Monatsarchive: März 2016

Deutscher Film: scheinheiliger Moralismus bedingt durch „Filmförderung“

achgut.com

Filmförderung: Aber bitte mit “Haltung”.

 Hans-Martin Esser / 30.03.2016

Bei allen Filmförderfonds, die es in Deutschland gibt, beschäftigt mich die Frage, warum die Qualität deutscher Filme eher mäßig ist. Und gerade in diesen Filmförderfonds ist der Grund zu suchen, warum der deutsche Film so ist, wie er ist. Es findet eine Vorstandardisierung statt, ohne auf künstlerische Freiheit oder Publikumsinteresse Rücksicht nehmen zu müssen. Im Grunde ist es wie bei einer Casting-Show, die auch nie wirkliche Stars hervorbringt. Jede Magie ist im Vorfeld herausgefiltert, jedes Geheimnis erklärt. Am Ende ist ein doch recht politisch wünschenswerter Standard, wäre man unhöflich, würde man es Einheitsbrei nennen.

Serien wie „Altes Geld“ aus Österreich sind hauptsächlich durch DVD-Verkauf finanziert. Förderfonds spielten hier eine untergeordnete Rolle. Zu sehr wollte man ins Drehbuch hineinreden, was sich die Autoren zu Recht verbeten haben. Inhaltlich ist „Altes Geld“ eine Groteske, eine Art Denver Clan vor schickem Hintergrund mit Burgtheaterschauspielern und Udo Kier. Handschuhe aus Menschenhaut, eine ins Albern-Tragische gehende Inzestbeziehung zwischen Bruder und Schwester, alles nicht ganz ernst gemeint. Das war den Standardwahrern von den Filmförderfonds wohl zu viel.

Um sich Einmischungen in die künstlerische Freiheit zu verbitten und Übergriffigkeiten zu vermeiden, hat man im Fall von „Altes Geld“ andere Wege gesucht, als eine hauptsächliche Finanzierung durch Filmfördergesellschaften. Ziel war es nicht, möglichst schnell in ORF und ARD ausgestrahlt zu werden, sondern eine ganz eigene Melange aus Tragikomik, Ästhetik und Absurditätenstadl zu liefern.Klar, dass dies die Standards der konventionellen, soll heißen staatlich finanzierten und daher staatstragend daherkommenden, Finanzierung sprengt.

Ein Zustandekommen der Miniserie funktionierte also durch den Rückkopplungsmechanismus von Angebot und Nachfrage, was zeigt, dass Unkonventionelles gerade besser durch Marktmechanismen als durch Überstandardisierung durch mächtige Gate-Keeper funktioniert. Das Gate-Keeping durch Filmförderfonds hat dazu geführt, dass die deutsche Filmlandschaft eine einzige Monokultur geworden ist. Filme mit Haltung und/oder mit Til Schweiger sind das magere Resultat der vergangenen 15 Jahre.

Mit Haltung ist die Aufforderung gemeint, sich in einer bestimmten Weise politisch zu positionieren und das auch mit Penetranz zu propagieren, andere Meinungen als unerwünscht mit kritisch bis angeekeltem Gesichtsausdruck für nicht diskutabel zu kommentieren, das ist Haltung. Genau das hat zu einer Flut von Schauspielern geführt, die sich von jedem Boulevardmedium – wie zufällig – bei Besuchen in verarmten Ländern filmen lassen, meist 2 Wochen vor der Premiere eines neuen Filmes. Haltung könnte man – wäre man böse – sagen, ist Mitläufertum 2.0, eine bestimmte Art von Opportunismus, um an Rollen oder Filmfördergelder zu kommen, wenn es die Qualität von Drehbuch oder Darstellung nicht hergeben.

Für einen Autor, Regisseur oder Drehbuchautor ist es daher fast wichtiger, Pate oder Schirmherr einer Goodwill-Vereinigung zu sein als den Othello am Wiener Burgtheater gegeben oder in einer wirklich guten Filmrolle brilliert zu haben. Neben „Altes Geld“ und dem Film „Das Leben der Anderen“ fällt mir fast nichts ein, was wirklich höchsten Ansprüchen gerecht wurde. Serien wir Breaking Bad oder Sherlock, House of Cards oder Filme wie „There will be blood“ sind undenkbar in der deutschen Filmförderlandschaft.

Nicht, dass die Stars nicht nach Deutschland kämen. Dank dem ehemaligen Berliner Ober-Bürgermeister Wowereit sind die Studios in Babelsberg wieder gut gebucht. Aber es kommen ja hauptsächlich jene Hollywood-Stars, die es eher auf den Friedensnobelpreis als auf den Oscar abgesehen haben: Matt Damon, George Clooney, Angelina Jolie machen eher durch Haltung – was immer das auch sei – als durch Ambitionen von sich reden, wirklich einzigartig gute Filme zu drehen.

Daher sind die Babelsberger ein bisschen stehen geblieben und spezialisiert auf „irgendwas mit Nazis oder Kaltem Krieg“. Deutsche Schauspieler kommen dann als Staffage besonders in Uniform daher. Die Zeiten von Murnau und Fritz Lang sind ja längst passé – es muss dringen politisch sein. Eine österreichische Freundin von mir, die jetzt in England lebt, fragte mich einmal: „Muss es bei Euch immer so politisch sein in Deutschland?“. Recht hat sie, aber man könnte ergänzen, nicht nur politisch, sondern auch noch mit Haltung.

Weltende

Weltende (Jakob van Hoddis, 1911)

 

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Islam ist gefährlich, besonders gegen Frauen

Fundstück von Henryk M. Broder / 29.03.2016

Noch haben wir keinen genauen Überblick. Aber das, was bislang in Erfahrung gebracht wurde und was uns engagierte Christen wie auch der Berliner Pfarrer Martens berichtet haben, gibt in der Tat Anlass zur Sorge. Offenbar gelingt es intoleranten Muslimen in einigen Heimen durchaus, eine Atmosphäre der Angst und der Bedrohung zu schaffen. Die Vorwürfe reichen von verbalen Einschüchterungen über zerrissene Bibeln, zerbrochene Taufkreuze bis hin zu physischer Gewalt wie zum Beispiel der Verweigerung des Gebrauchs der Toilette mit dem Hinweis auf die angebliche Unreinheit des christlichen Benutzers oder der Androhung und Austeilen von Prügel.

