Der entmannte deutsche Mann / Die Macht der Möpse

Männer: Abwesenheit von Mut | Die Weltwoche, Ausgabe 8/2016 | Freitag, 26. Februar 2016

Topor-Schneewittchen-1977

Rolan Topor “ Schneewittchen“ 1977

Abwesenheit von Mut

Der politisch korrekte Feminismus 
hat den westlichen Mann entmannt. Umso hilfloser steht er 
der ­muslimischen Massenimmigration gegenüber.

Von Peter Keller

Als die erste Schockwelle vorüber war, blieb ­eine Frage im Raum hängen: Wo war eigentlich der deutsche Mann, als in dieser Silvesternacht Hunderte von Frauen sexuell bedrängt wurden, als ein gewalttätiger Mob vornehmlich junger Araber sich am weiblichen Partyvolk verging? Die Frage war so beschämend, dass die Debatte darüber noch zäher in die ­Öffentlichkeit fand als die politisch unerwünschte Herkunft der Täter (Migranten und Flüchtlinge). Zwar schrieb die Übermutter des deutschen Feminismus, Alice Schwarzer, schon bald über den «blauäugigen Import von Männergewalt, Sexismus und Antisemitismus» aus islamisch geprägten Ländern, aber auch sie kam nicht weg vom üblichen Muster, hier männlicher Täter, dort weibliches Opfer. Der abwesende deutsche Mann blieb vorerst ein Phantom in der Debatte.

Es dauerte einen Monat, bis Eckhard Fuhr in der Welt zerknirscht bekannte: «Der moderne Mann hat in Köln versagt.» Welchen Ärger der testosterongesteuerte Mann bereiten könne, sei seit der Silvesternacht allen klargeworden. Nur stehe Köln eben auch für die Gefahr, die vom «postkonventionellen» Mann ausgehe, also von der Abwesenheit von Mut, Heldentum, Stolz, die es erst möglich machte, dass keinem der Kölner Aggressoren auch nur ein Haar gekrümmt wurde.

Die deutsche Publizistin Cora Stephan fand für die neue westliche Memme eine andere ­soziologische Kategorie: «Der postheroische Mann» (NZZ, 1. 2. 2016). Die jungen muslimischen Täter hätten ein klares Geschlechterbild: «Frauen gelten wenig – oder gar nichts, wenn sie ungläubige ‹Schlampen› sind.» Entsprechend klar sei auch das Selbstbild: Ein Mann habe dafür zu sorgen, dass Mutter, Schwester, Verlobte oder Ehefrau «rein» blieben. «Wer diese Frauen entehrt, hat sich also an der Ehre des Mannes vergriffen, der ‹seine› Frauen nicht hat schützen können.» Aus ­dieser Perspektive seien am Silvester vor allem zahllose Männer entehrt worden, nicht zuletzt die deutsche Polizei. Die Frechheit der Täter liegt in der Verachtung des schwäch­lichen Westens begründet.

«Weder Mann noch Frau»

Alice Schwarzer ist eine der wenigen Feministinnen, die von Anfang an die Gefahr der Islamisierung beim Namen genannt hat. Sie war dabei – man kann es ihr nicht verargen – vor allem von ihren feministischen Überzeugungen geleitet. Nur gehört es zu den ironischen Nebenwirkungen der Frauenbewegung, dass ausgerechnet die Einebnung der Geschlechterunterschiede die Verletzlichkeit unserer ­Gesellschaft befeuert hat. Am Ende des ­Feminismus steht der metrosexuelle Augenbrauenzupfer, der entmännlichte Mann. Wie zum Beweis widmete Alice Schwarzers Zeitschrift Emma ihre erste Ausgabe 2016 dem Gender-Model Tamy, «weder Mann noch Frau», wie es in der Unterzeile heisst. Das ­Cover ziert ein bleiches, androgynes Gesicht. Der politisch korrekte Feminismus hat ein Männchen geboren, das weder in Köln noch anderswo Frauen vor dem Mob zu beschützen vermag.

So klar das Frauen- und Männerbild muslimischer Migranten ist, so unklar ist das westliche Geschlechterverständnis geworden. Cora Stephan fragt sich, wie überlebensfähig unser mittlerweile gewohnter moderner Lebensstil noch sei angesichts einer massenhaften Einwanderung von Menschen mit gegensätz­lichem kulturellem Hintergrund. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Gelingt dem feministisch-korrekten Europa die Entmannung des muslimischen Mannes, bevor dieser über die westliche Memme triumphiert? Oder wird noch rechtzeitig der ritterliche Mann des Abendlandes wiederauferstehen?

Kommentare

  • Alex Kantcheli
  • 26.02.2016 | 15.59 Uhr

Realistisch gesehen ist der typische MannMuslim dem Euro physisch und intellektuell unterlegen. Ein Viertel weist deutliche Anzeichen von Inzucht auf (‚wir geben dir ein unberührtes Mädchen aus unserer Sippe – den anderen kann man nicht trauen, und es stärkt unsere Bande‘). Wegen fehlender Aktivität draussen wird Muslim schnell dicklich und ältlich – mit 50 ist er Pascha und braucht IV. Da mütterlich-fötal induzierte hormonelle Agressivität mit Zahl von Kindern zunimmt, ist er aber jung aufdringlicher. Nenne mir einen berühmten Sportler Abenteurer Weltumsegler Saharadurchquerer im Namen Allahs.

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2016-8/artikel/abwesenheit-von-mut-die-weltwoche-ausgabe-82016.html

line-wordpress-long

spiegel.de

 topor3

Die Macht der Möpse – DER SPIEGEL 34/1974

SPIEGEL ONLINE, Hamburg, Germany

Marie-Luise Scherer über das neue Buch von Esther Vilar

Als menschgewordenes Weichteil mußte die Frau. um in der Wirbel- und Muskelwelt mitzumischen. sich erst mal Konturen durch Mieder verpassen lassen. Schnauzen- und nasenlos ortet sie über ihre gummierten BH-Körbchen die Richtung. aus welcher die Männer einfallen, um sich ihr, dein Mopsgeschöpf. zu unterwerfen.

Im „dressierten Mann“ stellte vor drei Jahren Esther Vilar die Macht der Möpse über Intelligenz und Schönheit fest: In den athletischen Armen phantasievoller Kopfarbeiter forderte eine korsettierte Amöbe ihr Recht auf Schonung.

„Der dressierte Mann“, als Bombe gegen die Feministen getarnt, platzte damals vorschriftsmäßig auf dem Boulevard. Die Anekdoten aus dem Bekanntenkreis der Esther Vilar, wo Frauen sich die Nägel lackieren können, weil Männer sich die Nägel schmutzig machen, wo Frauen aus der Ferne ihres Mittagsschläfchens von den Schweißausbrüchen ihrer Männer am Hochofen profitieren, wurden in einer Gesamtauflage von zwei Millionen in 21 Ländern gelesen.

Während im „Dressierten Mann“ die Frau trotz ihrer Verkrüppelungen immerhin auf dem Bock saß und die Zügel hielt, sitzt sie jetzt, im neuen Buch der Esther Vilar, nur noch im Krankenstuhl*. Und Schwester Esther schiebt den Stuhl, reißt ihn amoklaufend in jede ihr passende Kurve. Bis die 200 Seiten voll sind.

Pünktlich hinein in die Stille einer äußerlichen Kampfpause, in der die Emanzipationsappelle der Kate Millett und Germaine Greer zumindest durch den populären Verzicht auf Büstenhalter befolgt scheinen, in einer Zeit, da Begriffe wie Unterdrückung und Umweltschutz rundgelutschte Wörter sind, rührt Schwester Esther den Patriarchen eine neue Nährlösung an. Geschickt wie damals, nicht hervorragend dumm, eher flüssig und schnell auf der falschen Schiene, setzt sie mit 50 000 Startauflage auf „das gefährlichste Dreieck der Welt“ („Bild“), auf Mann und Frau und Nebenfrau.

Wo die Beschäftigung mit einer komplizierten Materie sonst auch als Schwierigkeit in den Stil eingeht, hat Esther Vilar keine Not. Sie findet nichts schwierig. Sie läßt weg,

* Esther Vilar: „Das polygame Geschlecht — Das Recht des Mannes auf zwei Frauen“. Caan verlag. München; 200 Seiten; 24 Mark

was ihre Vorurteile unrein machen könnte.

Sie nimmt die Frau an sich beim Wickel. Und die stellt sieh für Esther dar als ein gecremtes und massiertes Riesenspielzeug, das hinter den schräggestellten Lamellen del Sonnenjalousie festigende Übungen für die Oberschenkel macht.

Leider zögern diese Übungen das Unglück der alternden Puppe kaum hinaus. Die überdehnte, kosmetisch gestützte Jugend hört mit 30 unerbittlich auf. Das „schutzbedürftige“, durch die Ehe „adoptierte Kind“ des Mannes bekommt das Aussehen eines erwachsenen Menschen. Dann, behauptet Esther, ist Sense mit dem „Brutpflegetrieb“ des Vater-Gatten.

Der naturgesteuerte Brüter bemüht sich um Nachfolge für sein geplatztes Ei, für sein Täubchen, das ihn eines schönen Morgens als Geierhenne auf dem Kopfkissen erschreckt: „Die Zeit seiner Suche nach geeignetem Nachwuchs. entspricht der Schwangerschaft bei der Frau.“

Den von der grassierenden Soziologen-Sprache erschöpften Leser machen solche suggestiven Sätze, auch wenn sie falsch sind, erst mal glücklich. Die zweifelsfreie Esther Vilar sucht keinen Schutz bei der Wissenschaft. Diese schlaue Person baut auf die philosophische Klarheit der Bauernregeln, auf Aphorismen à la Sacha Guitry und Colette.

Mit großen Buchstaben und kurzen Kapiteln füllt „Das Recht des Mannes auf zwei Frauen“ gerade die Zeitspanne, die zwischen einer Valium und ihrer Wirkung liegt.

DER SPIEGEL 34/1974

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41651547.html

line-wordpress-long

Siehe auch:

Topor-drssierte Man

Esther Vilar

Der dressierte Mann

Vilar hat den Emanzipations-Spieß umgedreht: Herr im Haus ist die Frau. Sie dressiert den Mann mit heimtückischen Tricks zum unterwürfigen Sklaven und schickt ihn dann zum Geldverdienen hinaus ins feindliche Leben. »Als Gegenleistung« stellt sie ihm »ihre Vagina in bestimmten Intervallen zur Verfü­gung«. So schwungvoll bissig, doch nicht ganz ohne Charme, löst Esther Vilar das Uralt-Rätsel um den Mythos Frau und entlarvt ihre Geschlechtsgenossinnen als hartgesottene Ausbeuterinnen, die allein aus ihrer Anatomie gehörig Kapital schlagen (Der Spiegel, Hamburg). Ein brillant geschriebenes, lustiges, provozierendes Buch (Neue Ruhr Zeitung, Essen). Esther Vilar reizt in vielen ihrer ketzerischen Gedanken zum Widerspruch. Aber ehrlich – ja, ehrlich kann man ihr nicht widersprechen (Abendzeitung, München). Man nennt sie den »Karl Marx der Männer« (Kölner Stadtanzeiger). Den Männern zugeflüstert: was die Vilar vom Verhältnis der Frauen untereinander schreibt, ist unbedingt lesenswert (Der Tagesspiegel, Ber­lin). Die erste Männerrechtlerin der literarischen Szene (Titel, Thesen, Temperamente – Deutsches Fernse­hen). Mit Wagnermusik hat die Vilar gemeinsam: der Zuhörer kann sich ihr gegenüber nur mit Not neutral verhalten. Entweder ist er für oder gegen sie. Angesteckt vom Zorn der Autorin, kann der Leser bei der Lektüre lediglich zum Vilaristen oder zum erklärten Feind werden (Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, Hamburg). Wenn es noch Leute gäbe, die zum Vergnügen lesen, müßte dieses Buch ein Bestseller sein (Sebastian Haffner).

Esther Vilar wurde 1935 in Buenos Aires geboren; ihre Eltern waren in Deutschland emigriert. Sie vaga­bundierte durch halb Amerika, Afrika und Europa – als Sekretärin, Fabrikarbeiterin, Verkäuferin, Dolmet­scherin und Vertreterin. Nach Abschluss eines Medizinstudiums kam sie mit einem Stipendium nach Deutschland studierte Soziologie und arbeitete als Assistenzärztin in einem Krankenhaus.

Bisher veröffentlichte sie im Münchner Caann Verlag:

DER SOMMER NACH DEM TOT VON PICASSO (ein Spiel) MANN UND PUPPE (Comic-Roman)

ÜBER DIE MACHT DER DUMMHEIT (Essay)

Schützumschlag

Jan Buchholz und Reni Hinscb Esther Vilar

Der dressierte Mann

Bertelsmann Sachbuchverlag

© by Caann Verlag GmbH, München

Alle deutschsprachigen Rechte bei der Verlagsgruppe Berteismann GmbH/ Berteismann Sachbuchverlag, Gütersloh – Wien 1971

Gesamtherstellung: Mohndruck Reinhard Mohn OHG, Gütersloh

Printed in Germany

ISBN 3 570 08949 5
Inhalt

Vom Glück der Sklaven……………………………………………………………………………………………………………………………………………… 3

Was ist der Mann?………………………………………………………………………………………………………………………………………………………… 3

Was ist die Frau?…………………………………………………………………………………………………………………… 6

Der weibliche Horizont………………………………………………………………………………………………………………………………………………. 8

Das schönere Geschlecht……………………………………………………………………………………………………. 11

Das Universum ist männlich……………………………………………………………………………………………….. 13

Ihre Dummheit macht die Frau göttlich………………………………………………………………………………… 15

Dressurakte………………………………………………………………………………………………………………………… 17

Dressur durch Selbsterniedrigung………………………………………………………………………………………….. 19

Ein Wörterbuch………………………………………………………………………………………………………………….. 21

Frauen sind gefühlsarm……………………………………………………………………………………………………………………………………………… 22

Sex als Belohnung………………………………………………………………………………………………………………. 24

Die weibliche Libido………………………………………………………………………………………………………………………………………………….. 27

Dressur durch Bluff…………………………………………………………………………………………………………………………………………………… 29

Kommersialisierte Gebete……………………………………………………………………………………………………………………………………….. 31

Selbstdressur……………………………………………………………………………………………………………………… 33

Kinder als Geiseln………………………………………………………………………………………………………………………………………………………. 35

Die weiblichen Laster……………………………………………………………………………………………………………………………………………….. 39

Die Weiblichkeitsmaske……………………………………………………………………………………………………………………………………………. 42

Berufswelt als Jagdrevier…………………………………………………………………………………………………………………………………………. 45

Die »emanzipierte« Frau………………………………………………………………………………………………………………………………………….. 47

Was ist Liebe?…………………………………………………………………………………………………………………….. 49

Dieses Buch ist denen gewidmet, die darin nicht erwähnt werden: den wenigen Männern, die sich nicht dressieren lassen, den wenigen Frauen, die nicht käuflich sind – und den Glücklichen, die keinen Markt-

wert haben, weil sie zu alt, zu häßlich oder zu krank sind. E.V.
Vom Glück der Sklaven

Der zitronengelbe MG schleudert. Die junge Frau am Steuer bringt ihn etwas waghalsig zum Stehen, steigt aus und entdeckt, daß der linke Vorderreifen platt ist. Ohne Zeit zu verlieren, trifft sie Vorkehrungen für die Reparatur: Sie blickt den vorbeifahrenden Autos entgegen, als erwarte sie jemand. Auf dieses internati­onal genormte Signal weiblicher Hilflosigkeit (»schwache Frau von männlicher Technik sitzengelassen«) stoppt bald ein Kombiwagen. Der Fahrer erfaßt sofort, was zu tun ist, sagt tröstend: »Das werden wir gleich haben« und bittet die Frau zum Zeichen seiner Entschlossenheit um ihren Wagenheber. Er fragt sie nicht, ob sie das Rad selbst wechseln kann, denn er weiß – sie ist etwa dreißig, modisch angezogen und geschminkt -, daß sie es nicht kann. Als sie keinen Wagenheber findet, holt er seinen eigenen, sein übriges Werkzeug bringt er gleich mit. In fünf Minuten hat er die Sache erledigt und das schadhafte Rad an dem hierfür vorgesehenen Platz verstaut. Seine Hände sind ölverschmiert. Als ihm die Frau ihr besticktes Ta­schentuch anbietet, weist er es höflich zurück. Er hat für solche Fälle immer einen alten Lappen in seinem Werkzeugkasten. Die Frau bedankt sich überschwenglich und entschuldigt sich für ihre »typisch weibli­che« Ungeschicklichkeit. Wenn er nicht gekommen wäre, sagt sie, hätte sie womöglich bis zum Abend hier gestanden. Er entgegnet darauf nichts, aber als sie einsteigt, schließt er galant die Wagentür und gibt ihr über die heruntergekurbelte Fensterscheibe hinweg noch den Rat, den schadhaften Reifen bald ersetzen zu lassen. Sie sagt, sie werde ihren Tankwart noch am gleichen Tag entsprechend anweisen. Dann fährt sie davon.

Während der Mann sein Werkzeug aufräumt und allein zu seinem Wagen zurückgeht, bedauert er, daß er sich jetzt nicht die Hände waschen kann. Auch seine Schuhe, mit denen er während des Radwechsels in feuchtem Lehm gestanden ist, sind nicht mehr so sauber, wie sie es für seine Arbeit – er ist Vertreter – sein sollten. Wenn er seinen nächsten Kunden noch erreichen will, muß er sich beeilen. Er startet den Motor. »Diese Frauen«, denkt er, »- eine blöder als die andere«, und er fragt sich im Ernst, was sie nur angestellt hätte, wenn er nicht gleich zur Stelle gewesen wäre. Er fährt, ganz gegen seine Gewohnheit, unvorsichtig schnell, um die Verspätung wieder aufzuholen. Nach einer Weile fängt er an, leise vor sich hinzusummen. Auf eine gewisse Art ist er glücklich.

Die meisten Männer hätten sich in der gleichen Situation gleich verhalten, die meisten Frauen ebenso: Die Frau läßt den Mann – nur aufgrund der Tatsache, daß er ein Mann ist und sie etwas ganz anderes, nämlich eine Frau – bedenkenlos für sich arbeiten, wann immer es eine Gelegenheit gibt. Mehr als auf die Hilfe eines Mannes zu warten, hätte diese Frau nicht unternehmen können, hat sie doch nichts weiter gelernt, als daß man bei einer Autopanne einen Mann mit der Reparatur beauftragt. Der Mann hingegen, der für einen ihm völlig fremden Menschen eine Dienstleistung rasch, fachkundig und kostenlos erledigt, seine Kleider ruiniert, den Abschluß eines Geschäfts in Frage stellt und sich am Ende noch durch überhöhte Geschwin­digkeit in Gefahr bringt, hätte außer dem Radwechsel noch ein Dutzend anderer Defekte an dem Auto be­heben können und hätte es auch getan, denn dafür hat er es ja gelernt. Und warum soll sich eine Frau mit Reparaturen befassen, wenn die Hälfte der Menschen – die Männer – das so gut kann und auch bereit ist, ihr Können der anderen Hälfte zur Verfügung zu stellen?

Die Frauen lassen die Männer für sich arbeiten, für sich denken, für sich Verantwortung tragen. Die Frauen beuten die Männer aus. Aber die Männer sind stark, intelligent, phantasievoll, die Frauen schwach, dumm und phantasielos. Warum werden trotzdem die Männer von den Frauen ausgebeutet und nicht umgekehrt? Sind Kraft, Intelligenz und Phantasie am Ende gar nicht Voraussetzungen für Macht, sondern für Unter­werfung? Wird die Welt nicht von Könnern regiert, sondern von denen, die zu nichts anderem taugen: von Frauen? Und wenn es so ist – wie bringen es die Frauen dann fertig, daß ihre Opfer sich nicht betrogen und gedemütigt vorkommen, sondern als das, was sie am wenigsten sind – als die Herren? Wie geben sie ihnen dieses Gefühl des Glücks, wenn sie für sie arbeiten, dieses Bewußtsein des Stolzes und der Überlegenheit, das sie zu immer noch größeren Leistungen anspornt?

Warum werden die Frauen nicht entlarvt? Was ist der Mann?

Was ist der Mann? Der Mann ist ein Mensch, der arbeitet. Mit dieser Arbeit ernährt er sich selbst, seine Frau und die Kinder seiner Frau. Eine Frau dagegen ist ein Mensch, der nicht (oder nur vorübergehend) arbeitet. Die meiste Zeit ihres Lebens ernährt sie weder sich selbst noch ihre Kinder, geschweige denn ihren Mann.

Alle Eigenschaften eines Mannes, die der Frau nützen, nennt sie männlich, und alle, die ihr nicht nützen und auch sonst niemandem, nennt sie weibisch. Der äußeren Erscheinung eines Mannes wird deshalb nur dann Erfolg bei den Frauen beschieden sein, wenn sie männlich ist, das heißt, wenn sie ganz auf den einzi­gen Daseinszweck des Mannes, die Arbeit, abgestimmt und dermaßen gestaltet ist, daß er jeder Aufgabe, die man ihm stellen könnte, jederzeit nachkommen kann.

Außer nachts, wenn die meisten Männer buntgestreifte Pyjamas mit nur zwei bis vier Taschen tragen, be­kleiden sich die Männer mit einer Art Uniform in Grau oder Braun aus schmutzabweisendem, dauerhaftem Material. Diese Uniformen oder »Anzüge«, wie man sie nennt, haben mindestens zehn Taschen, in denen der Mann die notwendigsten Hilfsmittel, die er zu seiner Arbeit braucht, immer griffbereit bei sich trägt (die Kleidung der Frau hingegen hat, da eine Frau ja nicht arbeitet, weder am Tag irgendwelche Taschen noch bei Nacht).

Bei geselligen Anlässen ist es dem Mann erlaubt, Kleidung in der empfindlicheren Farbe Schwarz zu tra­gen, denn dort ist die Gefahr der Verschmutzung nicht groß, und außerdem kommt neben Schwarz die far­benprächtige Garderobe der Frau um so besser zur Geltung. Männer in grüner oder gar roter Gesellschafts­kleidung, die man gelegentlich trifft, sind trotzdem gern gesehen: lassen sie doch die anwesenden wirkli­chen Männer um so männlicher erscheinen.

Auch in seiner übrigen Erscheinung hat sich der Mann seiner Situation angepaßt. Seine Haare trägt er so, daß ein viertelstündiger Haarschnitt alle zwei bis drei Wochen zu ihrer Pflege ausreicht. Locken, Wellen oder Tönungen sind unerwünscht, sie würden ihn bei der Arbeit, die er vielfach im Freien verrichten muß oder die ihn zumindest oft ins Freie führt, nur behindern. Und selbst wenn er sie trüge und sie ihm gut stünden, würden sie seinen Erfolg bei den Frauen ganz gewiß nicht vergrößern, denn Frauen beurteilen Männer – ganz anders als Männer Frauen – niemals nach ästhetischen Gesichtspunkten. Männer, die vorü­bergehend individualistischen Haarschnitt tragen, merken das meist nach einiger Zeit von selbst und keh­ren zu einer der zwei bis drei Varianten der männlichen Kurz- oder Langhaar-Standardfrisuren zurück. Das gleiche gilt für Bartträger. Nur Übersensible – meist sind es mehr oder weniger intellektuelle Männer, die durch einen ungezügelten Bartwuchs den Eindruck geistiger Robustheit vortäuschen wollen – tragen über längere Zeit einen Vollbart. Da dies ein nicht unwichtiger Hinweis auf ihre Konstitution und somit auf die besondere Art ihrer Verwertbarkeit ist, wird es von Frauen als brauchbares Erkennungsmerkmal toleriert (es zeigt, auf welcher Ebene sich diese Männer am leichtesten ausbeuten lassen, nämlich bei der neuroti­schen Arbeit der Intellektuellen).

Im allgemeinen jedoch benutzt der Mann morgens drei Minuten lang einen Elektrorasierer, um seinen Bartwuchs im Zaum zu halten, und zur Pflege seiner Haut genügen ihm Wasser und Seife, denn von sei­nem Gesicht wird ja nichts weiter verlangt, als daß er es sauber und ungeschminkt, also für jedermann kon­trollierbar, zur Schau stellt. Zu erwähnen wären noch die Fingernägel des Mannes: Sie sollen für die Arbeit so kurz wie möglich sein.

Ein männlicher Mann trägt – außer seinem Ehering, der anzeigt, daß er bereits von einer besonderen Frau auf eine besondere Art verwertet wird – keinen Schmuck. Die große, plumpe Uhr an seinem Handgelenk -wasserdicht, stoßfest und mit Datumsanzeige -ist wahrhaft kein Luxusgegenstand. Häufig wird sie ihm von der Frau geschenkt, für die er arbeitet.

Wäsche, Oberhemden und Socken des männlichen Mannes sind so genormt, daß sie sich von einem Mann zum anderen höchstens in der Größe unterscheiden. Man kann sie in jedem Laden ohne Zeitverlust erwer­ben. Lediglich bei der Auswahl der Krawatten hätte der Mann eine gewisse Freiheit, aber da er an Freiheit in gar keiner Form gewöhnt ist, überläßt er diese Wahl – wie übrigens die aller anderen Kleidungsstücke auch – der Frau.

Sosehr sich die Männer im Äußeren ähneln – ein Beobachter von einem fremden Stern müßte annehmen, sie legten es darauf an, sich wie ein Ei dem anderen zu gleichen -, ist die Art und Weise, wie sie ihre Männlichkeit, das heißt ihre Verwertbarkeit für die Zwecke der Frauen, unter Beweis stellen, doch sehr verschieden. Sie muß verschieden sein: da die Frauen kaum arbeiten, braucht man die Männer für alles.

Es gibt Männer, die morgens um acht Uhr eine große Limousine vorsichtig aus einer Garage herausmanöv­rieren. Andere fahren eine Stunde früher mit einem Mittelklassewagen zu ihrem Arbeitsplatz, wiederum andere gehen, wenn es draußen noch stockfinster ist, mit einer alten Aktentasche unterm Arm, in der ein Overall und ein paar Frühstücksbrote liegen, zum Bus, zum Zug, in die Untergrundbahn und fahren zu der Baustelle oder Fabrik, bei der sie beschäftigt sind. Ein unbarmherziges Schicksal will es, daß die letzte Gruppe, die Ärmsten unter den Männern, auch noch von den am wenigsten attraktiven Frauen ausgebeutet wird. Denn da es Frauen bei Männern immer nur aufs Geld ankommt und Männern bei Frauen immer nur aufs Aussehen, werden ihnen die begehrenswerten Frauen aus ihrem Milieu immer von den besser verdie­nenden Männern weggenommen.

Es ist ganz gleichgültig, wie ein bestimmter Mann seinen Tag verbringt, eines hat er mit allen anderen ge­meinsam: Er verbringt ihn auf eine demütigende Weise. Und er tut es nicht für sich selbst, zur Erhaltung seines eigenen Lebens – dafür würde eine viel kleinere Anstrengung genügen (Männer legen ohnehin kei­nen Wert auf Luxus) -, er tut es für andere, und er ist maßlos stolz darauf, daß er es für andere tut. Die Fo­tos seiner Frau und seiner Kinder stehen auf seinem Schreibtisch, er zeigt sie bei jeder Gelegenheit herum.

Was immer der Mann tut, wenn er arbeitet – ob er Zahlen tabelliert, Kranke heilt, einen Bus lenkt oder eine Firma leitet -, in jedem Augenblick ist er Teil eines gigantischen, unbarmherzigen Systems, das einzig und allein auf seine maximale Ausbeutung angelegt ist, und er bleibt diesem System bis an sein Lebensende ausgeliefert.

Es mag interessant sein, Zahlen zu tabellieren und Summen mit anderen Summen zu vergleichen – aber wie lang? Ein ganzes Leben lang? Sicher nicht. Vielleicht ist es ein phantastisches Gefühl, einen Bus durch eine Stadt zu dirigieren, aber wenn es Tag für Tag der gleiche Bus auf der gleichen Strecke in der gleichen Stadt ist, jahrein, jahraus? Und bestimmt ist es erregend, Macht über die vielen Menschen einer großen Firma zu haben. Aber wie, wenn man herausfindet, daß man eigentlich eher ihr Gefangener ist als ihr Be­herrscher?

Die Spiele, die wir als Kinder spielten – spielen wir die auch heute noch? Natürlich nicht. Und auch als Kinder haben wir nicht immer das gleiche Spiel gespielt, wir spielten es genau so lang, wie es uns gefiel. Der Mann aber ist wie ein Kind, das ewig das gleiche Spiel spielen muß. Der Grund ist offensichtlich: So­bald er für eines seiner Spiele mehr gelobt wird als für andere, spezialisiert er sich später darauf und bleibt, weil er dafür »begabt« ist und damit am meisten Geld verdienen kann, ein Leben lang dazu verdammt. Wenn er in der Schule gut in Rechnen war, wird er sein Leben mit Rechnen verbringen – als Buchhalter, Mathematiker, Programmierer -, denn dort liegt sein Leistungsmaximum. Er wird rechnen, Zahlen tabellie­ren, Maschinen bedienen, die Zahlen tabellieren, aber er wird niemals sagen können: »Jetzt habe ich ge­nug, mir reicht’s, ich suche mir etwas anderes.« Die Frau, die ihn ausbeutet, wird nicht erlauben, daß er sich wirklich etwas anderes sucht. Er wird vielleicht, angespornt durch diese Frau, in der Hierarchie der Zahlentabellierer in mörderischen Kämpfen aufsteigen, es zum Prokuristen oder zum Bankdirektor brin­gen. Aber ist der Preis, den er für sein Gehalt zahlt, nicht ein bißchen zu hoch?

Ein Mann, der seine Lebensweise ändert – also seinen Beruf, denn leben ist für ihn das gleiche wie arbeiten – gilt als unzuverlässig. Wechselt er mehrmals, wird er von der Gesellschaft ausgestoßen und bleibt allein. Denn die Gesellschaft, das sind die Frauen.

Die Furcht vor einer solchen Konsequenz muß beträchtlich sein: Würde sonst ein Arzt (der als Junge gern mit Kaulquappen und Einmachgläsern hantierte) sein ganzes Leben damit verbringen, nun ekelerregende Geschwüre aufzuschneiden, menschliche Ausscheidungen aller Art zu begutachten und sich Tag und Nacht mit Menschen abzugeben, die so aussehen, daß jeder andere vor ihnen die Flucht ergreift? Würde ein Pianist, der nichts weiter als ein Kind war, das gern musizierte, sonst zum tausendsten Mal jenes Noc­turne von Chopin vorspielen? Würde ein Politiker, der seinerzeit im Schulhof zufällig die Handvoll Tricks herausfand, wie man Menschen führt, und gut damit umgehen konnte, im Erwachsenenalter jahrzehntelang all diese nichtssagenden Phrasen in der Rolle irgendeines .subalternen Funktionärs von sich geben, all die­se Grimassen schneiden und sich all das fürchterliche Gerede seiner ebenso subalternen Konkurrenten ge­fallen lassen? Er hat einmal von einem anderen Leben geträumt! Und selbst wenn er auf diesem Weg der Präsident der Vereinigten Staaten werden sollte: Hat er für diese Stellung dann nicht doch ein bißchen zu­viel bezahlt?

Nein, es ist kaum anzunehmen, daß die Männer, was sie tun, gern und ohne den Wunsch nach Abwechs­lung tun. Sie tun es, weil sie dafür dressiert werden: Ihr ganzes Leben ist nichts als eine trostlose Folge von Dressurkunststückchen. Ein Mann, der diese Kunststückchen nicht mehr beherrscht, der weniger Geld ver­dient, hat »versagt« und verliert alles: seine Frau, seine Familie, sein Heim, den Sinn seines Lebens – jedwede Geborgenheit.

Man könnte natürlich auch sagen: Ein Mann, der nicht mehr genug Geld verdient, ist automatisch frei und könnte sich über das Happy-End freuen. Aber der Mann will nicht frei sein. Er funktioniert, wie wir später noch sehen werden, nach dem Modell der Lust an der Unfreiheit. Lebenslängliche Freiheit wäre für ihn noch schlimmer als lebenslängliche Sklaverei.

Anders formuliert: Der Mann sucht immer jemand oder etwas, dem er sich versklaven kann, denn nur als Sklave fühlt er sich geborgen – und seine Wahl fällt dabei meist auf die Frau. Wer oder was aber ist die Frau, daß er sich ausgerechnet ihr, der er dieses entwürdigende Leben verdankt und von der er darin nach allen Regeln der Kunst ausgebeutet wird, versklavt und daß er sich ausgerechnet bei ihr geborgen fühlt?

Was ist die Frau?

Wir haben gesagt, die Frau sei, im Gegensatz zum Mann, ein Mensch, der nicht arbeitet. Man könnte hier die Definition der Frau schon abschließen – viel mehr läßt sich wirklich nicht über sie sagen -, wäre nicht der Begriff Mensch ein zu umfassender, zu ungenauer Begriff, um Mann und Frau damit gleichzeitig zu definieren.

Das menschliche Dasein bietet die Wahl zwischen einer mehr animalischen – also tierähnlichen, niederen -Existenz und einer geistigen. Die Frau wählt fraglos die animalische. Körperliches Wohlbefinden, ein Nest und die Möglichkeit, darin ungehindert ihren Brutregeln nachzugehen, sind ihr das höchste.

Es gilt als erwiesen, daß Männer und Frauen mit den gleichen geistigen Anlagen geboren werden, daß es also keinen primären Intelligenzunterschied zwischen den Geschlechtern gibt. Ebenso erwiesen ist aber, daß Anlagen, die nicht entwickelt werden, verkümmern: Die Frauen benützen ihre geistigen Anlagen nicht, sie ruinieren mutwillig ihren Denkapparat und gelangen nach einigen wenigen Jahren sporadischen. Ge­hirntrainings in ein Stadium sekundärer, irreversibler Dummheit.

Warum benützen die Frauen ihr Gehirn nicht? Sie benützen es nicht, weil sie, um am Leben zu bleiben, keine geistigen Fähigkeiten brauchen. Theoretisch wäre es möglich, daß eine schöne Frau weniger Intelli­genz besitzt als beispielsweise ein Schimpanse, und daß sie sich dennoch im menschlichen Milieu behaup­tet.

Spätestens mit zwölf Jahren – einem Alter, in dem die meisten Frauen beschlossen haben, die Laufbahn von Prostituierten einzuschlagen, das heißt, später einen Mann für sich arbeiten zu lassen und ihm als Ge­genleistung ihre Vagina in bestimmten Intervallen zur Verfügung zu stellen – hört die Frau auf, ihren Geist zu entwickeln. Sie läßt sich zwar weiterhin ausbilden und erwirbt dabei allerlei Diplome – denn der Mann glaubt, daß eine Frau, die etwas auswendig gelernt hat, auch etwas weiß (ein Diplom erhöht also den Marktwert der Frau) -, doch in Wirklichkeit trennen sich hier die Wege der Geschlechter ein für allemal. Jede Verständigungsmöglichkeit zwischen Mann und Frau wird an diesem Punkt abgeschnitten, und zwar für immer.

