Monatsarchive: November 2013

„Zwei Kulturen – deutsch-amerikanische Freundschaft, oder was?“

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“American Hero” 2011  © by Julian S. Bielicki

„Zwei Kulturen – deutsch-amerikanische Freundschaft, oder was?“

Oft höre ich zur Zeit, auch von meinen türkischen und arabischen Friseuren, das Wetter wäre so schlecht. Wieso soll das Wetter schlecht sein? Im Gegenteil, das Wetter ist wunderbar, Regen, Wolken, Wind, Kälte, Dunkelheit! Das ist wie deutsches Schwarzbrot, das beste in der Welt! Wir leben doch nicht in Tunesien, wo der Himmel immer blau ist und die Sonne scheint, sondern in Deutschland. Und das deutsche Wetter ist super, mal so, mal so, abwechselnd, eher milde, nicht zu heiß im Sommer, nicht zu kalt im Winter, in Frankfurt am Main mindestens ist es so. Und es gibt den Frühling und Herbst, die es nicht überall in der Welt gibt. Bei dem Wetter lässt sich gut sinnieren, wie z.B. darüber, was Dummheit ist? Dumm ist, wer etwas nicht weiß, obwohl er es wissen könnte.

Wie in den Blondinenwitzen. Es kommt eine Blondine mit knallroten Ohren zum Arzt. „Was ist passiert?“ – fragt der Arzt. „Ich habe gebügelt, da klingelte mein Handy und ich habe das Bügeleisen anstatt das Handy ans Ohr gepresst.“ – sagt die Blondine. „Und was ist mit dem anderen Ohr passiert?.“  „Der Idiot hat nochmal angerufen.“

Ich habe nichts gegen Blondinen, einige echte und unechte Blondinen gehören zu meinen besten Freundinnen.

„Abhören unter Freunden, das geht gar nicht!“ – hört man seit Wochen von allen möglichen politischen Teletubbies. Leute, zwischen Staaten gibt es keine Freundschaften, nur Interessen aus denen Koalitionen oder politische Gegner entstehen. Kapiert es doch endlich und hört mit dem infantilen Geplärre auf! Schäuble und die Seinen haben doch massenhaft gestohlene Bankendaten gekauft, haben sich also als Hehler und Ausspäher betätigt, und es ging dabei nicht um die nationale Sicherheit, sondern um das schnöde Geld. Und wenn Deutsche nicht imstande sind eine Nazibande aufzuspüren, die zehn Jahre lang durch Deutschland zieht und Unschuldige mordet, dann ist es nur folgerichtig, daß USA die Deutschen und sonst alle abhören, wie sie können. Immerhin lebten die  Attentäter 9/11  Atta, Jarrah, Alshehhi und Ramzi Binalshibh seit 1998 in Hamburg, schon vergessen? Und welche geheimen Pläne soll Obama vom Handy der Kanzlerin denn erfahren? Sie hat ja gar keine Pläne, sie ist lediglich eine Gallionsfigur von Deutschland, das irgendwohin driftet, kein Mensch weiß wohin. Vielleicht weiß Obama mehr und das wäre sehr gut, in diesem Fall. Nationen haben viele Mythen, auch über Freundschaften unter Nationen. Deutsche haben keine Freunde, außer Japaner, die glauben daß jeder Deutsche den Tag mit Beethoven oder Schubert anfängt und dann Goethe oder Schiller lesend zur Arbeit fährt,  der er sich mehr als 10 Japaner verpflichtet fühlt. Und Iraner hegen Sympathien für Deutschland, weil sie glauben, Deutsche würden heimlich weiterhin Hitler bewundern und Juden hassen, worin Perser zum Teil sogar Recht haben. Und ansonsten liebt niemand die Deutschen. Und die Deutschen lieben niemand, außer vielleicht die Palästinenser, aber nur weil diese Israelis das Leben schwer machen. So ist es. Keine Liebe, keine Freundschaft zwischen den Staaten. Sie sollen öfter Filme von Reiner Werner Faßbinder schauen. Ist es eine Freundschaft, wenn man in Deutschland überall hört, daß Amerikaner übergewichtig, ungebildet und unkultiviert sind? Dann fragen Sie eine Flugbegleiterin, daß sie Ihnen von ihren Erlebnissen in Charterflügen von Berlin nach Malle erzählt, wie kultiviert die Deutschen sind! Und die wenigsten wissen, daß die amerikanische Revolution von 1763 viel früher Menschenrechte postuliert und erwirkt hat, als die französische von 1789, daß Jefferson bereits 1776 in der Unabhängigkeitserklärung von Virginia das Recht auf Freiheit, Gleichheit, das Recht auf Leben und das Streben nach Glück, als Grundgesetz festgeschrieben hat. Und die Deutschen? Ihre einzige große braune Revolution von 1933 war die Bildung einer kriminellen Vereinigung, sonst nichts. Also seien Sie etwas zurückhaltender in der Hatz auf Amerika, und bedenken Sie, daß ein Stock immer zwei Enden hat.

Psychoanalyse bedeutet, Menschen zu erklären, was diese wissen aber nicht wissen wollen. Das ist ziemlich schwer, jemandem etwas zu erklären, was er weiß. Aber nicht wissen will. Das ist aber mein tägliches Brot. Das Unbewusste hat eine verdammt einfache Sprache, und nur so kann man mit Menschen echt kommunizieren. (Ich kann aber auch anders, so daß es hier keiner verstehen würde, also „hochwissenschaftlich“.) Ganz einfach muss es sein. Sonst wird es ein Gebrabbel. Und ich versuche es auch hier. Also.

Es gibt zwei Kulturen. Die eine, die mit der Aufklärung, mit der Reformation entstand, in der Menschen andere Meinungen nicht nur zulassen, sondern sogar auf entgegengesetzte Meinungen neugierig sind, weil es sie zum Nachdenken zwingt und ihre Horizonte erweitert. Das ist die Kultur, in der Diskussionen, Meinungsstreit, erwünscht sind. Das ist die Kultur, in der man dem anderen zuhört, auch wenn er andere Meinung äußert, die einem nicht gefällt. Der deutsche Philosoph Hegel hat besonders diesen Widerstreit der Meinungen geschätzt. Aber auch Immanuel Kant war nicht ohne. Und schon Aristoteles war großer Freund der Dialektik, so nennt man es, wenn man entgegengesetzte Meinungen auf die Spitze treibt, um weiterzukommen. Wie in der Geschichte, in der sich zwei Freunde treffen, und der eine sagt: „Gratuliere zu deiner Hochzeit, Hans, deine Frau ist super im Bett!“, woraufhin Hans antwortet: „Ach, Karl, ich weiß nicht was ich davon denken soll, die einen meinen es so, und die anderen umgekehrt.“

Die zweite Kultur kennt nur eine Meinung, jede andere Meinung darf einfach nicht sein. Das ist die Kultur des Mittelalters, andere Meinung als der jeweiligen Volksgemeinschaft, ist unter Todesstrafe verboten, und nicht nur andere Meinung, sondern das anders Sein bzw. das vermeintliche oder tatsächliche Anderssein. So war es unter Stalin, so war es unter Hitler, so ist es in Nordkorea, in islamistischen Ländern, und so ist es auch immer mehr in Deutschland. Meistens wird der Andere, der Andersdenkende oder anders Aussehende in Deutschland heute nicht physisch umgebracht, aber medial. Er wird sarrazinisiert, elsterisiert, also medial vernichtet, es wird nicht zur Sache argumentiert, sondern die Person wird angekackt, wie bei manchen Affenarten, die einen Feind kreisförmig umringen, dabei ihre Hintern zum Kreisinneren, wo der Feind steht, richten und ihn zu Tode ankacken und anpissen. So machen es die Deutschen. Gegen einen solchen Shitstorm eines Flashmobs helfen keine Argumente, daher ist es wichtig, nicht allzu nahe an die Kommentarenkloake zu kommen, damit man nicht dort hereinfällt, sonst ist man verloren. Man muss vom sicheren höheren Ort seine Meinung kundtun, wo die Ankacke nicht so leicht ankommt. Das führt natürlich zum weiteren Sturm der Entrüstung in der Kommentarkloacke, die dann dem Entrückten Arroganz vorwerfen. Scheiß drauf. Übrigens ist Deutschland das einzige Land, das als Schimpfworte anale und nicht genitale Ausdrücke benutzt, also Arsch, Scheisse anstatt „fuck you, slut, motherfucker“. So.