An diesem Sonntag feiern die Christen in aller Welt das Osterfest. Auch dieses Jahr werden die Gedanken vieler von uns bei unseren Glaubensschwestern und -brüdern sein, die wegen ihres Bekenntnisses in Not sind.

Auch nach den neuesten Schätzungen der Hilfsorganisation Open Doors, die sich den weltweiten Schutz von Christen zur Aufgabe gemacht hat, werden weltweit deutlich über 100 Millionen Christen in über 50 Ländern aufgrund ihres Glaubens verfolgt und benachteiligt.

Bislang erreichten uns beunruhigende Nachrichten über Bedrängung oder Benachteiligung von Christen ausschließlich aus dem Ausland. Doch in den letzten Monaten ist dies auch bei uns zu einem Thema geworden.

Wir müssen uns mit Berichten auseinandersetzen, nach denen Christen in Flüchtlingsheimen vermehrt Opfer von Übergriffen einiger muslimischer Mitbewohner werden. Gerade die „Welt am Sonntag“ hat wiederholt darüber berichtet.

Zerrissene Bibeln

Es muss betont werden, dass es sich hier um eine ganz andere Dimension von Übergriffen handelt im Vergleich zu denen, wie wir sie in den vergangenen Jahren etwa in Indien oder in Pakistan erlebt haben. Aber so weit wie dort darf es natürlich in unserem Land nie kommen.

Ich habe mich in jüngster Zeit mit dem Thema näher beschäftigt und auch persönlich mit Opfern gesprochen. Der Stephanuskreis der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, der sich besonders der Religionsfreiheit annimmt, hat seinerseits versucht, sich ein Bild zu verschaffen.

Noch haben wir keinen genauen Überblick. Aber das, was bislang in Erfahrung gebracht wurde und was uns engagierte Christen wie auch der Berliner Pfarrer Martens berichtet haben, gibt in der Tat Anlass zur Sorge. Offenbar gelingt es intoleranten Muslimen in einigen Heimen durchaus, eine Atmosphäre der Angst und der Bedrohung zu schaffen.

Die Vorwürfe reichen von verbalen Einschüchterungen über zerrissene Bibeln, zerbrochene Taufkreuze bis hin zu physischer Gewalt wie zum Beispiel der Verweigerung des Gebrauchs der Toilette mit dem Hinweis auf die angebliche Unreinheit des christlichen Benutzers oder der Androhung und Austeilen von Prügel.

Besonders Konvertiten, also Menschen, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind, müssen – so die Schilderungen – sogar damit rechnen, mit dem Tode bedroht zu werden. Dabei spielt eine Rolle, dass die Christen, aber auch Angehörige anderer Religionen wie die Jesiden, in Flüchtlingsheimen nur eine Minderheit sind.

So wurde von einem Heim, in dem sich solche Vorfälle ereignet haben sollen, berichtet, dass unter den Bewohnern nur ein Prozent Christen seien. Diejenigen, die in einem Flüchtlingsheim derart in der Minderheit sind, haben es naturgemäß schwer, sich Gehör zu verschaffen.

Gerade zu Ostern wirken diese Berichte besonders bedrückend. Ostern feiern die Christen den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Das höchste Fest der Christenheit gibt Hoffnung auf eine Perspektive des Lebens, die den Tod überwindet. Diese Botschaft steht allen Menschen offen.

Viele der Flüchtlinge, die zu uns kommen, haben dem Tod – unabhängig von ihrer Religion – in die Augen geschaut. Sie sind mit der berechtigten Hoffnung auf Sicherheit und Geborgenheit nach Deutschland gekommen. Für Christen gilt dies in besonderer Weise.

Freie Religionsausübung – für alle

Viele suchen bei uns Schutz, weil sie in ihren Heimatländern wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Ihnen muss es wie eine Ironie des Schicksals vorkommen, wenn sie in einer Flüchtlingsunterkunft den gleichen Anfeindungen ausgesetzt sind wie in ihrer Heimat.

Solche Vorgänge sind auch von unserem Staatsverständnis her unerträglich. Artikel 4 des Grundgesetzes gewährleistet und schützt die Freiheit des Glaubens und der Religionsausübung aller Gläubigen – egal ob Christen, Juden, Muslime oder Angehörige anderer Religionsgemeinschaften. Es ist Aufgabe des Staates, diesen Schutz auch durchzusetzen.

Dies beginnt damit, dass wir ein genaueres Lagebild erstellen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird sich im April in einer Veranstaltung der Problematik widmen. Ich bin der Organisation Open Doors sehr dankbar, dass sie damit begonnen hat, die Übergriffe gegen Christen in Flüchtlingsheimen systematisch zu erfassen und zu dokumentieren.

Die Erhebung wird helfen, ein objektives Bild der Situation zu erhalten. Aber das kann nicht nur Sache einer Hilfsorganisation sein. Auch die Polizei ist gefragt. Das Bundesinnenministerium und die Länderbehörden sollten entsprechende Vorfälle gesondert registrieren. Es wird aber eine Weile dauern, ehe wir wissen, welche Größenordnung das Problem tatsächlich hat.

Schon in der Zwischenzeit muss aber etwas geschehen. Denn jeder Einzelfall ist ein Einzelfall zu viel. Das beginnt mit den Heimleitungen. Es ist schlicht Aufgabe der Betreiber, bei Schwierigkeiten dafür zu sorgen, dass alle Bewohner in Frieden miteinander leben. Übergriffe jeder Art dürfen nicht geduldet werden – egal, ob sie sexuelle oder eben religiöse Motive haben.