Deshalb ist einer der wichtigsten Fehler, die dem Mann bei der Beurteilung der Frau immer wieder passie­ren, daß er sie für seinesgleichen hält, das heißt für einen Menschen, der mehr oder weniger auf der glei­chen Gefühls- und Verstandesebene funktioniert wie er selbst. Der Mann kann das Verhalten seiner Frau von außen beobachten, hören, was sie redet, mit seinen Augen sehen, womit sie sich beschäftigt, aufgrund äußerer Zeichen schließen, was sie denkt – aber bei alldem richtet er sich nach seiner eigenen Wertskala. Er weiß, was er an ihrer Stelle reden, denken, tun würde. Und betrachtet er das – nach seinen Maßstäben -deprimierende Resultat seiner Studien, wird er daraus nur schließen, daß es irgend etwas geben muß, was die Frau daran hindert, das zu tun, was er selbst an ihrer Stelle gern tun würde. Denn er hält sich -und falls sich der Mensch als ein abstrakt denkendes Wesen definiert, mit Recht – für das Maß aller Dinge.

Erfährt er zum Beispiel aus seinen Beobachtungen, daß eine Frau soundsoviel Stunden am Tag mit Ko­chen, Saubermachen und Geschirrspülen verbringt, so wird er daraus nicht folgern, daß diese Tätigkeiten sie befriedigen, weil sie ihrem geistigen Niveau ideal entsprechen. Er denkt, daß es gerade das sein muß, was sie an allem anderen hindert, und bemüht sich, ihr Geschirrspülautomaten, Staubsauger und Fertigge­richte zur Verfügung zu stellen, die ihr diese stupiden Arbeiten abnehmen und sie in die Lage versetzen, ein Leben zu führen, wie er es für sich selbst erträumt.

Doch er wird enttäuscht sein: Statt daß die Frau jetzt anfängt, ein Leben des Geistes zu führen, sich um Politik, Geschichte oder die Erforschung des Weltraums zu kümmern, verwendet sie die gewonnene Zeit darauf, Kuchen zu backen, Unterwäsche zu bügeln, Rüschchen zu nähen oder, wenn sie ganz unterneh­mungslustig ist, die sanitären Einrichtungen des Badezimmers mit Blümchengirlanden zu bekleben.Da der Mann glauben muß (beziehungsweise da die Frau ihn glauben macht – denn welcher Mann legt schon wirklich Wert auf gebügelte Unterwäsche, Blümchenmuster oder Kuchen, der nicht vom Konditor kommt?), das alles brauche man zum Leben, gehöre zumindest zur Kultur, erfindet er den Bügelautomaten für sie, den gebrauchsfertigen Kuchenteig, den industriell verzierten Klosettpapierhalter. Aber die Frau fängt noch immer nicht an, etwas zu lesen, sie kümmert sich noch immer nicht um Politik, und die Erfor­schung des Universums läßt sie absolut ungerührt. Die Zeit, die sie gewonnen hat, kommt ihr gerade recht: Endlich kann sie sich jetzt um sich selbst kümmern. Und weil ihr bekanntlich Sehnsucht nach geistigen Dingen fremd ist, versteht sie darunter natürlich ihre äußere Erscheinung.

Der Mann, der die Frau liebt und nichts sehnlicher wünscht als ihr Glück, macht auch dieses Stadium mit: Er produziert für sie den kußechten Lippenstift, das tränenfeste Augen-Make-up, die Heimdauerwelle, die bügelfreie Rüschchenbluse, die Unterwäsche zum Wegwerfen. Dabei hat er immer noch das gleiche Ziel vor Augen: daß das alles einmal ein Ende nehmen wird, daß alle spezifisch weiblichen, ihm fremden, also »höheren« Lebensbedürfnisse der »von Natur aus empfindlicheren, sensibleren« Frau – wie er glaubt -erfüllt sein werden und sie aus ihrem Leben endlich das macht, was er einzig und allein für lebenswert hält: das Leben eines freien Mannes.

Und er wartet. Da die Frau nicht von allein zu ihm kommt, beginnt er sie in seine Welt zu locken: Er pro­pagiert Koedukation auf den Schulen, um ihr von klein an seinen Lebensstil vorzuführen. Er holt sie mit allen möglichen Ausreden auf seine Universitäten, «m sie in die von ihm entdeckten Geheimnisse einzu­weihen und in der Hoffnung, sie gewänne durch direkte Anschauung Geschmack an den großen Dingen. Er verschafft ihr Zugang auch zu den letzten Ehrenämtern, die er bisher noch exklusiv ausgeübt hat (gibt dabei ihm heilige Traditionen auf), und animiert sie zur Wahrnehmung ihres politischen Wahlrechts, damit sie die von ihm ausgeklügelten Systeme der Staatsverwaltung nach ihren Vorstellungen verändern kann (vielleicht erhofft er sich in der Politik von ihr sogar den Frieden, denn er schreibt ihr ja pazifistisches Cha­risma zu).

Er ist so konsequent und verbissen bei seiner vermeintlichen Aufgabe, daß er nicht merkt, wie lächerlich er sich macht. Lächerlich nach seinen eigenen Maßstäben, nicht nach denen der Frau: Diese ist unfähig, Ab­stand zu gewinnen, und deshalb völlig humorlos.

Nein, die Frauen lachen nicht über die Männer. Sie könnten höchstens eines Tages ärgerlich über sie wer­den. Noch erscheinen die alten Fassaden – Haushalt, Versorgung der Kinder -, mit denen sie ihren Verzicht auf eine geistige Existenz kaschieren, nach außen hin nicht baufällig genug, um den vorzeitigen Abgang der Mädchen aus den Hochschulen und ihren Verzicht auf die anspruchsvolleren Berufe nicht wenigstens pro forma zu rechtfertigen. Wie wird es aber sein, wenn die Hausarbeit noch mehr automatisiert ist, wenn es wirklich genug gute Kindertagesstätten gibt oder wenn die Männer gar entdecken – was eigentlich längt fällig wäre -, daß man zum Leben Kinder überhaupt nicht braucht?

Wenn der Mann nur einmal in seiner blinden Aktivität einhalten und Bilanz ziehen würde, so müßte er feststellen, daß seine Bemühungen um die geistige Belebung der Frau ihn nicht einen Schritt weiterge­bracht haben. Daß die Frau zwar von Tag zu Tag geputzter, gepflegter und »kultivierter« wird, daß sie aber immer nur höhere materielle Ansprüche an ihr Leben stellt und niemals geistige.

Hat sie zum Beispiel seine Art zu denken, die er auf seinen Hochschulen lehrt, je zur Entwicklung eigener Theorien verleitet? Hat sie seine Forschungsinstitute, die er für sie geöffnet hat, jemals für eigene For­schungen in Anspruch genommen? – Es müßte dem Mann allmählich auffallen, daß die Frau all die wun­dervollen Bücher, die er ihr in seinen Bibliotheken zur Verfügung stellt, einfach nicht liest. Daß seine phantastischen Kunstwerke, die er ihr in seinen Museen zeigt, sie bestenfalls zur Imitation anregen. Daß all die Aufrufe zur Selbstbefreiung, die er ihr in Filmen und Theaterstücken auf ihrem eigenen Niveau in ihrer eigenen Sprache nahebringen will, von ihr immer nur nach ihrem Unterhaltungswert beurteilt werden und sie nie, aber auch wirklich nie zur Revolte verleiten.

Es ist ganz logisch, daß der Mann, der die Frau für seinesgleichen hält und dabei mit ansehen muß, was für ein stupides Leben sie neben ihm führt, glaubt, er unterdrücke sie. Doch solange man sich erinnert, ist die Frau nicht mehr zu irgendeiner Unterwerfung unter den Willen des Mannes gezwungen worden, im Gegenteil: Es sind ihr alle Möglichkeiten zur Verfügung gestanden, sich unabhängig zu machen. Wenn sich also die Frau in dieser langen Zeit nicht von ihrem »Joch« befreit hat, dann gibt es dafür nur eine Erklä­rung: Sie hat keins.

Der Mann liebt seine Frau, aber er verachtet sie auch, weil ein Mensch, der morgens auszieht, um voller Energie neue Welten zu erobern – was ihm dann, aus Gründen des Broterwerbs, freilich nur selten gelingt -, einen, der das nicht will, verachtet. Und das ist es, was den Mann vielleicht am meisten dazu bringt, sich um die geistige Entwicklung der Frau zu bemühen: Er schämt sich für sie und glaubt, sie schäme sich auch. Er möchte ihr wie ein Gentleman aus der Verlegenheit helfen.

Was er nicht weiß, ist, daß die Frauen diese Neugier, diesen Ehrgeiz, diesen Tatendrang, die ihm so selbst­verständlich erscheinen, nicht kennen. Wenn sie nicht an der Welt der Männer teilnehmen, dann deshalb, weil sie nicht wollen: Sie haben kein Bedürfnis nach dieser Welt. Die Art Unabhängigkeit der Männer wä­re für sie vollkommen wertlos, sie fühlen sich nicht abhängig. Die geistige Überlegenheit des Mannes schüchtert sie nicht ein, Ehrgeiz in geistigen Dingen kennen sie ja nicht.

Die Frauen können wählen, und das ist es, was sie den Männern so unendlich überlegen macht: Jede von ihnen hat die Wahl zwischen der Lebensform eines Mannes und der eines dummen, parasitären Luxusge­schöpfes – und so gut wie jede wählt für sich die zweite Möglichkeit. Der Mann hat diese Wahl nicht.

Würden sich die Frauen von den Männern unterdrückt fühlen, hätten sie doch ihnen gegenüber Haß oder Furcht entwickelt, wie man dies Unterdrückern gegenüber nun einmal tut – doch die Frauen hassen die Männer nicht, und sie fürchten sie auch nicht. Würden die Männer sie mit ihrem größeren Wissen demüti­gen, so hätten sie – da ihnen alle Mittel zur Verfügung stehen – danach getrachtet, es ihnen gleichzutun. Würden die Frauen sich unfrei fühlen, dann hätten sie sich wenigstens jetzt, in dieser günstigsten Konstel­lation ihrer Geschichte, endlich von ihren Unterdrückern befreit.

In der Schweiz (einem der am höchsten entwickelten Staaten der Welt, in dem die Frauen bis vor kurzem noch kein politisches Wahlrecht hatten) ließ man in einem bestimmten Kanton die Frauen über die Einfüh­rung des Frauenwahlrechts selbst abstimmen – die Mehrheit entschied sich dagegen. Die schweizerischen Männer waren bestürzt, glaubten sie doch in diesem unwürdigen Verhalten das Werk ihrer jahrhunderte­langen Bevormundung zu sehen.

Wie sie sich irren: Die Frau fühlt sich durch den Mann alles andere als bevormundet. Eine der vielen de­primierenden Wahrheiten im Verhältnis zwischen den Geschlechtern ist ganz einfach die, daß in der Welt der Frauen der Mann praktisch nicht existiert. Der Mann ist der Frau nicht wichtig genug, daß sie sich ge­gen ihn auflehnt. Ihre Abhängigkeit von ihm ist ja nur materieller, gewissermaßen »physikalischer« Art. Es ist die Abhängigkeit eines Touristen von seiner Fluggesellschaft, eines Wirts von seiner Kaffeemaschine, eines Autos von Benzin, eines Fernsehgeräts von Strom. Solche Abhängigkeiten bereiten keine Seelenqua­len.

Ibsen, der dem gleichen Irrtum erlegen war wie die anderen Männer, hat sich die Mühe gemacht, mit seiner »Nora« eine Art Befreiungsmanifest für alle Frauen zu schreiben. Aber die Uraufführung des Stückes im Jahr 1880 hat lediglich bei den Männern einen Schock bewirkt. Sie schworen sich, noch verbissener für menschenwürdige Lebensbedingungen der Frau zu kämpfen.

Bei den Frauen selbst übrigens haben sich die Emanzipationsbestrebungen wie üblich in einer modischen Variante erschöpft: Eine Zeitlang gefielen sie sich in der oft belächelten Maskerade der Suffragetten.

Einen ähnlich tiefen Eindruck hat später die Philosophie Sartres auf die Frauen gemacht. Zum Beweis, daß sie alles verstanden hatten, ließen sie sich die Haare bis zur Taille wachsen und trugen dazu Hosen und schwarze Pullover.

Das gleiche widerfuhr kürzlich den Lehren des Kommunistenführers Mao Tse-tung; für die Dauer einer Saison war der »Mao-Look« in Mode.

Der weibliche Horizont

Was immer die Männer anfangen, um den Frauen zu imponieren: In der Welt der Frauen zählen sie nicht. In der Welt der Frauen zählen nur die anderen Frauen.

Wenn eine Frau bemerkt, daß ein Mann sich auf der Straße nach ihr umdreht, freut sie sich natürlich. Ist dieser Mann teuer angezogen oder fährt er gar einen teuren Sportwagen, dann ist die Freude um so größer. Sie ist etwa mit jenem Gefühl vergleichbar, das ein Aktionär bei der Lektüre eines positiven Börsenzettels empfindet. Ob der Mann für die Frau gut aussieht oder nicht, sympathisch oder nicht, intelligent oder nicht, spielt keine Rolle. Dem Aktionär ist es ja auch gleichgültig, mit welchen Farben seine Coupons bedruckt sind.

Erlebt diese Frau hingegen, daß sich eine andere Frau nach ihr umwendet – was wirklich nur im äußersten Fall geschieht, denn die Maßstäbe, nach denen Frauen sich gegenseitig messen, sind viel umbarmherziger als die der Männer -, hat sie ihr Höchstes erreicht. Dafür lebt sie: für die Anerkennung, für die Bewunde­rung, für die »Liebe« der anderen Frauen.

Denn in der Welt der Frauen existieren nur die anderen Frauen: die Frauen, mit denen sie beim Kirchgang, Elternabend oder im Supermarkt zusammentreffen. Die Frauen, mit denen sie sich über die Hecken ihrer Vorgärten hinweg unterhalten. Die Frauen, an denen sie beim Einkaufsbummel in den eleganten Ge­schäftsstraßen oder bei festlichen Abendveranstaltungen scheinbar achtlos vorübergehen. Sie messen sich mit dem, was in deren Köpfen ist, nicht in denen der Männer, ihr Urteil ist für sie ausschlaggebend, nicht das der Männer, und für ein schlichtes Lob aus dem Mund einer anderen Frau verzichten sie gern auf all die unbeholfenen Komplimente ihrer Liebhaber, die doch immer nur dilettantisch sein können. Denn Män­ner haben keine Ahnung, in welcher Welt die Frauen wirklich leben, und übersehen so bei ihren Lobes­hymnen immer alle wichtigen Gesichtspunkte.

Dann wollen die Frauen den Männern also gar nicht gefallen? Vergessen wir nicht, daß die Männer ihre materielle Basis sind. Aber die Bedürfnisse der Männer wären, da sie in Bezug auf Frauen so gut wie aus­schließlich auf Sexsymbole und eine gewisse Verfremdung durch Schminke reagieren, mit viel weniger Aufwand zu befriedigen. Zum Beispiel durch lange Haare, bemalte Lippen, enganliegende Pullover, kurze Röcke, durchsichtige Strümpfe, Stöckelabsätze. Doch die lebenden weiblichen Kunstwerke, die man in den eleganten Einkaufsstraßen von Paris, Rom oder New York trifft, sind den Wünschen und dem Verständnis der Männer weit entrückt. Einen Lidschatten gut zu placieren und abzutönen erfordert eine hohe Kultur;

die Wahl eines bestimmten Lippenstifts, die Technik, ihn optimal, mit Pinseln oder direkt, in Schichten oder nicht in Schichten, aufzutragen, die gewünschten Wirkungen und die unerwünschten Nebenwirkun­gen von falschen Wimpern in ein optimales Verhältnis zu bringen und am Schluß alles in sich und mit dem Kleid, der Stola, dem Mantel, der Beleuchtung abzustimmen, erfordert Spezialistentum. Ein Mann hat da­für keinen Sinn, er hat überhaupt keine Kultur in Bezug auf weibliche Maskerade entwickelt und kann deshalb wandelnde Kunstwerke dieser Art in ihrer ganzen Größe überhaupt nicht adäquat bewerten. Denn dazu braucht man Zeit, Geld und eine unendliche geistige Beschränktheit – Voraussetzungen, die sich aus­schließlich bei Frauen finden lassen.

In anderen Worten: Eine Frau wird einen Mann immer nur so weit beeindrucken wollen, daß er bei ihr bleibt und sie – im weitesten Sinn allerdings – ernährt. Alles was sie sonst noch in sich investiert, zielt auf die anderen Frauen: Außerhalb seiner Funktion als Ernährer mißt die Frau dem Mann keinen Wert zu.

Wenn ein Unternehmen hinter einer Spitzenarbeitskraft her ist, wird es versuchen, sie mit den äußersten Mitteln so lange zu ködern, bis sie weich ist. Es weiß, daß es sich nach Unterzeichnung des Vertrags schadlos halten kann. Es sitzt immer am längeren Hebel. Mit den Frauen ist es das gleiche: Sie lassen ih­rem Mann nur so viel Leine, daß er das Leben an ihrer Seite einer Kündigung des Vertrags gerade noch vorzieht.

Überhaupt kann man eine Frau gut mit einer Firma vergleichen. So wie eine Firma ein neutrales System zur Gewinnmaximierung ist, so ist die Frau ohne persönliche Liebe, Bosheit und ohne Haß mit dem Mann verbunden, der für sie arbeitet. Wenn er sie verläßt, bekommt sie es natürlich mit der Angst zu tun, denn ihre wirtschaftliche Existenz steht ja auf dem Spiel. Aber dies ist eine rationale Angst, sie hat rationale Ursachen und läßt sich ausschließlich rational -ohne daß sich Abgründe auftun könnten – kompensieren. Zum Beispiel dadurch, daß sie einen anderen Mann unter Vertrag nimmt. Diese Angst hat also überhaupt nichts mit den Empfindungen eines Mannes zu tun, der sich in der gleichen Situation in Eifersucht, Min­derwertigkeitsgefühlen oder Selbstmitleid verzehrt.

Da ein Mann eine Frau immer nur wegen einer anderen Frau verläßt und nie, um frei zu sein, gibt es für eine Frau keinen Grund, ihn zu beneiden oder gar eifersüchtig zu werden. Er verbessert ja in ihren Augen seine Position um nichts. Das existentielle Abenteuer, das ihrem Mann durch die neue Liebe zu einer ande­ren Frau widerfährt, beobachtet sie aus der Perspektive eines kleinen Unternehmers, der seinen besten Angestellten an die Konkurrenz verliert und sich nun der Mühe unterziehen muß, einen brauchbaren Ersatz aufzutreiben. Liebeskummer ist also für die Frau bestenfalls das Gefühl, daß ihr ein gutes Geschäft davon-schwimmt.

Deshalb ist es auch absurd, wenn ein Mann zum Beispiel seine Frau für treu hält, nur weil sie ihn nicht mit anderen, in seinen Augen weit attraktiveren Männern seiner Umgebung betrügt. Warum sollte sie das tun, solange er gut für sie arbeitet und sie dadurch die Freuden haben kann, auf die es ihr wirklich ankommt? Die Treue einer Frau hat mit der Treue eines Mannes prinzipiell nichts gemein: Frauen sind, im Gegensatz zu Männern, für das Äußere ihres Partners so gut wie unempfindlich. Flirtet eine Frau mit dem besten Freund ihres Mannes, dann will sie damit bestimmt nur dessen Frau ärgern und nicht ihren Mann, denn nur deren Gefühle sind für sie wichtig (wenn es ihr um den Mann ginge, würde sie das bestimmt nicht so offen zeigen). Die neuen Gruppensexpraktiken sind lediglich eine Variante des in manchen Gesellschaftskreisen überholten Flirts. Auch hier kommt es der Frau nur auf die anderen Frauen an und nicht auf deren Männer. Die Geschichte ist voll von Anekdoten über Könige und Fürsten, die sich mit mehreren Mätressen zugleich vergnügten. Über weibliche Potentaten kursieren solche Histörchen kaum: Eine Frau würde sich beim Gruppensex nur mit Männern zu Tode langweilen; das war schon immer so und wird sich nicht ändern.

Würden die Frauen auf das Aussehen der Männer reagieren, hätte es sich die Werbung längst zunutze ge­macht. Da die Frauen – dank des Geldes, das die Männer für sie verdienen – über eine weit größere Kauf­kraft verfügen als die Männer (darüber gibt es aufschlußreiche Statistiken), würden die Fabrikanten selbst­verständlich versuchen, den Kauf ihrer Produkte durch Fotos und Werbespots von schönen, kräftigen Männern mit ausgeprägten sekundären Geschlechtsmerkmalen zu stimulieren. Aber das Gegenteil ist der Fall: Wohin man sieht, präsentieren die Werbeagenturen schöne Mädchen, die zum Kauf von Pauschalrei­sen, Autos, Waschpulver, Fernsehgeräten oder Schlafzimmereinrichtungen verführen sollen.

Die Filmproduzenten finden erst jetzt allmählich heraus, daß man den Frauen statt der gewohnten beaus genausogut häßliche Liebhaber, wie etwa Belmondo, Walther Matthau oder Dustin Hoffman vorzeigen kann. Die Männer, die in physischer Hinsicht ein sehr niederes Selbstwertgefühl haben und sich nur aus­nahmsweise für schön halten – schön sind in ihren Augen nur die Frauen -, können sich mit häßlichen Schauspielern leichter identifizieren. Solange nur die weiblichen Hauptrollen weiterhin mit schönen Stars besetzt bleiben, konsumieren die Frauen diese Filme ebenso gern wie die mit Rock Hudson, denn wirklich interessieren werden sie nur die darin vorkommenden Frauen.

Dieser Umstand konnte dem Mann eigentlich nur deshalb verborgen bleiben, weil er ständig erlebt, wie eine Frau die andere diffamiert. Wenn er immer wieder hört, wie seine Frau die krumme Nase, den flachen Busen, die X-Beine oder die fülligen Hüften einer anderen kritisiert, muß er logischerweise annehmen, die Frauen könnten sich gegenseitig nicht ausstehen oder fänden sich zumindest ganz und gar reizlos. Doch das ist natürlich eine Fehlinterpretation: Einen Firmeninhaber, der ständig vor seinen Angestellten die Konkurrenzfirma lobt, würde man ja auch für wahnsinnig halten. Er wäre seine besten Angestellten sicher bald los. Politiker müssen die gleiche Art Komödie aufführen und sich gegenseitig öffentlich verteufeln; dabei würde sich Nixon bestimmt viel lieber mit Kossygin oder Fidel Castro auf eine einsame Insel ver­bannen lassen als mit dem hochgelobten Mann von der Straße, der ihm das Mandat verschafft hat. Mit dem Mann von der Straße verbindet ihn so gut wie nichts.

Wenn es sich die Frauen materiell leisten könnten, würden sie sich bestimmt eher mit anderen Frauen zu­sammentun als mit Männern. Nicht etwa, weil sie alle lesbisch wären. Was die Männer die lesbische Ver­anlagung der Frau nennen, hat vermutlich wenig mit dem Geschlechtstrieb der Frauen zu tun. Nein – die beiden Geschlechter haben so gut wie keine gemeinsamen Interessen. Was also sollte die Frauen bei den Männern halten, wenn nicht das Geld? Sie selbst hätten untereinander so viel Gemeinsamkeit, denn der weibliche Intellekt und das weibliche Gefühlsleben sind auf einem primitiven, das heißt allgemeinen Ni­veau stehengeblieben, und es gibt so gut wie keine individualistisch oder außenseiterisch veranlagten Frau­en. Man könnte sich gut vorstellen, was für ein anregendes Leben sie miteinander führen würden – ein pa­radiesisches Leben vielleicht, wenn auch auf einem schauderhaft niedrigen Niveau. Aber wen könnte das schon stören?
Das schönere Geschlecht

Der Mann wäre für einen außerirdischen Betrachter sicher das anbetungswürdigste Wesen auf diesem Pla­neten; jedenfalls steht außer Zweifel, daß er ihn weit attraktiver finden müßte als beispielsweise die Frau. Denn der Frau gegenüber hat er zwei Vorzüge: Er ist schön, und er ist intelligent.

Nur dank einer jahrhundertelangen Verwirrung aller Wertmaßstäbe kann es möglich geworden sein, die Frau als »das schöne Geschlecht« zu apostrophieren. Allein die Tatsache, daß sie dümmer ist als der Mann, würde genügen, diese absurde Behauptung zu widerlegen. Ein dummer Mensch kann niemals schön sein, es sei denn, man legt den kreatürlichen Charakter des Menschen bei der Beurteilung zugrunde. Und es muß betont werden, daß vor allem der Mann selbst den Fehler begeht, die Frau nach Maßstäben zu bewerten, die Mensch und Tier auf die gleiche Stufe stellen. Das ist wohl nötig, denn in der Gruppe homo sapiens hätte sie nicht die geringste Chance.

Der Mann braucht, wie wir noch sehen werden, die Frau, um sich ihr zu unterwerfen. Und um vor sich selbst zu bestehen, läßt er nichts unversucht, sie mit Qualitäten auszustatten, die seine Unterwerfung recht­fertigen. Da sie ihren Geist noch nie unter Beweis gestellt hat, kann er sie nicht gut für geistreich halten (obwohl er mit der Erfindung des Begriffs »weibliche Intuition« auch in dieser Richtung schon Versuche unternommen hat). Also nennt er sie schön.

Ästhetische Maßstäbe erzwingen die Haltung der Subjektivität, jedes ästhetische Urteil ist ein Akt persön­licher Freiheit. Aber die Subjektivität wird leicht zum Alibi, und der Mann läßt sich gern versklaven. Nur weil die Frau sich auf eine Weise herausputzt, die darauf abzielt, alle Blicke auf sich zu lenken, setzt der Mann voraus, sie habe auch einen Grund dazu. Er findet sie schön, weil sie sich selbst schön findet. Und er ist ihr dankbar dafür, daß sie ihm erlaubt, sie schön zu finden.

Sie unterstützt diesen Anspruch auch noch mit einem Trick: Da sich das höchste Ideal der Frau – ein Leben ohne Arbeit und Verantwortung – mit dem eines Kindes deckt, imitiert sie das Kind. Kinder sind »rührend« hilflos, sie haben einen lustigen kleinen Körper mit lustigen kleinen Gliedmaßen, über ihren lustigen klei­nen Fettpolstern spannt sich makellose, junge, zarte Haut. Sie können leicht zum Lachen gebracht werden, benehmen sich überhaupt possierlich – sie sind eine Verniedlichungsform des Erwachsenen -, und da sie sich nicht selbst ernähren können, ist es selbstverständlich, daß man für sie sorgt und ihnen alle Schwierig­keiten aus dem Weg räumt. Das ist durch einen biologischen Mechanismus gesichert: Spezies, die ihre Nachkommenschaft zugrunde gehen lassen, sterben aus.

Durch eine raffinierte Kosmetik, die darauf abzielt, ihren Baby-Look zu konservieren und ein hilflos-niedliches Geplapper, in dem Ausdrücke des Erstaunens, der Überraschung und der Bewunderung (»Oh!«, »Ah!«, »Wundervoll! «) die Hauptrolle spielen, versucht sie, ihrer Umwelt so lang wie möglich das süße liebe kleine Mädchen vorzugaukeln. Denn dadurch, daß sie ihr Kindergesicht und eine gewisse Attitüde der Hilflosigkeit bewahrt, appelliert sie an die Beschützerinstinkte des Mannes und veranlaßt ihn, für sie zu sorgen.

Diese Rechnung ist, wie alles, was die Frau selbständig unternimmt, so dumm und kurzsichtig, daß es an ein Wunder grenzt, wenn sie trotzdem aufgeht. Solang sie nämlich das Babygesicht als weibliches Schön­heitsideal propagiert, muß sie sich spätestens mit fünfundzwanzig Jahren in einer Sackgasse wiederfinden. Mit allen Tricks der Kosmetik (in Frauenzeitschriften liest man tatsächlich, die Frau habe beim Denken Denkfalten und beim Lachen Lachfalten zu vermeiden) läßt es sich nicht verhindern, daß sie in diesem Alter das Gesicht einer Erwachsenen bekommt. Aber was soll der Mann, der darauf dressiert wurde, nur süße kleine Mädchen schön, liebenswert und hilfsbedürftig zu finden, mit einer erwachsenen Frau anfan­gen?

Was soll er anfangen mit einer Frau, deren glatte, feste Rundungen zu schwabbeligen Fettklumpen unter einer schlaffen, weißen Hautdecke geworden sind? Deren Stimme nicht mehr kindlich klingt, sondern schrill? Deren Lachen nicht mehr spontan und fröhlich ist, sondern stoßweise und wiehernd? Mit einer Schreckschraube, deren abstoßend dummes Geschwätz jetzt, da es nicht mehr aus Kindermund kommt, an seinen Nerven zerrt und in deren Gesicht die vielen überraschten »Ahs« und »Ohs« immer seltener den Ausdruck naiven Erstaunens hervorzaubern und immer häufiger den des Schwachsinns? Keinerlei eroti­sche Wunschträume wird die kindische Mumie jemals wieder entzünden. Man möchte glauben, endlich sei es aus mit ihrer Macht.

Doch die Rechnung der Frauen geht, wie gesagt, trotzdem auf, und zwar aus zwei Gründen: erstens, weil sie mit Hilfe der Kinder, die sie inzwischen geboren haben, wiederum Schutzlosigkeit vortäuschen können, und zweitens, weil es auf der Welt einfach nicht genug junge Frauen gibt.

Es liegt wohl auf der Hand, daß die Männer, hätten sie nur die Wahl, ihre erwachsen gewordenen Baby-Frauen von Herzen gern gegen jüngere eintauschen würden. Doch weil das zahlenmäßige Verhältnis zwi­schen den Geschlechtern annähernd eins zu eins ist, es also nicht für jeden Mann zu jeder Zeit eine junge Frau geben kann – und weil er zum Leben unbedingt eine Frau braucht -, bleibt er bei der, die er schon hat.

Der Beweis ist leicht zu erbringen. Wenn der Mann tatsächlich wählen kann, wählt er immer die jüngere Frau. Marilyn Monroe oder Liz Taylor waren in dem Augenblick passe, als sich zum ersten Mal ihre Fält­chen nicht mehr vollständig verkleistern ließen: Der Mann hat an der Kinokasse einfach das Billett für eine jüngere gekauft. Wer es sich finanziell leisten kann, wählt nicht nur an der Kinokasse, sondern auch im Leben. Die Manager aus Finanzwelt und Showbusiness tauschen regelmäßig ihre altgedienten Ehefrauen gegen jüngere ein. Da sie gute Ablösungen bezahlen, findet niemand etwas dabei, nicht einmal die Frau selbst (die ist vermutlich froh, den Mann so günstig loszuwerden).

Aber diesen Luxus können sich nur die reichen Männer leisten. Wenn ein armer Schlucker sich aufbläst und in einem Augenblick des Überschwangs und der Verblendung zum zweiten Mal eine junge Frau nimmt, kann er sicher sein, daß er sie bald wieder verliert, weil sein Geld zum Unterhalt von zwei Frauen (und der Kinder, auf denen auch die zweite bestehen wird) nicht ausreicht. Hat eine schöne junge Frau die Wahl zwischen einem älteren und einem jüngeren Mann mit gleichem Einkommen, wird sie auf jeden Fall den jüngeren bevorzugen, und zwar nicht, weil dessen Jugend sie ästhetisch oder sympathisch beeinflussen würde, sondern weil er länger für sie sorgen kann. Die Frauen wissen genau, was sie von einem Mann er­warten, daher wissen sie auch, wie sie sich zu entscheiden haben. – Vermutlich ist es noch nie vorgekom­men, daß eine Frau einen armen zwanzigjährigen Mann einem reichen vierzigjährigen vorgezogen hätte.

Es ist ein großes Glück für die erwachsenen Frauen, daß die Männer sich selbst nicht für schön halten. Da­bei sind die meisten Männer schön. Mit ihrem glatten) von der Arbeit trainierten Körper, ihren kräftigen Schultern, ihren muskulösen Beinen, ihren melodischen Stimmen, ihrem warmen, menschlichen Lachen, ihrem intelligenten Gesichtsausdruck und ihren ausgewogenen – weil sinnvollen – Bewegungen stellen sie alles in den Schatten, was die Frau auch bei rein kreatürlicher Betrachtungsweise jemals sein könnte. Und da sie im Gegensatz zur Frau arbeiten und ihren Körper ständig sinnvoll weiterbenützen, bleibt er auch länger schön als ihrer, der infolge fehlenden Trainings rasch verfällt und nach fünfzig Jahren nichts weiter mehr ist als ein beliebiger Haufen menschlicher Zellen (man beobachte nur einmal auf der Straße die fünf­zigjährigen Hausfrauen und vergleiche ihr Aussehen mit dem gleichaltriger Männer).

Aber die Männer wissen nicht, daß sie schön sind. Es sagt ihnen niemand. Man faselt von der »Anmut« der Frauen, vom »Liebreiz« der Kinder, vom »Zauber« der Tierwelt. Doch wenn vom Mann die Rede ist, dann lobt man höchstens seinen Mut, seine Tapferkeit, seine Entschlossenheit – lauter Eigenschaften, die sich auf seine Verwertbarkeit für die Zwecke der Frauen beziehen und nie auf seine äußere Erscheinung. Es gibt wohl außerhalb der medizinischen Lehrbücher keine Beschreibung des Mannes, die sich lang mit der Form seiner Lippen, der Farbe seiner Augen bei dieser oder jener Beleuchtung, beim kräftigen Wuchs sei­ner Haare, der Zartheit seiner Brustwarzen oder der Ebenmäßigkeit seiner Hodensäcke aufhielte. Und der Mann selbst wäre höchst erstaunt und belustigt, wenn man ihn wegen dieser Merkmale seines Körpers lo­ben würde.

Der Mann ist nicht daran gewöhnt, daß man von seinem Aussehen redet. Die erwachsene Frau, die meist häßlich ist und somit genug Anlaß hätte, sich der Bewunderung des Mannes hinzugeben (und Zeit dazu hätte), sieht ihn nicht. Das ist keine Böswilligkeit oder gar Berechnung, aber für sie ist der Mann eine Art Maschine, die materielle Werte produziert. Eine Maschine beurteilt man nicht nach ästhetischen, sondern nach funktionellen Gesichtspunkten. Der Mann ist der gleichen Ansicht und beurteilt sich ebenso. Die Männer sind viel zu sehr in den Arbeitsprozeß eingespannt und vom permanenten Konkurrenzkampf zer­mürbt, um sich mit Abstand sehen zu können.