Diese Freiheit miteinander Meinungen auszutauschen, wurde im Abendland nach der Aufklärung entwickelt, gefördert, betraf aber nur gebildete Schichten der jeweiligen Gesellschaft. Das Volk blieb, wie es war, nur zunehmend reicher und politisch einflussreicher. Große kulturelle Leistung der Menschheit war die Entwicklung des Menschen vom affigen Wir-Urzustand zum Individuum, zur Person.  Das Wir kennt jedes Tier, nur der Mensch kann sich in einem Bildungsprozess zu einem Ich entwickeln.

In Einsteins Nachlass fand sich ein kleines Gedicht: ‚Unbehaglich macht mich stets das Wörtchen ‚wir‘, / Denn man ist nicht eins mit einem andern Tier, / Hinter allem Einverständnis steckt / Stets ein Abgrund, der noch zugedeckt. (Roger Highfield, Paul Carter: Die geheimen Leben des Albert Einstein. Berlin 1994)

Das Individuelle wird aber von der Volksgemeinschaft verfolgt und vernichtet, denn alle dürfen in einer Volksgemeinschaft nur eine Meinung haben. Der Führer ist tot, aber die Volksgemeinschaft lebt weiter, samt ihrer Aktivisten und Experten, die wie ein Mähdrescher immerwieder dieselbe Meinung propagieren, auch wenn Fakten dagegen sprechen, wie bei der angeblichen Klimaerwärmung. Übrigens, der deutsche Wald ist auch nicht gestorben. Und alle anderen Weltuntergangsprophezeiungen sind nicht eingetreten. Deutsche  Volksgemeinschaft hat offenbar nichts, was ihr sonst Spaß macht, außer Fußball. Autorennen, Weltuntergangsszenarien und Hetzjagd auf irgendjemand. Denn dem Straßenmob geht es um Randale, nicht um die Sache, und um zu beweisen, wer die Macht hat, und zwar die Straße, der Mob, egal ob es um den Bischof oder um Stuttgart 21 oder um Blockupying  geht, der Mob will und beweist es, daß er die Macht hat, und nicht die Kirche, nicht die Stadt, nicht das Land, nicht die Demokratie.

Where the hell are we

„Where the hell are we?” 2004  © by Julian S. Bielicki 74x135cm oil in canvas

Dieses Land ist wie ein Schwarm, ohne Anführer und doch wechselt es immerwieder die Richtung, und zwar alle gemeinsam, Angela schwimmt nur oben wie ein Korken auf den Wellen, die vom Schwarm bestimmt werden. Das ist das Volk, das ist der Volkswille: die Straße. Und diese Straße, dieser Mob, rottet sich auch im Internet zusammen und bekackt jeden, der eine eigene Meinung äußert. Das nennt man Shitstorm des Flashmobs. Das ist die zweite Kultur, wenn es überhaupt eine ist.  Wilston Churchill meinte, die Deutschen hat man entweder zu Füßen, oder an der Gurgel. Und Kaiser Wilhelm II würde heute sagen: „Ich kenne keine Parteien mehr. Ich kenne nur Grüne!“

2013 © by Julian S. Bielicki

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Wieso geht etwas nicht, was doch offensichtlich geht?!

Wieso geht etwas nicht, was doch offensichtlich geht?!

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Es geht gar nicht! – höre ich seit Tagen. Die Deutschen werden immer infantiler, ihre Sprache nähert sich dem Niveau von Müttern, die mit ihren Kleinkindern sprechen, angesichts der großen Anzahl von alleinstehenden Müttern verwundert es nicht. Etwas Neues aus der Kleinkindsprache lernte ich vor kurzem, Menschen die etwas nicht gemacht haben, was sie versprochen haben zu tun, sagen dann: „Ich habe es nicht geschafft.“ Nicht „Ich habe es nicht gemacht“, sondern „Ich habe es nicht geschafft“. Ich sehe, wie diejenige mit letzter Kraft den Bürgersteigt entlangkriecht und vor Durst aus der verschnürten Kehle kaum verständlich „Wasser! Wasser!“ krächzt, die lieblosen Passanten gehen aber an ihr vorbei, so daß sie leblos auf die Gehplatten sinkt – sie hat es nicht geschafft. Gerhard Schröder lehrte mich wiederholt, daß etwas „Keine Frage“ sei. Wieso ist etwas „keine Frage“? Was bedeutet es eigentlich? Darf man fragen? Ach nein, keine Frage! Dann hört man immerwieder, wenn jemand „Ein schöner Tag heute“ sagt, daß er dann als Antwort anstatt „Ja“, „absolut“ zu hören bekommt. Wieso ist alles und jedes für manche „absolut“? Und dann „auf jeden Fall“. „Schlaf tut gut“ – „auf jeden Fall“. Wieso „auf jeden Fall“, ein Ja hätte gereicht. Zuletzt wissen offenbar viele nicht, wenn sie einen Psychotherapeuten aufsuchen, daß sie ihm etwas erzählen sollen. „Ich habe nichts zu erzählen, es ist nichts passiert, ich weiß nicht was ich erzählen soll.“ – bekomme ich sehr oft zu hören. Leute, das geht gar nicht! Auf keinen Fall! Absolut! So schafft ihr es nicht! Und nun etwas tolles, die Homöopathie. Nachgewiesenermaßen ohne jegliche angepriesenen Wirkstoffe. Es soll etwas wirken dadurch, daß es nicht vorhanden ist. Ganz toll, diese Deutschen! Sie schaffen eine riesige Industrie für etwas aufzubauen, das nicht existiert. Nun lesen Sie und hören Sie selbst: Prof. Martin Lambeck kritisiert die Homöopathie:

