts treibt sie, nichts motiviert sie, nichts zieht sie. Immer dasselbe erwartet sie. Erst immer wieder dasselbe öde Frühstück allein am Tisch, ohne Appetit, nur um satt zu sein und nicht umzukippen. Es ist dann noch dunkel draußen und kalt im Winter. Auch die Luft in der Wohnung ist kalt. Im Bett war es am Schönsten.Dann Duschen, sich fertig machen. Sich bemühen, einigermaßen gut auszusehen, trotzt der fahlen Winterhaut und der wenigen Energie: Erst die Zähne putzen, dann Eincremen, dann Schminken, dann die Haare machen. Immer gleich. Manchmal kann sie sich selbst nicht mehr sehen. Würde gerne einfach für einen Tag jemand anderes sein, anders aussehen, die Welt aus anderen Augen betrachten, in einer anderen Wohnung wohnen, einen anderen Job haben. Einfach etwas Abwechslung.

Der Weg zu Arbeit. Oft überlegt sie, welchen anderen Weg sie noch gehen kann um wenigstens auf dieser kurzen Strecke am Tag etwas anderes zu sehen. Mal mit der Straßenbahn, mal mit der U-Bahn, mal mit dem Fahrrad, mal mit dem Bus. Aber eigentlich ist sie alle Wege schon gefahren. Sie kennt jede Straße und jedes Haus, jedes Geschäft. Alles kommt ihr Trist, langweilig und ohne Leben vor. Vielleicht spiegelt sich im Äußeren nur ihr Inneres? Egal. Das kommt aufs gleiche raus.

Bei der Arbeit angekommen, begegnen ihr immer dieselben Gesichter. Eigentlich sind alle Kollegen nett und sie würde sich gerne mit ihnen unterhalten, um mehr über sie zu erfahren. Aber dafür ist keine Zeit. Der Job ist anstrengend und stressig. Manchmal bleibt ihr kaum Zeit zu essen. Wie soll sie sich da auf die Geschichten der Kollegen einlassen? Sie kommt sich vor wie eine Maschine. Wie ein elektrisches Fahrzeug das während des Tages möglichst gut alle Hindernisse und Hürden meistern muss, um am Ende des Tages erschöpft eine Etappe auf einem nie endenden Weg zu erreichen. Die Räder drehen am Abend durch. Das Benzin ist leer. Wenn sie ihren Job am Abend beendet, ist es schon wieder dunkel.

Müde schleppt sie sich nach Hause und schafft es gerade noch etwas zum Abendessen einzukaufen. Ein lustloses Essen. Zu müde zum Telefonieren. Kein Kontakt außer mit Kollegen gehabt. Nur über Arbeitsprojekte, kein persönliches Wort geredet, 136 E-Mail empfangen, 64 E-Mails geschrieben, ständig zusammenzuckend, wenn eine neue E-Mail aufpoppt. Müde hängt sie auf der Couch. Sie zappt durch die Programme und kann sich nur noch Unsinn anschauen. Der Fernseher flimmert, wirres Gerede und wirre Gesten. Kein wirklicher Inhalt. Sie schläft auf der Couch ein und kann sich um Mitternacht nur noch ins Bett schleppen.

Unruhig schläft sie bist zum nächsten Morgen. Sie träumt von E-Mails, die sie noch beantworten muss. Dann hat sie wilde Träume einer Reise, sie trifft Menschen. Oft erlebt sie im Traum mehr, als im Alltag. Dann um sieben Uhr klingelt der Wecker. Nichts treibt sie, nichts motiviert sie, nichts zieht sie. Immer dasselbe erwartet sie. Erst immer wieder dasselbe öde Frühstück allein am Tisch, ohne Appetit, nur um satt zu sein und nicht umzukippen. Es ist dann noch dunkel draußen und kalt im Winter.