Vor allem aber wollen die Männer gar nicht wissen, ob sie schön sind oder nicht. Um ihrem Kampf einen Sinn zu geben, müssen ganz einfach die Frauen die Schönen sein, die Hilflosen, die Anbetungswürdigen. Und deshalb nennen sie sie weiterhin, in Ermangelung einer genaueren Definition für ihre widersprüchli­chen Eindrücke, »das schöne Geschlecht«.
Das Universum ist männlich

Der Mann ist – im Gegensatz zur Frau – schön, weil er – im Gegensatz zur Frau – ein geistiges Wesen ist. Das bedeutet:

  • Der Mann ist neugierig (er will wissen, wie die Welt um ihn herum aussieht und wie sie funktioniert).
  • Der Mann denkt (er zieht Folgerungen aus den Daten, die er vorfindet).
  • Der Mann ist schöpferisch (er macht, aufgrund seiner Kenntnisse über Vorhandenes, etwas Neues).
  • Der Mann fühlt (Auf seiner außerordentlich breiten, außerordentlich vieldimensionalen Gefühlsskala registriert er nicht nur Herkömmliches in feinsten Abstufungen. Er schafft und entdeckt auch neue Ge­fühlswerte und macht sie durch sensible Beschreibungen auch anderen zugänglich oder stellt sie in Bei­spielen künstlerisch dar).

Von allen Qualitäten des Mannes ist seine Neugier sicher die ausgeprägteste. Diese Neugier ist dermaßen verschieden von der Neugier der Frau, daß es unbedingt einiger Erläuterungen bedarf:

Die Frau interessiert sich prinzipiell nur für Dinge, die sie unmittelbar für sich persönlich nutzbringend verwerten kann. Wenn sie zum Beispiel in der Zeitung einen politischen Artikel liest, so ist viel wahr­scheinlicher, daß sie einen Studenten der Politischen Wissenschaften becircen will, als daß sie Anteil am Schicksal der Chinesen, Israelis oder Südafrikaner nimmt. Schlägt sie im Lexikon den Namen eines grie­chischen Philosophen nach, bedeutet das nicht ein plötzliches Interesse an griechischer Philosophie, son­dern daß er zur Lösung eines Kreuzworträtsels fehlt. Studiert sie die Reklame für ein neues Automobil, dann weil sie es haben will und nicht aus einer Art platonischem Interesse an Technik.

Es ist eine Tatsache, daß die meisten Frauen – auch Mütter – überhaupt keine Vorstellung davon haben, wie die menschliche Frucht entsteht, wie sie sich in ihrem Leib entwickelt und welche Stadien sie bis zur Ge­burt durchläuft. Natürlich wäre es völlig überflüssig, wenn sie über diese Dinge Bescheid wüßten, denn sie könnten ja auf die Entwicklung des Fötus ohnehin keinen Einfluß nehmen. Wichtig ist für sie zu wissen, daß eine Schwangerschaft neun Monate dauert, daß man sich unterdessen schonen und bei Komplikationen sofort zum Arzt gehen muß, der selbstverständlich alles wieder in Ordnung bringt.

Die Neugier des Mannes ist dagegen etwas ganz anderes: Sie genügt sich selbst, es ist kein unmittelbarer Nutzeffekt damit verbunden, und sie ist dennoch nützlicher als die der Frau. Man muß nur einmal an einer Baustelle vorbeikommen, an der irgendein neues Arbeitsgerät eingesetzt wird, zum Beispiel eine neue Art Bagger. Es gibt kaum einen Mann – ganz gleich, welcher sozialen Schicht -, der daran vorbeigeht, ohne zumindest einen längeren Blick darauf geworfen zu haben. Viele aber bleiben stehen, sehen zu und unter­halten sich darüber, welche Eigenschaften die neue Maschine besitzt, wie viel sie leistet, warum sie es leis­tet und inwiefern sie sich von herkömmlichen Modellen unterscheidet.

Einer Frau würde es nicht einfallen, an einer Baustelle stehenzubleiben, es sei denn, die Menschenan­sammlung wäre so groß, daß sie glauben müßte, eine prickelnde Sensation (»Arbeiter von Planierraupe zermalmt«) zu versäumen. In einem solchen Fall würde sie sich erkundigen und sich dann sofort abwen­den.

Die Neugier des Mannes ist universell. Es gibt prinzipiell nichts, was ihn nicht interessiert, ob es sich nun um Politik handelt, Botanik, Atomtechnik oder um Gott weiß was. Auch Dinge, die nicht in sein Ressort fallen, wie zum Beispiel das Einwecken von Obst, das Ansetzen eines Kuchenteigs, die Pflege eines Säug­lings, finden sein Interesse. Und einem Mann könnte es nicht passieren, daß er neun Monate schwanger geht, ohne daß er über die Funktion von Plazenta und Ovarien in allen Einzelheiten Bescheid wüßte.

Der Mann beobachtet nicht nur alles, was um ihn herum (und in der Welt überhaupt) passiert, er interpre­tiert es auch. Da er versucht, sich über alles zu informieren, fällt es ihm auch leicht, Vergleiche anzustel­len, im Gesehenen bestimmte Prinzipien zu erkennen und diese nutzbringend anzuwenden – immer mit dem Ziel, etwas ganz anderes, nämlich etwas Neues, daraus zu machen.

Man muß nicht betonen, daß alle Erfindungen und Entdeckungen auf dieser Welt von Männern gemacht worden sind, ob es sich nun um Elektrizität, Aerodynamik, Gynäkologie, Kybernetik, Mechanik, Quanten­physik, Hydraulik oder Abstammungslehre handelt. ‚Auch die Prinzipien der Kinderpsychologie, der Säuglingsernährung oder der Speisenkonservierung wurden von Männern ersonnen. Ja, sogar die Wand­lungen der Damenmode oder etwas derart Banales wie die Entdeckung neuer Speisenfolgen und Ge­schmacksnuancen liegen traditionell in den Händen der Männer. Sucht man ein besonderes Erlebnis für seinen Gaumen, so findet man es im allgemeinen nicht am Familientisch, sondern in einem Restaurant, in dem selbstverständlich das Essen von einem Mann zubereitet wird. Die Geschmackssensibilität der Frauen ist – selbst wenn sie die Absicht hätten, eine neue Speise zu erfinden -derart begrenzt und durch die Zube­reitung der üblichen phantasielosen Alltagsgerichte derart abgenützt, daß sie dazu nicht imstande wären. Es gibt keine weiblichen Gourmets, die Frauen taugen zu überhaupt nichts.

Doch der Mann, der alle geistigen und körperlichen Voraussetzungen für ein reiches, freies, menschen­würdiges Leben in sich vereint, verzichtet darauf und führt statt dessen das Leben eines Sklaven. Denn was macht er mit allen seinen wunderbaren Fähigkeiten? Er stellt sie in den Dienst derer, die diese Fähigkeiten nicht haben. Er nennt sie »die Menschheit« und meint damit die Frauen und die Kinder der Frauen.

Es ist wirklich eine Ironie, daß diejenigen, die dazu befähigt wären, ein ideales Leben zu führen, es nicht wollen, und daß jene, denen sie ein solches Leben durch ihr Opfer ermöglichen, nicht daran interessiert sind. Man hat sich so sehr an diesen stumpfen Mechanismus der einseitigen Ausbeutung einer Menschen­gruppe durch eine Parasitenclique gewöhnt, daß alle Moralbegriffe völlig pervers geworden sind. Es ist für uns selbstverständlich, im männlichen Geschlecht den Sisyphos zu sehen, der auf die Welt kommt zum Lernen, Arbeiten, Kinderzeugen und dessen Söhne wiederum auf die Welt kommen zum Lernen, Arbeiten, Kinderzeugen und immer weiter so, daß wir uns überhaupt nicht mehr vorstellen können, wozu der Mann sonst noch da sein sollte.

Ein junger Mann, der eine Familie gründet und sich hinfort sein ganzes Leben lang, meist in stumpfsinni­gen Tätigkeiten, der Ernährung von Frau und Kindern widmet, gilt als ehrenwert. Einer, der sich nicht bin­det, keine Kinder zeugt, mal hier und mal dort lebt, mal dies und mal jenes tut – weil es ihn interessiert und um sich selbst und nur sich selbst zu ernähren -, und der einer Frau, wenn er sie trifft, als freier Mensch gegenübertritt und nicht in der Uniformität des Sklaven, wird von der Gesellschaft ausgestoßen und ver­achtet.

Es ist deprimierend zu sehen, wie die Männer Tag für Tag all das verraten, wozu sie geboren sind. Wie sie, statt mit ihrem Geist, ihrer Kraft und ihrer ungeheueren Energie Welten zu erschließen, von denen man noch nicht einmal zu träumen wagt – wie sie, statt Gefühle zu erforschen, von deren Vorhandensein man nicht einmal etwas ahnt – wie sie, statt das Leben unendlich reich und lebenswert zu machen (ihr eigenes, von dem die Frauen nichts verstehen), auf all diese ungeheueren Möglichkeiten verzichten und ihren Geist und ihren Körper freiwillig in Geleise zwängen, in denen sie für die abstoßend primitiven Bedürfnisse der Frauen nützlich sind.

Mit dem Schlüssel zu allen Rätseln des Universums in der Hand, begeben sich die Männer aus freien Stü­cken auf das Niveau der Frauen herab und biedern sich ihnen an. Mit ihrem Geist, ihrer Kraft und ihrer Phantasie, die dazu prädestiniert sind, zu machen, was sein könnte, konservieren und verbessern sie das, was schon ist. Und wenn sie etwas erfinden, was es noch nicht gibt, so stets mit dem Alibi, daß es früher oder später ja doch der »ganzen Menschheit« (gemeint ist: der Frau) zugute kommen wird. Sie entschuldi­gen sich noch für ihre Großtaten, entschuldigen sich dafür, daß sie Weltraumfahrt betreiben und zum Mond fliegen, statt noch mehr leiblichen Komfort für die Frauen und deren Kinder zu schaffen. Die müh­seligste Anstrengung bei ihren Neuentdeckungen war noch immer deren Übersetzung in die weibliche Sprache, z.B. mittels Fernsehwerbespots aus Kindergeplapper und süßlichem Liebesgeflüster, mit denen sie die Frauen sanft einladen, sich der neuen Errungenschaften doch ruhig zu bedienen. Denn wegen ihrer erwiesenen Phantasielosigkeit besteht bei der Frau niemals a priori das Bedürfnis nach irgendwelchen Er­findungen – sonst würde sie doch einmal selbst eine machen, wenigstens eine einzige.

Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, daß die Männer alles, was sie tun, im Hinblick auf die Frau tun, daß wir nicht einmal mehr in Betracht ziehen, daß es auch anders sein könnte. Daß zum Beispiel die Kompo­nisten auch einmal etwas anderes komponieren könnten als (Abhängigkeits-)Lieder. Daß Schriftsteller kei­ne Romane und keine (Abhängigkeits-)Lyrik mehr verfassen, sondern Kunst. Wie es wäre, wenn die Maler endlich aufhören würden mit ihren ewigen Frauenakten und Frauenprofilen (gegenstandslos gemalt oder konventionell) und uns endlich etwas Neues sehen ließen, daß wir noch niemals gesehen haben!

Es müßte doch zu machen sein, daß die Wissenschaftler ihre wissenschaftlichen Werke nicht mehr ihren Frauen widmen (die sie doch nie, nie, nie verstehen), daß die Cineasten die Ideen ihrer Filme nicht mehr mit vollbusigen Frauenleibern belasten, daß die Zeitungen Raumfahrtreportagen nicht unbedingt mit großformatigen Fotos blondierter Astronautenfrauen entschuldigten, und auch, daß sich die Astronauten selbst etwas anderes von der Erde in den Raum überspielen ließen als (Abhängigkeits-)Schnulzen.

Wir haben nicht die geringste Ahnung, wie eine Welt aussähe, in der die Männer die Phantasie, die sie darauf verwenden, noch schneller erhitzbare Schnellkochtöpfe, noch weißer waschendes Waschpulver, noch farbfestere Veloursteppiche und noch kußechtere Lippenstifte zu fabrizieren, auf die Lösung wirkli­cher Probleme verwendeten. In der sie, statt Kinder zu zeugen (die wieder Kinder zeugen) und so das Le­ben immer weiter fortzuschieben, selbst lebten. In der sie, statt immer wieder die »rätselhafte« Psyche der Frau erforschen zu wollen – sie erscheint ihnen nur so rätselhaft, weil es dort rätselhafterweise nichts gibt, was erforscht werden könnte -, ihre eigene Psyche erforschten oder sich auf die mögliche Psyche von mög­lichen Lebewesen auf anderen Planeten besännen und sich Wege einfallen ließen, mit diesen Kontakt auf­zunehmen. In der sie, statt Waffen für Kriege herzustellen, die doch kein anderes Ziel haben, als das (nur für Frauen nützliche) Privateigentum zu beschützen, immer effektivere interstellare Raumfahrzeuge kon­struierten, die sie fast so schnell wie das Licht zu anderen Welten trügen und uns von Dingen berichteten, die wir uns nicht einmal träumen lassen. Leider haben die Männer, die über alles nachzudenken befähigt und willens sind, alles, was die Frau betrifft, zum Tabu erklärt. Das Schlimmste ist, daß die Tabus so wirk­sam sind, daß sie niemand mehr erkennt. Die Männer führen, ohne je darüber nachzudenken, die Kriege der Frauen, zeugen die Kinder der Frauen, bauen die Städte der Frauen. Und diese Frauen werden dabei immer fauler, dümmer, materiell anspruchsvoller. Und immer reicher. Durch ein primitives, aber wir­kungsvolles System von direkter Ausbeutung, Heirat, Scheidung, Beerbung, Witwen-, Alters- und Lebens­versicherung bereichern sie sich unaufhaltsam. In den USA, wo der Anteil der berufstätigen Frauen seit Jahrzehnten rückläufig ist, verfügen die Frauen bekanntlich über mehr als die Hälfte des gesamten Privat­vermögens. Nicht viel anders dürfte es in den fortschrittlichen Teilen Europas sein. Bald wird die Frau außer der psychologischen Macht über den Mann auch die absolute materielle Macht über ihn haben.

Der Mann ignoriert das und sucht weiter sein Glück in der Unterwerfung. Sie hätte gewissermaßen eine poetische Rechtfertigung, wenn die Frau wirklich das wäre, wofür er sie hält. Wenn sie dieses zarte, anmu­tige Wesen wäre, diese gütige Fee, dieser Engel aus einer besseren Welt, zu gut für ihn und diese Erde.

Wie ist es nur möglich, daß ausgerechnet die Männer, die sonst alles wissen wollen, vor diesen einfachen Tatsache, die Augen verschließen? Daß sie nicht bemerken, daß an den Frauen, außer einer Vagina, zwei Brüsten und ein paar Lochkarten mit dummen, stereotypen Redensarten, nichts, aber auch wirklich nichts ist? Daß sie Konglomerate von Materie sind, Klumpen ausgestopfter Menschenhaut, die vorgeben, den­kende Wesen zu sein?

Wenn die Männer nur einmal in ihrer blinden Produktivität einhielten und überlegten, so müßten sie doch die Frauen mit ihren Kettchen, Rüschenblüschen und Goldsandalettchen im Handumdrehen entlarvt und mit der ihnen eigenen Intelligenz, Phantasie und Zielstrebigkeit innerhalb von Tagen ein Gerät konstruiert haben, eine Art menschenähnlicher Maschine, die ihnen für die Frau, an der weder außen noch innen etwas originell ist, einen vollwertigen Ersatz bieten würde. Warum fürchten sich die Männer so sehr vor der Wahrheit?

Ihre Dummheit macht die Frau göttlich

Er: „Kennen Sie Ibsen?“

Sie: „Wie macht man es?“

 

Nur Unterdrückte können ein Bedürfnis nach Freiheit entwickeln. Sobald sie frei sind – und vorausgesetzt, sie sind intelligent genug, diese Freiheit mit allen Konsequenzen zu ermessen -, kehrt sich ihr früheres Freiheitsbedürfnis genau ins Gegenteil: Sie bekommen Angst und fangen an, sich wieder nach der Gebor­genheit fester Bindungen zu sehnen.

In seinen ersten Lebensjahren ist ein Mensch immer unfrei. Er ist eingekeilt zwischen den Regeln der Er­wachsenen und, da er selbst noch keine Erfahrung im sozialen Verhalten hat, von diesen Regeln auch voll­kommen abhängig. Er entwickelt deshalb einen starken Freiheitsdrang, wünscht sich nichts sehnlicher, als seinem Gefängnis zu entrinnen, und tut das bei erster Gelegenheit. Ist er dann endlich frei, wird er sich, falls er dumm ist – und Frauen sind dumm in seiner Freiheit sehr wohl fühlen und sie sich zu erhalten su­chen. Ein dummer Mensch denkt nicht abstrakt, verläßt das eigene Terrain nicht und kennt deshalb auch keine Existenzangst. Er fürchtet sich nicht vor dem Tod (er kann ihn sich nicht vorstellen) und fragt nicht nach dem Sinn des Daseins: Alle seine Handlungen erhalten in der Erfüllung seiner Komfortgelüste einen unmittelbaren Sinn, und der genügt ihm. Auch Religionsbedürfnisse sind ihm fremd. Sollten sie trotzdem einmal auftreten, befriedigt er sie umgehend an sich selbst, denn es liegt im Charakter der Dummen, daß sie imstande sind, die eigene Person hemmungslos zu bewundern (hängt eine Frau einer Religion an, dann nur, damit sie in den Himmel kommt – der liebe Gott ist nichts weiter als der Mann, der das für sie bewerk­stelligen soll).

Die Lage des Intelligenten (des Mannes) ist ganz anders: Er empfindet zwar die Befreiung zunächst als unendliche Erleichterung, die grandiosen Perspektiven seiner Unabhängigkeit berauschen ihn, doch sobald er dann von dieser Freiheit Gebrauch machen, also sobald er sich durch eine freie Tat in dieser oder jener Richtung festlegen will, bekommt er es mit der Angst zu tun: Da er abstrakt denken kann, weiß er auch, daß jede seiner Taten die Möglichkeit unendlich vieler Konsequenzen in sich birgt – Folgen, die er trotz seiner Intelligenz nicht alle vorhersehen kann und für die er, da er sich für die Tat frei entscheidet, voll verantwortlich ist.

Wie gern würde er aus Furcht vor negativen Auswirkungen seiner Handlungen überhaupt nichts mehr un­ternehmen! Und weil das nicht möglich ist – der Mann ist zu Taten verurteilt -, fängt er an, sich nach den festen Regeln seiner Kindheit zurückzusehnen, nach jemand, der ihm sagt, was er tun und lassen soll und so seinen jetzt sinnlosen Handlungen (denn sie dienen zwar letztlich dem eigenen Komfortbedürfnis, doch wozu dient er selbst?) wieder einen Sinn gibt und ihm seine große Verantwortung erleichtert. Und er sucht sich einen Gott, der ihm den Gott seiner Kindheit – der seine Mutter war – ersetzt und dem er sich bedin­gungslos unterwerfen kann.

Am liebsten wäre ihm zu diesem Zweck ein zwar strenger, aber auch gerechter, weiser und allwissender Gott, wie etwa der jüdische, christliche oder mohammedanische. Doch da er intelligent ist, weiß er natür­lich, daß es einen solchen nicht geben kann, daß jeder Erwachsene per definitionem sein eigener Gott selbst ist und daß er folglich seine Lust an der Unfreiheit (die Rückkehr in ein der frühkindlichen Abhän­gigkeit ähnliches Stadium bereitet ihm tiefes Wohlbehagen) immer nur an selbsterfundenen Regeln befrie­digen kann -und er macht sich daran, sich solche Regeln (Götter) zu erfinden.

Er tut es unbewußt mit anderen zusammen, er gibt, wie die anderen, seine Einzelerfahrungen zu Protokoll, vergleicht sie mit denen der anderen, erkennt darin Gemeinsames, erfaßt dieses Gemeinsame unbewußt mit den anderen in Regeln, erfindet so Gesetze für künftiges »sinnvolles« (das heißt, für irgend jemand oder etwas außer ihm nützliches) Verhalten und unterwirft sich ihnen freiwillig. Die so entstehenden Systeme werden kollektiv und individuell immer weiter ausgebaut und sind bald so komplex, daß sie der einzelne nicht mehr überblicken kann – sie gewinnen Autonomie und werden »göttlich«. Man kann ihren Gesetzen nur noch vertrauen – ebenso wie man als unerfahrenes Kind den teils sinnvollen, teils sinnlosen Gesetzen der Eltern vertrauen mußte -, kontrollieren kann man sie nicht, und bei ihrer Übertretung droht immer Ausschluß aus der Gemeinschaft und Verlust der Geborgenheit. Marxismus, Nächstenliebe, Rassismus oder Nationalismus sind solche erfundenen Systeme, und Männer, denen es gelingt, ihr Religionsbedürfnis daran zu befriedigen, werden für die Unterwerfung unter eine Einzelperson (Frau) weitgehend immun.

Die weitaus größte Zahl der Männer unterwirft sich jedoch vorzugsweise bewußt den Exklusivgöttern Frauen (sie nennen diese Unterwerfung Liebe), denn diese haben für die Befriedigung ihrer Religionsbe­dürfnisse die günstigsten Voraussetzungen: Die Frau ist immer für den Mann da, sie hat kein eigenes Reli­gionsbedürfnis, ist also insofern tatsächlich »göttlich«. Weil sie ständig Forderungen stellt, fühlt der Mann sich von ihr nie verlassen (sie ist als Gott immer gegenwärtig). Sie macht ihn unabhängig von kollektiven Göttern, die er mit Konkurrenten teilen müßte. Sie erscheint ihm vertrauenswürdig, denn sie gleicht, indem sie seiner Mutter gleicht, dem Gott seiner Kindheit. Sie gibt seinem sinnlosen Leben einen künstlichen Sinn, denn alles, was er tut, gilt jetzt ihrem Komfort, nicht seinem (später auch noch dem Komfort ihrer Kinder). Sie kann als Göttin nicht nur strafen (durch Entzug von Geborgenheit), sondern auch belohnen (durch Gewährung von sexuellem Genuß).

Die wichtigsten Voraussetzungen für ihre Göttlichkeit sind jedoch ihr Hang zur Maskerade und ihre Dummheit. Ein System muß seine Gläubigen entweder durch seine Überlegenheit an Wissen beeindrucken oder diese durch seine Unverständlichkeit verwirren. Da die erste Möglichkeit für die Frauen nicht in Fra­ge kommt, profitieren sie von der zweiten. Ihre Maskerade läßt sie dem Mann fremd und geheimnisvoll erscheinen, ihre Dummheit macht sie für jeden seiner Kontrollversuche völlig unerreichbar. Denn während sich Intelligenz in verständlichen, logischen Handlungen äußert und dadurch meßbar, berechenbar und kontrollierbar wird, entbehren die Handlungen der Dummen jeglicher Vernunft und lassen sich dadurch weder voraussehen noch überprüfen. So ist die Frau, genau wie die Päpste und Diktatoren, durch einen Schutzwall aus Pomp, Maskerade und Geheimniskrämerei ständig vor Entlarvung geschützt; sie kann ihre Macht immer weiter ausbauen und garantiert gerade dadurch dem Mann auf lange Sicht die Befriedigung seiner Religionsbedürfnisse.

Dressurakte

Damit der Mann in seiner Freude an der Unterwerfung sich aber auch tatsächlich der Frau unterwirft und nicht etwa anderen Männern, einer Tierart oder einem der erwähnten Systeme, hat sie in sein Leben eine Reihe von Dressurakten eingebaut, mit deren Einstudierung sie frühzeitig beginnt. Dabei kommt es ihr zustatten, daß er ihr gerade dann am meisten ausgeliefert ist, wenn er sich am leichtesten dressieren läßt: als Kind. Und durch die natürliche Selektion reproduzieren sich gerade jene Frauen, die zur Dressur des Mannes am besten geeignet sind – die anderen können sich ja ohnehin nicht reproduzieren.

Allein die Tatsache, daß der Mann von Anfang an daran gewöhnt ist, eine Frau um sich zu haben, ihre Ge­genwart als »normal« zu empfinden und ihre Abwesenheit als »anormal«, würde genügen, ihn später in einer gewissen Weise von ihr abhängig zu machen. Doch diese Abhängigkeit wäre nicht gravierend, denn ein Leben ohne Frau käme in diesem Fall dann lediglich einem Milieuwechsel gleich. Wer im Gebirge aufgewachsen ist und später im Flachland wohnt, wird sich vielleicht ewig nach dem Gebirge sehnen, aber deshalb wird er noch lange nicht dorthin zurückkehren. Es gibt wichtigeres.

Es läge auch nicht im Interesse der Frau, im Mann nur so eine romantische, untergeordnete Sehnsucht nach Art des Heimwehs zu erzeugen, die nur sonntags und in der Entfernung spürbar ist und zu keinen Konse­quenzen führt. Wichtig ist für sie, daß sie den Mann direkt zur Arbeit erzieht und dazu, daß er ihr alle Früchte dieser Arbeit zur Verfügung stellt. Sie wird deshalb in erster Linie versuchen, eine Reihe von Re­flexen bei ihm zu bedingen, die ihn zur Produktion all jener materiellen Werte veranlassen, die sie braucht. Das erreicht sie dadurch, daß sie ihn von seinem ersten Lebensjahr an nur auf ihre eigene Wertskala dres­siert. Damit bringt sie ihn so weit, daß er zum Schluß seinen Wert mit seiner Nützlichkeit für sie gleich­setzt und sich nur wohl fühlt, wenn er in ihrem Sinne wertvoll ist, das heißt, etwas für sie Wertvolles pro­duziert.

Die Frau selbst wird ihm dabei zu einer Art Skala, an der er zu jedem Zeitpunkt Wert oder Unwert einer bestimmten Tätigkeit ablesen kann. Und wenn er etwas tut, was nach dieser Skala wertlos ist – etwa Fuß­ballspielen -, wird er versuchen, dieses Minus so rasch wie möglich durch erhöhte Aktivität auf einem von der Skala anerkannten Gebiet wettzumachen (aus diesem Grund werden etwa Fußballspiele und andere Sportveranstaltungen bis zu einem gewissen Grad von den Frauen gern toleriert).

Von allen Dressurmethoden, deren sich die Frau bei der Erziehung des Mannes bedient, hat sich das Lob als die brauchbarste erwiesen: Es ist eine Methode, mit deren Anwendung man sehr früh beginnen kann und die noch bis ins hohe Alter ihre Wirksamkeit unvermindert beibehält (im Gegensatz etwa zur Dressur durch Sex, die nur über einen relativ kurzen Zeitraum praktikabel ist). Die Lobmethode ist so effektvoll, daß man bei richtiger Dosierung sogar auf ihren Antagonisten, den Tadel, verzichten kann: Jemand, der an Lob gewöhnt ist, wird sich ohne Lob bereits so vorkommen, als sei er getadelt worden.

Dressur durch Lob hat zum Beispiel folgende Vorteile: Sie macht den Gelobten abhängig (damit das Lob etwas wert ist, muß es von einer höheren Instanz kommen, der Gelobte wird also den Lobenden zu einer höheren Instanz erheben); sie macht ihn süchtig (ohne Lob weiß er bald nicht mehr, ob er etwas wert ist oder nicht, er verliert die Fähigkeit, sich mit sich selbst zu identifizieren); sie steigert seine Leistung (Lob wird zweckmäßig nicht immer wieder für die gleiche Leistung erteilt, sondern für eine jeweils höhere).

Sobald ein männlicher Säugling zum ersten Mal dafür gelobt wird, daß er seine Notdurft nicht im Bett ver­richtet hat, sondern auf einem Töpfchen, wenn er ein gütiges Lächeln und ein paar jener bekannten munter-idiotischen Redensarten als Lob für ein leergetrunkenes Fläschchen erkennt, tritt er in den Teufelskreis. Um wieder in den Genuß des lustvollen Gelobtwerdens zu kommen, wird er bei nächster Gelegenheit ge­nau das zu wiederholen versuchen, was dieses Gefühl hervorgerufen hat. Bleibt das Lob eines Tages aus, ist er unglücklich und tut alles, worin er auch nur die geringste Chance sieht, jenes Glück, nach dem er süchtig geworden ist, aufs neue zu erlangen.

Natürlich ist auch der weibliche Säugling Dressurakten ausgeliefert; während der ersten beiden Lebensjah­re macht die Frau kaum einen Unterschied zwischen den Geschlechtern ihrer Kinder. Aber die Dressur bricht beim Mädchen ab, sobald es die Regeln der Hygiene gelernt hat: Die Wege trennen sich, und je weiter die Erziehung fortschreitet, desto mehr wird das kleine Mädchen zur Ausbeuterin erzogen, der kleine Junge zum auszubeutenden Objekt.

Ein wichtiges Mittel dazu ist das Kinderspielzeug. Indem sie den Spieltrieb ihrer kleinen Kinder zuerst fördert und dann ausnützt, lenkt die Frau wie zufällig in die gewünschte Richtung. Dem kleinen Mädchen gibt sie Puppen und Puppenaccessoires: Wagen, Bettchen, Miniaturgeschirr; dem kleinen Jungen alles, was das Mädchen nicht bekommt: Baukästen, Modelle von elektrischen Eisenbahnen, Rennwagen, Flugzeugen. So erhält das weibliche Kind früh Gelegenheit, sich mit seiner Mutter zu identifizieren, die Rolle der Frau zu) erlernen: Es überträgt deren Dressursysteme auf die Puppen, lobt und tadelt, wie es selbst gelobt und getadelt wird, lernt spielerisch die Grundgesetze der Menschenführung. Und weil auch das kleine Mädchen auf Lob angewiesen ist, dieses Lob aber nur für Identifikationen mit der Frauenrolle bekommt, wird es auch später nichts anderes sein wollen als »weiblich«. Seine maßgebende Instanz werden deshalb immer Frauen sein, nie Männer, weil nur Frauen beurteilen können, wie gut es diese Rolle spielt (den Männern wird gelehrt, die Frauenrolle sei minderwertig, sie kommen daher als Lobredner nicht in Frage).

Dem männlichen Kind wird für alles applaudiert, nur nicht für das Spiel mit Miniaturmenschen. Es baut Modelle von Schleusen, Brücken, Kanälen, zerlegt aus Neugier Spielzeugautos, feuert Schüsse aus Spiel­zeugpistolen und übt so alles, was es später zum Unterhalt der Frau einmal brauchen wird. Wenn ein klei­ner Junge ins Schulalter kommt, kennt er bereits die Grundgesetze der Mechanik, Biologie, Elektrotechnik aus eigener Erfahrung, er kann Hütten aus Brettern bauen und in Kriegsspielen verteidigen. Je mehr eigene Initiative er dabei entwickelt, desto sicherer erntet er Lob. Die Frau ist ja daran interessiert, daß er bald mehr weiß als sie – sie selbst könnte sich mit ihren Kenntnissen in einer Welt ohne Männer kaum am Le­ben erhalten -und daß er sich in allem, was Arbeit betrifft, ganz von ihr unabhängig macht. Der Mann ist für sie zwar eine Maschine, aber keine gewöhnliche: Eine solche müßte ja von ihr fachkundig bedient oder zumindest programmiert werden. Wenn eine Frau wüßte, was das ist, würde sie ihn als eine Art Roboter mit Bewußtsein bezeichnen, der fähig ist, sich selbst zu programmieren (und daher, sich weiterzuentwi­ckeln) und sich jeder neuen Situation mit neuem Programm ideal anzupassen (auch die Wissenschaftler arbeiten an der Entwicklung solcher Roboter, die für sie arbeiten, entscheiden und denken und ihnen die Früchte ihrer Aktivität zur Verfügung stellen – freilich Roboter aus unbelebter Materie).

So ist der Mann, noch bevor er sich für die eine oder andere Lebensweise selbständig entscheiden könnte, derart süchtig geworden nach Lob, daß er sich nur noch bei solchen Tätigkeiten wohl fühlt, für die ihm jemand Beifall zollt. Und er wird, weil er süchtig ist, immer mehr Beifall brauchen und daher immer grö­ßere Leistungen in der von der Frau gewünschten Richtung vollbringen müssen. Natürlich könnte der Bei­fall im Prinzip auch von einem Mann kommen, aber die Männer sind – aus eben diesen Gründen – ununter­brochen beschäftigt und stehen gegeneinander in feindseliger Konkurrenz. Deshalb holt sich ein Mann, ’sobald er es sich leisten kann, seinen eigenen, exklusiven Lobredner ins Haus: jemand, den er jederzeit fragen kann, ob er gut und brav war oder nicht, und wie gut und wie brav er war. Die Frau ist, scheinbar zufällig, für diese Rolle die ideale Besetzung – aber sie hat ja alles so inszeniert und nur darauf gewartet, sie zu übernehmen.

Nur selten gelingt es einem Mann – einem erfolgreichen Künstler oder Wissenschaftler etwa – diesen Bann zu brechen und seinen dringend benötigten Beifall auch von Männern zu beziehen. So macht er sich zwar von den Frauen unabhängig, aber nie von der Sucht nach Beifall selbst. Der Beweis dafür ist, daß ein Mann, der auf einem bestimmten Gebiet erfolgreich war und daher auch materiell gesichert ist, sich nie freiwillig in ein anderes begibt, um dort seine Fähigkeiten zu erproben und seine Neugier zu befriedigen. In der Regel arbeitet er – wie zum Beispiel Mirö mit seiner Strichpunkt-Technik, Strauß mit seinen Wal­zern, oder Tennessee Williams mit seinen Frauendramen – immer auf dem Terrain, auf dem er schon ein­mal Lob geerntet hat. Er scheut das Risiko, sein eigener Maßstab zu sein.

Der Verdacht, daß der sogenannte »persönliche« Stil eines Künstlers nichts Positives ist, liegt sehr nah. Ein Autor wie Beckett etwa, der im Lauf von zwanzig Jahren immer GoJot-Varianten produziert, tut das nicht aus Vergnügen (dafür ist er zu intelligent). Er scheut – lobsüchtig – das Risiko wie eine Entziehungskur. Könnte er sich doch von seiner konditionierten Verhaltensweise lösen! Längst hätte er etwas anderes ge­macht, vielleicht Flugzeuge konstruiert (die zuverlässige Mechanik seiner Stücke läßt auf technische Be­gabung schließen), seltene Pflanzen gezüchtet oder zumindest einmal eine Komödie geschrieben (soviel Erfolg verprellt bestimmt die beste Verzweiflung). Vielleicht eine Komödie, in der eine Frau bis zur Taille in einem Erdhügel steckt und nach ihrer Zahnbürste sucht, wie in »Glückliche Tage«. Vielleicht hätte er damit sogar Erfolg beim Publikum. Aber ein solches Experiment wäre für einen nach dem Leistungsprin­zip dressierten Mann natürlich zu riskant. Deshalb schreibt einer wie Beckett lieber weiterhin dramatisch über die Absurdität des Lebenstriebes: denn dafür ist ihm Lob sicher.

Dressur durch Selbsterniedrigung

Manchmal wird ein kritisch eingestellter Mann vielleicht sagen, die Frauen hätten – wegen der Schamlo­sigkeit, mit der sie ihre Ignoranz auf allen Wissensgebieten eingestehen – kein Ehrgefühl. Dabei vergißt er allzu leicht, daß er seine eigenen Begriffe von Ehre, Stolz, Menschenwürde et cetera weiblicher Dressur verdankt. Daß er nur deshalb ehrenhaft, stolz, ritterlich geworden ist, weil er von einer Frau dazu dressiert wurde. Und daß diese Eigenschaften – die seine Männlichkeit ausmachen, auf die er so stolz ist – desto stärker in seinem Charakter verankert sind, je gründlicher diese Dressur an ihm vorgenommen wurde. Er selbst hat nichts dazu getan.