Professor

Als Physiker interessiere ich mich für die Phänomene im Grenzbereich von Physik und Medizin. Hier jetzt speziell der Homöopathie. Und da denke ich an ein sehr beliebtes Homöopathikum, Bella Donna D30, was ist das? Bella Donna, auf Deutsch Tollkirsche. Was heißt D30? Das D kommt vom lateinischen Wort für zehn. D30 heißt also, dass 30-mal 1:10 verdünnt wurde und das entspricht, diese Verdünnung entspricht dem Auflösen von einem Stückchen Zucker in so viel Wasser wie in tausend Erdkugeln Platz hat. Und jetzt vergleichen Sie mal, das Spülbecken, in dem die Gläser gespült werden, mit dem Wasser in tausend Erdkugeln, dann verstehen Sie meinen Satz „In keinem Restaurant wird Ihr Glas von den Spuren des vorigen Getränks und des vorigen Trinkers so perfekt befreit wie dieses Fläschchen von Bella Donna“. Wo Bella Donna D30 draufsteht ist kein Bella Donna drin. Besonders wichtig für die Homöopathie ist die Potenz C30, weil Herr Hahnemann verlangt, dass mit Präparaten in C30 die Arzneimittelbilder bestimmt werden. Das C kommt vom lateinischen Wort für hundert. C30 heißt also, dass 30-mal 1:100 verdünnt wurde. Hier kann man nicht mehr in Erdkugeln rechnen, sondern  nur noch in Milliarden von Galaxien. Nachdem wir wissen, dass in einem Hochpotenzhomöopathikum nichts drin ist, stelle ich die umgekehrte Frage. Was ist drin? Was drin ist sagt uns das homöopathische Arzneibuch. Nämlich zum potenzieren, das heißt also zum verdünnen mit dazwischengeschaltetem Schütteln, verwende man gereinigtes Wasser und Alkohol. Wasser und Alkohol sind aber keineswegs reine Substanzen. In manchen Gegenden enthält Wasser Kalk, in anderen Eisen und der Alkohol enthält verschiedene Nebenbestandteile, je nachdem ob er aus Roggen, Weintrauben, Kartoffeln, Reis, Mais usw. hergestellt wurde. Wie viel Nebenbestandteile drin sein dürfen sagt uns das Europäische Arzneibuch. Beim gereinigten Wasser darf der Verdampfungsrückstand je 100 Milliliter ein Milligramm betragen. Das entspricht G5. Außerdem darf dieses Wasser pro Milliliter nur 100 Mikroorganismen enthalten. Beim Alkohol darf der Verdampfungsrückstand 2,5 Milligramm je 100 Milliliter betragen und dazu kommen die flüchtigen Bestandteile. Deren Summe darf 300 PPM betragen. Das entspricht D4. Das ist nicht etwa billiger Schnaps, sondern das ist der Apothekeralkohol, mit dem die Homöopathika hergestellt werden. Der Hersteller wird als Wasser beziehungsweise Alkohol immer das verwenden was grade am billigsten angeboten wird. Je nach Marktlage entsteht also Eisen in Kartoffel mit Mikroorganismen aus der Spree oder Kalk in Zuckerrohr mit Mikroorganismen aus der Donau. Das heißt, es gibt völlig verschiedene Präparate die nur zwei Dinge gemeinsam haben, es steht Bella Donna drauf, es ist kein Bella Donna drin. Anders gesagt, Hochpotenzpräparate kann man gar nicht herstellen. Der Alkohol darf 16 Nebenbestandteile enthalten. Ich greife eins heraus, was wir alle kennen, das hochgiftige Benzol. Der Benzolgehalt darf 2 PPM betragen, das entspricht D6. Das heißt also, bei Bella Donna D30 ist 10 hoch 24-mal mehr Benzol drin als Bella Donna und bei dem Hahnemann Präparat in C30, das entspricht D60, ist 10 hoch 54-mal mehr Benzol drin als das was draufsteht. Somit lautet meine fallsifizierbare These: Im Hochpotenzbereich kommt es auf den Inhalt der Flasche gar nicht an. Nur das Etikett wirkt auf Patient und Arzt. Das war der physikalische Aspekt. Ich möchte noch einen medizinischen Aspekt hinzufügen. Ich lasse jetzt mal alle physikalischen Bedenken weg und nehme an die Homöopathen haben recht, hier ist zwar kein Bella Donna als Materie drin, wohl aber die, wie sie sagen, Schwingung des Bella Donna. Dann muss diese Schwingung irgendwie auf den Menschen wirken. Die naturwissenschaftlich begründete Medizin erklärt die Wirkung der Medikamente dadurch, dass sie auf der molekularen Ebene wirken, das heißt die Moleküle des Medikaments kommen so nahe an die Moleküle des Körpers heran, dass die Materiewellen von Medikament und Körper sich überlappen und nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip eine Wirkung hervorrufen. Man spricht vom Andocken an einem Rezeptor. Bei der Homöopathie muss das anders sein. Denn diese Rezeptoren können die Schwingung ja nicht wahrnehmen, weil sie ja nur auf Materie ansprechen. Der Mensch muss also irgendwelche Wahrnehmungsorgane, ich nenne sie einfach Sensoren, haben, die die Schwingungen des Homöopathikums aufnehmen. Wenn das so ist, dann müssen die Lehrbücher Physiologie des Menschen und Pharmakologie und Toxikologie neu geschrieben werden und es ist mindestens ein Nobelpreis für Medizin fällig. So. Über Burn-Out, Mobbing und Traumatisierung, des Deutschen liebste Gründe für eine Krankschreibung, Frühberentung, Schadenersatz- oder andere geldwerte Forderungen, ein anderes Mal.

2013 © by Julian S. Bielicki

 

Marisa Kurz veröffentlichte kürzlich auf der Achse den Beitrag „Warum Homöopathie nicht in Arztpraxen und Apotheken gehört“. In eine ganz ähnliche Richtung argumentiert jetzt Josef Hecken, der Vorsitzende der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. In einem Interview mit der FAZ  sagt er: „Es sollte den Kassen untersagt werden, Dinge zu bezahlen, für die es keine Evidenz gibt“. Weiter heißt es in dem Bericht: „Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs müsse eine homöopathische Therapie auch Selbstzahlern verboten werden können, solange die Wirksamkeit nicht mit Studien belegt worden sei. ‚Da brauchen wir ganz klare Verbote‘, sagt Hecken. Schließlich gehe es hier ’nicht um Befindlichkeiten, sondern um Menschenleben‘.“

 

Behandlungen durch Heilpraktiker, deren medizinischer Nutzen nicht eindeutig erwiesen ist, sollten verboten werden können. Krankenkassen dürften solche Leistungen auch freiwillig nicht mehr finanzieren. Das fordert Josef Hecken, der Vorsitzende der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, im Gespräch mit der F.A.Z. „Es sollte den Kassen untersagt werden, Dinge zu bezahlen, für die es keine Evidenz gibt“, sagt Hecken.

Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs müsse eine homöopathische Therapie auch Selbstzahlern verboten werden können, solange die Wirksamkeit nicht mit Studien belegt worden sei. „Da brauchen wir ganz klare Verbote“, sagt Hecken. Schließlich gehe es hier „nicht um Befindlichkeiten, sondern um Menschenleben“. Hecken ist der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte, Kassen und Krankenhäuser. Das Gremium legt fest, welche Leistung die Kassen bezahlen.

Im niederrheinischen Brüggen waren unlängst mehrere Krebspatienten gestorben, nachdem sie von einem Heilpraktiker mit dem Präparat „3-Bromopyruvat“ behandelt worden waren. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ermittelt gegen den Betreiber des „Biologischen Krebszentrums“ wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen. Am Freitag teilte sie mit, der Wirkstoff habe grundsätzlich verwendet werden dürfen, sei aber womöglich verunreinigt oder falsch dosiert gewesen.

Auch der Vorsitzende der Krankenhausgewerkschaft Marburger Bund, der CDU-Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke, hält es für an der Zeit, „die Regelungen des Heilpraktikerwesens völlig neu zu überdenken“. Der F.A.Z. sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein: „Ich halte es nicht für vertretbar, dass Heilpraktiker die Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen übernehmen.“ Überhaupt müsse das Tätigkeitsfeld von Heilpraktikern, etwa bei der Akupunktur oder intravenösen oder intramuskulären Therapien überdacht werden. Henke wandte sich aber dagegen, das Thema mit der Frage der Erstattungsfähigkeit homöopathischer Therapien zu vermengen.

Homöopathische und anthroposophische Arzneimittel können als „OTC“-Präparate seit 2004 grundsätzlich nicht mehr zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Das ist ausnahmsweise zulässig, wenn sie bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen als Therapiestandard gelten. Der gemeinsame Bundesausschuss legt in einer „OTC-Übersicht“ fest, welche Arzneimittel unter diese Regel fallen.