Hier kann die sorgfältige Auswahl des Wachpersonals eine Menge bewirken. Es sollte nicht nur fachlich qualifiziert sein, sondern möglichst gemischt zusammengesetzt werden. Wo Männer und Frauen, Christen und Muslime, Araber und Europäer gemeinsam für Ordnung sorgen, ist die Gefahr wesentlich geringer, dass einzelne Gruppen bedrängt werden.

Natürlich muss auch der Staat seine Verantwortung wahrnehmen. Deutschland ist ein Rechtsstaat. Die Behörden müssen Berichten über Übergriffe nachgehen und, wo erforderlich, konsequent einschreiten.

Der Einsatz der Ehrenamtlichen

Ich selbst habe bereits einen Brief an einen Landrat geschrieben, in dessen Kreis eine Unterkunft liegt, wo Christen in Schwierigkeiten geraten sind. Nur wenn die Verantwortlichen „Flagge zeigen“ und im Zweifel auch tätig werden, können die Flüchtlinge von Anfang an Vertrauen in die staatlichen Institutionen entwickeln.

Und nicht zuletzt darf es auch uns Gläubige nicht ruhen lassen, wenn unsere Glaubensbrüder und -schwestern in derartiger Weise in Flüchtlingsunterkünften wegen ihres Glaubens bedrängt werden. Wir erleben einen großartigen Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher, um die große Herausforderung der Versorgung der vielen Flüchtlinge zu bewältigen.

Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass sich Kirchengemeinden noch intensiver gerade um christliche Flüchtlinge in den Unterkünften kümmern, indem sie vor Ort Präsenz zeigen, Ansprechpartner sind und so deutlich machen, dass die Christen in Flüchtlingsheimen nicht allein sind. Dies wäre ein konkretes Zeichen christlicher Solidarität.

Missstände beim Namen nennen

Zurückhaltend bin ich hingegen bei der Forderung, Flüchtlinge nach Religionszugehörigkeit zu trennen. Die Menschen, die zu uns kommen, müssen lernen, anderen Kulturen, Überzeugungen oder auch dem anderen Geschlecht mit Respekt zu begegnen.

Dies ist unverzichtbarer Teil unserer Werteordnung. Im Übrigen könnten auch andere schutzwürdige Gruppen – wie zum Beispiel Frauen, Kinder oder Homosexuelle – mit dem gleichen Recht eine gesonderte Unterbringung fordern. Getrennte Unterkünfte dürfen deshalb nur die Ausnahme sein, wenn es anders gar nicht geht.

Eher könnte ich mir vorstellen, Christen gezielter auf Flüchtlingsheime zu verteilen. Eine größere Gruppe hat es leichter, ihre Interessen zu wahren, als zwei oder drei Einzelpersonen. Caritas und Malteser haben darüber hinaus die Erfahrung gemacht, dass es weniger Übergriffe gibt, wenn den Religionsgemeinschaften ein Raum für ihre Religionsausübung zur Verfügung gestellt wird.

Es ist also auch auf diesem Gebiet in der nächsten Zeit einiges zu tun. Wir müssen dabei den Mut haben, Missstände beim Namen zu nennen. In Deutschland darf es keine Orte des religiösen Hasses geben. Jeder hat das Recht, seine Religion frei auszuüben. Jeder, der das tut, hat ein Recht, entsprechend geschützt zu werden. Wer andere daran hindert, muss die Härte des Rechts spüren.

Erdowie, Erdowo, Erdogan

 

Dirk Maxeiner / 29.03.2016 / 08:49 / 0

Und Humor ist doch die gefährlichste Waffe

Wegen eines satirischen NDR-Beitrags hat das türkische Außenministerium nach Informationen von SPIEGEL ONLINE den deutschen Botschafter Martin Erdmann einbestellt.  Bei der Unterredung ging es um eine knapp zweiminütige Satire aus der Sendung „extra 3“ vom 17. März, ein Lied mit dem Titel „Erdowi, Erdowo, Erdogan“ über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

http://www.achgut.com/artikel/und_humor_ist_doch_die_gefaehrlichste_waffe

Satire kann die Merkelpolitik schon lange nicht mehr toppen: „Man muss manche Dinge in Kauf nehmen, sonst wird man die Krise nicht lösen können“, sagte der CDU-Europapolitiker Elmar Brok zum Flüchtlings-Deal mit der Türkei. Jetzt müssen wir nur noch eine Definition für „manche Dinge“ finden. Dieser Findungsprozess hat gerade angefangen.

Man nimmt in Berlin schweigend in Kauf, dass der Türkische Präsident Erdogan dem deutschen Botschafter den Kopf wäscht, weil NDR Satiriker sich erlaubt haben „Erdowie, Erdowo, Erdowahn“ zu singen. Pressefreiheit hin und her, Erdis Gedanke ist gar nicht so abwegig. Ist der NDR doch nun mal ein „Öffentlich-Rechtlicher Sender“. Erdogan hat wohl das neue Radio-Bremen-Gesetz gelesen und nimmt nun an, dass es schon bundesweit gilt. Das kommt in Ankara so an, als hätte Angela Merkel selbst das freche Liedchen geträllert. Oder besser Frau Nahles, die ja für ihr keckes Gesangstalent weit über den Bundestag hinaus bekannt ist.

Erdogan will die Pressefreiheit also nicht mehr nur in der Türkei einschränken, was wir ja längst in Kauf genommen haben, sondern nun auch in Deutschland. Unser neuer Freund verlangt, dass das Video gelöscht werden muss, da es den Tatbestand der „Präsidentenbeleidigung“ erfüllt. Es ist sozusagen ein satanisches Video und wird mit einer Fatwa belegt.

