Kein Nazi weit und breit. Aber Mahnwache gegen rechts muss sein.

Zu den wichtigsten deutschen Tugenden gehört die Entschlossenheit, eine Sache, die man angefangen hat, unter allen Umständen zu Ende zu bringen. Mal ist es ein sinnloser Krieg, mal ein Völkermord, es kann aber auch eine Mahnwache sein, deren Grund abhanden gekommen ist. Da muss man durch!

Der Hintergrund der Brandlegung und die Hakenkreuzschmierereien eines Rasthauses in Bingen sind aufgeklärt. Wie die Mainzer Kriminalpolizei am Sonntag mitteilte, wurde am Samstagabend gegen 22 Uhr ein 26-jähriger syrischer Staatsangehöriger festgenommen. Bei dem Brand waren in der Nacht auf Donnerstag sechs Menschen verletzt worden. In dem Mehrfamilienhaus wohnten neben Deutschen und Saisonarbeitern auch Flüchtlinge. Anwohner des „Rasthaus Eidt“ hatten der ermittelnden Sonderkommission Hinweise auf den Mann gegeben.

Bei seiner nächtlichen Vernehmungen und nach anfänglichem Bestreiten der Tat räumte er sie schließlich ein. Demnach habe er als Einzeltäter im Keller des Rasthauses den Brand gelegt und die Hakenkreuze angebracht, um von der Tat abzulenken. Als Motiv gab der 26-Jährige die beengten Wohnverhältnisse sowie eine fehlende Zukunftsperspektive an. Er wollte auf die Gesamtsituation aufmerksam machen, hatte dabei selbst die Dimension des Brandausbruches jedoch unterschätzt.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde er am Sonntag dem Amtsgericht Mainz vorgeführt, wo Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung erlassen wurde. Der Syrer wurde in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Trotz der neuen Entwicklung begann um 14 Uhr eine „Mahnwache gegen Hass und Gewalt“ in Bingen, berichtet die „Allgemeine Zeitung“. Oberbürgermeister Thomas Feser (CDU) halte nichts davon, die Veranstaltung kurzfristig abzusagen, sagte er auf Anfrage des Lokalblattes. Gerade jetzt, da die Stimmung im Land so aufgeheizt sei, sei es wichtig, ein Zeichen für Demokratie zu setzen.

Über die Nachricht von der Festnahme zeigte sich Feser nach Zeitungsangaben „froh und erleichtert“. Er hatte bereits am Donnerstag betont, dass es keine rechte Szene in Bingen gebe. Es sei daher wichtig, fremdenfeindliche Tendenzen gar nicht erst zuzulassen.

Nach Angaben der Organisatoren sind 100 Menschen für die Mahnwache angemeldet, das große Interesse aus Medien und Öffentlichkeit ließ jedoch auf bis zu 400 Teilnehmer hoffen. Eine Gegendemonstration wurde nicht erwartet.

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