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Abweichend von dieser für alle Kassen geltenden Vorschrift erstatten manche die Kosten für die Behandlung durch Heilpraktiker oder für homöopathische Arzneien freiwillig als „Satzungsleistung“. Nach Übersichten einschlägiger Internetportale bieten zwei Drittel der 118 Kassen solche Leistungen an, darunter sind fast alle großen Krankenkassen. Hecken ist das ein Dorn im Auge. Er argumentiert, dass dies für die Kassen ein reines Marketinginstrument zur Gewinnung neuer Mitglieder sei. Doch würden die Kosten dafür aus dem allgemeinen Beitragsaufkommen aufgebracht. Die Ausgaben für solche Satzungsleistungen nennen die Kassen nicht oder nur ungern, weil sie dem Wettbewerber keinen Einblick in ihre Daten geben wollen. Bei der TK, Deutschlands größter Kasse mit fast 10 Millionen Versicherten, hieß es lediglich, die Ausgaben bewegten sich im Promille-Bereich.

 

Remember: Do X! Don´t do Y!

Protect innocent, respect life, defend art, preserve creativity!

 

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DJ Psycho Diver Sant – too small to fail
Tonttu Korvatunturilta Kuunsilta JSB
Tip tap tip tap tipetipe tip tap heija!
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They want 1984, we want 1776

They are on the run, we are on the march!

I think for food

molon labe

Dummheit ist, wenn jemand nicht weiß, was er wissen könnte.

Political correctness ist, wenn man aus Feigheit lügt, um Dumme nicht zu verärgern, die die Wahrheit nicht hören wollen.

Antisemitismus ist, wenn man Juden, Israel übelnimmt, was man anderen nicht übelnimmt.

Wahnsinn bedeute, immer wieder das gleiche zu tun, aber dabei stets ein anderes Resultat zu erwarten

Gutmenschen sind Menschen, die gut erscheinen wollen, die gewissenlos das Gewissen anderer Menschen zu eigenen Zwecken mit Hilfe selbst inszenierter Empörungen instrumentalisieren

Irritationen verhelfen zu weiteren Erkenntnissen, Selbstzufriedenheit führt zur Verblödung

Wenn ein Affe denkt, „ich bin ein Affe“, dann ist es bereits ein Mensch

Ein Mensch mit Wurzeln soll zur Pediküre gehen

Wenn jemand etwas zu sagen hat, der kann es immer sehr einfach sagen. Wenn jemand nichts zu sagen hat, der sagt es dann sehr kompliziert

 

Stupidity is demonstrated by people lacking knowledge they could achieve

Political correctness can be defined as the telling of a lie out of the cowardice attempt to avoid upsetting fools unwilling to face the truth

Antisemitism is when one blames Jews or Israel for issues, he does not blame others

Craziness is, when one always does the same but expects different outcome

If a monkey thinks “I am a monkey”, then it is already a human

A man with roots should go for a pedicure

Self smugness leads to idiocy, being pissed off leads to enlightenment

If someone has something to say, he can tell it always very easy. If someone has nothing to say, he says it then in a very complicated way.

 

Julian S. Bielicki im WDR-Rundfunkinterview zum Thema Sex

Julian S. Bielicki im WDR-Rundfunkinterview  zum Thema Sex

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B: Ich bin Julian Siegmund Bielicki, ich bin Architekt und Psychotherapeut und ich arbeite als Psychotherapeut seit mehr als dreißig Jahren.

I: Als ich mit Ihnen über unser Thema angefangen habe zu sprechen in unserem kurzen Vorgespräch hatten wir noch nicht über Beispiele aus Ihrer Praxis gesprochen, damit würde ich jetzt gerne anfangen, dass wir so in einem ersten Teil ein bisschen aus der Praxis sprechen. Kommt es häufig vor, dass Sie Patienten oder Patientinnen haben, die davon berichten, dass ihre Ehen sagen wir mal, leidenschaftslos geworden sind?

B: Eine Ehe ohne Sex muss nicht leidenschaftslos sein. Die Menschen lieben sich meistens sehr intensiv. Sie haben nur kein Interesse mehr am physischen Sex.

I: Und das kommt häufig vor?

B: Das kommt immer häufiger vor, weil die traditionelle Funktion von Sex, dass er  Mann und Frau aneinander bindet, abgelöst wird durch Liebe, Sympathie, Wertschätzung. Die Menschen sind sich nicht mehr fremd wie über Jahrtausende und das einzige, was sie gehalten hat, war der Sex und natürlich auch die wirtschaftliche Fürsorge andererseits, sondern die mögen sich.

I: Das ist ja eigentlich eine positive Entwicklung, dass wir uns nicht mehr über das Körperliche zusammenhalten müssen, sondern uns offensichtlich auf anderen Ebenen nahe kommen.

B: Ja, so sehe ich es auch, dass es eine sehr menschliche und humane und kulturell wertvolle Entwicklung ist, dass es nicht nur Sex gegen wirtschaftliche Fürsorge ist.

I: Wenn jetzt aber dieser Tausch aufgehoben ist und nicht beide Partner damit zufrieden sind, sondern ich könnte mir vorstellen, in den meisten Beziehungen könnte da ein gewisses Ungleichgewicht auch herrschen. Ist das nicht eher das Problem, dass sich einer vielleicht noch etwas wünscht, was der andere nicht mehr geben möchte oder ist das immer beidseitig?

B: Also eine Geschwisterchen Ehe ist immer beidseitig. Meistens wird ja Sex nicht als etwas Liebevolles ausgeübt, sondern als eine aggressive Tätigkeit, die auch mit Gewaltphantasien oder Gewaltpraktiken verbunden ist. Wenn die Menschen sich hinsetzen und sich einfach mögen, dann wollen sie es oft nicht, sich gegenseitig zu überfallen, was man so Leidenschaft nennt. Also sozusagen, wer liebt, will nicht unbedingt dem anderen an die Wäsche.

I: Damit widersprechen sie eigentlich jedem gängigen Hollywoodklischee, dass es so gibt, dass man, wenn man sich liebt SELBSTVERSTÄNDLICH auch Sex hat. (lacht)

B: Die psychoanalytische Deutung spricht immer gegen sehr viele Klischees und wird deswegen gemieden und gefürchtet und Hollywood gehört zur Industrialisierung von Sex, das auch seit Hundertausendjahren im Gange ist, dass alles was kommerzialisiert wird, wird sexuell sozusagen appetitlich gemacht. Das weiß jeder Werbefachmann und das hat mit Liebe gar nichts zu tun. Sex sells.

I: Das heißt?

B: Es heißt ja immer, wenn du das kaufst, dann bist du attraktiver, dann bist du sexy. Es wird sehr oft das Wort sexy in anderen Zusammenhängen gebraucht, dass etwas attraktiv ist, dass man es kauft.

I: Das heißt, Sie würden widersprechen, wenn ich sage, es kann keine glückliche Beziehung ohne Sex geben?

B: Also gerade Ihnen würde ich ungern widersprechen, weil Sie eine nette Person sind, aber ich werde es tun.

I: Dann tun Sie das bitte nochmal im ganzen Satz. (lacht)

B: Glücklich zu sein bedeutet nicht, dass man seine triebhaften Bedürfnisse auslebt, sondern dass man darüber reflektiert und sie entsprechend dosiert. Ein glücklicher Mensch wird doch nicht den ganzen Tag trinken und rauchen und saufen. Das Triebhafte ist uns angeboren, aber die menschliche Entwicklung als Kulturwesen, als Mensch, geht von dem Triebhaften zu dem Menschlichen, sonst wären wir Hunde.

I: Das könnte also sein, wenn ich das richtig verstehe, dass wenn jetzt eine Person sagt, mein Problem ist, dass ich keinen Sex mehr mit meinem Partner habe, dass das eigentlich eine Stellvertreterfunktion für eine mangelnde Zufriedenheit auf einer anderen Ebene der Partnerschaft ist.

B: Ja, weil da meistens die Angst mitspielt, dass der andere gar nichts anderes will, als nur Sex und sonst sei der Mensch bedeutungslos. Und daher entsteht die Panik, wenn kein Sex, dann läuft der andere weg.

I: Und was können wir dann stattdessen tun?

B: Zum Beispiel ein Buch lesen, wie wäre es damit?