Und was macht die Bundesregierung? Sie twittert knallhart und unmissverständlich zurück: #Türkei „#Türkei: DEU Botschafter hat in Gesprächen im türk. Außenministerium deutlich gemacht, dass Presse-+Meinungsfreiheit geschützt werden müssen#Türkei: DEU Botschafter hat in Gesprächen im türk. Außenministerium deutlich gemacht, dass Presse-+Meinungsfreiheit geschützt werden müssenDEU Botschafter hat in Gesprächen im türk. Außenministerium deutlich gemacht, dass Presse-+Meinungsfreiheit geschützt werden müssenDEU Botschafter hat in Gesprächen im türk. Außenministerium deutlich gemacht, dass Presse-+Meinungsfreiheit geschützt werden müssen“ Jetzt hat es Berlin Ankara aber gezeigt. So nicht, ihr Türken!

Das nenne ich mal eine Steigerung moderner Politik. Die umständlichen Interviews bei Anne Will wurden durch das viel rationellere Regierungszwitschern ersetzt. So in dem Stil: „Ab heute 09:09 Uhr wird zurückgetwittert!“ Sogar ein Hinterbänkler der Groko hat sich schon zu dem Eklat geäußert. Der Herr Röttgen – weiß noch jemand, wer das eigentlich ist? – schwurbelte im Interview: „Ich habe keinen Zweifel, dass die Bundesregierung die zweifelsfreie Geltung von Grundrechten in Deutschland auf ihren Wegen und ihren Kanälen zum Ausdruck gebracht hat“.

Die Bundesregierung hat sich in ein Dilemma manövriert und sich mit dem Ankara-Deal erpressbar gemacht: die Türkei nimmt die illegal nach Griechenland eingereisten Flüchtlinge zurück, dafür drückt die Bundesregierung nicht nur bei den Verletzungen der Menschenrechts- und Pressefreiheit beide Augen zu, sondern erleichtert trotz zahlreicher sicherheitstechnischer Bedenken die Visabedingungen, zahlt zusätzliche Milliarden an Ankara und stellt eine sukzessive Anbindung an die EU in Aussicht. Insofern ist Erdogans Umgang mit einem an sich unbedeutenden satirischen Beitrag keine Kleinigkeit, sondern ein Test, was sich Deutschland noch alles gefallen lässt.

Frage an Radio Erdogan: „Kann der NDR wegen Majestätsbeleidigung verklagt werden?“ Antwort: „Im Prinzip nein. Aber für jede weitere ausgestrahlte Satire werden 100.000 Flüchtlinge nach Deutschland geschickt“.

Zwei Vorschläge zur Lösung des Satiriker-Gates: Das Liedchen „Erdowie, Erdowo, Erdowahn“ wird als Deutsch-Österreichischer Beitrag zum „Eurovision Song Contest 2016 – Unser Lied für Stockholm“ nominiert und von Conchita Wurst vorgetragen. Der Sieg ist uns sicher.

Gegenvorschlag: Eine bundesregierungsweite Twitter-Solidaritätsbekundung: „Je suis Erdogan“.

Kindesliebe in islamistischen Kreisen

Blick auf die Welt - von Beer Sheva aus

In meinem Blog weise ich schon lange darauf hin, dass der antisemitische Topos vom Juden als Kindermoerder von Hamas und Co. gern ausgenuetzt wird. Die eigenen Kinder werden ruecksichtslos gefaehrdet, um in der Weltoeffentlichkeit Punkte gegen Israel zu erzielen.

Wie jede Taktik, die in Israel erfolgreich getestet wurde, kommt nun auch diese in Europa zum Einsatz:

On Sunday, Mr. Van Der Sypt said Belgian prosecutors had charged 38-year-old Abderamane Ameroud with participation in a terrorist group in relation to a foiled terrorist plot in France.

(…)

Mr. Ameroud was arrested again on Friday in a police raid in the neighborhood of Schaerbeek, home to two safe houses allegedly used by the network that orchestrated the attacks in both Brussels and Paris.

As police sought to apprehend him on the platform of a tram station on Friday, he held on to his daughter, who according to witnesses and video footage appeared…

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Deutschland 2016: Geschlechtertrennung zum Schutz von Frauen vor Übergriffen der Muslime

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Geschlechtertrennung zwischen Leipzig und Chemnitz

Der Gesellschaft, die sich die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, vorstellt, in der die Einheimischen die Modalitäten des Zusammenlebens mit einer stetig wachsenden Zahl muslimischer Zuwanderer jeden Tag neu aushandeln, stehen vor allem viele Sachsen eher reserviert gegenüber. Diesen Eindruck kann man jedenfalls gewinnen, wenn man die aktuelle Fernsehberichterstattung aus dem Freistaat verfolgt. Doch manchmal sind die Sachsen auch ganz vorn, wenn es um die Erfordernisse der neuen Zeit geht.

Beispielsweise die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB), die die Regional-Expresslinie RE 6 zwischen Leipzig und Chemnitz betreibt. Die hat jetzt angekündigt, in allen Zügen spezielle Frauenabteile einzurichten. Diese sollen, nach einer Unternehmensmitteilung „alleinreisenden Frauen sowie Müttern mit Kindern zur Verfügung stehen“. Zwei Abteile je Zug, direkt neben dem Dienstabteil des Zugbegleiters, sollen es für den Anfang sein. Damit soll das Sicherheitsgefühl der weiblichen Fahrgäste gestärkt werden.

Wie schön, dass der Zugbetreiber in Zeiten, in denen kleine Gruppen junger Männer besser ungenannt bleibender Herkunft zu verstärkten Übergriffen auf die unverschleierte oder unkeusch gekleidete Frau neigen, jetzt für die Sicherheit der Mitfahrerinnen sorgt. Aber halt: Damit hat es natürlich nichts zu tun! Der Radiosender MDR info hat beim Unternehmen entsprechend nachgefragt. Welche Antwort hat er wohl bekommen? Vielleicht in der Art: „Das hat nichts mit Flüchtlingen zu tun“?  Falsch! Ein klein wenig origineller antwortet der Sprecher des Bahnbetreibers dann doch: „Es hat nichts mit sexueller Belästigung zu tun.“

Das ist wirklich überraschend. Womit denn dann? Bei allen Initiativen für eigene Frauenbereiche in öffentlichen Verkehrsmitteln, die es früher, weit vor der „Flüchtlingskrise“, gab, ging es genau darum, Frauen vor sexuellen Übergriffen und sexueller Gewalt zu schützen. Aus welchem anderen Grund braucht denn die Frau auf dem Weg von Leipzig nach Chemnitz ein stärkeres Sicherheitsgefühl? Und wenn es nicht um sexuelle Belästigungen geht, warum wird Männern kein stärkeres Sicherheitsgefühl gegönnt? Sind Frauen in den Augen der Bahnbetreiber etwa schwächer als Männer, ganz so, wie es die Vertreter des Patriarchats seit eh und je behauptet haben? Es ist etwas verwirrend.