Eigentlich hatte sie gute Laune. Es ist Sonntag und sie hatte sich viel vorgenommen: Sie wollte nach dem Besuch ihrer Eltern noch ins Museum und abends mit Freunden ins Kino. Doch beim Besuch ihrer Eltern nimmt der Tag eine unschöne Wendung. Sie sitzen beim Kaffee. Ihr Bruder ist auch da. Die Mutter beschwert sich, dass sie sich „so lange“ nicht gesehen haben. Sie kann das nicht begreifen. Sie ist nicht zur Belustigung ihrer Mutter da. Die hat ewig Zeit, ist in Rente und springt nur noch von einem Event zum nächsten. Erst vor einer Woche haben sie sich getroffen – zum Abendessen. Ihre Mutter versteht nicht, dass sie einen anstrengenden Job hat und diese Woche über fünfzig Stunden in der Firma war. Sie ist froh, wenn sie am Wochenende ein bisschen Zeit für ihre Eltern hat – und dann muss sie sich diese Vorwürfe anhören.

Die Eltern erzählen von einem Geburtstag, wo sie am Abend zuvor gewesen sind. Es war der siebzigste Geburtstag eines ehemaligen Kollegen des Vaters. Sie waren in ein schickes Hotel eingeladen, zusammen mit zwanzig anderen Gästen. Nun tratschen und lästern ihre Eltern über das Erlebte: Die Tochter der Bekannten sei eine kühle und unattraktive Person, zwei Kinder habe sie und sei schon zwei mal geschieden. Der Sohn sei dick mit Glatze und studiere immer noch. Die Frau des Geburtstagskinds sei bereits dement und die anderen Gäste –  meist Verwandte des Geburtstagskindes – seien dümmlich. Auch die Musik und das Essen waren nicht gut. „Wie kann man so lästern über einen Abend für den der Gastgeber viel Geld ausgegeben hat? Sicher hat er sich viel Mühe für die Vorbereitung der Feier gemacht“, denkt sie und nimmt sich vor, selbst nie wieder eine Party zu geben.

Nachdem die Geburtstagsfeier durch ist, ist sie dran. Die Eltern fragen, was es Neues gibt und der Bruder fragt penetrant, ob es nun endlich einen neuen Mann in ihrem Leben gebe. „Du suchst Dir nie die Richtigen. Such Dir mal einen bodenständigen“, sagt die Mutter und dann ergänzt der Bruder: „Kein Wunder. Du treibst Dich mit den falschen Leuten rum. Deine Freundin ist schrecklich. Eine richtige Schlampe. Außerdem geht man in Deinem Alter nicht mehr auf Parties, um sich von jungen Typen anhimmeln zu lassen“. Der Vater fügt aus Spaß hinzu „das sind wahrscheinlich eher Orgien“. Er wundert sich, dass keiner lacht.

Die Mutter fragt, ob sie noch ein Stück Kuchen haben wolle. Sie sagt, dass ihr der Appetit vergangen sei. Verwundert schauen die Eltern und der Bruder sie an: „Du hast heute wohl schlechte Laune“, sagt die Mutter. „Philipp war bodenständig“ sagt sie, „und immerhin waren wir fünf Jahre zusammen, bevor er sich getrennt hat“. Der Bruder kommentiert „ja, aber eigentlich war er ein Arschloch wie man später festgestellt hat. Sein Vater war auch ein Macho – seltsam, dass Du dass nicht gemerkt hast“.

„Was ist denn eigentlich mit Dir und den Frauen?“, fragt die Mutter den Bruder. „Magst Du nicht auch mal eine kennenlernen? Du hast ja noch die Chance, Kinder zu bekommen mit einer netten Frau“. Die Schwester wird kreidebleich. Sie sagt: „Bei mir siehst Du wohl keine Chance mehr auf ein Kind, oder?“. Die Mutter antwortet „na bei Dir ist der Zug ja wirklich fast abgefahren. Aber das ist ja nicht schlimm.“ Dann fragt die Mutter, wie es ihrer Freundin Nadja geht, die gerade schwanger ist. Ihr Bruder fragt direkt: „Ist der Mann von Nadja ein Deutscher?“. „Nein“ erwidert sie. „Er ist ein sehr netter und intelligenter Türke“. „Wieder eine Deutsche, die sich einen Dunklen nimmt“, sagt der Bruder und macht eine abfällige Geste. „Die Deutschen packen es einfach nicht mehr, Kinder in die Welt zu setzen. Eine verkommene Generation“.

