Victoria – Film mit Sogwirkung

Victoria – Film mit Sogwirkung

von Christiane Linke

 

 

Hier könnte man wirklich sagen …“und action“, denn es gibt 140 Minuten lang keinen Schnitt.

Eine junge Frau tanzt in einem Berliner Club. Die Kamera ist ganz nah, nimmt jede Bewegung mit. Sie bestellt einen Drink, geht auf Toilette, wischt sich den Schweiß von der Stirn. Im Eingang trifft sie auf ihre späteren Begleiter. Die junge Frau ist freundlich, offen und so kommen sie ins Gespräch. Berliner Schnauze trifft auf Madrid. Die vier jungen Männer überreden sie zu einer Aussichtstour auf eine private Dachterrasse. Die Typen wirken schräg, aber nicht gefährlich. Sonne (weil er immer lächelt) wickelt die süße Victoria mit seinem Berlinenglisch ein und wird schnell zur zweiten Hauptfigur. Die Kamera klebt an den Darstellern und man hat das Gefühl, dass man wirklich dabei ist, einfach mitläuft und die Nächte in Berlin so sein müssen. Sonne und Victoria flirten. Die Texte sind echt, weil auch improvisiert, die Längen nicht gekürzt. Die Dialoge wirken zum Teil so intim und die Darsteller so verletzlich, dass man sich gerne ausklinken würde. Die Story folgt einem roten Faden. Die Fünf werden schnell zu Sympathieträgern und so taucht man tiefer als gewohnt in den Film ein. Die leichte Stimmung kippt, als die nun nur noch drei jungen Männer einen Auftrag ausführen müssen und Victoria um Hilfe bitten. Man brauche einen vierten „Mann“. Zunächst scheint alles gut zu gehen, aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Victoria, die eigentlich nur das geklaute Auto fahren soll und bislang neugierig mitgelaufen ist, übernimmt. Sie muss handeln, die Situation irgendwie retten. Bei all dem überträgt sich die Aufregung und Verzweiflung direkt auf den Zuschauer. Das Auto will nicht starten, alle Wege enden in Sackgassen und die vermeintlich sichere Sache endet im Fiasko. Die letzten Minuten sind etwas überzogen. Zu viele Spucke Fäden und überbordende Gefühle. Ansonsten aber ein tolles Debüt.

Verglichen mit diesem Film ist „Kopfüber in die Nacht“ mit Michelle Pfeiffer und Jeff Goldblum vorhersehbar und langweilig. Einfach zu perfekt.

 

2015 © by Christiane Linke

christianelinke22@gmail.com

 

Siehe auch:

 

 

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