Blüten der Pseudowissenschaft: „Studien belegen …“

Ich kann es nicht mehr hören bzw. lesen, dieses ewige „Studien belegen …“ und dann folgen Berichte über alles Mögliche und Unmögliche. Ich habe mir stets eingebildet, eine blühende Fantasie zu haben. Doch würde ich in meinen wildesten Vorstellungen nie darauf kommen, was man alles erforschen und dann in einer „Studie“ der staunenden Öffentlichkeit kundtun kann:

„Eine aktuelle Studie belegt, wie nachhaltig ‚DSDS’ und ähnliche TV-Formate das Selbst­wertgefühl zerrütten können – selbst dann, wenn man erfolgreich war.“

„Studie zeigt: 86 Prozent der Bürger sind von der Politik enttäuscht“.

„Schwitzen ist gut fürs Gehirn“ und „Muslime sind die Juden von heute“

„Schwitzen ist gut fürs Gehirn“. „Eine Auswertung von verschiedenen Studien hat gezeigt, dass sich regelmäßige Bewegung sowohl kurz- als auch langfristig günstig auf Merkfähigkeit und Gedächtnisleistung auswirken kann“.

„Deutsche Wirtschaft wächst 2014 deutlich“. „Neue Studien sagen ein Plus von 1,7 bis 1,9 Prozent voraus.“ Bravo! Das tatsächliche Wachstum betrug immerhin 1,5 Prozent, wie Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, auf einer Pressekonferenz im Januar 2015 mitteilte.

„Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat eine Studie zum Rechtsextremismus in Deutschland herausgegeben: ‚Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012’.“ „Studie: Jeder sechste Ostdeutsche rechtsradikal“. „Die Juden von heute sind Muslime“.

„Begeistert und unkritisch gibt die Qualitätspresse eine neue Studie des SPD-Kriminologen Christian Pfeiffer wieder, der feststellt, dass angeblich jeder fünfte männliche deutsche Jugendliche stark ausländerfeindlich sein soll.“

„Studien belegen Existenz der Fußreflexzonen-Punkte“.

„Viele hochwertige Studien belegen die Wirksamkeit der Homöopathie“.

„Studien belegen den Mangel an sozialen Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Einfühlungsvermögen, Kundenorientierung, Führungsqualitäten sowie Kritik- und Konfliktfähigkeit. Neben diesen fehle es den zukünftigen Nachwuchsführungskräften auch an entscheidenden Schlüsselkompetenzen, zu welchen neben einer guten schriftlichen und mündlichen Ausdrucksfähigkeit auch Präsentationstechnik und kommunikative Kompetenz gehören sollten.“

„Steigende Temperaturen zum Ende der Eiszeiten haben sich erheblich auf die Populationen der Wollmammuts ausgewirkt – bis die Elefanten-Vorfahren schließlich ausstarben. Mit Hilfe von Gen-Studien konnten schwedische und englische Forscher jetzt belegen, dass sich der Bestand in wärmeren Perioden verringerte und aufsplittete.“

„Bier erzeugt Krebs, Bier ist gesund“

Und so geht es lustig weiter: Bier erzeugt Krebs, Bier ist gesund – „die bisher veröffentlichten Studien lieferten sehr widersprüchliche Ergebnisse“.

„Es gibt Studien, die belegen, dass wiederholte Dosen von verschwindend kleinen Mengen Fluorid nach einer gewissen Zeit allmählich die Kraft des einzelnen, einer Dominierung zu widerstehen, verringern, und zwar durch die langsame Vergiftung und Narkotisierung eines Bereichs des Gehirngewebes.“

Wein ist gesund, Wein ist schädlich. „Tatsächlich gibt es eine Reihe von Studien, die darauf hindeuten, dass gemäßigter regelmäßiger Konsum – also ein bis zwei Gläser Rotwein am Tag – Arteriosklerose (Arterienverkalkung) vorbeugen könnte. Damit würde der Wein vor Herzkreislaufkrankheiten und Herzinfarkt schützen. Und selbst das Krebsrisiko kann der vergorene Rebensaft angeblich verringern. Darüber hinaus soll Rotwein das Immunsystem schützen. Und angeblich beugt das Getränk sogar Alzheimer vor.“ „Heute sieht es fast so aus, als gäbe es den Chianti gegen Herzinfarkt und den Riesling gegen Alzheimer. Allerdings: Die scheinbar eindeutigen Untersuchungsergebnisse sind meist nicht verlässlich.“

„Ameisen als Schlüsseltiere in einem Grasland. Studien zu ihrer Bedeutung für die Tiergemeinschaft, das Nahrungsnetz und das Ökosystem“.

„Immer mehr Männer leiden an mangelnder Fruchtbarkeit, besonders in den westlichen Ländern. Vermutet wird, dass Stress dafür verantwortlich ist. Es ist aber auch möglich, dass Männer Probleme mit der Fruchtbarkeit bekommen, weil sie zu selten Sex haben. So könnte die provozierende Schlussfolgerung aus einer neuen Studie mit Erdkröten lauten“.

Es gibt einen „Verein zur Förderung des Zentrums für Niederlande-Studien der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster e.V.“, eine „Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung“ in Essen sowie in Marburg eine Deutsche Gesellschaft für Amerikastudien.

In manchen Medien werden sogar bloße Umfragen zu „Studien“

Manchmal hat man allerdings auch angenehme Erlebnisse im Zusammenhang mit „Studien“. So lautete eine Schlagzeile „Sie wissen was sie tun. Rentner gelten als Gefahr im Verkehr. Doch Studien beweisen: Sie sind besser als ihr Ruf“. Ich schrieb an die Verfasserin Claudia Becker „früher hieß es in Presseartikeln ‚nach Ansicht von Experten’, heute schreibt man ‚Studien beweisen’. Problematisch sind beide Quellen. Umfragen leiden an dem generellen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Antworten. Manchmal bleibt sogar der gesunde Menschenverstand auf der Strecke.

„82 Prozent der deutschen Rentner würden nach der Forsa-Umfrage freiwillig ihren Führerschein abgeben, wenn sie das Gefühl hätten, dem Straßenverkehr nicht mehr gewachsen zu sein.“  Aber sie haben das Gefühl eben nicht, manchmal nicht einmal mit 100. Außerdem: 18 Prozent sind so verantwortungslos, dass sie selbst dann weiterfahren würden. Oder: ‚Frauen und Männer ab 65 (sind) deutlich seltener an Unfällen beteiligt, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht’ ungeachtet der Frage, ob sie überhaupt eine Fahrerlaubnis oder ein Auto besitzen. Kinder bis 14 Jahren sind ebenfalls äußerst selten (als Hauptverursacher) an Unfällen beteiligt, obwohl ihr Bevölkerungsanteil rund 12 Prozent beträgt. In der Überschrift ist von ‚Studien’ die Rede, im Text wird nur die Forsa-Umfrage erwähnt und keine einzige ‚Studie’. Nachsitzen, Frau Dr. Becker!“ Die so Gerügte antwortete mir daraufhin: „Haben Sie herzlichen Dank für Ihre kritische Mail zu meinem Artikel. Ich empfinde Ihre Kritik wirklich als konstruktiv. Es ist gut, daran erinnert zu werden, dass die Art des Denkens und Arbeitens bisweilen in Frage gestellt werden muss.“ Na bitte! Und das ganz ohne St

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