Ene mene muh, und schuld bist du!

Thilo Thielke

 

Daß Frankreich Schuld hat am Terrorismus, hatte uns ja freundlicherweise ja schon das ZDF erklärt, in seiner Kindersendung Logo. Jetzt habe ich aber erfahren, dass eigentlich Deutschland für die Toten und einen direkten Angriff auf den Islam verantwortlich ist.

Das hat nämlich Aiman Mazyek herausgefunden, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime. Dem Deutschlandfunk (1) erklärte er, „es sei schmerzhaft, dass Deutschland auch ein Exporteur von Terroristen sei. Dies zeuge von einem gesamtgesellschaftlichen Versagen, zumal diese Menschen auf deutsche Schulen gegangen seien“. Tja, das ist ja mal ein Ding. Aber gegen wen genau führen diese Deutschen etwas im Schilde?
Dazu der Deutschlandfunk: „Nach Ansicht von Mazyek haben die Terroristen den Koran missbraucht, um Macht und Gewalt auszuüben. Sie führten Krieg gegen die Menschlichkeit und damit auch direkt gegen den Islam.“

Das muß man erst mal verdauen. Fassen wir also zusammen: Deutsche Terroristen greifen direkt den Islam an, und niemand tut etwas dagegen – außer der Herr Mazyek vielleicht. Und warum tun sie das, die Terroristen aus den deutschen Schulen? Das hat Mazyek gegenüber der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen (2) zumindest angedeutet: Damit jetzt „noch mehr Stimmung gegen Muslime“ gemacht werde. Wahnsinn.

Aber Deutschland und Frankreich können doch nicht die Alleinverantwortung tragen. Wer könnte denn sonst noch so den Terrorismus fördern? habe ich mich gefragt. Und man glaubt es kaum, auch das weiß Mazyek: Polen. Genaugenommen alle, die „so von der Rolle reagieren wie die Polen, die überhaupt keine Flüchtlinge mehr reinlassen wollen, dann ist das genau das, was die Terroristen wollen“.

Weil das Interview aber gerade so toll lief, hat der Reporter noch mal richtig kritisch nachgehakt: Hatte der IS nicht „eine quasi religiöse Begründung in seinem Bekennerschreiben genannt“? Was Mazyek denn dazu sage?

Ich habe daraufhin noch mal ins Bekennerschreiben (3) geguckt. War das wirklich quasireligiös, was da stand? Und ich las: „Im Namen Allahs, des Gnädigsten, des Barmherzigsten. In einer gesegneten Attacke, deren Erfolg Allah ermöglichte, hat eine Gruppe von Gläubigen, Soldaten des Kalifats (Allah möge es stärken und unterstützen), die Hauptstadt der Unzucht und Laster ins Visier genommen, die Hauptstadt, die das Banner des Kreuzes in Europa trägt, Paris.“

Es geht dann noch oft um Allah und den Propheten und den Islam, und dann habe ich gedacht: Stimmt, der Begriff „quasireligiös“ trifft es wohl. Mazyek hatte sich von der provokanten Frage übrigens nicht in die Enge treiben lassen. Er hält seine Religion für das eigentliche Angriffsziel der Terroristen.

Wenn Frankreich und Deutschland schon die Hauptschuld an dem ganzen Schlamassel tragen und eventuell auch die Briten und Amerikaner, murmelte ich vor mich hin, müßte die Schweiz aber vielleicht doch auch ein kleines bißchen … Und da fiel mir auch schon der Terrorismusexperte Lorenzo Vidino (4) ins Wort: „Die Schweizer Aussenpolitik ist weniger aggressiv als die britische, amerikanische oder französische. Aber die Schweiz gibt den Islamisten andere Gründe, sie nicht zu mögen. Etwa das Minarettverbot oder islamophobe Äusserungen von Politikern.“

Verdammt, die Schweiz also auch. Was können wir denn jetzt tun? fragte ich mich. Aber Vidino hatte meine Gedanken längst erraten (5):„Offensichtlich ist es nicht sehr vernünftig, den Islam pauschal zu kritisieren. Das ist destruktiv und das, was die Terroristen wollen.“ Aha, nicht sehr vernünftig, womöglich noch nicht einmal hilfreich und außerdem das, was die Terroristen wollen. Jetzt wissen wir Bescheid.

Ich bin ja wie viele andere auch der Ansicht, daß man das, was die Terroristen wollen, eben nicht tun sollte, und deshalb kritisiere ich den Islam nicht mehr. Aber was sonst noch so? Es muß doch noch mehr geben im Leben.