In jedem einschlägigen Psychologie-Lehrbuch steht zu lesen, daß Leistung beim Kind am besten durch Selbstvertrauen gefördert wird. Es ist aber unmöglich, daß ein Kind von sich aus Selbstvertrauen gewinnt: Es wird in ein Milieu hineingeboren, wo ihm alles überlegen ist und es aus eigener Kraft nichts erreichen könnte. Die Frau, die daran interessiert ist, aus einem männlichen Kind einen Menschen zu machen, der nicht nur sich selbst erhält, sondern auch noch andere, wird deshalb mit ihrer Erziehung in erster Linie darauf abzielen, Selbstvertrauen zu züchten. Sie wird die Gefahren des Daseins – soweit sie diese über­haupt selbst erkennt – in seinen Augen bagatellisieren, die Möglichkeit seines eigenen Todes vor ihm ver­heimlichen (zum Beispiel durch die Versprechung eines ewigen Lebens als Belohnung für Wohlverhalten in ihrem Sinn) und so jene schwachsinnig-optimistische Grundstimmung in ihm erzeugen, die es für ihre Dressurakte (und somit für das Leben überhaupt) am besten aufrüsten. Eine der Methoden, das männliche Selbstbewußtsein und damit das Leistungsniveau hochzuschrauben, ist, wie wir schon gesehen haben, das Lob. Eine weitere ist die Selbsterniedrigung der Frau.

Wenn die Frau einem von ihr geborenen Kind nicht wenigstens während seiner ersten Lebensjahre an In­telligenz überlegen wäre, hätte die Menschheit längst aufgehört zu existieren. Doch eine gute Mutter wird immer auf der Hut sein, daß diese anfängliche Überlegenheit ihr Kind nicht in seiner Entwicklung hemmt, sich so eines Tages womöglich noch gegen sie selbst richtet und das Kind länger als unbedingt nötig an ihrem Rockzipfel hängt. Sie wird versuchen, ihrem Kind, besonders wenn es ein Junge ist, sobald wie möglich ein Gefühl der Überlegenheit über sie zu vermitteln. Eine Art Vorschuß auf spätere Leistungen, der ihm sein erstes Selbstvertrauen gibt. Dabei gebraucht sie um so häufiger einen Kunstgriff, je weiter der präsumptive Mann in seiner Entwicklung vorwärts kommt: Sie stellt sich immer noch dümmer, als sie oh­nehin schon ist, und gibt ihm so einen Vorsprung, den er, wenn er ein richtiger Mann werden will (und sie sorgt dafür, daß er es will), nicht mehr verlieren darf.

Da der Wert der Frauen in der Gesellschaft nicht nach ihrer Intelligenz gemessen wird, sondern nach ganz anderen Gesichtspunkten (eigentlich wird überhaupt nichts gemessen: Der Mann braucht sie, und damit genug), können sie es sich leisten, sich so dumm zu stellen und so dumm zu sein, wie es ihnen gerade kommt. In diesem Punkt gleichen die Frauen den Reichen allgemein: Auch bei diesen ist nicht wichtig, ob sie intelligent sind, sondern daß sie reich sind. Wenn Henry Ford II. die geistige Kapazität einer der Stammkundinnen von Tiffany’s hätte, wäre er nicht minder gesellschaftsfähig. Nur sein Chauffeur kann sich das nicht leisten. Ebenso wie ein Reicher kann sich eine Frau jede Blöße geben – und man kann mit Recht behaupten, daß sie sich jede nur mögliche Blöße gibt – ohne daß ihr Nachteile daraus erwachsen. Mit anderen Worten: Eine Frau kann so dumm sein, wie sie nur will – der Mann wird trotzdem zu ihr aufsehen und nicht auf ihre Gesellschaft verzichten wollen.

Ihre Beschwörungsformel lautet ganz einfach: Arbeiten ist männlich, Nichtstun weibisch. Sie verkündet, der Mann sei in einer beneidenswerten Situation, stark und ungebunden, sie dagegen schwach und durch die heilige Bürde des Gebarens ans Haus gefesselt. Sie sei zu wertvoller Arbeit körperlich nicht geeignet.

Der Mann folgt dieser Mythologie willig und hält sie für schmeichelhaft. Er bedenkt nicht, daß auch der Elefant stark ist, stärker als ein Mann zum Beispiel, und daß Männer trotzdem für die meisten Arbeiten besser geeignet sind als Elefanten.

Natürlich verheimlicht die Frau dem Mann, daß sie selbst im Vergleich zu ihm so gut wie nichts tut. Tat­sächlich beschäftigt sie sich ja unentwegt mit irgend etwas. Sie sagt nur, alles, was sie tut, sei im Vergleich zu seiner Arbeit minderwertig. Sie suggeriert ihm, daß die schwachsinnigen Vergnügungen, denen sie sich im Lauf des Tages hingibt (Bügeln, Kuchenbacken, das Heim verschönern), für das Wohl der Familie not­wendige Arbeiten seien und daß er sich glücklich schätzen könne, eine Frau zu haben, die ihm diese nied­rigen Dinge abnimmt. Der Mann, der ja nicht ahnen kann, daß einer Frau solche Beschäftigungen tatsäch­lich Spaß machen, wird sich glücklich schätzen.

Indem die Frau alle Arbeiten in »männlich« und »weibisch«, in »würdig« und »unwürdig« einteilt und so mit Gefühlswerten befrachtet, denen sich nach einiger Zeit niemand mehr entziehen kann, wird sie selbst unkontrollierbar und verschafft sich so in ihrem Machtbereich völlige Narrenfreiheit. Was immer sie tut -es ist ja im Vergleich zu .Männerarbeit sowieso nichts wert; sie selbst sagt es, und warum sollten die Män­ner das nachprüfen wollen?

Natürlich könnte der Mann, wenn er nur wollte, die weibliche Terminologie entlarven, die »männlichen« und »weibischen« Arbeiten »schwer« und »leicht« nennen: Männerarbeit ist meist schwer, Hausarbeit im­mer leicht. Mit den Maschinen, die der Mann dafür erfunden hat, erledigt sich die Arbeit zum Beispiel für einen Vier-Personen-Haushalt mühelos in zwei Vormittagsstunden. Alles, was die Frauen sonst noch tun, ist überflüssig, dient ihrem Vergnügen und zur Erhaltung der idiotischen Statussymbole ihrer Clique (Spit­zengardinen, Blumenbeete, Hochglanzpolitur): Wenn sie es als Arbeit bezeichnen, so ist das nichts weiter als eine unverschämte Zwecklüge.

Hausarbeit ist so leicht, daß sie in psychiatrischen Heilanstalten traditionell von jenen Schwachsinnigen erledigt wird, die zu keiner anderen Tätigkeit mehr taugen. Wenn sich die Frauen beklagen, daß sie für diese Arbeit nicht noch extra Geld bekommen (sie fordern nicht viel, nur etwa den Lohn eines Autome­chanikers!), dann ist das nur ein weiterer Beweis dafür, wie attraktiv diese »Arbeit« für sie ist. Solche For­derungen sind außerdem kurzsichtig, denn sie könnten dazu führen, daß die Frauen eines Tages tatsächlich als Arbeitskraft bewertet und angemessen belohnt würden. Das würde dann offenbaren, wie sehr sie auf Kosten der Männer über ihre Verhältnisse leben.

Doch der Mann ist an die weibliche Terminologie von Kind an gewöhnt und hat kein Interesse, sie zu ent­larven. Er muß den Glauben haben, daß er etwas Großes tut, wenn er Geld für seine Frau verdient. Daß er etwas leistet, wozu eine Frau nicht fähig wäre. Hätte er dieses Gefühl der Überlegenheit nicht, müßte er an der Stumpfsinnigkeit seiner Arbeit verzweifeln. Sobald er den Eindruck hat, etwas zu tun, das ebenso gut eine Frau tun könnte (und hin und wieder finden die Frauen es opportun, diesen Eindruck zu erwecken), versucht er, seine Leistung zu steigern und so den gewohnten Abstand zwischen sich und dem »schwa­chen« Geschlecht wiederherzustellen. Er braucht das für sein Selbstbewußtsein.

Die Analyse des Teufelskreises ist einfach: Die Frauen erfinden Regeln, dressieren die Männer darauf und können sie so beherrschen. Sie selbst halten sich nie an die Regeln der Männer. Die Mannesehre zum Bei­spiel ist ein System, das die Frauen gemacht haben. Sie selbst nehmen sich von diesem System aus ver­zichten für sich auf jede Art Ehre und manipulieren auf diese Weise die Männer. In einem der bekannten Fernsehkrimis mit Emma Peel stehen sich in einer Szene zwei Männer feindselig an einem Billardtisch gegenüber. Jeder hat eine Pistole vor sich liegen, und sie vereinbaren aus Fairneß, daß sie laut bis drei zäh­len und dann aufeinander schießen würden. Der Held nimmt die Pistole schon bei zwei und rettet so sein Leben. Er blieb außerhalb des Systems und konnte so den anderen manipulieren, der sich auch in Lebens­gefahr noch lieber an ein System hielt als an die Vernunft.

Indem die Frau alles verächtlich macht, was sie selbst tut, bringt sie den Mann dazu, den Rest zu überneh­men: also alles, was ihr kein Vergnügen macht (sie war ja als seine Mutter zuerst da und hat die Wahl vor ihm getroffen). Er fühlt sich unglücklich und wertlos, wenn er »Frauenarbeit« verrichtet. Viele Männer stellen sich bei der Hausarbeit sogar absichtlich ungeschickt an, denn ihre Unbeholfenheit wird von den Frauen gefeiert, weil sie so »männlich« ist. Ein Mann, der sich selbst einen Knopf annäht, ist kein »richti­ger« Mann. Hantiert er mit dem Staubsauger, muß irgend etwas mit ihm nicht in Ordnung sein. Mit sol­chen und ähnlichen Argumenten läßt sich der Mann entmündigen (er traut sich alles zu, nur nicht, daß er eine Suppe kochen kann) und sich ohne Widerspruch vom anspruchslosesten Arbeitsplatz der Welt ver­treiben. Erst von einem gewissen Stadium seiner Dressur an kann er dann ohne Gefahr für bestimmte Hausarbeiten als Hilfskraft herangezogen werden (wobei er natürlich die Anweisungen der Frau strikt zu befolgen hat, denn er versteht ja nichts von solchen Dingen). Er wird diese Arbeiten immer als entwürdi­gend empfinden und nie merken, wie angenehm das alles im Vergleich zu seiner eigenen Arbeit ist.

Allein der Stoßseufzer, sie sei einer Arbeit »als Frau« nicht gewachsen, entledigt eine Frau jeder Mühe. Wenn sie zum Beispiel nur hin und wieder in ein Gespräch einfließen läßt – womöglich im Beisein von Zeugen -, ihr Mann könne viel besser Auto fahren als sie, gewinnt sie durch diese einfache Bemerkung einen Chaufeur auf Lebenszeit (die Autobahnen sind voll von Frauen, die sich von Männern chauffieren lassen). Oder wenn eine Frau sagt, »als Frau« könne sie nicht allein ein Lokal (Theater, Konzert) besuchen, dann gibt es zwar für dieses Argument keinen rationalen Grund – Frauen werden in Restaurants so gut und so schlecht bedient wie Männer, und wenn sie nicht »belästigt« werden wollen, wie sie sich ausdrücken, brauchen sie sich nicht so aufreizend zu kleiden – aber sie bekommt durch solche Geständnisse einen La­kaien, der sie wie einen Staatsgast bis vors Portal fährt, für sie einen freien Tisch erkämpft, ihr Menü zu­sammenstellt, sie unterhält und abschließend noch die Rechnung bezahlt. – Oder sie gesteht, von Politik verstünde sie nichts, eine Frau sei einfach zu dumm dafür, und schon findet sich ein Mann, der für sie Ta­geszeitungen und politische Magazine studiert, langwierige Fernsehdiskussionen über sich ergehen läßt, die verschiedenen Argumente anderer Männer gegeneinander abwägt und ihr am Wahltag fix und fertig eine Meinung präsentiert. Sie wählt dann die Partei, die jener Mann aufgrund seiner gewissenhaften Stu­dien in seiner – und somit ihrer – speziellen Situation für die günstigste hält, und entledigt sich der lästigen Wahlpflicht, indem sie die Meinung ihres Mannes verdoppelt und das Endergebnis nicht gefährdet (was ja für ihr persönliches Wohlergehen – denn sie versteht tatsächlich nichts von Politik und weiß das auch -katastrophale Folgen haben könnte).

Eine der phantastischsten Blüten dieser Dressur durch Selbsterniedrigung ist es, wenn eine Frau, die ihre Ta • e unter aradiesischen Bedin • un • en in einer komfortablen Vorortvilla verbrin • in Gesellschaft von Kindern, Hunden und anderen Frauen, ausstaffiert mit Zweitwagen, Fernsehapparat und allen nur mögli­chen Haushaltsgeräten, ihrem Mann (der vielleicht Ingenieur ist oder Rechtsanwalt) sagt, er sei zu benei­den, denn er habe ein »erfülltes« Leben, während sie »als Frau« gezwungen sei, ein menschenunwürdiges Dasein zu führen – wenn sie das einem Mann sagt, der diesen ganzen Plunder mit seinem Leben bezahlt -, und wenn dieser Mann das glaubt.

In der Bibel heißt es, Eva sei aus Adams Rippe gemacht, somit also eine Kopie und weniger wertvoll als dieser: ein typisches Beispiel von Dressur durch Selbsterniedrigung. Man kann fast sicher sein, daß diese Geschichte irgendwann einmal von einer Frau erfunden worden ist. Aufgeschrieben hat sie dann selbstver­ständlich ein Mann (daß Frauen schreiben können, ist jüngeren Datums).

Ein Wörterbuch

Ihre ständige Selbsterniedrigung vor dem Mann hat dazu geführt, daß sich die Frauen in seiner Gegenwart einer Geheimsprache bedienen, die sie zwar selbst untereinander verstehen, zu der aber der Mann keinen Zugang hat, weil er sich an ihren Wortlaut hält. Es wäre deshalb für ihn lohnend, sich den Code zu ver­schaffen und eine Art Wörterbuch anzulegen, in dem er jedes mal, wenn er eine solche Phrase hört, nach­schlagen und deren Sinn in Klartext übersetzen könnte. Hier einige Beispiele (Original mit jeweiliger Übersetzung in die männliche Sprache):

CHIFFRE KLARTEXT
Ein Mann muß mich beschützen können Ein Mann muß mich vor Unbequemlichkeiten schützen können (Wovor könnte er denn eine Frau sonst schützen? Vor Räubern? Vor dem Atomkrieg?).
Ich will mich bei einem Mann geborgen fühlen Mit Geldsorgen muß er mir um alles in der Welt vom Halse bleiben
Zu einem Mann muß ich aufblicken können. Damit er für mich überhaupt in Frage kommt, muß er intelligenter, verantwortungsbewußter, mutiger, stärker, fleißiger sein als ich – was sollte ich denn sonst mit ihm anfangen?
Ich würde meinen Beruf sofort aufgeben, wenn es mein Mann von mir verlangt. Sobald er genug Geld hat, werde ich nie mehr arbeiten.
Ich wünsche mir nichts weiter, als ihn glücklich zu ma- chen. Ich werde mir alle Mühe geben, damit er niemals merkt, wie ich ihn ausnütze.
Ich will ihm alle kleinen Sorgen abnehmen. Ich werde alles tun, damit ihn nichts von der Arbeit ab-
hält.
Ich will nur für ihn da sein. Kein anderer Mann soll für mich arbeiten dürfen.
Ich werde nur noch für meine Familie leben. Nie mehr im Leben werde ich etwas tun. Soll er sich mal anstrengen!
Ich halte nichts von der weiblichen Emanzipation Ich bin doch nicht blöd, ich lasse lieber einen Mann für mich arbeiten.
Wir leben schließlich im Zeitalter der Gleichberechti- Er soll nicht denken, daß er mir Vorschriften machen
gung! kann, nur weil er mein Geld verdient!
Ich bin in diesen Dingen so schrecklich ungeschickt Das ist eine Arbeit, die er mir abnehmen muß. Wozu ist er denn sonst da?
Er weiß einfach alles. Man kann ihn sogar noch als Nachschlagewerk benützen.
Wenn man sich wirklich liebt, braucht man nicht gleich einen Trauschein. Er ist noch etwas widerspenstig, aber im Bett kriege ich ihn schon ‚rum
Ich liebe ihn Er ist eine erstklassige Arbeitsmaschine,
u.s.w

 

Doch solche Phrasen sagen die Frauen selbstverständlich nur zu einem Mann direkt oder wenn er in Hör­weite ist. Sind sie unter sich, sprechen sie von Männern – wenn überhaupt – ganz normal. Etwa so, wie sie von Sachen sprechen würden, oder so, als tauschten sie zusätzliche Bedienungsanweisungen für ein Haus­haltsgerät, von dessen Nützlichkeit ohnehin jeder überzeugt ist.

Wenn eine von ihnen etwa sagt: Diesen Mantel oder jenen Hut kann ich nicht mehr tragen, weil er meinem Freund nicht gefällt, dann ist mit der Erwähnung des Freundes keinerlei Gefühlswert verbunden (höchstens mit der des Hutes oder Mantels). Es bedeutet soviel wie: »Ich tu ihm in Gottes Namen den Gefallen, er macht ja sonst alles, was ich will.«

Wenn Frauen untereinander von den Bedingungen sprechen, zu denen sie sich für einen bestimmten Mann entscheiden würden, dann sagen sie gewiß nicht, daß es einer sein müßte, dem sie sich unterlegen fühlen, der sie beschützt (solches Geschwätz würde Gelächter provozieren) oder zu dem sie aufblicken können. Sie erwähnen vielleicht, daß sie einen Mann mit diesem oder jenem Beruf bevorzugen würden (Berufe stehen für Gehaltshöhe, Alters- und Witwenversorgung, die Fähigkeit, hohe Lebensversicherungsprämien zu zahlen). Oder sie sagen etwa: »Der Mann, den ich heiraten würde, müßte ein paar Jahre älter sein, min­destens einen halben Kopf größer und intelligenter als ich.« Das heißt dann nur soviel wie: Es fällt weniger auf und wirkt natürlicher, wenn an etwas älterer, intelligenterer und kräftiger Mensch einen jüngeren, klei­neren und dümmeren ernährt.

Frauen sind gefühlsarm

Es gibt viele Formen und Varianten weiblicher Dressurmethoden, und es würde zu weit führen, hier auf jede einzelne hinzuweisen. Nur zwei relativ harmlose seien noch einer näheren Betrachtung gewürdigt: die der »guten Manieren« des Mannes, und jene, welche die Unterdrückung seiner Emotionen zum Ziel hat.

Jeder Mann, der bei den Frauen Erfolg haben will (und welcher Mann möchte das nicht?), muß außer Intel­ligenz, Ehrgeiz, Fleiß, Ausdauer möglichst noch eine weitere Qualifikation mitbringen: Er muß wissen, wie man sich in Gegenwart von Frauen zu benehmen hat. Dafür gibt es bestimmte Normen, welche die Frauen eigens zu diesem Zweck erfunden haben: die sogenannten »guten Manieren«. Sie besagen, daß jeder Mann, der etwas auf sich hält, jede Frau zu jeder Zeit wie eine Königin zu behandeln hat und daß umgekehrt jede Frau, die etwas auf sich hält, einem Mann die Gelegenheit geben muß, sie jederzeit wie eine Königin zu behandeln.

Freilich wird eine Frau einen Mann schon allein unter der Voraussetzung heiraten, daß er reich ist. Hat sie
jedoch die Wahl zwischen einem reichen Mann mit schlechten und einen ebenso reichen mit guten Manie-
ren, wird sie natürlich den letzteren bevorzugen. Denn die Beherrschung der Regeln des guten Benehmens bürgt ihr dafür, daß diesem Mann der ideelle Wert der Frau durch eine zusätzliche Reihe bedingter Verhal­tensweisen so sehr in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß er ihn auch später, wenn sie für ihn weniger attraktiv sein wird, nie mehr ernsthaft in Frage stellt. »Beim Lachen wird man fröhlich«, sagen die Psycho­logen, oder »Der Glaube kommt mit dem Beten« Das ist richtig, trifft aber nur für den Mann zu: Wenn er die Frau wie ein höheres Wesen behandelt, wird sie für ihn ein höheres Wesen. Frauen können zwischen Wirklichkeit und Theater viel besser unterscheiden.

Die »guten Manieren« sind nicht, wie die anderen Dressurakte, tiefenpsychologisch verwurzelte Formen der Konditionierung. Sie werden den Kindern relativ spät anerzogen und sind so besonders leicht als Maß­nahmen weiblicher Ausbeutung zu erkennen. Es ist wirklich ein Rätsel, wie so alte Tricks auch heute noch erfolgreich sein können.

Welche Unverfrorenheit gehört doch zum Beispiel dazu, wenn eine Mutter ihrem Teenagersohn für seinen ersten Theaterbesuch mit einer jungen Dame etwa folgende Ratschläge mit auf den Weg gibt: »… du zahlst das Taxi, steigst aus, gehst um den Wagen herum, öffnest die Tür und hilfst der Dame beim Aussteigen … du geleitest sie die Stufen hinauf; dabei gibst du ihr den Arm oder gehst, wenn nicht genug Platz ist, hinter ihr, damit sie bei einem eventuellen Ausgleiten nicht stürzen kann … du öffnest die Türen für sie … hilfst ihr aus dem Mantel … bringst den Mantel zur Garderobe, besorgst ihr ein Programmheft … du gehst voraus und bahnst ihr den Weg durch die Reihen, in der Pause bietest du ihr Erfrischungen an …« Und so weiter. Dabei muß man noch bedenken, welche Qualen das Theater dem Mann an sich schon bereitet, weil es eine überholte Kunstgattung ist und weil so gut wie alle Stücke, die dort gezeigt werden (wie der größte Teil des »kulturellen Lebens« überhaupt), auf das intellektuelle Niveau der Frauen zugeschnitten sind. Er ahnt, daß sowohl er selbst, der die Frau dorthin begleitet, als auch der ganze Lakaienapparat von Intendanten, Schauspielern und Regisseuren, der sie dort erwartet, nur dazu da ist, ihr und ihrer Clique einen Ort zu bieten, an dem sie ihre schwachsinnigen Orgien feiern können – die darin bestehen, daß sie sich vor der Statisterie der schwarzgekleideten Männer gegenseitig ihre grotesken Maskeraden vorführen.

Der frivolste Aspekt der »guten Manieren« ist, daß sie den Mann in die Beschützerrolle zwingen. Das fängt ganz harmlos dort an, wo er hinter der Frau die Treppe hinaufsteigt und auf der Außenseite des Bür­gersteigs geht, und endet bei der Einberufung zum Militär- und Kriegsdienst. »Wenn es die Situation er­fordert«, lautet also eine der Benimmregeln, »so hat der Mann die Frau unter Einsatz seines Lebens vor Unannehmlichkeiten zu bewahren.« – Sobald er alt genug ist, wird er diese Regeln ohne Überlegung befol­gen: Die Dressur ist ihm längst vorausgeeilt, bei jeder Katastrophe wird er zuerst Frauen und Kinder retten, bevor er an sich denkt. Und wenn es sein Leben kostet!

Dabei gibt es wirklich keinen triftigen Grund, weshalb die Rollen nicht ebenso gut vertauscht werden soll­ten. Da die Frau gefühlsarm ist, könnte sie die Eindrücke der Kriegsgreuel viel leichter verkraften als der Mann, bei dem sie nicht selten psychische Dauerschäden hervorrufen. An den Anblick von Blut ist sie durch den Monatszyklus ohnehin gewöhnt, und die heutige Form der Kriegsführung erfordert weder kör­perliche Kraft noch Intelligenz, nur Zähigkeit. In jeder Statistik über die Lebenserwartung kann man nach­lesen, daß Frauen älter werden als Männer, also zäher sind. Eine normal entwickelte Nordamerikanerin, die während ihrer Schulzeit Sport getrieben hat, ist beispielsweise den viel kleineren Vietnamesen an Körper­kräften bestimmt nicht unterlegen. Ein GI kämpft also, wenn er gegen Asiaten Krieg führt, gegen Feinde, die nicht stärker sind als seine Freundinnen aus dem College.

Die erwähnte Gefühlsarmut zeigt sich auch darin, daß die Frau die Emotionen des Mannes unterdrückt, wo sie nur kann, und sich dabei noch in den Ruf bringt, gefühlvoll und sensibel zu sein.

Die Tränendrüsen sind winzige Flüssigkeitsbehälter, die, ähnlich wie die Harnblase, durch Training dazu gebracht werden können, dem Willen zu gehorchen. Es ist einem Erwachsenen möglich, sein Bett nicht zu nässen und nicht zu weinen. Beim männlichen Kind wird diese Dressur (wiederum durch Selbsterniedri­gung der Frau – »Ein Junge weint nicht!«, »Du bist doch kein Mädchen!«) durchgeführt. Beim weiblichen wird sie unterlassen, und dieses lernt das bald zu seinem Vorteil zu nutzen. Sieht ein Mann eine Frau wei­nen, dann wird er niemals denken, daß sie ihre Flüssigkeitsbehälter nicht unter Kontrolle hat: Er wird an­nehmen, sie sei von einem starken Gefühl überwältigt, ja er schließt dessen Stärke direkt aus der Flüssig­keitsmenge, die ihre Tränendrüsen absondern.

Das ist natürlich eine Fehlinterpretation, denn Frauen sind gefühlsarm – schon deshalb, weil sie sich keine Gefühle leisten dürfen. Gefühle könnten sie dazu verführen, einen für ihre Zwecke unverwertbaren Mann zu nehmen (einen, der sich nicht versklaven läßt), oder daß sie die Männer – die ihnen doch eigentlich sehr fremd sein müßten – überhaupt nicht ausstehen könnten und ihr Leben ausschließlich in der Gesellschaft von Frauen zubrächten (tatsächlich gibt es viel weniger homosexuelle Frauen als Männer, und sie sind meist reich oder zumindest finanziell gesichert).

Das alles würde für eine Frau aber bedeuten, daß sie denken, arbeiten, Verantwortung tragen und auf all jene Dinge verzichten müßte, an denen ihr gelegen ist. Weil sie das nicht will, entwickelt sie keine Gefüh­le, spielt jedoch nach außen hin die Gefühlvolle, damit der Mann nicht merkt, wie kalt und berechnend sie in Wirklichkeit ist. Da sie Gefühle immer nur imitiert, behält sie bei diesem Spiel immer einen freien Kopf und ist so in der Lage, die Gefühle ihres Partners für ihren eigenen Vorteil auszunutzen (man kann ein Ge­fühl nur dann berechnen, wenn man nicht zugleich selbst darin verstrickt ist). Dabei genügt es ihr nicht, daß der Mann glaubt, sie fühle sich so stark wie er. Er muß glauben, sie sei »als Frau« noch viel labiler, sensibler, irrationaler und gefühlsbetonter als er, denn nur so kann sie von vornherein jeden Verdacht von sich ablenken. – Die Vorbedingung für diesen Betrug schafft sie durch den soeben beschriebenen Dressur­akt.

Ein richtiger Mann weint nicht, lacht nicht laut (reserviertes Lächeln wirkt auf seine Umgebung sympa­thisch und auf seine Geschäftspartner seriös), zeigt keine Überraschung (er ruft nicht »ahhh …!«, wenn das Licht angeht, oder »ihhh …!«, wenn er mit kaltem Wasser in Berührung kommt). Er läßt sich nicht anmer­ken, wenn er sich anstrengt (sagt nicht »uff… ! «, wenn er eine schwere Kiste getragen hat), und singt nicht, wenn er fröhlich ist.

Und der Mann, der alle diese Gefühlsäußerungen bei der Frau erlebt, denkt nicht daran, daß er selbst seine Gefühle nur deshalb nicht zeigt, weil eben die Frau ihn gelehrt hat, sie nicht zu zeigen. Er nimmt ganz ein­fach an, daß die Gefühle der Frau unendlich viel stärker sein müssen als seine eigenen, wenn sie sie der­maßen unkontrolliert zur Schau stellt.

Ein Mann, der selbst nur dann weint, wenn ihn ein großes Unglück trifft (etwa beim Tod seiner Frau), muß annehmen, daß der Schmerz, den seine Frau empfindet, wenn sie – zum Beispiel einer verdorbenen Ur­laubsreise wegen – in Tränen ausbricht, ebenso stark ist. Und er wird sich einen gefühlsarmen Tölpel schel­ten, weil er diesen Schmerz nicht nachvollziehen kann. Welche Hilfe wäre es deshalb für die Männer, wenn sie wüßten, was für eiskalte, glasklare Gedanken eine Frau haben kann, während ihre Augen von einem Tränenschleier umflort sind!

Sex als Belohnung

Alle Dressuren gehen auf das Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzip zurück. Seine Anwendbarkeit wird von den jeweiligen körperlichen Kräfteverhältnissen zwischen Dompteur und Objekt bestimmt. Doch selbst bei der Dressur kleiner Kinder zeigt sich ein gewisser Trend zugunsten des Zuckerbrots: Es bietet den Vorteil, daß das kindliche Vertrauen in die Erwachsenen erhalten bleibt – die Kinder kommen mit ihren Problemen wei­terhin zu ihren Eltern und lassen sich so noch viel besser manipulieren, als wenn sie geprügelt worden wä­ren.

Hat ein gefangener Delphin einen Dressurakt gut gemacht, wirft ihm der Dompteur einen Fisch zu. Der Delphin ist auf Fütterung angewiesen, er tut dafür, was man von ihm verlangt. Ein Mann dagegen ist in der Lage, sich seine Nahrung selbst zu besorgen: Das Geld geht durch seine Hände. Er wäre also gewisserma­ßen unbestechlich, wenn er nicht noch ein anderes, sehr starkes Bedürfnis hätte, dessen Befriedigung er allein nicht schafft: sein Bedürfnis nach physischem Kontakt mit dem Körper einer Frau. Es ist so stark, und er empfindet bei seiner Realisierung soviel Lust, daß es vielleicht das stärkste Motiv für seine Unter­werfung unter die Frauen ist – ja, vielleicht ist seine Lust an der Unfreiheit nur eine Facette seiner Sexuali­tät. Er muß sein Bedürfnis befriedigen, und die Grundlage der Ökonomie ist noch immer der Tausch. Wer eine Dienstleistung verlangt, muß etwas entsprechend Wertvolles dagegen bieten. Nun verhält es sich so, daß die Männer die exklusive Benutzung der weiblichen Vagina zu Wahnsinnspreisen hochgesteigert ha­ben. Das ermöglicht der Frau einen sehr hohen Grad der Ausbeutung – und er stellt ja auch tatsächlich das konservativste kapitalistische System weit in den Schatten. Kein einziger Mann bleibt davon verschont. Und weil das Weibliche in erster Linie ein soziologisches Phänomen ist und kaum ein biologisches, blei­ben nicht einmal Homosexuelle vor Ausbeutung bewahrt. Der triebschwächere Partner findet bald die Ma­nipulierbarkeit des triebstärkeren heraus, fällt in die Rolle des Ausbeuters – der Frau – und benimmt sich entsprechend: Weiblich sein heißt den schwächeren Sexualtrieb haben.

Genauso, wie sich die Frauen keine großen Gefühle leisten können, verzichten sie auch auf eine ausge­prägte Libido (wie ließe sich sonst erklären, daß ein junges Mädchen sich seinem Freund verweigert, aber trotzdem von Liebe spricht?). Die Frau unterdrückt sie, den Ratschlägen ihrer Mutter folgend, schon wäh­rend der Pubertät im Interesse des Kapitals, das sie später daraus schlagen will. Früher war die »wertvolle« Braut jungfräulich, auch heute noch gilt ein Mädchen mit wenig Liebhabern für »wertvoller« als eines mit vielen. Die Keuschheit des Mannes war noch nie etwas wert (da den Frauen nichts an ihm liegt, liegt ihnen auch nichts an seiner Keuschheit). Ein Junge kann deshalb von einer erwachsenen Frau nur »verführt« werden, niemals vergewaltigt. Ein Mann, der mit einer Minderjährigen das gleiche tut, ist ein Sexualver­brecher, für den der weibliche Mob Zuchthaus fordert.

Ebensogut wie die Frau könnte auch der Mann seinen Sexualtrieb konditionieren – vorausgesetzt, er würde früh genug damit anfangen. Der Beweis sind die Mönche, die weitgehend ohne sexuelle Betätigung aus­kommen (niemand wird ernsthaft behaupten, daß diese große Gruppe von Männern aus Eunuchen besteht). Doch statt ihn unterdrücken zu lernen, läßt der Mann die Entwicklung seines Sexualtriebs fördern, wo es nur geht – selbstverständlich von den Frauen, denn vor allem sie sind an seiner Libido interessiert.

Während ein Mann jederzeit so gekleidet ist, daß sein Anblick auf keinen Fall beim anderen Geschlecht sexuelle Erregung hervorrufen könnte, beginnt die Frau bereits im Alter von zwölf Jahren, sich als Köder herauszu utzen. Sie betont die Rundun • en ihres Busens und ihrer Hüften in en • anlie • enden Kleidun • sstü­cken, macht in durchsichtigen Strümpfen auf die Länge ihrer Beine, auf die Form ihrer Waden und Schen­kel aufmerksam, schminkt Lippen und Augenlider feuchtschimmernd, tönt ihre Haare in leuchtenden Far­ben – und das alles zu keinem anderen Zweck, als damit die Gier des Mannes nach sexueller Betätigung zu erregen und ununterbrochen wachzuhalten. Sie bietet ihm ihre Ware so offen an, als läge sie in einem Schaufenster, und als bedürfe es nur der Überwindung einer winzigen Distanz, um sie zu besitzen. Was Wunder, daß der Mann, durch dieses unverhohlene Kaufangebot in ständige sexuelle Erregung versetzt, bald keinen anderen Gedanken mehr hat als den, genug Geld zu verdienen, um sich in den Besitz der ver­lockenden Ware zu bringen.

Denn ohne Geld oder zumindest ohne Aussicht auf Geld bekommt ein Mann keine Frau und somit keinen Sex. Es gibt zwar in der Beziehung zwischen den Geschlechtern das Kreditwesen – das heißt, daß eine Frau unter Umständen bereit sein wird, solang ihr Mann noch in der Berufsausbildung steckt, ihr eigenes Geld zu verdienen und ihm währenddessen schon -quasi als Vorschuß auf künftige Leistungen – ihren Körper zur Verfügung zu stellen. Aber in diesem Fall sind auch die Zinsen entsprechend hoch (der Beruf, den der Mann während dieser Zeit erlernt, muß so gut dotiert sein, daß sich die Investition der Frau lohnt). Im all­gemeinen gilt der Grundsatz, daß eine Frau um so teurer ist, je ansprechender ihre sekundären Ge­schlechtsmerkmale sind. Deshalb sollte ein Mann, wenn er einem anderen mit einer besonders attraktiven Frau begegnet, nicht deprimiert sein, sondern bedenken, wie teuer diese Frau diesem Mann zu stehen kommt.