I: Und eine vielleicht mehr gemeinsame Tätigkeit? Was können Sie einem denn raten, also wenn ich jetzt Ihre Patientin wäre (lacht)

B: Zum Beispiel (lacht) miteinander REDEN. Aber dazu muss jemand auch was erzählen können und damit er was erzählen kann, muss er sich für vieles interessieren und das wofür er sich interessiert, muss für den anderen auch interessant sein. Wenn Menschen sich für ihre Welt interessieren und sich darüber unterhalten, dann gibt ihnen die Realität den größten Kick. Ich sage manchen Menschen, die nach irgendetwas süchtig sind und da gibt es auch die Sexsüchtigen, dass das reale Leben den größten Kick gibt.

I: Jetzt ist es doch so, dass, wenn sich zwei Menschen kennenlernen, es doch oft diese körperliche Attraktivität erst mal beginnt und das hört sich jetzt so an, als müssten wir unsere Beziehungen irgendwann auf eine Art Prüfstand stellen, in dem Moment, wo der Sex weniger wird und der wird glaub ich, ich hatte irgendwo gelesen, dass er nach zwei bis fünf Jahren bei jedem Paar abnimmt. (lächelt)

B: Weil die Sexualität, die triebhafte, so angelegt ist, dass sie der Natur zu dem Zwecke dient, Fremde zusammenzuführen. Also sobald sich zwei Menschen vertraut geworden sind, ist der sexuelle Reiz nicht mehr da. Die Natur, die will möglichst fremde Exemplare zusammenführen, damit die genetische Auswahl möglichst vielfältig ist, also gerade das Vertrauen, Sympathie, Liebe löscht dieses Gefühl aus und dann passiert es wie in der Geschichte, dass der Mann nach Hause kommt und die Frau zieht ihn ins Schlafzimmer und er sagt „Entschuldige, aber ich bin so müde, ich kann nicht an eine andere denken.“

I: (Pause) Wie zufrieden sind Ihre Patienten und Patientinnen damit, wenn sie vielleicht Tipps erwarten, um ihr Sexualleben wieder zu beleben und Sie sagen, dass man eigentlich wo anders suchen muss? Haben Sie das Gefühl, dass so was gerne aufgenommen wird?

B: Ja.

I: Ja?

B: Ja, sehr gerne. Es ist ja ein Ausweg, es ist eine Erlösung und die Menschen sehen dann das Ergebnis. Also zum Therapieende gehört auch gewisse Zufriedenheit, dazu gehört natürlich auch eine Auswahl von Patienten, die dazu fähig sind. Das können sie natürlich einem völlig ungebildeten Menschen nicht erklären, weil für den ist eben Sex das Paradies, in dem 74 Jungfrauen unter Umständen auf ihn warten und sonst gar nichts. Es gibt Menschen, die heiraten, ohne dass sie die Person gesehen haben. Es gibt massenhaft Heiraten, bei denen der Mann die Frau erst nach der Hochzeit sieht. Also er kauft die „Katze im Sack“. Er hat nur die Vorstellung von einer Erfüllung, denn er liest kein Buch, er interessiert sich für sonst gar nichts, außer Geld verdienen und poppen.

I: (lacht)

B: Und das ist die menschliche Kultur. Da hätten wir nicht von den Bäumen runtergehen müssen, da hätten wir auch auf ihnen bleiben können.

I: Jetzt hört sich da so an, deswegen muss ich nochmal nachfragen, als wenn Sex eine Sache der Bildung wäre, bzw. Sexlosigkeit zu akzeptieren ist eine Sache der Bildung.

B: Ja, weil nur die Bildung und die Kultur ein reizvollerer Ersatz für das Triebhafte ist. Nicht nur für Sex, sondern auch für Aggressionen. Damit sich die Menschen nicht die Kehlen durchschneiden, müssen sie womöglich Fußball spielen oder Tennis oder Eishockey. Etwas, was die Aggressionen ausleben lässt, aber nicht zum Tod des anderen führt. Es gibt ja zwei Triebe, den aggressiven und den sexuellen.

I: Nun führt ja Sex nicht unmittelbar zum Tod.

B: In der Phantasie sehr oft.

I: Erklären Sie das genauer bitte.

B: Naja, für die Frauen ist es reizvoll zu sehen, dass der Mann für gewisse Zeit, halbe Stunde oder eine Stunde durch den sexuellen Akt  impotent geworden ist. Es ist also ein Akt der Kastration und wenn sie die Worte nehmen, die Männer für den sexuellen Akt benutzen, dann haben Sie von Nägeln und Schrauben und was weiß ich, alles Mögliche, was in der Phantasie durchaus gewalttätig und tödlich ist. Und wenn es Psychopathen gibt, die eben keinen kulturellen Überbau haben, die machen es tatsächlich so.

I: Jetzt sagen Sie, man muss im Grunde genommen, man muss den Sex einfach nur ersetzen oder einfach nur vielleicht nicht, aber man muss einfach gemeinsame Interessen entwickeln. Was ist denn jetzt, wenn ich jetzt ganz frech sage, unser gemeinsames Interesse ist jetzt der Sex?

B: Von wem?

I: Na nicht von mir (lacht) sondern allgemein, jemand sagt Ihnen, ja das ist aber unser gemeinsames Interesse.

B: Naja, dann ist die Menschheit verloren, wenn dass das gemeinsame Interesse ist, kaufen, kiffen, Drogen nehmen, sich besaufen und Sex. Ja das ist dann das Ende der Kultur, das ist dann  eine Entwicklung rückwärts.

I: Aber bei Ihnen hört sich das so negativ an. Also Sex steht jetzt in einer Reihe mit verschiedenen Süchten, die den Menschen zerstören. Ist für Sie Sex wirklich so zerstörerisch?

B: Ja. Er ist zerstörerisch. Wissen Sie, die Verdauung ist konstruktiv. Das tut dem Menschen gut, aber der Sex macht die Menschen verrückt. Also im sexuellen Akt sind die Menschen wie auf Heroin und die meisten Männer sind eben sexsüchtig und die meisten Frauen sind die Drogendealer. Und das ist ja keine schöne Sache.

I: (…) Versteh ich Sie richtig, dass es eigentlich ein Glück ist sich daraus zu befreien?

B: Aber in welche Richtung, also nicht so, dass man auf Sex verzichtet und sonst nichts als Ersatz hat. Dann wird man verzweifelt sein, sondern, dass man Interessanteres im Leben findet als Sex. Aber das wird der ganzen Wirtschaft total widersprechen.

I: Ja, was sind denn unsere Vorbilder, was wird uns denn als Vorbild gegeben?

B: Wem? Von der Wirtschaft. „Kauf, dann bist du attraktiv und bist begehrt“. Aber Liebe und Begehrlichkeit sind zwei Paar Schuhe und man wird nicht begehrt. Ja, da werden doch haufenweise Silikon, Botox, Unterlieder-, Oberlieder, Popostraffung, Penisverlängerung, alles Mögliche wird gemacht und der Mensch wird nicht attraktiver. Denn wissen Sie, ein Buch ist nicht durch seinen Umschlag attraktiv, sondern durch den Text und der Mensch hat auch einen Text oder auch nicht. Aber indem man den Umschlag glänzend macht, wird das Buch nicht interessanter.

I: Jetzt hört sich das für mich aber immer so ein bisschen an, und deswegen muss ich da nachfragen, nach so einer Zweiklassengesellschaft, nämlich die einen, die sich dann der Bildung zuwenden, das Buch lesen, andere Themen finden und denen, denen vielleicht aus begrenztem Horizont heraus, das nicht zur Verfügung steht und die sozusagen schon fast verdammt sind beim Sex zu bleiben. Versteh ich das richtig?