Zudem fragt sich vielleicht manche Reisende, warum Frauen, die nicht allein reisen, nicht ins Frauenabteil dürfen? Wenn eine Frau einen Mann dabei hat, darf sie dann getrennt von ihm im Frauenabteil reisen oder wird der männliche Begleiter in diesem Fall für das Sicherheitsgefühl der Frau verantwortlich gemacht? Damit zwingt man dann die nicht allein reisende Frau aber doch in die Abhängigkeit eines Mannes, oder?

Irgendwie ist das Konzept und seine Vermittlung noch nicht ganz durchdacht. Vielleicht hätte man einfach mutig genug sein sollen, ein paar mehr Frauenabteile einzurichten und diese zu einer Willkommensleistung für die bessere Integration von den Asylbewerbern zu erklären, die mit unserer Kultur noch etwas fremdeln. Geschlechtertrennung in verschiedenen Lebensbereichen kennen sie von zu Hause. Ohne eines Mannes Auge ist auch die lockere Kleidung der europäischen Frau kein Problem. Konflikte und kulturelle Überforderung werden so vermieden. Noch Fragen? Nein, denn eine Maßnahme im Zeichen der Willkommenskultur wird gemeinhin nicht in Frage gestellt.

Vielleicht hebt sich die MRB diese Kommunikationsstrategie aber auch noch auf, denn es ist ja bislang nicht alles fertig beim Frauenabteil-Projekt. Das Piktogramm, mit dem der exklusiv feminine Teil des Schienenverkehrs künftig gekennzeichnet werden soll, gibt es noch nicht. Das wird, so ist zu vernehmen, noch erarbeitet. Möglicherweise dauert das etwas länger, weil es ja interkulturell verständlich sein muss.

Wenn die MRB die Kommunikationsstrategie ändert, dann kann die Bahn auch auf unpassende Vergleiche Verzichten. Die „zusätzliche Service-Leistung“ Frauenabteil wäre „in Anlehnung an ICE und IC“ erarbeitet worden, heißt es da. Nur gibt es im ICE kein Frauenabteil, sondern nur einen gesonderten Bereich für Reisende mit Kindern. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle. Doch um solche Unisex-Angebote geht es auf der sächsischen Linie ja nicht.

An einer anderen Stelle ist der Bahnbetreiber zudem noch zu ehrlich. Die neue partielle Geschlechtertrennung diene, so heißt, lediglich der Stärkung des Sicherheitsgefühls und nicht der Sicherheit selbst. Aber damit ist ein Bahnunternehmen auch wirklich überfordert. Die gefühlte Wirklichkeit ist schließlich auch wichtig. Wir sollten nicht immer so nörgeln, sondern uns daran erfreuen, dass jetzt auch Sachsen mitmachen, wenn es darum geht, die Regeln unseres Zusammenlebens täglich neu auszuhandeln. So schaffen wir das. Inschallah.

Zuerst erschienen auf: http://sichtplatz.de/?p=5604

Als DER SPIEGEL die Palästinenser erfand – ein künstlich erfundenes Volk für den Westen und seinen Anti-Israelismus (Anisemitismus)

Palästina ist ein Begriff, der bis weit in die Vergangenheit reicht. Er findet sich erstmals im Tanach als Bezeichnung für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, mit denen die frühen Hebräer des Öfteren zu tun hatten: Den Philistern – oder besser: Phéléshétjm (F-L- Sh-T-J-M).

Von den Philistern zu Palästina

Féléshétjm, das waren jene überwiegend in Städten wohnenden Menschen, mit denen die damals noch in Sippen lebenden inländischen Semiten regelmäßig Probleme hatten. Die Geschichte von Simson und Delilah ebenso wie die Legende von David und Goliath sind herausragende Beispiele, wie dieser Konflikt in das Alte Testament Einzug gehalten hat.

Doch zwischen Féléshétijm und Hebräern gab es durchaus auch friedliche Phasen der Koexistenz. Die häufig noch als Nomaden durch das Land ziehenden Sippen gingen zum Handel in die Städte der „Palästiner“, einige sogar siedelten sich dort an, wurden zu wohlhabenden Menschen – und wurden dennoch von den Küstenstädtern argwöhnisch beäugt. Bekannt sind auch Vertragsabschlüsse zwischen den Stadtführern und den Nomaden über die Nutzung von Wasserstellen – für die Nomaden von existentieller Bedeutung.

All das findet sich berichtet im Tanach. Israels Archäologen, allen voran Israel Finkelstein, haben mit ihren Forschungen weiteres Licht in die Geschichte gebracht und kamen zu der Überzeugung, dass jene Féléstétjm auch die „Kanaanäer“ (Kénýnjm) des Alten Testaments waren. Und dass aus Kanaanern und Hebräern im Laufe der Zeit jene Völker wurden, die im antiken Israel und Jahudah lebten.