Ökonomischer wäre es für den Mann auf jeden Fall, seinen Sexualtrieb bei Prostituierten zu befriedigen, statt sich in eine Ehe zu stürzen (bei Prostituierten im konventionellen Sinn – strenggenommen gehören ja die meisten Frauen in diese Gruppe). Doch da der Mann auch hier wieder nach dem Leistungsprinzip han­delt, auf das er dressiert ist, empfindet er Sex, für den er nicht viel bezahlt hat, als minderwertig. Sein Ge­nuß ist um so größer, je teurer die Frau ist, mit der er schläft. Und wenn er eine begehrte Frau nicht anders bekommt – oder wenn er keine andere Möglichkeit sieht, sie zu behalten -, bietet er den Höchstpreis und führt sie zum Standesamt.

Aus diesem Grund können die Frauen die offene Prostitution ruhig tolerieren. Da ihnen Eifersucht im Sinn des Mannes fremd ist (gelegentlich spielen sie Eifersucht, um ihrem Mann zu schmeicheln), macht es ih­nen nichts aus, Bordelle zu befürworten. Ebensowenig wie es ihnen je etwas ausgemacht hat, außereheli­che Amouren ihres Partners zu ignorieren oder, falls sie zu offensichtlich werden, zu verzeihen. Wie viele Frauen bleiben bei ihrem Mann, wenn er sie betrügt, und wie selten ist das Umgekehrte der Fall. – Ja, die Frau wünscht im Grunde nichts anderes, als daß ihr Mann fremdgeht, denn schlechtes Gewissen oder Dankbarkeit für Toleranz garantieren ihr zusätzliche Vorteile. Am liebsten ist es ihr aber, wenn diese au­ßerehelichen Amouren unter ihrer Kontrolle stattfinden; Partnertausch und Gruppensexpraktiken erschei­nen deshalb immer mehr Frauen als ideale Möglichkeit zur Neutralisierung der sexuellen Phantasie ihrer Männer. Diese Formen außerehelichen Verkehrs sind gratis (das Geld für die Prostituierte fließt in die diversen Haushaltskassen) und bringen keine gesundheitlichen Gefahren mit sich: Da die Beteiligten sich kennen, werden die Regeln der Hygiene besser eingehalten, als wenn jeder Mann für sich anonyme Bor­delle frequentiert (ansteckende Krankheiten sind ja das einzige, was die Frauen bei den sexuellen Abenteu­ern ihrer Männer wirklich befürchten müssen).

Was für eine Ironie, wenn die Männer ausgerechnet die gewöhnlichen Prostituierten so sehr verachten -gehören doch diese zu den wenigen Frauen, die ehrlich zugeben, daß sie mit der Vermietung einer be­stimmten Körperöffnung ihr Geld machen. Prostituierte, Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin, Fotomodell sind Berufe, die nicht von Männern ausgeübt werden. Doch während Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin, Fotomodell mit Netz arbeiten – das Netz ist der Mann, der sie auffängt, wenn sie keine Lust mehr haben -, ist die Prostituierte ohne jede Sicherung. Wird sie müde, steht niemand bereit, der nur auf diesen Augen­blick gewartet hat, und es gibt in unserer Gesellschaft keinen Mann, der sich von einer ehemaligen Prosti­tuierten so ausbeuten ließe wie von einem ehemaligen Fotomodell.

Die Frauen selbst verachten die gewöhnlichen Prostituierten ebenfalls, aber aus einem anderen Grund: Sie verachten sie wegen ihrer Dummheit. Eine Frau, die ihren Körper so ungeschickt verkauft, ist nach dem Intelligenzbarometer der Frauen einfach zu dumm. Sie bewundern nur solche Frauen, die Wucherpreise erzielen und zum Beispiel von einem der Rothschilds, Aga Khans oder Rockefellers geheiratet werden. Den Begriff vom »schmutzigen Gewerbe« haben sie nur zur Abschreckung der Männer geprägt, die viel­leicht sonst doch eines Tages Parallelen ziehen könnten. Das Grundprinzip von Sex als Belohnung ist bei allen Frauen gleich: Sie bieten sich dem Mann an, indem sie ihre Reize betonen, machen ihn lüstern, und wenn er dann brav seine Dressurkunststückchen vorzeigt, schenken sie sich ihm. Und da sie ihn immer und immer wieder aufgeilen, braucht er diese Belohnung immer und immer wieder. Nur Männer von geringer sexueller Potenz können es sich leisten, lang herumzugammeln und auf diese regelmäßigen Belohnungen zugunsten sporadischer zu verzichten. Ein Mann mit ausgeprägter Libido muß noch fügsamer sein als jeder andere – der »dynamische, unternehmungslustige, tatkräftige, begeisterungsfähige junge Mann«, den man in allen Wirtschaftszweigen so sehr begehrt, ist nichts weiter als ein total sexabhängiger Psychopath, der sich seine Ziele in bezug auf die Frauen besonders hoch gesteckt hat. Denn was, wenn nicht die Belohnung durch eine Frau, sollte einen jungen Mann dazu veranlassen, sich mit Begeisterung für den Verkauf eines x-beliebigen Markenartikels einzusetzen, während draußen vor seinem Bürofenster eine ganze Welt voll interessanter Abenteuer auf ihn wartet? Sein Trieb ist so stark, daß er auf die ganze Welt draußen verzich­tet und sich mit dem so schwer erbeuteten Geld eine Frau kauft. Doch nennt er diese Frau dann auch sein »Abenteuer« – sie ist niemals ein Ersatz für das Verlorene: Bei seiner Begegnung mit einer Frau verläuft alles nach dem strengen System von Angebot und Nachfrage, das festen Regeln gehorcht und bei dem Überraschungen selten sind.

Die alte Weisheit, das Schicksal der Frau sei ihre Anatomie, trifft tatsächlich zu, insofern man unter Schicksal etwas Positives versteht. Im negativen Sinn könnte dieser Spruch heutzutage allerdings eher auf den Mann passen, denn während die Frau von ihren anatomischen Besonderheiten profitiert, wo sie nur kann, bleibt er ewig Sklave der seinen. Die Erektion des männlichen Gliedes ist für eine Frau so grotesk, daß es ihr, wenn sie zum ersten Mal davon erfährt, vollkommen unmöglich erscheint, daß es so etwas ge­ben kann. Und wenn sie dann bemerkt, daß es nicht einmal der Gegenwart einer nackten Frau bedarf, um dieses Phänomen – das so simpel ist wie ein Patelar-sehnenreflex – zu erzeugen, sondern daß bereits der Anblick eines Filmes oder einer Photographie dazu genügt, kommt sie aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Es hat wohl nie etwas Absurderes gegeben als die Freudsche Illusion vom Penisneid. Das männliche Glied nebst Hodensäcken erscheint der Frau lediglich als etwas völlig Überflüssiges am sonst so aufgeräumten Körper des Mannes, als etwas beinahe Unordentliches (es ist ihr unverständlich, daß der Penis nach Gebrauch nicht wie die Antenne eines Kofferradios im Körper des Mannes versenkt werden kann), kein kleines Mädchen würde auf die Idee kommen – auch nicht im tiefsten Unterbewußtsein -, einen kleinen Jungen darum zu beneiden (daß es vor ihm benachteiligt wird, empfindet es schon gar nicht, denn es wird ja bevorzugt).

Freud war der Dressur durch weibliche Selbsterniedrigung zum Opfer gefallen, die seine Mutter und später seine Ehefrau – und wohl auch seine Töchter -an ihm durchgeführt hatten. Er verwechselte Ursache und Wirkung: Eine Frau denkt ja nicht, der Mann sei mehr wert als sie selbst, sie sagt es nur. Die Macht der Frau wäre eher ein Grund zum Neid – aber der Mann hat ja Lust an seiner Ohnmacht.
Die weibliche Libido

Die weibliche Sexualität bereitet den Männern Unbehagen. Denn sexuelle Erregbarkeit und Orgasmus las­sen sich bei der Frau – ganz im Gegensatz zum Mann – schwer kontrollieren. Die Männer sind also bei ih­ren Untersuchungen hauptsächlich auf jene Informationen angewiesen, die ihnen die Frauen freiwillig zu­kommen lassen. Und da eine Frau an wissenschaftlich exakten Ergebnissen in keiner Weise interessiert ist und immer nur an den nächstliegenden Vorteil denkt, wird sie immer nur gerade das aussagen, was ihr in dieser oder jener speziellen Situation opportun erscheint. Deshalb führen die vielen Untersuchungen – etwa über die Frigidität der Frau, über ihre Genußfähigkeit beim Geschlechtsakt, ob sie einen mit dem des Man­nes vergleichbaren Orgasmus hat – zu genau entgegen gesetzten Resultaten (es sei unterstellt, daß auch Masters & Johnson die Durchschnittsfrau nicht auf ihren Prüfstand bekamen). Der Mann schwankt daher zwischen der Annahme, die Frau habe überhaupt keinen Sexualtrieb, und alles sei nur Komödie, und der Furcht, sie sei in Wirklichkeit viel potenter als er (und verschweige ihm das aus Mitleid), ständig hin und her. Um sich Gewißheit zu verschaffen, arbeitet er immer neue, noch besser ausgeklügelte Fragen und Fra­gebogen aus, in der selbstverständlichen Erwartung, die Frauen beantworteten sie im Dienst der höheren Sache gewissenhaft. Eine trügerische Erwartung!

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte: Die Frauen sind zwar nicht wild auf Geschlechtsver­kehr (sonst gäbe es sicher mehr männliche Prostitution), andererseits ist ihnen der Geschlechtsakt auch nicht verhaßt, wie oft behauptet wird.

Die Frau existiert auf einem animalischen Niveau, sie ißt gern, trinkt gern, schläft gern, und auch Sex ge­fällt ihr – vorausgesetzt, sie versäumt dadurch nichts Besseres und muß sich dafür nicht übermäßig an­strengen. Im Gegensatz zum Mann würde sie nie größere Strapazen auf sich nehmen, um einen Partner ins Bett zu bekommen: Wenn sie ihn aber schon in ihrem Bett hat (und wenn sie nicht gerade eine kosmeti­sche Großaktion beabsichtigt oder im Fernsehen ein Programm läuft, das sie gern sehen würde), ist sie -vorausgesetzt, dieser Mann übernimmt die aktive Rolle – dem Geschlechtsverkehr durchaus nicht abge­neigt. Denn auch die schöne Bezeichnung »aktiv« für den männlichen Part und »passiv« für den weibli­chen kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich die Frau auch im Bett – wie sonst überall im Leben -vom Mann bedienen läßt. Auch wenn er dem Mann Lust verschafft, ist der Geschlechtsakt doch letzten Endes nichts weiter als eine Art Service an der Frau, bei dem der Mann der bessere Liebhaber ist, der einer Frau geschickter rascher und länger Lust verschafft.

Weil die Männer zumindest ahnen, daß eigentlich sie diejenigen sind, die während des Geschlechtsakts mißbraucht werden, hatten sie schon immer eine gewisse Angst vor der weiblichen Libido. Man findet diese Angst in vielen Riten vergangener Kulturen, in den philosophischen Werken Schopenhauers, Nietz­sches, in den Romanen Baudelaires, Balzacs, Monther-lants, in den Dramen von Strindberg, Tennessee Williams, O’Neill. Doch seit der Erfindung der Geburtenkontrolle durch Ovulationshemmer – der soge­nannten Anti-Baby-Pille – hat diese Angst hysterische Formen angenommen. Es werden ganze Bücher dar­über geschrieben, ob und wie sehr der Mann die Frau in sexueller Hinsicht fürchten müsse, ganze Zweige der Publizistik leben davon, den Männern Ratschläge für eine überlegene Rolle im Geschlechtsverkehr zu verkaufen.

Denn mit der Erfindung der medikamentösen Empfängnisverhütung hat sich der Mann (natürlich hat er diese Erfindung gemacht) des einzigen Triumphs beraubt, den er bei all seiner sexuellen Abhängigkeit von der Frau noch hatte: Sie war ihm in diesem Punkt in gewisser Weise ausgeliefert. Jetzt ist sie plötzlich auch hier überlegen: Sie kann Kinder haben, soviel, sowenig und von wem sie will (also möglichst von einem Reichen), und auch wenn sie keine Fortpflanzungsabsichten hat, kann sie den Geschlechtsakt voll­ziehen, sooft es ihr vorteilhaft erscheint.

Der Mann kann das nicht. Er hat sich immer den Anschein gegeben, seine sexuelle Potenz sei unendlich groß, und nur die Zurückhaltung der Frau hindere ihn daran, sie unter Beweis zu stellen. Doch heute muß er Farbe bekennen, heute kann sich jede Frau in der erstbesten Illustrierten darüber informieren, wie es um die männliche Potenz bestellt ist. Sie weiß jetzt, wie potent ein Mann in einem bestimmten Alter zu sein hat, ob er nachmittags potenter ist als nachts, ob er vor dem Essen potenter sein sollte als nachher, ob See­oder Gebirgsluft seine Potenz steigern, und wie oft hintereinander er in der Lage sein muß, eine Frau zu befriedigen. Und da die Männer die Statistik nie belügen – der männliche Mann lügt überhaupt nicht, Lü­gen ist für in ein Eingeständnis der Schwäche -, kann sie sich auf diese Daten hundertprozentig verlassen. Anhand der Tabellen, welche die Männer für sie ausgearbeitet haben, kann sie die Potenz eines bestimmten Mannes feststellen. – Nicht nur feststellen, sondern, daß der Geschlechtsverkehr kein Risiko mehr für sie birgt, mit der eines jeden beliebigen anderen vergleichen. Doch sie wird nicht – wie der Mann in seiner Angst glaubt – die Potenzen gegeneinander abwägen und sich für den Potentesten entscheiden. Da sie – wie bereits gesagt wurde – nicht wild ist auf Sex, wird sie (falls die anderen Bedingungen gleich sind) eher den weniger Potenten bevorzugen und mit ihren Intimkenntnissen erpressen.

Denn der Mann ist auf sexuellem Gebiet mehr noch als sonst ein Opfer des Leistungsprinzips, nach dem er dressiert wurde. Er gibt sich selbst Zensuren: dreimal hintereinander = sehr gut, zweimal = gut, einmal = befriedigend. Sexuelles Versagen bedeutet für ihn Versagen auf jedem Gebiet (auch wenn er ein brillanter Wissenschaftler ist, wird er nicht mehr glücklich werden). Die Frau weiß das und sieht darin mehrere Mög­lichkeiten, sich Vorteile zu verschaffen: a) Sie kann so tun, als wisse sie nicht, daß ihr Mann eine geringe Potenz hat, und ihn trotzdem für seine Potenz loben (vermutlich die am meisten verbreitete Methode), b) Sie kann den Mann glauben machen, seine geringe sexuelle Leistungsfähigkeit sei ein großes Handikap, und er könne sich glücklich schätzen, wenn sie trotzdem bei ihm bleibe, c) Sie kann drohen, ihn öffentlich bloßzustellen, wenn er sich ihr nicht genügend versklavt. Und weil der Mann sich noch lieber einen Dieb oder Totschläger schelten läßt als einen Impotenten, wird er sich in jedem Fall beugen und tun, was sie von ihm verlangt.

Die Potenz des Mannes hängt noch mehr als jede andere Körperfunktion von psychischen Faktoren ab, und wenn es einmal angefangen hat, gerät er tatsächlich mit der Zeit in immer größere Potenzschwierigkeiten. Er steigert sich in die Angst, die Frau nicht mehr zu brauchen, denn aufgrund seiner Dressur identifiziert er diese Abhängigkeit mit seiner Männlichkeit. Man muß sich den Widersinn einmal klarmachen: Er tut alles, um sich die Abhängigkeit von der Frau zu erhalten. Aphrodisiaka – früher unter dem Ladentisch verkauft und von Quacksalbern zubereitet – sind längst salonfähig geworden und Bestseller der pharmazeutischen Industrie. Sogar in seriösen Blättern häufen sich die Artikel über Beischlafschwierigkeiten, und Herrenwit­ze – die bekanntlich der männlichen Kastrationsangst entspringen – haben mehr denn je Hochkonjunktur, obwohl ihnen der »Witz« meistens fehlt. Die zahlreichen pornografischen Magazine kauft sich der Mann bestimmt nicht zum Vergnügen – amüsieren würde er sich auf einem anderen Niveau besser -, sondern in der verzweifelten Hoffnung, durch diese starken Reize immer fit zu sein und auf der Höhe seines Männ­lichkeitsmythos zu bleiben.

Und bei alledem ist er wieder einmal das Opfer seiner Gewohnheit, die eigenen Wertmaßstäbe für die Be­urteilung der Frau anzuwenden. Er glaubt, die Frau habe nun, da es eine zuverlässige Verhütungsmethode gibt, nichts anderes mehr im Kopf, als alles Versäumte nachzuholen und nur noch das zu machen, was er -wegen seiner gründlichen Dressur – für das höchste aller Vergnügen hält – Sex. Das ist selbstverständlich ein Irrtum – denn Sex ist zwar ein Vergnügen für die Frau, aber lang nicht das größte. Die Freude, die einer Frau ein Orgasmus verschafft, rangiert auf ihrer Wertskala weit hinter der, die ihr zum Beispiel der Besuch einer Cocktailparty bereitet oder der Kauf von einem Paar auberginefarbenen Lackstiefeln.

Die Angst der Männer, durch die neugewonnene Freiheit der Frauen von diesen sexuell übertroffen oder gar physisch geschwächt zu werden, ist deshalb absurd. Eine Frau wird einen Mann, der für sie sorgt, im­mer nur so weit außer Gefecht setzen, daß er am darauffolgenden Morgen pünktlich in seinem Bürosessel Platz nehmen kann. Weshalb sollte sie in diesem Punkt Risiken eingehen? Selbst eine feurige Geliebte wird, wenn ihrem Mann wegen durchlebter Nächte auch nur der geringste Nachteil in seiner beruflichen Laufbahn entstehen könnte, den Geschlechtsverkehr sofort auf ein ungefährliches Maß reduzieren. Nym­phomanische Frauen gibt es fast nur im Film und im Theater. Gerade weil sie im Leben selten sind, ist das Publikum auf sie neugierig (aus demselben Grund handeln so viele Filme und Romane von extrem reichen Leuten, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung ja auch sehr gering ist).

Wenn die Frauen an der männlichen Potenz interessiert sind, so hauptsächlich wegen der zu zeugenden Kinder. Kinder braucht die Frau – wie wir später noch sehen werden – zur Verwirklichung ihrer Pläne. Vie­le Frauen wären vermutlich froh, wenn die sexuelle Potenz ihres Ehepartners nach der Zeugung von zwei bis drei Kindern versiegen würde, ließen sich doch so für sie eine Unmenge kleiner Komplikationen ver­meiden.

Daß der Frau die körperliche Liebesfähigkeit des Mannes nicht so wichtig ist, beweist auch die Tatsache, daß gutverdienende Männer auch dann unbeirrt geheiratet werden und verheiratet bleiben, wenn sie impo­tent sind (man könnte sich umgekehrt kaum vorstellen, daß Frauen ohne Vagina irgendwelche Aussichten auf die Ehe mit einem normal veranlagten Mann hätten).

 

Dressur durch Bluff

Der starke Sexualtrieb des Mannes, seine hervorragende Intelligenz und sein Verlangen nach einem Sys­tem, das ihm seine große Verantwortung abnimmt (die er aufgrund eben dieser Intelligenz erkannt hat), gestatten der Frau die sinnvolle Verwertung von Institutionen, die eigentlich der Vergangenheit angehören: der Kirchen, Sekten und anderen Glaubensgemeinschaften einer jeglichen Richtung, die sie kaltblütig zur Dressur ihrer kleinen Kinder mißbraucht und deren Heere von Angestellten, die Geistlichen, ihr auch spä­ter, wenn diese Kinder erwachsen sind, als eine Art Polizeitruppe dienen, die darauf achtet, daß ihre Inte­ressen immer gewahrt bleiben. Dabei kommt es ihr zustatten, daß sie selbst, wie wir gesehen haben, weder gläubig noch abergläubisch ist. Auch die Männer glauben später nicht an die Lehren ihrer Kirche (es sei denn, eine Dressur wäre – wie etwa bei einem Priester – besonders gut gelungen), doch wenn man sie die­sen Lehren früh genug zuführt, kann man gewisse Archetypen in ihnen züchten, Maßstäbe für Gut und Böse, die nicht in ihrem Verstand verwurzelt sind, sondern in ihrem Unterbewußtsein, und die sie deshalb nie mehr vergessen können. Und diese Maßstäbe sind ihrem Wesen nach immer Maßstäbe der Frau.

Jedes Glaubenssystem gründet sich auf Dressur, denn es besteht aus einer gewissen Anzahl von Regeln oder Geboten und einem Katalog von Strafen, die der Übertretung dieser Regeln (der sogenannten »Sün­de«) folgen. Natürlich folgen diese Strafen niemals wirklich, denn der Glaube an eine Art Überbewußtsein ist ja ein System ohne reale Basis, und es gibt daher auch niemand, der von einer heimlichen Sünde wissen oder sie bestrafen könnte. Man sagt deshalb, daß Unglücksfälle, die sich sowieso ereignen, wie etwa Erd­beben oder der Verlust eines Freundes (früher, bei noch wenig entwickelten Naturwissenschaften, auch Seuchen, Mißernte, Blitzeinschlag), solche Strafen für begangene Sünden seien und daß man diese durch bedingungslose Unterwerfung unter die Regeln oder durch Buße (eine Art Gehirnwäsche) von sich selbst abwenden könne. Natürlich wird der Mensch in dem Maß, wie er seine Intelligenz entwickelt, diese Fikti­on durchschauen und das Ausbleiben der Strafen verifizieren können. Doch die tief verwurzelte Angst vor den Strafen (das Gefühl der Sünde), das in jenen ersten Jahren in ihm gezüchtet wurde, wird ihn auch als Erwachsenen nach Möglichkeit Handlungen meiden lassen, die in seiner Jugend als »böse« galten. Oder er wird, wenn er sie begeht, zumindest ein schlechtes Gewissen dabei haben.

Eine der Sünden, die sich in beinahe allen diesen Katalogen findet, ist die Freude am Geschlechtsakt, der nicht der Fortpflanzung dient. Und da die Männer – von den Frauen dazu provoziert – immer Lust auf Sex haben, dieser Lust so oft wie möglich nachgeben möchten und dabei nie an Fortpflanzung denken (wäh­rend des Orgasmus empfindet der Mann bestimmt jede Art von Freude, nur nicht die Freude auf das Kind, das er gerade zeugt – er wird also in diesem Augenblick noch mehr betrogen als gewöhnlich), verstoßen sie ständig zumindest gegen eine der Regeln ihres Kinderglaubens und tragen so immer ein Gefühl von Sünde mit sich herum. Die Frauen hingegen, die ihren Trieb konditioniert haben und den Geschlechtsakt meist aus einem bestimmten Grund ausführen, und nicht zu ihrem Vergnügen (Broterwerb, Fortpflanzung, Be­friedigung des Mannes – im letzten Fall also karitativ), begehen dadurch meist keine Sünde; selbst wenn sie darauf Wert legen würden, blieben sie von Gewissensbissen verschont. Im Gegensatz zum Mann, der zwar immer wieder gute Vorsätze faßt, diese jedoch in der Praxis nicht einhalten kann, hätten sie, auch

wenn sie daran glaubten, kein Schuldkonto bei ihrem System. In ihrem Hang zur Selbsterniedrigung, ihrem verstümmelten, unterdrückten Sexualtrieb (und auch in der Selbstverständlichkeit, mit der sie ohne einträg­liche Beschäftigung auskommen und andere für sich arbeiten lassen) ähneln sie jenen Figuren – Jesus, Gandhi -, die sie ihren Männern als Vorbilder anpreisen lassen. Vorbilder, die diese in ihrer Triebbeses­senheit natürlich nie erreichen können und die sie in ihrem Verdacht bestätigen, alle wirklich anbetungs­würdigen Qualitäten seien doch letzten Endes weiblich.

Dabei sind weder die Frauen am Sexualtrieb des Mannes sonderlich interessiert, noch deren Polizei. Das Tabu müßte nicht unbedingt Sex sein, sie haben es nur deshalb gewählt, weil Sex die größte und reinste -vielleicht die einzige – Freude des Mannes ist. Wenn er den gleichen oder einen noch größeren Genuß beim Essen von Schweinefleisch oder beim Rauchen empfände, würden sie natürlich sein Gefühl für Sünde mit der Zigarette oder dem Schweinefleisch koppeln. Hauptsache, er lebt überhaupt in Sünde – in Angst – und bleibt so manipulierbar. Der Katalog wird deshalb auch je nach Alter variiert. Für die Kleinen ist die Lüge Sünde, das Begehren fremden Eigentums oder die unzureichende Ehrerbietung gegenüber Vater und Mutter. Für die Älteren ist es die Lust auf Sex und das Begehren »des Weibes ihres Nächsten«.

Doch wie sollen sie diese Sünden erkennen, wenn sie zunächst weder die Regeln kennen noch das System, in dessen Namen sie errichtet wurden? Wie sollen sie an etwas glauben, daß es nicht gibt, oder sich einer Freude schämen, die niemand schadet? Da alles, was mit religiösem Glauben zu tun hat, dermaßen gegen die Logik verstößt, muß die Dressur in einem Alter durchgeführt werden, in dem man noch nicht logisch denken kann. Sie muß nach Möglichkeit an einem Ort stattfinden, dessen absurde Architektur der Absurdi­tät des Vorgetragenen entspricht und es so etwas weniger unglaubhaft erscheinen läßt. Und wenn möglich, sollten diejenigen, die diese Schulung im alogischen Denken betreiben, anders aussehen als gewöhnliche Menschen. Wenn es zum Beispiel Männer sind, die Frauenkleider tragen oder irgendeine andere Maskera­de, wird die Verwirrung und Einschüchterung der Kinder besser gelingen, und der Respekt, den sie vor diesen Wesen empfinden, wird sie auch bei späteren Begegnungen nie ganz loslassen.

Dabei haben die Frauen von Anfang an dafür gesorgt, daß ihre Lobby, die Geistlichen, ausschließlich aus Männern besteht. Denn erstens könnte es dem weiblichen Image schaden, wenn sie ihre Interessen selbst vertreten würden (man könnte sie womöglich für berechnend halten!), und zweitens wissen sie, daß der Mann nicht allzuviel von ihrem Verstand hält und daß sie deshalb immer nur über die Gefühle auf ihn ein­wirken können. Aber Ratschläge, die ihm ein anderer Mann erteilt – besonders einer, den er von Kind an als Respektperson kennengelernt hat -, wird er anhören und vielleicht sogar befolgen. Daß diese Ratschlä­ge immer den Frauen zugute kommen (sie raten zum Beispiel, bei einer ungeliebten Frau auszuharren oder für Kinder zu sorgen, die sie nicht gewollt haben), entspricht nicht etwa einer Feindseligkeit dieser Lobby gegenüber den »normalen« Männern, sondern ist eine direkte Konsequenz aus deren finanzieller Abhän­gigkeit von den Frauen.

Die Frauen könnten gut ohne Kirchen existieren (sie brauchen sie, wie gesagt, nur zur Dressur von Män­nern und Kindern oder als Kulisse zur Vorführung von Garderoben zu besonderen Gelegenheiten), die Kirche selbst wäre jedoch ohne die Unterstützung der Frauen schnell ruiniert. Wenn es der Frau einfiele, ihre Kinder nur noch außerhalb der Kirchen zu dressieren – was zuweilen schon geschieht -, wenn sie dar­auf verzichteten, das Kirchenschiff als den wirkungsvollsten Rahmen für ein weißes Kleid zu betrachten, und wenn sie sich bei der Trauzeremonie mit der Einschüchterung des Bräutigams durch einen Standesbe­amten begnügten, stünden die Kirchen innerhalb weniger Jahre vollkommen leer (in der Sowjetunion ha­ben die sogenannten »Heiratspaläste« die Kirchen als Kulisse ersetzt). Man würde sie plötzlich als das er­kennen, was sie sind, Relikte aus einer vergangenen Kultur, und ihnen unverzüglich alle staatlichen und privaten Zuwendungen sperren – die doch letzten Endes immer von Männern kommen, denn natürlich zahlt der Mann, da es sonst niemand für ihn tut, seine Peiniger stets selbst. Wenn daher jemand sagt, die Kirchen hätten erwiesenermaßen etwas Magisches an sich, weil sie mit ihren jahrtausende alten Lehren auch heute noch so viele Menschen in ihren Bann zögen, dann ist das ganz einfach eine Fehlinterpretation. Nicht die Kirchen haben dieses Magische, sondern die Frauen. Die Glaubensgemeinschaften sind längst zu Instru­menten der Frauen umgemünzt und tun wohl nie etwas anderes als das, was diese von ihnen verlangen.

Die Leidtragenden sind nicht zuletzt die Repräsentanten der Religionsgemeinschaften selbst. Sie wollen nichts weiter als ein friedliches, kampfloses Leben führen (freilich auf Kosten der männlichen Männer -aber die Frauen tun ja nichts anderes) und werden nun von den Frauen als eine Art Mafia benutzt, mit de­ren Hilfe sie ihre Kinder erschrecken, ihre Partner versklaven, den Fortschritt bremsen. Sie werden ge­zwungen (unter Boykottdrohung), bei besonderen Anlässen in einer lächerlich-weibischen Maskerade auf­zutreten, mit lauter Stimme groteske Lieder zu intonieren und vor einem – manchmal sogar intelligenten -Auditorium Schauermärchen zu verbreiten, die allen modernen theologischen Erkenntnissen widerspre­chen, die sie auf ihren Universitäten gelernt haben und mit denen sie sich vor diesem Auditorium unsäglich blamieren.

Denn mit der modernen Theologie, die dem Zucker-brot-und-Peitsche-Prinzip völlig entsagt, kann man niemand mehr schrecken und selten Leistungen steigern. Was die Frauen brauchen, sind die alten Ge­schichten aus der Mottenkiste von Himmel und Hölle, Engel und Teufel, Paradies und Jüngstem Gericht. Nur wenn der Tod eine Tür zu ewigem Glück oder ewiger Verdammnis ist, an der nach einem Punktsys­tem die auf Erden vollbrachten Leistungen im Sinne der Frau abgerechnet werden, ist er ein brauchbares Dressurmittel. Und wenn man das ewige Leben als etwas Wirkliches hinstellt, zu dessen Erwerb nur Treue und Sklaverei erforderlich sind, dann ist das den Interessen der Frauen viel zuträglicher, als wenn ihre Männer tatsächlich nach der biologischen Unsterblichkeit forschen würden, die womöglich dann doch ein paar Generationen auf sich warten ließe.

Von alledem bleiben die Frauen selbst natürlich ganz unberührt. Sie gehen in ihre Kirchen, wann immer es erforderlich scheint, und bleiben ohne Gewissensbisse fern, wann immer es ihnen paßt. Zu den großen Ze­remonien (die nie etwas anderes sind als Einschüchterungsversuche – Einschüchterungsversuche der Frau­en, nicht der Priester) erwerben sie mit viel Aufwand festliche Toiletten (Brautkleider, Taufkleider, Trau­erkleider, Firmungskleider) und stecken die sie begleitenden Männer in die gewohnten dunklen Anzüge. Sie spielen die Gläubigen, Abergläubischen oder auch die Zweiflerinnen, doch bei allem denken sie über den Glauben selbst nie nach. Die Erwägungen der Männer, ob es physikalische Voraussetzungen dafür gäbe, durch einen Zaubertrick auf dem Meer zu wandeln, Wasser zu Wein zu verzaubern oder durch Zau­berei »unbefleckt« ein Kind zu empfangen, lassen sie kalt. Sie sind, wie immer, auf die Sache selbst nicht neugierig, ihr Interesse liegt bei deren Verwertbarkeit. Und wenn sie auf einen Mann treffen, der einen anderen Glauben hat und zur Bedingung macht, daß sie den ihren aufgeben, tun sie es ohne Zögern.

Kommersialisierte Gebete

Die meisten Männer vergessen, wie gesagt, ihren Kinderglauben. Was bleibt, sind andressierte Verhal­tensmuster, wie etwa die Wahrheitsliebe, die Freude an der Arbeit oder die Lust an der Unfreiheit.

Vom moralischen Standpunkt aus ist das Recht auf Lüge eines jener Menschenrechte, die eigentlich jedem zustehen sollten, denn mit der Lüge kann man allzu dreiste Überwachungsversuche der Gesellschaft ab­wehren und so den eigenen Existenzkampf verringern. Ungünstig ist dabei nur, daß lügen nur dann sinn­voll ist, wenn nicht jeder lügt. Das heißt, damit jemand belogen werden kann, muß er wahrheitsliebend sein und das auch bei anderen voraussetzen. Die Lüge ist also gewissermaßen ein Luxusartikel, sie hat Sel­tenheitswert; und der muß – durch unablässige Verteufelung – im Interesse der Lügner unbedingt erhalten bleiben. Aus diesem Grund ist es so wichtig, daß die Frau den Mann zur Wahrheitsliebe dressiert: Nur wenn er die Wahrheit liebt, kann sie sich diesen Luxus leisten.

Die Wahrheitsliebe des Mannes ist für das Überleben der heutigen Gesellschaftsordnung, in der alle wich­tigen Arbeiten von Männern verrichtet werden, ohnehin Voraussetzung: Auf der Lüge könnte man keine funktionstüchtigen – das heißt logischen – Systeme errichten. In unserem hochentwickelten, arbeitsteiligen Gesellschaftssystem muß einer mit dem anderen zusammenarbeiten und sich auf dessen Daten vollkom­men verlassen können. Würden die Männer lügen – würden sie, nur weil es ihnen in einem Augenblick nützlich wäre, etwa falsche Angaben über die Abfahrtszeiten von Zügen, Kapazitäten von Frachtern oder Benzinvorräten von Flugzeugen an ihre Kollegen melden -, so hätte dies für das gesamte Wirtschaftssys­tem verheerende Konsequenzen; binnen kürzester Zeit entstünde ein komplettes Chaos.

Eine Frau kann ruhig lügen. Da sie nicht in den Arbeitsprozeß eingegliedert ist, schadet ihre Lüge immer nur einem einzelnen Menschen – meist ihrem Mann -, und sie nennt sie, wenn sie zuweilen doch ertappt wird, auch nicht »Lüge« oder »Betrug«, sondern »weibliche List«. Und solange sie nur »weibliche List« anwendet (solange es nichts mit einer körperlichen Untreue zu tun hat – das einzige Delikt, das ihr der Mann nicht verzeihen würde), findet niemand etwas Anstößiges an ihrer Lügerei. Es scheint dem Mann (wegen der an ihm vorgenommenen Dressur durch Selbsterniedrigung der Frau) ganz natürlich, daß eine Frau, schwach und abhängig wie sie ist, solche Listen gebraucht, um ihn, den starken, triebbesessenen Ko­loß (dieses »unselige Tier«), auf den richtigen Weg zu lenken. Und es ist deshalb kein Wunder, daß erfolg­reiche Erfahrungen in dieser Sparte unter den Frauen ganz offen diskutiert und sogar in ihren Gazetten, den Frauenzeitschriften, veröffentlicht werden können. Die Mütter geben sie an ihre Töchter weiter und diese an die ihren. Sie empfinden diesen Erfahrungsaustausch als völlig legitim, denn sie sind ja häufig dazu gezwungen, beide den gleichen Mann auszubeuten (erst den der Mutter, dann den der Tochter), und ihr ganzes Wohlergehen hängt davon ab, wie er pariert.