B: Nein, weil die Kultur jedem zur Verfügung steht. Das billigste ist die Kultur. Ein Buch, eine Bibliothek, ein Besuch im Museum, im Theater, sind die billigsten Angebote, die gemacht werden, aber es ist mühsam, sich zu bilden.

I: (Verständnis zeigend)

B: Sex ist ohne großen Aufwand möglich, aber Bildung ist aufwendig und das ist nicht so, dass es den Menschen nicht zur Verfügung steht. Das steht  mindestens in Europa allen Menschen zur Verfügung. Aber die meisten haben keine Lust drauf. Was hören wir denn täglich: „Ich habe keine Lust zur Schule zu gehen“, „Ich habe keine Lust zu studieren“. Mir sagen viele Patienten, ich habe keine Lust zu studieren, also Studenten. Dann sage ich, dann studieren Sie ohne Lust. Geht doch auch. Es geht darum, dass Sie was lernen und was leisten. Lust alleine, die Leute sind schon zu faul zu kauen. Die wollen irgendwelche pampigen Brote, weil sie keine Lust haben ein Dinkelbrot zu kauen. Und Sex muss auch sofort sein. Dann haben wir „Elite Partners“ und „Parships“ und das muss innerhalb einer Stunde geschehen. Das ist doch nicht gut.

I: Steuern wir da so ein bisschen auf den Zenit zu, weil wenn Sie jetzt auch von der Aggressivität im Sex reden und man gleichzeitig, im Spiegel war ein langer Artikel zu lesen, dass es auch in der Pornoindustrie usw. immer brutaler wird und immer mehr abgefordert wird auch von den Darstellern. Steuern wir auf den Zenit zu und wird so eine Art oder sehen Sie da irgendwie, dass es so eine Art Peak geben kann, einen Höhepunkt geben kann, wo das Ganze auch so ein bisschen in sich zusammenbricht und wir vielleicht wieder zu Werten der fünfziger Jahre zurückfinden?

B: Naja, in den fünfziger Jahren waren doch edle Westernhelden und Heinz Ehrhardt, der sich rührselig um irgendein Mädchen gekümmert hat. Die fünfziger Jahre waren prüde. Aber die Entwicklung der Menschheit ist so, dass das was der Mensch geschaffen hat, dass er ein Individuum ist, das wird abgebaut. Also die Leistung der Evolution war, dass der Mensch von anderen getrennt ist. Aber jetzt ist er verbunden. Er verwandelt sich in den Urbrei, also in einen Schwarm, ohne Führung, aber trotzdem wechselt er die Richtung. Alle gehen in diese Richtung, haben dreitausend Freunde auf Facebook. Es wird weitergehen, weil irgendwann jedes Kind hat das Facebook, I-Pod, I-Pad und I-Phone im Milchzahn. Und wenn dann der Milchzahn ausfällt, dann hat er eben I-Phone 23. Diese VERBINDUNG ist eine Regression. Der Mensch wird geboren und dann wird die Nabelschnur getrennt. Aber ich habe ja auch Patienten, die in Depressionen verfallen, wenn die Kinder aus dem Haus sind, weil sie 20 Jahre mit den Kindern geschmust haben und haben sich in so einer wohligen Wärme gefühlt und nun sind die Kinder weg und sie sind einsam. Und da sage ich so einer Mutter, die wahren Pädophilen sind die Mütter, weil die so viel mit den Kindern schmusen, dass sie die Männer vergessen.

I: Na gut, aber jetzt, wenn wir jetzt sagen, wir haben jetzt keinen Sex mehr mit unserem Partner, sondern stattdessen finden wir gemeinsame Interessen, das spricht ja nicht dagegen, dass wir mit unserem Partner schmusen oder sage ich mal Küsse austauschen, im liebevollen Umgang.

B: Es spricht überhaupt nichts dagegen, dass Menschen Sex haben, aber es soll nicht das Wichtigste im Leben sein. Es ist ja auch nichts dagegen zu sagen, wenn jemand eine Zigarette raucht, aber doch nicht den ganzen Tag und die ganze Nacht. Aber die Mehrheit der Menschheit sieht da die Erfüllung ihrer Existenz, dass sie einen Sexpartner finden und ein paar Kinder machen und das ist alles. Ganz Afrika und Asien und Südamerika leben ja so. Die Bevölkerung von Afrika hat sich in den letzten zehn Jahren, glaube ich, um 30% vermehrt.

I: Vielleicht ist das ja auch einfach menschlicher, als das Buch zu lesen. Ich weiß es nicht.

B: (…) Menschlicher?

I: Ja, weil Sie sagen, dass es irgendwie, man muss oder man muss nicht, aber man kann sich da entwickeln, aber wenn da sozusagen der Großteil der Welt es nicht tut, vielleicht ist es auch ein Zeichen dafür, dass dieser Urtrieb auch stärker ist.

B: Es kommt darauf an, wie menschlich ein Mensch ist. Für den einen ist sein Ich und seine Vernunft stärker, als der Trieb und bei dem anderen ist die Vernunft sehr schwach und dann ist der Trieb sehr stark. Und dass die Mehrheit so ist, das ist keine Qualität.

I: Jetzt muss ich nochmal auf eine Sache, die ganz praktisch ist, eingehen, weil ich eben auch gelesen hab, dass es eben bei den meisten Paaren so ist, dass dieser Wunsch nach der Sexualität abnimmt. Zum einen würde mich interessieren, wenn da nun jemand sitzt und sagt, ja der Wunsch ist weg und eigentlich tut es uns beiden auch jetzt gar nicht so weh und eigentlich geht es uns ganz gut, nun wollen wir aber Kinder haben. Gibt es da tatsächlich nicht irgendetwas was Sie raten, wo Sie sagen, gut also jetzt mal fernab von „jetzt machen Sie sich es mal romantisch und zünden eine Kerze an“. Glauben Sie, dass man so was allein schon für einen Kinderwunsch doch wiederbeleben kann?

B: Es werden doch immer mehr Schwangerschaften künstlich erzeugt. In einer Zeit, in der die Menschen für alles ein Upgrade und ein Update haben wollen, werden zunächst die Gebärmütter fit gemacht und dann werden die Spermien in einer Art von Laufband fit gemacht und dann werden sie ärztlicherseits zusammengeführt und dann ist die Frau schwanger. Die Evolution, die geht diesen Weg. Wie Sie wissen, wegen Nichtgebrauch ist Menschen der Schwanz hinten abgefallen und er wird auch vorne abfallen. Und irgendwann gehen die Frauen in einen Zeitungskiosk und da gibt es so wie BIC Feuerzeuge alle möglichen Sperma-Mischungen und sie können sagen, „“ich möchte gerne ein Kind blond und groß und klug“ und der andere will einen der sportlich ist und die Männer wird es im Zoo geben und da werden sie im Käfig Bier trinken und Fußball spielen. Das ist die Entwicklung.

I: Meinen Sie, wir werden den Sex überleben sozusagen?

B: Naja klar.

I: Können Sie mal das noch als ganzen Satz sagen?

B: Natürlich werden wir den Sex überleben. Frau Ministerin Schröder spricht schon von das Mensch. Also der Mensch und die Menschin sind Vergangenheit, es kommt das Mensch. Der Mann als Teletubby.

I: Herr Bielicki, ich danke Ihnen sehr. Leider ist unsere Zeit schon fast zu Ende. Ich könnte mich noch ewig mit Ihnen unterhalten und ich hab eigentlich auch noch ganz viele Fragen, aber ich glaube jetzt, für jetzt und hier und für den Beitrag reicht es. Jetzt ist es so, dass man manchmal, wenn man im Studio sitzt, so ein bisschen betriebsblind ist und die wichtigste Frage nicht stellt, von der Sie die ganze Zeit seit einer halben Stunde denken, dass fragt sie doch bestimmt gleich. Wenn es da eine gibt, dann machen Sie mich ruhig darauf aufmerksam.