Als die Griechen in Folge der militärischen Invasion des Alexander die Herrschaft über den Landstrich übernahmen, bedienten sie sich des altsemitischen Begriffs der „Féléshétjm“ und es entstand Παλαιστίνη – Palaistinéh. Als die Römer 63 vc die jüdischen Priesterkönige der Hasmönäer, deren Vorfahren 167 vc den unabhängigen Staat Judäa gegründet hatten, entmachteten und zurück in die Tempel schickten, übernahmen sie erst einmal die jüdische Bezeichnung. Roms neue Provinz im fernen Orient bekam im Jahre 6 nc von Kaiser Augustus den Namen Judaea. Doch da die ortsansässigen Juden ein aufmüpfiges Volk waren und Rom mit wenig humanen Mitteln einen dritten Aufstand um Bar Kochba erst 135 nc abschließend niederschlagen konnte, wollten die römischen Besatzer nun alles tilgen, was an die Juden erinnerte. Nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal in der menschlichen Geschichte sollte jegliche Erinnerung an eine im Kampf unterlegene Gruppe final ausradiert werden.

Roms Kaiser Hadrian ließ daher das antike Jerusalem schleifen und es als Aelia Capitolina neu aufbauen. Die Provinz Judaea wurde im Rückgriff auf jene jüdischen Gegner der Kupferzeit in Palaestina umbenannt.

Kein jordanisches Palästina, kein palästinensisches Israel

Diese Maßnahme der siegreichen Kolonialherren der Antike wirkt bis heute. Denn als nach dem großen Waffengang der europäischen Imperien das 636 nc von den arabischen Gotteskriegern zwangsislamisierte Gebiet 1920 nc völkerrechtlich aus dem osmanischen Herrschaftsbereich herausgelöst wurde, griffen die poströmischen Sieger Großbritannien und Frankreich erneut auf die altsemitisch-griechisch-römische Bezeichnung zurück. Es entstand das Mandatsgebiet „Palestine“ oder Palästina, welches nun auch kurzfristig das Gebiet jenseits des Jordan umfasste und in dem – gemäß alliierter Zusage – eine Heimstatt auch für Juden geschaffen werden sollte.

Doch bereits 1923 wurde das Mandatsgebiet wieder geteilt und es entstanden Cisjordanien – im Wesentlichen das heutige Israel und Gaza – sowie Transjordanien. Für dieses Protektorat hatten die Briten bereits 1921 Abd Alah ibn Husain, Sohn des von den Sa’ud vertriebenen Sherif von Mekka, als Emir eingesetzt. Der wurde am 25. Mai 1946 König des in die Unabhängigkeit entlassenen Jordaniens und wegen seiner kooperativen Haltung gegenüber dem jungen Staat Israel am 20. Juli 1951 in Jerusalem von einem arabischen Extremisten ermordet. Heute ist Abd Alahs Urenkel Abd Alah bin al-Husein König des Steppenstaates – nach wie vor ein enger Verbündeter des Westens und liberaler Muslim.

So wurde schon mit der Teilung des Mandatsgebietes der antike Begriff Palästina wieder reduziert auf jene klassische Region zwischen Mittelmeer und Jordan. Ein „palästinensisches“ Jordanien, in dem die „Organisation zur Befreiung Palästinas“ – kurz PLO – 1970 mit syrischer Unterstützung einen Bürgerkrieg entfachte und von den Truppen des damaligen jordanischen Königs unter der Führung des aus Cisjordanien/Judäa stammenden Muhamad Daud bis Juli 1971 aus dem Land gejagt worden war, hat es niemals gegeben.

Die Eindringlinge

Aber – gab es nun ein cisjordanisches Palästina? Am 29. November 1947 hatten die Vereinten Nationen mit Resolution 181 (II) die Teilung Cisjordaniens in zwei demokratisch zu organisierende Staaten beschlossen. Der eine dieser zwei Staaten wurde nach dem Abzug der britischen Mandatstruppen am 14. Mai 1948 als Israel proklamiert und ist – trotz zahlreicher Versuche seiner Nachbarn, ihn auszulöschen – bis heute die einzig funktionierende Demokratie in der Region. Die nach den arabischen Angriffskriegen verbliebenen, nicht–israelischen Gebiete der römischen Provinz Palaestina werden heute autoritär entweder von der Hamas oder der PLO verwaltet – und diese haben mangels eigener historischer Identität sich den altsemitischen Begriff der Féléshétjm zu eigen gemacht, um damit ihren Anspruch auf das ehemalige Mandatsgebiet Cisjordanien zu begründen.

Das lässt es zweckmäßig erscheinen, noch einmal einen Blick auf die historischen Wurzeln des Begriffs „Palästina“ zu werfen – und zu einem für seine heutigen Anspruchserheber möglicherweise irritierenden Ergebnis zu kommen. Denn der altsemitisch-hebräische Begriff des „Féléshétjm“ lässt sich unschwer auf das Peh-Lamed-Shin des hebräischen Alphabets zurückführen. Félésh – das steht im Ivrit bis heute für „eindringen“. Féléshétjm – das waren für die Autoren des Tanach nichts anderes als „Eindringlinge“.

Historisch lässt sich das gut nachvollziehen, denn zwischen 1200 und 1000 vc kam es im östlichen Mittelmeerraum zu einer Völkerwanderung von Nordwest nach Südost, in deren Zuge nicht nur das vermutlich hethitische Troja vernichtet wurde, sondern die mit den in ägyptischen Archiven als „Seevölker“ beschriebenen Migranten mit militärischer Gewalt Siedlungsraum an den Küsten Ostägyptens und dem heutigen Israel erobern wollten. Die antiken Städte der Philister von Gaza bis Ekron waren ebenso Ergebnis dieser Völkerwanderung wie die Küstenstädte des heutigen Libanon.

Selbstverständlich waren diese Migranten für die ortsansässige Bevölkerung „Eindringlinge“ – und so ist es naheliegend, dass der Tanach dann, wenn er von „Féléshétjm“ spricht, tatsächlich „Eindringlinge“ und nicht etwa „Palästinenser“ meint. Die Küsten des kupferzeitlichen „Palästina“, das damals mangels Féléshétjm noch nicht so genannt werden konnte, wurden von einer Welle möglicherweise durch dorische Kriegsflüchtlinge oder klimatisch bedingte Hungerflüchtlinge erfolgreich übernommen. Eines allerdings waren diese aus hebräischer Sicht seinerzeit „echten“ Palästinenser zu keinem Zeitpunkt: Araber. Sie waren nicht einmal Semiten, sondern werden sich erst im Laufe der Jahrhunderte mit den ortsansässigen Semiten vermischt haben.