Natürlich sagen sie einem erwachsenen Mann nicht offen, daß er nicht lügen darf. Sie tun nichts weiter, als mit seiner Lüge Unlustgefühle zu verbinden. Das machen sie – wie wir gesehen haben – entweder über den Umweg der Glaubenssysteme, bei denen auf Lügen fiktive Strafen stehen, oder direkt, durch eine Art per­sönlicher Magie. Wenn eine Frau ihrem Kind sagt: »Lügen ist etwas Böses, du darfst deine Mutter niemals belügen«, dann bekommt das Kind automatisch beim Lügen Gewissensbisse. Sie braucht dieses »Böse« nicht weiter zu begründen, das Kind glaubt es einfach so, es ist darauf angewiesen, ihr zu glauben, und vertraut darauf, daß sie es ihrerseits auch nicht belügt (was natürlich Unsinn ist, denn Mütter belügen ihre Kinder ständig.

Es ist die gleiche Magie, mit der die Frau später ihren Mann überzeugt: »Untreue ist etwas Erbärmliches, du darfst mich nie betrügen«, oder bei den sogenannten »großzügigen« Frauen: »Wenn du mich betrügst, ist es nicht so schlimm, nur verlassen darfst du mich nicht.« Der Mann folgt diesem Befehl – denn es ist ein Befehl -, ohne dessen Berechtigung zu bezweifeln: Er wird eine solche Frau gelegentlich betrügen, doch verlassen wird er sie selten (obwohl doch das Eingeständnis einer solch maßlosen Gleichgültigkeit für ihn ein Signal zum sofortigen Aufbruch sein müßte).

Im Allgemeinen lügt der Mann nur in einer einzigen Situation, nämlich dann, wenn er – seinem starken Geschlechtstrieb folgend – eine Frau, die er liebt, trotzdem mit einer anderen betrogen hat. In diesem Fall bekommt er es dermaßen mit der Angst vor den möglichen Konsequenzen (daß die geliebte Frau etwa Gleiches mit Gleichem vergelten könnte), daß er eher die größten Unlustgefühle in Kauf nimmt, als die Wahrheit zu gestehen. Wenn es aber zum Beispiel darum geht, einen schweren, selbstverschuldeten Auto­unfall zu beichten, einen menschlichen Verrat oder einen verbummelten Arbeitstag, unterdrückt er seine Angst vor Komplikationen und erleichtert sich bei ihr lieber mit einem vollen Geständnis.

Bei der Frau verhält es sich genau umgekehrt: Sie verheimlicht ihrem Mann alles, nur nicht ihr Interesse an einem anderen Mann oder dessen Interesse an ihr. Wenn sich schon ein zweiter oder dritter Mann für sie interessiert, dann muß dieses Interesse auch umgehend kommerzialisiert werden und so einen Sinn be­kommen: Der Mann, dem sie es eingesteht, muß begreifen, daß es notfalls noch andere gibt, die für sie sorgen würden. Das wird augenblicklich seine Produktivität steigern und ihn wieder auf Trab bringen.

Über die männliche Lust an der Unfreiheit wurde in einem anderen Teil dieses Buches berichtet. Sie führt zur Religiosität und zu Gebeten. – Eine Modifikation der kindlichen Gebete sind die Schlager: Der frühere Gott wird kurzerhand direkt durch die viel glaubwürdigere Göttin Frau ersetzt (denn von ihr hängt ja tat­sächlich das Glück des Mannes ab), die Inhalte – Sehnsucht nach Unterwerfung, Bitte um Erhörung, Flehen um Gnade oder ganz einfach Idealisierung – bleiben praktisch gleich. Ob man singt »You’re driving me crazy… « oder »Befiehl du deine Wege…«, ob man singt »Fly me to the moon… « oder »So nimm denn meine Hände…«, kommt auf das gleiche heraus. Manche modernen Schlager besingen auch tatsächlich noch den alten Gott, man merkt dann nur an Formulierungen wie »du läßt alles wachsen« oder dergleichen, daß die Frauen nicht direkt gemeint sind.

Gebete und religiöse Lieder (vertonte Gebete) beschwichtigen die Existenzangst, weil sie immer an ein Überbewußtsein appellieren, von dessen Wohlwollen alles abhängt: Man kann sich gehenlassen, braucht um sein Glück nicht mehr selbst zu kämpfen, alles liegt ja in der Hand des Angebeteten. Je erwachsener der Mann wird, desto größer wird auch seine Angst (von der er jetzt weiß, daß sie begründet ist), und desto größer auch wird sein Verlangen, sich wenigstens für Augenblicke gehenzulassen und in die Allmacht ei­nes anderen zu begeben. Früher haben die intellektuellen Jünglinge Liebesgedichte verfaßt, die als Gebete eine ähnlich beruhigende Wirkung auf sie hatten. Heutzutage ist diese Form der Anbetung überflüssig ge­worden, denn das Angebot an Schlagern – die dunklen Triebe der Männer werden selbstverständlich immer auf deren eigene Kosten kommerzialisiert – wird von Jahr zu Jahr reichhaltiger, und viele Texte, wie bei­spielsweise die der Beatles, genügen jetzt auch höchsten Ansprüchen.

Natürlich gibt es auch Schlager, die den Mann anbeten: Wenn nämlich ein solches vertontes Gebet, das zunächst durch eine Männerstimme zum Hit wurde, nun auch von einer Frau gesungen werden soll. Im allgemeinen besingen die Frauen nicht den Mann, sondern die Liebe (was ihnen, da der Mann sie zur Liebe braucht, letzten Endes doch wieder selbst zugute kommt). Irgendwann müssen sie dabei entdeckt haben, daß es ihnen auch möglich ist, sich selbst zu besingen, ohne dabei allzu sehr aufzufallen. Seither preisen sie unbekümmert ihre eigene Göttlichkeit, ihre Unberechenbarkeit, ihre Grausamkeit oder die Selbstherr­lichkeit, mit der sie sich diesem oder jenem hingeben, ihn dadurch vernichten oder erlösen: »Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, denn das ist meine Welt und sonst gar nichts. Das ist, was soll ich ma­chen, meine Natur, ich kann halt lieben nur und sonst gar nichts. Männer umschwirren mich, wie Motten das Licht, und wenn sie verbrennen, – ja, dafür kann ich nichts!«

So singt Marlene Dietrich im »Blauen Engel«. Wenn die Frauen sich selbst so göttlich finden, wie göttlich müssen sie dann erst sein! Im Leben betreiben sie die Ausbeutung der Männer subtiler als in diesem Film, sie ruinieren sie vor allem nicht so rasch (niemand wird ein Huhn schlachten, das goldene Eier legt), son­dern im Lauf eines ganzen Lebens; daher lachten die Männer über die unglückliche Gestalt des Gymnasi­alprofessors, statt sich darin selbst zu erkennen. Heute singt Nancy Sinatra, etwas abgewandelt:

»These boots are made for walking and that’s what they’re going to do – one of these days these boots will walk an over you.«

– Ein Hit, denn das befriedigt ebensogut die Sehnsucht der Männer nach einer grausamen Göttin wie die Ansprüche der Frauen auf Allmacht.

 

Selbstdressur

Das Ideal eines Dompteurs wäre, ein Tier so weit zu bringen, daß es sich selbst dressiert. Das hat es bisher noch nicht gegeben. Beim Mann verhält es sich anders: Von einem bestimmten Stadium an tut er es (er ist ja viel intelligenter als seine Dompteuse). Wichtig ist dabei nur, daß er Ziel, Belohnung und Strafe immer vor Augen hat.

Wir haben bereits eine Variante dieser Eigendressur in der Idealisierung der Frau durch die Schlagerindust­rie kennengelernt. Die beste Möglichkeit zur Selbstdressur bietet jedoch die Werbewirtschaft; dort ideali­siert er die Frau nicht, weil es ihm masochistische Lust verschafft, sondern weil diese Idealisierung für ihn zu einer Frage des Überlebens wird. Nur die Ausbeuterinnen haben genug Zeit und Geld, seine Produktion zu kaufen und zu konsumieren. Um die Frau in seiner eigenen Vorortvilla mit Kaufkraft zu versehen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als ganze Legionen ebenso kauflustiger Frauen in anderen Vorortvillen zu züchten, die seine Produkte kaufen. Er dreht sich dabei in einem Teufelskreis, und er dreht sich immer schneller, bis ihm der Atem ausgeht und ein anderer seine Rolle übernimmt. Aussteigen und davonlaufen gibt es nicht.

Die Marktforschungsinstitute fahnden vorzugsweise nach unbewußten weiblichen Wünschen (die anderen sind ja längst befriedigt) und verkaufen ihre Trophäen für viel Geld an die Konsumgüterindustrie. Die be­eilt sich, die erkannten »Marktlücken« – als wenn es welche wären – zu schließen. Auch der umgekehrte Weg wird gegangen: Männer produzieren von sich aus einen neuen Artikel, von dem sie sich ausrechnen, daß die Frauen nach einer entsprechenden Werbekampagne Geschmack daran finden könnten. Sie beauf­tragen dann eine Werbeagentur damit, die Sehnsucht nach dem neuen Produkt zu wecken. Sie muß nicht immer erfolgreich sein. Es ist zum Beispiel in keinem europäischen Land gelungen, Fertighäuser nach amerikanischem Vorbild im großen Stil zu verkaufen.

Alle paar Jahre geht wegen dieser kostspieligen Förderung weiblicher Konsumfreudigkeit eine Welle der Entrüstung durch die Reihen der Männer, denn das Klischee von der Frau als Opfer männlicher Ausbeu­tung ist in ihrem Bewußtsein so stark verankert, daß sie noch bei einem so eindeutigen Beweis ihrer eige­nen Ausbeutung mit Blindheit geschlagen sind. Die Frau werde, sagen sie, durch die Werbung manipuliert, ihre Naivität und Gutgläubigkeit (sprich Dummheit) werde in schamloser Weise zu Zwecken der Absatz­steigerung mißbraucht. Diese Männer sollten sich doch besser einmal fragen, wer denn hier manipuliert wird: derjenige, dessen verborgenste Wünsche entdeckt, gehätschelt und befriedigt werden, oder jener, der (um sich die Zuneigung des ersten zu erhalten oder zu erwerben) diese Wünsche entdecken, hätscheln und befriedigen muß? Es galt dem Mann schon immer als höchstes Ziel, die geheimen Wünsche einer geliebten Frau zu erfüllen, »von ihren Augen abzulesen«, wie es in konventionellen Romanen heute noch heißt. Es ist soweit: Es gibt keinen weiblichen Wunsch mehr, der verborgen bliebe, und fast keinen, der nicht durch entsprechende Anstrengung erfüllbar wäre.

Daß so die Frauen notgedrungen immer noch dümmer werden und die Männer immer noch intelligenter -daß sich also der Abstand immer mehr vergrößert, eine Verständigung immer unmöglicher wird -, fällt kaum noch auf. Es ist ein biologisches Grundprinzip, daß Intelligenz sich nur im Wettbewerb entwickelt. Die Frau aber steht außerhalb jeden Wettbewerbs, das Überangebot an Komfort schläfert sie ein und läßt auch die letzten Überbleibsel ihrer geistigen Anlagen verkümmern. Während der Mann, gerade wegen des weiblichen Komfortsbedürfnisses, immer neue Geldquellen erschließen und seine Erfindungsgabe zu im­mer größeren Leistungen anspornen muß, wird seine von steigendem Luxus umgebene Frau von Tag zu Tag stumpfer und gleichgültiger. Und so wird der Begriff der Weiblichkeit, der bisher einfach nur Gebär­fähigkeit und Käuflichkeit bezeichnete, immer mehr zu einem Gütezeichen für Gebärfähigkeit, Käuflich­keit und Schwachsinn.

Wenn Marx recht hat und es tatsächlich zutrifft, daß das Sein das Bewußtsein bestimmt – also zum Beispiel die Antibabypille die Sexualmoral und das Atompatt die Friedensideologien -, dann ist das Bewußtsein der westlichen Frau, deren Lebensbedingungen sich in den letzten zwanzig Jahren grundlegend gewandelt (»verbessert«) haben, in einem akuten Stadium der Veränderung begriffen. Und diese Veränderung – die nur in der vollständigen Verblödung der Frauen enden kann – ist deshalb so gefährlich, weil niemand sie bemerkt. Denn das Image der Frau wird heute nicht mehr von der Frau selbst gemacht, sondern von der Werbung – vom Mann also -, und sobald jemand an ihrem hohen Wert irgendwie zweifeln könnte, stehen hundert zündende Werbeargumente dagegen. Die Frau ist witzig, geistreich, erfinderisch, phantasievoll, warmherzig, praktisch und immer geschickt, sagt die Werbung. Milde lächelnd, wie eine Göttin, serviert sie ihrer dankbaren Kinderschar das neueste Instantgetränk, die Augen ihres Mannes sind anbetend auf sie gerichtet, weil ihm ihr neues Fertiggericht besonders gut schmeckt oder weil sie ihm gerade ein Frottee­handtuch reicht, das durch ein neues Spülmittel noch weicher ist als gewohnt. Dieses Image – das der Mann für den Verkauf seiner Konsumgüter braucht und aus diesem Grund eigens geschaffen hat – wird auf der ganzen westlichen Hemisphäre über alle Massenmedien pausenlos wiederholt und jeden Tag neu ge­festigt. Wie sollte da noch jemand auf die Idee kommen, die Frauen seien in Wirklichkeit dumm, phanta­sielos und unsensibel? Die Frau kann es nicht, und der Mann darf es nicht.

Die Frau ist der Kunde, der Mann der Verkäufer. Einen Kunden gewinnt man nicht, indem man sagt: Das ist etwas Gutes, das mußt du kaufen. Man sagt: Du bist großartig, warum solltest du dich mit minderwerti­gen Dingen umgeben; du hast Komfort verdient, er steht dir zu! Der Mann muß also die Frau, abgesehen von allem anderen, auch noch deshalb loben, weil er sie als Kundin braucht. Es fällt auf, daß er sich hier eines ähnlichen Tricks bedient wie die Frau bei der Dressur an ihm. Doch leider so, daß er sich gegen ihn selbst kehrt: Sie lobt ihn, damit er für sie arbeitet, er lobt sie, damit sie sein Geld ausgibt. Wenn er der Frau seines Nachbarn schmeichelt und ihr dabei einen neuen Teppichboden für ihr Wohnzimmer aufschwatzt, muß er damit rechnen, daß der gleiche Nachbar am nächsten Tag seiner eigenen Frau eine beheizbare Ba­dewanne andreht – denn womit sollte er sonst den Teppichboden bezahlen?

Der Mann sitzt in der Falle, er hat sie sich selbst gebaut: Während draußen der Kampf ums Geld immer härter wird, verblödet ihm zu Hause seine Frau, und seine Wohnung füllt sich von Tag zu Tag mehr mit jenem Plunder und Schnickschnack, mit dem sie die Verblödung der Frauen seiner Konkurrenten finan­ziert. Der Mann, der eigentlich das Schlichte und Funktionale liebt, findet sich jeden Tag mehr in einem Gestrüpp aus Schnörkeln und allerlei Zierat. In seinem Wohnzimmer häufen sich Porzellankatzen, Barho­cker, Glastische, Kerzenständer und seidene Kissen, in seinem Schlafzimmer sind die Wände tapeziert mit Blümchenstoff, in seinen Schränken stehen zwölf Sorten verschiedener Gläser, und wenn er in seinem Ba­dezimmer einen Platz für seinen Rasierapparat sucht, sind alle Borde belegt mit den tausend Cremes und Schminkutensilien seiner kunstgewerblerisch bemalten Frau.

Dabei ist es interessant, daß man auch ihm selbst fast nur solche Produkte verkaufen kann, die irgendwie der Frau zugute kommen: Sportwagen (um Frauen zu ködern), Luxusartikel für die Frau oder Dinge für den Haushalt (also auch für die Frau, der dieser Haushalt de facto gehört – er selbst ist ja ein Heimatloser, der zwischen einem Büro und einem Bungalow hin und her pendelt). Die Frauen selbst würden ihren Män­nern von deren Geld gern auch etwas kaufen, und sie versuchen es auch, wann immer man ihnen dazu Ge­legenheit gibt (sie schenken ihnen Krawatten, bunte Freizeithemden, Aschenbecher, Brieftaschen, so oft es nur geht). Das Problem besteht darin, daß ein Mann so wenig braucht: Seine Kleidung ist genormt und daher billig, sein Konsum an Speisen und Getränken ist schon im Interesse seiner Leistungsfähigkeit be­schränkt, und für den Konsum anderer Güter – außer der Zigarette, die er während der Arbeit raucht – hat er keine Zeit. Alle Anstrengungen der Industrie, Männer zum Konsum von Duftwässern, Haarsprays oder farbenfroher -also modisch kurzlebiger – Kleidung zu überreden, waren bisher mehr oder weniger vergeb­lich. Nur sehr junge Männer (deren Arbeitsproduktivität für die Frauen noch ungenügend ist), Reiche (die ohnehin »geliebt« werden), Künstler (eine Art Amüsiertruppe der Frauen) oder Päderasten gehen nach der jeweils neuesten Dandymode. Es ist zum Beispiel trotz aller Bemühungen der Werbeleute nicht gelungen, den sogenannten »Vatertag« zu etablieren, während der »Muttertag« in jedem Jahr für alle Branchen ein glänzendes Geschäft ist. An dem Tag, an dem sie eigentlich gefeiert werden sollten, gehen die Männer bestenfalls für ein paar Stunden in irgendein Lokal und trinken dort in Ruhe ein Glas Bier.

Es gibt außer Essen, Trinken und Rauchen nur noch eine Tätigkeit, bei der der Mann selbständig konsu­miert: nämlich dann, wenn es darum geht, seinen Sexualtrieb zu befriedigen. Es ist daher kein Wunder, daß inzwischen ganze Wirtschaftszweige darauf spezialisiert sind, diesen Trieb auszubeuten, das heißt, ihn aufzugeilen und seine ohnehin schon große Lust auf Sex zu vervielfachen. Befriedigen muß er diese Lust dann allerdings, zum üblichen Preis, bei einer Frau.

Da diese Unternehmen selbstverständlich in der Hauptsache von Männern betrieben werden, bedeutet dies, daß der Mann (zum Überleben) in der peinlichen Lage ist, seine Geschlechtsgenossen selbst aufgeilen zu müssen. Er züchtet deren Lust auf die Frau mit allen irgendwie dazu geeigneten Mitteln und verführt dabei ebenso gründlich wie Alexander Pawlow bei seiner berühmten Dressur am Hund. So wie dieser die Spei­chelsekretion des dressierten Hundes nicht nur beim Anblick einer Mahlzeit bewirken konnte, sondern bereits auf ein bestimmtes Klingelzeichen hin, kann der Mann die Erektion seiner Geschlechtsgenossen nicht nur durch die Anwesenheit einer Frau, sondern schon durch das Foto eines halbnackten Busens, ei­nen Seufzer auf einer Schallplatte oder einen bestimmten Satz in einem Buch bedingen. Deshalb produziert er solche Anregungen gleich serienmäßig und stellt sie den anderen Männern gegen bares Geld zur Verfü­gung. Dieser Mechanismus kommt natürlich nicht nur der Erotika-Industrie zugute, sondern auch noch allen anderen Industriezweigen, die dem Mann für die Frau etwas verkaufen wollen, denn auch Konsum­güter für Frauen werden ihm mittels attraktiver Frauenbusen leichter verkauft. Er erwirbt ein bestimmtes Buch, geht in einen bestimmten Film oder liest ein bestimmtes Magazin, weil er sich dabei einen Kitzel für seinen Sexualtrieb erhofft, und ganz nebenbei wird so noch seine Lust auf eine Weltreise zu zweit, ein Wochenendhaus in den Bergen oder einen neuen Sportwagen erweckt.

Eines der am besten gemachten Zeugnisse dieser Variante männlicher Selbstdressur ist das amerikanische Herrenmagazin »Playboy«, wo dem Mann zwischen wundervollen Busen, die seine Lust entfachen, und hervorragenden theoretischen Abhandlungen, die ihn unterhalten (und ihm Gelegenheit geben, sich vor dem nächsten Busen von seiner Erektion zu erholen), abwechselnd teure Autos, Spirituosen, überflüssige Kleidung und Tabakwaren angeboten werden. Auf Frauen wirken solche Magazine gespenstisch, doch beim Mann scheint sich der Busenkult inzwischen so weit verselbständigt zu haben, daß ihm jedes Maß für das Groteske seiner Situation abhanden gekommen ist. Die Industrie, die seinen Sexualtrieb ausbeutet, suggeriert ihm so geschickt, daß der weibliche Busen zur Lust des Mannes da ist, daß er darüber ganz ver­gessen hat, wozu die Frauen ihre Brüste wirklich haben. Die Illusion gelingt hundertprozentig, denn seit der Erfindung des vollwertigen Muttermilchersatzes bekommt er kaum noch ein saugendes Baby zu Ge­sicht.

 

Kinder als Geiseln

Daß Kinder über alle Maßen liebenswert sind, ist noch lang keine Rechtfertigung dafür, sie auf die Welt zu bringen: Wer Kinder macht, macht Erwachsene – also Männer und Frauen. Die meisten Männer leben aber als Erwachsene in der Hölle. Und das Glück der Frauen ist dermaßen primitiv und geht zudem so sehr auf Kosten anderer, daß es auch keinen Grund dafür geben kann, Frauen zu machen.

Es entspräche nicht der Wahrheit, wenn man behaupten wollte, nur Frauen seien an der Zeugung von Kin­dern interessiert: Auch Männer wünschen sich Kinder, denn diese gehören zu den zwei bis drei Ausreden, mit denen sie nach außen hin ihre Unterwerfung unter die Frau rechtfertigen können. Die Frau hingegen rechtfertigt damit ihre Faulheit, Dummheit und Verantwortungslosigkeit. So mißbraucht jeder das Kind für seine eigenen Zwecke.

Obwohl die Welt voll ist von halbverhungerten Waisen, bekommt jedes Ehepaar immer wieder seinen ei­genen Nachwuchs. Denn der Mann muß ja einen Grund dafür haben, daß er sich auch später noch, wenn sein sexuelles Begehren längst nachgelassen hat, einer bestimmten Frau versklavt (der Mutter seiner Kin­der) und nicht irgendeiner anderen. Da für ihn die Frau vor allem ein Alibi zur Unterwerfung ist, kann er zur gleichen Zeit immer nur eine gebrauchen (in jeder Industriegesellschaft ist der Mann monotheistisch -das heißt monogam – veranlagt), mehrere Götter (Frauen) würden ihn unsicher machen, seine Identifikati­on mit sich selbst erschweren und ihn in jene Freiheit zurückstoßen, vor der er ständig auf der Flucht ist.

Für die Frau zählen solche Gründe nicht. Da sie nicht abstrakt denkt, hat sie, wie wir gesehen haben, auch keine Existenzangst und kein Bedürfnis nach einem Gott, der ihrer Welt einen höheren Sinn gäbe. Sie braucht nur eine Ausrede dafür, daß ausgerechnet dieser spezielle Mann für sie arbeiten soll (der längst nicht mehr sonderlich gern mit ihr ins Bett geht), und dafür braucht sie Kinder von eben diesem Mann. Angenommen, auf unserem Planeten würde Männerüberschuß herrschen und auf jede Frau kämen bei­spielsweise drei Männer, dann hätte die Frau selbstverständlich keinerlei Hemmungen, sich von jedem der drei ein Kind machen und ihn für dieses Kind (das heißt, für sie selbst) arbeiten zu lassen. Sie könnte dann diese drei Männer gegeneinander ausspielen und dadurch deren Leistungen – und somit ihren eigenen Komfort – enorm steigern. Sie wäre – entgegen der landläufigen Auffassung – zur Polygamie viel eher prä­destiniert als der Mann.

Ein Mann, der mit einer Frau Kinder zeugt, gibt ihr Geiseln in die Hand und hofft, daß sie ihn damit bis in alle Ewigkeit erpressen wird. Nur so hat er in seinem absurden Dasein einen Halt und die sinnlose Sklave­rei, auf die er dressiert wurde, eine Rechtfertigung. Wenn er für Frau und Kind arbeitet, arbeitet er nicht nur für zwei Menschen, von denen der eine nichts tun will, weil er weiblich ist, und der andere nichts tun kann, weil er noch zu klein ist. Er arbeitet für etwas, das mehr ist als diese Frau und dieses Kind: für ein System, das alles umschließt, was arm, hilflos und schutzbedürftig ist auf dieser Welt (das Arme und das Hilflose und das Schutzbedürftige an sich) und das -wie er glaubt – seiner bedarf. Durch Frau und Kind schafft er sich ein Alibi für seine Sklaverei, eine künstliche Rechtfertigung für seine trostlose Existenz, und er nennt dieses System, diese heilige Gruppe, die er sich willkürlich geschaffen hat, seine »Familie«. Die Frau nimmt seine Dienste im Namen der »Familie« freudig entgegen: Sie akzeptiert die Geiseln, die er ihr anvertraut, und macht damit, was er sich wünscht (kettet ihn immer fester an sich und erpreßt ihn bis an sein Lebensende) – und zieht daraus den Nutzen.

Beide, Mann und Frau, haben also nur Vorteile von ihren Kindern (sonst würden sie ja keine zeugen). Der

Mann hat den Vorteil, dadurch seinem Leben rückwirkend einen höheren Sinn zu geben und sich auf ewig versklaven zu dürfen, und die Frau hat alle übrigen Vorteile. Diese Vorteile müssen für sie enorm sein, denn so gut wie jede von ihnen kann wählen zwischen Berufsleben und Kindern, und so gut wie jede wählt die Kinder.

Man könnte hier einwenden, daß die Frauen sich nur deshalb für Kinder entscheiden und nicht für den Be­ruf, weil sie Kinder lieben. Dagegen ist zu sagen, daß eine Frau so großer Gefühle, wie sie eine reine Liebe zu Kindern erfordern würde, gar nicht fähig ist. Der Beweis ist dadurch gegeben, daß so gut wie alle Frau­en sich immer nur um ihre eigenen Kinder kümmern und nie um fremde. Sie nehmen sich nur dann eines fremden Kindes an, wenn sie aus medizinischen Gründen keine eigenen bekommen können (und auch dann erst, wenn alle Versuche gescheitert sind, inklusive künstlicher Befruchtung durch den Samen eines fremden Mannes). Obwohl die Waisenhäuser der ganzen Welt voll sind von reizenden, hilfsbedürftigen Kindern, und obwohl Fernsehen und Zeitungen fast täglich die Zahlen der kleinen Afrikaner, Inder und Südamerikaner veröffentlichen, die den Hungertod gestorben sind, nehmen die Frauen – die doch vorge­ben, Kinder zu lieben – eher noch einen streunenden Hund oder Kater in ihr Heim auf als ein verlassenes Kind. Und obwohl in jedem Nachrichtenmagazin die hohe Rate der Mißgeburten nachzulesen ist, die jähr­lich gezeugt werden (eines von sechzig – Kinder mit Wasserkopf, fehlenden Gliedmaßen, blinde, taube, schwachsinnige Kinder), lassen sie sich dadurch nicht beeindrucken und setzen – als wären sie durch einen bösen Zauber dazu verurteilt – eines nach dem anderen in diese Welt. Wenn eine von ihnen dann solch einen mißgestalteten Menschen geboren hat, fühlt sie sich dadurch nicht in ihrem Egoismus entlarvt und zur Verantwortung gezogen: Als Mutter einer Mißgeburt wird sie in unserer Gesellschaft wie eine Märty­rerin verehrt. Von einer Frau, die ein schwachsinniges Kind geboren hat, spricht man mit dem allerhöchs­ten Respekt, und wenn sie noch kein gesundes Kind hat, wird sie so rasch wie möglich eines bekommen, ein »normales«, das wie die Kinder der anderen Frauen ist, um ihre Gesundheit zu beweisen (und sie zwingt damit dieses gesunde Kind, seine ganze Jugend, sein ganzes Leben in der Gesellschaft eines Schwachsinnigen zu verbringen).

Daß die Frauen Kinder nicht lieben und nur zu ihrem Vorteil mißbrauchen, ist deshalb so schwer zu entlar­ven, weil Schwangerschaft, Geburt und die Betreuung eines sehr kleinen Kindes tatsächlich mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden sind. Doch wie gering sind diese Unannehmlichkeiten gegen das, was sie dafür eintauschen: lebenslange Sicherheit, Komfort und Freiheit von Verantwortung. Was müßte ein Mann auf sich nehmen, um etwas annähernd Gleichwertiges für sich zu erreichen?

Daß eine Schwangerschaft nicht so unangenehm ist, wie es scheint, hat sich inzwischen sogar schon bis zu den Männern herumgesprochen. Manche Frauen fühlen sich während dieser- Zeit besonders wohl, und es ist neuerdings Mode geworden, das sogar offen zuzugeben. Daß sie alle dadurch häßlich und unansehnlich werden, mit klobiger Figur, aufgedunsenem Gesicht, fleckiger Haut, spröden Haaren und geschwollenen Beinen, braucht sie wenig zu kümmern. Sie suchen ja während dieser Zeit keinen Mann, sie haben schon einen, und wenn der mit ansehen muß, wie seine Frau sich vom Schmetterling zur Raupe wandelt, hat er sich das ja selbst zu verdanken. Es ist ja sein Kind, das sie erwartet, er hat sie dermaßen entstellt – welches Recht hätte er da, sie plump und abstoßend zu finden (außerdem ist sie ja gerade dabei, ihm »ihre Jugend zu schenken«)?

Über den Gebärvorgang selbst grassieren noch Gerüchte, die so furchterregend sind, daß der Mann nie auf die Idee kommen kann, eine Frau bekäme ihre Kinder zu ihrem eigenen Vorteil und nicht zu seinem. Die Redensart »Sie schenkte ihm ein Kind«, die früher in den Romanen vorkam, gerät zwar in der Literatur allmählich aus dem Gebrauch, im Bewußtsein der Männer ist sie jedoch immer noch stark genug verwur­zelt, um bei der Geburt ihrer Nachkommenschaft nichts als Schuldgefühle in ihnen zu erzeugen (Schuldge­fühle, wohlgemerkt, gegenüber der Frau, nicht etwa gegenüber dem Neugeborenen!).

Ein Mann müßte sich nur einmal vorstellen, daß er sich durch eine sechsstündige Sitzung bei seinem Zahnarzt eine kleine Lebensrente verdienen könnte – würde er das nicht tun? Natürlich gibt es zuweilen auch schwierige Geburten (sie sind wegen der Narkose weitgehend schmerzlos), im Allgemeinen jedoch ist die Entbindung von einem Kind für eine Frau nicht schlimmer als eine lange Sitzung beim Zahnarzt. Was die Männer von ihren Frauen über den Geburtsvorgang erfahren, sind meist schamlose Übertreibun­gen. Die wüsten Schreie, die häufig durch die Türen der Entbindungszimmer zu ihnen dringen, lassen sich am besten durch fehlenden Stolz und mangelnde Selbstbeherrschung erklären (beides wurde an anderer Stelle ausführlich erläutert). Seit Jahren gibt es die schmerzlose Geburt, bei der Frauen ihre Kinder nach einer Vorbereitungszeit mit Gymnastik und autogenem Training ohne Narkose zur Welt bringen und sich nicht beklagen. Die Frauen täten deshalb gut daran, sich zu verabreden, ob die Entbindung von einem Kind nun weh tut oder nicht. Solang die einen dies erzählen und die anderen jenes, bringen sie sich in Mißkredit und schaden so der gemeinsamen Sache.

Natürlich hat die Frau für das Erzeugen kleiner Menschen noch ein paar andere Gründe als den, daß sie sich damit einen Anstrich von Hilflosigkeit gibt und so ihre Tage bei leichter Arbeit und ohne Vorgesetzte verbringen kann. Zum Beispiel entdeckt sie eines Tages, daß ihr Körper wie ein Automat funktioniert, in den man nur etwas ganz Unscheinbares hineinstecken muß, damit etwas ganz Tolles herausfällt. Es reizt sie natürlich, dieses wundervolle Spiel einmal auszuprobieren. Und wenn sie es einmal gespielt hat, möch­te sie es wieder und wieder spielen (es klappt fast immer – nach genau neun Monaten kommt ein Mensch), sie ist ganz verrückt vor Begeisterung und findet sich wunderbar. Die Bedienung des Automaten ist natür­lich im Grunde so legitim, wie wenn ein Mensch einem anderen den

Schädel einschlägt (und dieser dann automatisch umfällt), nur weil das biologisch möglich ist. – Wenn nicht jedes dieser Spiele mit ihrem Körperautomaten hinterher ein bißchen Mühe für sie bedeuten würde, wäre sie dabei unersättlich. So ist sie gezwungen, sich eine Grenze zu setzen: dort, wo noch ein Kind mehr nur eine Vergrößerung ihres Arbeitspensums mit sich brächte und keine Steigerung von Sicherheit und Komfort.

Diese Grenze ist in der Regel ganz leicht zu fixieren und wird hauptsächlich durch das Stadium der Auto­matisierung des jeweiligen Haushalts bedingt: In hochindustrialisierten Ländern wünscht sich eine Frau durchschnittlich zwei bis drei Kinder. Bei der Nordamerikanerin, deren Haushalt vollautomatisiert ist, liegt das Optimum näher bei drei, bei der Westeuropäerin (der noch einige Haushaltsgeräte fehlen) näher bei zwei. Ein einziges Kind wird selten gewünscht, und mehr als drei Kinder gelten schon fast als asozial we­gen ihres Lärms und des Wäschegeruchs. Ein Einzelkind bringt keinen Vorteil mit sich, nur Nachteile. Eine Frau mit nur einem Kind erscheint nie so schutzlos und ans Haus gefesselt, wie sie sollte. Auch könn­te diesem einen Kind etwas zustoßen – womöglich in einem Alter, wenn die Frau nicht mehr gebärfähig ist -, es gäbe dann keine Ausrede mehr für sie, es sich bequemer zu machen als ihr Mann, und er hätte keine Ausrede mehr, ausgerechnet für sie zu arbeiten. Außerdem hätte ein solches Einzelkind ja keinen Spielka­meraden, die Frau müßte womöglich selbst mit ihm spielen – und wenn es etwas gibt, was Frauen hassen, dann ist es, mit ihren Kindern zu spielen. Während Kinder sich für alles interessieren, nach allem fragen, interessiert sich ja die Frau prinzipiell für nichts (außer für die schwachsinnigen Amüsiermöglichkeiten, die ihr der Haushalt und ihr eigener Körper bieten). Es fällt der Frau deshalb – selbst, wenn sie den besten Willen dazu hat – ausgesprochen schwer, auf die abenteuerliche Welt eines Kindes einzugehen. Sie hat zwar ein Repertoire läppischer Redensarten zur Unterhaltung sehr kleiner Kinder (»Ei, ei, wer kommt denn da?«), doch sobald sie älter sind als zwei Jahre und selbst anfangen zu denken, ist es aus. Das sprichwörtli­che Klischee über die gemeinsamen Interessen von Vater und Sohn (der Vater, der nicht von der elektri­schen Modelleisenbahn seines Sohnes lassen kann) gibt es in Bezug auf Mutter und Sohn nicht, ja nicht einmal in Bezug auf Mutter und Tochter. Wenn sich eine Frau dennoch überwindet und täglich eine halbe Stunde mit ihrem Kind spielt (»… mehr wäre auch schädlich für seine geistige Entwicklung«), erzählt sie es überall herum wie eine Großtat (und das mit Recht, denn ein solches Maß an Selbstüberwindung ist für sie tatsächlich eine Großtat).