Sie hat inzwischen einen Kloß im Hals und muss die Tränen zurückhalten. Sie versucht, die Contenance zu wahren. Sie hält noch durch, bis die Kaffee-Tafel aufgehoben wird und alle ein frommes Sonntagsgesicht machen. Dann versucht sie, sich schnellstmöglich zu verabschieden. Sie drückt ihren Eltern nur kurz einen Kuss auf die Backe. Die Mutter ist verwundert, dass sie sich so schnell verabschiedet.

Im Auto kommen ihr die Tränen. Sie heult auf der ganzen Rückfahrt und kann sich kaum auf den Verkehr konzentrieren. Am liebsten würde sie einen Unfall bauen. Als sie zu Hause ankommt, ruft ihre Mutter an: „Ich wollte mich erkundigen, was mit Dir los ist? Du hast heute so angespannt gewirkt. Ich glaube Du bist gestresst von der Arbeit und brauchst mal wieder Urlaub. Wollen wir nicht alle zusammen eine Woche weg fahren?“.

Herbstmorgen
von Evelyn Kremer

Plötzlich ist es Herbst. Ich wache auf und es ungewöhnlich dunkel im Zimmer – obwohl die Vorhänge offen sind. Heute Nacht habe ich das erste mal wieder gefroren. Ich habe mir mitten in der Nacht eine Decke aus dem Schrank geholt. Jetzt lausche ich und höre, dass es leicht regnet. Durch das gekippte Fenster dringt eine feuchte und kühle Luft ins Zimmer. Ich ziehe noch einmal die Decke über mich und atme die Luft, die seit Wochen nicht so frisch war wegen der Wärme. Dann schlafe ich noch einmal ein – irgendwie bin ich träge heute. Meine Stimmung ist etwas melancholisch. Ich denke an die letzten Sommertage.

Als ich zum Bäcker gehe, läuten die Glocken der Kirche – ich höre sie, weil es ruhiger ist auf der Straße als in den letzten Wochen. Es nieselt und ich habe den Regenschirm vergessen. Außerdem ist es noch kühler als ich dachte. Die offenen Schuhe kann ich die nächsten Tage nicht mehr anziehen. Meine Füße sind feucht. Ich friere. In der Bäckerei ist es warm und es riecht nach frischen Brötchen. Ich beeile mich, nach Hause zu laufen, um nicht allzu nass zu werden.

Auf dem Weg zurück, rieche ich faule Blätter: Ein schwerer aber beruhigender Geruch. Ein Windstoß weht weitere Blätter vom Baum; Blätter in Rot, Braun, Gelb. Manche Bäume verlieren  nur langsam ihr buntes Laub. Der Himmel ist grau. Es liegt ein leichter Nebel in der Luft. Die Straße wirkt trist. Der Regen hat die Fassaden genässt und sie wirken dunkler als sonst. Ich freue mich auf die Wohnung.

Als ich eintrete, merke ich, dass es auch hier etwas kühl ist. Ich stelle die Heizung an: Das Heizungswasser rauscht in den Rohren und ich lehne mich kurz an die Heizung bis sie warm wird. Eine kleine Spinne sitzt auf der Wand. Auch sie hat sich vor der Kälte ins Haus geflüchtet. Ich krame einen warmen Pullover und einen Schal aus den oberen Fächern des Schrankes und mache mir einen heißen Tee. Ich habe mehr Hunger als an den heißen Sommermorgen. Ich esse drei statt zwei Brötchen mit Marmelade.

Nach dem Frühstück fühle ich eine schwere Müdigkeit über mich kommen. Ich zünde im Wohnzimmer eine Kerze an. Ich lege mich auf die Couch und wickele mich in meine warme Wolldecke.  Eigentlich wollte ich heute Vormittag ins Museum. Aber ich beschließe, ein Buch zu lesen. Endlich kann man sich wieder aufs Lesen konzentrieren und hat nicht den Drang, in die Sonne zu gehen. Nach den ersten Zeilen lausche ich dem leichten Regen, der an die Fenster tropft und den Vögeln, die noch nicht in den Süden gezogen sind. Mich überkommt eine schwere Müdigkeit. Dann schlafe ich ein. Das Buch auf meiner Brust. Ich habe gerade ein Kapitel geschafft.

2016 © by Evelyn Kremer

evelyn.kremer@gmx.de

http://evelynkremer.blogspot.de/

Siehe auch:

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