Viele unterschiedliche Menschen – keine Palästinenser

Als der britische Agent Thomas E. Lawrence zwischen 1917 und 1918 den Kampf des Sherif von Mekka gegen die Osmanen organisierte, kam er auch in die Region des heutigen Israel. Dort traf er auf zahlreiche Menschen unterschiedlichster Identität. Auf muslimische Araber und von Russland vertriebene Tscherkessen. Auf christliche Armenier und Aramäer. Auf Juden und sogar auf Berber, die in Folge der Niederschlagung des Aufstandes des Panarabisten Abd al’Qadir aus dem französischen Algerien in das Osmanische Reich geflüchtet waren. Auch gab es in den Gebieten zwischen Mittelmeer und Jordan nach wie vor Drusen und Maroniten. Eines allerdings gab es nicht: Palästinenser.

Und das blieb auch so – bis 1968 ein 1929 in Kairo geborener Araber dem deutschen Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“ ein Interview gab. Dieser ägyptische Araber hatte 1957 als Fremdarbeiter in Kuwait eine Untergrundbewegung gegründet, die sich den Namen „Organisation zur Befreiung Palästinas“ gab. Sein Name lautete Yasir Arafat, Sohn der Verbindung eines aus Gaza stammenden Vaters und einer aus Jerusalem stammenden Mutter, die in den 1920er Jahren nach Kairo gezogen waren.

Abu Ammar und die arabische Nation

Als sich dieser Arafat 1968 erstmals mit dem SPIEGEL-Redakteur Helmut Sorge traf, nannte sich der frühere Muslimbruder Abu Amar und war Kopf einer Terrormiliz, die sich – so der Hinweis der Magazins – die Befreiung „Palästinas“ zum Ziel gesetzt hatte. Abu Amar Arafat spricht in dem Interview, das irgendwo in Jordanien nahe der Grenze zu Israel geführt wurde, laut deutscher Übersetzung von „arabischen Soldaten“, die „das Volk“ befreien werden. Er betrachtete sich laut dieser Übersetzung als Sprecher „unseres palästinensischen Volkes“ und „Vertreter des arabischen Volkes zwischen Atlantik und Persischem Golf“.

Nicht nur bei dieser letzten Formulierung wird es heikel – denn ein „arabisches Volk“ zwischen Atlantik und Persischem Golf hat es nie gegeben. Die Bewohner des Maghreb – Überbleibsel unterschiedlichster Besiedlungsphasen und lange Zeit christlich-römische Provinzen – wurden erst im Zuge des arabisch-islamischen Imperialismus zwangsarabisiert. Wenn Arafat diese Berber- und Maghreb-Stämme als „arabisches Volk“ bezeichnet, so folgt er damit letztlich der islamischen Idee seiner Muslimbrüder von der allumfassenden „Umah“, die jedoch nur Gläubige und Ungläubige kennt und regional- wie zeittypisch von Stämmen statt von Völkern ausgeht.

Gleichzeitig nutzt Arafat in dem in englischer Sprache geführten Interview angelsächsische Begriffe, um seinem westeuropäischen Besucher sein Anliegen zu erklären. Und der ist nun  ausgerechnet ein Deutscher und muss für seine Leser den englischen Text derart übersetzen, dass der Germane es auch versteht.

Die Deutschen und der Volksbegriff

Nun hat die deutsche Sprache – kultur-historisch bedingt – ein Volksproblem. Denn anders als das Angelsächsische unterscheidet sie faktisch nicht zwischen Nation und Volk. Die Idee des ethnisch reinen Staatsvolkes, mit der zuletzt Adolf Hitler einen bedeutenden und wichtigen Teil der Deutschen erst vertrieb und dann vernichtete, um anschließend die Welt mit einem Vernichtungskrieg im Namen „seines“ Volkes zu überziehen, ist in ihrem Kern tatsächlich ziemlich deutsch.

Für dieses deutsche „Volk“ nun gibt es kein wirkliches, angelsächsisches Äquivalent. Denn „folk“, welches man gewillt sein könnte als Übersetzung zu nutzen, hat mit dem deutschen „Volk“ wenig gemein. Weshalb der Deutsche „folk“ als „ländliche Bevölkerung“ versteht. Will er jedoch vom „Volk“ sprechen, so bedient er sich im Angelsächsischen der Begriffe „people“ oder „nation“. Beide aber entsprechen dem deutschen „Volk“ nicht. Denn das deutsche „Volk“ ist emotional. Es charakterisiert – im altgermanischen Stammesdenken verankert – eine durch das Blut geeinte Gemeinschaft eines Willens und eines Zieles – und ist deshalb für Führung stets anfällig. So fiel es denn auch den nationalsozialistischen Machtübernehmern in den dreissiger Jahren nicht schwer, die Losung des 1871 geeinten deutschen Nationalstaats, die da lautete „Ein Reich – Ein Volk – Ein Gott“, in „Ein Volk – Ein Reich – Ein Führer“ zu pervertieren und damit nicht nur das Reich über das Volk zu setzen, sondern auch Gott durch Hitler zu ersetzen.

Die englischen „people“ nun sind erst einmal nur Menschen. Und „nation“ steht gemäß seinem lateinischen Ursprung für eine Gruppenzugehörigkeit qua Geburt – im deutschen Verständnis als „Nation“ von Staatsbürgern unterschiedlichsten Ursprungs zu verstehen.