Zwei bis drei Kinder erst garantieren materielle Sicherheit, sie lassen die Frau hilflos und erwerbsunfähig erscheinen, und das Risiko, im Alter ohne Kinder (ohne Enkelkinder) dazusitzen, ohne jemand, der ihr für die mütterliche Fürsorge seine Reverenz erweisen könnte, wird geringer. Außerdem können die Kinder miteinander spielen, während sich die Frau ihren »höheren« Vergnügungen, zum Beispiel dem Nähen oder dem Kuchenbacken, hingibt. Die mütterliche Fürsorge besteht in diesem Fall darin, die Kinder zusammen in ein Zimmer zu sperren und dieses erst dann wieder zu betreten, wenn sich eines verletzt und laut genug brüllt.

Hinzu kommt, daß die Erziehung und Dressur von zwei und mehr Kindern viel leichter zu bewerkstelligen ist als die eines einzigen Kindes. Um den Gehorsam eines einzigen Kindes muß man kompliziert werben, man muß sich Methoden ausdenken, um es zu übertölpeln (»zu überreden«, »zur Einsicht zu bringen«), oder man muß es züchtigen (was für die Frau nur lästig sein kann, so daß sie es ihrem Mann überläßt). Mehrere Kinder hingegen erzieht man durch Erpressung. Da sie alle auf die Anerkennung ihrer Mutter angewiesen sind, genügt es, eines von ihnen ein klein wenig zu bevorzugen, damit die anderen sofort alles tun, was sie von ihnen verlangt. Jedes Kind lebt in ständiger Furcht, daß ihm die Mutter ihre »Liebe« ent­ziehen und einem anderen zuwenden könnte, und wenn diese Furcht in der Regel auch keine Zuneigung zwischen Geschwistern entstehen läßt (als ob die Frauen daran interessiert wären!), so fördert sie doch den Wettbewerb und somit die Leistung. Und auch später, wenn diese Kinder längst erwachsen sind, werden sie im Grunde nichts anderes wollen, als sich gegenseitig zu übertrumpfen und vor ihrer Mutter auszuste­chen. Die Söhne befriedigen ihren Ehrgeiz im Beruf, die Töchter überbieten sich gegenseitig in der Anhäu­fung von Besitztümern. Und von Zeit zu Zeit kehren sie alle immer wieder zu ihrer Mutter zurück (die das für Sympathiekundgebungen hält und das Interesse der Geschwister aneinander »Familiensinn« nennt), um auf ihre neuesten Errungenschaften aufmerksam zu machen.

Alle diese Vorteile gelten jedoch nur für eine Zahl von zwei bis drei Kindern. Eine Frau mit mehr als drei Kindern (in unserer heutigen Zeit meistens aus irgendeinem Versehen heraus oder wegen religiöser Bin­dungen des Mannes) hat ein paar Jahre lang tatsächlich ziemlich viel zu tun – wenn auch bei freier Ar­beitseinteilung, ohne Verantwortung für den Lebensunterhalt (Verantwortung für Kinder ist den meisten Frauen ohnehin fremd) und ohne Vorgesetzte. Doch diese erhöhte Aktivität dauert nur so lange, bis das jüngste Kind das Kindergartenalter erreicht hat, und bietet ihr noch einen kleinen Vorteil: Sie kann sicher sein, daß sie ihr Mann, solange die Kinder nicht erwachsen sind, niemals sitzenläßt. Denn ein Mann, der eine Frau mit vier und mehr Kindern verläßt (und sei es auch nur deshalb, weil er diese Frau einfach nicht mehr ausstehen kann), gilt in unserer Gesellschaft praktisch als kriminell.

Wie dem auch sei: Wenn die Kinder das Schul- oder Kinderschulalter erreicht haben, ist auch für die kin­derreiche Frau die meiste Arbeit ihres Lebens getan. Sie hat wieder Zeit und oft auch Geld genug, ihr Le­ben einigermaßen zu genießen. Sie geht zum Friseur, arrangiert Blumen in Vasen, bestreicht Möbel nach den Vorschlägen der Frauenzeitschriften bunt und pflegt ihren kostbaren Körper. In den meisten westlichen Ländern dauert der Schulunterricht fast den ganzen Tag, und in den wenigen, wo es noch keine Ganz­tagsschulen gibt, sind die Männer bereits mit dem üblichen Elan dabei, sie zu errichten. Sie haben auf­grund ihrer Untersuchungen festgestellt, daß Kinder, die nicht den halben Tag lang dem Einfluß ihrer Müt­ter ausgesetzt sind, ihre geistigen Fähigkeiten besser entfalten können und somit später leistungsfähiger sein werden. Die praktische Verwertung dieser Erkenntnis, die sie in keiner Weise als kränkend empfinden (da sie die »Ehre« des Mannes nicht kennen, kann man sie auf diese Art nicht verletzen), liegt also in dop­pelter Hinsicht im Interesse der Frauen.
Die weiblichen Laster

Wenn ein Stapel gebügelter Leintücher ordentlich in einem Schrankfach liegt, wenn ein Braten schön gleichmäßig von allen Seiten bräunt, wenn ein Löckchen auf die gewünschte Weise in die Stirn fällt, wenn das Rosa eines Nagellacks genau zum Rosa eines Lippenstifts paßt, wenn sauber gewaschene Wäschestü­cke im Wind flattern, wenn zehn Paar Schuhe frisch geputzt in Reihen stehen, wenn Fensterscheiben so blank sind, daß sie die Passanten blenden, wenn der Mann pünktlich zur Arbeit gefahren ist und wenn die Kinder friedlich miteinander in der Sonne spielen, dann ist die Welt der meisten Frauen hundertprozentig in Ordnung. In solchen Stunden befinden sie sich auf dem Gipfel ihrer Genußfähigkeit, ihr Glücksgefühl läßt sich durch nichts mehr überbieten. Und damit sie in dieser Hochstimmung bleiben, backen sie rasch noch einen Kuchen, gießen den Gummibaum am Wohnzimmerfenster oder stricken an einem Pullover für ihr Jüngstes. Denn wer nicht arbeitet, hat andere Genüsse als einer, der arbeitet. Eine Frau lümmelt sich nicht mit einer Zeitung auf der Couch herum, ihr Müßiggang ist von dem, was Männer unter Müßiggang verstehen, grundverschieden (und deshalb erscheint sie diesen ja auch so fleißig): Wenn eine Frau nicht arbeiten will, so nicht, weil sie es sich bequem machen und ausruhen möchte – wovon sollte sie sich ausru­hen? -, sondern weil sie unerhört vergnügungssüchtig ist und weil sie für ihre Vergnügungen Zeit braucht. Diese Vergnügungen sind: Kuchenbacken, Wäschebügeln, Kleidernähen, Fensterputzen, Löckchendrehen, Fußnägel lackieren und zuweilen – bei sehr hochentwickelten Frauen, wir werden später noch auf sie zu sprechen kommen – auch Maschineschreiben und Stenografieren. Und damit es nicht auffällt, nennt sie ihre Amüsements im Haus »Hausarbeit«. Körperpflege betreibt sie ohnehin nur zur Freude ihres Partners, und ihre läppischen Vergnügungen in den Vorzimmern der berufstätigen Männer – die darin bestehen, daß sie, in voller Maskerade am Schreibtisch sitzend, deren fertig formulierte Gedanken in ein optisches Medium überträgt – bezeichnet sie als »anregende geistige Tätigkeit«. Auf diese Weise schwelgt sie mit ihrer Clique in einem großen, permanenten Fest, lebt sie in einer Welt der Freiheit, Verantwortungslosigkeit und des rationalen Glücks, von der ein Mann für sich selbst nicht einmal zu träumen wagt und die er allenfalls bei Hippies oder Südseeinsulanern vermuten würde, aber nie in seiner eigenen Umgebung.

Es gäbe natürlich gegen diese unschuldigen Orgien nichts einzuwenden, wenn die Männer wüßten, daß es solche sind. Wenn sie nicht ihr ganzes Leben ruinierten in dem Glauben, die Frauen hätten es noch viel schlechter als sie. Denn auf den Gedanken, daß dies alles die Vergnügungen ihrer Frauen sind, können Männer von allein nicht kommen. Dazu müßten sie begreifen, wie abgrundtief dumm diese Frauen sind: so dumm, daß sie sich nur auf dem allerniedrigsten Niveau und auf ewig gleichbleibende Weise amüsieren können, und ein solches Maß an Dummheit liegt für einen Mann außerhalb jedes Vorstellungsvermögens.

Nicht einmal die Psychologen, die sich doch ständig mit der weiblichen Intelligenz befassen (als Männer interessieren sie sich nun einmal mehr für Frauen als für sich selbst), sind bisher auf die Idee verfallen, daß ihnen die »weibliche« Psyche möglicherweise nur deshalb so sonderbar vorkommt, weil Frauen so blöde sind. Daß ihnen die »weiblichen« Tätigkeiten nur deshalb so unattraktiv erscheinen, weil es ihnen an der zum Verständnis notwendigen Dummheit mangelt. Wenn diese Fachleute mit ihren Untersuchungen etwa feststellen, daß Schulmädchen fast ausschließlich in jenen Fächern reüssieren, in denen man nicht zu den­ken braucht, wo man also, wie beim Sprachenstudium, auswendig lernen kann – dabei kann ein gutes Ge­dächtnis bekanntlich ebensogut ein Symptom für Schwachsinn sein – oder wo, wie in der Mathematik, alles nach strengen Regeln verläuft, die man wiederum auswendig lernt, und daß sie in gewissen anderen (Phy­sik, Chemie, Biologie) weitgehend versagen, dann folgern sie daraus nicht etwa, daß es diesen Mädchen an Intelligenz mangelt, sondern sie sprechen von einer »typisch weiblichen« Intelligenz. Daß diese Art von »Intelligenz« eine erworbene (also nicht angeborene) Art von Dummheit ist, die daher rührt, daß eine Frau durchschnittlich im Alter von fünf Jahren zum letzten Mal einen originellen Gedanken äußert und sich dann unter Anleitung einer total verblödeten Mutter darum bemüht, jede Form von Intelligenzentfaltung abzubremsen, würden diese Psychologen nie begreifen.

Und auch die übrigen Männer mögen sich die grenzenlose Dummheit ihrer Partnerinnen nicht recht einge­stehen: Sie seien zwar nicht besonders gescheit, meinen sie, dafür hätten sie jedoch Instinkt – und sie nen­nen diesen Instinkt, im Unterschied zum tierischen, den weiblichen. Aber leider ist dieser vielgerühmte Instinkt nur ein anderes Wort für statistische Wahrscheinlichkeit: Weil Frauen sich in alles einmischen und zu allem ihre Meinung äußern (da sie dumm sind, merken sie nicht, wie sie sich blamieren), kann es natür­lich nicht ausbleiben, daß sie mit ihren Prognosen zuweilen recht behalten. Die meisten Prognosen sind ohnehin negativ und nie sehr exakt formuliert: »Das kann nur eine Katastrophe geben«, sagen sie, »… von dieser Sache würde ich lieber die Finger lassen«, oder »… mit deinen sogenannten Freunden wirst du nichts als Enttäuschungen erleben.« Solche Prophezeiungen könnte jeder bei jeder Gelegenheit wagen. Und wenn Frauen manchmal tatsächlich klarer sehen als Männer, so deshalb, weil sie im Unterschied zu den Männern ohne Gefühle urteilen.

Dabei ist die Dummheit der Frauen nur eine allzu logische Konsequenz ihrer ganzen Einstellung zum Le­ben: Was könnte eine Frau, die sich schon als Kind dafür entscheidet, später auf Kosten eines Mannes zu leben (alle fünfjährigen Mädchen wollen später heiraten, einen Haushalt führen und Kinder zur Welt brin­gen, und die zehn-, fünfzehn- und zwanzigjährigen wollen es immer noch), mit Intelligenz und den da-

durch bedingten Einsichten wohl anfangen? Sie muß sich doch dafür bereithalten, später ganz auf die Nei­gungen und Interessen jenes Menschen einzugehen, der für sie sorgt (sie muß ihn ja wegen dieser Neigun­gen und Interessen sogar noch loben), und sie hat doch im voraus keine Ahnung, was das für einer sein wird. Was könnte es ihr schon nützen, sich beispielsweise frühzeitig für den Sozialismus zu engagieren (demonstrierende Studentinnen sind immer mit einem demonstrierenden Studenten liiert), wenn sie später womöglich einen wohlhabenden Fabrikanten heiraten wird? Was käme denn dabei heraus, wenn sie aus lauter Sensibilität zur Vegetarierin würde und dann womöglich einem Viehzüchter nach Australien folgen müßte? Und wozu sollte sie sich zum Atheismus bekehren, wenn sie dann vielleicht doch ihr Leben in ei­nem rosenumsponnenen Pfarrhaus verbringt?

Was hätte es Jacqueline Bouvier genützt, wenn sie in ihrer Jugend irgendwelche ideologischen Konzepte entwickelt hätte? Ein Faible für Demokratie jedenfalls wäre ihr nur bei ihrer ersten Heirat mit /. F. K. zus­tatten gekommen, ein Faible für Faschismus nur bei der zweiten. Und da sie eine der »weiblichsten« Frau­en überhaupt ist, legt sie vermutlich auf die Achtung der Männer ohnehin keinen Wert: Im Grunde kommt es ihr nur darauf an, den Frauen zu gefallen und sie zu beeindrucken.

Es ist also besser, wenn eine Frau der Gesellschaft, in ihrer Jugend nur ein bißchen über Kunst, ein bißchen Tischsitten und ein bißchen Sprachen lernt. Wenn sie tatsächlich einmal in die Verlegenheit kommen soll­te, eine Rolle im öffentlichen Leben zu spielen – als Frau eines Mannes, der im öffentlichen Leben eine Rolle spielt -, genügt es vollkommen, wenn sie beteuert, daß eine »echte« Frau vor allem für ihren Mann und für ihre Kinder da sein sollte, und alle Welt wird dies als ein Zeichen größter Bescheidenheit werten und ihr dafür Beifall zollen.

Die Dummheit der Frauen ist so überwältigend, daß alles, womit sie in Berührung kommen, gleichsam wie von ihr durchtränkt wird. Sie fällt nur deshalb nicht mehr auf, weil ihr jeder von der ersten Sekunde seines Lebens an ausgeliefert war und sich so unmerklich an sie gewöhnen konnte. Bisher wurde sie daher von den Männern auch entweder ignoriert oder als typisch weibliche Eigenschaft betrachtet, die niemand stör­te. Doch mit dem Zuwachs an Zeit und Geld ist auch das Unterhaltungsbedürfnis der Frauen gestiegen, was bedeutet, daß diese Dummheit sich nun auch im öffentlichen Leben immer mehr breitmacht. Nicht nur jede Bodenvase, jedes Schlafzimmerbild und jeder Brokatvorhang eines Haushalts, jede Cocktailparty und jede Sonntagspredigt spiegelt sie jetzt wider, auch in den sogenannten Massenmedien beansprucht sie in­zwischen immer mehr Platz. Die Frauensendungen in Hörfunk und Fernsehen nehmen überhand, die Spal­ten mit Gesellschaftsklatsch, Verbrechen, Mode, Horoskop, Kochrezepten werden auch in seriösen Tages­zeitungen immer länger, und die speziellen Publikationsorgane der Frauen kommen jeden Tag zahlreicher und üppiger auf den Markt. Und ganz allmählich wird so nicht nur die private Sphäre der Männer, sondern auch das gesamte öffentliche Leben von dieser Dummheit verseucht.

Es gibt zum Beispiel Publikationen über Politik, Philosophie, Naturwissenschaften, Wirtschaft, Psycholo­gie und solche über Kleidung, Kosmetik, Wohnkultur, Gesellschaftsklatsch, Kochen, Verbrechen, Liebes­affären. Die ersten werden fast ausschließlich von Männern gelesen, die letzten ausschließlich von Frauen, und beiden – Männern sowohl als auch Frauen – erscheint die Lektüre des anderen so abstoßend und öde, daß sie sich lieber zu Tode langweilen, ehe sie sich daran vergreifen. Tatsache ist, daß die Männer sich wirklich dafür interessieren, ob es auf dem Mars primitive Lebensformen gibt oder ob die Argumente der Chinesen im russisch-chinesischen Grenzkonflikt stichhaltiger sind als die der Russen, und daß solche Probleme die Frauen absolut kalt lassen. Sie interessieren sich dafür, wie man braune Häschen stickt, Klei­der häkelt und ob sich eine bestimmte Filmschauspielerin scheiden läßt oder nicht. So leben beide schön voneinander getrennt, jeder mit seinem eigenen Horizont und ohne jemals mit dem anderen in wirkliche Berührung zu kommen. Das einzige Thema, das sie beide interessiert, ist die Frau.

Natürlich bleiben einige Männer trotzdem nicht davor verschont, sich mit den speziellen Frauenpublikationen zu befassen, denn so wie auch die weibliche Mode, die ja die meisten Männer nicht im geringsten inte­ressiert, von männlichen Sklaven gemacht wird (die Frauen sagen dann seelenruhig, sie beugten sich dem Diktat der großen Couturiers), werden auch die Unterhaltungsorgane für Frauen von solchen hergestellt und vertrieben. Und diese Bemühungen können erst dann erfolgreich sein, wenn die Männer sich ganz auf die geistige Ebene der Frau hinabbegeben und herauszubekommen versuchen, was ihr gefällt. Da dies für einen Mann ein beinahe hoffnungsloses Unterfangen ist, läßt er sich dabei von einem Stab weiblicher Re­dakteure beraten, der ihm sagt, was eine Frau gut unterhält. Die Verantwortung für Gestaltung, Verkauf und Auflagensteigerung dieser Organe bleibt ihm jedoch auf alle Fälle.

Diese Blätter unterhalten die Frau (zum Beispiel Ladies‘ Home Journal, McCall’s), befriedigen ihre Klatschsucht (Gente, Movie Life), beraten sie bei der Auswahl ihrer Maskerade (Vogue, Bazaar) und ver­einen manchmal auch diese verschiedenen Elemente in einer einzigen Publikation (Elle, Brigitte, Grazia). Und ihnen allen ist gemein, daß sie den Mann völlig ignorieren (das Hauptthema der Herrenjournale dage­gen ist die Frau). Wenn sie ihn erwähnen, so prinzipiell nur in Zusammenhang mit seinen Vorlieben in bezug auf Frau, Heim oder Speisen (»Tragen Sie in diesem Sommer hautfarbene Unterwäsche, Männer mögen das«, »Ein natürliches Make-up für das erste Rendezvous«, »Stellen Sie Kerzen auf, das stimmt ihn romantisch«, »Drei Gerichte, für die er Sie lieben wird« usw.). Und weil eine solche pauschale Kenntnis seiner Vorlieben nur dem Zweck dienen kann, mit ihrer Hilfe irgendeinen Mann leichter zu ködern oder länger zu fesseln (die Leserinnen dieser Blätter sind allesamt entweder ledig, und somit auf der Suche nach einer Arbeitskraft, oder verheiratet, also darauf angewiesen, die bereits eroberte Kraft zu halten), sind sie letzten Endes doch nichts weiter als Gebrauchsanweisungen. Gebrauchsanweisungen für den immer noch zuverlässigsten Arbeitsroboter der Welt, als den sie den Mann betrachten. Häufig heißen die Überschriften denn auch ganz offen: »So angeln Sie sich den Mann fürs Leben«, »Zehn Dinge, die ihn bei Laune halten« oder »Ratschläge für die ersten drei Ehejahre«. Und diese Anweisungen lesen sich so klar und übersicht­lich, als handle es sich um Tips zum Erwerb eines Wagens oder um Pflegeanleitungen für einen Kaschmir­pullover.

Wegen der Begrenztheit der weiblichen Interessen kommt es in den Redaktionen solcher Blätter natürlich häufig zu Stoffmangel. Dann müssen die Redakteure auf sogenannte Männerthemen zurückgreifen (von denen es ja, da die Männer sich für alles interessieren, genug gibt) und diese durch ein kompliziertes Um­wandlungsverfahren auf das Niveau ihrer Leserinnen zurechttrimmen. Dabei lautet das oberste Gesetz: Jeder Artikel muß den Eindruck erwecken, als handle es sich um einen Bericht über Frauen. Nur unter ei­ner Überschrift wie »Frauen waren mein Ruin« könnte über einen gealterten Boxer berichtet werden, ein Komponist muß während des Interviews zumindest einmal sagen, daß ihn Frauen inspiriert haben und daß ja auch ein schönes Mädchen wie eine Melodie sei – nur noch schöner. Wenn diese Tarnung gut gelingt, ist es durchaus möglich, die entferntesten Themen an die Frauen heranzutragen. Es hat sich herausgestellt, daß man sogar über die Aufgaben eines Verteidigungsministeriums etwas für Frauen schreiben kann, wenn man das Ganze als einen Bericht über das Familienleben des betreffenden Ministers aufzieht (dabei darf natürlich der Platz für die Fotos von Frau und Kindern des Ministers nicht zu knapp bemessen sein), und sogar über fremde Länder läßt sich etwas bringen, wenn man die Reportagen als Artikel tarnt, die das Le­ben einer Frau aus dem Milieu der Leserinnen schildert, die einen Mann aus einem solchen fernen Land geheiratet hat (»Mein Mann ist Japaner, Ägypter, Chilene, Israeli«).

Dieses Prinzip trifft eigentlich auf alle Sparten zu und gilt ganz besonders für die Politik. Da Frauen sich nur für Frauen interessieren und nicht für Männer, kann man ihnen auch aktuelle politische Ereignisse nur dann nahebringen, wenn diese den Eindruck erwecken, als hätten sie eine Frau zum Mittelpunkt. Der Viet­namkrieg etwa wurde erst populär, als die ersten Fotos jener sagenhaften Madame Nhu in der Presse er­schienen, die Probleme der nordirischen Katholiken sind erst seit Bernadette Devlin aktuell, und das Dra­ma um die unfruchtbare Soraya hat wahrscheinlich zum Verständnis der Probleme des Iran mehr beigetra­gen als alle anderen Publikationen über dieses Land zusammengenommen.

Die erste politische Tat eines Machthabers sollte daher seine Heirat mit einer möglichst fotogenen Frau sein. Man kann nur ahnen, welch einen Gewinn es für Länder wie Israel oder Indien bedeutet hätte, wenn

Golda Meir oder Indira Gandhi nach den strengen Maßstäben der Frauen schön gewesen wären, wenn ihre Fotos anstelle der Gracias von Monaco, Sirikits von Thailand oder Farah Dibas von Persien die Titelseiten der Illustrierten geschmückt hätten. Die entsprechenden Reportagen hätten dann Überschriften gehabt wie »Die Juwelen der Golda Meir« oder »Was den Männern an Indira Gandhi so gefällt« – und ganz nebenbei hätte man auch der anderen Hälfte der ‚Weltbevölkerung (der wohlhabenderen Hälfte) immer wieder klar­machen können, daß beispielsweise in Israel der Teufel los ist und in Indien jedes Jahr soundsoviel hun­derttausend Kinder den Hungertod sterben (die man von dem Geld leicht ernähren könnte, das Frauen für Nagellack und Nagellackentferner ausgeben).

Die Weiblichkeitsmaske

Zwischen einer ungeschminkten, kahlen und nackten Frau und einem ungeschminkten, kahlen und nackten Mann gibt es kaum einen Unterschied. Mit Ausnahme jener Organe, die der Fortpflanzung dienen, wird alles, was Mann und Frau voneinander unterscheidet, künstlich erzeugt. Der Mann wird zum Mann durch die Entwicklung seiner Intelligenz und die dadurch mögliche Produktivität (seine Erscheinung bleibt dabei fast unverändert), die Frau wird zur Frau durch graduelle Verdummung und durch die Verwandlung ihres Äußeren, und diese Differenzierung der Geschlechter geschieht ausschließlich auf Veranlassung der Frau.

Ein Mann gilt, wie wir gesehen haben, erst nach einer Reihe weiblicher Dressurakte als »männlich«, die Frau selbst jedoch verwandelt sich in eigener Regie und macht sich »weiblich« mit Hilfe der Kosmetik, Frisierkunst und Garderobe. Diese artifiziell hergestellte Weiblichkeit besteht aus zwei Komponenten: der Betonung der sekundären Geschlechtsmerkmale, die bereits an anderer Stelle beschrieben wurde, und der Verfremdung durch den Maskeneffekt. Denn mit ihren vielfältigen Masken verfolgt die Frau immer nur den Zweck, den Unterschied zwischen sich und einem beliebigen Mann so auffällig wie möglich zu gestal­ten.

Durch die Betonung ihrer Geschlechtsmerkmale wird sie für den Mann begehrenswert, durch die übrige Maskerade wird sie geheimnisvoll für ihn – sie wird das fremde, das schillernde, das »andere« Geschlecht, und daß sie das wird, erleichtert ihm seine Unterwerfung. Mit Hilfe der weiten Skala von Verwandlungs­möglichkeiten, die ihr zur Verfügung stehen – eine »richtige« Frau sieht jeden Tag ein wenig anders aus -, frappiert und überrascht sie den Mann jedes Mal aufs neue. Außerdem gewinnt sie Zeit: Während er hinter ihrem veränderten Äußeren mühsam die Frau vom Tag zuvor wiederfinden muß, kann sie in Ruhe ihre eigenen Pläne realisieren – die darin bestehen, diesen Mann in eine möglichst ausweglose Position zu ma­növrieren – und ihn dabei geschickt von jenem Verwesungsgeruch ablenken, den ihr unter der gefälligen Maskerade dahinfaulender Geist überall verströmt.

Eine Frau betrachtet sich daher immer nur als Rohstoff für eine Frau: Nicht das Material wird beurteilt, sondern was daraus entsteht. Ohne Make-up, Lockenfrisur und Kettchen sind Frauen praktisch noch nicht vorhanden – das erklärt auch, weshalb so viele von ihnen völlig ungeniert mit Lockenwicklern und einge­fettetem Gesicht herumlaufen: Das sind ja noch nicht sie, sie werden erst noch gemacht! -, und diese Fikti­on gelingt ihnen um so leichter, als ihnen dabei ihre Intelligenz nicht im Weg steht.

Damit diese Metamorphose zur Frau gelingt, haben sie von jeher keine Mühe gescheut. Keine kosmetische Prozedur war einer Frau je zu zeitraubend oder kostspielig, wenn es darum ging, jenes Endprodukt herzu­stellen, das sich vom Mann in so auffälliger Weise unterscheidet. Indem sie ihre Haut einfettete, wurde diese immer glatter und immer verschiedener von der des Mannes, indem sie ihre Haare lang trug oder lockig, unterschied sie sich ebenfalls von ihm, und indem sie ihre Augen mit schwarzer Schminke um­rahmte, wurden sie zwar nicht schöner, aber ganz und gar anders als Männer äugen: fremd, geheimnisvoll, beunruhigend.

Das alles war der ursprüngliche Sinn der weiblichen Maskerade, doch er ist inzwischen fast in Vergessen­heit geraten. Da die bürgerliche Frau in den letzten Jahrzehnten durch den von Männern geschaffenen Wohlstand von einer vielbeschäftigten Hausangestellten zu einer Art Kokotte avanciert ist, konnte es nicht ausbleiben, daß sich ihre früher zweckgebundenen Spiele mit ihrer äußeren Erscheinung verselbständigten. Sie hat jetzt Zeit und Geld und möchte sich mehr denn je unterhalten wissen. Und weil das Spiel mit ihrem Körper zu ihren bevorzugten Unterhaltungen zählt (häufig ist es sogar ihr einziges Vergnügen, denn be­sonders wohlhabenden Frauen muß es ja auch noch die Hausarbeit ersetzen), wird es auch von allen Seiten forciert – von den Männern, die ihre .Schminkutensilien produzieren, von denen, die ihre Kleider und Fri­suren entwerfen und produzieren, und von denen, die davon leben, für dieses Spiel immer neue Varianten vorzuschlagen: den Redakteuren von Frauenfunk und Frauenzeitschriften. Dabei hat sich inzwischen tat­sächlich so etwas wie eine ganz eigene Kultur unter den Frauen entwickelt, eine Art Kunstgewerbe, in dessen Schutz sie völlig ungestört und unter sich leben können, und das sie in Höhen (vielmehr Tiefen) führt, wohin ihnen der Mann – mit Ausnahme der darauf spezialisierten Arbeitssklaven – nicht mehr folgen kann.

»Sorgen Sie dafür, daß Ihre Lippenhaut geschmeidig bleibt«, rät beispielsweise eine renommierte Frauen­zeitschrift einer Leserin, die über »zu tiefe« Lippenfalten klagt, »bürsten Sie Ihre Lippen täglich vorsichtig mit einer nassen Zahnbürste, und benutzen Sie mehrmals am Tag Lippenpomade. Nehmen Sie Lippenstifte ohne Perlmuttschimmer, sie setzen sich nicht so leicht in den Falten fest.« »Messen Sie nach«, befiehlt sie allen Frauen, »Ihr Beckenumfang darf Ihre Taillenweite um 25, den Brustumfang höchstens um acht Zen­timeter übersteigen.« »Bürsten Sie Ihre Brauen immer erst in Form, bevor Sie sie nachstricheln. Malen Sie nie einen glatten Bogen, sondern stricheln Sie sorgfältig Härchen für Härchen. Ganz natürlich sieht es aus, wenn Sie direkt neben der Nasenwurzel fast senkrechte Striche malen und wenn Sie zwei Farben mischen, zum Beispiel Grau und Braun.« »Hängen Sie einen Spiegel in Ihre Küche: er hilft Ihnen kontrollieren, ob Sie beim Kochen unbewußt Grimassen schneiden oder Ihre Stirn in Falten legen, und er erinnert Sie auch, wenn Ihre Frisur sich aufgelöst hat.«

Und die Frauen, für jede neue Spielregel dankbar (denn sie haben ja nicht genug Phantasie, selbst solche zu erfinden), führen alles gewissenhaft aus: messen ihren Beckenumfang, bürsten ihre Lippen, stricheln ihre Augenbrauen und hängen sich, zur Vermeidung von Denkfalten, kleine Spiegel in die Küche. Und wenn sie das getan haben, warten schon wieder neue Spielvorschläge: Es gibt heute tatsächlich Frauen, die ihre Brüste täglich zehn Minuten lang in kaltem Wasser baden (»Das macht sie straff«), die sich, ohne krank zu sein, jeden Morgen von Kopf bis Fuß einölen, die ihre Haare alle paar Tage auf mindestens drei­ßig Lockenwickler drehen und die allein für das Make-up ihrer Augen über eine halbe Stunde benötigen. Und da sie dank all dieser, in seinen Augen absurden Tätigkeiten dem Mann immer fremder, immer unbe­rechenbarer -immer weiblicher – erscheinen, sind es häufig gerade diese Frauen, denen er sich am willigs­ten versklavt.

Inzwischen geht das Spiel immer weiter. Wer mitspielen will, wer den Anschluß an die Clique nicht verlie­ren möchte, muß immer neue Regeln beachten, denn die Anforderungen, die die Frauen gegenseitig an sich stellen (die Männer sind aus dem Spiel längst ausgeschieden), werden enorm, die Unterhaltungsmöglich­keiten mit dem eigenen Körper sind ins Unendliche gewachsen und nehmen von Tag zu Tag weiter zu. Dabei ist es natürlich unvermeidbar, daß viele Frauen halbwegs auf der Strecke bleiben und sich wieder vornehmlich den Amüsements des Haushalts zuwenden. Es entstehen, durch das unterschiedliche Ein­kommen der Männer bedingt, Klassenunterschiede zwischen sehr gut, gut und weniger gut maskierten Frauen, wobei die ersteren allen anderen als Idole dienen und ihnen durch ihre perfekte Maskerade, die sie über ihre speziellen Publikationsorgane ständig überwachen, eine Art Ersatzbefriedigung bieten.

Doch auch für die nur mittelmäßig maskierte Frau werden die Spielregeln immer komplizierter: Zum Schwimmen beispielsweise geht sie nur noch mit wasserfestem Spezial-Make-up, sorgfältig enthaarten Beinen und Achselhöhlen, eingefettetem Körper und mit unter der von Gummiblüten übersäten Bademütze aufgedrehten Haaren; vor der Fahrt zum Supermarkt pflegt sie sich zumindest mit mattschimmernder Ta­gescreme, einem Tupfer Rouge und hellbrauner Wimperntusche; bei Beerdigungen nimmt sie zur schwar­zen Mantilla eine besonders helle Teintgrundierung und fast unsichtbaren Lippenstift; und das Schminken und Ankleiden für eine ganz gewöhnliche Cocktailparty, die sie vielleicht nach ein paar Minuten schon wieder verläßt, beansprucht inzwischen Stunden. Wo sie früher einen einzigen Lidschatten auftragen muß­te, nimmt sie jetzt drei (etwa weiß, gold und grün), ihre Lippen pflegt sie mit Lippenpomade, Konturen­stift, Perlmuttstift und Puder, ihre falschen Wimpern werden nicht mehr en bloc aufgeklebt, sondern Wim­per für Wimper (»Das wirkt natürlicher«), und in die eigene Frisur wird immer häufiger ein falsches Haar­teil eingeflochten, das selbstverständlich, genau wie das eigene Haar, immer frisch gereinigt und gelockt sein muß. Allein für das Make-up von Augen und Augenbrauen braucht eine Frau folgendes: ein Band falscher Wimpern, Spezialkleber und Pinzette für das Befestigen dieser Wimpern, Mascarastift, Wimpern-tusche, Eyeliner, Lidschatten (drei Farben), Brauenstifte (zwei Farben), Brauenpuder mit abgeschrägtem Pinsel, Brauenbürstchen, ölhaltige Pads für das Abschminken und Spezialaugen-creme.

