Evelyn Kremer: I Know What It Is To Be Young

 

I Know What It Is To Be Young

eine Erzählung von Evelyn Kremer

 

Wieder hörte ich Schritte in der Wohnung über mir. Es war sieben Uhr dreißig am Morgen und sicher waren die Schritte von der Dame des Pflegedienstes. Sie pflegte den alten Herrn über mir, den ich noch nie gesehen hatte seit ich hier wohnte. Angeblich war er schon seit vierzig Jahren im Haus. Er hatte – so die Erzählung der Nachbarin – zunächst allein mit seiner Frau hier gewohnt; War kurz nach seiner Hochzeit mit ihr eingezogen. Er hatte sehr lange bei den Stadtwerken gearbeitet – wohl sein Leben lang und mit seiner Frau zwei Töchter bekommen. Diese hatten nun eine eigene Familie und lebten schon seit langer Zeit in München. Seine Frau war vor einem Jahr gestorben und er – so hieß es – hatte seitdem stark abgebaut, war inzwischen bettlägerig. Das war alles, was ich von ihm wusste .

Schon öfter hatte ich überlegt, als neue Nachbarin einmal bei ihm zu klingeln und mich vorzustellen, denn schließlich hörte ich ab und an seine Stimme und er sicher auch meine, wenn ich Besuch hatte. Es war irgendwie seltsam, dass ich ihn nie gesehen hatte. Sicher dachte auch er, wie wohl die Nachbarin sei, die nun unter ihm wohnt. Vielleicht erinnerte er sich durch mich an seine jungen Jahre, denn ich hatte oft Besuch, lachte dann viel mit Freunden, hörte laut Musik und hatte auch mein Schlafzimmer direkt unter seinem. Was dachte er über mich? Hatte die alte Nachbarin von gegenüber, die mir von ihm erzählt hatte, ihm auch von mir erzählt? War er überhaupt noch aufnahmefähig? Vielleicht war er ja auch schon dement? Wie sah er wohl aus und was beschäftigte ihn? Welche Erinnerungen hatte er an sein Leben und wie sah unser Haus und die Straße aus, als er jung war?

Würde vielleicht auch ich in vierzig Jahren hier in meinem Bett liegen und eine junge Frau über mir hören? Was würde ich denken und würde auch ich mich durch sie an meine jungen Jahre erinnern? Vielleicht würde auch sie meine Pflegerin hören und umgekehrt durch mich an ihr späteres Leben denken. Auch sie würde mich vielleicht besuchen und fragen wollen, wie es hier im Haus vor vierzig Jahren war und wie die Straße zu dieser Zeit aussah.

Seltsam, dachte ich mir. Ich stand auf und ging zur Arbeit.

Eine Woche darauf erfuhr ich vom Tod des Mannes über mir. Er war ruhig eingeschlafen und die Pflegerin hatte ihn am Morgen entdeckt. Mir wurde mulmig. Er war über mir gestorben. ohne dass ich es gemerkt hatte.

2016 © by Evelyn Kremer

evelyn.kremer@gmx.de

I Know What It Is To Be Young

by

Orson Welles

When we are young age has no meaning
I never gave it a second thought
until one day along came this old man
and this is what he said to me
and this is what he said to me

I know what it is to be young
but you,you don’t know what it is to be old
someday, you’ll be saying the same thing
time takes away so the story is told

I’ve asked so many questions
to the wise men i’ve met
couldn’t find all the answers
no one has as yet.
There’ll be days to remember
full of laughter and tears
after summer, comes winter and so go the years
So my friend..
lets make music together
I’ll play the old while you sing me the new
In time when your young days are over
there’ll be some one sharing their time with you

I know what it is to be young
but you,you don’t know what it is to be old

So my friend..
lets make music together
I’ll play the old while you sing me the new
In time when your young days are over
there’ll be some one sharing their time with you

there’ll be some one sharing their time with you

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s