Behördlich organisierter Raubtiersozialismus


­«Zeichen setzen» und mehr Geld fordern.

Von Henryk M. Broder

Hat man noch vor wenigen Jahren einen jungen Menschen, der die Schule gerade beendet hatte, gefragt, was er oder sie werden möchte, bekam man in vier von fünf Fällen als Antwort: «Irgendwas mit Medien.» Mit «irgendwas» war natürlich nicht Pförtner beim ZDF oder Gärtner beim Bayerischen Rundfunk gemeint, sondern Moderator – am besten in ­einer Talkshow wie «Anne Will». Diese Träume sind inzwischen ausgeträumt, denn das Genre «Talkshow» läuft sich langsam tot. Aber es gibt neue Berufe, die ebenso «angesagt» sind, wenn auch mit weniger Glanz und Glamour verbunden: Event-Manager, Insolvenzverwalter und, seit kurzem, Integrationshelfer.

Wie der Name schon andeutet, handelt es sich dabei um Kräfte, die von Amts wegen anderen Menschen helfen sollen, sich zu integrieren. So etwas wie Sozialarbeiter, nur mit einem speziellen Auftrag. Sie stehen nicht alleinerziehenden Müttern, Langzeitarbeitslosen oder schwererziehbaren Jugendlichen bei, sondern Migranten, die alles aufgegeben haben, um nach Deutschland zu kommen und den Deutschen beim Aufbau einer multikulturellen Gesellschaft zu helfen. Inzwischen hat fast jede Gemeinde, jeder Landkreis, jedes Land eine oder einen Integrationsbeauftragte/-n. Allein das Land Baden-Württemberg fördert im Haushaltsjahr 2015/16 die «Stellen-Schaffung» für 158 kommunale Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte mit über dreizehn ­Millionen Euro – entsprechend der «Verwaltungsvorschrift [des Ministeriums für Integration] über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe und Integration». Die Integrationshelfer ihrerseits integrieren sich ebenfalls, gründen Vereine und Netzwerke, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen. Einige gehen noch weiter, setzen sich «für die Völkerverständigung ein», dafür, «dass Freundschaften mit den Immigranten entstehen und so die Verbundenheit in Deutschland wächst». Dafür muss aber erst einmal Verbundenheit unter den Integrationshelfern hergestellt werden. Anfang der Woche kamen in Dresden 250 Integrationshelfer zusammen, «um Gesicht zu zeigen» und «ein Zeichen zu setzen, dass der Rest der Republik nicht bei Pegida mitläuft». Und um mehr Geld für die Integrationsarbeit zu fordern.

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