B: Naja, da ist die Frage, welche Kasse?

I: Wie bitte? (schmunzelt)

B: Welche Versicherung.

I: (lacht) Muss ich das jetzt verstehen?

B: Eine Frage in meiner Praxis ist immer, wie sind Sie versichert?

I: Das ist richtig. Gibt es noch eine Frage zum Thema, die sie gerne gestellt bekommen hätten von mir? (lacht)

B: Da haben Sie mich überrascht, dass ich auch fragen darf.

I: Nein, wenn Sie jetzt sagen, dass ist irgendwie was das gehört zum Thema unbedingt dazu oder eine Studie von der Sie sagen, die war für Sie besonders aussagekräftig,  von der weiß ich nichts. Dann können Sie mich jetzt noch darauf hinweisen.

B: Naja, die Psychoanalyse arbeitet mit Deutungen, weil für den Menschen die Bedeutung von etwas ausschlaggebend ist. Es gibt für den Menschen nichts, was er an sich macht, sondern er wird durch die Bedeutung, die er einer Tätigkeit oder Sache beimisst, gelenkt. Und daher gibt es für den Menschen keinen reinen triebhaften Sex, sondern damit ist eben die Bedeutung verbunden, vor allem die Narzisstische wie wichtig man ist, wie toll man ist. Dass man begehrt wird und daher wird es gemacht, aber wenn die Menschen sich sowieso die Wertschätzung geben, dann verliert es diese Eigenschaft und dann brauchen sie es nicht.

I: Das ist gut, dass Sie es jetzt nochmal so ausgedrückt haben. Das war ja auch ein Punkt, den wir im Vorgespräch hatten, mit dem Narzissmus, der mit dem Sex einhergeht.

B: Der Narzissmus, der geht mit allen, ja ich sitze hier im Studio, bin ein wichtiger Mensch, ist doch auch eine wichtige Sache und Sie sind eine Journalistin. Sie sind auch wichtig. Die Menschen neigen nicht zur Bescheidenheit, wie der Goethe aber sagte „Nur die Lumpen sind bescheiden, brave freuen sich der Tat.“

I: Das ist ein schönes Abschlusswort. (lacht) Ich danke Ihnen sehr. Ich wünsche Ihnen einen guten Heimweg. Ich hoffe, bei Ihnen ist es nicht so glatt und Sie kommen auch gut wieder zurück.

B: Jawohl und für Sie auch alles Gute.

I: Danke, ich melde mich bei Ihnen.

B: Gerne, Tschüss!

I: Tschüss.

2013 © by Julian S. Bielicki

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Das Mensch

Nach der Gleichstellung kommt jetzt die Diversifikation.

Von Henryk M. Broder

 

Vor fünfzig Jahren, also um 1960 herum, produzierte VW vier Modelle. Den Käfer (Typ 1), den VW 1500 (Typ 3), den Karmann-Ghia (Typ 14) – ein Coupé bzw. Cabriolet –, und einen Kleintransporter (Typ 2), der als «Bulli» berühmt wurde. Heute stellt VW zwei Dutzend Modelle her, die es in über hundert Untervarianten gibt. Man nennt diese Entwicklung ­Diversifikation, sie findet in ­allen Bereichen statt, bei Autos, Computern, Kaffeemaschinen und Mobiltelefonen.

Nun hat die Diversifikation auch das Produkt Mensch erreicht. Einerseits werden die Menschen immer gleicher, egal, woher sie stammen («Kein Mensch ist illegal!») und was sie leisten («Bedingungsloses Grundeinkommen für alle!»). Andererseits wird immer stärker diversifiziert. Gab es vor fünfzig Jahren nur Frauen und Männer, so gilt die Geschlechtszugehörigkeit heute nicht als biologische Tatsache, sondern als ein «soziales Konstrukt». Man ist nicht Mann oder Frau, man wird erst im Laufe des Lebens dazu gemacht. Dementsprechend kann man es sich aussuchen, ob man Frau oder Mann oder etwas ganz anderes sein möchte. Auf Facebook ist vor kurzem eine Liste mit 56 neuen gender options erschienen. Macht alles in allem 58 Möglichkeiten, sich über das Geschlecht zu definieren.

Für junge Menschen, die angesichts dieser Vielfalt so überfordert sind wie vor 25 Jahren ein Bürger der DDR an der Käsetheke in einem Westberliner Feinkostladen, hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ein «Portal für Trans*, Inter* und genderqueere Jugendliche» eingerichtet, das sich «an Menschen zwischen 12 und 27 Jahren» richtet, damit sich diese über ihr «Geschlecht» und ihre «Identität austauschen und informieren können»: «Wer bin ich, wer will ich sein?» Wer darüber mehr wissen möchte, als ihm ein Blick in den Spiegel verrät, dem «werden ­Anlaufstellen in ganz Deutschland empfohlen».

So weit, so gut. Wie aber werden demnächst Sportwettbewerbe aussehen? Reine Frauen- und Männermannschaften dürfte es nicht mehr geben. Werden dann die Agender gegen die Cisgender antreten? Die Bigender gegen die Pangender? Die Neither gegen die Neutrois?

Auch auf diese Fragen wird die Antidiskriminierungsstelle des Bundes mehr als eine Antwort finden.

http://www.weltwoche.ch/index.php?id=551845

Ben Zaza’nin ögretmeniyim – Ich bin ein Lehrer von Zaza

Ben Zaza’nin ögretmeniyim

von Julian S. Bielicki

mohammed

 

Das schönste am Judentum ist der Schabbes und das Verbot an diesem Tag zu arbeiten. Nichts zu tun, sich gut gehen zu lassen, den Schöpfer zu preisen und das Leben zu genießen. Was für eine Wonne! Andere müssen nach Indien oder Tibet reisen, teure Kurse absolvieren, meditieren, in sich gehen, ihr inneres Kind entdecken, sich spiegeln, klopfen, weiß der Teufel was noch alles lernen müssen, was der gemeine Jude von Kind auf kann, und zwar: nichts tun!

Am Schabbes gehe ich zu meinen muslimischen Friseuren, zum Teil sind es Türken und zum Teil Araber. Dort bekomme ich eine Tasse wunderbaren Kaffee und es wird an meinem haarlosen Kopf gewerkelt, was das Zeug hält. A mecyje!

In der Münchner Straße in Frankfurt sind alle möglichen Geschäfte aus der ganzen Welt, aus dem Orient, Afrika, Asien, Südamerika, es gibt dort viele Friseursalons und alle sind türkisch, es arbeiten dort aber außer Türken auch Araber. Alle in dieser Straße sind sehr nett und freundlich, obgleich ich in der Freizeit mein israelisches Freizeitjäckchen trage, mit deutlich sichtbaren hebräischen Schriftzügen israelischer Friedensaktivisten,

zahal-2013

habe ich dort noch nie ein an mich gerichtetes unfreundliches Wort gehört, im Gegenteil, viele werden angesichts eines Juden in dieser Straße noch freundlicher als sonst, was vieles bedeuten kann, nicht nur Nettes. Wenn Mohammed mir meinen obligatorischen Kaffee bringt, sage ich manchmal „Du sollst nicht zwei Mal in meinen Kaffee spucken, der Kaffee  wird dann zu dick!“, worauf er lachend versichert, er hätte so etwas nie getan. Ich sage dann „Mohammed, ich bin schon froh, wenn Du in meinen Kaffee nicht pisst“ und wir lachen beide herzhaft zusammen. Es sind alles richtig gute Kerle.

