Tuberkulose bei unbegleiteten minder­jährigen Ausländern (UMA) in Frankfurt/M.

Tuberkulose bei unbegleiteten minder­jährigen Ausländern (UMA) in Frankfurt/M.

Unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) sind nach dem Recht der EU Drittstaatsangehö­rige oder Staatenlose unter 18 Jahren, die ohne Begleitung eines gesetzlich oder nach den Ge­pflogenheiten für sie verantwortlichen Erwach­senen in das Hoheitsgebiet eines EU-Mitgliedsstaats einreisen. Sie sind gemäß §42 (1) Nr. 3 Sozialgesetzbuch VIII vom Jugendamt in Obhut zu nehmen.

In Frankfurt am Main registrierte UMA werden in der Regel innerhalb einer Woche im Gesund­heitsamt medizinisch untersucht. Zum Aus­schluss einer ansteckenden Lungentuberkulose erfolgt bei den über 15jährigen eine Röntgen­aufnahme, bei den Jüngeren ein Quantiferon­test.

Die 3297 von 2010-2016 in Frankfurt am Main untersuchten UMA stammen in erster Linie aus Afghanistan und Ostafrika.

Abb. 4: In Frankfurt/M registrierte UMA von 2010-­2015 nach Herkunft (n=3297)
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Abb. 5: In Frankfurt/M registrierte UMA von 2010­#2015 und Anzahl von TB-Fällen unter UMA

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Die Zahl der UMA hat bis 2015 stetig zuge­nommen, vor allem im vergangenen Jahr. Alle UMA mit Tuberkulose waren älter als 15 Jahre. Nur bei einem von 22 TB-Stämmen konnte eine Monoresistenz gegen Isoniazid nachgewiesen werden. Drei Jugendliche verließen die Einrichtungen mit un­bekanntem Ziel.

Die Tatsache, dass im letzten Jahr die TB-Fälle trotz wachsender UMA-Zahlen nicht weiter an­gestiegen sind, hängt mit der Herkunft der Ju­gendlichen zusammen. Sie stammten 2015 überwiegend aus Afghanistan. Aktive Fallfindung und die auf einer oft jahrelangen Flucht erwor­benen Infektionen erklären die im Vergleich zu den Heimatländern hohen Prävalenzen.

Heimatland Anzahl der UMA

2010-

2015

Anzahl der

TB-

Fälle

Prävalenz

im Heimatland*

Präva­lenz unter UMA*
Somalia 500 17 491 3400
Eritrea 467 2 123 428
Äthiopien 185 3 200 1622
Afghanistan 1594 4 340 251
übrige Länder 551 2 363

Tab. 1: Prävalenz der TB unter UMA in FFM (*pro 100.000 Bewohner)

Als häufigstes Symptom wird von etwa der Hälf­te (9/19) der UMA mit Lungentuberkulose Hus­ten angegeben. Sieben UMA verneinten jegliche tuberkulosetypischen Beschwerden, was die Bedeutung des Röntgenscreenings bei den über 15jährigen UMA unterstreicht.

Abb. 6: Tuberkulosesymptome unter 19 UMA mit Lungentuberkulose in FFM 2010-2015 (Mehrfach­nennungen möglich)

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Um einen Therapieabbruch bei den häufig ent­wurzelten jungen Menschen zu verhindern, wer­den, falls erforderlich, auch wiederholt Sprach­mittler eingesetzt. In manchen Fällen ist die ob­servierte Behandlung im Gesundheitsamt erfor­derlich.

Seit November 2015 werden nach einer Geset­zesänderung nur noch die Frankfurt am Main zugewiesenen UMA im Gesundheitsamt unter­sucht, die übrigen nach einer kurzen gesundheit­lichen Prüfung in andere Kreise verlegt.

 

Herausgeber: Gesundheitsamt, Abteilung Infektiologie und Hygiene, Breite Gasse 28,603 13 Frankfurt am Main Nachdruck/Weitergabe mit Quellenangabe gestattet, ausgenommen zu gewerblichen Zwecken.

Kontakt: Telefon 069 212-44374

 

 

 

 

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