Und den Männern, die ihre Göttinnen zwar göttlich mögen (fremd, schillernd, das heißt weiblich), aber nicht mit zusehen wollen, wie sie Stunden um Stunden sklavisch vor dem Spiegel verbringen, wird es bei dieser Entwicklung immer unbehaglicher. Denn genau wie bei der Hausarbeit, die in ihren Augen gegen die menschliche Würde verstößt und von der sie nicht glauben können, daß sie ihren Frauen Vergnügen verschafft, können sie dies auch von der Kosmetik nicht annehmen. Jeder Mann weiß zwar von sich selbst, daß er keinen Wert darauf legt, daß seine Frau zur Pflege ihrer Augenlider drei verschiedene Puderfarben verwendet (genauso, wie er weiß, daß er keine Zimmerpflanzen und keine Spitzenvorhänge an seinem Fenster brauchte), doch er denkt, genau wie bei der Hausarbeit, daß die anderen Männer oder die Gesell­schaft dies von einer Frau verlangen, und er bedauert sie deswegen und fühlt sich für diese Entwicklung persönlich verantwortlich. Da er weiß, daß er und seine Geschlechtsgenossen nur auf das Äußere einer Frau Wert legen, auf Sexsymbole und eine gewisse Verfremdung durch Schminke, die sich jedoch in Grenzen hält (worauf sollen sie bei der Dummheit und Gefühlsarmut der Frau eigentlich sonst Wert le­gen?), folgert er, daß deren unermüdliche Beschäftigung mit ihrem Körper sich nur mit einem Übereifer bei der Erfüllung der männlichen Ansprüche erklären läßt, und fühlt sich schuldbewußt und gerührt. Durch seine primitiven Bedürfnisse mache er die Frau zum Objekt, meint er (zum Lustobjekt), unterdrücke ihre wertvollen Eigenschaften (die ja tatsächlich nirgends zu finden sind!) – und geht damit natürlich wieder einmal haarscharf an der Wahrheit vorbei. Denn daß diese ganze Entwicklung die bisher höchste Stufe weiblicher Kultur ist, daß Frauen sich durch Mode und Kosmetik nicht zu Objekten machen, sondern daß ihre fortwährende Beschäftigung mit diesen Dingen der geistigen Aktivität unendlich primitiver Subjekte entspricht, mag er in seinem eigenen Interesse nicht denken.

Und noch etwas kann er nicht wissen: daß nämlich die Art, wie eine Frau sich sozusagen Tag für Tag völ­lig neu erschafft, wie sie sich durch ihre vielfältigen Maskeraden immer wieder vor sich selbst verfremdet, sie nicht nur amüsiert, sondern auch noch ihr ohnehin sehr schwaches Religionsbedürfnis (das, wie wir im Kapitel über die »Lust an der Unfreiheit« gesehen haben, durch ihre geringe Intelligenz bedingt ist) befrie­digt. Jeder Schritt zu einer solchen Verwandlung erfordert ja ganz neutrale, kritische Selbstbeobachtung

von ihr und zwingt sie praktisch dazu, sich ständig mit den Augen einer fremden Zuschauerin zu sehen und ihr Werk mit deren Maßstäben im Laufe eines Tages tausendmal zu überprüfen. Folglich kann sie sich, wenn die Verwandlung gelingt, wenn die Maskerade den Anforderungen der Fremden entspricht oder die­se sogar noch übertrifft, mit deren Augen auch hemmungslos bewundern. Sie ist durch diesen Trick sozu­sagen in der Lage, sich selbst zu verherrlichen, und bleibt damit vor jedem System, das dazu dient, die menschliche Lust an der Unfreiheit zu befriedigen (Ideologien, Religionen, Verherrlichung eines anderen), weitgehend verschont.

Aus allem, was die Frauen mit sich anstellen, und was immer ihrer Verschönerung dient, ergibt sich für die Männer eine logische Konsequenz: daß Frauen nämlich Männer, selbst wenn sie sie beachten würden, auf keinen Fall schön finden könnten. Es heißt zwar, »ein Mann muß nicht schön sein«, und viele Männer zi­tieren diese Weisheit ganz ohne Hintergedanken sogar noch selbst, aber offensichtlich ist es doch so, daß er nicht nur nicht schön sein muß, sondern daß er, selbst wenn er es wünschte, in den Augen der Frauen nicht einmal schön sein könnte. Wenn die Frauen sich in ihrer albernen Maskerade selbst schön finden (und nichts deutet das Gegenteil an), können sie nicht zugleich die weitgehend ungeschminkten, unifor­mierten Männer schön finden; diese wären in ihren Augen ja bestenfalls Vorstufen zu Menschen, Rohma­terial, Entwürfe. Ein Mann ist daher für die Frau in gewissem Sinn sowieso immer häßlich, und folglich kann sie bei ihrer Wahl sein Äußeres auch völlig ignorieren und sich ganz frei – das heißt nur nach dem Lebensstandard, den er ihr bieten könnte – entscheiden.

Besonders sensible Männer müssen dies in jüngerer Zeit auch selbst empfunden haben und versuchen da­her, nach den Maßstäben der Frau schön zu werden und diese endlich auch einmal durch ihr Äußeres zu beeindrucken. Doch dieser Ausbruchversuch ist inzwischen so gut wie gescheitert: Erstens konnten alle diese Männer unmöglich von heute auf morgen das erreichen, was Frauen in Generationen kultiviert haben (das lange Haar eines Mannes ist nie so seidig, seine Haut nie so zart und seine Garderobe nie so erlesen extravagant wie die einer Frau), zweitens haben die Legionen versklavter Männer diese Verräter sofort aus ihrer Gemeinschaft ausgestoßen und ihnen weitgehend die Verdienstmöglichkeiten gesperrt.

Heute maskieren sich fast nur noch jene – Dichter, Maler, Musiker in Beatbands, Hippies, Schauspieler, Journalisten, Fotografen – die gerade mit dieser Maskerade, als eine Art Hofnarren der Bourgeoisie, ihr Geld verdienen, und fast jeder von ihnen hat auch eine Frau, die dieses Geld sofort wieder verwertet. Beim Dichter ist es die Muse, beim Maler das Modell und bei den jungen Beatmusikern das Groupie, das auf ihre Kosten lebt. Und sollten sich wirklich einmal lange Haare oder Halsketten für Männer allgemein durchsetzen (was durchaus möglich ist, denn alle hundert Jahre gibt es, meist wegen der inzwischen verän­derten Arbeitsbedingungen, auch in der Herrenmode kleine Varianten), dann werden diese langen Haare bei allen genau gleich lang sein, und die Ketten, die sie anstelle der Krawatten tragen, werden ebenso dis­kret und unauffällig sein wie diese.

Berufswelt als Jagdrevier

Die vielen berufstätigen Frauen – Sekretärinnen, Fabrikarbeiterinnen, Verkäuferinnen, Stewardessen -, de­nen man überall begegnet, die sportlichen jungen Mädchen, die in immer größerer Zahl Colleges und Hochschulen bevölkern, könnten einen fast auf die Idee bringen, die Frau habe sich in den letzten zwanzig Jahren grundlegend verändert. Sie könnten einen glauben machen, das moderne junge Mädchen sei fairer als seine Mutter und habe sich – vielleicht von einem großen Mitleid mit seinem Opfer überwältigt – ent­schlossen, nicht mehr die Ausbeuterin des Mannes zu sein, sondern seine Partnerin.

Dieser Eindruck täuscht. Die einzig wichtige Tat im Leben einer Frau ist die Wahl des richtigen Mannes (sie darf sich sonst überall irren, hier nicht), und deshalb trifft sie diese Wahl meist dort, wo sie die männ­lichen Qualitäten, auf die es ihr ankommt, am besten beurteilen kann: beim Studium und bei der Arbeit. Büros, Fabriken, Colleges und Universitäten sind für sie nichts weiter als gigantische Heiratsmärkte.

Welches Milieu sie zum Ködern ihres künftigen Arbeitssklaven tatsächlich wählt, hängt weitgehend vom Einkommen des Mannes ab, der sich vorher für sie versklavt hatte – ihres Vaters. Die Töchter gutverdie­nender Männer suchen sich den Mann zum Heiraten vorzugsweise auf Hochschulen und Universitäten, denn dort bestehen die größten Chancen, einen mindestens ebenso gut verdienenden Mann zu finden (au­ßerdem ist ein Pro-Forma-Studium bequemer als eine – wenn auch vorläufige – Berufstätigkeit). Mädchen aus weniger gutem Hause müssen sich zum gleichen Zweck vorübergehend in einer Fabrik, einem Laden, Büro oder Krankenhaus verdingen. Beide Formen des Engagements sind provisorisch – sie dauern bis zur Hochzeit, in Härtefällen bis zur Schwangerschaft – und haben einen großen Vorteil: Jede Frau, die heute heiratet, hat »dem Mann ihrer Wahl zuliebe« entweder einen Beruf oder ein Studium aufgegeben. Und solche »Opfer« verpflichten.

Berufstätigkeit und Studium der Frau verfälschen also nur die Statistik und dienen außerdem dazu, den Mann noch hoffnungsloser zu versklaven – denn sowohl Beruf als auch Ausbildung sind für Mann und Frau etwas völlig verschiedenes.

Für den Mann geht es im Beruf immer um Leben und Tod. Gerade die ersten Jahre sind meist für seine ganze Zukunft entscheidend – ein Mann, der mit fünfundzwanzig noch nicht auf dem Weg nach oben ist, gilt als hoffnungsloser Fall -, in dieser Zeit entfaltet er alle seine Fähigkeiten, der Kampf mit seinen

Konkurrenten ist ein Kampf bis aufs Messer. Hinter einer Maske großzügiger Kollegialität liegt er ständig auf der Lauer; jedes Zeichen von Überlegenheit eines anderen wird ängstlich registriert, jedes Zeichen von dessen Schwäche muß er sofort zu seinen Gunsten ausnützen. Und bei alldem ist er immer nur ein Rädchen in einem gigantischen Wirtschaftsgetriebe, das ihn nach allen Regeln der Kunst auswertet: Wenn er andere schindet, schindet er sich selbst am meisten, die Befehle, die er gibt, sind Befehle anderer über ihm. Wird er gelegentlich von seinen Vorgesetzten gelobt, geschieht das nie, um ihm eine Freude zu machen, sondern immer mit dem Ziel, ihn noch weiter anzuspornen. Für ihn, der darauf dressiert wurde, stolz und ehrenhaft zu sein, ist jeder Tag im Berufsleben eine endlose Kette von Demütigungen: Er begeistert sich für Marken­artikel, die ihn nicht interessieren, lacht über Witze, die er geschmacklos findet, vertritt Meinungen, die nicht die seinen sind. Und bei alldem darf er sich nicht eine Sekunde lang vergessen: Die kleinste Nachläs­sigkeit kann Degradierung bedeuten, ein einziges falsches Wort kann das Ende der Karriere sein.

Die Frau, um die es bei diesen Kämpfen in erster Linie geht und unter deren Augen sich das alles abspielt, sieht dem gelassen zu. Für sie ist die Zeit ihrer Berufstätigkeit eine Zeit der Flirts, Rendezvous, Neckereien – in der als Vorwand auch noch ein bißchen Arbeit erledigt wird, mit der meist keinerlei Verantwortung verbunden ist. Sie weiß, daß das alles vorübergeht (und falls nicht, dann hat sie wenigstens jahrelang in dieser Illusion gelebt). Die Kämpfe der Männer beobachtet sie deshalb aus sicherer Distanz, gelegentlich applaudiert sie einem der Kämpfer, tadelt oder ermutigt ihn. Und während sie ihnen Kaffee kocht, ihre Post öffnet und ihre Telefongespräche abhört, trifft sie kaltblütig ihre Wahl. Sobald sie den Mann fürs Le­ben gefunden hat, zieht sie sich zurück und überläßt das Terrain dem Nachwuchs.

Beim Studium ist es nicht anders. In den USA findet man auf Colleges und Hochschulen mehr Frauen denn je, doch die Zahl derer, die fertig studieren, ist geringer als vor dem zweiten Weltkrieg. Während die Studentinnen in den Vorlesungen ihre Frühjahrsgarderobe entwerfen, in den Pausen kokettieren und, mit unter durchsichtigen Gummihandschuhen blutrot lackierten Fingernägeln, an Leichen herumsezieren, geht es bei ihren männlichen Partnern immer um alles oder nichts. Einer Frau genügt es, College oder Universi­tät mit einem Verlobungsring abzuschließen, beim Mann reicht nicht einmal ein Diplom. Diplome kann man leicht durch Auswendiglernen erwerben (es gibt wenig Prüfer, die zwischen Wissen und Bluff unter­scheiden können), der Mann aber muß auch begreifen, worum es geht. Von der Fundiertheit seiner Kennt­nisse wird später sein materieller Erfolg abhängen, sein Prestige und häufig sogar das Leben von Men­schen.

Die Frau kennt keinen Kampf. Wenn sie ihr Studium abbricht und einen Universitätsdozenten heiratet, hat sie ohne Anstrengung das gleiche erreicht wie er. Als Ehefrau eines Fabrikanten wird man sie mit noch größerer Ehrerbietung behandeln als diesen (und nicht wie jemand, den man in der gleichen Fabrik besten­falls am Fließband beschäftigen könnte). Als Frau hat sie immer den Lebensstandard und das Sozialpresti­ge ihres Mannes und muß nichts tun, um diesen Standard und dieses Prestige zu erhalten – das tut er. Der kürzeste Weg zum Erfolg ist deshalb für sie immer noch die Heirat mit einem erfolgreichen Mann. Und den bekommt sie weder durch Fleiß noch durch Strebsamkeit oder Ausdauer, sondern einzig und allein durch eine attraktive Erscheinung.

Man hat gesehen, welche Anforderungen die gut dressierten Männer an das Aussehen der Frauen stellen. Die besten Dompteusen bekommen automatisch also ohne sich im geringsten bemühen zu müssen – die erfolgreichsten Kämpfer unter ihnen. Da diese sogenannten »schönen« Frauen auch meist die sind, die es seit ihren Kindertagen am leichtesten hatten und somit noch weniger als die anderen einen Grund zur Ent­wicklung ihrer geistigen Anlagen fanden (Intelligenz entfaltet sich nur im Wettbewerb), ergibt sich die logische Konsequenz, daß sehr erfolgreiche Männer meist abgrundtief blöde Frauen haben (es sei denn, man bewertet das Geschick einer Frau, sich als Köder herauszuputzen, als Intelligenzleistung).

Es ist fast schon ein Klischee, daß ein Mann, der es besonders weit gebracht hat (als Wirtschaftsboß, Fi­nanzmakler, Großreeder, Dirigent), auf dem Gipfel seines Erfolgs (also meist in zweiter oder dritter Ehe) ein Fotomodell heimführt. Männer, die durch Erbschaft reich sind, leisten sich meist schon in erster Ehe ein solches Superweib (das sie dann freilich im Laufe der Jahre von Zeit zu Zeit auswechseln). Fotomodel­le aber sind meist Frauen, die nicht einmal eine abgeschlossene Schulbildung haben und die bis zu ihrer Heirat nichts anderes tun, als graziös vor Kameras zu posieren. Doch da sie »schön« sind, sind sie poten­tielle Reiche.

Und alle diese Frauen »geben aus Liebe eine Karriere auf«. Jedenfalls erzählen sie das dem Mann, und der glaubt es. Der Gedanke, daß er durch seinen Antrag die Frau im letzten Augenblick vor der Mühe eines Abiturs oder Staatsexamens gerettet hat, wäre nicht so schmeichelhaft für ihn, deshalb schiebt er ihn weit von sich und berauscht sich statt dessen an der »kompromißlosen« Liebe, die diese Frau nach ihren eige­nen Angaben für ihn empfindet. Wer weiß, denkt er – immer seinen eigenen Wertmaßstäben folgend -, vielleicht wäre eines Tages aus ihr eine berühmte Chirurgin (gefeierte Primaballerina, brillante Journalis­tin) geworden – und das alles hat sie aufgegeben, für ihn! Die naheliegende Idee, daß sie lieber die Frau eines berühmten Chirurgen, mit dessen Einkommen, dessen Prestige und ohne dessen Arbeit und Verant­wortung ist, kommt ihm nicht. Er nimmt sich vor, ihr das Leben an seiner Seite so angenehm wie möglich zu gestalten, damit sie ihr großes Opfer nie bereuen muß.

Ein geringer Prozentsatz der Studentinnen westlicher Industrienationen (10-20 %) schafft dennoch vor der Heirat ein Hochschuldiplom. Trotz gelegentlicher Ausnahmen sind es meist die weniger attraktiven Frau­en, denen es nicht gelungen ist, während ihrer Studienzeit eine brauchbare Arbeitskraft zu engagieren. Die­ses Diplom erhöht dann automatisch ihren Marktwert, denn eine gewisse Sorte Mann fühlt sich – vorausge­setzt, er hat selbst ein Diplom – durch den Titel seiner Frau persönlich geschmeichelt (wie gescheit muß er sein, daß diese hochgebildete Frau sich für ihn interessiert!). Und wenn seine Koryphäe dann noch eini­germaßen sexy ist, fühlt er sich im siebenten Himmel.

Doch nicht lang. Denn auch die Ärztin, Juristin oder Soziologin wird ihre Karriere für die seine »opfern« oder zumindest zurückstellen. Sie wird in eine Vorortvilla ziehen, Kinder gebären, Blumenbeete anlegen und sein Heim mit dem üblichen Kitsch anfüllen. Nach ein paar Jahren hat sie über diesen Amüsements ihr bißchen auswendiggelerntes Fachwissen vollkommen vergessen und wird im Grund genauso sein wie ihre Nachbarinnen.
Die »emanzipierte« Frau

Es gibt aber auch Frauen über fünfundzwanzig, die berufstätig sind. Das kann verschiedene Gründe haben:

  1. Die Frau ist mit einem »Versager« verheiratet (mit einem Mann; der nicht genug Geld verdient, um ihre Kitschorgien zu finanzieren).
  2. Die Frau ist aus biologischen Gründen kinderlos (einige Männer sehen dann nach dem Abklingen ihrer Leidenschaft keine Veranlassung mehr, sie zu versorgen).
  3. Die Frau ist häßlich.
  4. Die Frau ist emanzipiert.
  5. Die Frau hat Interesse an einem bestimmten Beruf (und verzichtet daher von vornherein auf den eige­nen Sklaven und die eigenen Kinder).

Die Motive für die Berufstätigkeit von a) und b) liegen nahe. Wichtig sind die beiden nächsten Gruppen, denn die häßliche Frau gilt oft als emanzipiert, und das ist falsch. Die Chancen, einem Exemplar der letz­ten Kategorie zu begegnen (einer Frau, die geistigen Interessen zuliebe – oder gar aus Fairness! – auf Kom­fort und Leibeigene verzichtet), sind fast aussichtslos.

Die häßliche Frau (die Frau, die nach dem Geschmack der Männer häßlich ist, weil ihre sekundären Ge­schlechtsmerkmale entweder unvollkommen entwickelt oder ungenügend zur Schau gestellt sind, und weil ihren Gesichtszügen jeglicher Baby-Look fehlt) arbeitet aus dem gleichen Grund wie der Mann: weil es sonst niemand für sie tut. Doch während der Mann mit seinem Gehalt Frau und Kinder ernährt, arbeitet sie immer nur für sich selbst und nie, um mit dem verdienten Geld das Leben eines schönen jungen Mannes zu finanzieren.

Diese Frau ist oft ziemlich intelligent. Anfangs läßt sie zwar wie alle Frauen, dem Beispiel ihrer Mutter folgend und im Vertrauen auf den künftigen Arbeitssklaven, ihre geistigen Anlagen verkümmern. Doch je älter sie wird, desto mehr sieht sie ihre Chancen auf einen solchen Sklaven dahinschwinden. Und eines Tages bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich der letzten Überbleibsel ihrer Intelligenz zu erinnern und daraus das Beste zu machen.

Manche Frauen aus dieser Gruppe bringen es damit sogar sehr weit: als Schriftstellerinnen, Politikerinnen, Journalistinnen, Ärztinnen, Juristinnen kommen sie nicht selten (und gerade, weil sie als intelligente Frau­en so sehr aus dem Rahmen fallen) zu großen Ehren. Damit erweisen sie natürlich der Ausbeuterin in der Vorortvilla unschätzbare Dienste: »Seht ihr«, sagt diese, »wir Frauen könnten auch so manches, wir ver­zichten nur immer zugunsten der Männer.« Und anhand der abschreckenden Beispiele dieser Intelligenz­bestien kann sie dem Sklaven an ihrer Seite immer wieder klarmachen, wie häßlich, hart und uncharmant (wie »unweiblich«) eine große Leistung die Frau macht. Und er wird selbstverständlich die Gehirnampu­tierte in seinem Bett jener anderen immer noch tausendmal vorziehen (reden kann er ja notfalls auch mit Männern).

Auch die Häßliche verzichtet trotz ihres Erfolges nie ganz auf ihren weiblichen Sonderstatus und erwartet mit größter Selbstverständlichkeit, daß ihre Umwelt sie – »als Frau, die erfolgreich war« – wie eine Art Weltwunder betrachtet. Es ist fast obszön, wie sehr gerade diese Frau immer ihre »Weiblichkeit« heraus­streicht. Sie produziert sich vor Presse und Fernsehen, wann immer es geht, läßt ihren schwabbeligen Bu­sen über ihre große Schreibtischplatte hängen und klagt, wie schwer gerade sie, »als Frau«, es in ihrer ho­hen Position habe.

Wie dem auch sei, im Vergleich zur landläufigen Ausbeuterin ist sie einigermaßen respektabel. Daß sie zu ihrer Respektabilität gezwungen wird – man braucht ihr nur ins Gesicht zu sehen, um zu wissen, warum sie so gescheit ist -, ist eine andere Sache. Denn Häßlichkeit ist natürlich kein persönliches Verdienst.

Kompliziert wird es bei der sogenannten emanzipierten Frau. Denn während man die ersten drei Katego­rien der berufstätigen Frauen (die Häßliche allerdings nur, bevor sie Erfolg hat) durch entsprechende Geld­angebote ohne weiteres von ihren beruflichen Plänen abbringen könnte, arbeitet die Emanzipierte nie für Geld. Sie war per definitionem in ihrer Jugend immer attraktiv und hat daher immer einen gutverdienenden Sklaven zur Hand. Emanzipieren kann sich nur die »schöne« Frau: Die häßliche hat, genauso wie der Mann, nichts, wovon sie sich emanzipieren könnte; niemand hat sie je zu korrumpieren versucht, sie hatte nie die Wahl.
Die Emanzipierte hat auch Kinder (allerdings oft nur eins bis zwei), eine komfortable Wohnung und alle Statussymbole ihrer Clique. Doch sie findet ihre Vergnügungen nicht nur im Heim und auf den von ihren Geschlechtsgenossinnen organisierten Maskenbällen: Am besten amüsiert sie sich mit untergeordneten Handlangerdiensten, bei denen sie viel Publikum hat. Man findet sie ätherisch durch Korridore von Verla­gen und Zeitungsredaktionen schwebend, im Vorzimmer der Film-, Fernseh- und Theaterbosse, in der Rol­le der Regieassistentin, der Dolmetscherin, an den Schaltern der Reisebüros, in Juwelier- und Antiquitä­tengeschäften, in Boutiquen. Kurz, überall dort, wo sich reiche und interessante Leute treffen. Das Geld, das sie verdient, verbraucht sie meist restlos für ihre aufwendigen Maskeraden, mit deren Hilfe sie sich an ihrem Arbeitsplatz jeden Tag von neuem wieder in Szene setzt.

Die emanzipierte Frau ist genauso dumm wie die anderen, aber sie möchte nicht für so dumm gehalten werden: Von Hausfrauen spricht sie nur auf die abfälligste Art. Sie glaubt, allein die Tatsache, daß sie eine Arbeit ausführt, die auch eines Mannes nicht unwürdig wäre, mache sie intelligent. Sie verwechselt dabei Ursache mit Wirkung: Die Männer arbeiten ja nicht, weil sie so intelligent sind, sondern weil sie müssen. Ihre Intelligenz könnten die meisten von ihnen erst dann sinnvoll gebrauchen, wenn sie frei von finanziel­len Verpflichtungen wären (so frei wie die Hausfrauen zum Beispiel). In der Regel hätte eine Frau in ihrer Vorortvilla viel bessere Voraussetzungen für ein reges Geistesleben als zwischen Schreibmaschine und Diktiergerät.

Die Arbeit der Emanzipierten ist selten schwierig oder verantwortungsvoll, doch sie lebt in dem Wahn, sie sei sowohl das eine als auch das andere. Diese Arbeit »füllt sie aus«, »regt sie an«, sie könnte »ohne sie nicht existieren«. Doch wirklich angewiesen ist sie auf diese Arbeit nie, sie kann sie jederzeit aufgeben, denn die Emanzipierte arbeitet, im Unterschied zur Häßlichen, nie ohne Rettungsautomatik: Immer gibt es einen Mann, der irgendwo im Hintergrund bereitsteht und bei der ersten Schwierigkeit zu Hilfe eilt.

Daß sie langsamer aufsteigt als ihre männlichen Kollegen, findet sie zwar unfair, doch an deren mörderi­schen Kämpfen nimmt sie deshalb noch lange nicht teil. Das sei eben so: »als Frau«, selbst wenn man »emanzipiert« sei, habe man nicht die gleichen Chancen. Anstatt an Ort und Stelle für eine Veränderung der Tatsachen zu sorgen, rennt sie, geschminkt wie ein Clown und über und über mit Lametta behangen, auf die Versammlungen ihrer Clique und schreit nach Gleichberechtigung. Daß die Frauen selbst – und nicht die Männer – wegen ihrer Interesselosigkeit, ihrer Dummheit, ihrer Unzuverlässigkeit, ihrer Käuf­lichkeit, ihren albernen Maskeraden, ihren ewigen Schwangerschaften (und vor allem wegen ihrer erbar­mungslosen Dressur am Mann) die Schuld an diesen Zuständen trifft, kommt ihr nicht in den Sinn.

Man könnte nun annehmen, die Männer der Emanzipierten hätten es besser als die anderen, weil sie die Verantwortung nicht allein tragen. Das Gegenteil ist der Fall: Die sogenannte emanzipierte Frau macht ihren Mann unglücklich. Denn dieser Mann wurde natürlich, wie alle seines Geschlechts, nach dem Leis­tungsprinzip dressiert und muß ihr deshalb immer ein paar Schritte voraus sein: Die Übersetzerin hat einen Schriftsteller zum Mann, die Sekretärin einen Abteilungsleiter, die Kunstgewerblerin einen Bildhauer, die Feuilletonistin einen Chefredakteur.

Die emanzipierte Frau ist deshalb nie eine Entlastung für ihren Mann: Sie beutet ihn noch mehr aus als die anderen. Je höher sie hinaufkommt, desto unbarmherziger treibt sie ihn an (und manchmal kommt eine solche Frau, durch Zufall oder die Protektion eines Mannes – denn sie ist ja attraktiv – tatsächlich in eine wichtige Stellung). Wenn er nicht selbst eine hohe Position hat, wird jede ihrer Gehaltserhöhungen für ihn zum Trauma, jede ihrer beruflichen Anerkennungen kann ihn in Panik versetzen. Er lebt ständig in Angst, sie könnte ihn eines Tages doch noch überrunden, und findet keinen Augenblick Ruhe. Die fremden Män­ner, die sie täglich trifft, stürzen ihn in wilde Eifersucht. Er fühlt sich überflüssig, sein ganzes Dasein scheint ihm sinnlos, denn er glaubt, daß sie ihn nicht mehr braucht. Das Glück des Sklaven – das einzige Glück, das den Männern nach ihrer Dressur noch erreichbar ist – bleibt ihm versagt.

Und auch ihre Kinder macht die Emanzipierte unglücklich. Denn sie ist ja nicht besser als der Rest, nur anders: Sie vergnügt sich mehr bei einer stupiden Büroarbeit als bei der Versorgung ihrer intelligenten Kinder. Doch auf das Gebären wird sie deshalb noch lang nicht verzichten: Als Frau, sagt sie, brauche man ein Kind, sonst bliebe man sein Leben lang »unerfüllt«.

Die Emanzipierte verzichtet prinzipiell auf nichts: Sie ißt die Torte und den Kuchen auch noch. Damit sie ihrer »anregenden geistigen Tätigkeit« nicht entsagen muß, gibt sie ihre Kinder in Tagesheime und Internate oder läßt sie von jenen Hausfrauen erziehen, die sie so sehr verachtet. Und auch die Hausarbeit macht sie natürlich nicht allein: Sie erledigt sie mit ihrem Mann gemeinsam nach Büroschluß. Dafür darf er sich auch beim Parkettbohnern, Blümchengießen und Silberputzen mit seiner »geistig regen« Frau »anregend« unterhalten. Denn auf den traditionellen Plunder ihrer Sippschaft verzichtet die Emanzipierte natürlich genauso wenig wie auf den Arbeitssklaven und die Kinder.

Um ihrem Anspruch auf die männlichen »Privilegien« Nachdruck zu verleihen (ihren Anspruch auf die gutdotierten Stellungen der Männer, nicht etwa auf die »Privilegien« des Soldaten), organisiert die Eman­zipierte von Zeit zu Zeit sogenannte Emanzipationsbewegungen. Bei solchen Gelegenheiten lenkt sie dann mit viel Gezeter die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich, steckt sich Kampfabzeichen an den jeweils neuesten Suffragetten-Look, stellt zur Demonstration ihrer politischen Interessen etwa Kerzen an ihr Wohnzimmerfenster, kneift unter den Augen des Fernsehpublikums Bauarbeitern in die Hinterbacken und macht dergleichen Mätzchen mehr. Regelmäßig befreit sie sich dabei auch von irgendwelchen »Fes­seln«. Und diese »Fesseln« versteht sie (da ihr geistige Fesseln fremd sind) immer ganz wörtlich: Zu Be­ginn dieses Jahrhunderts war es das Korsett, von dem sie sich befreite, in den siebziger Jahren war es der Büstenhalter (damit diese Sensation auch niemandem entgehen konnte, ließ sie ihre Sklaven die durchsich­tige Bluse erfinden), und bei der nächsten Emanzipationswelle wird es vielleicht der unbequeme lange Rock sein, den sie gerade gegen den Willen der Männer mit viel Koketterie in ihren Maskenfundus auf­nimmt. Nur ihre Dummheit, ihre Albernheit, ihre Lächerlichkeit, ihre Verlogenheit, ihre Gefühlskälte und ihr abgrundtief blödes Geschwätz das hat sie bei einer solchen Gelegenheit noch nie abgelegt.

Und selbstverständlich wird sie dem Mann an ihrer Seite, auch wenn sie noch so gut verdient, nie die häus­liche Domäne überlassen und an seiner Stelle die Verantwortung für Lebensunterhalt und Sozialprestige auf sich nehmen. Obwohl es möglich ist, daß sie sich im Berufsleben tatsächlich »erfüllt« und »glücklich« vorkommt – sie ist ja viel unsensibler als der Mann und kann deshalb bei einer stumpfsinnigen Arbeit auch nicht so sehr leiden -, wird sie ihm mit ihrem Geld niemals die Möglichkeit für ein besseres Leben schaf­fen. Sie wird ihm weder Feuer geben noch Türen für ihn öffnen, sie wird weder Lebensversicherungen zu seinen Gunsten abschließen noch bei der Scheidung eine Rente für ihn aussetzen. Das wäre denn gar zu »unweiblich«. Und auch dem Mann würde eine solche Regelung nicht in den Sinn kommen, dazu ist er zu gut dressiert. Der Mann der Emanzipierten wird sich nach einem Kuß die Creme-, Puder- und Lippenstift-spuren aus dem Gesicht wischen und sich wieder in den Kampf stürzen.

Was ist Liebe?

Der Mann wird von der Frau so dressiert, daß er ohne sie nicht leben kann und deshalb alles tut, was sie von ihm verlangt. Er kämpft um sein Leben und nennt das Liebe. Es gibt Männer, die drohen ihrer Ange­beteten mit Selbstmord, wenn sie nicht erhört werden. Das ist für sie kein Risiko: Sie haben nichts zu ver­lieren.

Aber auch die Frau kann ohne den Mann nicht existieren, sie ist für sich allein so lebensuntüchtig wie eine Bienenkönigin. Auch sie kämpft um ihr Leben, und auch sie nennt das Liebe. – Einer braucht den anderen, und es sieht so aus, als gäbe es doch wenigstens ein gemeinsames Gefühl zwischen ihnen. Aber die Ursa­chen und das Wesen dieses Gefühls und ihre Konsequenzen sind für Mann und Frau völlig verschieden.

Für die Frau bedeutet Liebe Macht, für den Mann Unterwerfung. Für die Frau ist Liebe ein Vorwand für kommerzielle Ausbeutung, für den Mann ein emotions-getränktes Alibi für seine Sklavenexistenz. »Aus Liebe« tut die Frau Dinge, die ihr nützen, der Mann solche, die ihm schaden. Die Frau arbeitet »aus Liebe« nicht mehr, wenn sie heiratet; der Mann arbeitet, wenn er heiratet, »aus Liebe« für zwei. Die Liebe ist für beide Teile ein Kampf ums Überleben. Aber der eine überlebt nur durch Sieg, der andere nur durch Nie­derlage. Es ist eine Ironie, daß die Frauen auch ihre größten Gewinne im Augenblick ihrer größten Passivi­tät ernten und daß ihnen das Wort »Liebe« auch bei ihrem erbarmungslosesten Betrug am Mann den Glo­rienschein der Selbstlosigkeit gibt.

Der Mann vernebelt sich mit »Liebe« seinen feigen Selbstbetrug und macht sich glauben, seine sinnlose Sklaverei für die Frau und deren Geiseln sei ehrenhaft und habe einen höheren Sinn. Er ist zufrieden mit seiner Rolle, als Sklave ist er am Ziel seiner Wünsche. Und weil die Frau ohnehin nur Vorteile aus diesem System zieht, wird sich nichts ändern; das System zwingt sie zwar zur Korruption, aber niemand findet etwas dabei. Man darf von einer Frau nichts anderes erwarten als Liebe, solange sie damit alles andere eintauschen kann. Und den zum Sklaven dressierten Mann werden seine Anstrengungen immer nur im Sinn der Dressur weiterbringen, nie zu seinem Vorteil. Er wird immer noch mehr leisten, und je mehr er leistet, desto weiter wird die Frau sich von ihm entfernen. Je mehr er sich ihr anbiedert, desto anspruchs­voller wird sie werden. Je mehr er sie begehrt, desto weniger wird er selbst für sie begehrenswert sein. Je mehr er sie mit Komfort umgibt, desto bequemer, desto dümmer, desto unmenschlicher wird sie werden, und desto einsamer er selbst.

Nur die Frauen könnten den Teufelskreis von Dressur und Ausbeutung brechen. Sie werden es nicht tun, es gibt dafür keinen rationalen Grund. Auf ihre Gefühle darf man schon gar nicht hoffen -, Frauen sind ge­fühlskalt und ohne jedes Mitleid. Die Welt wird also immer weiter in diesem Kitsch, in dieser Barbarei, in diesem Schwachsinn Weiblichkeit versinken, und die Männer, diese wunderbaren Träumer, werden nie­mals aus ihren Träumen erwachen.

http://de.wikimannia.org/images/Esther-Vilar_Der-Dressierte-Mann.pdf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s