Dort arbeitet auch Muro, ein Lehrling, der erst vor einigen Jahren aus Anatolien, aus der Region Zaza, zu seinen Eltern gekommen ist, die bereits länger in Frankfurt leben. Muro ist ein aufgeweckter, freundlicher  junger Mann, der wie vierzehn aussieht, weil er nur etwa 150 cm groß ist, tatsächlich jedoch ist er schon neunzehn Jahre alt. Da Muro sehr gut erzogen ist, fragt er mich nach der Begrüßung nach meinem Befinden, Gesundheit und nach dem Befinden meiner Eltern und Geschwister, meiner Frau und Kinder. Ich frage dann, weil es sich so gehört, auch nach der Gesundheit seiner Eltern und seiner Geschwister (Frau und Kinder hat Muro noch nicht.) Und da sagte mir Muro einmal, daß seine Eltern seit einigen Wochen auf einer Pilgerfahrt nach Mekka sind. Und ich fragte Muro, in welchem Land Mekka liegt. Und Muro antwortete, Mekka würde in Südamerika liegen. Das hat mich sehr erstaunt. Ich fragte nochmal und Muro hat mir versichert, daß seine Eltern auf dem Weg nach Südamerika, nach Mekka sind. Da Muro weder gut deutsch spricht noch versteht, bat ich Ugur, den Chef des Unternehmens, Muro aufzuklären, daß Mekka in Saudi-Arabien, nicht in Südamerika, liegt. Als Ugur das gehört hat, ist er fast explodiert, er schrie und gestikulierte wie ein Wilder, dabei hielt er ein Rasiermesser in der Hand, wie Muro denn nicht wissen könne, wo Mekka liegt?! Armer Muro! Er hat die Volksschule in Zaza besucht und jetzt lernt er deutsch an der Volkshochschule in Frankfurt. Leider kann niemand Zuhause ihm bei den Hausaufgaben helfen, denn seine Familie beherrscht bis heute kaum Deutsch, und die Friseure in der Münchner Straße auch nicht. Der Junge tat mir leid und seither mache ich mit ihm samstags nach dem Friseur seine Hausaufgaben. Das klappt ganz gut, er ist intelligent und fleißig und war nach unserer Nachhilfestunde der beste in seiner Klasse. Ich möchte nicht wissen, wie das Lernniveau dieser Klasse ist. Heute jedoch kam ich etwas später, und da zu meinem Samstagsprogramm nach dem Friseur ein kleines Essen im besten vietnamesischen Restaurant der Stadt dort um die Ecke gehört, habe ich Muro mit in das Restaurant genommen, sonst wäre es für den Vietnamesen zu spät geworden, er hätte dann schon zu. Wir haben seine Hausarbeiten gemacht und damit ich nicht alleine esse, habe ich auch etwas Kleines für Muro bestellt. Muro hat noch nie ein asiatisches Restaurant gesehen und fragte, was das für ein Restaurant wäre? Ich sagte, ein vietnamesisches. Was ist das, fragte Muro. Vietnam, sagte ich, das ist ein Land, es liegt bei China. China? – fragte Muro, was ist das? A ja, da sind wir wieder, Islam ist eine Religion der Liebe und Bildungsferne der aus islamischen Ländern Angereisten sei Rassismus. Ich bat Muro, bis zum nächsten Samstag im Internet zwischen den vielen dicken Titten, die er dort anschaut, auch nach China zu googeln und sich anzuschauen, wo China liegt. Daß China ca. 1,4 Milliarden Einwohner hat, beeindruckte Muro sichtlich. Er hat noch nie mit Stäbchen gegessen, der schlaue Kerl hat es aber nach kürzester Zeit gelernt. Er wird ein guter Friseur! Muro fragte, warum Die mit Stäbchen essen? Meine Erklärung, daß fast 1,5 Milliarden Chinesen sonst verhungern würden, wenn sie alle mit Löffeln essen würden, hat Muro überzeugt. Nachdem wir mit seinen Hausarbeiten fertig waren, erzählte Muro, daß bald das Kurban Bayramı gefeiert wird. Ich fragte ihn, ob er wisse was da gefeiert wird? Da musste Muro wieder passen. Das hat der Imam nicht erklärt. Wer Abraham bzw. Ibrahim war, wusste Muro auch nicht. Keine Ahnung, war seine Antwort. Daß Abraham einer der islamischen Propheten ist, wusste Muro nicht. Von der Opferung Isaaks und daß daher das Kurban Bayramı herkommt, das wusste Muro nicht. Obgleich er jeden Freitag in die Moschee geht und fünf Mal am Tag betet. In Richtung Mekka, ohne zu wissen, wo Mekka liegt. Ajajaj. War Ibrahim ein Muslim?  Fragte mich Muro. Nein, er war ein Jude. Was, ein Jude?! – staunte Muro. Ja, ja, viele eurer Propheten waren Juden. Das wußte Muro nicht, das hat ihm der Imam nicht erzählt. Ich wollte das Gespräch auf ein Thema bringen, das Muro bekannt sein müsste. Mustafa Kemal Pascha Atatürk. Nichts. Muro weiß nichts über Atatürk. Er sagt, daß früher bei ihm in der Schule und in der Stadt wo er wohnte, überall Bilder von Atatürk hingen, aber jetzt gibt es keine mehr. Er wisse nicht, warum es so heute ist. Aha. Aber ich weiß, warum es so heute ist. Erdogan, ist die Antwort. Ich habe ein Bild über den großen Mann, der die Türkei begründet und gerettet hat, gemalt,

Canakkale  2010 © by Julian S. Bielicki oil in canvas 73x150cm

“Çanakkale” –  2010 © by Julian S. Bielicki oil on canvas 73x150cm

und wollte es bei Ugur und Mustafa in ihrem Friseur-Salon aufhängen. Nein, es geht nicht. Obgleich beide Atatürk-Anhänger sind, werden sie kein Bild von Atatürk aufhängen, denn das wäre schlecht für das Geschäft. Mohammed meint, Atatürk wäre ein Hitler, und sie haben viele islamistische Kunden, die dann nicht mehr zu ihnen zum Haareschneiden kämen, Die Kurden würden Atatürk auch hassen. Ich werde das Bild demnächst in dem besten griechischen Restaurant in Frankfurt aufhängen, denn Dimitri hat nichts gegen Atatürk. Da an derselben Straßenkreuzung, an der sowohl meine Friseure als auch der Vietnamese sind, eine türkische Buchhandlung, Türk Kitabevi liegt, schlug ich Muro vor, dahin zu gehen, ich würde ihm ein Buch auf Türkisch über Atatürk kaufen. Also sind wir dahin. Eine üppige Buchhandlung. Große Auswahl an Büchern. Haben Sie ein Buch über das Leben von Atatürk? Nein. Nein? Nein. Aha. Dann vielleicht ein Buch über die Geschichte der Türkei? Auch nicht. Kein Buch über die Geschichte der Türkei? Nein. Der Besitzer wird im Ton immer unfreundlicher, ohne ein Wort zu sagen, öffnet er die Eingangstür, stellt sich davor auf die Straße, als ob er Muro und mich rauswerfen möchte. Offenbar ist bereits die Frage nach einem Buch über Atatürk in einer türkischen Buchhandlung, die zum Teil nur Bücher über Islam und zum Teil Liebesromane anbietet, eine Herausforderung. Muro und ich gehen heraus, und Muro schreit „Ich gehe da nicht mehr hin, wissen Sie was sie (die Verkäuferin) zu mir gesagt hat? Wissen Sie was sie gesagt hat? „Verschwinde von hier, geh fort aus dem Laden!“ hat sie  zu mir gerufen!“ Ich beruhige Muro, gebe ihn in Obhut seines Dienstherren und verspreche Muro, per Internet ein Buch auf Türkisch über Atatürk zu besorgen. Mir reicht es. Macht nur so weiter in eurem Lula-Land mit der Verleugnung der Realität. Neulich hat eine Patientin zu mir gesagt: „Sie sind unfair, Sie argumentieren mit Fakten“.

 

2013 © by Julian S. Bielicki

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