Theaterkritik: Die Frau, die gegen Türen rannte

Die Frau die gegen

Die Frau, die gegen Türen rannte

 

Die Bühne ist schlicht weiß. Man spielt mit Lichteffekten. Paula ist blondiert, trägt einen Plastikpullover, einen Jeansrock und bewegt sich kantig. „Egal was ich tat, ich war eine Schlampe. Ich weiß nicht, woran es lag. Ob an meinen Beinen, meinen Haaren oder meinen großen Brüsten. Ich sah, dass meine Lippe blutete. Ich war gestürzt. Ich war doch gestürzt? Der Alkohol betäubt. Noch ein Schlückchen und ich bin wieder jung. Vier Kinder und kein Job. Es fing alles so schön an.“ Er fragte: “Was ist mit Deinem Auge?“ Ich sagte: “Ich bin gegen eine Tür gelaufen, aber es ist ok, das passiert eben.“ „Ja, du musst besser aufpassen, mein Schatz.“ Dieses Schwein, denkt sie, jetzt ist es schon so weit, dass er unsere halbwüchsige Tochter anguckt. Er muss weg, endgültig. Paula nimmt die Bratpfanne und schlägt zu. In dem Schlag ist die Ohnmacht und Wut aller gelittenen Jahre. An die Achtziger kann sie sich nicht erinnern, zu viel Liquid. Er verlässt anstandslos das Haus. Es ist so einfach, warum hat sie es siebzehn Jahre lang ertragen. Die Tochter fragt: “Was wird nun?“ „Das weiß ich nicht“, sagt Paula.

Die Akteurin leuchtet bis fast in die tiefsten Abgründe. Eckig, einfühlsam und echt spielt Bettina Hoppe Milieu und Klischee der Paula Spencer. Die existentielle Angst wird mit Alkohol und Tanz betäubt. Und dann ein Grund, den sie nicht ertränken kann. Sie schlägt zurück. Ein einfühlsames, aber vor allem ehrliches Einfrauenstück über Identität, Krisen und Kraft. Man denkt unweigerlich an Film Noir.

 

2014 © by Christiane Linke

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