Von der „arab nation“ und den „people of palestine“

Arafat spricht in dem Interview von „arab nation“ und „people of palestine“. Beides hat mit dem deutschen Volksbegriff nichts zu tun. Denn „the arab nation“, die arabische Nation, das war seinerzeit das Schlagwort des ägyptischen Fellachen Gamal abd a’Nasir, mit dem jener die sunnitisch-islamischen Länder, welche in diesem Falle tatsächlich vom Atlantik bis an den Indischen Ozean reichten, einen wollte. „The arab nation“ – das war das säkulare Pendant zum islamischen Kalifat.

Arafat hing damit einer zu jener Zeit schon ausrangierten, politischen Großmachtidee an, die 1958 den Ägypter Nasir zum Staatsoberhaupt der aus Ägypten und Syrien bestehenden „Vereinigten Arabischen Republik“ gemacht hatte. Lange hielt diese V. A. R. nicht. Schon 1961 verabschiedete sich Syrien aus dem Kunstprojekt – und der Panarabismus wurde zu einem Merkmal des sogenannten Nasserismus.

Dennoch ist nachvollziehbar, dass Arafat dieser panarabischen Idee des Nasir, die ihn offenbar geprägt hatte, auch 1968 anhing. Denn er brauchte, um mit seiner Terrororganisation erfolgreich zu sein, nicht nur eine Idee, sondern vor allem Geld. Dieses konnte er um so erfolgreicher bei den reichen Arabern einfordern, je erfolgreicher er ihnen ein schlechtes Gewissen einreden konnte. Die Idee des einen arabischen Volkes war dabei durchaus wirkungsvoller als der Versuch, für irgendwelche entfernten Vettern, die man laut Lawrence noch vor 50 Jahren im Zweifel für verweichtlichte Osmanenknechte gehalten hatte, in die Taschen zu greifen.

Gleichzeitig aber verstand sich Amar-Arafat als Kämpfer jener Menschen, die nach 1946 dem Aufruf seines Bekannten, dem Mufti von Jerusalem, gefolgt waren und ihre Heimat in der Erwartung, im Gefolge siegreicher arabischer Truppen heimzukehren, verlassen hatten. Dieses wiederum waren „the people of palestine“ – die Menschen von Palästina. Die waren 1968 noch weit davon entfernt, als eigenständiges Volk wahrgenommen zu werden, geschweige denn sich als solches zu verstehen. Denn – siehe oben – es waren Araber und Aramäer, Christen und Muslime – und selbst die Nachkommen von berberischen Rifbewohnern und zahllosen anderen Zuwanderern, die das Schicksal im Laufe der Jahrhunderte dorthin verschlagen hatte.

Wie der SPIEGEL das palästinensische Volk erfand

Der SPIEGEL übersetzte in treu-deutscher Manier all diese sich bei Arafat mangels Volksidee vermengenden Begriffe mit „Volk“ – und das, obgleich Arafat doch immer noch davon träumte, ein arabisches – oder besser: ein nicht-jüdisches – „Palästina“ in der großen, panarabischen Idee zu verwirklichen.

Da Arafat ein durchaus nicht dummer Mensch war, erkannte er recht schnell, welch positive, propagandistische Unterstützung ihm diese SPIEGEL-Hilfe bieten konnte. Als er 1974 vor der UN auftrat, adelte die Vollversammlung den Freischärler Arafat in wenig nachvollziehbarer Weise. Aus der Al Fatah als „Bewegung zur Befreiung Palästinas“ des Jahres 1968 war zwischenzeitlich die „Palästinensische Befreiungsorganisation“ PLO geworden. Die wurde, obgleich sie sich bis zu diesem Zeitpunkt niemals irgendwelchen Wahlen gestellt hatte geschweige denn über ein Staatsgebiet und staatliche Verwaltungsstrukturen verfügte, als „offizielle Vertretung des palästinensischen Volkes“ anerkannt. Eines Volkes, das es selbst sechs Jahre zuvor noch nicht einmal in Arafats kühnsten Fatah-Träumen gegeben hatte.

Noch 2015 adelte „DER SPIEGEL Geschichte“ den als Terroristen gestarteten Ägypter als „Mr. Palestine“, für „seine Landsleute“ dazu durch seinen „bewaffneten Kampf“ gemacht.

„Seine Landsleute“ – ägyptische Araber? Oder alle heutigen und früheren Bewohner Cisjordaniens, aus dem Israel, Gaza und die  Westbank wurde, die nicht jüdischen Ursprungs sind? Und von denen kaum einer jemals gefragt wurde, ob er sich tatsächlich von einem Kairoer Berufsrevolutionär  (um an dieser Stelle diese nettere  Bezeichnung für terroristischer Freischärler zu verwenden) vertreten fühlt?

Möglich, dass sich viele der Bewohner im Westjordanland und im Gaza-Streifen heute als Anhänger Arafats verstehen. Ob sie damit bereits ein „Volk“ sind, darf allein schon mit Blick auf die Hamas angezweifelt werden. Denn die steht in gewisser Weise bis heute noch in der Tradition des frühen Abu Amar und träumt vom panarabischen Kalifat – aber selbstverständlich nicht wie dereinst Nasir in einem säkularen Staat, sondern unter dem Banner des Islam. Und dessen Staatsidee ist immer noch die Umah, in der Völker und Demokratie keine Rolle spielen.

Das Volk für den Westen und den Anti-Israelismus

Aber für den dummen Westen und die in Anti-Israelismus geeinten, mehr oder weniger „Vereinten Nationen“ macht es sich natürlich besser, von einem „palästinensischen Volk“ zu erzählen. Denn damit kann man das erfolgreiche, demokratische Israel vortrefflich als Unrechtsstaat diffamieren. Deshalb sind heute Teile jener Bewohner der früheren römischen Provinz Palaestina immer noch scheinbar zu Unrecht Vertriebene (die ihre Heimat dereinst freiwillig verlassen hatten) oder Bürger eines demokratischen Staates, dessen Existenzrecht von vielen Nachbarn bis heute nicht anerkannt wird – und das dennoch nach wie vor eine Bastion von Freiheit und auch Säkularismus im Nahen Osten ist.

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