Da stolperte ich über einen Kommentar in der Presse und hatte wirklich Glück. Die Zeitung aus Wien (6) weiß nämlich zufälligerweise ziemlich genau, was die Terroristen wollen: „Die Terroristen wollen, dass wir aufhören, uns frei zu bewegen. Sie wollen, dass unsere Länder von Grenzen, Mauern, Zäunen und Stacheldraht zerschnitten werden. Dass wir in permanenter Verteidigungshaltung erstarren, ständig mit dem Finger am Abzug.“

Diese Terroristen aber auch! Wollen die doch tatsächlich, daß wir unsere Grenzen zumachen und uns verteidigen. Auf die Idee wäre ich an und für sich nicht gekommen. Aber es ist immer gut, wenn es irgendwo Experten gibt, die einem das erklären. Lassen wir wir also hoch die Tür und die Tor weit. Es ist ja sowieso bald Weihnachten.

Apropos Weihnachten. Ob die Terroristen vielleicht etwas gegen Weihnachtsmärkte haben? dachte ich. Immerhin sind sie ja auf deutsche Schulen gegangen und müßten mit dem Brauch ganz gut vertraut sein. Und bingo! „Genau das ist es, was die Terroristen wollen: Uns Angst machen und uns davon abhalten die Dinge zu tun, die uns Freude bereiten und die wir eigentlich gern tun würden. Deswegen sagen sich viele: ,Ich lasse mir nicht von den Terroristen den Spaß verderben!‘ und gehen erst recht auf den Weihnachtsmarkt.“ Das hat der Hessische Rundfunk (7) recherchiert

Ich will das Experiment abkürzen. Es gibt unendlich viele Menschen, die genau wissen, was die Terroristen wollen und weswegen wir jetzt genau das Gegenteil tun sollten. Die Weihnachtsmarktbetreiber raten im Großen und Ganzen, im Lande zu bleiben und Weihnachtsmärkte zu besuchen. Die Tourismusindustrie hingegen tendiert eher zum Verreisen. „Wenn wir jetzt nicht mehr in den Urlaub fahren, tun wir genau das, was die Terroristen wollen“, erklärt der Präsident des Deutschen Reiseverbands (8), Norbert Fiebig, der Nordwest-Zeitung, „wir werden also trotzdem reisen.“ Eigentlich fehlt nur noch die Rasierwasserindustrie mit einem knackigen Statement. Aber das wird noch kommen. Da bin ich mir ganz sicher.

Einer hatte übrigens etwas ganz Seltsames zu dem Thema geäußert. Michael Hanfeld von der FAZ: „ Die Anschläge in Paris markieren ein neues Datum des Terrors. Einen weiteren Tag, mit dem sich ein Massenmord verbindet, dessen Täter wissen, was sie wollen: Möglichst viele Menschen töten.“

Herr Hanfeld, wie kommen Sie denn darauf?

Quellen:
http://www.deutschlandfunk.de/zentralrat-der-muslime-die-willkommenskultur-ist-der.868.de.html?dram:article_id=336906
https://www.hna.de/politik/ayman-mazyek-zentralrat-muslime-nennt-is-terror-krieg-gegen-menschlichkeit-5872097.html
http://www.stern.de/politik/ausland/nach-anschlaegen-von-paris—das-bekennerschreiben-des-is-im-wortlaut-6555432.html
http://www.bernerzeitung.ch/ausland/anschlag-in-paris/minarettverbot-macht-die-schweiz-zum-potenziellen-ziel/story/27106095
http://www.watson.ch/Schweiz/Angriff%20auf%20Paris/177092005-Dschihad-Experte-Lorenzo-Vidino—«Neu-ist-die-Art—wie-die-Terroristen-agieren-–-mit-militärischer-Taktik
http://diepresse.com/home/meinung/quergeschrieben/sibyllehamann/4868564/Wir-konnen-jetzt-genau-das-tun-was-die-Terroristen-wollen
http://www.hr-online.de/website/radio/hr3/index.jsprubrik=54775&key=standard_document_57930456
http://www.nwzonline.de/reisen/drv-es-ist-gut-wenn-muslimische-laender-bereist-werden_a_6,0,481981678.html
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-terroranschlaege-von-paris-sollen-die-freie-welt-ins-herz-treffen-13912019.html

 

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/was_die_terroristen_wollen

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